„Klima der Angst“ im letzten christlichen Dorf des Westjordanlands - KIRCHE IN NOT Österreich
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„Klima der Angst“ im letzten christlichen Dorf des Westjordanlands

„Klima der Angst“ im letzten christlichen Dorf des Westjordanlands

Pfarrer berichtet von erneuter Verschlechterung der Sicherheitslage

16.03.2026 aktuelles

Der Pfarrer von Taybeh im Westjordanland hat vor zunehmendem Druck auf die letzten dort lebenden Christen gewarnt. In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT sprach der Priester Bashar Fawadleh von einer „zunehmenden Belastung“ für die rund 1400 Einwohner seines Dorfes und von einem „Mangel an Schutz“.

Taybeh, das biblische Ephraim, liegt östlich von Ramallah und gilt als die letzte mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaft im Westjordanland. Einst lebten dort bis zu 15 000 Menschen. Nach Angaben des Priesters sind die Bewohner seit Jahren Angriffen und Einschüchterungen durch israelische Siedler ausgesetzt. Dazu gehörten Brandstiftungen auf landwirtschaftliche Flächen, beschädigte Fahrzeuge und Mauern einer alten Kirche sowie Drohungen und Hassparolen.

Zusätzlich erschwerten zahlreiche militärische Kontrollpunkte an den Zufahrten zum Ort den Alltag der Bewohner. In den vergangenen Wochen sei ein weiterer Checkpoint errichtet worden, berichtete der Priester. Die ständigen Kontrollen seien eine Belastung und schnitten zudem viele Menschen von Arbeitsplätzen und Feldern ab.

Bashar Fawadleh, Pfarrer von Taybeh im Westjordanland (© Ilona Budzbon/KIRCHE IN NOT).

Militärische Kontrollpunkte erschweren Zufahrten

Anlass für besondere Sorge ist nach Worten von Pfarrer Fawadleh eine Entscheidung der israelischen Regierung vom 8. Februar 2026, mit der zivile und administrative Zuständigkeiten im Westjordanland stärker unter israelische Kontrolle gestellt werden.

Der Priester befürchtet, dass dadurch der Ausbau von Siedlungen erleichtert werde und Siedler mehr Land erwerben könnten: „Mit der neuen Entscheidung wird der Druck wachsen.“ Die Bewohner seien schutzlos, beklagte Fawadleh. „Die Gewalt schafft ein Klima der Angst und Unsicherheit.“

Diese Entwicklungen verstärkten die Sorge vieler Christen um ihre Zukunft. „Leider ist der Gedanke an Auswanderung in den Köpfen der Menschen immer präsenter“, sagte der Pfarrer. Zwischen 2023 und 2025 hätten bereits 16 christliche Familien Taybeh verlassen; andere würden ernsthaft darüber nachdenken. Gründe seien vor allem die Unsicherheit und fehlende wirtschaftliche Perspektiven.

Brennende Felder nach einem Siedler-Übergriff im Sommer 2025. © KIRCHE IN NOT

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„Taybeh ist Zeichen für christliche Präsenz im Heiligen Land“

Trotzdem ermutigt der Priester die Christen, nach Möglichkeit zu bleiben. Die christliche Präsenz in Taybeh sei ein lebendiges Zeugnis des Glaubens im Land, in dem das Christentum entstanden sei. „Zu bleiben ist oft ein Akt des Glaubens und der Hoffnung“, betonte er. Gleichzeitig seien konkrete Hilfen notwendig, etwa durch Arbeitsplätze, Unterstützung für junge Menschen und eine stärkere Solidarität innerhalb der Pfarre.

Von der internationalen Gemeinschaft erwartet Pfarrer Fawadleh vor allem Aufmerksamkeit für die Situation vor Ort und Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung sowie der religiösen Stätten. Die Weltkirche solle ihre Stimme für die Christen im Heiligen Land erheben und ihnen pastorale und materielle Unterstützung gewähren. Auch internationale christliche Organisationen wie KIRCHE IN NOT könnten durch Projekte in den Bereichen Bildung, Wohnraum, Arbeit sowie psychologische und geistliche Begleitung helfen.

Vertreter christlicher Konfessionen bei einem Solidaritätsbesuch in Taybeh im Sommer 2025. © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

„Taybeh ist Zeichen für christliche Präsenz im Heiligen Land“

An Christen weltweit richtet der Priester einen eindringlichen Appell: „Taybeh ist nicht nur ein Dorf. Es ist ein lebendiges Zeichen der christlichen Präsenz im Heiligen Land.“ Die Gläubigen weltweit sollten für die Christen der Region beten und sie auch konkret unterstützen, damit diese Gemeinschaft „nicht nur eine Erinnerung der Vergangenheit“ werde.

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