Das Zentralgefängnis von Bukavu im Osten der Demokratischen Republik Kongo: Eigentlich wurde es für 500 Häftlinge gebaut. Heute sind über 2100 Menschen hinter diesen Mauern eingesperrt. „Eigentlich bin ich ja nicht der echte Leiter dieses Gefängnisses. Das ist er, Pfarrer Adrien“, empfängt der Direktor lachend an der Pforte den einzigen täglichen Besucher.
Schnell scharen sich die Gefangenen um den Priester im braunen Shirt und mit Baseballkappe. Lächelnd begrüßt Pfarrer Adrien Cishugi die Inhaftierten mit ihren Vornamen. „Es gibt hier nicht genügend Platz, es gibt nicht genügend Nahrung, eigentlich fehlt es an allem“, erzählt der Gefängnisseelsorger Vertretern von KIRCHE IN NOT, die ihn bei seiner Arbeit begleiten. Unser Hilfswerk unterstützt die Gefängnisseelsorge in der Erzdiözese Bukavu.
Ein Blick in die Gefängniszellen macht den Mangel offensichtlich: Über 300 Häftlinge sind in einem einzigen Raum untergebracht. Sie liegen und sitzen auf dem Boden oder auf Hochbetten, die keine Matratze haben, sodass die Häftlinge mit den blanken Eisenplatten Vorlieb nehmen müssen. Es gibt kein elektrisches Licht und keine Fenster. Obwohl draußen die Sonne scheint, geht ein Teil der Häftlinge nicht hinaus.

In der Gefängnisküche zeigt Pfarrer Adrien einen Becher hoch, der weniger als einen Viertelliter fasst: „Das ist die Tagesration Mais oder Hirse für einen Häftling.“ Weil das nicht ausreicht, müssen die Häftlinge Lebensmittel bei Händlern kaufen, die Zugang zum Gefängnis haben.
Glücklicherweise gibt es christliche Vereine, die kostenlos Nahrungsmittel verteilen, um die Tagesration zu ergänzen. Allerdings können sie nicht jeden Tag kommen, bedauert Pfarrer Adrien.
Auf der Krankenstation zittert ein junger Häftling vor Angst und Schmerz beim Verbandswechsel. Er ist kaum älter als 20. Ein Druckgeschwür hat sich tief in sein Bein gefressen. Normalerweise leiden darunter nur bettlägerige Menschen. Aber der junge Mann hat tagelang bewegungslos auf seinem Lager gelegen.

„Ich will, dass die Welt erfährt, was hier geschieht“, sagt der behandelnde Arzt und besteht darauf, dass die Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT die Wunden seines Patienten fotografieren.
„Wir müssen darum kämpfen, grundlegende Produkte wie Desinfektionsmittel und Verbandszeug zu bekommen. Die Menschen, die hier ernsthafte Krankheiten haben, sind zum Tod verdammt!“ Durch die schlechten hygienischen Bedingungen nehmen Tuberkulose und andere Erkrankungen unter den Häftlingen zu.
Pfarrer Adrien liegen besonders die jungen Häftlinge am Herzen. In der Unruheregion im Osten der Demokratischen Republik Kongo sind sie anfällig für Extremismus und organisierte Kriminalität.

Der Seelsorger versucht, sie mit allen Mitteln der Lethargie zu entreißen und positive Kräfte in ihnen zu wecken. Er zeigt einen kleinen Pokal, den er in seiner Tasche versteckt hat: der Preis bei einem Fußballturnier, das er demnächst im Gefängnis veranstaltet.
Genauso wichtig wie Medizin, Lebensmittel und Beschäftigung ist jedoch die seelsorgerische Begleitung der Gefangenen. Pfarrer Adrien konnte vor Kurzem eine neue Gefängniskapelle segnen, die in einem Trakt mit minderjährigen Häftlingen untergebracht ist.
An Ostern 2023 konnte er neun Häftlinge taufen, erzählt er stolz. Darunter habe sich auch ein ehemaliger Soldat befunden, der in organisierte Kriminalität verwickelt war. Sein Taufgesuch wurde in der Häftlingsgemeinde kontrovers diskutiert. Schließlich änderte der Mann für alle sichtbar sein Verhalten. So stand der Taufe nichts mehr im Wege.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Demokratische Republik Kongo
Viele Menschen in Saporischschja fragen sich staunend: „Wieso bleiben diese Ordensbrüder hier? Sie stammen doch aus Polen, warum bringen sie sich nicht in Sicherheit und gehen zurück in ihre Heimat?“ Aber die Albertinerbrüder setzen in der umkämpften Stadt ihren Dienst an den armen Menschen fort.
Mehr als die Hälfte der Bevölkerung der südukrainischen Großstadt, die unter anderem für ihr unter Beschuss geratenes Atomkraftwerk bekannt wurde, ist geflüchtet. Von den ursprünglich 750 000 Einwohnern sind kaum mehr als 300 000 übrig.
Es kommt zu stundenlangen Stromausfällen, 90 Prozent der Schulen sind geschlossen, viele der noch in der Stadt verbliebenen Menschen halten sich aus Angst vor Luftangriffen nur noch in den Kellern ihrer Häuser auf. Auch in der Nähe des Hauses der Albertinerbrüder kommt es immer wieder zu Raketeneinschlägen.

Unterstützen Sie ihren Dient an den bedürftigen Menschen.
Im Oktober 2022 wurde in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft sogar ein siebenstöckiges Wohnhaus getroffen. Es gab ein Dutzend Tote – darunter eine Familie mit Kindern – und etwa 50 Verletzte. Der Teil der Stadt, wo sie ihre Armenküche betreiben, wurde ebenfalls schon wiederholt mit Raketen und Drohnen beschossen.
Die vier Brüder, die sich um notleidende und obdachlose Menschen kümmern und eine Bäckerei betreiben, werden in Saporischschja bleiben, solange es möglich ist. Ihre Hilfe wird mehr benötigt denn je, denn mittlerweile ist die Zahl der Hilfesuchenden auf über 1000 angewachsen. Vor dem Krieg waren es 150.

Die Preise in den Geschäften sind stark angestiegen; es gibt kaum Arbeit. Viele Menschen fragen sich, wie sie überleben sollen.
Aber auch die Albertinerbrüder selbst sind von den Preissteigerungen betroffen. Damit sie – wie hunderte andere ukrainische Ordensleute auch – ihren selbstlosen Dienst an den notleidenden Menschen fortsetzen können, wollen wir ihnen unter die Arme greifen. Wer möchte sie in ihrem mutigen Dienst stärken?
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Ukraine
In Island einen Katholiken zu finden – das grenzt manchmal an eine Schatzsuche. Die dünnbesiedelte Insel zählt gerade einmal 388 000 Einwohner, nur etwa 14 000 von ihnen sind Katholiken. Die Hauptstadt Reykjavik ist Sitz des einzigen katholischen Bistums im Land; es gibt acht Pfarren.
Schwester Selestina Gavrić, eine gebürtige Kroatin, ist seit 20 Jahren als „Schatzsucherin“ in Island tätig. Die Karmelitin vom Heiligsten Herzen Jesu lebt mit drei Mitschwestern in einer Gemeinde, die sich über 500 Kilometer erstreckt.
Ohne Auto wäre die Pastoralarbeit hier unmöglich, zumal bei den langen schneereichen Wintern auf Island. KIRCHE IN NOT hat Schwester Selestina deshalb ein Auto finanziert. Bis zu vier Stunden ist sie damit unterwegs, wenn sie die entferntesten Teile der Pfarre erreichen möchte.

Die weiten Reisen seien jedoch notwendig, ist die Ordensfrau überzeugt: „Ich habe immer wieder erlebt, dass sich Gemeindemitglieder aus Mangel an persönlichen Kontakten von der Kirche entfernt haben. Ich gehe ihnen entgegen.“ Das Internet hilft aus, wenn sich ein Besuch einmal gar nicht einrichten lässt, aber wichtiger sei der Kontakt von Mensch zu Mensch, zeigt sich Schwester Selestina überzeugt.
So kommt es, dass Katholiken in entferntesten Gebieten plötzlich einen Überraschungsbesuch von der Ordensschwester bekommen – um zu erfragen, wie es ihnen geht, ältere und kranke Menschen zu besuchen, manchmal aber auch mit einem konkreten Anliegen: „Wenn ich zum Beispiel von einer Familie weiß, dass sie ein siebenjähriges Kind hat, klopfe ich an ihre Tür: ,Ihr Kind geht schon zur Schule. Es hat ein Recht darauf, seinen Glauben besser kennenzulernen. Wir haben Religionsunterricht. Sind Sie interessiert?“

Es braucht schon Mut und Entschiedenheit, um Gemeindemitglieder anzusprechen, die länger nicht in der Kirche waren, aber das schreckt Schwester Selestina nicht ab: „Ich wurde gebeten, nach Island zu kommen. Das war eine große Überraschung. Aber wenn ich gebeten würde, auf den Mars zu gehen, würde ich auch dort missionieren.“
Das Auto für die Karmelitinnen in Island ist eines von 1253 Fahrzeugen für die Seelsorge in entlegenen Gebieten, die „Kirche in Not“ allein 2022 finanziert hat – darunter auch Motor- und Fahrräder, Transportfahrzeuge und Boote.

Im Sudan ist ein militärischer Machtkampf zwischen Präsident Abdel Fattah al-Burhan und seinem Vize Mohammed Hamdan Daglo ausgebrochen. Die Armee unter al-Burhans Kommando kämpft gegen die „Rapid Response Forces“ (RSF), eine paramilitärische Gruppierung, die von Daglo angeführt wird. Der Kampf weiter sich von Hauptstadt Khartum immer weiter aus; vereinbarte Waffenruhen halten nicht. Lokale Medien berichten von bislang fast 300 Toten und über 3000 Verletzten.
Kinga von Schierstaedt ist Projektreferentin beim weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) und dort unter anderem für den Sudan zuständig. Sie berichtet im Interview über die aktuelle Lage.

KIRCHE IN NOT: Was berichten Ihre Kontaktpersonen über die Lage in der Hauptstadt Khartum?
Kinga von Schierstaedt: Ich habe vor kurzem mit einem Projektpartner im Norden von Khartum telefoniert. Ganz in seiner Nähe haben sich Militärs der RSF verschanzt. Während des Telefonats konnte ich Schüsse im Hintergrund hören. Khartum sei wie eine Geisterstadt, berichtete er, man sehe niemanden und höre keine Stimmen in der Nachbarschaft. Er und seine Mitbewohner trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Die Lebensmittel gehen zur Neige, der Strom ist ausgefallen. Es herrscht Wassermangel. Tagsüber ist es momentan im Sudan bis zu 40 Grad heiß. Immer wieder fliegen Militärflugzeuge über sie hinweg, so der Projektpartner. Sie hätten Angst, von einem Blindgänger getroffen zu werden.
Worum geht es bei diesem Konflikt?
Die jetzige Eskalation ist das Ergebnis einer latenten Spannung, die zwischen Präsident al-Burhan und seinem Vize Daglo schon seit 2021 herrscht. Damals hatten beide zusammen gegen die Übergangregierung geputscht, die nach der Absetzung von Diktator Umar al-Baschir eingesetzt worden war. Es geht darum, wie und mit wem regiert werden soll, um Macht und die Eingliederung der RSF in die Armee als Schritt zu einer Zivilregierung.
Aber es gibt ein weiteres Motiv. Der Sudan ist Afrikas drittgrößter Gold-Produzent. Vizepräsident Daglo besitzt Goldminen im Norden des Sudan. Von dort gehen jährlich Milliarden Dollar in die Vereinigten Arabischen Emirate. Gleichzeitig unterhält auch die Armee eine Unmenge von Immobilien und Geschäften aller Art, die sie ungern einer zivilen Regierung übergeben möchte.

Sind die Kämpfe lokal, oder droht eine Ausweitung auf das ganze Land?
In der Hauptstadt sind die Kämpfe am stärksten. Es gibt auch Konfrontationen in den Städten Merowe im Norden, al-Ubayyid (El Obeid) im Süden und in der Gegend um Darfur im Westen. In al-Ubayyid wurde der Platz vor der katholischen Kathedrale zum Schlachtfeld, da sich direkt nebenan ein Camp der RSF befindet. Ein Sprengsatz zerschmetterte die Glasfenster der Kathedrale, ein anderer traf das Pfarrhaus. Gott sei Dank ist dem Pfarrer nichts passiert.
Wie ist die Lage für die katholische Kirche?
Die katholische Kirche im Sudan ist sehr klein, etwa 95 Prozent der Einwohner sind Muslime. Da es kein religiöser Konflikt ist, sind alle Bürger gleich betroffen. Die öffentlichen Gottesdienste am vergangenen Sonntag sind ausgefallen. Das Glaubensleben findet in den Krisenzonen nur mehr in den Privathäusern statt.

Was sind die absehbaren Folgen der jüngsten Kämpfe?
Einer unserer Projektpartner hat es so ausgedrückt: „Ich habe das Gefühl, es wird immer dunkler im Sudan“. Das Land war vorher schon in einer verzweifelten Lage. Der Konflikt lässt die Preise noch weiter steigen, während die Menschen kein Geld haben.
Zeichnet sich bereits eine größere Flüchtlingsbewegung ab?
Viele Menschen verlassen aktuell die umkämpften Städte und flüchten zu Verwandten und Bekannten auf dem Land. Noch haben wir keine Nachrichten von großen Flüchtlingswellen und Camps, aber es gibt auf jeden Fall eine Flucht aus den Städten heraus.
Besteht noch irgendeine Chance, diesen Konflikt einzudämmen?
Die Fronten sind momentan unglaublich verhärtet. Unsere Kontaktpersonen sagen: Wenn nicht eine der Gruppen nachgibt oder siegt, dann glauben sie leider nicht an ein schnelles Ende des Konflikts. Alle unsere Partner bitten um das Gebet; sie sagen mir: „Das Einzige, was uns jetzt Kraft geben kann, ist, wenn wir uns vom Gebet getragen wissen.“
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Sudan
Der Gesellschaft vom heiligen Apostel Paulus, die sowohl einen weiblichen als auch einen männlichen Zweig hat, ist besonders die Verkündigung der Frohen Botschaft durch die Massenmedien ein Anliegen. Die Ordensmänner und -frauen geben Bücher und Zeitschriften heraus, sind im Apostolat durch Radio, Fernsehen und Internet aktiv und stellen audiovisuelle Medien her.
Auch in der Ukraine sind Paulisten tätig. In der Zeit des Krieges haben sie erkannt, wie groß nicht nur die materielle, sondern auch die seelische Not der Menschen ist. Daher haben sie das Buch „Die Bibel – Fragmente, die die Seele stärken“ zusammengestellt. Es handelt sich dabei um Bibelworte, die universell und für jeden zugänglich sind – nicht nur für gläubige Katholiken oder Christen anderer Konfessionen, sondern auch für Menschen, die nicht im Glauben beheimatet sind und sich auf der Suche nach dem Spirituellen befinden. Gerade jetzt in einer Zeit, in der die Menschen mit Tod, Zerstörung und schier unerträglichem Leid konfrontiert sind, ist die Frage nach Gott in vielen erwacht, die sie sich vorher nicht gestellt haben.

Es dämmerte schon im brasilianischen Amazonasgebiet, als Pater Paolo Maria Braghini in einem kleinen Boot zu seiner Mission zurückkehrte, nachdem er in der Stadt Vorräte gekauft hatte.
Plötzlich zog ein schwerer Sturm auf. Zusätzlich zu Regen und Dunkelheit tauchte auf dem Fluss ein großes Boot auf, dessen Bugwelle das kleine Boot von Pater Braghini zum Kentern brachte. Der Priester und sein Begleiter fielen aus dem Boot und wurden von der Strömung auf den Grund des Flusses gerissen.

In der Dunkelheit und im Regen gelang es ihnen nur mit großer Mühe, ans Ufer zu schwimmen. An Land angekommen, konnten sie sich nicht ausruhen, denn Moskitos, Ameisen und andere Insekten ließen dies nicht zu.
Sie liefen mehr als eine Stunde lang im Dunkeln, bis sie schließlich auf eine indigene Gemeinschaft stießen, die sie willkommen hieß. „Dies zu überleben, war ein Segen Gottes, denn manchmal gehen Menschen unter und ertrinken, weil die Strömung zu stark ist“, sagt der Kapuzinerpater.
Im Jahr 2005 kam der Kapuziner aus Italien in die Pfarre des heiligen Franz von Assisi im Dorf Belém do Solimões im Amazonasgebiet, in der Nähe des Dreiländerecks Brasilien, Kolumbien und Peru.

Der Missionar, der 72 indigene Gemeinden an den Ufern kleiner Flüsse betreut, ist Alligatoren entkommen, war von Feuerameisen bedeckt und musste einmal eine Frau in Sicherheit bringen, die von einer Giftschlange gebissen worden war. Immer wieder ging das Boot kaputt, und Pater Paolo Braghini war der Strömung des Flusses ausgeliefert.
„Unfälle und unvorhergesehene Ereignisse sind Teil unseres Lebens. Ich hatte einmal einen Schreckmoment mit einem riesigen Alligator: Als wir an ihm vorbeifuhren, dachten wir, es sei ein vom Sturm umgewehter Baum, aber als wir näherkamen, öffnete er direkt neben uns die Augen. Mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht“, erinnert sich der Ordensbruder.
Paolo Braghini erzählt: „Als wir in Belém do Solimões ankamen, fanden wir eine Pfarrei vor, die seit fünfzehn Jahren verlassen war. Dort gab es weder einen Pfarrer noch Ordensleute; der Glaube wurde von einigen Laien am Leben erhalten. In einigen Gemeinden war ich der erste Priester, der eine Taufe spendete. Außerdem waren Gewalt, Alkoholismus und Selbstmorde unter jungen Menschen sehr verbreitet.

Wir sahen, wie sie geradezu nach Hilfe und Chancen für ihr Leben schrien. Wir begannen mit kleinen Veranstaltungen wie Musik-, Gitarren-, Schreinerei- und Nähkursen, und nach und nach entstanden neue pastorale Tätigkeiten; so gewann die Evangelisierung an Schwung.
Die Arbeit von Pater Braghini wäre ohne die Hilfe von KIRCHE IN NOT kaum möglich gewesen. So hat die Kapuzinermission kürzlich nicht nur die Kinderbibel in die Ticuna-Sprache übersetzt, sondern dank der Unterstützung durch das Hilfswerk auch vier motorisierte Kanus erworben.

„Mit Hilfe von KIRCHE IN NOT konnten wir mehr Gemeinden von Gläubigen betreuen, da wir mit einheimischen Missionaren zusammenarbeiten. Jede Gemeinde ist eine Tagesreise mit dem Boot entfernt. Wir stellen jeder Gruppe von Missionaren, die jeweils für eine oder zwei Gemeinden zuständig sind, ein Holzkanu und einen Motor zur Verfügung, so dass die Gemeinden mindestens einmal im Monat besucht werden können“, erklärt der Missionar.
Unter den verschiedenen, von den Kapuzinern betreuten indigenen Gruppen sind die Ticuna die größte in der Region; im brasilianischen Amazonasgebiet leben etwa 40 000 Ticuna. In den Gemeinden von Belém dos Solimões wird jeden Sonntag die heilige Messe in der Sprache der Ticuna gefeiert, und es gibt Katechese. Auch der erste Ticuna-Diakon lebt dort.

Im Priesterseminar werden weitere indigene Berufungen ausgebildet. „Ich glaube, unsere große Stärke ist es immer gewesen, an die Menschen vor Ort zu glauben, zu wissen, dass sie diejenigen sind, die wirklich die Führer, die Hirten ihres Volkes mit ihrer Sprache und ihrer schönen Kultur sein können und sollten. Sie spüren, dass wir an sie glauben, dass wir sie lieben und schätzen“, sagt Pater Braghini.
Braghini ist den Wohltätern von KIRCHE IN NOT, die die Kinderbibel in Ticuna, die Motorboote, Treibstoff für die Reisen und sogar Lebensmittelpakete während der kritischsten Zeit der Covid-19-Pandemie zur Verfügung gestellt haben, unendlich dankbar.
„Tausend Dank! Ich danke Ihnen im Namen eines jeden, der von Ihrer Hilfe profitiert hat. Wir bitten auch um Ihr Gebet, denn es ist nicht einfach, in diesen Ländern als Missionar tätig zu sein. Die Herausforderungen sind zahlreich, groß und täglich. Beten Sie für uns alle, für die Missionare in Amazonien und in der ganzen Welt“, bittet der Kapuziner.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Brasilien

KIRCHE IN NOT: Wie sind die heutigen Häftlinge damals verurteilt worden?
Théogène Ngoboka: Sie wurden von aus Dorfältesten gebildeten traditionellen Volksgerichten, sogenannten Gacaca-Gerichten, verurteilt. Ursprünglich ermöglichten diese Gerichte die Bereinigung von Streitigkeiten zwischen Nachbarn oder Familienmitgliedern. Es handelte sich um eine Versammlung der Dorfbewohner unter dem Vorsitz der Dorfältesten, bei der jeder um das Wort bitten durfte.
Diese Gacaca-Gerichte wurden wieder ins Leben gerufen, um die erforderlichen Gerichtsverfahren der über 100 000 Menschen zu beschleunigen, die beschuldigt wurden, am Völkermord beteiligt gewesen zu sein.
Die Männer, die 29 Jahre später immer noch im Gefängnis sitzen, wollten die ihnen angelasteten Taten nicht gestehen oder sie haben mehrere Verbrechen begangen und ihre Strafen wurden zusammengefasst. Manche sind auch jene, die in diesem Völkermord die Befehle erteilten.

Sie sind Gefängnisseelsorger in dieser Haftanstalt. Was ist Ihre Aufgabe?
Ich habe ein ständiges Besuchsrecht. Zusammen mit Freiwilligen, die in der Kommission für Gerechtigkeit und Frieden arbeiten, helfe ich jenen Häftlingen, die bald freigelassen werden, bei der Vorbereitung ihrer Entlassung. Tatsächlich ist es so, dass sie zwar gegenüber dem Gesetz ihre Strafe verbüßt haben, doch die Gesellschaft wird sie weiterhin verurteilen.
Wie helfen Sie diesen Menschen?
Es ist langer Prozess der Begleitung der Gefangenen und auch der Gemeinschaft, in die sie zurückkehren werden, damit sie gemeinsam den Weg der Versöhnung gehen. Wir bereiten die Häftlinge darauf vor, indem wir sie aufklären, dass es notwendig ist, dass sie um Vergebung bitten.
Wenn sie dazu bereit sind, schreiben sie an alle Menschen, die sie um Vergebung bitten wollen, einen Brief. Sie verpflichten sich dazu, ihr Verhalten zu ändern und drücken ihren Wunsch aus, harmonisch mit der Gemeinschaft zusammenzuleben. Die Leitung der Haftanstalt unterschreibt diese Briefe, um ihre Echtheit zu beglaubigen.

Die Briefe werden den überlebenden Familienangehörigen durch Priester oder die freiwilligen Helfer der entsprechenden Kirchengemeinde überbracht. Sie übernehmen es auch, die Absicht des Häftlings zu erklären. Dann entsteht ein Dialog, um die Gültigkeit der Aussagen zu überprüfen. So gibt es beispielsweise Briefe, in denen alle Informationen stehen, in anderen Briefen sind sie nicht vollständig. Die Überlebenden und Betroffenen führen andere Fakten auf. Die Kommission übernimmt es, all diese fehlenden Informationen festzuhalten und an den Häftling zurückzuschicken. Wir arbeiten als Vermittler, damit die Wahrheit ans Tageslicht kommt.
Und was passiert, wenn die Wahrheit ans Licht gekommen ist?
Wenn der Überlebende bestätigt, dass der Brief wirklich vollständig ist, dann wird ihm vorgeschlagen, in die Haftanstalt zu kommen, um sich mit dem Häftling auszutauschen. Es gibt jeden Monat einen Tag, an dem wir diese Besuche mit dem Sozialdienst der Haftanstalt organisieren. Wir sind dabei immer Vermittler und nehmen an diesem Treffen teil. Dabei kommen starke Gefühle hoch.

Die Vergebung muss von der ganzen Familie akzeptiert werden, sowohl von den Familienmitgliedern des Überlebenden als auch von den Familienmitgliedern des Häftlings. Wir organisieren Treffen mit den Überlebenden und auf der anderen Seite mit den Familien der Häftlinge. Anschließend bringen wir beide Seiten zusammen.
Die meisten Menschen sind gläubig; innerhalb dieses Prozesses der Vergebung spielt der Glaube eine maßgebliche Rolle. Wir beten und tauschen uns über Bibeltexte aus. Wir laden auch Menschen ein, die diesen Vergebungsprozess bereits hinter sich haben, damit sie von ihren Erfahrungen berichten. Das ermutigt die anderen.
Das ist ein langwieriger Prozess …
Ja, deshalb beginnen wir damit drei Jahre vor der Entlassung. Auch wenn der Häftling freigelassen wurde, ist der Prozess noch nicht abgeschlossen. Wir verpflichten uns dazu, den Weg noch mindestens sechs Monate lang weiterzugehen, damit ehemalige Häftlinge und Betroffene ihre Angst überwinden können. Versöhnung geschieht nicht automatisch. Vertrauen muss aufgebaut werden.

Wir organisieren auch Pilgerfahrten nach Kibeho, einem Marienerscheinungsort in Ruanda, wohin wir Pfarreigruppen einladen. Jeder erzählt dann, welchen Weg er gegangen ist. Man tauscht sich aus. Jeder bestärkt sich selbst auf seinem Weg der Vergebung.
Nach sechs Monaten versucht die Kommission Gerechtigkeit und Frieden, den Stand der Versöhnung einzuschätzen. Wenn dieser Prozess erfolgreich verlaufen ist, organisiert die Kirche einen Tag der Einheit und der Versöhnung. Die ehemaligen Häftlinge gestehen in der Öffentlichkeit, was sie getan haben, und bitten um Vergebung. Auch die Betroffenen sprechen öffentlich ihre Vergebung aus.
Welchen Schwierigkeiten begegnen Sie dabei?
Dieses Verfahren erfordert große Anstrengungen. Auch 29 Jahre später sind die Verletzungen noch spürbar. Manche Menschen wollen nicht wieder mit den Wunden konfrontiert werden. Zahlreiche Menschen können immer noch nicht um ihre Angehörigen trauern, weil sie nicht wissen, wo sich deren Leichen befinden.

Glauben Sie, dass dieser Versöhnungsprozess ohne die Hilfe von Gott möglich wäre?
Nein. Vergebung ist ein Wunder, ein Geschenk Gottes. Vergebung ist eine gottgegebene Kraft. Viele Menschen fragen sich immer noch, warum Gott angesichts ihres Leids schweigt. Die Antwort auf diese Frage findet sich in dem Geheimnis, das wir am Karfreitag feiern: Gott war bei seinen leidenden Kindern, seinen verfolgten Gerechten, seinen abgeschlachteten Unschuldigen.
Vergessen wir nicht, dass nach dem Karfreitag das Osterfest kommt, das Zeichen des Sieges des Lebens über den Tod, das Zeichen der Hoffnung auf eine bessere Zukunft in Jesus Christus.
Im Jahr 2021 wurden in der Diözese Cyangugu 154 Häftlinge begleitet und Treffen mit 98 Familien organisiert, die den Völkermord überlebt haben. KIRCHE IN NOT unterstützt die Arbeit der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden bei der Ausbildung von 120 Priestern und Ordensleuten in den Bereichen Trauma-Sensibilisierung, aktives Zuhören und psycho-spirituelle Begleitung zur Stärkung der Resilienz der Gemeinschaft.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Ruanda
Jedes Jahr freut sich Bischof Antoine Sabi Bio von Natitingou im Nordwesten Benins darüber, dass er jungen Männern die Priesterweihe spenden darf. Die Zahl der Berufungen steigt.
Am 7. Jänner 2023 empfingen Félix Simbianou et Méternich Zinsou in der Erlöserkathedrale von Natitingou die Priesterweihe. Hunderte Gläubige aus allen Pfarren der Diözese waren angereist, um an diesem großen Ereignis teilzunehmen.

Bereits vor der Weihe hatte uns der Bischof darum gebeten, ihn dabei zu unterstützen, die beiden neugeweihten Priester mit je einem Motorrad auszustatten. Dies ist für ihre zukünftige Arbeit unerlässlich, denn die Pfarren bestehen aus zahlreichen oft weit abgelegenen Ortschaften. Unsere Wohltäter haben 5.900 Euro dafür gespendet, und so konnten die beiden Neupriester am Tag ihrer Weihe je ein Motorrad erhalten, das ihnen ihren zukünftigen Dienst erleichtern wird. Die Freude war groß – auch unter den Gläubigen!
Die beiden neugeweihten Priester brachten in ihren Ansprachen sehr bewegt ihre Freude und Dankbarkeit gegenüber den Wohltätern von KIRCHE IN NOT zum Ausdruck und versprachen, für sie zu beten und die Motorräder in bestmöglicherweise für die Verkündigung der Frohen Botschaft einzusetzen. Auch der Bischof dankt allen, die geholfen haben: „Mit großer Freude richte ich diesen Brief an Euch, um Euch für die Unterstützung unserer pastoralen Arbeit zu danken. Möge der Herr es Euch hundertfach vergelten!“
Dschihadismus und Nationalismus sind die Hauptmotive für die zunehmende Verfolgung von Christen in zahlreichen Ländern weltweit. Das ist das zentrale Ergebnis der Dokumentation „Verfolgt und Vergessen? Ein Bericht über Christen, die ihres Glaubens wegen unterdrückt und verfolgt werden“, den das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT veröffentlicht hat.
Der Bericht, den das britische Nationalbüro des Hilfswerks erstellt hat und der nun in deutscher Sprache vorliegt, dokumentiert für den Zeitraum 2020 bis 2022 die Entwicklungen im Hinblick auf die religiöse Verfolgung in Afrika, im Nahen Osten und Asien und geht anschließend auf Vorkommnisse in 22 Ländern ein, darunter China, Pakistan, Katar, Türkei oder Vietnam.

Der Bericht “Verfolgt und Vergessen?” liefert Zeugnisse aus erster Hand, vor allem von den Projektpartnern von KIRCHE IN NOT sowie öffentlich zugänglichen Quellen. Diese Beispiele belegten, dass Christenverfolgung Tag für Tag stattfinde, in einigen Weltregionen in steigendem Maße. Der Bericht möchte aufrütteln und zur Solidarität anspornen.
Der neue Bericht stellt fest, dass in 75 Prozent der untersuchten Länder die Unterdrückung und Verfolgung von Christen im Berichtszeitraum zugenommen hat. So breitet sich in Afrika der Dschihadismus vor allem in den Staaten der Sahel-Region immer weiter aus. Berichten zufolge starben allein in Nigeria zwischen Januar 2021 und Juni 2022 bis zu 7600 Christen durch terroristische Anschläge. Im Mai 2022 wurde ein Video veröffentlicht, das die Hinrichtung von 20 nigerianischen Christen durch die Terrorgruppe Boko Haram zeigt.

In Asien führen autoritäre Regime zu einer Verschärfung der Unterdrückung. Nordkorea steht hier seit Langem an der Spitze der Verfolgung, aber auch in China sind Christen immer größerer staatlicher Überwachung unterworfen. Besondere Sorge in dieser Weltregion macht der erstarkende ethno-religiöse Nationalismus. Beispiele sind Indien oder Sri Lanka, in denen hinduistische bzw. buddhistische Nationalistengruppen großen Einfluss haben. So wurden in Indien zwischen Januar 2021 und Juni 2022 mindestens 710 Vorfälle antichristlicher Gewalt gezählt; die Dunkelziffer dürfte weit größer sein.
Im Nahen Osten ist dem Bericht zufolge die Auswanderungswelle der christlichen Bevölkerung infolge der wirtschaftlichen Not und der Auswirkungen des Syrienkriegs nach wie vor nicht gestoppt. In Syrien ist die Zahl der Christen von zehn Prozent der Bevölkerung kurz vor Kriegsbeginn auf heute weniger als zwei Prozent gesunken. Im Irak hat sich die Zahl der Christen seit 2014 halbiert, wenngleich kleine Fortschritte in der Anerkennung der Rechte der christlichen Minderheit gemacht werden konnten.
„Verfolgt und vergessen?“ dokumentiert auch die zahlreichen Entführungen von Mädchen und jungen Frauen in Ländern wie Pakistan oder Ägypten, die vorrangig auf das Konto radikaler Islamisten gehen. Der Bericht zeigt in zahlreichen Bildern und Beispielen auch den Einsatz von „Kirche in Not“ für bedrängte Christen weltweit.
„,Verfolgt und vergessen?’ ist wie ein Kompendium und Motor unseres Einsatzes für die Kirche, die auch im 21. Jahrhundert in Not ist“, sagt Herbert Rechberger, Nationaldirektor von “Kirche in Not” – Österreich. „Unsere Glaubensgeschwister brauchen uns; das zeigt der Bericht einmal mehr denn je.“
Am 8. März, dem Weltfrauentag, hat Papst Franziskus bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz die beiden nigerianischen Christinnen Maryamu Joseph (19) und Janada Marcus (22) begrüßt. Beide hatten durch die Terroreinheit Boko Haram schwere Misshandlungen erfahren. Sie waren auf Einladung des italienischen Büros von KIRCHE IN NOT nach Rom gekommen. Fotos zeigen, wie Papst Franziskus mit den beiden Frauen spricht und sie segnet.
Darüber hinaus wurden die Christinnen von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni und von Außenminister Antonio Tajani empfangen.
Eine der beiden Frauen, Janada Marcus, hat mit KIRCHE IN NOT über ihr Leid gesprochen.

KIRCHE IN NOT: Janada, Sie und Ihre Familien waren bereits zweimal vor Boko Haram geflohen, als sie sich in Maiduguri in Nordnigeria niederließen. Was geschah dann?
Maryamu Joseph: Mein Vater hatte ein Stück Land in der Nähe von Maiduguri gekauft und wir waren froh, dass der Albtraum der Flucht vorbei war. Aber dann kam der 20. Oktober 2018 – der Tag, an dem die Sonne aus unserem Leben verschwand.
Was passierte?
Wir waren gerade bei der Arbeit auf unserem Bauernhof und sangen Lieder. Plötzlich waren wir von Männern von Boko Haram umzingelt. Sie richteten eine Machete auf meinen Vater. Sie sagten ihm, sie würden uns freilassen, wenn er mit mir Sex hätte. Während die Machete auf die Stirn meines Vaters zielte, sah er mich und meine Mutter an. Ich konnte ihm nicht in die Augen sehen. Ich schämte mich für das, was die Männer vorgeschlagen hatten.
Wie reagierte Ihr Vater?
Er senkte den Kopf und antwortete: „Ich kann nicht mit meiner eigenen Tochter schlafen. Lieber sterbe ich, als so eine Gräueltat zu begehen.“ Da nahm einer der Männer die Machete und enthauptete meinen Vater. Ich flehte Gott an, auch mein Leben zu nehmen. Ich war schon eine lebendige Tote.

Sie haben diesen Angriff überlebt. Aber das war noch nicht das Ende des Schreckens …
Zwei Jahre später, im November 2020, war ich auf dem Weg zu einer Behörde, als ich erneut von Boko-Haram-Kämpfern überfallen wurde. Sie verschleppten mich und folterten mich, sechs Tage lang. Es kam mir wie sechs Jahre vor. Ich kann nicht beschreiben, was ich erlebt habe. Dann ließen sie mich frei. Ich ging zurück zu meiner Mutter. Sie brachte mich dann ins Traumazentrum der katholischen Diözese Maiduguri.
Wie war es im Traumzentrum?
Ich wurde erstmal zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Es folgte ein halbes Jahr mit intensiven Therapiegesprächen und geistlicher Betreuung. Ich habe gelernt, meine Vergangenheit zu verarbeiten – die Kunst, heil zu werden, indem ich meinen Schmerz loslasse. Mein Glaube ist stärker geworden. Inzwischen bin ich wieder auf den Beinen und habe mich jetzt in einer weiterführenden Schule eingeschrieben.

Sie sagen, Ihr Glaube sei stärker geworden. Was meinen Sie damit?
Meine schrecklichen Erfahrungen haben mich erst von Gott weggeführt. Ich fragte: Wo war Gott, als mein Vater getötet wurde? Wo war er, als ich Folter und Qualen durchleben musste? Nach meinem Heilungsprozess weiß ich, dass Gott auch im Leid da ist. Boko Haram hat mir so Schlimmes angetan. Ich kann selbst nicht glauben, dass ich das sage: Aber ich haben meinen Peinigern vergeben und bete für die Erlösung ihrer Seelen.
Das Traumazentrum der Diözese Maiduguri wurde mit Hilfe von KIRCHE IN NOT gebaut. Dort können bis zu 40 traumatisierte Frauen und Mädchen psychologisch und seelsorgerisch betreut werden.
Auf das Schicksal entführter und missbrauchter Frauen und Mädchen in Nigeria, Pakistan, Ägypten, Irak und andernorts macht eine Fallstudie von KIRCHE IN NOT mit dem Titel „Hört Ihre Schreie“ aufmerksam. Sie kann hier bei uns bestellt werden.
Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in Nigeria und ihren Einsatz für die Betroffenen von Gewalt und Terror mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Nigeria
Einen Monat nach dem Erdbeben in Syrien und der Türkei hat das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) ein weiteres Hilfsprojekt gestartet. Im syrischen Aleppo zahlt KIRCHE IN NOT Mietbeihilfen an rund 450 christliche Familien aus, die durch die Naturkatastrophe obdachlos geworden sind. KIRCHE IN NOT arbeitet dabei mit dem Gemeinsamen Ausschuss der Kirchen in Aleppo zusammen, dem katholische, orthodoxe und protestantische Christen angehören.
„Es geht im Moment vor allem darum, vorübergehende Unterkünfte für Familien zu mieten, die nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können, weil sie zerstört oder einsturzgefährdet sind“, erklärte der Projektreferent von KIRCHE IN NOT für Syrien und den Libanon, Xavier Bisits. Nach ersten Untersuchungen seien in Aleppo hunderte Häuser nicht bewohnbar. Einige müssten abgerissen werden, andere könnten vielleicht in Stand gesetzt werden. Nach wie vor kampierten viele Menschen in Aleppo in ihren Autos oder auf dem Boden von Kirchen und Gemeindesälen, berichtete Bisits: „Die betroffenen Familien brauchen jetzt vor allem einen sicheren Ort.“ Viele seien durch infolge des Krieges und der Inflation mittellos.

Die lokalen Projektpartner suchen nun nach Wohnraum; KIRCHE IN NOT wird für die ersten sechs bis zwölf Monate die Miete übernehmen. Die christlichen Kirchen in Aleppo haben darüber hinaus bereits ein Ingenieur-Komitee beauftragt, die Schäden an den Häusern von Gemeindemitgliedern zu erfassen und die Wiederaufbaukosten zu kalkulieren. KIRCHE IN NOT wird auch dabei helfen.
Das Hilfswerk hatte bereits unmittelbar nach dem Beben Soforthilfen in Höhe von einer halben Million Euro zur Verfügung gestellt, damit Diözesen, Klöster und Pfarrgemeinden in besonders betroffenen Gebieten wie Aleppo oder Latakia die Überlebenden des Erdbebens mit Lebensmittel, Decken und weiteren Hilfsgütern versorgen können. Dabei kommt KIRCHE IN NOT die jahrelange Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchen zugute.
Die jetzt geleisteten Hilfen gehören zu den wenigen, die vor Ort ankommen. Bisits, der noch am Tag der Katastrophe in die Region gereist war, hatte kritisiert, dass es nach dem Erdbeben „fast keine Anzeichen für eine internationale Reaktion“ zur Hilfe in Nordsyrien gebe: „Die Welt darf Syrien nicht vergessen.“
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Syrien
Weihbischof aus Maiduguri sieht Nigeria im Umfeld der Präsidentschaftswahlen „noch nie so geteilt wie jetzt – entlang religiöser, ethnischer und regionaler Grenzen. Das ist ein Versagen der Politik, die es versäumt hat, Menschen zusammenzubringen.“
Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT betonte der Weihbischof, dass die internationale Gemeinschaft in der aktuellen Katastrophenlage helfen könne, „dass Rechtsstaatlichkeit und Religionsfreiheit eingehalten werden. Die Weltgemeinschaft kann Druck auf unsere Regierung ausüben, damit sie all das wahrnimmt.“ Nigeria sei „in gewisser Weise ein Entwicklungsland, dem beim Regieren geholfen werden muss“.
Bakeni ist seit Sommer 2022 Weihbischof im Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias. Die Region im Bundesstaat Borno gilt als Ursprungsregion der Terrorgruppe „Boko Haram“. Mittlerweile sei es dort etwas sicherer geworden, aber es handle sich nach wie vor um einen „Guerillakrieg. Besonders in den Dörfern ist die Lage noch angespannt, weil die Boko-Haram-Einheiten in den Busch und die Wälder zurückgedrängt werden konnten.“

Muslime und Christen, die in der Region einen Anteil von etwa 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen, lebten „Seite an Seite zusammen. Wir gehen auf denselben Markt, ins selbe Krankenhaus. Es gibt einen Dialog des Lebens.“
Es sei jedoch ebenso falsch, in den Medien und der Öffentlichkeit vereinfachend von „Zusammenstößen zwischen Christen und Muslimen“ in Nigeria zu sprechen. Die Konflikte hätten zwar eine religiöse Dimension, aber es spielten auch politische, ethnische und weitere Faktoren eine Rolle.
Dennoch werde besonders in Nordnigeria von Regierungsseite versucht, „Christen zu unterdrücken, zu verfolgen, zu diskriminieren und vom politischen und gesellschaftlichen Leben auszuschließen“, erklärte der Weihbischof.

Das gelte auch im Konflikt zwischen Bauern und Hirten in weiten Teilen Nigerias. Durch die klimatischen Veränderungen fänden die Hirten immer weniger Weideland: „Also mussten sie ins Hinterland ziehen, und das schafft zwangsläufig Konflikte“, sagte Weihbischof Bakeni.
Neben dem Landkonflikt gebe es jedoch auch hierbei „eine Islamisierungsagenda. Dessen muss sich die internationale Gemeinschaft bewusst sein. Manchmal wollen es die Verantwortlichen nicht hören. Aber für uns, die wir in dieser Realität leben, ist das alles sehr klar.“
Als besonders problematisch bezeichnete Bakeni das traditionelle islamische Bildungssystem „Almajiri“. Dabei handelt es sich um „wandernde“ Koranschulen, für die „kleine Kinder schon im sehr zarten Alter ihre Elternhäuser verlassen. Sie werden rein auf islamistischer Grundlage ausgebildet.“

Diese jungen Menschen würden zu einer leichten Beute von „Boko Haram“ und anderen radikalen Strömungen. „Sie werden sogar von Politikern während der Wahlkampf-Kampagnen benutzt“, berichtete Bakeni. Den staatlichen und kirchlichen Schulen komme deshalb eine wichtige Bedeutung zu, um der Radikalisierung entgegenzuwirken.
In dieser schwierigen Situation seien für die katholischen Christen Nordnigerias Gebet, Anbetung und Gemeindeleben essenziell, betonte der Weihbischof. „Wir brauchen den spirituellen Rückhalt. Wir haben bisher so viel erlitten. Aber all das hat uns angespornt, unser Leben aus dem Glauben zu stärken. Ich danke allen Wohltätern von KIRCHE IN NOT, die uns dabei unterstützen.“
Nach den Präsidentschaftswahlen in Nigeria hat die Wahlkommission Bola Tinubu von der Regierungspartei All Progressives Congress (APC) zum Sieger erklärt. Fast 90 Millionen Wahlberechtigte waren am 25. Februar aufgerufen, den Nachfolger von Präsident Muhammadu Buhari zu wählen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte.
Der Urnengang war Medienberichten zufolge größtenteils friedlich verlaufen. Viele Wahllokale hatten jedoch mit organisatorischen Problemen zu kämpfen, was die Bekanntgabe der Wahlergebnisse verzögerte. Beobachter erwarten im Nachgang weitere Auseinandersetzungen.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nigeria