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Bürgerkrieg

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Seit Beginn der Gefechte in der Region Tigray am vergangenen 4. November, gibt es keine gesicherten Nachrichten über das Schicksal des katholischen Bischofs Tesfaselassie Medhin und seiner Priester und Ordensleute aus der Eparchie von Adigrat. Die berichten lokale Quellen gegenüber Fides, die die wachsende Besorgnis aufgrund des anhaltenden Schweigens von Bischof Tesfaselassie nicht verbergen. In der Eparchie sind rund einhundert Ordensleute die die katholische Diözese des orientalischen Ritus in der Eparchie begleiten, die die gesamte Region Tigray umfasst. Die einzige indirekte Mitteilung, die dem Bischof zuzurechnen sei, sei ein Brief an einige Mitarbeiter, der auf den 23. November zurückgeht. In dem Brief verwies Bischof Medhin auf die schwierige humanitäre Situation in Tigray, wo Medikamente, Lebensmittel, Treibstoff und alle lebenswichtigen Güter fehlen.

Der Konflikt in der nördlichen Tigray-Region Äthiopiens hat bisher die Flucht von mehr als 50.000 in den Sudan verursacht. Diese könnten sich nach Angaben der Vereinten Nationen bis Ende Dezember verdoppeln. Fast 900.000 Menschen, hauptsächlich Kinder unter 11 Jahren, seien bereits in einem kritischen Zustand. Im Zusammenhang mit dem Konflikt wurden Kommunikationswege blockiert, so dass es nahezu unmöglich ist, die Richtigkeit der von beiden Seiten bereitgestellten Informationen zu überprüfen.

Laut lokalen Quellen hat die äthiopische Armee derzeit die Kontrolle über mehrere Städte nahe der Grenze zu Eritrea, darunter Dansha und Shire. Diplomaten, regionale Sicherheitsbeamte und humanitäre Helfer sagen, dass sich die Kämpfe im Nordwesten des Landes entlang der Grenze zu Sudan und Eritrea ausbreiten. „Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle und hat erschreckende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Eine externe Beobachtung ist dringend erforderlich“, so Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. (Quelle: Fidesdienst)

Zu Beginn der weltweiten Corona-Krise und massiver Einschränkungen des öffentlichen Lebens riefen die Vereinten Nationen zu einem weltweiten Waffenstillstand auf, um sich auf den Kampf gegen Covid-19 zu konzentrieren. Papst Franziskus wiederholte diesen Appell. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat mit Projektpartnern in Kriegs- und Krisenländern Kontakt aufgenommen. Trotz der Pandemie gehen Krieg und Terror weiter. Die Not der Bevölkerung steigt.

„Die Wut des Virus veranschaulicht den Irrsinn des Krieges. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren’’, erklärte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am 23. März. Er hoffe, dass sich die Menschen bewusst seien, dass das Virus keinen Unterschied zwischen den Nationen mache und alle betreffe.

Papst Franziskus griff diesen Appell auf. Am 29. März forderte er die „Schaffung von Korridoren für humanitäre Hilfe, Offenheit für die Diplomatie und Aufmerksamkeit denen gegenüber …, die sich in einer Situation befinden, die sie am verletzbarsten macht’.

Flüchtling in Aleppo Syrien mit einer Friedenstaube © Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT

Umdenken bei Kriegsparteien?

„Hier geht der Konflikt weiter”, beklagt Erzbischof Andrew Nkea Fuanya aus Bamenda im Nordwesten von Kamerun. Der anglophone Teil des zentralafrikanischen Landes ist seit vier Jahren Schauplatz bewaffneter Konflikte mit tausenden Toten und weit mehr als einer halben Million Vertriebenen. Separatisten kämpfen dort für eine eigene „Republik Ambazonien“, unabhängig vom französischsprachigen Teil. Die katholische Kirche Kameruns agiert als Vermittlerin zwischen den Bürgerkriegsparteien.

Zwar hätten einige Anführer aus dem Lager der Separatisten zugestimmt, ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen, so Erzbischof Nkea. Sie seien sich bewusst, was in der Corona-Pandemie auf dem Spiel stehe, aber sie hätten „wenig Einfluss auf die Kämpfer in dem Gebiet”, räumt er ein.

Dasselbe gilt auch für die Region Hassaké im Norden Syriens, wo „Militärflugzeuge weiterhin den Himmel überziehen und die Angriffe nicht aufhören”, teilt Nidal Thomas, Generalvikar der chaldäisch-katholischen Kirche im Nordosten Syriens mit: „Wir haben seit dem Auftreten des Coronavirus nur zwei oder drei Tage erlebt, an denen Ruhe herrschte.”

Die Pandemie habe das Land nach neun Kriegsjahren in einem Zustand großer Schwäche getroffen. Syrien habe 60 Prozent seiner Ärzte verloren – sie sind bei den Kämpfen umgekommen, wurden verschleppt oder sind geflüchtet. Nur ein Viertel der Krankenhäuser sei in Betrieb, erklärt Thomas. Außerdem sei Syrien durch die Wirtschafts- und Währungskrise im Nachbarland Libanon mitbetroffen: Syrische Sparer haben ihre Einlagen bei libanesischen Banken verloren, Hilfsgelder über den Libanon können nur noch unter erschwerten Umständen fließen. Syrien leidet zudem unter den internationalen Sanktionen, die seine Wirtschaft belasten.

Zerstörte Häuser in der Donbass-Region im Osten der Ukraine.

Eine Tragödie in der Tragödie

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt, gehe der Krieg in der Donbass-Region im Osten der Ukraine weiter, teilt Bischof Pawlo Honczaruk aus Charkiw mit. Seine Diözese umfasst auch Teile der umkämpften Gebiete. Die Corona-Pandemie lasse offenbar werden, wie sehr „das oligarchische System das ukrainische Gesundheitswesen insbesondere in ländlichen Gebieten geschwächt hat. Die Pandemie legt die Korruption der politischen Führung offen, die eine Folge der Geschichte unseres Landes ist“, erklärt der Bischof. Der Verlust der Solidarität gefährde besonders die ärmsten Menschen.

In Nigeria ist es ebenfalls die grassierende Armut, die der Kirche neben den Folgen des islamistischen Terrors am meisten Sorge bereitet. „Die größte Gefahr in Verbindung mit Covid-19 in unserem Land ist, dass die Pandemie Hungersnöte unter den Ärmsten und eine Destabilisierung der bereits sehr schwachen Wirtschaft auslösen kann”, erklärt Erzbischof Ignatius Kaigama aus der Hauptstadt Abuja. Er betont, dass das Land insbesondere im Nordosten seit dem Auftreten der Pandemie weiterhin unter Terroranschlägen von Boko Haram leide.

Erzbischof Ignatius Kaigama aus Abuja/Nigeria verteilt während der Corona-Pandemie Lebensmittel an Bedürftige.

Eine Kirche der offenen Türen

„Die Gewalt hat in unserer Gesellschaft auch während der Pandemie nicht nachgelassen”, beklagt Erzbischof Carlos Garfias Merlos, Vizepräsident der Bischofskonferenz in Mexiko. Ohne Zweifel sei die Friedens-Botschaft von Papst Franziskus bei den Drogenbanden nicht angekommen. Mehr als je zuvor fahre die Kirche damit fort, „ihre Türen für die Opfer der Gewalt zu öffnen”, berichtet der Erzbischof.

Die Bürgerkriegsparteien in der Zentralafrikanischen Republik hätten ebenfalls nicht auf den Aufruf zum Waffenstillstand gehört, beklagt Bischof Bertrand Guy Richard Appora-Ngalanibé aus Bambari. „Leider liefern sich in einigen Gebieten die bewaffneten Gruppierungen strategische Gefechte mit dem Ziel, ihre Vorherrschaft auszuweiten und die Ressourcen des Landes zu plündern.” Dennoch zeigten die interreligiösen Initiativen, dass diese Krise eine Gelegenheit sein könne, um die Verbundenheit zwischen den Bürgern des Landes zu stärken, so Ngalanibé: „Mit der Hilfe unserer protestantischen und muslimischen Brüder und Schwestern bemühen wir uns darum, Sensibilisierungskampagnen durchzuführen, um die Pandemie-Gefahr einzudämmen.”

Der Einsatz für Frieden bleibt auch in der aktuellen Situation ein Stachel im Fleisch für die internationale Gemeinschaft. Weltweit gehen Kriege und Konflikte auch während der Corona-Krise weiter. „Kirche in Not“ steht in vielen Ländern den Betroffenen bei und unterstützt die Arbeit der Kirche vor Ort, die für viele notleidende Menschen die einzige Anlaufstelle ist.

Damit Seelsorger und kirchliche Mitarbeiter die Corona-Pandemie schultern und für die ihnen anvertrauten Menschen da sein können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online …hier oder auf folgendes Konto:

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Flüchtlingskinder in der Zentralafrikanischen Republik.

Als Antwort auf die anhaltende dramatische Situation der Christen in Syrien unterstützt das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mit einem weiteren Nothilfeprogramm 20 550 christliche Familien unterschiedlicher Konfessionen.

Der einmalige Zuschuss von 25 Euro pro Familie ermögliche besonders bedürftigen Familien, Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen, das sich auch in Syrien ausbreite, erklärte der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“. „Es scheint ein kleiner Betrag zu sein, aber er entspricht fast der Hälfte des monatlichen Einkommens einer syrischen Familie und ist daher lebenswichtig. Die Nothilfe muss schnell umgesetzt werden, bevor sich COVID-19 weiter im Land ausbreitet.“

Das mit über eine halbe Million Euro umfassende Programm kommt katholischen, orthodoxen und evangelischen Familien in ganz Syrien zugute. Viele Familien sind durch den immer noch andauernden Krieg und die Wirtschaftssanktionen am Ende ihrer Kräfte. Jetzt müssen sie sich einer weiteren Herausforderung stellen: der Ausbreitung von COVID-19. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Schließung von Geschäften und Schulen sowie der Einstellung des Transports zwischen den Städten, stößt die finanzielle Situation der Ortskirchen in Syrien an ihre Grenzen.

„Wir unterstützen mehr als hundert Projekte in Syrien. Einige sind wegen der Pandemie eingeschränkt, aber viele laufen weiter, wie zum Beispiel unser Projekt ,Ein Tropfen Milch‘. Damit wird hunderten Kleinkindern und Säuglingen eine lebenswichtige Milchration gewährleistet. Das neue Hilfsprogramm ist ein Zeichen der Ermutigung für unsere Brüder und Schwestern in Syrien und gibt ihnen Trost und finanzielle Unterstützung“, erklärt Thomas Heine-Geldern. „Wir möchten die Christen in Syrien nicht allein lassen.“

Besonders die christliche Bevölkerung in Syrien leidet unter den Folgen des Krieges, der seit 2011 andauert. Waren Diskriminierungen gegen Christen davor eher selten und die Auswanderung begrenzt, so fühlen sie sich heute als Bürger zweiter Klasse, die von der Regierung im Stich gelassen und von anderen Bürgern diskriminiert werden. Ihr Eigentum wurde im Krieg zerstört, geplündert oder weit unter Preis verkauft. Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren. Ausländische Hilfen erreichen wegen der Sanktionen und Grenzschließungen das Land nur sehr schwer.

Darüber hinaus ist das Bankensystem des Nachbarlandes Libanon, das einen Teil des Systems aufrechterhalten hat, aufgrund der politisch-sozialen Krise und der COVID-19-Pandemie zusammengebrochen. Die Inflation im Land ist immens hoch.

Um die Christen in Syrien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Die Syrer im allgemeinen, aber besonders die Einwohner von Aleppo, neigen dazu, sich weniger Sorgen um ihre persönliche Sicherheit zu machen als die meisten Menschen in Europa.

“Viele von ihnen sagen, dass sie bereits seit neun Jahren leiden und sowohl den Krieg als auch den Hunger überlebt hätten. Einige sind vorsichtiger und verwenden Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Handschuhe, um sich zu schützen. Aber die meisten Menschen machen sich keine Sorgen über die Ausbreitung des Coronavirus. Sie haben schon so viel gelitten”, erklärt der armenisch-katholische Priester Antoine Tahhan gegenüber dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Am 19. März erließ die syrische Regierung aus Angst vor der Verbreitung des Coronavirus einen Erlass, alle Geschäfte zu schließen und verhängte eine Ausgangssperre zwischen 18 und 6 Uhr. Nur wenige Tage später, am 22. März, beschlossen die katholischen Bischöfe in Aleppo zusätzlich die Schließung aller ihrer Kirchen, um die Gläubigen zu schützen und die weitere Ausbreitung der Pandemie zu verhindern.  Seitdem kommt Pater Antoine jeden Morgen in die armenisch-katholische Heilig-Kreuz-Kirche in Aleppo, um dort allein die heilige Messe zu feiern, und kehrt dann nach Hause zurück, um die Vorgaben zur sozialen Isolierung einzuhalten.

Aber es gibt wenig, was in einem Land wie Syrien getan warden kann, in dem der Krieg auch das Gesundheitssystem zerstört hat. “Aleppo hat viele Krankenhäuser und Gesundheitszentren verloren, die durch die Terroristen zerstört wurden. Ein großer Teil der Ausstattung und der Medikamentenvorräte wurden geplündert, und viele Ärzte sind ausgewandert, weil die Terroristen einige entführt und anderen gedroht hatten, sie zu töten.  Infolgedessen ist das Gesundheitssystem in einem schlechten Zustand, und darauf fußt die Sorge, dass das Virus sich in der Bevölkerung, insbesondere unter den Soldaten der Syrisch-Arabischen Armee, verbreiten könnte”, sagt Pater Antoine.

“Ich denke nicht, dass es in den Krankenhäusern, insbesonderen auf den Intensivstationen, genug Beatmungsgeräte gibt, um dem Virus gewachsen zu sein. Wir benötigen ebenfalls sehr viele Schutzmasken, Ausrüstung zum Sterilisieren und andere medizinische Ausstattung. Zugleich müssen wir unter der Bevölkerung auch ein Bewusstsein für die gesundheitlichen Risiken erwecken, denn noch immer gehen viele Leute in den Parks spazieren, halten sich an den Händen und begrüßen sich, ohne die behördlichen Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit zu beachten.”

Die Kämpfe in Aleppo sind seit dem 24. Dezember 2016 zu Ende. Einige bessergestellte Familien waren seitdem in der Lage, ihre Häuser wiederherzustellen, aber die meisten christlichen Familien sind sehr arm und überleben nur dank der Unterstützung der Ortskirche und von Organisationen wie der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, die Nothilfeprojekte ins Leben gerufen haben, um die ärmsten Familien in Aleppo und anderen Teilen Syriens mit Mietzuschüssen, Lebensmitteln und grundlegender medizinischer Versorgung zu unterstützen. „Ohne diese Hilfe könnten die Christen nicht nach Hause zurückkehren und die christliche Präsenz im Nahen Osten sichern”, erklärt Pater Antoine.

Der durch den Krieg bedingte Exodus habe verheerende Auswirkungen: „Die Zahl der christlichen Familien, die vor dem Krieg in Aleppo lebten, lag bei 30.000. Nun ist die Anzahl auf rund 10.000 gesunken. Wir leiden unter einer massiven Überalterung der Bevölkerung, da der Anteil an älteren Menschen inzwischen auf zwei Drittel gestiegen ist, und das nicht nur in Aleppo, sondern in ganz Syrien. Und der Mangel an jungen Arbeitskräften hat sich durch den Militärdienst weiter verschärft.”

Seit einem Jahr leide Syrien an einer schweren Wirtschaftskrise. “Als Aleppo befreit wurde, bestand beträchtlicher Optimismus, und drei Jahre lang setzten die Menschen ihre Hoffnung auf harte Arbeit, aber nun wird die wirtschaftliche Lage immer schlimmer. Viele Menschen sind arbeitslos, und die gezahlten Gehälter reichen nicht aus, um eine vierköpfige Familie zu ernähren. Die Wirtschaftssanktionen fügen der Bevölkerung schweres Leid zu, und die schlechte wirtschaftliche Lage im Libanon beeinträchtigt auch die Wirtschaft in Syrien. Der Dollarkurs und damit auch die Lebenshaltungskosten sind in die Höhe geschossen. Zugleich wurden die Hilfeleistungen, die über den Libanon nach Syrien gelangten, eingestellt”, erklärt Pater Antoine gegenüber KIRCHE IN NOT.

Seit der Befreiung von Aleppo sind 75 armenisch-katholische Familien zurückgekehrt, aber sie waren Binnenflüchtlinge aus anderen Teilen Syriens und keine Flüchtlinge aus Europa. “Um Familien dazu zu ermutigen, nach Syrien zurückzukehren, müssen die Wirtschaftssanktionen aufgehoben warden, wie der Papst es in seiner Osterbotschaft gefordert hat, und man muss den jungen Menschen dabei helfen, Arbeit zu finden. Wir brauchen auch Sicherheit, medizinische Versorgung und die Aufhebung der Militärreserve, damit die jungen Leute Arbeit finden, ihre Zukunft aufbauen und Familien gründen können”, schließt Pater Antoine.

Das Coronavirus ist  eine weitere Sorge unter vielen anderen, aber diese globale Pandemie lässt die Menschen in Syrien vor allem die wirtschaftlichen Folgen fürchten. Sie könnten zum einen ihren Leidensweg erschweren und andererseits eine Minderung der Nothilfeprogramme zur Folge haben, die jetzt für ihr Überleben notwendiger sind denn je.

Am 15. September, der in der katholischen Kirche als „Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens“ begangen wird, wurde in Rom wie in zahlreichen christlichen Kirchen Syriens der im Syrienkrieg getöteten Christen gedacht und ein Zeichen des Trostes für die Hinterbliebenen gesetzt. Im Vatikan segnete Papst Franziskus eine Ikone; auf der die „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ zu sehen ist.

Gestaltet wurde sie von dem griechisch-orthodoxen Priester Spiridon Kabbasch aus Homs speziell für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“, die das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ gemeinsam mit den katholischen und orthodoxen Christen in Syrien auf den Weg gebracht hat. Ziel der Aktion ist es, den syrischen Christen nicht nur materiell, sondern auch geistlich beizustehen – besonders auch den Menschen, deren Angehörige im Krieg getötet oder entführt worden sind.

Papst hat die Syrienaktionen von „Kirche in Not“ wiederholt unterstützt

Bei der Segnung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta war auch der Internationale Präsident der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“, Mauro Kardinal Piacenza, der Ikonen-Künstler sowie Mitarbeiter des Hilfswerks anwesend. Papst Franziskus setzte mit der Segnung seine Unterstützung für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“ fort. Bereits am 15. August hatte der Heilige Vater beim Angelusgebet 6000 Rosenkränze gesegnet, die von christlichen Kunsthandwerkern aus Bethlehem und Damaskus hergestellt wurden. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der Papst beim Angelusgebet eine große Kerze entzündet und damit seine Teilnahme an der Gebetskampagne „Kerzen für den Frieden in Syrien“ ausgedrückt.

„Der Heilige Vater hat erneut seine liebende Nähe zu den Menschen in einer Weltregion gezeigt, wo viele Tränen getrocknet werden müssen. Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte der Präsident von „Kirche in Not“, Mauro Kardinal Piacenza, nach der Segnung. Der Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens gebe eine Lektion von wahrem und tiefen Mitgefühl, das die Welt auch heute dringend brauche, so Piacenza. „Maria leidet wegen Jesus, aber sie leidet auch mit Jesus. Die Passion Christi ist eine Teilhabe am Leid aller Menschen.“ Diesen Menschen beizustehen, wisse sich „Kirche in Not“ weiterhin verpflichtet.

Die vom Papst gesegneten Rosenkränze wurden nun am 15. September als Zeichen der besonderen Nähe des Papstes bei Gottesdiensten in katholischen und orthodoxen Kirchen Syriens an Hinterbliebene von Kriegsopfern verteilt. Auch ein aus dem Heiligen Land stammendes Kreuz aus Olivenholz und Bibeln in arabischer Sprache, die von „Kirche in Not“ gestiftet wurden, haben die Angehörigen als äußeres Zeichen der Anteilnahme und des Trostes erhalten.

Ikone besucht katholische und orthodoxe Kirchen Syriens

Neben den Gottesdiensten fanden an diesem Tag auch zahlreiche Prozessionen statt, bei denen hunderte Gläubige für ihre getöteten und entführten Mitchristen und ihre Familien gebetet haben. Auch die neue Ikone „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ wird in den kommenden Wochen in allen 34 Diözesen Syriens zu Gast sein.

Um weiterhin die pastorale wie humanitäre Arbeit der christlichen Kirchen Syriens unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Infolge des Konflikts, der Syrien seit sieben Jahren zerrüttet, ist der christliche Anteil der syrischen Bevölkerung auf rund 2 Prozent gefallen. Die christliche Präsenz im Nahen Osten laufe Gefahr ganz auszusterben, nicht so sehr weil Kirchen zerstört werden, sondern weil die Männer auswandern und Familien mit einem christlichen und muslimischen Ehepartner meistens dem Islam folgen, erklärte in diesem Zusammenhang Kardinal Mario Zenari, Apostolischer Nuntius in Syrien, zur gegenwärtigen kritischen Lage der christlichen Gemeinden in Syrien. Dies berichtet die Ungarische beim Heiligen Stuhl in einer Veröffentlichung zum jüngsten Besuch des Kardinals in Ungarn.

Über den gegenwärtigen Zustand der christlichen Gemeinden in Syrien sprach Kardinal Zenari bei einer Konferenz in der Katholischen Universität Péter Pázmány (PPKE) in Budapest. Zum „Exodus“ der Christen betonte der Kardinal, dass ihr Anteil nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch 25% der syrischen Bevölkerung ausmachte. Der Prozentsatz sei jedoch bereits vor dem Konflikt auf 6% gefallen. Unter den Ursachen für diesen Rückgang erwähnte der Nuntius auch die niedrige Geburtenrate christlicher Familien. An der an der Universität von Budapest organisierten Veranstaltung nahmen stellvertretend für die ungarische Regierung auch der Staatssekretär für die Hilfe für verfolgte Christen, Tristan Azbej, und Balázs Orbán, Staatssekretär der ungarischen Ratspräsidentschaft teil.

Tristan Azbej, Staatssekretär für die Hilfe für verfolgte Christen beklagte bei der Konferenz, dass die Antworten der westlichen Länder auf die der wirtschaftlichen und humanitären Herausforderung und im Zusammenhang mit der Migrationskrise „nicht zufriedenstellend sind“. „Sie haben beschlossen, die Migration zu unterstützen, und fordern die Menschen auf, ihre Heimat zu verlassen, während Ungarn im Gegenteil geltend macht, dass es das Hauptinteresse aller Menschen sei, in ihrer Heimat zu bleiben“, so der Vertreter der ungarischen Regierung.

Anlass für den Besuch von Kardinal Zenari in Ungarn war vor allem die von der ungarischen Regierung angebotenen Unterstützung des Programms-„Open Hospitals“ zur Finanzierung der medizinischen Behandlung von etwa 4.500 Patienten in syrischen Gesundheitseinrichtungen im Laufe eines Jahres. In diesem Zusammenhang überreichte der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán dem Kardinal Mario Zenari (siehe Foto) am vergangenen 22. Januar das offizielle Dokument, das den ungarischen Beitrag in Höhe von 1,5 Millionen Euro für das von der AVSI-Stiftung verwaltete Programm bereitstellt.

KIRCHE IN NOT unterstützt die Christen in Syrien. Mehr Infos darüber unter: www.syrien.kircheinnot.at
(Quelle: Fidesdienst, Foto: Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT)

Papst unterstützt Adventskampagne von KIRCHE IN NOT. Franziskus ruft zu Gebet und Hilfe für Kinder in Syrien auf. Am ersten Adventssonntag hat Papst Franziskus beim Angelusgebet auf dem Petersplatz in Rom eine große Kerze im Gedenken an die syrischen Kinder entzündet, die besonders unter Krieg und Terror leiden. Er schloss sich damit der Advents-Aktion „Kerzen für den Frieden in Syrien“ an, mit der das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ zu Gebet und Hilfe für Syrien aufruft.

Kerzen für den Frieden in Syrien

„Diese Flammen der Hoffnung mögen die Dunkelheit des Krieges vertreiben“, sagte Franziskus laut Vatican News. „Lasst uns beten und den Christen helfen, als Zeugen der Barmherzigkeit, Vergebung und Versöhnung im Nahen Osten zu bleiben.“ Vor allem die Kinder in Syrien würden schon seit acht Jahren „vom Krieg gequält“, so der Papst.

Die Kerze, die Franziskus entzündete, zeigte rund 40 Porträtfotos von syrischen Kindern und Jugendlichen, das Logo von „Kirche in Not“ und das Symbol der Adventsaktion: Eine Taube, deren Flügel eine Kinderhand bildet, und die Aufschrift „Frieden für die Kinder – Syrien 2018“ in englischer Sprache. Die Kerze wurde von einem Kunsthandwerker aus Damaskus angefertigt und von der Ordensfrau Schwester Annie Demerjian am Vortag dem Papst übergeben. Sie setzt sich in Damaskus und Aleppo für Kinder, alte und kranke Menschen ein. „Kirche in Not“ unterstützt die Ordensfrau und ihr Team seit vielen Jahren.

Bereits in der Woche vor dem ersten Advent hatten sich mehr als 50 000 Kinder verschiedener Religionen an der Kerzenaktion beteiligt. In Schulen und Gemeindehäusern entzündeten sie Lichter, beteten um Frieden und malten Bilder mit ihren Zukunftshoffnungen. Die Aktion fand unter anderem in Damaskus, Aleppo und Homs statt – Städte, die besonders schwer vom Krieg betroffen sind.

Weihnachtsgeschenke für über 15 000 Kinder

„Kirche in Not“ lädt Menschen weltweit dazu ein, sich dem Appell der syrischen Kinder anzuschließen und im Advent Lichter für den Frieden zu entzünden. Als Antwort auf die dramatische humanitäre Lage begleitet das Hilfswerk die Intitiative „Kerzen für den Frieden in Syrien“ mit einer internationalen Spendenaktion.

Die zugesagten Hilfen in Höhe von 15 Millionen Euro umfassen die Verteilung von Lebensmitteln, Medikamenten und Milchpulver für die Ernährung der Kinder, Mietbeihilfen, Heizöl-Zuschüsse, den Wiederaufbau zerstörter Häuser und Kirchen, seelsorgerische und psychologische Begleitung von Traumatisierten sowie Stipendien für Schüler und Studenten. In der Adventszeit unterstützt „Kirche in Not“ außerdem die Herstellung und den Kauf von Weihnachtsgeschenken für über 15 000 syrische Kinder. Seit Ausbruch des Krieges im Jahr 2011 hat das Hilfswerk Projekte für Syrien mit über 29 Millionen Euro unterstützt.

Um den Menschen in Syrien weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„Mit unseren Häusern bekommen wir auch unser Leben zurück“ – Im christlichen Viertel von Homs beginnt der Wiederaufbau. Die Altstadt von Homs war vor dem Krieg Heimat für die Christen. Dort befinden sich auch ihre Kirchen und Kathedralen – oder was davon nach den Jahren des Krieges noch übrig ist. Die letzte Hochburg des sogenannten „Islamischen Staates“ ist im Sommer 2017 gefallen. Unzählige Opfer und schwere Zerstörungen waren die Folge der lang anhaltenden Kämpfe. Schwarze Steine – das traditionelle Baumaterial in den alten Vierteln von Homs – stapeln sich in den engen Gassen. Teilweise wuchern Gras und Gebüsch über die Trümmer. Doch über das Leid der Menschen ist längst kein Gras gewachsen.

„Ein Wunder, dass wir noch leben“

„Wir kauerten in unmittelbarer Entfernung, als unser Haus von Granaten getroffen wurde“, erzählt Elias Ghattas. Sein Sohn Baschar (25) und seine Frau Lina waren bei ihm. „Unser Sohn hat beim Angriff ein Auge verloren. Ich erlitt einen Nervenzusammenbruch“, erzählt Lina mit leiser Stimme. „Ein Militärfahrzeug drang durch die Trümmer zu uns vor und brachte uns in Krankenhaus. Es ist ein Wunder, das wir noch leben.“

Dieses Wunder gilt auch für den älteren Sohn Thamin. „Als der Krieg begann, wurde er sofort zum Militär einberufen“, sagt Elias. „Er kämpft seit sieben Jahren in der Armee, blieb seitdem Gott sei Dank unverletzt. Er ist nur selten zu Hause.“ Zu Hause – das sind seit der Bombardierung drei verschiedene Notunterkünfte. Jetzt lebt die Familie nur rund 500 Meter entfernt von ihrem schwer beschädigten Haus, in einer kleinen Wohnung im vierten Stock. Der Wohnraum dient auch als Schlafzimmer, an der Wand gestapelte Matratzen zeugen davon. Die Wohnsituation ist für Elias eine Tortur. „Ich habe ein gebrochenes Bein, das nicht richtig zusammengewachsen ist. Jeden Tag ein paar Mal die Treppe zur Wohnung rauf und runter – das tut mir sehr weh.“ Der Ärger über die Situation ist ihm anzusehen. Aber eine andere Wohnung sei einfach nicht drin: „Die Mieten steigen, denn der Wohnraum ist knapp.“

Flucht kam nie infrage

Flucht, wie für so viele andere Einwohner von Homs, kam für die Familie trotz Gefahr und widriger Umstände nie infrage. „Während der IS-Besatzung blieben hier ungefähr 40 Christen zurück. Das waren hauptsächlich ältere Menschen, die sich weigerten zu fliehen, und Kranke, die nicht wegkonnten“, so Elias. Gebet und Gottvertrauen seien die beiden Kraftquellen gewesen, warum auch sie geblieben sind. „Unsere Familie war der Kirche immer eng verbunden. Der Kontakt mit anderen Christen stärkt uns.“

Nun ist dieser Kontakt mit der Kirche zum Beginn für eine neue Zukunft geworden. Denn das Haus der Familie Ghattas ist das erste in der Gemeinde, das wiederaufgebaut wird. Weitere sollen schnell folgen. Eine Gruppe von Bauingenieuren hat in einem ersten Schritt die Schäden erfasst, Kosten und Arbeitsaufwand sorgfältig ermittelt. Das Geld für die hundert ersten Häuser ist erst einmal gesichert – es kommt vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

„Wir Christen gehören zu Syrien“

Der Wiederaufbau geht gut voran, wie Hassib Makhoul erzählt. Er ist der verantwortliche Ingenieur. „Wir arbeiten seit einem Monat an diesem Haus. Elektrik und Wasser funktionieren schon wieder. Fassade und Eingangsbereich sind so gut wie fertig.“ Der Anfang sei gemacht. „Es ist beeindruckend, was die Wohltäter von ,Kirche in Not῾ für uns tun.“

Der junge Baschar packt bei den Renovierungsarbeiten mit an, zeigt seinem Vater jeden Tag die Fortschritte. Vom Dach des Hauses aus blicken die beiden auf ihr Stadtviertel. „Ab der nächsten Straße beginnt eine Gegend, die noch immer Militärzone ist“, sagt Baschar. „Wir sind froh, dass wir schon bald zurückkehren können. Mit den Häusern bekommen wir auch wieder unser Leben zurück.“

Der junge Mann träumt von einem eigenen kleinen Reparaturladen, um den Lebensunterhalt für sich und seine Eltern bestreiten zu können. Auch er hat nie an Auswanderung gedacht. Denn die sei teuer und gefährlich. „Und ich kann doch meinen Bruder Thamin, der bei der Armee ist, nicht im Stich lassen.“ Seine Sehnsucht gehe nur in eine Richtung: „Frieden, endlich Frieden für Syrien. Ich denke nicht an Politik. Ich denke nur daran, was für alle Bürger das Beste ist: eine Entwicklung, die es uns ermöglicht, unsere Heimat wiederaufzubauen. Dabei wollen wir Christen mithelfen, denn wir gehören zu Syrien.“

Seit Kriegsbeginn hat KIRCHE IN NOT die notleidenden Christen in Syrien mit mehr als 25 Millionen Euro unterstützt. Mehr Infos unter: www.syrien.kircheinnot.at

Um den Wiederaufbau in Syrien weiter voranzutreiben und der Bevölkerung materiell wie pastoral beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder hier online oder auf folgendes Spendenkonto:

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„Das Land muss wieder aufgebaut werden. Es genügt nicht, zurückkehren zu wollen“. Unter der Leitung von Bischof Samir Nassar, dem maronitischen Erzbischof von Damaskus, und mit Unterstützung der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) konnte eine Delegation des Familienausschusses der Syrischen Bischofskonferenz (1) am Weltfamilientreffen in Dublin teilnehmen. Maria Lozano und Pierre Macqueron haben diese Gelegenheit genutzt, um sie über die Situation im Land zu befragen. Die Teilnehmer erklären, der Krieg in ihrem Land sei „die grausamste Tragödie in der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg“, und beschreiben die Schwierigkeiten, mit denen syrische Familien konfrontiert werden, die nach acht Jahren Krieg verstreut, traumatisiert und ruiniert sind. 

 Wie ist die tatsächliche Lage in Syrien zurzeit?

 Erzbischof Samir Nassar: In Syrien findet kein lokaler Konflikt, sondern ein internationaler Krieg statt: An diesem Krieg sind 85 Länder (!) beteiligt. Es handelt sich um die grausamste Auseinandersetzung der Geschichte seit dem Zweiten Weltkrieg. Seit April stellen wir fest, dass der Friede zurückkehrt. In Damaskus fallen keine Bomben mehr. Worin besteht nun das Problem? Darin, dass die jungen Menschen seit 2015 aus dem Land geflüchtet sind. Wir warten darauf, dass sie zurückkommen. Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um denen zu helfen, die geblieben sind, und auch den Familien, denn die meisten Familien wurden getrennt. Unsere Aufgabe besteht darin, den Menschen zu helfen, im Land zu bleiben. Wir wollen aber auch den Geflüchteten helfen, damit sie zu ihren Familien zurückkehren können. Es gibt noch viel zu tun, um das Land nach acht Jahren Krieg wiederaufzubauen.

Schw. Jihane Elaoudatallah: Wir haben sehr schwere Zeiten durchgemacht. Vor einigen Monaten tötete eine Bombe eine Lehrerin in meiner Schule in Damaskus. Eine weitere schlug ebenfalls im Gebäude ein. Sie verletzte aber glücklicherweise keinen Menschen. Später fiel eine weitere Bombe, die ein Kind tötete und ein anderes so schwer verletzte, dass ihm ein Bein amputiert werden musste. Die Kinder standen unter Schock. Sie wollten nicht mehr in die Schule kommen. In die Schule zu gehen, bedeutete für sie, in den Tod zu gehen. Wir mussten Traumaarbeit leisten, um diese psychische Blockade zu überwinden. Dafür veranstalteten wir an einem ruhigen und abgelegenen Ort Exerzitien für Familien, die wirklich beklemmende Situationen durchgemacht haben. Ein Jesuitenpater predigte über das christliche Leben, über die Art und Weise, mit den Kindern mit der Angst umzugehen. Wir haben außerdem die Enzyklika Laudato Si’ durchgenommen. Diese Familien haben darum gebeten, dass regelmäßige Begegnungen stattfinden. So organisieren wir nun jeden Monat eine Begegnung, um nachzudenken, zu beten, zusammen zu essen und uns zusammen zu erholen.

Jean-Pierre Bingly: Alle Familien, seien es Muslime, Drusen oder Christen, sind vom Krieg betroffen. Sie müssen dieselben Probleme meistern. Ihre Kinder sind im Krieg gestorben, oder sie sind geflüchtet … Wir müssen unsere Familien wiederherstellen. Wir tun, was in unserer Hand liegt, um es zu schaffen.

P. Raimondo Girgis:In Damaskus hat sich die Lage normalisiert. Es herrscht Frieden. Die Kirche hat ihre Seelsorgearbeit wieder aufgenommen. In unserem Kloster halten wir Katechese für 230 Kinder. Wir haben außerdem ein Altenheim. Die Kirche betreut die Menschen weiterhin materiell und geistlich. In der ganzen Zeit des Krieges haben wir nicht nur den Armen und den Kranken geholfen, sondern darüber hinaus haben wir auch in der Familienseelsorge geistliche Unterstützung geleistet.

Gibt es Rückkehrmöglichkeiten für syrische Flüchtlinge?

Erzbischof Samir Nassar: Viele Jahre lang war Syrien ein Aufnahmeland: für die Armenier in den zwanziger Jahren, für Assyrer, Kurden, Libanesen, Iraker … Die syrischen Flüchtlinge waren hingegen in vielen Teilen der Welt nicht willkommen. Denn es sind viele, zu viele. Niemand will sie aufnehmen. Die Rückkehr nach Syrien ist nun ebenfalls kompliziert, vor allem aus finanziellen Gründen.

P. Raimondo Girgis: Viele Familien denken an die Rückkehr. Dies gilt vor allem für die christlichen Familien. Für die Kirche ist die Trennung der Familien eine offene Wunde. Dazu kommen die psychischen Probleme, die der Krieg hinterlassen hat und die wir als Kirche heilen müssen.

Schw. Jihane Elaoudatallah: Ihre Häuser sind außerdem zerstört – wohin sollen sie zurückkehren? Wie kann man in ein zerstörtes Haus zurückkehren? Es genügt nicht, zurückkehren zu wollen.

Marie Nasrallah: Jetzt kommt die Währungsabwertung hinzu, die die Rückkehr nach Syrien noch komplizierter macht. Das tägliche Leben ist sehr teuer geworden.

Ist die Wirtschaftsblockade gegen Syrien eine Bedrohung für die Rückkehr der Syrer?

Erzbischof Samir Nassar: Wir haben mit schweren Wirtschaftsproblemen zu kämpfen, weil unsere Währung abgewertet wurde. Vor dem Krieg war der Gegenwert eines amerikanischen Dollars fünfzig Syrische Pfund. Heute sind es 515 (!). Und die Gehälter sind gleich geblieben. Die im Ausland lebenden Syrer könnten uns helfen. Dies ist aber wegen der westlichen Blockade nicht möglich. Diese Maßnahme richtet sich zwar gegen die Regierung, darunter leiden aber die Armen. Während  die Regierungsmitglieder über andere Einkommensmöglichkeiten verfügen, müssen die Armen die Auswirkungen der Blockade ausbaden.

Schw. Jihane Elaoudatallah: Die wirtschaftliche Lage verschlimmert das Leiden der Bevölkerung, einer zerstreuten und gedemütigten Bevölkerung. Sie wird gedemütigt, weil sie auf Hilfe angewiesen ist, vor allem jetzt, da der Empfang der Unterstützung durch die Wirtschaftsblockade behindert wird. Vor allem für die Familien ist es eine schwere Belastung, die Kinder aufzuziehen.

P. Raimondo Girgis: Die Wirtschaftssanktionen zeigen kein positives Ergebnis. In Syrien herrscht Mangel an Arzneimitteln. Es gibt sie nirgends. Diese Maßnahmen führen nicht dazu, ein Volk zu retten – ganz im Gegenteil, es wird dazu verurteilt, in einem Gefängnis zu leben.

Ein letztes Wort?

Erzbischof Samir Nassar: Wenn der Papst von unserem Land spricht, spricht er von „unserem geliebten Syrien“. Er kennt Syrien, weil in Argentinien eine große Gemeinde syrischer Migranten lebt. Der Bischöfliche Familienausschuss dankt KIRCHE IN NOT, weil Ihr uns in den letzten Jahren sehr geholfen habt, notleidende Familien zu unterstützen, Kranke mit Arzneimitteln zu versorgen, Seelsorge weiterhin zu leisten. Aber jetzt brauchen wir weiterhin Hilfe, um unsere zerbombten Häuser wiederaufzubauen, um das Land wiederaufzubauen.

Seit Beginn des Konflikts hat KIRCHE IN NOT mehr als 25 Millionen Euro für Nothilfeprojekte zugunsten christlicher Familien in Syrien bewilligt, darunter fast 6 Millionen im Jahr 2017. Derzeit bereitet die Stiftung eine neue Kampagne vor, um den Wiederaufbau des Landes und die Rückkehr zu unterstützen der Flüchtlinge in den kommenden Monaten.

(1) Neben Erzbischof Nassar gehörten der Delegation die folgenden Personen an: Franziskanerpater Raimondo Girgis, der Rektor des  Heiligtums der Bekehrung des heiligen Paulus in Tabbale-Damaskus, Schwester Jihane Elaoudatallah von den Schwestern der Barmherzigkeit sowiedie Eheleute Jean-Pierre Benglé und Marie Nasrallah, die seit 24 Jahren verheiratet sind und ebenfalls dem Ausschuss angehören.

Die 300 Christen aus dem zerstörten Weltkulturerbe Krak des Chevaliers. Der Pfarrer der neben der Burg stehenden Mariä-Himmelfahrts-Kirche, P. George Maamary, möchte die Kirche wiederaufbauen, damit die Familien bald zurückkehren können. Qalʿat al-Husn ist eine Stadt im syrischen Wadi al-Nasara oder „Tal der Christen“. Bekannt wurde sie wegen der beeindruckenden, sie beschützenden Burg Krak des Chevaliers. Der Ort ist Weltkulturerbe, ein historisches Juwel Syriens, das vor dem Krieg Menschen aus aller Welt anzog.

„Eine größtenteils aus dem Libanon stammende Gruppe Salafisten und muslimischer Extremisten kam nach Syrien die Grenze befindet sich kaum 30 Kilometer davon entfernt. Sie haben die Kontrolle über die Burg und die Stadt erlangt“, erzählt der örtliche Pfarrer George Maamary. „Unmittelbar nach ihrer Ankunft kamen sie zur Kirche, wo ich wohnte. Sie brachen ein und entführten mich. Sie verprügelten mich – danach musste ich am Rücken operiert werden. Gott sei Dank war die Entführung von kurzer Dauer, denn sie tauschten mich gegen einen Dschihadisten aus, den die Regierung festgenommen hatte.“

Die Stadt hatte 25 000 Einwohner verschiedener Religionen, die meisten von ihnen sunnitische und schiitische Muslime. Dort lebten auch 300 Christen, die in der Nähe der griechisch-katholischen Mariä-Himmelfahrts-Kirche, des einzigen christlichen Gotteshauses, wohnten.

Sobald die christlichen Nachbarn von der Entführung Pater Maamarys erfuhren, verließen sie ihre Häuser. Sie hatten Angst, dass auch ihnen das gleiche widerfahren konnte. „Es war eine Warnung. Seitdem ist keine einzige christliche Familie zurückgekehrt“. Dies geschah vor mehr als sechs Jahren.

Es handelt sich um einen weltweit bekannten, historisch bedeutsamen Ort, der zudem für Syrer strategisch und emotional von großer Bedeutung ist. Die Burg sowie große Teile der Stadt wurden von den Rebellen und von den Kämpfen beschädigt. 2014 wurde Krak des Chevaliers von der syrischen Armee zurückerobert. Die Rebellen wollten aus der Burg ein zweites Palmyra machen. Es ist der einzige Ort im Tal der Christen, wo Kämpfe stattgefunden haben. In der Region leben sonst viele Flüchtlinge, denn sie ist eine ruhige Gegend im Land.

Vorher gab es Plünderungen. Geplündert wurden auch die Kirche und die Häuser der Christen. „Das Leben der Gemeinschaft spielte sich ringsum die Kirche ab. Wir hatten ein Basketball-Feld sowie Katechese- und andere Versammlungsräume. Ihr könnt sehen, wie jetzt alles aussieht“, sagte Pater Maamary zu der Delegation des Päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT. Die Kirche ist an ein Haus angeschlossen, in dem sich das Gästehaus „Johannes Paul II.“ befand. Dort wurden Touristen untergebracht, die die Burg besuchten. In weiteren 17 Räumen befanden sich ein Restaurant, ein Café sowie mehrere Geschenk- und Souvenirläden.

Nach den Kämpfen setzte sich der Konflikt fort. Die dem Präsidenten Al Assad, treuen pro-schiitischen Regierungstruppen übten furchtbare Rache an Sunniten. Der Priester beeilte sich zurückzukehren. Er kennzeichnete die Häuser der Christen mit einem schwarzen Kreuz, damit die Armee sie nicht in Brand setzte.

Vor den bewaffneten Auseinandersetzungen seien Christen und Muslime gut miteinander ausgekommen, erzählt Pater George. Der Krieg habe aber eine große Wunde hinterlassen. Es würden Jahre vergehen müssen, ehe sie vernarbe. „Jetzt ist die Lage sicher, aber wir haben weder Strom noch Wasser“. Deshalb hätten die Christen noch nicht zurückkehren können, obwohl die Stadt bereits vor vier Jahren befreit worden sei. „Die Familien erleben eine große Ohnmacht. Sie sind in die Dörfer im Tal der Christen vertrieben worden, etwa Marmarita und Kafra, die von hier lediglich zehn Kilometer entfernt liegen. Und dennoch können sie noch nicht zurückkehren.“

In der Nähe der Himmelsfahrtkirche hat der Wiederaufbau mehrerer Häuser begonnen. Eines dieser Häuser gehört der Familie von Bassam Maamary, einem Vetter von Pater George, der ebenfalls Priester ist: „Ich habe begonnen, mit meinem Geld das Haus wiederaufzubauen. Denn die Nachbarn sollen sehen, dass es möglich ist zurückzukehren, dass es Hoffnung gibt.“

Beim Kabellegen hilft ihm ein junger Mann namens Wagdi Yazzi, der ebenfalls aus Al Husn stammt. „Bald können wir zurückkehren. Vorher muss aber die Regierung Wasser und Strom bereitstellen.“ Hier war das Leben schön und ruhig. Wir hatten Kontakte zu Menschen aus vielen Teilen der Welt. Wir waren sehr offen.“

In einer Gasse taucht ein weiterer Nachbar auf: Samir Bashur. Auch er arbeitet an seinem Haus. Er kommt hin und wieder vorbei, um nach und nach die Beschädigungen zu beseitigen. Damit die Menschen endgültig zurückkehren, müsste die Kirche wiederaufgebaut werden, meint er. „Für uns ist sie ein sehr wichtiger Ort. Dort feierten wir gemeinsam die wichtigsten Feste. Dort trafen wir uns und beteten zusammen mit unserem Pfarrer.“

Pater George beteuert, dass er den Kontakt zu den Familien nicht verloren habe, „Wir machen das Menschenunmögliche, um ihnen im Alltag zu helfen, damit sie in ihre Häuser zurückkehren.“ Er dankt für die Unterstützung von KIRCHE IN NOT, die es ermöglicht hat, dass während dieser Jahre die Flüchtlinge betreut werden konnten. Er hofft, bald mit dem Wiederaufbau der Kirche zu beginnen.

„Wir beten für den Frieden in unserem Land, und ebenso für alle Menschen aus anderen Ländern, die uns helfen. Ihr alle seid hier willkommen. Wir sind darauf angewiesen, dass die Menschen und die Touristen wiederkommen.“ Schließlich bedankt sich Pater Maamary bei Papst Franziskus für seine Unterstützung. Der Papst hat jedes Jahr Hilfen für die Familien und für die Priester geschickt. „Er ist ein demütiger Mann, der auch mit seinem Gebet und mit seinen Friedensbotschaften sehr viel für Syrien tut.“

Die aktuelle Militäroffensive in Syrien trifft neben den Bewohnern der Region Ost-Ghouta auch das benachbarte Damaskus. Der Granatenbeschuss auf die Hauptstadt hält an. Betroffen ist auch das christliche Viertel am Ostrand der Altstadt. Warum die Kriegsparteien den Tod der Zivilbevölkerung billigend in Kauf nehmen, weshalb die islamistische Terrorgefahr wieder steigt und wie die Hilfe für die Zivilbevölkerung jetzt aussehen muss. Ein Interview mit dem Nahost-Referenten des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“, Dr. Andrzej Halemba.

KIRCHE IN NOT: Was hören Sie über die Lage in Ost-Ghouta?

Dr. Andrzej Halemba: Wir von „Kirche in Not“ unterhalten sehr gute und enge Kontakte zu zahlreichen Bischöfen in Damaskus. Einer von ihnen ist das Oberhaupt der melkitisch-griechisch-katholischen Kirche, Patriarch Joseph Absi. Caritas Syrien ist vor Ort und hält uns auf dem Laufenden.

Die Menschen in Ost-Ghouta sind eingeschlossen. Das sind einige tausende Personen! Sie haben kaum Zugang zu Lebensmitteln. Sie erhalten keine medizinische Versorgung. Viele Bewohner sind verletzt und brauchen eine Operation. Es gibt keine Fluchtkorridore. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Rebellen die Zivilbevölkerung als „menschliches Schutzschild“ betrachtet. Und die Regierung hat die Befürchtung, dass nicht nur zivile Flüchtlinge nach Damaskus kommen, sondern auch Selbstmordattentäter, die den Terror weiter in die Stadt tragen. Überall herrschen Angst und Schrecken.

Und das alles sozusagen vor der Haustür der syrischen Hauptstadt mit über einer Million Einwohnern …

Ost-Ghouta ist nur gut vier Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Von dort aus haben die Rebellentruppen einen Blick auf die Stadt. Unter ihnen befinden sich auch Truppen, die al-Qaida nahestehen. Im Süden von Damaskus halten sich noch immer einige Einheiten des „Islamischen Staates“ auf. Man darf also nicht nur über das Vorgehen der Regierungstruppen sprechen, man muss auch davon sprechen, dass Islamisten die Hauptstadt ins Visier genommen haben: mit Terroranschlägen im Innern, mit Granatenbeschuss von außen. Schwer betroffen ist auch das christliche Viertel Bab Tuma, das am östlichen Rand der Altstadt liegt. Die Kriegsparteien wissen: Wann immer Kinder umgebracht, junge Menschen getötet und Familien zerstört und Häuser vernichtet werden, ist das Auge der Öffentlichkeit auf sie gerichtet. Das kalkulieren sie mit ein. Darum attackieren sie unter anderem auch das christliche Viertel.

Können Sie die Situation dort näher beschreiben?

Die Lage ist sehr ernst. Der Beschuss mit Mörsergranaten geht unvermindert weiter. Die Christen haben Todesangst. Ich habe kürzlich mit einer Ordensfrau gesprochen. Sie erzählte mir, dass sie und ihre Mitschwestern nicht einmal mehr das Stadtzentrum verlassen können, um in die Viertel zu gehen, wo sich viele Christen und Flüchtlinge aus Ost-Ghouta aufhalten. Es ist zu gefährlich. Konvois, die humanitäre Hilfe nach Damaskus bringen sollten, sind gestoppt worden. Es ist eine schreckliche Situation!

Sie sprachen davon, dass unter den Rebellengruppen auch islamistische Einheiten sind. In den europäischen Medien steht vor allem das brutale Vorgehen der Regierungstruppen im Fokus. Also nur die halbe Wahrheit?

Im Krieg stirbt die Wahrheit immer zuerst. Beide Seiten sind im Unrecht. Beide Seiten begehen Verbrechen. Beide Seiten sind schuldig. Beide Seiten haben unzählige Menschen zu Opfern gemacht. In Syrien sind in den jetzt sieben Kriegsjahren über eine Million Menschen getötet oder verwundet worden. Und diese Wunden betreffen nicht nur den Körper, sondern auch die Seele. So viele Menschen sind traumatisiert. Es wird Jahrzehnte dauern, diese Wunden zu heilen. Und dafür tragen alle Kriegsparteien die Verantwortung!

Kommen wir zur Versorgungslage. Der vereinbarte Waffenstillstand war so brüchig, dass Hilfslieferungen zunächst nicht zur eingekesselten Bevölkerung durchdringen konnten. Anfang der Woche ist das dann doch gelungen. Was wissen Sie darüber?

Es war dringend nötig, dass jetzt die Bevölkerung in Ost-Ghouta Lebensmittel und medizinische Hilfe bekommt. Es sollten aber auch die hunderttausenden Vertriebenen nicht vergessen werden, die in Damaskus Zuflucht gefunden haben. Viele haben einen Angehörigen verloren, viele wurden bei den Angriffen schwer verletzt. Alle haben sie ihre Zukunft verloren. Deshalb ist es „Kirche in Not“ ein Anliegen, uns dieser Binnenflüchtlinge anzunehmen. Wir wollen Ihnen seelsorglich wie finanziell beistehen, damit sie zum Beispiel im Krankenhaus versorgt werden können. Wir müssen diesen leidgeprüften Menschen unsere Liebe zeigen!

Welche Art von Hilfe plant „Kirche in Not“ für Damaskus?

Wir sind ja seit langem in der Region aktiv. Insgesamt haben wir seit Kriegsausbruch über 21 Millionen Euro an Nothilfe zur Verfügung gestellt. Wir helfen bereits jetzt christlichen Familien mit Lebensmittelspenden, Kleidung und Medikamenten. Außerdem versuchen wir, für die traumatisieren Menschen eine seelsorgerische und therapeutische Begleitung auf die Beine zu stellen. Das ist sehr wichtig. Wir fördern die Arbeit der Ordensgemeinschaften – denn die sind wichtige Nothelfer. Wir suchen nach Unterkunftsmöglichkeiten für Flüchtlingsfamilien. Ein Schwerpunkt in Damaskus ist die Hilfe für Menschen, die einen Angehörigen verloren haben oder die verwundet sind und jetzt eine Operation brauchen. Auch in einer Stadt wie Damaskus gibt es Gebiete, die schwer zugänglich oder vernachlässigt sind. Um die Menschen dort müssen wir uns kümmern. Wir ermutigen unsere Projektpartner, allen Menschen zu helfen, die zu ihnen kommen.

In vielem ähnelt die Situation jetzt in Ost-Ghouta und Damaskus den Kämpfen um Aleppo im Jahr 2016. Von dort wurde berichtet, dass vielfach die Kirchen die einzigen Anlaufstellen waren für die notleidende Bevölkerung – für Christen, aber auch für viele Muslime. Wie ist das in Damaskus?

Als christliches Hilfswerk kümmert sich „Kirche in Not“ um alle Menschen, die Opfer dieses Krieges sind und Not leiden. Dazu arbeiten wir in Damaskus auch eng mit anderen Organisationen zusammen. Wir können also auf bestehende Netzwerke aufbauen. Unsere Hilfe schließt niemanden aus. Das gilt natürlich auch für einzelne Muslime, die ja genauso unter dem Krieg leiden wie die Christen. Christliche Nächstenliebe kennt keine Grenzen und fragt nicht nach der Religion. Im Gesicht jedes leidenden Menschen ist das Antlitz Jesu Christi zu erkennen. Und dieses zerschundene Antlitz blickt uns in den Menschen in Ost-Ghouta und Damaskus an – und fragt nach unserer Antwort auf dieses unsägliche Leid!

Um der notleidenden Bevölkerung in Damaskus helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT 
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600 
BIC: GIBAATWWXXX 
Verwendungszweck: Christen in Syrien

Erzbischöfe aus Syrien und Nigeria über die Lage der Christen in ihren Heimatländern. Auf die dramatische und aktuelle Situation der Christen in Nigeria und Syrien haben Erzbischöfe aus diesen beiden Ländern bei einer Pressekonferenz des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ (ACN) am vergangenen Wochenende in Köln hingewiesen. Erzbischof Matthew Man-Oso Ndagoso aus dem nordnigerianischen Kaduna und der maronitische Erzbischof von Aleppo/Syrien, Joseph Tobji, warnten angesichts der anhaltenden Bedrohungen und Gewalt sowie der vielen geflüchteten Einwohner sogar vor einer Auslöschung des Christentums in ihren Heimatregionen.

Auch wenn der „Islamische Staat“ in Syrien beinahe am Ende sei, existierten viele ähnliche aktive Gruppen, so Erzbischof Tobji. Er betonte zwar, dass in Syrien und Aleppo langsam das Leben erwachen würde und die Menschen wieder lebensmutiger wären, jedoch seien die Folgen des Krieges immer noch zu spüren.

„Das ganze syrische Volk hat verloren“, so der Erzbischof. „Überall herrschen Armut, Arbeitslosigkeit, unvorstellbare Zerstörung der Häuser, des gesellschaftlichen und moralischen Zusammenlebens, Mutlosigkeit und Misstrauen gegenüber der Zukunft.“ Hier sei besonders die Unterstützung der Kirche wichtig. Besonders dankte er dem Engagement und der Großherzigkeit von „Kirche in Not“. „Viele Menschen in Syrien geben offen zu: Ohne Kirche wären wir schon tot“, gestand Erzbischof Tobji.

Er kritisierte die Rolle der internationalen Gemeinschaft: „Es ist jedem vollkommen klar, dass die Gründe für ein solches Kriegs-Desaster, das wir jetzt seit sieben Jahren durchmachen, nichts mit der Forderung nach Demokratie oder Freiheit zu tun haben. Es geht vielmehr um ein schmutziges Spielchen der Weltwirtschaft.“ Faktoren seien vor allem der Waffenhandel, Ressourcen wie Erdöl und Gas, die günstige wirtschaftsgeografische Stellung des Landes und Gegensätze in der politischen Welt. Syrien sei für die Weltmächte wie eine Torte, von der jeder das größte Stück haben möchte.

Dramatische Folgen durch Abwanderung

Vor allem junge und gut ausgebildete Menschen seien wegen des Krieges und der mangelnden Zukunftsperspektiven in Syrien geflohen. Die Folgen der Abwanderung seien dramatisch: Die Zahl der Christen habe sich in Syrien auf ein Drittel reduziert. Binnenflüchtlinge kehrten zwar langsam in die Heimat zurück, jedoch seien die ins Ausland gezogenen Menschen dortgeblieben.

Auch im Norden Nigerias sind Tausende Menschen vor Krieg, Bedrohung und Unterdrückung geflüchtet. Die Christen seien dort nicht nur Angriffen durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram ausgesetzt, sondern auch einer systematischen Diskriminierung und Benachteiligung von staatlicher Seite, so Erzbischof Matthew Mano-Oso Ndagoso aus Kaduna.

Nigeria sei das einzige Land der Welt, in dem der Bevölkerungsanteil von Christen und Muslimen mehr oder weniger gleich sei, wobei im Süden mehr Christen lebten und im Norden vor allem Muslime. Vor allem seine Bischofsstadt Kaduna sei ein wichtiges Zentrum des Islam in Nigeria, so der Erzbischof.

Nigeria: Christlicher Religionsunterricht teils verboten

In einigen Bundesstaaten im Norden Nigerias sei auch die islamische Gesetzgebung der Scharia eingeführt worden. Ebenfalls sei der christliche Religionsunterricht in einigen nordnigerianischen Provinzen nicht erlaubt; islamischer Religionsunterricht dagegen schon. Muslimische Religionslehrer seien beim Staat angestellt und würden aus öffentlichen Mitteln bezahlt. Auch Moscheen würden mit öffentlichen Geldern gebaut, während man den Christen Grundstücke verweigere, auf denen sie Kirchen bauen könnten.

Daher forderte Ndagoso insbesondere für die christliche Minderheit im Norden „eine gerechte Behandlung, basierend auf Gerechtigkeit und ehrlichem Umgang miteinander, unabhängig von religiösem Bekenntnis, Stammeszugehörigkeit, politischer Zugehörigkeit und sozialem Status. Die Christen Nigerias wollen, dass ihre grundlegenden Menschenrechte und ihre Freiheit überall im Land gewahrt und respektiert werden.“

Ausdrücklich lobte der Erzbischof die Unterstützung und Solidarität durch das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“, „das in Zeiten der Not immer für unser Volk da gewesen ist.“ Selbst einige Bischöfe hätten sich aufgrund der unsicheren Lage nicht in den Norden Nigerias getraut. „Kirche in Not“ sei ein „Sprachrohr“, das die Befürchtungen, Ängste, Sorgen und Nöte der verfolgten christlichen Minderheit international lautstark an die Öffentlichkeit bringe.

Es sei deshalb dringend notwendig, sich mit den verfolgten Christen weltweit zu solidarisieren, bekräftigte auch der Menschenrechtsexperte des Hilfswerks „Kirche in Not“, Berthold Pelster, in seinen Ausführungen auf der Veranstaltung von „Kirche in Not“ Deutschland. „Einen Vormarsch intoleranter religiöser Ideologien beobachten wir seit etwa dreißig, vierzig Jahren vor allem in Teilen der islamischen Welt. Durch die Umbrüche im arabischen Raum seit 2011 kam es zu extremen Auswüchsen. Radikal-islamisches Gedankengut breitet sich inzwischen verstärkt auch auf dem afrikanischen Kontinent aus.“

Daher sei es entscheidend, dass in der Weltöffentlichkeit immer wieder auf die Verletzungen des Grundrechts auf Religionsfreiheit hingewiesen werde. Die verfolgten und bedrängten Christen schöpften besonders Kraft in ihrem Glauben durch das Wissen, in ihrer Not von der Weltkirche nicht alleingelassen zu werden.

KIRCHE IN NOT dokumentiert die Verfolgung der Christen weltweit und beobachtet die Entwicklung der Religionsfreiheit 196 Ländern. Die Ergebnisse veröffentlicht das Päpstliche Hilfswerk als einzige Nichtregierungsorganisation regelmäßig im Zweijahresrhythmus www.religionsfreiheit-weltweit.at) Der nächste globale Bericht über die Religionsfreiheit wird im Herbst diesen Jahres vorgestellt. 

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