Ein großer Teil der Mittel wird für Bau- und Wiederaufbauprojekte, für Bildung und religiöse Ausbildung verwendet werden, aber auch für als Beitrag für Mieten, Grundnahrungsmittel und medizinische Hilfe. Ohne Hilfsprogramme wie diese besteht die ernste Gefahr, dass die Christen die Region für immer verlassen.
Das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) wird Projekte in Syrien und im Libanon im Wert von fünf Millionen Euro finanzieren, um den dortigen christlichen Gemeinschaften zu helfen, die unter zunehmend schwierigen Bedingungen leben.

Da Syrien noch immer in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg gefangen ist und der Libanon mit einer extremen finanziellen, sozialen und politischen Krise zu kämpfen hat, die durch die Explosion des Hafens von Beirut im Jahr 2020 und das jüngste Wiederaufflammen der Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen noch verschärft wurde, sind viele Christen versucht, ihre Heimat zu verlassen, wie es bereits Hunderttausende getan haben.
In einem kürzlich mit KIRCHE IN NOT geführten Interview erklärte der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche, Joseph Younan III deutlich, dass die Präsenz der Christen in der Region bald enden könnte, wenn sich die Lage nicht radikal verbessert. „Wir haben große Angst, dass, wenn diese Krise anhält, die Christen im Libanon und im gesamten Nahen Osten in ein paar Jahren verschwunden sein werden. Normalerweise kehren die Christen nicht zurück, wenn sie weggehen, so, wie es im Irak, in Syrien und in der Türkei geschehen ist.“

Um dieses tragische Szenario abzuwenden, hat KIRCHE IN NOT gerade eine Reihe neuer Projekte genehmigt, die Christen in Syrien und im Libanon Soforthilfe leisten, damit sie ihr tägliches Leben meistern und wieder Hoffnung schöpfen können, in ihren Ländern zu bleiben.Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.
Syrien – wo viele Christen von weniger als einem Dollar pro Tag leben und KIRCHE IN NOT seit vielen Jahren materielle und finanzielle Unterstützung leistet – ist einer der Hauptbegünstigten dieser Projekte. Sie umfassen die Finanzierung von Essensprogrammen für ältere Menschen, Brennmaterial für die Zentralheizung eines Wohnheims für junge Studentinnen, Geld für einen sechsmonatigen Vorrat an Medikamenten und die täglichen Lebenshaltungskosten für Familien und viele andere Initiativen, darunter auch Stipendien für Studenten.Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.
Ein spezielles Projekt zielt darauf ab, jungen, frisch verheirateten Paaren zu helfen- eine Notwendigkeit, die KIRCHE IN NOT-Projektdirektorin Regina Lynch nach einem kürzlichen Besuch in Syrien kommentierte: „Viele junge Menschen heiraten nicht, weil sie es sich nicht leisten können, ein gemeinsames Zuhause einzurichten. Das ist eine Situation, die auch den Bischöfen Sorgen bereitet, denn sie wissen, dass die Gläubigen nicht heiraten, weil sie es sich einfach nicht leisten können. Wir sind dabei, ein Projekt in Aleppo auszuarbeiten, das darin bestehen wird, Paaren genug Geld zu geben, um die Grundkosten für die Schaffung eines gemeinsamen Zuhauses zu decken oder die Miete einer Wohnung für zwei Jahre zu bezahlen.“Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.
Die verheerende Lage im Libanon hat KIRCHE IN NOT dazu veranlasst, seine Hilfe für das Land ab August 2020 zu erhöhen. Während bis zu diesem Zeitpunkt die meisten Mittel für den Libanon zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge bestimmt waren, sind es nun die Libanesen selbst, die Hilfe benötigen. Zu den Projekten im Libanon gehören Lebensmittelpakete für bedürftige Familien, Heizmaterial für andere, um den strengen Winter zu überstehen, sowie Messstipendien zur Unterstützung des Klerus. In Zusammenarbeit mit der maronitischen Erzdiözese Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.

Die Christen im Libanon und in Syrien gehören verschiedenen Gemeinschaften und Konfessionen an. Neben verschiedenen katholischen Riten gibt es auch eine Vielzahl von orthodoxen Kirchen. Die ökumenischen Beziehungen sind im Allgemeinen sehr gut, und die meisten Projekte kommen Christen aller Konfessionen zugute. Mit diesen Hilfspaketen wird ein Teil der Mittel direkt an orthodoxe Kirchen gehen, darunter die griechisch-orthodoxe und die syrisch-orthodoxe Erzdiözese sowie die armenisch-apostolische Kirche in Aleppo.
„Papst Franziskus hat oft von einer Ökumene des Blutes gesprochen. Angesichts so vieler Schwierigkeiten und Verfolgungen scheinen die dogmatischen und theologischen Unterschiede zwischen diesen Gemeinschaften fast irrelevant zu sein, wenn man sie mit dem gemeinsamen Zeugnis der Liebe zu Christus und für eine dauerhafte christliche Präsenz vergleicht. Wir freuen uns sehr, unseren griechisch-orthodoxen und armenisch-apostolischen Brüdern und Schwestern in Aleppo zu helfen, indem wir einige ihrer Projekte finanzieren und so dazu beitragen, die reiche Vielfalt der christlichen Traditionen in Syrien zu bewahren“, sagt Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT.
Fast 1,5 Millionen Euro der Gesamtsumme für beide Länder sind für Restaurierungs- und Bauprojekte vorgesehen, mit denen u. a. Gemeinden, Schulen und Ordensgemeinschaften die materiellen Voraussetzungen für die Durchführung ihrer Mission erhalten. Darüber hinaus sind rund 1,1 Millionen Euro für Bildungsprojekte vorgesehen, um der Bedeutung der Schulbildung und der Glaubenserziehung für junge und erwachsene Christen Rechnung zu tragen.

„KIRCHE IN NOT engagiert sich seit einigen Jahren sehr stark in dieser Region. Obwohl wir unseren Einfluss nicht nutzen können, um Frieden oder Stabilität zu erzwingen, können wir mit den Spenden, die uns unsere Wohltäter großzügig zur Verfügung stellen, dazu beitragen, die Bedingungen zu schaffen, um die christliche Präsenz in diesem Teil des Nahen Ostens am Leben zu erhalten. Die Christen leben seit 2000 Jahren in diesen Gebieten, aber wenn wir jetzt nicht helfen, könnte ihr Erbe bald nur noch ein Relikt sein“, sagt Thomas Heine-Geldern.
Christen stellten früher die Mehrheit der Bevölkerung im Libanon und etwa 10 % in Syrien. Jahre der Instabilität haben jedoch viele dazu veranlasst, den Libanon zu verlassen und Frieden, Freiheit und bessere wirtschaftliche Bedingungen im Westen oder in den Golfstaaten zu suchen.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Syrien, Libanon
Nur wenige Kilometer von der Grenze zum US-Bundesstaat Texas liegt die kleine Gemeinde Santa Adelaida im Bistum Matamoros.
Der 55-jährige Pfarrer der Pfarre „Christus König von La Paz“ wurde dort am Abend des 22. August 2019 auf der Schwelle der Kirche durch zahlreiche Messerstiche schwer verletzt. Er wurde zwar noch in ein Krankenhaus gebracht, aber er starb dort nach stundenlangen Qualen.

Erst ein Jahr zuvor hatte die Diözese Matamoros die Initiative „Sichere Kirche für alle“ gestartet. Damit sollte angesichts der Gewalt von Mitgliedern der Drogenkartelle in der Region ein erhöhter Schutz der Gläubigen erreicht werden.
Die mexikanischen Bischöfe bezeichneten den Tod von Pater Guzmán Vega als Ausdruck der Gewalt, die ein anhaltendes Problem in der Gesellschaft sei. Bitte schließen Sie in Ihren Gebeten die Priester und Gläubigen in Mexiko ein.
Die Sicherheitslage in Burkina Faso hat sich in den vergangenen Monaten verschlechtert. Dabei soll es auch zu gezielter Verfolgung gegen die christliche Minderheit in dem westafrikanischen Land gekommen sein. Dies berichten Augenzeugen aus der katholischen Diözese Dori im Norden von Burkina Faso, nahe der Grenze zu Mali und Niger.
Die lokalen Ansprechpartner müssen aus Sicherheitsgründen anonym bleiben. Ihnen zufolge erobern dschihadistische Extremisten immer mehr Dörfer in Region. Nachdem sie die Orte unter Kontrolle gebracht haben, erheben sie eine „Steuer“ auf jedes Stück Vieh. Sind die Besitzer nicht in der Lage, diese Zwangsabgabe zu zahlen, beschlagnahmen die Extremisten die Tiere. Dieses Vorgehen betrifft Muslime und Christen gleichermaßen.
Den Augenzeugen zufolge habe sich das Vorgehen gegen christliche Bauern in jüngster Zeit jedoch verschärft: Die Eroberer hätten dezidiert nachgefragt, ob die Eigentümer einer Viehherde Christen oder Muslime seien. Habe es sich um Christen gehandelt, hätten die Angreifer die Tiere gar nicht mehr gezählt, sondern erklärt, „sie wollten nicht nur die Tiere mitnehmen, sondern auch deren (christliche) Besitzer töten“, so die Ansprechpartner.

Nach KIRCHE IN NOT vorliegenden Berichten konnten in der letzten Oktoberwoche rund 150 Personen – darunter Schwangere und Kinder unter fünf Jahren – aus zwei Ortschaften an der Grenze zu Niger vor den heranrückenden Terrorgruppen fliehen.
KIRCHE IN NOT nennt auch hier keine Ortsnamen, um die verbliebenen Bewohner nicht zusätzlich zu gefährden. Auch hier berichten Augenzeugen, dass die Extremisten die Orte gezielt nach Christen durchsucht hätten, um sie zu töten.
Auch die Tage der Flucht seien voller Gefahren gewesen, berichtet eine Person aus einer Flüchtlingsgruppe, die mittlerweile die Bischofsstadt Dori erreichen konnte: „Das Furchtbare war: Wenn uns jemand auf der Flucht Unterschlupf gewährte, wurden wir oft als Christen denunziert. Das brachte wiederum die Menschen in Gefahr, die uns aufgenommen hatten. Nicht alle Christen aus unserer Region konnten fliehen. Wir machen uns Sorgen um das Schicksal unserer Kinder und Frauen, die sich noch dort aufhalten.“

Der Bischof von Dori, Laurent Birfuoré Dabiré, sagte KIRCHE IN NOT, der Norden des Landes drohe „vom Rest des Landes abgeschnitten zu werden, wenn die Situation sich nicht verbessert.“ Die Extremisten hätten Verbindungsstraßen und teilweise auch die Kommunikationsinfrastruktur unter ihre Kontrolle gemacht.
Die staatlichen Truppen hätten dem wenig entgegenzusetzen und gerieten immer häufiger in die Defensive. „Die Gefahr wird immer größer. Wir hoffen, dass die Menschen in den eroberten Dörfern sich noch in Sicherheit bringen können“, teilte der Bischof mit.
Burkina Faso wird seit 2015 von islamistischen Terrorgruppen heimgesucht. Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von KIRCHE IN NOT zufolge ist es zu einem der Hauptoperationsgebiete des militanten Dschihadismus in Afrika geworden.

Mit ungefähr 55 Prozent gehört die Mehrheit der Bewohner des Landes dem Islam an. Etwa 24 Prozent bekennen sich zum Christentum. Der Rest gehört traditionellen Religionen an. In der Diözese Dori im Norden des Landes sind die Christen jedoch mit unter zwei Prozent in der absoluten Minderheit und haben kaum gesellschaftliche Fürsprecher.
KIRCHE IN NOT arbeitet seit Jahren intensiv mit der Diözese Dori zusammen, um den von Gewalt betroffenen Menschen einen Weg zurück ins Leben zu ermöglichen. Dabei werden besonders Projekte zur Heilung von Traumata gefördert.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Burkina Faso
KIRCHE IN NOT-Aktion am 17. November 2021: Hunderte Kirchen, Monumente und Gebäude werden rot angestrahlt, um weltweit auf das Schicksal der verfolgten Christen aufmerksam zu machen.
In Österreich werden heuer mehr als 90 Kirchen, Stifte, Klöster und Monumente rot angestrahlt, darunter auch das Parlament in der Wiener Hofburg und das Bundeskanzleramt.
Immer noch werden Millionen von Christen in etlichen Ländern – vor allem im arabischen Raum, Asien und Afrika – nur ihres Glaubens wegen unterdrückt, verfolgt und vielerorts auch ermordet. Darüber wird bei uns in der westlichen Welt viel zu wenig berichtet. „Christ sein war noch nie so gefährlich wie heute“ – betont Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“-Österreich (ACN)– „deshalb wollen wir mit der roten Beleuchtung von Kirchen, Klöstern und Monumenten hierzulande auf unzählige Übergriffe gegen Christen aufmerksam machen – nach wie vor eine bittere Realität!“

Den Auftakt des „Red Wednesday“, eine bereits 2015 weltweit von „Kirche in Not“ ins Leben gerufene Kampagne, bildet heuer wieder Österreich. Mehr als 90 Kirchen und Monumente in allen österreichischen Bundesländern werden in diesem Jahr teilnehmen. Eine Liste aller Teilnehmer finden Sie unter: www.kircheinnot.at/rw


Pater Manuel infizierte sich mit dem Ebola-Virus in der Stadt Lunsar in Sierra Leone, während er dort als medizinischer Direktor in einem Krankenhaus arbeitete. Er gehörte dem Orden der Barmherzigen Brüder von Johannes von Gott an, dessen Mitglied er 52 Jahre lang war.
Der spanische Ordensmann und Missionar starb am 25. September 2014 im Krankenhaus Carlos III. in Madrid, in das er nach seiner Rückkehr aus Sierra Leone eingewiesen wurde.

Von den 30 Jahren, die er auf dem afrikanischen Kontinent verbrachte (in Ghana, Kamerun und Sierra Leone), war Pater Manuel zuletzt zwölf Jahre lang als Direktor des Krankenhauses „Heiliger Johannes von Gott“ in Lunsar tätig. Er war ein qualifizierter Chirurg, Facharzt der inneren Medizin und hatte ein Diplom in Tropenmedizin.
Neben Pater Manuel verlor die Ordensgemeinschaft der Barmherzigen Brüder von Johannes von Gott auch drei weitere Brüder in Liberia, die alle dem Ebola-Virus zum Opfer fielen. Als gute Samariter im Bereich der Krankenhausbetreuung lieferten sie ein wunderbares Beispiel für alle Kongregationen, die in diesem Land tätig sind. Sierra Leone leidet auch unter einem Bürgerkrieg und Naturkatastrophen. KIRCHE IN NOT hat in den vergangenen fünf Jahren über 60 Projekte in dem Land finanziert.
Armut, Kriegsfolgen, autoritäre Regime, religiöse Benachteiligung und Gewalt sind einige der Gründe, warum der Kirche in zahlreichen Weltregionen die Mittel fehlen, um ihren Auftrag zu erfüllen: Die die Frohe Botschaft verkünden, die Sakramente spenden, für Menschen in Not da sein.
In vielen Ländern haben Priester kein geregeltes Einkommen, einen Kirchenbeitrag gibt es nicht und auch die Bischöfe können ihre Seelsorger nicht ausreichend unterstützen. Vielfach trägt die Gemeinde dann zum Unterhalt ihrer Seelsorger bei. Doch was geschieht, wenn das Wenige unmöglich reicht, um es auch noch zu teilen?
In diesen Gegenden bilden Messstipendien oft die einzige Einkommensquelle für Priester. Mess-Stipendien sind freiwillige Gaben für die Feier einer heiligen Messe in einem bestimmten Anliegen.

Sie gehen zurück auf die frühkirchliche Zeit, als die Gläubigen beim Gottesdienst Gaben zum Altar brachten, um zum Unterhalt des Priesters und zum Gemeindeleben beizutragen. Oft war diese Gabe auch verbunden mit der Bitte um das Gebet in einem bestimmten Anliegen, für Lebende oder Verstorbene.
Daraus entwickelte sich die Tradition der Messstipendien. Um jedem Anschein eines „Gnadenhandels“ entgegenzutreten, ist die Weiterleitung von Mess-Stipendien im Kirchenrecht streng geregelt.
„Jedes Jahr kann KIRCHE IN NOT über eine Million Messstipendien an Diözesen in Afrika, Osteuropa, im Nahen Osten, Asien und Lateinamerika weiterleiten“, berichtet Herbert Rechberger, Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT – Österreich.

Die Diözesen geben die Messstipendien dann an ihre Priester weiter. „Gut jeden zehnten Priester können wir auf diese Weise unterstützen, insgesamt über 40 000“, erklärt Herbert Rechberger.
„Im Schnitt alle 23 Sekunden wird irgendwo auf der Welt eine heilige Messe in den Anliegen der Wohltäter von KIRCHE IN NOT gefeiert. Messstipendien sind keine Einbahnstraße der Hilfe. Sie schaffen eine Verbindung über das Heiligste, das wir haben: die Feier der Eucharistie.“
Gerade in Zeiten der Corona-Pandemie und ihrer Auswirkungen ist die Hilfe über Messstipendien noch bedeutender geworden, wie KIRCHE IN NOT aus verschiedenen Dankschreiben erfahren kann, die in den vergangenen Monaten beim Hilfswerk eingegangen sind.

„Während des Lockdowns versorgen unsere Priester viele Wanderarbeiter, die kein Einkommen mehr haben. Sie gehen in die Dörfer und verteilen Lebensmittel“, berichtet Pater Ignatius, der Generalobere der „Heralds of Good News“ (Herolde der Frohen Botschaft), einer 1984 gegründeten Missionsgesellschaft aus dem Bundesstaat Andhra Pradesh im Südosten Indiens.
Das Land gehört zu den Weltregionen, die am schlimmsten von der Pandemie betroffen sind. Eine hohe Bevölkerungsdichte gepaart mit mangelnder Gesundheitsversorgung begünstigen die Ausbreitung des Virus.
Hinzu kommt, dass die kleine christliche Minderheit des Landes oft zu den ärmsten Schichten der Gesellschaft zählen und durch die Schließungen ohne Lohn und Brot dastehen. Das gilt auch für die Priester, die nicht mehr versorgt werden können. „Ihre Messstipendien sind wie die Hilfe des Barmherzigen Samariters für uns“, schreibt Pater Ignatius an KIRCHE IN NOT.

Das ostafrikanische Malawi gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Auch hier blieben wegen der Ausbreitung des Corona-Virus die Schulen geschlossen – auch viele kirchliche Einrichtungen.
„Das ist ein schwerer Schlag für uns, denn so haben wir auch noch das kleine Einkommen verloren, wenn wir Unterrichtsstunden geben“, berichtet der erst im Sommer dieses Jahres zum Priester geweihte Henry Sailesi, der als Lehrer und Erzieher am Studienseminar von Dedza tätig ist. „Ihre Hilfe durch die kam gerade rechtzeitig, dafür danke ich Ihnen sehr.“
Doch Messstipendien sind vielfach mehr als eine Überlebenshilfe für den Priester. Oft profitieren davon auch die Gemeindemitglieder, wie Pfarrer Gilbert Burihabwa aus Rutana in Burundi schreibt.
Das Land wird seit 2015 erneut von schweren politischen Unruhen heimgesucht. „Wir leben in einem Land, das in einer tiefen Misere steckt. Deshalb kommen viele Leute zu mir und bitten mich um Hilfe. So habe ich zum Beispiel Treibstoff gekaut, damit ein krankes Kind ins Krankenhaus gebracht werden kann. Ich kann die Mess-Stipendien also für sehr nützliche Dinge einsetzen.“
In einer schweren politischen und sozialen Misere steckt auch das zentralamerikanische Nicaragua, und die Pandemie macht alles noch schlimmer, schreibt Pater Jaime Valdivia Pinell von der kontemplativen Gemeinschaft der Albertinianer in Esteli: „Ich schicke Fotos, die uns bei der Feier der heiligen Messe in den Anliegen der Wohltäter von KIRCHE IN NOT zeigen.
Vier unserer Brüder haben sich mit dem Corona-Virus infiziert, einschließlich mir. In Nicaragua sind wir ganz von der Großherzigkeit befreundeter Mediziner abhängig, weil wir nur wenig für die Untersuchungen bezahlen können. Wir hoffen, diese Schwierigkeiten bald zu überwinden.“
Hilfe in der Not – geeint im Gebet, das zeichne die Hilfe durch Mess-Stipendien aus, erklärt Herbert Rechberger von KIRCHE IN NOT -Österreucg: „Ich bin unseren Wohltätern sehr dankbar, dass sie in diesem Jahr die Nöte der Mitchristen in anderen Ländern nicht vergessen haben. Ohne Priester gibt es keine Kirche. Darum sind Messstipendien auch so etwas wie eine ,Lebensversicherung‘ für die Zukunft der Seelsorge.“
Ein Jahr nach Ausbruch des blutigen Konflikts in der Region Tigray im Norden Äthiopiens greifen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Anhängern der „Tigray´s People Liberation Front“ (TPLF) auf benachbarte Landesteile über. In der Region Amhara, die an Tigray grenzt, setzte nach Eroberungen durch die TPLF eine Massenflucht ein, berichtet ein katholischer Missionar aus der Region dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.
Aus Sicherheitsgründen muss der Name des Ansprechpartners anonym bleiben. Er lebte bis Ende Oktober in der Stadt Kombolcha am Rande der Region Amhara, etwa 380 Kilometer nördlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er und weitere Priester kümmerten sich dort um die Menschen, die aus der Region Tigray geflüchtet waren: „Wir haben viel Leid gesehen. In unserer kleinen Stadt Kombolcha gab es über 4000 Binnenvertriebene. Wir taten, was wir konnten, um Lebensmittel, Decken und Wasser zu beschaffen. Es nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, berichtet der Ansprechpartner.

Innerhalb kurzer Zeit habe sich die Sorge um die humanitäre Hilfe für die Binnenflüchtlinge in Angst vor der näher rückenden Front verwandelt. „Die Lage hat sich verschlechtert. Jetzt sind auch wir gezwungen, zu fliehen“, schrieb der Priester in einer Nachricht am Abend des 30. Oktober. Einen Tag später nahm die TPLF die Städte Kombolcha und Dessie ein, nachdem sie die Regierungstruppen immer weiter in die Defensive gedrängt hatte.
„Meine Mitbrüder sind schon weg, jetzt bleibe ich alleine hier. Ich muss sehen, ob ich morgen auch fliehen kann“, schrieb der Missionar. Viele Menschen seien getötet worden. Wie er „Kirche in Not“ am Allerheiligentag berichtete, konnte er kurz vor der Einnahme der Stadt entkommen und sich etwa 50 Kilometer südlich Richtung Addis Abeba absetzen. „Ich bin nicht mehr in Gefahr. Die Straßen hier sind voller Menschen“, schrieb er in seiner bislang letzten Nachricht.

Schon vor der Eskalation der Ereignisse Anfang der Woche habe eine Massenflucht aus der Region eingesetzt: „Wer Verwandte in Addis Abeba hatte, schickte Frauen und Kinder dorthin. Wir haben auch unsere Priesterseminaristen aus Kambolcha in die Hauptstadt evakuiert. Nur wir Priester sind zunächst geblieben, um bei den vielen Flüchtlingen zu sein – und um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln“, sagte der Missionar KIRCHE IN NOT.
Die im Sommer aufkeimenden Friedenshoffnungen nach der Wiederwahl von Premierminister Abiy Ahmed seien enttäuscht worden: „Vor der Vereidigung waren überall in der Hauptstadt Schilder mit der Aufschrift ,Neuanfang’ zu sehen. Wir hofften, dass der Krieg zu Ende gehen würde. Stattdessen ist er uns immer nähergekommen.“
Der Norden Äthiopiens ist für Hilfe von außen nahezu unzugänglich. Angesichts der Spannungen wissen die katholischen Missionare, dass materielle Hilfe schwer zu bekommen ist. „Wir bitten Sie um Ihr Gebet für Frieden und Sicherheit in unserer Region sowie um andere Formen der Unterstützung“, schrieb der Missionar an KIRCHE IN NOT.
Am 4. November 2020 hatten die Kämpfe in der Region Tigray begonnen. Premierminister Abiy Ahmed warf der TPLF damals die Abhaltung illegitimer Wahlen vor und entsandte Truppen in die Region. Vorausgegangen waren jahrelange ethnische und politische Auseinandersetzungen zwischen den Tigray und den anderen Bevölkerungsgruppen. In dem Bürgerkrieg kamen den Regierungstruppen auch Einheiten aus dem Nachbarland Eritrea zu Hilfe. Auch das reiche christliche Erbe Äthiopiens wurde durch die Kämpfe bedroht: Die Städte Lalibela, bekannt für ihre Felsenkirchen, und Axum, die ehemalige Hauptstadt und nach äthiopischer Überlieferung Aufbewahrungsort der Bundeslade, gerieten zwischen die Kampflinien.

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Regina Lynch, Projektleiterin bei KIRCHE IN NOT (ACN) International, spricht nach einer Reise zur Beurteilung der Lage und zur Bewertung neuer Hilfsprojekte über ihre Erfahrungen im Libanon und in Syrien.
Beschreiben Sie bitte die Lage im Libanon. Was haben Sie dort erlebt?
Die Menschen sind verzweifelt, so kann ich meinen traurigen Eindruck zusammenfassen. Es wird immer schlimmer. Wir waren bereits im vergangenen Jahr in Beirut, aber diesmal konnten wir den Niedergang und die Verzweiflung wirklich sehen. Dasselbe gilt für Syrien: Vor der Krise lebten in Aleppo schätzungsweise 300 000 Christen verschiedener Konfessionen. Jetzt, sagen einige, seien es nur noch 30 000.
Warum verlassen Ihrer Meinung nach auch die Libanesen, insbesondere die Christen, ihr Land?
Es ist sehr dramatisch. Viele der Christen, mit denen wir gesprochen haben, wollen weg – oder, wenn nicht sie, dann ihre Bekannten oder Verwandten. Die Menschen haben wirklich große Schwierigkeiten, zu überleben. Es fehlen ihnen die grundlegenden Güter. Vor der Krise verdiente ein Lehrer zwischen 1.700 und 2.000 US-Dollar im Monat. Heute, angesichts der Inflation und der Abwertung des libanesischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar, liegt sein Gehalt bei höchstens 120 bis 150 US-Dollar.

Wie ist die Lage in Syrien?
In Syrien sind die Menschen sichtlich müde, sehr müde. Sie befinden sich seit zehn Jahren in einer äußerst schwierigen Situation. Im Nordwesten wird weiterhin gekämpft. Obwohl wir bei unseren Besuchen in Damaskus, Homs und Aleppo keine Unsicherheit verspürten, ist die Zerstörung gewaltig. Die Syrer fragen sich, wie sie das Land wiederaufbauen können und wer ihnen dabei helfen wird. Aber vorher muss erst einmal Frieden einkehren.
Verschiedene Leute sagten uns: „Während des Krieges hatten wir zumindest die Aussicht, dass der Krieg irgendwann zu Ende sein würde, aber was für eine Zukunftsperspektive haben wir jetzt?“ Sie versuchen, mit einem US-Dollar pro Tag zu überleben. Das ist unvorstellbar in einem Land, in dem vor dem Krieg ein großer Teil der Bevölkerung recht komfortabel leben konnte.
Können Sie ein Erlebnis schildern, das Sie während der Reise besonders beeindruckt hat?
Eine Mitarbeiterin eines unserer Projektpartner zeigte mir auf ihrem Handy Bilder, die sie aus ihrer Wohnung aufgenommen hatte. Darin war ein kleines Mädchen zu sehen, das in einem großen Mülleimer den Müll durchwühlte und ihrer Mutter Dinge daraus reichte. Die Schwester, die uns begleitete, bat sie: „Wenn du das nächste Mal so etwas siehst, geh bitte hin und gib ihr Geld. Ich werde dir das Geld später zurückzahlen.“ So etwas zu sehen, zerreißt einem das Herz.

Wie wirkt sich diese Situation auf junge Menschen aus?
Wir müssen ihnen Hoffnung und Unterstützung geben. Aus diesem Grund werden wir bald ein Projekt für junge, frisch verheiratete Paare in Syrien starten. Viele Menschen heiraten nicht, weil sie es sich nicht leisten können, um gemeinsam in einer Wohnung zu leben. Das ist auch eine Situation, die die Bischöfe beunruhigt. Das Projekt, an dem wir in Aleppo arbeiten, wird jedem Paar genug Geld zur Verfügung stellen, damit es zwei Jahre lang die Miete für eine Wohnung bezahlen oder den Grundbedarf an Lebensmitteln decken kann.
KIRCHE IN NOT (ACN) hat im Jahr 2021 den Libanon und Syrien mit insgesamt mehr als 100 Projekten im Wert von fünf Millionen Euro unterstützt. Diese Projekte umfassen Soforthilfen für die Deckung des Grundbedarfs an Lebensmitteln, Medikamente, Existenzhilfe für Ordensschwestern, Mess-Stipendien für Priester und den Wiederaufbau von Seelsorgestrukturen.

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Verwendungszweck: Libanon, Syrien
Am 12. November 2019 wurde der armenisch-katholische Priester Hovsep Bedoyan, Gemeindepfarrer von Kamischli und al-Hasaka in Syrien, zusammen mit seinem Vater ermordet. Sie wurden in einen Hinterhalt gelockt, als sie mit dem Auto durch den Busayrah-Distrikt von al-Hasaka nach Deir ez-Zor fuhren.
Mit ihnen im Auto fuhr auch der Diakon Fadi Sano, der schwer verwundet wurde. Die Männer waren unterwegs, um die Fortschritte der Renovierung einer armenisch-katholischen Kirche in Deir ez-Zor anzuschauen.

Pfarrer Bedoyan, ein verheirateter Priester des armenischen Ritus, hinterlässt eine Frau und drei Kinder.
Im Krieg in Syrien wurden mehr als 1200 Besitztümer der Kirche zerstört. Wie Pfarrer Bedoyan schließt sich auch KIRCHE IN NOT dem Wunsch an, kriegszerstörte Kirchen wiederaufzubauen. Im Jahr 2018 finanzierte KIRCHE IN NOT zum Beispiel den Wiederaufbau der armenisch-katholischen Kathedrale in Aleppo.
Mehr als hunderttausend Kinder haben sich bereits für die diesjährige Initiative „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ angemeldet, die von KIRCHE IN NOT International (ACN) organisiert und am 18. Oktober 2021 stattfinden wird.
E-Mails und Nachrichten von Diözesen, Missionen und Kirchengemeinden aus der ganzen Welt sind bei der Zentrale und den Nationalbüros von KIRCHE IN NOT eingegangen und lassen hoffen, dass die offizielle Teilnehmerzahl höher sein wird als im vergangenen Jahr.

Insgesamt sind bereits 44 Länder bestätigt, von Afghanistan bis Vietnam, darunter Algerier, Kolumbien, Ghana, Libanon, Peru, Südafrika, Sierra Leone, Südsudan, Venezuela, Mosambik sowie Ukraine.
Die jüngste Botschaft einer Diözese in Myanmar bringt die Hoffnung zum Ausdruck, die das Beten des Rosenkranzes den Gemeinden bringen kann. „Ich danke Ihnen sehr für die Einladung zur Teilnahme an der weltweiten Gebetskampagne ,Eine Million Kinder beten den Rosenkranz’. Ich habe alle Pfarrer benachrichtigt, um die Gläubigen in den Gemeinden zu organisieren“, sagt ein lokaler Kirchenleiter, der aus Sicherheitsgründen lieber anonym bleiben möchte.
„Die Situation ist seit Monaten schlecht. Die Pandemie ist in unserem Gebiet ziemlich schlimm. Alle Dörfer sind abgeriegelt. Das tägliche Rosenkranzgebet ist die einzige Kraftquelle, die die Dörfer physisch und psychisch stärkt. Unsere Diözese wird sich Ihnen anschließen und für Sie und Ihre Anliegen beten. Ich bin Ihnen sehr dankbar für alle Sorgen, die Liebe, die Freundlichkeit und die großzügige Unterstützung“, sagt er abschließend.

In diesem Jahr wird die Initiative auch auf die offizielle Unterstützung des weltweiten Gebetsnetzwerks des Papstes, des Weltapostolats von Fátima und des Heiligtums von Fátima selbst dazuzählen können, die so eng mit dem Rosenkranz verbunden sind.
In einer weiteren Botschaft aus dem Apostolischen Vikariat Aguarico im ecuadorianischen Amazonasgebiet bekräftigt Bischof Adalberto Jiménez Mendoza sein Engagement für die Initiative und teilt KIRCHE IN NOT mit, dass mindestens 2500 Kinder teilnehmen werden, eine Zahl, die auf 7500 ansteigen dürfte, wenn auch die Familienmitglieder einbezogen werden.
Die Initiative „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ wurde durch die Worte von Pater Pio inspiriert, der, als er eine Gruppe von Kindern beim Beten sah, sagte: „Wenn eine Million Kinder den Rosenkranz beten, wird sich die Welt verändern.“
Die Zahl der Teilnehmer an dieser Initiative steigt von Jahr zu Jahr mit dem Ziel, mindestens eine Million offiziell registrierte Teilnehmer zu erreichen.

Plakate, Flyer, weiteres Begleitmaterial und Fingerrosenkränze sind kostenlos erhältlich bei KIRCHE IN NOT, Weimarer Str. 104/3, 1190 Wien, Telefon: 01/405 25 53 oder per E-Mail an: kin@kircheinnot.at
Webseite und Anmeldung der weltweiten Gebetsaktion: www.millionkidspraying.org
Nach dem Fall der Mauer und Öffnung des Eisernen Vorhangs war das Ende der Sowjetunion besiegelt. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilstaaten wurden im Laufe des Jahres 1991 immer stärker. Die Kommunisten wollten diese Entwicklung aufhalten und putschten am 19. August vor 30 Jahren gegen den letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Auch die Medien brachten sie in ihre Gewalt.
Doch es gab noch einen Sender, von dem sie nichts wussten – und die Kraft des Gebetes, die sie unterschätzten …
Die Bilder gingen um die Welt: Panzer rollen in die Moskauer Innenstadt und postieren sich vor dem Parlamentsgebäude. Es ist Montag, der 19. August 1991. Ein selbsternanntes „Notstandskomitee“ hat den Ausnahmezustand verhängt. Die sowjetische Nachrichtenagentur meldet, dass Präsident Gorbatschow wegen Krankheit von seinem Amt entbunden sei. In Wirklichkeit wird er in seinem Urlaubsdomizil auf der Krim gefangen gehalten.

Für Gorbatschow war es der Anfang vom Ende seiner politischen Karriere, für einen anderen begann sie: Boris Jelzin, damals Präsident der Russischen Föderation. Schnell wird er zum Sprecher und Führer des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten.
In Erinnerung bleiben die Bilder, als Jelzin vor dem Parlamentsgebäude auf einen Panzer klettert und von dort aus zu den Menschen spricht. Nach dieser Rede geht er in das Parlament zurück und sagt zu den Abgeordneten: „Jetzt brauche ich ein Radio.“ Er will so viele Menschen wie möglich erreichen und für die Demokratie gewinnen. Doch die Medien sind in der Hand der Putschisten.
In diesem historisch entscheidenden Augenblick verschafften Weitblick und Wagemut von KIRCHE IN NOT und seiner russischen Partner Boris Jelzin und der Demokratiebewegung einen entscheidenden Vorteil: Zu aller Erstaunen meldete sich ein Duma-Abgeordneter, der bekennender Christ war, dass er die Ausstattung für ein Radio besitze.

Mithilfe von KIRCHE IN NOT sollte nämlich eine gemeinsame Rundfunkstation der katholischen und orthodoxen Kirche in der Sowjetunion entstehen. Einen Vorläufer gab es bereits: Seit einigen Jahren sendete „Radio Blagovest“ – zu Deutsch: „Radio Frohe Botschaft“ – sein christliches Programm in russischer Sprache von Monaco aus. Dieses konnte in der Sowjetunion empfangen werden.
KIRCHE IN NOT hatte dieses Vorhaben stark gefördert und unterstützt – sah das Hilfswerk doch darin einen wichtigen Beitrag zum Fall der Diktatur des Kommunismus und zur Evangelisierung Russlands. Aber das sowjetische Kommunikationsministerium hatte die Lizenz für den Sender bislang verweigert.
Doch die Ausstattung befand sich im August 1991 längst in Moskau: Über längere Zeit hatte KIRCHE IN NOT das erforderliche technische Gerät in Einzelteilen mit dem Schiff nach Sankt Petersburg und von dort aus nach Moskau geschmuggelt. Hier wurden die Teile zu einem sendefähigen Apparat zusammengesetzt. Die Anlage stand also einsatzbereit in einer Lagerhalle – ohne dass die Politik davon wusste.

Nun musste es schnell gehen: Ein Lastwagen der Parlaments-Kantine wird in die Halle geschickt und der Sender aufgeladen. Damit die Putschisten die Radiotechnik nicht entdecken, wird sie unter Kohlköpfen und anderen Lebensmitteln versteckt. Ingenieure installieren den Sender im Parlamentsgebäude, die Luftwaffe stellt eine Antenne zur Verfügung.
Schon wenig später konnte Boris Jelzin die Bevölkerung Moskaus zum Widerstand gegen den Putsch aufrufen. Sein Hilferuf wird erhört: Tausende versammeln sich friedlich auf den Straßen. Es laufen sogar ganze Armee-Einheiten zu Jelzin über. Am Abend des 21. August ist der Putsch vorbei. Wenige Tage später gibt Gorbatschow den Vorsitz der Kommunistischen Partei zurück. Im Dezember bricht des Sowjetimperium endgültig zusammen: Russland, Weißrussland und die Ukraine gründen die „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS). Erster demokratisch gewählter Präsident der Republik Russland wird Boris Jelzin.
Er hat nicht vergessen, dass es eine Radiostation von KIRCHE IN NOT war, die ihm in den kritischen Stunden des August 1991 zur Verfügung standen: Bereits im September 1991 erhielt „Radio Blagovest“ die Sendeerlaubnis – und sendet bis heute.

Doch Jelzins Dank war noch weitreichender. Viele Gläubige in Russland und weltweit waren davon überzeugt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen. In dem portugiesischen Dorf war von Mai bis Oktober 1917 die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschienen.
In ihren Botschaften prophezeite sie den weltweiten Aufstieg des Kommunismus, aber auch die „Bekehrung Russlands“ durch Rosenkranzgebet und Buße. KIRCHE IN NOT und viele seiner Mitstreiter hatten diese Botschaft verbreitet und die Gläubigen dazu aufgerufen, die Anweisungen der Gottesmutter zu befolgen.
Jetzt schien die Vorhersage erfüllt: Der Moskauer Putsch am 19. August, der das Ende der Sowjetunion einleitete, fiel genau auf den Jahrestag der vierten Marienerscheinung in Fatima. Die Nachricht von der Zerschlagung des Putsches erreichte die Welt am 21. August, an dem die kirchliche Liturgie den Gedenktag „Maria Königin“ feiert.
Als Dank für die friedliche Revolution und den Fall des Kommunismus initiierte KIRCHE IN NOT zusammen mit katholischen und orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima. Präsident Jelzin hatte sein Einverständnis dazu gegeben. 40 Millionen Menschen in Russland konnten die Übertragung mit verfolgen.
Katholische und orthodoxe Gläubige beteten gemeinsam für die Bekehrung und Versöhnung Russlands und der westlichen Welt. Die „geistliche Luftbrücke“, wie diese Übertragung auch genannt wurde, hatte so großen Erfolg, dass sie am Jahrestag der sowjetischen Oktoberrevolution wiederholt werden konnte.
Die dramatischen Augustereignisse vor 30 Jahren sind heute weitgehend vergessen. Sie läuteten nicht nur das Ende der kommunistischen Diktatur ein, sondern sind auch ein Beispiel für die Kraft des Glaubens und des Gebetes. KIRCHE IN NOT durfte an entscheidender Stelle mitwirken.
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Schon lange haben sich die Gläubigen in dem Dorf Noyanagar eine neue Kapelle gewünscht. Denn die winzige Lehmkapelle, die sie vor fast 30 Jahren selbst errichtet hatten, ist viel zu klein für die wachsende Gemeinde. Außerdem haben die Mauern Risse, und auch durch das Dach dringt der Regen ein. In der Regenzeit ist es nicht möglich, dort Gottesdienste abzuhalten. Die Pfarrkirche ist aber elf Kilometer weit entfernt. Der Fußmarsch ist zu weit.
Die Einwohner gehören zu dem Volksstamm der Sandal, der ursprünglich einer Naturreligion angehört. Aber die meisten Menschen in dem Dorf sind schon lange katholisch. Sie sind sehr arm und leben nur von der Hand in den Mund, sie sind aber zufrieden mit dem wenigen, was sie haben, und danken Gott dafür. Sie stehen sehr stark im Glauben und nehmen intensiv am kirchlichen Leben teil. Die liturgischen Feste werden mit tiefer Andacht gefeiert.

Dafür brauchen sie aber ein geeignetes Gotteshaus. Bislang konnten sie jedoch die notwendigen Mittel dafür nicht aufbringen. Aber unsere Wohltäter haben sie nicht im Stich gelassen: 10.500 Euro sind zusammengekommen, damit die Gemeinde in Noyanagar eine bescheidene, aber solide Kapelle errichten können. Die Freude ist riesig, und die Menschen aus der Gemeinde helfen beim Bau mit. Schon jetzt können sie es kaum erwarten, dass das Gotteshaus endlich fertig wird!
“Es wird eine große Freude für die Gläubigen und die ganze Gemeinde des Dorfes Noyanagar sein, in Ruhe beten zu können. Sie werden den christlichen Werten mehr zugetan sein. Die Sonntagsmesse und die anderen Andachten werden fruchtbarer sein. Den Wohltätern, die ein freundliches Herz haben und uns ihre hilfreiche Hand ausstrecken, um diese Kapelle zu bauen, wird die gläubige Gemeinde von Noyanagar immer dankbar sein“, schreibt Pater Narayan Singh.
Herzlichen Dank allen, die geholfen haben!