
Kriege, wirtschaftliche Not und Abwanderung setzen christliche Schulen im Nahen Osten zunehmend unter Druck. Das internationale katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT unterstützt deshalb im laufenden Schuljahr im Libanon, in Syrien und im Heiligen Land mehr als 15 000 Schülerinnen und Schüler an über 200 christlichen Schulen. Auch etwa 2500 Lehrkräfte profitieren von der Hilfe. In diesem und im vergangenen Jahr stellte KIRCHE IN NOT rund 2,6 Millionen Euro für Schulen und Bildungsprojekte im Libanon, in Syrien und im Heiligen Land bereit.
Besonders angespannt ist die Situation im Libanon. Bereits nach dem Zusammenbruch des Bankensystems 2021 konnten viele Familien das Schulgeld für ihre Kinder nicht mehr bezahlen. Die jüngsten kriegerischen Auseinandersetzungen haben die Lage weiter verschärft. Vor allem im Süden des Libanon wurden Menschen vertrieben und Lebensgrundlagen zerstört. Einige Schulen konnten ihren Unterricht online fortsetzen oder nach dem Waffenstillstand wieder öffnen. Andere blieben aus Sicherheitsgründen geschlossen oder haben kaum noch Schüler, weil die Familien in andere Landesteile geflohen sind.

„Libanon befindet sich immer noch im Kriegszustand, und niemand weiß, was passieren wird“, erklärt Marielle Boutros, die für KIRCHE IN NOT Projekte im Libanon und in Syrien koordiniert. Da Eltern kaum genug Geld hätten, um ihre Familien durchzubringen, könnten sie das Schulgeld nicht bezahlen. Die Gebühren seien aber unverzichtbar, weil sich die Schulen weitgehend selbst finanzieren. Gleichzeitig müssten die Gehälter der Lehrkräfte weiterfinanziert werden. Aufgrund der starken Abwanderung gebe es längst nicht mehr genügend qualifizierte Lehrer, so Boutros: „Die Lehrer müssen weiterbezahlt werden, um zu verhindern, dass wir sie verlieren. Denn aufgrund der Abwanderung haben wir nicht mehr so viele talentierte Lehrer wie früher.“
Auch in Syrien bleibt die Situation schwierig. Die Unsicherheit sei dort inzwischen „zur neuen Normalität“ geworden, erklärte Boutros. Vor allem die wirtschaftliche Situation sei weiterhin äußerst angespannt: „Es ist wichtig zu verstehen, dass Syrien die Krise noch nicht überwunden hat.“

Auch im Heiligen Land unterhalten die christlichen Kirchen ein großes Bildungsnetzwerk. Allein das Lateinische Patriarchat von Jerusalem betreibt in Israel, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien 43 Schulen und 35 Kindergärten mit insgesamt rund 20 000 Schülerinnen und Schülern.
Von den anhaltenden Auseinandersetzungen im Heiligen Land sind die christlichen Schulen unmittelbar betroffen – auch in personeller Hinsicht: Im Januar 2026 verabschiedete die israelische Regierung ein Gesetz, das neuen Lehrkräften mit Abschlüssen von Universitäten im Westjordanland untersagt, an Schulen in Israel zu unterrichten.
Vor Kurzem wurden die Einreiseerlaubnisse für zahlreiche Lehrkräfte, die im Westjordanland leben, nicht verlängert. Christliche Schulen in Israel riefen daraufhin zum Streik auf. In der Folge lenkte die Regierung ein und erneuerte die Einreisegenehmigungen, wenn auch in einigen Fällen nur für wenige Wochen.
Christliche Schulen sind im Nahen Osten nicht nur für die christlichen Gemeinschaften von großer Bedeutung. Die meisten Einrichtungen stehen auch Kindern anderer Religionen offen. Damit schaffen sie Orte, an denen gemeinsames Lernen und das Zusammenleben verschiedener Religionsgemeinschaften gefördert werden.
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