Laut dem römisch-katholischen Bischof Pavlo Honcharuk aus Charkiw werden in der ostukrainischen Stadt Schulen, Kindergärten und andere zivile Einrichtungen gezielt mit Raketen beschossen. Es seien mindestens 20 Schulen zerstört worden, berichtete der Bischof gegenüber KIRCHE IN NOT: „Wer immer noch der Vorstellung anhängt, dass Russland nur militärische Einrichtungen bombardiert, der macht sich etwas vor.“
Nach wie vor halte sich eine „große Anzahl“ von Kindern in der Stadt auf: „Sie sind oft in Luftschutzkellern untergebracht“, sagte Bischof Honcharuk, der das Bistum Charkiw-Saporischschja leitet. Sie lebten in einer Parallelwelt und könnten oft nicht begreifen, was um sie herum geschieht. „Die Kirche hilft den Eltern und stellt Hygieneartikel, Lebensmittel und anderes mehr zur Verfügung.“

Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine und liegt nur etwa 20 Kilometer vom Frontverlauf entfernt. Die Metropole wird regelmäßig beschossen, auch im Umland gebe es schwere Verwüstungen: „Sie zerstören auch Dörfer; einige werden einfach dem Erdboden gleichgemacht.“ Entlang der Linie zu den von Russland eroberten Gebieten spielten sich jeden Tag dramatisch Szenen ab, berichtete Bischof Honcharuk: „Ich habe einen Soldaten getroffen, der von seiner Stellung aus sein Zuhause sehen kann. Seine Frau und seine beiden Kinder sind unter der Besatzung geblieben. Jeden Tag kann er sie sehen, aber er kann sie nicht anrufen, er kann ihnen nicht einmal ein Zeichen geben.“
Völlig unbekannt sei das Schicksal der Kriegsgefangenen. Er sei kein Kontakt zur gegnerischen Seite möglich, darum könne er nichts tun, wenn Angehörige ihn um Hilfe für inhaftierte Soldaten bitten.
Der Bischof sprach gegenüber KIRCHE IN NOT auch von sogenannten Filtrationslagern in den von Russland eroberten Gebieten, zum Beispiel in Mariupol: „Wenn jemand etwas gegen eine Frau hat, denkt er sich Verdächtigungen gegen sie aus, und sie wird sofort inhaftiert und von ihren Kindern getrennt. Es gibt viele solcher tragischen Geschichten.“

Der Krieg habe auch die ökumenische Zusammenarbeit intensiviert, vor allem mit der von Russland unabhängigen Orthodoxen Kirche der Ukraine. So hatte Bischof Honcharuk seinen orthodoxen Amtsbruder vier Monate bei sich aufgenommen, nachdem dessen Haus zerstört worden war. Man habe zusammen verletzte Personen besucht oder Menschen, die in U-Bahn-Stationen Zuflucht suchten. Auch gebe es Kontakte zur evangelischen Kirche und zur jüdischen Gemeinde, um die Hilfsarbeit zu koordinieren.
Bischof Honcharuk zeigte sich beeindruckt von der hohen Einsatzbereitschaft der Menschen, die sich über die Kirche engagieren. Das sei auch ein Glaubenszeugnis: „Ein gläubiger Mensch hilft als Dienender, weil er weiß, an wen er glaubt und warum er hilft. Diese Haltung ist ein Licht für Menschen, die Gott nicht kennen.“
Eines der schwierigsten Erlebnisse in jüngster Zeit sei für ihn gewesen, als er einen dreijährigen Jungen im Krankenhaus besuchte, der bei einem Angriff schwer verletzt worden sei: „Es ist unklar, ob er überleben wird. Er ist nur hier, weil jemand einen Krieg wollte“, erklärte der Bischof. In solchen Situationen fühle er sich machtlos. „Auf der anderen Seite gibt es auch das Bewusstsein, dass der Herr mich hierherschickt, um zu dienen.“
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Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie für eine friedliche und diplomatische Lösung der aktuellen Spannungen. Bestellen Sie hierfür unser kostenloses Gebetsblatt mit dem Gebet um Frieden für die Ukraine. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.
Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“
Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.
KIRCHE IN NOT zeigt sich angesichts der Verhaftung von Bischof Rolando José Álvarez Lagos und weiterer Repressalien gegen kirchliche Einrichtungen schwer besorgt über die Lage in Nicaragua.
„Die Situation ist kritisch, die Polarisierung groß und die Konfrontation stark. Nicaragua wird von einer Krise erschüttert, die vor mehr als vier Jahren ausgebrochen ist“, erklärte Regina Lynch, Projektdirektorin am internationalen Sitz von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus. Sie rief dazu auf, die Christen Nicaraguas zu unterstützen und für sie zu beten.

Eine weitere Eskalation war die Festnahme von Bischof Rolando José Álvarez Lagos am 19. August. Er war bereits seit Anfang August in seinem Bischofshaus in Matagalpa unter Hausarrest gehalten worden. Nach Informationen von KIRCHE IN NOT befindet sich der Bischof aktuell bei Angehörigen in der Nähe der Hauptstadt Managua unter Polizeiarrest. Mit ihm wurden drei Priester, ein Diakon, zwei Priesteramtskandidaten und ein Kameramann verhaftet. Sie sitzen aktuell im Gefängnis „El Chipote“ in Managua, in dem vorrangig politische Gefangene untergebracht sind.
Bischof Álvarez ist eine der bekanntesten Stimmen, die die soziale und politische Krise in Nicaragua anprangern. Er war Mitte Mai aus Protest gegen die politischen Repressionen gegen die Kirche zeitweilig in Hungerstreik getreten. Das Vorgehen gegen den Bischof sei ein weiterer Schritt in einer Spirale der Konfrontation, stellte Regina Lynch fest: „Wir erleben derzeit einen Prozess, der die Kirche in Nicaragua zum Schweigen bringen will. Eine Lösung ist schwierig, aber wir müssen beten, dass die Feindseligkeiten nicht zunehmen.“

Derzeit befinden sich neben Bischof Álvarez insgesamt sechs Priester in Nicaragua in Haft. Neben den zusammen mit dem Bischof festgenommen Geistlichen wurden auch zwei Priester aus Granada und ein Missionar aus Siuna inhaftiert. Im März dieses Jahres hatte die Regierung den Apostolische Nuntius Erzbischof Waldemar Stanislaw Sommertag des Landes verwiesen.
Die Regierung hat darüber hinaus hunderten sozialen oder karitativen Organisationen untersagt, weiterhin in Nicaragua tätig zu sein. Zu den Maßnahmen, die international Kritik hervorriefen, gehört die Ausweisung der von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“. Auch der von der katholischen Bischofskonferenz betriebene Fernsehsender und acht kirchliche Radiostationen wurden geschlossen.

Einem im Frühjahr veröffentlichten Bericht der „Beobachtungsstelle für Transparenz und Korruptionsbekämpfung“ zufolge, gab es seit 2018 rund 200 Übergriffe auf kirchliches Eigentum und Personal. Augenzeugen berichten von Brandstiftungen in Kirchen, Störung von Gottesdiensten, Einschüchterung von Gläubigen durch Polizeikontrollen im Umfeld der Kirchen. Es würden auch Inhaber von Bus- und Taxiunternehmen bedroht, die Menschen vor allem in ländlichen Gebieten zur heiligen Messe bringen.
Die Regierung unter Präsident Daniel Ortega hat es der katholischen Kirche übel genommen, dass sie sich 2018 auf die Seite der Demonstranten stellte, die sich für politische Veränderungen einsetzten.
KIRCHE IN NOT hatte bereits in dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ auf die schwierige Situation für die Kirche in Nicaragua aufmerksam gemacht. Den Länderbericht Nicaragua finden Sie … hier.
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Die Christ-Königs-Pfarre von Nijpara soll bald geteilt werden. Ihrer Unterpfarre mit Sitz in Singra gehören zwanzig Dörfer an. Bald soll sie zu einer eigenständigen Pfarre erhoben werden, in der zwei oder drei Priester die Gläubigen betreuen. Aber es gab ein großes Problem: Es gab kein geeignetes Haus, in dem die Priester wohnen können und in dem Platz für weitere für die Arbeit der Pfarre notwendige Räumlichkeiten wäre, so beispielsweise das Büro und Unterbringungsmöglichkeiten für Gäste.
Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 30.000 Euro gespendet haben, konnte ein solches Pfarrhaus errichtet werden. Bischof Sebastian Tudu weihte es an Ostern unter großer Beteiligung von Priestern, Schwestern und Gläubigen ein. Es war ein großes Fest, und es herrschte große Freude. Pfarrer Peter Soreng schreibt uns: „Es ist großartig, dass die Gemeinde nun die Möglichkeit hat, von diesem Zentrum aus geistlich betreut zu werden. Die Gemeinde der Gläubigen ist Ihnen dankbar und betet für Sie alle.“
Solomon Hasdak war schockiert, als er sah, wie Hunderte von Menschen versuchten, sich in die kleine Kapelle des Dorfes, in dem er aufgewachsen war, zu quetschen. Da beschloss der ehemalige Polizeibeamte, für den Bau einer neuen Kirche zu sorgen. Hasdak ist eine Ausnahme in einem Land, in dem die meisten Katholiken sehr arm sind. KIRCHE IN NOT (ACN) hat in den letzten zehn Jahren am Bau und Wiederaufbau von fast 60 kleinen Kapellen und Kirchen in Bangladesch mitgewirkt.
Solomon Hasdak wurde in Chiargaon im nördlichen Distrikt Dinajpur in Bangladesch geboren, zog aber weg und machte eine erfolgreiche Karriere bei der Polizei. Als er 2010 zu einer Beerdigung zurückkehrte, war er bestürzt, als er sah, dass die Gläubigen in der kleinen, mit Lehmwänden versehenen Kapelle kaum Platz fanden.
„Hunderte von Katholiken aus mehreren Dörfern waren versammelt und versuchten einen Sitzplatz zu ergattern. Viele waren gezwungen, draußen zu stehen. Diese Szene blieb mir im Gedächtnis, und ich beschloss, etwas dagegen zu unternehmen“, erinnert sich der 70-jährige Hasdak.

In dem Dorf leben etwa 120 Katholiken, hauptsächlich aus den ethnischen Gemeinschaften der Santal und Oraon, und im Nachbardorf leben weitere hundert. Die einheimischen Katholiken versammeln sich sonntags zum Gebet in der Kapelle, und ein- bis zweimal im Monat kommt ein Priester aus der Hauptgemeinde ins Dorf, um die Messe zu feiern. Bei größeren Feierlichkeiten wie Ostern, Weihnachten oder bei Beerdigungen finden die meisten Menschen nur Stehplätze vor der Kapelle.
Hasdak beschloss, ein Stück Land seiner Vorfahren für den Ausbau der Kapelle zu spenden. Außerdem stellte er mehr als 1.000 US-Dollar zur Verfügung, um den Start der Arbeiten voranzubringen. Der Bau dauerte jedoch seine Zeit. Schließlich gelang es der Diözese, den Ausbau der Kapelle abzuschließen, und Hasdak spendete noch einmal fast 3.000 US-Dollar für die elektrische Ausstattung, einschließlich Lampen und Ventilatoren, sowie einige religiöse und liturgische Gegenstände, darunter zwei Statuen, Kelche und Ziborien.

Es war ein hartes Stück Arbeit, doch zehn Jahre nach Beginn des Projekts segnete und weihte Bischof Sebastian Tudu am 20. Januar 2022 die neue Kapelle ein, die nach der heiligen Teresa von Kalkutta benannt ist. Hunderte von Gläubigen nahmen daran teil. In der alten Kirche fanden maximal 40 Personen Platz; in dem neuen Gebäude mit seinen Ziegelwänden und dem Blechdach können nun mehr als 200 Personen bequem sitzen.
„Es ist unwahrscheinlich, dass ich wieder nach Chiargaon zurückziehen werde, aber ich bin sehr froh, dass ich beim Bau der Kirche helfen konnte, die für die armen Dorfbewohner zu einem Symbol der Hoffnung und der spirituellen Kraft geworden ist“, sagt der ehemalige Polizist.
Einheimische wie Milon Mardy sind stolz darauf, dank der Großzügigkeit eines Sohnes des Dorfes einen neuen Gottesdienstraum zu haben. „Die alte Kirche war klein und baufällig. Die Dorfbewohner sind arm, ihnen fehlten die finanziellen Möglichkeiten für eine Renovierung. Jetzt sind wir stolz darauf, dank der Unterstützung von Solomon Hasdak und der Diözese eine schöne Kirche zu haben“, sagte der 27-jährige Mardy.

Die Katholiken in Bangladesch sind eine kleine Minderheit in einem mehrheitlich muslimischen Land; die meisten sind arm und leben in sehr abgelegenen Gebieten. Die Menschen leben als Tagelöhner oder sind Bauern mit wenig Land, sie alle leben von ihren täglichen Einkünften. „Die meisten Katholiken sind nicht wohlhabend, so dass es selten vorkommt, dass katholische Laien den Bau einer Kirche finanzieren. Die Großzügigkeit von Solomon Hasdak ist bemerkenswert“, sagt Pater Samson Marandy, Priester der Diözese.
Obwohl es schwierig ist, andere Laien wie Hasdak zu finden, die so großzügig helfen können, wünschen sich die Katholiken in Bangladesh unbedingt richtige Kirchen, in denen sie beten können. Deshalb hat die Stiftung KIRCHE IN NOT in den letzten zehn Jahren den Bau oder die Renovierung von fast 60 Kirchen und Kapellen in dem Land finanziert.

Unter diesen Projekten befinden sich mehrere in der Diözese Dinajpur. Im Jahr 2021 unterstützte die Stiftung die Renovierung sowohl der Kirche als auch des Pfarrhauses Unserer Lieben Frau der Schmerzen in Mariampur, der Hauptpfarre, die nur zwölf Kilometer von Chiargaon entfernt ist. Das Hilfswerk unterstützte auch den Bau einer neuen Kapelle in Noyanagar nahe der indischen Grenze, da die alte Kapelle nach einer Überschwemmung im Jahr 2017 in einem schlimmen Zustand war.
Ein weiteres Beispiel ist der Bau einer neuen Kapelle in Sonka, etwa hundert Kilometer von Mariampur entfernt. In dieser Stadt versammelten sich die katholischen Familien und die vielen Katechumenen des Ortes, um in einer kleinen Kapelle zu beten, die 1966 erbaut wurde, völlig baufällig war und auseinanderfiel. Am 21. Februar 2021 weihte Bischof Sebastian Tudu das neue Gotteshaus ein, das dank der Spenden der Wohltäter von KIRCHE IN NOT gebaut werden konnte.
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Entführungen und Zwangskonvertierungen von Minderjährigen, die der christlichen Gemeinschaft und anderen religiösen Minderheiten in Pakistan angehören, seien laut Sebastian Shaw, Erzbischof von Lahore, ein ernstes Problem, das die Welt nicht ignorieren dürfe. Bei einer Portugal-Reise erklärte der pakistanische Geistliche, dies sei nicht nur eine religiöse Angelegenheit, sondern auch eine Frage der Menschenrechte.
Anlässlich eines vom portugiesischen Büro von KIRCHE IN NOT (ACN) organisierten Gebetstages im Christkönigsheiligtum der Diözese Setúbal rief Erzbischof Shaw dazu auf, diese Fälle bekanntzumachen, die so viele Familien in Pakistan betreffen.

„Wir haben die Pflicht, über diese Geschehnisse zu sprechen, um diese Fälle zu verhindern“, sagte der Erzbischof. Er fügte hinzu, dass „die Fälle von Entführungen, sexuellen Übergriffen, Zwangskonvertierungen und -verheiratung ein Problem in der pakistanischen Gesellschaft sind, das die Regierung zu kontrollieren versucht“.
Anders als man meinen könnte, seien davon nicht nur Mädchen betroffen. „Manchmal werden auch Jungen entführt, sexuell missbraucht und oft hinterher getötet“, erklärte Erzbischof Shaw.
„Stellen Sie sich die Lage der Eltern vor, die die Schulranzen ihrer Kinder vorbereiten, sie in die Schule schicken und sie dann nie wieder sehen, weil sie entführt wurden. Manchmal werden ihre Leichen gefunden, und sie können die Beerdigung abhalten und trauern. Aber in anderen Fällen bleibt den Eltern nichts anderes übrig, als über das Verschwinden ihrer Kinder zu weinen.“

Die Entführung von Minderjährigen wurde in einem von KIRCHE IN NOT erstellten Forschungsbericht mit dem Titel „Hear their cries“ („Höre ihre Schreie“) thematisiert. Pakistan ist neben Mosambik, Nigeria, Ägypten, Irak und Syrien eines der Länder, in denen das Problem am größten ist.
Erzbischof Shaw dankte KIRCHE IN NOT für die Unterstützung, die es nicht nur seiner Diözese, sondern der gesamten Kirche in Pakistan gewährt hat. Er bat um weitere Hilfe bei der Aufklärung über diese Fälle, die jedes Jahr Hunderte von Menschen betreffen. „Pakistan ist ein sehr großes Land. Wenn wir von einem Problem in einem Gebiet sprechen, heißt das nicht, dass es überall auftritt. Dennoch sind diese öffentlichen Aufklärungsveranstaltungen ein wichtiger Teil der Bemühungen, die Zahl der Fälle zu verringern.“
Mit seinem Zeugnis hofft Erzbischof Shaw, mehr Menschen auf eine Wirklichkeit aufmerksam zu machen, die von der Welt so oft ignoriert wird, die aber für viele Familien in diesen Ländern wirklich dramatisch ist. „Diese Kinder können nicht einmal im Garten spielen. Wir haben die Pflicht, über diese Fälle zu sprechen, um sie zu verhindern“, sagte er.

Laut dem letzten Bericht über Religionsfreiheit, den KIRCHE IN NOT im April 2021 veröffentlichte, hat sich „das Problem der Entführung von christlichen und hinduistischen Mädchen in den letzten Jahren verschärft”.
„Asad Iqbal Butt, Vorsitzender der pakistanischen Menschenrechtskommission, hat darauf hingewiesen, dass sich die Zahl der Opfer seit 2018 auf 2000 Personen pro Jahr verdoppelt habe. Die Entführer würden oft von korrupten Polizisten und Gerichtsbeamten gedeckt und behaupteten, dass die Mädchen über 18 Jahre alt seien und aus freiem Willen geheiratet hätten“, heißt es in dem Bericht.
Die Lage ist ernst. Lauf dem KIRCHE IN NOT-Bericht „brachten Eltern zahlreiche Fälle zur Anzeige. Trotz Altersnachweisen mit Ausweispapieren der Mädchen scheiteten jedoch etliche Versuche seitens der Eltern, Zwangsverheiratungen und -konvertierungen zu verhindern.“
Erzbischof Sebastian Shaw sagt, dass in seiner Diözese viele dieser Probleme durch die Arbeit einer interreligiösen Gruppe angegangen würden. „Für uns ist es sehr wichtig, dass wir versuchen, diese sozialen Probleme zu lösen. Es gibt Missverständnisse, die durch Dialog überwunden werden können“, erklärte er.
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Verwendungszweck: Pakistan
Die Diözese Kohima liegt im Bundesstaat Nagaland im armen und unterentwickelten Nordosten Indiens. Dort leben verschiedene Volksgruppen, die jeweils eine eigene Sprache sprechen. Die meisten leben von der Landwirtschaft, viele sind arbeitslos, und in den abgelegenen Dörfern kann die Mehrheit nicht lesen und schreiben. Aber der soziale Zusammenhalt ist in den Dörfern noch stark ausgeprägt.
Der katholische Glaube kam erst 1948 mit einigen Ordensfrauen auf das Gebiet der heutigen Diözese Kohima. Anfangs stießen sie auf großen Widerstand, und Menschen, die den katholischen Glauben annahmen, wurden sogar hart bestraft. Heute gehören 61.000 Gläubige, über 200 Diözesan- und Ordenspriester sowie 425 Ordensfrauen der Diözese an, die inzwischen 54 Pfarren hat. Und es gibt viele lokale Berufungen: 250 Schwestern und 58 Priester entstammen einheimischen Volksgruppen.

Bischof James Thoppil liegt vor allem die religiöse Bildung der Laien am Herzen, und er sah großen Bedarf an der Ausbildung von Katecheten, Kursen für Ehevorbereitung und Ehepaare, einer verstärkten Arbeit mit Frauen, Kindern und Jugendlichen und vielem mehr. Dazu fehlte aber ein Ausbildungszentrum. Da der Bau eines neuen Zentrums unerschwinglich war, beschloss der Bischof, das ehemalige Kleine Seminar, das inzwischen an einen anderen Ort umgezogen war, in ein diözesanes Pastoralzentrum umzufunktionieren. Aber das alte Gebäude war stark renovierungsbedürftig, und die Holzelemente waren im Laufe der Zeit von Termiten angefressen worden. Es gab viel zu tun.
Dank der Hilfe unserer Wohltäter, die 20.900 Euro gespendet hatten, konnte die Renovierung in Angriff genommen werden. Einfach war das nicht, denn die Pandemie machte den Plänen zunächst einen Strich durch die Rechnung. Die Arbeiter, die aus verschiedenen Landesteilen stammten, mussten zu Beginn der Pandemie nach Hause zurückkehren. Es folgten mehrere weitere Lockdowns und viele Einschränkungen durch die Regierung. Es war auch nicht einfach, die Arbeiter später wieder zurückzubekommen. Dazu kamen die Preissteigerungen und die Inflation infolge der Pandemie. Aber langsam, aber sicher wurden die Arbeiten mit der Hilfe von Leuten aus dem Dorf angepackt.


Georgette erinnert sich im Gespräch mit dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT: „Ich war gerade am Telefon, als ich die erste Explosion hörte. Die Gegenstände und Möbel in meiner Wohnung wackelten“. Dann kam die zweite, viel verheerendere Detonation: Die Fenster ihrer Wohnung barsten, Georgette wurde von der Druckwelle quer durch den Raum geschleudert; sie brach sich dabei alle Zähne im Unterkiefer. „Ich dachte zuerst, es sei ein Erdbeben. Ich war sicher, dass ich jetzt sterben würde. Ich fing an zu beten.“
Als der erste Schock vorüber war, geriet sie in Panik um ihren Sohn: Er arbeitete in einem Laden ganz in der Nähe des Hafens. Das Geschäftsgebäude wurde komplett zerstört, aber ihr Sohn überlebte wie durch ein Wunder.
Die Explosion im Hafen von Beirut war der Höhepunkt in einer ganzen Reihe von Tragödien, die den Libanon seit Jahren erschüttern: Eine Finanzkrise hatte den Wert des libanesischen Pfunds ins Bodenlose fallen lassen. Eine Wirtschaftskrise hatte viele Menschen arbeitslos und arm gemacht. Ein Politkrise hatte die hohe Korruption im Land aufgedeckt und zu Massenprotesten geführt. Hinzu kam die Covid-19-Pandemie und ihre Auswirkungen, die den Tourismus einbrechen ließ und zu weiteren Unternehmenspleiten führte.

Die Folgen spürt Georgette unmittelbar: Sie ist geschieden, eine Tochter lebt jetzt wieder bei ihr. Eigentlich sollte sich die 60-jährige auf den Ruhestand freuen, stattdessen hat sie nach einem neuen Job gesucht. Das war nicht leicht, aber sie hat schließlich eine Stelle als Kaffeeverkäuferin gefunden. Ihr karger Verdienst reicht nicht für die Miete, von anderen Dingen ganz zu schweigen. Meistens muss sie mit umgerechnet 20 Euro im Monat für Lebensmittel auskommen. „Die Situation treibt einem die Tränen in die Augen“, bekennt Georgette. Überleben könne sie nur, weilandere Menschen ihr unter die Arme greifen: „Manchmal stundet der Wohnungseigentümer mir die Miete. Irgendjemand hilft immer, ich weiß oft gar nicht, woher die Hilfe kommt.“
Nach der Explosion vor zwei Jahren gingen freiwillige Helfer der Universitätsseelsorge von Tür zu Tür, um herauszufinden, was die Menschen am dringendsten brauchen. Auch heute noch gibt es diese Hausbesuche. Der Einsatz wird von „Kirche in Not“ unterstützt. So begegnete Georgette Schwester Raymunda, die zu einem persönlichen Schutzengel für sie wurde. Sie half Georgette einen Zahnarzt zu finden, der ihre abgebrochenen Zähne kostenlos reparierte. Alle zwei Monate bekommt sie ein Lebensmittelpaket für sich und ihre Tochter. Wenn das aus ist, gebe es oft nur Brot und Olivenöl, erzählt Georgette. Fleisch komme schon lange nicht mehr auf den Tisch.

Georgette ist nur eine von vielen verarmten Mitgliedern der christlichen Gemeinde im Libanon, die einst die größte im Nahen Osten war. Doch viele Menschen sind längst in Ausland gegangen. Zurück bleiben häufig die älteren Menschen und die, die sich nicht einmal das Auswandern leisten können. KIRCHE IN NOT steht den Christen im Libanon seit Jahrzehnten bei, hat aber in der jüngsten Krisensituation die Mittel um das Sechsfache erhöht. Allein 2021 leistete KIRCHE IN NOT über 5,5 Millionen Euro an Nothilfe für die Arbeit der Kirche im Libanon.
Trotz aller Not will Georgette nicht aufgeben: „Ich bin stark. Selbst wenn ich krank werde, bleibe ich immer auf den Beinen. Ich will keine Schwäche zeigen.“ Irgendwann werde es auch wieder besser werden, ist sie überzeugt: „Ohne Hoffnung gibt es kein Leben.“
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Fünf Monate nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine zieht das Hilfswerk Bilanz über die in das Land geflossenen Hilfen: rund 5 Millionen Euro an Soforthilfe und für andere Initiativen, um die katholische Kirche beider Riten in ihrem gewaltigen Bemühen zu unterstützen, ihren Gläubigen zur Seite zu stehen.
Zusätzlich zu der ersten Soforthilfe hat das Hilfswerk in den letzten drei Monaten von Mai bis Juli weitere 2,5 Millionen Euro bereitgestellt. Mit der im Juli gegebenen Zusage für 34 neue Hilfsprojekte für die Kirche in der Ukraine erreicht die bisherige Unterstützung seitens des Hilfswerks im Jahr 2022 einen Umfang von 5 Millionen Euro. Die österreichischen Wohltäter haben bis jetzt mit knapp 700 000 Euro beigetragen, die Not der Menschen in der Ukraine zu lindern.

„Die schlimmsten Folgen des Krieges werden nicht unmittelbar eintreten: Die psychischen, geistlichen, physischen und humanitären Folgen werden erst später zu spüren sein. Nur Gott kann die tiefsten Wunden heilen. Wir aber versuchen, die dringendsten Bedürfnisse zu lindern und die Ortskirche zu unterstützen, damit sie ihre Mission weiterführen können“, so Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not” International.
„Dank der Hilfe der Wohltäter von „Kirche in Not” können Priester und Ordensleute den Mangel an Nahrungsmitteln, grundlegenden Hygieneartikeln und Medikamenten für die vielen Binnenvertriebenen verringern. Darüber hinaus bieten sie den durch den Verlust von Familie und Heimat traumatisierten Menschen psychologische und geistliche Unterstützung“, so Thomas Heine-Geldern.
„Wir stehen in täglichem Kontakt mit dem ganzen Land“, ergänzt Magda Kaczmarek, seit 14 Jahren „Kirche in Not”-Projektmanagerin für die Ukraine. „So können wir die Projekte ermitteln, die die Kirche vor Ort als vorrangig ansieht. Damit sind wir in unserer Unterstützung Monat für Monat flexibel.“

„Der Schmerz ist enorm“, erinnert sich Kaczmarek, die die Ukraine im April besuchte. „Das war eine sehr emotionale Erfahrung. Wir sind Flüchtlingen begegnet, die einfach nur geweint haben. Da war es wichtig, sie einfach in den Arm zu nehmen. Es gab aber auch Flüchtlinge, die komplett verstummt waren. Ich erinnere mich an einen jungen Mann, ungefähr 30 Jahre alt, der seit Beginn des Krieges kein Wort mehr gesprochen hat.“
„Die Kirche ist der Anker, der das Boot in der Flut hält“, sagt Kaczmarek. „Die große Sorge und Angst aller gilt dem kommenden Winter. Aber bereits jetzt haben sie Angst, dass sich die Lebensmittel- und Treibstoffknappheit Ende August noch verschärfen wird“, sagt sie.

Dank der Großzügigkeit der Wohltäter von „Kirche in Not” auf der ganzen Welt hat das Hilfswerk Hilfen im Wert von rund 5 Millionen Euro in mehreren Phasen bewilligen können. Zu den in den ersten fünf Kriegsmonaten durchgeführten Projekten gehören:

„Die größte Last für die kirchlichen Einrichtungen in der Ukraine, die tausende von Binnenflüchtlinge in alle Diözesen empfangen, sind aktuell die laufenden Kosten wie Strom, Wasser, Heizung. Die Kirchen haben im wahrsten Sinne des Wortes die Türen für alle aufgemacht. Aber das ist auch eine finanzielle Herausforderung“, erklärt Kaczmarek. „Wir haben in diesen fünf Monaten sehr geholfen und werden weiterhin verstärkt helfen, denn wir müssen den Menschen Hoffnung geben“, so Kaczmarek.
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Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

Wie würden Sie die Situation in Ihrer Diözese beschreiben, die zum Hauptschauplatz dieses schrecklichen Krieges geworden ist?
Unsere Kirche lebt und ist aktiv. Priester und Gläubige sind an Ort und Stelle, das Gebet geht weiter, ebenso die tägliche Liturgie in den Pfarreien. In den einen mehr als in den anderen, das hängt von dem jeweiligen Ort ab: Dort, wo die Kriegshandlungen im Gange sind, oder in den besetzten Gebieten, gibt es diese Möglichkeit nicht. Dennoch steht unsere Kirche den Menschen zur Seite, den alten Menschen und den Kindern, genauso wie sie den Soldaten hilft, die unser Heimatland verteidigen.
Vor wenigen Monaten bezeichneten Sie die Situation gegenüber KIRCHE IN NOT als Schock und Schmerz. Zu Beginn des Krieges gab es vielleicht noch die Hoffnung, dass er früher enden würde. Jetzt zeigt sich, dass er weiter andauern wird. Was empfinden Sie in diesem fünften Kriegsmonat?
Der erste Schock ist vorbei, jetzt herrscht ständige Anspannung. Wir sind permanent in Alarmbereitschaft, besonders wenn es Bombenangriffe gibt und niemand weiß, wann und wo es Einschläge geben wird. Vorgestern war das keine 1.000 bis 1.200 Meter Luftlinie von hier. Letzte Nacht schlugen die Bomben irgendwo ganz in der Nähe ein. Ich weiß, dass ich das Geschoss nicht hören werde, das mich trifft. Wenn ich also eine Explosion höre, bedeutet das, dass ich noch lebe. Wir sind auf einen plötzlichen und unerwarteten Tod vorbereitet. Das heißt, dass wir oft zum Empfang der Sakramente gehen, besonders zur Beichte. Das ist eine völlig neue Erfahrung, eine andere Art zu leben. Ich stehe morgens auf und mir wird bewusst, dass ich lebe.
Zusätzlich zu diesem Schmerz bewirkt das Leid ein Gefühl der Hilflosigkeit, denn es überwältigt einen. Das Böse ist so groß und so zynisch, dass es die Großen dieser Welt von ihrem Thron stößt. Kriege lassen sich sehr leicht auslösen, aber wie kann man sie beenden? Andererseits gibt es auch große Zeichen der Gegenwart Gottes inmitten des tosenden Krieges, in den Herzen der Menschen, die an unterschiedlichen Orten als Soldaten, Sanitäter, Feuerwehrleute, Polizisten und in anderen Diensten im Einsatz sind. Wenn wir in die Gesichter dieser Menschen blicken, können wir die große, göttliche Macht der Liebe erkennen, mit der Gott sie erfüllt.

Wie stellt sich die Lage in Charkiw zurzeit dar? Kehren die Menschen zurück oder beginnen sie nun, wieder zu gehen?
Die Situation ändert sich ständig. Beispielsweise kommt ein Mann vielleicht, um nach seiner Wohnung zu sehen und geht sofort wieder weg. Grundsätzlich ist es so, dass die Menschen Charkiw wegen der ständigen Bombardierungen verlassen. Es gibt Angriffe am Vormittag, am Nachmittag und in der Nacht. Wir sind sehr nah an der Front, zwanzig Kilometer, um genau zu sein. Vor dem Krieg lebten in der Stadt Charkiw 1,7 Millionen Menschen. Im Augenblick sind es ungefähr 700.000, weniger als die Hälfte. Aber andere Städte in der Diözese, wie Slowjansk, Kramatorsk oder Bachmut sind sehr gefährliche Orte im eigentlichen Kriegsgebiet. Fast alle sind schon geflohen, es gibt nur noch wenige Menschen in diesen Städten.
Wie sieht der Alltag aus in einer Stadt, die unter ständigem Beschuss steht?
Die Situation stellt sich für jede Familie und jeden Einzelnen anders dar. Ist das Haus unbeschädigt, hat man einen Ort zum Leben, hat man Arbeit, hat man Geld. Ist das Haus zerstört, hat man keinen Ort zum Leben. Und hat man keine Arbeit, weil der Arbeitsplatz zerstört wurde, hat man kein Geld. Und wenn man dann auch noch verletzt worden ist…
Manchmal haben die Menschen nur noch das, was sie am Leibe tragen, weil alles mit dem Haus verbrannt ist. Darum brauchen manche Menschen Kleidung, manche brauchen Schuhe oder Medikamente oder Lebensmittel. Manche brauchen einfach Unterstützung und manche einen Ort, an dem sie unterkommen können. Andere wiederum benötigen jemand, der ihre Angehörigen in Sicherheit bringt. Es liegen so viele Probleme und Aufgaben vor uns.
Haben die Menschen Zugang zu dem, was sie brauchen? Gibt es Arbeit?
Die Stadt ist Schätzungen zufolge zu 15 % zerstört. Dies ist ein irreparabler Schaden. Aber die Infrastruktur der Stadt funktioniert, sie hält der Belastung stand. Die Fabriken und Unternehmen, die in der Lage dazu sind, führen den Betrieb fort, und ihre Mitarbeiter haben noch Arbeit. Einige andere sind komplett in andere ukrainische Städte verlagert worden. Auch Krankenhäuser und die städtischen Versorgungsunternehmen, die für Strom, Gas, Wasser, Abwasser, Müllabfuhr, Straßenreinigung und den öffentlichen Nahverkehr zuständig sind, arbeiten immer noch. Das funktioniert alles. Wenn etwas zerstört wird, kann man nach vierundzwanzig Stunden nicht mehr sehen, dass überhaupt etwas passiert war. Die städtischen Dienste räumen alles auf und bringen es weg. Auch die Feuerwehr, Polizei und andere Dienste sind vollständig funktionstüchtig. Die Menschen bemühen sich um ein normales Leben, obgleich der Krieg in unserer Stadt so präsent ist. Schulen und Universitäten laufen im Online-Betrieb.

Und wie ist es mit der finanziellen Situation? Gibt es Probleme bei den Banken? Haben die Geschäfte geöffnet?
Nur wenige Banken haben ihre Filialen geöffnet. Es funktionieren auch nur bestimmte Geldautomaten. In den meisten Fällen bleiben diese Orte aus Sicherheitsgründen geschlossen. Aber der gesamte Finanzbereich arbeitet, Bankkarten funktionieren überall. Die Geschäfte sind teilweise geöffnet. Ich war gestern auf dem Markt – nur die Hälfte der Markthallen ist niedergebrannt. Dort, wo die Verkaufsstände und -buden noch stehen, wird verkauft. Die Menschen können aber nicht alles kaufen, denn sie haben kein Geld. Die Menschen hier sind nicht wohlhabend. Die Wohlhabenden sind schon lange weg. Diejenigen, die von Gehaltscheck zu Gehaltsscheck lebten, sind geblieben. Sie mussten jeden Cent zählen und sind jetzt in einer sehr schwierigen Lage. Schon an der Kleidung können Sie sehen, dass diese Menschen immer ein Leben in Würde geführt haben, aber der Krieg hat sie arm oder obdachlos gemacht. Viele Menschen sind auch in ihrer Psyche getroffen, einige haben mit dem Trinken angefangen.
In einigen weit von der Front entfernten Städten ignorieren die Menschen schon den Luftalarm. Wie ist das in Charkiw? Suchen die Menschen Schutz oder ignorieren sie den Alarm und gehen einfach ihrem täglichen Leben nach?
Am Anfang des Krieges haben die Menschen bei Luftangriffen stärker reagiert, sie haben in der Regel die Keller und Schutzräume nicht verlassen. Viele kamen überhaupt nicht heraus und blieben dauerhaft dort. Einige geraten bis heute in große Panik. Es gibt Straßen, in denen die Menschen kaum gespürt haben, dass Krieg herrscht, weil es dort komplett ruhig war. Und es gibt Gegenden, in denen alles zerstört ist. Ich bemerke, dass die meisten Menschen mutiger geworden sind, die müde Psyche beginnt, das Gefühl der Gefahr zu unterdrücken.
Wie ist die Sicherheitslage?
Die Menschen stehen zusammen und unterhalten sich weiter, wenn die Bombardements weit weg sind. Wenn man die Bombeneinschläge näherkommen hört, zerstreuen sie sich. Wenn aber zwei, drei Minuten lang nichts geschieht, kommen die Menschen wieder heraus. Vorgestern war ein Vater mit seinem Sohn im Auto unterwegs. Sie waren in die Stadt gekommen, um Unterlagen für die Universität einzureichen, und waren nun auf dem Heimweg. Plötzlich wurde das Auto direkt von einer Rakete getroffen. Vom Fahrzeug blieb etwas Schrott zurück, aber ihre Körper waren zerfetzt.
Sie sehen, die Menschen fahren auch während der Angriffe mit dem Auto. Manche schaffen es, manche nicht. Wir sollten jetzt aber nicht denken, dass diese Menschen verantwortungslos sind. Die Gefahr dauert jetzt schon so lange an, dass man gelernt hat, sie zu ignorieren, gleichzeitig muss man nachdenken und Entscheidungen treffen. Früher konnten die Menschen das nicht kontrollieren: sie liefen weg und fingen dann an zu denken. Aber es ist sehr anstrengend, wenn man zehnmal am Tag wegrennen muss.

Ihre Diözese ist wohl einzigartig: es fliehen Menschen aus ihr, aber es suchen auch Menschen Schutz in ihr.
Einige Bewohner Charkiws und anderer Städte entlang der Front sind in die nächstgelegenen Dörfer gezogen – zu ihren Verwandten oder in leerstehende Häuser dort. Als sie jedoch feststellten, dass es kein Ende gab, zogen einige weiter. Auch innerhalb des Landes müssen sie einen Platz zum Leben und Arbeiten finden, es gibt viele Schwierigkeiten dabei. Ins Ausland zu gehen bedeutet wiederum, dass nur die Frau und die Kinder gehen können und die Männer auf ukrainischem Territorium bleiben müssen. Das schreibt das nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine in Kraft getretene Ausreiseverbot für ukrainische Männer vor. Das ist ein schwerer Schlag für die Familie, für die Ehepartner, und erzeugt großes Leid.
Die Menschen sind ständig in Bewegung. Manche lassen sich irgendwo nieder und finden eine Arbeit, anderen gelingt das nicht. Manchmal scheint es, dass eine Familie schließlich an einem neuen Ort angekommen ist, und plötzlich heißt es „tut uns leid, wir müssen Sie bitten, unser Haus zu verlassen“. Jedes einzelne Schicksal ist anders, aber es ist immer schwer. Manche kehren zurück, weil es, wie sie sagen, für sie einfacher ist, unter Beschuss und in Gefahr zu leben als ein Leben als Flüchtlinge zu führen.
Wer sind sie als Menschen in dieser Situation? Sie haben keine Rechte, sie können nichts planen, sie haben nichts, was ihnen gehört. Sie haben ständig das Gefühl jemandem im Weg zu sein. Das ist psychologisch sehr belastend. Wenn jemand einen Versuch wagen will, soll er mal sein Haus für einen Monat verlassen und sich selbst in ein anderes Haus einladen, dann in ein anderes, dann in ein drittes, dann in ein viertes, immer als Gast, und immer wieder umziehen.
Wie geht die Kirche in Ihrer Diözese mit den Flüchtlingen und Vertriebenen um?
Hier in Charkiw haben wir die Marianer Patres und die Caritas. Sie helfen den Vertriebenen, denn viele Menschen, die ihr Dach über dem Kopf verloren haben, kommen in die Stadt. Gestern sind hier unweit der Grenze zwanzig Häuser eines Dorfes zerstört worden. Die russischen Truppen vernichten unsere ukrainischen Dörfer ganz einfach. Die Überlebenden fliehen in die Stadt, weil sie am alten Ort nicht mehr leben können. Vertriebene aus umliegenden Dörfern kommen auch nach Charkiw, obwohl Charkiw nach wie vor jeden Tag unter Beschuss steht.
Wir arbeiten auch in anderen Städten. Wir helfen, indem wir Hilfsmittel verteilen, Sachen für Kinder, Lebensmittel, Windeln – oder wir stehen einfach für ein Gespräch zur Verfügung. Das tun wir in Poltawa, Sumy, Konotop, Dnipro sowie in Saporischschja und Pokrowsk.
Was möchten Sie den Wohltätern sagen, die es KIRCHE IN NOT ermöglichen, Hilfe in die Ukraine und in Ihre Diözese zu schicken?
Ich danke Ihnen für diese Gelegenheit. Ich möchte im Namen aller, die Hilfe erhalten, und in meinem Namen herzlich für Ihre offenen Herzen und Ihre Hilfe danken. Es ist nicht wichtig, ob es viel oder wenig war, wichtig ist, dass Sie unserer Situation gegenüber nicht gleichgültig geblieben sind. Ich danke Ihnen von Herzen! Gott segne Sie!
Unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in der Ukraine und helfen Sie den notleidenden Menschen mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nothilfe Ukraine
Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie für eine friedliche und diplomatische Lösung der aktuellen Spannungen. Bestellen Sie hierfür unser kostenloses Gebetsblatt mit dem Gebet um Frieden für die Ukraine. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.
Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“
Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.
Vor rund einem Jahr gingen auf Kuba Millionen Menschen auf die Straße. Sie protestierten gegen die Regierung und die staatstragende kommunistische Partei. Auslöser war ein Mangel an Lebensmitteln und medizinischen Produkten sowie die Reaktion der Regierung auf die Covid-19-Pandemie. Es handelte sich um die größten Proteste seit fast zwei Jahrzehnten.
Die politische Führung ließ tausende Demonstranten festnehmen. Die Unterdrückung der Proteste und die anhaltende Krise führten erneut zu einem Anstieg der Auswanderung aus Kuba. Über die Situation sprachen wir mit dem kubanischen Priester Bladimir Navarro, der aktuell in Spanien lebt.

KIRCHE IN NOT: Wie ist die Lage in Kuba ein Jahr nach den Massenprotesten?
Bladimir Navarro:Die Menschen in Kuba hungern und sind in großer Not. Es ist sehr traurig zu sehen, wie alte Menschen ihr Hab und Gut auf der Straße verkaufen, um sich etwas zu essen kaufen zu können. Die Menschen in Kuba überleben, doch die schlimmste Armut ist der Mangel an Freiheit.
Abgesehen vom wirtschaftlichen Elend leben die Kubaner im Elend der Angst, der Auswanderung, des Mangels an Werten. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Medikamenten. Man kann nicht einmal Schmerzmittel bekommen, von Antibiotika ganz zu schweigen.
Hat sich die Lage nach dem 11. Juli 2021 verschlimmert, als die friedlichen Proteste begannen?
Die kommunistische Regierung hat Angst, ihre Macht zu verlieren. Es wurden neue Gesetze erlassen, um ihre Ideologie in der Zukunft aufrechtzuerhalten. Die Inflation hat enorm zugenommen. Die Kubaner waren sehr froh, als angekündigt wurde, dass die Löhne steigen. Aber jetzt sind die Preise für die grundlegendsten Dinge explodiert.
Wir sehen, dass viele Häuser im ganzen Land einstürzen, während in Havanna neue Hotels gebaut werden. Wer die Stimme erhebt und die Wahrheit sagt, läuft Gefahr, dass gegen ihn vorgegangen wird. Die Haftstrafen haben zugenommen.

Was ist mit den Menschen geschehen, die im vergangenen Jahr Freiheit forderten?
Es ist ein Jammer, dass so viele junge Menschen im Gefängnis sitzen. Die Haftstrafen sind sehr hoch, oft mehr als zehn Jahre. Einige von ihnen sind sogar noch minderjährig. Über 900 Menschen sitzen noch im Gefängnis – einfach nur, weil sie am 11. Juli 2021 friedlich demonstriert haben.
Jetzt ist das Regime hinter jedem her, der ein Bild oder einen Kommentar gegen den Kommunismus in den sozialen Medien postet. Jeder, der über sein tägliches Leben berichtet, vom Anstehen, um Brot zu kaufen oder über die Situation an den Schulen, wird bedroht. Deshalb haben sich viele Menschen entschlossen, das Land zu verlassen; die Auswanderung nimmt wieder stark zu.
Was kann die katholische Kirche auf Kuba tun, um dieses Leiden zu lindern?
Das Schlüsselwort lautet „begleiten“, das Leiden der Menschen begleiten. Es gibt viele Menschen, Ordensleute, Priester, Bischöfe und engagierte Laien, die den Menschen in dieser traurigen Zeit Ermutigung und Hoffnung geben. Ein weiterer Teil der Hilfe ist materiell, wie sie Hilfswerke wie KIRCHE IN NOT leisten. Die Kirche ist ein Zufluchtsort der Hoffnung, um dem Herrn nahe zu sein und die Wunden der kommunistischen Ideologie zu heilen.

Wie können wir im Ausland die kubanische Kirche bei dieser Mission unterstützen?
Sie können uns helfen, indem sie die Stimme der Stimmlosen sind und die Geschehnisse in Kuba sichtbar machen. Denn nach den Massenprotesten ist Kuba vielfach keine Nachricht mehr wert. Die Lage hat sich erheblich verschlechtert, nicht nur wegen des Krieges in der Ukraine, sondern auch wegen der jahrelangen Misswirtschaft. Auch das Gebet ist von grundlegender Bedeutung.
Hoffentlich wird KIRCHEIN NOT auch weiterhin Unterstützung leisten, damit die Kubaner merken, dass sie nicht allein sind.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Kuba
KIRCHE IN NOT zeigt sich alarmiert über die Lage in Burkina Faso. Nachdem Anfang Juli mehr als zwanzig Personen in der Ortschaft Bourasso im Nordwesten des Landes von Milizen erschossen worden waren, erreichen das Hilfswerk auch aus der katholischen Diözese Fada N’Gourma im Osten von Burkina Faso besorgniserregende Nachrichten: Aufgrund der anhaltenden Terrorgefahr können zahlreiche Dörfer in der Diözese kaum noch von außen erreicht werden.
Auf Anfrage von KIRCHE IN NOT teilten die Projektpartner in Fada N’Gourma mit, dass von den über 500 Städten und Dörfern auf dem Gebiet der Diözese aktuell mehr als 90 Prozent von der Außenwelt abgeschnitten seien. Raubüberfälle, Entführungen und Morde hätten so massiv zugenommen, dass die Diözese seit Anfang 2022 ihre Seelsorger aus fünf weiteren Pfarreien abberufen musste.
In sieben weiteren Gemeinden seien die oft abgelegenen Außenstellen nicht mehr zu erreichen; die Straßen seien in der Kontrolle von Milizen und deshalb unpassierbar. Da auch die Telefon- und Internetverbindungen gekappt wurden, habe man keine Informationen über die dortigen Gemeindemitglieder.

Auslöser dieser dramatischen Situation ist der islamistische Terror, der sich seit dem Jahr 2015 in Burkina Faso immer weiter vorwärts frisst. Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von KIRCHE IN NOT zufolge ist das Land zu einem der Hauptoperationsgebiete des militanten Dschihadismus in Afrika geworden. Während sich die Gewalt zu Beginn unterschiedslos gegen die gesamte Bevölkerung richtete, kommt es nach Angaben von lokalen Beobachtern seit 2019 vermehrt zu gezielten Attacken auf Christen, die etwa ein Viertel der Bevölkerung Burkina Fasos ausmachen.
Der Bericht der Diözese Fada N’Gourma an KIRCHE IN NOT enthält auch die Aussage eines Priesters, der das übliche Vorgehen der Terroristen schildert. Demnach eroberten Milizen Ende Februar die Stadt Tombaga im Osten der Diözese. Die Bewohner seien in der Moschee zugsammengeführt worden. Die Terroristen hätten die anwesenden Christen aufgefordert, zum Islam zu konvertieren. „Sie sagten, Isa (Name für Jesus im Islam; d. Red.) sei gekommen, aber seine Mission sei beendet. Mohammed sei sein Nachfolger“, zitiert der Bericht den Augenzeugen. Anschließend hätten die Milizen eine katholische Schule und weitere staatliche Bildungseinrichtungen in Brand gesetzt.

Auslöser dieser dramatischen Situation ist der islamistische Terror, der sich seit dem Jahr 2015 in Burkina Faso immer weiter vorwärts frisst. Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ von KIRCHE IN NOT zufolge ist das Land zu einem der Hauptoperationsgebiete des militanten Dschihadismus in Afrika geworden. Während sich die Gewalt zu Beginn unterschiedslos gegen die gesamte Bevölkerung richtete, kommt es nach Angaben von lokalen Beobachtern seit 2019 vermehrt zu gezielten Attacken auf Christen, die etwa ein Viertel der Bevölkerung Burkina Fasos ausmachen.
Der Bericht der Diözese Fada N’Gourma an KIRCHE IN NOT enthält auch die Aussage eines Priesters, der das übliche Vorgehen der Terroristen schildert. Demnach eroberten Milizen Ende Februar die Stadt Tombaga im Osten der Diözese. Die Bewohner seien in der Moschee zugsammengeführt worden. Die Terroristen hätten die anwesenden Christen aufgefordert, zum Islam zu konvertieren. „Sie sagten, Isa (Name für Jesus im Islam; d. Red.) sei gekommen, aber seine Mission sei beendet. Mohammed sei sein Nachfolger“, zitiert der Bericht den Augenzeugen. Anschließend hätten die Milizen eine katholische Schule und weitere staatliche Bildungseinrichtungen in Brand gesetzt.
In vielen Orten der Diözese Fada N’Gourma sei es verboten, eine andere Religion als den Islam auszuüben, heißt es in dem Bericht. Mancherorts dürften zwar noch christliche Gottesdienste abgehalten werden, würden aber von den lslamisten überwacht. Trotz der prekären Lage gebe es jedoch nach wie vor ein lebendiges Gemeindeleben. Vielen christlichen Bewohnern aus den abgeschnittenen Dörfern sei die Flucht gelungen; sie hätten sich rund um die Ortschaft Matiakoali niedergelassen, wo Militär stationiert und es deshalb vergleichsweise sicher ist.
KIRCHE IN NOT unterstützt in Burkina Faso aktuell 75 Einzelprojekte, um das Überleben und die Nothilfe der katholischen Kirche in der angespannten Situation zu sichern. Im Bistum Fada N’Gourma hat das Hilfswerk den Bau einer Schule finanziert und zahlt Stipendien für Flüchtlingskinder.
Mit Messstipendien, der Gabe für die Feier einer heiligen Messe, hilft KIRCHE IN NOT den mittellosen Seelsorgern. Die Einnahmen kommen darüber hinaus häufig den karitativen Einsätzen zugute, zum Beispiel wenn ein Priester kranke oder verletzte Gemeindemitglieder ins nächstgelegene Krankenhaus bringt oder Medikamente besorgt. Da viele Kommunikationskanäle abgeschnitten sind, ist das Radio oft die einzige Möglichkeit, um Informationen weiterzugeben. KIRCHE IN NOT unterstützt deshalb die Medienarbeit der katholischen Diözese und wird das auch in Zukunft intensivieren.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Burkina Faso
In den letzten zwei Monaten wurden allein in einem Bundesstaat in der Zentralregion Nigerias mindestens 68 Christen getötet und viele weitere entführt oder vertrieben. KIRCHE IN NOT „ist eine Quelle des Lichts in einem Tal der Finsternis“, sagt Bischof Wilfred Anagbe.
In einem Bericht an das Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) beklagt der Bischof von Makurdi, einer der Diözesen im Bundesstaat Benue, die Untätigkeit der nigerianischen Bundesregierung und zählt die dringenden Bedürfnisse von Tausenden der 1,5 Millionen Menschen auf, die aus ihren Häusern vertrieben worden sind. “Natürlich ist es für mich und mein Volk schrecklich, in einer solchen Situation leben zu müssen, um es vorsichtig auszudrücken“, sagt Bischof Wilfred Chikpa Anagbe.
Im Mittelpunkt des Problems stehen die anhaltenden Angriffe von Terroristen des mehrheitlich muslimischen Fulani-Stammes auf die mehrheitlich christlichen Bauerngemeinden in der Zentralregion Nigerias. Die Gründe für diese Angriffe sind komplex. Die Konflikte zwischen nomadischen Hirten und sesshaften Bauern reichen Jahrhunderte zurück, aber die Einfuhr hochwertiger Schusswaffen in den letzten Jahren hat die Angriffe noch tödlicher und zerstörerischer gemacht.
Der religiöse Aspekt verschlimmert die Situation in einem Land, das zwischen dem mehrheitlich christlichen Süden und dem mehrheitlich muslimischen Norden geteilt ist, wobei die meisten Zusammenstöße in der zentralen Region stattfinden, die auch das fruchtbarste Land besitzt. Dem Bischof zufolge tarnen sich die Terroristen als nomadische Hirten, um die wahre Absicht ihrer Angriffe zu verschleiern, nämlich die Christen von ihrem Land zu vertreiben.

Die Situation hat laut dem Bischof zu einer „unerträglichen Lebensmittelknappheit“ geführt. „Der Bundesstaat Benue ist bekanntlich der Nahrungsmittelkorb der Nation, aber der Terrorismus trifft die Lebensmittelversorgung.“ Infolgedessen müssen die Bauern, die sich und ihre Familien normalerweise selbst versorgen könnten, nun von Almosen leben.
„Die Notsituation hat viele in einen menschenunwürdigen Zustand versetzt, da sie oft auf Lebensmittelrationen angewiesen sind, die von anderen gespendet werden, deren wirtschaftliche Lage nicht viel besser ist.“

Makurdi beherbergt derzeit 80 % der Vertriebenen im Bundesstaat Benue, und trotz finanzieller Schwierigkeiten tut die örtliche Kirche ihr Bestes, um das Leid und die Not zu lindern, indem sie Nahrungsmittel und lebensnotwendige Güter bereitstellt. Kürzlich verteilte die Kommission für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden Lebensmittel und Kleidung an über 1800 Menschen allein in einem Lager. Die Diözese vergibt auch Stipendien an Dutzende von vertriebenen Kindern, damit sie die Chance auf eine Schulbildung haben.
Die Instabilität der Region macht dies jedoch manchmal schwierig. Der Bischof selbst sagt: „Ich bin seit einigen Jahren nicht mehr in der Lage, in Teilen meiner Diözese pastorale Aktivitäten durchzuführen.“
„Neben den oben genannten Initiativen haben wir auch die seelsorgerische Betreuung dieser Menschen nicht vergessen. In einigen der Siedlungsgebiete gibt es eine Pfarrei, die sich um die spirituellen Bedürfnisse der Binnenvertriebenen kümmert“, so der Bischof abschließend. Er fügt hinzu, dass er immer noch hofft, eine mobile Klinik anschaffen zu können, damit sich besser um die gesundheitlichen und psychosozialen Bedürfnisse der Vertriebenen gekümmert werden kann.

Die Probleme mit den Fulani-Hirten, bewaffneten Gruppen und islamischen Extremisten in Nigeria bestehen schon seit mehreren Jahren, aber die Kirche beklagt, dass die Untätigkeit der Regierung die Situation verschlimmert hat.
Nach Ansicht des Bischofs „unterstreicht das Ausmaß der Tötungen, der Vertreibung und der mutwilligen Zerstörung von Eigentum durch diese dschihadistischen Fulani-Milizen nur den nun offenbar gewordenen Plan, christliche Gemeinden in Nigeria zu entvölkern und ihr Land zu übernehmen. Es ist bezeichnend, dass die derzeitige nigerianische Regierung nichts gegen diese anhaltenden Angriffe unternimmt, und dafür Begründungen wie den ‚Klimawandel‘ oder dass auch einige Muslime manchmal bei Angriffen von so genannten Banditen getötet werden, vorbringt.“

Von den örtlichen Behörden im Stich gelassen, ist die Kirche dankbar für die Unterstützung, die sie von KIRCHE IN NOT erhalten hat, das Bischof Anagbe als „eine Lichtquelle in einem Tal der Finsternis“ bezeichnet.
KIRCHE IN NOT unterstützt weiterhin die lokale Kirche, die in vielen Teilen des Landes unter Armut und Verfolgung leidet. Im Jahr 2021 finanzierte das internationale Hilfswerk 105 Projekte in Nigeria in verschiedenen Bereichen. KIRCHE IN NOT bietet auch eine Plattform für Informationen über das Leiden der Christen und hilft den örtlichen führenden Geistlichen, sich bei internationalen Veranstaltungen zu Themen wie Religionsfreiheit und Christenverfolgung zu äußern.
Weitere Informationen zur Lage der Christen in Nigeria enthält der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“, den KIRCHE IN NOT alle zwei Jahre herausgibt: zum Bericht über Nigeria
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Nigeria