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Am Ostersonntag, dem 21. April 2019, wurden in Sri Lanka drei christliche Kirchen von islamistischen Terroristen angegriffen. Alle drei Kirchen waren voll mit Gläubigen, die das Fest der Auferstehung feierten. 114 Menschen starben bei den Bombenattacken in der Kirche St. Sebastian in der Stadt Negombo, nördlich der Hauptstadt Colombo. Weitere 27 Menschen starben in der protestantischen Zion-Kirche in Batticaloa. Die dritte Explosion, die 54 Menschen in den Tod riss, ereignete sich in der Kirche St. Anton im Distrikt Kotahena in Colombo.

Die Dschihadisten wählten ihre Ziele absichtlich aus. Die katholische Kirche St. Anton in Colombo ist eine der meistbesuchten Kirchen Sri Lankas und zugleich auch ein nationaler Schrein, der von tausenden Menschen, darunter auch Nicht-Christen, besucht wird.

Besonders betroffen von dieser Tragödie sind die Menschen, die einen ihrer geliebten Angehörigen verloren haben, die Verwundeten, meist mit lebens verändernden Verletzungen, die Waisen, die von ihren Familien getrennt wurden, und diejenigen, die unter schweren psychischen und emotionalen Traumata leiden. All diese Menschen brauchen unsere Hilfe. KIRCHE IN NOT unterstützt über die Ortskirche die Betroffenen und ihre Familien im Behandlungsprozess mit sozialer und psychologischer Betreuung.

Der Ostermorgen 2019 wird den Menschen in Sri Lanka für immer in schrecklicher Erinnerung bleiben: Eine Serie von Selbstmordattentaten in drei Kirchen und drei Hotels kostete rund 300 Menschen das Leben. Mehr als 500 Menschen wurden verletzt.

Die katholische Erzdiözese Colombo stand den Verletzten und den Angehörigen der Toten sofort zur Seite, um die Wunden zu behandeln, die Toten zu begraben und die erste Not zu lindern. Die seelischen Wunden sitzen jedoch tief. Dazu kommt, dass die Menschen befürchten müssen, dass sich jederzeit wieder Anschläge ereignen können.

Die seelischen Wunden nach den Selbstmordattentaten 2019 sitzen noch tief. Dazu kommt, dass die Menschen befürchten müssen, dass sich jederzeit wieder Anschläge ereignen können.

Die Priester standen an vorderster Front und waren mit nahezu unendlicher Not und unermesslichem Leid konfrontiert.  „In unserem Land ist ein Priester nicht nur ein geistlicher Ratgeber, sondern er ist auch ein Ansprechpartner für alle sozialen Belange. „Unser Volk gehorcht den religiösen Führern und respektiert sie mehr als die politische Führung. Deshalb müssen wir sie auch dafür ausbilden“, sagt Fr. Jude Chrysantha Fernando, der Beauftragte für soziale Kommunikation der Erzdiözese Colombo.

Auch manche Priester selbst wurden traumatisiert. Sie waren schockiert und entmutigt und litten mit den Leidenden. Außerdem waren sie erschöpft, weil sie wochenlang Tag und Nacht im Einsatz waren, ohne sich auszuruhen. Ein Problem war der Mangel an starken und gut ausgebildeten Laien, die die Priester entlasten konnten. Daher hat die Erzdiözese Colombo ein Ausbildungsprogramm ins Leben gerufen, das Priester, Ordensfrauen und Laien in die Lage versetzt, in schwierigen Situationen angemessen zu reagieren und Hilfe zu leisten.

Auch Priester selbst wurden traumatisiert. Sie waren schockiert und entmutigt und litten mit den Leidenden.
Priester, Ordensfrauen und Laien nahmen mit der Hilfe von KIRCHE IN NOT an Workshops teil, die von Psychologen, erfahrenen Priestern und anderen Experten geleitet wurden. Sie lernten, wie man Menschen in schwierigen Situationen unterstützen und trösten kann und wie man mit Konflikten umgeht. Ihr Selbstvertrauen wurde gestärkt, so dass sie es sich nun zutrauen, adäquat auf solche Situationen zu reagieren. Die Teilnehmer wurden ebenfalls in die Lage versetzt, eigene Traumatisierungen in ähnlichen Situationen zu verhindern. KIRCHE IN NOT hat dieses Ausbildungsprogramm mit 4.900 Euro unterstützt. Herzlichen Dank an alle, die geholfen haben!

„Heute Morgen läuteten alle Glocken unserer Kirchen und auch alle christlichen, buddhistischen, hinduistischen und muslimischen Kultstätten erinnerten an die Märtyrer der Anschläge vom 21. April 2019, als die den Anschlägen der Terroristen in Sri Lanka zum Opfer fielen. Wir konnten wegen der Maßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 zwar keine öffentliche Feier veranstalten, aber das ganze Land hat an die Opfer zu Hause gedacht. Dazu hatte Kardinal Malcom Ranjith, Erzbischof von Colombo, die Menschen aufgefordert“, so der Natioaldirektor der Päpstlichen Missionsswerke in Sri Lanka, Pfarrer Basil Fernando.

„Alle Religionsgemeinschaften haben sich geistlich vereint und alle Zivilbehörden haben teilgenommen“, so der katholische Geistliche, „Jeder hat entweder zu Hause oder bei der Arbeit ein persönliches Gebet gesprochen. Wir alle Bürger haben eine Kerze angezündet, um uns an die Menschen zu erinnern, die ums Leben kamen: Alle Kultstätten haben das Licht angemacht. Zwei Minuten lang herrscht im Land absolute Stille. Alles hörte auf, um unserer Märtyrer im Gebet zu gedenken, diei snnlos und grausam durch terroristische Gewalt getötet wurden.“

„Es war ein einfaches, intensives, aber tiefgreifendes Gedenken“, so der Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke weiter. „In dieser Zeit müssen wir persönlich beten. Doch wenn es die Bedingungen wieder erlauben, werden wir die neue Kapelle der Märtyrer einweihen, die wir dank der vielen Opfergaben gebaut haben. Die Kapelle befindet sich in Negombo, dem Ort eines der Anschläge. Wir werden dort die heilige Messe feiern. Wir werden Treffen mit Gläubigen der verschiedenen Religionen veranstalten. Wir werden alle so bald wie möglich zusammenkommen, wenn die Zeit der Isolation wegeb Covid-19 vorbei sein wird.“

Am 21. April vor einem Jahr, dem Ostersonntag, gingen in drei Kirchen auf Sri Lanka, davon zwei katholischen, Bomben hoch, dasselbe geschah in mehreren Luxushotels. Fast 280 Menschen verloren bei den islamistischen Anschlägen ihr Leben, mindestens 500 Menschen wurden verletzt. (Quelle: Fidesdienst)

Vor drei Monaten rissen Bombenanschläge auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Es war der Ostersonntag. Der Inselstaat, in dem die Christen rund acht Prozent der Bevölkerung stellen, steht seitdem unter Schock.

Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst. Die katholische Kirche hat viele haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen.

Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus dem Hauptstadt-Bistum Colombo. Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert materielle Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Bei einem Sri-Lanka-Besuch sprach Stephan Baier, Korrespondent der katholischen Zeitung „Die Tagespost“, mit dem Priester.

Stephan Baier: Die Terroranschläge haben die Menschen nicht nur physisch und psychisch, sondern auch in ihrem Glauben verwundet. Wie steht ihnen die Kirche bei?

Prasad Harshan: Unser Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith wollte Missionare auf der Straße, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. Damit haben wir schon vor drei Jahren begonnen. Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen. Wir sind zurzeit fünf Priester, die mit den Terroropfern arbeiten. Vor allem sind wir in Negombo tätig, wo 115 Menschen einer einzigen Pfarrei ermordet und mehr als 280 verletzt wurden. Die Menschen sind verwundet: physisch, mental und spirituell. In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.

Bringt das Glaubenszweifel und Distanz zur Kirche?

Zunächst waren die Menschen geschockt und fragten sich: Wie konnte Gott das zulassen? Wir Priester beschlossen, mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten. Wir wollten ihnen zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt. Nach dem Schock kam die Wut. Insbesondere als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle. Er rief die Menschen auf, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Viele Katholiken auf Sri Lanka sagten mir, sie seien nach den Terroranschlägen stärker und gläubiger als zuvor.

Über Nacht war das ganze Land getauft. Es gibt ja die Taufe mit Wasser und jene mit Blut. Plötzlich wurde unserem ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken und die besondere Art ihres Glaubens bewusst. Früher sahen sich etwa 4 000 Menschen die Videobotschaften des Kardinals an, jetzt sind es hunderttausende. Sie wollen hören, was er sagt. Wir hatten ein wahres Osterfest! Aber es begann mit den zerfetzten Leibern, mit dem Blut der Märtyrer.

Die islamistischen Attentäter haben bewusst christliche Kirchen attackiert. Dabei sind rund 70 Prozent der Einwohner Sri Lankas Buddhisten …

Es hat wohl damit zu tun, dass die katholische Kirche zwar hier im Land eine Minderheit darstellt, aber die größte religiöse Gemeinschaft in der Welt ist. Die Terroristen wollen die ganze Welt involvieren.

Wie haben die Attentate die Beziehung zwischen Buddhisten und Katholiken beeinflusst? 

Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache? Die besondere Struktur der katholischen Kirche kam uns da sehr zugute: Der Kardinal hat dazu aufgerufen, keine Gewalt zu üben, die Priester haben das aufgegriffen und die Gläubigen ebenso. Jetzt bewundern auch buddhistische Mönche uns Katholiken und begegnen uns mit viel Sympathie und Respekt.

Wie reagierten die Spitzen der islamischen Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka auf den Terror aus ihren Reihen?

Die muslimischen Autoritäten haben erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime. Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen. Als die Untersuchungen begannen, wurden Waffen in den Moscheen gefunden. Das war schockierend für uns.

Wie wurde die internationale Solidarität mit den Opfern auf Sri Lanka spürbar?

Hilfsorganisationen wie „Kirche in Not“ haben uns hier sehr viel geholfen. Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören. Menschen, die nie in Sri Lanka waren, beten und spenden für uns. So wurde die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas. Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.

Um den kirchlichen Einsatz für die Überlebenden der Terroranschläge und die pastorale Arbeit auf Sri Lanka weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Sri Lanka

„Die Anschläge haben viele Leute an den Ausnahmezustand zu Zeiten des Bürgerkriegs erinnert. Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock“, so das Fazit von Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag, die landesweit hunderte Tote und Verletzte zu verantworten hatten, hat sich die für das Land zuständige Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT (ACN) selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht.

Sie berichtet von einer landesweit angespannten Lage, immer wieder aufkommenden Unruhen und Furcht: „Die Sicherheitsmaßnahmen in ganz Sri Lanka waren bei unserem Besuch sehr groß, Sicherheitskräfte und das Militär waren überall präsent. Insbesondere die christliche Bevölkerung hat weiterhin Angst. Es ist bekannt, dass an Ostersonntag mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend ermittelt und festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

Derzeit appelliert der Erzbischof der Diözese Colombo, Albert Malcolm Kardinal Ranjith, an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte auszuüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest. Innerhalb weniger Tage hat eine kleine Delegation von KIRCHE IN NOT insbesondere die Regionen um die Hauptstadt Colombo und der Nachbarstadt Negombo besucht, wo die meisten der Anschläge auf Kirchen und Hotels stattfanden. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Denn es waren ja ganz gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel. „Uns ist wichtig, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT aus erster Hand über die Lage vor Ort zu informieren, damit wir nicht vergessen, für Sri Lanka zu beten und dem Land unsere Unterstützung zukommen lassen können.“

Seit dem 21. Mai, genau einem Monat nach der Anschlagsserie, seien die Kirchen im Land wieder den Gläubigen zugänglich, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie momentan Angst haben, in eine Kirche zu gehen oder sich fürchten, wenn sie Glocken erklingen hören. Ein bedrückendes Zeugnis davon, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“ Dennoch konnte sie feststellen, dass die Erlebnisse viele Menschen, die selbst Opfer wurden oder Angehörige verloren haben, in ihrem Glauben bestärkt haben. „Die Leute verstehen zwar nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist, nachdem die Zustände die letzten Jahre verhältnismäßig ruhig waren. Aber sie haben einen immensen Lebenswillen und starken Glauben. Die Christen und alle Menschen in Sri Lanka wollen keinen Bürgerkrieg mehr, sondern sich für dauerhaften Frieden engagieren“, betont die KIRCHE IN NOT-Referentin.

Der Besuch eines Franziskaner-Konvents in Negombo habe Veronique Vogel besonders beeindruckt: Das Konvent befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo bei den Anschlägen allein dort mindestens 100 Menschen getötet wurden. Die Franziskaner haben uns Videos mit schrecklichen Szenen vom Tattag gezeigt – und seien sie sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie aktuell ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Der Inselstaat Sri Lanka liegt im Indischen Ozean und hat rund 22 Millionen Einwohner, darunter 70 Prozent Buddhisten, 12,5 Prozent Hindus, 9,5 Prozent Muslime und 8 Prozent Christen. Bei einer Serie von Anschlägen am Ostersonntag, 21. April 2019 kamen insbesondere in drei christlichen Kirchen und drei Hotels in der Hauptstadt Colombo, der Nachbarstadt Negombo und der an der Ostküste gelegenen Stadt Batticaloa zahlreiche Menschen zu Tode oder wurden schwer verletzt. Derzeit wird von landesweit mindestens 253 Toten und rund 500 Verletzten ausgegangen. Die Behörden machen eine lokale, radikal-islamistische Gruppierung und Dschihadisten für die Taten verantwortlich.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 15 Jahren über 8 Millionen Euro in Projekte in Sri Lanka investiert. Mit dem Geld wurden unter anderem der Bau christlicher Einrichtungen, Messstipendien für Priester, theologische Ausbildungen und die Anschaffung christlicher Literatur vor Ort finanziert. Nach den jüngsten Terroranschlägen wird sich KIRCHE IN NOT umso mehr für langfristige pastorale Hilfe im Land engagieren, damit die Wunden heilen und die Gemeinden wieder Hoffnung und Zuversicht erlangen können.

„Die Anschläge haben viele Leute an den Ausnahmezustand zu Zeiten des Bürgerkriegs erinnert. Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock“, so das Fazit von Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag, die landesweit hunderte Tote und Verletzte zu verantworten hatten, hat sich die für das Land zuständige Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT (ACN) selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht.

Sie berichtet von einer landesweit angespannten Lage, immer wieder aufkommenden Unruhen und Furcht: „Die Sicherheitsmaßnahmen in ganz Sri Lanka waren bei unserem Besuch sehr groß, Sicherheitskräfte und das Militär waren überall präsent. Insbesondere die christliche Bevölkerung hat weiterhin Angst. Es ist bekannt, dass an Ostersonntag mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend ermittelt und festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“ 

Derzeit appelliert der Erzbischof der Diözese Colombo, Albert Malcolm Kardinal Ranjith, an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte auszuüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest. Innerhalb weniger Tage hat eine kleine Delegation von KIRCHE IN NOT insbesondere die Regionen um die Hauptstadt Colombo und der Nachbarstadt Negombo besucht, wo die meisten der Anschläge auf Kirchen und Hotels stattfanden. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Denn es waren ja ganz gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel. „Uns ist wichtig, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT aus erster Hand über die Lage vor Ort zu informieren, damit wir nicht vergessen, für Sri Lanka zu beten und dem Land unsere Unterstützung zukommen lassen können.“

Seit dem 21. Mai, genau einem Monat nach der Anschlagsserie, seien die Kirchen im Land wieder den Gläubigen zugänglich, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie momentan Angst haben, in eine Kirche zu gehen oder sich fürchten, wenn sie Glocken erklingen hören. Ein bedrückendes Zeugnis davon, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“ Dennoch konnte sie feststellen, dass die Erlebnisse viele Menschen, die selbst Opfer wurden oder Angehörige verloren haben, in ihrem Glauben bestärkt haben. „Die Leute verstehen zwar nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist, nachdem die Zustände die letzten Jahre verhältnismäßig ruhig waren. Aber sie haben einen immensen Lebenswillen und starken Glauben. Die Christen und alle Menschen in Sri Lanka wollen keinen Bürgerkrieg mehr, sondern sich für dauerhaften Frieden engagieren“, betont die KIRCHE IN NOT-Referentin. 

Der Besuch eines Franziskaner-Konvents in Negombo habe Veronique Vogel besonders beeindruckt: Das Konvent befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo bei den Anschlägen allein dort mindestens 100 Menschen getötet wurden. Die Franziskaner haben uns Videos mit schrecklichen Szenen vom Tattag gezeigt – und seien sie sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie aktuell ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Der Inselstaat Sri Lanka liegt im Indischen Ozean und hat rund 22 Millionen Einwohner, darunter 70 Prozent Buddhisten, 12,5 Prozent Hindus, 9,5 Prozent Muslime und 8 Prozent Christen. Bei einer Serie von Anschlägen am Ostersonntag, 21. April 2019 kamen insbesondere in drei christlichen Kirchen und drei Hotels in der Hauptstadt Colombo, der Nachbarstadt Negombo und der an der Ostküste gelegenen Stadt Batticaloa zahlreiche Menschen zu Tode oder wurden schwer verletzt. Derzeit wird von landesweit mindestens 253 Toten und rund 500 Verletzten ausgegangen. Die Behörden machen eine lokale, radikal-islamistische Gruppierung und Dschihadisten für die Taten verantwortlich.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 15 Jahren über 8 Millionen Euro in Projekte in Sri Lanka investiert. Mit dem Geld wurden unter anderem der Bau christlicher Einrichtungen, Messstipendien für Priester, theologische Ausbildungen und die Anschaffung christlicher Literatur vor Ort finanziert. Nach den jüngsten Terroranschlägen wird sich KIRCHE IN NOT umso mehr für langfristige pastorale Hilfe im Land engagieren, damit die Wunden heilen und die Gemeinden wieder Hoffnung und Zuversicht erlangen können. 

Die Explosionen ereigneten sich am Ostermorgen: Auf Sri Lanka sind bei Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels über 250 Menschen ums Leben gekommen. Es ist der schwerste Anschlag seit zehn Jahren in dem Inselstaat. 

Bei Bombenanschlägen auf drei katholische Kirchen und drei Luxushotels sind in Sri Lanka über 250 Menschen ums Leben gekommen und Hunderte verletzt worden. Die Bomben in der St. Anthony Kirche in Colombo, der Kirche St. Sebastian in Nigombo und einer Kirche in Batticaloa explodierten am Ostersonntagmorgen zwischen 8 Uhr 30 und 9 Uhr Ortszeit. In den katholischen Kirchen hatten die Gläubigen zum Zeitpunkt der Explosionen die Ostermesse gefeiert.

Schwerster Anschlag seit zehn Jahren

Etwa zur gleichen Zeit seien Bomben in den drei Fünfsternehotels Shangri-La, Cinnamon Grand und Kingsbury in Colombo in die Luft gegangenen. Die Hotels sind ein beliebtes Reiseziel auch von europäischen Touristen. Es handelt sich um den schwersten Anschlag seit dem Ende des Bürgerkriegs vor zehn Jahren. Die Polizei nahm nach eigenen Angaben sieben Personen fest, nähere Informationen über Täter und Hintergründe des Terrors gab es bisher jedoch nicht.

Politiker aller Parteien in Sri Lanka verurteilten die Bombenanschläge in Colombo und anderen Städten des Landes. Premierminister Ranil Wickremesinghe verurteilte laut dem Nachrichtenportal der Regierung News.lk die Anschläge vom Ostersonntag als „feige Attacken“. Oppositionsführer Mahinda Rajapaksa sagte News.lk: „Ein dermaßen gewalttätiger Anschlag an so einem heiligen Tag ist absolut barbarisch.“ 6,1 Prozent der 22 Millionen Einwohner des mehrheitlich buddhistischten Inselstaates sind Katholiken.

Die Bundesregierung verurteilte die Taten. Regierungssprecher Steffen Seibert schrieb auf Twitter: „Entsetzen über die Nachricht, dass Christen auf Sri Lanka während der Ostermessen angegriffen und getötet wurden. Wir trauern um sie und beten für die Verletzten und Familien. Terrorismus, religiöser Hass und Intoleranz dürfen nicht siegen.“ Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Anschläge auf Sri Lanka als „feige Terroranschläge“. Besonders niederträchtig sei, „dass zahlreiche friedlich Betende in Gotteshäusern am Ostersonntag Ziel dieser hinterhältigen Angriffe wurden“, heißt es in einem am Sonntag veröffentlichten Schreiben Steinmeiers an den Präsidenten von Sri Lanka, Maithripala Sirisena: „Deutschland steht an Ihrer Seite in der Entschlossenheit, dem menschenverachtenden Terror entgegenzutreten.“

Die Katholiken im Heiligen Land beteten während der Ostergottesdienste für die Opfer. „Wir bekunden unsere Solidarität mit Sri Lanka und allen Einwohnern mit den verschiedenen religiösen und ethnischen Hintergründen, hieß es in einer in Jerusalem verbreiteten Erklärung. Trotz der großen Bedrängnis wolle man die Auferstehung Christi feiern und denen Hoffnung geben, die in Not seien. (Quelle: mal/KNA/epd)

Bischof zur Lage nach den Anschlägen am Ostersonntag. „Das ganze Land steht unter Schock. Es ist eine Tragödie.“ So beschreibt Bischof Warnakulasurya Wadumestrige Devasritha Valence Mendis im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ die Situation nach den Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag in Sri Lanka. Mendis ist Bischof von Chilaw, das 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo an der Westküste des südasiatischen Inselstaates liegt.

Nur rund 50 Kilometer sind es von Chilaw bis nach Negombo. Die dortige katholische Kirche „St. Sebastian“ ist einer der drei Orte, in denen während der Ostermesse Selbstmordattentäter Sprengsätze zündeten. Dies geschah nahezu zeitgleich auch in der St.-Antoniuskirche in Colombo, einem beliebten Wallfahrtsort, sowie im 250 Kilometer entfernten Batticaloa, wo es die protestantische Zinskirche traf.
„Die drei Kirchen waren voll von Gläubigen, schließlich war es Ostersonntag“, erklärte Bischof Mendis. In den Kirchen wurden die meisten Menschen getötet. Hinzu kommen die Opfer bei weiteren Sprengstoffanschlägen in drei Hotels in der Hauptstadt. Laut Polizeiangaben ist die Zahl der Toten auf mindestens 310 Menschen gestiegen. Ungefähr 500 Menschen wurden verletzt.

Alle Gottesdienste abgesagt

„Alle Kirchen im Land haben ihre Gottesdienste abgesagt“, teilte der Bischof mit. Die Gläubigen seien aufgefordert worden, sich nicht in Gruppen zu treffen, um weitere Anschläge zu verhindern. Es herrsche „allgemeiner Alarmzustand“, sagte Mendis. Medienberichten zufolge hat die Regierung Sri Lankas mittlerweile Ausgangssperren verhängt.

„Diese Angriffe kamen völlig unerwartet, zumal wir in den letzten sieben, acht Jahren sehr ruhig gelebt haben“, erklärte der Bischof. Auch das Zusammenleben der Religionen sei abgesehen von kleineren Zwischenfällen harmonisch gewesen. In Sri Lanka sind rund 68 Prozent der etwa 21 Millionen Einwohner Buddhisten, etwa 13 Prozent sind Hindus. Christen machen etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus, etwa 1,3 Millionen Menschen sind katholisch. Der Anteil der Muslime liegt bei unter neun Prozent.

„Wir können diese brutale Gewalt nicht verstehen. Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte Bischof Mendis. „Unsere Osterfreude wurde uns brutal genommen. Der Ostersonntag wurde ein Tag der Trauer. Die Menschen weinen um ihre Angehörigen“. Am Dienstag nach Ostern werden zahlreiche der Getöteten bestattet. Die Regierung hat für den 23. April ebenfalls einen nationalen Trauertag ausgerufen.

Brüchige religiöse und politische Einheit

Nach wie vor hat sich keine Gruppierung zu den Bombenanschlägen bekannt. Die Regierung Sri Lankas macht die einheimische Islamistengruppe „National Thowheeth Jama‛aath“ (NTJ) verantwortlich. Die Behörden überprüfen auch, ob die Gruppe internationale Unterstützung hatte.

Sri Lanka war bis 2009 Schauplatz eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ dokumentiert im Berichtszeitraum zwischen 2016 und 2018 mehrere Übergriffe auf religiöse Minderheiten von buddhistischen wie hinduistischen Extremisten. Signifikante islamistische Übergriffe nennt der Bericht nicht, weist aber darauf hin, dass „die religiöse Harmonie und Einheit im Land zerbrechlich“ seien. Die „tiefe Spaltung“ Sri Lankas sei „stark religiös geprägt“.

Obgleich die eigene Gemeinschaft am stärksten von den Anschlägen betroffen ist, weist Bischof Mendis zugleich darauf hin, dass unter den Toten und Verwundeten Menschen verschiedener Religionen sind. „Wir müssen uns dieser Situation mit Glauben und Mut stellen“, so der Mendis. „Dazu brauchen wir auch das Gebet und die Solidarität der Menschen weltweit, damit in unserem Land Frieden und Eintracht wiederauferstehen können.“

Weitere Hintergrundinformationen zur Lage in Sri Lanka liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: religious-freedom-report.org/de/pdf_de/?pais=1851. Den gesamten Bericht mit 196 Länderporträts gibt es unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

„Kirche in Not“ steht der christlichen Minderheit in Sri Lanka seit Jahren bei. So hat das Hilfswerk zum Beispiel den Wiederaufbau zerstörter Kirchen nach dem Bürgerkrieg unterstützt. Aktuell fördert „Kirche in Not“ unter anderem die kirchliche Bildungs- und Beratungsarbeit, Versöhnungsinitiativen zwischen den Volksgruppen und das kirchliche Leben in Pfarreien, Klöstern und Priesterseminaren. Diese Unterstützung gehen nach den Anschlägen intensiv weiter. Dazu bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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Verwendungszweck: Sri Lanka 

Kirchenführer und Politiker auf der ganzen Welt haben die Anschläge auf Kirchen und Hotels auf Sri Lanka am Ostersonntag verurteilt und zum Gebet aufgerufen. Die Zahl der Todesopfer der Anschläge ist inzwischen auf über 250 gestiegen. Rund 500 Personen wurden bei insgesamt acht Explosionen verletzt. Das teilte Polizeisprecher Ruwan Gunasekera mit. Zunächst waren zwischen 8.30 Uhr und 9 Uhr Ortszeit Sprengsätze in den römisch-katholischen Kirchen St. Antonius in der Hauptstadt Colombo und St. Sebastian in der etwa 20 Kilometer entfernten Stadt Negombo explodiert. Später gab es weitere Anschläge in drei Luxushotels in der Hauptstadt sowie in der evangelikalen Zionskirche in der Stadt Batticaloa an der Ostküste des Inselstaats. Kurz darauf kam es zu zwei weiteren Anschlägen auf ein Hotel sowie einer Wohngegend in der Hauptstadt. In Colombo sind nach Behördenangaben 52 Menschen getötet worden, in Negombo 62 und in Batticaloa 27. Laut Polizei sind mindestens 35 Ausländer gestorben. Bisher sind keine deutschen Opfer bekannt.

Warnung vor muslimischem Terror

Premierminister Ranil Wickremesinghe teilte in einer Fernsehansprache mit, dass bislang 24 Verdächtige in Haft genommen wurden. Zu welcher Gruppierung sie gehören, ist nicht bekannt. Sieben der acht Anschläge wurden von Selbstmordattentätern durchgeführt. In der Nähe des größten Flughafens Sri Lankas wurde zudem ein Sprengsatz gefunden, der entschärft werden konnte. Der stellvertretende Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene hatte am Sonntag von einer „terroristischen Attacke“ und „extremistischen Gruppen“ gesprochen, ohne sie näher zu benennen. Der Polizeichef von Sri Lanka, Pujuth Jayasundara, hatte zehn Tage vor den Anschlägen davor gewarnt, dass Selbstmordattentäter Anschläge auf „prominente Kirchen“ planten. Ein ausländischer Geheimdienst habe berichtet, dass die radikale muslimische Gruppe „NTJ“ (National Tawhid Jama‘ath, etwa: „Nationale Versammlung des Einen“) Anschläge in Colombo vorhabe. Die Gruppe wird mit der Beschädigung buddhistischer Statuen im Jahr 2018 in Verbindung gebracht. (Quelle: idea, Bild: © picturealliance/AA)

Im Januar 2018 wurden srilankische Christen Opfer mehrerer Verfolgungsfälle. Kirchengebäude und Gottesdienste, einschließlich einer Beerdigung, wurden angegriffen. Behörden schlossen sich mit örtlichen Buddhisten zusammen, um Christen von Versammlungen abzuhalten. Der Verfolgungskatalog der Nationalen Christlichen Evangelischen Allianz von Sri Lanka verzeichnete mehrere Angriffe. Während eines Neujahrsdienstes in Batticaloa startete eine Gruppe ein Feuerwerk am Gebäude und schrie Obszönitäten. Am 7. Januar wurden Steine in ein Kirchengebäude in Nittambuwa geworfen, dass das Dach beschädigte. Als ein christlicher Trauergottesdienst, der am 17. Januar in Vakarai stattfand, wurde er von einem 500-köpfigen buddhistischen Mob gestört, der sich weigerte, einen Christen auf dem Friedhof begraben zu lassen.

In Dehiattakandiya befahl am 19. Januar der örtliche Landesoffizier einem Kirchenpfarrer, die Gottesdienste einzustellen, und weigerte sich, das Kirchenland zurückzugeben, wenn er dies verweigerte. Er wurde von einem anderen Beamten unterstützt. Als der Pastor dies ablehnte, kontaktierten die Beamten einen örtlichen buddhistischen Mönch und sagten ihm, dass „die Mönche über die Vorgehensweise entscheiden könnten“.

Christen machen acht Prozent der Bevölkerung aus. Die Mehrheit des buddhistischen Sri Lanka und die Verfassung des Landes gibt dem Buddhismus „den ersten Platz“. Christen werden häufig von buddhistischen Mönchen verfolgt, während die Behörden sie diskriminieren und fälschlicherweise behaupten, dass sie gesetzlich verpflichtet sind, sich für die Erbringung von Dienstleistungen registrieren zu lassen. (Quelle: Barnabasfund, Bild: TUBS)

In den zwei vergangenen Jahren wurden in Sri Lanka 195 Einschüchterungsversuche und Gewalttaten gegen Christen registriert. Der Anwalt, der diesen Tatbestand öffentlich angeprangert hat, gerät nun deswegen unter Druck. Ein Bericht der «Christian Evangelical Alliance of Sri Lanka» war der Auslöser. In diesem Dokument sind 195 Vorfälle aufgelistet, die seit der Einsetzung der derzeitigen Regierung im Jahr 2015 registriert wurden. Unter den jüngsten Geschehnissen ist eines vom vergangenen 18. Mai: 30 buddhistische Mönche schürten die Wut eines Mobs von rund 2000 Demonstranten, die auf die Strasse gegangen waren, um gegen einen christlichen Versammlungsort in Devinuwara (im Distrikt Matara) zu protestieren.

Der Anwalt Lakshan Dias nahm auf diesen Bericht Bezug, als er am 14. Juni anlässlich eines Fernsehinterviews die offensichtliche Zunahme der religiösen Intoleranz in Sri Lanka anprangerte. Seine Aussage löste eine heftige Debatte aus: bereits am 16. Juni bestritt der Präsident Maithripula Sirisena diese Äusserung. Am darauffolgenden Tag drohte der Minister für Justiz und religiöse Angelegenheiten damit, er werde Dias ein Berufsverbot erteilen, falls dieser seine Aussage nicht widerrufe und sich öffentlich entschuldige. «Diese Drohungen sind absolut verwerflich», antwortete der Anwalt, der von 200 weiteren Verfechtern der freien Meinungsäusserung unterstützt wird.

«Ich schätze und gratuliere Dias für das, was er über all die Jahre getan hat. Die Verfassung unseres Landes garantiert uns die Meinungsfreiheit. Wie kann sich ein Minister erlauben, diese einzuschränken?», erklärt ein katholischer Priester. Ein anderer Christ meint: «Diese Drohungen finde ich besorgniserregend. Die Regierung sollte eher das Problem der religiösen Intoleranz angehen, anstatt zur weiteren Ausgrenzung der Minderheiten beizutragen, die von ihr abhängig sind und die ihren Schutz brauchen.»

Auf dem Weltverfolgungsindex belegt Sri Lanka den 45. Rang. Open Doors unterstützt und stärkt die Christen mit Verfolgungsseminaren, die sie auf dynamische Weise auf die bevorstehenden schwierigen Umstände vorbereiten. (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS)

In Sri Lanka hat es seit Jahresbeginn mehr als 20 gewalttätige Übergriffe auf Christen gegeben. Das teilte die Evangelische Allianz des Landes mit. Sie forderte die Regierung auf, Minderheiten besser zu schützen. Seit sie 2015 ins Amt kam, wurden laut Allianz mehr als 190 Fälle von Gewalt gegen Christen registriert. Auch Übergriffe auf Kirchen seien keine Seltenheit. Meist handele es sich bei den Angreifern um buddhistische Nationalisten. Auch die muslimische Minderheit sei von Übergriffen betroffen. Sri Lanka liegt im Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks Open Doors (Santa Ana/US-Bundesstaat Kalifornien) auf Rang 45. 70,2 Prozent der 21,9 Millionen Einwohner des Inselstaats im Indischen Ozean sind Buddhisten, 12,6 Prozent Hindus, 9,7 Muslime, 6,1 Prozent Katholiken und 1,3 Prozent evangelikale Christen. (Quelle: idea, Bild: TUBS)