Kolumbien: Einen Monat nach dem Erdbeben bleibt die Kirche zentrale Anlaufstelle - KIRCHE IN NOT Österreich
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Kolumbien: Einen Monat nach dem Erdbeben bleibt die Kirche zentrale Anlaufstelle

Kolumbien: Einen Monat nach dem Erdbeben bleibt die Kirche zentrale Anlaufstelle

KIRCHE IN NOT unterstützt Nothilfe und Wiederaufbau

15.09.2026 aktuelles

Einen Monat nach dem schweren Erdbeben im Westen Kolumbiens sind die Folgen für die Bevölkerung weiterhin deutlich spürbar. Die katholische Kirche ist eine wichtige Anlaufstelle. Priester und Ordensleute stehen den Menschen bei und halten das kirchliche Leben unter schwierigen Bedingungen aufrecht, wie Projektpartner von KIRCHE IN NOT berichten. Das weltweite päpstliche Hilfswerk hatte wie beim vorhergehenden Erdbeben in Venezuela auch in Kolumbien Nothilfen zugesagt.

Besonders betroffen ist das Departamento Valle del Cauca mit der Millionenstadt Cali, 300 Kilometer südwestlich der Hauptstadt Bogotá. Allein in der Erzdiözese Cali wurden nach Angaben der Kirche 40 beschädigte Kirchen registriert, zehn davon schwer. Einige Gotteshäuser wurden vollständig zerstört.

Pfarrer Luis Alberto Ríos feiert die heilige Messe unter freiem Himmel. Seine Kirche wurde beim Erdbeben zerstört.

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„Geistliches Krankenhaus“

In der Pfarre St. Teresa von Ávila im Süden Calis, zu der rund 9000 Menschen gehören, stürzte das Dach der Kirche ein. Gottesdienste und andere Aktivitäten der Gemeinde finden deshalb derzeit in einem Zelt in einem nahegelegenen Park statt.

Pfarrer Luis Alberto Ríos beschreibt die Kirche in dieser Situation als ein „geistliches Krankenhaus“. Der provisorische Gottesdienstort sei zu einem wichtigen Treffpunkt geworden, an dem die Betroffenen erfahren könnten, dass sie mit ihrem Leid nicht allein seien. Die Feier der Gottesdienste unter freiem Himmel sei für ihn „ein Zeichen dafür, dass Jesus selbst auf die Straße gegangen ist, um den Menschen zu begegnen“.

Auch in der benachbarten Diözese Palmira, rund 30 Kilometer östlich von Cali, wurden elf Pfarrkirchen beschädigt. Einige sind nach Angaben von Bischof Rodrigo Gallego Trujillo so stark zerstört, dass sie abgerissen werden müssen. In einer Ortschaft kamen bei dem Erdbeben fünf Kinder ums Leben. Auch in ländlichen Gebieten stürzten zahlreiche Häuser von Bauernfamilien ein.

Trotz der Schäden gehe die Seelsorge weiter, betont Bischof Gallego: „Die Kirche lebt und bleibt.“ Gottesdienste und pastorale Angebote würden nun in Gemeindehäuser und öffentliche Räume verlegt, um „die Hoffnung lebendig zu halten und der Bevölkerung geistlichen Beistand zu geben“.

Vom Erdbeben schwer beschädigtes Klassenzimmer in der Klosterschule in La Victoria.

„Die Seele wieder aufbauen“

Auch in der Diözese Cartago im Norden des Departamentos Valle del Cauca, sind die Schäden erheblich. Rund 20 Kirchen wurden schwer beschädigt, weitere 20 müssen umfassend repariert werden. Bischof César Alcides Balbín betont, die wichtigste Aufgabe der Kirche bestehe jetzt darin, den Menschen „Begleitung, Unterstützung und Trost“ zu geben und ihnen einen Zufluchtsort zu bieten. Gerade die Feier der Sonntagsmesse sei wichtig: Das Zusammenkommen gebe den Menschen die geistliche Kraft für den langen Weg des Wiederaufbaus.

Wie konkret diese Begleitung aussieht, zeigt das Beispiel von Schwester Andaris Flores von den Missionarinnen der heiligen Theresia vom Kinde Jesu. Während des Erdbebens, bei dem ihr Schul- und Klostergebäude in La Victoria schwer beschädigt wurde, blieb Schwester Andaris im zweiten Stock bei einer 83-jährigen Mitschwester, die nicht mehr die Treppe hinuntergehen konnte. Während das Gebäude bebte und Trümmer herabfielen, kniete sie nieder und betete. Inzwischen lebt die Ordensfrau vorübergehend bei einer Familie. Die langfristige Herausforderung sieht sie nicht allein im Wiederaufbau der zerstörten Gebäude. Es gehe auch darum, die seelischen und psychischen Verletzungen der Menschen zu heilen – und vor allem darum, „die Seele wieder aufzubauen“.

Das Erdbeben der Stärke 7,4 hatte Kolumbien am 10. August erschüttert, nur zwei Monate nach der Naturkatastrophe im Nachbarland Venezuela. Das Epizentrum lag im Departamento Chocó. Nach Angaben der kolumbianischen Behörden liegt die Zahl der Toten mittlerweile bei über 300, mehr als 100 Personen werden noch vermisst. Mehr als eine halbe Million Menschen sind direkt von den Folgen des Erdbebens betroffen.

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