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Die Christen im israelisch-libanesischen Grenzgebiet leben in der Angst, ihre Heimat dauerhaft zu verlieren. Darauf hat der melkitische griechisch-katholische Priester Charles Nadaf aus der Ortschaft Yaroun im Gespräch mit KIRCHE IN NOT  hingewiesen. Die vereinbarte Waffenruhe sei brüchig; Monate von Kämpfen und Zerstörungen hätten viele Menschen zur Flucht gezwungen.
Auch das Dach der melkitischen griechisch-katholischen Kirche in Yaroun wurde bei den Angriffen beschädigt. © Melkitische griechisch-katholische Diözese von Tyros

Kirchliche Einrichtungen zerstört, Christen vertrieben

„Unser Grenzort Yaroun ist heute zutiefst verwundet“, sagte Nadaf, Pfarrer der melkitischen Gemeinde St. Georg in Yaroun. Anfang Mai seien der Pfarrsaal, der zuletzt als Notkirche diente, das Jugendzentrum der Pfarre sowie das Kloster der griechisch-katholischen Salvatorianerinnen mitsamt ihrer Schule zerstört worden. Eine vollständige Schadensaufnahme sei derzeit nicht möglich, da der Zugang zum Dorf weiterhin gefährlich sei. „Zweifellos ist dies eine der größten Katastrophen, die unser Dorf je erlebt hat“, erklärte Nadaf.

Der Ort Yaroun liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus schiitischen Muslimen; zugleich gibt es dort seit Jahrhunderten eine christliche Gemeinde. Seit Beginn der Kämpfe im Oktober 2023 gehört Yaroun zu den besonders betroffenen Orten im Südlibanon. Bereits kurz nach Beginn der Auseinandersetzungen mussten sämtliche Bewohner flüchten. Kirchen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude wurden schwer beschädigt oder zerstört. Zwischenzeitlich waren einige christliche Familien nach Yaroun zurückgekehrt. Sie hatten versucht, beschädigte Häuser notdürftig zu reparieren und das Gemeindeleben wieder aufzunehmen.

Vertriebene Christin aus dem Südlibanon erhält ein Lebensmittelpaket, das von KIRCHE IN NOT finanziert wurde.

Ihre Spende hilft vertriebenen Familien und notleidenden Christen

„Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht“

Doch mit der erneuten Eskalation Anfang 2026 seien sämtliche Hoffnungen auf eine dauerhafte Rückkehr erneut zerstört worden. „Seit Beginn des Krieges leben die Familien im Exil, geprägt von Ungewissheit und großer Hilflosigkeit“, sagte Pfarrer Nadaf. Viele Vertriebene seien inzwischen in andere Orte des Südlibanon oder in den Norden des Landes geflohen.

Besonders besorgt zeigte sich der Priester, was die Zukunft der Christen in der Region angeht. „Die vertriebenen Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht. Sie bitten nur darum, in ihre Häuser zurückkehren zu dürfen, in Frieden mit allen zu leben und im Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“, betonte er. Neben humanitärer Hilfe brauche es vor allem Sicherheit und Perspektiven, damit die verbliebenen Christen nicht endgültig aus der Region gedrängt würden.

„Kirche in Not“ unterstützt christliche Gemeinden im Libanon unter anderem mit Nothilfe, Seelsorgeprojekten sowie Hilfen für Ordensgemeinschaften und kirchliche Schulen. Der Libanon leidet seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise; die jüngsten Kämpfe im Süden des Landes haben die Lage vieler Familien zusätzlich verschärft.

Der neu gewählte Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Paul III. Nona, hat die internationale Gemeinschaft vor einer weiteren Eskalation der Konflikte im Nahen Osten gewarnt. In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT appellierte das Oberhaupt der größten katholischen Kirche des Irak an die Staatengemeinschaft, den Menschen der Region endlich eine Zukunft in Frieden zu ermöglichen.

„Wir können nicht akzeptieren, dass Jahr für Jahr in diesem oder jenem Land ein neuer Krieg ausbricht“, sagte der Patriarch.  Die Sehnsucht nach Frieden sei groß. Was die Menschen im Nahen Osten von der internationalen Gemeinschaft forderten, sei „im Grunde einfach: Respekt – Respekt vor unseren Völkern und vor unserer Souveränität“.

Nur so könne verhindert werden, dass der Nahe Osten dauerhaft zum Schauplatz geopolitischer Konflikte werde. „Wir möchten unseren jungen Menschen in die Augen schauen und ihnen sagen: ,Ihr habt eine Zukunft.‘ Doch dafür muss die Welt aufhören, unser Land in ein ständiges Schlachtfeld zu verwandeln“, erklärte Nona.

Der 58-jährige Patriarch, bürgerlich Amel Shamon Nona, wird am 29. Mai in der St.-Joseph-Kathedrale in der irakischen Hauptstadt Bagdad in sein Amt eingeführt. Sein Amtsantritt fällt in eine Zeit großer Unsicherheit im Nahen Osten. Viele Menschen in der Region leiden weiterhin unter den Folgen jahrelanger Kriege, wirtschaftlicher Krisen und politischer Spannungen – vom Irak und Syrien bis hin zum Heiligen Land und dem Libanon.

KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt Studentinnen und Studenten der Katholischen Universität Erbil (Irak).

Irakische Christen haben „gelitten, und dennoch ihren Glauben bewahrt“

Nona kennt die Auswirkungen von Krieg und Vertreibung aus persönlicher Erfahrung. Als Erzbischof von Mossul erlebte er den Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Jahr 2014 unmittelbar mit. Während der Besetzung der Stadt mussten hunderttausende Christen und andere Minderheiten aus ihrer Heimat fliehen. Auch seine eigene Gemeinde wurde vollständig vertrieben.

Rückblickend sprach der Patriarch von einer „sehr schwierigen, aber auch prägenden Zeit“. Gleichzeitig habe ihn diese Zeit gelehrt, wie tief der christliche Glaube vieler Menschen im Irak verwurzelt sei. „Trotz allem haben die Menschen ihre Hoffnung bewahrt“, sagte Nona. Gerade das Leiden habe den Glauben vieler Christen vertieft. Das Zeugnis der Christen im Irak bestehe darin, „unermesslich gelitten und dennoch einen tiefen, unerschütterlichen Glauben bewahrt“ zu haben.

Als Leitwort für sein Patriarchat wählte Paul III. Nona die Worte Jesu aus dem Markusevangelium: „Fürchte dich nicht! Glaube nur!“ (Mk 5,36). Die größte Herausforderung der Gegenwart sei für viele Menschen die Angst vor der Zukunft, vor Krieg und davor, die eigene Lebensweise zu verlieren. „Aber wenn wir unseren Glauben so leben, wie der Herr es von uns will, können wir mit diesen Ängsten leben und dennoch voller Glauben bleiben“, sagte der Patriarch.

August 2014: Damals wurden tausende Christen aus ihrer Heimat in der Ninive-Ebene vertrieben. Sie flohen nach Erbil und kampierten dort unter freiem Himmel (Foto: ankawa.com). Dese schreckliche Zeit des IS-Terrors hat der neue chaldäische Patriarch miterlebt.

„KIRCHE IN NOT hat den Christen in den Jahren des IS-Terrors beigestanden“

Dankbar äußerte sich der neue Patriarch über die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT. Während der schwersten Jahre des IS-Terrors und des Wiederaufbaus habe das Hilfswerk den Christen beigestanden, „als andere es nicht konnten“. Für die Zukunft hoffe er besonders auf Unterstützung im Bereich Bildung und Ausbildung. „Wenn wir eine gebildete Generation haben, die ihren Glauben versteht, ist das die beste Grundlage dafür, dass unser Volk bleibt und gedeiht“, erklärte Nona.

Die chaldäisch-katholische Kirche ist die größte katholische Kirche des Irak und gehört zu den mit Rom verbundenen Ostkirchen. Ihr gehören etwa eine halbe Million Gläubige an, von denen viele im Ausland leben. Patriarch Paul III. Nona wurde 1967 im Nordirak geboren und 1991 zum Priester geweiht. Von 2010 bis 2014 war er Erzbischof von Mossul. Nach der Vertreibung durch den „Islamischen Staat“ leitete er die chaldäische Kirche in Australien.

Aufräumarbeiten vor einer Kirche in der irakischen Ninive-Ebene (Archivbild).

Unterstützen Sie notleidende Christen im Nahen Osten

Die Diözese Mendi liegt im zerklüfteten Hochland von Papua-Neuguinea – 31 Pfarren, über 300 Außenstationen, verbunden durch Bergstraßen, die selbst robuste Fahrzeuge auf eine harte Probe stellen. Mitten in dieser Landschaft liegt die Pfarre St. Joseph in Margarima, die größte der Diözese: 17 weit verstreute Außenstationen, für die ein einziger Priester zuständig ist.

Pfarrer George Mathew war lange Zeit mit einem ernsthaften Problem konfrontiert: Sein alter Wagen hatte bereits mehr als 270.000 Kilometer hinter sich – und machte immer öfter schlapp. Pannen häuften sich, Reparaturkosten stiegen, und was noch schwerer wog: Der Priester konnte seinen Gläubigen nicht mehr regelmäßig begegnen. Der Mechaniker war deutlich – das Fahrzeug müsse so bald wie möglich ersetzt werden. Doch das Geld dafür fehlte.

A priest blessing the new car at St. Joseph Parish.
PAPUA-NEW GUINEA / MENDI 24/00032
Vehicle (Toyota Land Cruiser) for St. Joseph Parish, Margarima, Hela Province
Bischof Donald Francis Lippert wandte sich mit einer Bitte an KIRCHE IN NOT – und wurde gehört. Dank der Großzügigkeit unserer Spenderinnen und Spender kamen 26.000 Euro zusammen. Genug für ein geländegängiges Fahrzeug, das den rauen Straßenverhältnissen im Hochland von Papua-Neuguinea gewachsen ist. Pfarrer Mathew ist damit wieder unterwegs – zu jeder Außenstation, zu jedem Menschen, der auf ihn wartet.

- Bischof Donald Francis Lippert, Diözese Mendi

Der Bischof bringt es auf den Punkt: Auf jedem dieser Wege durch das Hochland begleiten Sie – als Wohltäterinnen und Wohltäter von KIRCHE IN NOT – Pfarrer Mathew durch Ihre Solidarität und Ihr Gebet. Jede Spende hat dazu beigetragen, dass die Kirche in einer der herausforderndsten Regionen der Welt präsent bleibt.

Ihre Güte fährt nun mit Pater George über steinige Straßen und durch abgelegene Täler. Ihre Treue hilft ihm, Menschen zu erreichen, die inmitten von Unsicherheit, Armut und Gewalt die Nähe Gottes besonders brauchen.

Dafür danken wir Ihnen von Herzen.

Sie haben nicht nur ein Auto mitfinanziert. Sie haben Wege geöffnet. Sie haben Begegnung ermöglicht. Sie haben dazu beigetragen, dass die Kirche in Hela weiterhin ein Lichtblick bleibt.

Vergelt’s Gott für Ihre Großzügigkeit, Ihr Gebet und Ihre liebevolle Verbundenheit mit unseren Brüdern und Schwestern in Papua-Neuguinea.

Jerusalem. Bethlehem. Nazareth. Diese Namen berühren das Innerste eines jeden Christen. Doch die Wirklichkeit, die Benediktinerabt Nikodemus Schnabel in einer bewegenden Ansprache vor Vertretern von KIRCHE IN NOT gezeichnet hat, erschüttert tief.

„Wenn Sie glauben, dies sei ein Eldorado des Christentums, dann sieht die Realität anders aus”, sagte Abt Schnabel. Alle Christen zusammen machen heute weniger als 2 % der Bevölkerung im Heiligen Land aus. Zum Vergleich: Selbst in den am stärksten säkularisierten Regionen Europas – etwa der Tschechischen Republik – gibt es um ein Vielfaches mehr Christen.

Der Ort, an dem unser Glaube seinen Ursprung hat, droht seine letzten einheimischen Christen zu verlieren.

„Ein christliches Disneyland” – Heilige Stätten ohne gläubige Familien

Was Abt Schnabel befürchtet, ist ein Szenario, das kaum auszudenken ist: Kirchen, Klöster und heilige Stätten bleiben erhalten – aber die lebendigen Gemeinden dahinter verschwinden.

„Meine Sorge ist, dass das Heilige Land zu einer Art ‚christlichem Disneyland’ werden könnte. Die heiligen Stätten werden bleiben, mit Mönchen und Priestern. Aber es könnte keine christlichen Familien mehr geben, keine jungen Christen, kein reguläres christliches Leben.”

Kein Weihnachtsfest, das in Bethlehem von einheimischen Gläubigen gefeiert wird. Kein Osterjubel einheimischer Christen in Jerusalem. Nur Pilger – und Stille.

Krieg, Armut und Hoffnungslosigkeit treiben Menschen weg

Rund 60 % der arabischsprachigen Christen leben vom Tourismus. Das letzte gute Jahr war 2019. Seither haben Pandemie, Konflikte und Instabilität den Pilger- und Tourismusstrom dramatisch einbrechen lassen. Viele Familien stehen ohne Einkommen da. Um dieser Not entgegenzuwirken, hilft KIRCHE IN NOT beispielsweise christlichen Familien in Bethlehem, die diese schönen Olivenholzrosenkränze herstellen. Diese und andere Olivenholzprodukte finden Sie hier auf unserer Webseite.

„Die Menschen gehen weg, weil sie keine Zukunft sehen”, sagt Schnabel. Und sie fühlen sich dabei von niemandem wirklich wahrgenommen. „Sie haben oft das Gefühl, dass es keine Rolle spielt, ob sie da sind oder nicht.”

Besonders dramatisch ist die Lage im Gazastreifen, wo eine kleine christliche Gemeinschaft unter einer, wie Abt Schnabel sagt, „doppelten Besatzung” lebt: dem äußeren Druck von Krieg und Blockade – und der inneren Unterdrückung durch das Hamas-Regime.

Christliche Arbeitsmigranten bei einer Prozession in Jaffa/Israel © Kirche in Not/Ilona Budzbon

Helfen Sie notleidenden Christen im Heiligen Land

Die unsichtbaren Christen

Besonders betroffen sind auch christliche Migranten und Asylsuchende. Viele von ihnen arbeiten in der Pflege, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft. Sie beten, dienen, kümmern sich – und bleiben doch oft unsichtbar.

Abt Nikodemus spricht von eingezogenen Pässen, eingeschränkter Freiheit, Familientrennung und Bedingungen, die er als eine Form moderner “Sklaverei” beschreibt.

Besonders erschütternd: Frauen, die Ja zum Leben sagen und sich gegen eine Abtreibung entscheiden, können dadurch mit ihren Kindern in eine irreguläre Situation geraten.

Angriffe, Vandalismus, Hass – die unsichtbare Verfolgung

In einem der erschütterndsten Teile seiner Ansprache sprach Abt Schnabel offen über wachsende Feindseligkeit gegenüber Christen von Seiten extremistischer Gruppen: Anspucken auf offener Straße, Vandalismus, Brandstiftung, Schändung von Heiligtümern, Hassgraffiti.

„Dieses Phänomen kann nicht länger als marginal abgetan werden”, betonte er. Und doch – mitten in all dem Schmerz – leuchtet etwas auf, das uns den Atem verschlägt.

Pater Nikodemus Schnabel, Benediktinerabt der Dormitio-Abtei in Jerusalem

Christen, die bleiben – sogar in Todesgefahr

Am 7. Oktober 2023, als der Terror über Israel hereinbrach, weigerten sich christliche Pflegekräfte aus dem Ausland, die ihnen anvertrauten alten Menschen zu verlassen. Sie blieben. Und sie starben.

„Sie weigerten sich zu fliehen”, berichtete Abt Schnabel mit sichtbarer Bewegtheit. „Sie blieben bei denen, die ihnen anvertraut worden waren.” Für ihn ist ihr Zeugnis ein zutiefst christliches – die stille Größe des Evangeliums gelebt bis zum Ende.

Was wir tun können – und müssen

Abt Schnabels Appell war klar: Damit christliche Familien im Heiligen Land bleiben können, braucht es Wohnraum und Arbeitsplätze. Ohne konkrete Zukunftsperspektive werden die Gemeinschaften weiter verschwinden. Durch Ihre Großzügigkeit und vieler weiterer Wohltäter können wir Christen und die Kirche vor Ort unterstützen.

Aber er bat auch um etwas, das jeder von uns geben kann: „Betet, dass es im Heiligen Land eine Zukunft für Christen gibt.”

Denn ohne lebendige christliche Gemeinden in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth drohen die heiligsten Orte der Welt zu leeren Symbolen zu werden – zu einem Erbe ohne Zeugen.

Lassen Sie uns diese Christen nicht vergessen. Mit Ihren Gebeten, Ihrer Solidarität und Ihrer Unterstützung können Sie dazu beitragen, dass das Heilige Land nicht verstummt.

Wenn Sie können, helfen Sie bitte heute auch mit Ihrer Spende, dass Christen im Heiligen Land bleiben können. Ihre Großzügigkeit schenkt Familien neue Hoffnung, stärkt die Kirche vor Ort und zeigt unseren Brüdern und Schwestern: Ihr seid nicht vergessen. Hier können Sie für Christen im Heiligen Land spenden. Vergelt’s Gott!

KIRCHE IN NOT hat die Zerstörung einer Christusstatue im Süden des Libanon scharf verurteilt. Auslöser sind Bilder, die in den vergangenen Tagen verbreitet wurden und nach Angaben der israelischen Armee authentisch sind.

Wie die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) in öffentlichen Erklärungen vom 19. und 20. April 2026 mitteilten, zeigen die Aufnahmen einen Soldaten der eigenen Streitkräfte im Süden des Libanon. Die Armee erklärte, sie nehme den Vorfall sehr ernst. Das Verhalten des Soldaten widerspreche den Werten und Verhaltensmaßstäben, die für Angehörige der Streitkräfte gelten.

Zu möglichen disziplinarischen Konsequenzen wurden bislang keine weiteren Einzelheiten bekannt. Nach Angaben der Armee wird der Fall derzeit innerhalb der militärischen Befehlskette untersucht. Zugleich kündigten die Streitkräfte an, die örtliche christliche Gemeinschaft bei der Wiederherstellung der beschädigten Statue zu unterstützen.

Dieser Screenshot von X/Twitter zeigt einen mutmaßlichen Vorfall, bei dem ein IDF-Soldat am 19. April 2026 im Süden des Libanon dabei zu sehen ist, wie er eine Jesusstatue zerstört. Foto: Screenshot/X

KIRCHE IN NOT zeigt sich tief betroffen

KIRCHE IN NOT zeigt sich tief betroffen über die Schändung eines heiligen christlichen Symbols. Das Hilfswerk verurteilte die Tat mit Nachdruck und erklärte seine volle Solidarität mit den Christen im Libanon, die seit Jahren unter Unsicherheit und Instabilität leiden.

Zugleich betonte KIRCHE IN NOT, dass der Respekt vor religiösen Symbolen und Kultstätten ein grundlegendes Prinzip sei – auch und gerade in Zeiten bewaffneter Konflikte. Nichts könne Handlungen rechtfertigen, die die religiöse Würde von Gemeinschaften verletzten oder Missachtung gegenüber dem ausdrückten, was ihnen heilig sei.

Das Hilfswerk begrüßte, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei und erste Schritte zur Aufarbeitung sowie zur Wiederherstellung angekündigt wurden. Solche Maßnahmen seien wichtig, um Respekt zu sichern und ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern. Entscheidend werde sein, dass sie transparent und glaubwürdig umgesetzt würden.

KIRCHE IN NOT bekräftigte außerdem, weiterhin an der Seite bedrängter Christen zu stehen und überall dort geistliche und konkrete Hilfe zu leisten, wo Glaube, Würde und Religionsfreiheit bedroht seien.

Abschließend rief das Hilfswerk zum Gebet für die christlichen Gemeinschaften im Libanon und in der gesamten Region auf. Zugleich erneuerte es seine Forderung nach dem Schutz der Religionsfreiheit und nach Achtung dessen, was Gläubigen jeder Tradition heilig ist.

Vor einiger Zeit hatten wir einen Hilferuf aus Indonesien weitergeleitet. Die Gläubigen in Golo Popa auf der Insel Flores hatten kein Gotteshaus und mussten sich sonntags in der Dorfschule zur Heiligen Messe versammeln. Obwohl dies nur eine provisorische Lösung war, kamen viele Gläubige. An den Werktagen, an denen Unterricht in der Schule stattfindet, hatten sie hingegen gar keinen Raum für das Gebet und für Gottesdienste, für Taufen, Trauungen oder andere kirchliche Aktivitäten.

Pfarrer Ferdinandus Tahul berichtete uns damals, dass die Gläubigen, die selbst arm sind, große Anstrengungen unternahmen, um das Geld für ein Gotteshaus aufzubringen. Schon jahrelang hatten sie Geld und Material gesammelt, aber die Mittel reichten nicht aus. Es war ihnen aber wichtig, eine würdige Kapelle zu haben, um Gott die Ehre erweisen zu können: „Die Leute leben ihren katholischen Glauben mit großer Freude. Der Glaube ist sehr lebendig.“, teilte er uns mit und bat uns um Hilfe.

Dank der großzügigen Hilfe unserer Wohltäter konnte die neue Kapelle bereits eingeweiht werden.

Wir sehen, dass die Menschen stärker am Leben der Kirche teilnehmen.

Seine Bitte fand in Ihren Herzen ein Echo, und es kamen 28.000 Euro zusammen. Dank dieser Hilfe konnte die neue Kapelle bereits eingeweiht werden. Der Pfarrer schreibt uns voller Freude:

„Der Bau wurde dank des Engagements der Gläubigen und der großzügigen Hilfe von KIRCHE IN NOT fertiggestellt. Die Gläubigen haben fleißig mitgearbeitet, und auch die Frauen haben sich an den Bauarbeiten beteiligt. Jetzt kann die Gemeinde die Gottesdienste in der neuen Kapelle feiern, und wir haben auch schon zum ersten Mal dort Weihnachten feiern können. Wir sehen, dass die Menschen stärker am Leben der Kirche teilnehmen und dass mehr Leute in die Kirche kommen. Besten Dank für Ihre großzügige Hilfe und ich wünsche Ihnen Gottes reichen Segen!“

Die Zukunft christlicher Schulen in Jerusalem steht nach Einschätzung von Verantwortlichen der Ortskirche vor großen Herausforderungen.

Diese teilten ihre Befürchtungen dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ mit. Hintergrund ist eine Entscheidung des israelischen Bildungsministeriums, wonach für das Schuljahr 2026/27 keine Arbeitsgenehmigungen mehr für palästinensische Lehrkräfte aus dem Westjordanland ausgestellt werden sollen.

Betroffen sind insbesondere Lehrer mit einer „Green Card“, die bislang unter bestimmten Bedingungen in von Israel kontrollierten Gebieten arbeiten konnten. Sollte die Regelung umgesetzt werden, könnten mehr als 200 Lehrkräfte ihre Anstellung an christlichen Schulen in Jerusalem verlieren.

Schüler einer christlichen Grundschule in Ostjerusalem (Archivbild). © KIRCHE IN NOT

Konflikt um Arbeitserlaubnisse spitzt sich zu

Bereits im Juli 2025 hatte der Bildungsausschuss der Knesset einen Gesetzentwurf verabschiedet, der vorsieht, Abschlüsse aus dem Westjordanland nicht mehr für den Schuldienst in Israel und Ostjerusalem anzuerkennen. Nach Darstellung der israelischen Behörden entsprechen diese Abschlüsse nicht den geforderten akademischen Standards. Schon zu Beginn des laufenden Schuljahres erhielten zahlreiche Lehrkräfte keine Genehmigung mehr.

Mit dem Schreiben vom 10. März 2026 hat sich die Situation weiter zugespitzt: Die Schulen wurden aufgefordert, künftig ausschließlich Lehrkräfte einzustellen, die in Jerusalem leben und über von Israel ausgestellte Qualifikationen verfügen. In der Praxis bedeutet dies, dass palästinensische Lehrer aus dem Westjordanland mit sogenannter „Green Card“ nicht mehr beschäftigt werden können.

Ein Vertreter des Generalsekretariats der christlichen Schulen im Heiligen Land, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, warnte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT vor weitreichenden Folgen: „Diese Entscheidung könnte unsere Schulen in eine sehr schwierige Lage bringen und ihre Existenz gefährden.“

Unterricht an einer christlichen Schule in Jerusalem. © Generalsekretariat christlicher Schulen im Heiligen Land

Unterstützen Sie notleidende Christen im Heiligen Land mit Ihrer Spende

Lehrerlücke lässt sich nicht kurzfristig schließen

Die betroffenen Schulen haben eine lange Tradition und spielen eine wichtige Rolle für das Zusammenleben in Jerusalem und im gesamten Heiligen Land. Viele von ihnen wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet und stehen Kindern unterschiedlicher religiöser Herkunft offen.

Nach Angaben der Verantwortlichen arbeiten derzeit rund 230 Lehrkräfte aus dem Westjordanland an 15 christlichen Schulen in Jerusalem. Ihr Wegfall würde die Einrichtungen organisatorisch und pädagogisch erheblich belasten. „Im Durchschnitt wären etwa 15 Lehrer pro Schule betroffen“, sagte der Ansprechpartner für die christlichen Schulen. Zugleich gebe es in Jerusalem nicht ausreichend qualifizierte christliche Lehrkräfte, um diese Lücke kurzfristig zu schließen.

Neben den Schulen selbst hätte die Entwicklung auch soziale Folgen für die betroffenen Familien. Viele der Lehrer sichern mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen. Ein Verlust der Anstellung träfe sie in einer ohnehin angespannten Situation im Nahostkonflikt.

Kirche setzt auf Dialog

Die katholische Kirche sucht nach eigenen Angaben das Gespräch mit den zuständigen Stellen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wurden rechtliche Schritte eingeleitet, um die Situation zu klären. „Die Kirche wird die Betroffenen nicht alleinlassen“, betonte der Vertreter der Schulen. Ziel sei es, die Bildungsarbeit langfristig zu sichern und Perspektiven für die Lehrer und ihre Familien zu erhalten.

KIRCHE IN NOT verfolgt die Entwicklung aufmerksam und steht in engem Kontakt mit der Ortskirche. Neben der Unterstützung konkreter Hilfsmaßnahmen gehe es auch darum, auf die Situation der Christen im Heiligen Land aufmerksam zu machen und ihre Präsenz langfristig zu stärken.

Die anhaltenden Angriffe im Libanon treffen nach Einschätzung eines Ortsbischofs nicht mehr nur militärische Ziele, sondern die gesamte Bevölkerung. „Das ist kein gerechter Krieg, es ist eine Niederlage für uns alle“, sagte der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros KIRCHE IN NOT (ACN). Boutros ist seit 2022 Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia.

Aus Beirut berichtete der 43-jährige von einer zunehmend katastrophalen Lage im Land. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen. So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels – eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. „Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall“, erklärte der Bischof.

Jules Boutros, Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia mit Sitz in Beirut. © KIRCHE IN NOT

Umdenken in Sachen Hisbollah?

Mit Interesse registriert Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze. „Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders.“ Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, sagte Boutros.

Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel. „Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von hunderten von Dörfern“, sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlinge im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.

Suppenküche für Binnenvertriebene im Nordlibanon (Archivbild). © KIRCHE IN NOT

Bischof Jules Boutros: „Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel“

„Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel“

Die humanitäre Lage verschärfe sich dramatisch, so der Bischof. Die Kirche im Libanon spiele eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: „Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet.“ Gleichzeitig stoßen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Die Bedürfnisse seien vielfältig und reichten von Treibstoff für Generatoren über Lebensmittel bis hin zu psycho-spiritueller Begleitung.

Besonders schwierig sei die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. „Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen“, erklärte Boutros.

KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche im Libanon seit Jahrzehnten und hat seine Hilfe angesichts der aktuellen Krise weiter verstärkt. Bischof Boutros dankte ausdrücklich für diese Unterstützung: „Aus dem Libanon danken wir Ihnen für alles, was Sie für unsere Kinder, Familien und besonders für die Vertriebenen tun.“ Zugleich richtete er einen dringenden Appell an das Ausland: „Wir brauchen noch mehr Hilfe. Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel.“

Angesichts der jüngsten Eskalation im Libanon intensiviert KIRCHE IN NOT seine Hilfe vor Ort deutlich. Im Zentrum stehen derzeit der Aufbau medizinischer Versorgungsstrukturen, die Unterstützung von Vertriebenen sowie konkrete Hilfsprojekte für besonders betroffene Regionen.

Ein Schwerpunkt ist der Aufbau neuer medizinischer Anlaufstellen im umkämpften Süden des Landes. Gemeinsam mit der maronitisch-katholischen Kirche plant KIRCHE IN NOT die Einrichtung eines medizinischen Versorgungszentrums, unter anderem in der Region Qlayaa, wo entsprechende Strukturen bereits vorhanden sind. Qlayaa liegt wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt und ist ein überwiegend christlich geprägtes Dorf. Der am 9. März bei einem Bombenangriff getötete Priester Pfarrer Pierre al-Raï war dort Pfarrer.

In Qlayaa stehen Freiwillige bereit, auch medizinisches Personal ist verfügbar – es fehlt jedoch an Medikamenten, Ausrüstung und finanzieller Absicherung. Genau hier setzt die Hilfe von KIRCHE IN NOT an: Das Hilfswerk will Gehälter für Ärzte finanzieren sowie notwendige Medikamente und Ausstattung bereitstellen. Hintergrund ist eine dramatische Erfahrung der vergangenen Wochen: Verwundete sind gestorben, weil eine schnelle medizinische Versorgung nicht möglich war.

Beisetzung des getöteten Priesters Pierre al-Raï in Qlayaa. © L’Oeuvre d’Orient

Sie bringen lebenswichtige Hilfe zu Familien im Libanon mit Ihrer Spende:

Hilfe für verwundete Menschen dringend benötigt

Parallel dazu hat KIRCHE IN NOT neue Nothilfeprojekte für Vertriebene auf den Weg gebracht. In der maronitischen Diözese (Eparchie) Sidon im Südwesten des Libanon sollen rund 1500 Binnenvertriebene mit Lebensmitteln und grundlegenden Gütern versorgt werden.

Ein weiteres Projekt in der Region Baalbek in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Landes richtet sich an bis zu 8000 Menschen, die aufgrund der Kämpfe ihre Heimat verlassen mussten. Beide Initiativen werden gemeinsam mit lokalen kirchlichen Partnern umgesetzt und befinden sich derzeit in der finalen Abstimmung.

Die Hilfe erfolgt über ein weit verzweigtes Netzwerk kirchlicher Einrichtungen: Pfarren, Diözesaneinrichtungen und Klöster nehmen Vertriebene auf und organisieren Versorgung und Unterkünfte. Viele Menschen leben derzeit in kirchlichen Gebäuden, bei Gastfamilien oder in angemieteten Wohnungen. Die Kirche hilft ausdrücklich allen Bedürftigen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Ein Priester zeigt zerstörte Gebäude in in Alma Sha’b nahe der israelischen Grenze.

Hilfe für Flüchtlingskinder

Die Versorgungslage im Libanon entwickelt sich ebenfalls dramatisch. Neben der Lebensmittelversorgung rückt aktuell ein weiteres Problem in den Fokus: der Mangel an Treibstoff. Aufgrund der anhaltenden Stromausfälle sind viele Einrichtungen auf Generatoren angewiesen. KIRCHE IN NOT bereitet sich darauf vor, auch diesen Bereich verstärkt zu unterstützen.

Neben der unmittelbaren Nothilfe reagiert KIRCHE IN NOT auch auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Familien. Ein weiteres geplantes Projekt sieht vor, Pakete mit Bibeln und Spielen zu verteilen. Sie sollen Kindern helfen, die Erlebnisse von Flucht und Gewalt besser zu verarbeiten und Familien in der Ausnahmesituation Halt geben.

Die aktuellen Maßnahmen bauen auf der langjährigen Hilfe des Hilfswerks im Libanon auf. Bereits bei der Eskalation im Jahr 2024 infolge des Gazakriegs stellte KIRCHE IN NOT mehr als vier Millionen Euro für 72 Projekte bereit – darunter Hilfen für Schulen, Lebensmittelversorgung, medizinische Betreuung und Traumabegleitung. Angesichts der aktuellen Entwicklung rechnen die Partner vor Ort nun mit einem deutlich höheren Bedarf.

Menschen aus dem Süden Libanons haben in einer Pfarre Unterschlupf gefunden.

„Unsere Stärke ist, dass wir bleiben“

Charakteristisch für die Arbeit von KIRCHE IN NOT ist der langfristige Ansatz. „Unsere große Stärke ist, dass wir bleiben“, betonen die Verantwortlichen. Viele laufende Projekte – etwa die Unterstützung katholischer Schulen oder pastorale Angebote mit psychologischer Begleitung – haben bereits einen ausgeprägten Notfallcharakter und werden auch in der aktuellen Situation fortgeführt.

Die Lage im Libanon bleibt unterdessen angespannt. Vertriebene sind im ganzen Land verteilt, die Zahl der Hilfsbedürftigen verändert sich ständig. Umso wichtiger ist die enge Abstimmung mit lokalen Partnern und anderen Hilfsorganisationen. Klar ist jedoch: Die Kirche bleibt für viele Menschen ein zentraler Anlaufpunkt – und KIRCHE IN NOT unterstützt sie dabei, diese Rolle auch unter erschwerten Bedingungen wahrzunehmen.

Der neue Nahostkrieg hat auch für die christliche Minderheit im Heiligen Land schwerwiegende Auswirkungen; noch mehr Christen als bisher denken über Auswanderung nach. Dennoch sieht die Kirche ihre Aufgabe weiterhin darin, den Menschen inmitten der Krise Hoffnung und Würde zu schenken. Darauf hat George Akroush, Leiter des Büros für Projektentwicklung beim Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT hingewiesen.

Akroush befand sich in München, als der Krieg gegen den Iran begann. Sämtliche Flüge nach Israel waren gestrichen. Der Mitarbeiter des Patriarchats musste daher eine 32-stündige Rückreise antreten, die ihn über Griechenland, Ägypten und schließlich auf dem Landweg nach Jerusalem führte.

„Es war eine äußerst belastende und beängstigende Erfahrung“, berichtete Akroush. Zu Hause erwartete ihn seine Familie, die bereits seit drei Tagen unter ständigem Luftalarm lebte. „Ich versuche, vor den Kindern stark zu wirken und meine Angst nicht zu zeigen. Aber das war die schlimmste Erfahrung meines Lebens. So etwas haben wir noch nie erlebt“, stellte Akroush fest.

In Jerusalem und Umgebung besteht ständig die Gefahr durch Raketen oder durch Trümmer abgefangener Geschosse. Splitter gingen zuletzt sogar über der Altstadt von Jerusalem nieder, wo sich zahlreiche Kirchen, Klöster und andere wichtige christliche Einrichtungen befinden, darunter auch der Sitz des Lateinischen Patriarchats.

George Akroush, Leiter des Büros für Projektentwicklung beim Lateinischen Patriarchat von Jerusalem. © KIRCHE IN NOT

Unterstützen Sie notleidende Christen im Hl. Land

Ständige Gefahr durch Raketen und Geschosse

Eine Rakete, die die südisraelische Stadt Be’er Scheva traf, beschädigte mehrere Gebäude, darunter auch das Haus einer christlichen Familie. Weiter im Norden liegen die Regionen Haifa und Galiläa in Reichweite von Raketen proiranischer Milizen aus dem Südlibanon. Besonders bitter sei, dass sich auf beiden Seiten der Grenze christliche Dörfer befinden, sagte Akroush.

Der Krieg hat auch massive wirtschaftliche Folgen. So wurden die Kontrollpunkte zwischen dem Westjordanland und Israel erneut geschlossen. „Vor den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 hatten etwa 180 000 Menschen aus dem Westjordanland eine Arbeitserlaubnis in Israel. Danach sank diese Zahl auf 15 000. Jetzt haben auch diese Menschen ihre Arbeit verloren“, erklärte Akroush.

Auch im Gazastreifen hat sich die Lage weiter verschärft. Seit Beginn des neuen Krieges seien alle humanitären Hilfslieferungen gestoppt worden. „Seit dem 7. März ist keine einzige Lieferung mehr nach Gaza gelangt – keine Medikamente, kein Krankenhausmaterial, nicht einmal Antibiotika“, berichtete Akroush. Die Kirche bemühe sich weiterhin, das einzige christliche Krankenhaus dort zu unterstützen, doch derzeit seien die Kommunikationskanäle blockiert.

Weil der Pilgertourismus ausbleibt, sind derzeit viele Geschäfte in der Jerusalemer Altstadt geschlossen (© Lateinisches Patriarchat von Jerusalem).

Gaza: Lieferungen vorläufig gestoppt – Gemeinde arbeitet weiter

Trotz aller Schwierigkeiten setze die Kirche ihre Hilfe fort, so der Koordinator. Rund 200 Menschen leben weiterhin auf dem Gelände der katholischen Pfarrei in Gaza, darunter fast 50 Menschen mit Behinderung, die von den Missionarinnen der Nächstenliebe betreut werden.

Die Vorstellung, dass der Krieg länger dauern könnte, sei für viele Christen schwer zu ertragen – besonders für jene, deren Lebensunterhalt vom Pilgertourismus abhängt. „Christen, die in Hotels, Restaurants oder Gästehäuser investiert haben, beginnen, zu verzweifeln“, sagte Akroush. Mehrere große Pilgergruppen hätten in den kommenden Wochen ins Heilige Land reisen wollen – das sei jetzt mehr als fraglich.

Viele Christen versuchten angesichts der erneuten Verschlechterung, sich zumindest eine Ausreisemöglichkeit offenzuhalten, erläuterte Akroush. Einige hofften, zunächst nach Jordanien zu gelangen und von dort aus eine Übersiedlung in ein europäisches oder anderes westliches Land zu beantragen.

Verteilung von Hilfsgütern des Lateinischen Patriachats im Gaza-Streifen. © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

Einzige Möglichkeit Auswanderung?

Gleichzeitig bemüht sich die Kirche, den Menschen neue Perspektiven zu geben. Das Lateinische Patriarchat erhält dabei Unterstützung von KIRCHE IN NOT, unter anderem durch Nothilfeprogramme, Lebensmittelhilfen und Projekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen.

Akroush zitierte den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa. Dieser beschreibe die Aufgabe der Kirche im Heiligen Land oft so: „Unsere Arbeit ist wie ein Presslufthammer, der langsam und beharrlich auf einen harten Felsen trifft, bis dieser zu bröckeln beginnt.“ Jeder Arbeitsplatz, jede unterstützte Familie und jedes Kind, das wieder zur Schule gehen könne, sei ein weiterer kleiner Riss im „Felsen der Verzweiflung“, betonte Akroush.

Im vergangenen Jahr wurden weltweit mehr katholische Priester, Ordensleute und Seminaristen getötet als 2024. Darauf weist KIRCHE IN NOT in einer aktuellen Auswertung hin. Rückläufig hingegen ist die Zahl der inhaftierten Geistlichen.

Nach KIRCHE IN NOT vorliegenden Meldungen wurden 2025 weltweit 19 Kirchenmitarbeiter getötet – im Jahr zuvor waren es 13. Bei den Getöteten handelt es sich um 15 Priester, zwei Seminaristen und zwei Ordensschwestern. Mehrere der gewaltsamen Todesfälle ereigneten sich im Zusammenhang mit Entführungen oder in bewaffneten Konflikten, etwa in Nigeria, Äthiopien, Sudan und Myanmar. Weitere Geistliche wurden bei Angriffen, Überfällen oder unter bislang ungeklärten Umständen getötet – unter anderem in den USA, Mexiko, Kenia und Haiti.

KIRCHE IN NOT weist darauf hin, dass die hier erfassten Zahlen ausschließlich Priester und Ordensleute betreffen. In vielen Ländern seien auch Katecheten und Laienmissionare massiv bedroht und häufig Opfer von Gewalt, diese sind in der Statistik jedoch nicht enthalten.

Pfarrer Donald Martin Ye Naing Win aus Myanmar wurde am 14. Februar 2025 ermordet.

Weniger Geistliche in Haft – mit Ausnahmen

Ein kleiner Hoffnungsschimmer: Die Zahl der inhaftierten Geistlichen ist im vergangenen Jahr zurückgegangen. Nach Angaben von KIRCHE IN NOT waren 2025 weltweit 28 Priester und Ordensleute aufgrund von religiöser Verfolgung in Haft oder anderweitig ihrer Freiheit beraubt. Im Jahr zuvor waren es noch 71. Der Rückgang ist vor allem auf die Entwicklung in Nicaragua zurückzuführen, wo die meisten der im Jahr 2024 inhaftierten Geistlichen inzwischen freigelassen wurden.

In Belarus sank die Zahl der inhaftierten katholischen Priester ebenfalls leicht. In China hingegen nahm die Zahl der Festsetzungen zu, teilt KIRCHE IN NOT mit. Dort waren im Jahr 2025 insgesamt 14 Geistliche zeitweise in Haft oder unter Hausarrest, darunter mehrere Bischöfe. Verlässliche Informationen zur Situation der Kirche in China seien weiterhin schwer zu erhalten, betont KIRCHE IN NOT.

Auch in Indien kam es 2025 zu mehreren Festnahmen, betroffen waren ausschließlich Ordensfrauen. Ihnen wurden unter anderem Entführung oder Menschenhandel vorgeworfen. Alle Betroffenen kamen später wieder frei.

Der junge Priester Stephen Echezona aus Nigeria wurde im März 2025 entführt.

Entführungen von Kirchenmitarbeitern sind „Geschäftsmodell“ geworden

Ein großes Problem bleiben die Entführungen von Priester und Ordensleuten, auch wenn die gemeldeten Fälle leicht zurückgingen. KIRCHE IN NOT wurden im vergangenen Jahr 38 entführte Priester und Ordensleuten gemeldet.

Besonders betroffen ist weiterhin Nigeria, wo die Zahl der Entführungen sogar anstieg – von 17 auf 24 Fälle. Unter den Entführten waren auch Seminaristen und Ordensschwestern. Zwei Seminaristen wurden getötet. Zum Jahresende galt noch ein Priester als vermisst; ein weiterer kam im Januar 2026 frei.

Einen starken Anstieg verzeichnete auch Kamerun, wo 2025 insgesamt acht Priester entführt wurden, vor allem im konfliktreichen Nordwesten des Landes. Die meisten Betroffenen kamen wieder frei.

Internationale Aufmerksamkeit hilft

Weitere Entführungen wurden unter anderem aus Kolumbien, Haiti und Äthiopien gemeldet. Die Entführer gehören mehrheitlich islamistischen oder anderen extremistischen Gruppen an; in einigen Weltregionen haben auch kriminelle Banden Entführungen und die Erpressung von Lösegeld zu einem „Geschäftszweig“ gemacht.

Der Pfarrer der katholischen Pfarre im Gazastreifen, Pater Gabriel Romanelli, hat sich mit einem dramatischen Appell an KIRCHE IN NOT gewandt. „Seit Beginn der Waffenruhe im Oktober sind rund 100 Kinder im Gazastreifen gestorben – keines natürlichen Todes“, erklärte der Geistliche. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF hatte diese Zahl kürzlich gemeldet.

Kälte, unhygienische Lebensbedingungen und immer wieder aufflammende Kämpfe verschlimmerten die Lage – gerade für die Kinder. „Die meisten Menschen leben in Zelten. Atemwegs- und Verdauungserkrankungen nehmen zu“, berichtete Romanelli. Medikamente seien nicht ausreichend vorhanden.

Weitere Sorgen macht sich der Geistliche um die Schulbildung. Vor dem Gaza-Krieg besuchten über 2200 Kinder eine der drei katholischen Schulen im Gazastreifen – bei einer Gesamtzahl von damals etwa 1000 Christen. Derzeit könnten nur 162 Kinder unterrichtet werden. „Das Hautproblem ist der Platz, weil in den Schulen vielfach noch Flüchtlinge untergebracht sind“, sagte Romanelli.

Pater Gabriel Romanelli, Pfarrer der einzigen katholischen Pfarrgemeinde im Gazastreifen (4. v. l.), mit Messdienern. © Pfarre Heilige Familie Gaza

Nur 162 Kinder können die Schule besuchen

Seine Pfarre habe sich deshalb dazu entschlossen, zwei noch intakte Privatschulen mit Heften, Stiften und anderen Materialien zu unterstützen, damit mehr Kinder die Chance auf Unterricht haben. Das Geld dazu kommt wie auch in anderen Bereichen vom Lateinischen Patriarchat von Jerusalem und Partnern wie KIRCHE IN NOT. „Diese Hilfe ist weiterhin unverzichtbar; denn der Bedarf ist immens“, betonte Romanelli. „Seit dem Waffenstillstand kommen zwar wieder Waren in den Gazastreifen. Doch die Menschen haben kein Geld, um sich etwas zu kaufen.“

In den Räumen der Pfarre „Heilige Familie“ leben aktuell noch 450 Menschen, rund 100 hätten sich entschieden, in ihre Wohnungen zurückzukehren. „Der Krieg ist noch nicht vorbei – auch wenn die Medien etwas anderes nahelegen“, betonte der Pfarrer. Zwar hätten die massiven Bombardierungen in Teilen des Gazastreifens nachgelassen, doch komme es weiterhin zu Angriffen, insbesondere jenseits der sogenannten „Gelben Linie“, der während des Waffenstillstands vom 10. Oktober 2025 festgelegten militärischen Grenze.

Schulklasse in Gaza (Foto: Pfarre Heilige Familie).

„Der Krieg ist noch nicht zu Ende“

„Es gibt nach wie vor Zerstörungen von Häusern, Tote und Verletzte“, berichtete Romanelli. „Es ist absolut notwendig, dass der Krieg wirklich endet. Es scheint jedoch, dass niemand auf der Welt sich wirklich und wirksam dafür einsetzt.“

Helfen Sie den notleidenden Menschen im Gazastreifen mit Ihrer Spende

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