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Glaubens-Kompass - "Fasten"

Glaubens-Kompass - "Fasten"

In dieser Ausgabe des Glaubens-Kompass ist vom Fasten als geistliche Übung und Teil des christlichen Lebens die Rede. Nicht gemeint sind therapeutisches Fasten oder Diäten zur Reduzierung des Körpergewichts. Jedoch hat das auf diesen Seiten behandelte Fasten durchaus positiven Einfluss auf Körper und Geist.

Fasten macht frei

Fasten ist Verzicht auf Unnötiges. Meist wird unter Fasten die zeitlich begrenzte Reduzierung von Mahlzeiten auf Einfaches, wie zum Beispiel Wasser und Brot, verstanden. Man kann aber auch auf andere Weise fasten; wichtig ist der konkrete Verzicht. Dieser ist jedoch am leichtesten beim Essen umzusetzen. Fasten in Verbindung mit Gebet führt zur Freiheit von körperlichen, geistigen und seelischen Abhängigkeiten. Durch Fasten wird die Oberflächlichkeit im Denken und Beten durchbrochen und der Blick auf das Wesentliche ermöglicht. Man kann dadurch beispielsweise schnell zur Erkenntnis gelangen: Was uns als harter Verzicht anmutet, ist in armen Ländern ein Festmahl.

Sicherlich ist es, äußerlich betrachtet, angenehmer, die (Gaumen-) Freuden, die bei uns stets verfügbar sind, auch zu genießen. Kommt man heute auf das Thema „Fasten“ zu sprechen, hört man den Widerspruch: „Wenn ich faste, verschmähe ich doch undankbar die Geschenke Gottes, zum Beispiel wohlschmeckende Nahrung!“ Doch es ist ein großer Unterschied, ob wir die materiellen Güter als Geschenk oder als Selbstverständlichkeit betrachten. Sind wir wirklich dankbar für die Nahrungsmittel in unserer Speisekammer? Oder werden wir eher schnell ungeduldig, wenn wieder einmal keine Milch im Kühlschrank ist? Meist empfinden wir „unser täglich Brot“ nicht mehr als Geschenk, sondern als etwas Normales, gar Geschuldetes. Diese unheilvolle Entwicklung geht noch einen Schritt weiter bis hin zur Abhängigkeit. Viele Menschen meinen beispielsweise, nicht mehr ohne Kaffee oder Süßes leben zu können. Wie oft kreisen unsere Gedanken um Genuss und Zerstreuung, als seien diese Dinge das Wichtigste im Leben. Abhängigkeiten machen unfrei auf allen Ebenen: Körper, Geist und Seele. Die Folgen davon sind körperliche Beschwerden wie zum Beispiel Übergewicht, geistige Mängel wie zum Beispiel Ungeduld oder Depression und in Bezug auf unser Seelenleben eine oberflächliche Beziehung zu Gott.

Gebet des Leibes

Leider ist Fasten als traditionelle Form der christlichen Lebensweise etwas in Vergessenheit geraten. Warum findet das Fasten heutzutage kaum mehr Verbreitung? Vielleicht liegt es daran, dass wir unseren Glauben zu sehr auf der geistigen und weniger auf der körperlichen Ebene ansiedeln. Joseph Kardinal Ratzinger sagte dazu einmal: „Es ist notwendig, auch den körperlichen Aspekt des Glaubens zu entdecken: Enthaltsamkeit beim Essen ist einer dieser Aspekte.“ (Quelle: Barbaric, Mit dem Herzen fasten, 2002). Man könnte auch sagen, das Fasten sei ein „Gebet des Leibes“. Bei kaum einer anderen Form des „Gottesdienstes“ werden wir so spürbar mit der Entscheidung konfrontiert: Will ich das wirklich? Oft scheint unser ganzer Körper nach „Geschmack“ zu rufen. Unsere ganze Kraft ist gefordert, um sich nicht mitreißen zu lassen. Zum Fasten wird also unser ganzer freier Wille benötigt. Ebenso gilt aber auch:

Durch das Fasten wird unser freier Wille gestärkt.

Wirkung des Fastens

Die Bibel beschreibt zahlreiche Wirkungen des Fastens. Wie mächtig das Fasten ist, verdeutlicht Jesus, wenn er den Jüngern erklärt, dass manche Dämonen nur durch Gebet und Fasten ausgetrieben werden können (vgl. Mk 9,25-29). Wichtigen Ereignissen geht oft das Fasten als Vorbereitung voraus. Mose fastete vierzig Tage und Nächte, bevor er die Zehn Gebote von Gott empfing (vgl. Dtn 9,9-11). Jesus fastete ebenso, bevor er versucht wurde, standhielt und danach öffentlich zu wirken begann (vgl. Mt 4,1-11). Vom Fasten wird auch berichtet, dass es als Ausdruck der Buße und Umkehr dienen kann oder zur Unterstützung des Gebetes um Schutz und Frieden. So wird zum Beispiel die Stadt Ninive wegen des Fastens der Bevölkerung nach Jonas Bußpredigt nicht zerstört (vgl. Jona).

Fasten und die Kirche

Die Kirche kennt zwei wichtige Zeiten des Fastens: die Österliche Bußzeit (von Aschermittwoch bis Karsamstag) und die Adventszeit. Die Sonntage in diesen Wochen sind keine Fasttage. Mittwoch und Freitag sind traditionelle Fasttage in der Kirchengeschichte. An einem Mittwoch wurde Jesus von Judas verraten, an einem Freitag wurde Jesus gekreuzigt. Mittlerweile ist zwar die katholische Kirche von einer Verpflichtung zum Fasten fast vollständig abgekommen mit Ausnahme des Aschermittwochs und Karfreitags. Joseph Kardinal Ratzinger gab dafür den folgenden Grund an: „Man wollte damit den Legalismus vermeiden, wie auch die Versuchung, dass der Glauben auf die äußere Praxis reduziert wird.“ (Quelle: Barbaric, Mit dem Herzen fasten, 2002). Damit wurde aber keineswegs ein Verbot des Fastens ausgesprochen, sondern das Zusammenwirken von geistlichen und körperlichen Aspekten des Glaubens betont. Beides ist für das individuelle Glaubensleben wichtig.

„Jesus fastete vierzig Tage in der Wüste, bevor er das Evangelium verkündete“ (vgl. Mk 1,12-15)

Wie kann man fasten?

Wichtig beim Fasten ist eine konkrete und maßvolle Entscheidung. Je ungenauer der Vorsatz, desto schwächer wird die Wirkung ausfallen. Naheliegend ist ein Verzicht auf Genussmittel, doch auch andere Annehmlichkeiten, wie zum Beispiel TV-Konsum kommen in Frage.

Tipp: Nehmen Sie sich bestimmte Zeiten und einen bestimmten Verzicht vor. Das kann regelmäßig pro Woche oder über einen längeren Zeitraum in den kirchlichen Fastenzeiten vor Ostern und Weihnachten sein.

Beim Fasten ist es notwendig, die eigenen Kräfte zu berücksichtigen. Nimmt man sich zu viel vor, so folgt schnell die Entmutigung. Ein langsames Steigern der Enthaltsamkeit ist weitaus sinnvoller als übertriebenes Leistungsdenken. Tipp: Beginnen Sie einfach damit, freitags auf Ihren Nachtisch zu verzichten und erweitern Sie den Verzicht, sobald Sie den Wunsch danach verspüren.

Fasten bedeutet immer eine gewisse Überwindung, egal wie lange man es schon betreibt. Deswegen ist es auch nötig, sich immer wieder neu dafür zu entscheiden. Tipp: Sollte das Fasten einmal nicht geglückt sein, machen Sie sich keinen Vorwurf. Es geht nicht darum, perfekt zu sein. Fassen Sie vielmehr den Entschluss, am nächsten Fasttag wieder ganz entschieden zu verzichten. Vergessen Sie dabei nicht das Gebet um die nötige Hilfe! Fasten wird wirkungslos, wenn wir damit Lob oder Anerkennung erzielen wollen. Jesus mahnt uns, das Fasten im Verborgenen zu leben (vgl. Mt 6,16-18).

Gebet am Fasttag

Ich entschließe mich zum Fasten, o Vater, und nehme es an, weil ich weiß, dass so in mir der Wunsch nach dir wachsen wird. Gib mir die Gnade, dass ich begreife, wie sehr ich dich brauche! Möge durch das Fasten mein Wunsch nach dir wachsen, und mein Herz nach dir lechzen, wie der Hirsch nach frischem Wasser und die Wüste nach Regenwolken! Pater Slavko Barbaric OFM († 24.11.2000)