Finnland: Eine wachsende Kirche - KIRCHE IN NOT Österreich
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Finnland: Eine wachsende Kirche

Finnland: Eine wachsende Kirche

21.08.2025 aktuelles

Katholische Priester in Finnland verbringen sehr viel Zeit im Auto. Die Entfernungen im Land sind enorm. Finnland ist vier mal größer als Österreich, aber es gibt nur acht Pfarren. „Jedes Wochenende legen wir Tausende Kilometer zurück, um unseren Gläubigen die heilige Kommunion zu bringen”, erklärt Bischof Raimo Goyarrola aus Helsinki im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Seine Diözese umfasst das ganze Land. Nur etwa 10 000 der 5,5 Millionen Einwohner sind katholisch. Finnland ist überwiegend lutherisch geprägt. Weil es so wenige katholische Kirchen im Land gebe, bitten viele Familien darum, in ihren Dörfern zumindest einen Tabernakel aufstellen zu dürfen, berichtet der Bischof. Die nächste katholische Kirche kann für die Gläubigen schon einmal 300 Kilometer entfernt sein. Aber auch die 29 Priester im Land legen weite Strecken zurück. Im vergangenen Jahr hat KIRCHE IN NOT deshalb auch ein Auto für eine Pfarre mit rund 20.000 Euro gefördert.

Obwohl Finnland eines der wohlhabendsten Länder der Welt ist, so ist die katholische Kirche eine der ärmsten in Europa. „Im Gegensatz zu anderen Kirchen im Land erhalten wir keine staatliche Unterstützung. Wir sind chronisch unterversorgt“, erläutert Bischof Goyarrola. Oft fehlen Mittel für grundlegende Dinge wie die Bezahlung der Seelsorger, die Mittel für Katechese oder für die Durchführung karitativer Programme. Ohne finanzielle Ressourcen bleiben auch Projekte wie der Bau von Kapellen, katholischen Schulen oder Pastoralzentren für Kinder – eines der großen Anliegen des Bischofs – unerfüllt.

Bischof Raimo Ramon Goyarrola Belda aus Helsinki. © Catholic Information Center

Jährlich über 500 neue Katholiken

Und doch wächst die Zahl der Gläubigen stetig: Mit jährlich über 500 neuen Katholiken kann Bischof Goyarrola stolz auf seine kleine, lebendige Herde sein. Seit zwei Jahrzehnten gibt es in Finnland einen kontinuierlichen Anstieg der Katholiken, mit einer steigenden Nachfrage nach Taufen sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen und Kindern.

Hinzu kommen Konvertiten aus traditionell lutherischen Familien, in denen die religiöse Praxis längst aufgegeben wurde. In der spirituellen Leere entdecken sie die katholische Kirche als verlässlichen Orientierungspunkt und möchten konvertieren.

„Ein Katholik ist in Finnland oft der einzige in seiner Schule oder an seinem Arbeitsplatz. Doch sie verstecken ihren Glauben nicht – im Gegenteil. Die finnischen Katholiken sprechen ganz selbstverständlich über die Eucharistie und über Jesus. Sie sind Missionare und Apostel, wo immer sie hingehen, und damit ein Vorbild für die Weltkirche“, so Bischof Raimo Goyarrola, der ursprünglich aus Spanien stammt. Seit 20 Jahren ist er schon in Finnland tätig. Vor zwei Jahren wurde er zum Bischof von Helsinki geweiht.

Prozession in Finnland © Catholic Information Center

Jugendcamps in Lappland

Um den Glauben zu stärken, organisiert der Bischof regelmäßig Jugendcamps in Lappland: „Mit 30 Kilogramm Gepäck durch Schnee und Regen zu wandern, umgeben von atemberaubender Natur – das schweißt zusammen, führt zu Bekehrungen und vertieft den Glauben“, sagt er. Für ihn ist die Natur ein idealer Ort der Gottesbegegnung.

Die Teilnehmer an diesen Camps sind so vielfältig wie die katholische Kirche Finnlands selbst. Etwa die Hälfte der neuen Gläubigen stammt aus finnischen Familien, die andere Hälfte sind Migranten oder Flüchtlinge – viele zwar aus traditionell katholischen Ländern wie den Philippinen oder den zentral- und südamerikanischen Ländern, zunehmend aber auch aus Kriegsgebieten: Sudan, Myanmar oder der Ukraine.

Finnland hat seine Grenzen für ukrainische Flüchtlinge geöffnet – auch weil dringend notwendige Arbeitskräfte fehlen. Mehr als 7000 griechisch-katholische Ukrainer sind in den vergangenen Monaten angekommen. Obwohl der Krieg in der Ukraine den Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche schwächen könnte, bleibt dank der langen ökumenischen Tradition des Landes die Zusammenarbeit zwischen den Gläubigen lebendig.

Lutheraner und Orthodoxe stellen Kirchen zur Verfügung

Heute zählt die katholische Kirche in Finnland Gläubige aus 120 Nationen und feiert die Liturgie in allen katholischen Riten. Weil eigene Kirchen fehlen, stellen lutherische und orthodoxe Gemeinden sonntags ihre Gotteshäuser zur Verfügung. „Jeden Monat feiern wir die Messe in 20 lutherischen und 5 orthodoxen Kirchen“, sagt der Bischof dankbar. Ein beeindruckendes Zeugnis gelebter Ökumene – in der Hoffnung, bald eigene kirchliche Strukturen bauen und damit die wachsende Gemeinschaft besser begleiten zu können.

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