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„Die Hilfen von ,Kirche in Not’ haben die Menschen vor dem Hungertod gerettet. Viele Menschen konnten buchstäblich nichts auf den Tisch bringen, um ihre Familien zu ernähren. Sie waren in einer überaus lebensbedrohlichen Lage.” Diese Bilanz zog der Geschäftsführende Sekretär der Caritas Pakistan, Aneel Mushtaq, zu einem von beiden Organisationen durchgeführten Nothilfe-Projekt: Während der Corona-Einschränkungen in Pakistan hatten mehr als 2000 von Hunger bedrohte Christen Lebensmittelpakete erhalten.

Das Programm fokussierte sich auf die Familien von Tagelöhnern, Rikscha-Fahrern, Kanal- und Ziegelei-Arbeitern. Zahlreiche Christen sind in diesen Berufen tätig; sie gehören zur untersten Schicht der pakistanischen Gesellschaft. Aufgrund der Corona-Pandemie hatten viele von ihnen von heute auf morgen ihre Arbeit verloren. Da sie aufgrund ihres geringen Einkommens über keinerlei Ersparnisse verfügen, standen sie vor einer Hungerkatastrophe. Zudem berichtete einige Betroffene, dass muslimische Organisationen Christen und weiteren religiösen Minderheiten Nothilfen verweigert hätten.

Vater und Sohn mit einem Lebensmittelpaket. © Caritas Pakistan Faisalabad

Lebensmittelhilfen und Corona-Schutz für Menschen ohne Einkommen

„Kirche in Not“ hatte deshalb für die Diözesen Faisalabad, Islamabad-Rawalpindi und Lahore Nothilfen zur Verfügung gestellt. In der Umgebung von Faisalabad erhielten zum Beispiel über 500 Familien Lebensmittelpakte. Auch wurden Schutzausrüstungen und Desinfektionsmittel für Priester und Katecheten angeschafft, da diese bei ihrer täglichen Arbeit einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind.

Wie ein Projektbericht zeigt, haben die Projektpartner von „Kirche in Not“ 70 Prozent der Hilfen an Christen verteilt, die in prekären Arbeitsverhältnissen leben. Die übrige Hilfe kam weiteren besonders bedürftigen Menschen zugute.

Christliche Familie im Bistum Faisalabad erhält ein Lebensmittelpaket, das von „Kirche in Not“ finanziert wurde. © Caritas Pakistan Faisalabad

Diözesen leisten auch Gesundheitsaufklärung

Zugleich unterstützte „Kirche in Not“ in der Diözese Faisalabad ein Stipendienprogramm für mittellose Schüler in 20 kirchlichen Schulen. Viele Eltern konnten wegen der Einkommensausfälle ihre Kinder nicht mehr zur Schule schicken, da sie Fahr- und Schulgeld nicht mehr bezahlen konnten.

Zudem startete die Diözese Covid-19-Aufklärungsprogramme über das Lokalradio und durch Poster und Handzettel, um Menschen zu erreichen, die über keinen Zugang zum Internet und zu sozialen Netzwerken verfügen.

Aneel Mushtaq erklärte, dass die Lage für viele Pakistaner nach wie vor angespannt sei, da immer noch zahlreiche Bereiche des öffentlichen Lebens eingeschränkt seien. Christen gehörten zu den Bevölkerungsgruppen, die am schwersten unter der Verschärfung der Wirtschaftskrise des Landes zu leiden hätten, fügte der Caritas-Sekretär hinzu.

Um den notleidenden Christen Pakistans weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Pakistan

KIRCHE IN NOT (ACN) startet Nothilfe für bedrängte Christen in Pakistan, die aufgrund der COVID-19-Folgen vom Hunger bedroht sind.

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie hat sich das soziale Elend der christlichen Minderheit in Pakistan weiter verschärft. Um mehr als 5000 Familien, die bereits vor der Pandemie unterhalb der Armutsgrenze lebten und sich jetzt in einer verzweifelten Lage befinden, mit Nahrungsmittelhilfepaketen versorgen zu können, haben die Bischöfe der Diözesen von Faisalabad, Islamabad-Rāwalpindi und Lahore „Kirche in Not“ ein umfassendes Hilfsprogramm vorgelegt. Das internationale Hilfswerk wird dieses mit einer Starthilfe in Höhe von insgesamt 150.000 Euro unterstützen.

Nach offiziellen Angaben haben sich inzwischen 59 151 Personen mit dem Virus infiziert und 1225 gestorben (Stand 27. Mai). Am stärksten betroffen sind die Regionen Sindh und Punjab.

Christliche Familien leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Ausgangssperre und sie werden bei humanitären Hilfen benachteiligt.

Christen zählen zu den sozial Schwächsten in Pakistan

„Christen, die etwa zwei Prozent der Bevölkerung des Landes ausmachen, zählen zu den sozial Schwächsten in Pakistan. Sie leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen der Ausgangssperre und den Einschränkungen, die seit Ende März im Land herrschen. Das Coronavirus hat ihnen das Stück Brot weggenommen, das sie hatten. In dieser Krise, in der sie auf engstem und überfülltem Raum mit wenigen Ressourcen leben müssen, können wir sie nicht einer grausamen Wahl zwischen Hunger oder Infektion überlassen“, betont Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von „Kirche in Not“.

Laut lokalen Berichten, über die „Kirche in Not“ vor kurzem informiert hat, haben sich einige NGOs in Pakistan sowie muslimische Führer geweigert, Christen und andere religiöse Minderheiten im Rahmen der COVID-19-Nothilfe zu unterstützen, obwohl diese zu den am stärksten von der Pandemie betroffenen Bevölkerungsgruppen gehören.

Arbeiter in einer Ziegelei in Faisalabad. Viele Christen arbeiten in diesem Bereich.

Minderheiten werden bei staatlichen Hilfsprogrammen ausgeschlossen

„Die auf staatlicher Ebene angebotenen Hilfsprogramme schließen religiöse Minderheiten zumeist aus; de facto sind sie Bürger zweiter Klasse, die staatliche Förderung nur selten in Anspruch nehmen können. Religiöse Diskriminierung in Pakistan ist nichts Neues, besorgniserregend ist allerdings, dass Minderheiten auch während dieser globalen Krise klar benachteiligt werden“, bedauert Heine-Geldern.

Viele Christen arbeiten als Tagelöhner, Hausangestellte, in Reinigungs- oder Küchendiensten, als Straßenverkäufer oder in der Ziegelproduktion. Sie sind Geringverdiener, die auf ihren Tageslohn angewiesen sind, um ihre Familie zu ernähren. „Alle diese Arbeitsbereiche sind von den Schließungen stark betroffen. Viele christliche Hausangestellte wurden etwa ohne Vorwarnung oder Entschädigung von den Familien entlassen, in denen sie jahrelang gearbeitet hatten, weil diese befürchteten, dass die Armen die Infektion in ihre Häuser bringen könnten“, so der geschäftsführende Präsident.

Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT

In Faisalabad beinhaltet das von „Kirche in Not“ unterstützte Nothilfeprogramm neben der Verteilung von Nahrungsmitteln auch eine Sensibilisierungskampagne, die Familien über Radio und digitale Medien informieren soll, wie man sich vor dem Virus schützen kann. Zudem ist laut dem internationalen geschäftsführenden Präsidenten von „Kirche in Not“, Dr. Thomas Heine-Geldern, geplant, in den Kirchen Masken an die Gläubigen zu verteilen sowie Priester, Katecheten, Diözesanpersonal und Freiwillige auszurüsten, um ihren persönlichen Schutz bei der Durchführung ihrer Seelsorge- und Sozialprogramme zu gewährleisten.

„Priorität unseres Hilfswerkes ist, Christen zu helfen, die unter Verfolgung und Diskriminierung leiden, und in Pakistan ist dies offensichtlich der Fall. Wir haben bereits Nothilfe über Mess-Stipendien zur Unterstützung von Priestern geleistet, aber das reicht nicht aus. Zwar haben wir nicht die Mittel, um alle Not zu lindern, aber wir glauben, dass es gut ist, dieses Zeichen der Solidarität zu setzen, und wir hoffen, dass andere Organisationen und viele Menschen guten Willens sich diesen Bemühungen anschließen werden, andernfalls sind Christen in Pakistan in ihrer Existenz bedroht“, warnt Heine-Geldern.

„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600

Verwendungszweck: Pakistan

Während der Corona-bedingten Ausgangssperren ist in Pakistan ein minderjähriges Mädchen entführt, zwangsverheiratet und zur Konversion zum Islam gezwungen worden. Es handelt sich um die 14-jährige Katholikin Maira Shahbaz aus Faisalabad im Nordwesten des Landes.

Der Haupttäter, der Muslim Mohamad Nakash, habe das Mädchen zur Frau genommen und sie gezwungen, ihren christlichen Glauben aufzugeben. Dies berichtete Anwalt Khalil Tahir Sandhu, dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“. Er vertritt die Familie der Entführten. Laut Zeugenaussagen wurde das Mädchen am 28. April von drei Männern auf offener Straße in ein Auto gezogen. Beim Wegfahren hätten die Männer in die Luft geschossen.

Die entführte 14-jährige Christin Maira Shahbaz aus Faisalabad.

Gericht gibt Entführer recht – Revision angekündigt

In einem Schnellverfahren vor dem Magistratsgericht Faisalabad habe der Entführer Dokumente vorgelegt, die belegen sollten, dass er und das Mädchen bereits im vergangenen Oktober geheiratet hätten. Außerdem behauptete er, dass Mädchen sei bereits 19 Jahre alt, so der christliche Anwalt. Am Tag der Verhandlung seien rund 150 Männer zum Gericht gekommen, um den Entführer zu unterstützen. Diese hätten auch Druck auf den Staatsanwalt ausgeübt.

Mairas Familie habe anhand von Urkunden, kirchlichen Dokumenten und Schulunterlagen zu beweisen versucht, dass Maira noch minderjährig sei. Das Gericht setzte sich darüber hinweg und gab dem Entführer recht. Dieser sei bereits verheiratet und Vater zweier Kinder. Er lebe nicht weit vom Haus der christlichen Familie entfernt und habe Maira so kennengelernt.

„Menschen, die einem Kind so etwas antun, behandeln uns nicht wie menschliche Wesen, sondern wie Tiere“, beklagte Sandhu. Er werde gegen die Entscheidung Berufung einlegen – falls nötig bis vor den Obersten Gerichtshof Pakistans. Dieser hatte im Oktober 2018 auch das Todesurteil gegen die wegen angeblicher Blasphemie verurteilte Christin Asia Bibi gekippt. Der Fall hat weltweit Beachtung gefunden und in Pakistan eine Gewaltwelle radikaler Muslime ausgelöst.

Die Mutter und Geschwister der Entführten.

Mairas Familie gehört zu den ärmsten

„Kirche in Not“ sprach auch mit der katholischen Menschenrechtlerin Lala Robin Daniel. Sie kennt das entführte Mädchen und ihre Angehörigen persönlich: „Die Familie Shahbaz ist eine der ärmsten im Viertel. Sie verdienen ihr kleines Einkommen mit Putzen.“ Maira habe schon früh die Schule verlassen müssen, da sich die Familie das Schulgeld nicht mehr leisten konnte.

Nighat Shahbaz, die alleinerziehende Mutter der Entführten, ist nach der Tat mit einem Schock ins Krankenhaus eingeliefert worden. Über „Kirche in Not“ richtete sie einen Appell an die Öffentlichkeit: „Ich flehe darum, dass uns meine Tochter zurückgegeben wird. Ich habe Angst, sie nie wieder zu sehen.“

Mairas Schicksal ist kein Einzelfall: Der Menschenrechtsorganisation „Bewegung für Solidarität und Frieden“ zufolge werden in Pakistan jedes Jahr rund 1000 christliche und hinduistische Frauen und Mädchen entführt und zwangsverheiratet. „Kirche in Not“ unterstützt und begleitet aktuell den Fall eines weiteren 14-jährigen Mädchens, der Katholikin Huma Younus. Sie wurde im Oktober 2019 aus ihrem Elternhaus in Karatschi verschleppt. Auch hier läuft ein Revisionsverfahren.

„Kirche in Not“ unterstützt christliche Familien bei der Wahrnehmung ihrer Rechte und steht den bedrängten Gemeinden bei. Um weiter helfen zu könnten, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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In Pakistan häufen sich Vorfälle, bei denen Christen und andere religiöse Minderheiten bei der Verteilung von Schutzausrüstungen und humanitären Hilfen während der Corona-Pandemie benachteiligt werden. Dies berichtete Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“.

Dem Leiter der katholischen Menschenrechtsorganisation zufolge gibt es zahlreiche Berichte, wonach islamische Organisationen und Moscheegemeinden Christen bei der Verteilung von Lebensmitteln und anderen Nothilfen dezidiert zurückwiesen. Dies sei zum Beispiel in einem Dorf in der Nähe von Lahore der Fall gewesen. In einem anderen Dorf in der Provinz Punjab seien 100 christliche Familien von der Lebensmittelverteilung ausgeschlossen worden.

Cecil Shane Chaudry, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP), bei einem Kongress von KIRCHE IN NOT.

Christen besonders von Ansteckung gefährdet

Es gebe auch Meldungen über Hilfspersonal, das Nichtmuslimen die Unterstützung verweigert habe mit dem Hinweis, dass es sich um Spenden aus der „Zakat“, der islamischen Armensteuer, handle. Chaudry zitierte einen Imam aus Lahore, der bei einer Predigt angekündigt habe: „Morgen früh werden Hilfsgüter an Notleidende verteilt, aber nur an Muslime.“

Dabei gehörten Christen und andere religiöse Minderheiten zu den besonders hilfsbedürftigen Gruppen der pakistanischen Gesellschaft, so der Menschenrechtler. Viele von ihnen lebten als Tagelöhner unter der Armutsgrenze; ihre Einkunftsmöglichkeiten seien durch die Pandemie weggebrochen. Auch seien sie besonders ansteckungsgefährdet, da sie zum Beispiel als Hausangestellte, in Ziegeleien oder bei der Müll- und Abwasserbeseitigung arbeiten, erklärte Chaudry: „Covid-19 kennt keine Grenzen – Jeder ist gefährdet, unabhängig von der Religion. Ist es also gerecht, Christen und anderen Minderheiten die Nothilfe zu verweigern?“

Arbeiter in einer Ziegelei in Faisalabad. Viele Christen arbeiten in diesem Bereich.

Religiöse Minderheiten in Entscheidungen einbeziehen

Der NCJP-Leiter rief die pakistanische Regierung auf, Schutzmaterialien für besonders gefährdete Berufsgruppen zur Verfügung zu stellen, unter denen auch viele Christen seien. Außerdem sollten die religiösen Minderheiten bei den Initiativen zur Pandemie-Bekämpfung hinzugezogen werden, so Chaudry: „Wir haben bislang keine Kenntnis über Initiativen, die Angehörige religiöser Minderheiten miteinbeziehen. Ihre Bedürfnisse dürfen nicht ignoriert werden.“

In Pakistan gehören etwa 96 Prozent der Bevölkerung dem Islam an, der auch Staatsreligion ist. Das Leben der Christen, rund zwei Prozent der Pakistaner, unterliegt starken Einschränkungen. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Übergriffen auf Christen.

„Kirche in Not“ hat ein Nothilfeprogramm aufgelegt, damit Priester, Ordensleute und Gemeinden die Folgen der Corona-Pandemie schultern können. Dazu bittet das Hilfswerk um Spendenonline … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Pakistan

Während ihres Aufenthalts in Frankreich beantragte Asia Bibi politisches Asyl. Die pakistanische Christin, deren Schicksal KIRCHE IN NOT seit ihrer Verurteilung im Jahr 2010 verfolgt, gewährte uns ein Interview. 

Offensichtlich ist Asia Bibi müde. Interviews und offizielle Treffen nehmen die wenigen Tage in Anspruch, die sie in Frankreich verbringt. Doch sie lächelt den Fotografen zu, die unablässig Bilder machen, und gibt tapfer eine Reihe Interviews: „Es ist den Medien zu verdanken, dass ich noch lebe“, versichert sie.

Opfer eines absurden Gesetzes

Das Ende ihres Leidensweges verdankt sie vor allem der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet, die sie „ihre Schwester“ nennt und die ihr bei der Veröffentlichung des Buches „Enfin libre!“ (Endlich frei! erschienen bei du Rocher) geholfen hat. Diese Autobiografie erzählt, wie die pakistanische, katholische Bäuerin zu einer weltweiten Ikone des Widerstands gegen den islamischen Fundamentalismus wurde. Von ihren muslimischen Nachbarn der Blasphemie beschuldigt, verbrachte Asia Bibi neun Jahre im Gefängnis, unter Androhung der Hinrichtung, nachdem sie zum Tode verurteilt worden war. Das pakistanische Antiblasphemie-Gesetz wird häufig zur Beilegung einfacher Nachbarschaftsstreitigkeiten herangezogen und hat schlimme Folgen. Die Angeklagten werden oft von einem wütenden Mob gelyncht oder „verschwinden“, „begehen Selbstmord“ im Gefängnis. Die Medienberichterstattung über Asia Bibi hat sie vor diesem Schicksal bewahrt.

Am 31. Oktober 2018 wurde sie vom pakistanischen Obersten Gerichtshof auf Berufung freigesprochen und konnte nach vielen Höhen und Tiefen am 8. Mai 2019 – dank des internationalen Drucks – endlich nach Kanada ausreisen. Es gibt jetzt eine „Asia-Bibi-Rechtsprechung“, die es den der Blasphemie Beschuldigten erlaubt, sich gegen ihre Ankläger zu wenden. Das Antiblasphemie-Gesetz existiert in Pakistan immer noch, aber es ist zu einem Risiko geworden, es zu benutzen, um jemandem zu schaden.

Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich berühmt werden würde“, sagt Asia Bibi mit ihrer leisen Stimme. Sie erzählt von einer glücklichen Kindheit in ihrer Heimat Pakistan: „Ich habe mit meinen muslimischen Nachbarn gespielt, es gab keine Trennung“, erinnert sie sich nostalgisch. Im Alter von acht Jahren getauft, kann sie ihren Glauben ohne Schwierigkeiten leben. Was ihr religiöses Erbe angeht, erinnert sie an die lange Geschichte der pakistanischen Christen: „Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.“ Mit der Zeit wird Asia Bibi jedoch bewusst, dass es doch Unterschiede zwischen Christen und Muslimen in ihrem Land gibt. Sie erfährt von Angriffen gegen Christen. Einige werden von wütenden Mobs gelyncht. Es gibt auch Vorfälle von Muslimen, die junge christliche Frauen entführen und sie zwingen, zum Islam überzutreten, um sie zu heiraten.

Christen sind „unrein“.

Asia Bibi entdeckt auch, dass Muslime Christen als „unrein“ betrachten. Wegen dieses Irrglaubens wird ihr Leben an einem heißen Tag, dem 14. Juni 2009, auf den Kopf gestellt. Bei der Arbeit mit muslimischen Nachbarn wird sie gebeten, Wasser zu holen. Sie gehorcht, holt das Wasser und trinkt dann aus einer Tasse, bevor sie den anderen den Behälter bringt. Eine der Frauen weigert sich zu trinken, weil Asia die Flüssigkeit „unrein“ gemacht hätte. Asia Bibi verteidigt sich, indem sie sagt, dass sie nicht glaubt, dass der Prophet Mohammed dem zustimmen würde. Ihr wird gesagt, dass sie gerade Blasphemie begangen hat! Es folgen das Gefängnis, die von Fundamentalisten herbeigeführte Flucht ihrer Familie, die Verurteilung zum Tode durch den Strang… Eine Gerichtsodyssee, die 2019 ein glückliches Ende findet. Wenn sie über diese  schwierige Zeit ihres Lebens spricht, ist kein Ärger zu spüren, nur Traurigkeit und Müdigkeit.

Es gibt andere „Asia Bibi“…

Aber Asia weiß, dass sie in ihrer Lage nicht allein ist, und sie will das Mikrofon nutzen, um für diejenigen zu sprechen, die in ihrem Heimatland noch immer der Blasphemie beschuldigt werden. Sie wird lebendiger und ihre bis dahin leise Stimme wird drängender: „Während meiner Haft habe ich die Hand Christi gehalten, ihm habe ich es zu verdanken, dass ich standhaft geblieben bin. Habt keine Angst!“ Hinter ihrer neu gewonnenen Lebendigkeit können wir die Stärke einer Frau erahnen, die zehn Jahre schrecklicher Prüfungen nicht zu Fall bringen konnten. Dieselbe Frau, die sich immer geweigert hat, ihre Familie zu verlassen oder ihrem Glauben abzuschwören, wie man es nach ihrer Verhaftung verlangt hatte; so hätte sie einer Verurteilung entgehen können.

Trotz allem hat sie ihr Land verlassen müssen. Sie hofft, eines Tages zurückzukehren: „Dies ist meine Heimat, ich liebe Pakistan von Herzen!“, sagt sie. In Erwartung Ihrer Rückkehr würde sie gerne in Frankreich leben: „Mir ist hier viel Liebe entgegengebracht worden, ich glaube, ich würde mich bei euch sehr wohl fühlen.“

Asia Bibi

Einer der führenden Bischöfe des Landes verurteilt den plötzlichen Anstieg der Zahl  minderjähriger christlicher und hinduistischer Mädchen in Pakistan, die entführt, vergewaltigt und gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam überzutreten.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, Berichte über Entführungen von gerade einmal 14-jährigen Mädchen, die er als „Verbrechen“ scharf verurteilte.

Der Bericht des Bischofs deckt sich mit den Ergebnissen von Nachforschungen in der pakistanischen Provinz Punjab, die besagen, dass bis zu 700 Mädchen innerhalb eines Jahres verschleppt worden seien. Er sagte: „In letzter Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Entführungen sind Verbrechen und müssen entsprechend geahndet werden. Nur so können sie gestoppt werden. Die Mädchen sind normalerweise etwa 14 oder 15 Jahre alt. Die Männer sind oft schon verheiratet. Sie sind 25 Jahre und älter.“

Laut Erzbischof Shaw spielt Religion bei den Entführungen sicher eine Rolle, zumal die Mädchen überwiegend hinduistisch oder christlich seien. Dennoch glaubt er, dass dies nicht die einzige Erklärung sei. „Es ist Begierde. Sie denken: , Sie sieht toll aus und ich will sie.‘ Es ist ein Delikt. Doch da ist auch eine möglicher religiöser Aspekt dabei.”

Er berichtete, dass christliche Würdenträger aufgrund der Zunahme der Entführungen die Polizei eingeschaltet hätten, „doch die hörte überhaupt nicht zu.” Also wandten sie sich direkt an die Regierung. „Wir sprachen über die Vorfälle mit der Regierung und sie nahm die Sache ernst. Zusammen mit dem islamischen Rat organisierte sie ein Treffen zwischen mir und Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinschaften. Ich war bei dem Treffen dabei. Ein junger islamischer Gelehrter kritisierte die Entführungen und sagte, Zwangsbekehrungen seien nicht erlaubt.“

Trotz allem ist Erzbischof Shaw optimistisch, was die Zukunft Pakistans anbelangt. Seiner Meinung nach bewegt sich die aktuelle Regierung unter Premierminister Imran Khan in die richtige Richtung. Er sagte: „Die derzeitige Regierung setzt sich für Gleichheit ein. Alle Menschen sollten ein Gefühl der Zugehörigkeit haben.” Auch was die Kirche in Pakistan angeht, zeigte sich Shaw optimistisch. Er sagte: „Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind junge Menschen. Wir verhelfen den Menschen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung, zu Professionalität. Das ist neu, vor allem für die Katholiken. Wir haben guten Katechismus-Unterricht und erklären ihnen, warum sie Christen sind. Wir bilden sie aus für den Dialog mit den Muslimen. Wir bringen ihnen den Unterschied zwischen Dialog und Debatte bei.”

Erzbischof Shaw lobte die Arbeit von KIRCHE IN NOT in Pakistan und sagte: „Ich bin KIRCHE IN NOT dankbar, denn KIRCHE IN NOT unterstützt uns vor allem in unseren pastoralen Aktivitäten. KIRCHE IN NOT hilft auf der ganzen Welt und jedes Mal, wenn wir uns an das Werk wenden, bekommen wir Hilfe. Wir freuen uns immer über finanzielle Unterstützung, Gebete und Mut machende Worte.“

Im Jahr 2018 hat KIRCHE IN NOT in Pakistan 61 Projekte finanziert, darunter den Bau von Kirchen, die Ausbildung von Ordensleuten und die Bildung von Laien.

In Pakistan wurden schätzungsweise 224 Christen Opfer des Blasphemiegesetzes, seit das Gesetz 1986 verabschiedet wurde. So berichtet Cecil Shane Chaudhry, Exekutivdirektor der pakistanischen Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden (NCJP) einer italienischen Delegation der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT bei ihrem Besuch in dem asiatischen Land.

Auch wenn der juristische Fall für Asia Bibi am vergangenen 29. Januar ein glückliches Ende gefunden hat, verzeichnet die Kommission derzeit 25 weitere Fälle von Christen auf, die immer noch im Gefängnis leiden, wie es eine dem Hilfswerk vorgelegte Studie belegt. Darüber hinaus wurden 23 Christen wegen der Unterstellung von Blasphemie zwischen 1990 und 2017 umgebracht.

Als “Antiblasphemiegesetz” sind vor allem zwei Absätze des Artikel 295 des pakistanischen Strafgesetzbuches zu verstehen (Absätze B e C). Der Artikel 295B sieht für denjenigen, der den Koran verunglimpft, die lebenslange Freiheitsstrafe vor; der Artikel 295C die Todesstrafe für denjenigen, der den Propheten Mohammed beleidigt.
“Das Antiblasphemiegesetz stellt für die Fundamentalisten ein gewaltiges Instrument zur Machtausübung dar, zulasten der Minderheiten, und wird häufig missbraucht, um persönliche Rache zu nehmen“, so Chaudhry. „Und wenn ein Christ angeklagt wird, so betreffen die Konsequenzen die ganze Gemeinschaft.“

Dies ist genau das, was sich im März 2013 im christlichen Viertel Joseph Colony in Lahore ereignet hat, nachdem der junge Christ Sawan Masih angeklagt worden war, Mohammed beleidigt zu haben. „Nach dem Freitagsgebet am 9. März hat eine Menschenmenge von 3000 Muslimen das ganze Viertel niedergebrannt und dabei fast 300 Wohnhäuser und zwei Kirchen zerstört”, so berichtet Pater Emmanuel Yousaf, Präsident des NCJP der Delegation von KIRCHE IN NOT bei ihrem Besuch der Siedlung, die mittlerweile dank der Hilfen der Regierung wieder aufgebaut und den Christen zurückgegeben worden ist.

Doch obwohl die 83 Rädelsführer des Brandanschlags alle wieder auf freiem Fuß sind, wurde Sawan Masih 2014 zum Tode verurteilt und wartet noch heute auf den Berufungsprozess. „Die Anhörungen werden ständig verschoben“, erklärt Anwalt Tahir Bashir. “Die letzte Anhörung war für den 28. Januar angesetzt, doch der Richter ist nicht erschienen. Nun ist ein neuer Termin für den 27. Februar anberaumt.”

Wie bei Asia Bibi mangelt es auch beim Fall von Sawan nicht an Unregelmäßigkeiten Die Anzeige gegen ihn wurde von einem seiner muslimischen Freunde, Shahid Imran, erstattet, nachdem die beiden gestritten hatten. Nur zwei Tage später erschienen zwei Zeugen, die in Wirklichkeit zum Zeitpunkt der vermeintlichen Beleidigung Mohammed gar nicht anwesend gewesen waren. „Die Anschuldigungen gegen Sawan werden instrumentalisiert“, so Pater Yousaf gegenüber KIRCHE IN NOT. „In Wirklichkeit geht es eigentlich darum, die Christen aus diesem Stadtviertel zu vertreiben, das sehr begehrt ist, weil es in der Nähe von Stahlfabriken liegt.“

Unterdessen zieht Sobia, die Ehefrau von Sawan, ganz alleine ihre drei Kinder groß. „Ich weiß nicht, warum sie meinen Mann beschuldigen“, sagt sie zu KIRCHE IN NOT. „Ich weiß lediglich, dass der Mann, der ihn angezeigt hat, ein Freund von ihm war, mit dem er gestritten hatte. Sawan ist unschuldig!“

Dominikanerpater James Channan setzt sich seit Jahren für den Dialog zwischen Christen und Muslimen ein – in einem Land, in dem es immer wieder zu Ausschreitungen gegen die verschwindend kleine Minderheit der Christen kommt und ein Blasphemiegesetz jede vermeintliche Kritik am Islam unter drakonische Strafen stellt, nicht nur im Fall Asia Bibi. Channan leitet das „Peace Center“ in der pakistanischen Stadt Lahore. 

Mit Tobias Lehner sprach er über die Auswirkungen der Blasphemiegesetze bei einem Besuch in der Zentrale von der Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN), hoffnungsvolle Entwicklungen in der islamischen Welt und die Zukunftsaussichten für Asia Bibi.

Tobias Lehner: Die lebensgefährliche Situation vieler Christen in Pakistan hat für die Weltöffentlichkeit durch das Schicksal von Asia Bibi ein Gesicht bekommen. Nach Jahren in der Todeszelle wurde sie Ende Oktober 2018 vom Vorwurf der Blasphemie freigesprochen und aus dem Gefängnis entlassen. Was wissen Sie über die aktuelle Situation?

Pater James Channan: Die Lage der Christen in Pakistan ist alarmierend. Sie leben in Angst und Unsicherheit. Diese Situation hält schon seit den Siebzigerjahren an, seitdem die islamische Gesetzgebung der Scharia in Pakistan als Quelle der Gesetzgebung dient. Vor allem das umstrittene Blasphemigesetz wird von radikalen Muslimen missbraucht, um persönliche Rechnungen zu begleichen. Wenn irgendwo ein Christ wegen angeblicher Blasphemie angeklagt wird, stehen gleichzeitig alle Christen in der Region am Pranger. Oft kommt es dann auch zu Ausschreitungen gegen Christen.
Genau das passierte auch im Fall Asia Bibi. Wegen angeblicher Blasphemie war sie neun Jahre in der Todeszelle. Auch nach ihrem Freispruch ist sie nach wie vor nicht sicher. Radikale Islamisten versuchen, sie ausfindig zu machen und zu töten. Daher steht sie unter staatlichem Schutz. Wir hoffen, dass das oberste Gericht bald den Freispruch nochmals bestätigt und keine weitere Revision zulässt. Dann kann sie hoffentlich ausreisen und in Freiheit leben.

Asia Bibi ist kein Einzelfall. Was wissen Sie über das Schicksal der Christen, die ebenfalls wegen Blasphemie angeklagt sind?

Einem Bericht der katholischen Bischofskonferenz von Pakistan zufolge gibt es weitere 187 Fälle, in denen Christen wegen Blasphemie angeklagt sind. Darunter ist zum Beispiel das Ehepaar Shafqat Masih und Shagufta Bibi. Sie sind in der Todeszelle, ich habe sie dort besucht. Sie werden beschuldigt, blasphemische SMS verschickt zu haben. Das Paar bestreitet das. Ihre Zukunftsaussichten sind sehr düster. Selbst wenn sie doch noch freigesprochen werden sollten, werden sie und ihre Kinder nicht länger in Pakistan leben können. Fanatische Muslime werden versuchen, sie zu töten. Das Blasphemiegesetz zerstört das Leben der Angeklagten, auch wenn sie der Hinrichtung entgehen.

Nach dem Freispruch von Asia Bibi haben wir Bilder einer aufgeheizten Menge gesehen, die weiterhin ihre Hinrichtung fordert. Haben die Christen in Pakistan vor diesem Hintergrund jemals eine Chance auf Religionsfreiheit?

Es entstand der Eindruck, dass eine Gruppe militanter Muslime jederzeit das ganze Land lahmlegen können. Aber der militante Islamismus hat in Pakistan keine Mehrheit. Es gibt entweder zehn bis 15 Prozent radikale Islamisten, die die Menschen zu Gewalt anstacheln. Die Mehrheit der Muslime folgt diesen Aufheizern nicht. Sie setzen sich für die Religionsfreiheit auch der Christen ein. Es war eine große Erleichterung für Christen und Muslime, dass die pakistanischen Sicherheitskräfte in jüngster Zeit über 1000 Islamisten festgenommen hat. Es war ein richtiger Schritt der Regierung, hart gegen den Extremismus vorzugehen. Und ich hoffe, dass das so bleibt.

KIRCHE IN NOT arbeitet seit vielen Jahren mit Ihnen zusammen. Aus europäischer Sicht scheinen die Möglichkeiten begrenzt, um die Situation zu verändern. Macht die Hilfe dennoch einen Unterschied für die Christen in Pakistan?

Die Unterstützung von KIRCHE IN NOT trägt immens dazu bei, dass die Kirche in Pakistan den Glauben verkünden und den Dialog fortsetzen kann. Durch diese Hilfe ist es uns gelungen, viele Brücken zwischen Christen und Muslimen zu bauen. Wir wollen zeigen, dass die verschiedenen Religionen keine Angst voreinander zu haben brauchen. Im Friedenzentrum in Lahore sind viele muslimische Geistliche, darunter der Großimam der zweitgrößten Moschee Pakistans, fester Bestandteil unseres Programms und enge Freunde. Ich bin überzeugt, dass eine gute und friedliche Zukunft im Dialog zwischen Christen und Muslimen begründet liegt.

Nach fünf Jahren Ehe adoptierten Gulzar Masih und seine Frau, ein katholisches Ehepaar, mit Hilfe eines Freundes der Familie ein kleines Mädchen aus einem örtlichen Krankenhaus. Sie gaben ihm den Namen Meerab. Mittlerweile ist Meerab, die in Sargodha, Pakistan, lebt, 19 Jahre alt und erzählt der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT von ihrem schwierigen Leben und ihren Zielen für die Zukunft.

“Mein Vater war Gulzar Masih, meine Mutter ist Naasra Bibi. Ich habe einen acht Jahre alten Bruder, Shahryar Gulzar und gehöre zu einer katholischen Familie. Mein Vater arbeitete als Tagelöhner auf dem Bau und als Anstreicher; er verdiente 200 pakistanische Rupien am Tag, was etwa zwei Dollar entspricht. Aber an manchen Tagen gelang es ihm nicht, Arbeit zu finden, sodass wir gelegentlich auf die Mahlzeit verzichten mussten. Für unseren Bedarf zu sorgen, war für meinen Vater immer schwierig. Wir dankten aber dennoch Gott für seinen Segen.

Eines Tages wurde mein Vater schwer krank, und meine Mutter brachte ihn ins Krankenhaus. Der Arzt diagnostizierte Diabetes. Für eine angemessene Behandlung fehlte uns das Geld, so dass mein Vater starb.

Nach seinem Tod fand meine Mutter, obgleich sie unter großen Sorgen und Mühen litt, Arbeit als Haushaltshilfe. Der Lohn sollte unsere häuslichen Bedürfnisse und Ausbildungkosten decken. Das Einkommen unserer Familie war dennoch niedrig und die Kosten hoch, sodass ich meine schulische Ausbildung unterbrechen musste. Meine Mutter ermutigte mich, nicht den Glauben an Gott zu verlieren, wobei sie sagte, Er werde uns den Weg zeigen. Jede Nacht dachte ich an meinen Vater und die Nöte unserer Familie. So entschloss ich mich, meiner Mutter, die nicht sehr gesund war, zu helfen. Sie ist oft krank und leidet unter hohem Blutdruck.

Ich sagte ihr, ich würde ihr nach der Schule helfen und entweder mit ihr zusammen oder an ihrer Stelle arbeiten. Eines Tages ging ich allein zur Arbeit, wo der etwa 40 Jahre alte Hausherr mich bat, ihm eine Tasse Tee zu kochen. Als ich zu ihm kam, um ihn zu bedienen, hielt er mich am Arm fest und küsste mich. Ich fürchtete mich davor, dies meiner Mutter zu erzählen, da ich dachte, sie würde mich schlagen. Aber als sich dies wiederholte, erzählte ich es ihr. Daraufhin erlaubte sie mir nicht mehr, mit ihr zu arbeiten. Ich fragte mich, ob sie wohl genauso belästigt wird.

Ich betete immer zu Gott in der Hoffnung, dass Er uns helfen und einen Ausweg zeigen möge. Einige Leute besuchten uns und boten uns ihre Unterstützung an. Ich setzte meine schulische Ausbildung an der katholischen St. Ann’s Primary School fort. Mein Bruder besuchte zu dieser Zeit auch die Schule, aber aufgrund unserer finanziellen Schwierigkeiten verließ er sie wieder , um im Baugewerbe als Maler zu arbeiten.

Als ich in der achten Klasse war, begann die zu unserer Diözese gehörende Gesellschaft des heiligen Vinzenz von Paul uns finanziell zu helfen. Zu Beginn bekamen wir ein monatliches Stipendium in Höhe von 500 Rupien, das nach zwei Jahren auf 1000 Rupien erhöht wurde. Später bekam ich die Zulassung für die Oberschule am Ort, die von einer katholischen Organisation geleitet wird und eine der besten Schulen unserer Stadt ist. Ich bin unserem Schulleiter dankbar, der uns alle Gebühren erließ, so dass ich meine schulische Laufbahn problemlos fortsetzen konnte.

Dank der guten Menschen, die Gott uns sandte, kann ich an einem auf das Medizinstudium vorbereitenden Hochschulprogramm teilnehmen. Dort werde ich religiös diskriminiert, da die Schule muslimisch ist, aber ich weiß, dass Gott mit mir ist. Ich lebe in einer sehr armen Gegend; deshalb unterrichte ich abends 200 Kinder kostenlos. Ich wünsche mir sehr, Ärztin zu werden und den Armen zu helfen, damit niemand stirbt, wie mein Vater starb.