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Im Februar 2015 wurden an einem Strand in Libyen 21 koptische Christen von Anhängern des „Islamischen Staates“ enthauptet. Die vermummten Schergen töteten sie für ein Propaganda-Video vor laufender Kamera. Zwanzig Opfer waren koptisch-orthodoxe Christen aus Ägypten; ein weiteres Opfer stammte aus Ghana.

Diese 21 ermordeten Christen sind von der koptisch-orthodoxen Kirche zu Märtyrern erklärt worden. Es gibt eine Ikone, die ihr Martyrium zeigt. Mittlerweile gibt es in der ägyptischen Provinz Minya ein Heiligtum, das ihrem Gedenken gewidmet ist. Eine Ausstellung dokumentiert die Geschehnisse ihres gewaltsamen Todes.

In einem Interview mit KIRCHE IN NOT sagte die Mutter von zwei der getöteten Christen: „Ich bin eine Mutter von Märtyrern und stolz auf sie. Sie bitten im Himmel für mich und ihren Vater.“ Pater Abu Fanus, der am Heiligtum tätig ist, berichtet, dass viele Menschen aufgrund des Vorbildes der 21 Märtyrer Christen geworden seien und sich taufen ließen.

Der ICC hat erfahren, dass am 26. August 2021 eine 17-jährige Christin von der ägyptischen Polizei festgenommen wurde, als sie eine Kirche in Kairo verließ. Bei der letzten Kommunikation mit ihr bestätigte sie ihre Verhaftung. Ihr aktueller Aufenthaltsort und ihr Gesundheitszustand sind jedoch weiterhin unbekannt.

Die junge Frau war vom Islam zum Christentum konvertiert, was sie einige Jahre lang erfolgreich vor ihrer Familie geheim gehalten hatte, so dass nur ein atheistischer Verwandter davon wusste. Er riet ihr, Ägypten zu ihrer eigenen Sicherheit zu verlassen. Sie bewarb sich erfolgreich an einer Universität in Texas und erhielt das Präsidentenstipendium in Höhe von 22.000,00 $ pro Jahr sowie weitere kleinere Stipendien. Sie organisierte ihre Reise über die amerikanische Botschaft in Kairo.

Der Grund für ihre Verhaftung ist unklar, aber sie erfolgte, als sie die Kirche verließ, um die amerikanische Botschaft aufzusuchen. Es ist möglich, dass ihre Familie von ihrem Vorhaben, das Land zu verlassen, und ihrer Konversion zum Christentum erfuhr und die Polizei rief. Muslimische Konvertiten werden häufig von ihren Familienmitgliedern bedroht und von den ägyptischen Behörden festgenommen, was ihre Situation besonders bedrohlich macht.

Ein Partner teilte der ICC mit: „Sie hatten ihr alles genommen, auch das Geld, das sie hatte. Wir hatten bis wenige Minuten vor diesem Vorfall mit ihr in Kontakt gestanden. Wir haben gewartet und gewartet, um von ihr zu hören, aber es gab keine Nachricht. Wir wussten nicht, was wir denken sollten oder wie wir sie finden konnten. Einige Stunden später erhielten wir Nachrichten von ihr auf einem Telefon, das sie sich von einem Mitgefangenen geliehen hatte. Wir wussten, dass sie es war, denn sie sagte Dinge, die nur sie wissen konnte. Auf diese Weise erfuhren wir von ihrer Verhaftung.

„Das ist das letzte, was wir von ihr wissen. Wir sind furchtbar besorgt um ihre Sicherheit, jetzt und in Zukunft. Wir sind für jede Hilfe sehr dankbar“, so der Partner weiter.

Eine Person, die mit dem Fall in Verbindung steht, teilte mit: „Ihr Telefon ist immer noch ausgeschaltet. Wir haben also keine Ahnung, wo sie ist oder ob sie in Sicherheit ist. Seit ich versucht habe, sie per FaceTime zu kontaktieren, um mich zu vergewissern, dass sie tatsächlich diejenige ist, mit der wir kommunizieren, und dass es ihr körperlich gut geht, ist ihr Telefon ausgeschaltet. Ägypten ist ein Polizei- und Geheimdienststaat, der wie die Mafia Eigeninteressen verfolgt und sich durch Falschmeldungen auszeichnet, die alles andere als wahr sind, durch das Erdichten von Tatbeständen und das Ausdenken von Anschuldigungen.“ (Quelle: ICC)

Im Gespräch mit dem päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT spricht der koptisch-katholische Bischof Kyrillos Samaan von Assiut über die Lage der katholischen Kirche, die Beziehungen zum Islam und die Ökumene mit der Orthodoxie

Herr Bischof, vor zwei Jahren hat Papst Franziskus gemeinsam mit dem Oberhaupt der Kairoer Azhar-Universität in Abu Dhabi ein Dokument über den gemeinsamen Gottesglauben und die darauf gründende Brüderlichkeit unterzeichnet. Hat diese Initiative in Ägypten Früchte getragen?

Auf jeden Fall. Das Dokument wurde von unserer Kirche hier in Ägypten publiziert und verteilt. Und auch von muslimischer Seite beruft man sich noch immer darauf. So hat die Azhar-Universität anlässlich des zweiten Jahrestages der Unterzeichnung im Februar mehrere Konferenzen veranstaltet. Auch ich war als Sprecher eingeladen und habe die Wertschätzung des Papstes für den Islam verdeutlicht, wie sie beispielsweise in seiner Enzyklika Fratelli Tutti zum Ausdruck kommt. Exemplare des Textes habe ich an den Gouverneur und andere wichtige Persönlichkeiten verteilt. Das kam gut an.

Papst Franziskus wird in Ägypten auch unter Muslimen geschätzt?

Sehr. Man vergleicht ihn immer mit Papst Benedikt, der nach seiner Regensburger Rede 2006 einen schweren Stand hatte. Sie wurde als Islamkritik aufgefasst. Zu Unrecht natürlich. Aber so war es nun mal. Mit Franziskus ist die Atmosphäre jetzt eine völlig andere. Er hat ja auch einen direkten Draht zum Großimam in Kairo. 2017 war er auch zu Besuch in Ägypten. Gegenüber der katholischen Kirche hat sich das Verhältnis des offiziellen Islams unter ihm wirklich positiv verändert.

Nun gibt es mit den Salafisten oder den Moslembrüdern immer noch sehr christenfeindliche Gruppen. 

Ja, aber sie sind nicht mehr stark. Man hört von den Salafisten beispielsweise sehr wenig. Unter der Regierung des Moslembruders Mursi in den Jahren 2012/2013 waren sie sehr laut. Jetzt sind sie im Land isoliert. Die Mehrheit im Land ist toleranter gegenüber Nichtmuslimen geworden. 

Dennoch gibt es auch heute immer wieder Übergriffe gegen Christen. Der Religionsfreiheitsbericht von KIRCHE IN NOT erwähnt beispielsweise die Ermordung eines Kopten auf dem Sinai oder die Entführung christlicher Mädchen in Oberägypten.

Ja, aber es ist viel weniger geworden. Die Regierung tut dagegen, was sie kann. Kürzlich wurde sogar ein Muslim hingerichtet, der einen Christen ermordet hatte. Das wäre früher undenkbar gewesen, dass ein Gläubiger wegen eines Ungläubigen sterben muss.

Die Kirchen in Ägypten loben immer wieder die Fortschritte, die es unter der Sisi-Regierung gegeben hat. Bei der Legalisierung von ohne Erlaubnis gebauten Kirchen hat sich wirklich etwas getan, oder?

Das stimmt. Ich habe gelesen, dass mittlerweile etwa fünfzig Prozent der Kirchenbauten in Ägypten legalisiert wurden. Bei uns in Assiut allerdings geht es sehr langsam. Der Prozess ist aufwendig. 

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden?

Im wesentlichen zwei. Man muss zweifelsfrei die Eigentümerschaft an dem Grund nachweisen, auf dem die Kirche errichtet worden ist. Außerdem braucht es einen von einem registrierten Architekten erstellten Plan des Gebäudes. Hinzu kommen bestimmte Sicherheitsanforderungen. 

Wo sehen Sie mit Blick auf die Lage der Christen noch Verbesserungsbedarf?

Wie verlangen nicht viel und sind realistisch. Es gibt leider noch viele Menschen, die Christen als Bürger zweiter Klasse sehen. Das braucht noch viel Zeit. 

Wie äußert sich das?

Beispielsweise sind Christen an den Universitäten unterrepräsentiert. Das betrifft die Studenten, vor allem aber die Professorenschaft und die Universitätsleitung. Ab und zu wird einer als Feigenblatt ernannt. Aber insgesamt werden Christen trotz vergleichbarer Qualifikation in der Regel übergangen. Das ist auch im Bereich der öffentlichen Verwaltung oder der Armee so. 

Was kann man dagegen tun?

Es müssen sich die Mentalitäten ändern. Präsident Sisi spricht immer wieder von der Gleichheit aller Ägypter. Das ist wichtig. In Vergleich zum Moslembruder Mursi leben wir Christen unter Sisi in goldenen Zeiten. Wenn in einer neuen Stadt eine Moschee errichtet wird, fragt er immer, wann eine Kirche daneben errichtet wird. Er erinnert immer wieder daran, dass alle – Juden, Christen und Muslime – ihren Kult frei ausüben können müssen und Gotteshäuser errichten können. 

Nun kommt es aber auch unter Sisi vor, dass einzelne Christen in das Visier des Staates geraten. Gegen den koptischen Aktivisten und Regierungskritiker Ramy Kamel wurden schwere Vorwürfe erhoben bis hin zum Terrorismus. Menschenrechtler halten das für absurd. Gibt es für Christen unter Sisi also nur Kultfreiheit, aber keine politische Freiheit?

Ohne auf den konkreten Fall eingehen zu wollen gibt es Beschränkungen für alle Ägypter unabhängig von ihrer Religion. Sie richten sich nicht spezifisch gegen Christen.

Schauen wir auf die ökumenischen Beziehungen zur Koptisch-orthodoxen Kirche. Seit einigen Jahren wird katholischerseits ein Verzicht auf die Wiedertaufe bei Konversionen zur koptischen Kirche erwartet. Bisher ist trotz guter persönlicher Beziehungen zwischen Papst Franziskus und Papst Tawadros nichts geschehen. Warum?

Schon beim ersten Besuch von Tawadros in Rom entstand eine enge Beziehung zwischen den beiden Kirchenführern. Tawadros versprach damals, die Frage der Wiedertaufe zu klären. Er gab aber zu bedenken, dass er zunächst seine Bischofssynode überzeugen müsse. Ansonsten könnte es zu einer Spaltung kommen. Die Synode ist aber immer noch sehr von Bischöfen geprägt, die Papst Tawadros‘ Vorgänger Schenuda ernannt hat und die sehr ökumenekritisch sind. 

Hat Tawadros angesichts der Kritik  aufgegeben?

Nein. Tawadros hat den mittlerweile verstorbenen Abt Epiphanios vom Makariosklosters beauftragt, die Befürworter der Wiedertaufe vom Gegenteil zu überzeugen. Er führte sehr überzeugende Argumente aus der Koptischen Tradition an. Ihm wurde auch die Erstellung eines entsprechenden Dokumentes anvertraut. Der ersten Textfassung gemäß schien es so, als stünde die Anerkennung der katholischen Taufe unmittelbar bevor. Wir haben sogar eine Übersetzung nach Rom gesendet. Aber kurz vor Veröffentlichung kam es zum Aufstand der Anhänger der alten Linie. In der letzten Minute wurde dann eine neue Formulierung gewählt. Es war dann nur noch vom Bemühen die Rede, die koptische Praxis zu ändern, nicht mehr von der festen Absicht oder gar Verpflichtung. 

Das heißt, Tawadros wurde ausgebremst?

Ja. Er wird sogar bekämpft wegen seiner Offenheit auch in anderen Fragen wie Änderungen der liturgischen Praxis. Er wollte aus hygienischen Gründen beispielsweise während der Coronapandemie die Kommunionspendung mit einem Löffelchen aussetzen. Daraufhin wurde er beschuldigt, katholische Praktiken einführen zu wollen. Manche opponieren auch öffentlich gegen ihn und wollen seine Absetzung erreichen.

Ist das nur eine Minderheit?

Das ist nicht so klar. Wenn, dann ist es eine starke. Es sind immerhin Bischöfe darunter. 

Das heißt, in der Frage der Wiedertaufe braucht man nicht mit schnellen Ergebnissen zu rechnen.

Nein, das braucht viel Zeit. Was vierzig Jahre lang unter Schenuda gesät wurde, kann man nicht in ein paar Jahren ungeschehen machen. Aber Tawadros ist ein geduldiger Mann. 

Überlebender eines Anschlags auf koptische Christen erinnert sich. In der Silvesternacht vor zehn Jahren wurde das Leben des damals 20-jährigen koptisch-orthodoxen Christen Kiro Khalil „auf den Kopf gestellt“, wie er selbst sagt. Der Ausdruck gibt das Grauen kaum wieder, dass der junge Mann durchgemacht hat: Er hat ein Attentat überlebt, das gezielt gegen Christen gerichtet war. Drei seiner engsten Angehörigen starben.

Auch wenn sich die Sicherheitslage in Ägypten mittlerweile etwas gebessert hat: Khalil hat auch nach dem Anschlag Diskriminierung bis hin zu Todesdrohungen erlebt. „Es war zu viel, dass ein Christ den Mund aufgemacht hat“, erklärt er, der sich seit jenem traumatischen Erlebnis für verfolgte Christen einsetzt. Khalil musste seine Heimat verlassen und fand Zuflucht in Deutschland – und auch ein neues Lebensglück: Vor Kurzem hat er geheiratet. KIRCHE IN NOT sprach mit Hr. Khalil.

Herr Khalil, Sie haben einen Anschlag auf eine Kirche überlebt. Wann war das und was ist passiert?

Ich habe meine engsten Familienangehörigen bei einem Attentat auf die Kirche St. Markus und St. Petrus (Al-Qidissine-Kirche) in meiner Heimatstadt Alexandria verloren. Das war in der Silvesternacht 2010 auf 2011. Wir waren in der Kirche, um Gott für das zu Ende gehende Jahr zu danken. Als wir nach Mitternacht nach draußen gingen, explodierte eine Autobombe gegenüber der Kirche. 24 Menschen starben, mehrere hundert wurden verletzt. Unter der Getöteten waren meine Mutter, meine Schwester und eine Tante. Meine andere Schwester Marina wurde sehr schwer verletzt. Sie musste 33-mal operiert werden.

Sie haben ihre engsten Angehörigen verloren. Wie gehen Sie um mit der Trauer und auch der Wut auf die Attentäter?

Ich habe schon von Kindheit an Hass und Ausgrenzung erfahren, weil ich Christ bin. In der Schule wurde ich sehr oft beschimpft, allein schon wegen meines Namens Kiro, der ein traditioneller christlicher Name ist. Mein Mutter hat uns Kinder gelehrt, unsere Mitmenschen dennoch zu lieben, was auch immer sie uns angetan haben. „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst“: Dieses Gebot Jesu hat meine Mutter in uns eingepflanzt. Das hat mir nach dem Attentat sehr geholfen, mit der Trauer umzugehen.

Letztlich war Ihr Glaube der Grund, warum Sie und Ihre Familie von diesem Anschlag getroffen wurden. Haben Sie an Gott gezweifelt?

Überhaupt nicht. Bei dem Silvestergottesdienst waren 4000 Menschen in der Kirche. Davon wurden drei meiner Angehörigen als Märtyrer ausgewählt. Auch wenn es ungewöhnlich klingt: Ich sehe das als eine besondere Gabe, statt in Verzweiflung zu fallen oder zu fragen: „War Gott ungerecht, weil er so etwas zugelassen hat?“

Die Täter und Hintermänner des Anschlags konnten nicht ermittelt werden. Was denken Sie über die Attentäter?

Ich habe Mitleid mit den Tätern. Die Extremisten leben unter einem starken Druck. Sie müssen nach ihrer Vorstellung Gewalt gegen Andersgläubige verüben, um Gott zu gefallen. Diese Menschen haben Blut an ihren Händen. Wie kann ein Mensch mit solch einer Schuld leben? Ich stelle mir vor, dass sie genauso unter den Folgen dieses Anschlags leiden wie ich.

Sie leben heute in Deutschland. Fühlen Sie sich hier frei, Ihren Glauben zu leben oder welche Herausforderungen für Gläubige sehen sie hier?

In Deutschland gibt es viele Freiheiten. Die sind oft ganz selbstverständlich. Ich habe manchmal den Eindruck: Der Glaube schläft mit der Zeit ein. Oft wächst die Kirche gerade dort, wo es Verfolgung gibt. In Ägypten sterben Christen, damit sie ihren Glauben leben können. Hier in Deutschland werden Kirchen geschlossen oder in Museen umgewandelt. Das finde ich traurig. 

Islamist fühlte sich durch Präsenz der Christen provoziert. George Shehata lebt im Dorf Al-Nasriyah in der Nähe der oberägyptischen Provinz Minya. Gegen elf Uhr abends am Sonntag, den 17. November, sah er seinen 16 Jahre alten Cousin Ishaq in blutbefleckter Kleidung auf sich zukommen. Ishaq drängte ihn mitzukommen und seinen 22-jährigen Bruder Shenouda zu retten. „Ich war schockiert. Ich eilte sofort zu ihrem Haus und fand Shenouda blutüberströmt vor dem Haus auf dem Boden liegend vor.“

„Hunde wie ihr sollten nicht auf der Straße sitzen“

Was war geschehen? Die beiden Brüder und ihre Mutter hatten zusammen mit ihrer christlichen Nachbarin und Verwandten Nawal vor dem Haus gesessen, als ein 25-jähriger islamischer Extremist aus der Nachbarschaft vorbeikam. George berichtet: „Er sagte ihnen, sie sollten ins Haus gehen, weil sie Christen seien und Christen nicht auf der Straße sein sollten, weil sie Hunde seien. Houda antwortete ihm mutig, dass sie nicht die Absicht hätten, seiner Aufforderung nachzukommen. Der Mann wurde wütend und schimpfte, er werde diese ‚ungläubigen Hunde‘ töten. Dann eilte er nach Hause, kam mit einem Messer zurück und fing an, die Familie zu schlagen und auf sie einzustechen.“

George brachte die Familie in ein nahegelegenes Krankenhaus. Die ersten beiden weigerten sich, Shenouda aufzunehmen, da sein Zustand bereits so ernst war. „Glücklicherweise besuchten einige kanadische Ärzte gerade das dritte Krankenhaus, das wir aufsuchten“, sagt George. „Sie operierten Shenouda.“ Aufgrund der zahlreichen Stichverletzungen musste ein Teil seines Darms entfernt werden; außerdem wurde er an Leber und Bauch operiert. Houda hatte 22 Stiche am Kopf und Ishaq sechs am ganzen Körper abbekommen. Drei Tage lang kämpfte Shenouda auf der Intensivstation um sein Leben, wie sein Halbbruder Salib Hakim Ishaq berichtet. Inzwischen befindet er sich auf dem Weg der Besserung.

Polizei spricht von einem „gewöhnlichen Streit“

Außer durch den brutalen Angriff ist die Familie besonders erschüttert durch die Reaktion der Polizei auf den Vorfall. „In ihrem Bericht nennt die Polizei die Tat ‚einen ganz gewöhnlichen Streit‘“, sagt Salib empört. „Wie kann das ein normaler Streit sein? Es ist ein Verbrechen, ein versuchter Mord!“

Die Familie wird im Gerichtsverfahren gegen den Angreifer behindert, sagt Salib: „Die Polizei hat den Angreifer verhaftet, aber die Staatsanwaltschaft erlaubt unserem Anwalt nicht, die Unterlagen der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft einzusehen.“ Auch Zeugen sind nicht sicher: „Unsere Nachbarin und enge Verwandte Nawal, die vor dem Angriff fliehen konnte, hat gegen den Angreifer ausgesagt. Aber als der Angreifer das herausfand, beschuldigte er sie und sagte, er habe die Familie angegriffen, weil sie und Shenouda ‚unmoralische Handlungen‘ auf der Straße begangen hätten. Das ist einfach nicht wahr.“

Houda und ihre Söhne werden bedrängt, ihre Anklage gegen den Angreifer fallen zu lassen, sagt Salib: „Die muslimischen Dorfbewohner drängen uns, eine so genannte ‚Versöhnungssitzung‘ zu akzeptieren und damit die offizielle Anklage fallen zu lassen. Aber das akzeptieren wir nicht. Dieser Extremist muss gesetzlich bestraft werden, weil er versucht hat, meinem Bruder zu töten, und meine Stiefmutter schwer verletzt hat. Wenn solche Handlungen ungestraft bleiben, führt das nur zu weiterer Gewalt.“ (Quelle: Open Doors)

Ägyptens Christen kommen nicht zur Ruhe. Trotz einer vorsichtigen politischen Entspannung sind Übergriffe und Entführungen keine Seltenheit. So auch im Fall des 55-jährigen Adeeb Nakhla. Er wurde im Januar auf der nördlichen Sinai-Halbinsel verschleppt. Seitdem gibt es von ihm kein Lebenszeichen. Ein Verwandter Nakhlas, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, erzählte dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ seine Geschichte.

Am 17. Januar brach Nakhla von seinem derzeitigen Wohnort Ismailia, 130 Kilometer nordöstlich von Kairo, zu einem Verwandtenbesuch auf. Mit einer Reisegruppe wollte er nach Al-Arisch, einem Küstenort unweit der Grenze zu Israel. Islamistische Milizen stoppten den Bus. Sie ließen sich die Pässe zeigen – auf ihnen ist auch die Religionszugehörigkeit vermerkt. Als sie feststellen, dass Nakhla koptischer Christ ist, zwangen sie ihn, aus dem Fahrzeug auszusteigen und mitzukommen. Danach verliert sich seine Spur.

Morddrohungen wurden wahr

Nakhla war wie dutzende christliche Familien 2017 aus Al-Arisch geflohen. Sie hatten Morddrohungen erhalten. Wer blieb, wurde umgebracht. „Wir haben Al-Arisch verlassen, nachdem die Terroristen bereits sieben christliche Nachbarn getötet hatten“, erzählt der Verwandte von Nakhla. Unter den Opfern hätten sich auch Vater und Sohn einer Familie befunden. Die Terroristen töteten sie und zündeten anschließend das Wohnhaus an. „Die Ehefrau und Mutter der beiden Männer wurde gezwungen, dabei zuzusehen. Sie ist schwer traumatisiert.“

Die christlichen Familien fanden Zuflucht in Ismailia. Nach gut einem Jahr kehrten die meisten Vertrieben in ihre Heimat zurück, schließlich hatten sie Arbeitsstellen und Besitz zurückgelassen. „In Ismailia hatten wir keine Arbeit. Wir lebten von der Unterstützung der Kirche“, erzählt der anonyme Gesprächspartner. In ihrer Heimat Al-Arisch habe sich die Sicherheitslage mittlerweile etwas gebessert. „Dank des energischen Vorgehens der ägyptischen Armee fühlen wir uns sicherer. Auf den Fernstraßen ist es jedoch noch immer gefährlich.“

Verbindungen zum IS?

Das wurde auch Adeeb Nakhla zum Verhängnis. Er war nicht mit seiner Familie in die Heimat zurückgekehrt, da er als einer der wenigen in Ismailia Arbeit gefunden hatte. Regelmäßig besuchte er seine Angehörigen – bis zu jenem verhängnisvollen Tag Mitte Januar. Sein Verwandter berichtet: „Laut dem Fahrer des Kleinbusses seien die Milizen wie IS-Kämpfer gekleidet gewesen. Unsere größte Angst ist, dass Adeeb misshandelt und getötet wird, wie es mit vielen anderen Kopten passiert ist.“

In Ägypten sind rund acht Prozent der gut 93 Millionen Einwohner Christen. Die meisten von ihnen gehören der koptisch-orthodoxen Kirche an. Weitere Infos zur Lage in Ägypten liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: https://religious-freedom-report.org/de/report-de/?report=1766

„Kirche in Not“ steht der christlichen Minderheit in Ägypten bei. Das Hilfswerk fördert unter anderem das Leben christlicher Gemeinden, Ferienfreizeiten für Jugendliche und die religiöse Bildung. Auch unterstützt „Kirche in Not“ den oft schwierigen Bau und Unterhalt kirchlicher Gebäude oder finanziert Fahrzeuge, damit Pfarrangehörige und Seelsorger in weit voneinander entfernte Gebiete gelangen können. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at

Das Christentum war im Gebiet des heutigen Ägyptens vor der Islamisierung im 7. Jahrhundert die dominierende Religion. Der Evangelist Markus soll um das Jahr 50 in Ägypten missioniert haben. Heute bezeichnen sich je nach Quellen zwischen 6% und 12% der Bevölkerung Ägyptens als Christen. Die meisten Christen gehören zur koptisch-orthodoxen Kirche, der ein Papst vorsteht. Seit 2012 ist dies Tawadros II. Die römisch-katholischen Christen machen weniger als 1% der Bevölkerung aus.

Christen bis anhin Bürger zweiter Klasse

Ägypten wurde zur Zeit Nassers nicht als religiöser, sondern als sozialistischer Nationalstaat definiert. Viele Ägypter emigrierten als Arbeitssuchende in den 1980er- und den 1990er-Jahren in das erdölreiche Saudi-Arabien, wo sie mit dem islamisch-wahabitischem Gedankengut in Kontakt kamen und es nach Ägypten brachten. Ägyptische Christen werden seither in der Gesellschaft verstärkt ausgegrenzt. In den Medien werden alle Nichtmuslime als «Kuffar» (Ungläubige) bezeichnet. In der Politik sind wichtige strategische Schlüsselpositionen ausschliesslich Muslimen vorbehalten.

Tote bei Anschlägen

Bei Übergriffen von Muslimen auf Christen gibt es immer wieder Tote. Bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Alexandria kamen am Neujahrstag 2011 mindestens 21 Menschen ums Leben. Am 7. April 2013 war es am Sitz des koptisch-orthodoxen Patriarchen zu Übergriffen auf koptische Christen gekommen, die ihre tags zuvor in Khasus nahe Kairo ums Leben gekommenen Glaubensbrüder zu Grabe trugen. Unbekannte hatten die Trauernden mit Steinen und Molotow-Cocktails angegriffen. Zwischen Sommer 2012 und Sommer 2013 waren die Muslimbrüder mit Präsident Mohammed Mursi an der Macht. Die Christen hatten es unter ihnen besonders schwer – sie machten die Christen zu Fremden im eigenen Land. Seit der Präsidentschaft von Abd al-Fattah as-Sisi sieht es für die Christen wieder besser aus, so dürfen Kirchen wieder gebaut werden. Doch auch unter as-Sisi gehen die Anschläge weiter. So kamen bei einem Anschlag auf die koptisch-orthodoxe Kirche St. Peter und Paul in Kairo 28 Menschen ums Leben und 35 wurden verletzt. Die Terrormiliz Islamischer Staat bezeichnete sich als Urheber dieses Anschlags und erklärte im Februar 2017 den christlichen Kopten den Krieg. Seither kam es zu diversen Gewaltexzessen.

Pfarrer Kamil Samaan

Kamil Samaan wurde 1952 in Assiut geboren. Im Alter von 12 Jahren begann er die Ausbildung im franziskanischen Priesterseminar in Assiut. Danach folgte ein Wechsel in das Priesterseminar in Maadi, einem Stadtteil in Kairo, wo er sein Grundstudium abschloss. In den Jahren 1976 und 1977 leistete er in der Nähe von Suez Militärdienst.

Am 12. Juni 1978 empfang er die Priesterweihe und wirkte einige Jahre als Seelsorger in Ägypten. Weitere Studien führten ihn 1983 nach Rom, wo er doktorierte. Danach kehrte er zurück nach Ägypten, wo er bis 2011 als Dozent an verschiedenen Hochschulen wirkte. Seit 2011 leitet er das Kinderheim «Guter Samariter» in Kairo.

Die koptisch-katholische Kirche

Die koptisch-katholische Kirche gleicht der koptisch-orthodoxen Kirche des Landes in Liturgie und Spiritualität, steht aber in Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl in Rom. Derzeit gehören der Kirche, die über eine kleine Diaspora verfügt, etwa 200 000 Gläubige an. Sie sind in sieben Diözesen organisiert und werden von etwa 240 Priestern betreut. «Kirche in Not» unterstützt die katholische Kirche des Landes sowohl durch Stipendien für die Priesterausbildung als auch durch die Förderung pastoraler Projekte wie Sommerlager für Jugendliche. Das Hilfswerk stellte für Projekte in Ägypten im Jahr 2018 über rund € 705 000 bereit.

Am 17. Jänner wurde der 55-jährige Christ Adeeb Nakhla Yassa von islamischen Extremisten auf dem Weg nach El-Arish entführt. Aus der Stadt auf der Sinai-Halbinsel sind in der Vergangenheit zahlreiche Christen vor dem IS geflohen. Einige von ihnen sind erst kürzlich in die Stadt zurückgekehrt, überlegen aber nun, wieder zu fliehen.

Eine der gefährlichsten Städte für Christen

Ein auf einer IS-Website veröffentlichtes Foto dokumentiert offenbar den Vorfall und versetzte viele Christen in große Sorge, angefangen bei Yassas Familie. Auf dem Bild ist ein freundlich aussehender Mann zu erkennen, der seinen Personalausweis in der Hand hält und mit einem Mann in Tarnkleidung diskutiert. Yassa war auf dem Weg in die Stadt El-Arish, wo der IS seit Jahren versucht, die Macht zu übernehmen. Die Stadt gilt als eine der gefährlichsten Städte für Christen in Ägypten. Im Januar und Februar 2017 töteten islamische Extremisten hier innerhalb von drei Wochen sieben christliche Männer. Die meisten Christen sind inzwischen aus El-Arish geflohen, aber in den letzten Monaten sind einige von ihnen zurückgekehrt; darunter auch zwei Neffen des Entführten.

Örtlicher Priester: „Die Christen sind in der Stadt gefangen“

Etwa 20 christliche Familien leben noch in Dahia, dem Stadtviertel von El-Arish mit der einzigen noch genutzten Kirche. Die Bedrohung durch islamische Extremisten ist so groß, dass Polizei und Militär die Nachbarschaft rund um die Uhr schützen müssen. Die Behörden haben für die Stadt ein Ein- und Ausreiseverbot für Christen verhängt. Youssef Sobhy, Priester der Kirche von El-Arish, sagt: „Sie sind in der Stadt gefangen. Die Situation wird hier wirklich schlimm.“

Unterdessen ist das Schicksal von Yassa noch immer unbekannt. Es gab weder Anrufe noch Lösegeldforderungen von den Entführern. „Wir haben Angst, dass sie ihn getötet haben“, sagt sein Neffe Mina. „Wir bitten alle, für ihn zu beten.“ (Quelle: Open Doors, Bild: Eric Gaba/wikipedia)

Am 2. November sind mindestens sieben Todesopfer und 19 zum Teil schwer Verletzte betroffen, berichtet CBS KULTUR INFO. Das Attentat auf die drei Busse mit Pilgern ereignete sich unweit der Stelle, wo im Mai 2017 an die 30 koptische Pilger – darunter viele Kinder und Jugendliche – bei einem ähnlichen Überfall von islamistischen Terroristen ermordet worden waren. Die Beerdigung der Toten in der oberägyptischen Stadt Al-Minya am 3. November sei in einen Protest der versammelten Menschenmenge umgeschlagen, berichtete die Zeitung „Al-Ahram“. Die Trauernden trugen laut Bericht ein grosses Holzkreuz. In Sprechchören riefen sie unter anderem „Wir werden sie rächen oder sterben wie sie“. Ferner riefen sie die ägyptische Regierung zum Handeln auf.

Koptisch-orthodoxer Papst-Patriarch Tawadros II: „Wir beten auch für die Mörder.“

Der koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. betonte in einer Videobotschaft, das jüngste Attentat werde die koptischen Christen nur stärker machen. Wörtlich stellte der Patriarch fest: „Wir beten auch für die Mörder. Sie sollen sich keine Illusionen machen: All der Schmerz, den sie verursachen, wird absolut nichts bewirken“. In einem verwirrten Statement der IS-Terroristen hiess es, das Attentat auf die Pilger in der Provinz Minya sei die Rache für die „Einkerkerung unserer keuschen Schwestern durch die ägyptischen Behörden“. Der ägyptische Staatspräsident Abd-el-Fattah al-Sisi kondolierte dem koptisch-orthodoxen Papst-Patriarchen telefonisch und sagte, er sei „zutiefst betrübt“. Auf Twitter stellte al-Sisi fest, das Ziel der Terroristen sei es, die „solide Einheit der ägyptischen Nation“ zu erschüttern. Nach Ansicht von politischen Beobachtern ging es den islamistischen Terroristen vor allem darum, im Hinblick auf das am 3. November in Sharm-el-Scheich eröffnete „Weltjugendforum“ das Image des ägyptischen Staatschefs als „Schützer der Christen“ zu verdunkeln.

Zweites islamistisches Attentat beim einsamen Wüstenkloster

Tatsächlich ist das Attentat Abend des 2. November bereits der zweite islamistische Anschlag auf Pilger, die zum einsamen Wüstenkloster des Heiligen Samuel des Bekenners unterwegs waren oder es verlassen wollten. Vor dem ersten Anschlag in der Provinz Minya hatten sich die blutigen Attentate auf koptische Kirchen in Kairo, Alexandrien und Tanta ereignet, die insgesamt mehr als 100 Todesopfer forderten. Nach den Anschlägen wurden die Sicherheitsmassnahmen für christliche Kirchen und sonstige Einrichtungen verstärkt. Trotzdem gelang es den Islamisten am Freitagabend wieder, drei koptische Pilgerbusse zu überfallen. Die Hauptstrasse zum St. Samuel-Kloster war nur für Pilger offen, die Terroristen benützten unbefestigte Wege, um in die Nähe des Klosters zu gelangen.

Provinz Minya, am meisten vom islamistischen Terror bedrohte Provinz Ägyptens

Minya ist eine der am meisten vom islamistischen Terror bedrohten Provinzen Ägyptens. Das hängt damit zusammen, dass mindestens 40 Prozent der Bewohner der Provinz Christen sind, sowohl Orthodoxe als auch eine römisch-katholische und eine evangelische Minderheit. Es kommen immer wieder islamistische Attacken auf Kirchen und auf Wohnhäuser und Geschäfte von Christen vor. Den Sicherheits- und Justizbehörden in der Provinz Minya wird vorgeworfen, dass sie noch immer auf die seit den 1960er-Jahren üblichen „Versöhnungstreffen“ zwischen Christen und Muslimen setzen, wenn es zu Gewalttaten kommt, statt die Schuldigen auszuforschen und zu bestrafen.

Die am 2. November getöteten Pilger hatten sich auf der Rückfahrt in ihre Heimatprovinz Sohag befunden, wie Auxiliarbischof Makarios von Minya mitteilte. Die Fahrzeuge fuhren im Konvoi, als es zu dem Überfall durch die Islamisten kam. Bei der Beisetzung der Opfer – die nach orientalischem Brauch bereits am Samstag erfolgte – kam es zu Protesten gegen die mangelnde Effizienz der ägyptischen Sicherheitsbehörden, die „zu den am besten ausgerüsteten der Welt“ gehören. Bischof Makarios versuchte, die Menge zu beruhigen; niemand werde die Einschüchterung der Christen und das Blutvergiessen hinnehmen, betonte er.

Al-Azhar-Universität: Täter bar „grundlegender menschlicher und religiöser Werte“.

Die sunnitische Al-Azhar-Universität verurteilte den jüngsten Anschlag in der Provinz Minya als „feige“. Die Täter seien bar der „grundlegenden menschlichen und religiösen Werte“. Denn diese Werte würden es erfordern, den Frieden zu fördern, Hass und Gewalt jedoch zu verurteilen. (Quelle: CBS KULTUR INFO und APD)

Laut dem Nachrichtendienst World Watch Monitor griffen Muslime zum vierten Mal in sieben Wochen eine Kirche im Dorf Ezbet Sultan Pasha (Provinz al-Minya) an. Der bislang letzte Zwischenfall habe sich am 24. August nach dem islamischen Abendgebet ereignet. Muslime sollen die Kirche mit Steinen beworfen, anschließend die Fassaden privater Häuser von Kopten beschädigt und dabei „Allahu Akbar“ gerufen haben. Weiter hätten sie skandiert „Wir wollen keine Kirche in unserem Dorf“ und „Wir erlauben euch Unreinen nicht, in unserem Dorf zu beten“. Drei Personen seien inhaftiert, jedoch am nächsten Tag wieder freigelassen worden. Auslöser für die wiederholten Attacken sollen Gerüchte gewesen sein, die koptische Gemeinschaft habe einen Antrag auf eine offizielle Registrierung ihrer Kirche gestellt. In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen orthodoxen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 300.000 Mitglieder der koptisch-evangelischen Kirche, 200.000 Katholiken, mehr als 100.000 Mitglieder von Pfingstgemeinden, Brüdergemeinden und anglikanischen Gemeinden sowie 40.000 Griechisch-Orthodoxe. Rund 90 Prozent der 94,8 Millionen Einwohner Ägyptens sind Muslime. (Quelle: idea und WWM)

Lokale Muslime hielten in dem Dorf Sultan Basha etwa 150 Meilen südlich von Kairo, drei Tage lang wütende Demonstrationen ab, um gegen die Genehmigung des Rechtsstatus für eine Kirche, zu protestieren. Die Demonstrationen begannen typisch nach dem Freitagsgebet am 6. Juli. Lokale Muslime sprachen vor: „Niemals eine Gemeinde in unserer Mitte“, und Christen im Dorf schlossen sich aus Angst vor Gewalt in ihren Häusern ein. Die örtliche Polizei griff nicht ein.

Die Proteste fanden am folgenden Tag, am 7. Juli, und nach dem Freitagsgebet am 13. Juli statt. Während der Proteste am 13. Juli versicherte ein örtlicher Polizeibeamter den Demonstranten, dass keine Kirche im Dorf gebaut wird.

Nach dem Sturz des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Jahr 2013 wurden Kirchen in ganz Ägypten in einer Welle der Gewalt zerstört. Obwohl Präsident Sisi Maßnahmen zur Legalisierung bestehender Kirchengebäude durchgesetzt hat, sind sie immer noch mit gewalttätigen lokalen Oppositionen konfrontiert

Lokale christliche Führer haben die Aussage der Polizei verurteilt. „Wir sind betrübt über die offizielle Beschwichtigung und Nachgiebigkeit gegenüber Forderungen“, sagte der koptische Bischof von Minya und Abu-Qurqas. „Wir sind zuversichtlich, dass ehrenwerte Beamte unsere Haltung teilen werden, die dann die rechtswidrigen Handlungen und Erklärungen gegen uns absolut ablehnen. Sie haben versprochen, sich mit der Situation und den Tätern zu befassen, damit sich ähnliche Vorfälle nicht wiederholen. „

Im April zwang ein 300-köpfiger muslimischer Mob die Schließung eines Kirchengebäudes in al-Kumeira, etwa 36 Meilen südlich von Luxor, nachdem die Kirche von der Regierung offiziell anerkannt worden war. Das Gebäude wurde 2006 von der christlichen Gemeinde öffentlich gekauft, und muslimische Dorfbewohner hatten sogar dort christliche Hochzeiten besucht. (Quelle: Baranbasfund)

Ein Kopte aus dem Gouvernement Beni Suwai (ca. 115 km südlich von Kairo) musste mit ansehen, wie seine Getreidefelder in Brand gesteckt wurden. Vier Tage zuvor war er beschuldigt worden, er wolle sein Haus in eine Kirche umwandeln. Am 2. Juni informierte Ibrahim Sadeq Ayad aus dem Dorf Ezbed Ragy die Polizei, dass seine 2,5 Morgen großen Felder von Unbekannten abgebrannt worden waren. Er hatte sich sofort einen Anwalt genommen, der ihn zur Polizeistation begleitete.

Drei Tage vor dem Vorfall war Ayad bereits schon einmal auf derselben Polizeistation erschienen – jedoch wegen einer anderen Angelegenheit. Laut seinem Rechtsanwalt war eine Anklage gegen ihn eingebracht worden. Darin wurde er beschuldigt, sein Haus in eine Kirche umwandeln zu wollen. Da es keine Kirche in Ayads Dorf gibt, hatte er die letzten vier Jahre eine Sonntagsschule in seinem Haus abgehalten, die von Geistlichen aus der nahegelegenen Stadt El-Fashn unterrichtet wurden.Am 29. Mai erhielt Ayad Besuch von einem Nachbardorf: Der Pastor der „St. Mary und St. Michaels“- Kirche, Father Eshaq Kastour, war Ayads Einladung gefolgt und hatte für Ayads kranke Frau gebetet.

“Als die muslimischen Dorfbewohner sahen, wie der koptischen Priester Ayads Haus betrat, kamen sie zu der Schlussfolgerung, er wolle sein Haus in eine Kirche umwandeln“, berichtet der Anwalt. Dann reichten sie eine Anklage gegen Ayad ein und er wurde festgenommen. Drei Tage später wurde er wieder freigelassen, nachdem er ein Versprechen unterschrieben hatte, dass er sein Haus NICHT in eine Kirche umwandeln wolle und dass es keine weiteren Treffen dort geben würde. Am nächsten Tag wurden seine Felder abgebrannt. Bis jetzt wurden keine Tatverdächtigen festgenommen.

Hintergrund

Da es keine offizielle Kirche in Ayads Dorf gibt, besuchten die Gläubigen früher die Gottesdienste der „St. Mary und St. Michaels“-Gemeinde, die 8 km entfernt liegt. Im Oktober 2012 wurden die Gläubigen jedoch von örtlichen Muslimen angegriffen, die diese regelmäßigen Besuche nicht gerne sahen. Seitdem gingen die Kopten aus Ayads Dorf in die Kirche im Dorf El-Fashn, welches doppelt so weit weg ist. (Quelle: World Watch Monitor, Foto: Fir0002)

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