Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 50 von 52
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„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen“, erklärte der Direktor von KIRCHE IN NOT Philippinen, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk unterhält seit 2016 ein Nationalbüro in dem südostasiatischen Land.

In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche. 20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Nur ein halbes Jahr nach dem Attentat ist die Kirche wieder geöffnet

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist, wie Jonathan Luciano beobachten konnte: „Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen.“

Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato. „Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano: „Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: Zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Terroropfer und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. So zum Beispiel auf der benachbarten Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch: Dialog unabdingbar

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte. Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

Auch der Direktor des philippinischen Zweigs von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

Um die Arbeit und das Leben der Kirche auf den Philippinen weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Eine Delegation des Moskauer Patriarchates hat in diesen Tagen die internationale Zentrale des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT besucht, um weitere gemeinsame Hilfsaktionen im Nahen Osten zu besprechen.

Am 16. und 17.Juli besuchte eine Delegation des Moskauer Patriarchates die internationale Zentrale der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Thema der Besprechungen war die Entwicklung weiterer gemeinsamer Projekte in Syrien und im Irak als Antwort auf den Aufruf, den Papst Franziskus und Patriarch Kirill im Februar 2016 bei ihrem historischen Treffen in Havanna an ihre beiden Kirchen gerichtet hatten. Im Mittelpunkt ihrer Botschaft stand die Zusammenarbeit beider Kirchen, um den leidenden Christen vor allem im Nahen Osten zu helfen.

Die Delegation aus Moskau bestand aus Hieromonach Stefan (Igumnov), dem Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Hieromonach Ioann (Kopeykin), dem Prorektor des Postgraduierteninstitutes der Hll. Cyrill und Methodius in Moskau sowie Ekaterina Myazdrikova, der Direktorin des Hilfsfonds „Poznanie“ des Moskauer Patriarchates, der syrischen Kindern hilft, die durch Explosionen schwer verletzt wurden.

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT, die seit mehr als 25 Jahren für den Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche engagiert ist, hatte bereits unmittelbar nach dem Treffen der beiden Kirchenoberhäupter gemeinsam mit dem Moskauer Patriarchat erste Initiativen zugunsten der Christen im Nahen Osten gestartet. Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet soll nun intensiviert werden. Regina Lynch, Direktorin der Abteilung Projekte bei KIRCHE IN NOT, betonte in diesem Zusammenhang, die Katholische und die Russisch-Orthodoxe Kirche hätten „viele gemeinsame Anliegen, von denen das schmerzlichste die Sorge um die Christen im Nahen Osten und in anderen Ländern, in denen Christen verfolgt oder bedrängt werden“ seien.

Hieromonach Stefan (Igumnov) betonte, diese Zusammenarbeit werde möglich durch die „bereits seit vielen Jahren bestehenden guten und fruchtbaren Beziehung zu KIRCHE IN NOT“, die auf „wirklichem Vertrauen“ beruhe. Wörtlich sagte er: „Wir sind nicht nur Partner, sondern Freunde.“ KIRCHE IN NOT habe das Moskauer Patriarchat in „verschiedenen Stadien seiner Geschichte“ unterstützt. Jedoch sei zuvor „nie daran gedacht worden, gemeinsame Projekte auch in anderen Teilen der Welt durchzuführen“.
Nach dem historischen Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kirill in Havanna jedoch habe die Zusammenarbeit „eine neue Phase erreicht.“ Laut Igumnov war es „ein Wunder, das Gott uns geschenkt hat, dass wir bereits zwei Monate nach dem Treffen unserer Kirchenoberhäupter in Havanna ihrem Aufruf folgen und gemeinsam in Syrien tätig werden konnten.“

Die Gespräche über die gemeinsamen Projekte werden weiter fortgesetzt. Es ist geplant, gemeinsame Initiativen ins Leben zu rufen, die dazu dienen, Jugendlichen in Syrien und im Irak unabhängig von ihrer Konfession eine Zukunft zu ermöglichen. Diese gemeinsamen Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch“ sein, wie die Vertreter des Moskauer Patriarchates und der Stiftung KIRCHE IN NOT übereinstimmend erklärten.

Foto:

v.l.n.r.: Peter Humeniuk, Projektleiter für Russland von KIRCHE IN NOT,
Fr. Ioann (Kopeykin), Prorektor des Cyril und Methodius Institutes für Post-Graduate Studien des Moskauer Patriachats in Moskau,
Ekaterina Myazdrikova, Geschäftsführerin von “Poznanie”, ein karitativer Fond des Moskauer Patriachats,
Regina Lynch, KIRCHE IN NOT, Leitung der Projektabteilung,
Fr. Stefan (Igumnov), Sekretär für den interchristlichen Dialog,
P. Martin Barta, internationaler geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT

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Pierbattista Pizzaballa hat bereits über drei Jahrzehnte seines Lebens im Heiligen Land verbracht. Seit 2016 ist der Franziskaner zudem Erzbischof und Apostolischer Administrator des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem und damit Oberhaupt von rund einer Viertelmillion Katholiken in Israel und den Palästinensergebieten – Heimat Jesu und Ursprungsregion des Christentums, aber auch einer der langwierigsten Konfliktherde der Menschheit.

Obgleich die Christen im Heiligen Land nur rund ein Prozent der Bevölkerung ausmachen, sind Sie im öffentlichen Leben präsent. Gleichzeitig müssen sie mit vielfältigen Problem ringen. Das betrifft besonders die arabischen Christen, die die Mehrheit der Gemeinden stellen.

Pizzaballa war kürzlich bei „Kirche in Not“ zu Besuch. Weshalb aktuelle weltpolitische Entscheidungen den Konflikt im Heiligen Land verschärfen und warum die Kirche auf die Kraft der kleinen Schritte setzt, erklärte der Erzbischof im Gespräch mit Daniele Piccini.

KIRCHE IN NOT: Herr Erzbischof, wie ist die aktuelle Situation der Christen im Heiligen Land?

Erzbischof Pierbattista Pizzaballa: Es wird oft gesagt, dass es in dem Gebiet, das als Heiliges Land im engeren Sinne gilt, drei Gruppen gibt: Israelis, Palästinenser, Christen. Aber die Christen sind kein „drittes Volk“. Die Christen gehören zu dem Volk, in dem sie leben. Wir haben als Christen keine Gebietsansprüche. Für einen Juden oder einen Muslim ist es niemals eine Gefahr, einen Christen zu treffen. Dennoch ist das Leben für die Christen nicht einfach: Es ist schwieriger für die Christen, eine Arbeit oder eine Wohnung zu finden. Die Lebensbedingungen sind erschwert.

Also ist die Religionsfreiheit für die Christen im Heiligen Land stark eingeschränkt?

Da muss man differenzieren. Die Freiheit der Religionsausübung ist eine Sache, die Gewissensfreiheit eine andere. Die Freiheit der Religionsausübung ist gegeben: Die Christen können ihre Gottesdienste feiern und ihr Gemeindeleben gestalten. Gewissensfreiheit bedeutet, dass jeder Gläubige sich frei ausdrücken kann und dass sich Angehörige anderer Religionen frei entscheiden können, wenn sie Christen werden möchten. Da wird es sehr viel komplizierter.

Im Heiligen Land spielt Politik immer eine große Rolle. Wenn man beschließt, einen bestimmten Ort zu besuchen, kann das schnell eine politische Frage werden. Ein Beispiel: Christen aus Bethlehem möchten die Grabeskirche in Jerusalem besuchen, um dort zu beten. Häufig geht das nicht, weil sie eine Genehmigung brauchen. Ist das also eine Frage der Religionsfreiheit oder ist es einfach Politik und sie können die Grabeskirche nicht besuchen, weil sie Palästinenser sind? All das ist miteinander verwoben.

Vor kurzem hat die US-Regierung von Donald Trump die amerikanische Botschaft nach Jerusalem verlegt. Rumänien ist einige Monate später diesem Beispiel gefolgt. Wie stark machen sich diese politischen Maßnahmen bemerkbar?

Im Alltag hat sich erst einmal nicht viel verändert. Dennoch ist die Verlegung der US-amerikanischen Botschaft eine politische Sackgasse. Alle Fragen, die Jerusalem betreffen und nicht beide Seiten – Israelis und Palästinenser – einbeziehen, sorgen für einen tiefen Riss auf politischer Ebene. Und genau das ist geschehen. Nach der Verlegung der Botschaft haben die Palästinenser jede Verbindung zur US-Regierung abgebrochen und die Verhandlungen zwischen Israel und den Palästinensergebieten, die ohnehin nur schleppend verliefen, ganz zum Erliegen gebracht.

Die neuen Eskalationen führen dazu, dass sich junge Menschen vermehrt radikalisieren, gerade auch unter den Palästinensern. Hat dies auch Konsequenzen für die Christen?

Es gibt Palästinenser, die fundamentalistischen Bewegungen angehören. Aber es gibt auch viele, die die Gewalt ablehnen. Ein Großteil der Christen im Heiligen Land sind Palästinenser. Sie leben also unter denselben Bedingungen wie die palästinensischen Muslime. Der religiöse Fundamentalismus stellt die Christen klar an den Rand der Gesellschaft. Wir erleben also sowohl Zusammenarbeit und Solidarität, aber auch Ausschluss und Diskriminierung.

Ein weiteres Problem ist die zunehmende Abwanderung von Christen …

Die Abwanderung ist kein Massenphänomen, sonst wären die Christen längst aus dem Heiligen Land verschwunden. Es ist ein stetiges Tröpfeln. Jedes Jahr berichten mir die Priester bei meinen Besuchen in den Pfarrgemeinden: „Dieses Jahr haben wir zwei, drei Familien verloren.“

Kann die Kirche in dieser verfahrenen politischen Situation etwas tun?

Die Christen machen rund ein Prozent der Bevölkerung aus. Wir können daher nicht verlangen, dasselbe politische Gewicht zu haben wie andere Gruppen.

Nun hat die Kirche aber natürlich starke weltweite Beziehungen. Hinzu kommen die Millionen christlichen Pilger aus aller Welt. Dadurch ist die Kirche im Heiligen Land sehr viel sichtbarer, als es die Zahlen vermuten lassen. Unsere Aufgabe ist es, den Menschen zu vermitteln: Es gibt eine christliche Art, in diesem Land zu leben. Es gibt eine christliche Art, unter diesem Konflikt zu leben. Im Augenblick ist nicht die Zeit für große Gesten. Die Kirche muss versuchen kleine Verbindungen herzustellen, kleine Brücken zu bauen.

Der Besuch von Papst Franziskus im Jahr 2014 war eine der großen Gesten in der jüngeren Vergangenheit. Hat das die politische Situation, aber auch das Verhältnis der katholischen und orthodoxen Christen beeinflusst? 

Die Papstbesuche sind wichtige Mosaiksteine auf dem Weg zum Frieden, auch wenn sie natürlich nicht die große Wende bringen können. Im Blick auf die Ökumene ist das anders: Papst Franziskus hat mit seinem Besuch an die berühmte Begegnung von Papst Paul VI. mit Patriarch Athenagoras im Jahr 1964 in Jerusalem angeknüpft. Vor diesem Hintergrund war der Besuch von Papst Franziskus, vor allen Dingen das ökumenische Gebet in der Grabeskirche, ein entscheidender und spürbarer Wendepunkt in der Beziehung von katholischen und orthodoxen Christen.

„Kirche in Not“ ist den Christen im Heiligen Land seit vielen Jahren verbunden. In Jerusalem zum Beispiel finanziert das Hilfswerk ein interreligiöses Seminar mit dem Titel „Vergebung aufbauen, den Hass überwinden“, an dem hunderte Christen, Juden und Muslime teilnehmen. Können Sie uns kurz etwas zu dieser Initiative sagen?

In erster Linie bedanke ich mich bei „Kirche in Not“, weil das Hilfswerk viele Dinge im Heiligen Land tut. Sie unterstützen viele Projekte, auch dieses Seminar, das vom „Rossing-Center“ veranstaltet wird. Daniel Rossing war Jude und davon überzeugt, dass besonders Jerusalem ein Ort sein muss, an dem sich alle Religionen zu Hause fühlen. Dieses Zentrum organisiert eine Fülle von Begegnung. Viele Jugendliche, die an diesen Kursen teilgenommen haben, nehmen ihre Erfahrungen in ihre Berufe mit. So wird die Religion, die im Heiligen Land oft ein Element der Trennung ist, zu einem Element der Gemeinsamkeit.

Um die Arbeit der christlichen Minderheit im Heiligen Land weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Venezuela befindet sich in einer kriegsähnlichen Situation, ist Baltazar Enrique Kardinal Porras Cardozo, Erzbischof der Hauptstadt Caracas, überzeugt. Zum Währungsverfall, dem allgegenwärtigen Mangel an Lebensmitteln, Medikamenten und nahezu allen Dingen des täglichen Bedarfs kommen noch schwere Repressionen, die das Regime seine Gegner spüren lässt. Auch die Kirche steht verschärft im Visier. Obwohl die Ressourcen kaum reichen, setzen sich Seelsorger und freiwillige Helfer für die notleidende Bevölkerung ein.

Vertreter des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT, das seit langem die kirchliche Sozial- und Pastoralarbeit in Venezuela unterstützt, haben Anfang Juli das Land besucht. Pressereferentin Maria Lozano hat dabei mit Kardinal Porras gesprochen.

KIRCHE IN NOT: Venezuela befindet sich zwar nicht im Krieg, aber de facto lebt es in einem Kriegszustand. Was halten Sie von dieser Einschätzung?

Baltazar Enrique Kardinal Porras Cardozo: Wir befinden uns in einer beispiellosen Situation. Sie ist zwar nicht das Ergebnis eines Krieges, hat aber ähnliche Folgen. Das Regime, das Venezuela zurzeit regiert, hat das Land zerstört und einen sozialen Konflikt ausgelöst, der schlimmer wird. Hinzu kommt die Auswanderung vieler Venezolaner in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. Die Menschen verlassen das Land wegen ihrer Armut, ihrer politischen Ideen oder wegen der herrschenden Unterdrückung. Die Wirtschaft ist praktisch zerstört, und es gibt keine Rechtssicherheit. Dazu kommt die Arbeitslosigkeit. Die Menschen haben keine Chance, den Mindestbedarf für ihre Familien zu erwirtschaften. All das bezeichnen Fachleute als Kriegswirtschaft.

Regierung und Opposition haben sich im Juni in Oslo an einen Tisch gesetzt – ohne greifbare Ergebnisse. Demnächst sollen die Gespräche auf Barbados fortgesetzt werden. Die Skepsis ist groß. Was ist Ihre Einschätzung?

Die Regierung hat in den vergangenen 20 Jahren immer wieder zum Dialog aufgerufen, wenn sie in Schwierigkeiten war. Aber mit diesen Aufrufen wollte sie lediglich ihre Macht verlängern. Daher misstraut ein großer Teil der Bevölkerung dem Dialog. Trotzdem bietet er die Chance auszuloten, ob es einen Willen zum Wiederaufbau der Demokratie gibt. Es macht mir große Sorgen, dass seit der Ausrufung von Juan Guaidó zum Interimspräsidenten Anfang des Jahres die Zahl der Verhafteten, Gefolterten, Toten und Verschwundenen zugenommen hat. An diesen Aktionen sind nicht nur hochrangige Militärs beteiligt, sondern auch Teile der Bevölkerung.

Vertreter von KIRCHE IN NOT konnten bei ihrem Besuch in Venezuela feststellen, dass die Menschen vielfach kirchliche Einrichtungen aufsuchen. Kann man sagen, dass die Kirche in Venezuela für viele Menschen die letzte Hoffnung ist?

Viele öffentliche und private Einrichtungen wurden zerstört. Die Kirche ist die einzige Institution, die unversehrt geblieben ist. Das liegt an unserer Nähe zu den Menschen und an unserer Präsenz in allen Bereichen. Darüber hinaus hat die Kirche den Mut, auf die Missstände dieses Regimes hinzuweisen. Viele öffentliche Stimmen äußern sich nicht mehr, weil sie Angst haben. Die Regierung hat viele Unternehmer angegriffen oder kritische Medien bedroht und geschlossen.

Aufgrund ihrer deutlichen Haltung ist aber auch die Kirche Drohungen und Druck ausgesetzt. Kann man sagen, dass die venezolanische Kirche verfolgt wird?

Man kann nicht sagen, dass sie nicht verfolgt wird. Im Bildungsbereich gibt es beispielsweise viele Einschränkungen für katholische Schulen. Es scheint, als seien Hindernisse errichtet worden, damit die Kirche am Ende selbst ihre Schulen schließt. Seit Jahren leiden wir unter subtilem Druck, verbalen Drohungen und Schikanen gegen die karitativen Einrichtungen. Pfarreien werden von der Regierung, von kommunalen Räten und von regierungsfreundlichen Gruppen, den sogenannten „Colectivos“, angegriffen. In den ärmeren Stadtvierteln von Caracas zum Beispiel stehen diese „Colectivos“ oft vor den Kirchentüren. Sie hören genau zu, was der Priester in der Predigt sagt. Wenn ihnen das nicht gefällt, beginnen die Drohungen.

Was würde in Venezuela passieren, wenn die katholische Kirche ihr Engagement nicht fortsetzen könnte?

Für viele Menschen würde sich die Situation noch weiter verschlechtern. Weil so viele Menschen auswandern, sind wir Daheimgebliebenen emotional verwaist. Die Familien und das soziale Umfeld sind verschwunden. Es fehlt an Gemeinschaft. Wir leiden auch darunter, dass es vielen von den Auswanderern weiterhin nicht gut geht. Das ist sehr traurig.

Was ist Ihre Botschaft an die Menschen, die die Arbeit der Kirche in Venezuela durch Organisationen wie KIRCHE IN NOT unterstützen?

Die Nähe vieler Institutionen ist für uns ein großer Trost. Insbesondere bin ich „Kirche in Not“ zutiefst dankbar, nicht nur für die materielle Hilfe, sondern auch für den „geistlichen Gleichklang“, der sich vor allem im Gebet ausdrückt. Dank der Hilfe, die wir von KIRCHE IN NOT zum Beispiel durch Mess-Stipendien erhalten, werden die Nöte der Pfarreien stark gemildert. Auf diese Weise können andere Mittel zur Stärkung der Sozialarbeit eingesetzt werden, die es uns ermöglichen, den bedürftigsten Menschen zur Seite zu stehen.

Um die Arbeit der Kirche für die notleidenden Menschen in Venezuela weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„Das brutale Vorgehen der Regierung Eritreas zielt darauf ab, der Kirche alle Dienste im Bereich Bildung und Gesundheit zu entziehen. Unsere Arbeit soll sich nur noch auf die Gotteshäuser beschränken.“ Dies erklärte der eritreisch-katholische Priester Mussie Zerai gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Zerai lebt in Rom und koordiniert von dort aus die eritreische Seelsorgearbeit und die Gemeinden in Europa. Die wachsen: Tausende Menschen verlassen jedes Jahr ihr Heimatland.

Nach dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen christliche Einrichtungen in dem nordostafrikanischen Land könnten es noch mehr werden: Mitte Juni hatte eritreisches Militär 21 kirchliche Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen gewaltsam besetzt und geschlossen. Die Patienten wurden regelrecht aus den Betten geworfen. Das Militär habe Fenster und Türen zerschlagen und die Angestellten unter Druck gesetzt, erzählte Zerai. Die Leiterin eines Krankenhauses im Norden Eritreas, eine Franziskanerschwester, sei sogar in Haft genommen worden, als sie Widerstand leistete.

Mehr als die Kirche leiden die notleidenden Menschen

„Es gibt keine Rechtfertigung für das Vorgehen des Regimes. Es bestraft diejenigen, die sich um die ärmsten Menschen kümmern“, sagte Zerai. Denn noch mehr als die kirchlichen Mitarbeiter litten die über 200 000 Menschen, die in den kirchlichen Gesundheitseinrichtungen Jahr für Jahr behandelt würden. „Die meisten Patienten waren keine Katholiken, sondern orthodoxe Christen, Muslime und Angehörige anderer Religionen. Oft befinden sich die Einrichtungen in abgelegenen Gebieten“, erklärte der Priester.

Das Vorgehen der Regierung ist nicht neu: Schon im vergangenen Jahr seien acht Gesundheitszentren geschlossen worden. Neu hingegen sei die Brutalität. Die Gründe dahinter sind unklar. Ausländische Beobachter vermuten, der Regierung unter Präsident Isaias Aferweki sei das Engagement der Kirche im Friedensprozess mit Äthiopien zu selbstbewusst geworden. Auch wolle die Regierung den Sozialsektor allein in der Hand haben und beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995. Für Zerai ist die Lage klar: „Die Regierung ist davon besessen, alles und jeden kontrollieren zu wollen. Sie betrachtet die katholische Kirche als Bedrohung, weil wir international vernetzt sind und Fragen stellen.“

Im atheistisch geprägten Staat leiden alle Religionen

In Eritrea leben maximal 120 000 bis 160 000 Katholiken. Die Hälfte der Bevölkerung ist christlich. Neben der katholischen sind nur noch die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche als Religionsgemeinschaften staatlich geduldet – neben dem sunnitischen Islam. Anders als in vielen Ländern Nordafrikas ist der Islam in Eritrea nicht Staatsreligion. Das Land sei „atheistisch geprägt. Wenn es nach der Regierung ginge, gäbe es gar keine Religion. Letztlich ist es dieselbe Schule wie in China“, erklärt Zerai.

Der Priester kann nur deshalb frei sprechen, weil er im Ausland lebt. Die Rückreise in sein Heimatland ist ihm verwehrt. Auf die Bischöfe des Landes – es gibt vier katholische Diözesen – übt die Regierung immer wieder Druck aus. Das hat sie nicht davon abgehalten, gegen die Besetzung der Kliniken vehementen Protest einzulegen. Derweil säßen tausende Christen, aber ebenso Muslime, in eritreischen Gefängnissen, erklärt Zerai: „Oft ohne Angabe von Gründen, die Angehörigen wissen nicht, wo sie abgeblieben sind oder ob sie noch leben.“

Besonders schlecht ergehe es den Gläubigen der staatlich nicht anerkannten Freikirchen. Auch der Patriarch der orthodoxen Kirche steht seit 14 Jahren unter Hausarrest. Vor kurzem seien fünf orthodoxe Mönche festgenommen worden – drei von ihnen über 70 Jahre alt. Eine Oppositionsarbeit im Inland gegen solche oder weitere Verletzungen der Menschenrechte sei unmöglich, erklärt Zerai: „Jede Art des Widerstands, die sich auch nur im Geringsten andeutet, wird sofort im Keim erstickt“. So stammen die meisten Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Eritrea auch von Flüchtlingen. Internationalen Organisationen ist die Einreise verwehrt oder wird massiv erschwert.

Keine Verfassung, keine Grundrechte

„Der Grund, warum immer mehr junge Eritreer ins Ausland gehen, ist die fehlende Rechtsstaatlichkeit“, erklärt Zerai. Das Land hat bis heute keine gültige Verfassung. „Die Menschen können deshalb ohne Grund von zu Hause abgeholt werden. Auch der Militärdienst ist zu einer legalisierten Sklaverei geworden. Den jungen Leuten wird die Möglichkeit zur Zukunft entzogen“, erklärt Zerai.

Auch der Versuch der internationalen Gemeinschaft, im Blick auf die Menschenrechtslage Druck auf Eritreas Regierung auszuüben, sei bislang gescheitert. Das Land habe sich weitgehend isoliert. „Derzeit versuchen die Staaten, Eritrea auf internationaler Ebene stärker einzubeziehen, um so eine Öffnung zu bewirken“, sagte der Priester. Im Oktober 2018 wurde das Land von der UN-Vollversammlung in den Menschenrechtsrat gewählt.

Wie die Menschenrechtslage insgesamt, so sei auch die Religionsfreiheit stark eingeschränkt und von Willkür geprägt: „Es gibt die Freiheit der Religionsausübung für einige, aber nicht für alle. Mal klappt die Zusammenarbeit besser, mal schlechter“, so Zerai. Trotz der aktuellen Eskalation steht für den Priester fest: „Die katholische Kirche wird ihr seelsorgerische, aber auch ihre soziale Arbeit fortsetzen. So sagt es schon die Bibel: Glaube ist nichts ohne echten Einsatz, ohne Werke. Der Kirche die Möglichkeit zur Nächstenliebe zu nehmen, ist, als ob man ihr einen Arm amputieren würde.“

Weitere Informationen zur Lage in Eritrea liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT: religious-freedom-report.org/de/report-de/?report=1770

Um den bedrängten Christen Eritreas weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Das katholische internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) hat im Rahmen seines Wiederaufbauprogramms für die christlichen Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene damit begonnen, Häuser von 41 Familien in der Stadt Bartella wieder zu errichten. Ungefähr 220 weitere Personen profitieren von diesem Projekt. Es ist die neueste Maßnahme im Aufbauprogramm von KIRCHE IN NOT. Die Stiftung hat bereits die Renovierung von mehr als 2.000 Häusern in der Region unterstützt.

Vor der Invasion des Islamischen Staates im Jahr 2014 war Bartella eine Stadt mit ca. 17.500 Einwohnern, die meisten von ihnen syrisch-orthodox oder syrisch-katholisch (3.500 christliche Familien, darunter ca. 12.300 syrisch-orthodoxe und 5.200 syrisch-katholische Einwohner). Als die Bewohner nach der Befreiung der Stadt im Jahr 2016 zurückkehrten, sahen sie, dass ihre Kirchen entweiht worden waren. An einer Kirchenwand war die schwarze IS-Fahne angebracht. Die Islamisten hatten die Wohnhäuser niedergebrannt, geplündert und beschädigt. So wollten sie verhindern, dass die Christen jemals wieder zurückkehren. Weitere Häuser wurden während der Befreiung durch Luftangriffe zerstört.

Am 5. Juni 2019 wurde in einem feierlichen Wortgottesdienst mit Gebeten auf Syrisch, einem aramäischen Dialekt, der Wiederaufbau in Bartella eingeläutet. Pater Andrzej Halemba, Sektionsleiter für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT, verglich in seiner Ansprache die irakischen Christen mit den Familien des Alten Testaments deren Aufgabe es war, Jerusalem nach seiner Zerstörung wieder aufzubauen. Er bat die Anwesenden, für die Wohltäter von KIRCHE IN NOT zu beten. Anschließend segneten die Geistlichen Olivenbäume und verteilten einen an jede Familie. Die Olivenzweige symbolisieren die Hoffnung auf Frieden nach den vielen Jahren des Krieges – und dass diese Bäume, die in den Gärten der Familien gepflanzt wurden, reiche Früchte tragen.

Nach der Invasion des IS auf Mossul und die Ninive-Ebene im Sommer 2014 stellte KIRCHE IN NOT Nahrung, Unterkunft, Medikamente und Schulunterricht für vertriebene Christen bereit, die in Erbil und in anderen Orten Zuflucht gefunden hatten. Nachdem die Menschen nach der Rückeroberung nach Hause zurückgekehrt waren, begann die Stiftung mit dem Wiederaufbau von Häusern, Klöstern, Kirchen und anderen Strukturen. Bis Mai 2019 haben die Wohltäter von KIRCHE IN NOT über 42,6 Millionen Euro für die Menschen im Irak gespendet. Mehr Informationen über das Wiederaufbauprojekt finden Sie unter: www.irak-wiederaufbau.at

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111,1 Millionen Euro für die notleidende, unterdrückte und verfolgte Kirche auf der ganzen Welt. Das ist die Gesamtsumme der Spenden, die 2018 von KIRCHE IN NOT (ACN) in den 23 Nationalbüros und dem Hauptsitz des Hilfswerks eingenommen wurden.

Dank dieser Einnahmen, die aus privaten Spenden der über 330 000 Wohltäter von KIRCHE IN NOT aus verschiedenen Ländern stammen, konnten 5019 Projekte in 139 Ländern finanziert werden. Die österreichischen Wohltäter haben mit EUR 2,7 Millionen tatkräftig mitgeholfen, die vielfältigen Nöte in aller Welt zu lindern.

“Wir sind tief bewegt von der Großzügigkeit unserer Wohltäter auf der ganzen Welt“, erklärte der Österreicher, Thomas Heine Geldern, Exekutivpräsident des Werkes, bei der Vorstellung des Jahresberichts. „Ihr Opfer und ihr Glaube haben wieder Berge versetzt!“

Wie in den vergangenen Jahren wurde ein großer Teil der Spenden für Projekte in Afrika (27 %) und im Nahen Osten (25 %) verwendet. Im Laufe der vergangenen Jahre ist die Hilfe für den Vorderen Orient erheblich gestiegen. Seit Beginn des sogenannten “Arabischen Frühlings” im Jahr 2011 hat die Stiftung päpstlichen Rechts in dieser Region Projekte in einem Umfang von 99 Millionen Euro realisiert, davon mehr als 18 Millionen Euro allein im Jahr 2018. Die Nothilfe für tausende von Christen, die vor allem im Nahen Osten aus ihrer Heimat vertrieben und auf der Flucht sind, machte mehr als 12 % der im vergangenen Jahr gewährten Hilfen aus. Doch vor allem ist es wichtig, auf die großen Anstrengungen zum Wiederaufbau christlicher Häuser in Syrien und im Irak hinzuweisen, die dank der Unterstützung durch KIRCHE IN NOT ermöglicht worden sind. So wurden mit Hilfe der Stiftung im Nahen Osten 1479 christliche Häuser und Wohnungen wiederhergestellt.

Ebenfalls im Nahen Osten befindet sich das Land, das 2018 die meiste Hilfe durch KIRCHE IN NOT bekommen hat: In Syrien konnten Projekte für gut 8,6 Millionen Euro durchgeführt werden; das Land bekam über 2,9 Millionen Euro mehr an Hilfen als im Jahr 2017. Auch an zweiter Stelle auf der Liste der Empfängerländer befindet sich ein nahöstliches Land, der Irak, in dem im vergangenen Jahr Projekte im Gesamtwert von 6,5 Millionen Euro finanziert wurden. An folgender Stelle stehen Indien (5,2 Mio. €), die Ukraine (3,2 Mio. €) und die Demokratische Republik Kongo (2,8 Mio. €).

Bezüglich der Arten der Hilfe stehen nach wie vor Projekte zum Bau und Wiederaufbau mit einem Gesamtvolumen von mehr als 23,2 Millionen Euro an erster Stelle. Sie machen 31,9 % der Hilfen aus. Mit diesen Hilfen konnten 2470 Wohnhäuser, Kapellen, Kirchen, Konvente, Seminare und Pastoralzentren gebaut oder wiederhergestellt werden.
Auf der Rangliste der Hilfen folgen die Messstipendien (16,4 %). 2018 haben von dieser besonderen Art der Unterstützung, die in armen Gegenden, in denen die Priester keine andere Art der finanziellen Unterstützung erhalten, lebensnotwendig ist, 40 569 Priester profitiert: Jedem 10. Priester weltweit konnte auf diese Weise geholfen werden. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 1 421 001 heilige Messen in den Anliegen der Wohltäter von KIRCHE IN NOT gefeiert, also alle 22 Sekunden eine.

An dritter Stelle unserer Hilfe steht die Flüchtlings- und Nothilfe, gleichauf mit der Unterstützung für die Ausbildung der Priester und Ordensleute (12,4%). 2018 hat KIRCHE IN NOT die Ausbildung von 11 817 Seminaristen unterstützt, also jedes 10. Seminaristen weltweit, und die weiterführenden Studien von 4370 Priestern. Mittels Messstipendien konnten wir zudem 1383 Priestern helfen, die mit dem Unterricht an Priesterseminaren betraut sind.

Einen sehr wichtigen Stellenwert nimmt auch die Glaubensbildung für Laien ein, die an fünfter Stelle steht und für die 11,2 % der Hilfen verwendet wurden. Im vergangenen Jahr wurde die Ausbildung von 14 169 Katecheten und engagierten Laien finanziert.

Bei der sechsten Kategorie geht es um die Zurverfügungstellung von Transportmitteln für die pastorale Arbeit (6,8 %): 907 Fahrzeuge, darunter 370 Autos, 189 Motorräder, 342 Fahrräder, 2 Lastwagen, 2 Busse und 2 Boote. An nächster Stelle stehen die Unterstützung christlicher Medien und die Publikation von Bibeln und anderer religiöser Literatur sowie eigener Veröffentlichungen (4,6 %). Insgesamt wurden 2018 dank der Stiftung 1 103 480 Bücher publiziert und verteilt.

Die Zahlen zeigen die grundlegende Unterstützung für die Kirche in der ganzen Welt. Eine Unterstützung, die nahe bei der verfolgten Kirche ist und in konkreter Weise auf die Angriffe reagiert, denen immer häufiger die christlichen Gemeinden in der ganzen Welt zum Opfer fallen. Anlässlich tragischer Anschläge wie der Massaker kürzlich am Ostersonntag in Sri Lanka oder der häufigen Attentate in Ländern wie Pakistan und Nigeria hat Kirche in Not immer und schnell reagiert und damit den zutiefst verwundeten Gemeinden geholfen, aufzustehen und selbst dort, wo die Christen nur eine kleine unterdrückte Minderheit sind, gestärkt Präsenz zu zeigen.

Dies hat Kirche in Not durch den Wiederaufbau der zerstörten Kirchen, durch die Unterstützung der Familien der Opfer ermöglicht und dadurch, dass das Werk den Priestern und Ordensleuten geholfen hat, ihren Dienst weiterzuführen. Es hat gezeigt, dass der Glaube die Macht hat, den Hass zu besiegen.

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Nigeria boomt. Die Einwohnerzahl der größten Volkswirtschaft Afrikas hat sich nach einem Bericht der Vereinten Nationen in den letzten 30 Jahren auf fast 200 Millionen Menschen verdoppelt, damit ist es weltweit das Land mit der siebtgrößten Bevölkerung. „Eine Bevölkerung, der viel Leid widerfährt“, berichtet Schwester Jacinta Nwaohiri bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT International. Die Dominikanerschwester lebt in der Diözese Sokoto in Gusau, der Hauptstadt des im Norden gelegenen Bundesstaates Zamfara. Auf das ganze Land bezogen ist der Anteil von Christen und Muslimen in etwa gleich. Da die meisten Christen jedoch im Süden wohnen, betrage ihr Anteil im Norden jedoch nur unter fünf Prozent, so Schwester Jacinta.

Die haben es besonders schwer, denn „durch die Terrorgruppe Boko Haram im Norden Nigerias werden Christen systematisch verfolgt und ermordet, die sich der Forderung widersetzen, die Scharia in ganz Nigeria einzuführen und westliche Bildungseinflüsse abzulehnen“, beschreibt Jacinta Nwaohiri die Situation. Sie weiß wovon sie spricht, denn sie hat es selbst erlebt: Auch in ihre Dörfer fiel Boko Haram eines Morgens ein, sie zerschossen alles und brannten alles nieder. Die Angst der christlichen Bevölkerung wächst, denn außerdem gibt es regelmäßig Bedrohungen durch die mehrheitlich muslimischen Nomaden aus dem Stamm der Fulani, die im gesamten Land für brutale Überfälle verantwortlich sind. „Es geschehen wieder viele Übergriffe, die unermessliches Elend bringen“, bedauert sie.

In ihrem Konvent in Gusau, dem derzeit 17 Schwestern angehören, kümmert sich Jacinta Nwaohiri vor allem um die Bildung der Bevölkerung und unterstützt arme Bauern auf der Suche nach Arbeit im Kampf gegen den Hungertod, der das Land vor massive Herausforderungen stellt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ihr in allen Bereichen ein wichtiges Anliegen. Als großes Problem benennt sie auch die Tatsache, dass junge Mädchen im Land traditionell meist früh mit älteren Männern verheiratet werden, oft bereits im Alter von zwölf Jahren. „Wir müssen für ihre Schulbildung sorgen. Das ist der einzige Schlüssel, um ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu geben“, sagt Schwester Jancinta.

Die Ordensfrau hofft, dass die Regierung endlich Erfolge erzielt, die Gewalt im Land einzudämmen, damit die vertriebenen Menschen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren können. Sie ist sehr dankbar für die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT, die im Land bereits viel Gutes bewirkt habe. So hat KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren unter anderem für die Ausbildung von elf Dominikaner-Novizinnen gesorgt und den Bau einer Einrichtung für die Schwestern mitfinanziert.
„Die Nigerianer sind trotz der vielen Probleme und des Leids im Land lebensfroh“, sagt Schwester Jacinta. „Der regelmäßige Kirchgang, unser starker Glaube und das Vertrauen auf Gott geben uns täglich Kraft und Überlebenswillen.“

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„Die Anschläge haben viele Leute an den Ausnahmezustand zu Zeiten des Bürgerkriegs erinnert. Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock“, so das Fazit von Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag, die landesweit hunderte Tote und Verletzte zu verantworten hatten, hat sich die für das Land zuständige Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT (ACN) selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht.

Sie berichtet von einer landesweit angespannten Lage, immer wieder aufkommenden Unruhen und Furcht: „Die Sicherheitsmaßnahmen in ganz Sri Lanka waren bei unserem Besuch sehr groß, Sicherheitskräfte und das Militär waren überall präsent. Insbesondere die christliche Bevölkerung hat weiterhin Angst. Es ist bekannt, dass an Ostersonntag mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend ermittelt und festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

Derzeit appelliert der Erzbischof der Diözese Colombo, Albert Malcolm Kardinal Ranjith, an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte auszuüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest. Innerhalb weniger Tage hat eine kleine Delegation von KIRCHE IN NOT insbesondere die Regionen um die Hauptstadt Colombo und der Nachbarstadt Negombo besucht, wo die meisten der Anschläge auf Kirchen und Hotels stattfanden. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Denn es waren ja ganz gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel. „Uns ist wichtig, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT aus erster Hand über die Lage vor Ort zu informieren, damit wir nicht vergessen, für Sri Lanka zu beten und dem Land unsere Unterstützung zukommen lassen können.“

Seit dem 21. Mai, genau einem Monat nach der Anschlagsserie, seien die Kirchen im Land wieder den Gläubigen zugänglich, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie momentan Angst haben, in eine Kirche zu gehen oder sich fürchten, wenn sie Glocken erklingen hören. Ein bedrückendes Zeugnis davon, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“ Dennoch konnte sie feststellen, dass die Erlebnisse viele Menschen, die selbst Opfer wurden oder Angehörige verloren haben, in ihrem Glauben bestärkt haben. „Die Leute verstehen zwar nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist, nachdem die Zustände die letzten Jahre verhältnismäßig ruhig waren. Aber sie haben einen immensen Lebenswillen und starken Glauben. Die Christen und alle Menschen in Sri Lanka wollen keinen Bürgerkrieg mehr, sondern sich für dauerhaften Frieden engagieren“, betont die KIRCHE IN NOT-Referentin.

Der Besuch eines Franziskaner-Konvents in Negombo habe Veronique Vogel besonders beeindruckt: Das Konvent befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo bei den Anschlägen allein dort mindestens 100 Menschen getötet wurden. Die Franziskaner haben uns Videos mit schrecklichen Szenen vom Tattag gezeigt – und seien sie sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie aktuell ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Der Inselstaat Sri Lanka liegt im Indischen Ozean und hat rund 22 Millionen Einwohner, darunter 70 Prozent Buddhisten, 12,5 Prozent Hindus, 9,5 Prozent Muslime und 8 Prozent Christen. Bei einer Serie von Anschlägen am Ostersonntag, 21. April 2019 kamen insbesondere in drei christlichen Kirchen und drei Hotels in der Hauptstadt Colombo, der Nachbarstadt Negombo und der an der Ostküste gelegenen Stadt Batticaloa zahlreiche Menschen zu Tode oder wurden schwer verletzt. Derzeit wird von landesweit mindestens 253 Toten und rund 500 Verletzten ausgegangen. Die Behörden machen eine lokale, radikal-islamistische Gruppierung und Dschihadisten für die Taten verantwortlich.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 15 Jahren über 8 Millionen Euro in Projekte in Sri Lanka investiert. Mit dem Geld wurden unter anderem der Bau christlicher Einrichtungen, Messstipendien für Priester, theologische Ausbildungen und die Anschaffung christlicher Literatur vor Ort finanziert. Nach den jüngsten Terroranschlägen wird sich KIRCHE IN NOT umso mehr für langfristige pastorale Hilfe im Land engagieren, damit die Wunden heilen und die Gemeinden wieder Hoffnung und Zuversicht erlangen können.

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Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ begrüßt die Entscheidung der Vollversammlung der Vereinten Nationen, wonach der 22. August als neuer „Internationaler Gedenktag für Opfer von Gewalt wegen ihrer Religion oder ihres Glaubens“ begangen werden soll.

„Diese Entscheidung ist eine klare Botschaft und ein klarer Auftrag, dass die Vereinten Nationen, ihre Mitgliedsstaaten und die Zivilgesellschaft religiös motivierte Gewalt nicht tolerieren können und werden“, sagte Mark von Riedemann, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit und Belange der Religionsfreiheit in der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus.

Zunehmende Gewalt bis hin zum Völkermord an religiösen Minderheiten

Die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft auf Meldungen über religiöse Gewalt seien bislang zu spärlich und zu spät erfolgt. „Die Entscheidung für den Gedenktag ist ein erster Schritt, um mehr Aufmerksamkeit auf religiöse Verfolgung zu lenken“, erklärte von Riedemann. Internationale Berichte wie die Untersuchung des US-Außenministeriums oder die Studie „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ verzeichneten eine „dramatische Zunahme der Gewalt gegen Gläubige praktisch aller Glaubensrichtungen auf allen Kontinenten, wobei Christen am stärksten verfolgt werden“, führte von Riedemann aus.

Allein in den vergangenen fünf Jahren sei es zweimal zu einem Völkermord an religiösen Minderheiten gekommen, „wie er in Syrien und im Irak vom ,Islamischen Staatʻ an Christen und anderen religiösen Gruppen sowie von Militäreinheiten an muslimischen Rohingyas in Myanmar verübt wurde“, so von Riedemann. Hinzukämen die anhaltenden „organisierten Gräueltaten“, die sich vermehrt gegen Christen auf dem afrikanischen Kontinent richten.

Auftakt für Prozess zu internationalem Aktionsplan gegen religiöse Gewalt

Der neue Gedenktag könne deshalb nur ein erster symbolischer Schritt sein, so Riedemann. „Kirche in Not“ setzt sich zusammen mit anderen Organisationen und politischen Akteuren für die Einrichtung einer UN-Plattform ein, auf der Informationen zu antireligiöser Gewalt schneller verbreitet werden können.

Am Ende müsse ein internationaler Aktionsplan stehen, um religiöse Verfolgung einzudämmen „oder um zu verhindern, dass sie zu noch größeren Gräueltaten wie Völkermord eskalieren“, erklärte von Riedemann. Bislang fehle es dazu an politischen wie organisatorischen Möglichkeiten. „Unser Schweigen zur religiösen Verfolgung ist unsere Schande.“

Der neue „Internationale Gedenktag für Opfer von Gewalt wegen ihrer Religion oder ihres Glaubens“ wurde bei der UN-Vollversammlung am 28. Mai verabschiedet. Der Vorschlag war von Polen eingebracht worden. Die USA, Kanada, Brasilien, Ägypten, Irak, Jordanien, Nigeria und Pakistan hatten die Initiative unterstützt.

Die Idee zum neuen Gedenktag geht auf die polnische Anwältin Ewelina Ochab zurück, einer international anerkannten Expertin für Religionsfreiheit. Bei einer im Herbst 2017 von „Kirche in Not“ veranstalteten Konferenz in Rom zur Lage der Christen im Irak stellte Ochab ihre Idee vor, durch einen UN-Gedenktag die weltweite Aufmerksamkeit auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken. „Kirche in Not“ hatte sie auf diesem Weg ermutigt.

Der Bericht von „Kirche in Not“ über die Situation der Religionsfreiheit in 196 Ländern findet sich unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

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Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht. Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten.

Das christliche Online-Jugendmagazin „f1rstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

f1rstlife: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?

Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört. Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?

Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt. Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst. Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?

Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden. In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen. Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?

Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir hier in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?

Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können. Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nigeria

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Erzbischof Bernardito Auza, ständiger Beobachter des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen und Präsident der Path to Peace Foundation, lobte die Hilfe von KIRCHE IN NOT (ACN) – den Empfänger des Path to Peace Awards 2019 – als „führende Organisation in der Welt, die ein Sprachrohr für Christen ist, die an bestimmten Orten Verfolgung erleiden – und noch wichtiger: KIRCHE IN NOT reagiert mit Taten.“

Bei der jährlichen Preisgala der Path to Peace Foundation im New Yorker Pierre-Hotel sagte Erzbischof Auza am 22. Mai 2019, die Stiftung wolle KIRCHE IN NOT ehren „als eine Stimme, die in der Wildnis schreit und die Stimmen von Christen wiederholt, die um Hilfe rufen.“ Der Erzbischof zitierte die zweijährlichen Berichte von KIRCHE IN NOT – „Verfolgt und vergessen?“ und „Religionsfreiheit in der Welt“ – als „die besten Berichte, die es gibt, um die Verwüstungen der Christenfeindlichkeit und den Status der Religionsfreiheit in 196 Ländern zu beschreiben.

„Die Wichtigkeit der Informationen, die diese Berichte liefern, kann nicht genug betont werden“, sagte der Erzbischof, „auch wenn KIRCHE IN NOT bei all der Arbeit vor Ort einen noch größeren Dienst geleistet hat.“ Erzbischof Auza – der als junger Priester von KIRCHE IN NOT ein Stipendium erhielt, das ihm erlaubte, in Rom zu studieren – wies insbesondere auf die Arbeit von KIRCHE IN NOT in den Ninive-Gebieten im Irak hin, wo die Organisation „einen sogenannten Marshall-Plan für den Wiederaufbau von Häusern, Institutionen und Kirchen sorgt und damit die Wiederbelebung der Region antreibt als Reaktion auf die Zerstörung durch den IS.“

Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International, nahm die Auszeichnung entgegen und erklärte, dass die Ehre „jenen Christen zusteht, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt, unterdrückt, diskriminiert oder zum Schweigen gebracht werden. Wenn ich ihnen heute Nacht meine Stimme leihe, hoffe ich, dass ihr Martyrium etwas weniger leise ist.“

Er fuhr fort: „Unsere Arbeit wäre ohne die unermüdliche Unterstützung unserer weltweiten Wohltäter nicht möglich. Wir existieren aufgrund ihrer außergewöhnlichen moralischen und finanziellen Unterstützung und wir sollten bedenken, dass es oft die Münze der Witwe ist, die uns hilft. Unsere Spender sind das Fundament, auf dem wir Brücken des Glaubens, der Hoffnung und der Nächstenliebe bauen, um die verfolgte Kirche zu unterstützen.“

KIRCHE IN NOT wurde 1947 gegründet, um die Bedürfnisse von Flüchtlingen und Vertriebenen im Nachkriegsdeutschland zu befriedigen. Heute ist KIRCHE IN NOT eine Päpstliche Stiftung, die mit mehr als 5.000 Projekten jedes Jahr Verfolgte und Leidende auf der ganzen Welt unterstützt.

Projekte umfassen den Bau von Kirchen und Kapellen, die Unterstützung für die Ausbildung von Seminaristen, Ordensleuten und Laienkatecheten, sowie Soforthilfe und Transport für Geistliche und Ordensleute. Im vergangenen Jahr spendeten KIRCHE IN NOT-Wohltäter mehr als 100 Millionen Euro. Seit 2011 hat KIRCHE IN NOT mehr als 70 Millionen Euro bereitgestellt, um vom IS und anderen islamistischen Gruppen bedrohte syrische und irakische Christen zu unterstützen und das Überleben des Christentums in der Region zu sichern.

Dr. Heine-Geldern: „Religionsfreiheit ist ein grundlegendes Menschenrecht. Es liegt in der Verantwortung aller Nationen und internationalen Nichtregierungsorganisationen, das Recht jedes Einzelnen auf Religionsfreiheit zu schützen. Wir dürfen den Kampf um die uneingeschränkte Durchsetzung dieses Grundrechts, das untrennbar mit der Würde jedes Menschen verbunden ist, nicht aufgeben.“

Zum Abschluss seiner Ausführungen sagte er: „Wir alle sind verpflichtet zu reagieren und unsere Solidarität mit den von Verfolgung betroffenen christlichen Gemeinschaften zu zeigen, obwohl der schwierigste Job letztendlich nicht unser Job ist.“

„Diejenigen, die an vorderster Front mit den Gläubigen stehen, die mit Verfolgung, Hass und Gewalt konfrontiert sind, sind mutige Männer und Frauen, Bischöfe, Priester, Ordensfrauen und freiwillige Laien. Als ultimative Diener des Friedens bleiben sie bei ihrem Volk. Ihnen widme ich auch den Path to Peace Award 2019.“

Die Path to Peace Foundation unterstützt verschiedene Bereiche der Arbeit der Mission des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen. Die Stiftung finanziert auch humanitäre Projekte in Entwicklungsländern. Zu den früheren Preisträgern des Path to Peace Awards zählen Kardinal Mario Zenari, päpstlicher Nuntius in Syrien, Prinz Henri von Luxemburg und Königin Sofia von Spanien.

In seiner Eröffnungsrede erklärte Erzbischof Auza: „Die Mission des Heiligen Stuhls wäre nicht in der Lage, das zu tun, was wir versucht haben, um die Christen bei den Vereinten Nationen zu verteidigen, wenn es die konstante und hervorragende Zusammenarbeit mit KIRCHE IN NOT in den USA nicht gegeben hätte.“

„Wir sind entschlossen, verfolgten Christen überall zu helfen, und wir wollen sicherstellen, dass die globale antichristliche Verfolgung in den Nachrichten und im öffentlichen Diskurs an vorderster Front bleibt“, sagte George Marlin, der Vorsitzende des Nationalbüros von KIRCHE IN NOT in den USA, und fügte hinzu: „Wir fordern die Regierungen und die Kirchenführer auf, das Thema mit hoher Priorität anzugehen.“