In der besetzten südostukrainischen Hafenstadt Berdjansk sind zwei katholische Priester von russischen Einheiten festgenommen worden. Den Geistlichen wird vorgeworfen, Waffen und Sprengstoff besessen und einen „terroristischen Akt“ vorbreitet zu haben. Dies teilte der Bischof des ukrainischen griechisch-katholischen Exarchats Donezk, Stepan Meniok, in einem Schreiben an KIRCHE IN NOT mit.
Bei den beiden Inhaftierten handelt es sich um die Patres Ivan Levytsky und Bohdan Heletta. Sie gehören der Ordensgemeinschaft der Redemptoristen an und sind einige der wenigen katholischen Geistlichen, die in den von Russland besetzen Gebieten tätig sind.
Pater Ivan leitete die Pfarre „Mariä Geburt“ in Berdjansk; Pater Bohdan war dort als Kaplan tätig. Sie betreuten die verbliebenen Katholiken, die sowohl dem lateinischen als auch dem ostkirchlichen Ritus angehören. Lokalen Berichten zufolge wurden die Ordensmänner wegen mutmaßlicher terroristischer Aktivitäten in einem Untersuchungsgefängnis in Berdjansk interniert.

Bischof Stepan Meniok wies in seiner Mitteilung die Vorwürfe gegen die beiden Geistlichen als falsch zurück. Die Verhaftung sei „grundlos und rechtswidrig“ erfolgt. Es handle sich um ein organsiertes Manöver zu Propagandazwecken: „Zum Zeitpunkt der Durchsuchung der Kirche und des Pfarrhauses waren die beiden Priester bereits in Haft. Das heißt, sie konnten das Vorgehen der russischen Soldaten in keiner Weise verfolgen und können deshalb keine Verantwortung für die angeblich bei ihnen gefunden Waffen übernehmen. Das ist eine klare Verleumdung.“
Die beiden Ordenspriester seien seit mehr als drei Jahren in der Stadt Berdjansk tätig, die in Folge der russischen Invasion in der Ukraine unter Besatzung steht. Berdjansk liegt am Asowschen Meer, etwa 80 Kilometer südlich von Mariupol.

Bischof Meniok rief dazu auf, die Verletzung grundlegender Menschenrechte international bekannt zu machen und so auf eine Freilassung der inhaftierten Geistlichen hinzuwirken: „Wir appellieren an die Behörden und alle Menschen guten Willens, sich diesem Anliegen anzuschließen und wir bitten um ein verstärktes Gebet.“
KIRCHE IN NOT hat bereits mehrere Berichte erhalten, wonach die russischen Einheiten in den eroberten Gebieten massiv gegen die lokale Bevölkerung vorgehen. So hatte der römisch-katholisch Bischof Pawlo Honcharuk aus Charkiw bereits im August im Gespräch mit dem Hilfswerk von sogenannten Filtrationslagern in den besetzten Gebieten berichtet: „Wenn jemand etwas gegen eine Frau hat, denkt er sich Verdächtigungen gegen sie aus, und sie wird sofort inhaftiert und von ihren Kindern getrennt. Es gibt viele solcher tragischen Geschichten.“
Am Internationalen Tag für die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen macht KIRCHE IN NOT auf das Leid christlicher Frauen in Ländern aufmerksam, in denen sexuelle Gewalt als Waffe gegen religiöse Minderheiten eingesetzt wird, und fordert die nationalen Regierungen und internationalen Organisationen auf, mehr gegen die zunehmende Zahl dieser Übergriffe zu unternehmen, die oft ungestraft bleiben und die Befürchtung nähren, dass sie Teil einer fundamentalistischen Strategie sind, um das Verschwinden bestimmter religiöser Gruppen aus den jeweiligen Ländern zu beschleunigen.
„Wenn schon der Glaube an Jesus Christus in vielen Teilen der Welt eine ernsthafte Bedrohung darstellt, ist es noch schwieriger, eine Christin zu sein. In vielen Ländern, in denen religiöse Verfolgung immer noch weit verbreitet ist, wird Gewalt gegen Frauen oft als Waffe der Diskriminierung eingesetzt“, sagt Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT. „Im zu Ende gehenden Jahr gab es wieder mehr Fälle, in denen christliche Frauen und Mädchen entführt und gezwungen wurden, zu konvertieren und Männer anderer Religionen zu heiraten.“

Michelle Clark, eine Wissenschaftlerin, die sich intensiv mit diesem Phänomen, insbesondere in Bezug auf Ägypten, beschäftigt hat, sagt, dass diese Angriffe Teil eines größeren Trends sind. „Das ist leider kein neues Phänomen. Aber die Attacken auf Christinnen haben zugenommen – und ja, es hat mit Religion zu tun. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Übergriffe sehr genau geplant werden. Sie haben Methode. Es werden mehr Fälle registriert. Aber es gibt auch eine hohe Dunkelziffer“, erklärt sie.
Michelle Clark war eine der Expertinnen, die mit KIRCHE IN NOT (ACN) an dem Bericht „Hear her cries“ über Entführung, Zwangskonvertierung und sexuelle Schikanierung von christlichen Frauen und Mädchen mitgearbeitet hat. In einem Interview mit KIRCHE IN NOT erläutert sie die Auswirkungen dieser gezielten Gewalt.
„Es zerreißt nicht nur Familien. Gewalt gegen Christinnen ist eine Waffe im Zermürbungskrieg gegen religiöse Minderheiten. Das hat auch mit der Struktur des islamischen Rechts zu tun. Wenn eine christliche Frau zur Konversion gezwungen wird oder mit einem Muslim verheiratet wird, ist es für sie unmöglich, wieder ihren christlichen Glauben anzunehmen – selbst wenn sie sich befreien kann oder aus der Ehe entlassen wird. Wenn die Frau Kinder hat, werden die Kinder für immer Muslime bleiben. Eine wachsende Zielgruppe, die wir dokumentieren konnten, sind Mütter mit ihren Kindern.

Man nimmt nicht nur eine Person aus der christlichen Volksgruppe heraus, sondern eine Mutter und mit ihr die Nachkommen.“
KIRCHE IN NOT hat Partner vor Ort dabei unterstützt, den Schutz für christliche Frauen in Ländern wie Pakistan zu verbessern, wo die Zahl der Zwangskonvertierungen und -verheiratungen im Jahr 2021 – auch von Hindus und Sikhs – betrug nach Angaben des in Lahore ansässigen Center for Social Justice 78, wobei 38 Fälle Christen betrafen. Einigen Schätzungen zufolge ist die Zahl jedoch weitaus höher; manche gehen davon aus, dass es jedes Jahr bis zu 1000 Fälle gibt.
In einigen Fällen wurden Gesetze erlassen, die zwar auf dem Papier Schutz bieten, an der Realität vor Ort ändert dies jedoch oft nichts.
In Pakistan beispielsweise ist die Heirat von Minderjährigen illegal, dennoch haben mehrere Gerichte in unteren Instanzen Zwangsverheiratungen von minderjährigen Mädchen anerkannt. Mit Hilfe wohlwollender Polizisten und Richter können muslimische Fundamentalisten junge Christinnen entführen und vergewaltigen und behaupten, sie hätten freiwillig in die Konvertierung und Heirat eingewilligt, und dies für gültig erklären lassen. Selbst wenn höhere Gerichte die Entscheidung aufheben, dauert dies seine Zeit, und der erlittene Missbrauch hinterlässt bleibende Narben.

„Der Druck, der von extremistischen Gruppen auf die Gerichte ausgeübt wird, die voreingenommene Haltung der Polizei, die Angst vor Grausamkeiten durch den Entführer und die damit verbundene Stigmatisierung zwingen das Opfer oft dazu, eine Aussage zugunsten ihres Entführers zu machen“, sagt Pater Emmanuel Yousaf von der Nationalen Katholischen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (CCJP) in Pakistan. KIRCHE IN NOT hat sich mit der CCJP zusammengetan, um die Gesetzgebung zum Schutz der Opfer zu stärken.
Saba war 15, als sie in Faisalabad entführt wurde. Ihre Eltern erstatteten Anzeige bei der Polizei, erfuhren aber, dass sie ihren Entführer geheiratet hatte.
„Äußerlich betrachtet ist alles in Ordnung, aber leider stoßen die Familien der betroffenen Mädchen in vielen Fällen auf eine ablehnende Polizeiverwaltung, wenn sie versuchen, einen ersten Informationsbericht über die Entführung oder Vergewaltigung einzureichen“, erklärt Merab Arif vom CCJP. „Die örtliche Polizeistation weigert sich oft einfach, eine Anzeige aufzunehmen. Selbst in den Fällen, in denen es den Eltern gelingt, Anzeige zu erstatten, gelingt es der Polizei oft nicht, das Mädchen zu retten. Außerdem wird oft den Eltern die Konvertierungsbescheinigung zusammen mit der Heiratsurkunde ausgehändigt, bevor sie das Kind zurückbekommen. Und wenn der Fall vor Gericht kommt, zögern die Gerichte ebenfalls, die Mädchen zu schützen, angeblich aufgrund des Drucks gewalttätiger Mobs.“
Islamische Fundamentalisten haben auch Versuche vereitelt, Gesetze zu verabschieden, die Angehörige von Minderheiten besser schützen könnten. Mindestens zwei wichtige Gesetzesentwürfe, das Gesetz zur Verhinderung und zum Schutz vor häuslicher Gewalt (Domestic Violence Prevention and Protection Bill 2020) und das Gesetz zum Verbot von Zwangskonversionen (Prohibition of Forced Conversions Bill 2021), scheiterten an den Einwänden des Rates für Islamische Ideologie.
Saba wurde schließlich gerettet, aber der katholische Priester Pater Khalid Rashid sagt, dass solche Erfolgsgeschichten nicht die Regel sind. „Es ist selten, dass es gelingt, solche Mädchen zurückzubekommen, die Leute geben auf halbem Weg auf, aber wir werden niemals Kompromisse bei der Würde unserer Kinder eingehen.”

Neben Pakistan unterstützt KIRCHE IN NOT überall auf der Welt Projekte, die zur Würde und zum Schutz von Frauen beitragen. Ein Beispiel dafür ist auch Nigeria, wo Frauen, die oft von Terrorgruppen wie Boko Haram missbraucht wurden, unterstützt werden. Bei seinem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT rief Weihbischof John Bakeni aus Maiduguri dazu auf, sich gegen dieses Übel zu wehren: „Als Kirche müssen wir an vorderster Front stehen, wenn es darum geht, diese Probleme anzugehen. Durch die Unterstützung von KIRCHE IN NOT haben wir ein Traumazentrum, das vielen Menschen in den Gemeinden und in den Lagern hilft, insbesondere den Opfern. Die Kirche sieht dies als eine Priorität an, daher stehen wir an vorderster Front und arbeiten mit anderen Akteuren zusammen, um dafür zu sorgen, dass dieses Problem angegangen wird und in unserer Gesellschaft Ablehnung erfährt.“
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Die Ankündigung von Papst Franziskus, seine verschobene Reise in den Südsudan voraussichtlich im kommenden Februar durchführen zu wollen, habe bei den Katholiken im Land „große Freude“ ausgelöst. Das erklärte die portugiesische Missionarin Beta Almendra gegenüber KIRCHE IN NOT. Sie ist in Wau, der zweitgrößten Stadt des Landes, tätig.
Der Papstbesuch sei auch deshalb wichtig, um die internationale Aufmerksamkeit auf den Südsudan zu richten, der erst 2011 seine Unabhängigkeit erlangt hat und seither durch eine extreme Krise geht. „Die Lage ist nicht stabil; wir schaffen es nicht allein“, sagte die Ordensfrau.
Im Südsudan herrscht seit 2013 Bürgerkrieg. Das größte Problem aber sei der Hunger, so Schwester Beta. Nach Angaben von UNICEF leiden rund zwei Drittel der Bevölkerung im Südsudan unter extremer Unterernährung, das sind rund sieben Millionen Menschen. Die Versorgungslage habe sich durch die Covid-19-Pandemie und die ausbleibenden Kornlieferungen infolge des Ukraine-Kriegs noch weiter verschlimmert.

Erschwerend komme hinzu, dass sich einige Hilfsorganisationen aus dem Südsudan zurückgezogen hätten. Dies habe spürbare Folgen, erzählte Schwester Beta: „In einer der Schulen, in denen ich arbeite, haben wir einmal am Tag Essen ausgegeben: für viele Kinder die einzige Möglichkeit, eine Mahlzeit zu bekommen. Aber die Schule musste die Essensausgabe aufgeben, weil kein Geld mehr da war.“ Viele Kinder würden krank, so die Ordensfrau.
In Südsudan kämpfen Anhänger von Präsident Salva Kiir Mayardit und dem früheren Vizepräsidenten Riek Machar erbittert gegeneinander. Hintergrund sind ethnische Konflikte. Internationalen Angaben zufolge sind in dem Konflikt seit 2013 mehr als 400 000 Menschen getötet worden; mehr als zwei Millionen sind geflohen.

Papst Franziskus hatte bereits im Juli 2022 eine Reise in den Südsudan und die Demokratische Republik Kongo geplant, musste diese jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme absagen. Mitte September kündigte er an, die Reisepläne für Februar 2023 wieder aufnehmen zu wollen.
Auf der Afrika-Reise wird der Papst voraussichtlich vom Primas der anglikanischen Kirche, Justin Welby, begleitet werden. Über 60 Prozent der mehr als elf Millionen Einwohner des Südsudan sind Christen. Die meisten von ihnen gehören der anglikanischen und der römisch-katholischen Kirche an.
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In der südukrainischen Stadt Saporischschja beeinträchtigt schwerer Raketenbeschuss die Hilfsaktionen der Albertinerbrüder und anderer kirchlicher Institutionen. Mehrfach sei es in unmittelbarer Nähe der Einrichtungen des Ordens zu schweren Detonationen gekommen. Das teilte der Generalobere der aus Polen stammenden Kongregation, Bruder Franciszek Grzelka, im Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) mit.
Die Albertinerbrüder betreiben in Saporischschja eine Suppenküche, eine Bäckerei und eine Obdachlosenunterkunft. Die Metropole mit rund einer Dreiviertelmillion Einwohner ist die sechstgrößte Stadt der Ukraine. In der Nähe befindet sich das größte Kernkraftwerk Europas, das von russischen Truppen besetzt wurde.
Bruder Franciszek Grzelka hatte kürzlich einen Hilfstransport nach Saporischschja begleitet. Dabei erlebte er einen Raketenangriff in der Nähe des Hauses der Ordensgemeinschaft mit, wie er „Kirche in Not“ berichtete: „In der Nacht gab es in dem Viertel, in dem unser Kloster steht, etwa zehn Explosionen. Die Fenster und Wände im Haus bebten. Wie sich später herausstellte, wurde ein siebenstöckiges Gebäude in unmittelbarer Nähe zerstört. Mehr als ein Dutzend Zivilisten wurden dabei getötet, und es gab etwa 50 Verletzte.“ Das Haus der Albertinerbrüder sei bislang verschont geblieben.

Auch tagsüber habe es mehrfach Fliegeralarm gegeben, zum Beispiel in dem Stadtviertel, in dem sich die Armenküche der Albertinerbrüder befinde. Dies gefährde auch die dortige Arbeit: „Ein Mitbruder sagte mir, dass es bei der Essensausgabe am Vormittag Explosionen in unmittelbarer Nähe gegeben habe. Glücklicherweise wurde keiner der armen Menschen verletzt, die dort anstanden“, sagte Bruder Franciszek. Die Angriffe hätten zugenommen, seit Präsident Putin die Provinz Saporischschja nach einer umstrittenen Volksabstimmung dem russischen Staatsgebiet eingegliedert habe. „Die Front ist nahe, keine 50 Kilometer entfernt. Aber Saporischschja ist nach wie vor in ukrainischer Hand.“
Bei seinem Aufenthalt hatte der Generalobere mit seinen Mitbrüdern im Stadtzentrum Hilfsgüter verteilt; dazu seien etwa 1300 Menschen gekommen, hauptsächlich Frauen und Kinder. „Es kamen Obdachlose, aber auch Menschen, die jetzt neu auf Hilfe angewiesen sind. Die Preise in den Geschäften sind stark angestiegen, und es gibt nur wenig Arbeit.“ Außerdem hielten sich viele Binnenflüchtlinge in Saporischschja auf, die aus den von Russland besetzten Gebieten gekommen seien.

Trotz der anhaltenden Gefechte setzen die Albertinerbrüder ihre Hilfstransporte fort; sie bringen einmal im Monat Lebensmittel, medizinische Hilfsgüter und technisches Gerät wie zum Beispiel Stromgeneratoren aus der Westukraine nach Saporischschja.
„Kirche in Not“ unterstützt die Arbeit der Ordensgemeinschaft in der Ukraine seit langem, zum Beispiel bei der Anschaffung von Fahrzeugen, mit Existenzhilfen oder bei der Instandsetzung ihrer Einrichtungen in Lemberg (Lwiw) und Saporischschja. „Solange es möglich ist, wollen wir vor Ort sein“, betont Bruder Franciszek. „Wir konzentrieren uns nicht auf militärische und politische Analysen. Wir beten um Frieden und helfen den Menschen, die in Not sind. Und davon gibt es derzeit viele.“
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Die neue Pfarre mit Sitz in Namasumbi liegt in einem ländlichen Gebiet. Es gibt keine asphaltierten Straßen, und besonders in der Regenzeit sind die Dörfer nur schwer zu erreichen. Hier kommt man nur mit einem geländetauglichen Wagen weiter.
Lange stand den beiden Priestern der Pfarre nur ein uraltes Auto zur Verfügung, das aber inzwischen nicht mehr einsatzfähig ist. Die Priester waren somit auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, die sehr unzuverlässig sind. Sie verloren dadurch viel kostbare Zeit, die sie eigentlich für ihre pastorale Arbeit brauchten, denn in den Dörfern warten die Menschen auf die Heilige Messe, die Sakramente, auf Krankenbesuche und den Beistand der Priester.

Unsere Wohltäter haben 13.000 Euro gespendet, um beim Kauf eines Autos zu helfen. Pfarrer Jude Kiggala schreibt uns: „Wir sind sehr dankbar für die Hilfe, die uns von KIRCHE IN NOT gewährt wurde. Unsere pastorale Arbeit wird dadurch erheblich gestärkt. Wir können nun leichter Kranke und ältere Menschen besuchen und am Leben der christlichen Gemeinden teilnehmen.“
Auch wir danken allen, die geholfen haben! Vergelt’s Gott!
In weiten Teilen Syriens ist die heiße Phase des Bürgerkrieges zwar vorbei, aber die Lage sei „schlimmer als während des Krieges, was die wirtschaftliche Situation und den Alltag der Menschen angeht.“ Darauf wies die syrische Ordensfrau Annie Demerjian in einem Interview mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) hin. Schwester Annie gehört der Gemeinschaft der „Schwestern Jesu und Mariens“ an und ist eine langjährige Projektpartnerin von „Kirche in Not“. Zusammen mit ihren Mitschwestern betreut sie mehrere kirchliche Hilfseinrichtungen in Syrien und im benachbarten Libanon.
In einigen Landesteile seien auch im elften Jahr des Bürgerkriegs noch islamistische Milizen wie der „Islamische Staat“ oder Al-Nusra aktiv, so Schwester Annie. Dort würde nach wie vor gekämpft. In den anderen Landesteilen fielen zwar keine Bomben mehr, „aber das Leben ist nicht friedlich. Es gibt keinen geregelten Alltag, denn unser Volk kämpft jeden Tag ums Überleben“.

Die Ordensfrau wies auf die desolate Lage der Infrastruktur hin: Viele Menschen hätten nur ein bis zwei Stunden am Tag Strom, die Wasserversorgung sei unterbrochen. Die Löhne könnten mit den enorm gestiegenen Preisen nicht mithalten: „Ein Familienvater in Aleppo verdient durchschnittlich umgerechnet um die 30 Euro. Allein die Miete beträgt aber 40 bis 50 Euro; in der Hauptstadt Damaskus sogar noch mehr. Wie soll das funktionieren?“ Viele Menschen seien der Situation überdrüssig; die Auswanderungswelle setze sich fort.
Scharf kritisierte die Ordensfrau die nach wie vor verhängten Sanktionen der EU und der US-Regierung gegen Syrien: „Sie treffen das einfache Volk und machen uns das Leben sehr schwer. Ich verstehe die Länder nicht, die von Menschenrechten reden und Sanktionen gegen das Leben der Menschen verhängen.“

Die Kirchen Syriens leisteten eine „großartige Arbeit“, um die schlimmsten Nöte zu lindern und weitere Auswanderungen zu stoppen, erklärte Schwester Annie: „Ich weiß nicht, was ohne die Hilfe der Kirche mit unserem Volk geschehen würde, vor allem wenn wir an die Präsenz der Christen denken.“ Die Ordensfrau schätzt, dass im Vergleich mit der Zeit vor dem Krieg nur noch etwa ein Drittel der Christen in Syrien geblieben seien.
Das Engagement von Schwester Annies Gemeinschaft erstreckt sich deshalb auch auf den Libanon, wo sich nach wie vor viele syrische Flüchtlinge aufhalten. Im syrischen Aleppo konzentriert sich die Hilfe auf rund 300 mittellose Familien. Die Ordensfrauen leisten Beihilfen für die Miete und versorgen sie mit Lebensmitteln und Medikamenten. Diese seien nach wie vor ein besonders rares Gut, erzählt Schwester Annie: „Ich weiß von vielen Menschen, dass sie ihre Medikamente nur alle paar Tage einnehmen. Sie strecken sie, damit sie möglichst lang den Bedarf decken können.“

Die Ordensfrauen bieten außerdem Musik- und Kunsttherapie für traumatisierte Kinder an: „Das Trauma, das unsere Kinder erlitten haben, ist sehr stark, besonders bei denen, die während des Krieges geboren wurden“, sagte Schwester Annie. Ein weiteres Augenmerk liege auf dem Bereich Arbeit und Bildung: Die Ordensfrauen unterstützen Studentinnen und die Förderung künftiger Führungskräfte, zum Beispiel mit Stipendien und Kleinkrediten. Es gibt auch spezielle Kurse zur Berufsförderung, an denen bislang etwa 400 Personen teilgenommen haben. In der Kleinstadt Maalula im Südwesten Syriens nahe der libanesischen Grenze hat die Gemeinschaft von Schwester Annie eine Nähwerkstatt aufgebaut, in der über 20 Frauen Arbeit und Lohn finden.
Das Geld für diese und weitere Projekte stammt unter anderem von „Kirche in Not“. Trotz der sehr schwierigen Situation sei die Hoffnung unter den syrischen Christen sehr lebendig, betont Schwester Annie: „Die Hoffnung ist immer da. Unser Glaube ist während des Krieges noch stärker geworden, weil die Barmherzigkeit und Vorsehung Gottes erlebt haben. Wir bekommen oft unverhofft Hilfe.“
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In Bulgarien hat der erste katholische Radiosender des Landes seinen Sendebetrieb aufgenommen. „Radio Ave Maria“ wurde am 18. Oktober, dem Gedenktag des heiligen Papst Johannes Paul II., in der Hauptstadt Sofia eingeweiht. KIRCHE IN NOT hat den Aufbau der Radiostation maßgeblich unterstützt.
Zur Einweihung war aus Rom Erzbischof Leonardo Kardinal Sandri angereist. Er leitet die Kongregation für die orientalischen Kirchen. „,Radio Ave Maria’ war ein großer Traum, jetzt ist er Wirklichkeit geworden“, sagte Kardinal Sandri. „Der neue Sender erlaubt es der Kirche, auch außerhalb ihrer Gebäude tätig zu sein – besonders für die Menschen, die leiden oder die keine Möglichkeit haben, zur Kirche zu gehen.“
Laut dem Vorsitzenden der bulgarischen Bischofskonferenz und bulgarisch-katholischen Bischof von Sofia, Christo Projkow, geht der neue Radiosender auf eine Initiative von Jugendlichen zurück: „Sie bitten uns seit Jahren darum und hatten bereits begonnen, zu Hause Sendematerial zu produzieren.“

Der Radiosender erfülle eine wichtige Funktion bei der Evangelisierung: „Es gibt zwar Jugendliche, die dank der Pfarreien und der Katecheten gut im Glauben ausgebildet sind. Aber im Allgemeinen wurden die jungen Menschen nicht im Glauben erzogen. Denn ihre Eltern haben während der kommunistischen Ära nichts erhalten, was sie weitergeben können.“
Bischof Projkow betonte, dass sich das Angebot von „Radio Ave Maria“ dabei nicht nur an Katholiken richte: „Es gibt einen Hunger nach religiöser Bildung, aber auch nach kultureller Bildung mit Musik- und Geschichtsprogrammen. Der Radiosender ist ein Projekt von allen und für alle.“
Das Studio von „Radio Ave Maria“ haben ihren Sitz im ehemaligen Wohngebäude von Angelo Roncalli, dem späteren heiligen Papst Johannes XXIII. Er war von 1925 bis 1934 als Gesandter des Vatikans in Sofia tätig. Mit der Leitung des neuen Radiosenders wurden Franziskaner aus Polen betraut.

In Bulgarien sind heute rund 83 Prozent der Einwohner Christen. Die meisten von ihnen gehören der orthodoxen Kirche an. Die Zahl der Katholiken liegt bei etwa 70 000, das ist ein Prozent der Bevölkerung. Einen Bevölkerungsanteil von knapp 14 Prozent machen Muslime aus, die meisten von ihnen haben türkische Wurzeln.
Während der kommunistischen Diktatur in Bulgarien zwischen 1946 und 1990 war besonders die katholische Kirche schwerer Verfolgung ausgesetzt. Projektpartnern von KIRCHE IN NOT zufolge war in diesen Jahrzehnten jeder Priester mindestens einmal inhaftiert. Kirchliches Eigentum wurden beschlagnahmt, Priesterseminare geschlossen und ausländische Geistliche ausgewiesen.
Bischof Christo Projkow erzählte gegenüber KIRCHE IN NOT: „Ich wurde 1971 zum Priester geweiht. Ich war nach 19 Jahren der erste und einzige katholische Priester aus Bulgarien; es dauerte weitere fünf Jahre, bis der nächste Priester geweiht wurde.“

Nach dem Fall des Kommunismus hat sich die katholische Kirche Bulgariens langsam wieder erholt. Heute zählt hat sie rund 60 Priester und 100 Ordensleute, die dem lateinischen wie dem byzantinischen Ritus angehören. Im Land gibt es mehrere geistliche Gemeinschaften, in denen hunderte Gläubige organisiert sind. „Mit Hilfe von KIRCHE IN NOT ist es uns gelungen, einige Kirchengebäude zu renovieren und neue zu bauen“, sagte Bischof Projkow.
Kurienkardinal Sandri fügte bei der Einweihung des neuen Radiosenders hinzu: „Alle Wohltäter, die von ihren Ländern aus die Werke der Nächstenliebe unterstützen, sollten wissen: Sie sind große Akteure der Kirche in Bulgarien.“
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Nach der Tötung der jungen Missionsärztin Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki und mindestens eines Patienten bei einem terroristischen Überfall auf ein kirchliches Krankenhaus herrscht in der Demokratischen Republik Kongo Entsetzen. „Der Terror geht weiter. Die Menschen haben Angst, jeder versucht zu entkommen“, erklärte der Comboni-Missionar Marcello Oliveira gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.
Der Überfall auf das Krankenhaus fand am 19. Oktober im Dorf Maboya im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo nahe der Grenze zu Uganda statt. „Rebellen griffen das Krankenhaus an. Sie plünderten alles, was sie finden konnten, und setzten das Gebäude schließlich in Brand“, schilderte Pater Marcello die Ereignisse. „Eine Ordensschwester, die Ärztin ist und Nachtdienst hatte, verbrannte zusammen mit einem Patienten.“

Schwester Marie-Sylvie habe vorher sogar noch in der örtlichen Missionsstation angerufen, damit die dortigen Priester und Ordensleute sich in Sicherheit bringen konnten. Zu dem Überfall bekannte sich nach lokalen Angaben die ugandische Dschihadistengruppe „Allied Democratic Forces“ (ADF), die auch unter dem Namen „Islamischer Staat – Zentralafrikanische Provinz“ firmiert. Nach dem Überfall auf das Krankenhaus in Maboya hätten die Terroristen noch eine weitere Klinik in der Nähe überfallen, so die lokalen Ansprechpartner.
Die getötete Schwester Marie-Sylvie Kavuke Vakatsuraki gehörte dem Orden der „Kleinen Schwestern der Darstellung unserer Lieben Frau im Tempel“ aus Butembo in der Provinz Nord-Kivu an. Verschiedene Medien sprachen nach dem Überfall sogar von bis zu sieben Toten; die Projektpartner von „Kirche in Not“ bestätigten bislang zwei. Allerdings gelten noch zahlreiche Personen als vermisst, teilte Pater Marcello Oliveira mit: „Mehrere Personen sind verschwunden, möglicherweise um die geplünderten Medikamente und anderen Güter transportieren zu helfen.“
Der Ordensmann erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT, dass in der Demokratischen Republik Kongo ein „versteckter Krieg“ herrsche, den die Welt ignoriere. „Es ist ein Krieg, der ,schweigend’ – oder zum Schweigen gebracht – geführt wird, so dass niemand etwas unternimmt und die Bevölkerung weiter leidet“, sagte Pater Marcello.

Seit Jahren wird das rohstoffreiche Grenzgebiet zwischen der Demokratischen Republik Kongo und dem Nachbarland Uganda von Rebellen der Miliz ADF überrannt. Die ADF wird von Jamil Mukulu angeführt, einem zum Islam konvertierten ehemaligen Christen. Dem kongolesischen Militär und der UN-Friedensmission MONUSCO gelingt es nicht, die Region zu befrieden.
Die Provinz Nord-Kivu gilt als Epizentrum der Gewalt. Menschenrechtsorganisationen zufolge ereignet sich im Osten der Demokratischen Republik Kongo die am längsten dauernde humanitäre Krise Afrikas. In der Region lagern Gold, Diamanten, Kobalt und Coltan in der Erde. Dabei handelt es sich um wichtige Rohstoffe zum Beispiel für die IT- oder Fahrzeugindustrie.
Papst Franziskus hatte im Juli dieses Jahres einen Besuch in der Demokratischen Republik Kongo angekündigt. Dieser musste jedoch aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden, teilte der Vatikan damals mit.
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Am ersten Tag der russischen Invasion wurde Bischof Vasyl Tuchapets vom Lärm der Explosionen geweckt. Die Bombardierung Charkiws hatte begonnen. Nun dauert sie schon fast acht Monate an. Tuchapets lief zu seiner Kathedrale, dem Zentrum der griechisch-katholischen Gläubigen in der zweitgrößten Stadt der Ukraine. Er sah Menschen in Panik, die versuchten, irgendwie zum Bahnhof zu kommen – nur weg aus dieser Hölle.
Bischof Tuchapets tat das Gegenteil. Seine erste Anweisung nach Kriegsbeginn war: Alle Priester seiner Diözese bleiben in ihren Gemeinden. Sicher ein großes Opfer: Viele Priester der griechisch-katholischen Kirche sind verheiratet und haben Kinder. Sie mussten nun ihre Familien in Sicherheit bringen – ohne zu wissen, ob sie ihre Lieben jemals wiedersehen. Tuchapets wusste, was er verlangte, ist aber dennoch überzeugt: „Die Priester sollen keine Angst haben. Wenn sie weggingen, wäre das ein großer Verlust für alle.“

Diese Nähe der Kirche zu den Menschen gerade jetzt wüssten viele Menschen zu schätzen, erzählt der Bischof dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Menschen, die er noch nie in der Kirche gesehen hatte, sprachen ihn an: „Danke, dass Sie bei uns geblieben sind.“
Das griechisch-katholische Exarchat von Charkiw wurde 2014 errichtet. Es umfasst ein Gebiet etwa in der Größe Österreichs. Hier, im Osten der Ukraine, gehören die meisten Menschen der orthodoxen Kirche an. Auch die atheistische Politik der früheren Sowjetunion wirkt hier noch stärker nach als anderswo.
Die Türen der Kirche stünde im Krieg mehr denn je für alle offen, betont Bischof Tuchapets. Jeden Tag kämen Menschen zu ihm. Sie suchten nicht nur humanitäre Hilfe. „Sie wollen beten. Sie haben Fragen und suchen nach Antworten. Manche wollen nach Jahren heiraten oder ihr Kind taufen lassen.“

Überhaupt, die Kinder: Sie hätten Monate allein in Luftschutzkellern, Bunkern oder Wohnungen verbracht – sofern die noch stehen. In der Kathedrale und den angrenzenden Räumen organisieren Ordensfrauen jetzt Sport, Spiele und Religionsunterricht. Wichtig ist auch das Programm „Ferien mit Gott“, das Kindern ein paar unbeschwerte Tage ermöglichen möchte. KIRCHE IN NOT unterstützt diese Feriencamps seit langem. In Kriegszeiten wurde das Angebot nicht gestoppt, sondern im Gegenteil erhöht.
Gottesdienst feiert Bischof Tuchapets mit seiner Gemeinde in der Unterkirche seiner Kathedrale. Der Hauptraum wird im Krieg als Warenlager genutzt. Schon kurz nach Kriegsbeginn trafen die ersten Hilfslieferungen in Charkiw ein. Jeden Tag sortieren Priester, Ordensfrauen und Freiwillige Kleidung, Medikamente, Hygieneartikel, Kindersachen und mehr.

Es geht zu wie einem Bienenschwarm: Bis zu 2000 Menschen kommen regelmäßig in die Kathedrale, berichtet der Bischof. Die Ausgabe von Hilfsgütern musste jedoch zuletzt von drei auf einen Tag in der Woche reduziert werden: Der bevorstehende Winter zwingt dazu, die Waren stärker zu rationieren. „Der Winter wird schwierig. Wir brauchen weiterhin Hilfe“, betont Bischof Tuchapets. Besonders wichtig seien jetzt Medikamente: Viele Menschen würden jetzt mit zunehmender Kälte krank. Zahlreiche Menschen strömten nach wie vor aus den Dörfern in die Stadt. Gerade die ländlichen Gebiete sind schwer zerstört; die Situation dort ist noch unsicherer als in Charkiw.
Acht Monate Krieg und niemand kann sagen, was die Zukunft bringt. Der griechisch-katholische Bischof ist dennoch zuversichtlich: „Unsere Infrastruktur funktioniert nach wie vor. Wir bleiben nahe bei den Menschen und wir bleiben zusammen. Möge der Herr Sie für alle Unterstützung segnen, die für die Arbeit unserer Kirche so wichtig ist!“
Auf Haiti werden zunehmend kirchliche Einrichtungen und Mitarbeiter von militanten Banden angegriffen. Das prangerte Schwester Marcella Catozza gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT an. Die italienische Missionsfranziskanerin leitet ein Waisenhaus mit 150 Kindern in einem Armenviertel der Hauptstadt Port-au-Prince.
„Es herrscht ein unbeschreibliches Chaos. Bewaffnete Gangs haben die Macht übernommen. Auch die Kirche ist Opfer der Gewalt geworden“, sagte Schwester Marcella. Sie erinnerte an die Missionarin Luisa Dell´Orto, ebenfalls Italienerin. Die Ordensschwester war am 25. Juni 2022 ermordet worden. „Erst hieß es, es sei ein Raubüberfall gewesen. Aber ich bin überzeugt, dass jemand dafür gezahlt hat, sie zu töten. Es konnte immer noch kein Täter gefasst werden“.

Zwei Wochen später hätten Bandenangehörige die Kathedrale der Hauptstadt in Brand gesetzt, berichtet Schwester Marcella. „Als die Feuerwehrleute kamen, haben sie versucht, sie zu töten. Anschließend wollten sie mit einem Lastwagen die Mauern der Kirche einreißen.“
In anderen Landesteilen sei es ebenfalls zu Übergriffen auf kirchliche Einrichtungen gekommen: „In Port-de-Paix, Les Cayes und in weiteren Städten haben bislang unbekannte Täter in die Einrichtungen der Caritas eingebrochen. Sie nahmen alle Hilfsgüter mit, die dort eingelagert waren. Anschließend haben sie die Büros der Mitarbeiter zerstört“, sagte Schwester Marcella.
Auch ihr Kloster in der Hauptstadt sei angegriffen worden: „Vergangenen Monat wurde unsere Kapelle in Brand gesetzt. Wir haben keinen Altar mehr, keine Kirchenbänke.“ Kriminelle Gangs hätten das Stadtviertel, in dem Schwester Marcella arbeitet, abgeriegelt. Ihr Orden habe sie deshalb gebeten, nach einem Heimaturlaub in Italien vorerst nicht nach Haiti zurückzukehren. „Es soll nicht noch eine Ordensfrau zur Märtyrerin werden. Es ist sehr hart für mich, nicht bei meinen Leuten zu sein.“

Die Lage der Menschen in Port-au-Prince und anderen Landesteilen sei verheerend: „Die Stadt ist in den Händen von Gangs. Die Menschen hungern. Die Schulen sind geschlossen. Die Krankenhäuser machen zu, weil sie keinen Strom mehr haben. Es ist unmöglich, unter diesen Bedingungen zu leben“, erklärte Schwester Marcella. In dem Stadtviertel, in dem sie ihr Waisenhaus betreibt, lebten aktuell mehr als 100 000 Menschen in Blechhütten, ohne Strom und Wasser.
Das Schmerzlichste für sie sei jedoch die Gleichgültigkeit gegenüber der Lage in Haiti, beklagt Schwester Marcella: „Es sieht so aus, als ob sich niemand dafür interessiert, was in Haiti passiert. Niemand spricht über uns. Niemand weiß, was vor sich geht.“
Haiti befindet sich seit Jahren in einer bürgerkriegsähnlichen Situation. Nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 ist der Inselstaat ohne funktionsfähige politische Führung. Es gibt bislang keinen Termin für Neuwahlen. Der Machtkampf wird auf den Straßen ausgetragen. Menschen demonstrieren gegen die Bandengewalt. Die Not wird durch die Folgen mehrerer Naturkatastrophen verschärft – wie zuletzt ein schweres Erbeben im August 2021.
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Die Christen von Baghdeda (Karakosch) wissen aufgrund ihrer langen Erfahrung mit Verfolgung, dass die schlechten Zeiten zurückkehren könnten, aber sie glauben, dass „eine Kirche, die nicht verfolgt wird, eine Kirche ist, die Christus nicht trägt“.
Es ist ein schöner Tag in Baghdeda, und die Familien strömen in die Kirche St. Behnam und Sarah. Das Innere der Kirche ist makellos und die Kirchenbänke sind voll von Menschen, die gekommen sind, um an einer syrisch-katholischen Liturgie teilzunehmen.
Die Ruhe, die die Kirche umgibt, macht es schwer, sich vorzustellen, dass Baghdeda, oder Karakosch, wie es auf Arabisch heißt, erst vor acht Jahren vollständig von Terroristen des Islamischen Staates besetzt war, die altes und unschätzbares christliches Erbe zerstörten und die Kirche St. Behnam niederbrannten und dem Erdboden gleichmachten.

„Als ich die Stadt im Jahr 2016 zum ersten Mal besuchte, vier Tage nach ihrer Befreiung, sahen wir die totale Verwüstung. Die Kirche war niedergebrannt, der Glockenturm zu Boden gestürzt. Ich war traurig. Diese Pfarrei war vor der Belagerung durch den IS sehr aktiv. Aber die Kirche steht wieder, wir konnten sie restaurieren“, sagt George Jahola, der aus Baghdeda gebürtig stammende Priester, während er auf noch sichtbare Zeichen der Zerstörung, wie den zu Boden gestürzten Glockenturm, zeigt.
In den letzten Jahren wurde die Kirche renoviert. Der Innenraum wurde vor kurzem fertiggestellt, und es konnte nun auch, mit finanzieller Unterstützung von KIRCHE IN NOT (international: ACN), mit den Außenarbeiten begonnen werden.
Die Einwohner von Karakosch warteten jedoch nicht erst auf den Wiederaufbau, um in dieser Kirche zu beten, als sie aus dem Exil in Kurdistan zurückkehrten. „Die Gemeinde war begeistert, dass sie zurückkehren und in dieser Kirche beten konnte. Wir wollten den Glauben stärken und vermitteln, dass die Kirche mehr als nur ein Gebäude ist, sondern die Seelen der Menschen, die in der Gemeinde leben. Nach zwei Jahren haben wir beschlossen, dass es an der Zeit ist, die Kirche zu restaurieren, um den Menschen Hoffnung zu geben“, sagt George Jahola.

Hoffnung ist notwendig, auch jetzt nach der Befreiung der Stadt, wo viele immer noch versucht sind, in den Westen in Sicherheit zu gehen. „Die Wiederherstellung dieser Kirche ist ein Symbol des Widerstands, in diesem Land zu bleiben, Zeugnis abzulegen. Papst Franziskus hat uns vor etwas mehr als einem Jahr besucht und uns gebeten, in diesem Land Zeugnis abzulegen“, erinnert sich der Priester.
Der örtliche Pfarrer, Boutros Sheeto, bestätigt, dass die Restaurierung der Kirche zu einem sichtbaren Zeichen für den Kampf um den Erhalt des christlichen Glaubens im Irak geworden ist. „Die Restaurierung der Kirche gibt der Gemeinde psychologische und moralische Kraft. Ohne diesen Wiederaufbau würden viele Familien heute über eine Auswanderung nachdenken.“
Die Tatsache, dass viele Christen beschlossen haben zu bleiben, bedeutet nicht, dass sie keine Angst vor der Wiederkehr der Verfolgung haben. Vielmehr sehen viele sie als Teil ihres Glaubens. „Seit ihren Anfängen bis heute ist die Kirche verfolgt worden. Eine Kirche, die nicht verfolgt wird, ist eine Kirche, die Christus nicht trägt, denn Jesus wurde gekreuzigt und hat während seines Lebens und seiner Mission gelitten. Wenn Jesus gelitten hat, gestorben ist, begraben wurde und auferstanden ist, müssen wir mit Jesus leiden und mit der Kirche leiden, damit wir die Auferstehung leben und Zeugen des Evangeliums der Freude und der Hoffnung in der Welt sein können“, fügt Pfarrer Boutros hinzu.

Heute jedoch, da in der wunderschön restaurierten Kirche St. Benham und Sarah wieder alte syrische Hymnen erklingen und Freiwillige Essen und Getränke an die Gemeindemitglieder verteilen, die nach draußen kommen, um sich zu unterhalten, ist ein Tag des Feierns und der Dankbarkeit gegenüber Gott und denjenigen, die die Restaurierung ermöglicht haben.
„Wir danken KIRCHE IN NOT für ihre Hilfe um den Wiederaufbau der Kirche. Wir danken ihr von ganzem Herzen und allen Wohltätern für ihre Unterstützung“, sagt Semoon Beto Shabo, der Kustos der Kirche.
KIRCHE IN NOT ist sehr engagiert bei der Wiederherstellung des christlichen Erbes und der christlichen Infrastruktur im Irak, insbesondere seit den schrecklichen Verfolgungen durch den IS, die Hunderttausende zur Flucht nach Kurdistan gezwungen haben. Das katholische Hilfswerk hat sich zunächst auf den Wiederaufbau von Häusern in christlichen Städten und Dörfern konzentriert und dann bei der Restaurierung und dem Bau von Schulen, Kirchen und anderen wichtigen Einrichtungen geholfen, um die christliche Präsenz in der Region zu erhalten.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Irak
Die Kongregation der “Brüder des heiligen Martin von Porres“ wurde 1953 im Südsudan gegründet. Die Ordensmänner, die ihr angehören, sind in Pfarreien tätig, unterrichten in Schulen und helfen Notleidenden durch verschiedene karitative Aktivitäten.
Da die Brüder als einheimische afrikanische Kongregation arm sind, sind sie auf Hilfe aus dem Ausland angewiesen – auch für ihre Weiterbildung und geistliche Vertiefung. Denn um anderen dienen zu können, brauchen sie auch selbst immer wieder Stärkung in ihrem geistlichen Leben, damit die Berufung nicht irgendwann verdunstet. Da schon seit 2013 keine solchen Veranstaltungen mehr stattfinden konnten, hatte uns Pater Charles Olum, der Obere der Ordensbrüder in Uganda, um Hilfe gebeten. Denn ein intensives Gebetsleben ist die Grundlage für alle anderen Tätigkeiten und befruchtet dieses. Auch das Gemeinschaftsleben der Ordensmänner und die Treue zu ihrem Gründungscharisma sind wichtige Elemente, die zur Heiligung der Seelen führen. „Christus ist das Zentrum aller unserer Ziele und Wünsche“, schreibt er uns. Die persönliche Beziehung zu Christus sei das Wichtigste, und die Erfahrung aus dem Gebetsleben müsse in konkrete Taten umgesetzt werden. Diese innere Haltung muss aber immer wieder gestärkt und eingeübt werden. Unsere Wohltäter haben die Ordensmänner daher mit 7.000 Euro für ihre Weiterbildung unterstützt.
