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Entführungen und Zwangskonvertierungen von Minderjährigen, die der christlichen Gemeinschaft und anderen religiösen Minderheiten in Pakistan angehören, seien laut Sebastian Shaw, Erzbischof von Lahore, ein ernstes Problem, das die Welt nicht ignorieren dürfe. Bei einer Portugal-Reise erklärte der pakistanische Geistliche, dies sei nicht nur eine religiöse Angelegenheit, sondern auch eine Frage der Menschenrechte.

Anlässlich eines vom portugiesischen Büro von KIRCHE IN NOT (ACN) organisierten Gebetstages im Christkönigsheiligtum der Diözese Setúbal rief Erzbischof Shaw dazu auf, diese Fälle bekanntzumachen, die so viele Familien in Pakistan betreffen.

Nicht nur Mädchen werden entführt, manchmal betrifft es auch Buben. „Wir haben die Pflicht, über diese Geschehnisse zu sprechen, um diese Fälle zu verhindern“, sagte Erzbischof Shaw.

Kinder verschwinden auf dem Schulweg

„Wir haben die Pflicht, über diese Geschehnisse zu sprechen, um diese Fälle zu verhindern“, sagte der Erzbischof. Er fügte hinzu, dass „die Fälle von Entführungen, sexuellen Übergriffen, Zwangskonvertierungen und -verheiratung ein Problem in der pakistanischen Gesellschaft sind, das die Regierung zu kontrollieren versucht“.

Anders als man meinen könnte, seien davon nicht nur Mädchen betroffen. „Manchmal werden auch Jungen entführt, sexuell missbraucht und oft hinterher getötet“, erklärte Erzbischof Shaw.

„Stellen Sie sich die Lage der Eltern vor, die die Schulranzen ihrer Kinder vorbereiten, sie in die Schule schicken und sie dann nie wieder sehen, weil sie entführt wurden. Manchmal werden ihre Leichen gefunden, und sie können die Beerdigung abhalten und trauern. Aber in anderen Fällen bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als über das Verschwinden ihrer Kinder zu weinen.“

Erzbischof Sebastian Shaw.
Sebastian Shaw, Erzbischof von Lahore.

Auf die Lage aufmerksam machen, um die Zahl der Entführungen zu verringern

Die Entführung von Minderjährigen wurde in einem von KIRCHE IN NOT erstellten Forschungsbericht mit dem Titel „Hear their cries“ („Höre ihre Schreie“) thematisiert. Pakistan ist neben Mosambik, Nigeria, Ägypten, Irak und Syrien eines der Länder, in denen das Problem am größten ist.

Erzbischof Shaw dankte KIRCHE IN NOT für die Unterstützung, die es nicht nur seiner Diözese, sondern der gesamten Kirche in Pakistan gewährt hat. Er bat um weitere Hilfe bei der Aufklärung über diese Fälle, die jedes Jahr Hunderte von Menschen betreffen. „Pakistan ist ein sehr großes Land. Wenn wir von einem Problem in einem Gebiet sprechen, heißt das nicht, dass es überall auftritt. Dennoch sind diese öffentlichen Aufklärungsveranstaltungen ein wichtiger Teil der Bemühungen, die Zahl der Fälle zu verringern.“

Mit seinem Zeugnis hofft Erzbischof Shaw, mehr Menschen auf eine Wirklichkeit aufmerksam zu machen, die von der Welt so oft ignoriert wird, die aber für viele Familien in diesen Ländern wirklich dramatisch ist. „Diese Kinder können nicht einmal im Garten spielen. Wir haben die Pflicht, über diese Fälle zu sprechen, um sie zu verhindern“, sagte er.

Die 14jährige Maira Shahbaz war eines von vielen Opfern.

Dialog und Religionsfreiheit in Pakistan

Laut dem letzten Bericht über Religionsfreiheit, den KIRCHE IN NOT im April 2021 veröffentlichte, hat sich „das Problem der Entführung von christlichen und hinduistischen Mädchen in den letzten Jahren verschärft“.

„Asad Iqbal Butt, Vorsitzender der pakistanischen Menschenrechtskommission, hat darauf hingewiesen, dass sich die Zahl der Opfer seit 2018 auf 2000 Personen pro Jahr verdoppelt habe. Die Entführer würden oft von korrupten Polizisten und Gerichtsbeamten gedeckt und behaupteten, dass die Mädchen über 18 Jahre alt seien und aus freiem Willen geheiratet hätten“, heißt es in dem Bericht.

Die Lage ist ernst. Lauf dem KIRCHE IN NOT-Bericht „brachten Eltern zahlreiche Fälle zur Anzeige. Trotz Altersnachweisen mit Ausweispapieren der Mädchen scheiteten jedoch etliche Versuche seitens der Eltern, Zwangsverheiratungen und -konvertierungen zu verhindern.“

Erzbischof Sebastian Shaw sagt, dass in seiner Diözese viele dieser Probleme durch die Arbeit einer interreligiösen Gruppe angegangen würden. „Für uns ist es sehr wichtig, dass wir versuchen, diese sozialen Probleme zu lösen. Es gibt Missverständnisse, die durch Dialog überwunden werden können“, erklärte er.

Um den notleidenden  und verfolgten Christen in Pakistan weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

Zwangskonversionen zum Islam verstoßen gegen die Religionsfreiheit und den religiösen Pluralismus in Pakistan. Daher sei es dringend notwendig, rechtliche und administrative Maßnahmen einzuführen, um gegen solche Verstöße im Zusammenhang mit Zwangskonversionen, Kinderehen und Missbrauch von jungen Frauen in Pakistan vorzugehen. Dies fordern Teilnehmer einer von der Nichtregierungsorganisation „Voice for Justice“ (VFJ) in Karatschi organisierten Konferenz. Die Organisation seitzt sich für den Schutz der Menschenrechte und die Förderung von Gleichberechtigung und der Religionsfreiheit ein.

Nuzhat Shirin, Vorsitzende der „Sindh Commission on the Status of Women“, sagte: „Es ist ermutigend, dass das Oberste Gericht von Islamabad die Heirat von Kindern unter 18 Jahren für illegal erklärt hat. Die hohe Zahl der Kinderehen in Pakistan ist auf Armut, soziale Normen, Traditionen und Bräuche sowie religiöse Fehlvorstellungen zurückzuführen. Darüber hinaus hat auch das pakistanische Scharia-Gericht entschieden, dass die Festlegung eines gesetzlichen Mindestalters für die Eheschließung nicht gegen den Islam verstößt, was den Weg für die Abschaffung von Eheschließungen für unter 18-Jährige auch in Pakistan ebnet“.

Während die Christen und Frachenrechtsaktivistin fordert, dass Zwangskonvertierung zum Islam muss „nicht nur als religiöse Angelegenheit, sondern als Menschenrechtsfrage dargestellt werden“, betont Naghma Shaikh, ebenfalls eine Frauenrechtsaktivistin: „Die mangelnde Umsetzung der bestehenden Gesetze ist nach wie vor ein ernsthaftes Hindernis. Es ist bedauerlich, dass die Täter für ihre Verbrechen oft straffrei ausgehen“. Nach Ansicht von Seemi Emmanuel ist der Staat offensichtlich nicht in der Lage, die bestehenden Gesetze über Entführungen und Zwangsehen im Kindesalter umzusetzen und durchzusetzen, wenn die Opfer religiösen Minderheiten angehören. Der Menschenrechtsaktivist Humayun Waqas sagt:“Das Recht der Bürger auf Religionsfreiheit ist in Artikel 20 der pakistanischen Verfassung garantiert; es ist illegal und unmoralisch, sie durch Drohungen, Zwang oder Manipulation zum Wechsel ihres Glaubens zu zwingen“.
Der Präsident von „Voice for Justice“ Joseph Jansen, ist der Ansicht, dass „das Fehlen einer angemessenen institutionellen Antwort das Phänomen der Zwangskonvertierung und der Zwangsehe begünstigt, insbesondere zum Nachteil von Frauen, die religiösen Minderheiten angehören“.

Zu diesem Zweck fordert VFJ die Regierung auf, entsprechende Maßnahmen auf den Weg zu bringen, um die Rechte von Minderheiten zu schützen, zu fördern und zu respektieren und dazu einen entsprechenden Gesetzesentwurf in den Bundes- und Provinzparlamenten vorzulegen, um sicherzustellen, dass das Mindestalter für die Eheschließung auf 18 Jahre festgelegt wird. Ein Expertenausschuss soll den Gesetzesentwurf zur Einführung von Garantien gegen erzwungene religiöse Konversionen prüfen und darüber hinaus, so die NRO, ist es notwendig, eine Kampagne zu fördern, um die Öffentlichkeit zur Unterstützung des Gesetzentwurfs gegen Zwangskonvertierungen zu bewegen, und darauf hinzuwirken, dass Gerichtsurteile zu den Phänomenen Zwangskonvertierung und Zwangsheirat unabhängig, unparteiisch und zeitnah ergehen und die Schuldigen vor Gericht gestellt werden. (Quelle: Fidesdienst)

Die mangelnde Gewährleistung von „Grundrechten religiöser Minderheiten in Pakistan ist besorgniserregend, wie sich im Bereich der Blasphemievorwürfe, bei religiösen Konversionen, bei der Umsetzung von Arbeitsnormen und im Bildungssektor zeigt“, heißt es in einem Bericht des Zentrums für soziale Gerechtigkeit (Center for Social Justice, CSJ), der die soziale, politische und religiöse Situation der nicht-muslimischen Gruppen in der pakistanischen Gesellschaft untersucht. In dem Bericht umreißt der CSJ unter der Leitung des katholischen Laien Peter Jacob die die Situation im Jahr 2021 und konzentriert sich dabei auf vier wichtige Aspekte der Verstöße gegen die Religionsfreiheit in Pakistan: den Missbrauch der Blasphemiegesetze; die Zunahme von Zwangskonversionen; die umstrittene Zählung religiöser Minderheiten; die Probleme bei der Reform des Bildungssystems.

Was den ersten Punkt anbelangt, so stellt der Bericht fest, dass der Missbrauch des Blasphemiegesetzes auch im Jahr 2021 anhält. Mindestens 84 Personen wurden auf der Grundlage der so genannten „Blasphemieparagraphen“ angeklagt. Drei Menschen wurden in diesem Zusammenhang außergerichtlich ermordet, darunter der srilankische Staatsangehörige Priyanka Kumara, der in Sialkot durch Lynchjustiz ums Leben kam. Diese Zahlen beruhen auf Fällen, über die in den Medien berichtet wurde und die vom Zentrum für soziale Gerechtigkeit überprüft wurden. „Diese Daten sind jedoch aufgrund der begrenzten Mittel und der Häufigkeit der Vorfälle nicht erschöpfend, so dass die Zahl der Opfer wesentlich höher sein könnte“, berichtet das Zentrum.

Im Jahr 2021 wurden die meisten Fälle in Sheikhupura (13) verzeichnet, gefolgt von Lahore (11) und Kasur (10), allesamt Bezirke des Nord-Punjab. Insgesamt 80 % der Fälle wurden im Jahr 2021 in der Provinz Punjab verzeichnet. Die meisten Opfer von Blasphemie (45) gehören dem muslimischen Glauben an, gefolgt von Ahmadis (25), während sieben Fälle gegen Hindus und sieben gegen Christen vorgegangen wurde. „Es ist jedoch dabei zu bedenken, dass die christlichen und hinduistischen Minderheiten zusammen nur 3,5 % der Bevölkerung ausmachen. Und das Vorhandensein von Missbrauch, Drohungen und Gewalt hat schwerwiegende Auswirkungen auf das Leben dieser Gemeinschaften“, stellt der CSJ-Bericht fest. Die Organisation fordert in diesem Zusammenhang die Regierung auf, Gesetze zu verabschieden, die einen besonderen Schutz gegen den Missbrauch der Blasphemiegesetze bieten, und die Täter, die zu Unrecht der Blasphemie beschuldigt oder außergerichtlich getötet werden, strafrechtlic h zu verfolgen.

Der zweite Aspekt betrifft die Häufigkeit von Zwangskonversionen von Frauen und Mädchen. Obwohl die Regierung diesbezüglich eine „parlamentarische Ad-hoc-Kommission“ eingesetzt hat, stieg die Zahl der Vorfälle im Jahr 2021 auf mindestens 78 gemeldete Fälle (39 Fälle mit Hindu-Mädchen, 38 mit christlichen Mädchen oder Frauen und ein Sikh). Die meisten Fälle (40) wurden aus der Provinz Sindh gemeldet, gefolgt von 36 aus dem Punjab, während aus Khyber Pakhtunkhwa und Belucistan jeweils ein Fall gemeldet wurde.

Laut CSJ ist der Anstieg nicht zuletzt auch auf die Straffreiheit zurückzuführen, die die Wahrscheinlichkeit von Verbrechen gegen die schwächsten und verletzlichsten Menschen erhöht. „Angesichts der Untätigkeit der Regierung nutzen die Täter den Vorwand der religiösen Bekehrung, um Verbrechen wie die Entführung von Mädchen religiöser Minderheiten zu vertuschen“, stellt der CSJ fest.

Der dritte Punkt des Berichts, betrifft die umstrittene Volkszählung, die 2017 in Pakistan durchgeführt wurde und deren endgültige Ergebnisse erst im im Jahr 2021 bekannt gegeben wurden. Nach den Ergebnissen der Volkszählung sank der Anteil der religiösen Minderheiten an der Bevölkerung von 3,73 % im Jahr 1998 auf 3,52 % im Jahr 2017 (ein Rückgang von 0,21 % in 19 Jahren). Angesichts des allgemeinen Bevölkerungswachstums ist diese Entwicklung der religiösen Minderheiten erstaunlich asymmetrisch. Die christliche Bevölkerung ist den Angaben zufolge um 0,32 % zurückgegangen. Der CSJ fordert die Regierung auf, im April 2023 eine weitere Volkszählung durchzuführen, um eine ordnungsgemäße Vorbereitung mit einer angemessenen Sensibilisierungskampagne für die notwendige Registrierung zu ermöglichen. Man müsse, die „Kultur der Geheimhaltung“ bei der Datenverarbeitung überwinden, „um das Vertrauen in allen Teilen der Bevölkerung zu stärken“, heißt es in dem Bericht.

Im vierten und letzten Punkt erinnert der Bericht an den die Einführung eines einheitlichen staatlichen Lehrplans für die Klassenstufen 1 bis 5 für das Jahr 2021. „Der allgemeine pädagogische Ansatz hat das öffentliche Bildungswesen dem Religionsunterricht in den Madrassas (Koranschule) angenähert“, stellt der CSJ fest, wobei „der Inhalt des Unterrichts stark von Lektionen über die islamische Religion geprägt ist, die nicht zur religiösen Toleranz und zum sozialen Zusammenhalts beitragen“, prangert der CSJ an.

Die Schulbücher in den staatlichen Schulen verstoßen damit nach Ansicht der Autoren des Berichts gegen Artikel 22 der pakistanischen Verfassung, der garantiert: „Niemand, der eine Bildungseinrichtung besucht, darf verpflichtet werden, Religionsunterricht zu erhalten, an einer religiösen Zeremonie teilzunehmen oder einem religiösen Gottesdienst beizuwohnen, wenn sich dieser Unterricht, diese Zeremonie oder dieser Gottesdienst auf eine andere Religion als die eigene bezieht“.
„Schüler religiöser Minderheiten erhalten während der Schulzeit keinen Unterricht in der eigenen Religion“, während vor dem Obersten Gerichtshof Pakistans mehrere Klagen zu diesem Thema anhängig seien, heißt es in dem Bericht, der die Behörden auffordert, Artikel 22 der pakistanischen Verfassung zu respektieren.

Der CSJ stellt abschließend dazu fest, dass das 2020 geänderte Gesetz über die Lehrpläne und Schulbücher in Punjab („Punjab Curriculum and Textbook Board Act“) die Ziele der „öffentlichen Bildung“ mit denen der „religiösen Bildung“ verwechsele und erinnert daran, dass das Schulministerium der Provinz Punjab die Einstellung von 70.000 Islamlehrern angekündigt hat, obwohl es einen großen Mangel an Lehrern für Mathematik, Naturwissenschaften und Sozialwissenschaften gibt. (Quelle: Fidesdienst)

„Gewalt gegen Christinnen ist Waffe im Krieg gegen religiöse Minderheiten“. Co-Autorin von KIRCHE IN NOT-Fallstudie schildert zunehmende Übergriffe. KIRCHE IN NOT (ACN) hat eine Dokumentation veröffentlicht, die sich der zunehmenden Gewalt gegen christliche Frauen in zahlreichen Ländern der Welt widmet. Sie trägt den Titel „Hört ihre Schreie. Entführung, Zwangskonversion und sexuelle Ausbeutung christlicher Frauen und Mädchen“.

Christinnen aus Ägypten, Syrien, Irak, Pakistan und Nigeria schildern darin ihre Schicksale. „Kirche in Not“ stellt fest, dass Entführungen, Zwangsverheiratungen und   -konversionen zunehmen. Zu den Co-Autorinnen der Fallstudie gehört die US-amerikanische Menschen- und Frauenrechtsexpertin Michele Clark. Sie hat sich vorrangig mit der Situation koptischer Christinnen in Ägypten beschäftigt. Clark lehrt an der „Elliot School of International Affairs“ in Washington.

KIRCHE IN NOT: Ist die Gewalt gegen christliche Frauen ein verhältnismäßig neues Phänomen oder hat es die Öffentlichkeit bislang zu wenig beachtet?

Michele Clark: Das ist leider kein neues Phänomen. Aber die Attacken auf Christinnen haben zugenommen – und ja, es hat mit Religion zu tun. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Übergriffe sehr genau geplant werden. Sie haben Methode. Es werden mehr Fälle registriert. Aber es gibt auch eine hohe Dunkelziffer. Der Bericht von KIRCHE IN NOT dokumentiert einige dieser bekannten Fälle stellvertretend für viele andere.

Die Mehrheit der Täter sind radikale Islamisten. Ist die Gewalt an Christinnen eine Strategie, um ihre Familien zu zerreißen?

Es zerreißt nicht nur Familien. Gewalt gegen Christinnen ist eine Waffe im Zermürbungskrieg gegen religiöse Minderheiten. Das hat auch mit der Struktur des islamischen Rechts zu tun. Wenn eine christliche Frau zur Konversion gezwungen wird oder mit einem Muslim verheiratet wird, ist es für sie unmöglich, wieder ihren christlichen Glauben anzunehmen – selbst wenn sie sich befreien kann oder aus der Ehe entlassen wird. Wenn die Frau Kinder hat, werden die Kinder für immer Muslime bleiben. Eine wachsende Zielgruppe, die wir dokumentieren konnten, sind Mütter mit ihren Kindern. Man nimmt nicht nur eine Person aus der christlichen Volksgruppe heraus, sondern eine Mutter und mit ihr die Nachkommen.

Wie kam es zu Ihrer Mitwirkung der Dokumentation „Hört ihre Schreie“ von KIRCHE IN NOT?

Ich habe mich in meiner beruflichen Laufbahn auf internationale Menschenrechte und Frauenrechte konzentriert. Ich habe besonders mit jungen Mädchen gearbeitet, die durch politische, religiöse oder andere Umstände traumatisiert wurden. Ein Kollege bat mich um Unterstützung, um mehr über das Schicksal koptischer Christinnen in Ägypten zu erfahren. Ich habe dort Frauen getroffen, die entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion gezwungen worden waren. Bislang gab es darüber nur einzelne Erzählungen, aber keine wissenschaftliche Aufarbeitung. Meine Begegnungen sind dann in zwei Berichte eingeflossen, die auch in Ausschüssen des US-Kongresses aufgegriffen wurden. Das hat der Situation der Christinnen in Ägypten mehr Sichtbarkeit gegeben.

Können Sie uns einige spezifische Fälle nennen, mit denen sie zu tun hatten?

Was mich bei meinen Recherchen sehr berührt hat, war der Einsatz der Väter für ihre verschleppten Töchter. Ein Mann erzählte mir, er haben eines Tages einen anonymen Anruf erhalten: „Pass auf deine Tochter auf, wir beobachten euch!“ Der Mann wusste, dass das nicht nur eine leere Drohung ist. Er hat daraufhin seine Tochter sogar aus der Schule genommen und sie nicht mehr allein aus dem Haus gelassen. Zwei oder drei Wochen nach dem Anruf bat die Tochter ihre Mutter, sie doch zum Markt gehen zu lassen. Der war nur ein paar hundert Meter von ihrem Haus entfernt. Seitdem wurde die Tochter nicht mehr gesehen. Der Familienvater hat mehrfach Anrufe von den Entführern erhalten. Er hat Mitschnitte gemacht und ist zur Polizei gegangen. Aber nichts ist passiert. Er hat keinerlei Unterstützung erhalten.

Aber sie haben nicht nur Fälle aufgedeckt, in denen Mädchen verschleppt wurden. Manchmal wurde diese auch unter Vorspiegelung falscher Tatsachen in die Hände der Täter getrieben.

Es gibt verschiedene Fälle von jungen Christinnen, die aus zerrütteten Familien kommen. Das Mädchen hat eine Freundin aus der muslimischen Nachbarschaft, die sagt zu ihr: „Mein Bruder mag dich, er würde dich gern öfter treffen.“ Darauf beginnt das Mädchen eine Beziehung. Doch manchmal führt sie auch in eine Falle: Der Mann lädt das Mädchen zu sich nach Hause ein. Dort wird sie missbraucht. Dieser Missbrauch katapultiert den Fall auf eine ganz andere Ebene: Wenn die junge Frau aus einem konservativen Elternhaus kommt, gilt sie als unehrenhaft und kann nicht mehr nach Hause zurückkehren. Oder die Frau wird missbraucht und zu einer Eheschließung und dem damit verbundenen Glaubenswechsel gezwungen. Was für sie mit einer schönen Beziehung begonnen hat, wird zum Albtraum. Dieses „Loverboy-Phänomen“ ist gut untersucht und dokumentiert.

Der Bericht „Hört ihre Schreie“ von KIRCHE IN NOT stellt fest, dass über verschleppte und zwangsverheiratete Frauen zu wenig berichtet wird. Das ist überraschend angesichts der Sensibilität für Geschlechter-Fragen. Woher kommt diese Zurückhaltung?

Ich denke, ein Grund dafür ist, dass es um Religion geht. Zudem sind beim westlichen Feminismus Religion und Emanzipation nicht immer die harmonischsten und verständnisvollsten Partner. Auch gibt es eine Neigung, sich mit Urteilen gegenüber anderen Religionen und Kulturen zurückzuhalten. Da ist die Ablehnung sehr schnell, und es ist schwierig, dem mit Beweisen beizukommen.

Die Fallstudie richtet sich besonders an Politiker. Was können sie tun?

Die Politiker sollten sicherstellen, dass für diejenigen, die religiöse Gewalt erlebt haben, ein sicherer Raum geschaffen wird. Das betrifft auch die Asylbestimmungen. Es gab eine Zeit, da wurde zum Beispiel bei der Gewalt gegen koptische Christinnen in Ägypten von „mutmaßlichen Fällen“ gesprochen. Doch diese Fälle sind belegbar. Je mehr Politik und Medien erkennen, dass wir von tatsächlichen Fällen und von berechtigten Interessen sprechen, desto mehr Gewicht hat die Berichterstattung. Es wird zunehmend evident, dass es sich um eine reale Bedrohung handelt. Grund genug für einen öffentlichen Aufschrei. 

Die Broschüre „Hört ihre Schreie“ kann in unserem Shop bestellt werden: … zur Bestellung

Radikale Hindus beschuldigen zwei Ordensschwestern illegaler Konversionen in Indien. Ein neuer, Ende Oktober veröffentlichter Bericht verschiedener christlicher Nichtregierungsorganisationen mit dem Titel „Christians Under Attack in India“ (Christen unter Beschuss in Indien) verzeichnet für das Jahr 2021 bisher 300 Übergriffe auf Christen. In einem Fall wurden zwei katholische Ordensschwestern von einem Mob, der sie illegaler Konversionen beschuldigte, gewaltsam zu einer Polizeistation geschleppt. KIRCHE IN NOT sprach mit den Schwestern.

Die beiden katholische Schwestern stehen noch immer unter Schock, nachdem sie an einer Bushaltestelle von einem Hindu-Mob gepackt und zu einer Polizeistation in Bhopal im Bezirk Mau im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh gebracht wurden.

Schwester Monteiro, die den Ursulinen-Franziskanerinnen angehört, war mit ihrer Begleiterin Schwester Roshi Minj, die ihren kranken Vater im ostindischen Bundesstaat Jharkhand besuchen wollte, gerade an einer Bushaltestelle angekommen, als sich der Vorfall ereignete.

„Als ich Schwester Minj abgesetzt hatte und wieder in unseren Jeep stieg, begann eine Gruppe von Hindu-Männern, den Fahrer zu beschimpfen und versuchte, ihn aus seinem Sitz zu zerren“, berichtete Schwester Monteiro gegenüber KIRCHE IN NOT (ACN) und fügte hinzu: „Ich stehe immer noch unter Schock. Ich schritt ein, um dem Fahrer zu helfen, und fragte die Männer, was sie wollten und warum sie uns belästigten. Sie schrien uns an und beschuldigten uns, einen Hindu zum Christentum bekehrt zu haben“, sagte sie.

„Bald darauf entdeckten sie Schwester Minj, zerrten sie ebenfalls gewaltsam von der Bushaltestelle weg und brachten uns zur nahe gelegenen Polizeistation.“ Während sie zur Polizeiwache gebracht wurden, skandierte der Mob antichristliche Slogans. 

Die Schwestern wurden gezwungen, mehr als sechs Stunden auf der Polizeiwache zu bleiben.  Erst am Abend wurden sie nach dem Eingreifen höherer Beamter freigelassen. Nach Angaben der Nonnen wurden sie von den Polizeibeamten nicht schikaniert, sondern mussten offenbar wegen der Bedrohung durch den Hindu-Mob warten, der draußen Wache hielt und Maßnahmen gegen sie wegen angeblich illegaler religiöser Konversion forderte. 

Uttar Pradesh, der bevölkerungsreichste Bundesstaat Indiens, hat im November 2020 die Konversion durch eine Verordnung verboten, die im Februar dieses Jahres von der Staatsversammlung in Kraft gesetzt wurde. Das Gesetz sieht bis zu 10 Jahre Gefängnis für religiöse Bekehrung durch Verlockung, Gewalt, Nötigung und Betrug sowie andere illegale Mittel vor. 

Uttar Pradesh ist der jüngste von acht indischen Bundesstaaten, in denen es solche Gesetze zur Regelung der religiösen Konversion gibt. Kirchenführer stellen die Rechtmäßigkeit dieser Gesetze in Frage und werfen ihnen vor, dass sie gegen die indische Verfassung verstoßen, die es den Bürgern erlaubt, der Religion ihrer Wahl zu folgen und diese frei zu verbreiten.

„Wir haben nichts Falsches oder Illegales getan, und doch wurden wir in aller Öffentlichkeit gewaltsam zur Polizeiwache gebracht. Das ist ziemlich schockierend, und wir hätten uns eine solche Situation nie im Leben vorstellen können“, sagte Schwester Monteiro, die seit 21 Jahren Ordensschwester ist und derzeit als Direktorin in einer von der Kirche betriebenen Sekundarschule arbeitet. 

„Niemand würde eine solche Behandlung in der Öffentlichkeit erwarten. Die Männer umzingelten uns, als wären wir asoziale Elemente“, sagte Schwester Minj gegenüber KIRCHE IN NOT.  „Als sie mich zwangen, sie zu begleiten, dachte ich zuerst, dass Schwester Monteiro etwas zugestoßen sein musste, aber als ich sie erreichte, sah ich, dass der Mob auf die Christen schimpfte und uns der religiösen Bekehrung beschuldigte.“

„Eines ist sicher: Das Leben der christlichen Missionare, insbesondere das der Schwestern mit ihren Ordensgewändern, wird in Uttar Pradesh nicht mehr dasselbe sein“, so Schwester Minj, die ausgebildete Krankenschwester ist.
Uttar Pradesh wird derzeit von dem asketischen Hindu Yogi Adityanath regiert, einem Mitglied der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP). Seit Adityanaths Amtsantritt im März 2017 wurden in Uttar Pradesh 384 Übergriffe auf Menschen, die der christlichen Minderheit angehören, verzeichnet. Muslime sind ähnlichen Angriffen von einflussreichen radikalen Hindu-Gruppen ausgesetzt, die stillschweigend von staatlichen Stellen unterstützt werden.

„Ich kümmere mich jeden Tag ohne zu zögern um einige Patienten, aber die Dinge haben sich nach diesem Vorfall sehr verändert“, sagt Schwester Minj und fügt hinzu, dass „wir unsere Mission fortsetzen werden, trotz aller Herausforderungen und Anfechtungen“.

Am gleichen Tag, an dem die Schwestern festgenommen wurden, verhaftete die Polizei auch sieben Protestanten, darunter drei Frauen, und bezeichnete ihr Gebetstreffen als eine Zeremonie für illegale religiöse Konversionen. Es ist wahrscheinlich, dass der hinduistische Mob zunächst vermutete, dass die Schwestern Menschen zu dem Treffen bringen wollten.

Christen machen nur 0,18 Prozent der 200 Millionen Einwohner des Bundesstaates Uttar Pradesh aus, doch extremistische Hindu-Gruppen greifen die Gläubigen immer wieder wegen angeblicher religiöser Bekehrungen an und stören häufig Gebetstreffen und andere Aktivitäten.

Anti-Konversionsgesetze schüren Gewalt gegen religiöse Minderheiten. In Zentralindien nehmen Diskriminierung und Gewalt gegen Christen weiter zu, nachdem nationalistische Hindus ihre Kampagnen zur „Rückbekehrung“ der einheimischen Bevölkerung intensiviert haben. „Die Menschen sind verängstigt, weil radikale Hindu-Gruppen Druck auf die einheimischen Christen ausüben, damit sie ihren Glauben aufgeben“, erklärt der Priester Rocky Shah gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN). Shah ist Öffentlichkeitsbeauftragter der Diözese Jhabua im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Dort machen die Christen weniger als ein Prozent der rund 71 Millionen Einwohner aus.

Von Seiten fanatischer Hindus seien Kampagnen gegen Seelsorger der verschiedenen christlichen Konfessionen gestartet worden, berichtet Shah. „Sie drohen auch mit dem Abriss unserer Kirchen unter dem falschen Vorwand, diese seien illegal auf dem Land der Ureinwohner errichtet worden.“ Nachdem es sogar zu konkreten Abrissplänen gekommen war, habe sich jedoch die Bezirksverwaltung schützend vor die christliche Minderheit gestellt: „Sie haben über 300 Polizisten geschickt, um unsere Kathedrale in Jhabua und andere kirchliche Einrichtungen zu schützen.“

Bis zu zehn Jahre Haft für Religionswechsel

Doch nicht immer können die Christen auf Beistand des Staates hoffen. Im Bundesstaat Madhya Pradesh ist im Januar 2021 ein sogenanntes Anti-Konversionsgesetz in Kraft getreten. Es sieht bis zu zehn Jahre Gefängnis für Personen vor, die zum Christentum oder zum Islam konvertieren. Ein Übertritt von anderen Religionen zum Hinduismus ist jedoch jederzeit möglich.

Madhya Pradesh ist einer von derzeit acht der 28 indischen Bundesstaaten, die Anti-Konversionsgesetze verabschiedet haben. Anderorts sind ähnliche Vorschriften geplant. In diesen Regionen ist die Bharatiya Janata Party (BJP) in der Mehrheit, die mit Narendra Modi auch den Chef der Zentralregierung in Neu-Delhi stellt. Die BJP fährt seit Jahrzehnten einen strikt nationalistischen Kurs. Der Hinduismus gilt ihr als integraler Bestandteil der indischen Nation; andere Religionen als schädliche ausländische Einflüsse. Ausnahmen billigen die Anhänger der BJP lediglich den Anhängern der animistischen Stammesreligionen zu.

Als Ministerpräsident Modi Ende Oktober Papst Franziskus im Vatikan besuchte, stellte ein Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen den Bericht „Christians under attack in India“ (Angriffe gegen Christen in Indien) vor. Der Bericht verzeichnet allein für das laufende Jahr bislang über 300 Vorfälle antichristlicher Gewalt in Indien.

„Rückbekehrungszeremonien“ und Anklagen wegen missionarischer Tätigkeit

Auch im Bundesstaat Madhya Pradesh bekamen die Christen die Folgen zu spüren, nachdem das Anti-Konversionsgesetz verabschiedet war. Rocky Shah berichtet: „Mehr als ein Dutzend Christen wurde inhaftiert. Selbst ein Akt der christlichen Nächstenliebe kann als Bekehrungsversuch gewertet werden.“

Auch würden vermehrt einheimische Christen vor die Behörden geladen, um nachzuweisen, dass sie unter Zwang missioniert worden seien. In der Region seien aktuell 56 christliche Priester, Pastoren und Gemeindeleiter wegen mutmaßlicher illegaler Bekehrungsversuche angeklagt. „Wir werden mit den Behörden zusammenarbeiten. Wir haben nichts zu verbergen. Die Wahrheit wird nach der Untersuchung ans Licht kommen“, zeigt sich der Priester Rocky Shah „Kirche in Not“ gegenüber zuversichtlich.

Adventslieder reichten für Inhaftierung und Anklage

Welche Wirkung der Vorwurf der Zwangs-Missionierung haben kann, zeigt der Fall des Priesters George Mangalapilly, ebenfalls aus dem Bundesstaat Madhya Pradesh. Er war Ende September nach vier Jahren juristischer Auseinandersetzung vom indischen Supreme Court in letzter Instanz freigesprochen worden. Der Vorwurf an ihn lautete: Religiöse Zwangskonversion durch das Abhalten einer Adventsfeier. Der Vorfall hatte sich bereits am 14. Dezember 2017 ereignet.

Gegenüber „Kirche in Not“ schildert Mangalapilly, was damals passiert war: „Ich fuhr mit einem anderen Priester und 32 Priesterseminaristen in das Dorf Bhumakahar. Wie schon in den Vorjahren hatten wir mithilfe der Dorfbewohner ein Adventsprogramm organisiert. Die Veranstaltung war fast vorbei, als eine Gruppe von Leuten auftauchte, die Zusammenkunft unterbrach, uns beschimpfte und versuchte, einige Seminaristen zu schlagen.“

Bei den Personen habe es um radikale Hindus gehandelt. „Sie warfen uns vor, die Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Außerdem sei die Feier von den Behörden nicht genehmigt.“ Die alarmierte Polizei führte die Gruppe aus Priestern und Seminaristen – insgesamt über 40 Personen – ab und sperrte sie über Nacht in einen kleinen Raum in der Polizeistation. Erst gegen Kaution wurde die Gruppe freigelassen.

Angst vor Auflösung der traditionellen Gesellschaftsordnung

Schließlich wurde Anklage gegen George Mangalapilly erhoben. Grundlage war das Religionsfreiheitsgesetz (Freedom of Religion Act) des Bundesstaates Madhya Pradesh, das bereits vor dem neuen Anti-Konversionsgesetz in Kraft war. Demnach ist missionarische Tätigkeit mithilfe von Zwang verboten. Offen bleibt, was unter Zwang fällt und was nicht. Der Priester durchlebte eine schwere Zeit, berichtet er gegenüber „Kirche in Not“: „Ich musste viele Gerichtsverhandlungen durchstehen.“ Letztlich sei die Anklage aber haltlos gewesen.

Sein Fall wegen einer Adventsfeier sei außergewöhnlich, aber kein Einzelfall. „Solche Christenverfolgungen sind nichts Neues“, erklärte Mangalapilly. Ursache für Attacken und Anschuldigungen gegen Christen sei schlicht die Angst vor einer Auflösung der traditionellen Gesellschaftsordnung, die radikalen Hindus sakrosankt ist. Die Kirche aber stehe auf Seiten der unterdrückten Menschen: „Wir bringen Menschen das Lesen und Schreiben bei. Und natürlich haben einige Menschen Angst, dass die Unterdrückten auf ihre Rechte pochen, wenn sie Bildung erhalten.“

„Wir müssen uns alle zusammenschließen, um den vorgeschlagenen Gesetzesentwurf zum Schutz von Frauen religiöser Minderheiten vor Zwangsbekehrungen durchzusetzen. Wir wollen nicht nur, dass dieser Vorschlag Gesetz wird, sondern auch, dass er umgesetzt wird. Die Ablehnung des Gesetzentwurfs zur Verhinderung von Zwangskonvertierungen ist ein Verstoß gegen die Menschenrechte. Diese Ablehnung hat unsere Gefühle verletzt, insbesondere die von Frauen, die religiösen Minderheiten in Pakistan angehören. Es liegt in der Verantwortung des Staates, seinen Bürgern, insbesondere Frauen und Kindern, Schutz zu gewähren, wenn ihr Leben und ihr Seelenfrieden bedroht sind“, so Tabassum Yousaf, eine katholische Anwältin aus Kartschi, gegenüber Fides. Sie unterstützt die Protestkampagne nach der Ablehnung des Gesetzentwurfs zum Schutz gefährdeter Frauen die dem Phänomen der Entführung und Zwangskonvertierung ausgesetzt sind.

Tabassum Yousaf im Karachi Press Club an einer Protestaktion teilnahm betont in diesem Zusammenhang: „Es gibt bereits das Gesetz gegen Kinderheirat, das die Heirat von Kindern unter 18 Jahren verbietet; aber wenn ein minderjähriges Mädchen, das einer religiösen Minderheit (Christen oder Hindus) angehört, entführt und gewaltsam konvertiert und gezwungen wird, einen Mann zu heiraten, der zwei oder drei Mal so alt ist wie sie, wird dieses Gesetz nicht angewandt. Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass das Gesetz nicht ordnungsgemäß umgesetzt wird, wenn es um nicht-muslimische Frauen geht. Es handelt sich um eine selektive Anwendung des Gesetzes. Das ist eine schwerwiegende Diskriminierung“.

Der Christ Shabir Shafaqat, Vorsitzender der Christian National Party, der den Protest im Karachi Press Club gegen die Ablehnung des Gesetzes anführte, erklärt gegenüber Fides: „Wir kämpfen für unsere Grundrechte und appellieren an den Premierminister, die Justiz und den Chef der pakistanischen Armee, den Schutz unserer Frauen vor Entführungen zum Zweck der Zwangskonvertierung und Zwangsverheiratung zu gewährleisten“. Er stellt dabei fest: „Christen und Hindus fühlen sich unsicher, weil die Zahl der Entführungen von Mädchen im Teenageralter, die religiösen Minderheiten in Pakistan angehören, zum Zweck der Zwangsverheiratung und Zwangskonvertierung rapide zunimmt. Der Staat muss eingreifen“.

Verschiedene Minderheitsaktivisten haben für den 13. November 2021 neue friedliche Proteste in verschiedenen Städten Pakistans angekündigt. Am 13. Oktober 2021 lehnte die parlamentarische Kommission für Zwangsbekehrungen einen vom Ministerium für Menschenrechte einen Gesetzentwurf zum Schutz vor Zwangsverheiratung und –bekehrung von Frauen und Mädchen aus religiösen Minderheiten als „unislamisch“ ab.

Der Artikel 3 des Gesetzentwurfs besagte, dass jeder Nicht-Muslim, der zu einer anderen Religion konvertieren will, eine „Konversionsbescheinigung“ beim erstinstanzlichen Richter des Gebiets beantragen soll, in dem er seinen gewöhnlichen Wohnsitz hat oder seine Tätigkeit ausübt. Der Richter muss den Termin für die Anhörung innerhalb von sieben Tagen nach Eingang des Antrags festlegen, und an dem angegebenen Tag muss Personal anwesend sein, um sicherzustellen, dass die religiöse Konversion aus freien Stücken und nicht aufgrund von Zwang, Täuschung oder betrügerischen Angaben erfolgt. Zudem soll der Richter auf Antrag des nicht-muslimischen Bürgers Treffen mit Gelehrten oder religiösen Führern der Religion, zu der die Person konvertieren möchte, organisieren können und er soll eine Frist von 90 Tagen gewähren, um eine vergleichende Aufklärung über die entsprechenden Religionen durchzuführen. Schließlich wird davon ausgegangen, dass der nicht-muslimische Bürger nur aufgrund der vom Richter ausgestellten „Konversionsbescheinigung“ offiziell seinen Glauben wechseln soll. In Artikel 4 des Gesetzentwurfs zum Verbot der Zwangskonvertierung heißt es dazu: „Wer eine Person mit krimineller Gewalt zu einer anderen Religion bekehrt, begeht das Verbrechen der Zwangskonvertierung und wird mit einer Strafe von mindestens fünf und höchstens zehn Jahren und einer Geldstrafe von mindestens 100.000 pakistanischen Rupien bestraft“. In Artikel 6 des Gesetzentwurfs heißt es, dass niemand die Religion wechseln kann, bevor er oder sie volljährig ist, und wenn ein Minderjähriger behauptet, die Religion gewechselt zu haben, bevor er oder sie die Volljährigkeit erreicht hat, wird diese Erklärung nicht als gültig angesehen. (Quelle: Fidesdienst)

Pater George Mangalapilly, ein indischer Priester, ist kürzlich vom Tatvorwurf der „religiösen Zwangskonvertierung“ freigesprochen worden. Am 14. Dezember 2017 wurde er zusammen mit 32 Seminaristen (Theologiestudenten) von einer Gruppe radikaler Hindu-Extremisten angegriffen, als er im Dorf Bhumkahar, Jawahar Nagar im Bundesstaat Madhya Pradesh, Weihnachtslieder sang. Sie wurden zur Polizeiwache gebracht und noch in derselben Nacht wurde Anzeige gegen Pater George erstattet. Erst im September dieses Jahres wurde er nach vier Jahren juristischer Auseinandersetzungen vom Obersten Gericht Indiens freigesprochen. In einem Interview mit dem internationalen katholischen Hilfswerk und der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) spricht er darüber.

KIRCHE IN NOT: Können Sie die Ereignisse an jenem Tag im Dezember 2017 beschreiben?

Wir – zwei Priester und 32 Seminaristen, Theologiestudenten – waren ins Dorf Bhumkahar, Jawahar Nagar gefahren, das etwa 16 Kilometer vom Seminar entfernt ist. Wie schon in den vorhergehenden Jahren, hatten wir mithilfe der Dorfbewohner ein Weihnachtsprogramm mit verschiedenen kulturellen Aktivitäten organisiert. Die Veranstaltung war schon fast vorbei, als eine Gruppe von Leuten auftauchte, die Zusammenkunft unterbrach, Schimpfwörter benutzte und versuchte, einige unserer Seminaristen zu schlagen. Sie befahlen uns, aufzuhören, und sagten, wir bräuchten eine offizielle Genehmigung für eine solche Veranstaltung. Einige Minuten später trafen mehrere Polizisten aus der Stadt ein, die uns anwiesen, die Veranstaltung abzubrechen, und uns alle auf die Polizeiwache brachten.

Sie warfen uns vor, wir hätten versucht, die lokale Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Es war jedoch eine Veranstaltung, die wir schon seit vielen Jahren organisierten; sie gehörte zur Seminarausbildung. Auf dem Weg zur Polizeistation kontaktierten wir das Priesterseminar und es kamen noch weitere Priester zum Polizeirevier. Nach einer Stunde oder etwas mehr erreichten wir die Wache und sie pferchten uns alle bis zum frühen Morgen in einem überfüllten Raum der Polizeiwache ein: 32 Seminaristen, zwei Priester und sieben weitere Priester, die aufs Revier gekommen waren, um sich nach der Angelegenheit zu erkundigen, einschließlich des Seminarrektors und eines lokalen Fahrers.

Wie haben Sie sich gefühlt, als die Polizei Sie verhaftet hat?

Das Gericht bewilligte die Freilassung auf Kaution sehr spät am Abend. Erst nachdem die Kaution bewilligt worden war, durften auch alle anderen zum Seminar zurückfahren. Um 19.30 Uhr kamen wir dort an – wir waren also erst nach über 24 Stunden wieder im Seminar. Stundenlang waren wir ohne Essen und Trinken auf dem Polizeirevier festgehalten worden. Da es um die Beschuldigung der Konversion ging, fürchteten wir, nicht auf Kaution freigelassen zu werden.

In jenem Moment hatte ich Angst. Angst wegen der Ungewissheit, was passieren würde, obwohl ich gleichzeitig auch wusste, dass ich nichts Unrechtes getan hatte. Ich machte mir große Sorgen um die 32 Seminaristen, die alle mit uns in dem einen Raum waren, empfand aber auch Zuversicht, weil die Mitarbeiter und die anderen Priester bei mir waren.

Nach Ihrer Verhaftung haben die radikalen Hindus Ihr Auto angezündet und gedroht, Sie zu töten…

Ja, sie haben das Auto angezündet, aber es saß niemand darin. Das Auto der Claretiner-Patres die gekommen waren, um sich nach uns zu erkundigen, und die eine Schule im Dorf in der Nähe des Priesterseminars betreiben, wurde in Brand gesteckt, während sie – vier Priester – bei mir auf der Polizeiwache waren. Wir wissen nicht, wer es getan hat, aber wir wissen, dass es jemand aus der radikalen Gruppe war. Die Polizei hat eine Person verhaftet und den Fall nur der Form halber zur Anzeige gebracht, später wurde der Betreffende freigelassen. Die Priester haben keine Entschädigung erhalten. Auch die Fahrzeuge des Priesterseminars wurden beschlagnahmt und die Dinge, die sich darin befanden, sind verloren gegangen.

Warum wurde behauptet, Sie würden etwas Illegales tun?

Was wir taten, war zulässig, aber dennoch hat man uns vorgeworfen, wir wollten mit diesem Programm die Menschen zum Christentum bekehren. Gemäß dem Freedom of Religion Act (Religionsfreiheitsgesetz) von Madhya Pradesh des Jahres 1968 darf niemand jemanden unter Zwang zum Christentum bekehren. Diese Anschuldigung war jedoch in unserem Fall falsch und unbegründet. Das Seminar besteht seit über 25 Jahren und wir haben noch nie jemanden zur Konversion gezwungen. Derjenige, der mich beschuldigt hatte, war ein armer, ungebildeter Mann. Er selbst sagte gegenüber den Medien aus und änderte seine eigene Aussage während des Prozesses vor Gericht.  So konnten wir den Fall vor dem Obersten Gericht gewinnen.

Abgesehen von der Aussage dieses Mannes findet sich nichts in den Akten, was gegen mich verwendet werden könnte. Wir hegen keine Rachegefühle gegen ihn; ich habe ihn einige Male getroffen und ihm ist inzwischen klar, welch schreckliche Folgen sein Handeln hatte.

Pater George, wie waren diese vier Jahre, in denen Sie auf das endgültige Urteil gewartet haben?

Es war eine sehr harte Zeit für uns alle. Ich musste viele Gerichtsverhandlungen durchstehen. Alle zwei Wochen musste ich zum Gericht fahren und dort eine Unterschrift leisten, zweieinhalb Jahre lang. Dieses besondere Ereignis war zwar ein Einzelfall, aber es hat noch viele andere Angriffe auf Christen gegeben. In unserem Fall haben wir vor dem Obersten Gerichtshof Berufung eingelegt, weil wir wussten, dass wir unsere Unschuld beweisen konnten, aber es gibt viele andere Fälle, die immer noch nicht abgeschlossen sind. Auch in der Vergangenheit wurden Menschen verfolgt und inhaftiert – aber der Glaube der Christen ist trotz dieses Drucks sehr stark. Keine Verfolgung wird uns jemals von unserem Glauben abbringen können.

Welchen Grund hat diese Verfolgung von Christen in Indien?

Solche Christenverfolgungen sind nichts Neues; nicht zum ersten Mal in der Geschichte Indiens gibt es solche Fälle – Fälle wie den unseren. Das betrifft vor allem Bundesstaaten, die von radikalen Hindu-Parteien regiert werden.

Sie haben Angst vor den Christen, weil wir den Menschen Unterricht erteilen, insbesondere den Armen, Marginalisierten und Unterdrückten. Wir bringen Menschen das Lesen und Schreiben bei, die es vorher nicht konnten. In Indien gibt es sehr viele Arme und Analphabeten und die Kirche vermittelt ihnen Bildung. Und natürlich haben Einige Angst, dass die Menschen auf ihre Rechte pochen, wenn sie Bildung erhalten.

Die Kirche wächst unter Verfolgung; sie wächst nicht, wenn alles zu bequem ist. Denn unser Herr hat gesagt: „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach“ (Mt 16,24). So wächst sie, das ist ein wesentlicher Bestandteil des Christentums. Dank der Vorsehung Gottes konnte ich durch das, was ich durchgemacht habe, die Botschaft des lebendigen Christus weltweit wirksamer verkünden als unsere Verkündigung es in den letzten Jahren vermochte.

Das hilft Menschen, die Botschaft Jesu kennenzulernen; wie wir einander lieben, wie wir unseren Glauben an Jesus leben …Ich danke Ihnen allen aufrichtig, den Medien, den Anwälten, den Richtern, allen Kirchenvertretern. Wir beten für alle, auch für die, die gegen uns waren, auch für die Angreifer von damals, so wie der Herr Jesus uns geboten hat, auch für die zu beten, die uns verfolgen.

Die zehn katholischen Bischöfe des südindischen Bundesstaates Karnataka äußerten sich besorgt gegenüber dem Premierminister des Bundesstaates, Basavaraj Bommi, im Hinblick auf ein geplantes Gesetz, das religiöse Bekehrungen im Bundesstaat verbieten soll. Zusammen mit einer Delegation, die am 22. September mit dem Premierminister zusammentraf, legte Erzbischof Peter Machado von Bangalore ein Memorandum zu verschiedenen Themen vor, die das Leben der Christen in Karnataka betreffen. Erzbischof Machado zufolge ist das Heraufbeschwören des Schreckgespensts der so genannten „Zwangskonvertierung“ schädlich und unnötig, weshalb die katholische Kirche ihre Enttäuschung drüber zum Ausdruck brachte.

Die christliche Glaubensgemeinschaft unterhält in diesem Bundesstaat Hunderte von Schulen, Hochschulen und Krankenhäusern in verschiedenen Diözesen. Und Millionen von Studenten besuchen Bildungseinrichtungen, die von Christen geleitet werden. Millionen von Menschen profitieren von diesen Einrichtungen. „Keinem von ihnen“, so betonten die Bischöfe, „wird geraten, das Christentum anzunehmen. In einigen Fällen mag das vorgekommen sein, aber diese wurden überproportional aufgebauscht“, sagte Erzbischof Machado. „Das Antikonversionsgesetz zielt darauf ab, das Christentum zu diffamieren“, betonte der Erzbischof. Tatsächlich übernimmt die christliche Gemeinschaft die volle moralische Verantwortung, sich nicht auf erzwungene einzulassen: „Wir zwingen niemanden“, sagte er.

In dem Memorandum an den Premierminister weisen die Bischöfe darauf hin, dass jedes Antikonversionsgesetz „Probleme in den Beziehungen zwischen den Gemeinschaften und unnötige Unruhen“ verursachen und zu kontroversen Aussagen und Reaktionen führen könnte, die Gesellschaft und die Religionsgemeinschaften in Aufruhr versetzen.

Am 21. September brachte Goolihatti Shekhar, Mitglied des Parlements des Bundesstaates und der hindu-nationalistischen Bharatiya Janata Party (BJP), das Thema zur Sprache: „Evangelikale christliche Missionare führen in meinem Wahlkreis Hosadurga eine zügellose Kampagne zur religiösen Bekehrung durch. Sie haben etwa 20.000 Hindus zum Christentum bekehrt“. Der Sprecher der gesetzgebenden Versammlung, Visheshwara Hegde Kageri, sagte daraufhin, dass viele Bundesstaaten in Indien bereits Gesetze zur Eindämmung religiöser Konversionen erlassen hätten und schlug vor, dass Karnataka ein ähnliches Gesetz erlassen könnte. In der Debatte sagte Innenminister Araga Jnanedra, die Regierung von Karnataka werde sich mit entsprechenden Gesetze in anderen Bundesstaaten befassen und eine eigene Version erarbeiten. Die Landesregierung beabsichtige, die Angelegenheit zu untersuchen, um religiösen Bekehrungen durch Gewalt und andere Anreize ein Ende zu setzen, sagte er.

Die indische Verfassung sieht vor, dass die Bürger die Freiheit haben, “sich zu einer Religion zu bekennen, sie zu praktizieren und zu verbreiten“. Allerdings haben mehrere Bundesstaaten in der Indischen Föderation Gesetze oder Verordnungen eingeführt und erlassen, um religiösen Konversionen zu unterbinden oder sie zu verbieten: dazu gehören Odisha, Uttar Pradesh, Arunachal Pradesh, Chhattisgarh, Gujarat, Jharkhand, Himachal Pradesh, Madhya Pradesh und Uttrakhand.

Karnataka wird von der BJP-Partei regiert, deren Mitglieder und Politiker religiösen Minderheiten gegenüber feindselig eingestellt sind. Nach einer in der BJP weit verbreiteten Ideologie (der so genannten „Hindutva“) möchten Teile der Partie Indien sogar von einem säkularen Land in einen theokratischen Hindu-Staat verwandeln. (Quelle: Fidesdienst)

„Kirche in Not“ unterstützt eine Initiative, die christliche und hinduistische Frauen und Mädchen in Pakistan vor Entführung und sexuellem Missbrauch schützen soll. Trägerin der Kampagne ist die „Katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ (Catholic Commission for Justice and Peace CCJP).

„Eine der größten Herausforderungen“ sei, dass in jüngster Zeit Entführungen, Zwangsheiraten und -konversionen von Mädchen und Frauen aus religiösen Minderheiten zunähmen, erklärte der Leiter der Kommission, Emmanuel Yousaf: „Das ist nicht neu, hat sich aber in jüngster Zeit verstärkt, weil es mancherorts keine angemessenen Gesetze gibt. Auch die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen aus religiösen Minderheiten werden zu wenig umgesetzt.“

Die im Oktober 2019 verschleppte und zwangsverheiratete Christin Huma Younus (14).

Fehlende Rechtssicherheit

Gesetze wie der 2014 in der Provinz Sindh verabschiedete „Child Marriage Restrain Act“ haben das Heiratsalter auf 18 Jahre angehoben – ein rechtsstaatlicher Fortschritt. Dennoch gab es Fälle, in denen Gerichte mutmaßlichen Entführern von jungen Frauen aus religiösen Minderheiten Recht gaben. Ein Beispiel ist das Schicksal von Huma Younus aus Karatschi. Die Christin war im Oktober 2019 mit einem Muslim zwangsverheiratet worden; das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Im Februar 2020 hatten zwei Richter des „Sindh High Court“ entschieden, dass die Ehe gültig sei, da Huma zum Islam konvertiert sei und bereits ihre erste Regelblutung hatte.

„Von extremistischer Seite wird immer wieder Druck auf die Gerichte ausgeübt. Viele der jungen Frauen fürchten sich vor Gewalt oder dem gesellschaftlichen Stigma. Das führt dazu, dass sie oft zugunsten ihrer Entführer aussagen“, erklärte Emmanuel Yousaf.

Emmanuel Yousaf, Leiter der „Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ in Pakistan.

Jährlich bis zu 1000 Mädchen verschleppt

Angaben der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden in Pakistan“ zufolge werden jedes Jahr bis zu 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen zwischen zwölf und 25 Jahren entführt und verheiratet. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, da nicht alle Fälle zur Anzeige gebracht oder öffentlich bekannt würden, so die Organisation.

Die neue Initiative der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, die von „Kirche in Not“ gefördert wird, umfasst Konsultationen mit Politikern sowie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um die pakistanische Gesellschaft für das Schicksal der Frauen und Mädchen zu sensibilisieren. Außerdem sollen betroffene Frauen und ihre Familien Rechtsbeihilfen erhalten.

Junge Frauen in Pakistan.
„Um die Situation der jungen Frauen zu verändern, ist es notwendig, national wie international die Stimme zu erheben“, erklärte Emmanuel Yousaf. „Der Staat muss angemessene Maßnahmen ergreifen. Dazu wollen wir einen öffentlichen Aufruf für eine entsprechende Gesetzgebung starten.“
Unterstützen Sie den Einsatz kirchlicher Gruppen in Pakistan für die Rechte religiöser Minderheiten! Jetzt spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Einer der aufsehenerregendsten Fälle des Jahres 2020 in Pakistan war der von Arzoo Raja, einer 13-jährigen Katholikin, die in City Railway Colony in der südpakistanischen Stadt Karatschi  wohnte und mutmaßlich entführt, gewaltsam zum Islam bekehrt und mit ihrem 44-jährigen muslimischen Nachbarn Syed Ali Azhar verheiratet wurde. Arzoos Eltern gaben an, sie sei im vergangenen Oktober entführt worden, als sie draußen in der Nähe ihres Zuhauses spielte. Sie wandten sich an den Obersten Gerichtshof des Sindh, der die Ehe für ungültig erklärte und die Unterbringung des Mädchens in einem Heim anordnete. Ali Azhar wurde verhaftet, aber später auf Kaution freigelassen. Laut Angaben des Centre for Social Justice in Lahore berichteten die Medien zwischen 2013 und November 2020 von 162 Fällen verdächtiger Konversionen unmündiger Mädchen, die einer Minderheit angehörten. Zahlreiche weitere Fälle sind nicht gemeldet worden. Raja Lal Masih, Arzoos Vater, sprach mit dem Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) über seinen Kampf.

„Meine drei Töchter waren alle Messdienerinnen; Arzoo war die jüngste. Sie war gerade in die siebte Klasse gekommen. Ich habe immer noch den Antrag an die Kirche auf kostenlose Schreibwaren und Bücher für sie. Wir waren einfache Arbeiter, die versuchten, unseren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Am 13. Oktober erhielt ich, nachdem ich meine Frau an der Schule abgesetzt hatte, wo sie als Kinderbetreuerin arbeitete, einen Anruf von einem nahen Verwandten, der mir sagte, dass Arzoo verschwunden sei. Nachdem wir sie überall gesucht hatten, erstatteten wir auf dem Polizeirevier, wo man uns stundenlang warten ließ, die erste Anzeige. Nach unserer Rückkehr behauptete unser Nachbar zunächst, es sei irgendwie dazu gekommen, dass sein Sohn Azhar unsere Tochter geheiratet habe, aber es sei „ein Versehen“. Inzwischen droht Azhars Familie offen damit, Arzoo endgültig ihrer Familie wegzunehmen.

Wir riefen sofort die Polizei, die dann erst im Haus des Nachbarn eine schöne Tasse Tee trank, bevor sie von uns die Geburtsurkunde und weitere Papiere von Arzoo  verlangte. Noch am selben Abend teilte mir der Ermittler mit, unsere Tochter habe den islamischen Glauben angenommen. Ich war zutiefst erschüttert.    

Seitdem pendeln wir ständig zwischen den Gerichten und dem Heim hin und her. Wir haben unsere Arbeit verloren. Wir haben unser Haus verlassen, um nicht den Fragen von Freunden und Nachbarn ausgesetzt zu sein. Ein protestantischer Pfarrer bietet uns Unterkunft und rechtlichen Beistand an. Die Richter hören nur auf unseren Anwalt und unsere minderjährige Tochter, als würden die Eltern nicht existieren. Irgendwann war ich an dem Punkt, dass ich am liebsten aus dem zweiten Stock des Gerichtshofs gesprungen wäre.

Manche raten uns, unseren muslimischen Anwalt fallen zu lassen. Aber das können wir nicht riskieren. Weder weibliche noch christliche Anwälte können einen Fall von Zwangsbekehrung anfechten, egal wie intelligent oder einflussreich sie auch sein mögen. Wichtige Politiker und andere angesehene Persönlichkeiten haben uns besucht, und wir erhalten Anrufe von Aktivisten aus dem Ausland. Doch nichts davon zählt vor Gericht. Unser muslimischer Anwalt steht etwa 50 gegnerischen Anwälten gegenüber. Geistliche mit dicken Büchern in der Hand zitieren Hadithe [Aussprüche und Überlieferungen des Propheten] und Beispiele für Ehen von Propheten mit minderjährigen Mädchen.

Jeden Samstag besuchen wir unsere Tochter im Heim. Sie ist völlig durcheinander. Vor der Polizei sagt sie, sie habe die Kalima (die islamische Glaubensverkündigung) gelesen und sei jetzt eine Muslimin. Vor Gericht beharrt sie darauf, sie habe Ali Azhar aus freien Stücken geheiratet und sei 18 Jahre alt. Wenn wir sie besuchen, ist sie aber damit einverstanden, nach Hause zu kommen. Aber hinterher bittet sie uns telefonisch, ein Treffen mit ihrem muslimischen Schwager zu arrangieren. Sie wird von älteren Frauen in dem Zentrum einer Gehirnwäsche unterzogen. Das ist kein Ort für ein Kind.  

Immer mehr Familien, die mit Zwangskonvertierungen konfrontiert sind, melden sich inzwischen zu Wort und erzählen ihre Geschichte in den Medien. Wir Christen sind jedoch nicht so wohlhabend oder mächtig wie Muslime.

Dieses Weihnachten war eine Qual. Wir sind zur Messe gegangen, aber es kam keine Freude auf und es gab weder Einkäufe noch Verwandtenbesuche. Eine Familie schenkte unseren Kindern neue Kleidung. Später bedrohte uns ein unbekannter Anrufer, weil wir Azhar verklagt haben. Jetzt verhüllen wir das Gesicht, bevor wir hinausgehen. Meine Frau ist seit der Tragödie Diabetikerin und leidet an Bluthochdruck und Nierensteinen. Im Heim weint sie nur noch. Ich bin verzweifelt. Bitte beten Sie für uns und unsere Familie und für meine Tochter. Möge Gott unsere Gebete erhören.“

KIRCHE IN NOT unterstützt jedes Jahr Projekte der Nationalen Kommission für „Gerechtigkeit und Frieden“ der Pakistanischen Bischofskonferenz in Pakistan für Opfer und Familien, die von Terrorakten, Diskrimination und sozialer Ungerechtigkeit betroffen sind.

„Die skrupellose Ermordung von Abida und Sajida ist eine Tragödie, die zeigt, wie das Leben religiöser Minderheiten in Pakistan an einem dünnen Faden hängt oder wertlos ist. Vergewaltigung, Entführung, erzwungene Bekehrung und sogar Mord an christlichen Mädchen sind besorgniserregende Phänomene. Die Regierung darf dies nicht ignorieren und hat die Pflicht, die Gewalt gegen Christen zu stoppen. „Dies sagte Nasir Saeed, Direktor des Centre for Legal Aid Assistance & Settlement (CLAAS) in einer Mitteilung an Fides zum jüngsten antichristlicher Gewalt in Pakistan.

Zwei junge christliche Schwestern, Abida (26) und Sajida (28), die in der christlichen Kolonie Makhan in der Nähe von Lahore leben, wurden im vergangenen Dezember ermordet, nachdem sie sich geweigert hatten, zum Islam zu konvertieren. Die Polizei verhaftete zwei muslimische Männer, Mumtaz Khan und Muhammad Naeem, die verdächtigt wurden, die Frauen getötet zu haben. Wie Mushtaq Masih, Sajidas Ehemann, berichtet haben beide Schwestern in einer Pharmafabrik gearbeitet und waren seit dem 26. November 2020 verschwunden. Die Familien meldeten das Verschwinden und die Verdächtigen der Polizei. Beide Schwestern hatten wiederholt berichtet, dass sie von ihren beiden Arbeitskollegen Muhammad Naeem und Mumtaz Khan sexuell belästigt wurden, die sich auch aufgefordert hatten zum Islam zu konvertiert.

Die Nachricht von dem Mord wurde erst in den letzten Tagen von der Polizei bestätigt. Nach Angaben der Beamten, die die Leichen gefunden hatten, wurden beide Schwestern auf die gleiche Weise getötet: Sie wurden mit Handschellen gefesselt und erwürgt. Die Ermittler vermuten, dass die beiden festgenommenen Männer die Schwestern entführt und getötet haben und führen entsprechende Ermittlungen durch.

Doch nach Ansicht von Nasier Saeed, gibt es, obwohl auch der Premierminister der Provinz Punjab, Usman Buzdar, einen Untersuchungsbericht vom Generalinspektor der Polizei angefordert hat, „wenig Hoffnung, dass die Familie jemals Gerechtigkeit bekommen wird, denn Gerechtigkeit ist in Pakistan sehr teuer, die Gerichtsverfahren sind langwierig und arme Familien können sich die Anwaltskosten nicht leisten. Und wenn der Täter eines Verbrechens ein Muslim und das Opfer ein Christ ist, ist es noch viel schwieriger, die Richter zu überzeugen, da die Religion eine Rolle in allen Lebensbereichen in Pakistan spielt“.

Der protestantische Pastor Amir Salamat Masih, der der Familie der Opfer begleitet, berichtet gegenübere Fides, dass der größte Teil der Bevölkerung der Makhan-Kolonie aus Armen und Analphabeten besteht, die „keine andere Wahl haben, als als Arbeiter in den umliegenden Fabriken zu arbeiten , um Kleidung, Schuhe, Medikamente und verschiedene Materialien herzustellen“. „Christliche Arbeiter werden misshandelt, sehen sich Hass gegenüber und gelten als minderwertig gegenüber Muslimen, während christliche Mädchen – besonders attraktive junge Frauen – belästigt werden und zum Objekt muslimischer Männer werden“, so der protestantische Geistliche. „Der Fall von Sajida und Abida es ist kein Einzelfall, zeigt aber eine sehr verbreitete Praxis am Arbeitsplatz“, beklagt der Papstor abschließend, „Solche Fälle treten täglich in verschiedenen Teilen des Landes auf, werden aber kaum gemeldet. Diese beiden Schwestern starben nur, weil sie Christinnen waren, weil sie ihren Glauben an Christus bis zum Ende nicht aufgeben wollten.“

Chiosa Nazir. S. Bhatti, Direktor der lokalen „Pakistan Christian Post“, sagt zu dem Fall: „Theoretisch und auf dem Papier genießen Minderheiten in Pakistan die in der Verfassung verankerten Gleichberechtigungen. Der pakistanische Premierminister Imran Khan hat sich dazu verpflichtet Minderheiten in Pakistan ein Leben in Sicherheit zu gewährleisten. Wenn wir jedoch immer wieder Fälle Missbrauch des Blasphemiegesetzes, Entführung, erzwungener Bekehrung und Ermordung christlicher Mädchen sehen, muss betont werden, dass dies in der Praxis noch lange nicht der Fall ist und dass der Zustand der Christen in der Gesellschaft eher schlechte wird“. (Quelle: Fidesdienst)

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