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In der im Stadtzentrum gelegenen Pfarrkirche La Asunción liegt Brandgeruch in der Luft und überall ist Asche. Vom Boden des Hauptschiffes aus kann man die Wolken sehen, die Decke ist völlig zerstört. Der Glockenturm, der bislang das Bild des Viertels prägte, fehlt ebenfalls. Die beiden Glocken fielen aus der Höhe, als der Turm einstürzte; die eine wurde zerstört, die andere konnte aus den Trümmern gerettet werden. Bänke und Altäre wurden bereits im Zuge der Proteste im vergangenen Jahr verbrannt und zerstört. Nach den Anschlägen im Jahr 2019 waren die Türen und die Glasfenster mit Messing beziehungsweise Schutzblech verkleidet worden, aber das reichte nicht aus.

Letzte Woche fand in der hundertjährigen Kirche ein Treffen statt, bei dem die Pläne für den Beginn der Arbeiten koordiniert und festgelegt werden sollte, am 8. November 2020 das Datum für den Beginn der Renovierungsarbeiten bekanntzugeben. Die alten Pläne der Kirche waren bereits vorhanden, sie waren von der Stadtverwaltung Santiago zur Verfügung gestellt worden, ebenso historische Studien und Baustudien.

Die Atmosphäre war angespannt. Während des ganzen Jahres 2020 wurden in und an der Kirche weiterhin immer wieder Drohungen an die Wände geritzt. „Aufgrund ihrer Lage, nur wenige Meter von der Piazza Baquedano entfernt, herrschte in der Gemeinde ein ständiges Gefühl der Unsicherheit, auch während der Quarantäne. Seit 2019 werden an den Wänden innen und außen Slogans gegen die Kirche und die Priester geritzt, etwa die Parole: ‚Wir wollen sie brennen sehen’“, so Maria de los Angeles Covarrubias, Präsidentin des Hilfswerks KIRCHE IN NOT in Chile, das aufgrund ihres Glaubens verfolgte oder notleidende Christen in aller Welt unterstützt.

„Eine durch Brandstiftung zerstörte Kirche zu sehen, tut in der Seele weh“, fügt Covarrubias hinzu. „Es zeigt, wie tief unsere Gesellschaft zerrissen ist. kleine Gruppen haben das Gefühl, im Besitz der Wahrheit zu sein und deshalb das Recht zu haben, Orte zu zerstören, die den Glauben einer Gemeinschaft repräsentieren, und diese Zerstörung zu feiern. Die Unvernunft und der Hass, die wir gesehen haben, sind ein Angriff auf ein grundlegendes Menschenrecht, die Religionsfreiheit. Gewalt hat in einer Gesellschaft, die sich selbst als demokratisch bezeichnet, keinen Platz.“

Der Pfarrer der Kirche, Pedro Narbona, berichtet, dass er immer noch erschüttert sei von der „rauschhaften Feier, als am Sonntag der Turm des Gotteshauses fiel. Ich erinnerte mich dabei daran, wie im November 2019 die Statue der Muttergottes an der Vorderseite der Kirche enthauptet wurde. Es schmerzt mich, dass die Gemeinde nun keinen Ort mehr hat, an dem sie sich treffen kann. Der kleine Raum, den wir dafür genutzt haben, wurde völlig verwüstet. Die Kirche hier hat eine lebendige Geschichte, die über ihre Mauern hinausgeht. Es ist die Gottesbeziehung vieler Menschen, die zum Beten kamen, die hier ihre Kinder tauften, hier heirateten, und sich von ihren Toten verabschiedeten.“

Die Direktorin von KIRCHE IN NOT Chile, Magdalena Lira, erklärt, dass „sich seit dem ersten gewaltsamen Angriff am 8. November 2019 Pfarrer Pedro Narbona und KIRCHE IN NOT zusammengetan haben, um Geld für die Restaurierung der Kirche zu sammeln. Wir arbeiteten mit einem Team von Fachleuten an der Feinabstimmung des Projekts. Am 8. November, ein Jahr nach dem ersten Angriff, wollte der Pfarrer den Beginn der Arbeiten bekannt geben. Unsere Pläne wurden zunichte gemacht.“

Zum Projekt gehörte der Ersatz des Kirchenmobiliars (Altar, Kirchenbänke, Heiligenbilder), das Ende 2019 verbrannt, zerstört und für Barrikaden verwendet wurde. „Außerdem sollten Beleuchtung, Malereien sowie die Wand- und Deckenverkleidungen wiederhergestellt werden. Besonders wichtig waren die Sicherheitsmaßnahmen für die ganze Fassade, insbesondere für die vier Türen und die Fenster“, so Lira.

Trotz der beunruhigenden Lage soll die Kirche gerettet und die Kraft dazu auch aus der gegenwärtigen Niedergeschlagenheit geschöpft werden. Wenigstens stehen die Längswände noch – allerdings ist noch nichts Genaues über ihren Zustand bekannt. „Die Gläubigen brauchen einen würdigen Ort, um sich mit Gott zu treffen, die Sakramente zu feiern und sich zu versammeln. Es geht nicht nur um Bauten, die teilweise denkmalgeschützt sind. Diese Gebäude bewahren die Geschichte einer Gemeinschaft“, berichtet Covarrubias. Nach dem Erdbeben 2010 errichtete KIRCHE IN NOT Chile 45 Notkapellen, und restaurierte neun chilenische Kirchen, die durch die Erdbeben 2005 und 2010 beschädigt worden waren. „Aber vor einigen Jahren konnten wir uns nicht vorstellen, dass wir Kirchen in Chile aufgrund von Intoleranz würden brennen sehen“, so Covarrubias.

Der Dekan der Architektur-Fakultät an der UDD („Universidad del Desarrollo“) Pablo Allard hat eine persönliche Beziehung zur Kirche: Seine Mutter Angélica Serrano hatte ihr ein von ihr selbst gemaltes Bild geschenkt. „Meiner Meinung nach sind Kirchen über die Konfession hinaus Werke, die von der Kraft des Glaubensgeheimnisses und von der Suche der Menschen nach Transzendenz jenseits des Materiellen zeugen. Sie sind im Wesentlichen Orte der Gemeinschaft. Sie bringen nicht nur die Liturgie des Wortes zu den Gläubigen. Sie sind auch Brennpunkte der Hilfe und Unterstützung für die Schwächsten sowie Teil unseres materiellen und immateriellen Erbes. Trotz knapper Mittel sollte meines Erachtens der Wiederaufbau dieser Kirchen als ein Werk der Wiedergutmachung und des Engagements für den sozialen Frieden betrachtet werden“, so der Architekt und Stadtplaner.

Der renommierte Fotograf und Dokumentarfilmer Pablo Valenzuela Vaillant war am Sonntag vor Ort, um die Brände zu fotografieren. Gestern besuchte er die Ruinen der beiden Kirchen. Er war sehr berührt. „Nach dem Beginn der sozialen Unruhen begann ich, mich als Fotograf auf die Plaza Italia und ihre Umgebung zu konzentrierten. Es ist eine urbane Aufzeichnung der Gegend geworden mit Fotos, die zu verschiedenen Zeitpunkten aufgenommen wurden“, erklärt er. „Diese beiden brennenden Kirchen zu sehen und zu fotografieren, veranlasst mich zu einem Appell über politische oder sonstige Grenzen hinweg: Wir sollen uns vereinen und unser Natur- und Kulturerbe zum Wohle der gegenwärtigen und künftiger Generationen bewahren.“ (Quelle: El Mercurio)

KIRCHE IN NOT verurteilt die gewaltsamen Angriffe auf Kirchen in Santiago de Chile. Dort wurden am gestrigen Sonntag zwei Gotteshäuser von Demonstranten angegriffen, verwüstet und in Brand gesteckt. Dabei handelt es sich um die Kirche „San Francisco de Borja“ und die Mariä-Himmelfahrts-Kirche, eine der ältesten Sakralbauten der chilenischen Hauptstadt aus dem Jahr 1876.

Der dortige Pfarrer Pedro Narbona ist zugleich der geistliche Assistent des chilenischen Nationalbüros von KIRCHE IN NOT.

Brennende Kanzel in der Kirche San Francisco de Borja. © Internetvideo/unbekannt

Der geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT International, Dr. Thomas Heine Geldern, erklärte aus Anlass der erneuten Gewalteskalation:

„Wir sind bestürzt über die Plünderungen und Angriffe auf Kirchen in Santiago de Chile. Die gestrigen Ereignisse zeigen, wie weit die von einigen Gruppen geförderte Gewalt und der Hass reichen können. Nichts rechtfertigt die Angriffe auf Kirchen oder gegen den Glauben und die Überzeugungen anderer, um soziale, ethnische oder wirtschaftliche Gerechtigkeit zu verteidigen.

Es ist legitim, soziale Veränderungen zu fordern und dafür auf die Straße zu gehen. Aber wir glauben, dass ungezügelter Hass gegen religiöse Gruppen Gewalt und Zerstörung erzeugen und weltweit offen verurteilt werden sollten.
Darüber hinaus fordern wir die chilenische Regierung auf, den Schutz religiöser Gebäude vor solchen Hassverbrechen zu gewährleisten.

Der Turm der Kirche Mariä Himmelfahrt in Flammen. © KIRCHE IN NOT
Der Turm der Kirche Mariä Himmelfahrt in Flammen. © KIRCHE IN NOT
Dr. Thomas Heine Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International. © KIRCHE IN NOT
Dr. Thomas Heine Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International. © KIRCHE IN NOT

Wir drücken dem Pfarrer der Kirche Mariä Himmelfahrt, Pedro Narbona, der seit vielen Jahren die Arbeit des chilenischen Zweigs von KIRCHE IN NOT unterstützt, unsere Nähe aus. Wir sind entsetzt darüber, dass er unmittelbar von der Gewalt gegen die Kirche betroffen ist, die wir bisher nur aus anderen Teilen der Welt kannten.

KIRCHE IN NOT bekräftigt seine Unterstützung für alle Christen in Chile, deren Kirchen und Einrichtungen systematisch von gewalttätigen Gruppen bedroht werden.“

Nach KIRCHE IN NOT vorliegenden Informationen wurden in Chile seit Oktober 2019 mehr als 57 kirchliche Einrichtungen angegriffen und niedergebrannt.

Anlass der gewalttätigten Attacken am vergangenen Sonntag war der erste Jahrestag des Ausbruchs regierungskritischer Massenproteste in Chile. Diese hatten sich ursprünglich an einer Fahrpreiserhöhung für die Metro entzündet. Die Demonstranten fordern eine andere Sozialpolitik sowie die Überarbeitung der noch aus der Zeit der Militärdiktatur stammenden Verfassung. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, doch wie schon im Vorjahr kam es auch zu Plünderungen und Zerstörungen von Geschäften und öffentlichen Einrichtungen, darunter auch die beiden Kirchen.

„Kirche in Not“ verurteilt die gewaltsamen Attacken auf Kirchen in Santiago de Chile. Dort waren am Sonntag zwei Gotteshäuser von Demonstranten angegriffen, verwüstet und in Brand gesteckt worden. Es handelte sich um die Kirche „San Francisco de Borja“ und die Mariä-Himmelfahrts-Kirche, eine der ältesten Sakralbauten der chilenischen Hauptstadt aus dem Jahr 1876. Der dortige Pfarrer Pedro Narbona ist auch geistlicher Assistent des chilenischen Nationalbüros von „Kirche in Not“.

Der geschäftsführende Präsident des Hilfswerks, der Österreicher Thomas Heine-Geldern, zeigte sich in einer Erklärung bestürzt über die Vorfälle. Die Ereignisse zeigten, wie weit die von einigen Gruppen geförderte Gewalt und der Hass reichen könnten. Nichts rechtfertige die Angriffe auf Kirchen oder gegen den Glauben und die Überzeugungen anderer, um soziale, ethische oder wirtschaftliche Gerechtigkeit zu verteidigen.

Es sei legitim, soziale Veränderungen zu fordern und dafür auf die Straße zu gehen, so der Präsident. „Ungezügelter Hass auf religiöse Gruppen“ aber erzeuge Gewalt und Zerstörung und sollte deshalb weltweit verurteilt werden. Zudem forderte Heine-Geldern die chilenische Regierung auf, den Schutz religiöser Gebäude vor solchen Verbrechen zu gewährleisten.

Nach Angaben von „Kirche in Not“ wurden in Chile seit Oktober 2019 mehr als 57 kirchliche Einrichtungen angegriffen und niedergebrannt. Anlass der jüngsten Gewaltattacken sei der erste Jahrestag des Ausbruchs regierungskritischer Massenproteste gewesen. Diese hätten sich ursprünglich an einer Fahrpreiserhöhung für die Metro entzündet. Die Demonstranten fordern eine andere Sozialpolitik sowie die Überarbeitung der noch aus der Zeit der Militärdiktatur stammenden Verfassung. Die Proteste seien weitgehend friedlich verlaufen, doch wie schon im Vorjahr sei es auch zu Plünderungen und Zerstörungen von Geschäften, öffentlichen Einrichtungen und den Kirchen gekommen.

Nach dem schweren Anschlag auf die Pfarrei Mariä Himmelfahrt in Santiago de Chile am Freitag, den 8. November traf sich der Pfarrer Pedro Narbona mit seinen Gemeindemitgliedern, um zu beten und um die Kirche zu reinigen. Einige von ihnen konnten die Tränen nicht zurückhalten. Pfarrer Pedro Narbona versuchte, die Gläubigen zu trösten: „Eine Kirche wird nicht so sehr mit physischem Material, mit Baumaterial errichtet, sondern vielmehr mit lebendigen Steinen, mit jedem einzelnen von uns. Wir sind lebendiger Stein, und das ist das Wichtigste.“ Darüber hinaus bat er die Anwesenden darum, „nicht in einen Teufelskreis des Hasses zu geraten, der die Seelen vergiften kann.“

Am Sonntag wurde auch eine einfache Sühneandacht gefeiert, bei der die Gläubigen das beschädigte und entweihte Kruzifix küssen konnten. Es wurden auch Muttergottes-Lieder gesungen, denn ihr ist in Chile der Monat November gewidmet.

Im Zuge der Proteste und gewalttätigen Demonstrationen, die derzeit das Land erschüttern wurde die Kirche am 8. November von Vermummten angegriffen. Sie warfen Kirchenbänke und Heiligenbilder auf die Straße, zerstörten sie und setzten sie in Brand. Sie malten auch Graffiti und Beleidigungen an die Innenwände der Kirche.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Anschlag auf eine katholische Kirche verübt wurde. Pfarrer Narbona, der ebenfalls geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT in Chile ist, berichtete im Gespräch mit der Stiftung, es sei bereits am Freitag, den 1. November versucht worden, die Kirche in Brand zu setzen. Damals sei es aber gelungen, die Feuerwehr zu rufen. Auch die Fassade einer anderen Pfarrei, die Pater Pedro in der Innenstadt von Santiago betreut, der Pfarrkirche Vera Cruz, sei eine Woche vorher beschädigt worden. Außerhalb der Hauptstadt kam es Ende Oktober zu zwei aufeinander folgenden Anschlägen auf die Kathedrale von Valparaíso sowie zu einem weiteren Anschlag auf die Gemeinde Santa Teresa de Los Andes, in Villa Alfredo Lorca, Punta Arenas.

„Voll Sorge schauen wir auf das Ausmaß der Gewalt in diesen Tagen, die sich auch gegen die Kirche richtet. Heute haben wir erneut die Plünderung einer Pfarrei erleben müssen. Als Stiftung KIRCHE IN NOT trifft uns diese Gewalt besonders“, sagte direkt nach den Attacken Maria Covarrubias, Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile.

„In diesen schwierigen Zeiten bitten wir Sie, für unseren geistlichen Assistenten, für seine Gemeinde, für den Frieden in unserem Land und dafür zu beten, dass Gott die Herzen derer bekehren möge, die diese bedauerlichen Taten begangen haben“, so der Appell der Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile an die Wohltäter der Stiftung in aller Welt.

Der Apostolische Administrator von Santiago de Chile, Msgr. Celestino Aós, brachte seine Solidarität mit Pfarrer Narbona sowie seine Ablehnung der Plünderung der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in einer Videobotschaft zum Ausdruck, die auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese veröffentlicht wurde: „Lieber Herr Pfarrer, liebe Gläubigen der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, wir versichern Euch unserer Nähe und Solidarität in Eurem Schmerz. Euch allen, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, sage ich mit dem Apostel Paulus: Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“

Er rief außerdem zum Frieden auf: „Mit aller Kraft rufen wir wir unsere Schwestern und Brüder, unsere Landsleute, dazu auf, jegliche Gewalt einzustellen. Mögen diejenigen, die betrügen, indem sie an die scheinbare Wirksamkeit und den Triumph der Gewalt glauben, den Weg des Dialogs und der Suche nach Lösungen für die bestehenden Probleme einschlagen und ihre eigenen Visionen einbringen.“

Gläubige versammeln sich zum Gebet in entweihter und geplünderter Kirche. Pfarrer Pedro Narbona: „Wir dürfen uns nicht die Seele vergiften lassen.“ Nach dem schweren Anschlag auf die Pfarre Mariä Himmelfahrt in Santiago de Chile am Freitag, den 8. November traf sich der Pfarrer Pedro Narbona mit seinen Gemeindemitgliedern, um zu beten und um die Kirche zu reinigen. Einige von ihnen konnten die Tränen nicht zurückhalten. Pfarrer Pedro Narbona versuchte, die Gläubigen zu trösten: „Eine Kirche wird nicht so sehr mit physischem Material, mit Baumaterial errichtet, sondern vielmehr mit lebendigen Steinen, mit jedem einzelnen von uns. Wir sind lebendiger Stein, und das ist das Wichtigste.“ Darüber hinaus bat er die Anwesenden darum, „nicht in einen Teufelskreis des Hasses zu geraten, der die Seelen vergiften kann.“

Am Sonntag wurde auch eine einfache Sühneandacht gefeiert, bei der die Gläubigen das beschädigte und entweihte Kruzifix küssen konnten. Es wurden auch Muttergottes-Lieder gesungen, denn ihr ist in Chile der Monat November gewidmet

Im Zuge der Proteste und gewalttätigen Demonstrationen, die derzeit das Land erschüttern wurde die Kirche am 8. November von Vermummten angegriffen. Sie warfen Kirchenbänke und Heiligenbilder auf die Straße, zerstörten sie und setzten sie in Brand. Sie malten auch Graffiti und Beleidigungen an die Innenwände der Kirche.

Es war nicht das erste Mal, dass ein Anschlag auf eine katholische Kirche verübt wurde. Pfarrer Narbona, der ebenfalls geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT in Chile ist, berichtete im Gespräch mit der Stiftung, es sei bereits am Freitag, den 1. November versucht worden, die Kirche in Brand zu setzen. Damals sei es aber gelungen, die Feuerwehr zu rufen. Auch die Fassade einer anderen Pfarrei, die Pater Pedro in der Innenstadt von Santiago betreut, der Pfarrkirche Vera Cruz, sei eine Woche vorher beschädigt worden. Außerhalb der Hauptstadt kam es Ende Oktober zu zwei aufeinander folgenden Anschlägen auf die Kathedrale von Valparaíso sowie zu einem weiteren Anschlag auf die Gemeinde Santa Teresa de Los Andes, in Villa Alfredo Lorca, Punta Arenas.

„Voll Sorge schauen wir auf das Ausmaß der Gewalt in diesen Tagen, die sich auch gegen die Kirche richtet. Heute haben wir erneut die Plünderung einer Pfarrei erleben müssen. Als Stiftung KIRCHE IN NOT trifft uns diese Gewalt besonders“, sagte direkt nach den Attacken Maria Covarrubias, Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile.

„In diesen schwierigen Zeiten bitten wir Sie, für unseren geistlichen Assistenten, für seine Gemeinde, für den Frieden in unserem Land und dafür zu beten, dass Gott die Herzen derer bekehren möge, die diese bedauerlichen Taten begangen haben“, so der Appell der Präsidentin von KIRCHE IN NOT Chile an die Wohltäter der Stiftung in aller Welt.

Der Apostolische Administrator von Santiago de Chile, Msgr. Celestino Aós, brachte seine Solidarität mit Pfarrer Narbona sowie seine Ablehnung der Plünderung der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in einer Videobotschaft zum Ausdruck, die auf dem YouTube-Kanal der Erzdiözese veröffentlicht wurde: „Lieber Herr Pfarrer, liebe Gläubigen der Pfarrei Mariä Himmelfahrt, wir versichern Euch unserer Nähe und Solidarität in Eurem Schmerz. Euch allen, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, sage ich mit dem Apostel Paulus: Lasst euch nicht vom Bösen überwinden, sondern überwindet das Böse mit Gutem.“

Er rief außerdem zum Frieden auf: „Mit aller Kraft rufen wir wir unsere Schwestern und Brüder, unsere Landsleute, dazu auf, jegliche Gewalt einzustellen. Mögen diejenigen, die betrügen, indem sie an die scheinbare Wirksamkeit und den Triumph der Gewalt glauben, den Weg des Dialogs und der Suche nach Lösungen für die bestehenden Probleme einschlagen und ihre eigenen Visionen einbringen.“ 

Eine weitere Kirche an der Straße zwischen Cajon und der Gemeinde Vilcun, im chilenischen Araukanien, wurde in Brand gesteckt. Dieses Mal handelt es sich um eine evangelischen Kirche, die vollkommen zerstört wurde. Einem Bericht von Radio Bio Bio zufolge sind am späten Abend des 25. Juli zwei Feuerwehreinheiten am Tatort angekommen, als nichts mehr zu retten war. Am Ort der Brandstiftung wurde ein Transparent mit der Aufschrift „Freiheit für die politischen Mapuche-Gefangenen“ gefunden.
Erst vor wenigen Tagen hatte der Bischof von Temuco, Mons. Hector Vargas, gegenüber der Presse erklärt, dass noch ca. 40% zur Durchführung des „Plan Araucania“ fehlen. Der Plan Araucania sieht die Entwicklung der Gegend und die endgültige Beendigung jeglicher Art von Gewalt gegen die Institutionen vor; er wurde im Juni der chilenischen Bevölkerung präsentiert. Dieser lang ersehnte Plan soll dem historischen, seit 150 Jahren andauernden Konflikt zwischen dem Staat und dem Mapuche-Volk ein Ende machen. (Quelle: Fidesdienst, Foto: Fir0002)

In den vergangenen Jahren wurde die Region Araukanien im Süden Chiles zum Schauplatz gewalttätiger Anschläge gegen die Bevölkerung. Hunderte Menschen fielen dem „Mapuchekonflikt“ zum Opfer (die Mapuche sind eine einheimische Volksgruppe im Süden Chiles). Extremistische Gruppen verübten gewalttätige Brandanschläge, um, wie sie sagten, das Territorium zu verteidigen, das einst ihnen gehörte. 

Seit dem Jahr 2014 hat sich die Bedrohung auf Kapellen und Kirchen der Region ausgeweitet. Insgesamt 15 Gotteshäuser, davon zwölf katholische und drei evangelische, wurden in Brand gesteckt, elf davon allein im Jahr 2016. Es handelt sich um die Zentren ländlicher christlicher Gemeinden, die in ihrer Region enorme Dienste leisten.

Eines der letzten Attentate traf das Priesterseminar San Fidel, das der Diözese von Villarica gehört. Der Ort wurde im Mai 2014 von mehreren Mapuche-Gruppen besetzt, die von dort am 8. März diesen Jahres vertrieben wurden. In diesem Seminar, das 1925 gegründet wurde, sind ca. 350 Priester ausgebildet worden, und man hoffte, dort 60 Seminaristen unterbringen zu können, sobald die Kirche die vier Gebäude zurückerhalten würde, die ihr weggenommen worden waren. Heute sind zwei der drei Stockwerke des zentralen Gebäudes einschließlich der Kapelle vollständig durch den Brand zerstört.

Nach Angaben des Büros für religiöse Angelegenheiten (ONAR) bekennen sich 55 Prozent der Mapuche zum katholischen Glauben und 37 Prozent bezeichnen sich als evangelisch. Es handelt sich um eine mehrheitlich friedliche Gemeinschaft, die selbst ebenfalls Opfer der in ihrem Namen verübten Gewalttaten ist. 

Seit 2014 sind insgesamt15 katholische und evangelische Gotteshäuser im Süden Chiles abgebrannt. Der Bischof von Villarrica, Francisco Javier Stegmeier, sprach mit ACN Chile über die Situation, der die Christen in dieser Region ausgesetzt sind. „Diese Gläubigen, die mit solcher Grausamkeit in ihrem Glauben getroffen werden, reagieren konsequent in Übereinstimmung mit eben diesem Glauben und sind authentische Zeugen Christi.“

Wie ist das Klima unter den Gläubigen angesichts dieser Anschläge? Wie sind sie davon betroffen?

Die Gläubigen, die direkt von den Brandanschlägen auf ihre Kirchen betroffen sind, erleben Gefühle der Traurigkeit, der Bestürzung und der Ohnmacht. Sie sind Opfer der Irrationalität und der Ungerechtigkeit krimineller Handlungen, die von Personen oder Gruppen verübt werden, die der Lebensweise der Einwohner dieser Region fernstehen.

Alle Gemeinden, die in einem Augenblick das haben niederbrennen sehen, was die Frucht jahrelanger Arbeit war, bestehen aus Gläubigen, die überwiegend arme Mapuche sind. Dennoch reagieren diese Gläubigen, die so grausam in ihrem Glauben getroffen wurden, in Übereinstimmung mit eben diesem Glauben als wahre Zeugen Christi. Bis jetzt hat man noch von keinem von ihnen Ausdrücke des Hasses und der Rache gegenüber den Tätern gehört. Sie wollen die Versöhnung, indem sie ihnen verzeihen und ihnen in christlicher Brüderlichkeit wiederbegegnen wollen.

Was ist die Antwort der Kirche auf diese Gewalttaten?

Die Kirche muss immer mit dem vertrauensvollen Gebet zum Herrn antworten und für die Opfer der Anschläge, aber auch für die Täter beten. Wir Christen müssen alle lieben, einschließlich der Feinde, die uns Schaden zufügen. Nach dem Beispiel, das uns Jesus Christus gegeben hat, müssen wir allen jede Art von Beleidigung verzeihen, so oft dies notwendig ist. Wir wissen, dass die volle und definitive Antwort auf die Gewalt und den Hass die persönliche und soziale Bekehrung zu Christus, dem Friedensfürsten, ist, der die Menschen mit Gott und untereinander versöhnt. Die Kirche sorgt mit der Verkündigung Jesu Christi dafür, dass die Mitglieder der Gesellschaft Wege des Friedens suchen.

Welche Lösung sehen Sie für dieses Problem?

Das Problem, von dem unsere Region betroffen ist, ist komplex und währt schon lange. Aus diesem Grund muss die Lösung tiefgreifend und ernsthaft sein und sich auf Wahrheit und Gerechtigkeit gründen, und alle müssen daran so mitwirken, wie es ihnen gebührt. Das Volk der Mapuche hat Unrecht erlitten, und es ist notwendig, diese Schuld wiedergutzumachen. Es bedarf einer realistischen und effektiven Politik des Staates, um dieses Ziel zu erreichen. Die Gesellschaft muss ihrerseits die eigene Identität des Volkes der Mapuche anerkennen, ihre Kultur würdigen und die Interkulturalität als einen Ausdruck einer Verschiedenheit betrachten, die nicht trennt, sondern die uns vereint und uns gegenseitig bereichert. Die Lösung muss in einem Kontext der Teilhabe und der Gemeinschaft stattfinden. In diesem Sinne tragen die gewalttätigen Gruppierungen nicht zu einer Lösung bei, sondern sind ein Teil des Problems. Die Gewalt ruft mehr Gewalt hervor, und man kann das Unrecht nicht mit noch mehr Unrecht wiedergutmachen. Die Lösung erfordert notwendigerweise den guten Willen aller sowie die aufrichtige Bereitschaft zu vergeben und Versöhnung zu suchen in Wahrheit, Gerechtigkeit und Liebe.

Am Rande von Studentenprotesten in der chilenischen Hauptstadt, drangen maskierte Jugendlich in die “Gratitud Nacional”-Kirche im Zentrum von Santiago ein, um ein drei Meter hohes Kreuz mitzunehmen und es danach auf einer der Hauptstraßen der Stadt zu zerstören. An der von der Confederación de Estudiantes de Chile (Confech) veranstalteten friedliche Kundgebung hatten rund 150.000 Schüler und Studenten teilgenommen, die eine Reform des Bildungswesens fordern. Unterdessen verurteilte der Studentenverband die Schändung der Kirche und des Kreuzes: diese Aktion “ist nicht mit den Idealen der Studentenbewegung vereinbar“. Der neue Innenminister, der sich erst seit wenigen Tagen im Amt befindet erklärte: “Ich verurteile solche Handlungen im Namen der Regierung….Es ist sehr besorgniserregend, wenn wir sehen müssen zu welchen Taten Menschen in unsrem Land fähig sind”. In den vergangenen Wochen waren im Rahmen der Studentenproteste auch Schulen besetzt worden. Einige Demonstranten waren sogar in den Präsidentenpalast eingedrungen. „Die Situation ist sehr schmerzlich für uns2, so der Weihbischof von Santiago del Chile, Luis Fernando Ramos Pérez, “denn eine für uns sehr kostbare Ikone unseres Glaubens wurde zerstört und wir möchten nicht, dass diese Geste in unserem Land Nachahmer findet“. (Quelle: Fidesdienst)

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