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Zwangskonversion

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„Kirche in Not“ unterstützt eine Initiative, die christliche und hinduistische Frauen und Mädchen in Pakistan vor Entführung und sexuellem Missbrauch schützen soll. Trägerin der Kampagne ist die „Katholische Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ (Catholic Commission for Justice and Peace CCJP).

„Eine der größten Herausforderungen“ sei, dass in jüngster Zeit Entführungen, Zwangsheiraten und -konversionen von Mädchen und Frauen aus religiösen Minderheiten zunähmen, erklärte der Leiter der Kommission, Emmanuel Yousaf: „Das ist nicht neu, hat sich aber in jüngster Zeit verstärkt, weil es mancherorts keine angemessenen Gesetze gibt. Auch die bestehenden Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz von Frauen und Mädchen aus religiösen Minderheiten werden zu wenig umgesetzt.“

Die im Oktober 2019 verschleppte und zwangsverheiratete Christin Huma Younus (14).

Fehlende Rechtssicherheit

Gesetze wie der 2014 in der Provinz Sindh verabschiedete „Child Marriage Restrain Act“ haben das Heiratsalter auf 18 Jahre angehoben – ein rechtsstaatlicher Fortschritt. Dennoch gab es Fälle, in denen Gerichte mutmaßlichen Entführern von jungen Frauen aus religiösen Minderheiten Recht gaben. Ein Beispiel ist das Schicksal von Huma Younus aus Karatschi. Die Christin war im Oktober 2019 mit einem Muslim zwangsverheiratet worden; das Mädchen war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Im Februar 2020 hatten zwei Richter des „Sindh High Court“ entschieden, dass die Ehe gültig sei, da Huma zum Islam konvertiert sei und bereits ihre erste Regelblutung hatte.

„Von extremistischer Seite wird immer wieder Druck auf die Gerichte ausgeübt. Viele der jungen Frauen fürchten sich vor Gewalt oder dem gesellschaftlichen Stigma. Das führt dazu, dass sie oft zugunsten ihrer Entführer aussagen“, erklärte Emmanuel Yousaf.

Emmanuel Yousaf, Leiter der „Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden“ in Pakistan.

Jährlich bis zu 1000 Mädchen verschleppt

Angaben der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden in Pakistan“ zufolge werden jedes Jahr bis zu 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen zwischen zwölf und 25 Jahren entführt und verheiratet. Die Dunkelziffer dürfte jedoch höher liegen, da nicht alle Fälle zur Anzeige gebracht oder öffentlich bekannt würden, so die Organisation.

Die neue Initiative der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden, die von „Kirche in Not“ gefördert wird, umfasst Konsultationen mit Politikern sowie eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit, um die pakistanische Gesellschaft für das Schicksal der Frauen und Mädchen zu sensibilisieren. Außerdem sollen betroffene Frauen und ihre Familien Rechtsbeihilfen erhalten.

Junge Frauen in Pakistan.
„Um die Situation der jungen Frauen zu verändern, ist es notwendig, national wie international die Stimme zu erheben“, erklärte Emmanuel Yousaf. „Der Staat muss angemessene Maßnahmen ergreifen. Dazu wollen wir einen öffentlichen Aufruf für eine entsprechende Gesetzgebung starten.“
Unterstützen Sie den Einsatz kirchlicher Gruppen in Pakistan für die Rechte religiöser Minderheiten! Jetzt spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Pakistan

Während der Corona-bedingten Ausgangssperren ist in Pakistan ein minderjähriges Mädchen entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen worden. Es handelt sich um die 14-jährige Katholikin Maira Shahbaz aus Faisalabad im Nordwesten des Landes.

Der Haupttäter, der Muslim Mohamad Nakash, habe das Mädchen zur Frau genommen und sie gezwungen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Dies berichtete Anwalt Khalil Tahir Sandhu, dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Er vertritt die Familie der Entführten. Laut Zeugenaussagen wurde das Mädchen am 28. April von drei Männern auf offener Straße in ein Auto gezogen. Beim Wegfahren hätten die Männer in die Luft geschossen.

Die entführte 14-jährige Christin Maira Shahbaz aus Faisalabad.

Gericht gibt Entführer recht – Revision angekündigt

In einem Schnellverfahren vor dem Magistratsgericht Faisalabad habe der Entführer Dokumente vorgelegt, die belegen sollten, dass er und das Mädchen bereits im vergangenen Oktober geheiratet hätten. Außerdem behauptete er, dass Mädchen sei bereits 19 Jahre alt, so der christliche Anwalt. Am Tag der Verhandlung seien rund 150 Männer zum Gericht gekommen, um den Entführer zu unterstützen. Diese hätten auch Druck auf den Staatsanwalt ausgeübt.

Mairas Familie habe anhand von Urkunden, kirchlichen Dokumenten und Schulunterlagen zu beweisen versucht, dass Maira noch minderjährig sei. Das Gericht setzte sich darüber hinweg und gab dem Entführer recht. Dieser sei bereits verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebe nicht weit vom Haus der christlichen Familie entfernt und habe Maira so kennengelernt.

„Menschen, die einem Kind so etwas antun, behandeln uns nicht wie menschliche Wesen, sondern wie Tiere“, beklagte Sandhu. Er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen – falls nötig bis vor den Obersten Gerichtshof Pakistans. Dieser hatte im Oktober 2018 auch das Todesurteil gegen die wegen angeblicher Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi gekippt. Der Fall hat weltweit Beachtung gefunden und in Pakistan eine Gewaltwelle radikaler Muslime ausgelöst.

Die Mutter und Geschwister der Entführten.

Mairas Familie gehört zu den ärmsten

„Kirche in Not“ sprach auch mit der katholischen Menschenrechtlerin Lala Robin Daniel. Sie kennt das entführte Mädchen und ihre Angehörigen persönlich: „Die Familie Shahbaz ist eine der ärmsten im Viertel. Sie verdienen ihr kleines Einkommen mit Putzen.“ Maira habe schon früh die Schule verlassen müssen, da sich die Familie das Schulgeld nicht mehr leisten konnte.

Nighat Shahbaz, die alleinerziehende Mutter der Entführten, ist nach der Tat mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden. Über „Kirche in Not“ richtete sie einen Appell an die Öffentlichkeit: „Ich flehe darum, dass uns meine Tochter zurückgegeben wird. Ich habe Angst, sie nie wieder zu sehen.“

Mairas Schicksal ist kein Einzelfall: Der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden“ zufolge werden in Pakistan jedes Jahr rund 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen entführt und zwangsverheiratet. „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren.

„Kirche in Not“ unterstützt christliche Familien bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und steht den bedrängten Gemeinden bei. Um weiter helfen zu könnten, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Pakistan

Einer der führenden Bischöfe des Landes verurteilt den plötzlichen Anstieg der Zahl  minderjähriger christlicher und hinduistischer Mädchen in Pakistan, die entführt, vergewaltigt und gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam überzutreten.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, Berichte über Entführungen von gerade einmal 14-jährigen Mädchen, die er als „Verbrechen“ scharf verurteilte.

Der Bericht des Bischofs deckt sich mit den Ergebnissen von Nachforschungen in der pakistanischen Provinz Punjab, die besagen, dass bis zu 700 Mädchen innerhalb eines Jahres verschleppt worden seien. Er sagte: „In letzter Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Entführungen sind Verbrechen und müssen entsprechend geahndet werden. Nur so können sie gestoppt werden. Die Mädchen sind normalerweise etwa 14 oder 15 Jahre alt. Die Männer sind oft schon verheiratet. Sie sind 25 Jahre und älter.“

Laut Erzbischof Shaw spielt Religion bei den Entführungen sicher eine Rolle, zumal die Mädchen überwiegend hinduistisch oder christlich seien. Dennoch glaubt er, dass dies nicht die einzige Erklärung sei. „Es ist Begierde. Sie denken: , Sie sieht toll aus und ich will sie.‘ Es ist ein Delikt. Doch da ist auch eine möglicher religiöser Aspekt dabei.”

Er berichtete, dass christliche Würdenträger aufgrund der Zunahme der Entführungen die Polizei eingeschaltet hätten, „doch die hörte überhaupt nicht zu.” Also wandten sie sich direkt an die Regierung. „Wir sprachen über die Vorfälle mit der Regierung und sie nahm die Sache ernst. Zusammen mit dem islamischen Rat organisierte sie ein Treffen zwischen mir und Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinschaften. Ich war bei dem Treffen dabei. Ein junger islamischer Gelehrter kritisierte die Entführungen und sagte, Zwangsbekehrungen seien nicht erlaubt.“

Trotz allem ist Erzbischof Shaw optimistisch, was die Zukunft Pakistans anbelangt. Seiner Meinung nach bewegt sich die aktuelle Regierung unter Premierminister Imran Khan in die richtige Richtung. Er sagte: „Die derzeitige Regierung setzt sich für Gleichheit ein. Alle Menschen sollten ein Gefühl der Zugehörigkeit haben.” Auch was die Kirche in Pakistan angeht, zeigte sich Shaw optimistisch. Er sagte: „Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind junge Menschen. Wir verhelfen den Menschen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung, zu Professionalität. Das ist neu, vor allem für die Katholiken. Wir haben guten Katechismus-Unterricht und erklären ihnen, warum sie Christen sind. Wir bilden sie aus für den Dialog mit den Muslimen. Wir bringen ihnen den Unterschied zwischen Dialog und Debatte bei.”

Erzbischof Shaw lobte die Arbeit von KIRCHE IN NOT in Pakistan und sagte: „Ich bin KIRCHE IN NOT dankbar, denn KIRCHE IN NOT unterstützt uns vor allem in unseren pastoralen Aktivitäten. KIRCHE IN NOT hilft auf der ganzen Welt und jedes Mal, wenn wir uns an das Werk wenden, bekommen wir Hilfe. Wir freuen uns immer über finanzielle Unterstützung, Gebete und Mut machende Worte.“

Im Jahr 2018 hat KIRCHE IN NOT in Pakistan 61 Projekte finanziert, darunter den Bau von Kirchen, die Ausbildung von Ordensleuten und die Bildung von Laien.