Christian Klyma, Autor bei KIRCHE IN NOT Österreich - Seite 32 von 52
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Zum Jahreswechsel erinnert der Geschäftsführende Präsident der internationalen Päpstlichen Stiftung „Kirche in Not“ (Aid to the Church in Need ACN), Dr. Thomas Heine-Geldern, an die zunehmende religiöse Verfolgung weltweit. Er beklagt auch eine steigende Intoleranz gegenüber christlichen Überzeugungen in der westlichen Welt. Gleichzeitig sei die Aufmerksamkeit für die Opfer religiöser Verfolgung gestiegen, stellt Heine-Geldern fest. Seine Erklärung im Wortlaut:

„Im Jahr 2021 war unsere Arbeit bei ,Kirche in Not’ geprägt von Dankbarkeit und Sorge. Dankbar sind wir vor allem, dass Gott auch in diesem Jahr unsere Arbeit sichtbar gesegnet hat. Dankbar sind wir auch so vielen Wohltätern, Freunden und Verbündeten weltweit.

Unser besonderer Dank gilt Papst Franziskus. Er hat mit seinem Irak-Besuch im vergangenen Frühjahr die dortige christliche Minderheit getröstet und ihr Hoffnung gebracht. Vor allem hat der Heilige Vater die Augen der Weltöffentlichkeit auf die Situation der Christen im ganzen Nahen Osten gelenkt. Sie sind konstitutiver Teil ihrer Heimatländer, werden aber allzu oft als Bürger zweiter Klasse behandelt.

Christliches Mädchen beim Papstbesuch im Irak. © Kirche in Not

Exodus der Christen im Nahen Osten geht ungebremst weiter

Im Irak, in Syrien und auch im Libanon leidet die christliche Minderheit unter den Folgen von Krieg und wirtschaftlicher Misere. Der Exodus der Christen geht ungebremst weiter. ,Kirche in Not’ arbeitet zusammen mit Wohltätern und Projektpartnern daran, den Christen im Nahen Osten Zukunftsperspektiven in ihrer Heimat zu eröffnen und ihr Elend zu verringern.

Ein weltweit wahrgenommener Lichtblick im Zusammenleben von Christen und Muslimen in der arabischen Welt war Anfang Dezember die Weihe der Kathedrale ,Unsere Liebe Frau von Arabien’ in Bahrain, deren Bau ,Kirche in Not’ unterstützt hat.

Papst Franziskus im Irak.

Gemeinsamer Einsatz für Religionsfreiheit

Besonders erfreulich ist auch das große Echo auf unseren Bericht ,Religionsfreiheit weltweit 2021’, den wir im April vorgelegt haben. Der Bericht deckt nicht nur die religiöse Verfolgung in vielen Ländern weltweit auf. Er ist auch, dass Kirchen und Religionsgemeinschaften, Nichtregierungsorganisationen, Politik und öffentliche Akteure zusammen einstehen müssen für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit. Die Freiheit des religiösen Bekenntnisses ist der Gradmesser unserer Humanität.

Zum weltweit sichtbaren Zeichen für bedrängte Christen hat sich auch die Initiative “Red Wednesday” entwickelt. 2015 von ,Kirche in Not’ ins Leben gerufen, machen mittlerweile Ende November immer mehr Kirchen und Einrichtungen auf der ganzen Welt mit. Ich danke allen Teilnehmern für ihre Solidarität und ihr Gebet.

Parlament in der Wiener Hofburg am Red Wednesday.

Morde und Entführungen von Geistlichen und Gläubigen nehmen zu

Leider erreichten uns im zu Ende gehenden Jahr fast wöchentlich Berichte über religiöse Verfolgung und Gewalt. Priester, Ordensleute und Laien werden in ihrem Einsatz getötet, entführt oder misshandelt. Gerade die aktuelle Lage in Indien oder Nigeria erfüllt uns mit großer Sorge und setzt uns in Alarmbereitschaft.

Dramatisch ist die Lage in den Ländern der afrikanischen Sahelzone und in Mosambik. Die Gewalt trifft alle, Christen aber ganz besonders. Es ist sehr zu bedauern, dass die Kirche an vielen Orten durch den Terror an ihrer pastoralen und sozialen Arbeit gehindert wird: Viele von der Kirche geführten Kliniken, Schulen und viele andere lebenswichtige Orte sind geschlossen. Außerdem sind die kirchlichen Mitarbeiter in diesen Ländern mit der Herkules-Herausforderung konfrontiert, hunderttausende Flüchtlinge und Vertriebene zu versorgen und zu betreuen.

Dr. Thomas Heine-Geldern, Geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not“ (ACN) International, bei der Präsentation des Berichts „Religionsfreiheit weltweit“ im April 2021. © Kirche in Not

,Höfliche Verfolgung’ in westlichen Ländern

Auch in den westlichen Ländern registriert ,Kirche in Not’ zunehmende Gewaltakte gegen religiöse Einrichtungen und eine Entwicklung, die Papst Franziskus als ,höfliche Verfolgung’ beschrieben hat: Glaubensüberzeugungen sollen unter dem Deckmantel einer vermeintlichen ,Toleranz’ aus dem öffentlichen Leben gedrängt werden.

Das jüngste Beispiel war das interne Dokument der Europäischen Kommission zur integrativen Sprache mit dem Vorschlag, christliche Bezeichnungen und Namen zu vermeiden, beispielsweise das Wort ,Weihnachten’ durch ,Feiertage’ zu ersetzen. Das Dokument wurde zurückgezogen, was wir befürworten. Denn das durchaus berechtigte Anliegen der Inklusion hätte in diesem Fall die Exklusion der größten Glaubensgemeinschaft der Europäischen Union mit sich gebracht. Immerhin sind fast zwei Drittel der EU-Bürger Christen.

Besonders denken wir zum Jahresende an die Opfer der Covid-19-Pandemie: Viele Ordensfrauen, Bischöfe, Priester und Katecheten sind in Ausübung ihres Dienstes an der Krankheit gestorben. Sie haben ihr Leben geopfert, um trotz der gesundheitlichen Gefahr den ihnen anvertrauten Menschen nahe zu sein. Das ist ein großes Zeugnis der Hingabe.“

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Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ hat von Projektpartnern aus Indien Berichte erhalten, wonach extremistische Hindu-Gruppen an den Weihnachtstagen gezielt gegen Christen und christliche Einrichtungen vorgegangen sind. Wir sind zutiefst schockiert über diese Gewaltwelle, die sich leider in jüngster Zeit schon abgezeichnet hat. Indien, die größte Demokratie der Welt, wird für Christen und andere religiöse Minderheiten mehr und mehr zu einem Land der Unsicherheit und der Angst. Das setzt uns in Alarmbereitschaft.

Dr. Suresh Mathew, Herausgeber der katholischen Wochenzeitung „Indian Currents“, bestätigte dem Hilfswerk acht christenfeindliche Attacken an den Feiertagen. Diese gingen auf das Konto hindunationalistischer Kräfte, unter anderem der „Hindutva Brigade“. Sie gilt als militanter Arm der Regierungspartei BJP (Bharatiya Janata Party), der auch der indische Premierminister Narendra Modi angehört. Nachdem die „Hindutva Brigade“ Medienberichten zufolge in jüngster Vergangenheit muslimische Einrichtungen attackiert habe, ging sie an den Weihnachtstagen gezielt gegen Christen vor.

Zerstörte Kirche in Indien. © Kirche in Not

Christmette gestürmt und Gläubige bedroht

Laut Mathew sei etwa im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh ein Mob vor das Kloster „Mathridham Ashram“ in Varanasi gezogen. Die Menge skandierte „Church Murdabad“, auf Deutsch in etwa „Nieder mit der Kirche“ oder „Tod der Kirche“. In der Stadt Ambala im Bundesstaat Haryana hätten Extremisten eine Christusstatue beschädigt; in Silchar (Bundesstaat Assam) sei eine Christmette gestürmt und die Gläubigen bedroht worden. An mehreren Orten gab es Proteste gegen Weihnachtsfeiern an christlichen Schulen oder auf öffentlichen Plätzen.

Irritationen hatten auch Berichte über die von Mutter Teresa gegründeten „Missionarinnen der Nächstenliebe“ ausgelöst. Die Ordensleitung bestätigte, dass ihr Verlängerungsantrag, um Spenden aus dem Ausland annehmen zu dürfen, nicht verlängert worden sei. Nach Angaben des indischen Innenministeriums sei die erneute sogenannte FCRA-Registrierung am 25. Dezember abgelehnt worden, weil die Zulassungsbedingungen nicht erfüllt worden seien. In den vorhergehenden Monaten hatten nationalistische Gruppen den „Missionarinnen der Nächstenliebe“ vorgeworfen, sie würden hinduistische Mädchen in Kinderheimen zur Konversion zwingen und religiöse Gefühle verletzen.

Gemeindemitglieder betrauern einen Priester.

„Organisierte Gewalt gegen Christen weitet sich aus“

Einem im Oktober erschienenen Bericht mehrerer Menschenrechtsorganisationen zufolge herrsche in 21 der 28 Bundesstaaten Indiens Christenverfolgung; bis September 2021 registrierte der Bericht 305 Gewalttaten gegen Christen oder christliche Einrichtungen. „Die organisierte Gewalt gegen Christen weitet sich im ganzen Land aus“, erklärte A. C. Michael, einer der Mitherausgeber des Berichts vom „United Christian Forum“. Weitere Herausgeber waren die „Association for Protection of Civil Rights“ und die Gruppe „United Against Hate“. Der Bericht kritisiert, dass Polizei und Behörden zu zögerlich gegen die Täter vorgingen. Auch immer mehr christliche Frauen gerieten ins Visier der Fanatiker. „Wir leben in einer sehr bedrohlichen Situation“, sagte Michael gegenüber „Kirche in Not“.

Christen machen rund 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus. Die Kirchen engagieren sich vor allem in den Bereichen Bildung, Gesundheitsfürsorge und anderen wohltätigen Zwecken.

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Verwendungszweck: Indien

„Die Situation in Syrien ist sehr schlecht. Armut und Hunger breiten sich immer weiter aus. Die meisten Familien haben noch nicht einmal eine Mahlzeit am Tag.” Das berichtet Schwester Annie Demerjian aus Damaskus in einer Nachricht an KIRCHE IN NOT.

Die Ordensschwester ist eine langjährige Projektpartnerin von KIRCHE IN NOT, die bereits so viel für benachteiligte Familien in Syrien auf die Beine gestellt hat.

KIRCHE IN NOT unterstützt derzeit die Verteilung von Winterkleidung als Weihnachtsgeschenk an 30 000 Kinder in Syrien – und Ihre Hilfe kommt an.

Schwester Annie im Gespräch mit dem syrisch-katholischen Bischof von Aleppo, Antoine Shahda.

Lebensmittelgutscheine und Winterkleidung für 30.000 Kinder

Schwester Annie Demerjian schreibt weiter: „Wir, die Schwestern von Jesus und Maria, versuchen, so gut es geht zu helfen. Mit Unterstützung einer Hilfsorganisation verteilen wir Lebensmittelgutscheine an einige besonders arme Familien, die keinen Ernährer haben.

In den derzeitigen Ferien haben wir Schwestern besonders viel zu tun. Wir verteilen als Weihnachtsgeschenk Kleidung an rund 30 000 Kinder in Syrien. Manchmal sind wir bei der Verteilung auch selbst vor Ort. So sehen wir direkt die Freude der Kinder und der Familien über die Geschenke in diesen gesegneten Tagen.

Durch die Zusammenarbeit mit einer Organisation verteilen wir auch Bargeld an einige arme Familien, damit sie sich Brennstoff für den harten Winter kaufen können.

Schwester Annie Demerjian (hinten links) mit Frauen und Kindern, die sich über Winterkleidung freuen, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT ermöglichten.

„Es freut uns, dass Sie an uns denken“

Wie Sie wissen, leiten wir das Selige-Dina-Belanger-Zentrum. Vor einigen Tagen veranstalteten rund 80 junge Menschen eine wichtige und große Feier vor Weihnachten, die sogar live in den sozialen Medien übertragen wurde.

Es freut uns, dass es Brüder und Schwestern im Ausland gibt, die unser Anliegen teilen und an uns denken, besonders an diesen gesegneten Festtagen.

Christliche Familien in Syrien bereiten für Weihnachten und Neujahr besondere Spezialitäten zu, wie zum Beispiel kibbeh (Fleisch und Bulgur), yabrag (Gefüllte Weinblätter mit Reis und Fleisch) oder Reis und Erbsen mit Fleisch. Doch nun können sich die Familien keines von diesen Essen leisten und müssen Reis und Erbsen ohne Fleisch kochen.

Wir hoffen, dass im nächsten Jahr der Frieden kommt und keiner mehr bedürftig, arm oder hungrig sein muss.”

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„Mein Name ist Majid. Ich lebe mit meinen Eltern und meinen beiden Geschwistern im Libanon, aber mein Vater hat mir erzählt, dass wir ursprünglich aus Syrien stammen. Ich bin zum Flüchtling geworden wie das Jesuskind, das mit seinen Eltern fliehen musste.“ Der zwölfjährige Majid Abboud hat keinerlei Erinnerung mehr an seine alte Heimat; er war erst drei Jahre alt, als seine Familie mit ihm die Flucht antreten musste.

Majids Vater Basman erinnert sich im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Es war die Hölle: Innerhalb eines halben Jahres wurden in unserem Dorf in Syrien mindestens 50 Menschen getötet. Andere Bewohner wurden von Milizen entführt. Es gab keine Arbeit mehr, keinen Strom, keine Schulen, kein Essen.“

Als Christen stand Majids Familie besonders im Visier dschihadistischer Truppen. Viele syrische Christen geben den Slogan der Terror-Kämpfer wieder: „Alawiten (Anhänger der islamischen Konfession, der auch Syriens Präsident Assad angehört; Anm. d. Red) in den Sarg, Christen nach Beirut.“

Majid mit seinen Eltern und Geschwistern.

„Sie griffen uns mit Gewehren an”

Die Vertreibung der syrischen Christen, immerhin vor Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 bis zu zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, sei von Anfang an geplant gewesen, erzählt Basman: „Es war ein Krieg mit allen Konsequenzen. Noch bevor sich die Situation verschlimmerte, wussten wir, dass unsere Häuser bereits an Islamisten vergeben waren.“

Ein Jahr nach der Eroberung des Dorfes sei es zum Inferno gekommen: „Sie griffen uns mit Gewehren an, töteten 15 junge Männer. Wir verließen mitten in der Nacht unser Haus und sind weggelaufen. Wir haben nichts mitgenommen, nur die Kleidung, die wir am Leib trugen.“ Die Familie schlug sich, wie Tausende andere, über die Grenze in den Libanon durch. Am 20. März 2012 kamen sie in Zahlé an, erzählt Basman. Das Datum wurde zum Beginn eines „zweiten Lebens“ für ihn und seine fünfköpfige Familie: eines Lebens als mittellose Flüchtlinge.

Zunächst kamen sie bei einem Verwandten unter: „15 Personen in einem kleinen Haus. Wir schliefen in zwei Schichten, weil es nicht genug Platz gab.“ In dieser Zeit erfuhr Basman vom Hilfsprogramm der melkitischen griechisch-katholischen Erzdiözese Zahlé und Furzol.

Majid mit seinem Vater und seinen Geschwistern bei einem Gottesdienst.

„Was wären aus uns geworden ohne die Hilfe der Kirche?“

KIRCHE IN NOT unterstützt die Helfer seit Jahren: Sie vermitteln Wohnraum und greifen mittellosen Familien mit Mietbeihilfen unter die Arme, sie betreiben eine Suppenküche und beliefern Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Medikamenten, bieten seelsorgerische und psychologische Unterstützung an und vieles mehr.

Auch Basman hat auf Vermittlung der Erzdiözese eine Arbeitsstelle gefunden. Die Familie zog in ein eigenes kleines Haus. Da das schmale Gehalt kaum ausreicht, um die Miete zu decken, sind die Abbouds auf die täglichen Mahlzeiten in der Suppenküche „Johannes der Barmherzige“ in Zahlé angewiesen. „Was wäre aus uns geworden ohne die Hilfe der Kirche?“, fragt Basman.

Das habe sich nach Ausbruch der Corona-Krise einmal mehr gezeigt. Im Libanon, das seit Jahren vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch steht, haben die Einschränkungen und Folgen der Pandemie wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. Basman hat wie viele andere seine Arbeit verloren.

Nun ist seine Familie wieder ganz auf fremde Hilfe angewiesen: „Wenn die Libanesen schon keine Arbeit haben, wie soll es dann uns Flüchtlingen gehen? Ohne die großzügige Hilfe wüssten wir nicht, was wir tun sollten.“ Als Basmans Frau dieses Jahr schwer erkrankte und eine Operation benötigte, wurde diese im Krankenhaus Tel-Chia der Erzdiözese durchgeführt – natürlich kostenlos.

Majid und sein Vater Basman erhalten Lebensmittel in der Suppenküche der Erzdiözese Zahlé und Furzol.

Nun ist die Familie wieder gesund vereint und kann Weihnachten feiern. Majid freut sich darauf, obwohl das Fest mit schmerzhaften Erinnerungen durchsetzt ist: „Manchmal sind meine Eltern und meine Geschwister sehr traurig. Papa erzählt, dass wir in Syrien ein großes Haus hatten. An Weihnachten war die Kirche in unserem Dorf festlich geschmückt, alle kamen dort zusammen. Wir haben Heimweh.“

Nach seinen Weihnachtswünschen gefragt, antwortet Majid ungewöhnlich für einen Zwölfjährigen: „Ich wünsche mir, dass die Menschen an Familien wie die meine denken und uns helfen, Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu haben. Frohe Weihnachten an alle!“

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„Es sollte nie Nacht werden. Ich habe so Angst, wenn es dunkel wird. Meine Nächte sind voller Qualen und Albträume“, gesteht die Nigerianerin Naomi im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Naomi ist eine von 30 000 Binnenvertriebenen, die im Flüchtlingslager von Pulka nahe der Grenze zu Kamerun Zuflucht gefunden haben. 20 solcher Camps gibt es im Bundesstaat Borno.

Wie so viele ihrer Landleute im Nordosten Nigerias durchlebt Naomi Nacht für Nacht dieselben traumatischen Erinnerungen: Die Terrormiliz Boko Haram erobert ihr Dorf, Angehörige werden vor ihren Augen ermordet, sie wird verschleppt, mit einem Terroristen zwangsverheiratet, missbraucht.

Auch der 33-jährige Familienvater Charles hat Angst vor der Nacht: „In meinen Träumen erlebe ich ein ums andere Mal die Zeit, als wir uns vor den Terroristen verstecken mussten. Sie griffen vor allem in der Dunkelheit an, also verbrachten wir zahllose Nächte weit außerhalb des Dorfes, unter freiem Himmel.“

Naomi, Binnenvertriebene im Flüchtlingscamp Pulka im Norden Nigerias.

Terroristen wollen Christentum und Bildung vernichten

Die Angriffe von Boko Haram haben das Leben von Naomi und Charles für immer auf den Kopf gestellt. Im Bundesstaat Borno sind die meisten Bewohner Muslime, in ganz Nigeria ist das Verhältnis von Christen und Muslimen etwa 50:50.

Naomi und Charles sind Christen. Vor gut 50 Jahren kamen Missionare in die Region. Sie brachten nicht nur den christlichen Glauben, sie eröffneten auch flächendeckend Schulen. Gegen beides richtet sich der Hass der Extremisten von Boko Haram: Sie wollen die Christen auslöschen – und die Schulbildung, die ihnen als „westlich“ und daher gefährlich gilt.

Der Glaube war es, der viele Einwohner in den vergangenen Jahren Unglaubliches ertragen ließ, ist Pfarrer Christopher überzeugt. Der Priester des Bistums Maiduguri kümmert sich um die vertriebenen Christen. KIRCHE IN NOT unterstützt ihn dabei.

Charles, Flüchtling im Lager Pulka (Nigeria).

Außerhalb der Camps herrscht Lebensgefahr

„Zunächst wurden sie bedrängt, zum Islam zu konvertieren. Dann wurden die Extremisten immer gewalttätiger“, erzählt der Priester. Ab 2015 sei die Lage so bedrohlich geworden, dass zehntausende Menschen die Flucht nach Kamerun antraten. Dort blieben sie einige Jahre – oft in erbärmlichsten Zuständen –, bis die nigerianische Armee ihre Dörfer zurückerobert hatte.

„Wir sind seit zwei Jahren wieder zurück, aber es ist zu unsicher, in unseren Dörfern zu wohnen“, erzählt der vierfache Familienvater Charles. „Wir sind zwar näher an unserer Heimat, aber wir leben immer noch in Lebensgefahr.“

Also hausen die Heimkehrer in Camps, schlafen in Zelten oder oft unter freiem Himmel. Die Notunterkunft wird zum Gefängnis: „Sie können kaum hier raus. Sie könnten sonst überfallen oder getötet werden. Das ist bereits geschehen bei Bauern, die ihre Felder bestellt haben“, erklärt Pfarrer Christopher.

Auch er ist ständig einem Risiko ausgesetzt, wenn er zwischen dem Flüchtlingscamp und seiner Pfarrei pendelt. Dort lebt er selbst in einer Notunterkunft, da die Boko-Haram-Kämpfer die Pfarrerwohnung zerstört haben. KIRCHE IN NOT unterstützt den Wiederaufbau.

Der Priester hört im Camp den Vertriebenen einfach zu, versucht Lebensmittel aufzutreiben oder hilft mit ein paar anderen Dingen des täglichen Bedarfs aus. Gerade rund um Weihnachten werden seine Besuche sehnsüchtig erwartet, erzählt Naomi: „Pfarrer Christoper ist ein echter Vater für uns alle. Wenn es uns schlecht geht, macht er uns Mut. Weihnachten ist eine schwere Zeit für uns. Früher kamen Verwandte von überall her, um mit uns zu feiern. Als die Angriffe begannen, war Weihnachten nicht mehr, was es einmal war.“

Pfarrer Christopher feiert die heilige Messe im Flüchtlingscamp.

„Weihnachten ist nicht mehr, was es einmal war”

Auch Charles gesteht gegenüber KIRCHE IN NOT, „dass es in unserer Situation schwer ist, Weihnachten zu feiern. Die meisten von uns haben alles verloren.“ Entschlossen fügt er hinzu: „Das Evangelium gibt mir die Kraft, all das Leid auszuhalten, das wir jeden Tag erleben. Unser Leben liegt in Gottes Hand. Jesus Christus ist meine Rettung, das feiere ich an Weihnachten.“

Nachdem es in den Flüchtlingscamps in jüngster Zeit einige Cholerafälle gab, ist der Bedarf an medizinischer Versorgung und sauberem Trinkwasser enorm hoch, weiß Pfarrer Christopher. Darüber hinaus wünschten sich viele vertriebene Menschen, dass sie ihre Ausbildung oder ein Studium fortsetzen können.

Der Weihnachtswunsch des Priesters für sich und die ihm anvertrauten Menschen ist jedoch ganz schlicht: „Wir wollen ein normales Leben führen und wieder in unsere Häuser zurückkehren. Die Menschen hier verlassen sich auf die Kirche, weil sie stets versucht, ihre Tränen zu trocknen.“

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Am 10. Dezember 2021 wird die Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ in Bahrain ihrer Bestimmung übergeben. Damit geht das größte Kirchenbauprojekt auf der Arabischen Halbinsel nach fast sieben Jahren Bauzeit zu Ende. Die Kirche befindet sich in Awali, etwa 23 Kilometer südlich von Manama, der Hauptstadt des Inselstaats Bahrain. Die neue Kathedrale in Form eines Zelts verfügt über 2300 Sitzplätze, zwei Kapellen und Veranstaltungsräume. Auch das 2012 errichtete Apostolische Vikariat für das Nördliche Arabien hat dort seinen Sitz. Das Zentrum kann auch von anderen christlichen Konfessionen genutzt werden.
Innenraum der neuen Kathedrale in Bahrain. © Mattia del Prete Architect MDPA

Meilenstein im christlich-muslimischen Dialog

Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) gehört zu den Unterstützern des neuen Gotteshauses, das auch als Meilenstein im christlich-muslimischen Dialog gilt. Das wird auch dadurch unterstrichen, dass am Tag vor der Kirchweihe der bahrainische König, Scheich Hamad bin Isa Al Chalifa, den neuen Gebäudekomplex eröffnet. König Al Chalifa gehört zu den größten Förderern des Projekts und hat der katholischen Gemeinschaft auch den Baugrund zur Verfügung gestellt. Die kirchliche Weihe an diesem Freitag wird Louis Antonio Kardinal Tagle, Präfekt der Vatikan-Kongregation für die Evangelisierung der Völker, vollziehen.

Die Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Arabien“ ist der neue geistliche Mittelpunkt für die christliche Minderheit des Apostolischen Vikariats für das Nördliche Arabien. Das Vikariat umfasst neben Bahrain auch Kuwait, Katar und Saudi-Arabien. Auf der Arabischen Halbinsel leben etwa 2,5 Millionen Katholiken; die meisten von ihnen sind Wanderarbeiter verschiedener Nationen und Kulturen. Ihr geistliches Oberhaupt ist Bischof Paul Hinder, ein gebürtiger Schweizer Kapuziner. Er hat im Mai 2020 zusätzlich zu seinem Amt als Apostolischer Administrator für das Südliche Arabien auch die Verantwortung für die katholischen Gemeinden im Nördlichen Arabien übernommen, nachdem der dortige Administrator, Bischof Camillo Ballin, verstorben war. Ballin war der Motor hinter dem Bauprojekt.

Bei der Grundsteinlegung im Jahr 2018. Links der damalige Apostolische Administrator für das Nördliche Arabien, Bischof Camillio Ballin (ⴕ). © Kirche in Not

Wachsende Zahl von Katholiken auf der Arabischen Halbinsel

„Die neue Kathedrale ist ein wichtiger Schritt in den Beziehungen zwischen Kirche und Staat, und sie zeugt auch von der wachsenden Zahl der Katholiken auf der Arabischen Halbinsel“, erklärte Regina Lynch, Projektdirektorin am Sitz der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus. „Bisher gab es nur fünf offiziell anerkannte Kirchen für die Gläubigen in einer Region, die fast so groß ist wie Deutschland und Frankreich zusammen.“ In Bahrain, wo etwa 90 000 Katholiken leben, existierten bislang nur eine Kirche in der Hauptstadt Manama und eine Kapelle in einem Vorort. Dort mussten über das Wochenende bislang 25 heilige Messen gefeiert werden, um allen Gläubigen die Teilnahme zu ermöglichen. Die Gottesdienste waren stets überfüllt.

Auch viele Christen verschiedener Riten aus Saudi-Arabien und anderen Ländern kämen nach Bahrain, um dort ihren Glauben zu praktizieren und die Sakramente zu empfangen, erklärte Lynch: „Auf der gesamten arabischen Halbinsel, insbesondere aber in Saudi-Arabien, ist die öffentliche Ausübung des Christentums stark eingeschränkt. Christen können sich nur in ausländischen Botschaften oder Privathäusern treffen. Deshalb ist die neue Kathedrale in Bahrain auch ein wichtiges Hoffnungssignal für die Christen in anderen Ländern der Region.“

Kathedrale in Bahrain. © Mattia del Prete Architect MDPA

„Viele Christen leben allein und unter armseligen Umständen“

Für den Leiter des Bauprojekts, Dompfarrer Saji Thomas, ist das neue Gotteshauses „ein Paradebeispiel für religiöse Harmonie und Toleranz und ein großartiges Beispiel für friedliche Koexistenz“, wie er gegenüber „Kirche in Not“ erklärte. Bahrain fährt im Vergleich zu den anderen Staaten der Arabischen Halbinsel einen toleranteren Kurs gegenüber der christlichen Minderheit. Bereits die erste katholische Kirche der Neuzeit war 1939 in Bahrain errichtet worden, auch damals hatte der Emir ein Grundstück zur Verfügung gestellt.

Dennoch sei die Lage der Christen in Bahrain schwierig, erklärte Projektdirektorin Regina Lynch: „Nicht wegen der Regierung, sondern weil sie ihre Heimatländer, ihre Familien und Freunde verlassen haben.“ Die Mitglieder der katholischen Gemeinde in Bahrain stammen nach Angaben des Apostolischen Vikariats vorrangig aus Indien, Pakistan, Sri Lanka, von den Philippinen, aus dem Libanon, Jordanien, aber auch aus afrikanischen und südamerikanischen Staaten. „Viele dieser Migranten leben allein und unter armseligen Umständen“, sagte Lynch. Die Corona-Pandemie und wirtschaftliche Krisen hätten die Situation für viele Menschen noch schlimmer gemacht. „Sie brauchen eine spezielle Begleitung und Fürsorge, sonst gehen sie verloren.“

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Die Freude ist groß in der Pfarre Butundwe im Nordwesten Tansanias: Dank Eurer Hilfe hat Pfarrer John Bosco Lwenge endlich ein Auto, das ihm seinen Dienst wesentlich erleichtert. Die Gläubigen sind froh und dankbar, denn nun sehen sie ihren Pfarrer häufiger.

Die Pfarre ist groß, sie hat 28 Außenstationen, die bis zu 30 Kilometer entfernt gelegen sind. Dort muss Pfarrer Lwenge die heilige Messe feiern, Beerdigungen abhalten und die Krankensalbung spenden. Außerdem ist er in dem 70 Kilometern entfernen Ausbildungszentrum für Katecheten tätig, unterrichtet in mehreren Schulen und betreut eine weitere Pfarre, deren Pfarrer erkrankt ist.

„Meine pastorale Arbeit ist hart und schwierig, und die Wege sind gefährlich, da mir kein Auto zur Verfügung steht“, schrieb uns Pfarrer Lwenge. Die Pfarre ist groß, sie hat 28 Außenstationen, die bis zu 30 Kilometer entfernt gelegen sind.

„Meine pastorale Arbeit ist hart und schwierig, und die Wege sind gefährlich, da mir kein Auto zur Verfügung steht“, schrieb uns Pfarrer Lwenge. Bislang war der Priester mit dem Moped unterwegs. In der Regenzeit konnte er damit manche Straßen gar nicht befahren, da sie sich in Schlammseen verwandeln und für ein nicht geländetaugliches Fahrzeug unpassierbar werden.

Das Gebiet ist arm und unterentwickelt. Elektrischen Strom gibt es nur in wenigen Orten, und um medizinisch behandelt zu werden, müssen die Menschen 70 Kilometer zurücklegen. Schwerkranke Patienten und schwangere Frauen werden mit dem Fahrrad ins Krankenhaus gebracht – erst kurz bevor der Pfarrer uns um Hilfe bat, war eine schwangere Frau auf dem Weg ins Krankenhaus gestorben. „Das war sehr schmerzlich für mich“, gesteht der Priester. Das Fahrzeug wird also auch bei medizinischen Notfällen gute Dienste leisten und Leben retten. Pfarrer Lwenge und seine Gläubigen beteten jeden Tag darum, dass Ihr ihnen helfen würdet – und Ihr habt sie nicht im Stich gelassen. 15.000 Euro habt Ihr für das Auto gespendet. Allen, die geholfen haben, herzlichen Dank!

Am Morgen des 2. April 2015 (Gründonnerstag) stürmten bewaffnete Dschihadisten den Campus der Universität von Garissa in Kenia. Ein Zeuge berichtete, dass sie auf jeden schossen, dem sie begegneten – außer auf muslimische Glaubensgenossen. Mindestens 148 christliche Studenten wurden bei dem Überfall getötet, 70 weitere verletzt.

Die Terroristen der Gruppe Al-Shabaab bekannten sich später zu dem Angriff. Sie sagten, sie hätten die christlichen Opfer sorgfältig ausgewählt.

Die Universität in Garissa liegt 145 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt in einem überwiegend muslimischen Gebiet. Seit vielen Jahren terrorisiert die islamistische Gruppe Al-Shabaab die Menschen in Somalia und in den Nachbarländern.

Die mangelnde Sicherheit auf dem Campus war bereits vor dem Überfall bekannt. Schon im November 2014 hatten Studenten demonstriert und auf die Defizite aufmerksam gemacht. KIRCHE IN NOT unterstützt in vielen Gegenden den Bau von Sicherungsmaßnahmen für kirchliche Grundstücke. Dazu zählen zum Beispiel auch Mauern oder andere Befestigungen für Schwesternkonvente, um die Ordensfrauen vor Eindringlingen zu schützen.

In der Pfarre von Itoculo in der Diözese Nacala wurde ein Aufnahmeprogramm für Vertriebene aus Cabo Delgado ins Leben gerufen. Die Binnenvertriebenen sind Opfer des Terrorismus, der seit Oktober 2017 in der nördlichen Region Mosambiks wütet und mehr als 3000 Tote und 850 000 Vertriebene im ganzen Land hinterlassen hat.

Knapp 22 000 von ihnen, in der Hauptsache Frauen und Kinder, haben in Nacala Zuflucht gesucht, obwohl der Diözese mehr als 400 Kilometer von ihrer Heimat entfernt ist. In der Gemeinde Itoculo wurden mehr als hundert Vertriebene aufgenommen: 117 Personen, fast die Hälfte davon Kinder. Sie stehen im Mittelpunkt einer vom Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützten Initiative, mittels derer ihnen psychosoziale Hilfe angeboten wird. Dies soll ihnen helfen, die Herausforderungen, denen sie als Kriegsopfer ausgesetzt sind, besser zu bewältigen.

Flüchtlingskinder erhalten Brei, oft ihre einzige Mahlzeit des Tages.

Brei für Kinder

Unter den Bäumen, die Schutz vor der unerbittlichen afrikanischen Sonne bieten, sitzt eine Gruppe von Kindern auf dem Boden und isst ihre wahrscheinlich einzige Mahlzeit des Tages: Brei.

Zeca Virgilio und Amon Ali sind zwei Betreuer der Caritas, die das KIRCHE IN NOT-Projekt koordinieren. Sie tragen ein blaues T-Shirt mit den Logos der beiden Institutionen. Virgilio erzählt, dass er den Kindern hilft, „zu beten, auf die Hygiene zu achten, sich die Hände zu waschen …“. Virgilio fügt hinzu, dass er seine Arbeit sehr mag, „weil sie den Menschen hilft“. Auch Amon freut sich, den Vertriebenen ein neues Leben zu schenken, und wenn dies am Straßenrand ist, wo sie arbeiten.

Jeden Tag „erfinden“ sie neben den Häusern ein Klassenzimmer und eine Cafeteria. Der Himmel ist die „Decke“ und die Erde und die Gräser sind der „Boden“ von den Klassenzimmern und dem Speisesaal. Die Kinder essen Brei, eine wahre „Vitaminspritze“, die aus Mais, Milch, Eierschalen und allem, was sie sonst noch auftreiben können, besteht. Hunger ist eine grausame Realität.

In einer Botschaft vom März 2021 unterstrich Bischof Alberto Vera von Nacala die Dringlichkeit, die Binnenvertriebenen zu unterstützen: „Leider herrscht jetzt eine weit verbreitete Hungersnot aufgrund der geringen Produktion in der Landwirtschaft im Jahr 2020 und der fehlenden Niederschläge in diesem Jahr“, so der Bischof. Er erklärte, dass sich deshalb 85 % der Bevölkerung „in einer Situation extremer Verwundbarkeit“ befinde, was den „sozialen Druck noch verstärkt“ habe.

Mit Hilfe sollen die Vertriebenen die Schwierigkeiten und Traumata des Krieges in Cabo Delgado überwinden.

Psychosoziale Unterstützung für Vertriebene

Es sind schwierige Zeiten, aber die Antworten seitens der Ortskirche auf die Notlage sind ein Zeichen der Hoffnung. Das Projekt zur psychosozialen Unterstützung von vertriebenen Familien in der Pfarre von Itoculo ist ein gutes Beispiel dafür. Außer von Caritas und KIRCHE IN NOT wird das Projekt auch von Pater Mário João unterstützt, einem portugiesischen Priester, der in Mosambik als Missionar tätig ist.

Aufgrund seiner Größe und seiner langen blonden Haare bleibt er nicht unbemerkt. Pater Mário João spricht mit KIRCHE IN NOT in Mweravale, einer der Gemeinden, die Vertriebene aus Cabo Delgado aufgenommen haben: „Sie kamen im März 2020 hier an. Im September haben wir dieses Projekt mit drei Schwerpunkten gestartet: Für die Jüngeren gibt es die so genannten ‚Freunde der Kinder’, mit Spielen, die den Kindern helfen sollen, ein wenig von dem aufzuarbeiten, was sie in Cabo Delgado erlebt haben. Die Erwachsenen bekommen in einem Raum die Möglichkeit, die Sprache Macua zu lernen und in Mathematik fortgebildet zu werden. Dann gibt es einen Raum, in dem ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit stattfindet, den wir ‚aktives Zuhören’ nennen. Hier können sich die Vertriebenen über die guten und weniger guten Dinge austauschen, die sie erlebt haben. Das soll ihnen helfen, die Schwierigkeiten und Traumata des Krieges in Cabo Delgado zu überwinden“.

Das Projekt unterstützt 117 Vertriebene aus Cabo Delgado.

Ungewisse Zeiten

Pater Mário kennt die Geschichte der Vertriebenen sehr gut. „Sie haben ihre Heimat verlassen, bevor die Lage schwieriger wurde. Als sie erfahren hatten, dass sich die Terroristen den Dörfern näherten, sind sie geflohen. Sie sind hierhergekommen, weil sie Verwandte hatten, die schon länger hier lebten. Also kamen Verwandte, Nachbarn und Freunde und ließen sich hier nieder.“

Das Projekt von Caritas Nacala, das von den Wohltätern von KIRCHE IN NOT finanziert wird, hilft 117 Vertriebenen aus Cabo Delgado. Beteiligt sind sieben lokale Partner, die von drei Missionaren unterstützt werden. In Itoculo kann man jetzt die fröhlichen Stimmen der Kinder hören, vor allem bei den Mahlzeiten. Für diese Vertriebenen sind es ungewisse Zeiten. Viele wollen in ihre Heimatdörfer zurückkehren und warten sehnsüchtig darauf. Sie müssen die Nachrichten aus dem Norden im Auge behalten. Wenn die Angriffe aufhören, ist es an der Zeit, nach Hause zurückzukehren. Alles deutet jedoch darauf hin, dass der Friede noch in weiter Ferne liegt.

In der Zwischenzeit lebt eine Gruppe Vertriebene in der Diözese Nacala, fast am Straßenrand. „Es ist eine Herausforderung. Allerdings ist es erfreulich, die Entwicklung der Kinder zu sehen, die jetzt mehr spielen, rennen und springen. Sie lernen sogar, Portugiesisch zu sprechen“, sagt Padre Mário.

Um den notleidenden Flüchtlingen in Mosambik helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Mosambik

Der Südsudan ist eines der ärmsten Länder der Welt. Zwei Drittel der Bevölkerung sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Korruption und Stammesfehden spalten das Land, das einen mühsamen Weg zur Unabhängigkeit hinter sich hat: Erst 2011 trennte sich der mehrheitlich christlich geprägte Süden vom muslimischen Norden.

Über den Einfluss der Kirche auf die politische wie gesellschaftliche Entwicklung, die desaströse Lage und zarte Hoffnungen auf Verbesserungen sprach der Erzbischof der südsudanesischen Hauptstadt Juba, Stephen Ameyu Martin Mulla, mit KIRCHE IN NOT.

Stephen Ameyu Martin Mulla, Erzbischof von Juba/Südsudan.

KIN: Erzbischof Mulla, wie ist das alltägliche Leben für die Menschen im Südsudan derzeit?

Erzbischof Mulla: Der Südsudan ist eines der jüngsten Länder der Welt, aber es ist auch eines der ärmsten. Hinter uns liegen Jahrzehnte des Bürgerkriegs. Es gibt nur wenige gute Straßen, es fehlt an allem. Von morgens bis abends suchen die Menschen nach Lebensmitteln und Trinkwasser. In diesem Jahr herrschte noch dazu eine große Dürre. Nach wie vor ringen wir auch mit den Folgen von lokalen Auseinandersetzungen. Wir appellieren an unsere Brüder und Schwestern weltweit, uns in dieser Zeit der Not zu Hilfe zu kommen.

Wie sieht das kirchliche Leben unter diesen schwierigen Bedingungen aus?

Die christliche Bevölkerung leidet enorm. Auch unsere Priester haben viel zu leiden. In manchen Pfarren gibt es nur Strohhütten, keinen Strom, kein Wasser. Wo es keine Kirche gibt, beten die Menschen im Schatten der Bäume. Aber die Menschen kommen in großer Zahl, der Glaube ist stark.

Eine Mutter mit ihren Kindern im Südsudan erhält Lebensmittelhilfen.

Offensichtlich ist der Staat nicht in der Lage, für die grundlegendsten Bedürfnisse der Menschen zu sorgen. Kann die Kirche hier helfen?

Die Kirche ist ein Zeichen des Friedens und der Hoffnung für die Menschen im Südsudan. Sie war und ist führend im Erziehungs- und Gesundheitsbereich. Wir tun unser Bestes, damit die Menschen Lebensmittel und Trinkwasser bekommen. Wir versuchen, die Menschen zu ermutigen, dass sie Landwirtschaft betreiben, damit sie sich versorgen können. Wir bringen den Leuten bei, selbstbewusst zu werden und für ihre Rechte einzustehen.

„Kirche ist Zeichen des Friedens und der Hoffnung”

Der Südsudan ist reich an Bodenschätzen. Aber die Einzigen, die den Profit aus diesen Bodenschätzen einstreichen, sind die Eliten. Sie stehen in Kontakt mit den Eliten, und Sie haben auch mit dem Präsidenten Ihres Landes gesprochen. Ist er in einen Dialog mit Ihnen getreten?

Reichtum erweist sich manchmal auch als Fluch. Im Südsudan wird Erdöl gefördert, aber die Einnahmen kommen nicht bei den Menschen an. Es gibt einen Dialog zwischen den Bischöfen und dem Präsidenten und anderen Autoritäten. Wir hoffen, dass wir durch diesen Dialog einen Mentalitätswandel bewirken können. Mittlerweile hat die Regierung begonnen, neue Straßen und neue Krankenhäuser zu bauen – ich denke, das ist eine Frucht unseres Dialogs.

Jugendliche in einer katholischen Schule in El Obeid/Sudan.

Die Anführer im Südsudan hatten als Kriegsherren begonnen. Jetzt müssen sie zivile Anführer sein. Nehmen sie diese Verantwortung ernst?

Die Verantwortlichen sehen langsam, dass es nicht gut für sie wäre, wenn sie sich weiterhin unverantwortlich verhalten. Als Kirche können wir ihren Blick für diese Verantwortung schärfen. Präsident Salva Kiir Mayardit hat uns gesagt, dass er nicht zum Krieg zurückkehren wird. Ich hoffe, er hat die Wahrheit gesagt.

Nach vielen Jahren des Bürgerkriegs ist der Südsudan ein gespaltenes Land. Was tut die Kirche, um die Menschen zu versöhnen?

In jeder Diözese haben wir eigene Abteilungen für Gerechtigkeit und Frieden eingerichtet. Wir versuchen, die Menschen zur Einheit und zur Zusammenarbeit zu erziehen. Unser Problem besteht im Stammesdenken, dem Tribalismus, der unser Lebensgefüge zerstört hat. Wir arbeiten hart, um durch Versöhnung und Dialog einen Wandel in unserem Volk herbeizuführen, damit die Menschen verstehen, dass wir alle Brüder und Schwestern sind.

Die Kirche im Südsudan hilft bei der Umsetzung des Friedens, sie hilft im Bildungsbereich. In vielen afrikanischen Ländern sehen wir, dass die Menschen ausgebildet sind, wenn sie dann aber aus Schule kommen, gibt es keine Arbeit für sie. Wie ist die Situation bei Ihnen?

Genaugenommen ist im Südsudan das Gegenteil der Fall. Während der Kriegsjahre hat die Kirche nie mit ihrer Bildungsarbeit aufgehört. Viele der Menschen, die damals in unsere Schulen gegangen sind, arbeiten heute bei der Regierung oder anderen öffentlichen Stellen. Ohne den Einsatz der Kirche hätte niemand eine Ausbildung erhalten, und das würde uns schwer zurückwerfen.

Lebendiger Glaube: Kinder aus Südsudan haben bei der KIRCH IN NOT-Aktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ mitgemacht.

In einem Land, das so sehr durch einen Bürgerkrieg gespalten wurde, ist es ein Hoffnungszeichen, dass zumindest die Bischöfe in Sudan und Südsudan nie getrennt waren. Wie ist die Situation derzeit?

Die Bischöfe des Nordens und des Südens sind eins. Diese Einheit hilft uns, unsere Köpfe und unsere Ideen zusammenzubringen, um die brennenden Aufgaben im Sudan und im Südsudan zu lösen. Wir versuchen, Druck auf unsere Regierungen auszuüben. Sie müssen ihre Haltung gegenüber dem Volk verändern.

Wie kann der Westen den Menschen im Südsudan jetzt am besten helfen?

Ich möchte sehr appellieren, uns im Bildungsbereich weiter zu unterstützen. Bildung ist das Wichtigste. Aktuell herrscht auch eine große Hungersnot. Schon wenig finanzielle Unterstützung hilft sehr viel, zum Beispiel, um Häuser in unseren Pfarreien zu errichten. Ich danke KIRCHE IN NOT, dass Sie uns eine Plattform geben, um unsere Nöte und Sorgen auszusprechen. Ich danke allen Wohltätern für Ihre Hilfe.

Unterstützen Sie die notleidenden Menschen im Südsudan und den Einsatz der Kirche für Bildung und Versöhnung. Mit Ihrer Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Südsudan

Im Februar 2015 wurden an einem Strand in Libyen 21 koptische Christen von Anhängern des „Islamischen Staates“ enthauptet. Die vermummten Schergen töteten sie für ein Propaganda-Video vor laufender Kamera. Zwanzig Opfer waren koptisch-orthodoxe Christen aus Ägypten; ein weiteres Opfer stammte aus Ghana.

Diese 21 ermordeten Christen sind von der koptisch-orthodoxen Kirche zu Märtyrern erklärt worden. Es gibt eine Ikone, die ihr Martyrium zeigt. Mittlerweile gibt es in der ägyptischen Provinz Minya ein Heiligtum, das ihrem Gedenken gewidmet ist. Eine Ausstellung dokumentiert die Geschehnisse ihres gewaltsamen Todes.

In einem Interview mit KIRCHE IN NOT sagte die Mutter von zwei der getöteten Christen: „Ich bin eine Mutter von Märtyrern und stolz auf sie. Sie bitten im Himmel für mich und ihren Vater.“ Pater Abu Fanus, der am Heiligtum tätig ist, berichtet, dass viele Menschen aufgrund des Vorbildes der 21 Märtyrer Christen geworden seien und sich taufen ließen.

„Die Bedrohung für die religiösen Minderheiten wie die Christen in Pakistan hat zugenommen, seitdem die Regierung den Sieg der Taliban in Afghanistan unterstützt.“ Dies erklärte Kamilianer-Pater Mushtaq Anjum in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Anjum ist aktuell der einzige Angehörige seines Ordens in Pakistan.

Es gebe zahlreiche Verbindungen zwischen afghanischen und pakistanischen Fundamentalisten, so der Ordensmann: Mehrere Mitglieder des neuen Taliban-Kabinetts hätten am islamistischen Seminar Darul Uloom Haqqania im Nordwesten Pakistans studiert. „Ich befürchte, dass viele Taliban nach Pakistan zurückkehren werden, was pakistanische Terrorgruppen zu verstärkten Anschlägen veranlassen wird“, sagte Pater Mushtaq.

Pakistan sei seiner Meinung nach anfälliger für Fundamentalismus als andere islamische Länder. Der Ordensmann hat einige Jahre in Indonesien gearbeitet.

Pater Mushtaq Anjum aus Pakistan.

Pakistan anfälliger für Fundamentalismus?

Auch dort gebe es ein Blasphemiegesetz, das die Herabwürdigung des Islam oder des Propheten Mohammed unter Strafe stelle. „Aber die Rechtsstaatlichkeit wird insgesamt gewahrt. Leider ist Pakistan ein islamischer Staat, in dem das Blasphemiegesetz vorwiegend gegen arme und wehrlose Menschen angewandt wird“, betonte Pater Mushtaq.

Die Islamische Republik Pakistan hat 1986 mehrere Paragrafen im Strafgesetzbuch eingeführt, die für „gotteslästerliche Handlungen“ drastische Strafen vorsehen. „Viele Menschen erheben falsche Anschuldigungen, um Rache zu üben oder sich das Eigentum des Beschuldigten anzueignen“, kritisierte Pater Mushtaq im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Beobachter weisen seit Langem darauf hin, dass Anklagen, Prozessführung und Haftbedingungen bei Anklagen wegen vermeintlicher Blasphemie rechtsstaatlichen Standards widersprechen. Zu diesem Schluss kommt auch eine Resolution des Europäischen Parlaments von Ende April 2021.

Wachen vor einer Kirche in Pakistan.

Mangelnde Achtung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit

Die Abgeordneten fordern Pakistan unter anderem zur Abschaffung von Todesstrafe und lebenslanger Haft in den Blasphemiegesetzen auf. Andernfalls sollten die Pakistan gewährten Handelsvorzüge auf den Prüfstand gestellt werden.

Pater Mushtaq begrüßt die Resolution des Europäischen Parlaments und fordert mehr internationalen Druck: „Die Staats- und Regierungschefs sollten die mangelnde Achtung der Menschenrechte und der Religionsfreiheit in Pakistan wie Afghanistan mit größerer Wachsamkeit verfolgen.“ In beiden Ländern sei der Hass auf westliche Länder mit christlicher Bevölkerungsmehrheit weit verbreitet.

„Sowohl Afghanistan als auch Pakistan betrachten die Vereinigten Staaten und die mit ihnen verbündeten Länder als Feinde. Dass die religiösen Minderheiten in Pakistan und Afghanistan ein unterdrücktes Leben führen, ist vor allem von den Taliban verschuldet“, sagte der Ordensmann.

Unterstützen Sie den Einsatz der katholischen Kirche in Pakistan für benachteiligte religiöse Minderheiten mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan