Sudan Archive - KIRCHE IN NOT Österreich
Spenden
Sudan

Sudan

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 12 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen

Christine du Coudray war 28 Jahre lang in der internationalen Zentrale des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT als Projektreferentin für Afrika tätig.

Frau du Coudray, nach 28 Jahren nähern sich Ihre letzten Arbeitstage bei KIRCHE IN NOT. Kommt da schon so etwas wie Wehmut auf?

Es gibt eine Zeit, um zu dienen, und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Nach 28 Jahren bin ich zu Letzterem bereit. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine neue Generation junger Mitarbeiter bei uns im Haus, die sehr engagiert sind und die diese Mission weiterführen werden.

Als ich vor 28 Jahren begann, konnte ich kaum die afrikanischen Länder auf der Weltkarte finden. Ich habe die Herausforderung angenommen und bei Null mit dem Lernen angefangen.

- Christine du Coudray
Christine du Coudray im Gespräch mit Ordensfrauen in einem Kloster der Diözese Bukavu.

Was haben Sie durch Ihre Arbeit gelernt?

Ich habe gelernt, dass jeder Kontinent seine eigene Berufung hat. Schon vor der ersten Afrika-Synode 1994 habe ich selbst erfahren, dass Afrika der Kontinent der Familie ist. Dies ist umso erstaunlicher, als auch dort die Familie verwundet wird und es wie überall Probleme gibt, und dennoch scheint es, dass die Familie, die Zukunft der Menschheit, die Berufung Afrikas ist.. Dort spielt sie eine ganz besondere Rolle. Als Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Benin war, hat er diese Tatsache noch einmal betont, die bereits für den heiligen Papst Johannes Paul II. klar gewesen war.

Über all diese Jahre hinweg war die Unterstützung der Familie wie ein Roter Faden für mich. Wir haben viel dafür getan und machen es immer noch.

Gab es Personen, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt haben?

Ja, vor allem war es Johannes Paul II., der im Laufe dieser Jahre sozusagen mein „geistiger Meister“ geworden und geblieben ist. Ich wollte immer seine Perspektive für die Kirche in Afrika verstehen und umsetzen. Es war für mich ein Privileg, 1994 an der ersten Afrikasynode teilnehmen zu dürfen. Ich war die einzige Frau aus Europa. Es gab ca. 350 Teilnehmer: Kardinäle, Bischöfe und Priester, Experten und Zuhörer. Ich war unter den Zuhörern und war einen Monat lang in Rom, um an der Synode teilzunehmen. Es war ein Jahr nach meiner Ankunft bei KIRCHE IN NOT die beste Fortbildung, die ich je bekommen konnte.

Bei dieser Gelegenheit habe ich mit dem Papst zu Mittag gegessen. Wir haben uns ausgetauscht, und es war etwas ganz Besonderes. Die Synode hat Früchte getragen, und zehn Jahre später, im Jahr 2004, habe ich in Rom ein Treffen mit Bischöfen aus Afrika und Europa organisiert, um eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten zu schlagen. Bei dieser Gelegenheit hat Johannes Paul II. die zweite Afrikasynode ausgerufen. Auch das war wieder ein echtes Geschenk für mich.

Christine du Coudray besichtigt das Priesterseminar in Kaduna (Nigeria).

Was waren für Sie die schönsten Momente?

Zu den schönsten Augenblicken gehörten sicherlich die Reisen. Meine erste Reise führte mich 1994 nach Tansania, die letzte im März 2020 kurz vor der Corona-Pandemie in den Sudan. Die Situationen vor Ort haben sich stark verändert: Früher gab es nur eine einfache Kerze in einer Hütte, heute gibt es Strom aus Solarpaneelen. Ich habe noch alle Hefte mit meinen Aufzeichnungen behalten!

Warum sind Reise wichtig für Ihre Arbeit?

Es reicht nicht, ein Projekt schriftlich zu bekommen, um zu verstehen, dass ein Auto oder die Renovierung eines katechetischen Zentrums gebraucht wird. Wir müssen wirklich an Ort und Stelle sehen, was benötigt wird. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Vor einem Jahr war ich in der Demokratischen Republik Kongo in der Erzdiözese Kananga in der Provinz Kasai. Dort haben wir eine unglaubliche Situation in den Badezimmern des Priesterseminars vorgefunden. Es war furchtbar. „Wie ist es möglich, dass diese zukünftigen Priester täglich ohne Dusche und unter solchen Bedingungen leben müssen?“ Im März dieses Jahrs erhielten wir den Projektantrag, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir aufgrund der Corona-Krise das Projekt leider negativ entscheiden, weil kein Geld da war. Aber jetzt vor zwei Tagen habe ich gedacht, dass wir diese negative Entscheidung revidieren müssen. Dies war das Resultat eines Besuchs an Ort und Stelle. Vielleicht hätte ich nie so reagiert, wenn ich diese Situation nicht wirklich mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.

Haben Sie denn etwas wie ein „Lieblingsland“?

Ja, ich würde sagen, mein „Lieblingsland“ ist die Demokratische Republik Kongo. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dieses Land aufgrund seiner Lage im Herzen des Kontinents und aufgrund seines hohen Anteils an Katholiken eine wichtige Rolle zu spielen hat. Frauen spielen zum Beispiel eine wesentliche Rolle.

Leider befindet sich das Land wegen seiner Bodenschätze im totalen Chaos. Es gibt dort viel mehr Bodenschätze als anderswo in der Welt, und deshalb sind viele Länder – die Nachbarländer und der Westen – sehr daran interessiert. Wenn es irgendwo Bodenschätze gibt, ist der Krieg leider vorprogrammiert. Aber die Menschen dort haben einen Mut, eine Energie, die unglaublich ist.

Christine du Coudray referiert beim „Institut Johannes Paul II.“ in Benin.

Haben Sie bei der Erfüllung dieser Mission aus Ihrem Glauben geschöpft?

Mit Sicherheit, denn ich habe tief erfahren, dass alles, was ich vorgeschlagen habe, alle Initiativen, nicht aus mir selbst kamen, sondern vom Heiligen Geist, wie z.B. das Treffen zwischen den Bischöfen aus Afrika und Europa. Das kam nicht von mir selbst. Außerdem haben wir erfahren, dass die Bischöfe selbst unserer Fürsorge bedürfen. Es ist wesentlich, den Bischöfen zu helfen, damit sie besser dazu in der Lage sind, ihre Diözesen zu leiten. Dazu müssen wir für sie Sorge tragen. Daher bieten wir ihnen eine Auszeit in Form von Exerzitien für ganze Bischofskonferenzen an, und diejenigen, die bisher an einer solchen teilgenommen haben, waren sehr begeistert von diesem Vorschlag. So sind zum Beispiel alle Bischöfe aus dem Maghreb (Marokko, Tunesien, Libyen) zusammen in Senegal in einem Mönchskloster gewesen. Das war eine Premiere für sie, und sie waren begeistert.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?

An erster Stelle die Reisen an Ort und Stelle, um die Situation besser zu verstehen und die Projekte zu entdecken. Jedes Projekt ist einzigartig. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben schreiben ihren Antrag mit dem Herzen und erwarten unsere Hilfe. Deswegen habe ich ihnen immer gesagt: Wenn Ihr einen Projektantrag schreiben und unsere Wohltäter überzeugen wollt, müsst Ihr Euch vorstellen, dass Ihr einen Saal mit 100 Personen vor Euch habt, die Euch unterstützen wollen, und Ihr ihnen voller Herzblut Eure Erwartungen erklären müsst. Mit Eurem Herzen werdet Ihr sie überzeugen. Es ist wichtig, dass die Projekte auf solche Weise beschreiben werden, damit wir eine immer stärkere Brücke zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bauen können.

Haben Sie Ihre Arbeit als eine „Mission“ empfunden?

Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist jede Situation einzigartig. Jedes Land hat seine eigene Lebenswirklichkeit und seine besonderen Bedürfnisse. Wir sind nicht in erster Linie dafür da, eine finanzielle Unterstützung zu bringen, sondern  den Bischöfen, den Priestern, den Schwestern zuzuhören, ihren Alltag zu teilen und zu verstehen, was sie brauchen. Natürlich gibt es den Moment, in dem wir unbedingt finanzielle Unterstützung leisten müssen, das ist ganz klar! Aber es würde sie verletzen, wenn wir nur über finanzielle Aspekte sprechen würden. Zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben besteht eine tiefe Gemeinschaft. Unsere Tätigkeit ist keine bloße Arbeit, sondern sie ist eine Mission, die der Herr uns anvertraut hat für das Wachstum der Kirche überall in der Welt.

Die katholische Kirche begeht den außerordentlichen Monat der Weltmission. Oft geschieht das missionarische Wirken der Kirche unter erschwerten Bedingungen: In Verfolgung, Armut und Krieg. So auch im Südsudan. Hunderttausende Todesopfer, Millionen Geflüchtete – der Bürgerkrieg, der im Jahr 2013 im damals erst zwei Jahre alten afrikanischen Staat Südsudan ausbrach und bis zum Waffenstillstand im vorigen Jahr andauerte, hat das Land in einem desolaten Zustand hinterlassen. So äußert sich Pater Boniface Isenge aus der in der Mitte des Landes gelegenen Diözese Rumbek bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT.

Etwa 38 Prozent der gut 13 Millionen Südsudanesen seien Christen, so Pater Boniface. In seiner Diözese leben etwa 180.000 Katholiken. Viele hielten die katholische Kirche gar für die einzig funktionierende Institution im Land. Der Spiritaner lebte zunächst als junger Priester acht Jahre im benachbarten Äthiopien, ehe er sich im Jahr 2013 dazu entschloss, in den Südsudan zu gehen: „Nachdem das Landunabhängig wurde, hat mein Orden dringend Priester und Missionare gesucht, um hier tätig zu werden. Ich wollte etwas Neues machen und war bereit für diese neue Mission“, erinnert sich Pater Boniface. Er sieht es als seinen Auftrag, Frieden in die vom Krieg zerrüttete Region zu bringen.

Bereits kurz nach seiner Ankunft stellte der Geistliche fest, dass seine Gläubigen sich nach Bildung sehnen. „Die Schulen im Südsudan sind teilweise sehr weit voneinander entfernt“, beklagt er. „Sie sind überfüllt, sodass in der Regel 60 Schüler pro Klasse und mitunter über 100 Personen in einem Raum unterrichtet werden müssen.“ Nach Behördenangaben sind etwa drei Viertel aller Einwohner des Südsudans über 15 Jahre Analphabeten. Schon bald erkannte der Pater: „Bildung ist der Schlüssel, um immer wieder aufkommende Spannungen in der Bevölkerung zu beseitigen. Mit Bildung kommt Frieden!“

Neben der Seelsorge ist es Pater Boniface auch ein wichtiges Anliegen, Eltern die Wichtigkeit von Bildung für ihren Nachwuchs zu vermitteln. Nicht nur, damit die Kinder trotz der schwierigen Bedingungen und Probleme im Land eine bessere Chance als die Generation vor ihnen hätten, sondern auch um ihre Unabhängigkeit zu stärken. „Denn noch immer werden im Land 17 Prozent aller Ehen mit minderjährigen Mädchen geschlossen, das ist hier leider noch gängige Praxis“, sagt der Ordensmann.

Obwohl der Südsudan das drittärmste Land der Welt ist, sei das Preisniveau verhältnismäßig hoch. „Viele können sich selbst einfachste Grundnahrungsmittel nicht leisten und sind auf Hilfe und Unterstützung angewiesen.“ Außerdem machen zahlreiche Krankheiten wie Malaria dem Land zusätzlich zu schaffen. Trotz all dieser Probleme ist Pater Boniface zuversichtlich: „Mein herzlicher Dank geht an alle, die uns unterstützen oder im Gebet mit uns verbunden sind. Ich bin hoffnungsvoll, dass man im Südsudan in Zukunft ein gutes Leben führen kann.“

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT hat allein seit dem Jahr 2015 die Kirche im Südsudan mit über 3,4 Millionen Euro unterstützt, darunter der Wiederaufbau von Kirchen und Pastoraleinrichtungen, die Ausbildung von Priestern sowie Messstipendien.

Im Sudan haben Sicherheitskräfte 13 Christen festgenommen. Das meldet der Nachrichtendienst „World Watch Monitor“. Die Christen seien am 13. Oktober in ihrem gemeinsam bewohnten Haus in Nyala – der Hauptstadt des südwestlichen Bundesstaates Dschanub Darfur – ohne Angaben von Gründen verhaftet worden. Drei von ihnen sollen in der Zwischenzeit wieder auf freiem Fuß sein – ebenfalls ohne Begründung. Die Sicherheitspolizei im Sudan kann Personen bis zu vier ein halb Monate festhalten, bis sie diese entweder anklagen oder freilassen muss.

Polizei fordert Besitzrechte einer Kirche ein

Kurz zuvor wurde eine Gemeinde der „Sudanesischen Kirche Christi“ (SCOC) in Omdurman – nahe der sudanesischen Hauptstadt Khartum – befohlen, ihr Eigentum an ein vom Staat ernanntes Komitee zu übergeben. Wie der Nachrichtendienst berichtet, hat die örtliche Polizei den Gemeindeleiter am 8. Oktober vorgeladen und ihm diesen Befehl gegeben. Auch der Präsident der SCOC und Mitglied der betroffenen Gemeinde, Ayouba Telyan, sei vorgeladen worden. Laut „World Watch Monitor“ besteht seit längerer Zeit ein Streit zwischen der Kirche und der sudanesischen Regierung um die Besitzrechte am Eigentum der SCOC. Erst Anfang Oktober hatten die sudanesischen Behörden einen Prozess gegen den Kirchenbund verloren und 19 beschlagnahmte Kirchen zurückgeben müssen. Auch andere Gemeindebewegungen kämpfen mit denselben Problemen, etwa die sudanesische presbyterianische evangelische Kirche (SPEC). 220.000 der etwa eine Million Christen im Sudan sind Mitglieder der SCOC. Der überwiegende Teil der rund 40,2 Millionen Einwohner gehört der Staatsreligion, dem Islam, an. (Quelle: idea, Bild: TUBS)

Wie jetzt erst bekannt wurde durch Berichterstattung von dem international tätigen, in England ansässigen Hilfswerk BarnabasFund, wurde in der Nacht vom 2. März der sudanesische Pastor Stephen Toms Abur mit seiner ganzen Familie von maskierten Männern regelrecht abgeschlachtet. Ein Hausjunge, der sich unter dem Dach des Hauses während des Überfalls versteckt halten konnte, berichtete, dass die Mörder von Pastor Stephen eine Erklärung von ihm zunächst verlangten, warum er Ihre Warnungen, mit der Verkündigung des Evangeliums auf zu hören, nicht beachtet hatte. Daraufhin fing er an, Ihnen von Jesus zu erzählen. Nachdem die Peiniger Ihnen zunächst geschlagen hatten, versuchten sie ihn zu zwingen, sich an seinen Töchtern Rachel und Priscilla zu vergehen. Da er sich weigerte, fesselten sie ihn und zwangen ihn zu zu sehen, als sie zuerst seine Töchter und dann seine Frau Beatrice „wie ein Stück Vieh in Teilen zerlegten“. Er starb mit dem unter den Konvertiten in Darfur beliebten Loblied „Halleluja Hosanna“ auf den Lippen. 

Nach der Hinrichtung der gesamten Familie setzten die Angreifer die Kirche in Brand. Wie durch ein Wunder ist keiner der hunderte Konvertiten, die in der Kirche schliefen, angekommen. Konvertiten in Darfur werden von ihren Familien ausgestoßen und suchen deshalb Unterkunft in einer der Kirchen. 28 Personen unter ihnen waren als der Bericht erstellt wurde noch im Krankenhaus zur Behandlung ihrer teils schweren Verletzungen. (Quelle: Barnabusfund)

Ein unabhängiger Report der US Komission für Internationale Religionsfreiheit beleuchtete die weiter anhaltende, gegen Christen gerichtete Kampagne der Regierung. Seit der Abspaltung des vorwiegend christlich geprägten Südsudan 2011 wurden fast 50 Kirchgebäude abgerissen, teilweise abgerissen oder sind vom Abriss bedroht. Sudanesische Behörden hätten 200 Menschen verhaftet, meistens aufgrund ihres Engagements in Protesten gegen drohende Enteignung und Abriss. Diese Aktionen seien Teil einer größeren Kampagne den Platz den Christen zur Ausübung des Glaubens hätten weiter zu verkleinern. Die Begründung für dieses Vorhegehen sei laut Behörden die Tatsache, dass nach der Abspaltung des Südsudans nun keine Christen mehr im Land seien.

Der Report besagt außerdem, dass die sudanesische Regierung den Missbrauch bei der Verteilung von humanitären Hilfsgütern zu Zwangskonversionen toleriere. Christliche Gemeinden sind von der Verteilung von Hilfsgütern ausgeschlossen. Personen, welche diese trotzdem empfangen wollen, müssen die Shahada (islamisches Glaubensbekenntnis ) rezitieren, was einer Konversion zum Islam gleichkommt. (Quelle: Barnabasfund)

Für christliche Flüchtlinge aus dem Südsudan ist die Lage in den sudanesischen Flüchtlingslagern „schrecklich“. So beschreiben es KIRCHE IN NOT (ACN) nahe stehende Quellen. Eine Person, die aus Sicherheitsgründen nicht genannt werden möchte, berichtet, christliche Kinder müssten islamische Gebete aufsagen, bevor sie Essen erhalten. Von KIRCHE IN NOT auf die Lage der Flüchtlingskinder im Sudan angesprochen sagt sie: „Uns wurde berichtet, dass Kinder gezwungen werden, islamische Gebete aufzusagen, bevor sie Essen erhalten. Das ist nicht richtig. Diese Kinder sind Christen. Das sollte respektiert werden.“

Die Anzahl der christlichen Flüchtlinge aus dem Südsudan wird von dieser Person auf 700.000 geschätzt. Sie ergänzt: „Die meisten werden in Lagern festgehalten, einige unter schrecklichen Bedingungen. Sie dürfen die Lager nicht verlassen, um weiter nördlich in die Städte zu ziehen.“ Aus einer anderen Quelle erfährt KIRCHE IN NOT, dass Flüchtlingsfamilien von den staatlichen Hilfsrationen kaum überleben können. Die monatliche Ration für eine Familie sei nach etwas mehr als zwei Wochen aufgebraucht, und die Eltern müssten auf dem Markt Nahrungsmittel erwerben. Auf dem Markt werden UN-Hilfsgüter angeboten – die Verpackung trage häufig noch das Logo von Kinderhilfswerk (UNICEF) oder Flüchtlingskommissariat (UNHCR) der Vereinten Nationen.

Dieser Mann berichtet, die Regierung in Khartum hindere Hilfswerke daran, Notfallhilfe in den Lagern zu organisieren und zu leisten. Er sagt: „Wir haben erfahren, dass die Regierung andere Hilfsorganisationen nicht zulässt, auch kirchliche Hilfswerke nicht. Die Regierung weiß sehr genau, dass die Kirche weltweit sehr viel Notfallhilfe leistet. Es gibt muslimische Hilfsorganisationen und christliche Hilfsorganisationen. Beide sollten zum Zug kommen, damit den Menschen geholfen wird.“ Er selbst sei als Kind Flüchtling gewesen und könne sich daher in die Leiden der Familien hineinversetzen. Von Besuchen bei Vertriebenen im Südsudan berichtet er: „Ich erzähle den Menschen, ich war auch einmal ein Flüchtling wie ihr – aber dabei ist es nicht geblieben … ich kann jetzt dennoch etwas Gutes für die Gesellschaft tun.“ Er vergleicht das Schicksal derer, die gezwungen werden, ihr Land zu verlassen, mit dem Schicksal Jesu, der als Kind mit seinen Eltern nach Ägypten fliehen musste: „Wir rufen die Menschheit dazu auf, ein Herz für Flüchtlinge zu haben. Man sollte Flüchtlinge wirklich respektieren und ihre Würde und ihre Rechte achten. Misshandle niemals einen Flüchtling, denn du weißt nicht, was morgen kommt.“

Diese Aussagen stehen im Zusammenhang mit Berichten über eine zunehmende Verfolgung von Christen im Sudan. Offensichtlich treibt das Regime sein Islamisierungsprogramm voran. Im Mai 2017 erhält KIRCHE IN NOT den Bericht einer weiteren Person, die ebenfalls aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte: „Kirchen [im Sudan] werden unter dem Vorwand der Städteplanung zerstört. Die Kirche darf keine Immobilien erwerben.“ Etwa zur gleichen Zeit erfährt KIRCHE IN NOT aus einer kirchlichen Quelle im Sudan: „Jeden Monat werden Kirchen abgerissen – von Moscheen hört man das nie.“ Berichten zufolge ist die Kirchenleitung im Sudan immer stärker beunruhigt wegen der Intoleranz gegenüber christlichen Frauen. Im Juni 2015 wurden zwölf Christinnen beim Verlassen einer Kirche verhaftet, weil sie Hosen und Röcke trugen, die als „unanständige oder unmoralische Kleidung“ angesehen wurden.

Die Sudanese Church of Christ (SCOC) – ein Gemeindeverband, dem etwa 220.000 der insgesamt rund zwei Millionen Christen im Sudan angehören – hat sich mit einem offenen Brief an die Regierung gewandt. Das Schreiben richtet sich gegen „die systematische Missachtung der Glaubensfreiheit von Christen“ durch die Behörden, auf deren Anweisung hin erst kürzlich eine Kirche in der Nähe von Khartum abgerissen wurde.

Zerstörung von Kirchen und Enteignung von Kirchenbesitz

In dem Brief prangert die Kirchenleitung unter anderem die Zerstörung von Kirchen, die Enteignung von Kirchenbesitz und die Verweigerung von Grundstücken für den Bau neuer Kirchengebäude an. „Wir bedauern diese Vorgehensweise gegen die heiligen Stätten zutiefst und verurteilen sie aufs Schärfste“, heißt es in dem Schreiben. Für die Schäden verantwortlich sei vor allem der sudanesische Geheimdienst NISS (National Intelligence and Security Services) sowie das Ministerium für Planung und infrastrukturelle Entwicklung. Mit dem Brief ergeht eine Aufforderung an den Präsidenten Omar al-Bashir, weitere Verstöße gegen die Religionsfreiheit zu verhindern, begangenes Unrecht wiedergutzumachen und den Christen entsprechend ihrer verfassungsgemäßen Rechte Land für den Bau von Kirchen zur Verfügung zu stellen. Zudem richtet sich der Brief an internationale Menschenrechtsorganisationen mit der Bitte, sich für die christliche Gemeinde im Sudan einzusetzen.

Christen treten mutig für ihre Rechte ein

„Dies ist der mutigste Schritt, den die Führung der SCOC bisher gegen den ständigen Druck vonseiten der Regierung unternommen hat“, erläutert ein christlicher Mitarbeiter, der eng mit den Gemeinden im Sudan zusammenarbeitet. Zwar hätten sich die kirchlichen Verantwortungsträger während der vergangenen Jahre bezüglich der Verletzung ihrer religiösen Rechte wiederholt an die betreffenden staatlichen Dienststellen gewandt, aber es sei das erste Mal, dass sie einen solchen Brief öffentlich über soziale Medien verbreiteten.

Der Sudan gehört zu jenen Ländern, in denen Christen am stärksten verfolgt werden. Die Regierung strebt nach einem vollständig muslimischen Staat und geht deshalb mit äußerster Härte gegen Christen vor. Immer wieder werden Pastoren verhaftet und vor Gericht gestellt. Die Scharia ist die Grundlage der Gesetzgebung; auf den Abfall vom Islam steht die Todesstrafe. (Quelle: World Watch Monitor, Open Doors)

Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat einen Freispruch für zehn im Sudan angeklagte Christinnen gefordert. Ihnen wird vorgeworfen, gegen islamische Kleidungsvorschriften verstoßen zu haben. Den Frauen im Alter zwischen 20 und 22 Jahren droht deshalb die Auspeitschung. „Das Verfahren gegen die jungen Frauen zeigt, wie schwierig die Lage von Christen im überwiegend muslimischen Sudan ist“, sagte der Afrikareferent der Organisation, Ulrich Delius. Die Studentinnen hatten am 25. Juni am Fest einer Baptistengemeinde teilgenommen. Beim Verlassen der Kirche nahm sie die Polizei wegen „skandalösen Aussehens“ fest. Sie trugen lange Hosen und Blusen. Die Anwälte der Frauen bezeichneten die Anklage als einen Anschlag auf die Religionsfreiheit im Sudan. (Quelle:idea)

Die sudanesische Regierung verkündete durch den Minister für religiöse Angelegenheiten, Shalil Abdullah, den Stopp von Genehmigungen für die Errichtung neuer Kirchen. Die Entscheidung – erklärte der Minister – wurde deshalb getroffen, weil die Gemeinschaft der Christen im Sudan stark zurückgegangen sei, nachdem der Südsudan, aus dem die meisten der Christen, die in Khartum lebten, stammen, zu einem eigenen Staat wurde. Nach der Unabhängigkeitserklärung des Südsudans im Juli 2011, wurden die Bürger von südlicher Herkunft gezwungen, den Sudan zu verlassen.

Die katholische Kirche im Sudan klagte erst kürzlich über die Diskriminierung der im Land lebenden Katholiken. „Die Rechtslage der Christen im Sudan ist wirklich besorgniserregend”, erklärte, in einem vor kurzem stattgefundenen Besuch beim zentralen Sitz des internationalen katholischen Hilswerks „Kirche in Not“, Seine Exzellenz Mons. Eduardo Hiiboro Kussala, Bischof der südsudanesichen Diözese Tambura-Yambio. Eine an Fides gesandte Meldung berichtete, dass “obwohl die Verfassung allen Sudanesen, unabhängig von ihrer Glaubensausrichtung, gleiches Recht zusichert, Christen als Bürger zweiter Klasse betrachtet und behandelt werden”. “Mitglieder des Klerus können keine Ausweise beantragen und wenn sie das Land verlassen, wissen sie nie, ob sie dorthin zurückkehren können. Viele Priester sind ausgewiesen worden und die Bischöfe sind zum Schweigen gezwungen, weil sie ihre Meinung nicht frei äußern dürfen”, gab Mons. Kussala bekannt.

Am härtesten trifft es die ganz gewöhnlichen Gläubigen, wie im Fall von Meriam Yahia Ibrayim Ishaq, des wegen Galubensabfall zum Tode verurteilten Mädchens. “Die Glaubensanghörigkeit Meriams war allen wohl bekannt”, erinnerte der Bischof, “aber eines Tages, aus dem Nichts heraus, wurde die junge Frau bedroht und dann verurteilt. Und die Regierung unternahm nichts, sondern ließ stillschweigend zu, dass allein islamische Geistliche über das Schicksal des Mädchens entschieden.” Meriam wurde dank des starken internationalen Drucks befreit, war jedoch gezwungen, den Sudan zu verlassen. (Quelle: Fidesdienst)

Die Rechtslage von Christen im Sudan ist besorgniserregend. Darauf hat der Bischof der südsudanesischen Diözese Tambura-Yambio, Eduardo Hiiboro Kussala, bei einem Besuch des internationalen katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ hingewiesen. „Im Sudan leben Bischöfe und Priester seit der Unabhängigkeit des Südsudan de facto wie Illegale.“, so Bischof Eduardo Hiiboro Kussala. Zwar garantiere die Verfassung des Sudan allen Bürger unabhängig von ihrem Glauben die gleichen Rechte, die Realität sehe jedoch anders aus: „Wenn wir die Verantwortlich damit konfrontieren, betonen sie, dass Christen die gleichen Rechte haben wie ihre Landsleute, doch rechtlich ändert sich nichts. Bischöfe und Priester erhalten keine Pässe, haben keinen rechtlichen Status. Sie können zwar das Land verlassen, aber die Wiedereinreise kann ihnen verweigert werden. Priester wurden bereits ausgewiesen; und die Bischöfe sind zum Schweigen verurteilt“, so Bischof Kussala.

Weiter erklärte der Bischof von Tambura-Yambio: „Christen im Sudan können zwar unbehelligt an Gottesdiensten teilnehmen, aber echte Religions- und Gewissenfreiheit gibt es im Land nicht. Das zeigt auch der beschämende Fall von Meriam Jahia Ibrahim Ishaq, der im Gegensatz zu vielen anderen jedoch bekannt wurde.“ Die 27-jährige Sudanesin, Tochter eines Muslims und einer orthodoxen Christin, war im Mai verhaftet und wegen „Glaubensabfall“ zunächst zum Tod verurteilt worden. Bischof Kussala: „In ihrer Umgebung kannte man sie längst als Christin. Aus welchen Motiven auch immer wurde sie erpresst und dann angeklagt. Die Regierung hat sich zu diesem Fall nicht geäußert und ihn einfach ganz den islamischen Geistlichen überlassen.“ Der Vorwurf der Apostasie war erhoben worden, weil der Vater von Meriam Ishaq Muslim ist. Nachdem dieser die Familie verlassen hatte, hatte die Mutter die gemeinsame Tochter christlich erzogen. Erst auf internationalen Druck hin wurde Meriam Ishaq im Juni schließlich frei gelassen; ihr jüngstes Kind hatte die zweifache Mutter zuvor im Gefängnis zur Welt bringen müssen.

Nach den Worten von Bischof Kussala ist die Benachteiligung von Christen im Norden keine neuerliche Entwicklung, in ihrer jetzigen Form aber eine Reaktion auf die Teilung des Landes vor drei Jahren: „Weil die Kirche die politisch Verantwortlichen immer dazu aufgerufen hat, die Würde der Menschen, ihre Freiheit und auch ihr Votum in der Frage der Unabhängigkeit des Südens zu achten, wird sie jetzt für die Abspaltung des Südens verantwortlich gemacht. Aber die Kirche verfolgt keine politischen Ziele. Wir fordern die Politik nur auf, die Glaubens- und Gewissenfreiheit zu achten.“ Nach wie vor ist die katholische Kirche in einer gemeinsamen Bischofskonferenz auch über die neue Grenz hinweg verbunden. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist der interreligiöse Dialog. Die Zahl der Christen im Sudan schätzt Bischof Kussala auf mehr als drei Millionen. 

Vermehrter Druck auf Mariam, zum Islam zu konvertieren. Die sudanesische Christin Mariam Ibrahim, die für den „Abfall vom Islam“ zum Tode verurteilt wurde, weigert sich trotz fortgesetzter Aufforderungen weiterhin,  ihren christlichen Glauben aufzugeben. Genau einen Monat nach ihrer Verurteilung zum Tode hat die Erzdiözese Khartum im Nordsudan eine Stellungnahme herausgegeben, die ihre gegenwärtige schwierige Lage beschreibt:

„Es gibt viele Menschen, die versuchen, Mariam dazu zu überreden, das Christentum aufzugeben, um freigelassen zu werden, aber sie lehnt es ab. Einige flehen ihren Ehemann an, sie davon zu überzeugen, ihren christlichen Glauben aufzugeben, um ihr Leben zu retten, aber es ist vergeblich.“ Die Stellungnahme, die gestern (11.Juni) vom Bischofsvikar der Region Khartum, Mussa Kacho, herausgegeben wurde, hat die Absicht, Ungenauigkeiten der Medien richtigzustellen. Zugleich wurde an die Behörden plädiert, den Fall zu lösen.

Pater Kacho beschrieb die gegenwärtige Lage: „Frau Mariam befindet sich weiterhin im Gefängnis von Omdurman. Sie ist praktisch im Todestrakt und stillt ihr Kind in Ketten. Ihr Fall ist zur Zeit vor dem Berufungsgericht. Niemand weiß, wann das Berufungsgericht eine Entscheidung fällen wird. Nach dem, was die entsprechenden Behörden sagen, kann Frau Mariam nur unter der Bedingung freigelassen werden, dass sie sich von ihrem Ehemann Daniel scheiden lässt, dem Christentum entsagt und zum Islam konvertiert. Die einzige Möglichkeit, ihre Ehe zu retten, wenn sich Mariam von Christentum lossagt, wäre, dass ihr Mann Daniel zum Islam konvertiert und sie noch einmal nach der islamischen Religion heiraten. Das Paar hatte am 19. Dezember 2011 in der katholischen Kirche geheiratet. Ihr Mann, Daniel Bicensio Wani, ist schon sein Leben lang katholisch. Mariam Ibrahim war kurz vor der Hochzeit von der äthiopisch-orthodoxen in die katholische Kirche eingetreten. Obgleich ihr Vater Muslim war, wuchs sie im orthodoxen Glauben ihrer Mutter auf.“

 Die Stellungnahme der Erzdiözese Khartum betont: „Sie hat niemals in ihrem Leben den Islam angenommen oder sich von ihm losgesagt. Sie war niemals in ihrem Leben Muslimin.” Ebenfalls wird darauf hingewiesen, dass die Interims-Verfassung des Sudan von 2005 Religionsfreiheit garantiere: „Niemand darf dazu gezwungen werden, eine Religion anzunehmen, an die er oder sie nicht glaubt, deren Riten und Gottesdiensten er oder sie nicht praktiziert und denen er oder sie nicht freiwillig zustimmt“.

Die Stellungnahme der Kirche schließt: „Im Licht der Fakten, die wir oben dargelegt haben, und um Mariams standfester Position, ihren christlichen Glauben zu bewahren, Ehre zu erweisen, plädieren wir an die Gerichtsbarkeit und die involvierten Behörden, den Fall gegen Mariam zu revidieren und ihn zu einem vernünftigen Ende zu führen.“ (Bild: TUBS)

In einer gemeinsamen Erklärung verurteilen die Kirchen des Sudan das Todesurteil gegen Mariam Yehya Ibrahim. Die im achten Monat schwangere Christin wird des Abfalls vom Glauben beschuldigt. P. Butros Trille Kuku, der stellvertretende Generalsekretär der Bischofskonferenz des Sudan erklärte gegenüber AMECEA Online News, man halte die Anklage gegen Mariam für falsch und fordere von den Behörden in Khartum eine Revision des Urteils und die Freilassung der Verurteilten.
Sie der Ehemann von Mariam Yehya Ibrahim bekräftigt, ist seine Frau Tochter eines muslimischen Vaters und einer christlich-orthodoxen Mutter aus Äthiopien. Der Vater habe die Familie verlassen, als Mariam sechs Jahre alt war, weshalb die Mutter sie im christlichen Glauben erzogen habe. (Quelle: Fidesdienst)

Beiträge zu diesem Thema

13 Christen verhaftet

13 Christen verhaftet

23.10.2018 aktuelles
Pastor mit Familie ermordet

Pastor mit Familie ermordet

29.03.2018 aktuelles
Regierung weiter gegen Christen

Regierung weiter gegen Christen

29.11.2017 aktuelles
Essen nur für islamische Gebete

Essen nur für islamische Gebete

25.09.2017 aktuelles
Bau von Kirchen gestoppt

Bau von Kirchen gestoppt

15.07.2014 aktuelles
Christen im Sudan Bürger 2. Klasse

Christen im Sudan Bürger 2. Klasse

11.07.2014 aktuelles
Todesurteil gegen Christin

Todesurteil gegen Christin

27.05.2014 aktuelles