
Während der Bürgerkrieg in Syrien alle Glaubensrichtungen und Ethnien betroffen hat, ist die christliche Gemeinschaft in Bezug auf Vertreibung und Migration „überproportional“ betroffen. Die christliche Bevölkerung, vor Kriegsbeginn im Jahr 2011 noch mehr als 1,5 Millionen an der Zahl, ist inzwischen auf nur noch 250 000 Menschen geschrumpft, da in einigen Teilen des Landes die Angst um das Überleben der Kirche wächst.
In Nordsyrien in der Provinz Idlib ist die Zahl der Christen von 20 000 Gläubigen auf kaum 600 gesunken und in einigen Gebieten stehen die Christen „nahe der Ausrottung“. Das Erdbeben im Februar 2023 löste weitere Migrationswellen aus.
Syrien befindet sich in einer Umbruchphase. Nach dem Zusammenbruch des alten Regimes und der Flucht des ehemaligen Präsidenten Bashar al-Assad nach Russland im Dezember 2024 infolge einer Blitzoffensive der Rebellen wurde Ahmed Hussein al-Sharaa zum neuen Interimspräsidenten der Arabischen Republik Syrien erklärt. Das neue Staatsoberhaupt ist einer der Anführer der Hayat Tahrir al-Sham (HTS) (Organisation zur Befreiung der Levante), eines von Al-Quaida abgespaltenen Bündnisses islamistischer Milizen, das zuvor schon jahrelang die Provinz Idlib unter Kontrolle hatte. Ahmed Hussein al-Sharaa unterzeichnete im März 2025 eine vorläufige Verfassungserklärung, die die alte, im Jahr 2012 per Referendum verabschiedete Verfassung ablöste. Die Verfassungserklärung sieht vor, dass das islamistische Regierungsoberhaupt fünf Jahre an der Macht bleiben soll, bevor im Jahr 2030 Wahlen abgehalten werden.
Artikel 3 der vorläufigen Verfassung Syriens besagt: „1. Die Religion des Präsidenten der Republik ist der Islam, und die islamische Rechtsprechung bildet die wichtigste Quelle der Gesetzgebung. 2. Die Glaubensfreiheit steht unter Schutz. Der Staat erkennt alle göttlichen Religionen an und garantiert ihren Anhängern die Freiheit, ihre Rituale auszuüben, sofern dies die öffentliche Ordnung nicht stört. Bei Menschenrechtsexperten stößt die Verfassungserklärung auf Kritik. Zentraler Stein des Anstoßes ist die Tatsache, dass islamisches Recht als wichtigste Grundlage der Gesetzgebung dient.

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