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„Wir stehen in ständigem Kontakt mit Schwester Abrehhet Cahasai, der Oberin unserer Gemeinschaft in Äthiopien, und mussten erfahren, dass unsere Schwester zusammen mit fünf anderen Ordensleuten und mehreren Diakonen am vergangenen Dienstag, dem 30. November, verhaftet wurde. Die Sorge um sie ist groß. Wir haben keine Nachrichten und verstehen immer noch nicht den Grund für eine solche Aktion“, so Schwester Raffaella Pedrini, Generaloberin der Ursulinen von Gandino, bestätigt Fides, mit Bezug auf eine Razzia gegen katholische Ordensleute am 30. November, bei der unter anderem ihre Mitschwester, Schwester Abrehet Teserma von den Ursulinen von Gandino, verhaftet wurde.

Die achtundvierzigjährige Abrehet Teserma ist Erzieherin im Kindergarten in Shola, Addis Abeba, einem von zwei Kindergärten, die dem Orden in der äthiopischen Hauptstadt gehören. Die Ursulinen von Gandino, die seit 1967 in Äthiopien tätig sind, widmen den größten Teil ihrer Aktivitäten dem Unterricht und der Gesundheitsfürsorge. Sie haben Niederlassungen im ganzen Land, einige davon in den nördlichen Gebieten, dem Schauplatz des schrecklichen Konflikts, der Äthiopien seit etwas mehr als einem Jahr heimsucht. In Adigrat, einem der wichtigsten Missionszentren, der Hauptstadt des Staates Tigray, gibt es neben einem Haus für angehende Ordensleute zwei Kindergärten, eine Grundschule und eine Mittelschule, in denen etwa 1400 Schüler unterrichtet werden. „Im Norden haben wir drei Häuser, von denen zwei, in Adigrat und Wukro, in Tigray liegen. Wir haben schon lange nicht mehr mit unseren Schwestern dort sprechen können. Wir haben keinen Kontakt und keine Nachrichten. U m Informationen zu erhalten, lasen wir früher die Zeitungen, die über die Ereignisse bereichten… Im Übrigen stehen wir in regelmäßigem Kontakt mit unserer dortigen Oberen, Schwester Abrehhet Cahasai, die uns in dieser kritischen Situation einige Informationen geliefert hat. Wir hatten auch erst kürzlich mit ihr gesprochen und ahnten nichts von einer drohenden Gefahr, wir konnten uns nicht vorstellen, dass es zu einer Verhaftung kommen würde“.

Neben Schwester Abrehet Teserma wurden fünf Schwestern der Kongregation der Töchter der Nächstenliebe des Heiligen Vinzenz von Paul und zwei Diakone verhaftet. Beobachtern zufolge könnte die Tatsache, dass es sich bei den verhafteten Ordensleuten Vertreter der ethnischen Gruppe der Tigray handelt, Teil einer Kampagne der Regierungstruppen gegen diese Volksgruppe sein, die beschuldigt werden, die Rebellen der TPLF (Tigray People’s Liberation Front) im ganzen Land unterstützt zu haben. „Unsere Ordensschwestern in Äthiopien sind überwiegend Tigrayanerinnen. Wir sind sehr besorgt über das Schicksal unserer verhafteten Schwestern und Brüder und stehen in Kontakt mit der anderen Gemeinde, die von diesem Vorfall betroffen ist. Wir denken daran, das Sekretariat der äthiopischen katholischen Kirche zu kontaktieren“, so Schwester Raffaella Pedrini abschließend.

Die Kongregation der Ursulinen von Gandino wurden 1818 in der norditalienischen Provinz Bergamo gegründet und hat insgesamt 51 Häuser, davon 23 in Italien, 2 in Polen, 12 in Eritrea, eines im Südsudan, 7 in Äthiopien, 4 in Argentinien, 2 in Brasilien. In Äthiopien sind die Schwestern in Addis Abeba, Dessié, Kobbo, Wukro, Adigrat und Tullo mit Ordensgemeinschaften vertreten. (Quelle: Fidesdienst, Bild: Andro96/wikipedia)

Ein Jahr nach Ausbruch des blutigen Konflikts in der Region Tigray im Norden Äthiopiens greifen die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Anhängern der „Tigray´s People Liberation Front“ (TPLF) auf benachbarte Landesteile über. In der Region Amhara, die an Tigray grenzt, setzte nach Eroberungen durch die TPLF eine Massenflucht ein, berichtet ein katholischer Missionar aus der Region dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Aus Sicherheitsgründen muss der Name des Ansprechpartners anonym bleiben. Er lebte bis Ende Oktober in der Stadt Kombolcha am Rande der Region Amhara, etwa 380 Kilometer nördlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba. Er und weitere Priester kümmerten sich dort um die Menschen, die aus der Region Tigray geflüchtet waren: „Wir haben viel Leid gesehen. In unserer kleinen Stadt Kombolcha gab es über 4000 Binnenvertriebene. Wir taten, was wir konnten, um Lebensmittel, Decken und Wasser zu beschaffen. Es nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, berichtet der Ansprechpartner.

Landschaft in Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

„Die Lage hat sich verschlechtert“

Innerhalb kurzer Zeit habe sich die Sorge um die humanitäre Hilfe für die Binnenflüchtlinge in Angst vor der näher rückenden Front verwandelt. „Die Lage hat sich verschlechtert. Jetzt sind auch wir gezwungen, zu fliehen“, schrieb der Priester in einer Nachricht am Abend des 30. Oktober. Einen Tag später nahm die TPLF die Städte Kombolcha und Dessie ein, nachdem sie die Regierungstruppen immer weiter in die Defensive gedrängt hatte.

„Meine Mitbrüder sind schon weg, jetzt bleibe ich alleine hier. Ich muss sehen, ob ich morgen auch fliehen kann“, schrieb der Missionar. Viele Menschen seien getötet worden. Wie er „Kirche in Not“ am Allerheiligentag berichtete, konnte er kurz vor der Einnahme der Stadt entkommen und sich etwa 50 Kilometer südlich Richtung Addis Abeba absetzen. „Ich bin nicht mehr in Gefahr. Die Straßen hier sind voller Menschen“, schrieb er in seiner bislang letzten Nachricht.

Ein Priester besucht eine Familie in der Region Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

Friedenshoffnungen wurden enttäuscht

Schon vor der Eskalation der Ereignisse Anfang der Woche habe eine Massenflucht aus der Region eingesetzt: „Wer Verwandte in Addis Abeba hatte, schickte Frauen und Kinder dorthin. Wir haben auch unsere Priesterseminaristen aus Kambolcha in die Hauptstadt evakuiert. Nur wir Priester sind zunächst geblieben, um bei den vielen Flüchtlingen zu sein – und um zu sehen, wie sich die Dinge entwickeln“, sagte der Missionar KIRCHE IN NOT.

Die im Sommer aufkeimenden Friedenshoffnungen nach der Wiederwahl von Premierminister Abiy Ahmed seien enttäuscht worden: „Vor der Vereidigung waren überall in der Hauptstadt Schilder mit der Aufschrift ,Neuanfang’ zu sehen. Wir hofften, dass der Krieg zu Ende gehen würde. Stattdessen ist er uns immer nähergekommen.“

Der Norden Äthiopiens ist für Hilfe von außen nahezu unzugänglich. Angesichts der Spannungen wissen die katholischen Missionare, dass materielle Hilfe schwer zu bekommen ist. „Wir bitten Sie um Ihr Gebet für Frieden und Sicherheit in unserer Region sowie um andere Formen der Unterstützung“, schrieb der Missionar an KIRCHE IN NOT.

Am 4. November 2020 hatten die Kämpfe in der Region Tigray begonnen. Premierminister Abiy Ahmed warf der TPLF damals die Abhaltung illegitimer Wahlen vor und entsandte Truppen in die Region. Vorausgegangen waren jahrelange ethnische und politische Auseinandersetzungen zwischen den Tigray und den anderen Bevölkerungsgruppen. In dem Bürgerkrieg kamen den Regierungstruppen auch Einheiten aus dem Nachbarland Eritrea zu Hilfe. Auch das reiche christliche Erbe Äthiopiens wurde durch die Kämpfe bedroht: Die Städte Lalibela, bekannt für ihre Felsenkirchen, und Axum, die ehemalige Hauptstadt und nach äthiopischer Überlieferung Aufbewahrungsort der Bundeslade, gerieten zwischen die Kampflinien.

In einem Flüchtlingslager in Kombolcha. © Kirche in Not
Die äthiopische Bevölkerung setzt sich je zur Hälfte aus Christen und Muslimen zusammen. Das Land ist von einer jahrtausendealten christlichen Tradition geprägt. Die meisten Christen gehören der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche an. Es gibt eine kleine, aber lebendige katholische Gemeinschaft, die sich in den lateinischen Ritus und den äthiopischen Geez-Ritus aufteilt.

Unterstützen Sie das Überleben und die Arbeit der Seelsorger für die notleidende Bevölkerung Äthiopiens mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Gezielte Angriffe auf junge Menschen, wahllose Morde und sexuelle Gewalt, einschließlich der Vergewaltigung von Ordensfrauen, ereignen sich laut einer kirchennahen Quelle aktuell in der umkämpften Region Tigray im Norden Äthiopiens. Der Gesprächspartner, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben muss, machte gegenüber dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) unter anderem Militärs aus dem Nachbarland Eritrea für die Gräueltaten verantwortlich.

„Das ist nicht nur ein Kampf zwischen Militäreinheiten; sie töten alle. Das ist eindeutig ein Völkermord an den Menschen von Tigray.“ Die anonyme Quelle bestätigte damit die Einschätzung des Oberhaupts der äthiopisch-orthodoxen Tewahedo-Kirche, Patriarch Mathias. Dieser hatte Anfang Mai von einem Völkermord in der Region Tigray gesprochen.

Blick auf eine Kirche in der Region Tigray (Symbolbild). © KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik

Bürgerkrieg dauert seit November an

Die Kämpfe im Norden Äthopiens brachen im November vergangenen Jahres aus. Premierminister Abiy Ahmed warf der „Tigray´s People Liberation Front“ (TPLF) die Abhaltung illegitimer Wahlen vor und entsandte Truppen in die Region. In dem ausbrechenden Bürgerkrieg kamen den Regierungstruppen auch Einheiten aus dem Nachbarland Eritrea zu Hilfe.

Die anonyme Quelle berichtete, dass die Truppen auch Jugendliche aus der Zivilbevölkerung gezielt angriffen. Zahlreiche Bewohner der Region seien in den benachbarten Sudan geflüchtet. Der Ansprechpartner beschrieb auch, dass zahlreiche Frauen und Mädchen durch eritreische Soldaten missbraucht worden seien. Unter den Opfern befänden sich auch Ordensfrauen. „Es ist eine Form des Missbrauchs, wie Sie ihn vielleicht noch nie gehört haben. Angehörige unseres Volkes, unsere Ordensschwestern wurden vergewaltigt. Einige von ihnen mussten wir ins Krankenhaus bringen. Mehrere Anlaufstellen, wo wir Hilfe bekommen könnten, haben die Soldaten geschlossen.“

Ordensschwestern in Äthiopien.

„Psychischer Schmerz und Panik“

Rund 90 Prozent der Bewohner der Region Tigray seien vertrieben worden, so der Ansprechpartner. „Dieser Krieg hat eine große humanitäre Krise ausgelöst, die sich in einer überwältigenden Zahl von zivilen Opfern, der Vertreibung von Millionen Menschen, der Zerstörung unserer wirtschaftlichen und sozialen Grundlagen, psychischen Schmerzen und Panik ausdrückt.“

Die Region brauche dringend internationale Unterstützung, hob die anonyme Quelle hervor. „Die Kirche ist überall – sie öffnet ihre Hand. Ich erinnere mich gut an die Hilfe von ,Kirche in Not’. Wir sind seit langem Partner. Die aktuelle Krise in Tigray ist beispiellos im Vergleich mit allen anderen humanitären Krisen, an die wir uns je erinnern können.“

KIRCHE IN NOT leistet in der Region Tigray Nothilfen für Priester und Ordensleute. Seit 2019 hat KIRCHE IN NOT rund 100 Projekte in Äthiopien unterstützt, darunter den Bau von Kapellen und Klöstern, die Ausbildung von Katecheten oder die Anschaffung von Fahrzeugen für Seelsorger und Gemeinden. Eine wichtige Unterstützung für die Priester sind auch Mess-Stipendien, da die Seelsorger über kein reguläres Einkommen verfügen.

Unterstützen Sie die Arbeit und die Nothilfe der Kirche während des Bürgerkriegs in Äthiopien! Spenden Sie – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Der seit einem halben Jahr anhaltende Konflikt in der nordäthiopischen Provinz Tigray hat sich zu einer humanitären Katastrophe für die dortige Zivilbevölkerung entwickelt. „Es herrschen Hunger und Angst. Die aktuelle Situation ist immer noch von dem verheerenden Krieg geprägt, der nahezu in der gesamten Region wütet“, berichtete ein äthiopischer Priester aus Tigray gegenüber KIRCHE IN NOT. Aus Sicherheitsgründen muss der Gesprächspartner anonym bleiben.

Unser Hilfswerk konnte mit dem Priester am Telefon sprechen, nachdem er fast fünf Monate von jeder Verbindung zur Außenwelt abgeschnitten war. Dabei betonte er, dass „die Situation von Minute zu Minute schlimmer wird“ und „die Menschen am Rand des Abgrunds stehen“.

Vor allem Kinder litten unter Unterernährung; viele seien zu Waisen geworden, und niemand kümmere sich um sie. Der Priester berichtete auch von Müttern, die im allgemeinen Chaos von Flucht und Kämpfen ihre Kinder aus den Augen verloren hätten und den Seelsorger bitten, ihnen zu helfen.

Landschaft in Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

„Nicht genug zu essen, keine Medikamente, keine Sicherheit”

„Mir fehlen die Worte, um das Leid zu beschreiben: Es gibt so viel Verzweiflung, die Menschen sind traumatisiert“, sagte der Gesprächspartner. Es gebe keine funktionierende Infrastruktur mehr in der Region, „nicht genug zu essen, keine Medikamente, keine Sicherheit und kein Vertrauen“. Der größte Teil der Provinz sei die meiste Zeit von allen Kommunikationskanälen abgeschnitten, Internet und Stromversorgung seien eingeschränkt.

In der Provinz Tigray ist seit November ein Kampf zwischen Regierungstruppen und der „Volksbefreiungsfront von Tigray“ (TPLF) entbrannt. In die staatliche Militäroffensive schaltete sich auch das Nachbarland Eritrea ein. Ob der angekündigte Truppenabzug der eritreischen Streitkräfte mittlerweile erfolgt sei, sah das US-Außenministerium in einer jüngsten Mitteilung nicht als bewiesen an.

Ein Priester besucht eine Familie in der Region Tigray (Foto: KIRCHE IN NOT/Magdalena Wolnik).

Mehr als eine Million Menschen auf der Flucht

UN-Berichten zufolge sind innerhalb der Region mehr als eine Million Menschen auf der Flucht und über 2,3 Millionen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Berichte über Menschenrechtsverletzungen gegenüber Zivilisten häufen sich – darunter auch kirchliche Vertreter und Gläubige.

Auch der anonyme Gesprächspartner bestätigte, dass in seiner Gegend „drei katholische Pfarrer bedroht und geschlagen wurden“. Sämtliches Eigentum der Kirchengemeinden sei von Soldaten geplündert worden. „Hunderte Menschen wurden brutal ermordet.“

Trotz dieser verheerenden Situation „hat die Kirche nie aufgehört, ihrer Aufgabe nachzukommen“, betonte der Priester. Er war zunächst als Missionar in entlegenen Gebieten im Süden Äthiopiens tätig und wurde von KIRCHE IN NOT unterstützt. Bereits dort setzte er sich für den Frieden zwischen den verschiedenen Ethnien ein. Äthiopien besteht aus 120 Volksgruppen, die teilweise in Konflikt miteinander stehen.

Ordensschwestern in Äthiopien.

„Über Frieden und Versöhnung sprechen”

Auch jetzt während der Kämpfe in Tigray sei es notwendig, mit den Menschen über Frieden und Versöhnung zu sprechen, betont der Priester. Sein Wunsch ist es, ein Entwicklungsprojekt für Jugendliche auf die Beine zu stellen, „denn die Jugend ist das Rückgrat der gesamten Umwandlung der Gesellschaft, sowohl wirtschaftlich als auch geistlich. Wir müssen mit der Ausbildung junger Menschen beginnen.“

Trotz der großen Schwierigkeiten bei der Einreise in das Konfliktgebiet und bei der Kommunikation mit der Krisenregion unterstützt KIRCHE IN NOT die Priester der äthiopisch-katholischen Eparchie (Diözese) von Adigrat, die ganz Tigray umfasst, mit Messstipendien. Die Gaben für die Feier einer heiligen Messe sind eine wichtige Existenzhilfe für die Seelsorger und unterstützen ihre Arbeit in den Gemeinden.

„Beten Sie weiter und helfen Sie. Wir brauchen materielle und geistliche Unterstützung“, wandte sich der Priester an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT. „Angesichts der schwierigen Situation, in der wir hier in Tigray leben, ist die Kirche aufgerufen, mehr denn je zu handeln.“

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Seit 1910 sind Missionsfranziskanerinnen Unserer Lieben Frau in Äthiopien tätig. Heute sind es 76 Schwestern, die in verschiedenen Teilen des Landes in der Gesundheitsfürsorge, in der Erziehung und in der Katechese aktiv.

Zwölf Schwestern leben in dem kürzlich gegründeten Altenheim der Ordensgemeinschaft. Sie sind zwischen 78 und 90 Jahren alt. Ihr ganzes Leben haben sie in sehr armen Gegenden als Krankenschwestern, Apothekerinnen, Lehrerinnen, Katechetinnen gearbeitet oder waren in ihrer Gemeinschaft für die Ausbildung der jungen Schwestern und für die Durchführung von Projekten verantwortlich oder fungierten Verwalterinnen oder Ordensobere.

Unsere Wohltäter haben geholfen, damit die alten, pflegebedürftigen Schwestern nun nach einem langen und aufopferungsvollen Leben selbst die Pflege erfahren, die sie benötigen.

Schwester Margareth, die für das Schwesternaltenheim verantwortlich ist, schreibt uns: “Wir sind sehr stolz auf unsere betagten Schwestern, die dem Herrn und Seinem Volk viele Jahre lang mit ganzem Herzen und ganzer Hingabe gedient haben und die der Kirche weiterhin mit dem, was sie tun können, dienen, insbesondere mit ihren täglichen Gebet.”

Heute sind die betagten Ordensfrauen selbst auf Hilfe angewiesen. Einige sind schwer krank und bettlägerig. Um ihre Pflege verbessern, hatte die Ordensgemeinschaft KIRCHE IN NOT um Hilfe für zwei elektrische Pflegebetten, die am Kopf- und Fußende durch Knopfdruck verstellt werden können, und zwei Rollstühle gebeten.

“Wir sind sehr stolz auf unsere betagten Schwestern, die dem Herrn und Seinem Volk viele Jahre lang mit ganzem Herzen und ganzer Hingabe gedient haben.“
Unsere Wohltäter haben 4.500 Euro gespendet, damit die alten, pflegebedürftigen Schwestern nun nach einem langen und aufopferungsvollen Leben selbst die Pflege erfahren, die sie benötigen. Ein herzliches Vergelt’s Gott allen, die dazu beigetragen haben!

Seit Beginn der Gefechte in der Region Tigray am vergangenen 4. November, gibt es keine gesicherten Nachrichten über das Schicksal des katholischen Bischofs Tesfaselassie Medhin und seiner Priester und Ordensleute aus der Eparchie von Adigrat. Die berichten lokale Quellen gegenüber Fides, die die wachsende Besorgnis aufgrund des anhaltenden Schweigens von Bischof Tesfaselassie nicht verbergen. In der Eparchie sind rund einhundert Ordensleute die die katholische Diözese des orientalischen Ritus in der Eparchie begleiten, die die gesamte Region Tigray umfasst. Die einzige indirekte Mitteilung, die dem Bischof zuzurechnen sei, sei ein Brief an einige Mitarbeiter, der auf den 23. November zurückgeht. In dem Brief verwies Bischof Medhin auf die schwierige humanitäre Situation in Tigray, wo Medikamente, Lebensmittel, Treibstoff und alle lebenswichtigen Güter fehlen.

Der Konflikt in der nördlichen Tigray-Region Äthiopiens hat bisher die Flucht von mehr als 50.000 in den Sudan verursacht. Diese könnten sich nach Angaben der Vereinten Nationen bis Ende Dezember verdoppeln. Fast 900.000 Menschen, hauptsächlich Kinder unter 11 Jahren, seien bereits in einem kritischen Zustand. Im Zusammenhang mit dem Konflikt wurden Kommunikationswege blockiert, so dass es nahezu unmöglich ist, die Richtigkeit der von beiden Seiten bereitgestellten Informationen zu überprüfen.

Laut lokalen Quellen hat die äthiopische Armee derzeit die Kontrolle über mehrere Städte nahe der Grenze zu Eritrea, darunter Dansha und Shire. Diplomaten, regionale Sicherheitsbeamte und humanitäre Helfer sagen, dass sich die Kämpfe im Nordwesten des Landes entlang der Grenze zu Sudan und Eritrea ausbreiten. „Die Situation gerät zunehmend außer Kontrolle und hat erschreckende Auswirkungen auf die Zivilbevölkerung. Eine externe Beobachtung ist dringend erforderlich“, so Michelle Bachelet, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte. (Quelle: Fidesdienst)

60 Jahre ist es her, dass 17 Staaten Afrikas ihre Unabhängigkeit erlangten – darunter Kamerun, Somalia, die Demokratische Republik Kongo, die Zentralafrikanische Republik und Nigeria. Das Jahr 1960 wird darum auch als „Afrikanisches Jahr“ bezeichnet – die europäische Kolonialherrschaft auf dem Kontinent ging nach und nach zu Ende.

In die Freude über Selbstbestimmung und Eigenstaatlichkeit mischt sich Nachdenklichkeit: Nach wie vor befinden sich viele Länder Afrikas in tiefer Krise. Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT blickt mit Professor Apollinaire Cibaka Cikongo auf 60 Jahre Unabhängigkeit zurück. Der Priester lehrt an der Universität von Mbuji-Mayi im Süden der Demokratischen Republik Kongo und hat unter anderem zahlreiche Werke zu gesellschaftspolitischen Themen verfasst.

Eine Ordensschwester in Ruanda versorgt eine ältere Frau. © KIRCHE IN NOT

 KIN: Herr Professor Cikongo, Sie haben kürzlich gesagt, dass seit dem „Afrikanischen Jahr“ 60 Jahre des Scheiterns vergangenen sind, die Afrika zum Kontinent der Gewalt gemacht haben. Ist diese Analyse nicht zu hart?

Appolinaire Cibaka Cikongo: Es ist die Wahrheit. Die gegenwärtige Gestalt Afrikas südlich der Sahara ist nicht das Ergebnis einer positiven Dynamik, sondern einer Dynamik der Gewalt. Sie wurde durch die westliche Eroberung hervorgerufen: Sklavenhandel, Kolonialisierung, Diktaturen und Schein-Demokratien. Subsahara-Afrika ist ein geopolitisches Gebilde, das auf Gewalt aufbaut, Gewalt erleidet und von Gewalt lebt.

Die Gewalt zeigt ihr grausamstes Antlitz in den kriegerischen Auseinandersetzungen. Sie haben die vergangenen 60 Jahre geprägt und dauern immer noch an. Warum?

Es gibt viele Faktoren, die zum Ausbruch dieser Kriege geführt haben; ich möchte drei hervorheben: Erstens die Konflikte, die durch eine „gescheiterte Koexistenz“ aufgrund künstlicher geopolitischer Entscheidungen verursacht werden. Zweitens die Kriege, die durch Gier und Wirtschaftsinteressen einiger indigener Gruppen und internationaler Mächte verursacht werden. Und drittens die Religionskriege, durch die Völker gewaltsam bekehrt werden sollen und die sich gegenwärtig in einem gewalttätigen, blinden und grundlosen islamistischen Terrorismus zeigen.

In manchen Staaten gibt es ohne die Kirche keine Hoffnung und keine Zukunft. Das zeigt sich in vielen Bereichen, besonders in der Bildung und der Gesundheitsvorsorge.

Sie haben von Gier gesprochen. Zahlreiche afrikanische Länder verfügen über große natürliche Ressourcen. Doch die Menschen leiden dort paradoxerweise umso mehr unter Armut und Verwahrlosung. Was sind die Gründe dafür, warum sich daran auch nach 60 Jahren Unabhängigkeit nichts geändert hat?

Unsere Wirtschaft beruht auf den Interessen der Großmächte, die uns unterjocht haben – aber auch auf den Interessen der „neuen“ Mächte, die aus Asien kommen. Noch heute profitieren diese Mächte aufgrund der ungerechten Gesetze einer grausamen Marktwirtschaft mehr von den vorhandenen Ressourcen als die eigentlichen Eigentümer. Darüber hinaus war die afrikanische Wirtschaft nicht in der Lage, sich zu entwickeln oder zu diversifizieren. Sie geht nicht über Gewinnung und den Verkauf von Rohstoffen hinaus.

Später kaufen wir die aus den Rohstoffen hergestellten Waren auf den vom Ausland dominierten Märkten zu einem hohen Preis zurück. Es gibt aber auch eine „Wirtschaft der Verschwendung und des Diebstahls“ in den afrikanischen Ländern selbst: Das Wenige, das im Land bleibt, wird nicht zum Wohler aller Bürger eingesetzt, sondern für die Interessen und Launen der Mächtigen.

Einige afrikanische Projektpartner von KIRCHE IN NOT beklagen eine anhaltende „soziale Unterwerfung“, was Lebensart und Kultur angeht. Es gibt Berichte, wonach internationale Organisationen als Voraussetzung für Hilfen Bedingungen stellen, die Auswirkungen auf Weltanschauung und Lebensbild der Afrikaner haben. Stimmt das?

Es handelt sich um eine kulturelle Gewalt von Seiten fremder Staaten und Interessensgruppen. Sie verleugnen die tief verwurzelten afrikanischen Werte, um uns fremde Sitten und Gebräuche aufzuzwingen, die oft im Widerspruch zum Naturrecht stehen. Dies geschieht vor allem im Hinblick auf das Leben und die Familie. Es gibt einen starken wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Druck. Es handelt sich auch um eine „anthropologische Gewalt“: Sie nimmt uns das Recht auf Entscheidungsfreiheit. Ich denke, das ist das Hauptvermächtnis des Sklavenhandels, der Afrika in eine Hölle verwandelt hat.

Wie würden Sie die Rolle der katholischen Kirche Afrikas in den vergangenen 60 Jahren bezeichnen?

Die Kirche ist die am besten funktionierende Institution. In vielen Ländern, zum Beispiel in der Demokratischen Republik Kongo, ist die Kirche ein Art „Ersatz-Staat“, ohne den es kein Leben, keine Hoffnung, keine Zukunft gibt. Das zeigt sich in vielen Bereichen, besonders in der Bildung und der Gesundheitsvorsorge. So leitet die Kirche etwa die Hälfte der Schulen, Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Unter ihnen befinden sich die besten Einrichtungen des Landes, aber auch die einzigen in den Dörfern, die vom Staat oft vollkommen vergessen sind.

Begräbnis in einem abgelegenen afrikanischen Dorf in Kenia.

Mit welchen Schwierigkeiten hat die afrikanische Kirche derzeit zu kämpfen?

Die katholische Kirche leistet ihre pastorale und soziale Arbeit trotz Zerbrechlichkeit von innen und Feindschaft von außen. Wir leiden unter innerer Zerbrechlichkeit, weil viele Gläubige ihre Berufung in der Welt kaum leben. Das gesamte soziale Engagement ruht auf den Schulten der einzelnen Bischöfe und der Bischofskonferenzen. Darüber hinaus mangelt es am Geld; wir sind von der Großzügigkeit aus dem Ausland abhängig. Schließlich leben wir in einem Klima starker religiöser Konkurrenz, es gibt viele evangelikale Sekten. Außerdem sind unsere Mitgliederzahlen rückläufig, weil es uns nicht gelungen ist, unsere apostolische Tätigkeit zu erneuern.

Sie haben auch eine Feindseligkeit von außen genannt. Worin besteht die?

Aufgrund ihres sozialen Engagements bedroht die Kirche viele Interessen. Deshalb ist es für viele Menschen ein Ziel, den Einfluss der Kirche zu verringern. Wir sind eine unbequeme Kirche, die von einigen Staaten gehasst oder sogar verfolgt wird. Einige Menschen oder Gruppen versuchen, jede kritische Äußerung mit Gewalt und Einschüchterung zum Schweigen zu bringen.

Weitere Methoden, die Kirche zu schwächen, bestehen darin, die Christen zu spalten oder die Korruption in der „religiösen Welt“ durch Schaffung neuer christlicher Kirchen zu fördern, von denen viele reine Geschäftsbetriebe sind. In der Demokratischen Republik Kongo hat der Staat in den letzten 30 Jahren rund 17 0000 christlichen Gemeinschaften Rechtsstatus gewährt. Das bedeutet, dass im Schnitt alle zwei Tage drei neue „Kirchen“ entstehen.

Sie zeichnen ein düsteres Bild. Was können wir tun, um nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung zu sein?

Nur eine Kirche, die Christus und dem Evangelium treu ist, kann aus der Kontemplation, der Demut, der Vorbildlichkeit und dem Engagement aller ihrer Mitglieder ihre Sendung erfüllen. Dies ist das einzige, was Christus von ihr verlangt, damit sie Tempel und Werkzeug seiner Liebe und Gnade ist.

Um die Arbeit der katholischen Kirche Afrikas weiterhin unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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In Alaba, circa 220 Kilometer südlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba, ist es am 9. und 10. Februar zu massiven Ausschreitungen gegen Christen gekommen. Ein Mob von Muslimen beschädigte dabei 13 Kirchengebäude schwer, 26 Christen mussten in Krankenhäuser eingeliefert werden. Auslöser der Übergriffe war nach Angaben lokaler Quellen der Aufruf eines Imams zur Gewalt gegen Christen. Wenige Tage nach dem Vorfall besuchten Mitarbeiter von Open Doors die Christen und machten sich ein Bild von der Situation.

„Alaba gehört dem Islam“

Der Angriff begann am Samstag, den 9. Februar, gegen 10 Uhr, als sich eine große Gruppe von Muslimen in Alaba versammelte. Als Waffen trugen sie Stöcke, Steine und Brandbeschleuniger bei sich. Zeugen gaben an, die Menge habe „Allahu Akubar“ (Allah ist größer) und „Alaba gehört dem Islam“ gerufen. Der Mob zog von Kirche zu Kirche und zerstörte Gebäude und Einrichtungsgegenstände. 26 Christen, darunter vier Gemeindearbeiter, wurden bei dem Versuch verletzt, ihre Kirchengebäude zu schützen. Sie mussten zur Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden. Die Angreifer beschädigten oder zerstörten 13 Gebäude, 14 Motorräder und eine unbekannte Anzahl von Fahrrädern verschiedener Gemeinden sowie Bibeln und Möbel.

„Fake News“ als Auslöser, Polizisten in der Beobachterrolle

Quellen erklärten gegenüber Open Doors, der Angriff sei durch den Aufruf eines islamischen Predigers ausgelöst worden. Er habe am vorausgegangenen Freitag (8. Februar) die Muslime dazu angestachelt, örtliche Christen anzugreifen. Dabei habe er auf kursierende Berichte verwiesen, denen zufolge Christen in einer nahegelegenen Stadt eine Moschee niedergebrannt und einen Imam ermordet hätten. Die Berichte erwiesen sich später als gegenstandslos. Nach Einschätzung der Christen in Alaba dienten diese Gerüchte jedoch nur als Vorwand für den Angriff. Der eigentliche Grund sei die wachsende Wut über ihr Engagement bei der Verbreitung des Evangeliums in Alaba. Die Einwohner der Stadt sind zum größten Teil Muslime.

Besonders schockiert äußerten sich die Christen aus Alaba über die Untätigkeit der örtlichen Polizei. Zeugenaussagen zufolge hätten Polizeibeamte „einfach herumgestanden“ und das Chaos drei Stunden lang beobachtet. Erst als Beamte der Bundespolizei aus Awasa und Wolayita Sodo eintrafen, stellten diese die Ordnung wieder her. Nach dem Vorfall verhaftete die Bundespolizei über 100 Verdächtige. Unter ihnen waren auch die Polizeikommandanten der Stadt und des Distrikts, möglicherweise weil sie die Angriffe nicht unterbunden hatten. Alle sind inzwischen wieder auf freiem Fuß. (Quelle: Open Doors, Bild: TUBS/wikipedia)

Viele junge Christen in Äthiopien werden mit finanziellen Hilfen und Arbeitsangeboten bestochen und erpresst, damit sie zum Islam konvertieren. In ihrer Verzweiflung, um der Armut zu entkommen, nehmen viele solche Angebote an. Das hat der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) ein Religionsführer aus der Region mitgeteilt, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte.

„Muslimische Gruppen versuchen, die Jüngsten mit Stipendien und Arbeitsversprechen anzuziehen. Die Arbeitslosigkeit ist in Äthiopien sehr hoch. Deshalb sind diese Angebote sehr attraktiv. In den Städten und den Dörfern warten an allen Ecken Hunderte oder sogar Tausende junge Menschen auf einen Job“, so die anonyme Quelle. „Junge Christen werden mit dem Versprechen einer stabilen Arbeit ihrem Glauben entfremdet. Viele reiche Muslime kontrollieren große Investitionen beispielsweise in Marmorsteinbrüchen und Geldminen. Sie stellen nur Muslime ein“, erzählt der Geistliche weiter. Ähnlich ergehe es den Menschen, wenn sie eine Wohnung suchen: „Den zum Islam Konvertierten wird ebenfalls geholfen, eine Wohnung zu kaufen“.

Der Gesprächspartner versichert, dass dort immer mehr Moscheen gebaut werden. Die Gelder stammen etwa aus Saudi-Arabien. „Selbst wenn in einer bestimmten Gegend nur zehn muslimische Familien leben, wird auch dort eine Moschee gebaut.“ Dies gilt jedoch nicht für den Bau christlicher Kirchen, der immer wieder auf Schwierigkeiten stößt. „Es besteht auch der Verdacht, dass die Islamisten Gruppen von Animisten mit finanziellen, Bildungs- und Arbeitsversprechungen anziehen wollen, wobei das Geld ebenfalls aus dem Ausland stammt.“

Obwohl in Äthiopien Christen und Muslime traditionell friedlich miteinander gelebt haben – so unser Gesprächspartner weiter – sieht er mit großer Sorge, dass die islamische Gemeinde im Land immer mehr von einer aus dem Ausland importierten „harten Linie“ beeinflusst wird. „Auch wenn es zu keinen Konflikten oder unmittelbaren Auseinandersetzungen gekommen ist, fürchten wir, dass sich dies innerhalb einiger Jahre ändern kann. Wir haben in Ägypten und an anderen näheren Orten bereits Präzedenzfälle erlebt.“

Mehr Informationen über die Situation der Religionsfreiheit in Äthiopien in unserem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2018“ unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at/aethiopien

Foto: KIRCHE IN NOT/Wolnik

Opfer der Angriffe mussten fliehen, während Dorfbewohner Kirchengebäude plünderten. Ein Bischof in Äthiopien brachte sein Entsetzen zum Ausdruck, nachdem ein Gemeindezentrum von genau den Menschen, denen Geistliche und Ordensschwestern helfen, angezündet und geplündert wurde. In einem Bericht an das katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ schilderte Bischof Abraham Desta, wie die Pfarrei Gighessa – „eines der ältesten und größten Gemeindezentren des Vikariats Meki“ – von „den Menschen, für die wir arbeiten und mit denen wir eng zusammenarbeiten“ angegriffen wurde.

Bischof Desta, der Apostolische Vikar von Meki, beschrieb, wie Dorfbewohner „einschließlich Junge und Alte, Frauen und Kinder… anfingen, Steine zu werfen und Kirchenbesitz zu zerstören“ darunter auch das Pfarrhaus, das Pastoralzentrum der Diözese, ein kleines Ursulinen-Kloster und eine auf die Versorgung von Menschen mit Behinderung spezialisierte Klinik. Mehr als 55 Teilnehmer einer Konferenz zum Thema Vorschulerziehung im Pastoralzentrum brachten sich fluchtartig vor den Angreifern in Sicherheit, während die Nonnen ausharrten, weil sie ihre Patienten in der Klinik nicht zurücklassen wollten. Schließlich mussten auch sie fliehen. Die Angreifer steckten das Pfarrhaus in Brand und erbeuteten die Lebensmittelvorräte für ein ganzes Jahr sowie Vieh, unter anderem Kühe.

Bischof Desta fuhr fort: „Die Ursulinenschwestern, die die Klinik betreiben, wurden mit ihren Patienten zurückgelassen, weil sie die Patienten nicht allein lassen wollten. Aber man hat sie nicht verschont.“ Nachdem der Mob die Herausgabe aller Besitzgüter der Klinik gefordert hatte, begann er „vor den Augen der Nonnen alles zu zerstören und wegzuschleppen, einschließlich der persönlichen Kleidung.“ „Bedauerlicherweise kam niemand den Nonnen zu Hilfe. Aber dank der Gnade Gottes erreichten sie zusammen mit ihren Patienten die nächstgelegene Gemeinde, Shashamane, wo sie die Nacht verbrachten.“ Zurzeit werden die Patienten in Shashamane versorgt. „Sie haben alles verloren bis auf das kostbare Geschenk des Lebens, das Gott der Allmächtige uns gibt.“ „Und leider war all dies das Werk der Menschen im Ort, denen die Schwestern dienen, die sie sehr gut kennen – wenn nicht alle, dann doch zumindest eine ganze Menge von ihnen.“

Im Rückblick auf den Vorfall, zu dem es am 18. Februar kam, bestätigte Bischof Desta, dass von den Tagungsteilnehmern niemand verletzt wurde. „Der Herr war so fürsorglich und sorgte dafür, dass alle Teilnehmer innerhalb kürzester Zeit den Ort des Geschehens sicher und unverletzt verlassen konnten.“ „Aber… kurz nachdem die Gruppe fort war, kamen die Schurken zurück und zündeten das Pfarrhaus an… und den Toyota Pickup und zerstörten alle anderen Gebäude…“ „Außerdem schleppten sie alles weg, was dem Zentrum gehörte – die Möbel, unter anderem über 250 Betten, Matratzen, mehr als 700 Decken, Bettlaken, Bettbezüge, vier oder fünf Kühlschränke und Kühltruhen, Waschmaschinen, Fernsehgeräte, Generatoren, Kopiergeräte, Computer, sogar die Türen und Fenster des Hauses.“ Sie ließen „den Ort völlig verwüstet und kahl zurück. Nicht einmal in der Küche haben sie etwas zurückgelassen.“

Die Angreifer erbeuteten mehr als 12.000 kg Lebensmittel, unter anderem Weizen, Reis und Nudeln – den Lebensmittelvorrat des Zentrums für ein ganzes Jahr. Gestohlen wurden auch Kühe und Hühner, die in einem kleinen Gehöft in der Nähe des Gemeindezentrums gehalten wurden. Das einzige Gebäude des Gemeindezentrums, das dem Angriff nicht zum Opfer fiel, war die Schule. Bischof Desta fügte hinzu: „Und heute bewegt eine Frage unsere Herzen und Gedanken: Warum, Herr? Warum so? Ich hoffe, dass der Herr uns zu gegebener Zeit eine Antwort geben wird.“ Doch während er fortfuhr, schilderte der Bischof, auf welche Weise Gott zeigte, dass er während des Angriffs bei ihnen war. „Das Heilige Sakrament blieb zurück, da die Geistlichen und Nonnen nicht in die Kirche gelangen konnten…“ „Doch zu unserer Überraschung gaben zwei junge katholische Mädchen aus Gighessa vor, zu den Angreifern zu gehören, gingen am nächsten Tag hin, nahmen das Heilige Sakrament und brachten es in die Gemeinde Shashamane.“ „Durch all diese Ereignisse erinnert uns der Herr daran, dass er bis zum Ende bei uns ist.“