Haiti: „Die Kirche ist der letzte Schutzwall“ - KIRCHE IN NOT Österreich
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Haiti: „Die Kirche ist der letzte Schutzwall“

Haiti: „Die Kirche ist der letzte Schutzwall“

"Deshalb wollen sie uns beseitigen“, sagt Bischof Décoste.

25.08.2026 aktuelles

Die katholische Kirche in Haiti gerät angesichts der zunehmenden Macht bewaffneter Banden immer stärker unter Druck. Das berichtete Bischof Joseph Gontrand Décoste aus Jérémie im Südwesten von Haiti im Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Dennoch versucht die Kirche, ihren Einsatz aufrechtzuerhalten.

„Wir sind der letzte verbliebene Schutzwall: moralisch, ethisch, spirituell und prophetisch. Deshalb wollen sie uns beseitigen“, sagte Décoste. Die Kirche prangere die Bandengewalt offen an und werde deshalb angegriffen. Lokalen Quellen zufolge kontrollieren bewaffnete Banden mittlerweile zwischen 70 und 90 Prozent der Hauptstadt Port-au-Prince sowie strategisch wichtige Gebiete in anderen Regionen Haitis. Sie erheben illegale Straßenzölle und verbreiten durch Morde, Entführungen und andere kriminelle Aktivitäten Angst und Schrecken.

Auch die politische Zukunft des Landes ist ungewiss. Die vorgesehenen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen – die ersten seit der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Jahr 2021 – wurden auf Dezember verschoben. In Haiti wurden seit zehn Jahren keine Wahlen mehr abgehalten.

„Wir sind der letzte verbliebene Schutzwall: moralisch, ethisch, spirituell und prophetisch. Deshalb wollen sie uns beseitigen“, sagt Bischof Joseph Gontrand Décoste.

Kirche sucht neue Wege, um bei den Menschen zu bleiben

Die Gewalt hat auch massive Auswirkungen auf das kirchliche Leben. Allein in der Hauptstadtdiözese Port-au-Prince mussten 40 Pfarren aus Sicherheitsgründen schließen, sowie rund 25 weitere in anderen Regionen des Inselstaats, berichtete Bischof Décoste. Immer wieder werden auch Geistliche und Ordensleute Opfer der Banden. Zahlreiche kirchliche Schulen und andere Einrichtungen wurden ebenfalls angegriffen und mussten schließen. Ob und in welchem Zustand diese Gebäude eines Tages zurückgewonnen werden können, sei ungewiss.

Trotz der dramatischen Lage versucht die Kirche, ihre Arbeit fortzusetzen. Sie hat Online-Unterricht eingerichtet, nimmt in den südlichen und westlichen Diözesen Haitis Tausende Binnenvertriebene auf und überträgt Gottesdienste und religiöse Programme über diözesane Radiosender. Wo es die Sicherheitslage erlaubt, finden weiterhin Wallfahrten und Prozessionen statt, erklärte Bischof Décoste: „Es gibt ein kreolisches Sprichwort: ‚Die Kinder der Jungfrau Maria verlieren niemals eine Schlacht‘. Deshalb machen wir weiter.“

Auch die knapp 200 Priesteramtskandidaten Haitis setzen ihre Ausbildung unter gefährlichen Bedingungen fort.

Sie sind Teil der Kirche, die in Haiti bei den Menschen bleibt.

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Studium unter Lebensgefahr

Auch die knapp 200 Priesteramtskandidaten Haitis setzen ihre Ausbildung unter gefährlichen Bedingungen fort. Manchmal müssten die Studenten im zentralen Priesterseminar in Port-au-Prince unter ihren Betten Schutz suchen, um nicht von Gewehrkugeln rivalisierender Banden getroffen zu werden, berichtete der Bischof.

Dennoch wolle sich die Kirche ihre Hoffnung nicht nehmen lassen: „Wir beten, singen und tanzen weiter.“ Décoste dankte ausdrücklich für die internationale Unterstützung: „Diese Widerstandskraft ist möglich dank der großen Unterstützung, die wir von Organisationen wie ‚Kirche in Not‘ erfahren. Ohne sie könnten wir nicht weitermachen.“

KIRCHE IN NOT unterstützt die katholische Kirche in Haiti unter anderem bei diözesanen Radiosendern und Solarenergieprojekten sowie bei der Ausbildung und Existenzsicherung von Priestern, Ordensfrauen und Katecheten.

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