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Islamismus

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KIRCHE IN NOT hat 100.000 Euro Nothilfe für Mosambik auf den Weg gebracht, um die Arbeit der Kirche für notleidende und vertriebene Menschen zu unterstützen. Die Hilfe kommt den kirchlichen Einrichtungen in der Provinz Cabo Delgado im Norden des Landes zugute, die seit 2017 von dschihadistischer Gewalt heimgesucht wird.

Bei über 600 Angriffen durch mutmaßliche Kämpfer des „Islamischen Staates Zentralafrika“ (ISCA) und Gegenangriffen des Militärs sind in der Region schätzungsweise über 2000 Menschen ums Leben gekommen, über 300 000 Menschen haben ihre Heimat verloren.

Vertriebene campieren unter freiem Himmel.

Menschen im Fußballstadion hingerichtet

Projektpartnern von „Kirche in Not“ zufolge eroberten mutmaßliche Dschihadisten am 8. November den Ort Muidumbe, circa 250 Kilometer nordwestlich der Provinzhauptstadt Pemba. Wie lokale Quellen berichteten, hätten die Eroberer dutzende von Menschen in einem Fußballstadion hingerichtet. Auch seien über 15 Jugendliche mit ihren erwachsenen Begleitern umgebracht worden. Die Gruppe bereitete sich gerade auf die traditionellen Initiationsriten der Volksgruppe der Makonde vor.

Flüchtlingstreck in der Provinz Cabo Delgado.

Ansturm der Vertriebenen ist kaum zu bewältigen

„Offenbar wollen diese Truppen das gesamte nördliche Gebiet der Provinz Cabo Delgado räumen und die Zivilbevölkerung vertreiben“, sagte Schwester Blanca Nubia Zapata aus Pemba gegenüber „Kirche in Not“. In der Provinzhauptstadt seien innerhalb von nur zwei Wochen über 12 000 Vertriebene eingetroffen. Der Ansturm sei kaum zu bewältigen, erklärt die Ordensfrau: „Es kommen Frauen und Kinder zu uns, selbst alte Menschen gehen tagelang zu Fuß. Einige sterben auf den Waldwegen oder Straßen. Es sind drei, vier Tage Fußmarsch – ohne Nahrung und Wasser, die Kinder auf dem Rücken … Einige Frauen haben unterwegs entbunden.“

Schwester Blanca erzählt, dass einige vertriebene Menschen zunächst über Land und dann auf dem Seeweg in kleinen Booten versucht haben, dem Morden zu entkommen. „Die Menschen wollen einfach nur weg. Sie haben schreckliche Angst. Viele Familien haben uns um Hilfe gebeten. Wir haben private Fahrzeuge organisiert und mit der Hilfe von Unterstützern Schulkinder aus der Gefahrenzone gebracht. Das war ungeheuer schwierig“, erzählt die Ordensfrau der Karmelitinnen vom Heiligen Josef.

Schwester Blanca Nubia Zapata versorgt eine Mutter mit ihren kleinen Kindern.

„Wir flehen die internationale Gemeinschaft um Hilfe an“

„Kirche in Not“ steht in engem Kontakt mit Bischof Luiz Fernando Lisboa aus Pemba. Er hat dem Hilfswerk vergangene Woche eine Videobotschaft geschickt, in dem er die dramatische Situation beschreibt: „Es sind bereits 100 000 Flüchtlinge bei uns. Hunderte von Menschen schlafen unter freiem Himmel oder in Zelten am Strand. In dieser schwierigen Situation bitten wir die internationale Gemeinschaft um Hilfe und Solidarität, wir flehen sie regelrecht an“, appellierte der Bischof.

„Kirche in Not“ wird dem Hilferuf des Bischofs Folge leisten. Die Nothilfen in Höhe von 100 000 Euro gehen nach Pemba und die benachbarten Diözesen, damit sie die vertriebenen Menschen unterstützen können. Von dem Geld werden Decken, Kleidung, Lebensmittel, Hygieneartikel, aber auch Saatgut und Werkzeuge beschafft.

Bischof Luis Fernando Lisboa aus Pemba (rechts) verteilt Hilfsgüter.

„Das geschieht zusätzlich zu den Hilfen für Priester und Ordensleute, die wir in der Region bereits unterstützen“, erklärte die Projektdirektorin von „Kirche in Not“ International, Regina Lynch. „Aber zusätzlich zu dieser Nothilfe wollen wir auch dazu beitragen, das größte Leid zu lindern: das Trauma, das viele Menschen erlitten haben.“ Deshalb fördert das Hilfswerk Schulungen von Teams aus Priestern und Ordensleuten und Ehrenamtlichen, damit diese in den Pfarreien psychosoziale Hilfe anbieten können.

„Offenkundig erfährt die lange Zeit unbeachtete Tragödie im Norden Mosambiks jetzt endlich Aufmerksamkeit.“, sagte Lynch. Die Region sei ein „neuer Brennpunkt des Terrors und der dschihadistischen Gewalt, der Christen wie Muslime gleichermaßen betrifft. Wir hoffen, dass es endlich eine Antwort auf dieses Drama gibt, so dass den armen und verlassenen Menschen geholfen werden kann.“

Um den Einsatz der Kirche für die vertriebenen und notleidenden Menschen in Mosambik unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Mosambik

Die christliche Bevölkerung im Irak könnte verglichen mit den Zahlen vor der Invasion des „Islamischen Staates“ (IS) in den kommenden Jahren um 80 Prozent zurückgehen, sollte die internationale Gemeinschaft keine Gegenmaßnahmen ergreifen. Das ist einer der Hauptbefunde einer englischsprachigen Studie, die das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ veröffentlicht hat. Sie trägt den Titel „Leben nach dem IS: Neue Herausforderungen für das Christentum im Irak“ und bündelt mehrere Umfragen, die das Hilfswerk im Jahr 2019 unter Christen in der irakischen Ninive-Ebene durchgeführt hat.

100 Prozent der Christen fühlen sich unsicher

Die Gegend im Nordirak ist jahrhundertealtes christliches Siedlungsgebiet. Der IS hatte im Zuge seiner Eroberungen im Jahr 2014 auch die Ninive-Ebene okkupiert. Weit über 100 000 Christen waren damals geflohen. Die Verfolgung der christlichen Minderheit wurde international als Völkermord eingestuft. Nach dem militärischen Sieg über den IS waren viele der vertriebenen Christen in ihre alte Heimat zurückgekehrt – mit durchaus zwiespältigen Gefühlen.

Christen in der Ninive-Ebene bei einem Friedensgebet.

Wie die Studie offenlegt, gaben 100 Prozent der Befragten an, sich aktuell in der Ninive-Ebene unsicher zu fühlen; 87 Prozent sogar „spürbar“ oder „deutlich“ unsicher. Hauptgründe seien gewalttätige Übergriffe lokaler Milizen sowie die Sorge vor einer Rückkehr der IS-Anhänger. Diese Bedrohung nennen 69 Prozent der befragten Christen als Hauptgrund, der sie über eine Auswanderung nachdenken lässt.

Die Christen in der Ninive-Ebene beklagen „Belästigungen und Einschüchterungen, oft in Verbindung mit Geldforderungen“ von Seiten der in der Region stationierten Milizen, so die Studie. Die größten dieser Gruppierungen sind die „Shabak-Miliz“ und die „Babylon-Brigade“. Da sie zum Sieg gegen den IS beigetragen haben, gibt ihnen die irakische Regierung weitgehende Handlungsfreiheit. Rund ein Viertel der befragten Christen berichtete, dass sie mit den Angehörigen einer Miliz oder einer anderen militärischen Gruppe bereits negative Erfahrungen gemacht habe.

Neben der mangelhaften Sicherheitslage nennen die Christen in der Studie als weitere Herausforderungen auch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung (70 Prozent), Korruption (51 Prozent) sowie religiöse Diskriminierung (39 Prozent).

Zerstörte Kirche St. Kiryakos in Batnaya.

„Klare und dringende Warnung“

„Der Bericht stellt eine klare und dringende Warnung dar“, erklärte der Leiter der Studie und Nahost-Referent von „Kirche in Not“, Dr. Andrzej Halemba. „Ohne abgestimmte und sofortige politische Aktion werden die Christen in der Ninive-Ebene und Umgebung ausgelöscht werden.“

Die bislang positive Entwicklung stehe auf dem Spiel: „Heute sind 45 Prozent der christlichen Familien wieder in ihrer alten Heimat, auch wenn teilweise nur einzelne Mitglieder zurückkehren konnten und viele Familien nach wie vor getrennt sind“, erklärte Halemba. In einer ersten Befragung von „Kirche in Not“ im Jahr 2016 hatten nur 3,3 Prozent der vertriebenen Christen die Hoffnung geäußert, wieder in ihre Städte und Dörfer in der Ninive-Ebene zurückkehren zu können. „Dass dieser Trend umgekehrt werden konnte, ist auf den langfristigen Wiederaufbauplan für die Ninive-Ebene zurückzuführen. Dieser Erfolg ist jetzt in Gefahr, wenn nicht bald etwas geschieht“, erklärte Halemba.

Zusammen mit anderen Organisationen und lokalen christlichen Kirchen hatte „Kirche in Not“ 2017 den Wiederaufbau gestartet. Seither konnten über ein Drittel der zerstörten Häuser in sechs Städten und Dörfern der Ninive-Ebene instandgesetzt werden. Das Aufbauprojekt geht nun in eine neue Phase: Auch rund 400 kirchliche Einrichtungen wie Kirchen, Gemeindehäuser und Kindergärten werden wieder aufgebaut. So sollen die karitative und pastorale Arbeit der Kirche gestärkt und weitere Anreize für den Verbleib der Christen gesetzt werden.

Christen am Wendepunkt

„Die Christen haben das Gefühl, an einem Wendepunkt zu stehen, was die Möglichkeiten für Bleiben angeht“, erklärte Halemba. Auf lokaler Ebene könne dies nicht allein bewältigt werden: „Es gibt Pläne und Initiativen, die bei einer regionalen, nationalen und internationalen Zusammenarbeit nicht nur durchführbar, sondern auch nachhaltig wären.“

Neben Maßnahmen, um die Wirtschaft anzukurbeln, müssten Christen auch auf politischer Ebene dauerhaft vertreten sein, „um die Verteidigung ihrer grundlegenden Menschenrechte, insbesondere das Recht auf Gleichbehandlung als irakische Staatsbürger“ zu gewährleisten, so der Nahost-Referent.

Die aktuelle Studie sei ein Weckruf an Christen und Politiker in aller Welt, erklärte auch Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich: „Wir haben alles uns Mögliche getan und werden mit Unterstützung unserer Wohltäter weiterhin alles tun, um die die christliche Präsenz im Irak zu erhalten. Aber den Christen und anderen Minderheiten Sicherheit und Gleichberechtigung zu geben, liegt nicht allein in unserer Hand. Jede Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, muss jetzt genutzt werden. Zukünftige Generationen sollten uns niemals vorhalten dürfen: Ihr habt zu wenig getan und zu spät gehandelt.“

Die Studie „Leben nach dem IS: Neue Herausforderungen für das Christentum im Irak“ umfasst 80 Seiten und ist in englischer Sprache verfasst. Sie kann …hier heruntergeladen und eingesehen werden.

Um den Christen in der Ninive-Ebene weiterhin beistehen und den Wiederaufbau sowie die pastorale und karitative Betreuung der Bevölkerung weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online …hier oder auf folgendes Konto:

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Am 6. April 1992 brach in der auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina ein Krieg aus, der erst am 21. November 1995 offiziell mit der Unterzeichnung des Abkommens von Dayton endete. Es war ein vorläufiger Friedensvertrag, durch den Bosnien zu einem Halbprotektorat der Vereinten Nationen wurde. Heute ist das Land zwischen drei ethnischen Gruppen aufgeteilt: den Bosniern, den Serben und den Kroaten. Obgleich sie auf dem Papier gleichberechtigt sind, treiben in Wirklichkeit bestehende Frustrationen gefährliche Fliehkräfte an: Die muslimischen Bosnier orientieren sich zunehmend an der Türkei und der islamischen Welt; die mehrheitlich orthodoxen Serben unterliegen dem Einfluss aus Russland, während die katholischen Kroaten, die kleinste der drei ethnischen Gruppen, sich Europa zuwenden. Ein zunehmender interner Konflikt gefährdet die Zukunft des Landes und verkompliziert seinen geplanten Beitritt zur EU.

Von 1992-1995 wütete ein brutaler Krieg in der kleinen, auf der Balkanhalbinsel gelegenen Republik Bosnien und Herzegowina. Schätzungen zufolge wurden dabei mindestens 100.000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben. Obwohl alle Kriegsparteien einen schrecklichen Preis zahlten, gab es eine Gruppe, die am meisten gelitten hat und bis heute leidet, nämlich die Minderheit der katholischen Kroaten. Noch heute sind viele kroatische Dörfer im Herzen Bosniens, die während des Krieges zerstört wurden, unbewohnt. Der kroatische Journalist Zvonimir Čilić berichtete dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT, dass alleine in seiner Heimatstadt Vitez 653 Menschen von bosnischen Muslimen getötet wurden, und dass dabei mehr als 460 Witwen und 600 Waisen und Halbwaisen zurückblieben – und all dies innerhalb von nur 316 Tagen.

Schätzungen zufolge wurden im Krieg mindestens 100 000 Menschen getötet und über zwei Millionen Menschen vertrieben.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist. Diese salafistischen Extremisten lebten und leben nach wie vor verborgen in den Außenbezirken der städtischen Ballungsgebiete wie Sarajevo, Tuzla, Zenica und Bihac sowie in entlegenen Dörfern wie Dubnica, Ošve, Gornja Maoča oder Bočinje. Dort haben diese Extremisten sich versammelt und 22 sogenannten Para-Jamaats gebildet, deren Finanzierung bis heute von den Golfstaaten sichergestellt wird.

Auch als die Kroaten nach dem offiziellen Ende des Krieges begannen, in ihre Heimatsdörfer zurückzukehren, fielen sie noch Terroranschlägen marodierender islamistischer Extremisten zum Opfer. „Sieben Menschen aus unserer Gemeinschaft wurden 1997, 1998 und in den Jahren danach an ihren Arbeitsplätzen umgebracht, alles in der Absicht, die Vertriebenen von der Rückkehr in ihre Heimat abzuhalten”, stellt Zvonimir Čilić fest. Bis zum heutigen Tage wurde keiner der Täter, die die Terroranschläge gegen die katholischen Rückkehrer von Travnik begingen, vor Gericht gestellt.

Die Brutalität, der gegen die katholischen Kroaten begangenen Gewaltakte beruhte größtenteils auf einer radikalen islamistischen Ideologie, die von ausländischen islamistischen Söldnern in das Land getragen worden ist.

„Vor dem Krieg war Travnik ein guter Ort zum Leben. Es war ein Industriezentrum. Nach dem Krieg sieht es in Travnik komplett anders aus. Die Menschen haben keine Arbeit. Viele von ihnen wurden getötet, viele verloren ihre Häuser oder ihre Angehörigen. Diese Wunden sind immer noch nicht verheilt. Hier gibt es zerrissene Familien, Auswanderung, zerstörte Arbeitsstätten, und es mangelt an Arbeitsmöglichkeiten. Es gibt hier keine Zukunftsperspektiven, und die jungen Menschen ziehen fort”, erklärt Pater Željko Maric, Schulleiter der Peter Barbaric School.

Ein weiteres Problem ist die Diskriminierung katholischer Rückkehrer im zivilen und religiösen Leben: Während die islamischen Gemeinschaften ihre gesamten Besitztümer nach Kriegsende zurückerhalten haben, wurden trotz der positiven Urteile des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte bis heute zahlreiche kirchliche Besitztümer immer noch nicht ihren rechtmäßigen Eigentümern zurückgegeben. Das Misstrauen gegenüber dem Rechtsstaat und die hohe, in den Dörfern oftmals über 50 % liegende Arbeitslosigkeit, sind die maßgeblichen Gründe für eine massive Auswanderung der jungen katholischen Kroaten. Nach Angaben von Kardinal Vinko Puljic, Erzbischof von Sarajevo, verlassen jährlich bis zu 10 000 Katholiken Bosnien und Herzegowina. Die Hauptstadt Sarajevo mit ihrem einstmals angepriesenen multiethnischen Charakter war vor dem Krieg Heimat von 35 000 Kroaten; heute hat sich diese Zahl halbiert. Insgesamt sind nach inoffiziellen Angaben der katholischen Kirche in den vier Diözesen Bosnien und Herzegowinas nur noch 380 000 Katholiken im Land geblieben.

Eine Moschee gleich neben der Kirche in Sarajevo.

Auf der anderen Seite ist es in den letzten zehn Jahren zu einem rapiden Anstieg der Zahl der aus der Türkei oder den Golfstaaten nach Bosnien eingewanderten Muslime gekommen. In ganz Bosnien sind von arabischen Investoren gebaute Einkaufszentren sowie sogenannte arabische Zentren entstanden, und wenn die Bautätigkeit weiter fortschreitet, wird bald Wohnraum für 100 000 Menschen da sein. Nach den 2018 von der örtlichen islamischen Gemeinde veröffentlichten Daten, gibt es im Land 1 912 Moscheen, von denen 554 nach Kriegsende gebaut oder wiederaufgebaut wurden.  Anhand ihrer Architektur sind deutlich die Finanzmittel aus dem Ausland sowie die Expansionsbestrebungen neuer und konkurrierender Strömungen des Islam erkennbar: Konservative Glaubensströmungen des sunnitischen Islam, mehrheitlich aus Saudi-Arabien wetteifern mit dem schiitischen Islam aus dem Iran. Die König-Fahd-Moschee, die im Jahr 2000 von den Saudis erbaut wurde, ist das zweitgrößte muslimische Gotteshaus auf dem Balkan. Laut eines 2017 erstellten Berichtes des Europarates waren in den letzten zwanzig Jahren in Bosnien und Herzegowina 245 verschiedene arabische humanitäre Organisationen tätig, von denen einige die Förderung eines konservativen Islam im Land finanzieren.

Die Radikalisierung der lokalen muslimischen Bevölkerung hat nicht nur größere Besorgnis bezüglich der interreligiösen Harmonie, die in Bosnien seit jeher besteht, hervorgerufen, sondern auch Spannungen innerhalb des Islam verschärft. Die bosnischen Muslime lehnen die jüngste Einführung dieser fundamentalistischen Glaubensstränge ab und sind besorgt, dass diese das Verständnis des traditionellen bosnischen Islam verformen könnten, der lange Zeit für seine Toleranz und Akzeptanz der religiösen Vielfalt bekannt war. Professor Dzemaludin Latic von der Universität für Islamwissenschaften in Sarajevo erklärt: „Die saudische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Die iranische Politik in Bosnien ist oftmals falsch. Was die Saudis betrifft, haben sie kein Gefühl für die Multiethnizität, die es hier gibt. Und die Iraner haben keinen Sinn für unser Schicksal, weil sie das Schiitentum verbreiten. Das führt dazu, dass unsere Situation hier noch komplizierter wird.“

Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt.

Dr. Stipe Odak von der Fakultät für Theologie und Religionswissenschaften an der belgischen Universität Löwen erklärt, dass sowohl ein organisatorischer als auch ein ideologischer Kampf gegen die „importierten“ radikalen salafistischen Gruppen begonnen hat. Da sie nicht im Einklang mit dem islamischen Kanon stehen, sind sie vor die Wahl gestellt worden, sich entweder in die bestehende Organisation der bosnischen islamischen Gemeinschaft zu integrieren oder sich aufzulösen. Bisher erfolglos. Dr. Odak ist der Ansicht, dass die Verkomplizierung der Situation einen wirtschaftlichen Hintergrund hat: Die von den Golfstaaten finanzierten Para-Jamaats bieten denjenigen, die ihre Ideologie akzeptieren, wirtschaftliche Sicherheit. Die Idee einer arabischen Hochburg im Westen, die von ausländisch geförderten fundamentalistischen Ideologien angetrieben wird, ist besonders besorgniserregend vor dem Hintergrund, dass Bosnien-Herzegowina Mitglied in der NATO oder der Europäischen Union werden möchte.

Es ist eindeutig, dass der Schlüssel zu einer gemeinsamen Zukunft in der Versöhnung liegt. Professor Dzemaludin Latic ist überzeugt: „Wir müssen über unsere eigenen Ängste sprechen. Die katholischen Kroaten müssen die Schmerzen und die Angst der Bosnier verstehen. Wir Bosnier müssen als Mehrheit die Gefühle dieser Kroaten nachempfinden, die das Land verlassen, und deren Zahl sich halbiert hat. Wir müssen erkennen, was uns erwartet, wenn wir allein bleiben, ohne die Unterstützung der Kroaten für diesen Staat. Was können wir erwarten?“  Eine offene Frage, auf die es 25 Jahre nach Kriegsende aufgrund der Diskriminierung der katholischen Minderheit und des unaufhaltsamen Wachstums des radikalen Islam, nur wenige optimistischen Antworten gibt.

Während der Corona-bedingten Ausgangssperren ist in Pakistan ein minderjähriges Mädchen entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen worden. Es handelt sich um die 14-jährige Katholikin Maira Shahbaz aus Faisalabad im Nordwesten des Landes.

Der Haupttäter, der Muslim Mohamad Nakash, habe das Mädchen zur Frau genommen und sie gezwungen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Dies berichtete Anwalt Khalil Tahir Sandhu, dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Er vertritt die Familie der Entführten. Laut Zeugenaussagen wurde das Mädchen am 28. April von drei Männern auf offener Straße in ein Auto gezogen. Beim Wegfahren hätten die Männer in die Luft geschossen.

Die entführte 14-jährige Christin Maira Shahbaz aus Faisalabad.

Gericht gibt Entführer recht – Revision angekündigt

In einem Schnellverfahren vor dem Magistratsgericht Faisalabad habe der Entführer Dokumente vorgelegt, die belegen sollten, dass er und das Mädchen bereits im vergangenen Oktober geheiratet hätten. Außerdem behauptete er, dass Mädchen sei bereits 19 Jahre alt, so der christliche Anwalt. Am Tag der Verhandlung seien rund 150 Männer zum Gericht gekommen, um den Entführer zu unterstützen. Diese hätten auch Druck auf den Staatsanwalt ausgeübt.

Mairas Familie habe anhand von Urkunden, kirchlichen Dokumenten und Schulunterlagen zu beweisen versucht, dass Maira noch minderjährig sei. Das Gericht setzte sich darüber hinweg und gab dem Entführer recht. Dieser sei bereits verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebe nicht weit vom Haus der christlichen Familie entfernt und habe Maira so kennengelernt.

„Menschen, die einem Kind so etwas antun, behandeln uns nicht wie menschliche Wesen, sondern wie Tiere“, beklagte Sandhu. Er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen – falls nötig bis vor den Obersten Gerichtshof Pakistans. Dieser hatte im Oktober 2018 auch das Todesurteil gegen die wegen angeblicher Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi gekippt. Der Fall hat weltweit Beachtung gefunden und in Pakistan eine Gewaltwelle radikaler Muslime ausgelöst.

Die Mutter und Geschwister der Entführten.

Mairas Familie gehört zu den ärmsten

„Kirche in Not“ sprach auch mit der katholischen Menschenrechtlerin Lala Robin Daniel. Sie kennt das entführte Mädchen und ihre Angehörigen persönlich: „Die Familie Shahbaz ist eine der ärmsten im Viertel. Sie verdienen ihr kleines Einkommen mit Putzen.“ Maira habe schon früh die Schule verlassen müssen, da sich die Familie das Schulgeld nicht mehr leisten konnte.

Nighat Shahbaz, die alleinerziehende Mutter der Entführten, ist nach der Tat mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden. Über „Kirche in Not“ richtete sie einen Appell an die Öffentlichkeit: „Ich flehe darum, dass uns meine Tochter zurückgegeben wird. Ich habe Angst, sie nie wieder zu sehen.“

Mairas Schicksal ist kein Einzelfall: Der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden“ zufolge werden in Pakistan jedes Jahr rund 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen entführt und zwangsverheiratet. „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren.

„Kirche in Not“ unterstützt christliche Familien bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und steht den bedrängten Gemeinden bei. Um weiter helfen zu könnten, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„Was hier geschieht, ist eine Schande“, klagt der Bischof von Pemba nach dem jüngsten Angriff in seiner Diözese.

Am vergangenen Montag, den 23. März, hat eine bewaffnete Gruppe die Stadt Mocímboa da Praia, die Bezirkshauptstadt der Provinz Cabo Delgado im Norden Mosambiks mit etwa zwanzigtausend Einwohnern, angegriffen und besetzt. Der Angriff ging über mehrere Stunden.

Nach Angaben lokaler Medien steckten die Angreifer öffentliche Gebäude in Brand, ließen Häftlinge aus dem örtlichen Gefängnis frei und patrouillierten sogar frei auf den Straßen. Als weiteres Zeichen ihrer Machtdemonstration hissten die Aufständischen die schwarze Flagge, Kennzeichen dschihadistischer Gruppen.

In einem Telefongespräch mit dem international Hilfswerk KIRCHE IN NOT bestätigte Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba die Vorkommnisse: „Sie gingen ein und aus, wie sie wollten. Es gab keine entschlossene Reaktion der Sicherheitskräfte. Viele der Sicherheitskräfte flohen, weil die Angreifer zahlreicher waren, so dass diese Kleidung, Waffen, Lebensmittel, Autos und Militärkleidung mitnehmen konnten. Einige [der Angreifer] waren mit militärischen [Uniformen] bekleidet. Die so genannte Verstärkung der Verteidigungskräfte kam erst, nachdem sich die Angreifer zurückgezogen hatten“, sagte der Bischof gegenüber KIRCHE IN NOT.

„Es ist ein Skandal. Was in Mosambik geschieht, ist eine Schande. Es ist wirklich traurig, dass unsere Bevölkerung auf diese Weise gedemütigt wird“, betonte der Bischof.

Ein Wendepunkt?

Der Angriff könnte einen Wendepunkt in der wachsenden Instabilität darstellen, die im Norden Mosambiks seit Oktober 2017 zu spüren ist. Bislang fanden die Angriffe vor allem in ländlichen oder dünn besiedelten Gebieten statt. Diesmal haben die Aufständischen eine Machtdemonstration in der Bezirkshauptstadt gewagt.

In Folge dessen hat die Angst in der Bevölkerung zugenommen: „Sie haben die Botschaft hinterlassen, dass sie zurückkehren werden“, unterstrich der Bischof. „Die Menschen haben Angst. Nachdem Mocímboa, die größte Stadt in dieser Region, angegriffen wurde, fühlt sich [die Bevölkerung] von Palma, von Mueda, von Macomia in Gefahr. Die Menschen haben Angst; sie hatten zwar schon vorher Angst, aber jetzt ist es noch schlimmer geworden.“

Lokalen Presseberichten zufolge gab es während der Machtübernahme in Mocímboa Szenen von „Chaos und Panik“, als die Angreifer selbst an den wichtigsten Gebäuden schwarze Flaggen hissten, die die Gruppen als Dschihadisten ausweisen.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat hat kürzlich die Verantwortung für weitere Anschläge in der Provinz Cabo Delgado übernommen. Anfang März bekannte sie sich über das Internet nach Zusammenstößen mit Regierungstruppen schuldig am Tod von mosambikanischen Armeesoldaten. Und am 19. Februar wurden mindestens vier Soldaten in dem Dorf Chiculua im Bezirk Palma getötet, wo der Islamische Staat vermeintlich mehrere Häuser niederbrannte und einige Geschäfte plünderte.

Die katholische Kirche verfolgt die Entwicklung natürlich mit Sorge. „Der Angriff in dieser Woche hat das Gefühl der Unsicherheit noch verstärkt. Die katholische Kirche wird weiterhin den Menschen zur Seite stehen, trotz des offensichtlichen Risikos weiterer bewaffneter Zwischenfälle“, sagte Bischof Luiz Fernando gegenüber KIRCHE IN NOT.

Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba ©Leandro Martins
Während ihres Aufenthalts in Frankreich beantragte Asia Bibi politisches Asyl. Die pakistanische Christin, deren Schicksal KIRCHE IN NOT seit ihrer Verurteilung im Jahr 2010 verfolgt, gewährte uns ein Interview. 

Offensichtlich ist Asia Bibi müde. Interviews und offizielle Treffen nehmen die wenigen Tage in Anspruch, die sie in Frankreich verbringt. Doch sie lächelt den Fotografen zu, die unablässig Bilder machen, und gibt tapfer eine Reihe Interviews: „Es ist den Medien zu verdanken, dass ich noch lebe“, versichert sie.

Opfer eines absurden Gesetzes

Das Ende ihres Leidensweges verdankt sie vor allem der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet, die sie „ihre Schwester“ nennt und die ihr bei der Veröffentlichung des Buches „Enfin libre!“ (Endlich frei! erschienen bei du Rocher) geholfen hat. Diese Autobiografie erzählt, wie die pakistanische, katholische Bäuerin zu einer weltweiten Ikone des Widerstands gegen den islamischen Fundamentalismus wurde. Von ihren muslimischen Nachbarn der Blasphemie beschuldigt, verbrachte Asia Bibi neun Jahre im Gefängnis, unter Androhung der Hinrichtung, nachdem sie zum Tode verurteilt worden war. Das pakistanische Antiblasphemie-Gesetz wird häufig zur Beilegung einfacher Nachbarschaftsstreitigkeiten herangezogen und hat schlimme Folgen. Die Angeklagten werden oft von einem wütenden Mob gelyncht oder „verschwinden“, „begehen Selbstmord“ im Gefängnis. Die Medienberichterstattung über Asia Bibi hat sie vor diesem Schicksal bewahrt.

Am 31. Oktober 2018 wurde sie vom pakistanischen Obersten Gerichtshof auf Berufung freigesprochen und konnte nach vielen Höhen und Tiefen am 8. Mai 2019 – dank des internationalen Drucks – endlich nach Kanada ausreisen. Es gibt jetzt eine „Asia-Bibi-Rechtsprechung“, die es den der Blasphemie Beschuldigten erlaubt, sich gegen ihre Ankläger zu wenden. Das Antiblasphemie-Gesetz existiert in Pakistan immer noch, aber es ist zu einem Risiko geworden, es zu benutzen, um jemandem zu schaden.

Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich berühmt werden würde“, sagt Asia Bibi mit ihrer leisen Stimme. Sie erzählt von einer glücklichen Kindheit in ihrer Heimat Pakistan: „Ich habe mit meinen muslimischen Nachbarn gespielt, es gab keine Trennung“, erinnert sie sich nostalgisch. Im Alter von acht Jahren getauft, kann sie ihren Glauben ohne Schwierigkeiten leben. Was ihr religiöses Erbe angeht, erinnert sie an die lange Geschichte der pakistanischen Christen: „Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.“ Mit der Zeit wird Asia Bibi jedoch bewusst, dass es doch Unterschiede zwischen Christen und Muslimen in ihrem Land gibt. Sie erfährt von Angriffen gegen Christen. Einige werden von wütenden Mobs gelyncht. Es gibt auch Vorfälle von Muslimen, die junge christliche Frauen entführen und sie zwingen, zum Islam überzutreten, um sie zu heiraten.

Christen sind „unrein“.

Asia Bibi entdeckt auch, dass Muslime Christen als „unrein“ betrachten. Wegen dieses Irrglaubens wird ihr Leben an einem heißen Tag, dem 14. Juni 2009, auf den Kopf gestellt. Bei der Arbeit mit muslimischen Nachbarn wird sie gebeten, Wasser zu holen. Sie gehorcht, holt das Wasser und trinkt dann aus einer Tasse, bevor sie den anderen den Behälter bringt. Eine der Frauen weigert sich zu trinken, weil Asia die Flüssigkeit „unrein“ gemacht hätte. Asia Bibi verteidigt sich, indem sie sagt, dass sie nicht glaubt, dass der Prophet Mohammed dem zustimmen würde. Ihr wird gesagt, dass sie gerade Blasphemie begangen hat! Es folgen das Gefängnis, die von Fundamentalisten herbeigeführte Flucht ihrer Familie, die Verurteilung zum Tode durch den Strang… Eine Gerichtsodyssee, die 2019 ein glückliches Ende findet. Wenn sie über diese  schwierige Zeit ihres Lebens spricht, ist kein Ärger zu spüren, nur Traurigkeit und Müdigkeit.

Es gibt andere „Asia Bibi“…

Aber Asia weiß, dass sie in ihrer Lage nicht allein ist, und sie will das Mikrofon nutzen, um für diejenigen zu sprechen, die in ihrem Heimatland noch immer der Blasphemie beschuldigt werden. Sie wird lebendiger und ihre bis dahin leise Stimme wird drängender: „Während meiner Haft habe ich die Hand Christi gehalten, ihm habe ich es zu verdanken, dass ich standhaft geblieben bin. Habt keine Angst!“ Hinter ihrer neu gewonnenen Lebendigkeit können wir die Stärke einer Frau erahnen, die zehn Jahre schrecklicher Prüfungen nicht zu Fall bringen konnten. Dieselbe Frau, die sich immer geweigert hat, ihre Familie zu verlassen oder ihrem Glauben abzuschwören, wie man es nach ihrer Verhaftung verlangt hatte; so hätte sie einer Verurteilung entgehen können.

Trotz allem hat sie ihr Land verlassen müssen. Sie hofft, eines Tages zurückzukehren: „Dies ist meine Heimat, ich liebe Pakistan von Herzen!“, sagt sie. In Erwartung Ihrer Rückkehr würde sie gerne in Frankreich leben: „Mir ist hier viel Liebe entgegengebracht worden, ich glaube, ich würde mich bei euch sehr wohl fühlen.“

Asia Bibi

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara von Port-Bergé im Norden von Madagaskar spricht in einem Interview, das anlässlich seines Besuchs am 20. Februar am Hauptsitz des weltweiten Hilfswerks KIRCHE IN NOT geführt wurde, über die Herausforderungen für die Kirche in seinem Land, zu denen sowohl die Islamisierung der Insel als auch der Einfluss der Hexerei gehören. Das Interview führte Amelie de La Hougue.

KIRCHE IN NOT: Sind die Christen, die ja die Mehrheit im Land ausmachen, auf der gesamten Insel präsent?

Mons. Georges Varkey: Ihre Präsenz ist von Diözese zu Diözese sehr unterschiedlich. Der Katholizismus ist besonders in der Hochebene verbreitet. Die Region wurde ja vor 160 Jahren evangelisiert. Aber in meinem Bistum ist das nicht der Fall: Von den 800 000 Einwohnern sind nur 25 000 bis 30 000 Katholiken, und dann gibt es noch einige wenige Gläubige anderer Glaubensrichtungen. Fünfundneunzig Prozent der Bevölkerung meines Bistums können jedoch als Animisten bezeichnet werden.

Ist unter der Bevölkerung die Hexerei immer noch stark verbreitet?

Ja, sehr sogar! Wegen des Glaubens an die Hexerei ist es mir verboten, bestimmte Dörfer zu betreten. Ein Beispiel: In ein Dorf meiner Diözese, in das ich nicht gehen kann, kam eine Frau, um Katechismus-Unterricht zu geben. Ihr Haus wurde zweimal niedergebrannt. Sie musste umziehen. Die Hexerei ist in den Dörfern im Urwald immer noch allgegenwärtig; aufgrund der mangelnden Bildung wissen es die Menschen nicht anders.

Bischof Georges Varkey Puthiyakulangara
Wie sind die Beziehungen zum Islam?

Früher war das Verhältnis zu den Muslimen gut. Seit einiger Zeit treten jedoch Islamisten auf. Wir werden mit der Islamisierung des Landes konfrontiert. Die Zahl der Muslime nimmt stark zu: Früher gab es nur Komoren, Pakistanis und einige wenige madagassische Muslime, aber jetzt kommen Islamisten aus dem Ausland, wie, wissen wir nicht. Außerdem gibt es Rekrutierungen im Land. Überall werden Moscheen gebaut, und mit der Regierung besteht eine Vereinbarung über den Bau von 2400 (!) Moscheen. In meiner Diözese gibt es beispielsweise keine Muslime, aber es werden viele Moscheen gebaut. Die Muslime kommen auch, um Menschen zu bekehren. Sie eröffnen Koranschulen und geben den Kindern Stipendien, die zu ihnen kommen. Wir haben auch erfahren, dass an den Universitäten junge, nicht muslimische Frauen drei Euro pro Tag dafür erhalten, die Burka zu tragen. Sie nutzen die Armut der Menschen aus, vor allem der Studenten, die Geld brauchen! Hier leben 85% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.

Was ist heute die größte Herausforderung für die Kirche in Madagaskar?

Für uns besteht eine der wichtigsten Herausforderungen in der Bildung. In meinem Bistum sind etwa 70% der jungen Menschen Analphabeten, weil es in der Nähe keine Schulen und nicht genügend Transport- und Verkehrsmittel gibt. Ich versuche, Ordensgemeinschaften dazu zu bewegen, zu uns zu kommen. Aber es ist schwierig. Dreiundfünfzig Prozent der Bevölkerung sind unter 18 Jahre alt. Wir wollen junge Menschen ausbilden, um ihnen ihre Würde zurückzugeben, um ihnen zu helfen, Arbeit zu finden, um ihnen zu helfen, damit sie ihrerseits dann ihre Kinder besser erziehen können. Wir wollen mit ihnen über Gott sprechen, ihnen helfen, ihre Berufung zu finden … Aber es ist schwierig, Lehrer zu finden, die bereit sind, in abgelegene Gebiete zu ziehen.

Stimmt es, dass in Ihrem Land auch viel Korruption herrscht?

Ja, die Korruption ist etwas Schreckliches. Die Regierung hat zu deren Bekämpfung Pläne aufgestellt. Dies erweist sich jedoch als schwierig, weil sie fest in der Gesellschaft verankert ist …

Andererseits versuchen wir, gegen die sogenannte „Volksjustiz“, also Selbstjustiz, zu kämpfen. Obwohl die Armut in den Großstädten abnimmt, wird sie in den Dörfern großer. Deshalb kommt es manchmal dazu, dass jemand wegen des einfachen Diebstahls eines Huhns von den anderen Dorfbewohnern gelyncht wird. In der Kirche arbeiten wir daran, durch unsere Predigten, durch die Verbreitung des Katechismus und auch durch die in allen Diözesen vertretenen Ausschüsse für Gerechtigkeit und Frieden den Menschen Bildung zu geben. Wir versuchen, den Madagassen, unabhängig von ihrer Religion oder ihrem Glauben, so nahe wie möglich zu sein, um ihnen zu helfen und ihnen Hoffnung im Kampf gegen die Korruption zu geben.

Madagaskar plant, 100 Millionen Bäume zur Bekämpfung von Naturkatastrophen zu pflanzen.

Ja, denn in Madagaskar haben wir es mit zwei Extremsituationen zu tun: Überschwemmungen im Norden (in meinem Bistum wurden kürzlich 1600 Häuser dadurch beschädigt) und Dürren im Süden. Die Kirche und die Regierung ermutigen die Menschen, Bäume zu pflanzen, um gegen die Abholzung der Wälder anzugehen. So soll beispielsweise auf dem Land, das für die Feier der großen heiligen Messe mit dem Papst im vergangenen September zur Verfügung gestellt wurde, eine Baumschule eingerichtet werden. Ich ermutige das madagassische Volk, Obstbäume, aber auch Reis, Maniok usw. zu pflanzen, damit es sich selbst ernähren kann.

Hat der Besuch von Papst Franziskus im vergangenen September Hoffnung geweckt?

Der Papstbesuch war wirklich ein Segen für das ganze Land. Menschen aller Konfessionen wollten den Heiligen Vater hören, sogar diejenigen, die der Kirche kritisch gegenüberstanden. An der Messe nahmen mehr als eine Million Menschen teil. Alle vergaßen in seiner Gegenwart ihre Probleme; sie erkannten in Papst Franziskus wirklich einen Mann Gottes, der sich allen zuwendet. Seine Ankunft hinterließ einen bleibenden Eindruck in den Herzen.

Möchten Sie unseren Wohltätern etwas mitteilen?

Ja, ich danke Ihnen für Ihre Hilfe. Dank KIRCHE IN NOT konnten wir in dem Gefängnis, in dem ich Kaplan war, eine Kapelle bauen und einen Raum einrichten, den wir als Bibliothek nutzen und in dem wir den Katechismus lehren und gegen den Analphabetismus vorgehen. Dies hat den Gefangenen Hoffnung gegeben; sie konnten das barmherzige Gesicht der Kirche sehen, einer Kirche, die ihnen helfen und ihre Lebensbedingungen verbessern will.

Ich bitte Sie, für mein Bistum zu beten: Es umfasst 33 367 km2, aber ich habe nur 33 Priester. Ich brauche wirklich Berufungen, Missionare, um zu evangelisieren und die Frohe Botschaft zu verkünden. Wir stehen vor vielen Herausforderungen, aber Gott und die Jungfrau Maria geben uns Mut, weiter zu arbeiten. Wir tragen unser Kreuz, aber wir vertrauen weiterhin auf Gott. Und wir beten auch für alle unsere Wohltäter.

Die Angriffe im Norden von Mosambik haben bereits mehr als 500 Tote und Tausende von Vertriebenen verursacht, so Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba in einem Exklusivinterview mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.

Die Welle der Gewalt, die seit Oktober 2017 den Norden Mosambiks erschüttert, wird offensichtlich nicht so bald enden. Der Bischof bestätigte, dass am 29. und 30. Januar in der Provinz Cabo Delgado „sechs Angriffe“ stattfanden, die eine allgemeine Flucht der Bevölkerung zur Folge hatten und eine große Spur der Zerstörung in den Dörfern der Verwaltungsposten Bilibiza und Mahate hinterließen. Die beiden gehören zum Bezirk Quissanga, der etwa 120 Kilometer von der Stadt Pemba entfernt ist. Für Bischof Luiz Fernando Lisboa sind diese Anschläge „eine Tragödie“. Ein Anschlag „traf die Landwirtschaftsschule in Bilibiza, eine Hochschule mit mehr als 500 Studenten“.

„Ich hörte, dass die Schule niedergebrannt wurde, dann wurden nahe gelegene Geschäfte zerstört“, so schildert der Bischof den Anschlag. „Es ist eine sehr traurige Realität, dass die Verteidigungs- und Sicherheitskräfte ohne internationale Hilfe die Angriffe nicht eindämmen können. Es sind bereits zwei Jahre und drei Monate vergangen … Wenn die Regierung von Mosambik bessere Bedingungen hätte, wäre dies vielleicht schon gelöst worden, aber viele Menschen sterben …“, sagte der Bischof.

In einem Interview mit dem Hilfswerk im Rahmen seines Besuchs in Portugal räumte Bischof Luiz Fernando Lisboa ein, dass es zwar keine offiziellen Statistiken über die Zahl der Menschen gibt, die ihr Leben verloren haben. Es habe aber sicher bereits 500 Tote gegeben, seit Ende 2017 die gewalttätigen Angriffe auf Dörfer, Verwaltungs- und Militärposten ausgebrochen und enthauptete Opfer als Zeichen des grausamen Terrros unter der Bevölkerung zurückgeblieben sind.

„Es wird Hunger geben…“

Die Situation hat unmittelbare Auswirkungen auf den Alltag der Menschen. „Die Dörfer leeren sich, die Einwohner säen nicht. Das bedeutet, dass es Hunger geben wird und wir Tausende von Binnenvertriebenen haben“, führt der Bischof aus. Laut der UNO wurden infolge von Angriffen auf Dörfer im Norden Mosambiks etwa 60 000 Menschen vertrieben. Aber der mosambikanische Bischof ist der Meinung, dass zu den Opfern ebenfalls die Vertriebenen etwa durch den Wirbelsturm Kenneth gezählt werden müssen. „Meiner Meinung nach könnten annährend 100 000 Menschen vertrieben worden sein“.

Bedrohung durch den islamischen Fundamentalismus in der Region

Die Region Cabo Delgado im Norden Mosambiks hat zahlreiche Angriffe von bewaffneten Gruppen erlitten. Bischof Fernando Luiz Lisboa erinnert daran, dass zu Beginn, im Oktober 2017, die Führer der örtlichen muslimischen Gemeinde sich deutlich davon distanzierten und die Anschläge ablehnten. „Als die Angriffe begannen, hieß es, es handele sich um eine radikal-islamische Gruppe. Die Muslime selbst distanzierten sich davon, und sagten: ‚Das sind nicht unsere Leute, das sind Banditen’. Aber wir sind besorgt und traurig, denn es scheint, dass sie wohl das Werk radikal-islamischer Gruppen sind.“

Die Verschärfung der Angriffe könnte eine Bedrohung für die Sicherheit auf regionaler Ebene darstellen. Es gibt Anzeichen dafür, dass auch die Behörden im benachbarten Tansania in Alarmbereitschaft sind, wird Tansania doch von Terrorismus-Experten als Zufluchts- und Rekrutierungsort für extremistische Kämpfer betrachtet, die sich problemlos über die Grenze zwischen den beiden Ländern hin und her bewegen.

Laut dem Bischof von Pemba „wäre dies sehr besorgniserregend“. Denn: „Wenn es ein internationales oder transnationales Netzwerk gibt, bedeutet das, dass die Terroristen stärker sind und es viel schwieriger ist, sie aufzuhalten.“

„Ich habe keine Angst“

Die tatsächliche Größenordnung der im Norden Mosambiks operierenden terroristischen Gruppen ist nicht bekannt. Die christliche Gemeinschaft fühlt sich aber bedroht. Der Bischof selbst weiß, dass er das Ziel eines dieser Angriffe sein könnte: „Ich bin mir bewusst, dass dies geschehen könnte. Aber ehrlich gesagt: Ich habe keine Angst. Ich versuche, meine Aufgabe zu erfüllen. Sie besteht darin, die Missionare zu unterstützen, die in den Bezirken, in denen es Angriffe gibt, in der Schusslinie stehen. Sie sind sehr mutig. Ich preise Gott, ich danke ihnen für ihren Mut, denn oft sind sie die ‚Oase‘, die die Menschen brauchen, jemand, zu dem sie gehen können, um zu weinen, sich zu beschweren, ihre Probleme zu erzählen, Hilfe zu suchen… Keiner von ihnen hat seinen Posten verlassen. Sie sind da, und ich kann und darf keine Angst haben. Ich versuche, meine Mission auf die bestmögliche Art und Weise zu erfüllen, um sie dadurch zu unterstützen, damit sie ihrerseits weiterhin ihre Mission erfüllen können.

Unterstützung durch KIRCHE IN NOT

Im Gespräch mit KIRCHE IN NOT kurz vor seinem Rückflug nach Mosambik, brachte Bischof Fernando Lisboa auch seine Wertschätzung für die Projekte zum Ausdruck, die die Stiftung in seiner Diözese unterstützt: „KIRCHE IN NOT hat viel geholfen, beispielsweise durch  Fahrzeuge für Missionare, Hilfen für die Aus- und Weiterbildung von Seminaristen… Diese Unterstützung ist wichtig, denn ohne die Hilfe internationaler Organisationen wäre es für arme Diözesen wie unserer, wie die meisten afrikanischen, einige asiatische und lateinamerikanische Diözesen, sehr schwierig, ihre Arbeit zu machen.“

Bischof Luiz Fernando Lisboa von Pemba

Einer der führenden Bischöfe des Landes verurteilt den plötzlichen Anstieg der Zahl  minderjähriger christlicher und hinduistischer Mädchen in Pakistan, die entführt, vergewaltigt und gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam überzutreten.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, Berichte über Entführungen von gerade einmal 14-jährigen Mädchen, die er als „Verbrechen“ scharf verurteilte.

Der Bericht des Bischofs deckt sich mit den Ergebnissen von Nachforschungen in der pakistanischen Provinz Punjab, die besagen, dass bis zu 700 Mädchen innerhalb eines Jahres verschleppt worden seien. Er sagte: „In letzter Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Entführungen sind Verbrechen und müssen entsprechend geahndet werden. Nur so können sie gestoppt werden. Die Mädchen sind normalerweise etwa 14 oder 15 Jahre alt. Die Männer sind oft schon verheiratet. Sie sind 25 Jahre und älter.“

Laut Erzbischof Shaw spielt Religion bei den Entführungen sicher eine Rolle, zumal die Mädchen überwiegend hinduistisch oder christlich seien. Dennoch glaubt er, dass dies nicht die einzige Erklärung sei. „Es ist Begierde. Sie denken: , Sie sieht toll aus und ich will sie.‘ Es ist ein Delikt. Doch da ist auch eine möglicher religiöser Aspekt dabei.”

Er berichtete, dass christliche Würdenträger aufgrund der Zunahme der Entführungen die Polizei eingeschaltet hätten, „doch die hörte überhaupt nicht zu.” Also wandten sie sich direkt an die Regierung. „Wir sprachen über die Vorfälle mit der Regierung und sie nahm die Sache ernst. Zusammen mit dem islamischen Rat organisierte sie ein Treffen zwischen mir und Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinschaften. Ich war bei dem Treffen dabei. Ein junger islamischer Gelehrter kritisierte die Entführungen und sagte, Zwangsbekehrungen seien nicht erlaubt.“

Trotz allem ist Erzbischof Shaw optimistisch, was die Zukunft Pakistans anbelangt. Seiner Meinung nach bewegt sich die aktuelle Regierung unter Premierminister Imran Khan in die richtige Richtung. Er sagte: „Die derzeitige Regierung setzt sich für Gleichheit ein. Alle Menschen sollten ein Gefühl der Zugehörigkeit haben.” Auch was die Kirche in Pakistan angeht, zeigte sich Shaw optimistisch. Er sagte: „Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind junge Menschen. Wir verhelfen den Menschen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung, zu Professionalität. Das ist neu, vor allem für die Katholiken. Wir haben guten Katechismus-Unterricht und erklären ihnen, warum sie Christen sind. Wir bilden sie aus für den Dialog mit den Muslimen. Wir bringen ihnen den Unterschied zwischen Dialog und Debatte bei.”

Erzbischof Shaw lobte die Arbeit von KIRCHE IN NOT in Pakistan und sagte: „Ich bin KIRCHE IN NOT dankbar, denn KIRCHE IN NOT unterstützt uns vor allem in unseren pastoralen Aktivitäten. KIRCHE IN NOT hilft auf der ganzen Welt und jedes Mal, wenn wir uns an das Werk wenden, bekommen wir Hilfe. Wir freuen uns immer über finanzielle Unterstützung, Gebete und Mut machende Worte.“

Im Jahr 2018 hat KIRCHE IN NOT in Pakistan 61 Projekte finanziert, darunter den Bau von Kirchen, die Ausbildung von Ordensleuten und die Bildung von Laien.

Laut KIRCHE IN NOT-nahen Quellen werden Christen im Norden von Burkina Faso von muslimischen Extremisten ausgerottet und aus ihrer Heimat vertrieben. Hitté und Rounga waren die letzten Dörfer, die verlassen wurden, nachdem Terroristen ein Ultimatum gesetzt hatten: Die Bewohner mussten entweder konvertieren oder ihre Häuser aufgeben.

„Das ist kein Einzelfall, sondern Teil des Plans der Dschihadisten, die Terror verbreiten, Mitglieder der christlichen Gemeinschaften töten und anschließend die Hinterbliebenen mit der Drohung  vertreiben, nach drei Tagen wiederzukommen und dann keinen Christen oder Katechumenen mehr vorfinden zu wollen,“ so die Informationsquelle.

Toulfé war die erste angegriffene Gemeinde. Ende Mai töteten Dschihadisten dort während des Gottesdienstes fünf Menschen, darunter einen Katecheten. Außerdem verwundeten sie einen zweiten Katecheten. „Von Touflé aus rückten die Extremisten in den Ort Babo vor, der ebenfalls ein Ultimatum erhielt. Viele flohen. Diejenigen, die dort  blieben, wurden Zeugen der Ermordung dreier Menschen durch die Terroristen, darunter Jean-Paul, der die verbliebene Gemeinde leitete und Gebetsgruppen organisierte.“

Der letzte Ort, der bedroht wurde, ist Hitté. „Anfang September kamen 16 Männer ins Dorf und warteten auf die Bewohner, die vom Feld zurückkehrten. Während die einen die Christen in die Kirche zwangen und ihnen drohten, innerhalb von drei Tagen ihre Häuser zu verlassen, verbrannten die anderen alles, was sie auf ihrem Weg fanden. In Hitté leben nun keine Christen oder Katechumenen mehr“, bestätigen die Quellen.  Anschließend rückten die bewaffneten Männer nach Rounga vor, das ebenfalls evakuiert ist.

Allein aus diesen beiden Orten seien fast 2.000 Menschen geflohen. Sie wurden in einer Grundschule in Ouindigui aufgenommen.

Eine weitere nahegelegene Stadt, die seit Beginn der Verfolgungen Menschen aufgenommen hat, ist Titao, wo fast 7.000 Vertriebene sowie Opfer von Gewalt und Verfolgung Zuflucht gefunden haben. Hier hat die katholische Kirche [durch die Caritas] die soziale und pastorale Hilfe, die Betreuung von Kranken und Alten sowie die Begleitung der traumatisierten Bevölkerung in die Hand genommen.  „Die Situation ist schwer zu bewältigen, hat aber die Solidarität der übrigen Bevölkerung von Titao – einschließlich der Muslime – hervorgebracht, die die Sicht der radikalen Extremisten nicht teilt und aktiv mit Nahrung und Wasser hilft, damit die Ortsgemeinde die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge befriedigen kann.

Die lokalen Behörden in Titao sind von der schmerzlichen und dramatischen Situation in der Region bewegt. Allerdings „reagieren Verantwortliche auf Berichte lediglich mit Schweigen.“

Ein weiteres Problem sei die mangelnde Zusammenarbeit der Ordnungskräfte, sowohl der Gendarmerie als auch der Polizei, bei der Bergung von Leichen ermordeter Christen, stellen die KIRCHE IN NOT – Quellen fest: „Sie helfen kaum dabei, die Leichen zurückzubekommen, damit sie würdig begraben werden. Sie sagen, es sei nicht sicher. Deshalb gestaltet es sich als sehr schwierig. Mitunter haben Sicherheitskräfte ihre Zustimmung verweigert. In einem Fall mussten die Töchter von Verstorbenen all ihren Mut zusammennehmen und mit einem Dreirad losfahren, um die Leichen ihrer Väter zu holen und zu begraben. Auch in Babo war es nicht einfach:  Verwandte mussten mit Motorrädern fahren, um die Leichen wie Räuber in der Nacht abzuholen. Da bereits der Verwesungsprozess begonnen hatte, hatten viele Menschen danach gesundheitliche Probleme. Das ist unmenschlich.“

Die herangezogenen Quellen weisen darauf hin, dass nicht alle Fulani (Peuls) gebrandmarkt werden sollten, obwohl die Mehrheit der Terroristen zu dieser Gruppe gehöre Außerdem stecke hinter den Angreifern eine größere Kraft: „Jemand drängt diese Menschen dazu, sich zu bewaffnen, und gibt ihnen Waffen, um ihre Brüder zu töten, mit denen sie lange Zeit zusammenlebten. Denn obwohl es Ausländer unter den Terroristen gibt, sind die Mehrheit keine Fremden. Es sind Fulani, die lange Zeit in der Gegend lebten. Ihre Familien sind bekannt, und über Nacht sind sie zu Feinden der Bevölkerung geworden. Diese Menschen werden manipuliert.“

Der erste Verantwortliche für die Krise und die Zunahme der Gewalt im Land sei jedoch außerhalb zu finden: „Diese Waffen werden nicht in Burkina Faso hergestellt. Wir wissen, dass die Waffen von internationalen Unternehmen stammen, für die nur der eigene Profit zählt. Diejenigen, die die Waffen liefern, kennen nicht den Wert der Menschheit, den Wert des Menschen. Wir fordern das Vernichten der Waffen. Dann erst wird Friede nach Burkina zurückkehren.“

Es müsse sich sofort um Frieden bemüht werden, sonst drohen Vergeltungsmaßnahmen, erklären die Quellen. Denn die Menschen wissen: „Das ist derjenige, der meinen Vater oder meinen Bruder getötet hat. Es ist sehr schwierig. Nach so viel Barbarei ist man eher unempfindlich für den Frieden. Außerdem haben die Menschen alles verloren – auch die Ernte, was zu einer Hungersnot führen wird. Die Situation ist kritisch. „Bitte beten Sie dafür, dass Gott die Herzen berührt und der Friede zurückkehrt.“

Am 27. Januar 2019 explodierten zwei Bomben in der Kathedrale von Jolo auf dem Sulu-Archipel zwischen Mindanao und Borneo, die 23 Menschen töteten und 112 weitere verletzten. Auf diese Tragödie folgte am 30. Januar ein Granatenangriff auf eine Moschee in Zamboanga im Westen der Insel Mindanao. Pater Sebastiano d’Ambra, Missionar des Päpstlichen Instituts für Auslandsmissionen (PIM), der sich seit 40 Jahren im Süden der Philippinen für den interreligiösen Dialog engagiert, erzählt in einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, wie die Situation in dem Land mit der meisten Katholiken auf dem asiatischen Kontinent erlebt wird.

KIRCHE IN NOT:
 Pater D’Ambra, können Sie uns erzählen, wie der Anschlag vom 27. Januar vor Ort wahrgenommen wurde?

Pater D’Ambra: Selbstverständlich hat uns die Gewalt des Anschlags schockiert und auch die Tatsache, dass das Ziel ein heiliger Ort war. Leider reiht sich dieser Gewaltakt in einen Kontext wachsender Spannungen in der Region ein. In den letzten Jahren hat der Radikalismus zugenommen und die christliche Minderheit auf der Insel Jolo (1% der Gesamtbevölkerung von 120.000 Einwohnern der Insel Jolo) ist nicht das einzige Opfer; es gibt auch Muslime, die zu mir kommen und sagen: „Pater, wir werden ebenfalls bedroht, weil wir nicht die gleiche Art Muslime sind wie sie.“

KIRCHE IN NOT: Drei Tage nach dem Anschlag auf die Kathedrale hat eine Granate in einer Moschee in Zamboanga auf den Südphilippinen, wo Sie arbeiten, zwei Menschenleben gefordert. Haben Sie Angst, dass es zu einem interreligiösen Konflikt kommt?

Pater D’Ambra: Meiner Meinung nach besteht keine Verbindung zwischen den beiden Anschlägen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christen ihre Toten rächen wollen, indem sie eine muslimische Kultstätte angreifen. Andererseits glaube ich schon, dass es sich wieder um das Werk jener extremistischen Gruppen handelt, deren Gewalt zunimmt und die Verwirrung stiften wollen. Sie sind es, die Christen und Muslime voneinander trennen wollen. Sie nutzen die Situation, um im ganzen Land Chaos zu verursachen und das Gleichgewicht in Frage zu stellen. Ein Gleichgewicht, das zu einem großen Teil auf den Beziehungen zwischen Gläubigen verschiedener Religionen beruht.

KIRCHE IN NOT: 
Laut den Behörden wird zurzeit jedoch der Kampf gegen den islamischen Terrorismus sukzessive gewonnen, teilen Sie diese Einschätzung?

Pater D’Ambra: Nein, überhaupt nicht. Leider kommt es zu interreligiösen Spannungen. Dass Führer extremistischer Gruppen hingerichtet wurden, bedeutet noch lange nicht, dass die philippinische Regierung den Krieg gewinnt. Dies zu glauben, wäre ein Fehler. Ich weiß sehr wohl, dass die Armee alles in ihrer Macht Stehende tut, um diese Gruppen zu kontrollieren. Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht. Gruppen wie der Islamische Staat, Maute oder Abu Sayyaf haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Probleme im Land verursachen, und sie können in den kommenden Jahren an Macht gewinnen. Ich sage nicht, dass wir in Angst leben müssen, aber wir müssen realistisch sein, und ich glaube nicht, dass sie besiegt sind. Ich glaube, dass sie weiterhin die Freundschaft auf die Probe stellen werden, die uns mit unseren muslimischen Nachbarn verbindet.

KIRCHE IN NOT: Haben Sie den Eindruck, dass Sie um Ihr Leben bangen müssen?

Pater D’Ambra: Na ja, wissen Sie: Ich lebe seit vierzig Jahren hier. Ich hätte deshalb schon lange Zielscheibe werden können – sogar mehrfach, würde ich sagen. Insbesondere einmal, als ich in eine Falle gelockt wurde. Die für mich bestimmte Kugel tötete einen meiner Freunde. In dieser Zeit vermittelte ich mit den muslimischen Rebellen. Dass ein Priester fast drei Jahre lang mit diesen Gruppen sprach, war eine ungewöhnliche Erfahrung. Wir hatten es geschafft, ein Verhältnis gegenseitigen Respekts herzustellen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, dass ein einziger Priester mehr als tausend Soldaten für den Frieden leisten könnte, diejenigen überrascht haben muss, die das Ende des Konflikts nicht wollten. Diese Haltung erleben wir auch heute. Einige Muslime sagen uns, dass unsere Programme für den Dialog zwischen Christen und Muslimen nicht nach dem Geschmack von Extremisten sind.

KIRCHE IN NOT: Möchten Sie zum Schluss eine Botschaft aussprechen?

Pater D’Ambra: Habt keine Angst! Glaubt mir, die Liebe ist stärker als der Hass! Ich danke KIRCHE IN NOT für ihre Nähe zu den Christen, die sich auf der ganzen Welt in Not befinden. Ich bitte alle Christen, den Dialog in ihrem eigenen Umfeld zu fördern, um aus der Logik des Konflikts auszubrechen.