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Wachsamkeit und Gelassenheit trotz Terrorgefahr: Diese beiden Haltungen schildern zwei Kirchenvertreter nach dem jüngsten Selbstmordanschlag auf die Kathedrale von Makassar, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Südsulawesi, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

„Ich bin froh, dass niemand aus unserer Gemeinde ums Leben gekommen ist und es keine Schwerverletzten gab“, sagte der Priester Wilhelminus Tulak, der an der Herz-Jesu-Kathedrale von Makassar tätig ist.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen sei die Zahl der Gottesdienstbesucher nicht so hoch gewesen wie sonst – vielleicht einer der Gründe, warum es außer den beiden Attentätern keine weiteren Toten gab. Medienberichten zufolge wurden mindestens 20 Personen verletzt.

Die Sicherheitsleute, die bei jeder heiligen Messe die Türen bewachen, hätten Schlimmeres verhindert, erzählt Tulak: „Ein Sicherheitsmann beobachtete, wie zwei Personen mit einem Motorrad auf das Kirchengelände fahren wollten. Hinten saß eine Frau. Sie trug schwarze Kleidung und ihr Gesicht war verhüllt. Das kam dem Sicherheitsmann komisch vor und er hinderte die beiden daran, das Gelände zu befahren. Gleich darauf gab es eine Explosion.“

Sicherheitsleute haben Schlimmeres verhindert

Wie die indonesische Polizei bereits kurz nach dem Anschlag mitteilte, gehörten die beiden Attentäter der Terrorgruppe „Jamaah Ansharut Daulah“ (JAD) an, die als lokaler Ableger des „Islamischen Staats“ gilt.

Dabei handle es sich „um ein kleine Randgruppe, die meiner Meinung nach nicht auszurotten ist, obwohl die indonesische Anti-Terror-Polizei sie überall jagt“, erklärte der deutschstämmige Jesuitenpater Franz Magnis-Suseno gegenüber KIRCHE IN NOT.

Der 84-Jährige lehrte an verschiedenen Universitäten Indonesiens und gilt als Kenner des Landes und der religiösen Situation. „Mein erster Eindruck nach dem Anschlag war: Schon wieder? Aber ich war nicht überrascht“, so der Jesuit. „Wir werden in Indonesien mit gelegentlichen Terroranschlägen leben müssen.“ Das gelte besonders in der Provinz Südsulawesi, die eine „Hochburg des Hardliner-Islam“ sei.

Mehrheit der Bevölkerung unterstützt Terrorismus nicht

In Indonesien, der größten muslimischen Nation der Welt, gilt das Zusammenleben der Religionen als weitgehend friedlich, viele Muslime folgen moderaten sunnitischen Strömungen.

Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT zufolge hätten in jüngerer Zeit konservative und teilweise gewaltbereite islamistische Strömungen zugenommen, besonders nach dem militärischen Sieg über die Milizen des „Islamischen Staates“ in Syrien und dem Irak.

Dabei handle es sich jedoch nicht um eine generelle Entwicklung, erklärt Magnis-Suseno: „Der Mainstream der muslimischen Hardliner in Indonesien unterstützt den Terrorismus nicht.“ Auch die größten muslimischen Organisationen des Landes, der Religionsminister und der indonesische Präsident Joko Widodo hätten den jüngsten Anschlag „schnell und hart“ verurteilt.

An zahlreichen Orten Indonesiens übernehmen Sicherheitskräfte der weltgrößten muslimischen Nicht-Regierungsorganisation „Nahdlatul Ulama“ (NU) den Schutz der Ostergottesdienste. Diese würden mit Sicherheit stattfinden, fasst der Jesuit zusammen: „Die Reaktion nach dem Anschlag ist moderat, keine Panik.“

Wachsamkeit und Gelassenheit trotz Terrorgefahr: Diese beiden Haltungen schildern zwei Kirchenvertreter nach dem jüngsten Selbstmordanschlag auf die Kathedrale von Makassar, der Hauptstadt der indonesischen Provinz Südsulawesi, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

„Ich bin froh, dass niemand aus unserer Gemeinde ums Leben gekommen ist und es keine Schwerverletzten gab“, sagte der Priester Wilhelminus Tulak, der an der Herz-Jesu-Kathedrale von Makassar tätig ist.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen sei die Zahl der Gottesdienstbesucher nicht so hoch gewesen wie sonst – vielleicht einer der Gründe, warum es außer den beiden Attentätern keine weiteren Toten gab. Medienberichten zufolge wurden mindestens 20 Personen verletzt.

Die Sicherheitsleute, die bei jeder heiligen Messe die Türen bewachen, hätten Schlimmeres verhindert, erzählt Tulak: „Ein Sicherheitsmann beobachtete, wie zwei Personen mit einem Motorrad auf das Kirchengelände fahren wollten. Hinten saß eine Frau. Sie trug schwarze Kleidung und ihr Gesicht war verhüllt. Das kam dem Sicherheitsmann komisch vor und er hinderte die beiden daran, das Gelände zu befahren. Gleich darauf gab es eine Explosion.“

Wilhelminus Tulak, Priester an der Herz-Jesu-Kathedrale in Makassar (Indonesien).

Sicherheitsleute haben Schlimmeres verhindert

Wie die indonesische Polizei bereits kurz nach dem Anschlag mitteilte, gehörten die beiden Attentäter der Terrorgruppe „Jamaah Ansharut Daulah“ (JAD) an, die als lokaler Ableger des „Islamischen Staats“ gilt.

Dabei handle es sich „um ein kleine Randgruppe, die meiner Meinung nach nicht auszurotten ist, obwohl die indonesische Anti-Terror-Polizei sie überall jagt“, erklärte der deutschstämmige Jesuitenpater Franz Magnis-Suseno gegenüber KIRCHE IN NOT.

Der 84-Jährige lehrte an verschiedenen Universitäten Indonesiens und gilt als Kenner des Landes und der religiösen Situation. „Mein erster Eindruck nach dem Anschlag war: Schon wieder? Aber ich war nicht überrascht“, so der Jesuit. „Wir werden in Indonesien mit gelegentlichen Terroranschlägen leben müssen.“ Das gelte besonders in der Provinz Südsulawesi, die eine „Hochburg des Hardliner-Islam“ sei.

Heilige Messe in Indonesien (Foto: Magdalena Wolnik/KIRCHE IN NOT).

Mehrheit der Bevölkerung unterstützt Terrorismus nicht

In Indonesien, der größten muslimischen Nation der Welt, gilt das Zusammenleben der Religionen als weitgehend friedlich, viele Muslime folgen moderaten sunnitischen Strömungen.

Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT zufolge hätten in jüngerer Zeit konservative und teilweise gewaltbereite islamistische Strömungen zugenommen, besonders nach dem militärischen Sieg über die Milizen des „Islamischen Staates“ in Syrien und dem Irak.

Dabei handle es sich jedoch nicht um eine generelle Entwicklung, erklärt Magnis-Suseno: „Der Mainstream der muslimischen Hardliner in Indonesien unterstützt den Terrorismus nicht.“ Auch die größten muslimischen Organisationen des Landes, der Religionsminister und der indonesische Präsident Joko Widodo hätten den jüngsten Anschlag „schnell und hart“ verurteilt.

An zahlreichen Orten Indonesiens übernehmen Sicherheitskräfte der weltgrößten muslimischen Nicht-Regierungsorganisation „Nahdlatul Ulama“ (NU) den Schutz der Ostergottesdienste. Diese würden mit Sicherheit stattfinden, fasst der Jesuit zusammen: „Die Reaktion nach dem Anschlag ist moderat, keine Panik.“

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„Die Karwoche hat für die Katholiken Indonesiens blutig begonnen. Das Selbstmordattentat am Palmsonntag unterstreicht: Nach den militärischen Niederlagen des ,Islamischen Staates’ (IS) in Syrien und im Irak frisst sich der dschihadistische Terror weiter vorwärts in den asiatischen Raum. Südostasien ist ein häufig vergessener Brennpunkt der Christenverfolgung. Die Angst in der Region wächst.“ Dies erklärte der Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich, Herbert Rechberger, nach dem gestrigen Anschlag auf die katholische Herz-Jesu-Kathedrale in Makassar, der Hauptstadt der indonesischen Provinz „Sulawesi Selatan“ (Südsulawesi).

Mindestens 20 Verletzte

Angaben lokaler Kirchenvertreter zufolge versuchten zwei Personen kurz vor 10:30 Uhr über einen bewachten Seiteneingang in die Kirche einzudringen, als die Palmsonntagmesse gerade zu Ende gegangen war. Noch vor der Kathedrale lösten die mutmaßlichen Attentäter eine Explosion aus. Die beiden Personen starben, mindestens 20 Menschen wurden verletzt.

Die indonesische Polizei teilte wenige Stunden nach dem Anschlag mit, es gäbe eine Verbindung der beiden mutmaßlichen Täter zur indonesischen Terrorgruppe „Jamaah Ansharut Daulah“ (JAD). Diese Gruppe soll neben anderen hinter Bombenanschlägen auf drei Kirchen und das Polizeipräsidium in Indonesiens zweigrößter Stadt Surabaya im Mai 2018 und dem Anschlag auf die Kathedrale im südphilippinischen Jolo im Januar 2019 stehen. Die JAD gilt als regionaler Ableger der Terrormiliz „Islamischer Staat“.

Sorge um Zusammenhalt der Religionen

Die Indonesische Bischofskonferenz äußerte sich durch Bischof Yohanes Harun Yuwono aus Tanjunkarang zu dem Anschlag. Harun Yuwono ist Vorsitzender der Kommission für Ökumene und interreligiöse Angelegenheiten. „Der Selbstmordanschlag ist nicht nur eine tiefe Sorge für die Katholiken, sondern eine tiefe Sorge für ganz Indonesien“, schreibt der Bischof in einer Erklärung, die „Kirche in Not“ vorliegt. Die Bevölkerung solle wachsam bleiben und sich nicht zu Gewalt hinreißen lassen. Man habe Vertrauen in die Sicherheitsbehörden. „Wir hoffen, dass der Anschlag die Beziehungen zwischen den religiösen Gruppen, die wir aufgebaut haben, nicht beschädigen oder schwächen wird“, erklärte Harun Yuwono.

Nach Angaben des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“, der Ende April in einer Neuauflage erscheint, sind rund 80 Prozent der 262 Millionen Indonesier Muslime, rund 12 Prozent sind Christen. Indonesien ist das größte muslimische Land der Erde, dennoch ist der Islam nicht Staatsreligion. Das Zusammenleben der Religionen galt weitgehend als friedlich, viele Muslime folgen moderaten sunnitischen Strömungen.

Radikale islamische Strömungen breiten sich aus

Zunehmend breiten sich jedoch konservative und teilweise gewaltbereite islamistische Strömungen aus. Religiöse Minderheiten leiden unter verschiedenen Formen von Diskriminierung, zum Beispiel beim Bau von Gotteshäusern. International bekannt wurde der Fall des ehemaligen Gouverneurs der Hauptstadt Jakarta, des chinesisch-stämmigen Christen Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok. Er wurde im Jahr 2017 wegen angebliches blasphemischer Äußerungen im Wahlkampf zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Auch gab es Anschläge auf christliche Kirchen und buddhistische Tempel.

Während die Zentralregierung die Rechte nichtmuslimischer Minderheiten fördert und der Situation der Christen im gesamten Gebiet ein besonders Augenmerk widmet, wird in der Provinz Banda Aceh im äußersten Norden der großen Insel Sumatra, immer noch nach islamischem Recht eine körperliche Bestrafung für als „unmoralisch“ eingestufte Handlungen wie Alkoholkonsum, Glücksspiel, außereheliche oder homosexuelle Beziehungen praktiziert.

Und während die indonesische Regierung ein Dekret erließ, das die Verpflichtung zum Tragen bestimmter Kleidung aus religiösen Gründen an öffentlichen Schulen verbot, wurde der Fall einer christlichen Schülerin aus Padang auf der Insel Sumatra bekannt die im Unterricht. einen Schleier tragen musste. Der Minister für Bildung und Kultur, Nadiem Magarim, betonte in diesbezüglich, religiöse Kleidung sei „das Recht eines Einzelnen, nicht die Entscheidung einer Schule“. Schulen im ganzen Land haben einen Monat Zeit, um Vorschriften, die gegen das neue Gesetz verstoßen, zurückzuziehen.

Mit den jüngsten Maßnahme scheint man der Islamisierung des Staates entgegenwirken zu wollen, die nach der Rückkehr des bekannten Islamisten Rizieq Shihab nach Indonesien wieder in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte gerückt war: In seinen Reden argumentiert er häufig, dass Indonesien den Pluralismus aufgeben und Muslime den Minderheiten ihre Rechte auferlegen sollten.

Unterdessen wurden in der Provinz Aceh auch zwei christliche Männer in der Öffentlichkeit geschlagen, weil sie angeblich unmoralische Handlungen begangen hatten. Die Auspeitschung – die auch fünf Muslimen zugefügt wurde – fand am 8. Februar statt, weniger als zwei Wochen nachdem zwei Christen auf der Straße ausgepeitscht worden waren, weil sie in der Provinz homosexuelle Beziehungen hatten, was nach dem muslimischen Gesetz der Scharia verboten ist.

„Die Scharia-Polizei gab uns die Wahl und wir entschieden uns für die Bestrafung auf der Grundlage der ‚Qanun'“, so einer der beiden Bestraften, die eine solche Bestrafung einer Haft von bis zu sechs Monaten vorzogen. Bei den Bestimmungen der „Quanun“ handelt es sich um eine Reihe von Normen, die von muslimischen Regierenden verkündet wurden insbesondere in verwaltungs-, wirtschafts- und strafrechtlichen Fragen.

Aceh ist die einzige Provinz in Indonesien, die das islamische Gesetz der Scharia anwendet. Nicht-Muslime, haben die Wahl zwischen dem nationalen Recht und der Scharia. Nicht-Muslime werden selten gegen die von Menschenrechtsorganisationen kritisierten Bestimmungen der Scharia. Menschenrechtsgruppen bezeichnen die Praxis des Auspeitschens als „grausam und unmenschlich“, und auch der ionesische Präsident Joko Widodo fordert ein Ende der körperlichen Bestrafung.

„Wenn wir uns entscheiden, in dieser Provinz Aceh zu bleiben und zu leben, müssen wir die örtlichen Vorschriften befolgen. Wir müssen nicht nur die Regeln und Vorschriften respektieren, sondern auch die Kultur und den Lebensstil dieses Landes schätzen“, betont Maria Agustina, eine in Aceh lebende Christin, gegenüber dem Fides. „Doch das Auspeitschen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Trotzdem hat Aceh besondere und autonome Rechte zur Verwaltung seiner Provinz erhalten“, fügte Agustina hinzu. Die Gesetze der Scharia wird in Aceh mit Ausnahme der Todesstrafe in vollem Umfang angewendet.

Basierend auf der Volkszählung von 2010 sind 98,18% der Bevölkerung von Aceh Muslime. Der Einfluss der islamischen Religion und Kultur ist in Aceh sehr ausgeprägt. Das Auspeitschen von Nicht-Muslimen ist jedoch eher selten: In den letzten Jahren wurden nur wenige Menschen wegen Glücksspiel und Alkoholverkauf verurteilt und nach islamischen Gesetzen bestraft.

Von den 270 Millionen Einwohnern Indonesiens sind 230 Millionen Muslime. Es gibt 24 Millionen Christen im Land, davon sind 7 Millionen Katholiken. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS/wikipedia)

Ustadz Abdul Somad ist der wohl populärste islamische Prediger Indonesiens. Bei einem öffentlichen Auftritt vor Muslimen sagte er, christliche Kreuze seien von bösen Geistern bewohnt. Der nationale Rat der Islamgelehrten sprach ihn nach einer Anklage jedoch vom Vorwurf der Blasphemie frei und stärkte ihm den Rücken.

Der islamische Prediger Ustadz Abdul Somad hat behauptet, dass christliche Kreuze vom Teufel besessen seien. Laut Frankfurter Allgemeiner Zeitung gehört Somad als einer der prominentesten Vertreter zu einer „moderaten Massenorganisation“ der Muslime. Von dem Auftritt kursiere ein Video im Internet. Es erhitze vor allem die Gemüter der Christen. Sie hatten Somad demnach wegen Blasphemie angezeigt, denn in Indonesien existiert ein Gesetz, das alle staatlich anerkannten Religionen vor Blasphemie schützt.

Somad wies den Vorwurf zurück. Er habe keine Christen beleidigt, weil im Publikum gar keine Christen gesessen hätten. Mit dem Fall hat sich der nationale Rat der Islamgelehrten (MUI) befasst. Er habe sich hinter Somad gestellt und dessen Kritiker aufgefordert, „Ruhe zu geben“, schreibt die FAZ.

Hassreden „quasioffiziell abgesegnet“

Aus Sicht der Zeitung könnte dieses Urteil fatale Konsequenzen für das Zusammenleben der Religionen haben. Hassreden gegen Christen und andere Minderheiten gebe es sowohl im Internet als auch in den Moscheen. Die Absolution eines Predigers, der das Christentum dämonisiere, stelle nun die nächste Stufe dar, da sie Hassreden „quasioffiziell absegnet“. (Quelle: Christliches Medienmagazin pro, Bild: TUBS/wikipedia)

Die indonesischen Bischöfe sind schockiert und enttäuscht und bekräftigen die Verbundenheit mit den Angehörigen der Toten und Verwundeten. Es ist entsetzlich zu wissen, dass eine ganze Familie als Attentäter aktiv wurde: Wie werden Kinder manipuliert? Werden sie zu Extremismus erzogen? Dies sind die tiefgreifendsten Fragen, die wir angesichts solcher Anschläge stellen müssen“, so der Generalsekretär der Indonesischen Bischofskonferenz, Pfarrer Siprianus Hormat, im Namen der katholischen Bischöfe nach den drei Anschlägen vom 13. Mai auf eine katholische und zwei protestantische Kirchen in Surabaya auf der Insel Java.

„Das eigentliche Ziel waren die der Polizeiposten, doch weil diese gut geschützt sind, wurde beschlossen, Kirchen anzugreifen“, so der Generalsekretär der Bischofskonferenz, „Man will auf diese Weise das friedliche Zusammenleben und den Pluralismus untergraben, die Grundlage der indonesischen Gesellschaft, und man sucht die Aufmerksamkeit der ganzen Welt. Die indonesischen Bischöfe bemühen sich um interreligiösen Dialog und in diesen Stunden denken wir über gemeinsame Initiativen zwischen christlichen und muslimischen Religionsvertretern nach, um Gewalt, Hass und Terrorismus zu verurteilen. Die Gesellschaft muss vereint bleiben und diese bösen Mächte abwehren“.

„Heute leben wir in einer Situation, die von Spannung und Angst geprägt ist, aber die katholische Kirche hat volles Vertrauen in den Präsidenten, in öffentlichen Institutionen, in der ganzen Gesellschaft, wenn es darum geht, den Extremismus zu stoppen, der die Gesellschaft vergiftet. In Surabaya gestern Abend die Messen zwar abgesagt, doch Christen lassen sich nicht einschüchtern: Wir glauben und arbeiten für den Dialog und die Brüderlichkeit. Indonesien wird nicht zulassen, dass die Mächte des Bösen das Zusammenleben und die Demokratie zerstören“. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS)

In Indonesien hat ein Attentäter während eines Gottesdienstes vier Personen mit einem Samuraischwert verletzt, darunter den deutschen katholischen Geistlichen Karl-Edmund Prier (81). Die Tat ereignete sich am Morgen des 11. Februar in der St. Lidwina-Kirche in Sleman (Insel Java). Ein Polizeisprecher bezeichnete die Tat als Amoklauf. Der 22-jährige Angreifer war in die Kirche gestürmt und hatte zunächst Besucher beschimpft und das Schwert geschwungen. Dann rannte er zum Altar und attackierte den deutschen Priester, der die Messe leitete. Der Täter verletzte außerdem zwei Besucher und einen Polizisten, der versuchte, ihn zum Aufgeben zu bewegen. Der Angreifer schlug auch die Köpfe einer Jesus- und einer Marienstatue ab. Man habe ihn niedergeschossen und festgenommen, teilte die Polizei mit. Der Deutschlandfunk (Köln) sprach von einem „vermutlich islamistischen Angriff“. Der verletzte Priester – ein Jesuit – lebt seit 1964 in Indonesien. Von den über 260 Millionen Einwohnern des Landes sind 87 Prozent Muslime und neun Prozent Christen. Immer wieder kommt es zu islamistischen Angriffen auf Kirchen. (Quelle: idea, Bild: TUBS)

Ein Gericht in Jakarta verurteilte den ehemaligen christlichen Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama (“Ahok”) wegen Blasphemie zu zwei Jahren Haft verurteilt. Mit dem am gestrigen 9. Mai ausgesprochenen Urteil verhängte das Gereicht eine härtere Strafe, als der von der Staatsanwaltschaft geforderte zweijährige Hausarrest. Die Anwälte der Verteidigung wollen gegen das Urteil Berufung einlegen.

“Es ist eine sehr traurige Angelegenheit”, so der Sekretär der bischöflichen Kommission für interreligiösen Dialog, Pfarrer Agustinus Ulahayanan, „radikalislamische Gruppen haben dieses Urteil und die ganze Angelegenheit, einschließlich der jüngsten Wahlkampagne beeinflusst. Wir können nur sagen, es ist noch nicht zu Ende: die Verteidiger werden Berufung einlegen, während wir Christen uns der göttlichen Gerechtigkeit anvertrauen, den er ist der Herr der Geschichte”.

“Wir können aus dieser Geschichte eine Lehre ziehen“, so der katholische Geistliche weiter, „Positiv an der Sache ist, dass die Christen und andere Komponenten der Gesellschaft zwar nicht einverstanden sind, die Reaktionen aber friedlich bleiben und sich an demokratische Regeln halten: indonesische Christen glauben an das Gemeinwohl und haben großen Respekt vor der Pancasila, den fünf grundlegenden Prinzipien der indonesischen Demokratie“. “Doch wir müssen auch feststellen, dass das Justizsystem schwach ist”, so Pfarrer Agustinus Ulahayanan weiter, “und dass radikale Gruppen großen Einfluss haben. In den vergangenen Monaten kam es zu einer offensichtlichen Instrumentalisierung des islamischen Glaubens zu politischen Zwecken und dies ist ein Phänomen, das sich auch auf die kommenden Wahlen auf nationaler Ebene auswirken kann. Man muss die Entwicklung beobachten und weise handeln”.

Das Urteil gegen Ahok ist eine Niederlage für den Rechtsstaat.

Radikalislamische Gruppen konnten sich durchsetzen und das ist gefährlich für die Zukunft unseres Landes”, so Pfarrer Benny Susetyo vom “Setara Institute”. Die Richter verurteilten Ahok, weil er sich der Blasphemie schuldig gemacht haben soll, indem er Verse aus dem Koran auf unangemessene Weise zitierte. Grundlage der Anklage ist der Artikel 156 des indonesischen Strafrechts. Ahok wurde unterdessen in das Gefängnis von Jakarta gebracht. (Quelle: Fidesdienst, Foto: Cahaya Maulidian)

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist über die wachsende Intoleranz gegenüber religiösen Minderheiten im mehrheitlich muslimisch geprägten Indonesien sehr besorgt. Anlass ist die Gouverneurswahl in der Hauptstadt Jakarta. Der christliche Amtsinhaber, Basuki Tjahaja Purnama, unterlag am 19. April dem muslimischen Kandidaten Anies Baswedan. Das amtliche Endergebnis wird zwar erst im Mai erwartet, aber mehreren Meinungsforschungsinstituten zufolge erhielt Baswedan in der Stichwahl etwa 58 Prozent der Stimmen. Im vergangenen Jahr hatten mehrfach bis zu 500.000 Muslime bei Großkundgebungen gegen den christlichen Gouverneur protestiert, weil er sich angeblich abfällig über den Koran geäußert haben soll. Der chinesischstämmige Politiker steht deswegen vor Gericht. Ihm drohen wegen Blasphemie bis zu fünf Jahre Haft.

Asienexperte: Die Entwicklung ist dramatisch

Der Asienexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker, Ulrich Delius, sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea: „Die Entwicklung ist dramatisch. Der Wahlkampf hat tiefe Gräben hinterlassen und das Land gespalten. Es ist nach der antichristlichen und antichinesischen Hetze der vergangenen Monate nicht mehr das gleiche Land.“ Er gehe davon aus, dass das Blasphemieverfahren der Grund für die Wahlniederlage ist: „Das Ergebnis ist deshalb auch eine Niederlage des Rechtsstaates.“ Der Wahlsieger bezeichne sich zwar offiziell als liberaler Muslim, habe aber im Wahlkampf systematisch auf die Kooperation mit radikalen Muslimen gesetzt: „Das ist ein fatales Zeichen für alle Nichtmuslime.“ Die Islamisten seien zwar eine Minderheit, hätten aber immer mehr Einfluss. Sie investierten zudem viel in Bildung und Erziehung: „Sie denken in langen Zeitperioden und unterwandern das System immer mehr.“ Viele Beobachter seien bislang davon ausgegangen, dass in den meisten Regionen Indonesiens ein liberaler Islam praktiziert werde: „Die Wahl ist ein Warnschuss für alle, die sich für Demokratie und Menschenrechte einsetzen.“

„Das Land befindet sich in einem gefährlichen Fahrwasser“

Auch Indonesiens Staatspräsident Joko Widodo habe sich, so Delius, verändert. Er lobe nun den Islam, um muslimischen Extremisten zu gefallen: „Das ganze Land befindet sich in einem gefährlichen Fahrwasser.“ Die Instrumentalisierung des Blasphemievorwurfs müsse unterbunden werden. Die Forderung müsse aber vor allem aus dem Land selbst kommen: „Es ist nur bedingt wirksam, wenn beispielsweise die EU erklärt, dass sie besorgt ist.“ Indonesien ist der Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Von den 250 Millionen Einwohnern sind 87 Prozent Muslime, neun Prozent Christen, die Übrigen Buddhisten und Hindus. (Quelle: idea, Bild: TUBS)

 “Wir werden die Kirche in Brand stecken, sollten die Bauarbeiten fortgeführt werden”, drohen über 500 Muslime bei einer Kundgebung in Bekasi, einem Vorort von Jakarta, mit der der Bau der katholischen Kirche von der heiligen Klara verhindert werden soll. Die Demonstranten behaupten, dass die der Bau der Kirche gegen das Gesetz verstoße und es sich bei den Unterschriften der Bürger, die den Bau unterstützen um Fälschungen handelt. Aufgrund der in den verschiedenen indonesischen Provinzen geltenden Bestimmungen ist für die Genehmigung des Baus einer Kultstätte der verschiedenen Religionen ein öffentlicher Antrag mit einer bestimmten Anzahl von Unterschriften der in der jeweiligen Provinz lebenden Gläubigen notwendig
Wie die Pfarrgemeinde von der heiligen Klara mitteilt, sind die Demonstranten entschlossen, den Bau zu verhindern und drohen mit einem Brandanschlag, sollten ihre Forderungen nicht berücksichtigt werden.

Wie der Gemeindepfarrer Pater Raymundus Sianipar betont, ist die Pfarrei im Besitz einer regulären Baugenehmigung entsprechend der administrativen Vorschriften: “Der Antrag wurde vor inzwischen 17 Jahren gestellt. In den vergangenen Jahren haben wir alle Bedingungen und Normen respektiert. Wir haben geduldig abgewartet und das Gesetz respektiert und uns allen notwendigen Herausforderungen gestellt”.

Der Sekretär des Pastoralrates der Gemeinde, Pfarrer Rasnius Pasaribu, teilt mit, dass die insgesamt 9.422 Gläubigen in Nord Bekasi von vier Priestern betreut werden und dass die Pfarrgemeinde insgesamt 58 Stadtviertel umfasst. Viele Gläubige lebten deshalb weit weg von der Kirche und eine angemessene pastorale Begleitung sei nur schwer zu garantieren. “Derzeit”, so Pfarrer Rasnius, “finden die Sonntagsgottesdienste in einem Saal statt, in dem 300 Menschen Platz finden. Viele nehmen von der Straße aus am Gottesdienst teil. Wenn es regnet drängen sich die Menschen im Saal und auf den Terrassen der umliegenden Häuser”.

Nach einer 17jährigen Prüfung erteilte der muslimische Bürgermeister von Belasi, Rahmat Effendi, am 28. Juli 2015 die Genehmigung für den Bau des katholischen Gotteshauses. “Wir haben alle Bestimmungen berücksichtigt. Das ist alles dokumentiert“, so Pfarrer Rasnius, der auch betont, dass es sich nicht um die größte Kirche Asiens handelt, wie die Gegner des Bauvorhabens behaupten. “Das Baugrundstück ist nur 6.500qm groß und wir bauen ein Gebäude mit einem Grundriss von 1.500 qm, das von Grünflächen umgeben sein wird“, so der katholische Geistliche.

Die katholische Gemeinde sei den anderen Einwohnern von Bekasi wohlgesinnt und “die Kirche ist ein Ort, an dem alle mit offenen Armen empfangen werden”: “Wir sind Geschwister und Bürger derselben Stadt und desselben Landes”, so Pfarrer Rasnius, der sich von den anderen Einwohnern des Viertels dieselbe Einstellung wünscht.

Die Regierung des amtierenden indonesischen Präsidenten Joko Widodo hatte angekündigt, dass die „Izin mendirikan bangunan“, die Bestimmungen für Genehmigungen für den Bau Kultstätten, wie sie seit 2006 gelten, vereinfacht werden sollen. Nach den geltenden Bestimmungen muss jedes Projekt von mindestens 99 Gläubigen und 60 Einwohnern eines Gebiets unterzeichnet und vom Dorfvorsteher genehmigt werden. Im Laufe der Jahre hatte es immer wieder Proteste radikalislamischer Gruppen gegen solche Baugenehmigungen gegeben, die dazu führten, dass Projekte die bereits geprüft wurden, blockiert wurden. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS)

In Indonesien stockt die Regierung vor Weihnachten die Polizeikräfte auf, um Kirchen vor möglichen Anschlägen der Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) zu schützen. Wie es hieß, sollen dafür knapp 1.500 Polizisten zusätzlich abgestellt werden. Der Einsatz konzentriert sich vor allem auf die Provinz Nord-Sumatra. Dorthin waren im Oktober Tausende Christen geflohen, nachdem es in der Provinz Aceh zu teils schweren Ausschreitungen gegen kirchliche Einrichtungen gekommen war. Zudem hatten Hunderte muslimischer Extremisten von den Regierungsbehörden verlangt, sämtliche Kirchen im Regierungsbezirk Aceh Singkil zu schließen. Außerdem forderten sie die Bevölkerung dazu auf, alle Kirchengebäude zu zerstören, die über keine Baugenehmigung verfügen. Nach Angaben der Kommission für Menschenrechte konnten 2013 etwa 80 Prozent aller Gebetsstätten im Land – zumeist Moscheen, aber auch Kirchen – keine solche Genehmigung vorweisen. „Wir werden nicht aufhören, Christen zu jagen und Kirchen niederzubrennen“, hieß es in einer von muslimischen Extremisten verbreiteten Nachricht. Christen seien „die Feinde Allahs“. (Quelle: idea)

Gewaltsames vorgehen gegen Christen im Zeichen wachsender Intoleranz. Die Demolierung dreier christlicher Kultstätten in der indonesischen Provinz Aceh auf der Insel Sumatra und die Flucht von rund 8.000 Gläubigen infolge radikalislamischer Gewalt „sind Anlass zu großer Sorge im Hinblick auf die Sicherheit von Tausenden von Christen, die sich in Gefahr befinden“, so Rev. Olav Fykse Tveit vom Weltkirchenrat. Zuvor war es zu gewaltsamen Protesten gegen die Präsenz von Christen in den Dörfern der Provinz gekommen. Die Demolierung war von lokalen Beamten veranlasst worden, die bemängelten das die Kultstätten ohne Baugenehmigung errichtet worden waren.

Rev. Olav Fykse Tveit verurteilt “die jüngsten übergriffe auf Kirchen und Christen in der Provinz Aceh, die sich bemühen, als treue Zeugen des Evangeliums Jesu Christi zu leben. Der Weltkirchenrat bedauert Gewalt gegen Personen und Gemeinden wegen der religiösen Zugehörigkeit und fordert die indonesische Regierung zu raschem Handeln auf, damit die Verantwortlichen vor Gericht gestellt werden“. Der indonesische Präsident Joko Widodo bat unterdessen die Polizei um umgehende Maßnahmen zur Beendigung der Gewalt. Der Rat der Ulema (MUI) verurteilte die übergriffe ebenfalls und fordert Muslime in Aceh sich nicht an Aktivitäten zu beteiligen, die den Konflikt zwischen Christen und Muslimen in der Region schüren.

In der Provinz Aceh gelten die islamischen Gesetze der Sharia und kirchliche Aktivitäten müssen vom Staat genehmigt werden. Für eine Baugenehmigung müssen die Unterschriften von mindestens 90 wohnhaften Gläubigen gesammelt werden. Die Behörden planen angeblich die Demolierung von zehn weiteren ohne Genehmigung errichteten Kultstätten. Erst am vergangenen 23. Oktober trat das neue Strafrecht auf der Grundlage der Sharia in Kraft, das strenge Strafen für eine Reihe von Praktiken vorsieht, die als verboten gelten, wie zum Beispiel homosexuelle Beziehungen, Alkoholkonsum, Glücksspiel, Ehebruch, sexuelle Belästigung und Vergewaltigung. Das Strafrecht gilt nur für Muslime und nicht für religiöse Minderheiten. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS)

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