Spenden
Europa

Europa

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 29 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen
KIRCHE IN NOT hat für Ende April 2021 eine Neuauflage der Studie „Religionsfreiheit weltweit“ angekündigt. „Seit dem vergangenen Bericht hat sich die Lage hinsichtlich der Religionsfreiheit weltweit verschlechtert. Viel Diskriminierung und Verfolgung wird von der Weltöffentlichkeit nicht beachtet“, erklärte der Geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT, Dr. Thomas Heine-Geldern. Corona und die Folgen hätten das Menschenrecht auf Religionsfreiheit noch weiter geschwächt. Vielerorts habe die Pandemie die soziale Ausgrenzung von religiösen Minderheiten vergrößert, zum Beispiel in Pakistan oder Indien. „Es war für sie dort zum Teil unmöglich, über die staatlichen Kanäle Hilfe zu bekommen.“
Beisetzung eines getöteten Priesterseminaristen im Januar 2020 in Kaduna/Nigeria.

Islamismus im Nahen Osten und Afrika, Nationalismus und Diktaturen in Asien

Im Nahen Osten fühlten sich Christen und andere religiöse Minderheiten nach wie vor unsicher. Dschihadistische Terrorgruppen wie der „Islamische Staat“ hätten zudem ihr Unwesen vom Nahen Osten auf zahlreiche Regionen Afrika verlagert, das zu einem „Kontinent der Märtyrer“ geworden sei, erklärte Heine-Geldern. Vor allem in den Ländern der Sahelzone seien „religiöser Extremismus und radikale gewalttätige Islamisten auf dem Vormarsch und zerstören das bislang friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen, um Ressourcen und Macht zu erlangen“.

Während in Afrika und im Nahen Osten der Dschihadismus die Hauptursache der Verfolgung sei, machten im asiatischen Raum nationalistische Bewegungen und autoritäre Regierungen religiösen Minderheiten das Leben schwer. „Das Christentum wird in einigen asiatischen Ländern als ein schädlicher Einfluss betrachtet, der die Vorherrschaft der führenden Partei oder die vermeintliche religiöse Geschlossenheit der Nation bedroht“, sagte Heine-Geldern.

Christen im Irak. © Manweel Banna/Kirche in Not

Christen in Europa sind säkularen und islamistischen Angriffen ausgesetzt

Doch auch in Ländern ohne öffentliche Verfolgung nähmen Ressentiments gegenüber Gläubigen zu. Das sei mittlerweile auch in Europa der Fall, und das wolle der neue Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ herausarbeiten, erklärte Heine-Geldern. Christen seien einem Angriff von zwei Fronten ausgesetzt: „Die eine will die christlichen Wurzeln zerstören und eine rein individualistische Gesellschaft ohne Gott schaffen. Und die andere versucht, Menschen zu radikalisieren und mit Gewalt ein fundamentalistisches islamistisches System durchzusetzen.“

Die Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit“ beleuchtet die Lage dieses Menschenrechts in 196 Ländern der Welt und für alle religiösen Gruppen, listet Verstöße gegen die Religionsfreiheit auf und dokumentiert aktuelle Entwicklungen. Der Bericht wird von unabhängigen Experten und Journalisten erstellt und erscheint alle zwei Jahre. Die ursprünglich geplante Veröffentlichung im Herbst 2020 musste coronabedingt verschoben werden. Nun wird der Bericht Ende April 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt – zuerst in Rom. Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.at

25 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, das den dreijährigen Bosnienkrieg beendete, gehen die katholischen Bischöfe von Bosnien und Herzegowina hart mit der politischen und gesellschaftlichen Situation des Landes ins Gericht. Der Vertrag sei den Völkern von Bosnien und Herzegowina „von der internationalen Gemeinschaft unter Führung der Vereinigten Staaten auferlegt“ worden und habe den „mehrjährigen Krieg gestoppt, aber keinen dauerhaften Frieden geschlossen“, schreiben die Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung vom 19. November, die dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegt.

Weder die Gleichberechtigung der verschiedenen Völker und Minderheiten, noch die Rückkehr der Vertriebenen und Flüchtlinge oder die Entschädigung für zerstörtes und geplündertes Eigentum sei erreicht worden, beklagen die Bischöfe. Stattdessen schwele der Konflikt nach wie vor weiter.

Zwei Mädchen beten in einer kriegszerstörten Kirche im Erzbistum Vhrbosna.

Katholische Bevölkerung vor dem Aus

Dramatisch sei auch die Situation der Katholiken im Land: „Fast die gesamte katholische Bevölkerung […] in der Entität Republik Srpska ist ausgerottet; und in der Entität Föderation Bosnien und Herzegowina ist sie kontinuierlich rückläufig“. Vor allem sorgen sich die Bischöfe um die Abwanderung junger Menschen und ganzer Familien. Verantwortlich dafür seien Kriminalität, Korruption, fehlende Arbeitsmöglichkeiten und schlechte politische Führung im Land.

Die meisten Katholiken in Bosnien und Herzegowina gehören der kroatischen Volksgruppe an. Pflicht „der einheimischen und ausländischen Beamten“ sei es gewesen, die „politischen, rechtlichen und materiellen“ Rahmenbedingungen zu schaffen, um die katholische Minderheit im Land zu halten. Dies sei jedoch ausgeblieben, monieren die Bischöfe.

Bosnia and Herzegowina/Mostar 11/237
New construction of the church and the priest´s house in the parish St. John in Stjepan Krst - reconstruction of the parish center which has been destroyed during the war: The ruins of the parish church and parish house after the war in July 1997
BOSNIEN-HERZEGOVINA / MOSTAR 11/00237
Gläubige vor einer zerstörten Kirche im Bistum Mostar-Duvno.

Forderung nach einer neuen Verfassung

Bosnien und Herzegowina sei in den vergangenen 25 Jahren auf dem Weg zu einem stabilen Frieden und „der wünschenswerten europäischen Integration“ zu wenig vorangekommen. Deshalb fordern die Bischöfe nationale wie internationale Politiker auf, „sich entschlossener als bisher um eine gerechte […] Verfassung des Landes zu bemühen“.

Bosnien und Herzegowina hat bislang keine rechtlich eigenständige Verfassung, diese wurde im Anhang des Friedensabkommens von Dayton festgelegt. Eine neue Verfassung solle die drei Staatsvölker – bosnische Kroaten, bosnische Serben und Bosniaken – die Rechte der ethnischen Minderheiten und die Bürgerrechte gleichermaßen berücksichtigen, heißt es in der Erklärung. „Die Verfassung muss von gerechten Gesetzen begleitet sein, die die Achtung aller individuellen und kollektiven Rechte gewährleisten, ohne die Möglichkeit der Vorherrschaft der Stärkeren oder Zahlreicheren.“

Jugendwallfahrt in Bosnien.

Komplexe Gebiets- und Machtteilung

Der Friedensvertrag von Dayton wurde unter maßgeblicher Vermittlung der USA am 21. November 1995 von den Verhandlungsparteien angenommen und am 14. Dezember in Paris unterzeichnet. Es galt damals als großer politischer Durchbruch, um den Bosnienkrieg mit über 100 000 Todesopfern zu beenden. Die Europäische Union hatte sich an dem Abkommen beteiligt. Der Friedensvertrag teilte das Staatsgebiet in die zwei Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina und Republik Srpska auf. Außerdem wurde eine paritätische Machtteilung zwischen Kroaten, Serben und Bosniaken festgelegt. Um die Umsetzung des Abkommens sicherzustellen, wurde ein Hoher Repräsentant der Vereinten Nationen für Bosnien und Herzegowina bestellt.

Je etwa die Hälfte der Einwohner von Bosnien und Herzegowina sind Christen oder Muslime. Der Anteil der Katholiken wird mit 12 bis 14 Prozent angegeben, geht aber kontinuierlich zurück. Angaben der lokalen Kirche zufolge wandern jährlich rund 10 000 Katholiken aus. Vielfach beklagten Kirchenvertreter auch eine Benachteiligung der überwiegend katholischen Kroaten.

KIRCHE IN NOT steht seit über drei Jahrzehnten den Katholiken in Bosnien und Herzegowina bei. Die Hilfe umfasst vor allem den Wiederaufbau von Kirchen, Klöster und die Unterstützung der Priesterausbildung.

Darüber hinaus unterstützt das Hilfswerk auch die Anschaffung von Fahrzeugen für die Seelsorge, den Aufbau von Pastoralzentren, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten und leistet Existenzhilfe für kontemplative Klöster. Auch die kirchliche Jugend- und Medienarbeit gehört zu den Förderprojekten.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Bosnien

Infolge der Massenproteste und gewaltsamen Auseinandersetzungen nach den Präsidentschaftswahlen in Belarus setzen sich die Repressalien gegen die Arbeit der Kirche weiter fort. So teilte die römisch-katholische Kirche in Belarus auf ihrem Internetportal mit, dass Ende August bislang unbekannte Täter an Büroräumen der Pfarre St. Simon und St. Helena in Minsk die Schlösser ausgetauscht hätten. Einige Tage zuvor sei der Pfarre der Strom abgestellt worden und Sicherheitsbeamte hätten den Zugang zur Kirche blockiert.
Eine Frau trägt bei den Protesten in Minsk eine Ikone.

Gebete für Rückkehr von Erzbischof Kondrusiewicz

Die Pfarre St. Simon und St. Helena ist ein wichtiges geistliches Zentrum der belarussischen Hauptstadt. Am 5. September hatten sich dort mehrere hundert Menschen versammelt, um für die Einheit des Landes und die Opfer der Massenproteste zu beten, darunter auch Vertreter ausländischer Botschaften und anderer Religionen. Für den 11. September ist ein stadtweiter Kreuzweg angekündigt, bei dem die katholischen Gläubigen um die Rückkehr ihres Erzbischofs Tadeusz Kondrusiewicz beten wollen.

Wie zahlreiche internationale Medien berichteten, war dem Vorsitzenden der katholischen Bischofskonferenz in Belarus und Erzbischof von Minsk-Mahiljou am 31. August an der polnisch-belarussischen Grenze die Wiedereinreise verweigert worden. Osteuropa-Referentin Magda Kaczmarek vom weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ erklärte dazu: „Wir müssen daran denken, dass Erzbischof bereits 74 Jahre und nicht völlig gesund ist. Eine solche Behandlung kann negative Folgen auf seinen Gesundheitszustand haben.“ Kondrusiewicz hatte im August die Polizeigewalt gegen friedliche Demonstranten öffentlich kritisiert.

Erzbischof Tadeusz Kondrusiewicz

„Ein Bruder hat seine Hand gegen den anderen Bruder erhoben“

Aus seinem „Exil“ in Polen hat sich der Erzbischof vergangene Woche an die Gläubigen und „alle Menschen guten Willens“ gewandt. Er bat sie um das Gebet für eine Lösung der gesellschaftspolitischen Krise, die er als „beispiellos“ bezeichnete. „In diesem Land, das in der Welt als friedlich und gemäßigt angesehen wird“ habe ein Bruder „seine Hand gegen den anderen Bruder erhoben.“

Der Erzbischof rief zu „Vergebung und Barmherzigkeit“ auf. Er regte an, im September in allen Kirchen des Landes um die Fürsprache des Erzengels Michael, des Schutzpatrons von Belarus, zu beten, um eine „Verschlimmerung des Konflikts aufzuhalten und schnellstmöglich eine Lösung zu finden.“ Eine Statue des Erzengels Michael wird alle vier katholischen Diözesen des Landes besuchen. Über eine Million der 9,5 Millionen Belarussen gehören der römisch-katholischen Kirche an, rund 10 000 der unierten griechisch-katholischen Kirche. „Kirche in Not“ ruft zu Gebet und Hilfe für die Menschen in Belarus auf.

Frau überreicht Blumen bei einer Demonstration.

Um die Arbeit der katholischen Kirche in Belarus weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Belarus

Weitere Informationen

  • Weißrussland: „Die Menschen haben Sehnsucht nach Demokratie“

Seit Tagen gehen die Menschen in Weißrussland (Belarus) auf die Straßen. Auslöser der Proteste war das Ergebnis der Wahl am 9. August, bei der der langjährige Präsident Alexander Lukaschenko als Sieger hervorging. Die Sicherheitskräfte sind anfangs rabiat gegen die Demonstranten vorgegangen. Es gab viele Festnahmen und Misshandlungen. Doch die Proteste der Weißrussen halten an.

In einem Interview schildert die Projektreferentin für Weißrussland von KIRCHE IN NOT, Magda Kaczmarek, die Lage in dem osteuropäischen Land.

Der Wahlausgang vom 9. August hat zu schweren Krawallen geführt. Medien haben Bilder vom rigiden Vorgehen der Polizei gegen Demonstranten gezeigt. Ist eine weitere Eskalation zu befürchten?

Die weißrussische Gesellschaft war mit dem Wahlergebnis nicht zufrieden. Unruhen und Spannungen waren schon davor zu beobachten. Das war der Grund, warum die Menschen auf die Straßen gegangen sind. Anfangs waren es Auseinandersetzungen mit Gewalt und Aggression gegen die Protestierenden, Tausende von ihnen wurden festgenommen, viele brutal geschlagen. Laut lokalen Medien sind erst einige Hunderte entlassen worden.

Seit einigen Tagen haben sich die Spezialeinheiten der Miliz zurückgezogen; und die Demonstrationen können friedlich verlaufen. Solche Proteste gab es bis jetzt in der Geschichte von Belarus noch nie.

Demonstrantinnen in Weißrussland. (Foto: Wiktor Wieden/KIRCHE IN NOT)

„Sehnsucht nach Demokratie”

Was fordern die Menschen?

Die Weißrussen sind diszipliniert und ein sehr gut organisiertes Volk. Die Menschen tragen Blumen und Ballons in den Händen oder Schilder mit „Schlagt uns nicht!“. Sie gehen friedlich durch die Straßen; und die Versammlungen verlaufen ohne Aggression. In der kommunistischen Zeit haben sie genug Leid und Trauer erfahren. Sie wollen nur Frieden und Ruhe in ihrem Land und haben Sehnsucht nach Demokratie.

Die jungen Menschen in Belarus sind gut ausgebildet und beobachten mit Begeisterung ihre Nachbarländer Polen, Litauen und Lettland und wie sie sich entwickeln. Für sie ist die Zeit für Änderungen gekommen. Daher möchte die junge Generation sich Europa öffnen und ihre Kinder in Frieden und Toleranz aufwachsen sehen.

Europa wirkt etwas rat- und fassungslos zu den aktuellen Vorgängen und der anhaltenden politischen Situation in Belarus. Was können die EU und die osteuropäischen Nachbarn tun?

Ich bin sicher, dass das Volk in der Lage ist, seine eigenen Probleme selbst zu lösen. Papst Franziskus hat sich am 16. August an die Weißrussen gewandt: Er bat um Frieden und Gerechtigkeit sowie um Dialog mit der Gesellschaft. Ich denke, dass seine Botschaft sehr klar ist.

Eine Demonstrantin übergibt einem Ordnungshüter Blumen. (Foto: Wiktor Wieden/KIRCHE IN NOT)

„Menschen sind körperlich und psychisch verletzt”

Belarus ist ein christliches Land, die Mehrheit ist orthodox, die römisch-katholische Kirche hat einen Anteil von zehn Prozent der Bevölkerung. Tadeusz Kondrusiewicz, der römisch-katholische Erzbischof und Metropolit von Minsk-Mahiljou, hat vergangene Woche an die Öffentlichkeit appelliert und einen runden Tisch vorgeschlagen. Er fügte hinzu, dass Belarus noch nie erlebt hat, dass der Bruder das Blut seines Bruders an seinen Händen hat.

Die Brutalität hat tiefe Spuren hinterlassen. Er fragt, wer diese Wunden heilen werde. Die Menschen sind körperlich und psychisch verletzt. Aber es gibt eine enorm große Solidarität unter den Mitmenschen für die Betroffenen.

Was können die Kirchen dazu beitragen, die Situation zu befrieden?

Die Bischöfe haben zum Gebet aufgerufen. Nach den Gottesdiensten werden der Rosenkranz gebetet und Zeiten der Anbetung gehalten. Das Verkünden des Evangeliums und der Wahrheit ist zurzeit für die Priester und Ordensleute wichtiger denn je. Die Menschen suchen nach Trost und finden ihn im Glauben.

Demonstranten bei einem gemeinsamen Gebet. (Foto: Witalij Poliniewski/Catholic.by)

„Menschen finden Trost im Glauben”

Bischof Aleh Butkewitsch aus Wizebsk erzählte mir, dass die Menschen in Belarus oft in einem Gewissenskonflikt leben, weil sie Situationen erlebt haben, in denen sie gegen ihr eigenes Gewissen handeln mussten. Das Böse solle aber mit dem Guten bekämpft werden. Ein Beispiel dafür sind die Frauen auf den Straßen, die in ihren weißen Blusen die Milizmänner umarmt und Blumen hinter die Schutzschilde gesteckt haben.

Ich dachte, der postsowjetische Mensch sei misstrauisch, zeige keine Eigeninitiative und übernehme nicht gerne Verantwortung, aber diese Tage haben meines Erachtens in Belarus das Gegenteil bewiesen.

Wie ist das Verhältnis innerhalb der christlichen Konfessionen in Belarus? Wie steht es um den interreligiösen Dialog?

Gemeinsame Gebete für den Frieden im Lande sind aktuell auch ein Zeichen der großen Solidarität zwischen den Kirchen. Die orthodoxe Kirche und Vertreter verschiedener christlicher Konfessionen, des Judentums und des Islam haben sich dem Appell um landesweite Gebete von Erzbischof Kondrusiewicz angeschlossen.

Der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz in Belarus sagte, es gebe keine Wahrheit, wo Gewalt herrsche. Jede gegen Gott und den Menschen gerichtete Tat sei eine schwere Sünde. Der orthodoxe Metropolit Pavel hat auch gebeten, auf Gewalt zu verzichten. Hass und Aggression seien keine Lösung.

Zu Beginn von Covid-19 hatten sich alle Konfessionen zusammengetan, um gegen die Pandemie zu beten. Das gab es laut Metropolit Kondrusiewicz noch nie. Die gemeinsamen Bestrebungen der katholischen und der orthodoxen Kirche für den Schutz des Lebens, gegen Abtreibung, und für die Familie sind seit Jahren bekannt.

Welche Zukunftsperspektive sehen Sie für Belarus?

Belarus ist ein Land mit herrlichen Landschaften, Seen und vielen Bodenschätzen. Die sogenannten landwirtschaftlichen Kolchosen gehören dem Staat. Die Menschen verlassen allerdings die Dörfer und gehen mehr und mehr in die Städte, um dort Arbeit zu finden. So habe ich das auf meinen Reisen in das Land erlebt. Es gibt Universitäten mit guten Dozenten, und die jungen Menschen lassen sich gerne ausbilden.

Das alles schafft Möglichkeiten für die Entwicklung eines Bewusstseins für Freiheit und Demokratie. Daher ist der offene und konstruktive Dialog mit den Regierenden wichtig. Die Stimme der Kirchen ist hier sicherlich entscheidend, denn nur die Wahrheit kann die Menschen retten.

Zu Beginn der weltweiten Corona-Krise und massiver Einschränkungen des öffentlichen Lebens riefen die Vereinten Nationen zu einem weltweiten Waffenstillstand auf, um sich auf den Kampf gegen Covid-19 zu konzentrieren. Papst Franziskus wiederholte diesen Appell. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat mit Projektpartnern in Kriegs- und Krisenländern Kontakt aufgenommen. Trotz der Pandemie gehen Krieg und Terror weiter. Die Not der Bevölkerung steigt.

„Die Wut des Virus veranschaulicht den Irrsinn des Krieges. Es ist an der Zeit, bewaffnete Konflikte zu beenden und sich gemeinsam auf den wahren Kampf unseres Lebens zu konzentrieren’’, erklärte UN-Generalsekretär Antonio Guterres am 23. März. Er hoffe, dass sich die Menschen bewusst seien, dass das Virus keinen Unterschied zwischen den Nationen mache und alle betreffe.

Papst Franziskus griff diesen Appell auf. Am 29. März forderte er die „Schaffung von Korridoren für humanitäre Hilfe, Offenheit für die Diplomatie und Aufmerksamkeit denen gegenüber …, die sich in einer Situation befinden, die sie am verletzbarsten macht’.

Flüchtling in Aleppo Syrien mit einer Friedenstaube © Ismael Martinez Sanchez/KIRCHE IN NOT

Umdenken bei Kriegsparteien?

„Hier geht der Konflikt weiter”, beklagt Erzbischof Andrew Nkea Fuanya aus Bamenda im Nordwesten von Kamerun. Der anglophone Teil des zentralafrikanischen Landes ist seit vier Jahren Schauplatz bewaffneter Konflikte mit tausenden Toten und weit mehr als einer halben Million Vertriebenen. Separatisten kämpfen dort für eine eigene „Republik Ambazonien“, unabhängig vom französischsprachigen Teil. Die katholische Kirche Kameruns agiert als Vermittlerin zwischen den Bürgerkriegsparteien.

Zwar hätten einige Anführer aus dem Lager der Separatisten zugestimmt, ein Waffenstillstandsabkommen zu unterzeichnen, so Erzbischof Nkea. Sie seien sich bewusst, was in der Corona-Pandemie auf dem Spiel stehe, aber sie hätten „wenig Einfluss auf die Kämpfer in dem Gebiet”, räumt er ein.

Dasselbe gilt auch für die Region Hassaké im Norden Syriens, wo „Militärflugzeuge weiterhin den Himmel überziehen und die Angriffe nicht aufhören”, teilt Nidal Thomas, Generalvikar der chaldäisch-katholischen Kirche im Nordosten Syriens mit: „Wir haben seit dem Auftreten des Coronavirus nur zwei oder drei Tage erlebt, an denen Ruhe herrschte.”

Die Pandemie habe das Land nach neun Kriegsjahren in einem Zustand großer Schwäche getroffen. Syrien habe 60 Prozent seiner Ärzte verloren – sie sind bei den Kämpfen umgekommen, wurden verschleppt oder sind geflüchtet. Nur ein Viertel der Krankenhäuser sei in Betrieb, erklärt Thomas. Außerdem sei Syrien durch die Wirtschafts- und Währungskrise im Nachbarland Libanon mitbetroffen: Syrische Sparer haben ihre Einlagen bei libanesischen Banken verloren, Hilfsgelder über den Libanon können nur noch unter erschwerten Umständen fließen. Syrien leidet zudem unter den internationalen Sanktionen, die seine Wirtschaft belasten.

Zerstörte Häuser in der Donbass-Region im Osten der Ukraine.

Eine Tragödie in der Tragödie

Von der Weltöffentlichkeit weitgehend unbemerkt, gehe der Krieg in der Donbass-Region im Osten der Ukraine weiter, teilt Bischof Pawlo Honczaruk aus Charkiw mit. Seine Diözese umfasst auch Teile der umkämpften Gebiete. Die Corona-Pandemie lasse offenbar werden, wie sehr „das oligarchische System das ukrainische Gesundheitswesen insbesondere in ländlichen Gebieten geschwächt hat. Die Pandemie legt die Korruption der politischen Führung offen, die eine Folge der Geschichte unseres Landes ist“, erklärt der Bischof. Der Verlust der Solidarität gefährde besonders die ärmsten Menschen.

In Nigeria ist es ebenfalls die grassierende Armut, die der Kirche neben den Folgen des islamistischen Terrors am meisten Sorge bereitet. „Die größte Gefahr in Verbindung mit Covid-19 in unserem Land ist, dass die Pandemie Hungersnöte unter den Ärmsten und eine Destabilisierung der bereits sehr schwachen Wirtschaft auslösen kann”, erklärt Erzbischof Ignatius Kaigama aus der Hauptstadt Abuja. Er betont, dass das Land insbesondere im Nordosten seit dem Auftreten der Pandemie weiterhin unter Terroranschlägen von Boko Haram leide.

Erzbischof Ignatius Kaigama aus Abuja/Nigeria verteilt während der Corona-Pandemie Lebensmittel an Bedürftige.

Eine Kirche der offenen Türen

„Die Gewalt hat in unserer Gesellschaft auch während der Pandemie nicht nachgelassen”, beklagt Erzbischof Carlos Garfias Merlos, Vizepräsident der Bischofskonferenz in Mexiko. Ohne Zweifel sei die Friedens-Botschaft von Papst Franziskus bei den Drogenbanden nicht angekommen. Mehr als je zuvor fahre die Kirche damit fort, „ihre Türen für die Opfer der Gewalt zu öffnen”, berichtet der Erzbischof.

Die Bürgerkriegsparteien in der Zentralafrikanischen Republik hätten ebenfalls nicht auf den Aufruf zum Waffenstillstand gehört, beklagt Bischof Bertrand Guy Richard Appora-Ngalanibé aus Bambari. „Leider liefern sich in einigen Gebieten die bewaffneten Gruppierungen strategische Gefechte mit dem Ziel, ihre Vorherrschaft auszuweiten und die Ressourcen des Landes zu plündern.” Dennoch zeigten die interreligiösen Initiativen, dass diese Krise eine Gelegenheit sein könne, um die Verbundenheit zwischen den Bürgern des Landes zu stärken, so Ngalanibé: „Mit der Hilfe unserer protestantischen und muslimischen Brüder und Schwestern bemühen wir uns darum, Sensibilisierungskampagnen durchzuführen, um die Pandemie-Gefahr einzudämmen.”

Der Einsatz für Frieden bleibt auch in der aktuellen Situation ein Stachel im Fleisch für die internationale Gemeinschaft. Weltweit gehen Kriege und Konflikte auch während der Corona-Krise weiter. „Kirche in Not“ steht in vielen Ländern den Betroffenen bei und unterstützt die Arbeit der Kirche vor Ort, die für viele notleidende Menschen die einzige Anlaufstelle ist.

Damit Seelsorger und kirchliche Mitarbeiter die Corona-Pandemie schultern und für die ihnen anvertrauten Menschen da sein können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online …hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nothilfen Covid-19

Flüchtlingskinder in der Zentralafrikanischen Republik.

Am 6. April 1992 brach in der auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina ein Krieg aus, der erst am 21. November 1995 offiziell mit der Unterzeichnung des Abkommens von Dayton endete. Es war ein vorläufiger Friedensvertrag, durch den Bosnien zu einem Halbprotektorat der Vereinten Nationen wurde. Heute ist das Land zwischen drei ethnischen Gruppen aufgeteilt: den Bosniern, den Serben und den Kroaten. Obgleich sie auf dem Papier gleichberechtigt sind, treiben in Wirklichkeit bestehende Frustrationen gefährliche Fliehkräfte an: Die muslimischen Bosnier orientieren sich zunehmend an der Türkei und der islamischen Welt; die mehrheitlich orthodoxen Serben unterliegen dem Einfluss aus Russland, während die katholischen Kroaten, die kleinste der drei ethnischen Gruppen, sich Europa zuwenden. Ein zunehmender interner Konflikt gefährdet die Zukunft des Landes und verkompliziert seinen geplanten Beitritt zur EU.

Von 1992-1995 wütete ein brutaler Krieg in der kleinen, auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina. Schätzungen zufolge wurden dabei mindestens 100.000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben. Obwohl alle Kriegsparteien einen schrecklichen Preis zahlten, gab es eine Gruppe, die am meisten gelitten hat und bis heute leidet, nämlich die Minderheit der katholischen Kroaten. Noch heute sind viele kroatische Dörfer im Herzen Bosniens, die während des Krieges zerstört wurden, unbewohnt. Der kroatische Journalist Zvonimir Čilić berichtete dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT, dass alleine in seiner Heimatstadt Vitez 653 Menschen von bosnischen Muslimen getötet wurden, und dass dabei mehr als 460 Witwen und 600 Waisen und Halbwaisen zurückblieben – und all dies innerhalb von nur 316 Tagen.

Schätzungen zufolge wurden im Krieg mindestens 100 000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist. Diese salafistischen Extremisten lebten und leben nach wie vor verborgen in den Außenbezirken der städtischen Ballungsgebiete wie Sarajevo, Tuzla, Zenica und Bihac sowie in entlegenen Dörfern wie Dubnica, Ošve, Gornja Maoča oder Bočinje. Dort haben diese Extremisten sich versammelt und 22 sogenannten Para-Jamaats gebildet, deren Finanzierung bis heute von den Golfstaaten sichergestellt wird.

Auch als die Kroaten nach dem offiziellen Ende des Krieges begannen, in ihre Heimatsdörfer zurückzukehren, fielen sie noch Terroranschlägen marodierender islamistischer Extremisten zum Opfer. „Sieben Menschen aus unserer Gemeinschaft wurden 1997, 1998 und in den Jahren danach an ihren Arbeitsplätzen umgebracht, alles in der Absicht, die Vertriebenen von der Rückkehr in ihre Heimat abzuhalten”, stellt Zvonimir Čilić fest. Bis zum heutigen Tage wurde keiner der Täter, die die Terroranschläge gegen die katholischen Rückkehrer von Travnik begingen, vor Gericht gestellt.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist.

„Vor dem Krieg war Travnik ein guter Ort zum Leben. Es war ein Industriezentrum. Nach dem Krieg sieht es in Travnik komplett anders aus. Die Menschen haben keine Arbeit. Viele von ihnen wurden getötet, viele verloren ihre Häuser oder ihre Angehörigen. Diese Wunden sind immer noch nicht verheilt. Hier gibt es zerrissene Familien, Auswanderung, zerstörte Arbeitsstätten, und es mangelt an Arbeitsmöglichkeiten. Es gibt hier keine Zukunftsperspektiven, und die jungen Menschen ziehen fort”, erklärt Pater Željko Maric, Schulleiter der Peter Barbaric School.

Ein weiteres Problem ist die Diskriminierung katholischer Rückkehrer im zivilen und religiösen Leben: Während die islamischen Gemeinschaften ihre gesamten Besitztümer nach Kriegsende zurückerhalten haben, wurden trotz der positiven Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bis heute zahlreiche kirchliche Besitztümer immer noch nicht ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben. Das Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat und die hohe, in den Dörfern oftmals über 50 % liegende Arbeitslosigkeit, sind die maßgeblichen Gründe für eine massive Auswanderung der jungen katholischen Kroaten. Nach Angaben von Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo, verlassen jährlich bis zu 10 000 Katholiken Bosnien und Herzegowina. Die Hauptstadt Sarajevo mit ihrem einstmals angepriesenen multiethnischen Charakter war vor dem Krieg Heimat von 35 000 Kroaten; heute hat sich diese Zahl halbiert. Insgesamt sind nach inoffiziellen Angaben der katholischen Kirche in den vier Diözesen Bosnien und Herzegowinas nur noch 380 000 Katholiken im Land geblieben.

Eine Moschee gleich neben der Kirche in Sarajevo.

Auf der anderen Seite ist es in den letzten zehn Jahren zu einem rapiden Anstieg der Zahl der aus der Türkei oder den Golfstaaten nach Bosnien eingewanderten Muslime gekommen. In ganz Bosnien sind von arabischen Investoren gebaute Einkaufszentren sowie sogenannte arabische Zentren entstanden, und wenn die Bautätigkeit weiter fortschreitet, wird bald Wohnraum für 100 000 Menschen da sein. Nach den 2018 von der örtlichen islamischen Gemeinde veröffentlichten Daten, gibt es im Land 1 912 Moscheen, von denen 554 nach Kriegsende gebaut oder wiederaufgebaut wurden.  Anhand ihrer Architektur sind deutlich die Finanzmittel aus dem Ausland sowie die Expansionsbestrebungen neuer und konkurrierender Strömungen des Islam erkennbar: Konservative Glaubensströmungen des sunnitischen Islam, mehrheitlich aus Saudi-Arabien wetteifern mit dem schiitischen Islam aus dem Iran. Die König-Fahd-Moschee, die im Jahr 2000 von den Saudis erbaut wurde, ist das zweitgrößte muslimische Gotteshaus auf dem Balkan. Laut eines 2017 erstellten Berichtes des Europarates waren in den letzten zwanzig Jahren in Bosnien und Herzegowina 245 verschiedene arabische humanitäre Organisationen tätig, von denen einige die Förderung eines konservativen Islam im Land finanzieren.

Die Radikalisierung der lokalen muslimischen Bevölkerung hat nicht nur größere Besorgnis bezüglich der interreligiösen Harmonie, die in Bosnien seit jeher besteht, hervorgerufen, sondern auch Spannungen innerhalb des Islam verschärft. Die bosnischen Muslime lehnen die jüngste Einführung dieser fundamentalistischen Glaubensstränge ab und sind besorgt, dass diese das Verständnis des traditionellen bosnischen Islam verformen könnten, der lange Zeit für seine Toleranz und Akzeptanz der religiösen Vielfalt bekannt war. Professor Dzemaludin Latic von der Universität für Islamwissenschaften in Sarajevo erklärt: „Die saudische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Die iranische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Was die Saudis betrifft, haben sie kein Gefühl für die Multiethnizität, die es hier gibt. Und die Iraner haben keinen Sinn für unser Schicksal, weil sie das Schiitentum verbreiten. Das führt dazu, dass unsere Situation hier noch komplizierter wird.“

Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt.

Dr. Stipe Odak von der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften an der belgischen Universität Löwen erklärt, dass sowohl ein organisatorischer als auch ein ideologischer Kampf gegen die „importierten“ radikalen salafistischen Gruppen begonnen hat. Da sie nicht im Einklang mit dem islamischen Kanon stehen, sind sie vor die Wahl gestellt worden, sich entweder in die bestehende Organisation der bosnischen islamischen Gemeinschaft zu integrieren oder sich aufzulösen. Bisher erfolglos. Dr. Odak ist der Ansicht, dass die Verkomplizierung der Situation einen wirtschaftlichen Hintergrund hat: Die von den Golfstaaten finanzierten Para-Jamaats bieten denjenigen, die ihre Ideologie akzeptieren, wirtschaftliche Sicherheit. Die Idee einer arabischen Hochburg im Westen, die von ausländisch geförderten fundamentalistischen Ideologien angetrieben wird, ist besonders besorgniserregend vor dem Hintergrund, dass Bosnien-Herzegowina Mitglied in der NATO oder der Europäischen Union werden möchte.

Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt. Professor Dzemaludin Latic ist überzeugt: „Wir müssen über unsere eigenen Ängste sprechen. Die katholischen Kroaten müssen die Schmerzen und die Angst der Bosnier verstehen. Wir Bosnier müssen als Mehrheit die Gefühle dieser Kroaten nachempfinden, die das Land verlassen, und deren Zahl sich halbiert hat. Wir müssen erkennen, was uns erwartet, wenn wir allein bleiben, ohne die Unterstützung der Kroaten für diesen Staat. Was können wir erwarten?“  Eine offene Frage, auf die es 25 Jahre nach Kriegsende aufgrund der Diskriminierung der katholischen Minderheit und des unaufhaltsamen Wachstums des radikalen Islam, nur wenige optimistischen Antworten gibt.

Die Lage hat sich zwar etwas beruhigt, doch ist die Gefahr durch die COVID19-Pandemie  nicht verschwunden. In den mittel- und osteuropäischen Ländern sind die offiziellen Zahlen der Infizierten relativ gering, aber die tatsächlichen Zahlen liegen wesentlich höher, da diese Länder keinen Zugang zu zuverlässigen Tests haben. In der Ukraine ist das Gesundheitssystem sehr schlecht ausgestattet; die Patienten, die ins Krankenhaus eingeliefert werden, müssen meistens ihre Medikamente, notwendiges Verbandsmaterial und medizinische Grundausrüstung selbst mitbringen.

Priester halten weiterhin einen pastoralen Notdienst aufrecht, halten Beerdigungen, besuchen kranke und ältere Menschen, nehmen die Beichte ab und spenden die Krankensalbung. Damit werden sie folglich zur nächsthöheren Risikogruppe nach den Ärzten und dem Pflegepersonal. In der Ukraine wurden sieben Priester auf COVID-19 positiv getestet. Einer starb im Alter von 55 Jahren.

Zur Unterstützung des engagierten Dienstes durch ukrainische Geistliche in dieser Zeit der Pandemie stattet das Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) mehr als 2740 griechisch-katholische Priester und 1000 Mitglieder von Ordensgemeinschaften mit der notwendigen Schutzausrüstung aus: Sie erhalten Schutzmasken, Handschuhe, Desinfektionsmittel usw., damit sie sich angemessen schützen und die Ausbreitung der Infektion verhindern können. Ein weiteres, ähnlich gelagertes Projekt kommt 738 Priestern und 92 Seminaristen der katholischen Kirche des lateinischen Ritus zugute.

Bei den Ostergottesdiensten in den Kirchen selbst waren nur 2 % der Gläubigen dabei. Die übrigen nahmen über soziale Netzwerke an der Liturgie teil. Zurzeit ist die Teilnahme an der heiligen Messe auf zehn Gläubige beschränkt. Obwohl die katholische Kirche des lateinischen wie des griechisch-katholischen Ritus die Einschränkungen der Regierung sehr ernst nehmen, können sich die Priester der Gesundheit der Seelen nicht verweigern.

Aus diesem Grund haben viele Geistliche unter Beachtung der Sicherheits- und Schutzmaßnahmen die Zahl der Heiligen Messen erhöht. Sie sind außerdem den ganzen Tag über in den Kirchen anwesend, um „die Gläubigen, die das Sakrament der Beichte oder der heiligen Kommunion empfangen möchten“, individuell zu betreuen, so Pater Mikolay Leskiv, ein Priester des lateinischen Ritus in Tscherwonohrad.

„In diesen schwierigen Zeiten müssen wir uns noch stärker um unsere Gläubigen kümmern und ihnen unseren Dienst auf dem Weg der Erlösung anbieten. Wir müssen allerdings auch für ihre Sicherheit in der Kirche sorgen. Ungeachtet der hohen Preise, die sich seit Beginn der Pandemie mehr als verzehnfacht haben, habe ich deshalb Desinfektionsmittel gekauft. Eine Flasche steht am Eingang der Kirche für die Gläubigen zur Verfügung. Eine weitere ist für den Priester bestimmt, der die heilige Kommunion austeilt, die neben dem Tabernakel aufbewahrt wird. Ich habe auch Schutzmasken für die Gläubigen besorgt, die nicht über die dafür notwendigen Mittel verfügten. Aber unsere Geldmittel sind begrenzt“, erklärt Pater Mikolay Leskiv.

Die Zeit der Quarantäne und des Lockdown geht zwar bald vorbei; die Vorschrift, eine Schutzmaske zu tragen, wird jedoch noch über Monate bestehen bleiben. Das mit Hilfe von KIRCHE IN NOT bereitgestellte Material wird voraussichtlich bis August reichen.

Das Sonderhilfepaket zur Linderung der COVID-Folgen in der Ukraine umfasst auch Unterstützung für den Lebensunterhalt von 150 Ordensfrauen aus 24 Ordensgemeinschaften in der Diözese Kamjanez-Podilskyj. Aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen und der COVID-19-Beschränkungen kann das Bistum trotz der von den Ordensfrauen in Pfarren, Waisenhäusern und Krankenhäusern geleisteten außerordentlichen Arbeit für ihren Lebensunterhalt kaum aufkommen.

Gerade in dieser Zeit haben viele von Arbeitslosigkeit, Armut, häuslicher Gewalt und Perspektivlosigkeit betroffene, insbesondere junge Menschen die Hoffnung verloren. Wegen der mangelnden Betreuung seitens der Regierung werden Priester und Ordensfrauen zu deren ersten Gesprächspartnern, weil Hunderte von Menschen mit jemandem reden müssen, dem sie vertrauen. Darüber hinaus werden Geistliche und Ordensleute oft vor Ort zu „Führungskräften“, die die Gemeinden anregen und ermutigen, Selbsthilfegruppen für Bedürftige, Kranke oder Gesundheitspersonal zu organisieren. Die drei Projekte zum Schutz und zur Unterstützung der „Seelenärzte“ in der Ukraine belaufen sich auf 165.400 €.

Die Hagia Sophia in Istanbul (Türkei) war einst das Zentrum der Orthodoxie, bevor sie in eine Moschee und dann in ein Museum umgewandelt wurde.  In dieser ehemaligen byzantinischen Kathedrale, die seit 1934 offiziell religiös neutral ist, erklang am 23. März erneut der Ruf des Muezzins zum muslimischen Gebet. Nach 85 Jahren war dies das erste Mal am 3. Juli 2016 wieder geschehen.

Um die Beweggründe für dieses bedeutsame Ereignis herauszufinden, hat die internationale Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) Etienne Copeaux, einen Historiker, der sich mit der zeitgenössischen Türkei befasst, interviewt. Er war ehemals Mitarbeiter des Französischen Instituts für anatolische Studien in Istanbul und Forscher am CNRS (Nationales Zentrum für wissenschaftliche Forschung). Er betreibt den Blog Susam-Sosak, der ganz der Türkei gewidmet ist. Das Interview führte Christophe Lafontaine.

Wie ist die Forderung der Muslime zu erklären, in der Hagia Sophia zu beten?

Die Forderung, dass die Basilika aus dem 6. Jahrhundert wieder für die muslimische Religionsausübung zurückgegeben werden soll, ist seit den Feierlichkeiten zur 500. Jahrestag der Einnahme von Konstantinopel im Jahr 1953 stark gegenwärtig. Anlässlich der Einnahme der Stadt (der „Fetih“) feierte der Sultan den Sieg in der Hagia Sophia und wandelte diese ipso facto in eine Moschee um. Diese Geste verlieh der Basilika einen sakralen und islamischen Charakter und machte sie zu einem Symbol des Islam, obgleich paradoxerweise ihr griechischer, christlicher Name beibehalten wurde: „Aya Sofia“. Atatürk, der Gründer und von 1923 bis 1938 erste Präsident der türkischen Republik, hat 1934 zum großen Ärger der Gläubigen entschieden, die Hagia Sophia zu säkularisieren und sie in ein Museum zu verwandeln, das sie bis heute geblieben ist.

Etienne Copeaux – französischer Historiker

Stellt die Frage des muslimischen Gebetes in der Hagia Sophia eine Zurückweisung der von Atatürk gewollten Laizität dar?

Das Gedenken im Jahr 1953, das alles in allem eine ziemlich einfache Zeremonie war, fand in einer anti-laizistischen Periode statt, einer Zeit der Rückkehr des Religiösen unter der Regierung der Demokratischen Partei von Adnan Menderes (1950-1960), der 1956 in Konya erklärte: „Die türkische Nation ist muslimisch.“ Diese Aussage, die den Charakter der Türkei, die nach dem Völkermord an den Armeniern, der Ausweisung der orthodoxen Griechen und den Pogromen an den Juden de facto zu 99 Prozent muslimisch geworden war, widerspiegelt, wurde zum Lieblingsslogan der extremen Rechten in der Türkei.

Als der politische Islam von Juni 1996 bis Juni 1997 wieder an die Macht kam, versprach Premierminister Necmettin Erbakan seinen Wählern, die Basilika dem Islam zurückzugeben. Er blieb nicht lange genug an der Macht, um diesen Plan zu verwirklichen.

Zur selben Zeit, nämlich von 1994 bis 1998, war Recep Tayyip Erdogan Bürgermeister von Istanbul und formulierte dieselben Absichten. Doch er wurde 1998 durch die Armee abgesetzt und sogar für die „Verletzung der Laizität“ inhaftiert.

2018 rezitierte Erdogan als türkischer Präsident den ersten Koranvers in der Hagia Sophia und erklärte im März 2019, er wolle den Status eines Museums in den einer Moschee umwandeln. Steht der Gebetsruf vom 23. März damit im Zusammenhang?

Ich meine, dass viele Maßnahmen, die Erdogan seit 2002 und insbesondere im Jahr 2012 getroffen hat, zum einen ein politisches Ziel haben, das 50 Jahre zurückgeht, und zum anderen als eine Rache für die Verletzung gesehen werden können, die ihm seine Absetzung 1998 zugefügt hat. So ist auch das Gebet von vergangenem März in meinen Augen nichts anderes als ein (für den Augenblick) bescheidenes Ergebnis eines langen Prozesses. Vor allem darf man das Regime von Erdogan nicht als einen Bruch betrachten, sondern es ist Teil einer langen national-islamischen Geschichte, die sich nicht immer unterirdisch vollzogen hat.

Wie können die Christen in der Türkei reagieren?

Die Christen in der Türkei, und vor allem der Überrest der orthodoxen Bevölkerung, deren größter Teil 1914, 1955 und 1964 in Wellen ausgewiesen wurde – um nicht von der Vertreibung der Orthodoxen aus Nordzypern im Jahr 1974 zu sprechen – ist angesichts des von ihnen Erlebten extrem zurückhaltend. Die Anweisung, sich zurückzuhalten, wird sogar von den religiösen Führern beharrlich wiederholt: keine hohen Wellen zu schlagen, sich nie zu beklagen. Die Reaktionen der Orthodoxie können in der Türkei nur über den offiziellen Weg des Ökumenischen Patriarchates von Konstantinopel laufen. Aber der Erfahrung nach sind die Treffen zwischen dem Patriarchen und den türkischen Behörden oft sehr konventionell, sehr diplomatisch. Wird die griechische und russische Orthodoxie passiv bleiben, wenn die Basilika wie im Jahr 1453 der muslimischen Religionsausübung überlassen werden sollte? Angesichts des komplizierten Kontextes der Beziehungen mit Russland aufgrund des Syrienkonflikts ist es ziemlich unwahrscheinlich.

Titelbild: Arild Vågen/wikimedia

Das Coronavirus hat auch Osteuropa erreicht. Für die Ukraine könnte die Ausdehnung der Krankheit fatale Konsequenzen haben. Eine anhaltende Rentenkrise hat ältere Menschen bereits vor COVID-19 dem Risiko von Krankheit und Armut ausgesetzt. Hinzu kommt die anhaltende Kriegssituation im Osten der Ukraine, die viele Menschen noch weiter in die Verelendung treibt.

In der Ukraine und anderen Krisenländern stehen Priester und Ordensleute an vorderster Front im Einsatz für notleidende Menschen. Damit sie auch unter den Folgen der Corona-Pandemie weiterhin ihren sozialen wie seelsorgerischen Dienst ausüben können, hat das internationale päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ besondere Hilfen zur Verfügung gestellt. Vier ukrainische Ordensschwestern berichten über ihre Arbeit in Zeiten der Pandemie.

Schwester Daniela Pukhalska ist Krankenschwester in Odessa am Schwarzen Meer. Sie arbeitet in der Abteilung für Infektionskrankheiten und kennt das Leid aus erster Hand: „Zurzeit kommen viele Patienten mit Verdacht auf Corona zu uns“, berichtet sie. „Vor einigen Tagen wurde uns mitgeteilt, dass wir ab sofort nur noch Patienten aufnehmen, die positiv getestet wurden. Es gibt so viel Arbeit, dass ich am Ende des Arbeitstages sehr erschöpft bin.“ Selbst einige der Ärzte seien in Panik geraten, einige von ihnen hätten sogar gekündigt, erzählt Schwester Daniela. Sie dagegen bleibt relativ gelassen: „Wie unser Chefarzt immer sagt: Wir wussten, in welcher Abteilung wir arbeiten und was uns erwarten könnte.“

Schwester Justiniana versorgt eine Frau im Altenheim. © Kirche in Not
Schwester im Erzbistum Lemberg besucht einen hilfsbedürftigen Mann. © Kirche in Not

Sie selber habe keine Angst vor einer Infektion. Diese Zuversicht sei der Gnade Gottes und dem Umstand zu verdanken, dass viele Menschen für sie und für die Kranken beten, betont die Schwester, die der Gemeinschaft „Kleine Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens“ angehört. „Ich weiß, dass viele Menschen für uns, für die Ärzte und das gesamte Personal beten, wofür wir sehr dankbar sind. Wir bitten weiterhin um Gebete, damit uns die Kraft nicht verlässt“, sagt Schwester Daniela.

„Nicht in Panik geraten, sondern Patienten beruhigen“

Mit der Pandemie konfrontiert sind auch Schwestern, die sich um ältere und pflegebedürftige Menschen kümmern, wie zum Beispiel Schwester Justiniana aus dem Altersheim „Maria, Mutter der Barmherzigkeit“ im westukrainischen Lemberg. Dort betreuen die St.-Joseph-Schwestern 25 bettlägerige Personen, die rund um die Uhr medizinische Betreuung brauchen. Während der Corona-Pandemie haben sie die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Es sei zum Beispiel verboten, Patienten zu besuchen, erzählt Schwester Justiniana. Das Personal verwende Masken und Schutzkleidung. Alles werde streng desinfiziert. „Wir befürchten, dass uns die notwendigen Mittel und Medikamente bald ausgehen, denn es ist schwer, Nachschub zu besorgen“, berichtet Schwester Justiniana besorgt. „Trotz allem versuchen wir, nicht in Panik zu geraten, sondern die Patienten zu beruhigen und zu schützen.“

Mut für den täglichen Kampf schöpfe auch sie aus dem Glauben: „Wir haben Anfang April den 15. Todestag des heiligen Johannes Paul II. gefeiert. Wir erinnern uns an seine Worte: ,Hab keine Angst! Öffnet die Tore für Christus‛. Wenn wir uns für Christus öffnen und ihn annehmen, stehen wir unter seinem besonderen Schutz. Deshalb vertrauen wir ihm unser Zuhause und die ganze Welt an.“

Geistliche und materielle Sorgen für notleidende Menschen

Die Missionsbenediktinerin Jana Lypiwska arbeitet seit zwei Jahren in der Pfarrei des heiligen Aloisius in Schmerinka in der Zentralukraine. Ihre Hauptaufgabe war bis vor kurzem die Katechese für Kinder und Erwachsene sowie die Vorbereitung auf die Sakramente. Schwester Jana kümmerte sich aber auch um die alten und hilfsbedürftigen Menschen der Pfarrei. Das sei jetzt ihre wichtigste Beschäftigung, erzählt die Ordensfrau: „Gerade in dieser schwierigen Zeit der Ausgangssperren brauchen diese Menschen unsere Hilfe und unser Lebenszeugnis. Viele bitten uns um das Gebet. Wir öffnen unsere Kapelle für das persönliche Gebet, wir erledigen Einkäufe oder sind einfach für die Menschen in dieser schwierigen Zeit da.“

Schon vor der Pandemie war die wirtschaftliche Lage der Ukraine wegen des Krieges, in dem das Land sich seit 2014 befindet, sehr schlecht. Ersparnisse hat dort kaum jemand, und der Verlust der Arbeitsstelle durch die Pandemie bringt die Menschen an den Rand ihrer Existenz. Das spüren auch die Schwestern in Iwano-Frankiwsk in der Westukraine. Schwester Elena Gnadziuk gehört der Kongregation der „Myronositsi“ an. Ihr Kloster wird täglich von Menschen besucht, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden – täglich werden es mehr. Die Schwestern geben Lebensmittel aus. „Jedes Mal, wenn es klingelt und ich die Tür unseres Klosters öffne, sehe ich Menschen in Not“, erzählt Schwester Elena. „Gestern hat uns eine Frau um Essen für ihre drei Kinder gebeten. Nach ihr kam ein Mann, der um Essen für seine Mutter bat … Unter den Bedürftigen gibt es viele alleinstehende Menschen, die keinerlei Unterstützung haben. Wir sind für sie da.“

„Kirche in Not“ unterstützt alle genannten Klostergemeinschaften seit vielen Jahren. Das Hilfswerk fördert Ausbildung und Unterhalt der Ordensfrauen sowie ihren karitativen Einsatz. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at/helfen/spenden

Schwester Elena gibt an der Klosterpforte Lebensmittel aus. © Kirche in Not
Eine Delegation des Moskauer Patriarchates hat in diesen Tagen die internationale Zentrale des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT besucht, um weitere gemeinsame Hilfsaktionen im Nahen Osten zu besprechen.

Am 16. und 17.Juli besuchte eine Delegation des Moskauer Patriarchates die internationale Zentrale der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Thema der Besprechungen war die Entwicklung weiterer gemeinsamer Projekte in Syrien und im Irak als Antwort auf den Aufruf, den Papst Franziskus und Patriarch Kirill im Februar 2016 bei ihrem historischen Treffen in Havanna an ihre beiden Kirchen gerichtet hatten. Im Mittelpunkt ihrer Botschaft stand die Zusammenarbeit beider Kirchen, um den leidenden Christen vor allem im Nahen Osten zu helfen.

Die Delegation aus Moskau bestand aus Hieromonach Stefan (Igumnov), dem Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Hieromonach Ioann (Kopeykin), dem Prorektor des Postgraduierteninstitutes der Hll. Cyrill und Methodius in Moskau sowie Ekaterina Myazdrikova, der Direktorin des Hilfsfonds „Poznanie“ des Moskauer Patriarchates, der syrischen Kindern hilft, die durch Explosionen schwer verletzt wurden.

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT, die seit mehr als 25 Jahren für den Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche engagiert ist, hatte bereits unmittelbar nach dem Treffen der beiden Kirchenoberhäupter gemeinsam mit dem Moskauer Patriarchat erste Initiativen zugunsten der Christen im Nahen Osten gestartet. Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet soll nun intensiviert werden. Regina Lynch, Direktorin der Abteilung Projekte bei KIRCHE IN NOT, betonte in diesem Zusammenhang, die Katholische und die Russisch-Orthodoxe Kirche hätten „viele gemeinsame Anliegen, von denen das schmerzlichste die Sorge um die Christen im Nahen Osten und in anderen Ländern, in denen Christen verfolgt oder bedrängt werden“ seien.

Hieromonach Stefan (Igumnov) betonte, diese Zusammenarbeit werde möglich durch die „bereits seit vielen Jahren bestehenden guten und fruchtbaren Beziehung zu KIRCHE IN NOT“, die auf „wirklichem Vertrauen“ beruhe. Wörtlich sagte er: „Wir sind nicht nur Partner, sondern Freunde.“ KIRCHE IN NOT habe das Moskauer Patriarchat in „verschiedenen Stadien seiner Geschichte“ unterstützt. Jedoch sei zuvor „nie daran gedacht worden, gemeinsame Projekte auch in anderen Teilen der Welt durchzuführen“.
Nach dem historischen Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kirill in Havanna jedoch habe die Zusammenarbeit „eine neue Phase erreicht.“ Laut Igumnov war es „ein Wunder, das Gott uns geschenkt hat, dass wir bereits zwei Monate nach dem Treffen unserer Kirchenoberhäupter in Havanna ihrem Aufruf folgen und gemeinsam in Syrien tätig werden konnten.“

Die Gespräche über die gemeinsamen Projekte werden weiter fortgesetzt. Es ist geplant, gemeinsame Initiativen ins Leben zu rufen, die dazu dienen, Jugendlichen in Syrien und im Irak unabhängig von ihrer Konfession eine Zukunft zu ermöglichen. Diese gemeinsamen Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch“ sein, wie die Vertreter des Moskauer Patriarchates und der Stiftung KIRCHE IN NOT übereinstimmend erklärten.

Foto:

v.l.n.r.: Peter Humeniuk, Projektleiter für Russland von KIRCHE IN NOT,
Fr. Ioann (Kopeykin), Prorektor des Cyril und Methodius Institutes für Post-Graduate Studien des Moskauer Patriachats in Moskau,
Ekaterina Myazdrikova, Geschäftsführerin von “Poznanie”, ein karitativer Fond des Moskauer Patriachats,
Regina Lynch, KIRCHE IN NOT, Leitung der Projektabteilung,
Fr. Stefan (Igumnov), Sekretär für den interchristlichen Dialog,
P. Martin Barta, internationaler geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT

Beiträge zu diesem Thema

Ukraine: Existenzhilfe für Karmelitinnen

Ukraine: Existenzhilfe für Karmelitinnen

05.10.2018 hilfsprojekt
Russland: Ein Fahrzeug für Ordensfrauen

Russland: Ein Fahrzeug für Ordensfrauen

05.02.2018 hilfsprojekt