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Die Pfarre von Lumbila feiert in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Sie ist die älteste Pfarrgemeinde der Diözese Njombe im Süden von Tansania und liegt am Malawisee.

Die acht Außenstationen der Pfarre sind nur auf dem Wasserweg erreichbar. Straßen gibt es nicht. Bislang mieteten sich die Priester Boote von Gemeindemitgliedern, aber das wurde immer schwieriger, denn die wachsende Zahl an Gläubigen machte immer häufigere und längere Besuche in den Außenstationen erforderlich, und damit stiegen auch die Kosten.

Ein Boot für die Seelsorge in Tansania
Mit dem neuen Boot für die Gemeinde Lumbila in Tansania können die Priester die Außenstationen der Pfarrei, die nur über den Wasserweg erreichbar sind, nun häufiger besuchen.

Wohltäter von KIRCHE IN NOT haben mit 10.800 Euro geholfen, damit Pfarrer Florius Mpete ein Motorboot anschaffen und die Gläubigen in den Außenstationen häufiger besuchen kann. Das Boot ist bereits eingetroffen, und der Pfarrer und seine Gläubigen sind überglücklich darüber.

Pfarrer Mpete schreibt uns: „Die Christen aus Lumbila senden ganz herzlichen Dank für Ihre große finanzielle Unterstützung. Vielen Dank an die Wohltäter, die einen Teil ihres Geldes für die Verkündigung des Evangeliums gespendet haben. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen im Übermaß. Möge Gott Sie körperlich und geistlich stark halten für seinen Dienst!“

Die Freude ist groß in der Pfarre Butundwe im Nordwesten Tansanias: Dank Eurer Hilfe hat Pfarrer John Bosco Lwenge endlich ein Auto, das ihm seinen Dienst wesentlich erleichtert. Die Gläubigen sind froh und dankbar, denn nun sehen sie ihren Pfarrer häufiger.

Die Pfarre ist groß, sie hat 28 Außenstationen, die bis zu 30 Kilometer entfernt gelegen sind. Dort muss Pfarrer Lwenge die heilige Messe feiern, Beerdigungen abhalten und die Krankensalbung spenden. Außerdem ist er in dem 70 Kilometern entfernen Ausbildungszentrum für Katecheten tätig, unterrichtet in mehreren Schulen und betreut eine weitere Pfarre, deren Pfarrer erkrankt ist.

„Meine pastorale Arbeit ist hart und schwierig, und die Wege sind gefährlich, da mir kein Auto zur Verfügung steht“, schrieb uns Pfarrer Lwenge. Die Pfarre ist groß, sie hat 28 Außenstationen, die bis zu 30 Kilometer entfernt gelegen sind.

„Meine pastorale Arbeit ist hart und schwierig, und die Wege sind gefährlich, da mir kein Auto zur Verfügung steht“, schrieb uns Pfarrer Lwenge. Bislang war der Priester mit dem Moped unterwegs. In der Regenzeit konnte er damit manche Straßen gar nicht befahren, da sie sich in Schlammseen verwandeln und für ein nicht geländetaugliches Fahrzeug unpassierbar werden.

Das Gebiet ist arm und unterentwickelt. Elektrischen Strom gibt es nur in wenigen Orten, und um medizinisch behandelt zu werden, müssen die Menschen 70 Kilometer zurücklegen. Schwerkranke Patienten und schwangere Frauen werden mit dem Fahrrad ins Krankenhaus gebracht – erst kurz bevor der Pfarrer uns um Hilfe bat, war eine schwangere Frau auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. „Das war sehr schmerzlich für mich“, gesteht der Priester. Das Fahrzeug wird also auch bei medizinischen Notfällen gute Dienste leisten und Leben retten. Pfarrer Lwenge und seine Gläubigen beteten jeden Tag darum, dass Ihr ihnen helfen würdet – und Ihr habt sie nicht im Stich gelassen. 15.000 Euro habt Ihr für das Auto gespendet. Allen, die geholfen haben, herzlichen Dank!

Das YOUCAT-Buch ist der Katechismus der Katholischen Kirche für Jugendliche und junge Erwachsene. Die wichtigsten Glaubensinhalte werden kurz und leicht verständlich im Frage-Antwort-Stil zusammengefasst. Illustrationen machen das Buch, das mittlerweile in 58 Sprachen erschienen ist, noch attraktiver.

Die Ordensgemeinschaft der Töchter des heiligen Paulus hat das Buch nun ins Swahili übersetzt, um ihn auch den Jugendlichen in Tansania und Kenia zugänglich zu machen. Ende 2019 war die Übersetzung endlich fertig. Die Freude war groß, aber dann kam die Pandemie, die alles schwieriger machte. Die Schwestern hatten große Pläne gehabt: Sie wollten Schulen besuchen, um Schülern, Lehrern und Eltern das Buch vorzustellen. Jugendtreffen waren geplant und auch zahlreiche Initiativen im Rahmen der Jugendpastoral der Diözesen. Aber das Coronavirus blockierte diese Aktivitäten leider. Sobald es die Situation zulässt, machen die Schwestern weiter mit ihrem Engagement.

Die Ordensgemeinschaft der Töchter des heiligen Paulus hat das Buch nun ins Swahili übersetzt, um ihn auch den Jugendlichen in Tansania und Kenia zugänglich zu machen.

Trotz dieser Hindernisse freuen sich aber bereits viele junge Leute über das Buch.  Besonders nützlich ist es für die Gefängnisseelsorge. Schwester Olga Massango von den Paulusschwestern schreibt: „Bruder Linus und Bruder Paul waren sehr froh und finden diese Bücher sehr hilfreich für unsere Schwestern und Brüder im Gefängnis. Wir sind KIRCHE IN NOT dankbar dafür, dass Sie uns geholfen haben, unsere Brüder und Schwestern zu erreichen, die die Erfahrung von Gottes Barmherzigkeit am nötigsten brauchen. Bitte seien Sie gewiss, dass wir für Sie und alle Wohltäter beten, besonders in dieser Zeit, in der Covid weiterhin Angst und Unsicherheit in der heutigen Welt verbreitet.“

Dank Ihrer Hilfe konnten wir mit 13.800 Euro den Druck von 6.000 Exemplaren finanzieren.

Die Diözese Ifakara in Tansania ist noch jung. Sie wurde erst im Jahr 2012 errichtet. Die gleichnamige Stadt, in der sich der Bischofssitz befindet, ist 400 km südwestlich der Hauptstadt Daressalam gelegen. Die Diözese erstreckt sich über ein Gebiet von 15.000 Quadratkilometern und hat 21 Pfarreien. Von den insgesamt ca. 400.000 Einwohnern der Diözese sind 80 Prozent katholisch. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, es ist aber auch eine Zuwanderung nomadischer Volksgruppen zu verzeichnen.

Die Entfernungen sind sehr groß, und die Straßen schlecht. In der Regenzeit verwandeln sie sich in Schlammpisten mit vielen teils großen Wasserlöchern. Mit einem ungeeigneten Auto kann eine solche Fahrt leicht lebensgefährlich werden.

Bischof Salutaris Libena mit Mitarbeitern seiner Diözese. „Wir versprechen auch, dass wir für alle beten werden, deren große Opfer es uns ermöglicht haben, dieses Auto zu bekommen.“

Bischof Salutaris Libena muss oft weite Strecken fahren, um die Pfarren seiner Diözese zu besuchen, in denen er beispielsweise das Sakrament der Firmung spendet oder andere Pastoralbesuche unternimmt. Die Entfernung vom Bischofssitz bis zur der am weitesten entfernten Pfarrei der Diözese beträgt 210 Kilometer.  Außerdem muss er an Treffen und Versammlungen in der Hauptstadt oder in anderen Diözesen des fast 950.000 Quadratkilometer großen Landes teilnehmen, beispielsweise, wenn die Bischofskonferenz des Landes tagt. Jedoch hatte er bislang große Probleme, da sein Auto, das er vor 20 Jahren gekauft hatte und das schon damals ein Gebrauchtwagen war, den Straßenverhältnissen nicht mehr gewachsen war. Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 29.680 Euro gespendet haben, konnte er nun endlich einen leistungsfähigen Geländewagen beschaffen, der nicht nur ihm selbst, sondern auch seinen Mitarbeitern gute Dienste leisten wird.

Der Bischof schreibt: „Wir danken Ihnen sehr aufrichtig für dieses schöne neue Fahrzeug. Wir versprechen Ihnen, dass wir auf es achtgeben werden, damit es viele Jahre für den pastoralen Dienst verwendet werden kann. Wir versprechen auch, dass wir für alle beten werden, deren große Opfer es uns ermöglicht haben, dieses Auto zu bekommen.“

Pater Damas Mfoi ist ein katholischer Priester in der teilautonomen Inselgruppe von Sansibar, vor der Küste von Tansania. Sansibar ist überwiegend muslimisch mit einem kleinen Anteil christlicher Bevölkerung. Seit 2010 ist Pater Mfoi Gemeindepfarrer auf der Hauptinsel Unguja. Im Jahr 2012 wurde die sonst friedlich miteinander lebende Inselgemeinschaft Zeuge einer Serie gewalttätiger Angriffe auf religiöse Führer. Ein muslimischer Geistlicher wurde im Herbst des Jahres mit Säure verbrannt; ein katholischer Priester erlitt am ersten Weihnachtsfeiertag Schussverletzungen, und ein anderer wurde im darauffolgenden Februar erschossen. Zu dieser Zeit wurden Flugblätter verteilt, mit dem Ziel, zur Gewalt anzustacheln, von denen einige das Erkennungszeichen der radikalislamischen Gruppe Uamsho trugen. Die Verantwortung für diese Attacken ist bisher jedoch weder übernommen noch offiziell zugewiesen worden. Pater Mfoi berichtete KIRCHE IN NOT über diese Zeit des Terrors:

“Es war an Weihnachten im Jahr 2012. Wir hatten geplant, zum Abendessen zu gehen, als wir hörten, Pater Ambrose sei erschossen worden. Kirchenführer standen unter Schock, das gemeinsame Essen fiel natürlich aus. Wir hatten Angst, eilten zum Krankenhaus, jedoch vorsichtig, da über Flugblätter angekündigt worden war, dass Kirchenführer getötet und Kirchen zerstört werden würden. 

“Als wir ankamen, blutete Pater Ambrose immer noch und konnte nicht sprechen. Am nächsten Tag wurde er zur Weiterbehandlung nach Dar es Salaam geflogen. Danach war es unser Glaube, der uns hierbleiben ließ. Leute vom Festland forderten uns zur Rückkehr auf, aber als dem Evangelium verpflichtete Christen wussten wir von Anfang an, dass unsere Mission Leiden bedeuten würde und unser Leben bedroht werden könnte. Wegzulaufen kam nicht in Frage.

Es wurden neue Flugblätter verteilt, auf denen stand, Muslime müssten den Verkauf von Alkohol und die Existenz von Kirchen verbieten. Veröffentlicht wurden diese Blätter anonym, aber heute wissen wir, wer dahinter steckt. Wir wussten nicht, was passieren würde und einige meinten, dies wären nur leere Drohungen. Aber weniger als drei Monate später ereilte uns die nächste Tragödie: Pater Evaristus Mushi wurde erschossen. 

Es geschah an einem Sonntagmorgen um 7:15 Uhr; ich zelebrierte gerade die heilige Messe in einer kleinen Kirche, als ein nichtkatholischer Nachbar hereinlief und schrie: ‘Pater Damas, ich muss Ihnen etwas sagen!‘ Er sagte mir, Pater Mushi sei bei einer Schießerei ums Leben gekommen. Ein Mann habe ihn an diesem Morgen erschossen, als er gerade vor seiner Kirche parkte. Ich fuhr zu anderen Kirchen, um die heilige Messe zu feiern; nun, da Pater Mushi tot war, musste ich die Mission Christi alleine weiterführen.

Die Nachricht von Pater Mushis Tod verbreitete sich in der Öffentlichkeit, aber dies war noch nicht das Ende. Nachdem wir ihn begraben und ihm die letzte Ehre erwiesen hatten, kam eine Gruppe von Frauen zu unserer Pforte und weinte. Ich sagte ihnen: ‘Weint nicht, Pater Mushi ist im Himmel.’ Doch eine von ihnen gab zur Antwort: ‘Pater, sie weint nicht wegen Pater Mushi, sondern Ihretwegen.’ Die Angreifer hatten es auf mich abgesehen, da ich zu viele Kirchen hatte bauen lassen. 

Am nächsten Morgen entkam ich auf das Festland, und einen Monat später kam ich zurück. Ich dachte: ‘Unsere Mission aufzugeben, kommt nicht in Frage. Jesus will uns nicht scheitern sehen. Es gibt hier immer noch Christen—warum also sollten ihre geistlichen Führer fliehen?’

Nach meiner Rückkehr fand ich heraus, dass die Polizei innerhalb unseres Geländes einen Kommandoposten eingerichtet hatte, und in den nächsten zwei Jahren versahen sie aufgrund der bestehenden Spannungen in der Gegend Streifendienst. Die Regierung kümmerte sich gut um uns, aber wir wussten, dass uns vor allem Gott beschützte. Als man mir einen Leibwächter anbot, lehnte ich ab, da ich davon überzeugt war, dass die Arbeit Jesu kein Maschinengewehr braucht; Er hatte uns ja versprochen, dass bis zum Ende der Zeiten bei uns sein würde.

Sechs oder sieben Monate gingen ins Land, und für eine Weile dachten wir, das Schlimmste sei vorüber, obgleich die Sicherheitsmaßnahmen nach wie vor streng waren. Doch im September wurde ein Priester mit Säure bespritzt als er sein Stammcafé verließ. Er überlebte den Angriff, wurde dabei aber schwer verletzt. 

Von dem was geschehen ist, können wir uns nicht erholen, und da die Angreifer noch aktiv sein könnten, sind wir auch nicht völlig sicher. Aber trotz all dieser Probleme setzen wir unsere interreligiöse Arbeit fort. Wir sprechen mit den Menschen in aller Öffentlichkeit und erzählen ihnen, dass Gott uns erschaffen und uns die Freiheit gegeben hat, zu glauben, was uns gelehrt wurde. Muslime werden über Mohammed unterrichtet; Christen über Jesus Christus. Wir sollten alle unser Bestes geben, um dies zu respektieren und vermeiden, Politik mit Religion zu vermischen.”

Im Jahr 2017 unterstützte KIRCHE IN NOT die Kirche in Tansania mit Projekten in Höhe von insgesamt mehr als 1,7 Millionen Euro.

Die Insel Sansibar vor der Küste Tansanias gilt als exotisches Urlaubsparadies. Doch islamische Extremisten gewinnen zunehmend Einfluss und üben massiven Druck auf einheimische Christen aus. Dabei sind besonders Pastoren und ihre Familien die Leidtragenden.

Jahrelang unschuldig vor Gericht

Ein Beispiel ist Pastor George*. Er wurde fälschlicherweise beschuldigt, ein kleines Mädchen vergewaltigt zu haben, das er beim Werfen von Steinen auf die Kirche erwischt hatte. Nachdem ein Gericht ihn 2014 von den Anschuldigungen freisprach, wurde er beim Verlassen des Gebäudes erneut verhaftet, weil die Ankläger gegen das Urteil Berufung einlegten. Das neuerliche Verfahren dauerte vier Jahre und brachte den Pastor und seine Familie an den Rand der völligen Erschöpfung. Finanziell stehen sie kurz vor dem Ruin. Bei einer Anhörung Ende August wurde er schließlich freigesprochen.

Kirchenbau immer wieder verweigert

Pastor Kovu* erwarb 2007 offiziell ein Grundstück für den Zweck, darauf eine Kirche zu errichten. Dennoch wird ihm der Verstoß gegen einen Gerichtsbeschluss vorgeworfen, „keine Kirche auf einem Grundstück zu bauen“. Eine lokale Kontaktperson erläutert: „Obwohl er über alle erforderlichen Besitznachweise verfügt, wird ihm sein Recht wegen seines Glaubens vorenthalten.“ Die Gerichtskosten belaufen sich inzwischen auf umgerechnet ca. 8.500 Euro. Unterdessen ist Pastor Kovus 10-jähriger Sohn massiven Anfeindungen im Dorf und in der Schule ausgesetzt. Einmal wurde er von Männern angesprochen. Sie urinierten in eine Flasche, zwangen ihn, etwas davon zu trinken, und gossen den Rest über ihn aus. In der Schule sperrten muslimische Klassenkameraden ihn in der Toilette ein und öffneten die Tür erst Stunden später, ohne dass die Lehrer eingriffen. Seine schulischen Leistungen haben stark gelitten.

Gebäude fünfmal zerstört, Tochter vergewaltigt

Pastor Abasi* musste aus Sicherheitsgründen dreimal umziehen, um ein neues Zuhause und einen Versammlungsort für seine Gemeinde zu finden. Seit 2016 wurde seine winzige Zeltkirche (9x6m) fünfmal zerstört. Trotz Benachrichtigung der Polizei wurde ihm kein Schutz gewährt. Besonders schmerzhaft war für die Familie, dass ihre 4-jährige Tochter in einer der gemieteten Wohnungen vergewaltigt wurde. Der Täter läuft frei herum. Viele Gemeindemitglieder bleiben den Gottesdiensten aus Angst vor weiteren Angriffen inzwischen fern.

* Name aus Sicherheitsgründen geändert (Quelle: Open Doors)

Im Nordwesten von Tansania wurde bereits am vergangenen 2. Mai ein Brandanschlag auf eine katholische Kirch verübt. Es handelt sich um die katholische Kirche in Nyarwele in der Region Kagera im äußersten Nordwesten von Tansania an der Grenze zu Uganda, Burundi und Ruanda. Bei dem Brand sollen Dokumente der Pfarre, Einrichtungsgegenstände, liturgische Bücher und der Stromgenerator zerstört worden sein.  

Es handelt sich bereits um den dritten Brandanschlag auf eine christliche Kirche seit Anfang des Jahres. In den vergangenen vier Monaten wurden eine Kirche der Tanzania Assemblies of God und die Kirche einer pfingstkirchlichen Gemeinde in Brand gesteckt. Im September 2015 wurden ebenfalls in Kigera innerhalb einer Woche sechs Brandanschläge auf Kirchen verübt, darunter auch die katholische Kirche von Kitundu.

“Wer meint, dass wir nicht mehr beten, wenn sie unsere Kirchen verwüsten, dann irren sie sich… in der Nähe unserer Kirche steht ein großer Baum und dort werden wir uns zum Gebet versammeln“, so Pfarrer Fortunatus Bijura, einer der Priester, der in der Kirche in Nyarwele tätig war.  Bischof Almachius Vicent Rweyongeza von Kayanga ruft unterdessen alle zur Ruhe und Zusammenarbeit mit den Behörden bei der Aufklärung des Verbrechens auf. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS)

Seit 2013 insgesamt 13 Kirchen in betroffener Provinz bei Anschlagserie zerstört. Innerhalb von nur einer Woche sind im Nordwesten Tansanias sechs Kirchen durch Brandanschläge zerstört worden. Es ist der vorläufige Tiefpunkt einer seit zwei Jahren anhaltenden Entwicklung. Örtliche Pastoren sind alarmiert, zumal die zuständigen Behörden auch die früheren Anschläge betreffend bislang keine konkreten Ergebnisse bei der Aufklärung der Straftaten vorlegen konnten.

Gewaltakte gegen alle Konfessionen gerichtet

Um vier Uhr morgens am 23. September wurde Pastor Vedasto Athanas vom Telefon geweckt. Ein Nachbar alarmierte ihn: „Deine Kirche steht in Flammen!“ Als Vedasto am Ort des Geschehens eintraf, waren Hunderte von Stühlen und Bänken, sowie 60 Tische und weiteres Material bereits in Flammen aufgegangen.

Fast zeitgleich steckten Unbekannte eine andere Kirche in Brand, und ungefähr eine Stunde später wurde in einem dritten, nur wenige Kilometer entfernten Gotteshaus ebenfalls Feuer gelegt.

Vier Tage darauf, in der Nacht vom 26. auf den 27. September, gingen weitere drei Kirchen in Flammen auf. Sie alle liegen in Bukoba, einem Bezirk von Kagera, dem nordöstlichsten Bundesstaat Tansanias am Viktoriasee. Die Übergriffe treffen ein breites Spektrum von Konfessionen: Verschiedene Pfingstkirchen sind ebenso darunter wie eine evangelische und eine katholische.

Christen fühlen sich von Behörden im Stich gelassen

Die Sekretärin der örtlichen Pastorenvereinigung sagte im Gespräch mit Open Doors: „Seit 2013 sind allein in Kagera mindestens dreizehn Kirchen angezündet worden, und die Täter laufen frei herum. Inzwischen verwenden die Täter Brandbeschleuniger, um möglichst großen Schaden anzurichten. Wir sind sehr wütend und besorgt, denn diese Entwicklung kann man nicht einfach ignorieren. Die Polizeibeamten versichern uns, dass sie weiter ermitteln, aber in keinem der Fälle sind bisher Fortschritte zu verzeichnen. Im vergangenen Februar wurden zwar einige Tatverdächtige festgenommen, aber sie wurden sehr bald wieder freigelassen. Das ist inakzeptabel!“

Tansania belegt auf dem Open Doors Weltverfolgungsindex aktuell Rang 33 unter den Ländern, in den Christen weltweit wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Open Doors verfolgt die negative Entwicklung in dem Land mit Besorgnis und führt in Zusammenarbeit mit lokalen Partnern Schulungs- und Selbsthilfe-Projekte zur Stärkung der Kirchen durch. (Quelle: Open Doors, Bild TUBS)

Das Referendum über die neue Verfassung in Tansania, das am kommenden 30. April stattfinden sollte, könnt aus organisatorischen Gründen und infolge einer Debatte über die von der Reform vorgesehene Einführung der islamischen Gerichte verschoben werden Auch die katholische Kirche hatte Kritik an der Einführung solcher Gerichte im ganzen Land geübt, die es bereits auf Sansibar gibt, wo jedoch die Mehrheit der Bevölkerung muslimisch ist. Die Islamischen Gerichte entscheiden über Familienfragen, darunter auch Ehe und Scheidung. Kirchenvertreter merkten an, dass solche Gerichte in einem säkularen Staat wie Tansania nicht vom Staat garantiert werden sollten und forderten zum Teil zum Boykott der Volksabstimmung auf. Die von der Tansanischen Bischofskonferenz vertretene offizielle Position der katholischen Kirche ist jedoch gemäßigt und beschränkt sich auf einen Hinweis darauf, dass gewisse Artikel der neuen Verfassung die Gesellschaft „in eine falsche Richtung führen“ könnten. (Quelle: Fides)

Bernadin Francis Mfumbusa ist Bischof der Diözese Kondoa im Herzen Tansanias. Seit Generationen leben dort alle Religionen friedlich zusammen. In den letzten Jahren gibt es jedoch besorgniserregende Anzeichen für das Aufkommen eines extremistischen Islam. Im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärt Bischof Mfumbusa die Hintergründe dieser Entwicklung.

Herr Bischof, Sie waren vor Kurzem anlässlich eines Jubiläums auf den Tansania vorgelagerten Inseln von Sansibar, wo der Großteil der Bevölkerung muslimisch ist. Beobachten Sie dort eine Zunahme extremistischer Tendenzen?

Ja, aber diese Bedrohung sollte im Zusammenhang gesehen werden. Denn erstens sind die Spannungen zwischen Christen und Muslimen auf Sansibar nichts Neues: Einige Muslime beanspruchen den Archipel für sich und behaupten, der Islam sei die Religion Sansibars. Zweitens ist die Radikalisierung eines bestimmten Teils der Bevölkerung von Sansibar Teil eines weltweiten Trends, also kein rein lokales Problem. Und drittens haben religiöse Spannungen immer auch eine politische Dimension, da einige Gruppen sich selbst als Verteidiger der „Werte Sansibars“ darstellen und gemeint sind damit die Werte und Prinzipien des Islams. Allerdings würde die große Mehrheit der Bevölkerung auf Sansibar lieber in Frieden leben, da Extremismus eine Gefahr für die gesamte Gesellschaft ist – nicht nur für Christen.

Haben Sie Sorge, dass solche dschihadistischen Elemente für Probleme auf dem Festland sorgen könnten?

Die Möglichkeit, dass es auf dem Festland von Tansania Probleme geben wird, ist genauso real wie in London oder New York. Im vergangenen Jahr wurde auf eine katholische Kirche in Arusha ein Bombenattentat verübt. Die Täter laufen immer noch frei herum. Kürzlich stand in der Zeitung, dass in Tanga, einer wichtigen Hafenstadt, Angehörige der Al-Shabaab-Miliz, einer militanten Organisation aus Somalia, gesehen wurden. Die größte Gefahr im Augenblick ist die Infiltrierung durch ausländische Dschihadisten und die Rückkehr tansanischer Radikaler, die außerhalb des Landes in Trainingscamps waren.

Nehmen Sie eine größere Bedrohung für Tansania wahr, jetzt da extremistische Muslime sich ihren Weg nach Mali, Nigeria, in die Zentralafrikanische Republik und andere Staaten gebahnt haben? Welche Kräfte stecken hinter diesem importierten radikalen Islam?

Tansania hat mit schätzungsweise 35 Prozent einen großen muslimischen Bevölkerungsanteil. Eine Gruppe, die auf Kisuaheli „Uamsho“ („Erwachen“) heißt, schürt die Gewalt, speziell in Sansibar. Flugblätter mit Botschaften, die sich konkret gegen Christen und christliche Einrichtungen wenden, wurden sichergestellt. Auf dem Festland wurde wenigstens ein Radiosender verboten, weil er zu religiös motivierter Gewalt anstachelte. Die Geldmittel für diese Aktivitäten scheinen aus dem Ausland zu stammen, und die Straßen werden von Medien überflutet, die Muslime zu Gewalt gegen Kafir, also Nicht-Muslime, ermutigen.

Was geschieht mit dem friedlichen Islam, der so lange charakteristisch für Afrika war?

Ein bekannter ugandischer Politikwissenschaftler, Mahmoud Mamdani, hat ein Buch mit dem Titel „Guter Moslem, böser Moslem“ geschrieben. Darin warnt er unter anderem vor der Gefahr, die Thematik zu stark zu vereinfachen. Es gibt eine extremistische Randgruppe, das ist richtig, aber die große Mehrheit der Muslime ist friedfertig.
In meiner Stadt Kondoa sind über 90 Prozent Muslime. Rund 80 Prozent meiner eigenen Familienmitglieder sind Muslime. Und bis jetzt sind wir miteinander gut ausgekommen. Das größte Problem ist der Einfluss von außen, der neue Interpretationen und sogar neue Formen der Ausübung des Islam mit sich bringt.

Wie erklären Sie den Hass einiger Muslime auf Christen und ihren Glauben?

Einige muslimische Gelehrte sagen, der Islam sei die ursprüngliche Religion Afrikas. In Wahrheit wurde der Islam im 7. Jahrhundert in Folge von Eroberungszügen nach Nordafrika gebracht und gelangte über arabische Händler nach Ostafrika. Der Hass von Muslimen auf Christen kann auf eine totalitäre Tendenz zurückgeführt werden, alle Nicht-Muslime auszulöschen. Das geschah in Nordafrika während der frühen Anfänge des Islam. Einige muslimische Anführer behaupten, Muslime würden von Christen an den Rand gedrängt. Damit begründen sie Interventionen wie vor kurzem in der Zentralafrikanischen Republik durch die muslimischen Séléka-Rebellen, deren Raubzüge unter dem Vorwand stattfanden, Muslime schützen zu wollen. Christen sind die Sündenböcke für alles, was in der muslimischen Bevölkerung nicht stimmt – und die Demagogen nutzen solche Argumente, um die Menschen in den Hass zu treiben.

Wie kann die Kirche dazu beitragen, Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen?

In Tansania gibt es auf verschiedenen Ebenen einen interreligiösen Dialog. Auf nationaler Ebene gibt es einen multikonfessionellen Ausschuss, in dem Glaubensführer aller Religionen zusammenkommen. Sogar hier in meiner Diözese in Kondoa haben wir einen Ausschuss, der sich mit interreligiösen Problemen beschäftigt. Außerdem ist die Kirche offen für alle Menschen, die ihre Einrichtungen wie Schulen, Universitäten oder Krankenhäuser nutzen möchten.

Hatten Sie selbst bereits schon einmal unter den Extremisten zu leiden?

Das Böse ist Teil des menschlichen Lebens, und niemand kann dem entgehen. Es ist leichter, von den Schrecken des Krieges, von Hass, Hunger und so weiter zu hören, wenn das in weit entfernten Ländern geschieht. Ich habe persönlich eine Tragödie durchlebt, als Pater Ambroce Mkenda am Heiligabend 2012 angeschossen und schwer verletzt wurde. Sein Verbrechen war es offensichtlich, katholischer Priester auf Sansibar zu sein. Ich kenne ihn gut, wir waren Ende der 1980er-Jahre zusammen im Priesterseminar. Tatsächlich ist es so, wie manche sagen: Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf.

Was sind Ihrer Meinung nach die besonderen Gaben des afrikanischen Katholizismus – und können diese für die Kirche im Westen von Vorteil sein?

Ich denke, eine der größten Gaben des tansanischen Katholizismus ist die Einigkeit. Trotz ethnischer, regionaler und anderer Unterschiede akzeptieren die Gläubigen beispielsweise problemlos Seelsorger und Bischöfe aus anderen Landesteilen oder anderen ethnischen Gruppen. Eine andere Gabe, die man anderenorts nachahmen könnte, sind unsere ‚Kleinen Christlichen Gemeinschaften‘, die zur kraftvollen Verkörperung der lokalen Kirche unseres Landes geworden sind.

Bernadin Mfumbusa, der Bischof der Diözese Kondoa , hat im Gespräch mit unserem Hilfswerk vor einer zunehmenden Islamisierung Tansanias gewarnt. Es sei zu beobachten, dass immer mehr Wanderprediger aus Saudi Arabien und aus dem Sudan in das ostafrikanische Land kämen und dass Muslime vermehrt politische Forderungen stellten. „In vielen Teilen des Landes sieht man mehr verschleierte Frauen als in der Vergangenheit, darunter auch kleine Mädchen. Auch verbale Aggressionen nehmen zu“, berichtet der Bischof. Es gebe zudem immer mehr Koranschulen, in denen die Schüler negativ gegen den Besuch regulärer Schulen, der in Tansania verpflichtend sei, beeinflusst würden. Gewalttätige Übergriffe seien bislang in der Diözese Kondoa jedoch nicht vorgekommen. „Wir müssen in den kirchlichen Schulen, die auch von muslimischen Schülern besucht werden, jedoch sehr sensibel und vorsichtig sein, damit es nicht zu unerwünschten Vorfällen kommt“, so Mfubusa.

Im halbautonomen Teilstaat Sansibar, dessen Bevölkerung fast vollständig muslimisch ist, sei im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes jedoch bereits die Scharia in Kraft, und es gebe Bestrebungen, sie nicht nur im Zivilrecht , so beispielsweise in Ehe- und Erbschaftsangelegenheiten, anzuwenden, sondern sie auf das Strafrecht auszuweiten. Zudem werde gefordert, die Anwendung der Scharia nicht nur auf Muslime zu beschränken, sondern das islamische Recht auf jeden Einwohner anzuwenden. Denn es bestehe sonst die Möglichkeit, dass Muslime sich der Rechtsprechung entziehen, indem sie behaupten, keine Muslime zu sein. Um dies zu verhindern, solle die Scharia für jeden Bürger gelten. „In jüngster Zeit wird immer wieder die Einführung der Scharia auch in anderen Teilen Tansanias gefordert, die nicht mehrheitlich muslimisch geprägt sind“, berichtet der Bischof. Von den 45 Millionen Einwohnern Tansanias sind etwas mehr als 12 Millionen Katholiken. Christen machen insgesamt mehr als die Hälfte der Bevölkerung aus. Knapp 31 Prozent sind Muslime.