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Madagaskar

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In der Nacht zum 22. April 2017 wurde der Kapuzinerpater Lucien Njiva (46) in Ambendrana Antsohihy auf Madagaskar ermordet, als Banditen versuchten, die Kirchenglocke zu stehlen. Ein junger Diakon löste Alarm aus, als er sah, dass Diebe über die Klostermauer gestiegen waren. Pater Lucien kam dem jungen Mann zu Hilfe, der bereits von den Banditen festgehalten wurde. Als die Diebe Pater Lucien sahen, erschossen sie ihn mit ihren halbautomatischen Gewehren.

Immer wieder kommt es in Madagaskar zu Raubüberfällen auf Kirchen und Pfarreien, um die Kirchenglocken zu erbeuten. Die Diebe schmelzen sie anschließend ein, um das Metall auf dem Schwarzmarkt zu verkaufen.

Glocken sind ein wichtiges Symbol für das Christentum. Sie läuten nicht nur, um zum Gottesdienst einzuladen, sondern sind auch ein sichtbares Zeichen der christlichen Präsenz. In vielen Teilen der Welt ist deren Nutzung nicht erlaubt. Beten wir dafür, dass die christliche Tradition des Glockenläutens bestehen bleibt oder möglich wird.

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Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara von Port-Bergé im Norden von Madagaskar spricht in einem Interview, das anlässlich seines Besuchs am 20. Februar am Hauptsitz des weltweiten Hilfswerks KIRCHE IN NOT geführt wurde, über die Herausforderungen für die Kirche in seinem Land, zu denen sowohl die Islamisierung der Insel als auch der Einfluss der Hexerei gehören. Das Interview führte Amelie de La Hougue.

KIRCHE IN NOT: Sind die Christen, die ja die Mehrheit im Land ausmachen, auf der gesamten Insel präsent?

Mons. Georges Varkey: Ihre Präsenz ist von Diözese zu Diözese sehr unterschiedlich. Der Katholizismus ist besonders in der Hochebene verbreitet. Die Region wurde ja vor 160 Jahren evangelisiert. Aber in meinem Bistum ist das nicht der Fall: Von den 800 000 Einwohnern sind nur 25 000 bis 30 000 Katholiken, und dann gibt es noch einige wenige Gläubige anderer Glaubensrichtungen. Fünfundneunzig Prozent der Bevölkerung meines Bistums können jedoch als Animisten bezeichnet werden.

Ist unter der Bevölkerung die Hexerei immer noch stark verbreitet?

Ja, sehr sogar! Wegen des Glaubens an die Hexerei ist es mir verboten, bestimmte Dörfer zu betreten. Ein Beispiel: In ein Dorf meiner Diözese, in das ich nicht gehen kann, kam eine Frau, um Katechismus-Unterricht zu geben. Ihr Haus wurde zweimal niedergebrannt. Sie musste umziehen. Die Hexerei ist in den Dörfern im Urwald immer noch allgegenwärtig; aufgrund der mangelnden Bildung wissen es die Menschen nicht anders.

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara
Wie sind die Beziehungen zum Islam?

Früher war das Verhältnis zu den Muslimen gut. Seit einiger Zeit treten jedoch Islamisten auf. Wir werden mit der Islamisierung des Landes konfrontiert. Die Zahl der Muslime nimmt stark zu: Früher gab es nur Komoren, Pakistanis und einige wenige madagassische Muslime, aber jetzt kommen Islamisten aus dem Ausland, wie, wissen wir nicht. Außerdem gibt es Rekrutierungen im Land. Überall werden Moscheen gebaut, und mit der Regierung besteht eine Vereinbarung über den Bau von 2400 (!) Moscheen. In meiner Diözese gibt es beispielsweise keine Muslime, aber es werden viele Moscheen gebaut. Die Muslime kommen auch, um Menschen zu bekehren. Sie eröffnen Koranschulen und geben den Kindern Stipendien, die zu ihnen kommen. Wir haben auch erfahren, dass an den Universitäten junge, nicht muslimische Frauen drei Euro pro Tag dafür erhalten, die Burka zu tragen. Sie nutzen die Armut der Menschen aus, vor allem der Studenten, die Geld brauchen! Hier leben 85% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Was ist heute die größte Herausforderung für die Kirche in Madagaskar?

Für uns besteht eine der wichtigsten Herausforderungen in der Bildung. In meinem Bistum sind etwa 70% der jungen Menschen Analphabeten, weil es in der Nähe keine Schulen und nicht genügend Transport- und Verkehrsmittel gibt. Ich versuche, Ordensgemeinschaften dazu zu bewegen, zu uns zu kommen. Aber es ist schwierig. Dreiundfünfzig Prozent der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Wir wollen junge Menschen ausbilden, um ihnen ihre Würde zurückzugeben, um ihnen zu helfen, Arbeit zu finden, um ihnen zu helfen, damit sie ihrerseits dann ihre Kinder besser erziehen können. Wir wollen mit ihnen über Gott sprechen, ihnen helfen, ihre Berufung zu finden … Aber es ist schwierig, Lehrer zu finden, die bereit sind, in abgelegene Gebiete zu ziehen.

Stimmt es, dass in Ihrem Land auch viel Korruption herrscht?

Ja, die Korruption ist etwas Schreckliches. Die Regierung hat zu deren Bekämpfung Pläne aufgestellt. Dies erweist sich jedoch als schwierig, weil sie fest in der Gesellschaft verankert ist …

Andererseits versuchen wir, gegen die sogenannte „Volksjustiz“, also Selbstjustiz, zu kämpfen. Obwohl die Armut in den Großstädten abnimmt, wird sie in den Dörfern großer. Deshalb kommt es manchmal dazu, dass jemand wegen des einfachen Diebstahls eines Huhns von den anderen Dorfbewohnern gelyncht wird. In der Kirche arbeiten wir daran, durch unsere Predigten, durch die Verbreitung des Katechismus und auch durch die in allen Diözesen vertretenen Ausschüsse für Gerechtigkeit und Frieden den Menschen Bildung zu geben. Wir versuchen, den Madagassen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben, so nahe wie möglich zu sein, um ihnen zu helfen und ihnen Hoffnung im Kampf gegen die Korruption zu geben.

Madagaskar plant, 100 Millionen Bäume zur Bekämpfung von Naturkatastrophen zu pflanzen.

Ja, denn in Madagaskar haben wir es mit zwei Extremsituationen zu tun: Überschwemmungen im Norden (in meinem Bistum wurden kürzlich 1600 Häuser dadurch beschädigt) und Dürren im Süden. Die Kirche und die Regierung ermutigen die Menschen, Bäume zu pflanzen, um gegen die Abholzung der Wälder anzugehen. So soll beispielsweise auf dem Land, das für die Feier der großen heiligen Messe mit dem Papst im vergangenen September zur Verfügung gestellt wurde, eine Baumschule eingerichtet werden. Ich ermutige das madagassische Volk, Obstbäume, aber auch Reis, Maniok usw. zu pflanzen, damit es sich selbst ernähren kann.

Hat der Besuch von Papst Franziskus im vergangenen September Hoffnung geweckt?

Der Papstbesuch war wirklich ein Segen für das ganze Land. Menschen aller Konfessionen wollten den Heiligen Vater hören, sogar diejenigen, die der Kirche kritisch gegenüberstanden. An der Messe nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Alle vergaßen in seiner Gegenwart ihre Probleme; sie erkannten in Papst Franziskus wirklich einen Mann Gottes, der sich allen zuwendet. Seine Ankunft hinterließ einen bleibenden Eindruck in den Herzen.

Möchten Sie unseren Wohltätern etwas mitteilen?

Ja, ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Dank KIRCHE IN NOT konnten wir in dem Gefängnis, in dem ich Kaplan war, eine Kapelle bauen und einen Raum einrichten, den wir als Bibliothek nutzen und in dem wir den Katechismus lehren und gegen den Analphabetismus vorgehen. Dies hat den Gefangenen Hoffnung gegeben; sie konnten das barmherzige Gesicht der Kirche sehen, einer Kirche, die ihnen helfen und ihre Lebensbedingungen verbessern will.

Ich bitte Sie, für mein Bistum zu beten: Es umfasst 33 367 km2, aber ich habe nur 33 Priester. Ich brauche wirklich Berufungen, Missionare, um zu evangelisieren und die Frohe Botschaft zu verkünden. Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber Gott und die Jungfrau Maria geben uns Mut, weiter zu arbeiten. Wir tragen unser Kreuz, aber wir vertrauen weiterhin auf Gott. Und wir beten auch für alle unsere Wohltäter.

In dem von Armut, Stagnation und Korruption geprägten Land wird die Ankunft des Heiligen Vaters als großes Ereignis erwartet. 58 Prozent aller Madagassen sind Christen. In Androhibe Soamandrakizay haben die Behörden ein 60 Hektar großes Gelände für die Heilige Messe zur Verfügung gestellt, die Papst Franziskus am Sonntag, den 8. September feiern soll. Zuletzt hatte mit Johannes Paul II. vor 30 Jahren ein Papst die Insel besucht.

Der Vinzentinerpater Pedro Opeka lebte damals bereits auf Madagaskar und konnte den polnischen Papst empfangen. In einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) versichert er, dass der jetzige Papst mit Spannung erwartet wird. „Das wird der Wahnsinn“, sagt er schmunzelnd. „Er wird an den Ort gehen, an dem sich früher eine alte Müllhalde befand, die wir in ein Dorf verwandelt haben. Es ist, als würde er es weihen!“ Es handelt sich um ein Werk zugunsten der Ärmsten, dessen Bau im Jahr des letzten Papstbesuches 1989 begonnen wurde. Innerhalb der vergangenen 30 Jahre hat die Initiative mehr als 500.000 Menschen in Not geholfen.

Das fünftärmste Land der Welt

Pater Pedro kennt die madagassische Gesellschaft seit 1975. Er zeichnet ein Bild mit Licht und Schatten. Madagaskar war bereits arm, als er dort ankam. Doch seitdem ist das Elend noch größer geworden. Die Kleinbauern, die früher die Mehrheit der Inselbewohner ausmachten, leben heute neben den Stadtbewohnern und haben große Schwierigkeiten, Arbeit zu finden. Die sozialen Spannungen nehmen zu. „Vor 30 Jahren“, erinnert sich Pater Pedro, „bin ich hier auf der Insel hingegangen, wohin ich wollte. Heute ist dies nicht mehr möglich, weil wir uns in einer bürgerkriegsähnlichen Situation befinden“. Nach Angaben des Internationalen Währungsfonds ist Madagaskar derzeit das fünftärmste Land der Welt. Die Kirche und ihre Missionare sind ein zerbrechliches Bollwerk gegen die Lawine der Armut, die das Land heimsucht. Aber „sie sind es, die verhindern, dass das Land untergeht“, so Pater Pedro.

Der Geistliche versichert jedoch, dass das madagassische Volk über Ressourcen verfügt, und dass sich die Situation zum Besseren entwickeln kann. „Wohin ich auch gehe, fragen mich die Menschen, ob ich Arbeit für sie habe. Das ist alles, was sie wollen. Sie haben genug Kraft, eine unglaubliche Kraft!“. Seiner Ansicht nach hat die Insel am meisten unter dem Versagen der Politik gelitten. Der Boden der Insel enthält geologische Schätze – hauptsächlich Aluminium und Nickel – aber kaum ein Prozent dieses Reichtums kommt dem Land wirklich zugute. „Was die Zukunft Madagaskars weiterhin untergräbt, sind eine fortschrittsfeindliche Mentalität und institutionalisierte Korruption“, bedauert Pater Pedro.

Für die Insel ist der Augenblick der Wahrheit gekommen

Dennoch gibt es einen Hoffnungsschimmer mit dem neuen madagassischen Präsidenten Andry Rajoelina, der 2018 gewählt wurde. Das junge Staatsoberhaupt (Jahrgang 1974) hat vor allem von der Stimme einfacher Bevölkerungsschichten profitiert. Er versichert, dass „er sie nicht vergessen wird“. Pater Pedro seinerseits glaubt ihm, warnt aber: „Ich gebe ihm zwei Jahre Zeit, um zu sehen, was er wirklich tut. Wenn es ihm nicht gelingt, die Dinge voranzubringen, werde ich nie wieder an einen Politiker glauben.“ Viele Menschen scheinen Pater Pedros Ansicht zu teilen, dass das Land mit dem Rücken zur Wand steht. „Wenn keine Reformen durchgeführt werden, wird die madagassische Gesellschaft auseinanderbrechen.“

Der Franziskaner Jacques Tronchon koordiniert mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT ein eindrucksvolles Projekt zur Wiedereingliederung madagassischer Familien in den ländlichen Raum, die in absoluter Hilfsbedürftigkeit am Rande der Hauptstadt zusammengepfercht und unter menschenunwürdigen Bedingungen leben. Auch er ist besorgt über die Lage im Land: „Der Kampf gegen die extreme Armut, die in Madagaskar seit langem verbreitet ist, bleibt bis heute eine große Herausforderung. Die Exzesse mehrerer Regierungen haben die Schwierigkeiten verschärft, obwohl dieses riesige Land über ein großes Potenzial verfügt und in mehreren Regionen große Erfolge erzielen könnte. Die Gegensätze zwischen den Regionen des Landes und die Umstände im Zusammenhang mit den Machtkämpfen zwischen den Hauptmächten machen eine harmonische Entwicklung dieses schönen Landes sehr unsicher – ganz zu schweigen von den klimatischen Bedrohungen im Zusammenhang mit saisonalen Wirbelstürmen.“

Das Land ist in der Tat geteilt, auch auf religiöser Ebene. Religion hat einen großen Einfluss auf die Gesellschaft. Zusammen mit den großen christlichen Konfessionen gibt es eine starke Verbreitung aller Arten von Kirchen, die oft miteinander konkurrieren. Pater Jacques: „Die führende Stellung der katholischen Kirche erscheint mir dennoch offensichtlich dank der starken Präsenz der Diözesen und aller möglichen Ordensgemeinschaften, die Sozialwerke in allen Bereichen fördern.“

Trotz aller Unterschiede ist der Franziskanerpater überzeugt, dass „letztlich das ganze Volk Gottes in Madagaskar, das sich aus Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zusammensetzt, kommen wird, um Papst Franziskus willkommen zu heißen und gemeinsam mit ihm Gott zu danken.“

Im Rahmen des Besuchs von Papst Franziskus in Madagaskar ist eine Gebetszeit mit kontemplativen Ordensschwestern von der ganzen Insel geplant. Dieses Gebetstreffen findet in der Kapelle der Karmelitinnen vom heiligen Josef in der Hauptstadt Antananarivo statt. Das Dach der Kapelle wurde mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT wiederaufgebaut, so dass der Heilige Vater gebührend empfangen werden kann. Schwester Maria Maddalena, Priorin des Karmels vom heiligen Josef in Antananarivo, teilt der Stiftung ihre Freude mit: „Ich möchte dies mit Ihnen teilen, um Ihnen noch einmal für alles zu danken, was Sie und Ihre Wohltäter für unsere Gemeinschaft getan haben, und damit auch Sie sich mit uns darüber freuen können, dass wir den Heiligen Vater empfangen können.“ Die Ordensschwester fügt hinzu: „Die Ankunft von Papst Franziskus ist bereits jetzt eine große Gnade, denn jeden Tag kommen mehr Menschen zu uns. Ich glaube, dieser Besuch wird sehr fruchtbar werden.“

Allein im Jahr 2018 unterstützte die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT die Kirche in Madagaskar mit über 1,1 Millionen Euro.

Während die Insel wenige Monate vor den  Präsidentschaftswahlen eine schwere politische Krise durchlebt, wurde Erzbischof Désiré Tzarahazana, und der zugleich der Vorsitzende  der Bischofskonferenz von Madagaskar ist, vom Papst zum Kardinal ernannt. Obgleich es schwierig ist, zuverlässige Statistiken zu finden, gibt der letzte „Bericht zur Religionsfreiheit weltweit“ die Anzahl der Christen auf der Insel mit 56 Prozent an. In einem von Amélie de La Hougue geführten Interview im Rahmen seines Besuches bei der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT sprach der Erzbischof über die Lage in seinem Land.

Welches sind die Stärken der katholischen Kirche?

Wir sind bereit, anzuprangern, was schlecht ist. Wir haben den Mut, uns zu äußern und die Wahrheit zu sagen, ohne dabei zu «politisieren». Wir sind keine interessierte Partei wie andere Gruppierungen. So gibt es zum Beispiel protestantische Pastoren, die Minister des Präsidenten werden wollen. Ich kann versichern, dass die katholische Kirche in Madagaskar die einzige glaubwürdige Institution ist.

Sind Sie auch von einer Islamisierung des Landes betroffen?

Ja, die zunehmende Islamisierung ist spürbar und sichtbar! Es ist eine Invasion. Mit Geld aus den Golfstaaten und Pakistan werden die Menschen «gekauft»: Es gibt Jugendliche, die in Saudi-Arabien studieren und die dann, wenn sie nach Madagaskar zurückkehren, das Amt eines Imams ausüben.  Wir haben ein Treffen mit den Imamen vereinbart, um ihnen unsere Sorge mitzuteilen. Einer der Imame war ein ehemaliger Seminarist. Sicher, er sagte nicht, dass das Geld ihn angezogen habe, aber der Grund lag in der hier herrschenden Armut. Auf die Menschen wird Druck ausgeübt. Im Norden zum Beispiel gibt man den Frauen Geld, damit sie sich voll verschleiern, auf der Straße die Burka tragen; dies mit dem Ziel, die Ausbreitung des Islam im Land sichtbar zu machen.  Spät abends ziehen diese Frauen dann wieder ihre übliche Kleidung an.

In meiner Diözese werden überall Moscheen gebaut, auch wenn es gar nicht so viele Muslime gibt. Es gibt jedoch ein Projekt mit dem Ziel, in Madagaskar mehr als 2.600 Moscheen zu bauen!  Auch wird dafür gesorgt, dass sehr viele Muslime aus der Türkei hierher kommen, ein Phänomen, das uns sehr beunruhigt: Ein- oder zweimal die Woche bringt die Fluggesellschaft Turkish Airlines massenweise Muslime, die sich hier im Land niederlassen. Selbst mitten auf dem Land, so dass man nicht recht weiß, was sie dort tun, aber sie richten sich dort ein und kehren nicht in ihr Heimatland zurück.  Die Bevölkerung ist arm, aber für 22 Millionen Einwohner ist das Land riesig, so dass es für alle genügend Platz gibt. 

Sehen Sie die Gefahr eines radikalen Islam?

Zurzeit bemerkt man noch nicht viel davon, aber wer weiß, was die Zukunft bringen wird. Sie fangen an, sich hier niederzulassen und in dem Maße, in dem die Anzahl an Fundamentalisten zunimmt, fragt man sich: Wann werden sie sich zeigen, wie sie wirklich sind, und dies beunruhigt uns in der Tat.

Auf den Komoren, also  in unserer Nähe, lebt ein großer Teil der Bevölkerung einen radikalen Islam und auch diese Leute ziehen in großer Anzahl auf das Festland nach Madagaskar, vor allem in  Mahajanga. Dort heiraten sie einheimische Frauen. Die aus diesen Ehen hervorgehenden Kinder werden im Sinne eines radikalen Islam erzogen.

Wie reagiert die Regierung hierauf?

Wir haben uns bei zahlreichen Gelegenheiten versammelt, um sie zu alarmieren und ihnen diese Situation zu erklären. Sie tun aber nichts, es gibt nur Heuchelei und wir fragen uns, ob wir nicht Rufer in der Wüste sind … Oft treffen wir auf politische Führer, auch hochrangige, um ihnen zu erklären, was nicht funktioniert, wie, zum Beispiel, der Landraub. Einen Teil unseres Landes hat uns ein Krimineller geraubt, den die ganze Welt kennt. Sie haben ihn aber nicht nur nicht davon abgehalten, sondern er hat sogar den Gerichtsprozess gewonnen (!). Wir werden wirklich von korrupten Leuten regiert…

Die Präsidentschaftswahlen finden im November dieses Jahres statt?

Es ist alles etwas kompliziert. Wir wissen noch nicht, was passieren und in welche Richtung es sich entwickeln wird. Wir beten aber zu Gott, dass alles gut gehen und der Heilige Geist uns führen möge, damit wir einem Chaos entkommen. 

Letztes Jahr waren mehrere Angriffe auf katholische Klöster zu verzeichnen.  Was ist daraus geworden?

Nach solchen Angriffen kehrt zunächst Ruhe ein, dann gibt es erneut welche, leider besteht dieses Phänomen der Unsicherheit weiterhin und ist zu beklagen, sowohl in den Städten als auch auf dem Land. Die Menschen haben wegen dieser Unsicherheit Angst, zur Arbeit zu gehen. Und aufgrund der Ungerechtigkeit nehmen die Leute hier das Recht selbst in die Hand. Zurzeit herrscht hier also die «Selbstjustiz»…Wie Sie sehen, müssen wir uns vielen Herausforderungen stellen, um unser Land in Ordnung zu bringen.

Vor welcher besonderen Herausforderung steht die Kirche in Ihrem Land?

Vor der Notwendigkeit, die Evangelisierung zu vertiefen. Ich stelle mir die folgende Frage: Warum befinden wir uns in einer derart kritischen Situation, während zugleich die Zahl der Christen zunimmt und unsere politischen Führer mehrheitlich Christen sind? Wenn wir wirklich Christen wären, würden wir uns in einer anderen Lage befinden. Daher meine Frage: Wie tief ist unser Glaube? Rein von der Anzahl her stimmt es, aber dies ist nicht das Wesentliche. Wenn jemand seinen Glauben bezeugt, aber am nächsten Tag seinen Nachbarn beraubt oder sich nicht für das Leben anderer interessiert, so handelt es sich um einen Glauben, der nicht in Fülle gelebt wird.

Haben Sie genügend Priester, die für die von Ihnen zuvor genannte Evangelisierung missionarisch tätig sein könnten?

In meiner Diözese (Toamasina) habe ich nicht genügend Priester, weshalb ich Missionare um Hilfe bitte. Wir bemühen uns, allen eine gute Ausbildung zu geben, angefangen bei  den Seminaristen. Die Anzahl der Seminaristen nimmt zu,  aber wegen der herrschenden extremen Armut müssen wir uns immer fragen,  ob es sich um echte Berufungen handelt oder ob sich dahinter das Bedürfnis nach materieller Sicherheit verbirgt. Man muss deshalb gut unterscheiden. Außerdem gibt es wegen der Armut auch nicht die Straßen und Kommunikationsmittel, über die wir die Bevölkerung jeder Ortschaft erreichen könnten, alles ist sehr schwierig. Unser Ziel ist es, über einen Radiosender zu verfügen, der jeden Ort unserer Diözese erreichen kann, damit das Wort Gottes und der Kirche von allen Familien gehört werden kann. Und warum nicht auch einen Fernsehsender!

Herr Erzbischof, könnten Sie uns etwas über die Fortbildungskurse für Ausbilder der größeren Priesterseminare sagen, die im Rahmen eines von KIRCHE IN NOT unterstützten Projektes jeden Sommer in Rom stattfinden?

Dies ist wirklich eine hilfreiche Initiative, wofür wir von Herzen danken!  Wir sind damit sehr zufrieden und von dem Nutzen dieser Schulung überzeugt. Wir danken Ihnen dafür und gratulieren Ihnen zu dieser Initiative. Ich kann bezeugen, dass es eine Initiative ist, die es wert ist, dass sie fortgeführt wird.

Glauben Sie, dass Papst Franziskus Madagaskar, wie im März vorgeschlagen, besuchen wird? Was für eine Botschaft erwarten Sie sich vom Papst?

Ich kann es nicht ganz sicher versprechen, aber ich hoffe es. Er weiß, wie sehr wir uns dies wünschen und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er uns im nächsten Jahr besuchen wird. Es gibt viele Botschaften, die wir gerne hören würden. Vor allem aber, dass er hervorhebt, wie wichtig es ist, gerecht zu sein, die Korruption einzudämmen, das Land gut zu regieren…damit alle versuchen, gute Bürger und Christen zu sein.

Möchten Sie sich nun an unsere Wohltäter wenden?

Die Situation in Madagaskar ist wirklich kritisch und nun treten wir in eine neue Krise ein. Deshalb brauchen wir zurzeit ganz besonders Ihre Unterstützung. Darüber hinaus danke ich allen Wohltätern für ihre Initiativen und Gebete. Bitte, beten Sie dafür, dass es hier zu Veränderungen kommt, die im Einklang mit dem Evangelium stehen und bitte beten Sie auch für mich. Tausend Dank.