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Im Mai waren vier nepalesische Kirchen die Zielscheibe gewalttätiger Angriffe. Am 10. Mai, einen Tag nach Abschluss einer Jugendkonferenz der Hebron-Kirche in Hilihang, Ost-Nepal, versuchten Angreifer während der Nacht, das Gebäude in Brand zu stecken. Am selben Abend wurde auch die Kirche in Bindur, West-Nepal, angegriffen. In Nepal, das bis 2008 offiziell ein hinduistisches Königreich war,  sind schon 5% der Bevölkerung Christen.

Zwei Tage später wurde eine Kirche in Dhangadhi, West-Nepal, bombardiert, indem ein Sprengkörper durch das Fenster ins Gebäude geworfen wurde. Keiner der Christen wurde verletzt. Die örtliche Polizei behauptete, dass die Bombardierung das Werk maoistische Gruppen sei, während Kirchenleiter den Verdacht haben, dass der Angriff auf das Konto von Hindu-Extremisten geht. Einige Wochen vor der Bombardierung wurde in einem Lokalblatt eine Drohung gegen die Kirchen veröffentlicht.

In der Nacht, als die Kirche in Dhangadhi angegriffen wurde, wurde eine Kirche in Kanchanpur, im östlichsten Teil von Nepal, angezündet. Niemand wurde verletzt, aber das Mobiliar und andere Gegenstände wurden vernichtet. Die nepalesische Regierung gibt an, dass die Christen nur 1,5% der Bevölkerung ausmachen, während die nepalesischen christlichen Führer glauben, dass es ca. 5% Christen in Nepal gibt, denn das Christentum hat in den vergangenen Jahrzehnten ein schnelles Wachstum erlebt. In der Hindu-Mehrheit fordern einige, Nepal wieder zu einem Hindu-Königreich zu machen wie vor 2008, als das Land eine weltliche Republik wurde. (Quelle: Barnabus Fund, Bild: TUBS)

Auf fünf christliche Kirchen, darunter auch ein katholisches Gotteshaus, wurden innerhalb einer Woche in Nepal Anschläge verübt. Die katholische Kirche St. Joseph in Kohalpur im Bezirk Banke wurde am 18. Mai von Unbekannten in Brand gesteckt. Wie Augenzeugen berichten sollen die Täter die Bevölkerung zuvor aufgefordert haben, zuhause zu bleiben, wonach zehn unbekannte Männer in die Kirche eindrangen, Benzin ausgossen und das Gebäude in Brand steckten. Die St. Josephs-Gemeinde ist eine neue Pfarrei mit etwa 20 Gläubigen. Bei dem Brandanschlag wurde zwar niemand verletzt, doch der Innenraum der Kirche ist vollständig zerstört.

Die ökumenische „Federation of National Christian Nepal (FNCN)“ fordert nun von der Regierung Nepals dringende Maßnahmen und Ermittlungen gegen die Täter. Man verurteile „den gezielten Angriff auf religiöse Minderheiten in Nepal, der das friedliche Zusammenleben stört“, heißt es in einer Erklärung des Rates. Die Regierung müssr „die Grundfreiheiten, die in der Verfassung verankert sind, schützen und dafür sorgen, dass die alle Rechte gewährleistet sind,“ so dass alle Bürger ihre Religion frei praktizieren können. Die katholische Menschenrechtsaktivistin Kadhka Prakash aus Kathmandu, erklärt gegenüber Fides: „Diese Schändung ist ein direkter Angriff auf die katholische Kirche… Dies ist eine Botschaft, die besagt, dass das Christentum an diesem Ort nicht willkommen ist. Christen wollen in Nepal Frieden schaffen und für Gerechtigkeit arbeiten“.

In den Tagen, zwischen dem 9. und 13. Mai, wurden mehrere andere christliche Kirchen in Dhangadhi, Doti, Kanchanpur (West-Nepal) und Panchthar (Ost-Nepal) Brand gesteckt, meistens während der Nacht. Obwohl bei den Angriffen niemand getötet wurde, machen sich die einheimischen Christen große Sorgen über die Zunahme der Feindseligkeiten gegenüber christlichen Gemeinden in Nepal. Pastor Tanka Subedi, Gründer und Präsident der Organisation „Dharmik Chautari Nepal“ und des Forums „Nepal für Religionsfreiheit“, betont gegenüber Fides: „Die nepalesische Regierung ist eine demokratische Regierung und hat die Aufgabe, alle Religionsgruppen in gleicher Weise zu schützen“. Auch die National Christian Fellowships of Nepal (NCFN) und die Nepal Christian Society (NCS) verurteilten die Anschläge und beklagen, dass nepalesische Christen fälschlicherweise des „Proselytismus“ bezichtigt werden. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS)

“Trotz des Inkrafttretens eines ‘Antikonversionsgesetzes’, das die Religionsfreiheit einschränkt und eine religiöse Konversion zum Verbrechen macht, werden die Christen auch künftig zum Aufbau einer gesunden, friedlichen und harmonischen Gesellschaft beitragen”, so der aus Kanada stammenden Jesuit Bill Robins, der seit vielen Jahren in Nepal tätig ist. “Das Christentum wird sich in Südasien immer mit Herausforderungen konfrontiert sehen, denn es wird immer Menschen geben, die religiöse Verschiedenheit nicht begrüßen. Christliche Gemeinden werden sich weiter furchtlos zu ihrem Glauben bekennen und offen vom Evangelium Zeugnis ablegen. Wir müssen uns weder verstecken noch kämpfen”, so der Ordensmann weiter. “Wir müssen das Grundrecht auf Religionsfreiheit fördern. Und wir sind berufen selbstlos zu vergeben und jedem, der sich in Schwierigkeiten befindet, so gut zu helfen wie wir können, egal ob Freund oder Feind”, so der Pater Robins weiter. 

Nepal ist ein Land, in dem Christen eine kleine Minderheit sind und sich oft mit Gefahren oder Bedrohungen konfrontiert sehen. Viele Gläubige betrachten den Beschluss der Regierung, das neue “Antikonversionsgesetz” zu billigen, als Rückschritt, da es die Ausdrucks-, Meinungs- und Religionsfreiheit einschränkt. Vor einigen Wochen unterzeichnete Präsident Bidhya Devi Bhandari das neue Gesetz, das bereits im Parlament gebilligt worden war, womit es offiziell in Kraft tritt. Das Gesetz garantiert den konstitutionellen Schutz des Hinduismus, zu dem sich 80% der Bevölkerung bekennen. Das neue Gesetz verbietet religiöse Konversionen und bestraft “die Beleidigung des religiösen Empfindens und Blasphemie”, wobei Haftstrafen von bis zu fünf Jahren und Geldstrafen von bis zu 50.000 Rupies (rund 770 US$). 

Erst vor zehn Jahren erklärte die ehemalige hinduistische Monarchie Nepal in einen “säkularen Staat” umgewandelt und zwei Jahre später wurde eine neue Verfassung verabschiedet, in der es unter Artikel 26 heißt: “Niemand darf eine andere Person zur Konversion von einer Religion zu einer anderen bewegen oder die Religion der anderen beeinträchtigen oder kompromittieren; diese Handlungen und Aktivitäten werden vom Gesetz bestraft”. Von den rund 29 Millionen Einwohnern Nepals sind etwa 1,4% Christen. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS)

Am 8. August hat das nepalesische Parlament ein Gesetz auf den Weg gebracht, das eine deutliche Einschränkung der Religionsfreiheit darstellt. Die christliche Minderheit im Land befürchtet, dass viele Menschen das neue Gesetz missbrauchen werden, um persönliche Rechnungen mit Christen zu begleichen. In dem mehrheitlich hinduistischen Nepal wächst die Kirche seit Jahren kontinuierlich, gleichzeitig nimmt der Druck auf Christen zu.

Traktatverteilung an christlicher Schule resultiert in Anklage

Bereits die neue Verfassung Nepals vom Jahr 2015 hatte das Land zum säkularen Staat erklärt, in dem Glaubenswechsel und jegliche Form von Missionierung unrechtmäßig seien. Durch das jetzt vorgelegte Gesetz wird diese Festlegung in Kürze zu geltendem Recht. Dazu fehlt lediglich die Zustimmung des Präsidenten, mutmaßlich eine Formsache. Was das künftig für die Christen bedeuten könnte, erlebten acht von ihnen im Jahr 2015. Nach dem verheerenden Erdbeben waren sie als Aufbauhelfer in der zerstörten Stadt Charikot an einer christlichen Schule tätig. Im Rahmen ihrer Bemühungen, den Kindern beim Bewältigen des erlittenen Traumas zu helfen, verteilten sie christliche Schriften. Daraufhin wurden sie wegen „Missionierung“ angeklagt, später jedoch freigesprochen.

Kiri Kankhwende von Christian Solidarity Worldwide äußerte sich besorgt zu dem neuen Gesetz: „Wir befürchten, dass mit dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes Fälle wie in Charikot häufiger auftreten werden und die Religionsfreiheit weiter eingeschränkt wird.“

Parallelen zu indischen Anti-Bekehrungs-Gesetzen

Nepal ist ein Nachbarland von Indien, über 80% der Bevölkerung sind Hindus. Die in einigen indischen Bundesstaaten geltenden Anti-Bekehrungs-Gesetze führen dort immer wieder zu massiven Problemen für die Christen. Dazu Kankhwende weiter: „Am Beispiel von Indien sehen wir, dass ein Anti-Bekehrungs-Gesetz nicht nur das Recht des Einzelnen auf die freie Wahl seines persönlichen Glaubens einschränkt, sondern zusätzlich dazu werden religiöse Minderheiten Anfeindungen und Gewalt ausgesetzt.“ Der nepalesische Parlamentarier Lokmani Dhakal forderte am 8. August die Streichung der Gesetzespassagen, die den Glaubenswechsel kriminalisieren, und betonte: „Mir scheint klar, dass dieses Land bei der Erstellung des neuen Gesetzes seine Verpflichtungen als Unterzeichner internationaler Verträge vergessen hat, die den Schutz der Religionsfreiheit gewährleisten.“

Einer Einschätzung der World Christian Database aus dem Jahr 2016 zufolge sind 4% der Nepalesen Christen. Nepal gehört zum erweiterten Kreis der „Länder unter Beobachtung“ des Weltverfolgungsindex, der die 50 Länder mit der härtesten Christenverfolgung auflistet. (Quellen: Christian Solidarity Worldwide, World Watch Monitor, Open Doors, Bild: TUBS)

Am 18. April wurde das Pfarrhaus der Mariä-Himmelfahrts- Kathedrale des apostolischen Vikariats von Nepal, die am Rande der Hauptstadt Kathmandu liegt, durch einen Brandanschlag beschädigt. Dabei wurde niemand verletzt, es entstand aber ein materieller Schaden. Dennoch habe der Angriff, so Generalvikar Pater Silas Bogati, „die winzige katholische Gemeinde geschädigt und in Angst versetzt. Wir vertrauen auf Gott, aber was geschehen ist, mahnt zur Vorsicht.“ Der Angriff hat in einer sehr heiklen politischen Lage des Landes, das sich auf die bevorstehenden Kommunalwahlen am 14. Mai vorbereitet, stattgefunden. Es sind die ersten Kommunalwahlen in Nepal seit 20 Jahren, auf die voraussichtlich die Parlamentswahlen im Januar 2018 folgen werden.

Der Anschlag fand am 18. April um 3 Uhr morgens statt. In einem Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), beschreibt Pater Silas, wie mindestens drei Personen in den Hof eindrangen und dort zwei Motorräder und ein Auto mit Benzin in Brand setzten. Gleichzeitig übergossen sie die Wände und die Tür der Kirche mit Benzin. Dadurch entstanden schwere Schäden. Im Inneren des Pfarrhauses hielten sich zu dieser Zeit 10 Personen auf. „Gott sei Dank sind die Fahrzeuge, die sie in Brand gesetzt haben, nicht explodiert, während die Leute evakuiert wurden. Es hätte tragisch enden können. Das Gebäude wurde durch das Feuer weitgehend beschädigt, aber es wurde niemand verletzt.“

Über die Motiven des Angriffs und die Tätern befragt, war Pater Silas sehr vorsichtig: „Wir wissen bis jetzt weder wer dahintersteckt noch welche Motive sie für den Angriff hatten. Die Polizei untersucht den Fall und versucht die drei Personen, die von den Überwachungskameras zur Zeit des Angriffs aufgenommen wurden, zu identifizieren. Bis jetzt ist alles nur Spekulation.“ Der nepalesische Priester räumt jedoch ein „von Zeit zu Zeit werden wir Katholiken hier diskriminiert, und obwohl wir nepalesische Bürger sind, werden wir wie Ausländer behandelt, nur weil wir Christen sind. Leider gibt es in einigen Bereichen der Gesellschaft feindselige Gefühle gegenüber den christlichen Gemeinschaften.“ Dennoch betont er: „Im allgemeinen kommen sehr gut mit unseren Nachbarn aus und die meisten von ihnen sind sehr offen und rücksichtsvoll uns gegenüber. Sie waren die ersten, die uns geholfen und die Polizei gerufen haben. Diejenigen, die sich anders verhalten, sind in der Minderheit.“

Es ist nicht das erste Mal, dass die winzige katholische Gemeinde in Nepal Opfer von Angriffen wurde. Im Mai 2009 explodierte eine Bombe in der Kathedrale, als Pater Silas eine Heilige Messe zelebrierte. Es gab drei Tote und über ein Dutzend Verletzte. „Es war der traurigste Moment in meinem Leben. Wir hätten niemals geglaubt, dass irgendjemand einen heiligen Ort des Gebets angreifen könnte. Nach diesem Vorfall war ich stark traumatisiert.“ Die Verantwortung für den Angriff übernahm eine hinduistisch fundamentalistische Gruppe, die sich Nepal-Verteidigungsarmee nannte.

„Seit dem Vorfall im Jahr 2009 war es mehrere Jahre friedlich. Aber der jüngste Angriff ist ein Aufruf zur Wachsamkeit. Natürlich kommt letztendlich die endgültige Sicherheit von Gott, aber wir müssen die Sicherheitsvorkehrungen und den Schutz unserer Gemeinschaft verbessern“, erzählt der Generalvikar KIRCHE IN NOT bei einem Telefonat.

Die Katholische Kirche in Nepal ist eine kleine Minderheit, sie ist aber sehr engagiert im sozialen Bereich und in der Entwicklungshilfe, erklärt Pater Silas. „Gerade in den letzten Tagen haben wir der Opfer des heftigen Erbebens, das uns vor genau zwei Jahren, am 25. April 2015, mit einer Stärke von 7,8 traf, gedacht und für sie gebetet. Die Katholische Kirche engagiert sich für ein großes Wiederaufbauprojekt in der Umgebung mit dem Wiederaufbau von 5000 Häusern der Betroffenen, der Versorgung mit sauberem Trinkwasser und anderen Nachbarschafts-Entwicklungsprogrammen für Einheimische. Viele Menschen profitieren von dieser Hilfe ohne Rücksicht auf ihre Religionszugehörigkeit. Wir haben die Absicht diese Hilfe fortzusetzen, weil es unsere Berufung, ist den Bedürftigsten zu helfen, so wie wir heute den Opfern des Erdbebens helfen.“

Laut dem Religious Freedom Report Worldwide, der im vergangenen November von KIRCHE IN NOT veröffentlicht wurde, gibt es rund 8000 Gläubige Katholiken innerhalb des apostolischen Vikariats von Nepal. Die protestantischen Gemeinden, allen voraus die evangelikalen Gemeinden und Pfingstkirchen, sind im Land sehr präsent.

Wie in dem oben genannten Religious Freedom Report beschrieben, hat die sehr junge demokratische Bundesrepublik – ehemals ein hinduistisches Königreich – im Jahr 2007 den Charakter eines säkularen Staates angenommen, ein Jahr nach Abschaffung der Monarchie und nach einem Jahrzehnt des Krieges zwischen den Regierungsarmeen und den maoistischen Guerillas. Derzeit ist der Druck der hinduistischen Parteien sehr stark, was eine Tatsache darstellt, die es zusätzlich zu den viele anderen Schwierigkeiten h (vor allem in Bezug auf die Errichtung der Binnengrenzen der sieben Provinzen) den Mitgliedern der konstituierenden Versammlung fast unmöglich gemacht hat, eine Einigung zu erzielen. Im August 2015, nach dem Erdbeben am 25. April des selben Jahres und unter dem Druck der Bevölkerung, kamen die großen politischen Parteien im Parlament schließlich zu einer Einigung, die von vielen Nepalesen als „historisch“ angesehen wird. Am 16. September verabschiedete die konstituierende Versammlung die Verfassung und schloss damit einen mühsamen und heiklen Prozess ab, der acht Jahre gedauert hat. Der neue Inhalt der Verfassung bestätigt den säkularen Charakter der nepalesischen Institutionen, während er gleichzeitig die religiösen Freiheiten stark einschränkt.

Die Wahlen am 14. Mai werden ein entscheidender Schritt bei der Errichtung der neuen republikanischen Institutionen, die im Rahmen der Verfassung vorgesehen sind, sein. Und so bittet Pater Silas die internationale Gemeinschaft und die Mitglieder von KIRCHE IN NOT darum „für die Katholiken und gleichzeitig für das ganze Land, zu beten, damit der politische Prozess der nächsten Wochen friedlich verläuft und dem Land die lang erwünschte Stabilität bringt. (Foto: Sudhir Bhandari)

Auf die älteste Kirche in Nepal ist in der Nacht zum 18.4.2017 ein Anschlag verübt worden. Eine Seite der Kathedrale Mariä Himmelfahrt in der Hauptstadt Kathmandu sowie das Pfarrhaus wurden durch Brandstiftung beschädigt, ein Auto und zwei Motorräder brannten nieder. In einer Erklärung der Pfarrei hieß es: „Die katholische Kirche ist seit einer halben Dekade in der Sozialarbeit engagiert und wir werden unsere Arbeit trotz häufiger Angriffe fortsetzen.“ Der Anschlag möge keinen Anlass bieten, die religiöse Harmonie im Land zu stören. Bereits im Jahr 2009 explodierte in der Kathedrale eine Bombe, deren Sprengkraft drei Menschen in den Tod riss, darunter eine Schülerin. Weitere 15 Menschen erlitten dadurch Verletzungen. Im Zusammenhang mit der Tat nahmen Sicherheitskräfte den Anführer einer hinduextremistischen Gruppe fest.

Die Kirche „Mariä Himmelfahrt“ wurde erst nach 1991 errichtet, als die damals neue Verfassung religiösen Minderheiten in dem mehrheitlich hinduistischen Land Kultusfreiheit zusicherte. Zuvor feierten mehreren Tausend Katholiken, heute rund 8.000 an der Zahl, in Schul- und Klosterkapellen sowie Sozialzentren Gottesdienst. Schließlich ist seit dem Jahr 2006 der Hinduismus keine Staatsreligion mehr in Nepal. Die bevorstehenden Lokalwahlen am 14. Mai, die ersten seit zwei Jahrzehnten, sollen zur Umsetzung der aktuellen Verfassung, die einen föderalen und säkularen Staat vorsieht, beitragen. Die viertstärkste Kraft im Parlament, die Rastriya Prajantantra Partei, strebt die Wiedereinsetzung des Hinduismus als Staatsreligion an. Hindus stellen 80 Prozent von rund 28 Millionen Einwohnern des südasiatischen Binnenlandes dar. (Quelle: Zenit, Bild: TUBS)

Am 20. September 2015 wurde die neue Verfassung angenommen. Dem historischen Meilenstein gingen ein zehnjähriger Bürgerkrieg und siebenjährige Parlamentsauseinandersetzungen voraus. Umstritten war etwa, ob Nepal wie vor der Absetzung des letzten Königs Gyanendra 2008 erneut zum Hindu-Staat mit dem Hinduismus als Staatsreligion würde oder zur säkularen Republik mit der gleichwertigen Behandlung aller Religionen nach Artikel 18 der UNO-Menschenrechtserklärung. Schließlich setzten die «Säkularisten» die Bezeichnung «säkularer Staat» statt «Hindu-Staat» in der neuen Verfassung durch.

Verfassung verbietet Konversion

Anderseits gelang es Parlamentariern der Extremistenpartei Rashtriya Prajatantra Party Nepal (RPP-N), die gerne die Hindu-Monarchie wiederherstellen wollen, Verfassungsartikel 26 Abs. 3 durchzudrücken: «Niemand darf (…) eine andere Person dazu veranlaßen, ihren Glauben zu wechseln oder die Religion eines anderen zu gefährden.» Beabsichtigt ist sogar die Einführung von «Anti-Konver­sionsgesetzen», wie sie in Myanmar und einigen indischen Bundesstaaten bereits in Kraft sind. Was Indien betrifft, so blieben seit dem nationalen Wahlsieg Mai 2014 der Hindu-fundamentalistischen Bharatiya Janata- Partei (BJP) kräftige religiöse Einflussbestrebungen auf den Nachbarn Nepal nicht aus.

Christen zusehends in Bedrängnis

Am 14. September 2015, kurz vor der Verfassungsannahme, hatten Anhänger der Extremistenbewegung Hindu Morcha Nepal Bombenanschläge auf vier Kirchen im östlichen Distrikt Jhapa geplant. Auch diese Fanatiker lösten sich nicht vom Traumziel eines Hindu-Staates und verlangten, dass konvertierte Hindus entweder zum Hinduismus zurückkehren oder aus Nepal ausgewiesen werden sollen. Während zwei Attacken vereitelt wurden, verwüsteten die beiden anderen zwei Gotteshäuser.

Dann wurden am 9. Juni 2016 acht Christen festgenommen. Laut Barnabas Shrestha, Vorsitzender des Hilfswerks Teach Nepal, wurden einige schwer misshandelt. Damit sollten sie zum Eingeständnis gezwungen werden. Ihnen wird zum Vorwurf gemacht, dass sie an 840 mehrheitlich christliche Schulkinder das Kinderbuch «A Great Story» (Eine gros­se Geschichte) über Jesus verteilt und dabei Evangelisation betrieben haben. Es ist die erste Anklage gestützt auf den neuen Verfassungsartikel gegen die Konversion.

Bislang wurden die Vorwürfe nicht fallen gelassen. So müssen die Christen selbst nach ihrer erfolgten provisorischen Entlassung befürchten, laut den beabsichtigten «Konversionsgesetzen» zu Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt zu werden und hohe Bußen entrichten zu müssen.

Die Christen selber betonen, dass sie keine Bekehrungsversuche unternommen haben. Sie hätten die Jesus-Geschichte nur an christliche Schulkinder ausgehändigt, um ihnen bei der Bewältigung ihrer Erlebnisse vom schweren Erdbeben (April/ Mai 2016) zu helfen.

Schwerer Übergriff

Kurz nach der Festnahme dieser acht Christen griffen der Hindu-Extremist Sanjiv Nepali und drei Mittäter sechs andere Christen mit Eisenstangen an. Vier von ihnen erlitten schwere Verletzungen. Eine der Schwerverletzten ist Sunita Kumar, die Frau eines Predigers. Sie erzählt: «Als ich nach einem heftigen Schlag zu Boden fiel, traten sie mehrmals mit den Füßen auf meinen Rücken. Ich litt unter extremen Rückenschmerzen, bis ich endlich ins Spital gebracht wurde. Seit diesem Vorfall kann ich nicht mehr richtig essen. Ich habe große Angst um meine Kinder und meinen Mann. Extreme Hindus haben uns wieder gedroht und meinten, dass die Polizei auf ihrer Seite sei.»
Der Haupttäter, Sanjiv Nepali, hatte sie der willkürlichen Bekehrung von Hindus gegen finanzielle Anreize angeschuldigt. Er wurde zwar für einige Tage inhaftiert, kam dann aber gegen Kaution frei.

Keine Weihnachten mehr

Für den Staat haben christliche Einrichtungen keine religiöse Bedeutung. Ihnen wird nur ein humanitärer NGO-Status anerkannt. Damit wird jede Verkündigung erschwert. In diesem Zusammenhang dürften laut Tanka Subedi, Co-Präsident der Nepal Christian Society, auch die am 21. Juni 2016 vom nepalesischen Wohlfahrtsministerium an sämtliche Distrikt-Entwicklungskomitees ergangene Anweisungen stehen, keine religiös motivierte Hilfswerk-Tätigkeit mehr zuzulassen. Konvertierte Christen müssen ohnehin mit der Ächtung seitens engster Familienangehöriger rechnen. Im April 2016 wurden die vor acht Jahren eingeführten Weihnachten offiziell aus dem Kalender gestrichen. Selbst die christliche Bestattung wird erschwert. So durften Christen ihre beim Erdbeben umgekommenen Angehörigen nicht würdig bestatten. Nepal ist zu über 80 Prozent hinduistisch. Christen machen gegen drei Prozent aus. (Quelle: CSI-de, Bild: TUBS)

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