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KIRCHE IN NOT

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Das gesamte Interview mit Thomas Heine-Geldern ist auf „Radio klassik Stephansdom“ am 26. Juli um 17.30 Uhr zu hören.

Das Christentum ist als die am meisten verfolgte Religion der Welt. Das betont der geschäftsführende Präsident des internationalen päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“, Thomas Heine-Geldern. Über 250 Millionen Christen leben demnach in Ländern, wo es Verfolgung und Diskriminierung gibt, „wo sie Bürger zweiter Klasse sind“, wie Heine-Geldern im Interview für die Wiener Kirchenzeitung „Der Sonntag“ und „Radio klassik Stephansdom“ betont. Religiöse Minderheiten seien häufig unterdrückt und „Christen sind in vielen Ländern eine solche“, erläutert der Jurist. Auch die Botschaft Jesu Christi werde oft in sich „als Ärgernis“ gesehen.

Die Aufgabe des international tätigen katholischen Hilfswerks sei es daher, Missstände rund um Religionsfreiheit aufzuzeigen, „nicht um den Graben zu vertiefen und Hass und Zwiespalt zu sehen, sondern um diesen Menschen eine Stimme zu verleihen“.

Thomas Heine-Geldern, internationaler geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT

„Kirche in Not“ legt alle zwei Jahre einen Bericht zur Religionsfreiheit weltweit vor, der über den Zustand der verfolgen Christen, aber auch anderer religiöser Minderheiten informiert. Heine-Geldern: „Es geht uns um das Menschenrecht Religionsfreiheit. Da geht es nicht nur um Unterstützung von Christen, sondern auch um Buddhisten, Hindus und Muslime, ob die in einem Land verfolgt oder diskriminiert werden.“

Die Erkenntnisse des rund 800-Seiten starken Berichts seien die Basis für Gespräche mit Politikern und Entscheidungsträgern, erläuterte Heine-Geldern. „Kirche in Not“ poche dabei auf die Forderung, dass „Religionsfreiheit, die Freiheit zur Ausübung einer Religion, oder zur Nichtausübung einer Religion ein fundamentales Menschenrecht ist, das geschützt werden muss“.

Zwar könnten Menschenrechte prinzipiell nur von staatlichen oder internationalen Organisationen geschützt werden, die kirchliche Stiftung könne jedoch hinweisen, „dass es ein absolut schützenswertes Gut ist und bleiben soll“.

Internationale Brennpunkte

Aktuelles Schwerpunktland von „Kirche in Not“ ist Pakistan. Dort machen die Christen zwar nur zwei Prozent der Bevölkerung aus, zählen aber wegen der hohen Bevölkerungszahl einige Millionen Menschen. Sie „stehen sie auf der Sozialstufe sehr weit unten und sind daher diskriminiert“. Speziell in der Zeit der Corona-Krise bringe dies negative Auswirkungen mit sich, so seien Christen etwa von den normalen Hilfestellungen des Staates ausgenommen. „Kirche in Not“ betreibt laut Heine-Geldern in Pakistan derzeit „Existenzhilfe“ für christliche Familien, „damit sie überleben“.

In anderen Ländern sei Hilfe wiederum unmöglich. Als Beispiel nannte der „Kirche in Not“-Chef den Iran. Dort dürften anerkannte christliche Minderheiten wie die Armenisch-apostolische Kirche ihre Religion zwar weitgehend ausüben, jedoch nicht missionieren. Pastorale Projekte seien darum nicht möglich.

Eine massive Verschlechterung der Situation für Christen nimmt Heine-Geldern aktuell in der Sahelzone Afrikas wahr. In Ländern wie Burkina Faso, Mali, Niger oder Nigeria schürten fremde islamistische Prediger Hass gegen Minderheiten. „Es kommt verstärkt zu Zwischenfällen, wo Christen Kollateralgeschädigte sind, weil es um die Zerstörung der Institutionen des Staates, der Schulen und des Gesundheitswesens geht.“ Und: „Immer mehr kommen die dort lebenden Christen aber auch ins Fadenkreuz der Banden.“

Das gesamte Interview mit Thomas Heine-Geldern ist auf „Radio klassik Stephansdom“ am 26. Juli um 17.30 Uhr zu hören.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (international „Aid to the Church in Need“ – ACN) konnte im Jahr 2019 mit 111,2 Millionen Euro Projekte und Aktivitäten für verfolgte und notleidende Christen verwirklichen. Das entspricht dem Niveau des Vorjahres (111,1 Millionen Euro). Die Spendengelder flossen vorrangig in mehr als 5 200 Hilfsprojekte in 139 Ländern.

Die 23 Nationalbüros des Hilfswerks haben über 106 Millionen Euro Spenden gesammelt; fünf Millionen Euro am Gesamtergebnis stammen aus Vorjahresspenden. Die österreichischen Wohltäter von „Kirche in Not“ haben mit knapp 2,7 Millionen dazu beitragen. „Die Spendenbereitschaft und Treue unserer Wohltäter machen uns dankbar und demütig“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich.

Über 80 Prozent der Einnahmen von „Kirche in Not“ flossen in Projektarbeit, Information über die verfolgte Kirche und Gebetsinitiativen – die drei Hauptaufgaben des Hilfswerks. Die Verwaltungsausgaben lagen bei rund acht Prozent. Elf Prozent wurden für Wohltätergewinnung und -betreuung aufgewendet. Die sachgemäße Mittelverwendung ist von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert. „Kirche in Not“ Österreich trägt darüber hinaus schon von Anfang an das Spendengütesiegel und hat seit 5. Februar 2019 auch die Spendenabsetzbarkeit.

Eine syrische Familie dankt für die Hilfe von „Kirche in Not“. © KIRCHE IN NOT

Afrika erhält die meisten Hilfen

Dank der stabilen Spendeneinnahmen konnte „Kirche in Not“ 211 Projekte mehr als 2018 unterstützen und war in über 1160 Diözesen der Weltkirche aktiv – das ist mehr als ein Drittel der Diözesen weltweit.

Schwerpunkt der Hilfen im Jahr 2019 war der afrikanische Kontinent. Fast ein Drittel der Projektausgaben ging dorthin, zum Beispiel in die Demokratische Republik Kongo, nach Nigeria, Kamerun und Burkina Faso. Diese Länder werden seit Jahren von fundamentalistischem Terror heimgesucht. „Die Not der Menschen vor allem in den Ländern der Sahel-Zone schreit zum Himmel. Sie fühlen sich von der Weltgemeinschaft im Stich gelassen“, erklärte Rechberger.

Ein Viertel der Projektgelder floss in den Nahen Osten, um die in ihrer Existenz bedrohten Christen zu unterstützen. „Kirche in Not“ leistet Aufbau- und Überlebenshilfe, zum Beispiel in Syrien und im Irak. Dort hatte das Hilfswerk in den vergangenen Jahren den Wiederaufbau von zerstörten Wohnhäusern in der Ninive-Ebene unterstützt. Nun wurde eine neue Phase eingeläutet: Auch Kirchen und Klöster werden jetzt nach und nach wieder instandgesetzt. Darunter befindet sich auch die Al-Tahira-Kirche in Karakosch (Baghdeda), die größte Kirche im Irak.

An dritter Stelle der Hilfsregionen von „Kirche in Not“ stand auch 2019 Osteuropa. Die mit Abstand meisten Gelder kamen der katholischen Minderheit in der Ukraine zugute. Dort wurden 2019 über 300 Projekte realisiert.

Brandgeschwärzter Innenraum der Al-Tahira-Kirche in Karakosch (Baghdeda)/Irak. © Kirche in Not

Neue Schwerpunkte in Lateinamerika und Asien

In Lateinamerika widmete „Kirche in Not“ besonders Venezuela gesteigerte Aufmerksamkeit. Das Land befindet sich in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Kirche in Venezuela ist oft die einzige Anlaufstelle für die Bevölkerung. Neben Brasilien gehen die meisten Hilfsgelder für diese Weltregion dorthin.

In Asien stehen besonders Pakistan und Indien im Fokus, wo islamistischer Fundamentalismus beziehungsweise ein übersteigerter hinduistischer Nationalismus das Leben der Christen bedrohen. Kürzlich hat „Kirche in Not“ ein Hilfsprojekt gestartet, damit pakistanische Christen während der Corona-Krise mit den lebensnotwendigsten Dingen versorgt werden können.

In allen Weltregionen hat „Kirche in Not“ 2019 die Unterstützung für angehende Priester und Ordensleute verstärkt. Mehr als 13 000 Ordensfrauen und -männer in Kriegsgebieten, den Elendsvierteln großer Metropolen und unwegsamen Regionen Afrikas, Lateinamerikas oder Asiens erhielten Hilfe für ihren Einsatz. „Kirche in Not“ unterstützte auch jeden siebten angehenden Priester weltweit bei der Ausbildung – insgesamt über 16 000 Seminaristen.

„Eine große Unterstützung und geistliche Verbundenheit sind Messstipendien“, die ca. ein Drittel der Spenden in Österreich ausmachen,“ erklärte Rechberger. Über 1,3 Millionen Gaben für die Feier der heiligen Messe in einem bestimmten Anliegen konnte „Kirche in Not“ 2019 an mittellose Priester weiterleiten. Die meisten von ihnen verwenden die Mess-Stipendien nicht nur für ihren eigenen Unterhalt, sondern auch für pastorale und soziale Aufgaben.

Eine Vinzentiner-Schwester in Indien betreut Kinder mit Behinderung. © Ismael Martinez-Sanchez/Kirche in Not

„Kirche in Not“ als Anwalt für verfolgte Christen und Religionsfreiheit

„Kirche in Not“ steht verfolgten und notleidenden Christen nicht nur unterstützend bei, sondern verleiht ihnen auch eine Stimme in Politik und Öffentlichkeit. Das Hilfswerk vermittelt regelmäßig ranghohe Kirchenvertreter zu Gesprächen vor EU- und UN-Institutionen. Publikationen wie der alle zwei Jahre erscheinende Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ oder die Studie „Verfolgt und vergessen?“ informieren aktuell über die Lage benachteiligter Christen und machen sich für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit stark.

Auch die Aktion „Red Wednesday („Roter Mittwoch“) erweckt immer mehr Aufmerksamkeit: 2019 wurden in Österreich dutzende Kirchen und Gebäude rot angestrahlt, um auf die schwierige Lage der Religionsfreiheit hinzuweisen und zum Gebet für verfolgte Christen einzuladen.

Für alle diese Aktivitäten hofft Nationaldirektor Herbert Rechberger weiterhin auf Unterstützung, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung: „Die Corona-Pandemie betrifft uns alle; Christen in Kriegs- und Krisenregionen aber stürzt sie noch weiter ins Elend. Wir konnten umfangreiche Hilfen bereitstellen, damit Priester und Ordensleute die Krise schultern und für die ihnen anvertrauten Menschen da sein können – materiell wie geistlich. Dazu zählen wir auf die Großherzigkeit unserer Wohltäter, die uns auch im vergangenen Jahr nicht im Stich gelassen haben.“

Das Hilfswerk wurde 1947 vom niederländischen Prämonstratenser Werenfried van Straaten (1913-2003) gegründet. Um die Not der heimatvertriebenen Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg zu lindern, organisierte Pater Werenfried in Belgien und den Niederlanden Hilfe für die verhassten Feinde von gestern und rief zur Versöhnung auf. Da er anfangs bei den flämischen Bauern vor allem Speck sammelte, nannte man ihn bald den „Speckpater“.

Rot erleuchteter Stephansdom am Red Wednesday 2019. © Kirche in Not
Herbert Rechberger, Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich

Als Antwort auf die anhaltende dramatische Situation der Christen in Syrien unterstützt das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mit einem weiteren Nothilfeprogramm 20 550 christliche Familien unterschiedlicher Konfessionen.

Der einmalige Zuschuss von 25 Euro pro Familie ermögliche besonders bedürftigen Familien, Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen, das sich auch in Syrien ausbreite, erklärte der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“. „Es scheint ein kleiner Betrag zu sein, aber er entspricht fast der Hälfte des monatlichen Einkommens einer syrischen Familie und ist daher lebenswichtig. Die Nothilfe muss schnell umgesetzt werden, bevor sich COVID-19 weiter im Land ausbreitet.“

Die Nothilfe ermöglicht besonders bedürftigen Familien, Lebensmittel und Hygieneartikel zu kaufen, um sich vor dem Corona-Virus zu schützen

Das mit über eine halbe Million Euro umfassende Programm kommt katholischen, orthodoxen und evangelischen Familien in ganz Syrien zugute. Viele Familien sind durch den immer noch andauernden Krieg und die Wirtschaftssanktionen am Ende ihrer Kräfte. Jetzt müssen sie sich einer weiteren Herausforderung stellen: der Ausbreitung von COVID-19. Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen, zum Beispiel Schließung von Geschäften und Schulen sowie der Einstellung des Transports zwischen den Städten, stößt die finanzielle Situation der Ortskirchen in Syrien an ihre Grenzen.

„Wir unterstützen mehr als hundert Projekte in Syrien. Einige sind wegen der Pandemie eingeschränkt, aber viele laufen weiter, wie zum Beispiel unser Projekt ,Ein Tropfen Milch‘. Damit wird hunderten Kleinkindern und Säuglingen eine lebenswichtige Milchration gewährleistet. Das neue Hilfsprogramm ist ein Zeichen der Ermutigung für unsere Brüder und Schwestern in Syrien und gibt ihnen Trost und finanzielle Unterstützung“, erklärt Thomas Heine-Geldern. „Wir möchten die Christen in Syrien nicht allein lassen.“

Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT

Besonders die christliche Bevölkerung in Syrien leidet unter den Folgen des Krieges, der seit 2011 andauert. Waren Diskriminierungen gegen Christen davor eher selten und die Auswanderung begrenzt, so fühlen sie sich heute als Bürger zweiter Klasse, die von der Regierung im Stich gelassen und von anderen Bürgern diskriminiert werden. Ihr Eigentum wurde im Krieg zerstört, geplündert oder weit unter Preis verkauft. Viele haben ihren Arbeitsplatz verloren. Ausländische Hilfen erreichen wegen der Sanktionen und Grenzschließungen das Land nur sehr schwer.

Darüber hinaus ist das Bankensystem des Nachbarlandes Libanon, das einen Teil des Systems aufrechterhalten hat, aufgrund der politisch-sozialen Krise und der COVID-19-Pandemie zusammengebrochen. Die Inflation im Land ist immens hoch.

Um die Christen in Syrien weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Syrien

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine medizinische, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderung, sondern auch eine pastorale. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat seit Ausbruch der Krise zahlreiche Solidaritätsbekundungen von Projektpartnern überall auf der Welt erhalten, aber auch von den steigenden Nöten und dem Einsatz von Priestern und Ordensleuten im Kampf gegen die Pandemie erfahren. Als Antwort darauf hat das Hilfswerk ein Sonderprogramm auf den Weg gebracht, um diese Arbeit zu stärken. Tobias Lehner hat mit Regina Lynch, Projektdirektorin von „Kirche in Not“, über die aktuellen Hilfen und den Einsatz der Kirche in der Corona-Krise gesprochen.

Kirche in Not: Von welchen Nöten berichten die Projektpartner von „Kirche in Not“ in der Corona-Krise am meisten?

Regina Lynch: Sie schildern, welche Auswirkungen die Einschränkungen auf das kirchliche Leben haben: Öffentliche Gottesdienste und Versammlungen sind verboten, die Schulen sind geschlossen und immer mehr Menschen haben Schwierigkeiten, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. In den meisten unserer Projektländer sind die Christen in der Minderheit und gehören zu den unteren sozialen Schichten, manchmal werden sie auch verfolgt.

Am härtesten trifft es die Kirche, dass weder Gottesdienste noch karitative und seelsorgerische Aktivitäten in gewohnter Form möglich sind. Priester und Ordensleute können ihren wichtigsten Pflichten nicht mehr nachgehen: Sakramente spenden, das Evangelium verkünden und die Menschen trösten.

Ordensschwester in Burkina Faso versorgt ein krankes Kind. © Kirche in Not

Wo sind die aktuellen Schwerpunkte der Hilfe von „Kirche in Not“ angesichts der Pandemie?

Damit sie nicht durch Geldmangel an der Erfüllung ihrer Hauptaufgaben gehindert werden, unterstützt „Kirche in Not“ notleidende und bedrängte Gemeinden. Wir geben zum Beispiel Mess-Stipendien für mittellose Priester oder Existenzhilfen für Ordensleute weiter. Außerdem unterstützt „Kirche in Not“ Priesterseminare, da in vielen Fällen auch die Seminaristen der Ausgangs- und Kontaktsperre unterliegen und ihr Rektor keine Möglichkeit hat, für sie zu sorgen. Wir helfen, damit sich Priester, Seminaristen und Ordensschwestern mit Masken und Schutzkleidung eindecken können. Das ist zum Beispiel in Chile oder in der Ukraine der Fall, wo Geistliche und Ordensleute weiterhin ihre Gemeindemitglieder besuchen, insbesondere die Kranken und Sterbenden.

Es wird auch zwei neue Projekte geben: Wir starten ein weiteres Hilfsprojekt für die Christen in Syrien, dass es jeder Familie ermöglichen soll, Lebensmittel und Schutzausrüstungen zu kaufen. Für Pakistan, wo Christen mit Diskriminierung und manchmal Verfolgung zu kämpfen haben, arbeiten wir an einem Nothilfeprogramm. Es gibt Berichte, dass Christen dort bei öffentlichen Hilfeleistungen benachteiligt werden.

Welche Hilfen wurden bislang geleistet?

Dank der Großzügigkeit unserer Spender konnte „Kirche in Not“ seit März fast 400.000 Messstipendien an mehr als 10 000 mittellose Priester zu weitergeben. Wir werden Ordensschwestern in allen Teilen der Welt unterstützen. Wir erhalten in diesem Bereich laufend neue Anfragen. Schon immer stand diese Art der Unterstützung im Fokus, insbesondere in Osteuropa und Lateinamerika. Dort erteilen die Ordensschwestern nicht nur Katechismusunterricht oder bereiten die Gläubigen auf die Sakramente vor. Sie kümmern sich auch um Waisenkinder, alleingelassene alte Menschen oder um Mädchen, die zur Prostitution gezwungen wurden. Eine der Folgen der Corona-Krise ist, dass uns nun zum ersten Mal Diözesen um Hilfe bitten, die bisher ohne unsere Unterstützung auskamen.

Verteilung von Schutzausrüstung in der Erzeparchie Iwano-Franiwsk/Ukraine. © Kirche in Not

Wie sieht es mit der Hilfe in Asien aus, dem Ausgangspunkt der Corona-Pandemie?

Der Erzbischof von Chittagong in Bangladesch sandte uns einen dringenden Hilferuf zur Unterstützung der Ordensschwestern, die in seinem Erzbistum arbeiten. Weil Gästeunterkünfte und Krankenstationen geschlossen wurden, haben sie kein Einkommen mehr. Bereits vor der Krise reichte der kleine Betrag, den die Gläubigen zum Unterhalt der Schwestern beisteuern konnten, nicht aus, doch nun ist die Situation dramatisch. In Maimansingh, ebenfalls Bangladesch, haben die Schwestern vom Heiligen Kreuz zusammen mit dem Bischof das gesamte verfügbare Geld dazu eingesetzt, den leidenden Menschen zu helfen. Doch die Schwestern selbst müssen auch überleben, und da kann „Kirche in Not“ helfen.

Wir werden alle diese Projekte fortführen. Selbst wenn in einigen Ländern die öffentlichen Gottesdienste langsam wieder stattfinden, wird sich die wirtschaftliche Situation weiterhin verschlechtern. Unsere Hilfe wird mehr denn je benötigt.

Welches Projekt hat Sie besonders beeindruckt, wie Priester und Ordensleute sich der Bekämpfung der Corona-Pandemie stellen?

Da gibt es zum Beispiel die Priester in der Diözese Dolisie in der Republik Kongo. Sie teilen die Mess-Stipendien, die sie von uns bekommen, mit ihren armen Gemeindemitgliedern. Ich bin beeindruckt von der Hingabe so vieler Ordensschwestern, die ihre Arbeit trotz des Gesundheitsrisikos fortsetzen. Ein Beispiel sind die Schwestern der Kongregation „Hermanas Sociales“ in Kuba. Trotz der notwendigen Einschränkungen finden sie Möglichkeiten, ihre seelsorgerische Arbeit fortzusetzen und sich weiterhin um betagte Menschen oder Obdachlose zu kümmern.

Ich denke auch an die Studenten eines Priesterseminars in Burkina Faso, deren Familien wegen Terroranschlägen ihre Dörfer verlassen mussten. Einer ihrer Ausbilder ist an Covid-19 gestorben, vier ihrer Kommilitonen sind erkrankt. Wir haben ihnen und ihren Familien geholfen und unterstützen nun ein Programm, um die anderen Seminaristen vor dem Coronavirus zu schützen.

Beeindruckend ist auch, wie viel Kreativität die Kirche in der Krise zeigt. Bereits zu Beginn der Pandemie erkannte Bischof Dodë Gjergji im Kosovo, dass er trotz des Verbotes öffentlicher Gottesdienste versuchen musste, seine Gläubigen zu erreichen. Er bat uns, die Ausrüstung für die Übertragung der Sonntagsmesse aus der Mutter-Teresa- Kathedrale in Priština zu finanzieren. Wir haben ihn unterstützt und kürzlich berichtete er uns, dass sich während der Übertragung einer heiligen Messe über 50.000 Menschen eingeloggt hatten. Die Möglichkeiten der Medien sind nicht zu unterschätzen.

„Kirche in Not“ ist ein pastorales Hilfswerk; der Bedarf in der Corona-Krise beruht in der öffentlichen Wahrnehmung jedoch auf humanitärem und medizinischem Gebiet. Wie gehen beide Zielsetzungen zusammen?

Während eine medizinische, und in zahlreichen Ländern auch humanitäre Reaktion auf die Corona-Krise absolut notwendig ist, sind hierfür in erster Linie die örtlichen Behörden verantwortlich. Wir wissen, dass dies in vielen Ländern nicht der Fall ist und dass stattdessen Hilfsorganisationen und die Kirche diese Aufgaben übernehmen. Tätige Nächstenliebe gehört zum Wesen der Kirche. Doch ihr geht die Seelsorge voraus. In diesen Krisenzeiten brauchen die Menschen die Kirche mehr denn je. Sie haben Angst und wissen nicht, was die Zukunft bringen wird. Die Kirche tröstet sie und bringt ihnen sowohl geistige als auch materielle Hilfe, die nicht nur den eigenen Gemeinden zugutekommt, sondern dem ganzen Volk Gottes.

Um den Einsatz von Priestern und Ordensfrauen im Kampf gegen die Corona-Pandemie weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden.

Regina Lynch, Projektdirektorin von „Kirche in Not“ International. © Ilona Budzbon/Kirche in Not.
Ordensschwester in Ecuador bringt einem älteren Mann die Kommunion. © Kirche in Not
Er gilt bis heute als Symbolfigur des Widerstandes gegen den Kommunismus in Ungarn: Jozsef Kardinal Mindszenty. Wegen seines Auftretens gegen Ungerechtigkeiten wurde der ungarische Primas mehrmals inhaftiert und gefoltert. Auf  der Inschrift seines Grabsteins im österreichischen Wallfahrtsort Mariazell steht: „Das Leben hat ihn erniedrigt, der Tod hat ihn erhöht.“
Kardinal József Mindszenty (1892-1975), letzter Fürstprimas von Ungarn.

Sein eigentlicher Geburtsname ist Jozsef Pehm. Angelehnt an seinen Geburtsort Csehimindszent nimmt er 1941 den neuen Namen an und legt den deutschstämmigen Namen ab. Mindszenty trat 1911 in das Priesterseminar in Szombathely (Steinamanger) ein und wurde 1915 zum Priester geweiht. Er arbeitete aber nicht nur als Pfarrer, sondern auch als Religionslehrer und Redakteur eines Wochenblattes.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem damit verbundenen Ende der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie kritisierte er offen die neue linksgerichtete Regierung und leitete eine christliche Partei. Er wurde am 9. Februar 1919 verhaftet, kam aber im Mai wieder frei – allerdings erhielt er ein Redeverbot in der Öffentlichkeit. Nach dem Ende der Räterepublik wurde er am 1. September zum neuen Stadtpfarrer von Zalaerszag ernannt. Er ließ dort Schulen und Kirchen bauen und gründete kirchliche Vereine.

Pater Wrenfreids van Straaten und Kardinal Mindszenty auf einem Kongress Anfang der Siebziger Jahre.

Entschiedener Gegner des kommunistischen Unrechtsregimes

Am 4. März 1944 wurde er von Papst Pius XII. zum Bischof von Veszprem ernannt. Er verkaufte einen Teil des kirchlichen Grundbesitzes und ließ neue Pfarreien und elf katholische Schulen errichten. Kurz danach besetzten deutsche Truppen Ungarn. Einige Bischöfe protestierten daraufhin, dass Juden in Ghettos eingesperrt wurden und in Vernichtungslager deportiert wurden. Wieder wurde er verhaftet. Nach der Eroberung Westungarns durch die Rote Armee konnte am 20. April 1945 wieder nach Veszprem.

Vier Monate später, am 15. September, ernannte ihn der Papst zum Erzbischof von Esztergom. Das war eine wichtige Position für die Ungarn: Als Erzbischof von Esztergom war er Primas von Ungarn und die erste Autorität nach dem König. Es folgten jedoch Konflikte mit den Kommunisten. Auch im Ausland berichtete er von der Unterdrückung der Kirche durch die Kommunisten.

- Pater Werenfried van Straaten OPraem (1913-2003)

Gefangenschaft, Folter und 15 Jahre Hausarrest

Nach der klar gewonnenen Wahl durch den Linksblock 1947 verschärfte sich die Situation: Die katholischen Schulen wurden verstaatlicht. Er machte im Ausland darauf aufmerksam. Die Folge: eine erneute Verhaftung. In einem Schauprozess wurde er wegen Umsturzes und Spionage zu lebenslanger Haft verurteilt. In mehreren Haftanstalten versuchten ihn die Kommunisten durch Folter auf ihre Linie zu bringen. Doch Mindszenty blieb standhaft, stellte kein Amnestieansuchen, sondern verlangte seine vollständige Rehabilitation.

Erst nach den Ungarischen Volksaufstand im Herbst 1956 konnte er befreit werden. Die Rote Armee marschierte in Budapest ein, und Mindszenty floh in de amerikanische Botschaft in der ungarischen Hauptstadt. 1971 ging er nach Wien ins Exil und wohnte im ungarischen Priesterseminar.

Beisetzung in Mariazell bei der „Magna Domina Hungaorum“

Der Papst wollte die Beziehungen zu Ungarn normalisieren und forderte Mindszenty zum Rücktritt als Erzbischof von Esztergom auf. Doch dieser weigerte sich. Dennoch wurde der Bischofssitz später als vakant erklärt, und Mindszenty am 5. Februar 1974 aus pastoralen Gründen seines Amtes enthoben. Er starb am 6. Mai 1975 in Wien.

Mindszenty wurde in Mariazell bestattet. Die Grabrede am 15. Mai hielt sein Freund, der Gründer von KIRCHE IN NOT, Pater Werenfried van Straaten. In seinem Testament verfügte er, dass seine sterblichen Überreste erst nach Esztergom überführt werden sollten, wenn der Stern der Moskauer Gottlosigkeit vom Himmel Mariens und des heiligen Stephanus gefallen sei. Nach dem Abzug der sowjetischen Armee aus Ungarn wurde er am 4. Mai 1991 nach Esztergom (Gran) überführt. Seit 1993 läuft ein Seligsprechungsprozess für Kardinal Mindszenty. Papst Franziskus erkannte ihm am 12. Februar 2019 den heroischen Tugendgrad zu.

Pater Werenfried predigt über Kardinal Mindszenty (1985):

Um die Auswirkungen der COVID-19-Pandemie abzumildern, stellt das internationale päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“, das der verfolgten und leidenden Kirche in aller Welt dient, Nothilfen für Priester und Ordensfrauen zur Verfügung.

Angesichts der weltweiten Zunahme sozialer Not aufgrund von COVID-19 hilft diese großzügige Unterstützung Ordensleuten, die ihre materielle Lebensgrundlage verloren haben, damit sie weiterhin ihren seelsorglichen und sozialen Dienst ausüben können. Die finanzielle Hilfe unterstützt insbesondere Hilfsprojekte im Nahen Osten, in Mittel- und Osteuropa, Lateinamerika, Asien und Afrika.

Ordensschwestern auf den Philippinen versorgen bedürftige Menschen. Foto: KIRCHE IN NOT
„Da in Folge der COVID-19-Pandemie eine Welle menschlichen Leids weltweit spürbar wird, ist der Bedarf an sozialer und geistlicher Fürsorge gestiegen“, sagt Thomas Heine-Geldern, der Geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“. „Diese Hilfe, die dank vieler Wohltäter möglich wird, soll dazu beitragen, die Last der zahlreichen mutigen Ordensleute und Priester zu erleichtern, die an vorderster Front stehen und unseren leidenden Brüdern und Schwestern Gottes Liebe und Erbarmen bringen. Nun werden mehr denn je das Licht und die Hoffnung des Herrn benötigt.“
Menschen warten auf die Essensausgabe vor einer Kirche in Venezuela. Foto: KIRCHE IN NOT
Besonders die Menschen in Entwicklungsländern, die nur über sehr begrenzte Mittel verfügen, sind besonders gefährdet. Häufig sind bei der Gesundheitsfürsorge vom Einsatz der Kirche abhängig.

„Wir sind im Gebet verbunden mit den tapferen und engagierten Priestern und Ordensfrauen und mit allen leidenden Menschen in der Welt“, fährt Heine-Geldern fort. „Dies ist angesichts dessen, was gebraucht wird und was noch benötigt werden wird, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Kirche spielt jedoch eine besonders wichtige Rolle im Alltag der christlichen Gemeinden der Welt. Mein Dank gilt vor allem unseren Wohltätern, die oft trotz ihres eigenen Leids und ihrer eigenen Bedrängnis die Hand nach ihren Mitchristen ausstrecken und helfen, den Glauben lebendig zu halten.“

Um den Einsatz von Priester und Ordensfrauen weltweit im Kampf gegen Covid-19 unterstützen zu können, bitte „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN:AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nothilfen Covid-19

Die Karwoche und das Osterfest stehen in diesem Jahr aufgrund der Corona-Pandemie unter ungewöhnlichen Vorzeichen. Der Geistliche Assistent des internationalen päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT, Pater Martin Barta, hat sich deshalb mit einem geistlichen Gruß an die Freunde und Wohltäter gewandt.

Liebe Freunde,

mit dem Palmsonntag, dem Einzug Jesu nach Jerusalem, beginnt die Karwoche, in der wir eines der größten Feste unseres Glaubens feiern. Auf dem Weg nach Jerusalem hat Jesus oft mit seinen Aposteln über das bevorstehende Leiden und Kreuz gesprochen. Er wollte sie darauf vorbereiten. Sie aber hatten Angst und konnten nicht verstehen, dass die Erlösung der Welt durch Passion und Kreuz vollbracht wird.

Pater Martin Barta, Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT International.

„Auf dem Weg nach Ostern mit dem Leid konfrontiert“

Auf unserem Weg nach Ostern wurden auch wir in diesem Jahr in besonderer Weise und sehr konkret mit der Frage des Leidens konfrontiert. Die weltweite Pandemie, verursacht durch ein nur mikroskopisch sichtbares Virus, hat schon tausende Menschen in den Tod gerissen. Durch die täglichen Berichte über die Verbreitung des Virus und stets neue Schutzmaßnahmen sind wir alle, ganz persönlich und spürbar, in das überwältigende Geheimnis des Kreuzes hineingenommen.

Unser Denken und Fühlen werden von Unsicherheit, Angst und Sorge um die Zukunft geleitet. Jesus hatte auch Angst vor dem Leiden und erlebte Todesnot. Aber die Liebe zu seinem Vater und die Liebe zu den Menschen waren stärker als Angst und Tod. Mit dieser Liebe öffnete er uns die göttliche „Quelle“, aus der wir Einsicht und Zuversicht schöpfen können. Gott ist in jeder Situation unsere Zuflucht, von Ihm kommt die Kraft der Liebe, die alles erträgt und jede Angst vertreibt.

Kraft schöpfen in Gebet und Kreuz

Um aus dieser Quelle schöpfen zu können, brauchen wir wie die Apostel das Gebet. Jesus hat uns ermahnt, zu wachen und zu beten, damit wir in der Prüfung bestehen können. Durch das Gebet kommen Hilfe und Heil zu uns. Auch wenn dieses Heil, so paradox es klingen mag, zuerst Kreuz bedeutet. Das Kreuz ist das größte Zeichen, das Jesus wirkte. Es ist das zentrale Symbol unseres Glaubens, denn der Gekreuzigte hat durch seinen Tod am Kreuz das Böse besiegt.

In der Kraft der göttlichen Liebe hat Er den Tod in Auferstehung verwandelt. Das ist die Frohbotschaft vom Kreuz. Seit der Auferstehung wohnt unserem Leiden eine göttliche, verwandelnde Kraft inne, wenn es mit dem Kreuz Christi vereint wird. Das Kreuz war für Jesus „seine Stunde“, für die Er in die Welt gekommen ist. Auch wir sind gefragt, heute, in diesen Zeiten, unsere „Stunde“ zu sehen, um Gott, der uns im Übermaß liebt, unsere Liebe zu zeigen.

Das Kreuz steht nicht nur im Logo von KIRCHE IN NOT, sondern es ist auch die eigentliche Mission unseres Hilfswerkes, das sich für leidende und verfolgte Christen einsetzt. Jetzt, da wir das Kreuz selber hautnah spüren, sollten wir noch mehr auf das Kreuz Christi schauen und unser Kreuz fest in die Hand nehmen. Je schwerer das Kreuz wird, desto mehr müssen wir lieben.

Ein Mann aus dem syrischen Homs stützt ein beschädigtes Steinkreuz (Foto: Ismael Martinez-Sanchez/KIRCHE IN NOT).

„Im Zeichen des Kreuzes werden wir siegen“

Wenn die gegenwärtige Krise von uns viele kleine Opfer abverlangt und bei manchen auch großes Leid mit sich bringt, sollten wir nicht die eigenen Wunden betrachten, sondern unser Kreuz mit den Millionen anderer Menschen teilen, die schon immer in einer Not- und Krisensituation lebten und leben.

„Nicht nur die eigenen Wunden betrachten”

Mögen wir mit neuem Eifer und reinem Herzen für das Heil der Welt beten, die Nächstenliebe üben und unser Kreuz gläubig tragen! Denn nur so kann das Böse vernichtet und der „Herrscher dieser Welt“ besiegt werden. Im Zeichen des Kreuzes werden wir siegen.

„Mögen wir mit neuem Eifer und reinem Herzen für das Heil der Welt beten, die Nächstenliebe üben und unser Kreuz gläubig tragen! “

Nehmen wir auch Zuflucht bei der Gottesmutter, die Jesus uns vom Kreuz herab zur Mutter gab, indem wir jeden Tag ihre „Corona“, den Rosenkranz, treu beten. Sie hat schon vor fünfhundert Jahren, 1531 in Guadalupe, dem heiligen Juan Diego diese einzigartig zärtlichen und tröstenden Worte gesagt: „Höre und lasse es in dein Herz dringen, mein liebster Sohn: Nichts soll dich erschrecken, nichts dich betrüben. Dein Herz beunruhige sich nicht. Fürchte nicht diese Krankheit noch irgendeine andere Krankheit oder einen Kummer. Bin ich denn nicht hier, deine Mutter? Bist du denn nicht in meinem Schatten, unter meinem Schutz? Bin ich nicht der Brunnen deiner Freude, dein Heil? Bist du nicht in den Falten meines Mantels, in der Beuge meiner Arme? Bist du nicht in meinem Schoß? Brauchst du noch mehr als das?“ Ja, ihr makelloses Mutterherz, das unter dem Kreuz zusammen mit dem Herrn gelitten hat, wird am Ende über das Böse triumphieren.

Im Logo von KIRCHE IN NOT sehen wir, dass das Kreuz auch ein Pfeil ist, der die Mauer des Hasses, der Trennung und des Bösen durchbricht. Tragen wir das Kreuz Christi freudig mit. In ihm ruhen die Weisheit und die Kraft Gottes (1 Kor 1,24).

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Karwoche und frohe Ostern.
Ihr

Pater Martin Barta
Geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT International

Liebe Freunde und Wohltäter,

als wir uns alle am Aschermittwoch auf die diesjährige Fastenzeit einstellten, hat keiner von uns daran gedacht, dass diese Bußzeit uns so herausfordern würde. In kürzester Frist haben wir erfahren, dass unsere irdische Sicherheit und Freiheit durch eine Pandemie erschüttert wird.

Eine solch außergewöhnliche Situation hat keiner von uns bisher bewusst so erlebt. Behördliche Maßnahmen, die für uns noch vor einigen Wochen undenkbar waren, halten wir jetzt für gut und vernünftig. Aber wie gut halten unser Glaube und unser Wissen um die Geborgenheit in Gott diese unerwarteten Erschütterungen aus?

Verständlich ist, dass wir uns zunächst Sorgen um uns bekannte Kranke und Opfer der Seuche machen. Dass wir an die Alten, die wir nicht mehr besuchen sollen, denken; oder an die Enkelkinder, die Ältere von uns nicht mehr aufnehmen dürfen. Für viele Menschen, sicherlich einige von Ihnen, kommen jetzt auch wirtschaftliche Sorgen hinzu.

Wir bemerken auch, dass es nicht mehr selbstverständlich ist, dass wir eine Heilige Messe besuchen und die Heilige Kommunion empfangen dürfen. So ergeht es vielen unserer Brüder und Schwestern in Missionsgebieten oder auch in Diktaturen. Sie ringen um Messen und Sakramente. Und wir verstehen jetzt auch viel klarer, was es heißt, mit unseren Kindern Hauskirche zu halten und gemeinsam zu beten. So beten sie da, wo es keine Gotteshäuser gibt. Wir haben immerhin die Technik, die es uns ermöglicht, an Gottesdiensten durch Livestream oder andere Übertragungen teilzunehmen. So wird es uns erleichtert, nicht nur mit Gott, sondern auch mit unseren Freunden und mit der globalen Gemeinschaft der Gläubigen verbunden zu sein. Viele unserer leidenden und verfolgten Brüder und Schwestern müssen diese technischen Möglichkeiten entbehren.

Wir folgen Jesus Christus in dieser Fastenzeit viel unmittelbarer in die Wüste. Wir erfahren deutlicher in unseren Ängsten, was es bedeutet, sich auch von Gott zeitweise verlassen zu fühlen. Aber wir können uns immer wieder im Gebet füreinander aufrichten. Wir dürfen uns auf die Gewissheit stützen, dass die Brücke der Liebe und des Glaubens zwischen den Wohltätern, den Mitarbeitern von KIRCHE IN NOT und unseren Projektpartnern in aller Welt hält und unser gemeinsames Gebet diese globale Krise zu überwinden hilft. So haben wir gerade in den letzten Tagen unzählige Nachrichten aus Senegal, Burkina Faso, Brasilien, Haiti oder von den Philippinen erhalten, in denen uns das Gebet für alle Wohltäter von KIRCHE IN NOT zugesichert wird.

Unser gewohnter Alltag hat sich dramatisch verändert. Aber lassen wir uns von dem bewährten Grundsatz leiten, dass jede Krise eine Chance in sich birgt. Diese besteht darin, die plötzlich zur Verfügung stehende Zeit zu nutzen, um innerlich zu wachsen, um Gott näher zu kommen und dabei alle mitzunehmen, die uns am nächsten sind: unsere Ehepartner, Kinder, Geschwister und Eltern. Und dann auch unsere Geschwister im Glauben – in der Nachbarschaft und in der Welt.

Das geschieht im Gebet, allein oder gemeinsam, und es geschieht, indem wir Mühsale und Bedrängnisse der nun zu erwartenden Wochen für all jene aufopfern, denen wir momentan nicht direkt helfen können oder deren Situation durch Krankheit oder Einsamkeit härter ist als unsere. Denken wir auch an die Familien, die jetzt durch beengte Wohnungen besonders gefordert sind. Und vergessen wir bitte nicht unsere Brüder und Schwestern in jenen Ländern, in denen Christen auch jetzt verfolgt und diskriminiert werden – sie haben oft weitaus größere Sorgen als den Virus. Lasst uns zum Beispiel alle Priester in unseren Partnerländern, die für uns die Heilige Messe feiern können, weiterhin durch Messstipendien unterstützen.

Immer wieder durfte ich mich in den vergangenen Jahren bei Ihnen für Ihre Großzügigkeit und Ihre Hilfe für unsere bedrängten Brüder und Schwestern bedanken! Heute darf ich Sie auffordern, dass wir die drei Pfeiler von KIRCHE IN NOT, Gebet, Information und Aktion in kreativer Treue zu unserer Aufgabe weiterentwickeln und so die Krise als Chance nutzen, Zeugnis für Jesus Christus zu geben.

Vielleicht dauert dieses Jahr die Fastenzeit länger als im Kalender vorgesehen, aber Ostern kommt. Lasst uns gemeinsam die Zeit der Bedrängnis so nutzen, dass wir dann das Geheimnis der Auferstehung tiefer erfassen.

Dies wünscht uns allen
Ihr im Gebet verbundener

Thomas Heine-Geldern
Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International

Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT International

Christenverfolgung: Der Countdown bis zum Ende des Christentums in Teilen des Nahen Osten tickt immer lauter – und kann nur gestoppt werden, wenn die internationale Gemeinschaft jetzt handelt. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Bericht „Verfolgt und vergessen?“ von „Kirche in Not“. Er wurde vom britischen Nationalbüro des weltweiten päpstlichen Hilfswerks erstellt und liegt nun in deutscher Übersetzung vor.

Der Bericht umfasst den Zeitraum von 2017 bis 2019 und stellt die Entwicklung der Christenverfolgung in zahlreichen Weltregionen vor. Was die Entwicklung für die einzelnen Christen bedeutet, wird anhand zahlreicher Fallbeispiele und kurzer Länderberichte illustriert.

Zahl der Christen im Irak um bis zu 90 Prozent gesunken

Ein zentraler Befund von „Verfolgt und Vergessen?“: In den Ländern des Nahen Ostens ist nach dem militärischen Sieg über den sogenannten „Islamischen Staat“ der Völkermord an Christen und anderen Minderheiten gestoppt. Allerdings hält der Exodus der Christen aus der Region weiterhin an – die Angst vor einem Wiederaufflammen des Terrors ist zu groß. Die jüngsten Meldungen aus dem Nordosten Syriens zeigen, wie real diese Angst ist.

Vor dem Jahr 2003 gab es im Irak noch rund 1,5 Millionen Christen. Bis Mitte 2019 ist die Zahl auf deutlich unter 150 000 gefallen – ein Rückgang von bis zu 90 Prozent innerhalb nur einer Generation. Auch in Syrien ist die Anzahl der Christen seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 um zwei Drittel zurückgegangen.

Mehr Aufmerksamkeit, aber Hilfen stocken

Der Bericht von „Kirche in Not“ hebt hervor, dass die Weltöffentlichkeit in den vergangenen Jahren dem Thema Christenverfolgung mehr Aufmerksamkeit geschenkt hat. Ursachen waren neben dem Genozid im Irak unter anderem das Schicksal von Asia Bibi in Pakistan. Die Christin war wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilt und nach Jahren der Einzelhaft im Oktober 2018 freigesprochen worden.

Die für Christen wie andere religiöse Minderheiten erforderlichen Hilfen wurden von der internationalen Gemeinschaft jedoch zu wenig gewährt, so der Bericht. Für den Wiederaufbau im Irak seien zum Beispiel von den USA umfangreiche Mittel zugesagt worden, die Auszahlung jedoch stockte. „Kirche in Not“ und weitere Organisationen setzen sich für die Wiederbesiedelung christlicher Dörfer in der Ninive-Ebene ein. Dort ist mittlerweile rund die Hälfte der ehemaligen Bewohner zurückgekehrt.

Asien ist neuer „Hotspot“ der Christenverfolgung

„Verfolgt und Vergessen?“ arbeitet ebenfalls heraus, dass sich in zahlreichen asiatischen Ländern die Situation für Christen und anderer religiöse Minderheiten deutlich verschärft hat. Die Anschläge am Ostersonntag auf Sri Lanka mit über 250 Toten und mehr als 500 Verletzen haben dies gezeigt.

Neben islamistischen Gruppen sind ein zunehmender Nationalismus und autoritäre Regime für das gewaltsame Vorgehen gegenüber Christen verantwortlich. In Indien sind allein 2017 über 450 antichristliche Überfälle gemeldet worden, die meist auf das Konto von nationalistischen Hindus gehen. Auch in China hat sich trotz eines vorläufigen Übereinkommens mit dem Vatikan Lage für Gläubige verschärft. Die kommunistische Regierung geht rigoros gegen religiöse Aktivitäten vor, die nicht staatlich genehmigt sind.

In Afrika geht Verfolgung auch von Regierungen aus

Die meisten verfolgten Christen leben auf dem afrikanischen Kontinent, so der Bericht von „Kirche in Not“. In Nigeria hält der Terror von Boko Haram weiter an, auch spielten im Landkonflikt mit mehrheitlich muslimischen Fulani-Nomaden religiöse Gewalt eine zunehmende Rolle. So seien allein in Nigeria im Jahr 2018 über 3700 Christen getötet worden, ermittelt der Bericht.

In anderen Teilen Afrikas geht die Bedrohung für Christen vom Staat aus: So hat das Regime in Eritrea im Sommer 2019 die verbleibenden Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in kirchlicher Trägerschaft geschlossen. Im Sudan habe die Regierung zahlreiche Kirchen angreifen und niederbrennen lassen.

„Wir haben es in der Hand“

„Der neue Bericht ,Verfolgt und vergessen῾ zeigt einmal mehr: Die Lage für Christen weltweit ist ernst. Die Verletzungen des Grundrechts auf Religionsfreiheit nehmen weiter zu“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich.

„Der Bericht zeigt auch: Proteste und tatkräftige Hilfe machen einen Unterschied für verfolgte Christen“, sagte Rechberger weiter. „Wir haben es in der Hand, in welchem Maße verfolgte Christen Hilfe erfahren. Deshalb wird sich ,Kirche in Not῾ weiterhin mit aller Energie für sie einsetzen.“

Der illustrierte Bericht zur Christenverfolgung „Verfolgt und vergessen?“ umfasst 51 Seiten im Format DIN A5. Er ist bei „Kirche in Not“ bestellbar:

KIRCHE IN NOT
Telefon: 01 / 405 25 53
E-Mail: kin@kircheinnot.at

Am 9. November jährt sich zum dreißigsten Mal der Mauerfall, ein entscheidender Meilenstein auf dem Weg zum Zusammenbruch des Kommunismus in Europa. Nicht nur für viele Menschen im Osten Deutschlands ging damit ein Traum in Erfüllung. Auch engagierte Christen aller Konfessionen und zahlreiche Organisationen hatten in den Jahrzehnten zuvor unermüdlich auf diese Wende hingearbeitet. Eine von ihnen ist das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mit seinem Gründer, dem niederländischen Prämonstratenser Pater Werenfried van Straaten (1913-2003).

42 Jahre auf Wende gewartet – und dafür gearbeitet

Die Ereignisse rund um den Mauerfall überraschten Pater Werenfried und sein Werk nicht. Dafür hatte sich „Kirche in Not“ von Anfang an eingesetzt. „Nachdem wir 42 Jahre auf diese Wende gewartet haben, steht unsere Glaubwürdigkeit auf dem Spiel, wenn wir jetzt nicht mit verdoppelter Opferbereitschaft der verfolgten Kirche helfen. Auch wo sie von ihren Fesseln befreit ist, bleibt sie aller Mittel beraubt. Ohne Priester, Rundfunkprogramme und Bücher ist die Befreiung vergeblich“, schrieb der Gründer an die Wohltäter von „Kirche in Not“. Die Herausforderungen, denen sich das Hilfswerk jetzt stellte, riefen die Pionierzeit in Erinnerung.

Ein Blick zurück: Auf Initiative von Papst Pius XII. hatte Pater Werenfried van Straaten 1947 eine Hilfsaktion für die heimatvertriebenen Deutschen aus dem Osten ins Leben gerufen. Die Berichte über Menschenrechtsverletzungen und die Verfolgung der Kirche im nunmehr kommunistischen Machtbereich veranlassten ihn bereits ab 1952, die Hilfe auch auf diese Länder auszudehnen. Deshalb trug sein Werk in den ersten Jahren den Namen „Ostpriesterhilfe“, ab 1969 dann auch „Kirche in Not“.

Die Ausgangslage in den Ländern hinter dem Eisernen Vorhang war unterschiedlich. Die Sowjetunion galt als geschlossenes Gebiet. Hier konnte man nur über Radiosendungen aus dem Ausland etwas für die Verbreitung der Frohen Botschaft tun – oder durch Schmuggelei. In anderen Ländern, vor allem Polen und Jugoslawien, war mehr Hilfe möglich.

Eine weitere wichtige Aufgabe sah van Straaten in der Information der Öffentlichkeit. Die westliche Welt sollte erfahren, was im Osten passiert. Das war gar nicht so einfach, denn die in Politik und Kirche seit den 1950er-Jahren vorherrschende Doktrin war die einer „friedlichen Koexistenz“ mit den kommunistischen Systemen. Sehr zum Unwillen mancher Politiker und Kirchenoberen sprach Pater Werenfried in Hunderten von Predigten über die Lage der verfolgten Kirche in Osteuropa und wurde so zur Stimme der stimmlosen Unterdrückten.

„Gerüstet“ für den Frieden

Auch als sich die Hilfe von „Kirche in Not“ ab den sechziger Jahren auf weitere Weltregionen wie Lateinamerika und Afrika auszuweiten begann, war Pater Werenfried die Hilfe für Osteuropa ein Herzensanliegen. Er war beseelt von einem Wort Papst Pius XII., der einmal zu ihm gesagt hatte: „Jeder rüstet sich jetzt für den Krieg, und fast niemand denkt daran, sich vorzubereiten für den Frieden, wenn dieser plötzlich hereinbricht.“ Das wollte auch er, bereitet sein für den „Tag X“.

Als unter Gorbatschow mit den Schlagworten „Glasnost“ (Offenheit) und „Perestroika“ (Umgestaltung) eine neue Politik in der Sowjetunion Einzug hielt, erhöhte „Kirche in Not“ zwischen 1987 und 1988 die Hilfen für die Sowjetrepubliken von unter einer Million Euro Dollar auf 3,5 Millionen Dollar. Auch begann Pater Werenfried in diesen Jahren vermehrt Geld für den Priesternachwuchs in den Ostblockstaaten zu sammeln. Beides sollte sich als äußerst hilfreich für die kommenden Ereignisse erweisen.

Mit dem Mauerfall und den weiteren revolutionären Ereignissen war für „Kirche in Not“ der „Tag X“ gekommen. Pater Werenfried und sein Werk waren bereit. Während die Hilfen vorher nur im Geheimen erfolgen konnten, war dies nun offen möglich, teilweise staatlich gewünscht und in jedem Fall absolut notwendig. Schon ab 1990 stiegen die Hilfen für Osteuropa auf über 22 Millionen US-Dollar und sollten schließlich 1994/95 nahezu 30 Millionen Dollar erreichen. Das waren über 40 Prozent aller von „Kirche in Not“ geleisteten Hilfen weltweit. Dieses Niveau blieb bis zur Jahrtausendwende konstant.

Humanitäre und geistliche Hilfe

Ein paar Streiflichter auf herausragende Hilfsprojekte in den Jahren nach dem Fall des Kommunismus: Während der Rumänischen Revolution im Dezember 1989 reiste er einen Tag nach der Hinrichtung des Diktatoren Ceaușescu und dessen Frau nach Bukarest. Bereits zuvor hatte er als einer der ersten Hilfslieferungen für die leidende rumänische Bevölkerung auf den Weg gebracht.

Eine besondere Beziehung hatte Werenfried van Straaten zur griechisch-katholischen Kirche der Ukraine. Als am 30. März 1991 ihr Oberhaupt, Myroslav Kardinal Lubachivsky, aus dem römischen Exil in seine ukrainische Heimat zurückkehrte, durfte ihn Pater Werenfried begleiten. Bei einer heiligen Messe in Lwiw (Lemberg) machte er ein feierliches Versprechen: Im Namen unserer Wohltäter verspreche ich Ihnen, das sie das Menschenmögliche tun werden, um Ihnen, den Bischöfen, den Priestern und Ordensschwestern, den Seminaristen und dem ganzen gläubigen Volk bei der Neu-Evangelisierung der Ukraine zu helfen.”

Auch diesmal hielt „Kirche in Not“ Wort. Der Bau des großen Priesterseminars in Lwiw wurde eines der größten Projekte des Hilfswerks. Heute zählt das Priesterseminar Lwiw mit an die 200 Studenten zu den größten der Welt.

Priesterausbildung, Klöster, Verkündigung im Fokus

Auch in den anderen osteuropäischen Staaten war die Förderung des Priesternachwuchses ein Hauptanliegen von „Kirche in Not“. Hinzu kam die Sorge für die kontemplativen Klöster, von denen viele unter menschenunwürdigen Bedingungen die Jahre des Kommunismus überdauert hatten oder jetzt neu gegründet wurden. In zahlreichen Ländern stand die Kirche vor dem Nichts, da ihr unter kommunistischer Herrschaft alle Gebäude genommen und keinerlei Organisationsstruktur vorhanden war. Auch in diesen Bereichen hat „Kirche in Not“ geholfen, gerade auch in kleineren Ortskirchen wie Albanien, Bulgarien, Rumänien oder Kasachstan. Dort bilden die Katholiken eine Minderheit und haben kaum gesellschaftliche Fürsprecher.

Im Jahr 1991 hat „Kirche in Not“ indirekt sogar Weltgeschichte geschrieben. Während des sogenannten August-Putsches versuchten militante Kommunisten, die Entwicklung in der Sowjetunion zu stoppen. In kollektiver Erinnerung geblieben ist die Szene, als Boris Jelzin vor dem Parlamentsgebäude auf einen Panzer kletterte und von dort aus zu den Menschen sprach. Nach dieser Rede ging er in das Parlament zurück und sagte zu den Abgeordneten: „Jetzt brauche ich ein Radio.” Er wollte so viele Menschen wie möglich erreichen, um gegen die kommunistischen Putschisten mobil zu machen.

Zu aller Erstaunen gab der Abgeordnete Viktor Aksiutsjik bekannt, dass er die Ausstattung für ein Radio besitze. „Kirche in Not“ hatte das Material geschmuggelt, um in Moskau eine lokale christliche Radiostation zu gründen. Jelzins Hilferuf wurde erhört: Tausende versammelten sich friedlich auf Moskaus Straßen. Selbst einige Armee-Einheiten liefen später zu Jelzin über. Am Abend des 21. August war der Putsch vorbei.

Aus Dankbarkeit erlaubte Jelzin am 13. Oktober 1991 die Ausstrahlung einer Sendung über die Botschaften von Fatima. Insgesamt 150 Fernseh- und 350 Rundfunksender aus der Sowjetunion stellten eine „geistliche Luftbrücke” nach Fatima her. Damit informierten sie das russische Volk direkt über die bis dahin in der Sowjetunion totgeschwiegenen Botschaften der Gottesmutter von Fatima. Die Verkündigung über die Medien, zum Beispiel beim ökumenischen Radiosender „Blagovest“ in Russland, stand auch in den folgenden Jahren im Fokus der Hilfe von „Kirche in Not“.

Gelebte Ökumene

Ein besonderer Auftrag für den geistlichen Wiederaufbau in Osteuropa kam von höchster Stelle: 1991 trug Papst Johannes Paul II. an „Kirche in Not“ erstmals den Gedanken heran, verstärkt den Dialog mit der russisch-orthodoxen Kirche zu suchen. Das fiel bei Pater Werenfried auf fruchtbaren Boden. Im Oktober 1992 reiste er mit einer Delegation erstmals nach Russland. Dort traf er Patriarch Aleksij II. und weitere orthodoxen Würdenträger. Nachdem Pater Werenfried Anfang 1993 dem Papst persönlich über seine Reise berichten konnte, wurden neben der Unterstützung für die katholischen Gemeinden auch Hilfsprojekte für die russisch-orthodoxe Kirche in die Förderung aufgenommen.

Dies geschah nicht ohne Widerstände. Pater Werenfried war jedoch überzeugt, dass „die unerlässliche Neuevangelisierung Russlands die ureigene Aufgabe unserer orthodoxen Schwesterkirche ist“: Da diese ebenso unter der Verfolgung im Kommunismus gelitten habe und bei null anfangen müsse, brauche auch sie Hilfe.

„Kirche in Not“ hat in den Folgejahren auch zahlreiche orthodoxe Seminare, geistliche Schulen, Klöster und Kirchenbauten unterstützt. Bekanntestes Hilfsprojekt sind die sogenannten „Kapellenschiffe“ – umgebaute Boote, mit denen die Priester Gemeinden aufsuchten, in denen keine Kirche mehr stand. Bis heute gibt es gemeinsame Initiativen von „Kirche in Not“ und der Russischen Orthodoxen Kirche. So wurde zum Beispiel eine Zusammenarbeit beim Wiederaufbau kriegszerstörter Kirchen in Syrien vereinbart. Ökumenische Initiativen und Tagungen widmen sich den Themen Lebensschutz oder dem Einsatz für Suchtkranke.

Von Hilfsempfängern zu Helfern

Seit 1990 hat „Kirche in Not“ die Kirche in Osteuropa mit mehr als einer halben Milliarde Euro unterstützt. Auch wenn sich die Schwerpunkte der Hilfe heute in Richtung Naher Osten und Afrika verschoben haben, sind die Christen in Osteuropa nicht vergessen. So steht zum Beispiel die kleine, bitterarme Kirche in der Ukraine an Platz vier derjenigen Länder, in denen „Kirche in Not“ hilft.

Die Gemeinden im ehemaligen Herrschaftsgebiet des Kommunismus waren jedoch nie nur Hilfeempfänger. Schon bald nach der Wende entwickelten sich Solidaritätsaktionen zwischen den Katholiken in verschiedenen Ländern, die noch vor kurzem selbst unter Verfolgung gelitten hatten. Ein Motor dieser Unterstützung war und ist Polen. Dort befindet sich mittlerweile auch eines der 23 Nationalbüros von „Kirche in Not“ – ebenso in der Slowakei. Das Wunder des Mauerfalls wirkt auch hier.

Am 15. September, der in der katholischen Kirche als „Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens“ begangen wird, wurde in Rom wie in zahlreichen christlichen Kirchen Syriens der im Syrienkrieg getöteten Christen gedacht und ein Zeichen des Trostes für die Hinterbliebenen gesetzt. Im Vatikan segnete Papst Franziskus eine Ikone; auf der die „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ zu sehen ist.

Gestaltet wurde sie von dem griechisch-orthodoxen Priester Spiridon Kabbasch aus Homs speziell für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“, die das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ gemeinsam mit den katholischen und orthodoxen Christen in Syrien auf den Weg gebracht hat. Ziel der Aktion ist es, den syrischen Christen nicht nur materiell, sondern auch geistlich beizustehen – besonders auch den Menschen, deren Angehörige im Krieg getötet oder entführt worden sind.

Papst hat die Syrienaktionen von „Kirche in Not“ wiederholt unterstützt

Bei der Segnung im vatikanischen Gästehaus Santa Marta war auch der Internationale Präsident der Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“, Mauro Kardinal Piacenza, der Ikonen-Künstler sowie Mitarbeiter des Hilfswerks anwesend. Papst Franziskus setzte mit der Segnung seine Unterstützung für die Solidaritätsaktion „Tröstet mein Volk“ fort. Bereits am 15. August hatte der Heilige Vater beim Angelusgebet 6000 Rosenkränze gesegnet, die von christlichen Kunsthandwerkern aus Bethlehem und Damaskus hergestellt wurden. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte der Papst beim Angelusgebet eine große Kerze entzündet und damit seine Teilnahme an der Gebetskampagne „Kerzen für den Frieden in Syrien“ ausgedrückt.

„Der Heilige Vater hat erneut seine liebende Nähe zu den Menschen in einer Weltregion gezeigt, wo viele Tränen getrocknet werden müssen. Dafür sind wir sehr dankbar“, erklärte der Präsident von „Kirche in Not“, Mauro Kardinal Piacenza, nach der Segnung. Der Gedenktag der Sieben Schmerzen Mariens gebe eine Lektion von wahrem und tiefen Mitgefühl, das die Welt auch heute dringend brauche, so Piacenza. „Maria leidet wegen Jesus, aber sie leidet auch mit Jesus. Die Passion Christi ist eine Teilhabe am Leid aller Menschen.“ Diesen Menschen beizustehen, wisse sich „Kirche in Not“ weiterhin verpflichtet.

Die vom Papst gesegneten Rosenkränze wurden nun am 15. September als Zeichen der besonderen Nähe des Papstes bei Gottesdiensten in katholischen und orthodoxen Kirchen Syriens an Hinterbliebene von Kriegsopfern verteilt. Auch ein aus dem Heiligen Land stammendes Kreuz aus Olivenholz und Bibeln in arabischer Sprache, die von „Kirche in Not“ gestiftet wurden, haben die Angehörigen als äußeres Zeichen der Anteilnahme und des Trostes erhalten.

Ikone besucht katholische und orthodoxe Kirchen Syriens

Neben den Gottesdiensten fanden an diesem Tag auch zahlreiche Prozessionen statt, bei denen hunderte Gläubige für ihre getöteten und entführten Mitchristen und ihre Familien gebetet haben. Auch die neue Ikone „Selige Jungfrau Maria, Schmerzensmutter und Trösterin der Syrer“ wird in den kommenden Wochen in allen 34 Diözesen Syriens zu Gast sein.

Um weiterhin die pastorale wie humanitäre Arbeit der christlichen Kirchen Syriens unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX

Verwendungszweck: Syrien

„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen“, erklärte der Direktor von KIRCHE IN NOT Philippinen, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk unterhält seit 2016 ein Nationalbüro in dem südostasiatischen Land.

In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche. 20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Nur ein halbes Jahr nach dem Attentat ist die Kirche wieder geöffnet

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist, wie Jonathan Luciano beobachten konnte: „Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen.“

Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato. „Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano: „Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: Zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Terroropfer und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. So zum Beispiel auf der benachbarten Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch: Dialog unabdingbar

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte. Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

Auch der Direktor des philippinischen Zweigs von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

Um die Arbeit und das Leben der Kirche auf den Philippinen weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Philippinen

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