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Christine du Coudray war 28 Jahre lang in der internationalen Zentrale des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT als Projektreferentin für Afrika tätig.

Frau du Coudray, nach 28 Jahren nähern sich Ihre letzten Arbeitstage bei KIRCHE IN NOT. Kommt da schon so etwas wie Wehmut auf?

Es gibt eine Zeit, um zu dienen, und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Nach 28 Jahren bin ich zu Letzterem bereit. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine neue Generation junger Mitarbeiter bei uns im Haus, die sehr engagiert sind und die diese Mission weiterführen werden.

Als ich vor 28 Jahren begann, konnte ich kaum die afrikanischen Länder auf der Weltkarte finden. Ich habe die Herausforderung angenommen und bei Null mit dem Lernen angefangen.

- Christine du Coudray
Christine du Coudray im Gespräch mit Ordensfrauen in einem Kloster der Diözese Bukavu.

Was haben Sie durch Ihre Arbeit gelernt?

Ich habe gelernt, dass jeder Kontinent seine eigene Berufung hat. Schon vor der ersten Afrika-Synode 1994 habe ich selbst erfahren, dass Afrika der Kontinent der Familie ist. Dies ist umso erstaunlicher, als auch dort die Familie verwundet wird und es wie überall Probleme gibt, und dennoch scheint es, dass die Familie, die Zukunft der Menschheit, die Berufung Afrikas ist.. Dort spielt sie eine ganz besondere Rolle. Als Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Benin war, hat er diese Tatsache noch einmal betont, die bereits für den heiligen Papst Johannes Paul II. klar gewesen war.

Über all diese Jahre hinweg war die Unterstützung der Familie wie ein Roter Faden für mich. Wir haben viel dafür getan und machen es immer noch.

Gab es Personen, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt haben?

Ja, vor allem war es Johannes Paul II., der im Laufe dieser Jahre sozusagen mein „geistiger Meister“ geworden und geblieben ist. Ich wollte immer seine Perspektive für die Kirche in Afrika verstehen und umsetzen. Es war für mich ein Privileg, 1994 an der ersten Afrikasynode teilnehmen zu dürfen. Ich war die einzige Frau aus Europa. Es gab ca. 350 Teilnehmer: Kardinäle, Bischöfe und Priester, Experten und Zuhörer. Ich war unter den Zuhörern und war einen Monat lang in Rom, um an der Synode teilzunehmen. Es war ein Jahr nach meiner Ankunft bei KIRCHE IN NOT die beste Fortbildung, die ich je bekommen konnte.

Bei dieser Gelegenheit habe ich mit dem Papst zu Mittag gegessen. Wir haben uns ausgetauscht, und es war etwas ganz Besonderes. Die Synode hat Früchte getragen, und zehn Jahre später, im Jahr 2004, habe ich in Rom ein Treffen mit Bischöfen aus Afrika und Europa organisiert, um eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten zu schlagen. Bei dieser Gelegenheit hat Johannes Paul II. die zweite Afrikasynode ausgerufen. Auch das war wieder ein echtes Geschenk für mich.

Christine du Coudray besichtigt das Priesterseminar in Kaduna (Nigeria).

Was waren für Sie die schönsten Momente?

Zu den schönsten Augenblicken gehörten sicherlich die Reisen. Meine erste Reise führte mich 1994 nach Tansania, die letzte im März 2020 kurz vor der Corona-Pandemie in den Sudan. Die Situationen vor Ort haben sich stark verändert: Früher gab es nur eine einfache Kerze in einer Hütte, heute gibt es Strom aus Solarpaneelen. Ich habe noch alle Hefte mit meinen Aufzeichnungen behalten!

Warum sind Reise wichtig für Ihre Arbeit?

Es reicht nicht, ein Projekt schriftlich zu bekommen, um zu verstehen, dass ein Auto oder die Renovierung eines katechetischen Zentrums gebraucht wird. Wir müssen wirklich an Ort und Stelle sehen, was benötigt wird. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Vor einem Jahr war ich in der Demokratischen Republik Kongo in der Erzdiözese Kananga in der Provinz Kasai. Dort haben wir eine unglaubliche Situation in den Badezimmern des Priesterseminars vorgefunden. Es war furchtbar. „Wie ist es möglich, dass diese zukünftigen Priester täglich ohne Dusche und unter solchen Bedingungen leben müssen?“ Im März dieses Jahrs erhielten wir den Projektantrag, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir aufgrund der Corona-Krise das Projekt leider negativ entscheiden, weil kein Geld da war. Aber jetzt vor zwei Tagen habe ich gedacht, dass wir diese negative Entscheidung revidieren müssen. Dies war das Resultat eines Besuchs an Ort und Stelle. Vielleicht hätte ich nie so reagiert, wenn ich diese Situation nicht wirklich mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.

Haben Sie denn etwas wie ein „Lieblingsland“?

Ja, ich würde sagen, mein „Lieblingsland“ ist die Demokratische Republik Kongo. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dieses Land aufgrund seiner Lage im Herzen des Kontinents und aufgrund seines hohen Anteils an Katholiken eine wichtige Rolle zu spielen hat. Frauen spielen zum Beispiel eine wesentliche Rolle.

Leider befindet sich das Land wegen seiner Bodenschätze im totalen Chaos. Es gibt dort viel mehr Bodenschätze als anderswo in der Welt, und deshalb sind viele Länder – die Nachbarländer und der Westen – sehr daran interessiert. Wenn es irgendwo Bodenschätze gibt, ist der Krieg leider vorprogrammiert. Aber die Menschen dort haben einen Mut, eine Energie, die unglaublich ist.

Christine du Coudray referiert beim „Institut Johannes Paul II.“ in Benin.

Haben Sie bei der Erfüllung dieser Mission aus Ihrem Glauben geschöpft?

Mit Sicherheit, denn ich habe tief erfahren, dass alles, was ich vorgeschlagen habe, alle Initiativen, nicht aus mir selbst kamen, sondern vom Heiligen Geist, wie z.B. das Treffen zwischen den Bischöfen aus Afrika und Europa. Das kam nicht von mir selbst. Außerdem haben wir erfahren, dass die Bischöfe selbst unserer Fürsorge bedürfen. Es ist wesentlich, den Bischöfen zu helfen, damit sie besser dazu in der Lage sind, ihre Diözesen zu leiten. Dazu müssen wir für sie Sorge tragen. Daher bieten wir ihnen eine Auszeit in Form von Exerzitien für ganze Bischofskonferenzen an, und diejenigen, die bisher an einer solchen teilgenommen haben, waren sehr begeistert von diesem Vorschlag. So sind zum Beispiel alle Bischöfe aus dem Maghreb (Marokko, Tunesien, Libyen) zusammen in Senegal in einem Mönchskloster gewesen. Das war eine Premiere für sie, und sie waren begeistert.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?

An erster Stelle die Reisen an Ort und Stelle, um die Situation besser zu verstehen und die Projekte zu entdecken. Jedes Projekt ist einzigartig. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben schreiben ihren Antrag mit dem Herzen und erwarten unsere Hilfe. Deswegen habe ich ihnen immer gesagt: Wenn Ihr einen Projektantrag schreiben und unsere Wohltäter überzeugen wollt, müsst Ihr Euch vorstellen, dass Ihr einen Saal mit 100 Personen vor Euch habt, die Euch unterstützen wollen, und Ihr ihnen voller Herzblut Eure Erwartungen erklären müsst. Mit Eurem Herzen werdet Ihr sie überzeugen. Es ist wichtig, dass die Projekte auf solche Weise beschreiben werden, damit wir eine immer stärkere Brücke zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bauen können.

Haben Sie Ihre Arbeit als eine „Mission“ empfunden?

Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist jede Situation einzigartig. Jedes Land hat seine eigene Lebenswirklichkeit und seine besonderen Bedürfnisse. Wir sind nicht in erster Linie dafür da, eine finanzielle Unterstützung zu bringen, sondern  den Bischöfen, den Priestern, den Schwestern zuzuhören, ihren Alltag zu teilen und zu verstehen, was sie brauchen. Natürlich gibt es den Moment, in dem wir unbedingt finanzielle Unterstützung leisten müssen, das ist ganz klar! Aber es würde sie verletzen, wenn wir nur über finanzielle Aspekte sprechen würden. Zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben besteht eine tiefe Gemeinschaft. Unsere Tätigkeit ist keine bloße Arbeit, sondern sie ist eine Mission, die der Herr uns anvertraut hat für das Wachstum der Kirche überall in der Welt.

In den vergangenen sieben Monaten kam es im Süden des Bundesstaates Kaduna im nördlichen Zentralnigeria ununterbrochen zu Angriffen auf christliche Gemeinden, bei denen 178 Menschen ums Leben kamen. In einer dem Internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) zugegangenen Stellungnahme der katholischen Bischöfe der Provinz Kaduna prangern die Bischöfe an: „Dunkle Wolken der Gewalt umhüllen unser Land. Unser Land befindet sich im festen Griff des Sensenmanns. In den letzten Jahren haben die Gewalttäter das Land übernommen und unsere Sicherheitskräfte in die Defensive gedrängt.“
178 Menschen starben in den letzten Monaten bei Angriffen auf christliche Gemeinden.

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In den vergangenen zehn Jahren bestand Nigerias größte Herausforderung darin, die Terrorgruppe Boko Haram in Schach zu halten; vor zwei Jahren gab das Militär bekannt, dass sich die Gefahr verringert habe. „Aber“, so die Bischöfe, „unsere Freude war nur von kurzer Dauer, da sich die Situation zunehmend verschlechtert hat. Heute befinden sich fast alle Bundesstaaten des Nordens in den Händen dieser Gewalttäter und Überbringer des Todes. In den letzten drei Jahren wurden wir zu Zeugen ständiger Überfälle und Plünderungen ganzer Gemeinden durch Verbrecher in Staaten wie Benue, Kebbi, Plateau, Kaduna, Katsina, Nasarawa, Niger, Sokoto und Zamfara. Tausende Menschen haben durch diese Banditen, die mit unerbittlicher Hemmungslosigkeit operieren, ihr Leben verloren“. Sie fügen hinzu: „Die Verwüstungen von Boko Haram, von den Viehhirten, den Entführern und den Banditen haben uns alle zu Opfern gemacht.“

Pater Sam Ebute weiß aus erster Hand, wovon die Bischöfe sprechen. Der Missionar aus der Gesellschaft der Afrikamissionen SMA lebt in Kagoro, einer der betroffenen Gemeinden, wo er als Leiter der Stelle für geistliche Berufungen arbeitet. Kürzlich musste er 21 seiner Gemeindemitglieder begraben, die bei einem Angriff getötet wurden: „Es geschah am 21. Juli gegen 23.20 Uhr im Dorf Kukum Daji, etwa zehn Autominuten von Kagoro entfernt. In der Gemeinde fand gerade ein Jugndtreffen statt, als plötzlich Schüsse und Schreie von Männern zu hören waren. Sie wussten sofort, was los war, weil sie es bereits in Agwala, Doka, Kaura und Zangon Kataf erlebt hatten“, so Pater Ebute gegenüber KIRCHE IN NOT.

Pater Sam Ebute auf dem Feld, wo er seine Pfarrmitglieder begraben hat.

„In weniger als zwei Stunden töteten die Verbrecher 17 junge Menschen, meist Mädchen. Vier weitere Menschen starben auf dem Weg zum oder im Krankenhaus, so dass sich die Zahl der Todesopfer auf 21 erhöhte. 30 weitere Menschen wurden schwer verletzt und mussten in den Krankenhäusern in Kafanchan und Kaduna behandelt werden.“

Der Priester musste nicht zum ersten Mal Gläubige begraben: „Seit vier Jahren, seit ich im Jahr 2016 zum Priester geweiht wurde, begrabe ich meine Gemeindemitglieder. 2017 musste ich in Táchira eine Frau begraben, die mit ihren vier Kindern in der Nacht getötet worden war. Im Jahr 2018 musste die Gemeinde in Tsonje ebenfalls vier getötete Menschen begraben. Im Jahr 2019 wurden in Zunruk sieben junge Menschen am helllichten Tag beim Fußballspielen getötet.“

Der letzte Anschlag galt Kukum Daji. Alle diese Gemeinden befinden sich in Gebieten, in denen die Missionare ihren Dienst ausüben. Sie alle gehören zur Hauptpfarrei St. Joseph von Kagoro in der Diözese Kafanchan. „In den vergangenen sieben Wochen haben wir unsere Gemeindemitglieder begraben, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Die jüngsten Angriffe haben uns alle in Angst versetzt, vor allem aber in Angst vor dem Unbekannten. Denn wir wissen nicht, wann die nächsten Angriffsrunden stattfinden und was sie auslösen werden. Wir können unseren Glauben nicht in Frieden ausüben. Wir haben kein Vertrauen in die Sicherheit unserer Häuser“, erklärt der Missionar.

Dies wirkt sich auf das tägliche Leben aus: „Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, unsere Gläubigen können ihre Tätigkeiten nicht frei ausüben. Jetzt ist Erntezeit, aber die Menschen wagen es nicht, auf die Felder zu gehen, aus Angst, dort angegriffen zu werden. Sie haben ihre Ernten verderben lassen. Es ist, als ob sie uns wegen unseres Glaubens sterben lassen.“

Auf die Frage nach seiner Aufgabe als Priester und Missionar antwortet Pater Ebute: „Wer als Hirte der Gläubigen solche Angriffe erlebt, leidet genauso darunter wie sie. Dennoch müssen wir an ihrer Seite sein, um sie zu trösten, für sie zu beten und sie zu ermutigen, ihren Glauben an Gott zu bewahren und standhaft zu bleiben. Wir bieten geistige, moralische und materielle Unterstützung, so gut wir können.“

„Die Menschen in Süd-Kaduna fühlen sich in ihrer Trauer von ihrem Gouverneur im Stich gelassen“, kritisieren die Bischöfe in der Stellungnahme. Pater Ebute stimmt zu: „Was all dies noch schwieriger macht, ist, dass die Regierung keine entschiedenen Maßnahmen ergreift, um die Bedrohung zu stoppen. Das ist besonders verheerend und frustrierend. Schwierig ist es außerdem, Menschen Vergebung, Versöhnung, Frieden und Liebe zu predigen, deren Lebensgrundlagen weggenommen wurden, deren Wohlstand durch diese Anschläge geschmälert und zerstört wird.“

Trotz der Morde, der unbeschreiblichen Gewalt, all der Schmerzen und allem Leid vertraut der Missionar auf Gott: „In dieser Situation tröstet mich die Tatsache, dass Gott nicht tot ist und dass er uns sieht. Seine Zeit wird kommen. Er hat uns in Psalm 46,10 gesagt, wir sollen auf ihn vertrauen. Das Blut dieser Märtyrer wird nicht vergeblich sein.“

Um den verfolgten und notleidenden Christen in Nigeria weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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„Das wertvollste Gut der Kirche ist der Glaube der Menschen“. Vor zehn Jahren begann die islamistische Gruppe Boko Haram Terroranschläge in Nigeria zu verüben. Die Gruppe radikaler Islamisten entstand im Jahr 2009 mit dem Hauptziel, einen strengen islamischen Staat in Nordnigeria zu gründen. Seitdem führen sie unaufhörlich tödliche Angriffe durch, zerstören ganze Dörfer, töten und verstümmeln wahllos. Sie legen Bomben, stecken Kirchen und öffentliche Gebäude in Brand, und entführen vor allem Frauen und Mädchen, die sie zwingen, zum Islam zu konvertieren.

Nährboden für diese terroristische Gruppe ist der Nordosten Nigerias. Dort befinden sich die katholischen Diözesen Maiduguri, Yola und Taraba. Von ihnen ist Maiduguri am stärksten betroffen, da die Terroristen ihren Hauptsitz im Bundesstaat Borno haben – Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Im Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) spricht der katholische Bischof der Diözese Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, über die aktuelle Situation und die Fortschritte der Kirche in den letzten Jahren.

Wie steht es nach zehn Jahren Terrorismus durch Boko Haram aktuell um dieKirche in der Diözese Maiduguri?

Seit zehn Jahren wird die Kirche in der Diözese Maiduguri von der gefürchteten islamischen Sekte Boko Haram schwer verfolgt. Die Sektenmitglieder haben eine gewaltige Zerstörung an Leben und Eigentum verursacht. Boko Haram ist der Ansicht, dass westliche Bildung eine Sünde ist. Da das Christentum eine Verbindung zur westlichen Bildung unterhält, soll es beseitigt werden.

Inzwischen hat sich die Lage sehr verbessert: Viele unserer Vertriebenen sind zu ihren Häusern zurückgekehrt, der Glaube wächst und einige der zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Trotz allem, was geschehen ist, danken und preisen wir Gott für seine Barmherzigkeit und Güte uns gegenüber.

Zu den vor wenigen Wochen wiederaufgebauten Gebäuden gehört auch die von Boko Haram zerstörte Kathedrale St. Patrick. Am 10. Juli 2019 wurde der Neubau von Erzbischof Antonio Guido Filipazzi, dem Apostolischen Nuntius in Nigeria, geweiht. Was bedeutet das für die Kirche in Ihrem Bistum?

Unsere Kathedrale und benachbarte Gebäude wurden durch zwei Bomben beschädigt, die im Jahr 2012 zu verschiedenen Zeiten explodierten. Gott sei Dank kam kein Mensch zu Schaden, denn es waren keine Leute in der Nähe der Kathedrale. Allerdings wurden die Kathedrale, das Priesterhaus und das bischöfliche Generalvikariat von den Explosionen stark betroffen. Die Weihe der wiedererrichteten Kathedrale von Maiduguri ist ein klares Zeichen dafür, dass Gott den Sieg für sein Volk errungen hat, und markiert den Beginn der Erholung aus der Krise. Im Jahr 2014 stand mehr als die Hälfte der zu unserer Diözese gehörenden Gebiete unter der Kontrolle von Boko Haram. Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir jemals wiedereine neue Kathedrale in der Stadt Maiduguri haben würden. Einige unserer Laien, die aus der Diözese flohen, sind bisher nicht zurückgekehrt. Das wertvollste Gut, das die Kirche inmitten dieser Verfolgung besitzt, ist der Glaube der Menschen. Diejenigen jedoch, die geblieben sind, haben die Kirche sehr unterstützt. Überraschenderweise gelang es den Gemeindemitgliedern der Kathedrale St. Patrick in Maiduguri, bis zu drei Viertel der für den Bau der neuen Kathedrale benötigten Mittel aufzubringen. Wir danken der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT für die restliche Unterstützung.

Boko Haram hat auch viele kirchliche Gebäude in verschiedenen Teilen Ihres Bistums zerstört. Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Die Liste ist sehr lang. Ich werde versuchen, sie zusammenzufassen. Unser kleines Seminar in Shuwa wurde von den Terroristen in ein Lager verwandelt, in dem sie die Rekruten sammelten und die Beute ihrer Plünderung aufbewahrten. Als sie das Seminar verließen, zündeten sie den größten Teil des Gebäudekomplexes an. Gott und auch der Unterstützung von KIRCHE IN NOT verdanken wir den Wiederaufbau. Auch unser katechetisches Bildungszentrum in Kaya wurde 2014 von Terroristen zerstört und geplündert. Dazu kommen zwei Klöster, zwei Krankenhäuser, 15 Missionsschulen, mehr als zehn Pfarrhäuser und über 250 Kirchen oder Kapellen.

Sie haben erwähnt, dass einige Laien, Ordensleute und Priester aus ihren Häusern, Pfarren und Klöstern vertrieben wurden. Sind sie alle zurückgekehrt?

Der Höhepunkt der Angriffe von Boko Haram wurde 2014 erreicht. In diesem Jahr übernahmen Mitglieder der Sekte viele Bereiche unserer Diözese. Die Folge: Mehr als 25 Priester wurden vertrieben, mindestens 45 Ordensfrauen mussten ihre Klöster verlassen, über 200 Katecheten wurden von ihren Arbeitsplätzen vertrieben und mehr als 100.000 Katholiken mussten ihre Häuser verlassen.

Wir danken Gott jedoch für die enorme Verbesserung der Sicherheit. Alle Priester sind an die Orte ihres Apostolates zurückgekehrt. Einige unserer Priester sind aber auch außerhalb unserer Diözese im Einsatz. Von den zur Diözese gehörenden 44 Pfarren und Pastoralgebieten sind nur drei Pfarren noch nicht funktionsfähig, weil sie im Mittelpunkt der Angriffe stehen. Einige Ordensfrauen könnten in ihre Klöster zurück, – andere jedoch noch nicht, weil ihre Klöster nicht wiederaufgebaut wurden. Mehr als 90 Prozent unserer Laien sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt. Gott sei Dank!

Was ist Ihre Botschaft an KIRCHE IN NOT und ihre Wohltäter? 

KIRCHE IN NOT war das Rückgrat der Kirche in unserer Diözese. Ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre die Kirche in unserer Diözese schon längst zusammengebrochen. KIRCHE IN NOT hat der Diözese geholfen und hilft ihr weiterhin in verschiedenen Bereichen, unter anderem mit der Förderung unserer jährlichen Priesterexerzitien, der Ausbildung unserer Priester und Priesteramtskandidaten, den Messstipendien, dem Wiederaufbau des kleinen Seminars und einiger Priesterwohnungen. Wir sind den KIRCHE IN NOT-Mitarbeitern und ihren vielen Unterstützern sehr dankbar für die große Hilfe, die sie der leidenden Kirche in der Diözese geleistet haben: Die leidende Kirche betet für euch alle. Möge der liebe Gott, der nicht an Großzügigkeit übertroffen werden kann, euch alle mit seinem Frieden in dieser Welt und mit dem ewigen Leben in seinem Königreich belohnen.

KIRCHE IN NOT hilft auch weiterhin der notleidenden Kirche in Nigeria. Um diese Hilfe auch weiterführen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Nigeria boomt. Die Einwohnerzahl der größten Volkswirtschaft Afrikas hat sich nach einem Bericht der Vereinten Nationen in den letzten 30 Jahren auf fast 200 Millionen Menschen verdoppelt, damit ist es weltweit das Land mit der siebtgrößten Bevölkerung. „Eine Bevölkerung, der viel Leid widerfährt“, berichtet Schwester Jacinta Nwaohiri bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT International. Die Dominikanerschwester lebt in der Diözese Sokoto in Gusau, der Hauptstadt des im Norden gelegenen Bundesstaates Zamfara. Auf das ganze Land bezogen ist der Anteil von Christen und Muslimen in etwa gleich. Da die meisten Christen jedoch im Süden wohnen, betrage ihr Anteil im Norden jedoch nur unter fünf Prozent, so Schwester Jacinta.

Die haben es besonders schwer, denn „durch die Terrorgruppe Boko Haram im Norden Nigerias werden Christen systematisch verfolgt und ermordet, die sich der Forderung widersetzen, die Scharia in ganz Nigeria einzuführen und westliche Bildungseinflüsse abzulehnen“, beschreibt Jacinta Nwaohiri die Situation. Sie weiß wovon sie spricht, denn sie hat es selbst erlebt: Auch in ihre Dörfer fiel Boko Haram eines Morgens ein, sie zerschossen alles und brannten alles nieder. Die Angst der christlichen Bevölkerung wächst, denn außerdem gibt es regelmäßig Bedrohungen durch die mehrheitlich muslimischen Nomaden aus dem Stamm der Fulani, die im gesamten Land für brutale Überfälle verantwortlich sind. „Es geschehen wieder viele Übergriffe, die unermessliches Elend bringen“, bedauert sie.

In ihrem Konvent in Gusau, dem derzeit 17 Schwestern angehören, kümmert sich Jacinta Nwaohiri vor allem um die Bildung der Bevölkerung und unterstützt arme Bauern auf der Suche nach Arbeit im Kampf gegen den Hungertod, der das Land vor massive Herausforderungen stellt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ihr in allen Bereichen ein wichtiges Anliegen. Als großes Problem benennt sie auch die Tatsache, dass junge Mädchen im Land traditionell meist früh mit älteren Männern verheiratet werden, oft bereits im Alter von zwölf Jahren. „Wir müssen für ihre Schulbildung sorgen. Das ist der einzige Schlüssel, um ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu geben“, sagt Schwester Jancinta.

Die Ordensfrau hofft, dass die Regierung endlich Erfolge erzielt, die Gewalt im Land einzudämmen, damit die vertriebenen Menschen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren können. Sie ist sehr dankbar für die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT, die im Land bereits viel Gutes bewirkt habe. So hat KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren unter anderem für die Ausbildung von elf Dominikaner-Novizinnen gesorgt und den Bau einer Einrichtung für die Schwestern mitfinanziert.
„Die Nigerianer sind trotz der vielen Probleme und des Leids im Land lebensfroh“, sagt Schwester Jacinta. „Der regelmäßige Kirchgang, unser starker Glaube und das Vertrauen auf Gott geben uns täglich Kraft und Überlebenswillen.“

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht. Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten.

Roman Kris vom christlichen Online-Jugendmagazin „f1rstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

Roman Kris: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?

Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört. Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?

Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt. Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst. Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?

Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden. In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen. Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?

Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir hier in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?

Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können. Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„Nigeria ist aktuell das Land, das am meisten vom islamistischen Terror heimgesucht wird. Es ist sozusagen die neue ,Hoffnung‛ der Fundamentalisten.“ Dies erklärte der Priester Joseph Bature Fidelis bei einem Treffen mit europäischen Botschaftsvertretern beim Heiligen Stuhl Ende März in Rom. Die Begegnung wurde vom weltweiten Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ organisiert. „Zu den Attacken von Boko Haram sind jetzt noch die Übergriffe der Fulani-Hirten hinzugekommen“, sagte Fidelis, der aus dem Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias stammt.

Über 130 Todesopfer bei Attacken der Fulani

„Kirche in Not“ hat in den vergangenen Wochen dramatische Berichte aus dem Land erreicht: Im Bundesstaat Kaduna wurden nach Angaben lokaler Kirchenvertreter mehr als 130 Menschen von Angehörigen des mehrheitlich muslimischen Stammes der Fulani ermordet. Andere Quellen sprechen von höheren Opferzahlen. Über 10 000 Menschen sind wegen der Überfälle geflohen. Rund 150 Häuser wurden zerstört, wie der Priester Williams Kaura Abba aus Kaduna gegenüber „Kirche in Not“ berichtet: „Die Tötungswelle begann am 10. Februar, als die Fulani im Dorf Ungwan Barde nahe der Stadt Kajuru zehn Christen ermordeten – darunter eine schwangere Frau.“

Abba berichtete „Kirche in Not“ über einen fünfjährigen Jungen, der bei den Übergriffen durch die Fulani schwer verwundet wurde. „Zuerst haben sie versucht, ihn mit Pistolen zu töten und dann mit einer Machete, aber Gott hat ihn zum Glück beschützt“, schilderte der Priester. Daraufhin malträtierte ihn ein Hirte mit Stockschlägen. Jetzt sei der Junge gelähmt, erkläre Abba. „Dieses arme Kind hat auch eine seiner Schwestern bei der Attacke verloren, und seine Mutter kämpft nach wie vor im Krankenhaus um ihr Leben.“

Regierung greift nicht ein

Die Brutalität der Fulani sei unvorstellbar, so Abba, der auch das fehlende Eingreifen der Regierung kritisiert: „Weder der Gouverneur von Kaduna noch ein anderer Regierungsvertreter hat bislang die Betroffenen besucht oder mit den Angehörigen gesprochen.“ Allein die Kirche kümmere sich um die Menschen. Priester und Gemeindemitglieder bringen die Menschen ins Krankenhaus, organisieren Medikamente und kümmern sich um Hinterbliebene.

Am 19. März fand eine Demonstration gegen die Tötungen in der Bundeshauptstadt Abuja statt, an der sich zahlreiche Christen beteiligten. Bei der Kundgebung richtete Abba einen Appell an die Demonstranten, den er gegenüber „Kirche in Not“ wiederholte: „Wir können nicht schweigen, wenn unsere Mitmenschen abgeschlachtet werden. Wenn wir das retten wollen, was von unserer Menschlichkeit noch übrig ist, dann müssen die Regierungsbehörden furchtlos ihre Pflicht erfüllen.“

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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