
Während die Folgen der verheerenden Erdbeben in Venezuela immer deutlicher zutage treten, ist die katholische Kirche zu einem zentralen Anlaufpunkt für die Betroffenen geworden. Besonders in der Diözese Petare, einem der ärmsten und am dichtesten besiedelten Gebiete im Ballungsraum der Hauptstadt Caracas, versorgen hunderte Ehrenamtliche in den Pfarrgemeinden Verletzte und ihre Familien, die aus der besonders schwer betroffenen Küstenregion La Guaira kommen. KIRCHE IN NOT hat in einem ersten Schritt 100.000 Euro bewilligt, um die Nothilfe der Kirche vor Ort zu unterstützen; weitere Hilfen sind geplant.
„Rund 90 Prozent der Menschen in meiner Diözese leben in Armut. Trotzdem ist Petare zu einem Ausgangspunkt der Hilfe für die Überlebenden der Erdbebenkatastrophe geworden“, berichtet Bischof Juan Carlos Bravo Salazar gegenüber KIRCHE IN NOT. In seiner Diözese gab es keine Toten, allerdings wurden Wohngebäude sowie auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen schwer beschädigt.
Da sich in Petare vier der wichtigsten Krankenhäuser Venezuelas befinden, konzentriert sich die Hilfe der Kirche vor allem auf die Versorgung der Verletzten und Obdachlosen. Viele hätten ihr Zuhause verlassen müssen und kämen mit nichts als ihrer Kleidung in den Krankenhäusern an, berichtete der Bischof. Die Diözese hat vier Sammelstellen eingerichtet. Mehr als 250 Freiwillige verteilen dort Medikamente, medizinisches Material, Lebensmittel, Kleidung und Hygieneartikel.

Besonders bewegt zeigte sich der Bischof von der Solidarität der Menschen in den Armenvierteln. „Die Großzügigkeit der Menschen ist überwältigend. Wir sehen Gottes Spuren in allem, was hier geschieht“, sagt Bravo. Ein Erlebnis habe ihn besonders beeindruckt: Zwei Schuhmacher brachten 50 Paar reparierte Schuhe zur Sammelstelle – als Spende für die Überlebenden der Erdbeben. Damit hätten sie auf einen großen Teil ihres Lohns verzichtet.
„Selbst diejenigen, die nichts haben, geben alles“, sagte der Bischof. „Die Armen sind der größte Schatz der Kirche in Venezuela.“ Auch viele junge Menschen engagieren sich unermüdlich. Sie entladen Lastwagen mit Hilfsgütern, sortieren Kleidung, bereiten Lebensmittelpakete vor und transportieren Spenden. „Sie helfen mit Freude, Disziplin und ohne jede Suche nach Anerkennung“, berichtete Bravo.

Neben der materiellen Hilfe begleitet die Kirche die Betroffenen auch seelsorglich. Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Mitarbeiter stehen Familien bei, deren Angehörige unter den Trümmern begraben wurden; auch für die Helfern und das medizinische Personal sind sie da. „Wir dürfen uns nicht nur auf psychologische Hilfe beschränken. Wir müssen den Menschen auch geistlichen Beistand geben – nicht um das Leid zu verklären, sondern um es aus der Perspektive Jesu menschlich zu begleiten“, erklärt der Bischof.
Mit der bereits auf den Weg gebrachten Soforthilfe ermöglicht KIRCHE IN NOT den betroffenen Diözesen, flexibel auf die dringendsten Bedürfnisse zu reagieren – von der unmittelbaren Nothilfe bis hin zur pastoralen und seelsorglichen Begleitung der Menschen. Das Hilfswerk steht in ständigem Austausch mit seinen Projektpartnern in Venezuela.

Zum Schluss richtete Bischof Bravo einen besonderen Dank an alle Wohltäter und Spender: „Wir sind froh, dass wir auf Brüder und Schwestern zählen können, die uns die Hand reichen. Ich wünsche mir, dass KIRCHE IN NOT weiterhin eine Gemeinschaft bleibt, die Geschwisterlichkeit stiftet.“
Nach den verheerenden Erdbeben in Venezuela hat KIRCHE IN NOT eine erste Soforthilfe von 100.000 Euro auf den Weg gebracht. Mit den Mitteln werden Priester, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen unterstützt, die Überlebende der Naturkatastrophe beherbergen, versorgen und pastoral begleiten. Gleichzeitig bereitet das Hilfswerk weitere Hilfen für den Wiederaufbau zerstörter Kirchen und kirchlicher Gebäude vor.
Nach aktuellen internationalen Medienberichten liegt die Zahl der getöteten Menschen aktuell bei über 2000, rund 11 000 Menschen wurden verletzt. Zehntausende haben ihre Wohnungen verloren, zahlreiche Gebäude sind eingestürzt oder schwer beschädigt. Besonders betroffen ist die Küstenregion La Guaira nördlich von Caracas.
„Jetzt hat oberste Priorität, das Leben wieder aufzubauen“, sagt der Erzbischof von Caracas, Raúl Biord Castillo, gegenüber KIRCHE IN NOT. Zwar müssten die materiellen Schäden beseitigt werden, mindestens ebenso wichtig sei jedoch die Begleitung der Überlebenden, von denen viele Angehörige verloren haben und schwer traumatisiert sind. Die seelischen Wunden würden Venezuela noch lange begleiten. „Dies wird in den kommenden Monaten eine der größten Prioritäten für die Diözese sein: diejenigen zu unterstützen und auszubilden, die in erster Reihe die Menschen geistlich und psychologisch begleiten“, erklärte Biord.

Genau hier setzt die Hilfe von KIRCHE IN NOT an. Das Hilfswerk unterstützt Priester, Ordensleute und ehrenamtliche Seelsorger, die – obwohl viele von ihnen selbst von der Katastrophe betroffen sind – Familien aufnehmen, Verletzte in Krankenhäusern besuchen und den Menschen in den zerstörten Gemeinden Hoffnung geben. Zugleich wird gemeinsam mit den Diözesen der Bedarf für den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude ermittelt.
Wie sehr die Kirche den Menschen gerade jetzt Halt gibt, zeigen die Berichte aus den betroffenen Gemeinden. Als während einer Messfeier im Bistum Petare im Großraum Caracas die Erde zu beben begann, verließen die Gläubigen die Kirche. Pfarrer Ignacio Caleya brach den Gottesdienst jedoch nicht ab, sondern setzte ihn auf der Straße fort. Bewohner umliegender Häuser und Patienten eines benachbarten Krankenhauses schlossen sich spontan der Eucharistiefeier an. Aus einer Evakuierung wurde so ein Zeichen der Hoffnung mitten in der Katastrophe.

Gleichzeitig erleben viele Seelsorger unvorstellbares persönliches Leid. Ein Priester aus La Guaira begleitet täglich obdachlos gewordene Familien, obwohl mehrere Mitglieder seiner eigenen Familie – darunter seine dreijährige Nichte – weiterhin vermisst werden. Dennoch geht er jeden Tag auf die Straßen, um mit den Menschen zu beten und ihnen Trost zu spenden.
Auch in den Krankenhäusern werden Priester mit Schicksalen konfrontiert, die selbst erfahrene Seelsorger an ihre Grenzen bringen. Erzbischof Biord berichtet von einer Mutter, die nach der Amputation beider Beine lächelnd sagte: „Ich lebe. Alles wird gut.“ Eine andere Mutter bat ihn lediglich, für ihre beiden verstorbenen Kinder zu beten. „Die Realität ist verheerend“, fasst ein Priester seine Eindrücke zusammen.

Dass die Kirche trotz allem Hoffnung schenkt, zeigt auch das Priesterseminar in La Guaira, das KIRCHE IN NOT seit vielen Jahren unterstützt. Die Seminarkirche ist völlig zerstört, die Wohngebäude schwer beschädigt. Obwohl sich alle Seminaristen während des Bebens im Gebäude befanden, kam niemand ums Leben. „Man kann von einem Wunder sprechen“, sagt Erzbischof Biord. Das Gebäude ist allerdings unbewohnbar; die Seminaristen haben nahezu ihren gesamten Besitz verloren und sind derzeit in Caracas untergebracht.
„Wir stehen erst am Anfang eines langen Weges“, sagte Erzbischof Biord. „Ich bin KIRCHE IN NOT und allen dankbar, die uns jetzt beistehen. Der Bedarf ist groß, um unser Land wiederaufzubauen.“
Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat im Jahr 2025 weltweit Spenden in Höhe von 145,8 Millionen Euro erhalten – das ist ein Plus von rund fünf Prozent im Vorjahresvergleich. Mit diesen Einnahmen konnte KIRCHE IN NOT 5368 Hilfsprojekte in 141 Ländern unterstützen.
Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei die Wohltäter in Österreich: Hier erzielte KIRCHE IN NOT 2025 ein Spendenergebnis von 4,1 Millionen Euro (2024: 3,6 Millionen). Trotz anhaltender Unsicherheiten sind die Einzelspenden in Österreich sogar leicht gestiegen, wie der Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich, Tobias Pechmann, erläuterte: „Die Großherzigkeit unserer Wohltäter ist überwältigend. Wir sehen darin auch eine starke Solidarität mit den Teilen der Weltkirche, die trotz Armut oder Verfolgung wachsen. Diese enge Verbundenheit, auch im Gebet für die leidenden Christen, ist ermutigend und ein Wesensmerkmal unserer Wohltäter.“
Die Arbeit von KIRCHE IN NOT finanziert sich rein aus privaten Spenden und erhält keine österreichweiten Kirchensammlungen, lediglich Kollekten einzelner Pfarren, die sich für arme und verfolgte Christen engagieren; die Spenden werden in den 24 Nationalbüros des Hilfswerks gesammelt.

„Unsere Wohltäter machen konkrete Hilfe für die Kirche dort möglich, wo Menschen unter Krieg, Verfolgung, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung leiden“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. „Ihre Unterstützung hilft, Hoffnung zu geben – oft an Orten, an denen die Kirche für viele Menschen die letzte verlässliche Struktur geblieben ist.“
Zu den am stärksten unterstützten Ländern zählten Indien, die Ukraine, der Libanon und Syrien. In dieser Region floss der Großteil der Nothilfe in die Bewältigung der Folgen anhaltender bewaffneter Konflikte.
Regional lag der Schwerpunkt der Projektförderung erneut in Afrika, das 34,5 Prozent der weltweiten Hilfen erhielt. Gründe dafür sind unter anderem die Ausbreitung islamistischer Gewalt, Fluchtbewegungen und das starke Wachstum kirchlicher Gemeinschaften. Besonders intensiv unterstützte KIRCHE IN NOT Länder wie Burkina Faso, Niger und Mali.
19,1 Prozent der Hilfe ging an die Kirche in Asien, 17,1 Prozent erhielt der Nahe Osten, Lateinamerika 16,4 Prozent und 12,8 Prozent Europa – hier gingen die Hilfen zum allergrößten Teil in die Ukraine.

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT profitierten im vergangenen Jahr weltweit über 40 000 Priester von der Unterstützung durch Messstipendien – statistisch gesehen etwa jeder zehnte Priester weltweit. Insgesamt wurden fast 1,9 Millionen Messstipendien vergeben – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Hilfswerks. Messstipendien sind freiwillige Gaben für die Feier der heiligen Messe, oft verbunden mit einem bestimmten Anliegen. In Ländern, in denen Priester wenig oder gar keinen Lohn erhalten, sind diese Beiträge lebenswichtig.
Darüber hinaus unterstützte KIRCHE IN NOT die Ausbildung von über 13 000 Seminaristen, also jeden achten Priesteramtskandidaten weltweit. Schwerpunkt der Förderung war Afrika: Dort erhielten mehr als 8 300 Seminaristen Unterstützung.
Auch Ordensgemeinschaften wurden umfangreich gefördert: Rund 20 000 Ordensschwestern profitierten direkt oder indirekt von Projekten des Hilfswerks – etwa durch Ausbildungsförderung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.
Neben pastoralen Projekten finanzierte KIRCHE IN NOT weltweit den Bau und die Renovierung kirchlicher Einrichtungen, die Ausbildung von Katecheten sowie die Verteilung religiöser Literatur. Insgesamt wurden über eine halbe Million religiöse Bücher bereitgestellt, darunter mehr als 111 000 Bibeln sowie über 214 000 Ausgaben des Jugendkatechismus YOUCAT.
Der Finanzbericht von KIRCHE IN NOT weist aus, dass 78,7 Prozent der Gesamtausgaben für „missionsbezogene Aktivitäten“ verwendet wurden: Das sind die konkreten Projekte, sowie Aufwendungen für Information, Glaubensverkündigung und Interessenvertretung für die verfolgte und leidende Kirche. Für Verwaltung wurden 8,5 Prozent, für Wohltäterbetreuung und Fundraising 12,8 Prozent aufgewendet.
KIRCHE IN NOT (ACN) ist eine katholische Hilfsorganisation, die 1947 als Solidaritätsaktion für Vertriebene gegründet wurde. Seit 2011 ist sie eine Päpstliche Stiftung. KIRCHE IN NOT widmet sich durch Information, Gebet und Hilfe Christen überall dort, wo Unterdrückung und Verfolgung herrschen oder zu wenig Geld für die Seelsorge vorhanden ist.

Nach den schweren Erdbeben in Venezuela ruft KIRCHE IN NOT zum Gebet für die betroffenen Menschen auf und kündigt schnelle Unterstützung für die Kirche vor Ort an. Die beiden Erdstöße ereigneten sich am frühen Abend des 24. Juni (Ortszeit). Nach Angaben der örtlichen Kirche erreichten sie eine Stärke von 7,2 beziehungsweise 7,5 und verursachten Todesopfer sowie erhebliche Schäden an Häusern, öffentlichen Gebäuden und kirchlichen Einrichtungen. Tausende Menschen trauten sich zunächst nicht, in ihre Wohnungen zurückzukehren.
Besonders betroffen sind nach Angaben der lokalen Partner von KIRCHE IN NOT auch zahlreiche kirchliche Einrichtungen. Viele von ihnen haben trotz erheblicher Schäden ihre Türen geöffnet, um Familien aufzunehmen, die nicht in ihre Häuser zurückkehren können.
Der Erzbischof der venezolanischen Hauptstadt Caracas, Raúl Biord Castillo, verschaffte sich unmittelbar nach den Beben einen Überblick über die Lage. „Ich bin gerade von einem Besuch mehrerer Pfarren zurückgekehrt. Viele von ihnen weisen schwere strukturelle Schäden auf“, berichtete er gegenüber KIRCHE IN NOT. Besonders betroffen seien die Kathedrale von Caracas sowie zahlreiche weitere Pfarren. Aufgrund von Strom- und Internetausfällen sei das volle Ausmaß der Schäden jedoch noch nicht absehbar.

Auch die Diözese La Guaira, der bedeutendsten Hafenstadt Venezuelas, wurde schwer getroffen. Bischof Pablo Modesto González Pérez erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass das Priesterseminar der Diözese, das seit Jahren von KIRCHE IN NOT unterstützt wird, erhebliche Schäden erlitten habe: „Im Seminar sind viele Mauern eingestürzt.“ Die Seminaristen mussten evakuiert werden. Sie warten auf einem Parkplatz, während die Statik ihres Wohngebäudes geprüft wird. Mehrere Kirchen in der Region seien ebenfalls beschädigt worden.
Nach Angaben der Ortskirche wurden bereits erste Hilfsmaßnahmen gestartet. Viele Gemeinden hätten Menschen aufgenommen, die die Nacht nicht in ihren Wohnungen verbringen konnten. Gleichzeitig laufen technische Prüfungen, um zu entscheiden, welche Kirchengebäude wieder genutzt werden können.

KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit der Kirche in Venezuela. Die genaue Schadenshöhe und die dringendsten Bedarfe werden derzeit noch erhoben. Schon jetzt steht jedoch fest, dass das Hilfswerk die Kirche in Venezuela bei der Bewältigung der Folgen der Erdbeben unterstützen wird.
Marco Mencaglia, Projektdirektor von KIRCHE IN NOT, erklärte: „Venezuela ist seit vielen Jahren ein Schwerpunktland unseres Hilfswerks. Jetzt haben die Menschen Vorrang. Die Kirche tut in dieser Krise das, was sie immer tut: Sie öffnet ihre Türen, begleitet diejenigen, die alles verloren haben, und bringt Hoffnung dorthin, wo Angst eingezogen ist.“ KIRCHE IN NOT ruft dazu auf, für die Menschen in Venezuela zu beten und die Hilfe für die Kirche vor Ort zu unterstützen.
Mit einer internationalen Petition ruft KIRCHE IN NOT Regierungen und internationale Organisationen dazu auf, das Menschenrecht auf Religionsfreiheit weltweit stärker zu schützen. Bereits mehr als 20 000 Menschen haben die Initiative unterschrieben. Die nächste Zielmarke liegt laut KIRCHE IN NOT bei 100 000 Unterschriften.
Die Petition fordert die konsequente Umsetzung von Artikel 18 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, der jeder Person das Recht garantiert, ihren Glauben frei zu wählen, zu praktizieren und zu wechseln. Die Unterschriftenaktion richtet sich insbesondere an internationale Institutionen, demokratische Regierungen und diplomatische Vertreter.
Konkret fordert die Initiative unter anderem, Religionsfreiheit stärker als Priorität in der Außenpolitik zu verankern, bedrohte religiöse Gemeinschaften besser zu schützen und Menschen, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, rechtliche sowie humanitäre Unterstützung zu gewähren.
Unterzeichnen können Menschen aller Religionen sowie alle, die sich für Menschenwürde und grundlegende Freiheitsrechte einsetzen. Mit der Petition will KIRCHE IN NOT die Öffentlichkeit sensibilisieren und politische Entscheidungsträger dazu bewegen, entschlossener gegen religiöse Verfolgung vorzugehen.

Die Initiative wurde im Oktober 2025 anlässlich der Veröffentlichung des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT gestartet. Die Studie zeigt, dass Milliarden Menschen in Staaten leben, in denen das Recht auf Religionsfreiheit verletzt, eingeschränkt oder bedroht ist.
Die Unterschriftensammlung soll bis November 2026 fortgesetzt werden. Den Abschluss bildet die von KIRCHE IN NOT initiierte Aktion „Red Wednesday“, bei der Kirchen, öffentliche Gebäude und Denkmäler weltweit rot beleuchtet werden, um auf Christenverfolgung und andere Verletzungen der Religionsfreiheit aufmerksam zu machen.

Der diesjährige „Red Wednesday“ findet am 18. November statt, der Aktionszeitraum für rote Beleuchtung, Gottesdienst und Aktion erstreckt sich jedoch über die gesamte Woche. Auch in Österreich haben in den vergangenen Jahren immer mehr Pfarren, Klöster und andere Einrichtungen beim „Red Wednesday“ mitgemacht – 2025 hatten sich 234 bei KIRCHE IN NOT registriert. Nach dem diesjährigen „Red Wednesday“ sollen die Unterschriften politischen Entscheidungsträgern und internationalen Institutionen wie den Vereinten Nationen und dem Europäischen Parlament übergeben werden.
Bei einem Besuch am internationalen Hauptsitz von KIRCHE IN NOT (ACN) in Königstein im Taunus betonte der neue Präsident der päpstlichen Stiftung, Kurt Kardinal Koch, die grundlegende Bedeutung dieses Menschenrechts. In Anlehnung an Worte von Papst Leo XIV. erklärte er, Religionsfreiheit sei ein „Grundpfeiler der Menschenwürde und jeder gerechten Gesellschaft“.

„Auch heute leiden Millionen Menschen unter Diskriminierung, Gewalt und Unterdrückung wegen ihres Glaubens“, sagte Kardinal Koch. „Doch selbst wenn sie kleine und schutzbedürftige Minderheiten sind, bleiben Christen in ihren Heimatländern Friedensstifter. Religionsfreiheit ist ein Menschenrecht, kein Privileg.“
Unterstützt wird die Initiative auch von Kirchenvertretern aus Ländern, in denen Christen verfolgt oder bedrängt sind, darunter der syrisch-katholische Erzbischof Jacques Mourad aus Homs (Syrien) und Bischof Matthew Hassan Kukah aus Sokoto (Nigeria).
Der kürzlich ernannte Präsident von KIRCHE IN NOT, Kurt Kardinal Koch, hat die Internationale Zentrale des Hilfswerks in Königstein im Taunus besucht. Er kam dort mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, besuchte die Räumlichkeiten und feierte eine heilige Messe in der Hauskapelle.
Er freue sich, „Präsident dieser wunderbaren Organisation zu sein“ und ermutigte die Anwesenden, die Christen in Not nicht nur materiell, sondern auch geistlich zu unterstützen. Das Wichtigste sei, an sie zu denken und für sie zu beten.
„Wir haben die große Freude, die großartige Botschaft Jesu Christi empfangen zu haben und diese Botschaft weitergeben zu dürfen, damit Menschen in Freude leben können. Doch viele Menschen befinden sich in Schwierigkeiten und großer Not. Es ist unsere Aufgabe, ihnen zu helfen, indem wir sie materiell unterstützen und ihnen das Geschenk des Glaubens, des Evangeliums anbieten.“
Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankte Kardinal Koch ihnen ausdrücklich für deren intensives Engagement und den Einsatz für die Religionsfreiheit. Sie sei ein wichtiges Thema und eine große Herausforderung. Gleichzeitig verwies er auf die Dringlichkeit der Neuevangelisierung in den westlichen Ländern, „denn der Glaube ist in einigen unserer Regionen sehr schwach“.

Neben seiner neuen Aufgabe als Präsident von KIRCHE IN NOT ist Kardinal Koch beim Heiligen Stuhl langjähriger Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Bei seinem Besuch verwies er auf die Ähnlichkeit zwischen den Aufgaben des Dikasteriums und dem Auftrag des Hilfswerks: Beide hätten eine ökumenische und soziale Dimension und befassten sich mit den verschiedenen Ausdrucksformen des Christentums.
„Wir haben viele Unterschiede, eine große Vielfalt, aber wir brauchen einen gemeinsamen Geist. Ohne diesen gemeinsamen Geist können wir unsere Konflikte und Kriege nicht überwinden“, mahnte Kardinal Koch. Nur wenn die Kirche trotz aller Unterschiede geeint sei, kann sie ein Zeichen und Werkzeug für die Gesellschaft und die Welt sein.
Der aus der Schweiz stammende Kardinal ist dem Hilfswerk bereits lange verbunden. Nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Deutschland war er in der Vergangenheit bereits mehrfach Gast bei Veranstaltungen.

Das Dikasterium für den Klerus hat den Wiener Pfarrer Stefan Reuffurth zum neuen geistlichen Assistenten für das katholische pastorale Hilfswerk KIRCHE IN NOT Österreich ernannt.
Der geistliche Assistent begleitet die Arbeit von KIRCHE IN NOT insbesondere auf geistlicher und pastoraler Ebene, etwa in der Begleitung von Mitarbeitern und Wohltätern, dem Spenden von Sakramenten sowie bei der kirchlichen Verankerung des Werks. Pfarrer Stefan Reuffurth folgt auf Pater Martin Rauch SJ, der bis 2025 geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT gewesen ist.
In seiner neuen Aufgabe sieht Pfarrer Reuffurth eine besondere Verbindung von Seelsorge und Solidarität: „KIRCHE IN NOT macht sichtbar, dass die Kirche eine weltweite Gemeinschaft ist, in der das Leid der einen nicht von den anderen getrennt werden kann. Mit über 5000 pastoralen Projekten wird durch KIRCHE IN NOT in über 1400 Diözesen weltweit der Glaube gestärkt und die Verkündigung der frohen Botschaft unterstützt. Es ist mir ein großes Anliegen, die pastorale Dimension dieses Dienstes hier in Österreich zu stärken – im Gebet, im Zeugnis des Glaubens und der Märtyrer sowie in der konkreten Hilfe für unsere Schwestern und Brüder in Not.“

„Dass Stefan Reuffurth unsere Arbeit für KIRCHE IN NOT mit Rat, Tat und Gebet unterstützen wird, freut mich sehr. Er hat ein großes Herz für die arme, leidende und verfolgte Kirche weltweit. Uns verbindet der Wunsch, Solidarität mit der leidenden Kirche zu üben sowie die Schönheit und Kraft des Glaubens der wachsenden Weltkirche den Menschen in Österreich nahzubringen. Wir stehen als katholisches Hilfswerk im Dienst der Kirche und wollen gemeinsam mit Stefan Reuffurth die Arbeit von KIRCHE IN NOT mehr Menschen in Österreich bekannt machen“, Tobias Pechmann, Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich.
Pfarrer Stefan Reuffurth ist Diözesanpriester der Erzdiözese Wien. Er wurde 1967 in Hanau (Deutschland) geboren und studierte katholische Theologie in Wien und am Boston Theological Institute (USA). Nach seiner Priesterweihe 1999 arbeitete er unter anderem als Kaplan im burgenländischen Loretto und absolvierte weiterführende Studien in Moraltheologie an der Päpstlichen Akademie Alfonsiana in Rom. Seit 2007 ist er Pfarrer der Pfarre „Zum Guten Hirten“ in Wien-Hietzing, seit 2009 zudem Dechant des Stadtdekanats 13 sowie Pfarrer der Pfarren Unter St. Veit – Zum Guten Hirten und Ober St. Veit.
KIRCHE IN NOT lädt zu einem Weltgebetstag für den Frieden in Myanmar ein. Dieser wird am Sonntag, 1. Februar, stattfinden, dem fünften Jahrestag des Militärputsches in dem südostasiatischen Land. KIRCHE IN NOT lädt Wohltäter, Freunde und Projektpartner dazu ein, sich der Gebetsinitiative anzuschließen. Zudem ruft das Hilfswerk dazu auf, den Gebetsauruf in den sozialen Netzwerken zu teilen.
„Wir sind tief betroffen von der Situation in Myanmar“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), Regina Lynch, am internationalen Sitz des Hilfswerks in Königstein im Taunus. Die Menschen litten unter Bombenangriffen, Hunger, fehlendem Strom und Armut. Priester und Ordensleute seien häufig tagelang unterwegs, um entlegene Gemeinden zu erreichen – oft unter Lebensgefahr. „Trotz allem setzen sie ihre Arbeit fort“, betonte Lynch. „Sie danken für die Unterstützung und bitten uns: ,Bitte betet für uns und unser Volk.’ Genau das wollen wir tun.“

KIRCHE IN NOT hat auch als Anregung ein Gebet für die Gläubigen in den Konfliktgebieten in Myanmar veröffentlicht:
Herr der Barmherzigkeit,
wir bringen dich im Gebet zu den Gläubigen von Myanmar,
zu denen, die im Dschungel leben und sich vor Kämpfen und Konflikten verstecken,
zu denjenigen, die ihre Heimat verlassen und einen sicheren Zufluchtsort suchen mussten.
Wir beten für die Priester und Ordensschwestern,
die trotz der Gefahren
weiterhin halbleere Dörfer besuchen,
weil sich die Menschen aus Angst vor Angriffen in den Wäldern verstecken.
Wir bitten dich, dass sie sich bei jeder Feier der heiligen Messe
von deinem Geist der Stärke leiten lassen.
Bei ihren Besuchen errichten sie einfache Altäre mit dem, was sie bei sich haben,
manchmal sogar auf einem Bambuskorb.
Dort feiern sie die Eucharistie und Taufen, nehmen Beichten ab,
beten den Rosenkranz, trösten die Kranken, segnen ihre Zelte
und werden zu Werkzeugen deines Friedens.
Höre auf den Schmerz und das Leid dieses Volkes,
höre die Gebete der Menschen voller Kummer und Hoffnung.
Herr, wir bitten dich,
beschütze sie, kümmere dich um ihre Familien, die auf ihre Rückkehr warten
und versorge sie mit dem Lebensnotwendigen.
Mögen sie sich niemals verlassen fühlen,
mögen sie in allem Leid deine Kraft finden.
Amen.

KIRCHE IN NOT regt an, neben dem Frieden auch in weiteren Anliegen zu beten. Dazu zählen die Menschen, die vertrieben wurden und in Verstecken leben, die Jugend Myanmars, die Ordensleute, die ihr Leben riskieren, um Hilfe zu leisten, und die jungen Menschen, die sich inmitten des Leids auf den Priesterberuf oder das Ordensleben vorbereiten.
Pfarren, Gruppen oder Einzelpersonen, die an dem Gebetstag teilnehmen wollen, können eine Anbetungsstunde vor dem Allerheiligsten halten, ein Rosenkranzgeheimnis in den Anliegen der Menschen in Myanmar beten oder Kerzen für den Frieden entzünden.
Angesichts der sozialen und politischen Unsicherheit in Venezuela, die insbesondere durch die aktuellen Ereignisse in dem südamerikanischen Land geprägt ist, bekräftigt KIRCHE IN NOT sein Engagement für die Kirche und die Menschen vor Ort. Neben Gebet und Solidarität gebe es auch konkrete Hilfe, teilte KIRCHE IN NOT mit.
Nach Jahren wirtschaftlicher, sozialer und humanitärer Krisen stehe das Land vor komplexen Herausforderungen. Viele Menschen kämpften ums Überleben. Die politischen Entwicklungen in den vergangenen Tagen hätten diese Angst und Unsicherheit der Bevölkerung weiter geschürt.
Die Venezolanische Bischofskonferenz hat die Gläubigen unterdessen zu Besonnenheit und zum Gebet für Frieden und Einheit im Land aufgerufen. Sie betonte, dass sie jede Form von Gewalt ablehne, und ermutigte zu Entscheidungen, die dem Gemeinwohl dienen.
Die Kirche in dem südamerikanischen Land ist für viele Menschen „eine zentrale Quelle der Hoffnung“, so KIRCHE IN NOT. Sie biete den Gläubigen „spirituelle Nahrung, seelsorgerische Begleitung und soziale Unterstützung“. KIRCHE IN NOT steht der Kirche in Venezuela seit ihren Anfängen zur Seite und unterstützt beispielsweise mit Messstipendien und materiellen Hilfen, die das sakramentale Leben und die pastorale Präsenz der Kirche im Land aufrechterhalten.

Eines der bedeutendsten Projekte von KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren war das Wallfahrtszentrum in der Siedlung „Ciudad Chavez“ nahe der Hauptstadt Caracas. Dieses ist José Gregorio Hernández, dem ersten venezolanischen Heiligen, gewidmet, der im Land besonders verehrt wird. Er wurde erst im Oktober 2025 von Papst Leo XIV. heiliggesprochen.
KIRCHE IN NOT ruft die weltweite katholische Gemeinschaft auf, weiterhin für Venezuela zu beten.
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„Ich sehe jetzt, welche Rolle KIRCHE IN NOT hier spielt, und das ist sehr gut.“ Mit diesen Worten dankte Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin für den Einsatz unseres Hilfswerks in Mosambik. Der „Außenminister des Vatikans“ hatte Anfang Dezember die umkämpfte Provinz Cabo Delgado im Norden des südostafrikanischen Landes besucht. Seit 2017 kommt es dort zu Angriffen dschihadistischer Gruppen. UN-Schätzungen gehen von über 6000 Toten und mehr als einer Million Vertriebenen aus.
Die Gewalt richtet sich gegen die gesamte Bevölkerung, die kirchlichen Stellen berichten aber auch von gezielten Übergriffen auf Christen. Bischof Antonio Juliasse von der lokalen Diözese Pemba berichtete beim Besuch der Vatikan-Delegation, dass in den vergangenen Jahren über 300 Katholiken ermordet worden seien, 2025 seien es 34 gewesen. Die meisten der Opfer wurden enthauptet. Der Bischof betonte, der Kardinalstaatsekretär habe bei seinem Aufenthalt Gelegenheit bekommen, aus erster Hand zu erfahren, was es bedeute „Kirche im Kontext dschihadistischer Gewalt zu sein, eine verfolgte und leidende Kirche“.

Kardinal Parolin zeigte sich sichtlich bewegt, als er bei einer Begegnung mit Gläubigen unter anderem die Geschichte eines Christen hörte, der drei Brüder und einen Onkel bei terroristischen Überfällen verloren hat. Mehrere Ordensleute berichteten, welcher Lebensgefahr sie täglich ausgesetzt sind. „Ich bin gekommen, um euch allen zu sagen, dass Ihr nicht allein seid“, erklärte Parolin den Teilnehmern zufolge. „Euer Leiden, eure Ängste, aber auch eure Hoffnungen liegen der Kirche am Herzen.“ Auch Papst Leo XIV. gehe die Situation in Mosambik zu Herzen, betonte der vatikanische Staatssekretär.
KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt die Diözese Pemba seit Beginn der Terrorwelle. Unser Hilfswerk unterstützt unter anderem kirchliche Flüchtlingslager und die Versorgung von Vertriebenen in Pfarreien. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der Schulung von Priestern und Ordensleuten, die traumatisierten Menschen pastoral und psychologisch beistehen. Parolin betonte bei der Begegnung, dass er mit KIRCHE IN NOT in seiner Zeit als Nuntius in Venezuela von 2009 bis 2013 eng zusammengearbeitet habe. Mit Blick auf die Lage in Mosambik erklärte der Kardinal: „Bitte helfen Sie diesen Gemeinden, die so bedürftig sind, auch weiterhin. Wir müssen diesen Menschen konkret die Solidarität der Weltkirche zeigen, und genau das tun Sie.“

Kardinal Parolin hielt sich mit einer vatikanischen Delegation vom 5. bis 10. Dezember in Mosambik auf, zwei Tage davon in der umkämpften Region Cabo Delgado. Anlass der Reise war der 30. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Mosambik und dem Heiligen Stuhl. Vorausgegangen war das Ende eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs; die katholische Kirche in Mosambik hatte beim Abschluss eines Friedensvertrags vermittelt.
Rund 60 Prozent der knapp 34 Millionen Einwohner Mosambiks sind Christen; im Norden des Landes sind sie eine Minderheit. Der im Oktober veröffentlichte Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT stuft Mosambik in die „Kategorie rot“ für schwere Verfolgung ein und bilanziert: „Insbesondere 2024 kam es zu einer drastischen Eskalation antichristlicher Gewalt (…). Vor dem Hintergrund des expandierenden Einflusses dschihadistischer Gruppen, der politischen Unruhen und einem schwachen Staat in einem Großteil des Nordens des Landes sind die Bedingungen für Menschenrechte und Religionsfreiheit weiterhin sehr prekär.“

KIRCHE IN NOT startet in Kooperation mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem ein neues Projekt für die christliche Minderheit im Heiligen Land: KIRCHE IN NOT wird die Schulgebühren für 800 christliche Kinder an katholischen Schulen in Israel und den Palästinensischen Gebieten finanzieren.
Obwohl Christen nach Juden und Muslimen die kleinste der drei großen Religionsgemeinschaften im Heiligen Land sind, ist die katholische Kirche der größte konfessionelle Schulträger. „Wir haben mehr als 20 000 Kinder und Jugendliche an den kirchlichen Schulen“, betonte der Kanzler des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Davide Meli, bei einem Besuch der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.
Auch nicht christliche Eltern schätzten das Bildungsangebot der katholischen Kirche. „Unsere Schulen bieten Möglichkeiten für Angehörige verschiedener Glaubensrichtungen, sich zu respektvoll zu begegnen und Beziehungen aufzubauen, die ein Leben lang halten“, betonte Meli.
George Akroush, Projektkoordinator des Lateinischen Patriarchats, hob hervor, dass die Schulen ein zentraler Faktor seien, weshalb christliche Familien trotz der aktuellen Schwierigkeiten sich dazu entschließen würden, im Heiligen Land zu bleiben. „Können Eltern ihren Kindern keine gute Bildung mehr bieten, werden sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auswandern“, sagte Akroush. Doch gerade viele junge Christen seien entschlossen, sich ihr Leben im Heiligen Land aufzubauen.

Doch die Auswirkungen der Covid-19-Pandeme auf den Pilger- und Tourismussektor, die politisch aufgeheizte Lage und vor allem der Gaza-Krieg infolge des islamistischen Terrors habe die Christen hart getroffen. „Im Westjordanland liegt die Arbeitslosenquote unter den Christen bei 72 Prozent, sie sind nahezu mittelos“, erklärte Akroush.
Das Lateinische Patriarchat stehe vor einem Dilemma: Viele Familien könnten die Schulgebühren für ihre Kinder nicht mehr zahlen. Die Kirche könne Lehrer, Unterrichtsmaterial und Gebäude nicht ohne Zuschüsse finanzieren. Eine Schließung der Schulen käme jedoch nicht infrage: „Eine Schule zu schließen ist das gleiche wie eine Pfarre zu schließen, das wäre das Ende des christlichen Lebens“, betonte der Projektverantwortliche.
Der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, habe sich deshalb zu einer „Option der Hoffnung“ entschlossen, inspiriert vom Heiligen Jahr der katholischen Kirche, das 2025 begangen wird: „Da zur Praxis des Jubiläumsjahres gehört, Schulden zu erlassen, hat der Patriarch beschlossen, den Familien alle aufgelaufenen Schulden zu erlassen – mit Ausnahme derjenigen für das aktuelle Schuljahr.“ Dieser Schuldenerlass habe zwar aus finanzieller Sicht „für einige Unruhe gesorgt, aber er war das Richtige“, zeigte sich Davide Meli überzeugt. Für viele Christen bedeute dieser Schritt eine enorme Erleichterung.

Wie die beiden Verantwortlichen des Patriarchats betonten, hätten sich in der Folge zahlreiche Einzelpersonen und Organisationen bereit erklärt, die katholischen Schulen im Heiligen Land intensiver zu unterstützen – darunter auch KIRCHE IN NOT.
Dies sei ein wichtiges Signal für die die Christen in der Heimat Jesu, betonte Kanzler Meli: „Viele unserer Familien hatten und haben große Sorgen“, doch diese Hilfsbereitschaft sei „ein Zeichen der Würde: dass die Kirche zu ihnen steht, dass sie sich um die Christen im Heiligen Land kümmert – denn Jerusalem ist die Heimat aller Gläubigen.“