Christine du Coudray war 28 Jahre lang in der internationalen Zentrale des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT als Projektreferentin für Afrika tätig.
Frau du Coudray, nach 28 Jahren nähern sich Ihre letzten Arbeitstage bei KIRCHE IN NOT. Kommt da schon so etwas wie Wehmut auf?
Es gibt eine Zeit, um zu dienen, und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Nach 28 Jahren bin ich zu Letzterem bereit. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine neue Generation junger Mitarbeiter bei uns im Haus, die sehr engagiert sind und die diese Mission weiterführen werden.
Als ich vor 28 Jahren begann, konnte ich kaum die afrikanischen Länder auf der Weltkarte finden. Ich habe die Herausforderung angenommen und bei Null mit dem Lernen angefangen.

Was haben Sie durch Ihre Arbeit gelernt?
Ich habe gelernt, dass jeder Kontinent seine eigene Berufung hat. Schon vor der ersten Afrika-Synode 1994 habe ich selbst erfahren, dass Afrika der Kontinent der Familie ist. Dies ist umso erstaunlicher, als auch dort die Familie verwundet wird und es wie überall Probleme gibt, und dennoch scheint es, dass die Familie, die Zukunft der Menschheit, die Berufung Afrikas ist.. Dort spielt sie eine ganz besondere Rolle. Als Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Benin war, hat er diese Tatsache noch einmal betont, die bereits für den heiligen Papst Johannes Paul II. klar gewesen war.
Über all diese Jahre hinweg war die Unterstützung der Familie wie ein Roter Faden für mich. Wir haben viel dafür getan und machen es immer noch.
Gab es Personen, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt haben?
Ja, vor allem war es Johannes Paul II., der im Laufe dieser Jahre sozusagen mein „geistiger Meister“ geworden und geblieben ist. Ich wollte immer seine Perspektive für die Kirche in Afrika verstehen und umsetzen. Es war für mich ein Privileg, 1994 an der ersten Afrikasynode teilnehmen zu dürfen. Ich war die einzige Frau aus Europa. Es gab ca. 350 Teilnehmer: Kardinäle, Bischöfe und Priester, Experten und Zuhörer. Ich war unter den Zuhörern und war einen Monat lang in Rom, um an der Synode teilzunehmen. Es war ein Jahr nach meiner Ankunft bei KIRCHE IN NOT die beste Fortbildung, die ich je bekommen konnte.
Bei dieser Gelegenheit habe ich mit dem Papst zu Mittag gegessen. Wir haben uns ausgetauscht, und es war etwas ganz Besonderes. Die Synode hat Früchte getragen, und zehn Jahre später, im Jahr 2004, habe ich in Rom ein Treffen mit Bischöfen aus Afrika und Europa organisiert, um eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten zu schlagen. Bei dieser Gelegenheit hat Johannes Paul II. die zweite Afrikasynode ausgerufen. Auch das war wieder ein echtes Geschenk für mich.

Was waren für Sie die schönsten Momente?
Zu den schönsten Augenblicken gehörten sicherlich die Reisen. Meine erste Reise führte mich 1994 nach Tansania, die letzte im März 2020 kurz vor der Corona-Pandemie in den Sudan. Die Situationen vor Ort haben sich stark verändert: Früher gab es nur eine einfache Kerze in einer Hütte, heute gibt es Strom aus Solarpaneelen. Ich habe noch alle Hefte mit meinen Aufzeichnungen behalten!
Warum sind Reise wichtig für Ihre Arbeit?
Es reicht nicht, ein Projekt schriftlich zu bekommen, um zu verstehen, dass ein Auto oder die Renovierung eines katechetischen Zentrums gebraucht wird. Wir müssen wirklich an Ort und Stelle sehen, was benötigt wird. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Vor einem Jahr war ich in der Demokratischen Republik Kongo in der Erzdiözese Kananga in der Provinz Kasai. Dort haben wir eine unglaubliche Situation in den Badezimmern des Priesterseminars vorgefunden. Es war furchtbar. „Wie ist es möglich, dass diese zukünftigen Priester täglich ohne Dusche und unter solchen Bedingungen leben müssen?“ Im März dieses Jahrs erhielten wir den Projektantrag, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir aufgrund der Corona-Krise das Projekt leider negativ entscheiden, weil kein Geld da war. Aber jetzt vor zwei Tagen habe ich gedacht, dass wir diese negative Entscheidung revidieren müssen. Dies war das Resultat eines Besuchs an Ort und Stelle. Vielleicht hätte ich nie so reagiert, wenn ich diese Situation nicht wirklich mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.
Haben Sie denn etwas wie ein „Lieblingsland“?
Ja, ich würde sagen, mein „Lieblingsland“ ist die Demokratische Republik Kongo. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dieses Land aufgrund seiner Lage im Herzen des Kontinents und aufgrund seines hohen Anteils an Katholiken eine wichtige Rolle zu spielen hat. Frauen spielen zum Beispiel eine wesentliche Rolle.
Leider befindet sich das Land wegen seiner Bodenschätze im totalen Chaos. Es gibt dort viel mehr Bodenschätze als anderswo in der Welt, und deshalb sind viele Länder – die Nachbarländer und der Westen – sehr daran interessiert. Wenn es irgendwo Bodenschätze gibt, ist der Krieg leider vorprogrammiert. Aber die Menschen dort haben einen Mut, eine Energie, die unglaublich ist.

Haben Sie bei der Erfüllung dieser Mission aus Ihrem Glauben geschöpft?
Mit Sicherheit, denn ich habe tief erfahren, dass alles, was ich vorgeschlagen habe, alle Initiativen, nicht aus mir selbst kamen, sondern vom Heiligen Geist, wie z.B. das Treffen zwischen den Bischöfen aus Afrika und Europa. Das kam nicht von mir selbst. Außerdem haben wir erfahren, dass die Bischöfe selbst unserer Fürsorge bedürfen. Es ist wesentlich, den Bischöfen zu helfen, damit sie besser dazu in der Lage sind, ihre Diözesen zu leiten. Dazu müssen wir für sie Sorge tragen. Daher bieten wir ihnen eine Auszeit in Form von Exerzitien für ganze Bischofskonferenzen an, und diejenigen, die bisher an einer solchen teilgenommen haben, waren sehr begeistert von diesem Vorschlag. So sind zum Beispiel alle Bischöfe aus dem Maghreb (Marokko, Tunesien, Libyen) zusammen in Senegal in einem Mönchskloster gewesen. Das war eine Premiere für sie, und sie waren begeistert.
Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?
An erster Stelle die Reisen an Ort und Stelle, um die Situation besser zu verstehen und die Projekte zu entdecken. Jedes Projekt ist einzigartig. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben schreiben ihren Antrag mit dem Herzen und erwarten unsere Hilfe. Deswegen habe ich ihnen immer gesagt: Wenn Ihr einen Projektantrag schreiben und unsere Wohltäter überzeugen wollt, müsst Ihr Euch vorstellen, dass Ihr einen Saal mit 100 Personen vor Euch habt, die Euch unterstützen wollen, und Ihr ihnen voller Herzblut Eure Erwartungen erklären müsst. Mit Eurem Herzen werdet Ihr sie überzeugen. Es ist wichtig, dass die Projekte auf solche Weise beschreiben werden, damit wir eine immer stärkere Brücke zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bauen können.
Haben Sie Ihre Arbeit als eine „Mission“ empfunden?
Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist jede Situation einzigartig. Jedes Land hat seine eigene Lebenswirklichkeit und seine besonderen Bedürfnisse. Wir sind nicht in erster Linie dafür da, eine finanzielle Unterstützung zu bringen, sondern den Bischöfen, den Priestern, den Schwestern zuzuhören, ihren Alltag zu teilen und zu verstehen, was sie brauchen. Natürlich gibt es den Moment, in dem wir unbedingt finanzielle Unterstützung leisten müssen, das ist ganz klar! Aber es würde sie verletzen, wenn wir nur über finanzielle Aspekte sprechen würden. Zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben besteht eine tiefe Gemeinschaft. Unsere Tätigkeit ist keine bloße Arbeit, sondern sie ist eine Mission, die der Herr uns anvertraut hat für das Wachstum der Kirche überall in der Welt.
In Karm Al Zeitoun, einem Stadtteil von Beirut im Bezirk Ashrafieh, dessen Name Ölberg bedeutet, ist alles in Bewegung. Die Straßen sind eng, Autos und Fußgänger verursachen kleine Staus an jeder Ecke, besonders um die von den Töchtern der christlichen Nächstenliebe geführte Ambulanz herum. Dort unterstützt das Internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT 350 von der Explosion betroffene Familien.
Die Gegend wurde ursprünglich von Armeniern bewohnt, die 1915 vor dem Völkermord flohen. Später kamen Syrer und Palästinenser hinzu, die ebenfalls vor Krieg und Verfolgung flüchteten. In den letzten Jahren haben Einwanderer aus vielen Ländern, meist Äthiopier und Bangladescher, in diesem einfachen Viertel mit christlichen Wurzeln Zuflucht gefunden. Ihre jahrhundertealten Häuser sind in den verwinkelten Straßen zusammengepfercht. Mit dem Immobilienboom wurden rund um Karm Al Zeitoun moderne Hochhäuser gebaut. Dadurch wurde das Gebiet sehr teuer, und junge Menschen dazu gezwungen, in günstigere Gegenden umzuziehen. In Karm Al Zeitoun bleiben nur noch ältere Menschen und Migranten.

Vor der kleinen Eingangstür des Schutzzentrums für Kinder und Mütter (CPMI) drängt sich eine Menschentraube. Das Zentrum wurde 1959 gegründet und gehört zu den sechs Orten, an denen in diesen Wochen KIRCHE IN NOT-Nothilfepakete für die von der Explosion am 4. August betroffenen Familien verteilt werden – insgesamt für mehr als 5800 Familien. Die Töchter der christlichen Nächstenliebe sind für die Verteilung an 350 Familien verantwortlich; heute sind 70 gekommen. Zwei Kisten ermöglichen es, fünf Personen einen Monat lang zu ernähren. Sie sind 32 Kilo schwer, weshalb viele Empfänger mit Handkarren kommen. Oder sie versuchen, einen Bekannten oder Verwandten zu finden, der ihnen mit dem Auto hilft. Deshalb herrscht heute mehr Verkehr als gewöhnlich, und es ist schwierig, auf den engen Straßen von Karm Al Zeitoun voranzukommen.
Eine der Frauen, die in die Ambulanz kommen, ist Mona, eine 52-jährige Libanesin, die mit ihrer 91-jährigen Mutter Juliette zusammenlebt. Obwohl die Mutter fünf Kriege – oder vielleicht sechs, so genau weiß sie das nicht mehr – erlebt hat, „ist sie seit der Explosion am 4. August traumatisiert; sie erschrickt vor jedem Geräusch“, berichtet Mona gegenüber KIRCHE IN NOT.

Ihre Spende hilft Lebensmittelpakete zu verteilen und den Wiederaufbau voranzutreiben.
Da es in dem Land kein Rentensystem oder eine andere staatliche Alterssicherung gibt, haben immer die Kinder die Eltern oder die schwächeren Familienmitglieder unterstützt. Aber nach der Wirtschaftskrise, Corona und jetzt auch noch der Explosion ist das unmöglich geworden. Mona ist seit fünf Jahren arbeitslos. Vor der Krise half ihr und der Mutter ein Bruder mit 300.000 libanesischen Pfund – das waren etwa 200 Dollar im Monat. Mit der Inflation sind es nun knapp 40 Dollar. Darüber hinaus hat der Bruder „selbst Probleme, für seine eigene Familie zu sorgen“.
„1990 detonierte eine Rakete in meinem Haus und tötete meine Schwester. Ich geriet in eine Depression, aber der Glaube half mir. Ohne den Glauben könnten wir nicht weitermachen. Er ist es, der uns hilft, in der jetzigen Situation durchzuhalten. Er ist das Einzige, was uns bleibt“, sagt Mona. Und sie fügt hinzu: „Schwester Rita kommt, wann immer wir sie brauchen, auch wenn es sehr spät ist, weil sie immer sehr beschäftigt ist. Aber sie findet immer etwas Zeit für uns. Für mich ist sie das lebendige Zeugnis Christi auf Erden“.

Schwester Rita, die Mona und Juliette nahezu in jedem Satz erwähnen, gehört den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul an. Sie leitet die Ambulanz. Trotz der heute herrschenden Hektik findet sie Zeit, mit KIRCHE IN NOT zu sprechen. „Die Lage hier ist tragisch, weil die Menschen nichts haben.“ Die Zahl der Familien, die von den Töchtern der christlichen Nächstenliebe in der Ambulanz betreut werden, hat sich von ehemals 120 Familien auf heute knapp 500 Familien pro Monat vervierfacht, berichtet die libanesische Ordensschwester. Neben den Freiwilligen, die die heutige Essenslieferung vorbereiten, sind auch Arbeiter im Einsatz, denn auch die Ambulanz wurde durch die Explosion beschädigt. Sämtliche Fenster und Teile des Daches wurden herausgesprengt, „aber wir müssen weiterarbeiten, also haben wir jemanden gefunden, der das repariert, auch wenn wir die Reparatur zurzeit nicht bezahlen können.“
Zwischen den Kisten mit dem KIRCHE IN NOT-Logo, die am Eingang gestapelt sind, hängt ein Kreuz an der Wand mit dem französischen Satz: „Ihr seid das Zeichen der Barmherzigkeit Gottes.“ Der Satz fasst die Arbeit dieser Ordensfrauen zusammen. Schwester Rita beschreibt sie wie folgt: „Unser Charisma ist es, den Schmerz Christi auf Erden zu lindern; wir wollen Gott dienen, Zeugnis für ihn ablegen, besonders in den schwierigen Zeiten, die wir durchleben.“


Schwester Rita selbst begleitet das Hilfswerk zu einem Besuch bei Nabil, einem weiteren Empfänger des KIRCHE IN NOT-Nothilfeprogramms nach der Explosion. Nabil ist 56 Jahre alt, Einzelkind und von Geburt an körperlich behindert. Seine Mutter, die sich um ihn kümmert, liegt im Krankenhaus. In ihrer Abwesenheit kümmert sich die Nachbarin Maral um ihn. Die Schwestern zahlen auch für einen Hilfsdienst, der jeden Tag kommt. Schwester Rita grüßt Nabil, spricht und betet mit ihm. Bei der Explosion „fielen alle Glassplitter auf ihn. Es ist ein Wunder, dass er unversehrt blieb …“
Angesichts von Nabils Lage wird verständlich, was Schwester Josephine, eine der Ordensschwestern, die im Zentrum arbeitet, mit Entschiedenheit sagt, wenn viele Menschen von Ausreise und Auswanderung sprechen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um hier zu bleiben. Es ist an der Zeit, unser Volk zu begleiten; hier hat jeder ein Problem.“ Trotz ihrer Erschöpfung erinnert Schwester Rita mit entschlossenem Blick an die Worte von Johannes Paul II. : „Libanon ist eine Botschaft; wir Christen spielen eine wichtige Rolle in diesem Land. An dem Tag, an dem wir diese Botschaft vergessen, wird der Libanon nicht mehr der Libanon sein.“
Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Libanon

In den vergangenen zehn Jahren bestand Nigerias größte Herausforderung darin, die Terrorgruppe Boko Haram in Schach zu halten; vor zwei Jahren gab das Militär bekannt, dass sich die Gefahr verringert habe. „Aber“, so die Bischöfe, „unsere Freude war nur von kurzer Dauer, da sich die Situation zunehmend verschlechtert hat. Heute befinden sich fast alle Bundesstaaten des Nordens in den Händen dieser Gewalttäter und Überbringer des Todes. In den letzten drei Jahren wurden wir zu Zeugen ständiger Überfälle und Plünderungen ganzer Gemeinden durch Verbrecher in Staaten wie Benue, Kebbi, Plateau, Kaduna, Katsina, Nasarawa, Niger, Sokoto und Zamfara. Tausende Menschen haben durch diese Banditen, die mit unerbittlicher Hemmungslosigkeit operieren, ihr Leben verloren“. Sie fügen hinzu: „Die Verwüstungen von Boko Haram, von den Viehhirten, den Entführern und den Banditen haben uns alle zu Opfern gemacht.“
Pater Sam Ebute weiß aus erster Hand, wovon die Bischöfe sprechen. Der Missionar aus der Gesellschaft der Afrikamissionen SMA lebt in Kagoro, einer der betroffenen Gemeinden, wo er als Leiter der Stelle für geistliche Berufungen arbeitet. Kürzlich musste er 21 seiner Gemeindemitglieder begraben, die bei einem Angriff getötet wurden: „Es geschah am 21. Juli gegen 23.20 Uhr im Dorf Kukum Daji, etwa zehn Autominuten von Kagoro entfernt. In der Gemeinde fand gerade ein Jugndtreffen statt, als plötzlich Schüsse und Schreie von Männern zu hören waren. Sie wussten sofort, was los war, weil sie es bereits in Agwala, Doka, Kaura und Zangon Kataf erlebt hatten“, so Pater Ebute gegenüber KIRCHE IN NOT.

„In weniger als zwei Stunden töteten die Verbrecher 17 junge Menschen, meist Mädchen. Vier weitere Menschen starben auf dem Weg zum oder im Krankenhaus, so dass sich die Zahl der Todesopfer auf 21 erhöhte. 30 weitere Menschen wurden schwer verletzt und mussten in den Krankenhäusern in Kafanchan und Kaduna behandelt werden.“
Der Priester musste nicht zum ersten Mal Gläubige begraben: „Seit vier Jahren, seit ich im Jahr 2016 zum Priester geweiht wurde, begrabe ich meine Gemeindemitglieder. 2017 musste ich in Táchira eine Frau begraben, die mit ihren vier Kindern in der Nacht getötet worden war. Im Jahr 2018 musste die Gemeinde in Tsonje ebenfalls vier getötete Menschen begraben. Im Jahr 2019 wurden in Zunruk sieben junge Menschen am helllichten Tag beim Fußballspielen getötet.“
Der letzte Anschlag galt Kukum Daji. Alle diese Gemeinden befinden sich in Gebieten, in denen die Missionare ihren Dienst ausüben. Sie alle gehören zur Hauptpfarrei St. Joseph von Kagoro in der Diözese Kafanchan. „In den vergangenen sieben Wochen haben wir unsere Gemeindemitglieder begraben, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Die jüngsten Angriffe haben uns alle in Angst versetzt, vor allem aber in Angst vor dem Unbekannten. Denn wir wissen nicht, wann die nächsten Angriffsrunden stattfinden und was sie auslösen werden. Wir können unseren Glauben nicht in Frieden ausüben. Wir haben kein Vertrauen in die Sicherheit unserer Häuser“, erklärt der Missionar.
Dies wirkt sich auf das tägliche Leben aus: „Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, unsere Gläubigen können ihre Tätigkeiten nicht frei ausüben. Jetzt ist Erntezeit, aber die Menschen wagen es nicht, auf die Felder zu gehen, aus Angst, dort angegriffen zu werden. Sie haben ihre Ernten verderben lassen. Es ist, als ob sie uns wegen unseres Glaubens sterben lassen.“
Auf die Frage nach seiner Aufgabe als Priester und Missionar antwortet Pater Ebute: „Wer als Hirte der Gläubigen solche Angriffe erlebt, leidet genauso darunter wie sie. Dennoch müssen wir an ihrer Seite sein, um sie zu trösten, für sie zu beten und sie zu ermutigen, ihren Glauben an Gott zu bewahren und standhaft zu bleiben. Wir bieten geistige, moralische und materielle Unterstützung, so gut wir können.“
„Die Menschen in Süd-Kaduna fühlen sich in ihrer Trauer von ihrem Gouverneur im Stich gelassen“, kritisieren die Bischöfe in der Stellungnahme. Pater Ebute stimmt zu: „Was all dies noch schwieriger macht, ist, dass die Regierung keine entschiedenen Maßnahmen ergreift, um die Bedrohung zu stoppen. Das ist besonders verheerend und frustrierend. Schwierig ist es außerdem, Menschen Vergebung, Versöhnung, Frieden und Liebe zu predigen, deren Lebensgrundlagen weggenommen wurden, deren Wohlstand durch diese Anschläge geschmälert und zerstört wird.“
Trotz der Morde, der unbeschreiblichen Gewalt, all der Schmerzen und allem Leid vertraut der Missionar auf Gott: „In dieser Situation tröstet mich die Tatsache, dass Gott nicht tot ist und dass er uns sieht. Seine Zeit wird kommen. Er hat uns in Psalm 46,10 gesagt, wir sollen auf ihn vertrauen. Das Blut dieser Märtyrer wird nicht vergeblich sein.”
Um den verfolgten und notleidenden Christen in Nigeria weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
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Am 4. August erschütterte eine gewaltige Explosion im Hafen von Beirut die gesamte Stadt. Dabei kamen laut Regierungsangaben mindestens 190 Menschen ums Leben, mehr als 6500 Menschen wurden verletzt. Viele Häuser, Wohnungen und Gebäude Häuser wurden zerstört.
Besonders betroffen ist das Stadtviertel, in dem viele Christen leben, denn es liegt nur wenige Kilometer vom Explosionsort entfernt. KIRCHE IN NOT hatte in den vergangenen Wochen bereits Lebensmittelpakete für besonders betroffene Familien in Beirut ermöglicht.
Eine Delegation von KIRCHE IN NOT hat sich nun einen Überblick über die Situation vor Ort gemacht. Ziel des Besuches war auch, die besonders dringende Hilfe zu organisieren. Nach der Rückkehr sprachen wir mit Reinhard Backes, Projektreferent bei KIRCHE IN NOT.

Herr Backes, wie ist die Lage im Libanon?
Die Menschen im Libanon – vor allem die Christen, denn ihr Viertel wurde von der Explosion am schlimmsten getroffen – leiden sehr. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Erstens: Die Landeswährung verliert aufgrund der Finanzkrise, die im vergangenen Jahr begonnen hat, täglich an Wert.
Zweitens sind die Schäden verheerend und so auch die Folgen für hunderttausende Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Drittens: Die politische Krise, eine Mischung aus Korruption, Despotismus, Ignoranz, Inkompetenz und dem äußeren Einfluss ausländischer Mächte, lähmt die Menschen und das Land.

Was war der Zweck Ihres Besuchs?
Ziel war es, uns einen Überblick über die Situation verschaffen und zu klären, wie KIRCHE IN NOT in den nächsten Monaten Unterstützung leisten kann. Wir haben 23 Orte besucht – Kirchen, Nonnen- und Mönchsklöster und andere Kirchengebäude –, die durch die Explosion schwer beschädigt worden sind. Und wir haben Gespräche mit sieben Erzbischöfen und Bischöfen verschiedener Riten und Konfessionen wie auch mit dem Nuntius in Beirut, Erzbischof Joseph Spiteri, geführt.
Welcher Moment der Reise hat sie am tiefsten beeindruckt?
Die Begegnung mit jungen Katholiken, die entschlossen sind, nicht aufzugeben! Sie alle haben bei der Explosion Freunde verloren und kennen Menschen, denen nichts mehr geblieben ist.
Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie so viele Menschen, vor allem Jugendliche, vorbildlich und bereitwillig denjenigen helfen, die am schlimmsten von der Explosion betroffen sind. Sehr bewegend war auch der Besuch bei armen Familien – Libanesen und syrischen Flüchtlingen – in Beirut und Zahlé.

Welche Begegnung hat Sie besonders beeindruckt?
Das Treffen mit Georges, Vater von vier Kindern, der den Libanon verlassen und nach Dubai fliegen musste, weil er nicht mehr in der Lage ist, im Libanon seine Familie finanziell zu unterstützen. Das war herzzerreißend.
Was war die Botschaft der Projektpartner?
Die libanesischen Christen sind zwar großzügig, aber das hier ist zu viel, als dass sie es allein bewältigen könnten. Das Land erlebt schon seit Jahren einen gravierenden wirtschaftlichen Niedergang, schon vor der Explosion haben die Menschen ums Überleben gekämpft. Sie zählen darauf, dass wir ihnen helfen – sowohl spirituell als auch finanziell.
Warum sollte KIRCHE IN NOT den Libanon unterstützen?
Der Libanon ist das letzte Land im Nahen Osten mit einem beträchtlichen Anteil an Christen. Er ist auch zu einem Zufluchtsort für Christen aus anderen Nahost-Ländern wie Syrien und dem Irak geworden. Die libanesischen Christen genießen hohen Respekt in der Gesellschaft; christliche Schulen werden von Menschen aller Glaubensrichtungen sehr geschätzt. Sie bilden eine Brücke zwischen den verschiedenen Gruppen im Land.
Dennoch sprechen aufgrund der Verschlechterung der politischen und finanziellen Situation in den vergangenen Jahren viele Christen davon, das Land zu verlassen – wenn auch schweren Herzens. Es ist die Pflicht von KIRCHE IN NOT, ihnen neue Hoffnung zu geben, eine Perspektive, damit sie in diesem schönen Land bleiben. Die Kirche, die ja ein zentrales Element in ihrem Leben darstellt, muss mithilfe unserer Bemühungen gestärkt werden.

Wer sind die Partner vor Ort?
Unsere Partner werden Bischöfe, Priester und Schwestern sein, deren religiöse Gebäude durch die Explosion beschädigt worden sind. Die Maronitische Kirche ist die größte im Bezirk, aber viele Gebäude der anderen Riten (zum Beispiel des griechisch-katholischen und des lateinischen Ritus) und der orthodoxen Kirche sind ebenfalls beschädigt worden; auch sie werden unsere Hilfe benötigen.
Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
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Verwendungszweck: Libanon


Wie der Name schon sagt, befindet sich die alte und historische Pfarre Jesús del Monte auf dem gleichnamigen Hügel, einem symbolischen Ort in der Geschichte Havannas, Schauplatz von Aufständen und der heldenhaften Verteidigung der Stadt gegen ausländische Invasionen. „Von Mercedariern betreut, war es die erste Kirche, die außerhalb der Mauern der Altstadt von Havanna gebaut wurde. Ihr Archiv enthält Taufurkunden aus dem Jahr 1689. Für die Bewohner des Stadtviertels Diez de Octubre ist es ein bedeutender Ort. Hier kommen sie zu Kulturveranstaltungen zusammen. Hier spielen die Kinder, alles Leben findet rund um die Kirche statt“, erklärt Pater Rodolfo anlässlich des Besuchs von KIRCHE IN NOT.
Eine Zeit lang wird dies jedoch nicht möglich sein, weil der Tornado die Kirche besonders stark getroffen hat. „Das Holzdach aus der Kolonialzeit und die Wände aus Füllstein haben irreparable Schäden erlitten. Fast alle Bänke, Statuen und weitere Gegenstände wurden durch die Kraft des Windes, der das große Haupteingangstor öffnete, zerstört oder verschwanden. Das Eisenkreuz, das die Spitze des Glockenturms krönte, wurde abgerissen und fiel wie ein Geschoss in die Nähe des Chors, wodurch ein riesiges Loch entstand“, erklärt Eduardo Andrés, der für das Wiederaufbauprojekt verantwortlich ist, das KIRCHE IN NOT in den kommenden Monaten unterstützen möchte. Die Reparatur ist äußerst dringend, denn – so Pater Gabriel – „noch heute befinden sich die Kirche und das Pfarrhaus in einem sehr schlechten Zustand; sie verfallen immer mehr. Außerdem müssen wir die Gemeindemitglieder an Sonntagen vor dem Gotteshaus versammeln. In der Regenzeit ist das aber nicht möglich.“ Sie sind KIRCHE IN NOT sehr dankbar, dass sie sich zusammen mit anderen Organisationen für die Restaurierung der historischen, denkmalgeschützten Kirche einsetzt.


Doch der junge, 29-jährige mexikanische Pater schläft nach wie vor schlecht, nicht so sehr aus Angst vor einem erneuten Tornado, sondern weil er als Oberer der Gemeinschaft in Kuba nicht weiß, wie er die anderen Probleme lösen soll: Das Haus, in dem die Patres leben, hat Schäden an Fenstern und Türen erlitten, einige Fußböden sinken, und in der Regenzeit tritt überall Wasser ein. „Es geht nicht so sehr um uns, aber wir haben drei Seminaristen. Es sind junge Leute, die sich unserer Gemeinschaft anschließen wollen, die aber wegen der sich verschlechternden Lage unseres Klosters zu Hause sind“, klagt der Pater. „Wir sind 2012 auf der Insel angekommen, nachdem wir Kuba 125 Jahre zuvor verlassen hatten. Pater Rodolfo war einer der ersten, die nach unserer Ankunft die Profess ablegten. Wir leben von der Vorsehung; Nahrung, Medizin oder persönliche Ausgaben … alles hängt von der Großzügigkeit der Gläubigen ab.
Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat uns mit Messstipendien geholfen. Wir waren verzweifelt, und es war ein Tropfen Wasser, für den wir sehr dankbar sind, aber um die Lage in Kuba steht es sehr schlecht.“ Seine Stimme verrät Ohnmacht und Trauer. Dies ist verständlich, denn Pater Gabriel fürchtet die Folgen, wenn sich die Situation nicht ändert: „Unsere Präsenz auf der Insel ist bedroht. Da wir über keine Mittel verfügen, müssten wir nach Mexiko auswandern, weil die Mission nicht aufrechterhalten werden kann. Wenn kein Wunder geschieht, werden wir Kuba verlassen müssen. Das wäre sehr schade, weil ich glaube, dass aufgrund unseres Erlösungscharismas unsere Anwesenheit für die hiesigen Einwohner notwendig ist. Es wäre schlimm, wieder gehen zu müssen, aber ich weiß nicht, wie ich die Schließung dieser großen Mission vermeiden kann.“
Um der Kirche in Kuba weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
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Verwendungszweck: Kuba
Der 23. Februar 2020 war für die Gläubigen der St.Claret-Pfarre in Bishrail/Westbengalen ein Anlass zu doppelter Freude: Es war das Silberne Jubiläum des Bestehens ihrer Pfarre und zugleich die Einweihung der neuen Pfarrkirche, die mit einem großen Fest begangen wurde. Mit 36.500 Euro hatten unsere Wohltäter dabei geholfen, dass der langgehegte Traum der Gläubigen Wirklichkeit werden konnte. Pfarrer Martin Soren schreibt uns:
„Wir danken allen Wohltätern von KIRCHE IN NOT von Herzen für ihre großzügige finanzielle Unterstützung, die dieses Projekt wahrgemacht hat. Noch einmal möchten wir Ihnen allen unsere aufrichtige Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ohne Ihre unablässigen Gebete, Ihre Hilfe und Ihre Unterstützung wäre dieses Unterfangen nicht möglich gewesen. Danke für alles, was Sie für uns getan haben!“

Die alte winzige Kapelle war aus Lehm mit Asbest errichtet worden. Sie war nicht nur viel zu klein, sondern drohte seit langem einzustürzen. So war es in den letzten Jahren schwer für die Gemeinde, die Heilige Messe, die Katechesen, die Treffen zur Ehevorbereitung, die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen sowie die großen Feiertage oder das Patronatsfest abzuhalten. Besonders in der Regenzeit und bei der sengenden Sonne des Sommers war es schwierig, die Veranstaltungen unter freiem Himmel abzuhalten.
Selbst konnten die Gläubigen aber nur wenig zum Bau eines neuen Gotteshauses beitragen, denn die Diözese Raiganj, der die Pfarre von Bishrail angehört, liegt im Grenzgebiet zu Bangladesch in einer sehr armenI Region. Die meisten Menschen, die hier leben, gehören benachteiligten ethnischen Minderheiten an und können kaum ihre Familien über die Runden bringen. Die 94.000 Katholiken machen lediglich ein Prozent der Bevölkerung aus. Die meisten Einwohner gehören animistischen Stammesreligionen an. Aberglaube und der Glaube an Hexerei sind weit verbreitet. Jedoch fühlen sich immer mehr Menschen von der befreienden Botschaft des Evangeliums und durch das Glaubenszeugnis der Christen angezogen. Es gibt sogar lokale Priesterberufungen: Die meisten Priester, die heute in der Diözese tätig sind, stammen von dort, und immer wieder fühlen sich junge Männer von Gott in Seinen Dienst berufen.

Die Kirche erfüllt auch hier, wie in vielen Teilen der Welt, eine wichtige Rolle auf dem Gebiet von Bildung, Erziehung und Entwicklung. Zwar ist ihre Aufgabe in erster Linie pastoral, aber der Glaube drückt sich auch aus in Taten praktischer Nächstenliebe gegenüber jedem Menschen, unabhängig von seiner Religionszugehörigkeit.
Dank der Hilfe unserer Wohltäter können die Gläubigen in Bishrail nun endlich stolz auf ihr Gotteshaus sein und das kirchliche Leben würdig gestalten.
Schweigend und höflich stehen sie unter der prallen Sonne in einer Schlange vor dem Socio-Medical Intercommunity Dispensary im Beiruter Armenviertel Nabaa. Einige von ihnen sind ältere Menschen und leben allein; andere haben Familien zu ernähren. Sie alle haben die Scham überwunden, um Almosen zu bitten, um etwas zu essen zu haben.
Die seit 1973 von der Versammlung der Frauenorden geleitete Krankenstation wurde 1968 von den Franziskanerinnen-Missionarinnen Mariens gegründet, um Bedürftige zu betreuen.

Als sich im Libanon die wirtschaftliche Lage verschlechterte, erweiterte die Krankenstation 2017 die medizinische und soziale Versorgung der Bedürftigen um die Ausgabe von warmen Mahlzeiten und verteilte 250 Mittagessen pro Tag. Jetzt, da sich der Libanon dem wirtschaftlichen Kollaps nähert, stellt die Ambulanz jeden Tag 1200 Mahlzeiten zur Verfügung.
„Der Libanon befindet sich in einer Situation, in der die Mittelschicht arm und die Armen noch ärmer geworden sind“, sagt Schwester Marie Justine el Osta von der Kongregation der maronitischen Schwestern der Heiligen Familie und Direktorin der Ambulanz. „Das ist eine Katastrophe.“
Trotz des wachsenden Elends um sie herum schenkt die kleine, energische 72-jährige Ordensfrau allen, denen sie dient, ein warmes und ermutigendes Lächeln.
„Meine Kraft kommt von Gott allein“, versichert Schwester Marie Justine. „Unsere Mission ist es, an der Seite der Menschen zu sein, sie aufzurichten und ihnen eine Portion positiver Einstellung und Hoffnung zu geben. Ihnen zu sagen, dass Gott mit uns ist, dass bessere Tage kommen.“

Schwester Marie Justine gibt jedoch auch zu: „Für mich ist es sehr schmerzhaft zu sehen, dass Menschen nach dem geringsten ihrer Rechte fragen müssen: Nahrung. Sie haben das Gefühl, ihre Würde verloren zu haben. Es tut mir weh, das zu sehen.“
Maguy, eine Mutter von vier Kindern im Alter von 7 bis 16 Jahren, begann vor ein paar Wochen die Krankenstation aufzusuchen, um warme Mahlzeiten zu bekommen.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal tun würde“, sagt sie über die Nahrungsmittelzuteilung. „Es kam aber der Augenblick, in dem ich mir sagte, dass ich meine Kinder nicht verhungern sehen wollte. Für sie würde ich alles tun. Bei den Schwestern und allen anderen hier fühle ich mich willkommen. Gott segne sie für alles, was sie tun.“
Die warmen Mahlzeiten werden außerhalb der Ambulanzstation zubereitet. Die Empfänger bringen ihre eigenen Behälter zum Verzehr zu Hause mit. Aufgrund der Coronavirus-Präventionsmaßnahmen erfolgt die Ausgabe im Freien, am Eingang der Ambulanz. So wurde die Essensverteilung auch durch die katastrophale Explosion nicht unterbrochen, die Beirut am 4. August erschütterte und bei der fast 200 Menschen getötet, weitere 6000 verletzt und mehr als 300 000 obdachlos wurden.

Obwohl die Ambulanz vier Kilometer vom Ort der Explosion entfernt liegt, hat sie beträchtliche Schäden erlitten, die Reparaturen in Höhe von fast 40.000 Dollar erfordern. Die Ordensschwester ist dankbar, dass in der Ambulanz niemand verletzt wurde, da sie zum Zeitpunkt der Explosion geschlossen war.
„In diesem Land leben wir von Tag zu Tag, weil wir nicht wissen, was morgen passieren wird. Wir können das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen“, erklärt Schwester Marie Justine. „Ich sage immer, dass Gott uns immer hilft. Ich danke Gott, denn er schickt uns Menschen, die uns helfen“, sagt sie und verweist auf die Hilfe, die vom Hilfswerk KIRCHE IN NOT kommt.
Sie weist dennoch darauf hin, dass „die Not wächst“. Die Möglichkeit einer Hungersnot im Libanon sei sehr real. „Wir nähern uns (der Hungersnot), weil die Lebensmittel sehr teuer werden, und die Menschen nicht mehr genug Geld haben werden, um sie im Supermarkt zu kaufen“, warnt Schwester Marie Justine. „Wir brauchen ein Wunder.“
Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen sind heute mehr als 55 Prozent der libanesischen Bevölkerung arm. Sie müssen darum kämpfen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen – fast doppelt so viele Menschen wie noch vor einem Jahr. Die libanesische Währung hat in weniger als einem Jahr mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren, und die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich verdoppelt, verdreifacht oder sogar vervierfacht.
KIRCHE IN NOT unterstützt ein Programm zur Verteilung von Lebensmittelpaketen an mehr als 5800 bedürftige Familien, die von der Explosion am 4. August betroffen wurden. Schwester Marie Justine wird einen Teil der Verteilung beaufsichtigen.
Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
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BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Libanon
Nur drei Kilometer vom Detonationsort liegt der überwiegend von Christen bewohnte Bezirk Aschrafiyya (Achrafieh). Wie Projektpartner gegenüber KIRCHE IN NOT berichteten, seien dort und in weiteren Teilen Beiruts über 100 Kirchen, Klöster, kirchliche Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen zerstört.
Neben der humanitären Notlage befürchtet die Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, eine Auswanderungswelle der libanesischen Christen: „Viele von ihnen machen sich Sorgen über die wirtschaftliche und politische Situation, die sich fortlaufend verschlechtert. Die Explosion vom 4. August könnte der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Es bestehe die Gefahr, dass viele Angehörige der christlichen Gemeinschaft, der größten im Nahen Osten, die Geduld verlören und anderswo eine bessere Zukunft suchten. „Wir wollen ihnen durch unsere Unterstützung zeigen, dass es für sie eine Zukunft im Libanon gibt – einem Land, das so lange ein Leuchtturm des Christentums gewesen ist“, sagte Lynch.

KIRCHE IN NOT stimmt die weiteren Nothilfen mit anderen katholischen Hilfsorganisationen ab. Jede Organisation ist dabei für einen anderen Bereich verantwortlich, zum Beispiel für Wiederaufbau, medizinische Versorgung, Schule und Bildung oder Infrastruktur.
Durch die Explosion haben über 30 000 Familien in Beirut ihre Wohnungen und Häuser verloren. Es seien längerfristige Nothilfen nötig, da die Instandsetzung einige Zeit brauchen werde, erklärte Lynch. Überwältigt zeigte sie sich von der Hilfsbereitschaft der Wohltäter von KIRCHE IN NOT: „So viele Menschen haben mit so viel Mitgefühl auf das Leid der Menschen in Beirut reagiert. Die Nachrichten von unseren Projektpartnern sind voller Dankbarkeit. Die Botschaft ist angekommen: Die Leidtragenden sind nicht allein.“

Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Libanon

Die Pfarre St. Simon und St. Helena ist ein wichtiges geistliches Zentrum der belarussischen Hauptstadt. Am 5. September hatten sich dort mehrere hundert Menschen versammelt, um für die Einheit des Landes und die Opfer der Massenproteste zu beten, darunter auch Vertreter ausländischer Botschaften und anderer Religionen. Für den 11. September ist ein stadtweiter Kreuzweg angekündigt, bei dem die katholischen Gläubigen um die Rückkehr ihres Erzbischofs Tadeusz Kondrusiewicz beten wollen.
Wie zahlreiche internationale Medien berichteten, war dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz in Belarus und Erzbischof von Minsk-Mahiljou am 31. August an der polnisch-belarussischen Grenze die Wiedereinreise verweigert worden. Osteuropa-Referentin Magda Kaczmarek vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärte dazu: „Wir müssen daran denken, dass Erzbischof bereits 74 Jahre und nicht völlig gesund ist. Eine solche Behandlung kann negative Folgen auf seinen Gesundheitszustand haben.“ Kondrusiewicz hatte im August die Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten öffentlich kritisiert.

Aus seinem „Exil“ in Polen hat sich der Erzbischof vergangene Woche an die Gläubigen und „alle Menschen guten Willens“ gewandt. Er bat sie um das Gebet für eine Lösung der gesellschaftspolitischen Krise, die er als „beispiellos“ bezeichnete. „In diesem Land, das in der Welt als friedlich und gemäßigt angesehen wird“ habe ein Bruder „seine Hand gegen den anderen Bruder erhoben.“
Der Erzbischof rief zu „Vergebung und Barmherzigkeit“ auf. Er regte an, im September in allen Kirchen des Landes um die Fürsprache des Erzengels Michael, des Schutzpatrons von Belarus, zu beten, um eine „Verschlimmerung des Konflikts aufzuhalten und schnellstmöglich eine Lösung zu finden.“ Eine Statue des Erzengels Michael wird alle vier katholischen Diözesen des Landes besuchen. Über eine Million der 9,5 Millionen Belarussen gehören der römisch-katholischen Kirche an, rund 10 000 der unierten griechisch-katholischen Kirche. „Kirche in Not“ ruft zu Gebet und Hilfe für die Menschen in Belarus auf.

Um die Arbeit der katholischen Kirche in Belarus weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Belarus
Weißrussland: „Die Menschen haben Sehnsucht nach Demokratie“
In diesem bewegenden Video-Interview mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) appelliert Asia Bibi an den pakistanischen Premierminister Imran Khan, Minderheiten zu verteidigen. Sie erinnert an das Drama zahlreicher pakistanischer minderjähriger Frauen, die entführt, bekehrt und gewaltsam zur Heirat gezwungen wurden.
Die pakistanische Christin, die zu einem Symbol für das durch die weltweite Christenverfolgung verursachte Leiden geworden ist, sprach von ihrem derzeitigen Wohnsitz in Kanada aus mit dem Direktor von KIRCHE IN NOT Italien, Alessandro Monteduro. Monteduro erwähnte dabei die beiden jungen Christinnen Huma Younus und Maira Shahbaz, die Opfer von Missbrauch wurden. Das Hilfswerk verteidigt deren Fälle mit einer langfristigen Medienkampagne.
Asia Bibi sagte dazu: „Ich weiß, dass diese Mädchen verfolgt werden. Ich appelliere an den Premierminister Pakistans Imran Khan, unseren Mädchen zu helfen, denn keine von ihnen sollte leiden müssen!“

Ein weiteres besonders heikles Thema, das in den letzten Tagen erneut die Aufmerksamkeit der internationalen Medien auf sich gezogen hat, ist das sogenannte Blasphemiegesetz. Laut dem vom Hilfswerk veröffentlichten Bericht über Religionsfreiheit schränken die sogenannten Blasphemiegesetze, die 1986 in das pakistanische Strafgesetzbuch aufgenommen wurden (Abschnitte 295 B, 295 C, 298 A, 298 B, 298 C), die Religionsfreiheit und die Meinungsfreiheit massiv ein. Das Schänden des Koran, sowie das Beleidigen des Propheten stellen Straftaten dar, welche im Höchstfall jeweils mit lebenslänglicher Haft sowie dem Tod bestraft werden können. Im Alltag werden diese Gesetze häufig als Mittel genutzt, um religiöse Minderheiten zu verfolgen. Asia Bibi, eine Mutter von fünf Kindern, war genau aufgrund dieser Anklage von 2009 bis zur Aufhebung des Urteils durch das höchste Gericht Pakistans im Oktober 2018 inhaftiert.
„Als Pakistan gegründet und von Indien getrennt wurde, garantierte der Gründer Ali Jinnah in seiner Eröffnungsrede allen Bürgern Religions- und Gedankenfreiheit“, erklärte Asia Bibi in dem Interview. „Aber heute gibt es einige Gruppen, die die bestehenden Gesetze missbrauchen. Deshalb appelliere ich an den pakistanischen Premierminister, insbesondere die Opfer des Blasphemiegesetzes und die gewaltsam bekehrten Mädchen sowie die Minderheiten, die auch pakistanische Bürger sind, zu verteidigen und zu schützen. Als Opfer spreche ich aus eigener Erfahrung. Ich habe schrecklich gelitten und viele Schwierigkeiten durchlebt; aber jetzt bin ich frei, und ich hoffe, dass diese Gesetze so geändert werden können, dass jeder Missbrauch vermieden wird“, sagte Asia Bibi.

Bei dem Interview, das vollständig auf dem YouTube-Kanal von KIRCHE IN NOT Italien veröffentlicht wurde, bezog sich Asia Bibi auch auf Papst Franziskus. „Ich habe zwei Rosenkränze, die der Heilige Vater gesegnet hat“, sagte sie. „Der eine ist in Pakistan geblieben, den anderen habe ich bei mir. Ich bete den Rosenkranz jeden Tag für den Glauben und für die Verfolgten in Pakistan. Ich danke dem Heiligen Vater Franziskus und Papst Benedikt, die für mich Fürsprache einlegten. Ebenfalls danke ich KIRCHE IN NOT und den vielen anderen Menschen, die für mich gebetet haben.“
Im Namen von KIRCHE IN NOT lud Monteduro Bibi und ihre Familie nach Rom ein. Sie nahm die Einladung mit Freude auf: „Ich habe den großen Wunsch, Rom zu besuchen und, wenn möglich, den Heiligen Vater zu treffen“, antwortete Asia. „Ich bete für Papst Franziskus, der uns in unserem Glauben bestärkt“. Die pakistanische Christin wandte sich abschließend an die Wohltäter des Hilfswerks: „Ich danke KIRCHE IN NOT und allen Wohltätern in Italien und auf der ganzen Welt für die Unterstützung von Menschen, die wie ich wegen ihres Glaubens verfolgt werden.“
KIRCHE IN NOT unterstützt notleidende und verfolgte Christen in Pakistan. Um den Christen weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Pakistan
Schwester Shobka Rani Talari lächelt, wenn sie auf ihr neues Moped steigt. Die schlechten Wege, die sie oft in den Dschungel führen, können sie nicht abschrecken bei ihrer Arbeit in der Mission von Chhaygaon, die in der Erzdiözese Guwahati im armen Nordosten Indiens gelegen ist. Sie ist immer unterwegs, denn sie ist eine „touring sister“, eine Ordensfrau, die Tag für Tag die Menschen in abgelegenen Dörfern besucht. Ihre Hilfe ist dringend notwendig. Denn in den Dörfern, von denen viele im Urwald liegen, gibt es keine medizinische Versorgung, keinen elektrischen Strom, kaum jemand kann lesen und schreiben.

Die Armut ist groß, die hygienischen Verhältnisse schlecht, und in den Familien gibt es viele Probleme. Oft werden Ehen viel zu früh geschlossen, die Kinder bleiben sich selbst überlassen, während die Eltern sich darum kümmern, die Familie mehr schlecht als recht zu ernähren. Die Ernte auf ihren kleinen Feldern fällt nicht selten wilden Elefanten oder anderen Tieren zum Opfer.
Schwester Shobka Rani Talari besucht die Familien und schaut, ob ein Kranker behandelt werden muss – so wie der 10jährige Benedict Rabha, der von einem Baum gefallen war und ins Krankenhaus gebracht werden musste. Sie spricht mit den Leuten und gibt wertvolle Ratschläge, damit die Menschen gesund bleiben. Sie bringt ihnen bei, besser zu wirtschaften, und überzeugt Eltern zudem davon, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Denn nur so gibt es eine Chance auf Entwicklung und bessere Lebensbedingungen. Ihre Mitschwestern von der Kongregation der Töchter der Göttlichen Vorsehung betreiben ein kleines Internat, damit auch Kinder aus abgelegenen Dörfern die Schule besuchen können. Sie selbst leitet eine Dorfschule mit 100 Schülern. Oft ist Überzeugungsarbeit gefragt, denn viele Eltern haben wenig Verständnis für die Notwendigkeit von Bildung. Die Ordensfrau arbeitet auch mit 80 Frauen, die sie dazu anleitet, anderen Frauen zu helfen – durch Geburtshilfe und Betreuung in der Schwangerschaft, durch Unterstützung bei der Erziehung der Kinder, durch Aufklärung über die Gefahren von Alkoholmissbrauch und Tabakkonsum.

In Zeiten der Corona-Pandemie ist diese Hilfe notwendiger denn je. Schwester Lilly Urakadan, die Oberin, berichtet: „Wir konnten 320 Familien, die in große Not geraten waren, helfen.“ Außerdem haben die Schwestern in ihrer Schule ein Quarantänezentrum eingerichtet, wo sie Menschen unterbringen können, die sich aufgrund einer COVID-19-Infektion absondern müssen, dies aber in ihren kleinen Häusern, in denen zahlreiche Familienmitglieder auf engstem Raum zusammenleben, nicht können. Indien liegt auf Platz drei der am stärksten von der Pandemie betroffenen Länder.
Schwester Shobka Rani ist manchmal aber auch unterwegs zu den lokalen Behörden, um ihnen „Beine zu machen“. Sie hat es geschafft, für ein Dorf, in das nachts bereits mehrfach Elefanten eingedrungen waren, eine Beleuchtung mit Solarstrom zu erlangen. Seitdem halten sich die Elefanten fern. Auch eine der schlechten Straßen soll 2021 endlich ausgebaut werden. Dies sind große Fortschritte in einem unterentwickelten und vergessenen Gebiet.

Wichtig ist aber vor allem die Seelsorge. Die Schwestern arbeiten eng mit dem Pfarrer zusammen. Die Kirche ist noch jung in dem Gebiet, die Menschen, die verschiedenen einheimischen ethnischen Gruppen angehören, haben von traditionellen Stammesreligionen zum Christentum gefunden. Ihr Glaubenseifer ist groß, und sie nehmen mit Begeisterung am kirchlichen Leben teil, brauchen aber Begleitung und Vertiefung auf ihrem Weg. In den abgelegenen Dörfern, in denen nicht jeden Sonntag die Eucharistie gefeiert werden kann, treffen sich die Gläubigen zum Rosenkranz oder zu anderen Gebeten und Andachten. Eine wichtige Rolle spielen hier Katecheten, die den Glauben verkünden und stärken. Auch für ihre Aus- und Weiterbildung sind die Schwestern verantwortlich.
Ohne Fahrzeug ist die Arbeit einer „touring sister“ sehr beschwerlich. Dank der Hilfe der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, die 930 Euro zur Verfügung gestellt hat, konnte der Orden ihr endlich ein eigenes Moped beschaffen. „Seitdem Schwester Shobka Rani das Moped hat, konnte sie die Zahl ihrer Besuche in den Dörfern verdoppeln“, freut sich ihre Oberin. Sie schreibt: „Für Ihre großzügige Hilfe sind wir extrem dankbar. Wir versichern Sie und alle Wohltäter unserer Gebete. Bitte beten Sie für uns, dass wir immer mit großem Eifer das Reich Gottes durch unsere Worte und unsere Taten verkünden mögen.“
Im vergangenen Jahr konnte KIRCHE IN NOT Ordensleuten, Priestern und Katecheten insgesamt 266 Kraftfahrzeuge, 119 Motorräder, 266 Fahrräder und 12 Boote für die Seelsorge zur Verfügung stellen.
Aneel Mushtaq, der Geschäftsführende Sekretär der Caritas Pakistan, die bei diesem Projekt Partner von KIRCHE IN NOT war, sagte gegenüber dem Hilfswerk: “Die Hilfe, die Sie von KIRCHE IN NOT gewährt haben, hat geholfen, die Menschen vor dem Hungertod zu retten. Viele hatten nichts, was sie auf den Tisch hätten stellen können, um ihre Familien zu ernähren, und waren in einer überaus beängstigenden Lage.” Allen, die geholfen haben, ein herzliches Vergelt’s Gott!
Christen gelten in Pakistan als Bürger zweiter Klasse. Sie werden beschimpft, diskriminiert, unter Druck gesetzt und haben nur selten die Möglichkeit, sozial aufzusteigen. Die meisten müssen sich in schlechtbezahlten Jobs – oft als Tagelöhner – in Ziegeleien, als Straßenkehrer, Kanalarbeiter, Rikschafahrer oder als Hausangestellte verdingen und leben vom Hand in den Mund.
Die Corona-Pandemie hat ihre Situation verschärft. Denn viele haben während des Lockdowns ihre Arbeit verloren, verfügen aber über keinerlei Ersparnisse, auf die sie zurückgreifen könnten. Zwar sind auch viele Muslime in einer ähnlichen Situation, diese können jedoch auf die Hilfe lokaler NGOs zählen. Nicht-Muslimen wird hingegen oft jede Hilfe verweigert.

In den Diözesen Faisalabad, Islamabad-Rawalpindi und Lahore hat KIRCHE IN NOT daher während des Lockdowns ein Nothilfeprogramm in einer Gesamthöhe von 150.000 Euro gestartet. 5.000 bedürftige größtenteils christliche Familien wurden mit Lebensmitteln versorgt. Die Priester und Katecheten der Diözesen konnten außerdem mit Schutzmaterial wie Masken und Desinfektionsmitteln ausgestattet werden, damit sie die Gläubigen weiterhin in ihren leiblichen und geistlichen Nöten betreuen konnten. Da viele Menschen keinen Zugang zum Internet haben, wurde außerdem ein Aufklärungsprogramm über COVID-19 über das lokale Radio und gedruckte Handzettel gestartet, um sie darüber zu informieren, wie sie sich vor einer Ansteckung schützen können. Schülern aus besonders bedürftigen Familien konnte überdies durch ein Schulstipendium dazu verholfen werden, dass sie nach dem Lockdown ihre Schulausbildung fortsetzen können, obwohl die Eltern ihr Einkommen verloren haben.
Das Corona-Virus breitet sich in Pakistan rasant aus. In der zweiten Junihälfte kamen weiterhin jeden Tag mehr als 1.000 Neuinfektionen hinzu – mit einer hohen Dunkelziffer. Am 27. Juli lagen die Fallzahlen offiziell bei fast 274.300 Infizierten und über 5.840 Toten.