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Vor rund einem Jahr gingen auf Kuba Millionen Menschen auf die Straße. Sie protestierten gegen die Regierung und die staatstragende kommunistische Partei. Auslöser war ein Mangel an Lebensmitteln und medizinischen Produkten sowie die Reaktion der Regierung auf die Covid-19-Pandemie. Es handelte sich um die größten Proteste seit fast zwei Jahrzehnten.

Die politische Führung ließ tausende Demonstranten festnehmen. Die Unterdrückung der Proteste und die anhaltende Krise führten erneut zu einem Anstieg der Auswanderung aus Kuba. Über die Situation sprachen wir mit dem kubanischen Priester Bladimir Navarro, der aktuell in Spanien lebt.

Propaganda-Monument auf Kuba.

Mangel an Freiheit und Mangel an Medikamenten

KIRCHE IN NOT: Wie ist die Lage in Kuba ein Jahr nach den Massenprotesten?

Bladimir Navarro:Die Menschen in Kuba hungern und sind in großer Not. Es ist sehr traurig zu sehen, wie alte Menschen ihr Hab und Gut auf der Straße verkaufen, um sich etwas zu essen kaufen zu können. Die Menschen in Kuba überleben, doch die schlimmste Armut ist der Mangel an Freiheit.

Abgesehen vom wirtschaftlichen Elend leben die Kubaner im Elend der Angst, der Auswanderung, des Mangels an Werten. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Medikamenten. Man kann nicht einmal Schmerzmittel bekommen, von Antibiotika ganz zu schweigen.

Hat sich die Lage nach dem 11. Juli 2021 verschlimmert, als die friedlichen Proteste begannen?

Die kommunistische Regierung hat Angst, ihre Macht zu verlieren. Es wurden neue Gesetze erlassen, um ihre Ideologie in der Zukunft aufrechtzuerhalten. Die Inflation hat enorm zugenommen. Die Kubaner waren sehr froh, als angekündigt wurde, dass die Löhne steigen. Aber jetzt sind die Preise für die grundlegendsten Dinge explodiert.

Wir sehen, dass viele Häuser im ganzen Land einstürzen, während in Havanna neue Hotels gebaut werden. Wer die Stimme erhebt und die Wahrheit sagt, läuft Gefahr, dass gegen ihn vorgegangen wird. Die Haftstrafen haben zugenommen.

Prozession auf Kuba.

Was ist mit den Menschen geschehen, die im vergangenen Jahr Freiheit forderten?

Es ist ein Jammer, dass so viele junge Menschen im Gefängnis sitzen. Die Haftstrafen sind sehr hoch, oft mehr als zehn Jahre. Einige von ihnen sind sogar noch minderjährig. Über 900 Menschen sitzen noch im Gefängnis – einfach nur, weil sie am 11. Juli 2021 friedlich demonstriert haben.

Jetzt ist das Regime hinter jedem her, der ein Bild oder einen Kommentar gegen den Kommunismus in den sozialen Medien postet. Jeder, der über sein tägliches Leben berichtet, vom Anstehen, um Brot zu kaufen oder über die Situation an den Schulen, wird bedroht. Deshalb haben sich viele Menschen entschlossen, das Land zu verlassen; die Auswanderung nimmt wieder stark zu.

Was kann die katholische Kirche auf Kuba tun, um dieses Leiden zu lindern?

Das Schlüsselwort lautet „begleiten“, das Leiden der Menschen begleiten. Es gibt viele Menschen, Ordensleute, Priester, Bischöfe und engagierte Laien, die den Menschen in dieser traurigen Zeit Ermutigung und Hoffnung geben. Ein weiterer Teil der Hilfe ist materiell, wie sie Hilfswerke wie KIRCHE IN NOT leisten. Die Kirche ist ein Zufluchtsort der Hoffnung, um dem Herrn nahe zu sein und die Wunden der kommunistischen Ideologie zu heilen.

Es gibt viele Menschen, Ordensleute, Priester, Bischöfe und engagierte Laien, die den Menschen in dieser traurigen Zeit Ermutigung und Hoffnung geben.

Wie können wir im Ausland die kubanische Kirche bei dieser Mission unterstützen?

Sie können uns helfen, indem sie die Stimme der Stimmlosen sind und die Geschehnisse in Kuba sichtbar machen. Denn nach den Massenprotesten ist Kuba vielfach keine Nachricht mehr wert. Die Lage hat sich erheblich verschlechtert, nicht nur wegen des Krieges in der Ukraine, sondern auch wegen der jahrelangen Misswirtschaft. Auch das Gebet ist von grundlegender Bedeutung.

Hoffentlich wird KIRCHEIN NOT auch weiterhin Unterstützung leisten, damit die Kubaner merken, dass sie nicht allein sind.

Unterstützen Sie den Einsatz der katholischen Kirche in Kuba mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Kuba

In einem Schreiben an die zuständigen Behörden fordert katholische Kirche in Hanoi das „Volkskomitee“ der Provinz Hoa Binh auf, die Religionsfreiheit und die pastoralen Aktivitäten der katholischen Gläubigen in der Provinz zu garantieren. Das Schreiben von Pfarrer Alphonso Pham Hung, dem Leiter des Pastoralbüros der Erzdiözese Hanoi, unterzeichnet. Das Schreiben bezieht sich auf den Vorfall, der sich am Sonntag, den 20. Februar 2022 ereignete, während Erzbischof Joseph Vu Van Thien, von Hanoi die Messe in der Pfarrkirche der Stadt Vu Ban, im Bezirk Lac Son, in der Provinz Hoa Binh, die im nordwestlichen Teil Vietnams liegt, feierte und zwei Personen die Kirche betraten und am Mikrofon von der Kanzel die Gottesdienstbesucher aufforderten, sich zu entfernen. Bei den beiden Beamten handelte es sich um den Sekretär der Kommunistischen Partei der Stadt Vu Ban, Pham Hong Duc, und den Vizepräsident des Volkskomitees derselben Stadt, Pham Van Chien.

„Es handelte sich um einen respektlosen Akt“, heißt es in dem Schreiben der Erzdiözese Hanoi, „einen Machtmissbrauch, der das Recht auf Religionsfreiheit, das Recht auf religiöse Praxis von Bischöfen, Priestern und Laien ernsthaft verletzt. Darüber hinaus ist es eine Beleidigung des heiligen Ritus der Eucharistie, der heiligsten und wichtigsten liturgischen Handlung für den Glauben der Katholiken. Dies ist in einem Land, in dem Rechtsstaatlichkeit herrscht, nicht hinnehmbar. Die Geste hat bei den Teilnehmern der Messe sowie bei all jenen, die die Bilder im Internet und in den sozialen Medien gesehen haben, Empörung und Schmerz ausgelöst“.

Das Schreiben wurde an alle Gläubigen der Erzdiözese verteilt und Erzbischof Joseph Vu Van Thien bat darum, dass „alle beten und dass die Probleme bei der Ausübung unseres Glaubens in der Provinz Hoa Binh bald gelöst werden“.
Hoa Binh ist eine Gebirgsprovinz im Nordwesten Vietnams mit einer Fläche von 4.595,2 km2 und einer Gesamtbevölkerung von 854.000 Menschen, die sechs ethnischen Gruppen angehören: Muong, Kinh (Viet), Thai, Dao, Tay und Mong. Nach den Statistiken von 2019 leben in der Provinz etwa 21.000 Katholiken, die zum Teil im Gebiet der Diözese Hung Hoa und zum Teil in dem der Erzdiözese Ha Noi leben. Zu den 11 Pfarreien der Erzdiözese Ha Noi gehört auch die Pfarrei Vu Ban mit 450 Gemeindemitgliederm, die von Pfarrer Francis Xavier Tran Van Liem seelsorgerisch betreut werden. (Quelle: Fidesdienst)

Regierungsbeamte drangen in eine Kirche in der Provinz Hoa Binh ein und unterbrachen dort die Messe, die Erzbischof Joseph Vu Van Thien von Hanoi zelebrierte. Der Vorfall ereignete sich am Sonntag, den 20. Februar, in der Gemeinde Vu Ban. Die Kirche ist die größte der Stadt und bietet Platz für über hundert Menschen. Mehrere vietnamesische Sicherheitsbeamte, die Helme trugen, unterbrachen aus unbekannten Gründen den Gottesdienst mit dem Erzbischof. „Es war sehr unangenehm und besorgniserregend, dass die Liturgie durch die Anwesenheit mehrerer Staatsbeamter unterbrochen wurde“, heißt es in einer Mitteilung der Erzdiözese Hanoi, die auch von der Empörung der Anwesenden berichtet.

Sicherheitsbeamte in Zivil unterbrachen dann den liturgischen Dienst. Angeführt vom Vorsitzenden des Ortsverbandes der Kommunistischen Partei gingen sie zum Altar und befahlen dem Erzbischof, die Liturgie sofort zu beenden und die Versammlung aufzulösen. Unklar war, warum die Regierungsvertreter eingriffen und die Messe unterbrachen. Erzbischof Joseph feierte die Eucharistie mit anderen Priestern der Diözese aus Anlass des voln der Erzdiözese begangenen „Sonntag der Mission“. Die Konzelebranten und Gemeindemitglieder stellten sich schützend vor den Erzbischof Joseph und baten die Beamten, die Kirche zu verlassen, damit die Liturgie beendet werden konnte. Nach dem unglücklichen Vorfall wurde die Heilige Messe fortgesetzt, wobei die Anwesenden fassungslos und erschüttert waren.

Unterdessen verurteilten Katholiken und Vertreter anderer Religionen in Vietnam die eklatante Verletzung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit. „Zum ersten Mal habe ich gesehen, wie lokale Regierungsvertreter an den Altar getreten sind und die Messe unterbrochen haben, ohne das Ende abzuwarten, wie sie es in der Vergangenheit getan haben. Zum ersten Mal habe ich gesehen, wie sie die Priester gewaltsam angegangen sind und die heiligen Diener nicht respektiert haben. Dies war eine brutale und illegale Aktion. Das ist eklatante Blasphemie und Sakrileg“, so der Redemptoristenpater Peter Nguyen Van Khai.

Einem vor wenigen Tagen veröffentlichten Bericht der Kommission der Vereinigten Staaten für internationale Religionsfreiheit (USCIRF) zufolge ist die Situation im Hinblick auf die Religionsfreiheit Vietnam weiterhin „besonders besorgniserregend“, wobei das Land seinen Bürgern die freie Ausübung ihrer Religion zwar erlaubt, aber „die Verfolgung durch die Regierung weiterhin eine harte Realität gegenüber nicht registrierten unabhängigen religiösen Gruppen bleibt“, heißt es in dem Bericht. Darüber hinaus verhängen die Behörden weiterhin langjährige Haftstrafen gegen Gläubige und Verfechter der Religionsfreiheit. (Quelle: Fidesdienst, Bild: TUBS/wikipedia)

Informationen der IGFM zufolge wurde er im November 2014 von nordkoreanischen Agenten aus der chinesischen Grenzstadt Changbai entführt, dann förmlich verhaftet und schließlich zu 15 Jahren Haft verurteilt. Sein ständiger Wohnsitz befand sich in Changbai, und er trug inzwischen den chinesischen Namen Zhang Wen Shi. Über die konkreten Vorwürfe, die gegen ihn erhoben werden, ist nichts bekannt.

Das kommunistisch regierte Nordkorea gilt als das Land mit der schärfsten Christenverfolgung. Schon der Besitz von religiösen Schriften wird mindestens mit hohen Haftstrafen geahndet, die mit Schwerstarbeit und Folter verbunden sind. Der Missionar half Grenzgängern aus Nordkorea, die vom Handel beiderseits der Grenze lebten oder auf der chinesischen Seite nach Medizin oder anderem Notwendigen suchten.

Jang alias Zhang unterstützte viele von ihnen, indem er sie mit einem Quartier oder etwa Kleidung versorgte. Dabei sprach er auch über seinen Glauben, den einige annahmen. Zusammen mit Pastor Han Chung-Ryeol unterrichtete er diejenigen im christlichen Glauben, die darum baten. Der Pastor, der ebenfalls koreanische Wurzeln hatte, wurde am 30. April 2016 von einem oder mehreren Unbekannten in Changbai erstochen. (Quelle: idea/IGFM, Bild: 

Kubas neue Verfassung schränkt das Recht auf Religionsfreiheit ein, statt es als Menschenrecht gezielt zu fördern, warnte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Sonntag in Göttingen. So forderten die Kirchen vergeblich Garantien für die freie Ausübung des Glaubens und eine Einschränkung der Macht der staatlichen Religionsbehörde. Auch sollte sich der Staat dazu bekennen, sich nicht in die inneren Angelegenheiten der Religionsgemeinschaften einzumischen. Stattdessen betont das neue Grundgesetz die Kontrolle der Religion durch den Staat und bekräftigt die rechtlichen Verpflichtungen, denen die Glaubensgemeinschaften unterliegen. Bislang bestehende Verweise auf die Gewissensfreiheit jedes Bürgers wurden in der neuen Verfassung gestrichen.

„Diese neue Verfassung bedeutet einen Rückschritt für alle Gläubigen in Kuba. Statt demokratischer Öffnung droht noch mehr Verfolgung“, erklärte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Sonntag in Göttingen. Die Bürgerinnen und Bürger Kubas sind am heutigen Sonntag dazu aufgerufen, in einer Volksabstimmung über die Annahme des neuen Grundgesetzes zu entscheiden.

In den letzten Tagen vor dem Referendum hatten die Behörden massiven Druck auf Vertreter der Religionsgemeinschaften ausgeübt, öffentlich für die Annahme der Reform zu werben. So wurden Pastoren eingeschüchtert und bedroht, die aus ihrer Ablehnung der neuen Verfassung keinen Hehl machten. Ein kritischer Pastor musste erleben, wie sein Haus eine Woche lang systematisch von Polizisten von der Außenwelt abgeriegelt und ihm Haft angedroht wurde. Ein anderer Kirchenvertreter wurde wegen seiner Kritik zeitweilig vom Dienst suspendiert. Andere Repräsentanten von Religionsgemeinschaften wurden von den Behörden als „Konterrevolutionäre“ beschimpft. 

Die Religionsgemeinschaften hatten sich aktiv in den Reformprozess eingeschaltet und den Behörden 16 neue Verfassungsartikel unterbreitet. Doch keiner dieser Artikel wurde in das neue Grundgesetz aufgenommen. Neben der Verringerung des Schutzes der Glaubensfreiheit kritisieren die Kirchen vor allem die Streichung jedes Verweises auf die Gewissensfreiheit.

Seit dem Jahr 2005 haben die Einschränkungen der Religionsfreiheit in Kuba deutlich zugenommen. So wurden in den Jahren 2015 / 2016 mehr als 1.000 Kirchen für illegal erklärt. Mehrere größere Kirchen wurden daraufhin auch auf Anweisung der Behörden niedergerissen. Systematisch wurden im Jahr 2018 religiöse Führer bedrängt oder Pastoren in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt.

In Kuba gelten rund 70 Prozent der Bevölkerung als katholisch, fünf Prozent sehen sich als protestantisch an. Viele traditionelle afrikanische Religionen haben Einfluss auf die christlichen Kirchen. Fast 25 Prozent der Bevölkerung bezeichnen sich als Atheisten. (Quelle: GfbV/EAD, Foto: Nigel Pacquette/wikipedia)

Staatliche Stellen erhöhen den Druck auf Christen – Hunderte Hauskirchen in den vergangenen Monaten geschlossen. Die chinesischen Behörden erhöhen den Druck auf Christen. So wurden in den vergangenen Monaten Hunderte von nichtregistrierten Hauskirchen geschlossen und Kirchengebäude zerstört, berichtet das US-Nachrichtenportal CBN-News. Teilweise seien Kreuze und Jesusdarstellungen aus Kirchen entfernt und durch Bilder der kommunistischen Partei ersetzt worden. Doch auch staatlich registrierte Kirchen sind vor Zerstörung nicht sicher: Wie der Nachrichtendienst AsiaNews meldet, haben am 13. August lokale Behörden eine katholische Kirche in Qianwang in der zentralchinesischen Provinz Hubai abreißen lassen. Nach lautstarken Protesten durch die Mitglieder hätten die Behörden versprochen, die Kirche an einem anderen Ort wiederaufzubauen – auch wenn es „eine lange Zeit dauern wird“. In einer gemeinsamen Stellungnahme vom 23. Juli hatten 34 Hauskirchen in der chinesischen Hauptstadt Peking das Vorgehen der Regierung gegen Christen kritisiert und sie aufgefordert, die Grundfreiheiten und -rechte religiöser Bürger zu achten. Sie verwiesen dabei auf die Zusicherung dieser Rechte in der chinesischen Verfassung.

Behörden schließen christliche Sommerlager

Zeichen des wachsenden Drucks auf Christen ist auch die Schließung bzw. das Verbot christlicher Sommerlager in mehreren Provinzen. Die Behörden in der nordchinesischen Diözese Tianjin stoppten ein solches Camp auf dem Gelände eines katholischen Zentrums, so die Nachrichtenagentur Ucanews. Die 80 anwesenden Kinder im Alter von zehn bis 14 Jahren seien am nächsten Tag nach Hause geschickt worden. Ein danach geplantes Sommerlager für 60 Jugendliche im Alter von 15 bis 18 Jahre hätten die Regierungsbeamten ebenfalls verboten. Ucanews zufolge sind nach Inkrafttreten der neuen Religionsgesetze im Februar in mehreren Diözesen der Provinz Henan Sommerlager untersagt worden. Schätzungen zufolge leben in der fast 1,4 Milliarden Einwohner zählenden Volksrepublik China bis zu 130 Millionen Christen. Ein großer Teil trifft sich in staatlich nichtregistrierten Gemeinden. Demnach gäbe es mehr Christen, als die Kommunistische Partei Mitglieder zählt: 83 Millionen. (Quelle: idea)

Am 24. Mai, dem Gedenktag „Maria, Hilfe der Christen“, begehen Katholiken seit 2007 den Gebetstag für die Kirche in China. Die Lage der Christen in der kommunistischen Volkrepublik ist angespannt: Während es nach Jahrzehnten der Eiszeit wieder Gespräche zwischen der Volksrepublik und dem Heiligen Stuhl gibt, schränken neue Regelungen kirchliche Arbeit und Verkündigung weiter ein. Katharina Wenzel-Teuber, Mitarbeiterin am „China-Zentrum“ mit Sitz in Sankt Augustin, sieht Schritte der Versöhnung, aber auch die Gefahr neuer Spannungen innerhalb der Gemeinden. KIRCHE IN NOT hat mir ihr gesprochen.

KIN:Am 24. Mai beten Katholiken weltweit für die Kirche in China. Ein Weltgebetstag für ein ganz bestimmtes Land. Das ist ziemlich einzigartig. Was ist so besonders an China?

Katharina Wenzel-Teuber: Es ist ein großes Land mit einer alten Kultur, das die Zukunft der Welt maßgeblich mitgestalten wird. Die katholische Kirche ist dort eine kleine Minderheit, wenn auch mit einer langen Geschichte. Sie befindet sich in einer schwierigen Lage. Die Kommunistische Partei Chinas versucht seit 60 Jahren, eine vom Papst und der Weltkirche unabhängige nationale Kirche zu errichten. Das ist ihr zwar nicht wirklich gelungen, hat aber zu einer schmerzlichen Spaltung der katholischen Kirche Chinas in zwei Gemeinschaften geführt. Papst Benedikt XVI. hat 2007 einen Brief an die chinesische Kirche geschrieben, um ihr Orientierung in dieser komplexen Lage zu geben und zur Versöhnung aufzurufen. Die Katholiken auf der ganzen Welt bat er, im Gebet ihre brüderliche Solidarität zu bekunden. Papst Franziskus führt diesen jährlichen Aufruf zum Gebet für China fort.

Ist die katholische Kirche in China diesen Zielen der Einheit und Versöhnung seit Einführung des Gebetstages nähergekommen?

Tatsächlich haben sich chinesische Diözesen und Gemeinden an vielen Orten um Versöhnung bemüht. Dabei hat es Fortschritte gegeben – manchmal gerade dann, wenn die staatlich anerkannte, sogenannte „offizielle“ Kirche sich gegen behördliche Übergriffe auf das kirchliche Leben zur Wehr zu setzen versuchte, etwa bei den massenhaften Kreuzabrissen von Kirchendächern in der Provinz Zhejiang im Süden Chinas vor einigen Jahren. Es gibt aber auch immer wieder Rückschläge. Versöhnung braucht Zeit. Insgesamt aber scheint mir bei den chinesischen Katholiken das Bewusstsein gewachsen zu sein, dass sie alle zur einen Kirche gehören, trotz der großen Unterschiede.

Die kommunistische Regierung in der Volksrepublik China nimmt sehr großen Einfluss auf das religiöse Leben. Am 1. Februar 2018 sind die staatlichen „Vorschriften für religiöse Angelegenheiten“ in einer neuen und erweiterten Fassung in Kraft getreten. Kritiker befürchten, dass diese neuen Richtlinien zu schärferen Kontrollen und härteren Maßnahmen des Staates führen und vor allem den nicht-registrierten Gruppen und Gemeinden ziemliche Probleme bereiten könnten. Wie ist Ihre Einschätzung?

Auch vorher schon war religiöse Betätigung nur im vom Staat kontrollierten Rahmen erlaubt und legal – also an registrierten religiösen Stätten und mit behördlich zugelassenem Klerus. Bisher wurde aber vielfach religiöses Leben toleriert, das in rechtlichen Graubereichen stattfand. Die revidierten „Vorschriften“ sollen diese Grauzonen offenbar schließen. Sie enthalten mehr Verbote als bisher und konkrete Strafanordnungen. Geldstrafen von bis zu 4.000 Euro drohen jetzt beispielsweise Menschen, die Voraussetzungen für nicht genehmigte Gottesdienste schaffen, indem sie zum Beispiel Räume dafür zur Verfügung stellen. Stärkere Kontrolle gilt künftig den Auslandskontakten der Religionen, außerdem den religiösen Diensten im Internet und der Trennung von Erziehung und Religion. Seit 1. Februar wurde mehrfach gemeldet, dass Versammlungsstätten im Untergrund mit Verweis auf die Vorschriften geschlossen wurden. Ende März wurde der Verkauf von Bibeln auch in Onlinebestelldiensten gestoppt. Besorgniserregend sind Meldungen aus einigen Regionen, dass Minderjährige keine Gottesdienste mehr besuchen und die Gemeinden keine Religionskurse für Kinder mehr abhalten dürfen.

Trotz der vielen Probleme und Einschränkungen für die Religionsgemeinschaften fühlen sich offensichtlich viele Menschen in China zur Religion hingezogen. Wie lebendig sind die verschiedenen Religionsgemeinschaften im heutigen China?

Sehr lebendig! Dabei gibt es eine große religiöse Vielfalt, von den traditionellen Volksreligionen bis zu Islam und Christentum. Die Zahl der Christen hat sich in den vergangenen 70 Jahren sprunghaft erhöht, auch wenn es nur Schätzungen gibt, was ihre Zahl anbelangt. Es gibt heute etwa zehn Millionen Katholiken in China. Die Zahl der Christen insgesamt ist enorm in die Höhe geschnellt: Die Zahl der Gläubigen in den protestantischen Gemeinden liegt zwischen 38 und 80 Millionen.

Welche Erklärung haben Sie dafür, dass in einem Land mit einer atheistischen Staatsdoktrin so viele Menschen eine Religion praktizieren?

Es gibt ein Wertevakuum. Viele Menschen suchen nach Orientierung und auch nach Gemeinschaft.

Die kommunistische Partei warnt immer wieder vor einer „Infiltration aus dem Ausland“, vor allem auch vor einer „Infiltration mittels der Religion“. Welche Befürchtungen hat die Partei?

Sie hat Sorge, dass Gedanken ins Land kommen, die die eigene Herrschaft gefährden – etwa die Idee von „universalen Werten“. Außerdem befürchtet sie, dass religiöse Loyalitäten in Konflikt mit der Loyalität zu Partei und Staat kommen könnten, die für sie unbedingt an erster Stelle stehen muss.

Seit einiger Zeit propagiert die Staatsführung ein neues Leitbild für die Religionsgemeinschaften. Der Begriff dafür lautet: „Sinisierung“. Was ist damit gemeint? Droht dabei die Gefahr, dass Glaubensinhalte verfälscht werden?

Gemeint ist, dass sich die Religionen einerseits der traditionellen Kultur Chinas, andererseits der sozialistischen Gesellschaft Chinas anpassen sollen. Dabei geht es nicht nur um Äußerlichkeiten: Es werden auch „Forderungen an die religiösen Regeln und Lehren“ gestellt. Es wird sich zeigen, wie die chinesischen Theologen mit der Aufforderung zur Sinisierung des Christentums umgehen. Die Gefahr, dass dabei Glaubensinhalte verfälscht werden, ist durchaus vorhanden. Inkulturation ist ja ein Anliegen der Kirchen selbst, aber sie braucht Freiräume, wenn sie echt sein soll.

Seit 2014 gibt es Verhandlungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der chinesischen Regierung. Über Inhalt und Ergebnisse dieser Gespräche ist bislang wenig nach außen gedrungen. Worum geht es in diesen Gesprächen? Und was ist nach Ihren Erkenntnissen bislang erreicht worden?

Seit 60 Jahren ist die Streitfrage, wer das Recht auf die Ernennung der chinesischen Bischöfe hat, zwischen Rom und Peking ungelöst. Ziel der gegenwärtigen Verhandlungen ist ein Kompromiss in Form eines Abkommens. Die genauen Inhalte und Bedingungen sind nicht bekannt.

Gibt es Risiken für diese Vorgehensweise? Und von welchen Gesichtspunkten lässt der Vatikan sich leiten?

Sicher gibt es Risiken. Es könnte zu weiteren Spannungen innerhalb der Kirche kommen. Da der Staat derzeit seine Politik gegenüber den Religionen verschärft, dürfte außerdem nach einem Abkommen das Überleben der Kirche im Untergrund sehr schwierig werden. Dem Heiligen Stuhl wiederum geht es um die Einheit der Kirche. Es geht außerdem – wie Kardinalstaatssekretär Parolin gesagt hat – darum, realistische pastorale Lösungen zu finden, die es den chinesischen Katholiken erlauben, ganz katholisch und gleichzeitig ganz chinesisch zu sein.

Emeritierter Bischof von Hongkong über die Lage der Christen in China. Joseph Kardinal Zen Ze-kiun gilt als Gewissen der katholischen Kirche in China. Vor allem die laufenden Verhandlungen des Heiligen Stuhls mit der kommunistischen Staatsführung sieht er skeptisch. Denn die Regierung verfolgt aus seiner Sicht nur ein Ziel: die Kirche ihrem Führungsanspruch zu unterwerfen. Der 85-Jährige war am 13. Mai auf einem Begegnungstag von „Kirche in Not“ Deutschland im Wallfahrtsort Kevelaer zu Gast. Mit Berthold Pelster sprach er darüber, dass die Kollaboration mit der Staatsführung auch unter Christen zunimmt, welche Rolle die katholische Kirche beim Neuaufbau der chinesischen Gesellschaft spielen kann – und warum die Kommunisten Angst vor der Fatima-Madonna haben.

KIRCHE IN NOT: Die Volksrepublik China hat in den letzten vier Jahrzehnten einen enormen gesellschaftlichen Wandel durchgemacht: Reformen, vor allem im ökonomischen Bereich, haben den Aufstieg zu einer wirtschaftlichen und technologischen Großmacht ermöglicht. Welche Bedeutung hat dabei die kommunistische Ideologie heute noch?

Joseph Kardinal Zen Ze-kiun: Die Führung in China hat die kommunistische Ideologie nie besonders ernst genommen. Beim chinesischen Kommunismus handelt es sich vielmehr um eine Form des ungezügelten Imperialismus. Die ausufernde Korruption auch innerhalb der Partei belegt das. Alles dreht sich um Macht. Absoluter Gehorsam gegenüber der Staatsführung ist das einzige, was zählt. Und mit den Öffnungen im wirtschaftlichen Bereich und dem zunehmenden Wohlstand wird das alles immer schlimmer. Der Reichtum heizt die Korruption immer weiter an.

Politische Beobachter sprechen davon, dass sich die Menschenrechtslage unter dem jetzigen Präsidenten Xi Jinping eher verschlechtert habe. Was sind Ihre Beobachtungen?

Anfangs hatte ich Hoffnungen, weil der Präsident gegen die Korruption in Staat und Gesellschaft vorgegangen ist. Aber sehr schnell stellte sich heraus, dass es auch bei ihm nur um Macht geht. Personen, die sich für die Einhaltung von Menschenrechten einsetzen, werden unter seiner Regierung unterdrückt, verfolgt, gedemütigt und in Propagandaprozessen verurteilt.

Noch immer ist die katholische Kirche in China gespalten: Es gibt die von der kommunistischen Führung anerkannte sogenannte „Patriotische Vereinigung“, die aber jede Einflussnahme Roms ablehnt. Auf der anderen Seite gibt es die papsttreue Untergrundkirche, die starken Repressalien ausgesetzt ist. Wie ist die Lage aktuell?

Die Situation ist weiterhin sehr schwierig und schlimm. Und ich muss leider sagen: nicht nur wegen der Kommunisten, sondern auch wegen der gegenwärtigen Politik des Heiligen Stuhls. Einige Vertreter im Vatikan sind überzeugt, dass jetzt der Moment der Versöhnung der beiden Flügel der katholischen Kirche, also der offiziellen Staatskirche und der Untergrundkirche, gekommen ist. Papst Benedikt XVI. hat im Jahr 2007 in seinem Brief an die Katholiken in China von Versöhnung gesprochen und damit vor allem die geistliche Versöhnung gemeint. Aber das ist ein langer Weg!

Warum so skeptisch?

Wir können die Katholiken der papsttreuen Untergrundkirche doch nicht auffordern, sich der Staatskirche anzuschließen, die eine strikte Unabhängigkeit von jeglichem ausländischen Einfluss fordert. Eine solche Unabhängigkeit widerspricht dem katholischen Glauben! Aber auch der Staat setzt die Christen der Untergrundkirche unter Druck, mit sehr subtilen Methoden. Bischöfe der Untergrundkirche wurden zum Beispiel in der Karwoche zu politischen Schulungen zwangsverpflichtet und konnten deshalb nicht die Liturgie mit den Gläubigen feiern.

Können Sie uns etwas über den aktuellen Stand der Verhandlungen zwischen chinesischer Führung und dem Heiligen Stuhl berichten?

Leider dringt über die Gespräche wenig nach außen. Selbst ich als chinesischer Kardinal habe kaum Informationen darüber. Das, was ich weiß, macht mich aber sehr besorgt. Ich habe die große Befürchtung, dass die Gespräche in die falsche Richtung laufen, besonders, was die Auswahl und Ernennung von Bischöfen betrifft. Aber es gibt noch viele weitere Probleme. Ich erwarte, dass die Gespräche noch sehr lange dauern werden. Die Staatsführung wird meines Erachtens kein anderes Ergebnis akzeptieren als die vollständige Unterwerfung der Kirche unter den Führungsanspruch der kommunistischen Partei.

Der Vatikan betont immer wieder, dass es nur eine katholische Kirche in China gibt, die allerdings unter großen inneren Spannungen leidet. Ist diese Beschreibung aus Ihrer persönlichen Sicht zutreffend?

Früher habe ich das auch betont: Ja, es gibt nur eine katholische Kirche in China! Heute habe ich da meine Zweifel. Heute beobachte ich einen verbreiteten Opportunismus in der Staatskirche. Zu viele erliegen den materialistischen Verlockungen, die die staatlichen Behörden denjenigen anbieten, die sich der Staatsmacht beugen. Materielle Vorteile verleiten sie dazu, der Staatsmacht mehr Loyalität entgegenzubringen als der universellen katholischen Kirche. Bischöfe in der Staatskirche werden illegal geweiht mit dem Versprechen: „Seid ohne Sorge! Früher oder später wird der Vatikan euch schon noch anerkennen!“ Das sind unhaltbare Zustände!

Das alles klingt sehr pessimistisch. Was sind Ihre Erwartungen für das Christentum in China?

Alles hängt davon ab, ob wir es schaffen, unseren Glauben authentisch zu leben – und nicht mit vielerlei Kompromissen. Es gibt diese Christen in China, die mutig für eine bessere Gesellschaft eintreten. Viele von ihnen aber sind im Gefängnis! Sollte der Kommunismus eines Tages fallen, dann sollten die Katholiken zu denjenigen gehören, die ein neues China aufbauen. Das geht aber nur, wenn die Katholiken nicht vorher schon durch faule Kompromisse mit der kommunistischen Führung ihre Glaubwürdigkeit verspielt haben.

Wir Katholiken erinnern uns in diesen Tagen an die Erscheinungen der Gottesmutter in Fatima vor genau 100 Jahren. Die Botschaften der Gottesmutter von Fatima warnen vor der gottlosen Ideologie des Kommunismus. Sind diese Botschaften unter den Katholiken in China bekannt?

Natürlich! Alle bei uns kennen die Fatima-Botschaften. Sogar die Kommunisten! Sie sind sehr besorgt deswegen und haben sogar Angst vor der Gottesmutter von Fatima! Das nimmt groteske Züge an: Wenn Sie zum Beispiel Bilder der „Maria Immaculata“ oder Darstellungen des Gnadenbildes „Maria, Hilfe der Christen“ aus dem Ausland nach China einführen, dann haben die Kommunisten nichts dagegen. Bilder der „Gottesmutter von Fatima“ dagegen sind verboten. Das ganze Fatima-Geschehen ist aus ihrer Sicht „anti-kommunistisch“. Und das haben sie ja auch ganz richtig erkannt!

Die Führung macht da also Unterschiede. Dabei hat auch die Verehrung Marias unter dem Titel „Hilfe der Christen“ einen besonderen Bezug zu China: An ihrem Gedenktag, dem 24. Mai, begeht die katholische Kirche einen weltweiten Gebetstag für die Kirche in China. Papst Benedikt XVI. hat ihn im Jahr 2007 eingeführt. Welche Bedeutung hat dieser Gebetstag?

Die Verehrung der Gottesmutter unter dem Titel „Hilfe der Christen“ ist überall in China schon lange tief verwurzelt. Unter diesem Titel ist nicht nur die Hilfe für einzelne Gläubige gemeint, sondern auch die Hilfe für die Kirche als Ganzes. In China ist die Hauptgefahr heute der materialistische Atheismus. Leider ist dieser Gebetstag, der für die katholische Kirche weltweit Geltung hat, viel zu wenig bekannt. Er wird noch zu wenig ernst genommen.

Die kommunistischen Behörden untersagten am 25. Dezember mindestens zwei katholischen Pfarreien in der Provinz Kon Tum die Zelebration des Weihnachtsfestes. Das schreibt Katholische Info.Net Da heißt es: „In der Pfarrei von Dak Lak in der Gemeinde Dak Mon hatten sich 5.000 Gläubige versammelt, als die Zelebration des Hochfestes verboten wurde. In der Pfarrei Xe Dang in der Gemeinde Dak Ha waren es 3.000 Christen,, die sich zur Zelebration zusammengefunden hatten, als die kommunistischen Behörden auftraten und diese untersagten.“ Vietnam zählt 87 Millionen Einwohner. Laut Asianews sind 48 Prozent davon Buddhisten, 38 Prozent Atheisten, mehr als sechs Millionen – sieben Prozent Katholiken, ca. 0,6 Prozent Protestanten und 5,6 Prozent Synkretisten.

Kommunisten wollen die Religion stärker aus der Öffentlichkeit verbannen. In der Volksrepublik China protestieren Christen öffentlich gegen den staatlich angeordneten Abriss von Kreuzen und Kirchen. Seit 2014 haben die kommunistischen Behörden in der Provinz Zhejiang (Südostchina) mehr als 400 Kreuze von Kirchendächern entfernen lassen – angeblich aus baurechtlichen Gründen. Christen sehen darin aber den Versuch, die Religion angesichts der stark wachsenden christlichen Gemeinden stärker aus der Öffentlichkeit zu verbannen. Die staatlichen Aktionen richten sich sowohl gegen Untergrundgemeinden wie auch gegen anerkannte Kirchen. Zentrum ist die acht Millionen Einwohner zählende Stadt Wenzhou, wo rund eine Million Christen leben. Dort gibt es mehr als 2.000 Kirchengebäude. Katholiken und Protestanten haben jetzt eine friedliche Protestkampagne gestartet, mit der sie Kreuze „an allen Orten“ sichtbar machen wollen. Sie bringen die christlichen Symbole an ihren Häusern an und veröffentlichen davon Fotos in Sozialen Medien im Internet. So wollen sie der Regierung zeigen, dass Christen vereint für das Kreuz einstehen. Der katholische Bischof von Wenzhou, Zhu Weifang, rief alle Bürger auf, ihre Stimme für Religionsfreiheit zu erheben. Der 89-jährige Bischof gehört zur staatlich nicht anerkannten romtreuen katholischen Kirche.

Festnahmen von Christen auch in anderen Provinzen

Wie die Internetzeitung „Christian Post“ berichtet, beschränkt sich das Vorgehen der Behörden nicht auf die Provinz Zhejiang. So seien im vorigen September in der südchinesischen Provinz Guangdong etwa 100 Christen verhaftet worden, darunter auch Kinder. Sie hatten an einem Gottesdienst in einer Hauskirche teilgenommen. Immer wieder würden Pastoren festgenommen, weil sie angeblich die öffentliche Ordnung störten. Unter der kommunistischen Herrschaft wurde das Christentum in China vor allem von 1949 bis Ende der siebziger Jahre – besonders während der Kulturrevolution – brutal unterdrückt. Danach lebte es trotz Einschränkungen wieder auf. Es erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. So haben sich nach Angaben der staatlich anerkannten protestantischen Kirche im vorigen Jahr rund eine halbe Million Menschen taufen lassen. Die Gesamtzahl der Christen ist schwer zu ermitteln. Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften spricht von 29 Millionen in staatlich anerkannten Gemeinden – 23 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Nicht berücksichtigt sind die romtreuen Katholiken und jene protestantischen Hausgemeinden, die sich nicht der Kontrolle des Staates unterwerfen wollen. Schätzungen der Gesamtzahl belaufen sich auf bis zu rund 130 Millionen; auf jeden Fall übertreffen sie die der 83 Millionen kommunistischen Parteimitglieder. Insgesamt leben in China fast 1,4 Milliarden Menschen. (Quelle: idea)

Katholische Kirche wird in China weiter unterdrückt. Kardinal sieht keine Anzeichen für Verbesserung der Situation. Die chinesische Regierung hat ihren kirchenfeindlichen Kurs in jüngster Zeit verschärft. Dies sagte der emeritierte Bischof von Hongkong, Joseph Kardinal Zen Ze-kiun dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Bezogen auf die Situation der Katholiken in China berichtete Zen: „Kirchen wurden abgerissen und Kreuze von Gebäuden entfernt. Die katholische Kirche wird nach wie vor von der chinesischen Regierung unterdrückt.“

Der Kardinal ist davon überzeugt, dass die Zeit für einen Papstbesuch in China noch nicht reif sei. Denn die chinesische Regierung bemühe sich offensichtlich keineswegs, ihre Beziehungen zum Heiligen Stuhl und die Situation der katholischen Kirche im Land zu verbessern. Außerdem befürchtet Zen, dass die chinesische Regierung versuchen würde, den Ablauf einer päpstlichen Pastoralreise zu steuern. „Man würde nicht zulassen, dass der Papst diejenigen trifft, denen er gerne begegnen würde. Stattdessen würde man versuchen, ihn zu zwingen, mit ausgewählten Personen zusammenzutreffen.“

Erst Mitte Oktober kam es zu einer Begegnung zwischen Papst Franziskus und Kardinal Zen in Rom. Der Papst lobte ihn dabei für seine Unterstützung der Demokratie-Bewegung in Hongkong. Das Bistum Hongkong hat eine Kommission ins Leben gerufen, die sich entsprechend den Maximen der katholischen Soziallehre für Gerechtigkeit und Frieden in der chinesischen Gesellschaft einsetzt.

In der südchinesischen Provinz Zhejiang eskaliert der Streit um die Entfernung von Kreuzen und die Schließung von Kirchen. Das berichtet die Gesellschaft für bedrohte Völker. Nach ihren Angaben verletzten Polizisten am 21. Juli in der Stadt Wenzhou mehr als 60 Christen, die mit einer Menschenkette das Kreuz auf ihrer Kirche – der Sjuitou Salvation Church – schützen wollten. Die Sicherheitskräfte seien mit Eisenstangen und Schutzschilden gegen rund 1.000 friedlich demonstrierende Christen vorgegangen, erklärte der Asienreferent der Menschenrechtsorganisation, Ulrich Delius. Allein in Wenzhou hätten die Behörden seit Jahresbeginn mehr als 160 Kreuze von Kirchen entfernen und drei Gotteshäuser zerstören lassen. In der gesamten Provinz seien im gleichen Zeitraum über 360 Kreuze von Kirchen gerissen worden. Delius: „Der jüngste Zwischenfall markiert eine deutliche Eskalation der Gewalt und des Konflikts um die stetig expandierenden Kirchen in der 500 Kilometer südlich von Schanghai gelegenen Provinz.“ Der unverhältnismäßige Einsatz von Gewalt mache deutlich, dass die dortige Kommunistische Partei die Religionsfreiheit auch für die Christen in der staatlich anerkannten Drei-Selbst-Bewegung einschränken wolle. Zu ihr gehört die betroffene Kirche in Wenzhou.

Metropole Wenzhou: Von acht Millionen Einwohnern eine Million Christen

Die acht Millionen Einwohner zählende Stadt gilt als ein Zentrum des aufstrebenden Christentums in China. Mindestens eine Million Bewohner sind bekennende Christen. In der Stadt gibt es mehr als 2.000 Kirchengebäude. Die Behörden behaupten, ihre Maßnahmen richteten sich nicht gezielt gegen Kirchen, sondern gegen alle Gebäude, die ohne Genehmigung errichtet wurden. Die einheimischen Christen sehen darin jedoch eine gezielte Kampagne, um die Glaubensfreiheit einzuschränken. Genaue Angaben über die Zahl der Christen unter den 1,3 Milliarden Einwohnern der Volksrepublik existieren nicht. Die Chinesische Akademie der Sozialwissenschaften spricht von 29 Millionen in staatlich anerkannten Gemeinden – 23 Millionen Protestanten und sechs Millionen Katholiken. Nicht berücksichtigt sind dabei die romtreuen Katholiken und jene nicht-registrierten protestantischen Hausgemeinden, die sich nicht der Kontrolle des Staates unterwerfen wollen. Schätzungen ausländischer Experten gehen von insgesamt bis zu 130 Millionen Christen aus. (Quelle: idea)

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