
Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat im Jahr 2025 weltweit Spenden in Höhe von 145,8 Millionen Euro erhalten – das ist ein Plus von rund fünf Prozent im Vorjahresvergleich. Mit diesen Einnahmen konnte KIRCHE IN NOT 5368 Hilfsprojekte in 141 Ländern unterstützen.
Einen wichtigen Beitrag leisteten dabei die Wohltäter in Österreich: Hier erzielte KIRCHE IN NOT 2025 ein Spendenergebnis von 4,1 Millionen Euro (2024: 3,6 Millionen). Trotz anhaltender Unsicherheiten sind die Einzelspenden in Österreich sogar leicht gestiegen, wie der Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich, Tobias Pechmann, erläuterte: „Die Großherzigkeit unserer Wohltäter ist überwältigend. Wir sehen darin auch eine starke Solidarität mit den Teilen der Weltkirche, die trotz Armut oder Verfolgung wachsen. Diese enge Verbundenheit, auch im Gebet für die leidenden Christen, ist ermutigend und ein Wesensmerkmal unserer Wohltäter.“
Die Arbeit von KIRCHE IN NOT finanziert sich rein aus privaten Spenden und erhält keine österreichweiten Kirchensammlungen, lediglich Kollekten einzelner Pfarren, die sich für arme und verfolgte Christen engagieren; die Spenden werden in den 24 Nationalbüros des Hilfswerks gesammelt.

„Unsere Wohltäter machen konkrete Hilfe für die Kirche dort möglich, wo Menschen unter Krieg, Verfolgung, Armut oder gesellschaftlicher Ausgrenzung leiden“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. „Ihre Unterstützung hilft, Hoffnung zu geben – oft an Orten, an denen die Kirche für viele Menschen die letzte verlässliche Struktur geblieben ist.“
Zu den am stärksten unterstützten Ländern zählten Indien, die Ukraine, der Libanon und Syrien. In dieser Region floss der Großteil der Nothilfe in die Bewältigung der Folgen anhaltender bewaffneter Konflikte.
Regional lag der Schwerpunkt der Projektförderung erneut in Afrika, das 34,5 Prozent der weltweiten Hilfen erhielt. Gründe dafür sind unter anderem die Ausbreitung islamistischer Gewalt, Fluchtbewegungen und das starke Wachstum kirchlicher Gemeinschaften. Besonders intensiv unterstützte KIRCHE IN NOT Länder wie Burkina Faso, Niger und Mali.
19,1 Prozent der Hilfe ging an die Kirche in Asien, 17,1 Prozent erhielt der Nahe Osten, Lateinamerika 16,4 Prozent und 12,8 Prozent Europa – hier gingen die Hilfen zum allergrößten Teil in die Ukraine.

Nach Angaben von KIRCHE IN NOT profitierten im vergangenen Jahr weltweit über 40 000 Priester von der Unterstützung durch Messstipendien – statistisch gesehen etwa jeder zehnte Priester weltweit. Insgesamt wurden fast 1,9 Millionen Messstipendien vergeben – so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Hilfswerks. Messstipendien sind freiwillige Gaben für die Feier der heiligen Messe, oft verbunden mit einem bestimmten Anliegen. In Ländern, in denen Priester wenig oder gar keinen Lohn erhalten, sind diese Beiträge lebenswichtig.
Darüber hinaus unterstützte KIRCHE IN NOT die Ausbildung von über 13 000 Seminaristen, also jeden achten Priesteramtskandidaten weltweit. Schwerpunkt der Förderung war Afrika: Dort erhielten mehr als 8 300 Seminaristen Unterstützung.
Auch Ordensgemeinschaften wurden umfangreich gefördert: Rund 20 000 Ordensschwestern profitierten direkt oder indirekt von Projekten des Hilfswerks – etwa durch Ausbildungsförderung, Hilfe zum Lebensunterhalt oder Bau- und Infrastrukturmaßnahmen.
Neben pastoralen Projekten finanzierte KIRCHE IN NOT weltweit den Bau und die Renovierung kirchlicher Einrichtungen, die Ausbildung von Katecheten sowie die Verteilung religiöser Literatur. Insgesamt wurden über eine halbe Million religiöse Bücher bereitgestellt, darunter mehr als 111 000 Bibeln sowie über 214 000 Ausgaben des Jugendkatechismus YOUCAT.
Der Finanzbericht von KIRCHE IN NOT weist aus, dass 78,7 Prozent der Gesamtausgaben für „missionsbezogene Aktivitäten“ verwendet wurden: Das sind die konkreten Projekte, sowie Aufwendungen für Information, Glaubensverkündigung und Interessenvertretung für die verfolgte und leidende Kirche. Für Verwaltung wurden 8,5 Prozent, für Wohltäterbetreuung und Fundraising 12,8 Prozent aufgewendet.
KIRCHE IN NOT (ACN) ist eine katholische Hilfsorganisation, die 1947 als Solidaritätsaktion für Vertriebene gegründet wurde. Seit 2011 ist sie eine Päpstliche Stiftung. KIRCHE IN NOT widmet sich durch Information, Gebet und Hilfe Christen überall dort, wo Unterdrückung und Verfolgung herrschen oder zu wenig Geld für die Seelsorge vorhanden ist.

Innerhalb weniger Monate ist die christliche Gemeinde im südlibanesischen Dorf Al-Kfour im Distrikt Nabatäa nahezu verschwunden: Von rund 120 Gläubigen leben heute nur noch knapp ein Dutzend dauerhaft vor Ort. Für den maronitischen Pfarrer Youssef Semaan ist diese Entwicklung mehr als eine Folge der anhaltenden Kämpfe. Sie stellt für ihn auch die Frage, ob das, was über Jahrzehnte an Vertrauen und Zusammenhalt gewachsen ist, den Krieg überstehen kann. Aktuell hat er daran große Zweifel, wie er im Gespräch mit KIRCHE IN NOT erklärte.
„Vor vielen Jahren beschloss ich, nach Al-Kfour zurückzukehren, um Zeugnis davon zu geben, dass Vergebung möglich ist. Doch der aktuelle Krieg zerstört nach und nach das Vertrauen. Das Zusammenleben wird immer schwieriger“, erklärte Semaan.
Mit Al-Kfour verbindet ihn eine besondere und schmerzliche Familiengeschichte: Sein Vater Khalil, ebenfalls maronitischer Priester – in der maronitischen Kirche können verheiratete Männer zu Priestern geweiht werden –, wurde am 2. Dezember 1987 während des libanesischen Bürgerkriegs auf dem Weg zur Feier der heiligen Messe entführt und starb Jahre später in Gefangenschaft.

Trotz dieses Schicksals entschied sich Youssef Semaan, selbst Priester zu werden – und dort als Seelsorger zu wirken, wo sein Vater entführt wurde. Für ihn war das ein bewusstes Zeichen: Gewalt sollte nicht das letzte Wort behalten. Nun erlebt er erneut, wie der Krieg Menschen aus ihrer Heimat drängt – und das gewachsene Miteinander zerstört.
Seit Beginn der jüngsten Eskalation Anfang März seien viele Familien nach Beirut oder Sidon geflohen. Manche hätten keine Möglichkeit gehabt zu bleiben, andere hätten ihre Existenz zurücklassen müssen. „Einige hatten nicht die Mittel, um wegzugehen. Andere besitzen Vieh und konnten sich nicht damit abfinden, es zurückzulassen“, berichtete der Priester.

Der Südlibanon ist seit Beginn der Militäroffensive in Reaktion auf den islamistischen Terrorangriff in Israel erneut zur Kampfzone geworden. Ziel sind Hisbollah-Stellungen in der Region. Aber immer mehr geraten auch zivile Ziele ins Fadenkreuz. Betroffen sind auch die Christen, von denen es verhältnismäßig viele im Südlibanon gibt.
Auch Semaan selbst musste sein Dorf aus Sicherheitsgründen verlassen. In den vergangenen Monaten konnte er zweimal zurückkehren; mit den verbliebenen Familien hält er täglich über Nachrichten Kontakt.
Die Lage hat sich zuletzt weiter verschärft: In der Nacht vom 3. auf den 4. Juni wurden nach Angaben des Priesters drei Häuser zerstört, die Gemeindemitgliedern gehörten. Auch sein eigenes Haus sei beschädigt worden. „Jede Woche ist gefährlicher als die vorherige. Die Situation ist unerträglich geworden“, sagte Semaan. Viele Familien stünden inzwischen vor einer Entscheidung, die weit über die aktuelle Krise hinausreiche: bleiben und ihr Leben riskieren – oder ihre Heimat verlassen, ohne zu wissen, ob eine Rückkehr jemals möglich sein wird.

Trotz allem hält der Priester an der Hoffnung fest: „Wir bewahren uns die Hoffnung. Aber Hoffnung allein reicht nicht aus. Sie muss sich auf konkrete Grundlagen stützen, die es uns ermöglichen, wieder aufzubauen und weiterzuleben.“ KIRCHE IN NOT unterstützt im Libanon weiterhin pastorale und humanitäre Hilfen für Gemeinden und Familien, die von Krieg und Vertreibung betroffen sind.
Während Millionen Menschen weltweit die Fußball-Weltmeisterschaft verfolgen, erinnert KIRCHE IN NOT daran, dass für viele Menschen aus den teilnehmenden Ländern ein grundlegendes Menschenrecht weiterhin nicht selbstverständlich ist: die Freiheit, den eigenen Glauben auszuüben.
Nach Angaben des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von KIRCHE IN NOT ist die Religions- oder Weltanschauungsfreiheit in 14 der 48 Teilnehmerländer der Fußball-Weltmeisterschaft erheblich eingeschränkt. In drei dieser Staaten dokumentiert der Bericht religiöse Verfolgung, in elf weiteren schwere Formen der Diskriminierung.
Dieser Anteil von 30 Prozent der Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit entspricht in etwa dem weltweiten Befund des Berichts von KIRCHE IN NOT: Er stuft 62 von untersuchten 196 Ländern in die Kategorie „orange“ für Diskriminierung oder in die rote Kategorie für religiöse Verfolgung ein.

Besonders gravierend ist die Situation laut dem Bericht unter anderem im Iran und in Saudi-Arabien. Dort schränkten gesetzliche und gesellschaftliche Vorgaben die Religionsfreiheit erheblich ein – insbesondere für Konvertiten und Angehörige religiöser Minderheiten. Verstöße könnten mit Festnahmen, Haftstrafen und teilweise sogar mit der Todesstrafe geahndet werden.
Auch in der Demokratischen Republik Kongo bleibt die Lage angespannt. Dort verschärfen anhaltende Gewalt und die Aktivitäten bewaffneter Gruppen im Osten des Landes seit Jahren die Situation für die Bevölkerung.
Besonders dramatisch stellt sich die Lage in Haiti dar. Bewaffnete Banden kontrollieren dort weite Teile des Landes und behindern wiederholt die Arbeit von Kirchen und religiösen Organisationen. Religiöse Verantwortungsträger waren in den vergangenen Jahren immer wieder Betroffene von Entführungen und Gewalt.

Mexiko, eines der Gastgeberländer der Weltmeisterschaft, steht wiederum für eine andere Form der Bedrohung: Nicht staatliche Restriktionen, sondern organisierte Kriminalität und Drogenkartelle setzen dort kirchliche Mitarbeiter, Priester und Seelsorger zunehmend unter Druck.
Weitere Teilnehmerländer mit Einschränkungen der Religionsfreiheit sind laut dem Bericht unter anderem Marokko, Tunesien, Algerien, Jordanien, Katar, Ägypten, die Türkei sowie Usbekistan. Religiöse Minderheiten, darunter Christen, Angehörige der Bahai-Religion und einzelne muslimische Gemeinschaften, sind dort weiterhin in unterschiedlichem Maße Diskriminierung sowie Einschränkungen bei der Ausübung und dem Bekenntnis ihres Glaubens ausgesetzt.

In Algerien ist der Islam verfassungsrechtlich als Staatsreligion verankert, was die rechtliche und gesellschaftliche Stellung anderer Glaubensgemeinschaften stark einschränkt. Obwohl die Verfassung formell die Religionsfreiheit garantiert, wird diese durch restriktive Gesetze – insbesondere die Verordnung 06-03 – in der Praxis massiv beschnitten. Besonders Konvertiten, Ahmadis und protestantische Christen sind von systematischen Kirchenschließungen, Blasphemie-Vorwürfen und Haftstrafen betroffen. Da auch die Missionierung von Muslimen unter Strafe steht und staatliche Eingriffe zunehmen, wird die Lage der Religionsfreiheit insgesamt als besorgniserregend eingestuft.
Auch in Jordanien ist der Islam als Staatsreligion verankert, weshalb keine umfassende Religionsfreiheit herrscht, obwohl die Verfassung formell die Gleichheit der Bürger garantiert. Während anerkannte christliche Minderheiten weitgehend das Recht auf freie Religionsausübung genießen und politisch im Parlament repräsentiert sind, stehen nicht anerkannte Gruppen wie die Bahai vor erheblichen rechtlichen Hürden. Besonders prekär ist die Lage für Konvertiten vom Islam, die zwar keine staatlichen Strafen, aber extremen gesellschaftlichen Druck sowie gravierende zivilrechtliche Folgen durch Scharia-Gerichte wie den Verlust von Erbansprüchen oder die Annullierung der Ehe befürchten müssen. Trotz vereinzelter christenfeindlicher Übergriffe und des politischen Erstarkens islamistischer Kräfte gilt das Verhältnis zwischen den Religionen als weitgehend friedlich, was maßgeblich durch die aktive Toleranzförderung des jordanischen Königshauses gestützt wird.
In Argentinien ist die Religionsfreiheit verfassungsrechtlich garantiert, wobei der Staat den römisch-katholischen Glauben besonders stützt. Trotz eines besorgniserregenden Anstiegs antisemitischer Vorfälle und vereinzelter Vandalismen an Kirchen wird die Lage aufgrund eines starken interreligiösen Dialogs und einer die Glaubensrechte schützenden Justiz insgesamt als positiv bewertet.

„Die Weltmeisterschaft bringt Menschen aus allen Kulturen, Religionen und Nationen zusammen. Sie ist auch eine Gelegenheit, das Bewusstsein für die Herausforderungen zu schärfen, denen Millionen Menschen weltweit bei der Ausübung ihres Grundrechts auf Religions- oder Glaubensfreiheit weiterhin gegenüberstehen“, erklärte Marta Petrosillo, die Chefredakteurin von „Religionsfreiheit weltweit“.
Zugleich verweist „Kirche in Not“ auf Zeichen der Hoffnung. So sei die Nationalmannschaft des Irak ein Beispiel dafür, wie Menschen unterschiedlicher religiöser und ethnischer Herkunft gemeinsam auftreten können. Unter den Spielern befinden sich auch Christen – in einem Land, in dem ihr Bevölkerungsanteil inzwischen unter einem Prozent liegt. Petrosillo rief Regierungen weltweit dazu auf, Religionsfreiheit aktiv zu schützen: „Jeder Mensch muss seinen Glauben frei ausüben, wechseln oder teilen können – ohne Diskriminierung oder Verfolgung befürchten zu müssen.“
Der vollständige Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ von „Kirche in Not“ dokumentiert die Menschenrechtslage in 196 Ländern und für alle Religionen. Der Bericht erscheint alle zwei Jahre und ist online abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

„Unser Grenzort Yaroun ist heute zutiefst verwundet“, sagte Nadaf, Pfarrer der melkitischen Gemeinde St. Georg in Yaroun. Anfang Mai seien der Pfarrsaal, der zuletzt als Notkirche diente, das Jugendzentrum der Pfarre sowie das Kloster der griechisch-katholischen Salvatorianerinnen mitsamt ihrer Schule zerstört worden. Eine vollständige Schadensaufnahme sei derzeit nicht möglich, da der Zugang zum Dorf weiterhin gefährlich sei. „Zweifellos ist dies eine der größten Katastrophen, die unser Dorf je erlebt hat“, erklärte Nadaf.
Der Ort Yaroun liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus schiitischen Muslimen; zugleich gibt es dort seit Jahrhunderten eine christliche Gemeinde. Seit Beginn der Kämpfe im Oktober 2023 gehört Yaroun zu den besonders betroffenen Orten im Südlibanon. Bereits kurz nach Beginn der Auseinandersetzungen mussten sämtliche Bewohner flüchten. Kirchen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude wurden schwer beschädigt oder zerstört. Zwischenzeitlich waren einige christliche Familien nach Yaroun zurückgekehrt. Sie hatten versucht, beschädigte Häuser notdürftig zu reparieren und das Gemeindeleben wieder aufzunehmen.

Doch mit der erneuten Eskalation Anfang 2026 seien sämtliche Hoffnungen auf eine dauerhafte Rückkehr erneut zerstört worden. „Seit Beginn des Krieges leben die Familien im Exil, geprägt von Ungewissheit und großer Hilflosigkeit“, sagte Pfarrer Nadaf. Viele Vertriebene seien inzwischen in andere Orte des Südlibanon oder in den Norden des Landes geflohen.
Besonders besorgt zeigte sich der Priester, was die Zukunft der Christen in der Region angeht. „Die vertriebenen Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht. Sie bitten nur darum, in ihre Häuser zurückkehren zu dürfen, in Frieden mit allen zu leben und im Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“, betonte er. Neben humanitärer Hilfe brauche es vor allem Sicherheit und Perspektiven, damit die verbliebenen Christen nicht endgültig aus der Region gedrängt würden.
„Kirche in Not“ unterstützt christliche Gemeinden im Libanon unter anderem mit Nothilfe, Seelsorgeprojekten sowie Hilfen für Ordensgemeinschaften und kirchliche Schulen. Der Libanon leidet seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise; die jüngsten Kämpfe im Süden des Landes haben die Lage vieler Familien zusätzlich verschärft.
Der neu gewählte Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Paul III. Nona, hat die internationale Gemeinschaft vor einer weiteren Eskalation der Konflikte im Nahen Osten gewarnt. In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT appellierte das Oberhaupt der größten katholischen Kirche des Irak an die Staatengemeinschaft, den Menschen der Region endlich eine Zukunft in Frieden zu ermöglichen.
„Wir können nicht akzeptieren, dass Jahr für Jahr in diesem oder jenem Land ein neuer Krieg ausbricht“, sagte der Patriarch. Die Sehnsucht nach Frieden sei groß. Was die Menschen im Nahen Osten von der internationalen Gemeinschaft forderten, sei „im Grunde einfach: Respekt – Respekt vor unseren Völkern und vor unserer Souveränität“.
Nur so könne verhindert werden, dass der Nahe Osten dauerhaft zum Schauplatz geopolitischer Konflikte werde. „Wir möchten unseren jungen Menschen in die Augen schauen und ihnen sagen: ,Ihr habt eine Zukunft.‘ Doch dafür muss die Welt aufhören, unser Land in ein ständiges Schlachtfeld zu verwandeln“, erklärte Nona.
Der 58-jährige Patriarch, bürgerlich Amel Shamon Nona, wird am 29. Mai in der St.-Joseph-Kathedrale in der irakischen Hauptstadt Bagdad in sein Amt eingeführt. Sein Amtsantritt fällt in eine Zeit großer Unsicherheit im Nahen Osten. Viele Menschen in der Region leiden weiterhin unter den Folgen jahrelanger Kriege, wirtschaftlicher Krisen und politischer Spannungen – vom Irak und Syrien bis hin zum Heiligen Land und dem Libanon.

Nona kennt die Auswirkungen von Krieg und Vertreibung aus persönlicher Erfahrung. Als Erzbischof von Mossul erlebte er den Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Jahr 2014 unmittelbar mit. Während der Besetzung der Stadt mussten hunderttausende Christen und andere Minderheiten aus ihrer Heimat fliehen. Auch seine eigene Gemeinde wurde vollständig vertrieben.
Rückblickend sprach der Patriarch von einer „sehr schwierigen, aber auch prägenden Zeit“. Gleichzeitig habe ihn diese Zeit gelehrt, wie tief der christliche Glaube vieler Menschen im Irak verwurzelt sei. „Trotz allem haben die Menschen ihre Hoffnung bewahrt“, sagte Nona. Gerade das Leiden habe den Glauben vieler Christen vertieft. Das Zeugnis der Christen im Irak bestehe darin, „unermesslich gelitten und dennoch einen tiefen, unerschütterlichen Glauben bewahrt“ zu haben.
Als Leitwort für sein Patriarchat wählte Paul III. Nona die Worte Jesu aus dem Markusevangelium: „Fürchte dich nicht! Glaube nur!“ (Mk 5,36). Die größte Herausforderung der Gegenwart sei für viele Menschen die Angst vor der Zukunft, vor Krieg und davor, die eigene Lebensweise zu verlieren. „Aber wenn wir unseren Glauben so leben, wie der Herr es von uns will, können wir mit diesen Ängsten leben und dennoch voller Glauben bleiben“, sagte der Patriarch.

Dankbar äußerte sich der neue Patriarch über die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT. Während der schwersten Jahre des IS-Terrors und des Wiederaufbaus habe das Hilfswerk den Christen beigestanden, „als andere es nicht konnten“. Für die Zukunft hoffe er besonders auf Unterstützung im Bereich Bildung und Ausbildung. „Wenn wir eine gebildete Generation haben, die ihren Glauben versteht, ist das die beste Grundlage dafür, dass unser Volk bleibt und gedeiht“, erklärte Nona.
Die chaldäisch-katholische Kirche ist die größte katholische Kirche des Irak und gehört zu den mit Rom verbundenen Ostkirchen. Ihr gehören etwa eine halbe Million Gläubige an, von denen viele im Ausland leben. Patriarch Paul III. Nona wurde 1967 im Nordirak geboren und 1991 zum Priester geweiht. Von 2010 bis 2014 war er Erzbischof von Mossul. Nach der Vertreibung durch den „Islamischen Staat“ leitete er die chaldäische Kirche in Australien.

Die Diözese Mendi liegt im zerklüfteten Hochland von Papua-Neuguinea – 31 Pfarren, über 300 Außenstationen, verbunden durch Bergstraßen, die selbst robuste Fahrzeuge auf eine harte Probe stellen. Mitten in dieser Landschaft liegt die Pfarre St. Joseph in Margarima, die größte der Diözese: 17 weit verstreute Außenstationen, für die ein einziger Priester zuständig ist.
Pfarrer George Mathew war lange Zeit mit einem ernsthaften Problem konfrontiert: Sein alter Wagen hatte bereits mehr als 270.000 Kilometer hinter sich – und machte immer öfter schlapp. Pannen häuften sich, Reparaturkosten stiegen, und was noch schwerer wog: Der Priester konnte seinen Gläubigen nicht mehr regelmäßig begegnen. Der Mechaniker war deutlich – das Fahrzeug müsse so bald wie möglich ersetzt werden. Doch das Geld dafür fehlte.

Der Bischof bringt es auf den Punkt: Auf jedem dieser Wege durch das Hochland begleiten Sie – als Wohltäterinnen und Wohltäter von KIRCHE IN NOT – Pfarrer Mathew durch Ihre Solidarität und Ihr Gebet. Jede Spende hat dazu beigetragen, dass die Kirche in einer der herausforderndsten Regionen der Welt präsent bleibt.
Ihre Güte fährt nun mit Pater George über steinige Straßen und durch abgelegene Täler. Ihre Treue hilft ihm, Menschen zu erreichen, die inmitten von Unsicherheit, Armut und Gewalt die Nähe Gottes besonders brauchen.
Dafür danken wir Ihnen von Herzen.
Sie haben nicht nur ein Auto mitfinanziert. Sie haben Wege geöffnet. Sie haben Begegnung ermöglicht. Sie haben dazu beigetragen, dass die Kirche in Hela weiterhin ein Lichtblick bleibt.
Vergelt’s Gott für Ihre Großzügigkeit, Ihr Gebet und Ihre liebevolle Verbundenheit mit unseren Brüdern und Schwestern in Papua-Neuguinea.
Jerusalem. Bethlehem. Nazareth. Diese Namen berühren das Innerste eines jeden Christen. Doch die Wirklichkeit, die Benediktinerabt Nikodemus Schnabel in einer bewegenden Ansprache vor Vertretern von KIRCHE IN NOT gezeichnet hat, erschüttert tief.
„Wenn Sie glauben, dies sei ein Eldorado des Christentums, dann sieht die Realität anders aus”, sagte Abt Schnabel. Alle Christen zusammen machen heute weniger als 2 % der Bevölkerung im Heiligen Land aus. Zum Vergleich: Selbst in den am stärksten säkularisierten Regionen Europas – etwa der Tschechischen Republik – gibt es um ein Vielfaches mehr Christen.
Der Ort, an dem unser Glaube seinen Ursprung hat, droht seine letzten einheimischen Christen zu verlieren.

Was Abt Schnabel befürchtet, ist ein Szenario, das kaum auszudenken ist: Kirchen, Klöster und heilige Stätten bleiben erhalten – aber die lebendigen Gemeinden dahinter verschwinden.
„Meine Sorge ist, dass das Heilige Land zu einer Art ‚christlichem Disneyland’ werden könnte. Die heiligen Stätten werden bleiben, mit Mönchen und Priestern. Aber es könnte keine christlichen Familien mehr geben, keine jungen Christen, kein reguläres christliches Leben.”
Kein Weihnachtsfest, das in Bethlehem von einheimischen Gläubigen gefeiert wird. Kein Osterjubel einheimischer Christen in Jerusalem. Nur Pilger – und Stille.
Rund 60 % der arabischsprachigen Christen leben vom Tourismus. Das letzte gute Jahr war 2019. Seither haben Pandemie, Konflikte und Instabilität den Pilger- und Tourismusstrom dramatisch einbrechen lassen. Viele Familien stehen ohne Einkommen da. Um dieser Not entgegenzuwirken, hilft KIRCHE IN NOT beispielsweise christlichen Familien in Bethlehem, die diese schönen Olivenholzrosenkränze herstellen. Diese und andere Olivenholzprodukte finden Sie hier auf unserer Webseite.
„Die Menschen gehen weg, weil sie keine Zukunft sehen”, sagt Schnabel. Und sie fühlen sich dabei von niemandem wirklich wahrgenommen. „Sie haben oft das Gefühl, dass es keine Rolle spielt, ob sie da sind oder nicht.”
Besonders dramatisch ist die Lage im Gazastreifen, wo eine kleine christliche Gemeinschaft unter einer, wie Abt Schnabel sagt, „doppelten Besatzung” lebt: dem äußeren Druck von Krieg und Blockade – und der inneren Unterdrückung durch das Hamas-Regime.

Besonders betroffen sind auch christliche Migranten und Asylsuchende. Viele von ihnen arbeiten in der Pflege, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft. Sie beten, dienen, kümmern sich – und bleiben doch oft unsichtbar.
Abt Nikodemus spricht von eingezogenen Pässen, eingeschränkter Freiheit, Familientrennung und Bedingungen, die er als eine Form moderner “Sklaverei” beschreibt.
Besonders erschütternd: Frauen, die Ja zum Leben sagen und sich gegen eine Abtreibung entscheiden, können dadurch mit ihren Kindern in eine irreguläre Situation geraten.
In einem der erschütterndsten Teile seiner Ansprache sprach Abt Schnabel offen über wachsende Feindseligkeit gegenüber Christen von Seiten extremistischer Gruppen: Anspucken auf offener Straße, Vandalismus, Brandstiftung, Schändung von Heiligtümern, Hassgraffiti.
„Dieses Phänomen kann nicht länger als marginal abgetan werden”, betonte er. Und doch – mitten in all dem Schmerz – leuchtet etwas auf, das uns den Atem verschlägt.

Am 7. Oktober 2023, als der Terror über Israel hereinbrach, weigerten sich christliche Pflegekräfte aus dem Ausland, die ihnen anvertrauten alten Menschen zu verlassen. Sie blieben. Und sie starben.
„Sie weigerten sich zu fliehen”, berichtete Abt Schnabel mit sichtbarer Bewegtheit. „Sie blieben bei denen, die ihnen anvertraut worden waren.” Für ihn ist ihr Zeugnis ein zutiefst christliches – die stille Größe des Evangeliums gelebt bis zum Ende.
Abt Schnabels Appell war klar: Damit christliche Familien im Heiligen Land bleiben können, braucht es Wohnraum und Arbeitsplätze. Ohne konkrete Zukunftsperspektive werden die Gemeinschaften weiter verschwinden. Durch Ihre Großzügigkeit und vieler weiterer Wohltäter können wir Christen und die Kirche vor Ort unterstützen.
Aber er bat auch um etwas, das jeder von uns geben kann: „Betet, dass es im Heiligen Land eine Zukunft für Christen gibt.”
Denn ohne lebendige christliche Gemeinden in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth drohen die heiligsten Orte der Welt zu leeren Symbolen zu werden – zu einem Erbe ohne Zeugen.
Lassen Sie uns diese Christen nicht vergessen. Mit Ihren Gebeten, Ihrer Solidarität und Ihrer Unterstützung können Sie dazu beitragen, dass das Heilige Land nicht verstummt.
Wenn Sie können, helfen Sie bitte heute auch mit Ihrer Spende, dass Christen im Heiligen Land bleiben können. Ihre Großzügigkeit schenkt Familien neue Hoffnung, stärkt die Kirche vor Ort und zeigt unseren Brüdern und Schwestern: Ihr seid nicht vergessen. Hier können Sie für Christen im Heiligen Land spenden. Vergelt’s Gott!
KIRCHE IN NOT hat die Zerstörung einer Christusstatue im Süden des Libanon scharf verurteilt. Auslöser sind Bilder, die in den vergangenen Tagen verbreitet wurden und nach Angaben der israelischen Armee authentisch sind.
Wie die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) in öffentlichen Erklärungen vom 19. und 20. April 2026 mitteilten, zeigen die Aufnahmen einen Soldaten der eigenen Streitkräfte im Süden des Libanon. Die Armee erklärte, sie nehme den Vorfall sehr ernst. Das Verhalten des Soldaten widerspreche den Werten und Verhaltensmaßstäben, die für Angehörige der Streitkräfte gelten.
Zu möglichen disziplinarischen Konsequenzen wurden bislang keine weiteren Einzelheiten bekannt. Nach Angaben der Armee wird der Fall derzeit innerhalb der militärischen Befehlskette untersucht. Zugleich kündigten die Streitkräfte an, die örtliche christliche Gemeinschaft bei der Wiederherstellung der beschädigten Statue zu unterstützen.

KIRCHE IN NOT zeigt sich tief betroffen über die Schändung eines heiligen christlichen Symbols. Das Hilfswerk verurteilte die Tat mit Nachdruck und erklärte seine volle Solidarität mit den Christen im Libanon, die seit Jahren unter Unsicherheit und Instabilität leiden.
Zugleich betonte KIRCHE IN NOT, dass der Respekt vor religiösen Symbolen und Kultstätten ein grundlegendes Prinzip sei – auch und gerade in Zeiten bewaffneter Konflikte. Nichts könne Handlungen rechtfertigen, die die religiöse Würde von Gemeinschaften verletzten oder Missachtung gegenüber dem ausdrückten, was ihnen heilig sei.
Das Hilfswerk begrüßte, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei und erste Schritte zur Aufarbeitung sowie zur Wiederherstellung angekündigt wurden. Solche Maßnahmen seien wichtig, um Respekt zu sichern und ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern. Entscheidend werde sein, dass sie transparent und glaubwürdig umgesetzt würden.
KIRCHE IN NOT bekräftigte außerdem, weiterhin an der Seite bedrängter Christen zu stehen und überall dort geistliche und konkrete Hilfe zu leisten, wo Glaube, Würde und Religionsfreiheit bedroht seien.
Abschließend rief das Hilfswerk zum Gebet für die christlichen Gemeinschaften im Libanon und in der gesamten Region auf. Zugleich erneuerte es seine Forderung nach dem Schutz der Religionsfreiheit und nach Achtung dessen, was Gläubigen jeder Tradition heilig ist.
Vor einiger Zeit hatten wir einen Hilferuf aus Indonesien weitergeleitet. Die Gläubigen in Golo Popa auf der Insel Flores hatten kein Gotteshaus und mussten sich sonntags in der Dorfschule zur Heiligen Messe versammeln. Obwohl dies nur eine provisorische Lösung war, kamen viele Gläubige. An den Werktagen, an denen Unterricht in der Schule stattfindet, hatten sie hingegen gar keinen Raum für das Gebet und für Gottesdienste, für Taufen, Trauungen oder andere kirchliche Aktivitäten.
Pfarrer Ferdinandus Tahul berichtete uns damals, dass die Gläubigen, die selbst arm sind, große Anstrengungen unternahmen, um das Geld für ein Gotteshaus aufzubringen. Schon jahrelang hatten sie Geld und Material gesammelt, aber die Mittel reichten nicht aus. Es war ihnen aber wichtig, eine würdige Kapelle zu haben, um Gott die Ehre erweisen zu können: „Die Leute leben ihren katholischen Glauben mit großer Freude. Der Glaube ist sehr lebendig.“, teilte er uns mit und bat uns um Hilfe.

Seine Bitte fand in Ihren Herzen ein Echo, und es kamen 28.000 Euro zusammen. Dank dieser Hilfe konnte die neue Kapelle bereits eingeweiht werden. Der Pfarrer schreibt uns voller Freude:
„Der Bau wurde dank des Engagements der Gläubigen und der großzügigen Hilfe von KIRCHE IN NOT fertiggestellt. Die Gläubigen haben fleißig mitgearbeitet, und auch die Frauen haben sich an den Bauarbeiten beteiligt. Jetzt kann die Gemeinde die Gottesdienste in der neuen Kapelle feiern, und wir haben auch schon zum ersten Mal dort Weihnachten feiern können. Wir sehen, dass die Menschen stärker am Leben der Kirche teilnehmen und dass mehr Leute in die Kirche kommen. Besten Dank für Ihre großzügige Hilfe und ich wünsche Ihnen Gottes reichen Segen!“
Die Zukunft christlicher Schulen in Jerusalem steht nach Einschätzung von Verantwortlichen der Ortskirche vor großen Herausforderungen.
Diese teilten ihre Befürchtungen dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ mit. Hintergrund ist eine Entscheidung des israelischen Bildungsministeriums, wonach für das Schuljahr 2026/27 keine Arbeitsgenehmigungen mehr für palästinensische Lehrkräfte aus dem Westjordanland ausgestellt werden sollen.
Betroffen sind insbesondere Lehrer mit einer „Green Card“, die bislang unter bestimmten Bedingungen in von Israel kontrollierten Gebieten arbeiten konnten. Sollte die Regelung umgesetzt werden, könnten mehr als 200 Lehrkräfte ihre Anstellung an christlichen Schulen in Jerusalem verlieren.

Bereits im Juli 2025 hatte der Bildungsausschuss der Knesset einen Gesetzentwurf verabschiedet, der vorsieht, Abschlüsse aus dem Westjordanland nicht mehr für den Schuldienst in Israel und Ostjerusalem anzuerkennen. Nach Darstellung der israelischen Behörden entsprechen diese Abschlüsse nicht den geforderten akademischen Standards. Schon zu Beginn des laufenden Schuljahres erhielten zahlreiche Lehrkräfte keine Genehmigung mehr.
Mit dem Schreiben vom 10. März 2026 hat sich die Situation weiter zugespitzt: Die Schulen wurden aufgefordert, künftig ausschließlich Lehrkräfte einzustellen, die in Jerusalem leben und über von Israel ausgestellte Qualifikationen verfügen. In der Praxis bedeutet dies, dass palästinensische Lehrer aus dem Westjordanland mit sogenannter „Green Card“ nicht mehr beschäftigt werden können.
Ein Vertreter des Generalsekretariats der christlichen Schulen im Heiligen Land, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, warnte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT vor weitreichenden Folgen: „Diese Entscheidung könnte unsere Schulen in eine sehr schwierige Lage bringen und ihre Existenz gefährden.“

Die betroffenen Schulen haben eine lange Tradition und spielen eine wichtige Rolle für das Zusammenleben in Jerusalem und im gesamten Heiligen Land. Viele von ihnen wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet und stehen Kindern unterschiedlicher religiöser Herkunft offen.
Nach Angaben der Verantwortlichen arbeiten derzeit rund 230 Lehrkräfte aus dem Westjordanland an 15 christlichen Schulen in Jerusalem. Ihr Wegfall würde die Einrichtungen organisatorisch und pädagogisch erheblich belasten. „Im Durchschnitt wären etwa 15 Lehrer pro Schule betroffen“, sagte der Ansprechpartner für die christlichen Schulen. Zugleich gebe es in Jerusalem nicht ausreichend qualifizierte christliche Lehrkräfte, um diese Lücke kurzfristig zu schließen.
Neben den Schulen selbst hätte die Entwicklung auch soziale Folgen für die betroffenen Familien. Viele der Lehrer sichern mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen. Ein Verlust der Anstellung träfe sie in einer ohnehin angespannten Situation im Nahostkonflikt.

Die katholische Kirche sucht nach eigenen Angaben das Gespräch mit den zuständigen Stellen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wurden rechtliche Schritte eingeleitet, um die Situation zu klären. „Die Kirche wird die Betroffenen nicht alleinlassen“, betonte der Vertreter der Schulen. Ziel sei es, die Bildungsarbeit langfristig zu sichern und Perspektiven für die Lehrer und ihre Familien zu erhalten.
KIRCHE IN NOT verfolgt die Entwicklung aufmerksam und steht in engem Kontakt mit der Ortskirche. Neben der Unterstützung konkreter Hilfsmaßnahmen gehe es auch darum, auf die Situation der Christen im Heiligen Land aufmerksam zu machen und ihre Präsenz langfristig zu stärken.
Die anhaltenden Angriffe im Libanon treffen nach Einschätzung eines Ortsbischofs nicht mehr nur militärische Ziele, sondern die gesamte Bevölkerung. „Das ist kein gerechter Krieg, es ist eine Niederlage für uns alle“, sagte der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros KIRCHE IN NOT (ACN). Boutros ist seit 2022 Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia.
Aus Beirut berichtete der 43-jährige von einer zunehmend katastrophalen Lage im Land. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen. So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels – eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. „Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall“, erklärte der Bischof.

Mit Interesse registriert Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze. „Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders.“ Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, sagte Boutros.
Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel. „Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von hunderten von Dörfern“, sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlinge im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.

Die humanitäre Lage verschärfe sich dramatisch, so der Bischof. Die Kirche im Libanon spiele eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: „Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet.“ Gleichzeitig stoßen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Die Bedürfnisse seien vielfältig und reichten von Treibstoff für Generatoren über Lebensmittel bis hin zu psycho-spiritueller Begleitung.
Besonders schwierig sei die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. „Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen“, erklärte Boutros.
KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche im Libanon seit Jahrzehnten und hat seine Hilfe angesichts der aktuellen Krise weiter verstärkt. Bischof Boutros dankte ausdrücklich für diese Unterstützung: „Aus dem Libanon danken wir Ihnen für alles, was Sie für unsere Kinder, Familien und besonders für die Vertriebenen tun.“ Zugleich richtete er einen dringenden Appell an das Ausland: „Wir brauchen noch mehr Hilfe. Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel.“
Angesichts der jüngsten Eskalation im Libanon intensiviert KIRCHE IN NOT seine Hilfe vor Ort deutlich. Im Zentrum stehen derzeit der Aufbau medizinischer Versorgungsstrukturen, die Unterstützung von Vertriebenen sowie konkrete Hilfsprojekte für besonders betroffene Regionen.
Ein Schwerpunkt ist der Aufbau neuer medizinischer Anlaufstellen im umkämpften Süden des Landes. Gemeinsam mit der maronitisch-katholischen Kirche plant KIRCHE IN NOT die Einrichtung eines medizinischen Versorgungszentrums, unter anderem in der Region Qlayaa, wo entsprechende Strukturen bereits vorhanden sind. Qlayaa liegt wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt und ist ein überwiegend christlich geprägtes Dorf. Der am 9. März bei einem Bombenangriff getötete Priester Pfarrer Pierre al-Raï war dort Pfarrer.
In Qlayaa stehen Freiwillige bereit, auch medizinisches Personal ist verfügbar – es fehlt jedoch an Medikamenten, Ausrüstung und finanzieller Absicherung. Genau hier setzt die Hilfe von KIRCHE IN NOT an: Das Hilfswerk will Gehälter für Ärzte finanzieren sowie notwendige Medikamente und Ausstattung bereitstellen. Hintergrund ist eine dramatische Erfahrung der vergangenen Wochen: Verwundete sind gestorben, weil eine schnelle medizinische Versorgung nicht möglich war.

Parallel dazu hat KIRCHE IN NOT neue Nothilfeprojekte für Vertriebene auf den Weg gebracht. In der maronitischen Diözese (Eparchie) Sidon im Südwesten des Libanon sollen rund 1500 Binnenvertriebene mit Lebensmitteln und grundlegenden Gütern versorgt werden.
Ein weiteres Projekt in der Region Baalbek in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Landes richtet sich an bis zu 8000 Menschen, die aufgrund der Kämpfe ihre Heimat verlassen mussten. Beide Initiativen werden gemeinsam mit lokalen kirchlichen Partnern umgesetzt und befinden sich derzeit in der finalen Abstimmung.
Die Hilfe erfolgt über ein weit verzweigtes Netzwerk kirchlicher Einrichtungen: Pfarren, Diözesaneinrichtungen und Klöster nehmen Vertriebene auf und organisieren Versorgung und Unterkünfte. Viele Menschen leben derzeit in kirchlichen Gebäuden, bei Gastfamilien oder in angemieteten Wohnungen. Die Kirche hilft ausdrücklich allen Bedürftigen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Die Versorgungslage im Libanon entwickelt sich ebenfalls dramatisch. Neben der Lebensmittelversorgung rückt aktuell ein weiteres Problem in den Fokus: der Mangel an Treibstoff. Aufgrund der anhaltenden Stromausfälle sind viele Einrichtungen auf Generatoren angewiesen. KIRCHE IN NOT bereitet sich darauf vor, auch diesen Bereich verstärkt zu unterstützen.
Neben der unmittelbaren Nothilfe reagiert KIRCHE IN NOT auch auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Familien. Ein weiteres geplantes Projekt sieht vor, Pakete mit Bibeln und Spielen zu verteilen. Sie sollen Kindern helfen, die Erlebnisse von Flucht und Gewalt besser zu verarbeiten und Familien in der Ausnahmesituation Halt geben.
Die aktuellen Maßnahmen bauen auf der langjährigen Hilfe des Hilfswerks im Libanon auf. Bereits bei der Eskalation im Jahr 2024 infolge des Gazakriegs stellte KIRCHE IN NOT mehr als vier Millionen Euro für 72 Projekte bereit – darunter Hilfen für Schulen, Lebensmittelversorgung, medizinische Betreuung und Traumabegleitung. Angesichts der aktuellen Entwicklung rechnen die Partner vor Ort nun mit einem deutlich höheren Bedarf.

Charakteristisch für die Arbeit von KIRCHE IN NOT ist der langfristige Ansatz. „Unsere große Stärke ist, dass wir bleiben“, betonen die Verantwortlichen. Viele laufende Projekte – etwa die Unterstützung katholischer Schulen oder pastorale Angebote mit psychologischer Begleitung – haben bereits einen ausgeprägten Notfallcharakter und werden auch in der aktuellen Situation fortgeführt.
Die Lage im Libanon bleibt unterdessen angespannt. Vertriebene sind im ganzen Land verteilt, die Zahl der Hilfsbedürftigen verändert sich ständig. Umso wichtiger ist die enge Abstimmung mit lokalen Partnern und anderen Hilfsorganisationen. Klar ist jedoch: Die Kirche bleibt für viele Menschen ein zentraler Anlaufpunkt – und KIRCHE IN NOT unterstützt sie dabei, diese Rolle auch unter erschwerten Bedingungen wahrzunehmen.