

Das größte Problem, das die Pfarrgemeinde hatte, bestand jedoch im Fehlen einer Heizungsanlage. So fiel die Temperatur in der Kirche im Winter auf unter null Grad, berichtete uns Pfarrer Dzmitry Pukhalski. Für die Gläubigen, besonders für die alten Menschen und die Kinder, war das sehr schwierig. Das schlug sich auch in der Zahl der Messbesucher nieder: Während im Sommer sonntags bis zu 180 Gläubige zur heiligen Messe kamen, waren es im Winter höchstens 100. Die Sonntagsschule für die Kinder, die ebenfalls in der Pfarrkirche abgehalten wird, musste im Winter ganz ausfallen.
Dank Eurer Hilfe kamen 15.000 Euro zusammen, so dass wir die Pfarre dabei unterstützen konnten, eine Heizungsanlage einzubauen. Der Pfarrer schreibt uns: „Im Namen der ganzen Pfarrgemeinde möchte ich meine riesige Dankbarkeit für Ihre Hilfe zum Ausdruck bringen. Dank Ihrer Hilfe konnten wir eine Heizung einbauen. Jetzt kommen auch wieder die älteren Menschen zur Messe, die bisher im Winter nicht zur Kirche kamen. Sie besuchen die heilige Messe sogar an Werktagen. Und die Sonntagsschule für die Kinder kann nun auch im Winter stattfinden. Wir feiern an jedem ersten Sonntag im Monat die heilige Messe für alle, die uns geholfen haben.“
“Fahrzeuge für Gott“: Unter diesem Motto begann vor einem Dreivierteljahrhundert eine Spendenaktion von KIRCHE IN NOT, um Motorräder und Autos für die Seelsorge in abgelegenen oder weit entfernten Gebieten zu finanzieren. Im Interview spricht die Geschäftsführende Präsidentin des Hilfswerks, Regina Lynch, über die Ursprünge und die Entwicklung dieser besonderen Art der Hilfe, die bis heute andauert.
KIRCHE IN NOT: Was war der Auslöser, die Aktion „Fahrzeuge für Gott“ ins Leben zu rufen?
REGINA LYNCH: Der Ursprung der Aktion liegt in Deutschland. Das Land lag nach dem Zweiten Weltkrieg in Schutt und Asche. Das betraf die gesamte Infrastruktur, auch die kirchliche. Viele katholische Heimatvertriebene lebten jetzt in Diaspora-Gebieten.
Die Priester hatten versucht, Kontakt mit ihren Gläubigen zu halten. Das waren die sogenannten „Rucksackpriester“. Es waren unglaublich weite Strecken. Wir wissen von Seelsorgern, die tagelang zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs waren. Sie waren am Ende ihrer Kräfte. Auf diese Not hat dann „Kirche in Not“, damals noch unter dem Namen „Ostpriesterhilfe“, reagiert.
Was ist dann passiert?
Zunächst wurde gesammelt, um diesen Priestern Motorräder zu kaufen, später dann VW Käfer. Es wurden auch zahlreiche gebrauchte Autos gesammelt.Dann entstand die Idee, ausrangierte Busse oder Lastwagen zu „Kapellenwagen“ umzurüsten.

Worum handelt es sich bei diesen „Kapellenwagen“?
Es waren kleine Lastwagen, in deren Mitte sich ein Altar befand, der nach außen ausgeklappt werden konnte. Dort konnten die Priester die heilige Messe feiern, wenn sie die Gläubigen in Gebieten besuchten, wo es keine katholische Kirche gab.
In diesen Kapellenwagen wurden auch Kleiderspenden und Lebensmittel transportiert. Diese Kapellenwagen waren außergewöhnlich, aber sie hatten Großartiges bewirkt. Die Heimatvertriebenen in der Diaspora hatten das Gefühl, nicht vergessen worden zu sein.
Bald kam bei KIRCHE IN NOT die Hilfe für die Christen hinter dem Eisernen Vorhang und schließlich auf der ganzen Welt dazu. Was waren dort die Herausforderungen?
Diese Länder waren nicht alle so zerstört wie Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg, aber auch dort mussten und müssen kirchliche Mitarbeiter oft riesige Distanzen zurücklegen – und das unter schwierigsten Straßenverhältnissen. Dort hat KIRCHE IN NOT Motorräder, Autos oder auch Boote finanziert. Statt zu Fuß zu gehen, konnten Priester und Ordensfrauen zu den Gemeinden fahren.

Wie sieht das heute konkret aus?
Es gibt zum Beispiel in Afrika oder Lateinamerika Seelsorger, die 50 oder sogar 100 Dörfer betreuen. Natürlich kann er da nicht täglich hin, aber mit einem Auto, einem Transporter oder mit dem Motorrad kann er mehrmals im Jahr die Gemeinde besuchen, die heiligen Messen feiern, taufen oder Beichte hören. In der Zwischenzeit bereiten Katecheten die Menschen auf die Sakramente vor und organisieren das Gemeindeleben.
Macht KIRCHE IN NOT auch regionale Unterschiede? Nicht überall ist ja ein Auto das sinnvollste Fortbewegungsmittel.
Oft sind die Straßen so schlecht, dass kein Auto durchkommt. Da sind dann Motorräder wichtig. Oder es gibt Gemeinden, die an Flüssen liegen, zum Beispiel am Amazonas. Dort erreicht der Priester seine Gemeinde per Boot.
Und in den Anden, wo die Wege sehr steil sind, haben wir schon Mulis oder Esel für Ordensfrauen finanziert. Die lokale Kirche passt sich den Gegebenheiten an, und KIRCHE IN NOT passt sich den lokalen Bedürfnissen an.

Besonders wichtig ist die Seelsorge in Kriegs- und Katastrophengebieten. Kommen bei KIRCHE IN NOT auch besondere Anfragen an?
Ein aktuelles Beispiel ist der Krieg in der Ukraine. Ziemlich schnell haben uns von dort Anfragen nach Fahrzeugen erreicht, damit die kirchlichen Mitarbeiter Hilfsgüter transportieren, Menschen in Sicherheit bringen oder ihre verstreut lebenden Gemeindemitglieder aufsuchen können. Dafür sind dann Kleinbusse hilfreicher als Autos.
Ein anderes Beispiel ist Nordnigeria, die Heimat der Terrormiliz Boko Haram. Dort werden viele Priester entführt, aber sie wollen trotzdem zu den Gläubigen fahren. Früher waren sie mit einem Motorrad unterwegs, aber jetzt ist das zu unsicher. Und der Bischof fragt dann an, ob wir ein Auto finanzieren können.
Im welchem Bereich bewegt sich die Fahrzeughilfe von KIRCHE IN NOT aktuell?
Für 2023 liegen noch nicht alle Zahlen vor, aber es wird sich auf einem ähnlichen Niveau wie im Vorjahr bewegen. Damals haben wir 1250 Fahrzeuge für die Seelsorge finanziert, darunter über 560 Autos und 250 Motorräder, 16 Boote und auch viele Fahrräder.
Zum Beispiel haben wir in Indien Katecheten, die sehr weite Strecken zurücklegen müssen, über 400 Fahrräder zur Verfügung gestellt. Rund 12 Millionen Euro gingen in Transportprojekte.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Fahrzeuge für die Seelsorge
Die “Kleinen Schwestern des heiligen Franziskus“ sind eine einheimische Kongregation, die 1923 von der irischen Franziskanerin Mary Kevin Kearney gegründet wurde, die 1902 nach Uganda kam. Sie begann damals mit fünf weiteren Schwestern, zunächst im Schatten eines Baumes Kranke zu behandeln und den Menschen Unterricht in Lesen und Schreiben und in Hygiene zu erteilen. Außerdem unterwies sie sie im Glauben. Im Laufe der Zeit richteten sie und ihre Mitschwestern Waisen- und Krankenhäuser, Schulen, Geburtsstationen und vieles mehr ein. Sie gründete eine einheimische Kongregation, weil mehr Schwestern gebraucht wurden, um den zahlreichen Nöten zu begegnen.
Die Kongregation ist heute nicht nur in Uganda, sondern auch in Kenia, Tansania und den USA vertreten. Die “Kleinen Schwestern des heiligen Franziskus“ betreuen Straßenkinder, Waisen sowie alte und behinderte Menschen. Sie sind in der Gefängnisseelsorge und in der Krankenpflege tätig, unterrichten in Schulen, halten Katechesen in Pfarren und stehen Familien beratend zur Seite.

Inzwischen hat die Kongregation 801 Mitglieder und erfreut sich zahlreicher Berufungen. In ihrem Ausbildungshaus in Pallisa im Osten Ugandas bereiten sich jährlich 60-70 junge Frauen darauf vor, ihr ganzes Leben lang Gott und den Menschen zu dienen. Bereits im Rahmen ihrer Ausbildung sind sie in Krankenhäusern, Gefängnissen und Schulen tätig und besuchen Familien, in denen es Probleme wie beispielsweise häusliche Gewalt gibt.
Bislang war es schwierig, die jungen Schwestern an ihre Einsatzorte zu bringen. So waren die Einsatzmöglichkeiten beschränkt. Aber dank Eurer Hilfe sind 20.000 Euro zusammengekommen, so dass die Schwestern nun einen Kleinbus anschaffen konnten. Dadurch konnte die Zahl der wöchentlichen Besuche auf 50 gesteigert werden, so dass die geleistete Hilfe und die Evangelisierungsarbeit wesentlich intensiver geworden ist und auch weiter entfernt gelegene Orte erreicht werden können. Allen, die geholfen haben, ein herzliches „Vergelt’s Gott!“
Dank Eurer Hilfe konnte in der Diözese Jagdalpur ein Heim für alte und kranke Priester eingerichtet werden. 30.000 Euro kamen dafür zusammen. Wir hatten im Frühling 2022 bereits über die Grundsteinlegung berichtet und freuen uns nun über die Nachricht, dass das Heim fertiggestellt und eingeweiht wurde.
Inzwischen sind dort Priester untergebracht, die viele Jahre lang unermüdlich gearbeitet haben und nun alt oder durch die harten Lebensumstände krank geworden sind. Der Dienst in dieser Diözese ist hart und entbehrungsreich, denn die Priester arbeiten vor allem in den abgelegenen und unterentwickelten Gebieten und müssen weite und beschwerliche Wege zurücklegen. Die alten und kranken Priester können nicht mehr allein in den abgelegenen Dörfern bleiben, sondern müssen medizinisch behandelt werden und brauchen Pflege.

Bischof Joseph Kollamparampil bedankt sich bei allen, die geholfen haben:
„Ich bin sehr, sehr dankbar für die wunderbare Unterstützung, die Sie uns gewährt haben, damit wir ein Heim für die alten und kranken Priester unserer Diözese bauen konnten. Ich freue mich, Ihnen mitzuteilen, dass das Haus „Schalom“ fertiggestellt wurde und am 7. Juni 2023 eingeweiht wurde. Obwohl wir auf viele Hindernisse stießen, konnten wir dank der Gnade Gottes und harter Arbeit den Bau schneller abschließen, als wir es gedacht hatten. Danke für Ihre stete Hilfe und Ihre Liebe! Wir beten für Sie!“
KIRCHE IN NOT hat weitere 2,6 Millionen Euro auf den Weg gebracht, um die Arbeit katholischer Schulen in Libanon und Syrien zu unterstützen. Das Hilfspaket umfasst Stipendien für über 16 000 Schüler sowie Gehaltszuschüsse für 6000 Lehrer an rund 180 katholischen Schulen. Darüber hinaus erhalten auch über 170 Religionslehrer, die an staatlichen Schulen arbeiten, einen Zuschuss zu ihrem geringen Gehalt.
Das Hilfsprogramm umfasst auch 20 Projekte zur Installation von Solaranlagen auf kirchlichen Schulen, um diese unabhängiger von steigenden Energiepreisen zu machen. Weitere Hilfsgelder sind vorgesehen, um mittellosen Familien beim Kauf von Heften und Büchern für den Unterricht unter die Arme zu greifen.

Ohne die Unterstützung stünden die katholischen Schulen in Libanon und Syrien vor dem Aus, betont Marielle Boutros, die als Lehrerin arbeitet und dabei hilft, die Projekte von KIRCHE IN NOT vor Ort zu koordinieren: „Unsere katholischen Schulen befinden sich in einem Teufelskreis: Die Eltern können die Schulgebühren nicht mehr bezahlen. Staatliche Unterstützung gibt es keine. Ohne Einnahmen können die Schulen aber den Lehrern keine Gehälter mehr zahlen. Dazu kommen die laufenden Kosten.“
Doch sollten die katholischen Schulen schließen müssen, hätte das schwerwiegende Folgen für die beiden Länder, befürchtet Boutros: „Manche islamistische Einrichtungen warten schon darauf, in diese Lücke zu springen und die Kinder zu indoktrinieren. Weniger katholische Schulen bedeuten mehr Extremismus.“

Laut Boutros hätten die Lehrer aufgrund der hohen Inflation in Syrien und im Libanon oft nicht mehr als umgerechnet 30 Euro im Monat zur Verfügung: „Allein die Fahrt zur Arbeit frisst das ganze Gehalt auf.“ An vielen öffentlichen Schulen im Libanon seien die Lehrer deswegen in Streik getreten, so falle der Unterricht aus und Millionen Kinder drohten ohne Bildung aufzuwachsen. „Wir können viele von ihnen an den katholischen Schulen aufnehmen. Die Christen erfüllen hier eine wichtige Aufgabe. Die Kinder lernen die christlichen Werte kennen, und im Miteinander wächst auch die Toleranz.“
Auch die Unterstützung von „Kirche in Not“ zum Bau von Solaranlagen und die Sanierung der Schulgebäude sei sehr wichtig: „Das hilft den Schulen, autark zu werden.“

Im Libanon leben seit dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Landes ab 2019 nach UN-Angaben rund 70 Prozent der Bevölkerung in extremer Armut, in Syrien sind es 90 Prozent. Dort hat der Krieg zu einem Rückgang der christlichen Bevölkerung um mehr als zwei Drittel geführt, heute leben schätzungsweise unter einer halben Million Christen in Syrien.
Auch im Libanon, das mit schätzungsweise 2,2 Millionen Gläubigen die zahlenmäßig größte christliche Gemeinschaft im Nahen Osten beherbergt, hält der Trend zur Auswanderung weiter an. Vor allem junge Familien verlassen das Land. Die katholischen Schulen und Bildungseinrichtungen setzen hier an und wollen junge Menschen Zukunftschancen in ihrer Heimat ermöglichen.
KIRCHE IN NOT hatte bereits 2022 Hilfsgelder für über 200 katholische Schulen im Libanon auf den Weg gebracht, um ihnen den Start nach den Sommerferien zu ermöglichen.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Libanon oder Syrien

Knapp zwei Drittel der Hilfen gehen nach Aleppo. Dort unterstützt KIRCHE IN NOT unter anderem ein Wohltätigkeitzentrum, in dem Lebensmittel und Dinge des alltäglichen Bedarfs an bedürftige Bewohner verteilt werden. In der Stadt befinden sich außerdem die Schule des armenisch-katholischen Mechitaristen-Ordens und das von der armenisch-apostolischen Kirche betriebene Karen-Jeppe-Kolleg. Sie wurden durch das Erdbeben beschädigt; KIRCHE IN NOT ermöglicht jetzt dringend notwendige Instandsetzungsmaßnahmen.
Weitere Projektgelder fließen in die Hafenstadt Latakia im Nordwesten Syriens. Dort hilft KIRCHE IN NOT bei Reparaturmaßnahmen an der griechisch-orthodoxen Kathedrale, einem katholisch-melkitischen Kloster und einer armenisch-apostolischen Kirche. Die Gotteshäuser sind auch wichtige Stützpunkte für das soziale Leben und die Versorgung mit karitativen Gütern.

„Wir haben mehrere Organisationen um Hilfe gebeten, und hatten das Glück, von KIRCHE IN NOT Unterstützung zu bekommen“, berichtet Michlen Mukel aus Aleppo. Das Wohnhaus, in dem sie mit ihrer Familie lebte, wurde beim Erdbeben schwer beschädigt. Sie gehörte zu den ersten Hilfeempfängern. Mittlerweile konnte in ihrem Haus das Dach repariert und mit Fundamentarbeiten begonnen werden. „Dank dieser Hilfe sind unsere Häuser jetzt winterfest“, sagt die Christin. „Ich bin allen, die zu diesem wichtigen Projekt beigetragen haben, sehr dankbar – vor allem den Spendern von KIRCHE IN NOT.“
Das Erdbeben vom 6. Februar 2023 war das stärkste in der Region seit über 80 Jahren. Die Zahl der bestätigten Todesopfer belief sich auf rund 60 000, die meisten von ihnen im Süden der Türkei. In Syrien starben rund 8500 Menschen, zehntausende wurden obdachlos.
Bitte helfen Sie den Menschen in Syrien, die aufgrund des Erdbebens immer noch zu leiden haben – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Syrien
Durch die Provinz Sindh im Südosten Pakistans fließt der Indus, einer der längsten Flüsse der Erde. Von der Provinzhauptstadt Hyderabad nach Süden durchschneidet die Straße Felder, soweit das Auge reicht. In der Hitze arbeiten dort Männer, Frauen und Kinder. Es ist früher Vormittag und das Thermometer zeigt 32 Grad Celsius. Im Hochsommer steigt es regelmäßig auf über 50 Grad.
KIRCHE IN NOT begleitet Samson Shukardin, den katholischen Bischof von Hyderabad, bei einem Besuch in der Gegend, die im Sommer 2022 von schweren Überflutungen heimgesucht wurde.
Der Bischof erklärt, dass die Arbeiter auf den Feldern für ihre Mühen keinen Lohn erhalten. „Alle Ländereien der Provinz Sindh gehören Großgrundbesitzern“, sagt er. „Die Arbeiter bewerben sich darum, den Boden bestellen und auf dem Land wohnen zu dürfen. Saatgut und Werkzeuge müssen sie selbst bezahlen, viele verschulden sich dafür. Ist die Ernte erfolgreich, dürfen sie die Hälfte der Einnahmen behalten, die andere Hälfte geht an den Landbesitzer.“

Theoretisch könnten sich die Familien der Farmarbeiter so eine bescheidene Existenz aufbauen. Praktisch stecken die meisten in einer tiefen Schuldenfalle, durch die sie Leibeigene der reichen Großgrundbesitzer werden.
Denn fällt eine Ernte aus, verlieren die Familien nicht nur ihren eigenen Anteil, sondern müssen dem Landbesitzer auch seinen erwarteten Gewinn erstatten. Können sie nicht zahlen, müssen sie bleiben und Fronarbeit leisten. Diese Knechtschaft bestimmt das Schicksal vieler vorwiegend christlicher und hinduistischer Familien in der Region Sindh.
Für Bischof Shukardin ist es die dringendste Aufgabe der Kirche, diesen modernen Sklaven Hoffnung zu geben. In den Dörfern des Indus-Deltas besuchen Katecheten die christlichen Familien, beten mit den Menschen, verteilen Lebensmittel und unterrichten die Kinder.

„Wer zur Schule geht, findet später eine Arbeit in den Städten“, erklärt Bischof Shukardin. „So entkommen zumindest die Kinder aus dem Teufelskreis der Armut.“ Der Unterricht findet oft unter freiem Himmel statt, denn eine Schule darf nur gebaut werden, wenn der Landbesitzer zustimmt. „Viele der Großgrundbesitzer sehen den Unterricht als Bedrohung für ihre Lebensgrundlage und verbieten den Bau einer Schule“, sagt Bischof Shukardin.
In einem Dorf südlich der Stadt Gharo hat ein großzügigerer Grundbesitzer den Bau einer Schule genehmigt. Länge und Breite des Holzverschlags hat er exakt vorgegeben. So drängen sich zu den Unterrichtszeiten 70 Kinder auf 50 Quadratmetern, obwohl sich rund um das Gebäude kilometerweit nur Einöde ausdehnt. Im Dorf gibt es keinen Strom, nachts ist es stockdunkel. Das Licht bringt die Kirche, die hier den Lehrer bezahlt und einfache Solarlampen installiert.

Mit der von KIRCHE IN NOT finanzierten Fluthilfe konnten die Familien in diesem Dorf mit Lebensmitteln versorgt und medizinisch betreut werden. Um dem Hilfswerk dafür zu danken, sind die Menschen aus der Umgebung zusammengekommen.
Stellvertretend treten Yousaf und seine Frau Haniya mit ihren sieben Kindern nach vorne. „Wir haben schwer gearbeitet, aber nichts erreicht“, sagt Yousaf mit leiser Stimme. Er blickt zu Boden und schluckt. Yousaf zögert, sein Blick wandert über seine Kinder. Die Stimme des Vaters wird fester: „Aber wir haben zu essen, und unsere Kinder werden es einmal besser haben als wir. Dank der Schule, dank der Lehrer, dank Euch. Ihr seid die Engel in unserem Leben.“

Bischof Samson Shukardin ist sich bewusst, dass die von Dorf zu Dorf ziehenden Lehrer in improvisierten Schulgebäuden nur eine Notlösung sein können. Deshalb hat er KIRCHE IN NOT um Unterstützung gebeten, um Kindern noch mehr Zugang zu Bildung zu verschaffen. Dazu baut die Diözese Hyderabad katholische Internate auf. So zum Beispiel in Tando Allahyar. Der Ortsname bedeutet übersetzt „die von Gott gesegnete Stadt“.
Die Mädchen im dortigen Internat führen einen traditionellen Tanz auf, die Jungen präsentieren ihre Englisch-Kenntnisse. Tarja ist sieben Jahre alt, ein höfliches, etwas schüchternes Mädchen. Was sie später einmal werden will? „Am liebsten Kampfpilotin der pakistanischen Luftwaffe“, sagt sie.

Bischof Shukardin lächelt. „Wir Christen lieben unser Land, aber wir sind nur eine kleine Minderheit von gut zwei Prozent der Bevölkerung. Darum wäre es gut, wenn mehr Christen wichtige Posten in der Armee, der Polizei und der Verwaltung haben.“ Tarja nickt. Sie wird ihr Bestes dafür geben.
Ob das ausreicht, ist allerdings nicht gesagt. „Die Inflation im Land ist sehr hoch, die Preise für Lebensmittel haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt“, berichtet Bischof Shukardin. „Die Eltern der Kinder können sich das Schulgeld nicht leisten, sie sind auf Stipendien angewiesen.“
Damit das Internat in Tando Allahyar unter diesen Umständen weiterbestehen kann, hilft KIRCHE IN NOT beim Erhalt der Gebäude und bei Neubauten. So ist 2023 ein neuer Wohntrakt für Schüler entstanden.
Doch die Nachfrage der christlichen Familien bleibt groß. Darum braucht es auch in Zukunft die Hilfe menschlicher „Engel“, die dazu beitragen, damit die Kinder der Provinz Sindh der Leibeigenschaft entkommen und als mündige Erwachsene für ihr Auskommen sorgen können.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan
Die Heilig-Geist-Pfarre mit Sitz in Sangla Hill ist die größte Pfarrgemeinde der Erzdiözese Lahore. Ihr gehören 67 Dörfer an. Die Wege bis zum Sitz der Pfarre sind weit, und so wollte Pfarrer Akmal Patras auch denjenigen katholischen Kindern, die weiter entfernt wohnen, die Gelegenheit geben, an Katechesen und Bibelunterricht teilzunehmen.
Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 11.500 Euro gespendet haben, konnte er in fünf Dörfern ein Sonntagsschulprogramm ins Leben rufen. Insgesamt 250 Kinder zwischen sieben und fünfzehn Jahren haben nun die Möglichkeit, die Heilige Schrift und den Glauben der Kirche tiefer kennenzulernen.

Dies war sehr wichtig, denn an den öffentlichen Schulen haben die Schüler zwar theoretisch die Wahl zwischen islamischem Religionsunterricht und Ethikkunde, in der Praxis wird Ethik aber so gut wie nie angeboten So müssen auch die christlichen Kinder am islamischen Religionsunterricht teilnehmen, um auf die Punktzahl zu kommen, die für die Versetzung notwendig ist, berichtet der Pfarrer. Allerdings wäre der Unterricht selbst dann, wenn das Fach Ethik angeboten würde, nicht auf die Bedürfnisse der katholischen Schüler zugeschnitten, denn sie würden dadurch ihren Glauben nicht tiefer kennenlernen. In den pakistanischen Schulbüchern nahezu aller Fächer werden zudem immer wieder falsche Informationen über religiöse Minderheiten verbreitet, und die christlichen Schüler, aber genauso auch die Angehörigen anderer Minderheiten, werden seitens ihrer Lehrer und Mitschüler mit Vorurteilen und oft sogar mit Hass konfrontiert. „Viele christliche Kinder fühlen sich unterlegen, haben Angst und brechen die Schule ab“, berichtet Pfarrer Patras. So stärkt es das Selbstbewusstsein der christlichen Schüler, wenn sie ihren Glauben gut kennen und auf Vorurteile und provokante Fragen kompetent antworten können.
Die Eltern fast aller christlichen Kinder sind Analphabeten und können ihren Kindern nicht das notwendige Glaubenswissen vermitteln. So sind die Sonntagsschulen ein wichtiger Beitrag zur Stärkung des Glaubens und der christlichen Identität. Allen, die geholfen haben, ein herzliches „Vergelt’s Gott“!
Nahezu überall in Afrika sind Katecheten wichtige Helfer der Priester. In den Pfarren, die sich zumeist über riesige Flächen erstrecken, sind sie es, die die Menschen in den zahlreichen und oft weit abgelegenen Dörfern im Glauben unterweisen, sie auf den Empfang der Sakramente vorbereiten und die sich mit den Gläubigen zum Gebet versammeln.
So ist es auch in der Diözese Mpika im Nordosten Sambias. Sie ist mit über 86.000 Quadratkilometern größer als Österreich, besteht aber nur aus 18 Pfarren, so dass die Entfernungen groß sind. Außerdem liegt sie in einem ländlichen Gebiet, wo die Straßenverhältnisse schlecht sind. Viele Orte sind isoliert und nur schwer zu erreichbar. Die Diözese verfügt über ein Ausbildungszentrum für Katecheten, weil ihr Dienst so wichtig für die Kirche ist.

Bischof Edwin Mulandu hatte uns um Hilfe gebeten, denn er brauchte dringend 114 Fahrräder für die Katecheten seiner Diözese. Unsere Wohltäter haben großzügig geholfen, und so sind 24.000 Euro zusammengekommen, um den Katecheten, die „an vorderster Front stehen, um ihren Priestern dabei zu helfen, die Leute zu mobilisieren und den erloschenen pastoralen Eifer wiederzubeleben“, wie er schreibt, ihre Arbeit zu erleichtern. Mehr als die Hälfte von ihnen arbeitet „für Gottes Lohn“, also ehrenamtlich. Mit den Fahrrädern ist ihr Einsatz einfacher und effektiver geworden, denn nun können sie schneller von einem Dorf ins andere gelangen.
Die Freude ist groß, und wir möchten den Dank an alle weitergeben, die geholfen haben: „Wir sind aufrichtig dankbar für diese Geste der Liebe und der Solidarität in dieser einen Mission Jesu Christi. Dass die Katecheten nun Fahrräder erhalten haben, motiviert sie, weiterhin das zu tun, was sie am besten können: Ihr Leben in einem schwierigen Gebiet mit großen Entfernungen der Verkündigung des Evangeliums zu widmen.“
In der nordirakischen Stadt Dohuk ist das mit Hilfe von KIRCHE IN NOT gebaute Seelsorgezentrum eingeweiht worden. Die Feierlichkeiten fanden fast auf den Tag genau am neunten Jahrestag des Eindringens des sogenannten Islamischen Staates (IS) in den Nordirak statt. Am 6. August 2014 wurden über hunderttausend Christen des Landes durch den IS aus ihrer Heimat vertrieben.
Viele von ihnen suchten die relative Sicherheit in der heutigen Autonomen Region Kurdistan, vor allem in den großen Städten Erbil, Kirkuk und Dohuk. Nach der Niederlage des IS kehrten einige zwar in ihre Heimatdörfer zurück, aber eine große Zahl entschied sich dafür, an dem Ort zu bleiben, der in den vergangenen Jahren zu ihrer neuen Heimat geworden ist.
Heute leben in der Großstadt Dohuk etwa 1450 katholische Familien sowie orthodoxe Christen. Die Mehrheit der Katholiken ist chaldäisch-katholisch; ein Drittel ist syrisch-katholisch.

In seiner Rede bei der Einweihungszeremonie dankte der chaldäisch-katholische Bischof von Dohuk, Azad Sabri Shaba, seinem Vorgänger und allen, die an dem Projekt beteiligt waren, sowie den Wohltätern, die zu seiner Verwirklichung beigetragen haben. KIRCHE IN NOT hatte nach einem Vor-Ort-Besuch im März 2022 Hilfe zugesagt, um den im Jahr 2019 begonnenen Bau des Seelsorgezentrums abzuschließen.
Im Erdgeschoss des dreistöckigen Gebäudes sind Räumlichkeiten für Bistumsaktivitäten untergebracht, wie zum Beispiel ein Beratungszentrum, ein Studio von Radio Maria, eine Einrichtung der Mutter-Teresa-Bruderschaft für arme und kranke Menschen sowie Büros und ein Archiv.
Im ersten Stock befinden sich die Räume für die Aufgaben des Instituts für christliche Erziehung, der Diözesanschule und für andere Aktivitäten. Im zweiten Stock ist die Wohnung des Bischofs und mehrerer Priester. Das Gebäude nennt sich zukünftig „Papst-Franziskus-Pastoralzentrum“. Im März 2021 hatte Papst Franziskus den Irak besucht.

KIRCHE IN NOT setzt sich für den Verbleib irakischer Christen in ihrer Heimat ein und fördert Projekte, um die durch die IS-Besatzung zerstörten Gebäude und Strukturen wiederaufzubauen.
Im Februar 2023 konnte beispielsweise das neu errichtete Kloster der Dominikanerinnen in Batnaya eingeweiht werden, das durch den IS weitestgehend zerstört worden war. Im Juli förderte KIRCHE IN NOT ein katholisches Jugendtreffen mit rund 2000 Teilnehmern. Nach Angaben der Studie „Religionsfreiheit weltweit 2023“ sind etwa 0,5 Prozent der rund 41 Millionen Einwohner Iraks Christen (ca. 200 000).
Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Irak
Libanon leidet unter einer großen Wirtschaftskrise und einer hohen Inflation. Viele Menschen, die zuvor ein gutes Auskommen hatten, wissen nun nicht mehr, wie sie Lebensmittel oder ihre Miete bezahlen sollen.
Auch das Maronitische Patriarchalische Priesterseminar in Ghazir nördlich von Beirut ist von finanziellen Sorgen nicht verschont geblieben. Daher unterstützt KIRCHE IN NOT die Ausbildung der jungen Männer. Das Priesterseminar in Ghazir ist das wichtigste Priesterseminar der maronitischen Kirche, der größten christlichen Konfession in Libanon. Weltweit gehören der mit Rom unierten Kirche nach eigenen Angaben rund sechs Millionen Menschen, davon etwa eine Million in Libanon.
„Im Seminar entdecken wir unsere Stärken und Schwächen. Wir lernen, eine persönliche Beziehung zu Gott zu entwickeln, was für das Leben eines geweihten Menschen entscheidend ist. Aber die Umstände machen es schwierig, sich auf die Ausbildung zu konzentrieren. Darum betet bitte für uns“, sagt der 25-jährige Joseph Loutfi im Gespräch mit Vertretern des Hilfswerks.

Sein Kommilitone Raymond Elia ergänzt: „Es ist wichtig, zu studieren, aber studieren allein reicht nicht. Wir können alle Theologiebücher und die Bibel von vorne bis hinten lesen und trotzdem nichts über Jesus Christus wissen. Wir müssen ihn hier drin kennen.“ Dabei zeigt er auf sein Herz.
Raymond war in seiner Heimatgemeinde für die Aufnahme und Unterweisung von Muslimen zuständig, die zum Christentum konvertieren wollten. Anders als in vielen anderen Ländern des Nahen Ostens ist die Konversion in Libanon legal, wenn auch gesellschaftlich immer noch verpönt. Dennoch hatte er alle Hände voll zu tun.

„Viele Muslime wollen mehr über Jesus Christus erfahren. Es gibt viele Bekehrungen”, so Raymond. Vor wenigen Jahrzehnten war Libanon noch mehrheitlich christlich, heute sind es nur noch etwa 30 Prozent der Bevölkerung.
In Libanon gibt es 18 anerkannte Religionsgemeinschaften, darunter eine Vielzahl von christlichen und muslimischen Konfessionen. Zwischen 1975 und 1990 kämpften sie in einem blutigen Bürgerkrieg gegeneinander. Nach 30 Jahren Frieden befürchten einige, dass die Wirtschaftskrise die Spaltung erneut verstärken könnte.
Doch in diesem Zusammenhang seien Christen eine dringend benötigte Präsenz in einem Land, das „die Fußspuren Jesu trägt, was dieses Land zu einem heiligen Land macht“, sagt Johnny Estephan, 24 Jahre alt. Dem Evangelium zufolge besuchte Jesus die Gegend des heutigen Libanon, einschließlich der Städte Tyros und Sidon im Süden des Landes.

Trotz der in Libanon herrschenden Religions- und Meinungsfreiheit beklagt er eine „versteckte Diskriminierung“. „Wir sind trotz allem wachsam, was die Wahrung der interreligiösen Harmonie angeht. Sie werden Christen finden, die in Dörfern mit Muslimen oder Drusen leben, aber Sie werden nicht Angehörige zweier verschiedener Zweige des Islam finden, die friedlich nebeneinander leben. Wir sind gute Vorbilder für andere.“
Ohne Christen stehe die Existenz Libanons zwar nicht auf dem Spiel, aber ohne sie gebe es kein friedliches und harmonisches Land, warnt er.
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Verwendungszweck: Libanon
In der Abtei St. Scholastika in Umuoji im Südosten Nigerias blüht das benediktinische Leben: 114 Schwestern leben hier nach der Regel des heiligen Benedikt, und weiterhin gibt es viele Berufungen. Sie leben nach dem berühmt gewordenen Prinzip des „Ora et labora“ („Bete und arbeite“) und ernähren sich daher von der Arbeit ihrer Hände.
Ihre wichtigste Einkommensquelle ist das Backen von Hostien für die Eucharistiefeiern. Diese Tätigkeit ist nicht nur ideal mit dem kontemplativen Leben vereinbar, sondern leistet der Ortskirche einen wichtigen Dienst, denn die Eucharistie ist Quelle und Zentrum des Lebens der Kirche.
Allein in der Erzdiözese Onitsha, in der sich ihr Kloster befindet, leben knapp zwei Millionen Katholiken, die größtenteils aktiv am Leben der Kirche teilnehmen. Der Bedarf an Hostien ist daher groß.

Nun verfügte das Kloster aber nur über eine alte Ausstattung zum Backen von Hostien, die teilweise defekt war. Die Arbeit war daher mehr als beschwerlich, und ein Team von 20 Schwestern mühte sich ab, um genügend Hostien herzustellen. Dadurch verpassten sie oft die Stundengebete, die Mahlzeiten und Erholungszeiten, weil anders die Arbeit nicht zu bewältigen war.
Unsere Wohltäter haben 20.000 Euro gespendet, um den Schwestern zu helfen. Inzwischen haben sie eine Backmaschine erhalten, mit der die Arbeit wesentlich schneller, einfacher und effektiver zu bewerkstelligen ist.

Mutter Mary Ruphina Chukwuka, die Äbtissin, schreibt uns: „Die Schwestern haben sich sehr gefreut, die Ausrüstung erhalten zu haben. Wir danken Gott für Ihre große Freundlichkeit uns gegenüber. Nach der Covid-19-Pandemie waren die Dinge sehr schwierig, vor allem in Kombination mit der ungünstigen Situation in unserem Land und in der Welt insgesamt. Ihr immenser Beitrag hat uns sehr geholfen.“
Allen, die geholfen haben, ein herzliches Dankeschön.
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