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Zum dritten Jahrestag der Entführung der Christin Leah Sharibu erinnerte der protestantische Missionar Gideon Para-Mallam im Gespräch mit KIRCHE IN NOT an das Schicksal des Mädchens. „Einige Nachrichten, die ich über Leah erhalten habe sind beunruhigend. Die gute Nachricht jedoch ist, dass Leah noch am Leben ist“, erklärte Para-Mallam, der in engem Kontakt mit der Familie des Mädchens steht.

Leah besuchte ein staatliches Internat in Dapchi im Bundesstaat Yobe im Nordosten Nigerias, 75 Kilometer von der Grenze zu Niger entfernt. Yobe und der angrenzende Bundesstaat Borno gelten als Hochburgen von Boko Haram und weiterer Splittergruppen.

Am 19. Februar 2018 wurde Leah zusammen mit 109 Mitschülerinnen von Kämpfern der ISWAP-Miliz („Islamischer Staat von Westafrika“) verschleppt. Damals war sie 14 Jahre alt. Acht Schülerinnen starben in der Gefangenschaft, die anderen Mädchen wurden freigelassen – bis auf Leah. „Leah wurde festgehalten, weil sie sich weigerte, ihrem Glauben an Christus abzuschwören“, sagte der Pastor.

Der protestantische Missionar Gideon Para-Mallam steht in engem Kontakt mit den Eltern des entführten Mädchens.

Aufenthaltsort des Mädchens unbekannt

Im Herbst 2018 tauchte ein Video auf, in dem Leah um ihre Freilassung bat; auch konnte sie ihre Eltern nochmals kontaktieren. „Das war das letzte Mal, dass wir direkt von ihr gehört haben.“ Erst wieder im Januar 2020 habe es wieder ein Lebenszeichen von Leah gegeben.

Auch sei unklar, wo das Mädchen festgehalten wird. „Denken Sie daran, dass ihre Entführer erklärten, dass Leah und andere Sklavinnen auf Lebenszeit sein würden. Sie wurden anschließend mit einigen der Befehlshaber verheiratet“, erklärte Para-Mallam.

Berichten, Leah sei mittlerweile zum Islam konvertiert, hielt der Pastor entgegen: „Wäre dies eine freiwillige oder erzwungene Konversion? Vergessen Sie nicht, dass Leah in erster Linie festgehalten wurde, weil sie sich im jungen Alter von 14 Jahren entschied, ihrer christlichen Überzeugung treu zu bleiben. Was für eine Heldin des Glaubens Leah ist!“

Demonstration für Leah und andere entführte Frauen in Nigeria (Foto: Catalyst for Global Peace and Justice).

Zahlreiche Mädchen und Frauen in Nigeria verschleppt

Leider ist Leahs Schicksal kein Einzelfall, erinnerte der Geistliche: „Außer Leah sind noch einige der Chibok-Mädchen unauffindbar.“ Bereits im April 2014 waren in Chibok im Bundesstaat Borno 276 Schülerinnen von Boko-Haram-Kämpfern entführt worden. Ihr Schicksal hatte international Bestürzung ausgelöst. Mittlerweile gelten noch immer rund 100 Mädchen als vermisst. Erst am 17. Februar 2021 waren in Kagara im Bundesstaat Niger im Westen Nigerias 27 Schulkinder verschleppt worden.

„Mir scheint, dass es in Nigeria zu viele rechtsfreie Räume gibt und unsere Integrität als Nation daher gefährdet ist“, fasste Gideon Para-Mallam zusammen und appellierte an die Weltgemeinschaft: „Es geht nicht nur um Leah Sharibu, sondern um unsere gemeinsame Menschlichkeit. Lasst uns über die Grenzen hinweg zusammenkommen und handeln!“

In vielen Teilen Nigerias herrscht blutige Gewalt. Foto: KIRCHE IN NOT

Letztes Jahr hat Afrika zum zweiten Mal in Folge einen traurigen Rekord gebrochen: Es war der Kontinent mit den meisten Morden an Priestern, Ordensleuten und kirchlichen Mitarbeitern. Die Ausmaße der Verfolgung von Christen in Afrika ist so groß, wie der Kontinent selbst. Einer von sechs Christen in Afrika leidet unter Verfolgung. Zusätzlich zur Verschärfung der schweren wirtschaftlichen und sozialen Nöten durch die Coronavirus-Pandemie, werden Christen von extremistischen religiösen Gruppen bedroht, verfolgt und oft getötet.

Die Auswirkungen eines Lebens unter der ständigen Bedrohung durch Terrorismus und Angst sind lähmend. Sie verursachen tiefes seelisches Leid. Tausende von Menschen brauchen Unterstützung, und sie wenden sich an die Kirche, an Ordensschwestern und Priester, um Trost zu finden.

Nigeria leidet unter einer Terrorkampagne.

Tausende Christen in Afrika sind Opfer von religiöser Verfolgung. KIRCHE IN NOT den verfolgten und notleidenden Christen in Afrika. Ihre Hilfe ist wichtig, damit der Glaube in Afrika lebendig bleiben kann. Unterstützen Sie eines unserer Projekte, damit Christen ein besseres Leben haben können. Helfen Sie noch heute mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Eine Reihe von Entführungen und Gewalttaten gegen Priester und Ordensleute in Nigeria sind insbesondere für die Katholiken im Land besorgniserregend.

Zum ersten Mal in der Geschichte der katholischen Kirche in Nigeria wurde Ende letzten Jahres ein Bischof – Bischof Moses Chikwe von der Erzdiözese Owerri – von bewaffneten Banditen entführt und mehrere Tage festgehalten. Zuvor, am 15. Dezember, war Pater Valentine Ezeagu, ein Priester der Kongregation Sons of Mary Mother of Mercy (Söhne Mariens, der Mutter der Barmherzigkeit) von unbekannten bewaffneten Männern entführt und 36 Stunden später wieder freigelassen worden. Im November war Pater Matthew Dajo, ein Priester der Erzdiözese Abuja, entführt und nach zehn Tagen Gefangenschaft wieder freigelassen worden. Vor zwei Wochen, am 15. Januar, wurde ein Priester der Diözese Minna, Pater John Gbakaan, entführt und am folgenden Tag getötet.

Beisetzung eines getöteten Priesterseminaristen in Kaduna/Nigeria.

„Eine Krankheit, die sich ausbreitet“

In einem Interview mit KIRCHE IN NOT (ACN) bezeichnet Ignacio Ayau Kaigama, Erzbischof von Abuja, der Hauptstadt Nigerias, die Situation als „eine Krankheit, die sich ausbreitet, ohne dass nennenswerte Anstrengungen unternommen werden, sie aufzuhalten“.

Gegenüber KIRCHE IN NOT erklärt der Erzbischof: „Entführungen gibt es in Nigeria schon seit Langem, aber die Menschen haben geglaubt, Vertretern der Kirche würde das nicht passieren. Wenn es dann doch passiert, ist es eine große Nachricht.“ Kaigama betont, es sei zwar eine sehr traurige Tatsache, dass religiöse Führungspersönlichkeiten des Landes entführt und getötet werden, aber es gebe auch andere Nigerianer, die dasselbe Schicksal erleiden: „Sie sind das, was ich als stille Opfer bezeichnen würde – und davon gibt es viele.“

Über die Täter, die diese Verbrechen verüben, sagt Msgr. Kaigama, dass „Begriffe wie ‚Terroristen‘, ‚Banditen‘, ‚bewaffnete Männer‘ querbeet benutzt werden, um diejenigen zu bezeichnen, die hinter diesen Entführungen stecken, aber man weiß nicht genau, wer sie sind.“

Bischof Ignacio Ayau Kaigama, Erzbischof von Abuja, der Hauptstadt Nigerias.

Die Sicherheitskräfte sich nicht sonderlich bemüht, für Sicherheit zu sorgen.

Der Erzbischof bedauert, dass Hunderte und Tausende Menschen in verschiedenen Teilen des Landes getötet werden, aber nichts Konkretes dagegen unternommen wird.

„Die Tatsache, dass unsere Sicherheitskräfte außerstande sind, diese Täter zu identifizieren, ist beunruhigend und deutet darauf hin, dass sie sich nicht sonderlich bemühen, für Sicherheit zu sorgen“, sagt der Monsignore. „Es geht einfach immer weiter“, kritisiert er, „und wir hören immer wieder dieselbe Geschichte.“

Bischof Kaigama glaubt, dass mehrere Beweggründe hinter diesen Entführungen stehen. Es gibt finanziell motivierte Entführungen, verübt von Kriminellen, die „nur auf das schnelle Geld aus sind, Menschen als Geiseln nehmen und Lösegeld in Höhe von Millionen Naira verlangen.“ Aber es gibt auch religiöse Fundamentalisten, die territoriale Expansion anstreben, „um diejenigen zu besiegen, die sie als Ungläubige betrachten – und Christen sind die Nummer eins auf ihrer Liste. Sie greifen aber auch Muslime an, die sich nicht zu derselben Richtung bekennen wie sie selbst, und töten sie“, sagte er.

„Die Tatsache, dass unsere Sicherheitskräfte außerstande sind, diese Täter zu identifizieren, ist beunruhigend und deutet darauf hin, dass sie sich nicht sonderlich bemühen, für Sicherheit zu sorgen“, sagt der Erzbischof.

„Es ist eine Strategie der Terroristen“

Dem Erzbischof zufolge gibt es auch diejenigen, die einfach religiöse Fanatiker sind: „Sie haben vergessen, was sie wollen, aber sie verdoppeln ihre Bemühungen, zu töten und zu zerstören“, stellt er fest.

Die katholische Kirche in Nigeria zeichnet sich dadurch aus, dass sie präsent ist und Respekt und Anerkennung im Land genießt, „sodass Kriminellen, Banditen oder wie auch immer man sie nennen mag, bewusst ist: Wenn sie sich an einem katholischen Priester oder einer Ordensschwester vergreifen, wird das schnell zu einer Nachricht. Und sie glauben, das zwingt die Regierung, es ernst zu nehmen“, fügt er hinzu.

„Es ist eine Strategie der Terroristen“, erklärt er. „Sie greifen dort an, wo die Auswirkungen am stärksten sind, und das erreichen sie, indem sie katholische Priester und Ordensleute überfallen.“

In Bezug auf die geforderten Lösegeldsummen, mitunter Millionen Naira, erläutert Kaigama die Position der Kirche in dieser Angelegenheit: „Wir, die Bischöfe von Nigeria, haben als Bischofskonferenz einstimmig beschlossen und sehr deutlich gemacht, dass wir keine Lösegelder zahlen. Wenn ein Priester entführt wird, stellt er klar, dass seine Kirche kein Lösegeld zahlen wird.

Gottesdienst in Nigeria.

Nigeria ist für KIRCHE IN NOT ein Schwerpunktland

Ein Lösegeld zu zahlen, würde bedeuten, dass alle zum Verkauf freigegeben und in Gefahr gebracht würden: alle Priester, Ordensschwestern und Mitarbeiter der Kirche, die fortwährend zwischen den Dörfern unterwegs sind, ohne jeglichen Komfort, aber immer bereit, sich für die Liebe Gottes und Sein Volk aufzuopfern. Denn eine Lösegeldzahlung ermuntert zu kriminellen Handlungen und ist eine Einladung an die Entführer, noch mehr Schaden anzurichten“, sagt Kaigama.

Msgr. Kaigama zufolge ist es dringend geboten, dass die nigerianische Regierung etwas gegen diese Situation unternimmt und die Sicherheitsbeamten so ausbildet, dass sie effizienter handeln. „In diesem Stadium und bei all dem Geld, das von Politikern verwaltet wird, würde man erwarten, dass die Regierung mehr in den Kauf hoch entwickelter Ausrüstung zur Verfolgung von Kriminellen investiert“, sagt er. „Leider verdienen die Sicherheitsbeamten sehr wenig und müssen sich mit Kriminellen auseinandersetzen, die über fortschrittlichere Waffen verfügen und sie am Ende besiegen und töten.“

„Menschen werden entführt und jahrelang festgehalten, zum Beispiel die Mädchen in Chibok – darunter Leah Sharibu – und viele andere; und hier sehen wir das als normal an.“

Deshalb sei „ein Sinneswandel“ erforderlich, denn viele Hindernisse müssten überwunden werden, um zu einer dauerhaften Lösung des Problems zu gelangen.

„Wir nutzen das, was wir haben, nicht gut: Selbst, wenn finanzielle Mittel für den Kauf von Sicherheitsausrüstung bereitgestellt werden, geht das Geld im Laufe des Prozesses verloren, und wenn man die Ausrüstung kauft, ist sie defekt. Die Regierung muss die Gelder gut verwenden und für die Sicherheitsbeamten sorgen, die an vorderster Front gegen diese Kriminellen kämpfen. Und wir müssen gemeinsam entschlossener gegen sie vorgehen“, schließt er.

Nigeria ist für KIRCHE IN NOT ein Schwerpunktland. 2019 wurden dort 121 Projekte finanziert, darunter die Ausbildung von Priestern, der Bau von Kirchen und Nothilfe.

Um den notleidenden Christen in Nigeria weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Trotz der jüngsten gewalttätigen Übergriffe auf christliche Gemeinden in Nigeria an Weihnachten sieht Bischof Oliver Dashe Doeme aus Maiduguri die islamistische Gewalt zum Scheitern verurteilt.

„Boko Haram wird uns niemals unseren Glauben nehmen. Vergangenes Jahr hatten wir in meiner Diözese mehr Katholiken als vor Beginn der islamistischen Anschläge. Über 200 Kirchen wurden niedergebrannt, ebenso einige kirchliche Schulen. Aber wir werden nicht untergehen“, erklärte Dashe Doeme im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Nigeria, dicoese of Maiduguri 2015
“BOKO HARAM: They may destroy our structures but not our faith. Our Faith is active and alive.....in persecution we are purified.” This was the statement on the lips of the bishop, Most Rev.Oliver Dashe Doeme and the internally displaced persons who had just returned to their communities.The Chief shepherd of the diocese took what he calls a consolation tour to some of the communities that have been recaptured by our prayers and the gallant effort of the joint task force of Niger, Chad and Cameroon, with the Nigerian military.
The bishop and priests encouraged the returnees in the Mass of Reconciliation and Reparation to remain steadfast despite the calamities that have befallen them. They must learn to forgive as Christ himself present in the Most Holy Sacrament had already forgiven the radical elements for their sacrileges, profanation and hate. The priests and bishop were in the confessional for over three hours in some communities visited.
Here: Bishop Oliver Dashe Doeme inspecting a burnt church in Bahuli community in Catholic diocese of Maiduguri
Auch in seinem Bistum Maiduguri ist Bischof Oliver Dashe Doeme mit der Gewalt durch Boko Haram konfrontiert, beispielsweise 2015 in der Gemeinde Bahuli, wo eine Kirche niedergebrannt wurde (Foto).

Trotz Terror wachsen die christlichen Gemeinden

Wie internationale Medien berichteten, wurde das Dorf Pemi im Nordosten Nigerias, das zum Bundestaat Borno gehört, am Heiligabend von bewaffneten Angreifern überfallen. Dabei wurden mindestens elf Personen getötet und das Gotteshaus der evangelikalen „Church of Brethren“ niedergebrannt.

Wenig später traf es dann die Gemeinde in Garkida im benachbarten Bundesstaat Adamawa. Auch dort wurden lokalen Sicherheitsbehörden zufolge acht Menschen getötet. Pemi liegt unweit des Ortes Chibok, wo 2014 über 270 mehrheitlich christliche Schülerinnen entführt worden waren.

Er lasse sich von den jüngsten Überfällen nicht entmutigen, erklärte Bischof Dashe Doeme gegenüber KIRCHE IN NOT. Er stelle vielmehr eine Gegenbewegung fest: „Unser Glaube wird immer stärker und stärker. In einer Gemeinde in meinem Bistum Maiduguri wurden an Heiligabend 100 Menschen getauft. So lange das Reich Gottes besteht, werden es keine bösen menschlichen Gewalten überwinden. Gott wird Boko Haram zu seiner Zeit zerschlagen.“

Bischof Oliver Dashe Doeme vor der Baustelle des Wiederaufbaus der St.-Patrick-Kathedrale in Maiduguri. Sie wurde 2011 bei einem Angriff von Boko-Haram-Anhängern stark beschädigt.

Rund 12 000 Christen seit 2015 getötet

Nach Angaben der nigerianischen Organisation „International Society for Civil Liberties an the Rule of Law“ wurden seit Juni 2015 an die 12 000 Christen in Nigeria getötet.

Auch an Weihnachten wurden bereits in der Vergangenheit wiederholt Christen ermordet: 2019 enthaupteten Angehörige der Terrorgruppe ISWAP (Islamic State West African Province, Islamischer Staat von Westafrika) am ersten Weihnachtstag zehn Christen. Auf das Konto von Boko Haram ging ein Überfall auf ein überwiegend von Christen bewohntes Dorf mit sieben Todesopfern am selben Tag.

„Die Angriffe sollen die Gemeinden verängstigen“, erklärte Dashe Doeme. Die Schwierigkeiten der nigerianischen Regierung, die islamistischen Einheiten zu bekämpfen, führt der Bischof auch auf Indiskretionen in den Sicherheitsbehörden zurück: „Es gibt Saboteure, die Informationen an Boko Haram weitergeben.“

Dashe Doeme dankte für alle Unterstützung in dieser schweren Zeit: „Unsere größte Unterstützung kommt von KIRCHE IN NOT. Ohne das Hilfswerk würde meine Diözese zusammenbrechen. Wir werden weiterhin für die Wohltäter beten und sie in Ehren halten.“

Eine von Boko Haram zerstörte Kirche in Nigeria.
Eine von Boko Haram zerstörte Kirche in Nigeria.
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Christine du Coudray war 28 Jahre lang in der internationalen Zentrale des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT als Projektreferentin für Afrika tätig.

Frau du Coudray, nach 28 Jahren nähern sich Ihre letzten Arbeitstage bei KIRCHE IN NOT. Kommt da schon so etwas wie Wehmut auf?

Es gibt eine Zeit, um zu dienen, und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Nach 28 Jahren bin ich zu Letzterem bereit. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine neue Generation junger Mitarbeiter bei uns im Haus, die sehr engagiert sind und die diese Mission weiterführen werden.

Als ich vor 28 Jahren begann, konnte ich kaum die afrikanischen Länder auf der Weltkarte finden. Ich habe die Herausforderung angenommen und bei Null mit dem Lernen angefangen.

- Christine du Coudray
Christine du Coudray im Gespräch mit Ordensfrauen in einem Kloster der Diözese Bukavu.

Was haben Sie durch Ihre Arbeit gelernt?

Ich habe gelernt, dass jeder Kontinent seine eigene Berufung hat. Schon vor der ersten Afrika-Synode 1994 habe ich selbst erfahren, dass Afrika der Kontinent der Familie ist. Dies ist umso erstaunlicher, als auch dort die Familie verwundet wird und es wie überall Probleme gibt, und dennoch scheint es, dass die Familie, die Zukunft der Menschheit, die Berufung Afrikas ist.. Dort spielt sie eine ganz besondere Rolle. Als Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Benin war, hat er diese Tatsache noch einmal betont, die bereits für den heiligen Papst Johannes Paul II. klar gewesen war.

Über all diese Jahre hinweg war die Unterstützung der Familie wie ein Roter Faden für mich. Wir haben viel dafür getan und machen es immer noch.

Gab es Personen, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt haben?

Ja, vor allem war es Johannes Paul II., der im Laufe dieser Jahre sozusagen mein „geistiger Meister“ geworden und geblieben ist. Ich wollte immer seine Perspektive für die Kirche in Afrika verstehen und umsetzen. Es war für mich ein Privileg, 1994 an der ersten Afrikasynode teilnehmen zu dürfen. Ich war die einzige Frau aus Europa. Es gab ca. 350 Teilnehmer: Kardinäle, Bischöfe und Priester, Experten und Zuhörer. Ich war unter den Zuhörern und war einen Monat lang in Rom, um an der Synode teilzunehmen. Es war ein Jahr nach meiner Ankunft bei KIRCHE IN NOT die beste Fortbildung, die ich je bekommen konnte.

Bei dieser Gelegenheit habe ich mit dem Papst zu Mittag gegessen. Wir haben uns ausgetauscht, und es war etwas ganz Besonderes. Die Synode hat Früchte getragen, und zehn Jahre später, im Jahr 2004, habe ich in Rom ein Treffen mit Bischöfen aus Afrika und Europa organisiert, um eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten zu schlagen. Bei dieser Gelegenheit hat Johannes Paul II. die zweite Afrikasynode ausgerufen. Auch das war wieder ein echtes Geschenk für mich.

Christine du Coudray besichtigt das Priesterseminar in Kaduna (Nigeria).

Was waren für Sie die schönsten Momente?

Zu den schönsten Augenblicken gehörten sicherlich die Reisen. Meine erste Reise führte mich 1994 nach Tansania, die letzte im März 2020 kurz vor der Corona-Pandemie in den Sudan. Die Situationen vor Ort haben sich stark verändert: Früher gab es nur eine einfache Kerze in einer Hütte, heute gibt es Strom aus Solarpaneelen. Ich habe noch alle Hefte mit meinen Aufzeichnungen behalten!

Warum sind Reise wichtig für Ihre Arbeit?

Es reicht nicht, ein Projekt schriftlich zu bekommen, um zu verstehen, dass ein Auto oder die Renovierung eines katechetischen Zentrums gebraucht wird. Wir müssen wirklich an Ort und Stelle sehen, was benötigt wird. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Vor einem Jahr war ich in der Demokratischen Republik Kongo in der Erzdiözese Kananga in der Provinz Kasai. Dort haben wir eine unglaubliche Situation in den Badezimmern des Priesterseminars vorgefunden. Es war furchtbar. „Wie ist es möglich, dass diese zukünftigen Priester täglich ohne Dusche und unter solchen Bedingungen leben müssen?“ Im März dieses Jahrs erhielten wir den Projektantrag, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir aufgrund der Corona-Krise das Projekt leider negativ entscheiden, weil kein Geld da war. Aber jetzt vor zwei Tagen habe ich gedacht, dass wir diese negative Entscheidung revidieren müssen. Dies war das Resultat eines Besuchs an Ort und Stelle. Vielleicht hätte ich nie so reagiert, wenn ich diese Situation nicht wirklich mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.

Haben Sie denn etwas wie ein „Lieblingsland“?

Ja, ich würde sagen, mein „Lieblingsland“ ist die Demokratische Republik Kongo. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dieses Land aufgrund seiner Lage im Herzen des Kontinents und aufgrund seines hohen Anteils an Katholiken eine wichtige Rolle zu spielen hat. Frauen spielen zum Beispiel eine wesentliche Rolle.

Leider befindet sich das Land wegen seiner Bodenschätze im totalen Chaos. Es gibt dort viel mehr Bodenschätze als anderswo in der Welt, und deshalb sind viele Länder – die Nachbarländer und der Westen – sehr daran interessiert. Wenn es irgendwo Bodenschätze gibt, ist der Krieg leider vorprogrammiert. Aber die Menschen dort haben einen Mut, eine Energie, die unglaublich ist.

Christine du Coudray referiert beim „Institut Johannes Paul II.“ in Benin.

Haben Sie bei der Erfüllung dieser Mission aus Ihrem Glauben geschöpft?

Mit Sicherheit, denn ich habe tief erfahren, dass alles, was ich vorgeschlagen habe, alle Initiativen, nicht aus mir selbst kamen, sondern vom Heiligen Geist, wie z.B. das Treffen zwischen den Bischöfen aus Afrika und Europa. Das kam nicht von mir selbst. Außerdem haben wir erfahren, dass die Bischöfe selbst unserer Fürsorge bedürfen. Es ist wesentlich, den Bischöfen zu helfen, damit sie besser dazu in der Lage sind, ihre Diözesen zu leiten. Dazu müssen wir für sie Sorge tragen. Daher bieten wir ihnen eine Auszeit in Form von Exerzitien für ganze Bischofskonferenzen an, und diejenigen, die bisher an einer solchen teilgenommen haben, waren sehr begeistert von diesem Vorschlag. So sind zum Beispiel alle Bischöfe aus dem Maghreb (Marokko, Tunesien, Libyen) zusammen in Senegal in einem Mönchskloster gewesen. Das war eine Premiere für sie, und sie waren begeistert.

Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?

An erster Stelle die Reisen an Ort und Stelle, um die Situation besser zu verstehen und die Projekte zu entdecken. Jedes Projekt ist einzigartig. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben schreiben ihren Antrag mit dem Herzen und erwarten unsere Hilfe. Deswegen habe ich ihnen immer gesagt: Wenn Ihr einen Projektantrag schreiben und unsere Wohltäter überzeugen wollt, müsst Ihr Euch vorstellen, dass Ihr einen Saal mit 100 Personen vor Euch habt, die Euch unterstützen wollen, und Ihr ihnen voller Herzblut Eure Erwartungen erklären müsst. Mit Eurem Herzen werdet Ihr sie überzeugen. Es ist wichtig, dass die Projekte auf solche Weise beschreiben werden, damit wir eine immer stärkere Brücke zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bauen können.

Haben Sie Ihre Arbeit als eine „Mission“ empfunden?

Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist jede Situation einzigartig. Jedes Land hat seine eigene Lebenswirklichkeit und seine besonderen Bedürfnisse. Wir sind nicht in erster Linie dafür da, eine finanzielle Unterstützung zu bringen, sondern  den Bischöfen, den Priestern, den Schwestern zuzuhören, ihren Alltag zu teilen und zu verstehen, was sie brauchen. Natürlich gibt es den Moment, in dem wir unbedingt finanzielle Unterstützung leisten müssen, das ist ganz klar! Aber es würde sie verletzen, wenn wir nur über finanzielle Aspekte sprechen würden. Zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben besteht eine tiefe Gemeinschaft. Unsere Tätigkeit ist keine bloße Arbeit, sondern sie ist eine Mission, die der Herr uns anvertraut hat für das Wachstum der Kirche überall in der Welt.

In den vergangenen sieben Monaten kam es im Süden des Bundesstaates Kaduna im nördlichen Zentralnigeria ununterbrochen zu Angriffen auf christliche Gemeinden, bei denen 178 Menschen ums Leben kamen. In einer dem Internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) zugegangenen Stellungnahme der katholischen Bischöfe der Provinz Kaduna prangern die Bischöfe an: „Dunkle Wolken der Gewalt umhüllen unser Land. Unser Land befindet sich im festen Griff des Sensenmanns. In den letzten Jahren haben die Gewalttäter das Land übernommen und unsere Sicherheitskräfte in die Defensive gedrängt.“
178 Menschen starben in den letzten Monaten bei Angriffen auf christliche Gemeinden.

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In den vergangenen zehn Jahren bestand Nigerias größte Herausforderung darin, die Terrorgruppe Boko Haram in Schach zu halten; vor zwei Jahren gab das Militär bekannt, dass sich die Gefahr verringert habe. „Aber“, so die Bischöfe, „unsere Freude war nur von kurzer Dauer, da sich die Situation zunehmend verschlechtert hat. Heute befinden sich fast alle Bundesstaaten des Nordens in den Händen dieser Gewalttäter und Überbringer des Todes. In den letzten drei Jahren wurden wir zu Zeugen ständiger Überfälle und Plünderungen ganzer Gemeinden durch Verbrecher in Staaten wie Benue, Kebbi, Plateau, Kaduna, Katsina, Nasarawa, Niger, Sokoto und Zamfara. Tausende Menschen haben durch diese Banditen, die mit unerbittlicher Hemmungslosigkeit operieren, ihr Leben verloren“. Sie fügen hinzu: „Die Verwüstungen von Boko Haram, von den Viehhirten, den Entführern und den Banditen haben uns alle zu Opfern gemacht.“

Pater Sam Ebute weiß aus erster Hand, wovon die Bischöfe sprechen. Der Missionar aus der Gesellschaft der Afrikamissionen SMA lebt in Kagoro, einer der betroffenen Gemeinden, wo er als Leiter der Stelle für geistliche Berufungen arbeitet. Kürzlich musste er 21 seiner Gemeindemitglieder begraben, die bei einem Angriff getötet wurden: „Es geschah am 21. Juli gegen 23.20 Uhr im Dorf Kukum Daji, etwa zehn Autominuten von Kagoro entfernt. In der Gemeinde fand gerade ein Jugndtreffen statt, als plötzlich Schüsse und Schreie von Männern zu hören waren. Sie wussten sofort, was los war, weil sie es bereits in Agwala, Doka, Kaura und Zangon Kataf erlebt hatten“, so Pater Ebute gegenüber KIRCHE IN NOT.

Pater Sam Ebute auf dem Feld, wo er seine Pfarrmitglieder begraben hat.

„In weniger als zwei Stunden töteten die Verbrecher 17 junge Menschen, meist Mädchen. Vier weitere Menschen starben auf dem Weg zum oder im Krankenhaus, so dass sich die Zahl der Todesopfer auf 21 erhöhte. 30 weitere Menschen wurden schwer verletzt und mussten in den Krankenhäusern in Kafanchan und Kaduna behandelt werden.“

Der Priester musste nicht zum ersten Mal Gläubige begraben: „Seit vier Jahren, seit ich im Jahr 2016 zum Priester geweiht wurde, begrabe ich meine Gemeindemitglieder. 2017 musste ich in Táchira eine Frau begraben, die mit ihren vier Kindern in der Nacht getötet worden war. Im Jahr 2018 musste die Gemeinde in Tsonje ebenfalls vier getötete Menschen begraben. Im Jahr 2019 wurden in Zunruk sieben junge Menschen am helllichten Tag beim Fußballspielen getötet.“

Der letzte Anschlag galt Kukum Daji. Alle diese Gemeinden befinden sich in Gebieten, in denen die Missionare ihren Dienst ausüben. Sie alle gehören zur Hauptpfarrei St. Joseph von Kagoro in der Diözese Kafanchan. „In den vergangenen sieben Wochen haben wir unsere Gemeindemitglieder begraben, ohne dass ein Ende in Sicht ist. Die jüngsten Angriffe haben uns alle in Angst versetzt, vor allem aber in Angst vor dem Unbekannten. Denn wir wissen nicht, wann die nächsten Angriffsrunden stattfinden und was sie auslösen werden. Wir können unseren Glauben nicht in Frieden ausüben. Wir haben kein Vertrauen in die Sicherheit unserer Häuser“, erklärt der Missionar.

Dies wirkt sich auf das tägliche Leben aus: „Unsere Bewegungsfreiheit ist eingeschränkt, unsere Gläubigen können ihre Tätigkeiten nicht frei ausüben. Jetzt ist Erntezeit, aber die Menschen wagen es nicht, auf die Felder zu gehen, aus Angst, dort angegriffen zu werden. Sie haben ihre Ernten verderben lassen. Es ist, als ob sie uns wegen unseres Glaubens sterben lassen.“

Auf die Frage nach seiner Aufgabe als Priester und Missionar antwortet Pater Ebute: „Wer als Hirte der Gläubigen solche Angriffe erlebt, leidet genauso darunter wie sie. Dennoch müssen wir an ihrer Seite sein, um sie zu trösten, für sie zu beten und sie zu ermutigen, ihren Glauben an Gott zu bewahren und standhaft zu bleiben. Wir bieten geistige, moralische und materielle Unterstützung, so gut wir können.“

„Die Menschen in Süd-Kaduna fühlen sich in ihrer Trauer von ihrem Gouverneur im Stich gelassen“, kritisieren die Bischöfe in der Stellungnahme. Pater Ebute stimmt zu: „Was all dies noch schwieriger macht, ist, dass die Regierung keine entschiedenen Maßnahmen ergreift, um die Bedrohung zu stoppen. Das ist besonders verheerend und frustrierend. Schwierig ist es außerdem, Menschen Vergebung, Versöhnung, Frieden und Liebe zu predigen, deren Lebensgrundlagen weggenommen wurden, deren Wohlstand durch diese Anschläge geschmälert und zerstört wird.“

Trotz der Morde, der unbeschreiblichen Gewalt, all der Schmerzen und allem Leid vertraut der Missionar auf Gott: „In dieser Situation tröstet mich die Tatsache, dass Gott nicht tot ist und dass er uns sieht. Seine Zeit wird kommen. Er hat uns in Psalm 46,10 gesagt, wir sollen auf ihn vertrauen. Das Blut dieser Märtyrer wird nicht vergeblich sein.“

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„Das wertvollste Gut der Kirche ist der Glaube der Menschen“. Vor zehn Jahren begann die islamistische Gruppe Boko Haram Terroranschläge in Nigeria zu verüben. Die Gruppe radikaler Islamisten entstand im Jahr 2009 mit dem Hauptziel, einen strengen islamischen Staat in Nordnigeria zu gründen. Seitdem führen sie unaufhörlich tödliche Angriffe durch, zerstören ganze Dörfer, töten und verstümmeln wahllos. Sie legen Bomben, stecken Kirchen und öffentliche Gebäude in Brand, und entführen vor allem Frauen und Mädchen, die sie zwingen, zum Islam zu konvertieren.

Nährboden für diese terroristische Gruppe ist der Nordosten Nigerias. Dort befinden sich die katholischen Diözesen Maiduguri, Yola und Taraba. Von ihnen ist Maiduguri am stärksten betroffen, da die Terroristen ihren Hauptsitz im Bundesstaat Borno haben – Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Im Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) spricht der katholische Bischof der Diözese Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, über die aktuelle Situation und die Fortschritte der Kirche in den letzten Jahren.

Wie steht es nach zehn Jahren Terrorismus durch Boko Haram aktuell um dieKirche in der Diözese Maiduguri?

Seit zehn Jahren wird die Kirche in der Diözese Maiduguri von der gefürchteten islamischen Sekte Boko Haram schwer verfolgt. Die Sektenmitglieder haben eine gewaltige Zerstörung an Leben und Eigentum verursacht. Boko Haram ist der Ansicht, dass westliche Bildung eine Sünde ist. Da das Christentum eine Verbindung zur westlichen Bildung unterhält, soll es beseitigt werden.

Inzwischen hat sich die Lage sehr verbessert: Viele unserer Vertriebenen sind zu ihren Häusern zurückgekehrt, der Glaube wächst und einige der zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Trotz allem, was geschehen ist, danken und preisen wir Gott für seine Barmherzigkeit und Güte uns gegenüber.

Zu den vor wenigen Wochen wiederaufgebauten Gebäuden gehört auch die von Boko Haram zerstörte Kathedrale St. Patrick. Am 10. Juli 2019 wurde der Neubau von Erzbischof Antonio Guido Filipazzi, dem Apostolischen Nuntius in Nigeria, geweiht. Was bedeutet das für die Kirche in Ihrem Bistum?

Unsere Kathedrale und benachbarte Gebäude wurden durch zwei Bomben beschädigt, die im Jahr 2012 zu verschiedenen Zeiten explodierten. Gott sei Dank kam kein Mensch zu Schaden, denn es waren keine Leute in der Nähe der Kathedrale. Allerdings wurden die Kathedrale, das Priesterhaus und das bischöfliche Generalvikariat von den Explosionen stark betroffen. Die Weihe der wiedererrichteten Kathedrale von Maiduguri ist ein klares Zeichen dafür, dass Gott den Sieg für sein Volk errungen hat, und markiert den Beginn der Erholung aus der Krise. Im Jahr 2014 stand mehr als die Hälfte der zu unserer Diözese gehörenden Gebiete unter der Kontrolle von Boko Haram. Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir jemals wiedereine neue Kathedrale in der Stadt Maiduguri haben würden. Einige unserer Laien, die aus der Diözese flohen, sind bisher nicht zurückgekehrt. Das wertvollste Gut, das die Kirche inmitten dieser Verfolgung besitzt, ist der Glaube der Menschen. Diejenigen jedoch, die geblieben sind, haben die Kirche sehr unterstützt. Überraschenderweise gelang es den Gemeindemitgliedern der Kathedrale St. Patrick in Maiduguri, bis zu drei Viertel der für den Bau der neuen Kathedrale benötigten Mittel aufzubringen. Wir danken der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT für die restliche Unterstützung.

Boko Haram hat auch viele kirchliche Gebäude in verschiedenen Teilen Ihres Bistums zerstört. Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Die Liste ist sehr lang. Ich werde versuchen, sie zusammenzufassen. Unser kleines Seminar in Shuwa wurde von den Terroristen in ein Lager verwandelt, in dem sie die Rekruten sammelten und die Beute ihrer Plünderung aufbewahrten. Als sie das Seminar verließen, zündeten sie den größten Teil des Gebäudekomplexes an. Gott und auch der Unterstützung von KIRCHE IN NOT verdanken wir den Wiederaufbau. Auch unser katechetisches Bildungszentrum in Kaya wurde 2014 von Terroristen zerstört und geplündert. Dazu kommen zwei Klöster, zwei Krankenhäuser, 15 Missionsschulen, mehr als zehn Pfarrhäuser und über 250 Kirchen oder Kapellen.

Sie haben erwähnt, dass einige Laien, Ordensleute und Priester aus ihren Häusern, Pfarren und Klöstern vertrieben wurden. Sind sie alle zurückgekehrt?

Der Höhepunkt der Angriffe von Boko Haram wurde 2014 erreicht. In diesem Jahr übernahmen Mitglieder der Sekte viele Bereiche unserer Diözese. Die Folge: Mehr als 25 Priester wurden vertrieben, mindestens 45 Ordensfrauen mussten ihre Klöster verlassen, über 200 Katecheten wurden von ihren Arbeitsplätzen vertrieben und mehr als 100.000 Katholiken mussten ihre Häuser verlassen.

Wir danken Gott jedoch für die enorme Verbesserung der Sicherheit. Alle Priester sind an die Orte ihres Apostolates zurückgekehrt. Einige unserer Priester sind aber auch außerhalb unserer Diözese im Einsatz. Von den zur Diözese gehörenden 44 Pfarren und Pastoralgebieten sind nur drei Pfarren noch nicht funktionsfähig, weil sie im Mittelpunkt der Angriffe stehen. Einige Ordensfrauen könnten in ihre Klöster zurück, – andere jedoch noch nicht, weil ihre Klöster nicht wiederaufgebaut wurden. Mehr als 90 Prozent unserer Laien sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt. Gott sei Dank!

Was ist Ihre Botschaft an KIRCHE IN NOT und ihre Wohltäter? 

KIRCHE IN NOT war das Rückgrat der Kirche in unserer Diözese. Ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre die Kirche in unserer Diözese schon längst zusammengebrochen. KIRCHE IN NOT hat der Diözese geholfen und hilft ihr weiterhin in verschiedenen Bereichen, unter anderem mit der Förderung unserer jährlichen Priesterexerzitien, der Ausbildung unserer Priester und Priesteramtskandidaten, den Messstipendien, dem Wiederaufbau des kleinen Seminars und einiger Priesterwohnungen. Wir sind den KIRCHE IN NOT-Mitarbeitern und ihren vielen Unterstützern sehr dankbar für die große Hilfe, die sie der leidenden Kirche in der Diözese geleistet haben: Die leidende Kirche betet für euch alle. Möge der liebe Gott, der nicht an Großzügigkeit übertroffen werden kann, euch alle mit seinem Frieden in dieser Welt und mit dem ewigen Leben in seinem Königreich belohnen.

KIRCHE IN NOT hilft auch weiterhin der notleidenden Kirche in Nigeria. Um diese Hilfe auch weiterführen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nigeria

Nigeria boomt. Die Einwohnerzahl der größten Volkswirtschaft Afrikas hat sich nach einem Bericht der Vereinten Nationen in den letzten 30 Jahren auf fast 200 Millionen Menschen verdoppelt, damit ist es weltweit das Land mit der siebtgrößten Bevölkerung. „Eine Bevölkerung, der viel Leid widerfährt“, berichtet Schwester Jacinta Nwaohiri bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT International. Die Dominikanerschwester lebt in der Diözese Sokoto in Gusau, der Hauptstadt des im Norden gelegenen Bundesstaates Zamfara. Auf das ganze Land bezogen ist der Anteil von Christen und Muslimen in etwa gleich. Da die meisten Christen jedoch im Süden wohnen, betrage ihr Anteil im Norden jedoch nur unter fünf Prozent, so Schwester Jacinta.

Die haben es besonders schwer, denn „durch die Terrorgruppe Boko Haram im Norden Nigerias werden Christen systematisch verfolgt und ermordet, die sich der Forderung widersetzen, die Scharia in ganz Nigeria einzuführen und westliche Bildungseinflüsse abzulehnen“, beschreibt Jacinta Nwaohiri die Situation. Sie weiß wovon sie spricht, denn sie hat es selbst erlebt: Auch in ihre Dörfer fiel Boko Haram eines Morgens ein, sie zerschossen alles und brannten alles nieder. Die Angst der christlichen Bevölkerung wächst, denn außerdem gibt es regelmäßig Bedrohungen durch die mehrheitlich muslimischen Nomaden aus dem Stamm der Fulani, die im gesamten Land für brutale Überfälle verantwortlich sind. „Es geschehen wieder viele Übergriffe, die unermessliches Elend bringen“, bedauert sie.

In ihrem Konvent in Gusau, dem derzeit 17 Schwestern angehören, kümmert sich Jacinta Nwaohiri vor allem um die Bildung der Bevölkerung und unterstützt arme Bauern auf der Suche nach Arbeit im Kampf gegen den Hungertod, der das Land vor massive Herausforderungen stellt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ihr in allen Bereichen ein wichtiges Anliegen. Als großes Problem benennt sie auch die Tatsache, dass junge Mädchen im Land traditionell meist früh mit älteren Männern verheiratet werden, oft bereits im Alter von zwölf Jahren. „Wir müssen für ihre Schulbildung sorgen. Das ist der einzige Schlüssel, um ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu geben“, sagt Schwester Jancinta.

Die Ordensfrau hofft, dass die Regierung endlich Erfolge erzielt, die Gewalt im Land einzudämmen, damit die vertriebenen Menschen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren können. Sie ist sehr dankbar für die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT, die im Land bereits viel Gutes bewirkt habe. So hat KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren unter anderem für die Ausbildung von elf Dominikaner-Novizinnen gesorgt und den Bau einer Einrichtung für die Schwestern mitfinanziert.
„Die Nigerianer sind trotz der vielen Probleme und des Leids im Land lebensfroh“, sagt Schwester Jacinta. „Der regelmäßige Kirchgang, unser starker Glaube und das Vertrauen auf Gott geben uns täglich Kraft und Überlebenswillen.“

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht. Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten.

Roman Kris vom christlichen Online-Jugendmagazin „f1rstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

Roman Kris: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?

Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört. Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?

Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt. Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst. Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?

Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden. In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen. Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?

Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir hier in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?

Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können. Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Nigeria

„Nigeria ist aktuell das Land, das am meisten vom islamistischen Terror heimgesucht wird. Es ist sozusagen die neue ,Hoffnung‛ der Fundamentalisten.“ Dies erklärte der Priester Joseph Bature Fidelis bei einem Treffen mit europäischen Botschaftsvertretern beim Heiligen Stuhl Ende März in Rom. Die Begegnung wurde vom weltweiten Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ organisiert. „Zu den Attacken von Boko Haram sind jetzt noch die Übergriffe der Fulani-Hirten hinzugekommen“, sagte Fidelis, der aus dem Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias stammt.

Über 130 Todesopfer bei Attacken der Fulani

„Kirche in Not“ hat in den vergangenen Wochen dramatische Berichte aus dem Land erreicht: Im Bundesstaat Kaduna wurden nach Angaben lokaler Kirchenvertreter mehr als 130 Menschen von Angehörigen des mehrheitlich muslimischen Stammes der Fulani ermordet. Andere Quellen sprechen von höheren Opferzahlen. Über 10 000 Menschen sind wegen der Überfälle geflohen. Rund 150 Häuser wurden zerstört, wie der Priester Williams Kaura Abba aus Kaduna gegenüber „Kirche in Not“ berichtet: „Die Tötungswelle begann am 10. Februar, als die Fulani im Dorf Ungwan Barde nahe der Stadt Kajuru zehn Christen ermordeten – darunter eine schwangere Frau.“

Abba berichtete „Kirche in Not“ über einen fünfjährigen Jungen, der bei den Übergriffen durch die Fulani schwer verwundet wurde. „Zuerst haben sie versucht, ihn mit Pistolen zu töten und dann mit einer Machete, aber Gott hat ihn zum Glück beschützt“, schilderte der Priester. Daraufhin malträtierte ihn ein Hirte mit Stockschlägen. Jetzt sei der Junge gelähmt, erkläre Abba. „Dieses arme Kind hat auch eine seiner Schwestern bei der Attacke verloren, und seine Mutter kämpft nach wie vor im Krankenhaus um ihr Leben.“

Regierung greift nicht ein

Die Brutalität der Fulani sei unvorstellbar, so Abba, der auch das fehlende Eingreifen der Regierung kritisiert: „Weder der Gouverneur von Kaduna noch ein anderer Regierungsvertreter hat bislang die Betroffenen besucht oder mit den Angehörigen gesprochen.“ Allein die Kirche kümmere sich um die Menschen. Priester und Gemeindemitglieder bringen die Menschen ins Krankenhaus, organisieren Medikamente und kümmern sich um Hinterbliebene.

Am 19. März fand eine Demonstration gegen die Tötungen in der Bundeshauptstadt Abuja statt, an der sich zahlreiche Christen beteiligten. Bei der Kundgebung richtete Abba einen Appell an die Demonstranten, den er gegenüber „Kirche in Not“ wiederholte: „Wir können nicht schweigen, wenn unsere Mitmenschen abgeschlachtet werden. Wenn wir das retten wollen, was von unserer Menschlichkeit noch übrig ist, dann müssen die Regierungsbehörden furchtlos ihre Pflicht erfüllen.“

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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