Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 7 von 52
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Katholische Priester in Finnland verbringen sehr viel Zeit im Auto. Die Entfernungen im Land sind enorm. Finnland ist vier mal größer als Österreich, aber es gibt nur acht Pfarren. „Jedes Wochenende legen wir Tausende Kilometer zurück, um unseren Gläubigen die heilige Kommunion zu bringen”, erklärt Bischof Raimo Goyarrola aus Helsinki im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Seine Diözese umfasst das ganze Land. Nur etwa 10 000 der 5,5 Millionen Einwohner sind katholisch. Finnland ist überwiegend lutherisch geprägt. Weil es so wenige katholische Kirchen im Land gebe, bitten viele Familien darum, in ihren Dörfern zumindest einen Tabernakel aufstellen zu dürfen, berichtet der Bischof. Die nächste katholische Kirche kann für die Gläubigen schon einmal 300 Kilometer entfernt sein. Aber auch die 29 Priester im Land legen weite Strecken zurück. Im vergangenen Jahr hat KIRCHE IN NOT deshalb auch ein Auto für eine Pfarre mit rund 20.000 Euro gefördert.

Obwohl Finnland eines der wohlhabendsten Länder der Welt ist, so ist die katholische Kirche eine der ärmsten in Europa. „Im Gegensatz zu anderen Kirchen im Land erhalten wir keine staatliche Unterstützung. Wir sind chronisch unterversorgt“, erläutert Bischof Goyarrola. Oft fehlen Mittel für grundlegende Dinge wie die Bezahlung der Seelsorger, die Mittel für Katechese oder für die Durchführung karitativer Programme. Ohne finanzielle Ressourcen bleiben auch Projekte wie der Bau von Kapellen, katholischen Schulen oder Pastoralzentren für Kinder – eines der großen Anliegen des Bischofs – unerfüllt.

Bischof Raimo Ramon Goyarrola Belda aus Helsinki. © Catholic Information Center

Jährlich über 500 neue Katholiken

Und doch wächst die Zahl der Gläubigen stetig: Mit jährlich über 500 neuen Katholiken kann Bischof Goyarrola stolz auf seine kleine, lebendige Herde sein. Seit zwei Jahrzehnten gibt es in Finnland einen kontinuierlichen Anstieg der Katholiken, mit einer steigenden Nachfrage nach Taufen sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen und Kindern.

Hinzu kommen Konvertiten aus traditionell lutherischen Familien, in denen die religiöse Praxis längst aufgegeben wurde. In der spirituellen Leere entdecken sie die katholische Kirche als verlässlichen Orientierungspunkt und möchten konvertieren.

„Ein Katholik ist in Finnland oft der einzige in seiner Schule oder an seinem Arbeitsplatz. Doch sie verstecken ihren Glauben nicht – im Gegenteil. Die finnischen Katholiken sprechen ganz selbstverständlich über die Eucharistie und über Jesus. Sie sind Missionare und Apostel, wo immer sie hingehen, und damit ein Vorbild für die Weltkirche“, so Bischof Raimo Goyarrola, der ursprünglich aus Spanien stammt. Seit 20 Jahren ist er schon in Finnland tätig. Vor zwei Jahren wurde er zum Bischof von Helsinki geweiht.

Prozession in Finnland © Catholic Information Center

Jugendcamps in Lappland

Um den Glauben zu stärken, organisiert der Bischof regelmäßig Jugendcamps in Lappland: „Mit 30 Kilogramm Gepäck durch Schnee und Regen zu wandern, umgeben von atemberaubender Natur – das schweißt zusammen, führt zu Bekehrungen und vertieft den Glauben“, sagt er. Für ihn ist die Natur ein idealer Ort der Gottesbegegnung.

Die Teilnehmer an diesen Camps sind so vielfältig wie die katholische Kirche Finnlands selbst. Etwa die Hälfte der neuen Gläubigen stammt aus finnischen Familien, die andere Hälfte sind Migranten oder Flüchtlinge – viele zwar aus traditionell katholischen Ländern wie den Philippinen oder den zentral- und südamerikanischen Ländern, zunehmend aber auch aus Kriegsgebieten: Sudan, Myanmar oder der Ukraine.

Finnland hat seine Grenzen für ukrainische Flüchtlinge geöffnet – auch weil dringend notwendige Arbeitskräfte fehlen. Mehr als 7000 griechisch-katholische Ukrainer sind in den vergangenen Monaten angekommen. Obwohl der Krieg in der Ukraine den Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche schwächen könnte, bleibt dank der langen ökumenischen Tradition des Landes die Zusammenarbeit zwischen den Gläubigen lebendig.

Lutheraner und Orthodoxe stellen Kirchen zur Verfügung

Heute zählt die katholische Kirche in Finnland Gläubige aus 120 Nationen und feiert die Liturgie in allen katholischen Riten. Weil eigene Kirchen fehlen, stellen lutherische und orthodoxe Gemeinden sonntags ihre Gotteshäuser zur Verfügung. „Jeden Monat feiern wir die Messe in 20 lutherischen und 5 orthodoxen Kirchen“, sagt der Bischof dankbar. Ein beeindruckendes Zeugnis gelebter Ökumene – in der Hoffnung, bald eigene kirchliche Strukturen bauen und damit die wachsende Gemeinschaft besser begleiten zu können.

Der 45-jährige Ukrainer Maksym Ryabukha ist einer der jüngsten Bischöfe der Welt. Er leitet das Apostolische Exarchat Donezk, zu dem die Regionen Donezk, Luhansk, Dnipro und Saporischschja gehören. Über die Hälfte dieses kirchlichen Gebietes ist von russischen Truppen besetzt. Bei einem Besuch der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein (Taunus) sprach er über die dramatische Lage seines Exarchats, die seelsorglichen Herausforderungen und die Kraft des Glaubens.

Wie würden Sie die aktuelle Lage in ihrem Exarchat beschreiben?

Sie wird immer dramatischer. Drohnen machen jeden Ort unsicher, auch für Zivilisten. Entlang der Frontlinie schlafen Menschen nachts im Freien aus Angst vor Angriffen. Ich habe Familien getroffen, die nur knapp Bombenexplosionen entkommen sind. Solche Erlebnisse erschüttern zutiefst.

Bischof Maksym Ryabukha mit Angehörigen einer Pfarrei in Donezk © KIRCHE IN NOT

Wie erleben Sie den Krieg als Bischof?

Wir fühlen uns oft machtlos – als ob niemand wahrnehmen würde, was hier geschieht. Am schmerzlichsten ist, dass zivile Gebiete bombardiert werden und die Welt zu diesem Massaker schweigt. Sichtbare Schritte in Richtung Frieden gibt es kaum.

Welche Veränderungen hat der Krieg für Ihre Kirche gebracht?

Vor der Invasion hatten wir mehr als 80 Pfarreien, heute sind nur noch 37 aktiv. Die übrigen sind geschlossen, besetzt oder zerstört. Die Gesetze der Besatzungsregierung verbieten jede Zugehörigkeit sowohl zur griechisch-katholischen als auch zur römisch-katholischen Kirche. Alle Kirchen dort sind geschlossen. Es ist verboten, sie zu besuchen.

Bischof Maksym Ryabukha mit einem Priester vor einem zur Kapelle umgebauten Wohnwagen © KIRCHE IN NOT

Wie erreichen Sie die Menschen unter diesen Umständen?

Ich bin ständig unterwegs, deshalb nenne ich mich „Bischof auf Rädern“. Ich besuche Pfarreien, gehe in die Häuser, höre zu, bete mit den Menschen. In den besetzten Gebieten treffen sich Gläubige heimlich. Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl, vergessen zu sein.

Wie sieht die seelsorgliche Arbeit konkret aus?

Wir haben 53 Priester, acht Ordensfrauen und mehrere Familien- und Caritaszentren. Wir begleiten vor allem Menschen, die durch den Krieg traumatisiert sind: Kinder, die das Lesen oder Sprechen verlernt haben, Mütter gefallener Soldaten, Menschen, die alles verloren haben. KIRCHE IN NOT unterstützt uns mit Schulungen für Seelsorger, um psychische Wunden zu heilen, und mit humanitärer Hilfe: Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Zufluchtsorte im Winter.

Bischof Maksym Ryabukha im Gespräch mit einer alten Frau © KIRCHE IN NOT

Können Sie ein Erlebnis schildern, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Wir brachten Hilfspakete zu einem alten Ehepaar in Slowjansk. Als die Frau die Lebensmittel sah, sagte sie: „Davon habe ich geträumt.“ Für mich zeigt das: Es geht nicht nur um materielle Hilfe, sondern darum, dass Menschen spüren:  jemand liebt sie.

Was gibt Ihnen Hoffnung in dieser Situation?

Dass Gott stärker ist als das Böse. Wir sehen das Leben durch die Brille des Paradieses: Früher oder später wird alles enden – und das Ende heißt Paradies. Jeder Tag ist eine Chance, einen Schritt in diese Richtung zu machen.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in der Ukraine:

„Ich konnte vor lauter Angst, getötet zu werden, nicht schlafen. So geht es mir auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe“: Pfarrer Alphonsus Afina aus der Diözese Maiduguri im Nordosten Nigerias befand sich 51 Tage lang in der Gewalt von Kämpfern der islamistischen Terrororganisation Boko Haram, ehe er am 21. Juli freigelassen wurde. Über die Zeit seiner Geiselhaft berichtete er jetzt in einem persönlichen Zeugnis, das KIRCHE IN NOT vorliegt.

Der Priester war zusammen mit zwei Mitarbeitern auf dem Weg zu einer kirchlichen Veranstaltung in Maiduguri, als sein Auto am 1. Juni überfallen wurde: „Bewaffnete Männer kamen aus den Büschen am Straßenrand hervor und schossen auf uns.“ Er habe versucht, sich in einem nahegelegenen Militärkontrollpunkt in Sicherheit zu bringen, doch die Angreifer hätten ihn auf Motorrädern verfolgt.

Die Entführer hätten ihn zu seinem Auto zurückgebracht, um es auszuplündern. Sie schlugen den Geistlichen und verletzten ihn schwer: „Sie begannen, mich zu schlagen. Blut lief in meine Augen und tropfte auf meine Schulter.“ Die Verletzungen seien so schwerwiegend gewesen, dass Mediziner nach seiner Freilassung um sein Augenlicht fürchteten. Nun wartet Pfarrer Afina auf eine Augen-Operation.

Alphonsus Afina, Priester aus der Diözese Maiduguri (Nigeria).

Gefährliche Augenverletzung davongetragen

Zusammen mit 13 anderen Personen wurde der Seelsorger zu Fuß in eine Bergregion verschleppt. „Einige konnten fliehen, andere wurden getötet – darunter auch einer unserer Mitarbeiter“, berichtet Afina. Seine Entführer identifizierte der Geistliche als Anhänger der Terrorgruppe Boko Haram. Als das nigerianische Militär als Reaktion auf die Entführung begann, den Stützpunkt der Terroristen aus der Luft anzugreifen, habe sich seine Panik nochmals gesteigert, so der Seelsorger.

Am 21. Juli wurde der Priester zusammen mit zehn weiteren entführten Personen freigelassen. Aktuell befindet er sich im Krankenhaus in Maiduguri. Seine plötzliche Freilassung schreibt er den Gebeten aus aller Welt zu. Auch hätten ihn die Entführer im Laufe der Zeit respektvoller behandelt: „Ich habe die Wirkung der Gebete, die weltweit für mich gesprochen wurden, gespürt. Vor allem bin ich Gott dankbar, dass er in dieser schrecklichen Erfahrung mein Leben bewahrt hat.“

Nigeria ist aktuell das Land, in dem weltweit am meisten Priester und Ordensleute einführt werden.

Nirgendwo werden mehr Geistliche entführt als in Nigeria

Die Entführung von Pfarrer Afina ist leider kein Einzelfall. Nigeria ist aktuell das Land, in dem weltweit am meisten Priester und Ordensleute einführt werden. Terroristen und kriminelle Banden sind eine ständige Bedrohung. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wir neue Schreckensmeldungen aus Nigeria erhalten.

KIRCHE IN NOT leistet Wiederaufbauhilfen für vom Terror betroffene Gemeinde. Außerdem unterstützt das Hilfswerk die Seelsorge und psychologische Betreuung von Überlebenden. Helfen Sie den notleidenden und verfolgten Christen in Nigeria mit Ihrer Spende Sie brauchen uns jetzt – dringend! Jetzt online spenden.

„Die Christen in Nigeria brauchen uns jetzt“

Von den 237 Millionen Einwohnern Nigerias sind etwa je die Hälfte Christen und Muslime. Im Norden Nigerias, wo die Christen in der Minderheit sind, kommt es seit über 15 Jahren immer wieder zu terroristischen Übergriffen. Schienen Boko Haram und andere Gruppen zunächst militärisch zurückgedrängt, gewinnen sie in jüngster Zeit wieder an Boden.

Helfen Sie notleidenden und verfolgten Christen in Nigeria mit Ihrer Spende:

Fast 50.000 Menschen wurden nach Angaben von in der Region tätigen UN-Mitarbeitern durch die jüngsten Angriffe in der nördlichen Region Cabo Delgado in Mosambik Ende Juli und in der ersten Augustwoche vertrieben.

„Die neue Welle von Terroranschlägen, die vor allem die Diözese Pemba betrifft, war zwischen dem 20. und 28. Juli besonders brutal, vor allem in den Distrikten Chiúre, Ancuabe und Muidumbe. Aber auch am 6. und 7. August gab es intensive Angriffe in den Distrikten Palma, Meluco und Quissanga”, berichtet Schwester Aparecida Queiroz von der Kongregation der Töchter Jesu gegenüber dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT  (ACN).

Der Krieg in Cabo Delgado geht auf einen Aufstand von Dschihadisten zurück, die mit dem Islamischen Staat in Verbindung stehen. Die Angriffe begannen 2017, und die Versuche der Regierung, sie zu unterdrücken, waren wenig erfolgreich. Der Konflikt in Cabo Delgado hat seit Oktober 2017 mehr als 6.000 Todesopfer gefordert und mehr als eine Million Menschen vertrieben. Laut UNO benötigen zudem dringend Hilfe zum Überleben.

Ein Kind in einem Flüchtlingslager im Bezirk Metuge in Mosambik.

Kinder von islamistischen Militanten entführt

In einer Botschaft an das Hilfswerk schreibt auch Pater Kwiriwi Fonseca, Passionist und Priester in der Diözese Pemba, die die Region Cabo Delgado umfasst: „Dieser sinnlose Krieg bringt nur Tod, und nimmt den Menschen, insbesondere den Kindern, ihre letzte Hoffnung.“

Er berichtet von Informationen über entführte Kinder und fügt hinzu: „Diese Kinder müssen zu ihren Eltern zurückgebracht werden; sie müssen überall gesucht werden, ganz gleich, wo sie sind, damit sie zu ihren Eltern zurückgebracht werden können. Sie verdienen eine bessere Zukunft.“

Der Passionistenpriester äußert auch seine Befürchtung, dass die Welt den seit fast acht Jahren andauernden Konflikt vergessen könnte. „Die humanitäre Krise, die durch diesen Krieg verursacht wurde und durch die Wirbelstürme, die diese Region in den letzten Jahren heimgesucht haben, mit einer enormen Zerstörung von Häusern, Infrastruktur und landwirtschaftlichen Flächen noch verschärft wurde, gerät zunehmend in Vergessenheit oder wird verschwiegen. Dieses Schweigen beunruhigt uns, besonders zu einem Zeitpunkt, da Tausende und Abertausende unserer Brüder und Schwestern in Cabo Delgado, vor allem in der Region Chiure, durch neue Angriffe, die Brandschatzung ihrer Häuser und die Entführung ihrer Kinder in eine noch schlimmere Krise gestürzt wurden.“

Pater Kwiriwi Fonseca, Passionist und Priester in der Diözese Pemba.

Hilfe für Vertriebene

Die katholische Kirche steht an vorderster Front, um den Menschen zu helfen, die durch die Gewalt alles verloren haben. Pater Kwiriwi Fonseca dankt allen Spendern, die diese Bemühungen über KIRCHE IN NOT weiterhin unterstützen: „Bitte unterstützen Sie die Menschen in Cabo Delgado weiter, unterstützen Sie die, die für den Frieden kämpfen. Wir wollen keinen Krieg, wir wollen Frieden. Mosambik braucht Frieden.“

“Ich bedauere zutiefst, dass unsere Brüder und Schwestern in Mosambik mit einer weiteren Welle von Anschlägen konfrontiert sind. Wir beten für alle Opfer”, sagt Ulrich Kny, Leiter der Projekte von Kirche in Not für Mosambik.

KIRCHE IN NOT unterstützt die Diözese Pemba durch verschiedene Projekte, darunter psychosoziale Hilfe für Terrorismusopfer, Material für den Bau von Dutzenden von Häusern und Gemeindezentren sowie die Bereitstellung von Fahrzeugen für Missionare, die mit Vertriebenen arbeiten und natürlich sind wir bereit, mit weiterer Nothilfe zu helfen”, betont er.

Um der notleidenden Bevölkerung in Mosambik weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Mosambik

„Die Raketen flogen einen Tag nach Beginn unseres Camps über uns hinweg“, berichtet der Priester Louis Salman aus dem Westjordanland. Er arbeitet für die christliche Jugendseelsorge „Youth of the Homeland of Jesus (YJH), die für eine Jugend, die in der Heimat Jesu inmitten von Konflikten und Krieg aufwächst, immens wichtig ist.

Ausgerechnet während der Zeit der israelisch-iranischen Raketenangriffe im Juni leitete Louis Salman ein Sommerlager im Westjordanland, das von KIRCHE IN NOT unterstützt worden war. „Natürlich hatten die Kinder Angst, und die Eltern riefen uns an und wollten die Kinder nach Hause holen“, schildert er im Gespräch mit dem Hilfswerk. „Aber wir konnten sie überzeugen, dass die Kinder bleiben sollten.“

Letztlich sei es die richtige Entscheidung gewesen. „Wir erhielten 10 bis 15 Minuten vor jedem Angriff Nachrichten über das Mobilfunknetz. Wir versammelten dann alle in einem Raum und schufen eine festliche Atmosphäre oder sprachen mit den Kindern und Jugendlichen über Jesus, damit sie die Raketen nicht sahen.“ Diese erfahrene Gemeinschaft habe dazu beigetragen, dass sie keine Angst hatten. „Aber trotzdem war es eine sehr seltsame Erfahrung“, gesteht der junge Priester.

Jugendseelsorger Louis Salman.

„Atempausen“ für die jungen Christen

Jedes Jahr organisiert das Lateinische Patriarchat von Jerusalem Sommerlager für junge Christen in Israel und den Palästinensischen Gebieten. In diesem Jahr haben mehr als 600 Kinder und junge Erwachsene unterschiedlichen Alters teilgenommen.

Neben Spaß, Gemeinschaft und Freizeit ist auch Glaubensbildung ein wichtiger Teil in den Camps. Wegen der anhaltenden Konflikte im Nahen Osten haben sie an Bedeutung gewonnen; sie sind willkommene „Atempausen“ für die jungen Christen. „Sie können dort Freiheit atmen“, sagt Louis Salman. „Zu Hause können sie wegen der Kontrollen und Kontrollpunkte ihre Freunde nicht besuchen. Deshalb ist die Erfahrung im Camp so wertvoll.“

Eine andere Wirklichkeit erleben junge hebräischsprachige Katholiken in Israel. Auch für sie organisiert das Lateinische Patriarchat Sommercamps. Monika Faes, Pastoralreferentin im Vikariat St. Jakob von Jerusalem, berichtet, dass die meisten Kinder, die dort an den Sommerlagern teilnehmen, Migranten ohne Papiere seien. Durch die ständige Angst vor der Abschiebung und tagelangen Aufenthalten in Luftschutzbunkern seien viele von ihnen traumatisiert. Daher seien die Sommercamps eine Chance für sie, „einfach wieder Kind zu sein“.

Junge Christen aus dem Westjordanland.

„Einfach wieder Kind sein“

Die Katechese, die sonst in den Gemeinden stattfindet, wird auch in den Camps fortgesetzt. „Einige haben uns erzählt, wie wichtig es für sie gewesen sei, diese Momente der Verbindung mit Gott zu erleben und dass das Seelsorgeteam und Priester da waren“ erläutert Faes. „Die Teilnahme am Camp gibt ihnen Kraft, mit Jesus zu gehen.“

Dieses Gefühl sei wichtig, denn die jungen Christen gehörten Minderheiten an: zum einen weil sie keine Papiere besitzen und das Gefühl hätten, nicht dazuzugehören, zum anderen weil sie Christen sind. Nur rund 1,5 Prozent der Einwohner im Heiligen Land sind Christen.

Ohne die finanzielle Unterstützung von KIRCHE IN NOT könnten solche Sommercamps für junge Christen in Israel und den Palästinensischen Gebieten nicht stattfinden. Monika Faes sagt: „Die Eltern arbeiten hart, aber sie können die gesamten Kosten für die Teilnahme an den Camps nicht aufbringen, sodass die zusätzlichen Kosten immer vom Patriarchat übernommen werden müssen. Da wir ein sehr kleines Vikariat sind, sind wir KIRCHE IN NOT sehr dankbar. Diese Hilfe ist lebenswichtig.“

Unterstützen Sie notleidende Christen im Heiligen Land mit Ihrer Spende

KIRCHE IN NOT befürchtet die Zunahme von Seuchen in der umkämpften Region um die Stadt Suweida im Süden Syriens. Es fehle an Wasser, Lebensmitteln, Babyartikeln und Medikamenten wie Insulin oder Antibiotika, stellt das Hilfswerk nach Rücksprache mit lokalen Quellen fest. Aus Angst vor einer weiteren Eskalation müssen die Ansprechpartner anonym bleiben. Die kirchlichen Ansprechpartner fordern einen humanitären Korridor, um Menschen zu evakuieren und Hilfe in die Region zu lassen.

Wie sie berichten, halten sich in der Kapuzinerkirche von Suweida etwa 250 Menschen auf. Sie haben sich vor den Kämpfen in Sicherheit gebracht, die Mitte Juli zwischen Beduinen-Stämmen und der religiösen Minderheit der Drusen ausbrachen. Syrisches Militär und Israels Armee griffen in den Konflikt ein. Eine vereinbarte Waffenruhe hält nicht.

Informationen von KIRCHE IN NOT zufolge geriet auch die Kapuzinerkirche zwischen die Fronten. „Eine Granate schlug in das Kloster ein und verursachte erhebliche Schäden an Fenstern und den Wassertanks“, berichtet ein Kontakt. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. Allerdings habe sich die humanitäre Situation durch den Angriff weiter verschärft: Das Wasser ginge zur Neige, der Strom sei immer wieder unterbrochen. „Das Leben in Suweida ist unerträglich geworden“, klagte die Quelle.

Christen beten vor einer Ikone.

Helfen Sie den notleidenden und verfolgten Christen in Syrien mit Ihrer Spende:

„Leben in Suweida ist unerträglich geworden“

Das örtliche Krankenhaus habe die Arbeit eingestellt. Über 1200 Tote hätten bislang noch nicht bestattet werden können. Die Menschen seien in der Stadt eingeschlossen, da immer noch gekämpft werde: „Immer noch sind Schüsse zu hören. Die Angst ist allgegenwärtig. Wir wissen nicht, welche Gruppen sich hier bekämpfen“, berichtete eine weitere Kontaktperson.

Einer KIRCHE IN NOT nahestehenden Ordensschwester zufolge hielten sich einige christliche Familie im Osten von Suweida auf, dort sei es etwas sicherer. Doch die Menschen seien vielfach traumatisiert: „Viele leiden unter schweren Panikattacken und emotionalen Zusammenbrüchen. Sie brauchen Medikamente und psychologische Betreuung.“

KIRCHE IN NOT steht in ständigem Kontakt mit der christlichen Gemeinschaft im Süden Syriens. Aktuell ist jeder Ausweg blockiert, berichtet eine Person: „Wir wissen nicht, wie es weitergehen oder enden wird. Es fehlt uns an allem.“

In verschiedenen Regionen Syriens ist es erneut zu einer Reihe von gewalttätigen Angriffen auf christliche Gemeinden gekommen. Wie KIRCHE IN NOT von lokalen Quellen erfahren hat, haben unbekannte Täter im Süden Syriens eine Kirche sowie Häuser von Christen angegriffen und in Brand gesteckt.

Ansprechpartner des Hilfswerks meldeten, dass es einen Brandanschlag auf die melkitische griechisch-katholische Kirche St. Michael im Dorf al-Sura in der Region Suweida gegeben habe. Das volle Ausmaß des Schadens ist noch nicht bekannt, da der Zugang zum Gebiet aufgrund der anhaltenden Spannungen rund um die Stadt Suweida derzeit nicht möglich ist. Bilder in den sozialen Netzwerken bestätigen jedoch den Angriff auf die Kirche.

Die nach dem Brandanschlag schwer beschädigte melkitische griechisch-katholische Kirche in al-Sura (Syrien).

Helfen Sie den notleidenden und verfolgten Christen in Syrien mit Ihrer Spende:

Außerdem gibt es Berichte, dass 38 Häuser christlicher Familien bei gewalttätigen Angriffen durch Brandschatzung zerstört wurden, wodurch zahlreiche Familien obdachlos geworden sind. Rund 70 Menschen haben in einem Saal der Kirche in der Stadt Schahba Zuflucht gefunden, wo sie derzeit unter prekären Bedingungen leben. „Diese Gemeinde hat alles verloren“, sagte eine der Quellen gegenüber KIRCHE IN NOT. „Sie hatten von Anfang an wenig und gehörten zu den Ärmsten der Region. Jetzt haben sie nichts mehr.“

Diese Angriffe stehen wohl im Kontext einer Gewalteskalation gegen Minderheiten rund um die Stadt Suweida, während der in den vergangenen Tagen örtlichen Quellen zufolge zahlreiche Angehörige der drusischen Religionsgemeinschaft getötet wurden.

Auch in anderen Teilen Syriens bleibt die Sicherheitslage prekär. Nahe der Hafenstadt Tartus, etwa 250 Kilometer nordwestlich von Damaskus, konnten Sicherheitskräfte einen Bombenanschlag auf eine maronitische Kirche vereiteln. Am Sonntag, 13. Juli, wurde gegen Mitternacht ein Wagen entdeckt, der mit großen Mengen Sprengstoff, Waffen und Brandsätzen beladen und in der Nähe der Kirche abgestellt war. Dank des koordinierten Vorgehens von Sicherheitskräften und Anwohnern konnte ein Anschlag verhindert werden: Die mutmaßlichen Terroristen wurden in einem Hinterhalt gefasst.

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Am 22. Juni 2025 wurde in der griechisch-orthodoxen Mar-Elias-Kirche in Damaskus ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem mindestens 30 Personen starben.

Diese Vorfälle ereigneten sich nur wenige Wochen nach einem Selbstmordanschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche bei Damaskus, durch den während des Sonntagsgottesdienstes mindestens 30 Menschen starben und 54 verletzt wurden.

Angesichts dieser schwerwiegenden Ereignisse ruft KIRCHE IN NOT die internationale Gemeinschaft auf, für den Schutz der am stärksten gefährdeten Gemeinschaften in Syrien einzutreten.

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 Prozent der syrischen Einwohner Christen sind. KIRCHE IN NOT unterstützt in Syrien kirchliche Initiativen und Projekte zum Wiederaufbau, um Christen zum Bleiben in ihrer Heimat zu motivieren. Im vergangenen Jahr hat das Hilfswerk in Syrien 153 Projekte mit rund 4,9 Millionen Euro unterstützt.

Estland verzeichnet ein starkes Wachstum der katholischen Gemeinde. „1970 zählte sie nur etwa zehn Gläubige, heute sind es zwischen sieben- und zehntausend“, berichtete Bischof Philippe Jourdan im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Er leitet eines der jüngsten Bistümer der Welt: Seine Diözese Tallinn wurde Ende September 2024 errichtet; vorher war sie seit 1924 Apostolische Administratur, eine Art „dauerndes Provisorium“.

Während der Zeit der Sowjetherrschaft war sie zwischen 1945 und 1992 unbesetzt. Der Franzose Jourdan er kam in 1990er-Jahren in das baltische Land; er leitete die Kirche in Estland bereits vor der Gründung der Diözese.

Die Spuren von mehr als 50 Jahren Sowjetherrschaft seien auch im religiösen Bereich spürbar, erklärte Bischof Jourdan: „Estland gilt als eines der am meisten säkularisierten Länder in Europa: Ein Viertel der Bewohner bezeichnet sich als gläubig, drei Viertel als nicht gläubig.“ Während diese Entwicklung in anderen europäischen Staaten zugenommen hat, sei sie in Estland in den vergangenen 25 Jahren stabil geblieben.

Ein Mädchen liest in der estnischen Ausgabe der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Spuren der Sowjetzeit auch im religiösen Bereich spürbar

Dennoch verzeichnet die katholische Kirche im Land mehr Taufen, gerade auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, so der Bischof: „Offensichtlich führen Ereignisse wie die Covid-19-Pandemie und der Ukraine-Krieg dazu, dass sich junge Menschen vermehrt existenzielle Fragen stellen.“ Viele Taufbewerber haderten auch mit der auf Konsum und Erfolg ausgerichteten Gesellschaft.

Die Zusammensetzung der katholischen Gemeinde in Estland spiegelt ebenfalls die Geschichte des Landes: „Rund die Hälfte spricht estnisch als Muttersprache, die andere Hälfte russisch. Darunter sind auch Menschen aus Belarus.“ Auch Flüchtlinge aus der Ukraine und Migranten, zum Beispiel aus Asien, seien in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Die Gottesdienste finden sowohl im lateinischen wie im byzantinischen Ritus statt, da viele Gläubige unierten Ostkirchen angehören. In der Diözese Tallinn, die das Gebiet ganz Estlands umfasst, wirken aktuell 15 Priester.

Kirchliche Jugendfreizeit für Flüchtlinge aus der Ukraine in Estland.

„Ökumene hat große Fortschritte gemacht“

Die evangelischen Gemeinden des Landes hätten die Errichtung der neuen Diözese „sehr positiv“ aufgenommen, berichtete Bischof Jourdan: „Die Ökumene hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.“ Er führt dies neben theologischen Bemühungen auch auf politische Herausforderungen zurück, die das Baltikum sehr bewegen: „Wir teilen gemeinsame Anliegen, etwa in sozialen Fragen oder im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine.“

Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Estland mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Estland

Das Benediktinerinnen Sainte Agathe wurde im Mai 2005 in dem Dorf Lolo in der Diözese Moundou im Süden des Tschad gegründet. Es ist das erste kontemplative Kloster in mehrheitlich muslimischen zentralafrikanischen Land.

Die ersten Benediktinerinnen, die aus der Demokratischen Republik in den Tschad kamen, empfanden es als eine Gnade, an dem „Abenteuer“ dieser Gründung teilnehmen zu dürfen. Die einheimische Bevölkerung erhoffte sich viel von der Klostergründung, auch wenn die meisten von ihnen wenig über das monastische Leben wussten. Die jungen Schwestern, die dorthin kamen, waren von der Mission, die ihnen übertragen worden war, beseelt und machten sich mutig und voller Elan daran, sie zu erfüllen. In Lolo gab es nichts: keine Schule, kein fließendes Wasser, kein Krankenhaus und die meisten Menschen konnten nicht lesen und schreiben.

Inzwischen haben die sechs Benediktinerinnen, die in dem Kloster leben, ein geistliches Zentrum, einen Kindergarten und eine Grundschule eingerichtet. Außerdem setzen sie sich für die Alphabetisierung von Frauen und die Berufsausbildung von jungen Mädchen ein, die bis heute oft früh zu einer Eheschließung gezwungen werden. Für die Frauen und Mädchen ist die Anwesenheit der Schwestern eine große Hilfe.

Allen, die den Schwestern geholfen haben, selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können, herzlichen Dank!

Aber der Tschad ist eines der ärmsten Länder der Erde, und für das Kloster war es schwierig, sich wirtschaftlich selbst zu unterhalten. Schwester Victorine, die Priorin, hatte uns geschrieben: „Die wenigen Mittel, die wir von außen erhalten, reichen nicht aus, und wir haben Schwierigkeiten, den Grundbedarf des Klosters zu decken und z.B. für das Essen, die medizinische Versorgung im Krankheitsfall und die Kleidung aufzukommen, aber auch die geistlichen Bedürfnisse zu decken wie die Ausbildung junger Schwestern, Exerzitien und Einkehrtage.“

Daher haben unsere Wohltäter den Benediktinerinnen geholfen, eine Landwirtschaft aufzubauen. 8.560 Euro kamen zusammen. Dafür konnten landwirtschaftliche Geräte, Saatgut sowie zwei Kühe angeschafft werden. Die Schwester bauen auf sechs Hektar Erdnüsse an, die sie verkaufen, sowie insgesamt auf zwei Hektar Hirse und Sesam größtenteils für den Eigenbedarf. Einen Teil des Erlöses investieren sie wiederum in den Ausbau der Landwirtschaft, damit dieses Projekt weiterläuft.

Schwester Myriam stammt ursprünglich aus der Demokratischen Republik Kongo. Sie sagt: „Ich bin für meine erste missionarische Erfahrung im Tschad. Die Gemeinschaft hier ist jung, was bedeutet, dass wir viel arbeiten müssen, vor allem mit unseren Händen, um unsere Lebensbedingungen zu verbessern und auch, um der lokalen Gemeinschaft durch soziale Maßnahmen wie Bildung, Zugang zu sauberem Wasser und Gesundheit zu nützen. Deshalb möchte ich KIRCHE IN NOT meine Dankbarkeit für diese wichtige Unterstützung ausdrücken. Ich lernte, die Zugtiere zu führen, um die Felder zu pflügen, und wie man Hirse anbaut.“

Allen, die den Schwestern geholfen haben, selbst für ihren Lebensunterhalt aufkommen zu können, herzlichen Dank!

José Filiberto Velázquez Florencio leitet in der Diözese Chilpancingo-Chilapa im Süden von Mexiko ein Zentrum für Betroffene der Bandengewalt. „Ich fühle mich hier wie ein Kriegsseelsorger“, sagt der Priester, den alle nur „Pfarrer Fili” nennen. Er vermittelt zwischen Behörden, Bevölkerung und kriminellen Banden, die hauptsächlich vom Menschen- und Drogenhandel leben. So möchte er mäßigend auf sie einwirken, auch wenn es ständige Lebensgefahr bedeutet – für Pfarrer Fili, aber auch für die anderen Seelsorger Mexikos.

Über seine Arbeit und was ihm trotzdem Kraft gibt, hat Pfarrer Fili gesprochen, als er  KIRCHE IN NOT (ACN) besucht hat.

Pfarrer José Filiberto Velázquez Florencio.

KIRCHE IN NOT: Pfarrer Fili, erzählen Sie uns etwas über die aktuelle Situation in Mexiko.

José Filiberto Velázquez Florencio: Mexiko ist mit einer sehr schwierigen Realität konfrontiert, die viele Menschen durchleben. Es geht um die „Krise des Verschwindenlassens“. Menschen, die entführt wurden, verschwinden in diesem fast endlosen Krieg, der 2006 begonnen und fast 400 000 Todesopfer gefordert hat. Über 100 000 Menschen gelten als vermisst.

Sie sprechen von einem Krieg. Was für ein Krieg ist das?

Als ich in den USA studierte, habe ich erfahren, dass im Bundesstaat Guerrero im Süden von Mexiko über Nacht 43 Studenten spurlos verschwunden waren. Für mich war das eine schockierende Nachricht, wie das in Mexiko passieren konnte. Das hat mir gezeigt, dass wir einen „inneren Krieg“ haben. Unsere Politiker nennen ihn nicht so. Offiziell spricht niemand von einem Krieg. Aber die Menschen erleben ihn.

Sind diese organisierten Verbrechergruppen also ein Staat im Staat?

Die jahrelange Korruption hat es diesen Gruppen ermöglicht, zu wachsen und sich in den Gemeinden und der Gesellschaft zu verwurzeln. Das hat Auswirkungen, denn die Wirtschaft dreht sich um diese Art von Geschäft. Wir stehen vor der Herausforderung, so nah an den Vereinigten Staaten zu leben, mit dieser riesigen Bevölkerung, die Drogenproduktion verlangt – Kokain, Heroin und auch Fentanyl, das eigentlich als Schmerzmittel dient. Das ist unser Dilemma.

Pfarrer Fili verteilt Lebensmittel an bedürftige Personen in Guerrero.

„Wir haben einen, inneren Krieg. Auf mich wurden schon zweimal Anschläge verübt“

Sie stehen in Kontakt mit den Banditen, aber auf der anderen Seite auch mit der Polizei. Wie bewegen Sie sich zwischen den beiden Seiten?

Wir als Kirche sind die einzige Institution, der die Menschen vertrauen. Deshalb kommen beide Seiten zu uns, um mit uns zu sprechen. Wenn zum Beispiel jemand getötet wurde oder etwas ähnlich Schlimmes passiert ist und die Polizei etwas herausfinden will, rufen sie mich an. Ich habe dann die Aufgabe, Kontakt mit der anderen Seite aufzunehmen und zu fragen, was sich ereignet hat.

Wie kann man sich diese kirchliche Vermittlerrolle konkret vorstellen?

Wir begannen, Dialoge zu fördern, wenn zwei Menschen oder verschiedene Gruppen nicht über ihre Probleme sprechen können. Wir versuchen, sie zu solchen Dialogen einzuladen. Wir lassen sie „Verträge“ schließen. Diese Verträge dauern zunächst drei bis sechs Monate, bewirken aber dann große Veränderungen im Leben der Menschen, weil sie den Krieg und die Morde beenden.

In dieser Vermittlerrolle liegt auch eine große Gefahr. Mexiko gilt nach wie vor als eines der Länder, in dem weltweit die meisten Priester ermordet werden.

Ich möchte an einen Mitbruder erinnern, Pater Marcello. Er war Priester aus der Diözese San Cristóbal de Las Casas im Bundesstaat Chiapas im äußersten Süden Mexikos. Er wurde im vergangenen Oktober ermordet. Er war Vermittler zwischen den Konfliktgruppen, zwischen der Regierung und mehreren Banden. Einer dieser Gruppen gefiel das Ergebnis nicht. Sie beschlossen, ihn zu töten, nachdem er am Sonntag die heilige Messe beendet hatte. Sie warteten vor der Kirche auf ihn und töteten ihn. So etwas kann auch mir jederzeit passieren. Auch auf mich wurden schon zweimal Anschläge verübt.

Pfarrer José Filiberto Velázquez Florencio, Seelsorger im mexikanischen Bundesstaat Guerrero.

Woher nehmen Sie die Kraft, mit Ihrer Arbeit weiterzumachen?

Die Menschen geben mir Kraft. Ich denke an die Opfer, die Überlebenden, die Mütter, die ihre Kinder verloren haben, ihre Familien, die sie weiterhin suchen, und an ihren Glauben. Das motiviert mich, weiterhin bei ihnen zu bleiben.

Manchmal habe ich nicht genügend Mittel, um sie zu unterstützen. Ich habe nicht alle materiellen oder gar rechtlichen Möglichkeiten. Es sind die kleinen Dinge, die ich für sie tun kann: einfach an ihrer Seite zu sein.

Bitte unterstützen Sie Arbeit der Kirche in Mexiko und ihren Einsatz für Betroffene der Bandengewalt mit Ihrer Spende  – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Mexiko

Nach dem Selbstmordanschlag am Sonntagabend, 22. Juni, auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat KIRCHE IN NOT zur Solidarität mit den Christen in Syrien aufgerufen. „Wir sind zutiefst schockiert über diesen tragischen und sinnlosen Gewaltakt“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch.

„Wir schließen uns dem Aufruf des griechisch-orthodoxen Patriarchen Johannes X. an, Gotteshäuser zu schützen und diesen Teufelskreis der Gewalt zu beenden.“ Die internationale Gemeinschaft dürfe jetzt „nicht wegschauen“ und müsse sich für den Schutz der Christen und aller Religionsgemeinschaften in Syrien einsetzen.

Medienberichten zufolge hat am Sonntagabend gegen 18:40 Uhr ein Selbstmordattentäter auf Gottesdienstbesucher der Mar-Elias-Kirche im Stadtteil Dweila in Damaskus gefeuert und sich dann in die Luft gesprengt. Die syrischen Behörden sprachen von 30 Toten und über 50 Verletzten. Zwischenzeitlich habe sich der „Islamische Staat“ (IS) zu dem Anschlag bekannt, meldete das syrische Innenministerium.

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochia, ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT, hatte noch am Sonntagabend mitgeteilt: „An dem Tag, an dem unsere Kirche aller antiochenischen Heiligen gedenkt, schlug die heimtückische Hand des Bösen zu.“ Das Patriarchat forderte die syrischen Behörden auf, „die volle Verantwortung für die geschehenen und weiterhin geschehenden Verletzungen der Heiligkeit der Kirchen zu übernehmen und den Schutz aller Bürger zu gewährleisten“.

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Zerstörung nach dem Anschlag in der Mar-Elias-Kirche. Foto: Griech.-orth. Patriachat von Antiochia

Nächstenliebe zeigen und Christen in Syrien helfen – jetzt spenden

„Die heimtückische Hand des Bösen hat zugeschlagen“

Der Anschlag auf die Mar-Elias-Kirche fällt in die Zeit der staatlichen Neuorientierung nach dem Sturz des Assad-Regimes im vergangenen Dezember. Christen und andere Minderheiten stellen einerseits ein Entgegenkommen der Verantwortlichen fest, sahen aber andererseits das Erstarken islamistischer Kräfte im Alltag mit großer Sorge.

Die Zahl der Christen in Syrien liegt lokalen Schätzungen zufolge heute bei etwa 250 000. Vor Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2011 waren es noch 1,5 Millionen. KIRCHE IN NOT unterstützt in Syrien zahlreiche kirchliche Initiativen und Projekte zum Wiederaufbau, um Christen zum Bleiben in ihrer Heimat zu motivieren.

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Bei dem Selbstmordanschlag starben laut Behörden 30 Christen und mehr als 50 wurden verletzt. Foto: Griech.-orth. Patriachat von Antiochia
Das Apostolische Vikariat Guapi liegt im Südwesten Kolumbiens an der Pazifikküste. Die Bevölkerung setzt sich überwiegend aus Afrokolumbianern und Indigenen zusammen. Die Armut ist groß, Gewalt ist weit verreitet. Seit den 1980er Jahren floriert hier der Drogenhandel, der von der strategischen Lage der Region als Ein- und Ausgangshafen profitiert. Das Gebiet ist zudem Schauplatz bewaffneter Auseinandersetzungen zwischen FARC-Guerilla und der Nationalen Befreiungsarmee. Anfang November 2024 wurden das Haus des Bischofs und das Kuriengebäude durch die Druckwelle einer Bombenexplosion zerstört, als ein Anschlag auf eine nahegelegene Polizeistation verübt wurde.
„Dank Ihrer Hilfe konnten wir dieses Boot einweihen, und es wird uns sehr nützlich sein, um allen Menschen in diesem Gebiet das Evangelium zu bringen.“

Das Vikariat erstreckt sich über eine Fläche von 10.000 Quadratkilometern und ist größtenteils von tropischem Regenwald bedeckt. Es gibt nur wenige Straßen. Die meisten Orte sind nur auf dem Wasserweg erreichbar. 19 Priester betreuen hier ca. 150.000 Gläubige.

Der Bischof hatte uns dringend um Hilfe gebeten, um zwei Außenbootmotoren für das alte Boot anschaffen zu können, das ihm als einziges Fortbewegungsmittel für seine Pastoralbesuche dient. Unsere Wohltäter haben 27.085 Euro dafür gespendet. Dadurch wurde die pastorale Arbeit in dem Vikariat wesentlich vereinfacht. „Dank Ihrer Hilfe konnten wir dieses Boot einweihen, und es wird uns sehr nützlich sein, um allen Menschen in diesem Gebiet das Evangelium zu bringen.“

Herzlichen Dank allen, die geholfen haben!