Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 11 von 49
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„Wir hatten gedacht, dass der Krieg nach ein paar Monaten zu Ende sein würde, das war nicht der Fall. Jetzt fürchten wir, dass das Heilige Land zum nächsten Syrien wird, zu einem Krieg ohne Ende.“ Das erklärte die Verantwortliche für soziale Dienste im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, Dima Khoury, beim Besuch einer Delegation von KIRCHE IN NOT vor wenigen Wochen.

Der Gaza-Krieg habe nicht nur Auswirkungen auf die Menschen in den unmittelbaren Kampfgebieten, sondern in allen Landesteilen Israels und den Palästinensischen Gebieten, so Khoury: „Die Mittelschicht wurde arm, und die Armen noch ärmer. Viele Familien, die eigene Unternehmen besaßen, haben das Land verlassen.“

Die christliche Minderheit sei von den Kriegsauswirkungen hart betroffen, vor allem viele Christen aus dem Westjordanland könnten nicht mehr zum Arbeiten auf israelisches Staatsgebiet einreisen. Das bestätigte gegenüber der KIRCHE-IN-NOT-Delegation auch der Weihbischof William Shomali, der unter anderem für die Christen in Jerusalem und in den Palästinensischen Gebieten zuständig ist: „Der größte Bedarf besteht an Einreisegenehmigungen aus dem Westjordanland nach Israel.“

Weihbischof William Shomali, Patriarchalvikar des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem.

Viele Christen können nicht zu ihren Arbeitsplätzen

Früher seien etwa 160 000 Christen regelmäßig über die Grenze gependelt, jetzt seien es schätzungsweise weniger als 10 000. „Aber die Menschen wollen wirklich arbeiten. Ich bekomme fast jeden Tag Anrufe von Menschen aus dem Westjordanland. Einige können ihre Miete nicht zahlen, andere können sich keine Lebensmittel mehr leisten“, berichtete Shomali.

KIRCHE IN NOT hat darum nach den Terroranschlägen vom 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden Militäraktion die Nothilfe für Christen im Heiligen Land verstärkt. Aktuell erhalten über 600 Familien Lebensmittelgutscheine, 128 Familien Zuschüsse für ihre Strom- und Wasserrechnung. „Vor allem in Ostjerusalem haben wir ein ernstes Wohnungsproblem. Hier leben die meisten Christen in Mietwohnungen und sind von der Zwangsräumung bedroht“, erklärte Khoury.

Die Mauer, die Israel von den Palästinensischen Gebieten trennt.

KIRCHE IN NOT finanziert Arbeitsbeschaffungs- und Umschulungsprogramm

200 Personen mit chronischen oder akuten Erkrankungen wie Diabetes und Krebs bekommen über die Kirchengemeinden lebensnotwendige Medikamente. Auch Schul- und Studiengebühren werden teilweise über das Lateinische Patriarchat übernommen.

Neben der akuten Nothilfe hat KIRCHE IN NOT auch ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Christen in Ostjerusalem und im Westjordanland angestoßen. Dabei werden zum Beispiel arbeitslose Christen zu Renovierungsarbeiten in kirchlichen Einrichtungen herangezogen und angemessen bezahlt. „Dieses Programm hat einen dreifachen Nutzen: Wir unterstützen Familien, bringen Geld in die Gemeinde und erhalten einige christlich geführte Organisationen am Leben“, erläuterte die Khoury.

Außerdem trägt KIRCHE IN NOT auch die Kosten für Umschulungen. Christen, die vorher überwiegend im Tourismussektor tätig waren, sollen so die Möglichkeit bekommen, in neuen Bereichen Fuß zu fassen, zum Beispiel in der IT-Branche. „Ich schätze die Unterstützung von KIRCHE IN NOT bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, anstatt ausschließlich Almosen zu geben. Das ist ein guter Weg, die Würde der Menschen zu wahren“, betonte Weihbischof Shomali.

Blick von einer Kirche auf Teile des Westjordanlands.

„Wir sind wirklich eine Kirche in Not“

KIRCHE IN NOT sei eine der ersten Organisationen gewesen, die nach dem Kriegsausbruch Hilfe angeboten habe, betonte auch der Verwaltungsdirektor des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Sami El-Yousef: „Es war ein Segen, dass wir so früh Unterstützung erhalten haben, denn so konnten wir vom ersten Tag an handeln. Wir sind wirklich eine Kirche in Not. Wir brauchen jede Unterstützung, die wir von unseren Freunden in der ganzen Welt bekommen können.“

Bitte unterstützen Sie unsere Nothilfe im Heiligen Land mit Ihrer Spende  – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Verwendungszweck: Heiliges Land

Mit fast zwei Millionen Euro fördert KIRCHE IN NOT auch in diesem Jahr Ferienfreizeiten für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Viele der Sommerlager finden in kriegs- und konfliktgebeutelten Regionen statt, damit junge Menschen dem Leid für eine Weile entkommen und unbeschwerte Tage genießen können.

In 18 Ländern unterstützt das Hilfswerk die Ferienfreizeiten, zum Beispiel im Heiligen Land, in Libanon, Syrien, Armenien oder in der Ukraine. Aber auch in Ägypten, Mosambik und Venezuela wird den jungen Menschen die Möglichkeit geschenkt, sich in einer friedvollen Umgebung mit Gleichaltrigen auszutauschen und ihren Glauben besser kennenzulernen.

Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, dankt dem Hilfswerk für die diesjährige Unterstützung des Sommerlagers des Vikariats St. Jakobus für hebräischsprachige Katholiken in Israel. Diese Camps seien ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT nicht möglich. Dabei seien diese sehr wichtig: „Die Mehrheit der Teilnehmer sind Kinder von Migranten. Diese Gruppe ist besonders von den Auswirkungen des Krieges betroffen.“

Piotr Zelazko, Patriarchalvikar für die hebräischsprachigen Katholiken in Israel, erklärte, dass diese Ferienlager für junge Christen keine reine Sommeraktivität seien, sondern „ein Leuchtfeuer der Hoffnung sowie eine Chance, ein Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl zu erfahren, das in ihrer turbulenten Welt oft fehlt. Hier können sie ihren Glauben und ihr kulturelles Erbe kennenlernen.“ Im Westjordanland stehen die Sommerfreizeiten für rund 500 Kinder und junge Erwachsene ganz im Zeichen des von Papst Franziskus ausgerufenen Jahrs des Gebets.

Ferienfreizeit für Kinder und Jugendliche in Libanon.

Nicht bloß reine Sommeraktivität

Auch in der Ukraine sollen Kinder ein paar unbeschwerte Tage genießen können. In den Camps für Waisenkinder, Kinder mit Behinderung und Kinder von Binnenvertriebenen und Kriegsopfern gibt es neben der geistlichen Begleitung auch eine psychologische Betreuung. Maksym Rybukha, griechisch-katholischer Weihbischof von Donezk, hob bei einem Besuch in der Internationalen Zentrale von „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus hervor, dass die Kinder und Jugendlichen derzeit nicht die Möglichkeit hätten, „ein normales Leben zu führen“. Die Ferienlager böten die Gelegenheit, Kraft zu schöpfen.

In Syrien wird die größte Zahl der Sommerlager von KIRCHE IN NOT unterstützt: 44 Camps für mehr als 75 000 Teilnehmer. Neben Spielen und Sport stehen auch pastorale Aktivitäten im Mittelpunkt der Ferienfreizeiten. Die Erfahrungen, die die Kinder und Jugendlichen in der Gemeinschaft erleben, können helfen, sich stärker in ihrer Heimat zu verwurzeln. Ein Pfadfinderleiter sagt: „Wenn wir die Mentalität der Generation nicht ändern, werden wir mit Sicherheit eine Generation ohne Ideale und Träume haben. Das wird dazu führen, dass sie in Zukunft das Land verlassen werden.“

UKRAINE / DONETSK-UCR 24/00291
Rehabilitation summer camp for children from internal refugee families 2024
Katechese in einem Sommercamp in der Ukraine.

Camps für 75 000 Teilnehmer in Syrien

Im Nachbarland Libanon ermöglicht KIRCHE IN NOT rund 60 000 Teilnehmern den Besuch eines Sommercamps. Aufgrund der Wirtschaftskrise im Land können sich viele Familien sonst kaum noch Aktivitäten leisten. Auch Tagescamps für libanesische Waisenkinder und jugendliche Flüchtlinge aus Syrien und Irak können durch die Unterstützung des Hilfswerks stattfinden.

Seit vielen Jahren fördert KIRCHE IN NOT in Armenien die Sommerlager, die von den Schwestern der Unbefleckten Empfängnis geleitet werden. Das Camp sei für die Kinder „das am meisten erwartete Ereignis des Jahres“, betont die Oberin des Ordens, Schwester Arousiag Sajonian. In diesem Jahr nehmen über 800 junge Menschen daran teil, darunter auch Waisen und Kinder aus Familien, die seit der Besetzung von Bergkarabach durch Aserbaidschan im September 2023 gewaltsam vertrieben wurden und in das armenische Kernland geflohen sind.

Ferienspaß für Waisen- und Flüchtlingskinder in Libanon.

Förderung von Solidarität

„Wir hoffen, die Traumata der jungen Menschen zu lindern und ihre Tage in einer sicheren Umgebung zu verschönern“, so Schwester Arousiag. „Wir glauben fest daran, dass wir die Welt durch Bildung und Förderung von Solidarität und Enthusiasmus zu einem besseren Ort zum Leben machen können.“

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Der Bandengewalt in Haiti fallen zunehmend auch Kirchenvertreter zum Opfer. Das sei kein Zufall, erklärte der Ordenspriester Pater Baudelaire Martial gegenüber KIRCHE IN NOT: „Ich habe das Gefühl, dass es eine organisierte Kampagne gegen die Kirche gibt.“ Immer häufiger würden Priester und Ordensleute in dem Karibikstaat entführt, um Lösegeld zu erpressen. Die kriminellen Banden „setzen die Kirche unter Druck, um uns zum Schweigen zu bringen“, sagte der Ordensmann.

Martial gehört der Kongregation vom Heiligen Kreuz an und hat in der Nähe der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince ein Heim für Kinder und Jugendliche gegründet. Auch die Bewohner dort gerieten in den Strudel der Gewalt: „Ein zwölfjähriges Mädchen wurde getötet, ein anderes brutal angegriffen. Die Jugendlichen leben in Angst und Schrecken.“ Mancherorts könne der Unterricht nur online stattfinden, da es zu gefährlich sei, die Kinder zur Schule zu schicken.

Auch viele Pfarren hätten aus Sicherheitsgründen ihre Arbeit einstellen müssen. Dennoch sei die Kirche da, um traumatisierte Menschen zu begleiten. „Viele haben schwere Verletzungen und Vergewaltigungen erlebt“, sagte Pater Baudelaire. Die Situation in Port-au-Prince beschrieb er als „inakzeptabel, unerträglich und unvorstellbar“. Die Menschen hungerten, in einigen Landesteilen hätten bewaffnete Banden Reisfelder niedergebrannt. Da auch viele Ärzte verschleppt worden seien, gebe es keine funktionierende medizinische Versorgung.

Pater Baudelaire Martial bei seinem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus. Links: KIRCHE IN NOT-Mitarbeiterin Maria Lozano.

„Situation in der Hauptstadt ist inakzeptabel und unerträglich“

Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse vor drei Jahren versinkt Haiti im Chaos; Interimspremierminister Ariel Henri hatte im April auf Druck bewaffneter Banden hin seinen Rücktritt erklärt. Ein „Präsidialer Übergansgsrat“ hat die Amtsgeschäfte übernommen.

Trotz dieser langen Zeitspanne sieht Pater Baudelaire die Zeit für Neuwahlen noch nicht gekommen. Im Moment habe die Wiederherstellung der inneren Sicherheit Priorität. „Danach wird die Zeit für eine Verfassungsreform kommen, dann die Einleitung eines Wahlprozesses und schließlich freie, ehrliche und demokratische Wahlen.“

Kinder im „Foyer de l’ Esperance“ (Heim der Hoffnung), das Pater Baudelaire ins Leben gerufen hat.

„Zeit für Neuwahlen noch nicht gekommen“

Hoffnung setzt der Ordensmann auf die von den Vereinten Nationen installierte Eingreiftruppe, die unter Führung des kenianischen Militärs kürzlich ihre Arbeit aufgenommen hat: „Die Angst wechselt die Seiten, die Banden beginnen zu verhandeln, und schon seit einigen Tagen ist die Lage etwas ruhiger geworden.“ Langfristig gehe es aber um mehr: „Wir fordern die Befreiung der Hauptstadt und aller entlegenen Ecken Haitis, damit wir wieder wie früher leben können.“

Um die Arbeit der Kirche für die notleidende Bevölkerung in Haiti weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Christen bilden im Irak nur eine sehr kleine Minderheit. Bis 2002 – also vor dem Dritten Golfkrieg – lag ihre Zahl bei mehr als 1,2 Millionen, doch Krieg, Verfolgung und Armut führten zu einer Massenabwanderung der christlichen Einwohner des Landes. Schätzungen zufolge sind heute nur noch etwa 150 000 Christen übrig.

Die Stadt Basra ist mit rund 1,4 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Irak. Sie liegt am Persischen Golf und ist die wichtigste Hafenstadt des Landes. Gegründet wurde sie bereits im siebten Jahrhundert nach Christus. Sindbad der Seefahrer begab sich in den „Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht“ von hier aus auf seine abenteuerlichen Reisen.

Eie syr.-kath. Herz-Jesu-Pfarre benötigte dringend einen Kleinbus, um die Kinder der Gemeinde sicher, schnell und einfach zum Religionsunterricht transportieren zu können.

Von dem Zauber orientalischer Märchen ist allerdings in unserer Zeit nicht mehr viel übrig: Die Stadt wurde in den drei Golfkriegen schwer umkämpft und stark zerstört. Die Folgen sind bis heute zu spüren.

In Basra sind nur rund fünf Prozent der Christen übriggeblieben, die ursprünglich dort lebten, aber der syrisch-katholische Erzbischof Atanasius Firas Mundher Dardar sagte uns, dass die Kirche den Menschen Hoffnung geben wolle. Wichtig dafür ist die religiöse Erziehung der Kinder. Der Erzbischof hatte uns daher um Hilfe gebeten. Denn die syrisch-katholische Herz-Jesu-Pfarre benötigte dringend einen Kleinbus, um die Kinder der Gemeinde sicher, schnell und einfach zum Religionsunterricht transportieren zu können, der in der Pfarre abgehalten wird.

Dank unserer Wohltäter konnte der Kleinbus angeschafft werden. Die Freude ist groß!
Unsere Wohltäter haben 21.363 Euro gespendet, und so konnte der Kleinbus angeschafft werden. Die Freude ist groß! Der Erzbischof schreibt uns: „Wir bitten unseren Himmlischen Vater, Sie und alle Wohltäter und Ihre Mission im Nahen Osten und insbesondere im Irak zu segnen.“
Der Krieg in der äthiopischen Region Tigray hat zu Massenmorden und sexueller Gewalt an Frauen und Mädchen geführt. Nun engagiert sich die Kirche bei der Therapie und Seelsorge für die traumatisierte Bevölkerung. Das berichtete der äthiopisch-katholische Bischof Tesfaselassie Medhin aus Adigrat bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.
Tesfaselassie Medhin, äthiopisch-katholischer Bischof von Adigrat (Äthioipien).

Folter und Massaker

„Die Menschen in Tigray haben die Hölle erlebt: Es gab Gruppenvergewaltigungen und Morde vor den Augen der Familien. Mehr als eine Million Menschen wurden getötet. Es fanden Folter und Massaker statt“, sagte der Bischof, dessen Diözese die gesamte Region Tigray im Norden Äthiopiens an der Grenze zu Eritrea umfasst. Während des Konflikts, der 2020 seinen Anfang nahm und im November 2022 durch ein Friedensabkommen offiziell beendet wurde, sei die Region vollständig abgeriegelt gewesen; auch Hilfslieferungen seien nicht durchgekommen, berichtete Medhin: „Wir waren völlig abgeschnitten. Internet und Telefon haben nicht funktioniert, wir konnten das Haus nicht mehr verlassen.“

Manche Priester seiner Diözese habe er seit vier Jahren nicht mehr gesehen. Denn auch nach dem Friedensabkommen sei rund ein Drittel der Region Tigray besetzt und unzugänglich. Er zollt den Seelsorgern hohen Respekt: „Aufgrund der Gefahren haben alle Hilfsorganisationen unsere Region verlassen. Aber die Priester und Ordensleute – unter ihnen 30 ausländische Missionare – sind alle dageblieben.“

Ein „wahrer Albtraum“ sei es gewesen, nicht zu wissen, was mit den Menschen seiner Diözese geschehe, erklärte der Bischof. Dennoch habe er bereits während des Krieges in seiner Bischofsstadt Adigrat ein medizinisches Zentrum aufgebaut. Menschen konnten sich dort vertraulich behandeln lassen. „Wir Katholiken machen nur ein Prozent der sieben Millionen Einwohner Tigrays aus, aber aufgrund des Einsatzes im Gesundheits- und Bildungsbereich haben wir für 25 Prozent der Bevölkerung große Bedeutung“, betonte Medhin.

Ein Priester besucht eine Familie in der Region Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

Traumabehandlungen mit geistlicher Dimension

Nach dem offiziellen Kriegsende sei insbesondere der Bedarf an Seelsorge und Betreuung von traumatisierten Menschen sehr hoch. Viele Menschen seien bei den Kämpfen verstümmelt worden oder könnten die erlebten Grausamkeiten nicht verarbeiten. Die äthiopisch-katholische Diözese führt für diese Menschen spezielle Kurse durch, die neben der psychologischen Hilfe auch pastorale Aspekte umfassen, wie der Bischof erklärte: „Ein Bewältigung der traumatischen Erfahrungen ist nicht möglich, ohne sich dem Geschehenen zu stellen. Es muss aber auch die geistliche Dimension berücksichtigt werden. Darum sind unsere Programme biblisch gestützt und werden geistlich begleitet.“ KIRCHE IN NOT wird diese Traumabehandlungen zukünftig finanziell unterstützen.

In Adrigat hielten sich noch immer 50 000 vertriebene Menschen auf, die nicht in ihre Heimatorte zurückkehren könnten, schilderte Medhin die aktuelle Situation. Die Straßen seien unsicher, die Bewegungsfreiheit eingeschränkt. Tausende Menschen in der Region würden weiterhin durch Gewalt, Nahrungsmittelknappheit und eine mangelnde medizinische Versorgung sterben, beklagte der Bischof: „Wie kann die Welt da einfach nur zuschauen?“

Gottesdienst in Äthiopien

Einer der tödlichsten Konflikte weltweit

Der Konflikt in der Region Tigray ist Beobachtern zufolge einer der tödlichsten weltweit. Auslöser war ein Streit um die Macht zwischen der Zentralregierung unter Premierminister Abiy Ahmed und der lange in Tigray regierenden „Tigray´s People Liberation Front“ (TPLF). Die Regierungstruppen wurden aus dem Nachbarland Eritrea und von ethnischen Milizen aus dem Inland unterstützt. Mit dem Friedensabkommen von Anfang November 2022 ist es wieder möglich, humanitäre Hilfen in die Region zu bringen. Vorbei ist der Konflikt aber nicht.

Äthiopien ist mit rund 110 Millionen Einwohnern aus über 80 Ethnien einer der bevölkerungsreichsten Staaten Afrikas. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung gehören der äthiopisch-orthodoxen Kirche an. Während der Kämpfe wurden vereinzelt auch Übergriffe auf Kirchen und Klöster gemeldet. Die Gewalt war jedoch nicht religiös, sondern politisch motiviert.

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Nach dem Stimmenverlust der hindunationalistischen Regierungspartei Bharatiya Janata Party (BJP) bei den Parlamentswahlen in Indien fürchten Christen und andere religiöse Minderheiten Vergeltungsaktionen. Das sagte Jesuitenpater Pradeep aus dem Bundesstaat Jharkhand im Nordosten des Landes im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN). Aus Sicherheitsgründen möchte der Ordensmann seinen vollen Namen nicht veröffentlicht sehen. „Wir befürchten, dass die BJP, die in unserem Bundesstaat weniger Stimmen erhalten hat als vor fünf Jahren, den Augenblick nutzen wird, um Minderheiten wie Christen und Muslime noch mehr zu schikanieren“, sagte der Jesuit.

Dennoch sei das Wahlergebnis auch Anlass zu vorsichtigem Optimismus: „Premierminister Modi hat zwar gewonnen, aber er hat nicht so viele Stimmen erhalten wie erwartet. Für uns Christen ist das ein starkes Zeichen für den Sieg des Volkes, weil es sich getraut hat, seinen Widerstand gegen die BJP zum Ausdruck zu bringen.“ Trotz der starken Wahlpropaganda in den Medien für Modi habe sich gezeigt, „dass er nicht so unbesiegbar ist, wie er immer gesagt hat.“

Wahlplakat der BJP mit Premierminister Narendra Modi. © Flickr.com/Erik Törner

„Konstante und systematische Unterdrückung“

Die Unterdrückung religiöser Minderheiten besonders in Nordindien sei „konstant und systematisch“, erklärte der Jesuit. Er erinnerte an seinen Mitbruder Pater Stan Lourduswamy (bekannt als Stan Swamy), der sich für Menschenrechte eingesetzt und daraufhin wegen Terrorismus und Volksverhetzung angeklagt worden war. Der 84-Jährige war nach Monaten im Gefängnis im Juli 2021 gestorben.

Kirchliche Schulen hätten aktuell Schwierigkeiten, Lehrer einzustellen, da die Behörden die Ausstellung von Ausweisdokumenten blockierten, sagte Pater Pradeep. Ausländische Priester erhielten kaum noch Visa für die Einreise nach Indien. Verhöre und andere Repressalien seien an der Tagesordnung. Christlichen Organisationen im Bundesstaat Jharkhand sei es jüngst verboten worden, Gelder aus dem Ausland anzunehmen, beklagte der Ordensmann: „Warum? Weil die Verantwortlichen in den Behörden wissen, dass die Minderheiten nicht für die BJP stimmen.“

Father Stan Swamy SJ ist an Indian Roman Catholic Jesuit priest.
Pater Stan Swamy. Der 84-jährige Jesuit starb im Juli 2021 nach monatelanger Haft. © Communications Hub JCSA

Versuch, Christen von staatlichen Hilfen auszuschließen

2017 wurden im Bundesstaat Jharkhand sogenannte Antikonversionsgesetze erlassen; ähnliche Bestimmungen sind in elf weiteren indischen Bundesstaaten in Kraft. „Diese Gesetze wurden eingeführt, um Menschen vor Zwangsbekehrungen zu schützen, aber in Wirklichkeit dienen sie dazu, Missionare und Christen, die Stammesgruppen angehören, zu schikanieren“, beklagte der Ordensmann.

Viele Christen gehören ethnischen Minderheiten an, die einem Schutzstatus unterliegen und von der Regierung unterstützt werden. Vertreter der BJP hätten versucht, Christen von diesen Hilfen auszuschließen; das sei jedoch bislang nicht gelungen, erläuterte Pater Pradeep. Trotz aller Schwierigkeiten bleibe er mit Blick auf die Zukunft hoffnungsvoll: „Ich sehe den Mut der Menschen, gegen die BJP zu stimmen. Ich bete darum, dass trotz der weiteren Amtszeit unter Premier Modi die Schwierigkeiten, denen wir täglich ausgesetzt sind, abnehmen.“

Katholischer Gottesdienst in Indien. © KIRCHE IN NOT

Bevölkerungsanteil der Christen unter fünf Prozent

Am 1. Juni war die sechswöchige Parlamentswahl in Indien zu Ende gegangen. Gewonnen hat der amtierende Premierminister Narendra Modi mit seiner Partei BJP. Modi regiert das Land seit 2014. Das Wahlergebnis fiel diesmal schwächer aus als erwartet; die absolute Mehrheit für die BJP ging verloren. Die oppositionelle Kongresspartei konnte ihren Stimmenanteil fast verdoppeln. In den kommenden fünf Jahren ist die Regierung Modi auf Koalitionspartner angewiesen.

Von den über 1,4 Milliarden Bewohnern Indiens sind unter fünf Prozent Christen. Wie die Muslime, die etwa 14 Prozent der Bevölkerung stellen, verzeichnen die Christen seit Jahren eine Zunahme religiöser Gewalt durch hindunationalistische Kräfte.

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Das Oberhaupt der mit Rom unierten koptisch-katholischen Kirche, Patriarch Ibrahim Sidrak, sieht eine positive Entwicklung für die Christen in Ägypten: „In den vergangenen zehn Jahren hat es echte Fortschritte gegeben“, sagte Sidrak im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. „Im Gegensatz zu den Nachbarländern“ habe sich die Situation der Religionsfreiheit in Ägypten verbessert. Es gebe „viel weniger Gewaltakte“ gegen Christen als in der Vergangenheit, auch erkenne der ägyptische Staat die Kirchen an.

Die Regierung habe die Hindernisse für den Bau neuer Kirchen beseitigt, deshalb gebe es nun in vielen Diözesen Baustellen, betonte der Patriarch: „Eines der repräsentativsten Beispiele ist unsere Kathedrale in Luxor, die 2016 niedergebrannt wurde.“ KIRCHE IN NOT unterstützt den Wiederaufbau maßgeblich.

Neue Gotteshäuser seien notwendig, weil Gemeindemitglieder oft weite Weg auf sich nehmen müssten, um Gottesdienste zu besuchen. Manche Gläubige müssten „bis zu einem Viertel des Gehalts aufwenden, um mit dem Bus in die nächstgelegene Kirche zu fahren“, sagte der Patriarch.

Die Lage habe sich im Vergleich mit 2012 fundamental geändert; damals waren mit Präsident Mohammed Mursi die Muslimbrüder an die Macht gekommen. „Als sie alle Hebel in der Hand hatten, war es für einen Christen sehr riskant, allein auf die Straße zu gehen. Unsere Kirchen waren ständig bedroht, und Terroristen brannten hunderte von ihnen nieder“, erklärte Sidrak.

Der koptisch-katholische Patriarch Ibrahim Sidrak.

Muslimbruderschaft hat keinen Einfluss mehr

Auch heute gebe es Fanatiker und Terroristen in Ägypten, aber diese „seien kaltgestellt“. Eine Gefahr, dass die Muslimbruderschaft wieder die Macht erlangen könnte, sieht der Patriarch nicht: „Ich glaube, als die Ägypter 2012 zur Wahl gingen, glaubten sie, dass sie der Muslimbruderschaft nie eine Chance gegeben hatten und man es nun ausprobieren müsse. Sie werden denselben Fehler nicht noch einmal begehen.“

Als aktuelle Herausforderungen für Ägypten bezeichnete Sidrak die hohe Jugendarbeitslosigkeit, das Bevölkerungswachstum und die Zuwanderung aus dem Ausland: „Wir nehmen viele Einwanderer aus Ländern auf, in denen Krieg herrscht. Früher kamen sie aus Syrien, heute aus Sudan.“

Die koptisch-katholische Kirche nehme eine sozial-karitative Verantwortung für die ägyptische Gesellschaft wahr, indem sie unter anderem Kliniken und Bildungseinrichtungen betreibe: „Es gibt 180 koptisch-katholische Schulen, die einen guten Ruf genießen.“ Viele Muslime schickten ihre Kinder auf diese Schulen, unter den Absolventen seien auch heutige Regierungsmitglieder, betonte der Patriarch. „Das trägt nicht nur zur Bildung unseres Volkes bei, sondern auch dazu, dass es trotz der religiösen Unterschiede zusammenhält.“

Kerzen in einer koptischen Kirche in Kairo (Ägypten).

Katholische Schulen auch von Muslimen geschätzt

Der koptisch-katholischen Kirche in Ägypten gehören etwa 300 000 Gläubige an. Die Mehrheit der Christen im Land ist koptisch-orthodox. Die Schätzungen, wie hoch der Bevölkerungsanteil der Christen in Ägypten insgesamt ist, schwanken stark zwischen sechs und bis zu 15 Millionen. Da wären etwa zwischen sechs und 14 Prozent der rund 110 Millionen Einwohner Ägyptens.

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Weiße Karibikstrände und Luxusressorts prägen für viele Touristen das Bild der Dominikanischen Republik. Doch die Realität ist anders: Ohne Wasser und Strom, ausgebeutet und mit einem Lohn von nicht einmal zehn Euro am Tag abgespeist, unter extremen Arbeitsbedingungen bei über 30 Grad leben zahlreiche Menschen in sogenannten „Bateyes“. Das sind Hüttensiedlungen rund um Zuckerrohrplantagen.

425 solcher Siedlungen zählt das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen in der Dominikanischen Republik. Über 200 000 Menschen sollen dort leben, wahrscheinlich ist die Dunkelziffer weit größer. Ähnliche Bateyes – das Wort stammt aus der Sprache der karibischen Ureinwohner – gibt es auch in Haiti, Puerto Rico oder Kuba. Die Siedlungen haben nicht einmal eigene Namen, sie werden einfach durchgezählt.

In Barahona, einem Küstenort im Südwesten der Dominikanischen Republik, befindet sich Batey 5. Die dortige Pfarre „St. Martin von Porres“ ist die ärmste der ohnehin armen Diözese Barahona. „Die Menschen hier kämpfen Tag für Tag ums Überleben“, erzählt Schwester Patricia Alvarez. Sie ist eine von drei Ordensfrauen der „Missionarinnen der Unbefleckten Jungfrau Maria und der heiligen Katharina von Siena“, im Volksmund kurz „Lauritas“ genannt.

Frauen-Gebetsgruppe in der Pfarre St. Martin von Porres in Barahona/Dominikanische Republik.

„Es ist nicht einfach, aber wir kämpfen weiter“

Die „Lauritas“ sind seit 2017 in der Arbeiterpfarre tätig. KIRCHE IN NOT unterstützt ihre Arbeit, die auch eine sozialpolitische Dimension hat, wie Schwester Patricia betont: „Angesichts dieser harten Realität unterstützen wie die Menschen, wenn sie ihre Rechte einfordern, damit sie faire Löhne erhalten und ein menschenwürdiges Leben führen können. Es war und ist nicht einfach, aber wir kämpfen weiter.“

Im Batey 5 sei Gewalt an der Tagesordnung. Die Jugendlichen kämen schnell in Kontakt mit Drogen, beklagt Schwester Patricia. Sie und ihre Mitschwestern haben darum Jugendliche auf den öffentlichen Plätzen und in den Behausungen angesprochen und in das Gemeindezentrum eingeladen. Dort findet jetzt jeden Samstag eine Mischung aus Sozialberatung und Religionsunterricht statt.

Prozession mit Jugendlichen in Barahona (Dominikanische Republik).

Sozialberatung und Religionsunterricht

Das zeige Früchte, freut sich Schwester Patricia: „Es gibt nur sehr wenige, die nicht kommen. Die jungen Leute sind weniger aggressiv, nehmen mehr Rücksicht aufeinander. Sie zeigen viel Solidarität.“ Besonders schön sei es, dass auch viele junge Menschen angefangen hätten, den Sonntagsgottesdienst zu besuchen.

Die Ordensfrauen organisierten auch Ausflüge, für viele junge Menschen eine völlig neue Erfahrung: „Wir waren neulich am Meer, das ist gar nicht weit weg, aber für viele Jugendliche war es der erste Besuch dort.“

Viele Bewohner seien an das Leben in den Bateyes gefesselt, nicht nur wegen der Armut. Viele seien illegal aus dem Nachbarland Haiti eingewandert, hätten keine Papiere und riskierten deshalb eine Ausweisung, wenn sie erwischt werden, erklärt Schwester Patricia. In Zusammenarbeit mit der Diözese setzen sich die Ordensfrauen dafür ein, dass die Arbeiter eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen. Denn in Haiti warten noch schlimmere Lebens- und Arbeitsbedingungen auf sie. „Wenn es nötig ist, vermitteln wir auch bei den örtlichen Behörden“, berichtet Schwester Patricia.

Sonne, Strand, Palmen, blaues Meer – die Dominikanische Republik ist ein beliebtes Ziel bei Touristen. Doch das Alltagsleben der Einwohner sieht anders aus.

Migranten leben in Angst vor Entdeckung

Die Ordensfrauen betätigen sich oft als „Arbeiterkuriere“: Sie bringen Menschen zu Arztbesuchen oder Besorgungen an verschiedene Orte oder auch einmal in die Hauptstadt Santo Domingo. Die Pfarre hat für solche Fahrten ein Auto, das KIRCHE IN NOT finanziert hat.

Eine weitere Säule der Arbeit ist die Sorge für alte und kranke Menschen. Sie stünden oft völlig allein und ohne jegliche Rente oder soziale Absicherung da. Die Diözese Barahona hat ein Tagesheim für ältere Personen errichtet, erzählt Schwester Patricia: „Viele haben ihre Familien in Haiti zurückgelassen. Wir begleiten diese Menschen ins Krankenhaus und lassen uns manchmal sogar als Familienangehörige eintragen, damit wir sie besser begleiten können.“

Arbeiter in einer Zuckerrohrplantage (© flickr.com/Fran Afonso).

Bei der Bewältigung des Alltags unterstützen

Die Pfarre im Batey 5 öffnet auch regelmäßig ihre Türen für alle Altersklassen, die dort an persönlichem Austausch und Kursen teilnehmen können, die sie aus dem Glauben heraus bei der Bewältigung ihres Alltags unterstützen wollen: „Diese Treffen haben schon viele Menschen zu Vergebung und Versöhnung geführt. Sie lernen, die Menschen zu lieben, wie sie sind und wie Gott sie liebt.“ Das leben die Ordensfrauen im Arbeiterviertel überzeugend vor.

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Die Diözese Boma liegt im Westen der Demokratischen Republik Kongo. 35 der insgesamt 47 Pfarren liegen in ländlichem Gebiet. Die Priester verrichten ihren Dienst mit Freude und mit großem Eifer, aber die Wege sind weit, die Straßenverhältnisse schlecht, und oft müssen sie bis zu 40 Kilometer zu Fuß zurücklegen.

Der Bischof von Boma hatte uns darum gebeten, ihm dabei zu helfen, zehn Motorräder für die Priester in besonders weitläufigen Pfarren zu beschaffen. Damit wollte er ihren Dienst erleichtern. Die Diözese setzt auf eine „Pastoral der Nähe“. Das bedeutet, dass die Priester die Dörfer möglichst oft besuchen sollen, um die Gläubigen möglichst intensiv zu betreuen und für sie ansprechbar zu sein. Daher werden auch neue Pfarren gegründet, damit die Entfernungen nicht zu groß sind.

Unsere Wohltäter haben auf diesen Hilferuf reagiert und geholfen. Die zehn Motorräder sind inzwischen bereits eingetroffen. Vergelt’s Gott!

Unsere Wohltäter haben auf diesen Hilferuf reagiert und haben 25.073 Euro gespendet. Die zehn Motorräder sind inzwischen bereits eingetroffen, wurden gesegnet und feierlich den Priestern übergeben. Im Namen seiner Mitbrüder schreibt uns Pfarrer Landry Dinandi:

„Im Namen der Diözese sagen wir unseren Wohltätern von KIRCHE IN NOT Dank und versichern Sie unserer demütigen Gebete. Der Herr segne Sie reichlich für Ihr Engagement für den Erfolg der Pastoral in unserer Diözese.“

Laut dem römisch-katholischen Bischof der ostukrainischen Stadt Charkiw, Pawlo Hontscharuk, nimmt die Zahl der Suizide in den umkämpften Gebieten zu. „Es gibt viele Selbstmorde, weil die Menschen nicht wissen, wie es weitergeht. Der Luftalarm in Charkiw geht fast rund um die Uhr“, sagte Hontscharuk bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Von Russland aus abgefeuerte Raketen würden nach nicht einmal einer Minute in Charkiw einschlagen; das reiche nicht mehr aus, um den Luftalarm in Gang zu setzen. In der zweitgrößten Stadt der Ukraine seien Schulen und Kindergärten geschlossen; Unterricht finde bisweilen in U-Bahn-Stationen statt.

Charkiw liegt nur etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Wie der Bischof berichtete, sei sein Diözesangebiet, das eines der größten in Europa und mehr als doppelt so groß wie Österreich ist, zu einem Viertel besetzt. Dort könnten auch keine Priester mehr eingesetzt werden. Deren Präsenz habe jedoch für die Bevölkerung eine große Bedeutung: „Die Menschen sagen: ,Wenn ein Priester da ist, dann kann ich auch bleiben.’ Sie brauchen unsere Anwesenheit. Die Einsamkeit ist schwer zu ertragen – vor allem, wenn man einen geliebten Menschen verloren hat.“

Bischof Pawlo Honcharuk besucht Soldaten an der Front.

Helfen Sie den notleidenden Menschen in der Ukraine mit Ihrer Spende:

Psychologische Hilfe wird immer wichtiger

Immer wichtiger werde deshalb neben der humanitären auch die psychologische Hilfe für die Bevölkerung. Viele Menschen vertrauten keinen Psychologen, und es gebe auch zu wenige davon. „Wir haben wenige Spezialisten und Fachleute, und das ist ein Problem. KIRCHE IN NOT unterstützt psychologische Schulungen für Priester, Ordensleute und weitere Helfer. Das ist so wichtig, und wir sind sehr dankbar dafür“, erklärte Hontscharuk.

Neben den psychologischen Schulungen hat KIRCHE IN NOT in der Diözese Charkiw-Saporischschja in den vergangenen Monaten unter anderem Wärmepumpen und Öfen finanziert, um im Winter Pfarrheime und Klöster heizen zu können, in denen Menschen Zuflucht suchen. Priester und Ordensfrauen, die an der Front tätig sind, wurden zudem mit Erste-Hilfe-Ausrüstung ausgestattet.

Lebensgefährlich, aber wichtig sei der Einsatz von 46 Militärkaplänen, die oft die einzigen Ansprechpartner für die Frontsoldaten seien, sagte Hontscharuk: „Was diese Menschen in ihrer Seele erleben, ist ein Albtraum. Deshalb ist ein Militärkaplan so wichtig. Er hört sich das an, was die Menschen auf der Seele haben.“

Zerstörungen in einer Straße in Charkiw. Sie ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt nur 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt.

„Der Krieg fängt in den Herzen an, und er endet dort“

Obgleich immer mehr Menschen aus Charkiw und Umgebung sich in Sicherheit bringen, komme das für den Bischof nicht infrage, wie er betonte: „Die Menschen brauchen mich. Sollte ich Charkiw ganz verlassen, dann mit dem allerletzten Auto.“

Immer wieder erlebe er, dass die seelsorgerische Begleitung der Menschen auch Aggressionen heilen könne. So sei eines seiner prägendsten Erlebnisse in jüngster Zeit eine Beerdigung nahe der Frontlinie gewesen, erzählte Hontscharuk. Die Menschen in dem Dorf seien prorussisch eingestellt und ihm gegenüber sehr abweisend bis feindlich eingestellt gewesen.

Der Bischof habe deshalb die Beerdigung mit einem Gebet für die Anwesenden begonnen. Nach der Trauerfeier seien die Menschen auf ihn zugekommen und hätten ihn aufgefordert, nochmals für sie zu beten. „Ich fragte sie, warum. Sie meinten: ,Als Sie gebetet haben, wurde uns leicht ums Herz.’ Bei diesen Menschen ist der Krieg zu Ende. Denn der Krieg fängt in den Herzen an, und er endet dort.“

Um der notleidenden Bevölkerung in der Ukraine weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Ukraine Nothilfe

Weitere Informationen

Bis zu 30 Kilometer durch den von Schlangen bevölkerten Urwald: Das war Santosh Kumars erste Berufserfahrung in der Seelsorge „am Ende der Welt“. Santosh war als Diakon in der Pfarre „Unsere Liebe Frau von der immerwährenden Hilfe“ in Kalpahad auf Nord-Andaman tätig.

Sie bildet den nördlichsten Teil der Andamanen-Inselgruppe im Indischen Ozean. Die Andamanen und Nikobaren gehören politisch zu Indien, von dessen Festland sie gut 1200 Kilometer östlich entfernt liegen. Die Andamanen und Nikobaren bestehen aus 572 Inseln, die sich auf rund 1500 Kilometern von Nord nach Süd erstrecken.

Der Weg durch den Dschungel war nicht die einzige Herausforderung für Santosh: „Es gibt hier keinen Strom, kein Internet und oft kein Wasser – aber wir kommen immer zurecht“, sagt er im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Die Inselgruppe war auch besonders schwer betroffen vom Tsunami am Zweiten Weihnachtstag 2004. Damals gab es allein auf den Andamanen und Nikobaren 3500 Tote, mehr als 25 000 Personen wurden obdachlos. Die Folgen der Naturkatastrophe sind noch immer spürbar.

Um die Gemeinden gut zu erreichen, ist Santosh Kumar mit dem Motorrad unterwegs. Doch häufig kommt er wegen schlechter Wege auch mit dem Motorrad nicht weiter und muss den Rest zu Fuß gehen.

Vom Tsunami an Weihnachten 2004 besonders betroffen

Sein Durchhaltevermögen wird Santosh auch in einer neuen Aufgabe brauchen können: Am 12. Mai wurde der junge Mann zum Priester der Diözese Port Blair geweiht. Die Diözese umfasst die gesamte Inselgruppe, auf der rund acht Prozent der Bevölkerung katholisch sind; die Mehrheit der Einwohner sind Hindus.

Santosh war der erste Priester aus der Diözese Port Blair, dessen Ausbildung KIRCHE IN NOT finanziert hat. 2023 hat das Hilfswerk die Ausbildung von rund 11 000 Seminaristen unterstützt, das ist fast jeder zehnte angehende Priester weltweit.

Santosh habe als Jugendlicher nie daran gedacht, einmal Priester zu werden, erzählt er: „Aber dann erkrankte mein Vater an Krebs. Ich begann zu beten und mir die Frage zu stellen, was wirklich wichtig ist im Leben. Das hat mich sehr verändert.“

Die Andamanen und Nikobaren waren von dem verheerenden Tsunami an Weihnachten 2004 besonders betroffen (Archivbild).

„Ich sah den Durst der Menschen nach Christus“

Sein Vater konnte die Krankheit besiegen, und Santosh hat die Beschäftigung mit dem Glauben vor eine existenzielle Entscheidung gestellt: „In meiner Diözese gibt es nur wenige Priester. Als ich beobachtete, wie sie für die Menschen da sind, sah ich deren Durst nach Christus und den Sakramenten. Also habe ich mich auf den Weg gemacht.“

Und dieser Weg führte ihn in den entlegensten und ärmsten Teil der Diözese. Trotz der enormen Entfernungen seien die Kirchen und Kapellen in den Außenstationen der Pfarre Kalpahad immer voll, berichtet der Neupriester.

Damit er und sein Pfarrer wenigstens dort, wo es die Straßenverhältnisse erlauben, etwas schneller vorankommen, hat KIRCHE IN NOT für die Gemeinde außerdem ein Motorrad finanziert: „Das ist schon sehr praktisch, ohne Motorrad wäre unsere Arbeit fast nicht möglich.“

Santosh Kumar wurde am 12. Mai 2004 zum Priester geweiht.

„Ohne Motorrad wäre unsere Arbeit fast nicht möglich“

Doch an besonders unwegsamen Stellen ist auch für das Motorrad Schluss, dann geht es nur zu Fuß weiter. Dennoch besucht das Pastoralteam Monat für Monat weite Teile der Pfarre, erzählt Santosh: „Es ist schon beschwerlich, aber wir denken an die Menschen, die in diesen Orten leben und zur heiligen Messe und anderen Veranstaltungen kommen. Das gibt uns Kraft weiterzumachen.“

Kraft, die er für seinen künftigen priesterlichen Dienst „am Ende der Welt“ auch künftig braucht. Aber Santosh ist voller Energie und zuversichtlich: „Ich danke allen, die meinen Weg zum Priestertum ermöglicht haben. Bitte beten Sie weiter für mich.“

Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche der Diözese Port Blair im indischen Unionsterritorium Andamanen und Nikobaren und die Priesterausbildung mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Indien

Der Kommunikationsexperte leitet das österreichische Büro des internationalen katholischen Hilfswerks Kirche in Not.

Nach 39 Jahren übergibt Herbert Rechberger (65) mit 1. Juli 2024 die Geschäftsführung von „Kirche in Not – Österreich“ an Tobias Pechmann (41). Pechmann hat über zehn Jahre in Deutschland und Österreich in der PR gearbeitet, in Wien u. a. bei Rosam Grünberger und zuletzt bei Ketchum.

„Wir werden wachsen“

Der christliche Glaube erlebt in vielen Ländern einen regelrechten Boom, doch die Kirche ist dort häufig mittellos. Hier hilft ‚Kirche in Not schnell und konkret und die Großzügigkeit der Österreicher, diese Arbeit mitzutragen, im Gebet und durch Spenden, ist unglaublich“, so Tobias Pechmann. „Mein besonderer Dank gilt meinem Vorgänger Herbert Rechberger, der die Arbeit von ‚Kirche in Not‘ in Österreich die vergangenen Jahrzehnte aufgebaut, geleitet und die Weichen für die Zukunft gestellt hat. Das Potenzial, die Arbeit von ‚Kirche in Not‘ in Österreich weiter bekannt zu machen, ist groß. Wir werden wachsen, daran arbeite ich gemeinsam mit unserem Team.“

Tobias Pechmann, neuer Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT – Österreich

Konkrete Hilfe, schnell und unbürokratisch: Damit der Glaube lebt

Das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not (international: Aid to the Church in Need, ACN) hat Büros in 23 Ländern und konnte 2023 dank eines Spendenvolumens in Höhe von EUR 143,7 Mio. weltweit 5573 Projekte in 138 Ländern unterstützen. Spender aus Österreich haben dazu EUR 3,1 Mio. beigetragen.

Christenverfolgung nimmt weltweit leider zu. Auch deshalb ist die Arbeit von ‚Kirche in Not‘ so wichtig: Wir machen uns für Christen dort stark, wo immer sie verfolgt oder unterdrückt werden oder unter materieller Not leiden. Damit diese Arbeit weiter bekannt wird und die Hilfe wachsen kann freue ich mich, dass wir mit Tobias Pechmann einen hervorragenden Geschäftsführer gefunden haben“, so Michael Spallart, Präsident von KIRCHE IN NOT – Österreich