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Oft wurde der Libanon als Modell für den gesamten Nahen Osten gepriesen, auch wegen des vergleichsweisen stabilen Miteinander der Religionen. Doch das Gleichgewicht gerät ins Wanken, seit immer mehr Christen ihre Heimat verlassen. Beirut wurde im August 2020 von einer der schwersten nichtnuklearen Explosionen der Menschheitsgeschichte erschüttert. Libanons Hauptstadt liegt am Boden – und mit ihr das ganze Land. Es leidet unter Misswirtschaft, Korruption, Banken- und Politikkrise.

Wie die Kirche aktuell für die Notleidenden da ist, darüber gibt Pfarrer Jad Chlouk Auskunft. Der 38-Jährige leitet die Gemeinde an der maronitischen Kathedrale St. Georg. Das Gotteshaus wurde ebenfalls durch die Explosion schwer beschädigt. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ finanziert die Instandsetzung der Kathedrale und 16 weiterer kirchlicher Einrichtungen in Beirut.

Sanierung der maronitischen Kathedrale in Beirut.

Das Leben in Beirut ist seit der Explosion nicht mehr dasselbe wie zuvor. Wie ist die aktuelle Stimmung in Beirut?

Wir sind immer noch erschrocken über das, was im August passiert ist. Die Erinnerungen an diesen schlimmen Tag kommen besonders dann zurück, wenn man zerstörte Häuser, Kirchen, Schulen oder Krankenhäuser sieht oder wenn man plötzlich Geräusche wie Donner hört. Die Stimmung ist immer noch angespannt und ängstlich, aber wir versuchen trotz allem, unser geistliches Leben zu erneuern, so gut es geht.

Besonders das Stadtviertel, in dem viele Christen leben, wurde schwer getroffen. Es liegt unweit des Hafens, wo sich die Explosion ereignete. Auch Ihre Pfarrkirche, die maronitische Kathedrale St. Georg, wurde stark beschädigt. „Kirche in Not“ hilft beim Wiederaufbau. Wie weit sind die Reparaturen vorangeschritten?

Die Sanierung der maronitischen Kathedrale hat vor einem Monat begonnen. Wir haben einige provisorische Reparaturen durchgeführt, um weitere Schäden zu verhindern, zum Beispiel durch eindringendes Regenwasser. Wir hoffen, in ein paar Wochen das Dach repariert zu haben. Die Reparaturen der beschädigten Fenster und Türen sind ebenso in vollem Gange.

Jad Chlouk, Pfarrer der maronitischen Kathedrale St. Georg.

Wie hat die Covid-19-Pandemie den Wiederaufbau und die humanitäre Hilfe beeinflusst?

Sie hat vor allem die Sanierung der Kathedrale verzögert. Wir mussten um eine Sondererlebnis bitten, um die Arbeit unter Sicherheitsbedingungen und Abstandsregeln fortsetzen zu können.

Auf der anderen Seite haben wir versucht, die karitative Hilfe gerade jetzt aufrecht zu erhalten. Viele Libanesen leiden schwer unter der Wirtschaftskrise. Deshalb müssen wir noch näher bei den hilfsbedürftigen Menschen sein. Es ist wegen der geltenden Hygienemaßnahmen manchmal schwierig, aber wir haben an unserem Kurs festgehalten.

Unmittelbar nach der Katastrophe im August kündigten vor allem viele junge Leute an, dass sie den Libanon verlassen möchten, denn sie sehen für sich keine Zukunft im Land. Hat sich das bewahrheitet? Was bedeutet das für die christlichen Gemeinden im Libanon?

Statistiken zeigen, dass mehr als 380 000 Einreiseanfragen in den Ländern der Europäischen Union und Nordamerikas eingegangen sind. Die meisten davon kamen von Christen, die sich wie Fremde in der eigenen Heimat fühlen. Das wirkt sich leider negativ auf die christlichen Gemeinden aus. Sie verlieren eine Elite, besonders die Jugend, die eigentlich die Zukunft sein sollte. Die Zahl der Christen geht jeden Tag zurück. Das erhöht den Druck auf diejenigen, die im Land bleiben, denn sie könnten bald Verfolgung erleiden. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Realität, die wir aus den benachbarten Ländern wie Syrien, Irak, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien kennen.

Wenn Sie an das neue Jahr denken, schauen Sie darauf eher mit Sorge oder hoffnungsvoll?

Hoffnung ist unser täglich Brot, besonders in diesen Tagen. Trotz allem schauen wir auf eine hoffnungsvolle Zukunft, weil wir wissen: Unser Herr Jesus Christus ist der Herr der Geschichte. In seinen Händen ist unser aller Geschichte und Leben. Mit ihm und durch ihn sind wir sicher, „dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28).

Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Libanon

Der Libanon steht weltweit an der Spitze, was die Aufnahme von Flüchtlingen im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung betrifft. Unter den fast anderthalb Millionen Flüchtlingen dort befinden sich auch Christen. In den Regionen mit christlicher Mehrheit hat die lokale katholische Kirche den Bedürftigsten geholfen, eine Unterkunft und alles Notwendige zum Überleben zu finden. Als Beispiel sei die griechisch-melkitische Diözese von Zahle in der Bekaa-Ebene nahe der syrischen Grenze genannt. Dort leben viele christliche Familien, die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind. Die aktuelle Krise im Libanon trifft sie sehr hart, aber KIRCHE IN NOT lässt sie nicht im Stich.
Viele Familien fühlen sich sehr einsam, so etwa die Familie Rief, die vor drei Jahren auf der Flucht vor den Bomben und dem Krieg in Syrien in den Libanon kam.

Viele Familien fühlen sich sehr einsam

Denn viele dieser Familien fühlen sich sehr einsam, so etwa die Familie Rief, die vor drei Jahren auf der Flucht vor den Bomben und dem Krieg in Syrien hierher kam. Die Mutter ist Krankenschwester, der Vater war Koch in einem Restaurant. Sie haben drei Kinder, darunter zwei erwachsene, die sporadisch gearbeitet haben, wenn sie konnten. Aber durch die Krise haben sie alle ihre Stellen verloren, keiner bringt mehr ein Einkommen nach Hause. Die Diözese hilft ihnen dank des Hilfswerks KIRCHE IN NOT.

Die seit 2019 von KIRCHE IN NOT geleistete Hilfe für Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen in Zahle beläuft sich auf 3,6 Millionen Euro. Ein großer Teil dieser Hilfe dient der Bezahlung von Mieten und der Bereitstellung von Unterkünften für Familien wie die von Rief. Mit einem weiteren großen Teil der Summe werden sie mit dem Nötigsten wie etwa Kleidung, Medizin und Nahrungsmitteln versorgt.

Ordensfrauen mit Lebensmittelpaketen von KIRCHE IN NOT.

Eine warme Mahlzeit für etwa tausend Menschen pro Tag

Seit Dezember 2015 betreibt die griechisch-melkitische katholische Kirche ein „Tafel-Projekt“ mit dem Namen „Hl. Johannes der Barmherzige“. Der heilige Johannes der Barmherzige wurde berühmt für seine außerordentliche Liebe zu den Armen: Wo immer er Not sah, versuchte er, sie mit all seinen Kräften und Mitteln zu lindern. In seiner Zeit als Patriarch von Alexandria speiste er täglich 7 900 arme Menschen. Er starb um 619 und wird sowohl von katholischen als auch orthodoxen Christen als Heiliger verehrt.

Die Tafel in Zahle ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können. Darunter befinden sich viele syrische Flüchtlinge, aber auch immer mehr Libanesen. Jeden Tag erhalten dort etwa tausend Menschen eine warme Mahlzeit. Anfangs kamen sie zum Essen in die Einrichtung, aber mit der Pandemie hat sich dies geändert. Nun kommen etwa 800 Menschen persönlich, um das Essen abzuholen. Den restlichen 200 Personen, die behindert oder krank sind, wird die Mahlzeit nach Hause gebracht. Außer dem Essen erhalten sie auch seelischen Trost und menschliche Zuwendung.

Die Tafel in Zahle ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können.

Zu denen, die jeden Tag kommen, gehört auch Labiba, die mit ihren beiden ledigen Schwestern in einem Fünf-Quadratmeter-Zimmer lebt. Sie kamen vor ein paar Monaten aus Homs, weil sie nahe am Hungertod waren. Durch die Krise ist es für sie unmöglich geworden, Arbeit zu finden. Sie besitzen nur, was sie am Leibe tragen. Sie können nicht einmal kochen, denn es gibt keine Kochmöglichkeit in dem Raum, denn dort stehen nur die Sofas, auf denen sie schlafen, und ein Ölofen. Sie sind sehr dankbar, dass sie dank der Tafel von St. Johannes dem Barmherzigen täglich eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können.

Neben der leiblichen Nahrung erhalten die Menschen Begleitung, Ermutigung und geistliche Unterstützung. Sie alle sind sich einig, dass der Glaube ihre einzige Stütze ist, dank der sie die Not ertragen können und die ihnen hilft, in ihrem Schmerz geduldig zu sein.

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Beirut galt einst als das Paris des Nahen Ostens, und die Erinnerung an diese ‚glamourösen‘ Zeiten ist angesichts der tiefen Krise im Libanon umso schmerzhafter. Die Finanzkrise brachte Banken an den Rand des Bankrotts, erdrückende Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsaussichten treiben das Land in den Abgrund. Niemand hätte gedacht, dass der Libanon, der sich von dem Drama des Bürgerkriegs erholt hat, wieder in das Elend von Armut, Elend und Verzweiflung fallen würde. Der Kampf ums Überleben macht die Menschen verbittert, besonders wenn sie wie Georgette kleine Kinder in ihrer Obhut haben. Völlig auf sich allein gestellt, ist diese Frau das lebendige Bild des Schicksals, das den Libanon getroffen hat.
Das Leben war bereits zuvor schwierig für Georgette, aber die Krise, die die Stadt Beirut nach der Explosion heimgesucht hat, hat ihre Lage noch verschlimmert.

„Es sah aus wie eine Atombombe…“

Die ohnehin schon tiefe Krise wurde durch die Explosion im Hafen von Beirut Anfang August brutal verschärft. Plötzlich war der gesamte Bereich zerstört, in Schutt und Asche gelegt. Ganze Stadtteile wurden in Mitleidenschaft gezogen, Häuser demoliert, überall Trümmer… In einem Augenblick verwandelte sich die Stadt in einen Kriegsschauplatz, der die Erinnerung an eine Zeit wiederbelebte, die alle für beendet hielten. In einem Augenblick, als die Luft von der Explosion erfüllt war und die Schockwelle alles mit sich riss, war die Stadt von Tumult erfüllt: Verletzte, umherlaufende Menschen, Hilfeschreie. In einem Augenblick verwandelte sich die Krise, die den Libanon bereits erschütterte, in einen Albtraum, der kaum zu überwinden war. Pater Raymond Abdo erklärte gegenüber dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), dass „die Explosion wie eine Atombombe aussah, mit rotem Rauch überall“. Alles, was man sehen konnte, waren verwirrte Menschen weit und breit, weinend, inmitten einer Atmosphäre der Zerstörung und des Todes. Die Explosion forderte mehr als 180 Todesopfer, mehr als 6.500 Menschen wurden verletzt und die Häuser von fast 300.000 Menschen erlitten Schäden unterschiedlichen Grades.

Die Schwiegertochter und die drei Enkelkinder leben bei Georgette.

„Ich wohne in einer armen Gegend…“

Das Leben war bereits zuvor schwierig für Georgette, aber die Krise, die die Stadt Beirut nach der Explosion heimgesucht hat, hat ihre Lage noch verschlimmert. Sie selbst beschrieb gegenüber KIRCHE IN NOT, wie sich die Dinge verschlimmert haben. „Ich lebe in einer armen Gegend, und unsere Situation ist schlecht, besonders nach der Explosion. Ich lebe mit meinen drei Enkelkindern zusammen, wir wohnen allein in diesem Haus. Ich bin für sie verantwortlich und ich habe niemanden, der mir hilft, außer Gott und den Wohltätern von KIRCHE IN NOT…“, erzählt sie Maria Lozano, eine der Personen aus dem Team der der Hilfsorganisation, das nach Beirut kam, um das Ausmaß der durch die Explosion im August verursachten Schäden zu beurteilen. Georgette empfängt die Lebensmittelkisten, die dank der Großzügigkeit der Wohltäter von KIRCHE IN NOT in einer nahe gelegenen Krankenstation verteilt werden. Sie enthalten Grundnahrungsmittel, die sie in den fast leeren Regalen in ihrer Küche aufbewahrt. „Ich war sehr glücklich, diese Hilfe zu erhalten, weil ich damit meine Enkelkinder einen Monat lang ernähren kann“, sagt sie.

Georgette packt die Lebensmittelkisten, die sie dank der Großzügigkeit der Wohltäter von KIRCHE IN NOT erhalten hat, aus.

Unerschütterlicher Glaube

Wichtiger als das Essen, das sie in einem Wagen abgeholt hat, in dem auch der gerade mal 15 Monate alte Enkel Chárbel sitzt, ist für Georgette die Gewissheit, dass sie nicht allein ist. Doch hinter ihrem Schweigen verbirgt sie einen tiefen Kummer: den Tod ihres Mannes vor sieben Jahren bei einem Autounfall. Das Foto über der Wohnzimmertür ist alles, was ihr von seiner Gesellschaft geblieben ist. Sie hatten zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Ihr Sohn kann sich nicht um seine Kinder kümmern, weil er vorübergehend in einer anderen Stadt ist. Die Schwiegertochter und die drei Enkelkinder leben bei Georgette. Ihre Tochter, die ein psychisches Problem hat, ist im Krankenhaus.  In Beirut, einer Stadt, die sich von der durch die Explosion verursachten Tragödie zu erholen versucht, gibt es viele Menschen wie Georgette. Es sind Menschen mit leeren Händen und ohne Perspektive, besiegt von der Wirtschaftskrise, die das Land wie eine unheilbare und brutale Krankheit befallen hat. Aber es gibt immer noch die Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine Hoffnung, die immer vom Glauben genährt wird. „Ich fühle, dass ich nicht allein bin, und das ist wichtiger als Lebensmittelpakete… zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich um uns kümmern“, sagte Georgette vor den Kameras von KIRCHE IN NOT. „Ich danke Gott jeden Tag. Er leitet mich und meine Familie in allem und schickt uns gute Leute, die uns in diesen schwierigen Zeiten helfen.“ Das Leben ist hart für Georgette, wie für die große Mehrheit der Libanesen. Aber egal, wie schwer diese Prüfung auch ist, der Glaube wird immer eine Gewissheit und eine Zuflucht sein. „Die Situation der Christen im Libanon ist instabil, aber Jesus ist immer bei uns, und niemand kann uns vertreiben“, sagt Georgette.

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Das internationale katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat sein Hilfsprogramm für die von der Explosion betroffenen Christen in der libanesischen Hauptstadt Beirut auf fünf Millionen Euro aufgestockt. Die neuen Mittel gehen vorrangig in den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude. Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT haben im September Beirut besucht und zusammen mit örtlichen Kirchenvertretern diese Projekte als Priorität eingestuft.

Dazu gehört auch die maronitisch-katholische Kathedrale St. Georg, ein Symbol der jahrhundertealten christlichen Präsenz in der Beiruter Innenstadt. Unter anderem wurde das Dach der Kirche durch die Explosion beschädigt. Auch die Fenster und Türen wurden durch die Detonation herausgedrückt; das Gotteshaus muss abgestützt werden, um es vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Auch den Wiederaufbau der melkitisch griechisch-katholischen Kirche „Saint-Sauveur“ (Heiliger Erlöser) unterstützt KIRCHE IN NOT, ebenso Instandsetzungsarbeiten in mehreren Schwesternkonventen. Dazu zählt auch der Wohnbereich der Rosenkranzschwestern, die in der Beiruter Innenstadt ein Krankenhaus betreiben.

Aufräumarbeiten in der maronitisch-katholischen Kathedrale St. Georg. © Kirche in Not

Dringende Instandsetzungsarbeiten vor Wintereinbruch

„Vorrangig geht es uns darum, die notwendigen Mittel aufzubringen, damit noch vor Wintereinbruch erste notwendige Reparaturen durchgeführt werden können“, erklärte der geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT International, Dr. Thomas Heine-Geldern. „Dadurch sollen weitere Schäden, beispielsweise durch Regen, verhindert und die Gebäude wieder nutzbar gemacht werden.“

Bereits unmittelbar nach der Katastrophe hatte KIRCHE IN NOT Nothilfen für über 5800 betroffene Familien bereitgestellt. In einem weiteren Schritt konzentriert sich das Hilfswerk nun auf den Wiederaufbau der Infrastruktur der verschiedenen christlichen Gemeinschaften im Libanon. Dazu steht KIRCHE IN NOT in engem Austausch mit den lokalen Verantwortlichen und anderen katholischen Hilfsorganisationen.

Junge Christen und Muslime arbeiten in „Wiederaufbautrupps“ zusammen. © Kirche in Not

„Christen im Libanon fühlen sich vergessen“

Insgesamt wurden bei der Explosion von rund 2700 Tonnen Ammoniumnitrat im Beiruter Hafen am 4. August über 200 Menschen getötet und mindestens 6500 verletzt. Rund 90 000 Gebäude sind beschädigt oder komplett zerstört. Schwer betroffen ist der mehrheitlich von Christen bewohnte Bezirk Aschrafiyya (Achrafieh), der nur drei Kilometer vom Detonationsort entfernt liegt und zu den ältesten Teilen der Stadt gehört.

Die Lage im Libanon ist in mehrfacher Hinsicht angespannt: Zur humanitären Notlage in der Hauptstadt und der Gesundheitskrise infolge der Corona-Pandemie kommt eine seit über ein Jahr andauernde Politik- und Wirtschaftskrise. Diese geht einher mit einer zunehmenden Inflation.

Eine Ordensschwester blickt auf das zerstörte Hafenviertel von Beirut. © Kirche in Not
„Viele Christen im Libanon fühlen sich in dieser schwierigen Zeit vergessen und denken über Auswanderung nach“, erklärte Heine-Geldern. „Papst Johannes Paul II. hat die besondere Mission des Libanon für den gesamten Nahen Osten hervorgehoben. KIRCHE IN NOT wird demzufolge die Christen des Libanon weiter unterstützen und nicht alleine lassen.“

Um den Wiederaufbau in Beirut und die Hilfe für die notleidende Bevölkerung weiterhin aufrecht erhalten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online – online … hier  oder auf folgendes Konto:

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In Karm Al Zeitoun, einem Stadtteil von Beirut im Bezirk Ashrafieh, dessen Name Ölberg bedeutet, ist alles in Bewegung. Die Straßen sind eng, Autos und Fußgänger verursachen kleine Staus an jeder Ecke, besonders um die von den Töchtern der christlichen Nächstenliebe geführte Ambulanz herum. Dort unterstützt das Internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT 350 von der Explosion betroffene Familien.

Die Gegend wurde ursprünglich von Armeniern bewohnt, die 1915 vor dem Völkermord flohen. Später kamen Syrer und Palästinenser hinzu, die ebenfalls vor Krieg und Verfolgung flüchteten. In den letzten Jahren haben Einwanderer aus vielen Ländern, meist Äthiopier und Bangladescher, in diesem einfachen Viertel mit christlichen Wurzeln Zuflucht gefunden. Ihre jahrhundertealten Häuser sind in den verwinkelten Straßen zusammengepfercht. Mit dem Immobilienboom wurden rund um Karm Al Zeitoun moderne Hochhäuser gebaut. Dadurch wurde das Gebiet sehr teuer, und junge Menschen dazu gezwungen, in günstigere Gegenden umzuziehen. In Karm Al Zeitoun bleiben nur noch ältere Menschen und Migranten.

Schwester Rita: „Die Lage hier ist tragisch, weil die Menschen nichts haben.“

Vor der kleinen Eingangstür des Schutzzentrums für Kinder und Mütter (CPMI) drängt sich eine Menschentraube. Das Zentrum wurde 1959 gegründet und gehört zu den sechs Orten, an denen in diesen Wochen KIRCHE IN NOT-Nothilfepakete für die von der Explosion am 4. August betroffenen Familien verteilt werden – insgesamt für mehr als 5800 Familien. Die Töchter der christlichen Nächstenliebe sind für die Verteilung an 350 Familien verantwortlich; heute sind 70 gekommen. Zwei Kisten ermöglichen es, fünf Personen einen Monat lang zu ernähren. Sie sind 32 Kilo schwer, weshalb viele Empfänger mit Handkarren kommen. Oder sie versuchen, einen Bekannten oder Verwandten zu finden, der ihnen mit dem Auto hilft. Deshalb herrscht heute mehr Verkehr als gewöhnlich, und es ist schwierig, auf den engen Straßen von Karm Al Zeitoun voranzukommen.

Eine der Frauen, die in die Ambulanz kommen, ist Mona, eine 52-jährige Libanesin, die mit ihrer 91-jährigen Mutter Juliette zusammenlebt. Obwohl die Mutter fünf Kriege – oder vielleicht sechs, so genau weiß sie das nicht mehr – erlebt hat, „ist sie seit der Explosion am 4. August traumatisiert; sie erschrickt vor jedem Geräusch“, berichtet Mona gegenüber KIRCHE IN NOT.

Mona und ihre 91-jährigen Mutter Juliette.

Ihre Spende hilft Lebensmittelpakete zu verteilen und den Wiederaufbau voranzutreiben.

Da es in dem Land kein Rentensystem oder eine andere staatliche Alterssicherung gibt, haben immer die Kinder die Eltern oder die schwächeren Familienmitglieder unterstützt. Aber nach der Wirtschaftskrise, Corona  und jetzt auch noch der Explosion ist das unmöglich geworden. Mona ist seit fünf Jahren arbeitslos. Vor der Krise half ihr und der Mutter ein Bruder mit 300.000 libanesischen Pfund – das waren etwa 200 Dollar im Monat. Mit der Inflation sind es nun knapp 40 Dollar. Darüber hinaus hat der Bruder „selbst Probleme, für seine eigene Familie zu sorgen“.

„1990 detonierte eine Rakete in meinem Haus und tötete meine Schwester. Ich geriet in eine Depression, aber der Glaube half mir. Ohne den Glauben könnten wir nicht weitermachen. Er ist es, der uns hilft, in der jetzigen Situation durchzuhalten. Er ist das Einzige, was uns bleibt“, sagt Mona. Und sie fügt hinzu: „Schwester Rita kommt, wann immer wir sie brauchen, auch wenn es sehr spät ist, weil sie immer sehr beschäftigt ist. Aber sie findet immer etwas Zeit für uns. Für mich ist sie das lebendige Zeugnis Christi auf Erden“.

Die Zahl der Familien, die von den Schwestern in der Ambulanz betreut werden, hat sich von 120 Familien auf 500 Familien pro Monat vervierfacht.

Schwester Rita, die Mona und Juliette nahezu in jedem Satz erwähnen, gehört den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul an. Sie leitet die Ambulanz. Trotz der heute herrschenden Hektik findet sie Zeit, mit KIRCHE IN NOT zu sprechen. „Die Lage hier ist tragisch, weil die Menschen nichts haben.“ Die Zahl der Familien, die von den Töchtern der christlichen Nächstenliebe in der Ambulanz betreut werden, hat sich von ehemals 120 Familien auf heute knapp 500 Familien pro Monat vervierfacht, berichtet die libanesische Ordensschwester. Neben den Freiwilligen, die die heutige Essenslieferung vorbereiten, sind auch Arbeiter im Einsatz, denn auch die Ambulanz wurde durch die Explosion beschädigt. Sämtliche Fenster und Teile des Daches wurden herausgesprengt, „aber wir müssen weiterarbeiten, also haben wir jemanden gefunden, der das repariert, auch wenn wir die Reparatur zurzeit nicht bezahlen können.“

Zwischen den Kisten mit dem KIRCHE IN NOT-Logo, die am Eingang gestapelt sind, hängt ein Kreuz an der Wand mit dem französischen Satz: „Ihr seid das Zeichen der Barmherzigkeit Gottes.“ Der Satz fasst die Arbeit dieser Ordensfrauen zusammen. Schwester Rita beschreibt sie wie folgt: „Unser Charisma ist es, den Schmerz Christi auf Erden zu lindern; wir wollen Gott dienen, Zeugnis für ihn ablegen, besonders in den schwierigen Zeiten, die wir durchleben.“

Mona mit Lebensmittelpaketen von KIRCHE IN NOT.
Schwester Rita spricht mit Bewohnern in Karm Al Zeytoun.

Schwester Rita selbst begleitet das Hilfswerk zu einem Besuch bei Nabil, einem weiteren Empfänger des KIRCHE IN NOT-Nothilfeprogramms nach der Explosion. Nabil ist 56 Jahre alt, Einzelkind und von Geburt an körperlich behindert. Seine Mutter, die sich um ihn kümmert, liegt im Krankenhaus. In ihrer Abwesenheit kümmert sich die Nachbarin Maral um ihn. Die Schwestern zahlen auch für einen Hilfsdienst, der jeden Tag kommt. Schwester Rita grüßt Nabil, spricht und betet mit ihm. Bei der Explosion „fielen alle Glassplitter auf ihn. Es ist ein Wunder, dass er unversehrt blieb …“

Angesichts von Nabils Lage wird verständlich, was Schwester Josephine, eine der Ordensschwestern, die im Zentrum arbeitet, mit Entschiedenheit sagt, wenn viele Menschen von Ausreise und Auswanderung sprechen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um hier zu bleiben. Es ist an der Zeit, unser Volk zu begleiten; hier hat jeder ein Problem.“ Trotz ihrer Erschöpfung erinnert Schwester Rita mit entschlossenem Blick an die Worte von Johannes Paul II. : „Libanon ist eine Botschaft; wir Christen spielen eine wichtige Rolle in diesem Land. An dem Tag, an dem wir diese Botschaft vergessen, wird der Libanon nicht mehr der Libanon sein.“

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Am 4. August erschütterte eine gewaltige Explosion im Hafen von Beirut die gesamte Stadt. Dabei kamen laut Regierungsangaben mindestens 190 Menschen ums Leben, mehr als 6500 Menschen wurden verletzt. Viele Häuser, Wohnungen und Gebäude Häuser wurden zerstört.

Besonders betroffen ist das Stadtviertel, in dem viele Christen leben, denn es liegt nur wenige Kilometer vom Explosionsort entfernt. KIRCHE IN NOT hatte in den vergangenen Wochen bereits Lebensmittelpakete für besonders betroffene Familien in Beirut ermöglicht.

Eine Delegation von KIRCHE IN NOT hat sich nun einen Überblick über die Situation vor Ort gemacht. Ziel des Besuches war auch, die besonders dringende Hilfe zu organisieren. Nach der Rückkehr sprachen wir mit Reinhard Backes, Projektreferent bei KIRCHE IN NOT.

Reinhard Backes, Projektreferent bei KIRCHE IN NOT.
Reinhard Backes, Projektreferent bei KIRCHE IN NOT.

Herr Backes, wie ist die Lage im Libanon?

Die Menschen im Libanon – vor allem die Christen, denn ihr Viertel wurde von der Explosion am schlimmsten getroffen – leiden sehr. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Erstens: Die Landeswährung verliert aufgrund der Finanzkrise, die im vergangenen Jahr begonnen hat, täglich an Wert.

Zweitens sind die Schäden verheerend und so auch die Folgen für hunderttausende Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Drittens: Die politische Krise, eine Mischung aus Korruption, Despotismus, Ignoranz, Inkompetenz und dem äußeren Einfluss ausländischer Mächte, lähmt die Menschen und das Land.

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Schäden an einer Kirche in Beirut.
Schäden an einer Kirche in Beirut.

„Vor allem die Christen im Libanon leiden”

Was war der Zweck Ihres Besuchs?

Ziel war es, uns einen Überblick über die Situation verschaffen und zu klären, wie KIRCHE IN NOT in den nächsten Monaten Unterstützung leisten kann. Wir haben 23 Orte besucht – Kirchen, Nonnen- und Mönchsklöster und andere Kirchengebäude –, die durch die Explosion schwer beschädigt worden sind. Und wir haben Gespräche mit sieben Erzbischöfen und Bischöfen verschiedener Riten und Konfessionen wie auch mit dem Nuntius in Beirut, Erzbischof Joseph Spiteri, geführt.

Welcher Moment der Reise hat sie am tiefsten beeindruckt?

Die Begegnung mit jungen Katholiken, die entschlossen sind, nicht aufzugeben! Sie alle haben bei der Explosion Freunde verloren und kennen Menschen, denen nichts mehr geblieben ist.

Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie so viele Menschen, vor allem Jugendliche, vorbildlich und bereitwillig denjenigen helfen, die am schlimmsten von der Explosion betroffen sind. Sehr bewegend war auch der Besuch bei armen Familien – Libanesen und syrischen Flüchtlingen – in Beirut und Zahlé.

Helfer aus Beirut danken für die Hilfe durch KIRCHE IN NOT.
Helfer aus Beirut danken für die Hilfe durch KIRCHE IN NOT.

„Junge Katholiken geben nicht auf”

Welche Begegnung hat Sie besonders beeindruckt?

Das Treffen mit Georges, Vater von vier Kindern, der den Libanon verlassen und nach Dubai fliegen musste, weil er nicht mehr in der Lage ist, im Libanon seine Familie finanziell zu unterstützen. Das war herzzerreißend.

Was war die Botschaft der Projektpartner?

Die libanesischen Christen sind zwar großzügig, aber das hier ist zu viel, als dass sie es allein bewältigen könnten. Das Land erlebt schon seit Jahren einen gravierenden wirtschaftlichen Niedergang, schon vor der Explosion haben die Menschen ums Überleben gekämpft. Sie zählen darauf, dass wir ihnen helfen – sowohl spirituell als auch finanziell.

Warum sollte KIRCHE IN NOT den Libanon unterstützen?

Der Libanon ist das letzte Land im Nahen Osten mit einem beträchtlichen Anteil an Christen. Er ist auch zu einem Zufluchtsort für Christen aus anderen Nahost-Ländern wie Syrien und dem Irak geworden. Die libanesischen Christen genießen hohen Respekt in der Gesellschaft; christliche Schulen werden von Menschen aller Glaubensrichtungen sehr geschätzt. Sie bilden eine Brücke zwischen den verschiedenen Gruppen im Land.

Dennoch sprechen aufgrund der Verschlechterung der politischen und finanziellen Situation in den vergangenen Jahren viele Christen davon, das Land zu verlassen – wenn auch schweren Herzens. Es ist die Pflicht von KIRCHE IN NOT, ihnen neue Hoffnung zu geben, eine Perspektive, damit sie in diesem schönen Land bleiben. Die Kirche, die ja ein zentrales Element in ihrem Leben darstellt, muss mithilfe unserer Bemühungen gestärkt werden.

Frauen aus Beirut mit Hilfspaketen von KIRCHE IN NOT.
Frauen aus Beirut mit Hilfspaketen von KIRCHE IN NOT.

Wer sind die Partner vor Ort?

Unsere Partner werden Bischöfe, Priester und Schwestern sein, deren religiöse Gebäude durch die Explosion beschädigt worden sind. Die Maronitische Kirche ist die größte im Bezirk, aber viele Gebäude der anderen Riten (zum Beispiel des griechisch-katholischen und des lateinischen Ritus) und der orthodoxen Kirche sind ebenfalls beschädigt worden; auch sie werden unsere Hilfe benötigen.

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Schweigend und höflich stehen sie unter der prallen Sonne in einer Schlange vor dem Socio-Medical Intercommunity Dispensary im Beiruter Armenviertel Nabaa. Einige von ihnen sind ältere Menschen und leben allein; andere haben Familien zu ernähren. Sie alle haben die Scham überwunden, um Almosen zu bitten, um etwas zu essen zu haben.

Die seit 1973 von der Versammlung der Frauenorden geleitete Krankenstation wurde 1968 von den Franziskanerinnen-Missionarinnen Mariens gegründet, um Bedürftige zu betreuen.

Essensausgabe in Nabaa einem aermeren Viertel in Beirut, Foto: KIRCHE IN NOT

Als sich im Libanon die wirtschaftliche Lage verschlechterte, erweiterte die Krankenstation 2017 die medizinische und soziale Versorgung der Bedürftigen um die Ausgabe von warmen Mahlzeiten und verteilte 250 Mittagessen pro Tag. Jetzt, da sich der Libanon dem wirtschaftlichen Kollaps nähert, stellt die Ambulanz jeden Tag 1200 Mahlzeiten zur Verfügung.

„Der Libanon befindet sich in einer Situation, in der die Mittelschicht arm und die Armen noch ärmer geworden sind“, sagt Schwester Marie Justine el Osta von der Kongregation der maronitischen Schwestern der Heiligen Familie und Direktorin der Ambulanz. „Das ist eine Katastrophe.“

Trotz des wachsenden Elends um sie herum schenkt die kleine, energische 72-jährige Ordensfrau allen, denen sie dient, ein warmes und ermutigendes Lächeln.

„Meine Kraft kommt von Gott allein“, versichert Schwester Marie Justine. „Unsere Mission ist es, an der Seite der Menschen zu sein, sie aufzurichten und ihnen eine Portion positiver Einstellung und Hoffnung zu geben. Ihnen zu sagen, dass Gott mit uns ist, dass bessere Tage kommen.“

Schwester Marie Justine el Osta von der Kongregation der maronitischen Schwestern der Heiligen Familie und Direktorin der Ambulanz. Foto: KIRCHE IN NOT

Schwester Marie Justine gibt jedoch auch zu: „Für mich ist es sehr schmerzhaft zu sehen, dass Menschen nach dem geringsten ihrer Rechte fragen müssen: Nahrung. Sie haben das Gefühl, ihre Würde verloren zu haben. Es tut mir weh, das zu sehen.“

Maguy, eine Mutter von vier Kindern im Alter von 7 bis 16 Jahren, begann vor ein paar Wochen die Krankenstation aufzusuchen, um warme Mahlzeiten zu bekommen.

„Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal tun würde“, sagt sie über die Nahrungsmittelzuteilung. „Es kam aber der Augenblick, in dem ich mir sagte, dass ich meine Kinder nicht verhungern sehen wollte. Für sie würde ich alles tun. Bei den Schwestern und allen anderen hier fühle ich mich willkommen. Gott segne sie für alles, was sie tun.“

Die warmen Mahlzeiten werden außerhalb der Ambulanzstation zubereitet. Die Empfänger bringen ihre eigenen Behälter zum Verzehr zu Hause mit. Aufgrund der Coronavirus-Präventionsmaßnahmen erfolgt die Ausgabe im Freien, am Eingang der Ambulanz. So wurde die Essensverteilung auch durch die katastrophale Explosion nicht unterbrochen, die Beirut am 4. August erschütterte und bei der fast 200 Menschen getötet, weitere 6000 verletzt und mehr als 300 000 obdachlos wurden.

Erzbischof Issam John Darwish von Zahle mit Lebensmittelhilfe.

Obwohl die Ambulanz vier Kilometer vom Ort der Explosion entfernt liegt, hat sie beträchtliche Schäden erlitten, die Reparaturen in Höhe von fast 40.000 Dollar erfordern. Die Ordensschwester ist dankbar, dass in der Ambulanz niemand verletzt wurde, da sie zum Zeitpunkt der Explosion geschlossen war.

„In diesem Land leben wir von Tag zu Tag, weil wir nicht wissen, was morgen passieren wird. Wir können das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen“, erklärt Schwester Marie Justine. „Ich sage immer, dass Gott uns immer hilft. Ich danke Gott, denn er schickt uns Menschen, die uns helfen“, sagt sie und verweist auf die Hilfe, die vom Hilfswerk KIRCHE IN NOT kommt.

Sie weist dennoch darauf hin, dass „die Not wächst“. Die Möglichkeit einer Hungersnot im Libanon sei sehr real. „Wir nähern uns (der Hungersnot), weil die Lebensmittel sehr teuer werden, und die Menschen nicht mehr genug Geld haben werden, um sie im Supermarkt zu kaufen“, warnt Schwester Marie Justine. „Wir brauchen ein Wunder.“

Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen sind heute mehr als 55 Prozent der libanesischen Bevölkerung arm. Sie müssen darum kämpfen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen ­– fast doppelt so viele Menschen wie noch vor einem Jahr. Die libanesische Währung hat in weniger als einem Jahr mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren, und die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich verdoppelt, verdreifacht oder sogar vervierfacht.

KIRCHE IN NOT unterstützt ein Programm zur Verteilung von Lebensmittelpaketen an mehr als 5800 bedürftige Familien, die von der Explosion am 4. August betroffen wurden. Schwester Marie Justine wird einen Teil der Verteilung beaufsichtigen.

Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

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Gut fünf Wochen nach der Explosion im Hafen von Beirut, die weite Teile der Stadt zerstörte, stellt KIRCHE IN NOT weitere Nothilfemaßnahmen für die betroffene Bevölkerung zusammen. Mitarbeiter des Hilfswerks reisen in diesen Tagen in die libanesische Hauptstadt, um sich die Lage vor Ort anzusehen und noch vor Winterbeginn weitere Hilfsprojekte zu starten. Diese werden vorrangig pastorale Projekte und Wiederaufbauhilfen umfassen. Unmittelbar nach der Katastrophe hatte KIRCHE IN NOT geholfen, Lebensmittelpakete und weitere notwendige Bedarfsgüter bereitzustellen. Sie kamen 6000 Familien zugute, die am schwersten von der Explosion betroffen sind.
Aufräumarbeiten in der maronitischen Kathedrale nach der Explosion. Über 100 Kirchen, Klöster und Schulen wurden zerstört.

Über 100 Kirchen, Klöster und Schulen zerstört

Nur drei Kilometer vom Detonationsort liegt der überwiegend von Christen bewohnte Bezirk Aschrafiyya (Achrafieh). Wie Projektpartner gegenüber KIRCHE IN NOT berichteten, seien dort und in weiteren Teilen Beiruts über 100 Kirchen, Klöster, kirchliche Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen zerstört.

Neben der humanitären Notlage befürchtet die Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, eine Auswanderungswelle der libanesischen Christen: „Viele von ihnen machen sich Sorgen über die wirtschaftliche und politische Situation, die sich fortlaufend verschlechtert. Die Explosion vom 4. August könnte der Tropfen sein, der das Fass zum Überlaufen bringt.“ Es bestehe die Gefahr, dass viele Angehörige der christlichen Gemeinschaft, der größten im Nahen Osten, die Geduld verlören und anderswo eine bessere Zukunft suchten. „Wir wollen ihnen durch unsere Unterstützung zeigen, dass es für sie eine Zukunft im Libanon gibt – einem Land, das so lange ein Leuchtturm des Christentums gewesen ist“, sagte Lynch.

Regina Lynch, Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT

Über 30 000 Familien sind obdachlos

KIRCHE IN NOT stimmt die weiteren Nothilfen mit anderen katholischen Hilfsorganisationen ab. Jede Organisation ist dabei für einen anderen Bereich verantwortlich, zum Beispiel für Wiederaufbau, medizinische Versorgung, Schule und Bildung oder Infrastruktur.

Durch die Explosion haben über 30 000 Familien in Beirut ihre Wohnungen und Häuser verloren. Es seien längerfristige Nothilfen nötig, da die Instandsetzung einige Zeit brauchen werde, erklärte Lynch. Überwältigt zeigte sie sich von der Hilfsbereitschaft der Wohltäter von KIRCHE IN NOT: „So viele Menschen haben mit so viel Mitgefühl auf das Leid der Menschen in Beirut reagiert. Die Nachrichten von unseren Projektpartnern sind voller Dankbarkeit. Die Botschaft ist angekommen: Die Leidtragenden sind nicht allein.“

Lieferungen mit Hilfsgütern für die Betroffenen der Explosion.

Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

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Aufgrund der schwierigen Situation, in der sich die Christen im Libanon befinden, bewilligt das internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT drei Nothilfeprojekte für gefährdete Familien und Flüchtlinge in der Region Zahle und Bekaa.

Im Laufe der Jahre hat die Kirche im Libanon eine wichtige Rolle dabei gespielt, auf die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bedürfnisse der Bevölkerung zu reagieren. „Jetzt kämpft unser ganzes Volk darum, seine tägliche Nahrung zu bekommen. Wir werden alles tun, um in diesen schwierigen Zeiten an seiner Seite zu stehen“, sagte der griechisch-melkitische Erzbischof Issam John Darwish von Zahle.

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Erzbischof Issam John Darwish von Zahle inmitten von Lebensmitteln für die Hilfspakete.

Bedürftige Familien unverzüglich mit Lebensmittel versorgen

Zwei der Projekte zielen darauf ab, bedürftige Familien unverzüglich mit Nahrungsmitteln und Hygieneartikeln zu unterstützen. Um das Leid von 2.000 Familien in Zahle und im Bekaa-Tal zu lindern, hat Erzbischof Darwish das Hilfswerk KIRCHE IN NOT um finanzielle Unterstützung für 2.000 Lebensmittelpakete gebeten. Gegenwärtig sind viele Menschen aufgrund der Coronakrise nicht einmal in der Lage, sich mit Grundnahrungsmitteln zu versorgen. Ein zweites Projekt kommt weiteren hundert Familien in den Pfarreien der maronitischen Diözese Baalbeck–Deir el-Ahmar im Norden von Bekaa zugute. Dank der Hilfe erhalten diese Familien, die unterhalb der Armutsgrenze leben, für drei Monate eine gewisse Sicherheit.

„Ihre finanzielle Unterstützung ist von großer Bedeutung. Sie kommt genau dann, wenn wir sie am meisten brauchen. Sie wird eine große Wirkung haben und einer großen Zahl von Bedürftigen helfen. Wir finden keine Worte, um unsere Dankbarkeit auszudrücken. Es sind die wunderbaren Taten anderer, die uns die meisten Tage im Schwung halten. Es ist eine große Hilfe in einer sehr schwierigen Zeit. Ein Sonnenstrahl, der etwas Hoffnung bringt“, so drückt Dr. Mireille Bechara, Projektleiterin der maronitischen Diözese, ihre Dankbarkeit aus.

Ausgabe von Lebensmittel und Hygieneartikel für bedürftige Familien.

Die Menschen in Zahle und Bekaa leben in Chaos und Angst

Angesichts der steigenden Zahl von Neuinfektionen und der fehlenden Testkapazitäten im Land wird KIRCHE IN NOT außerdem die Einrichtung eines Covid19-Testzentrums im Krankenhaus Tel Chiha unterstützen, einer der Erzdiözese Furzal, Zahle und Bekaa gehörenden Einrichtung. Ein solches Testzentrum ist unerlässlich, um die dramatische Situation zu lindern, unter der die Menschen leiden.

Das Krankenhaus befindet sich in einer der ärmsten Regionen des Libanon. Die Zahl der Covid 19-Patienten hat besonders in diesem Gebiet nahe der syrischen Grenze zugenommen. Das einzige Regierungskrankenhaus, das auf Covid testete, wurde jedoch in einen großen Skandal verwickelt, als falsche Testergebnisse herausgegeben wurden und sich herausstellte, dass der für das Labor verantwortliche Arzt mit einem gefälschten Abschluss arbeitete.

„Die Menschen in Zahle und Bekaa leben in Chaos und Angst. In den letzten zwei Wochen ist die Zahl der Patienten in allen Regionen, insbesondere in Zahle und Bekaa, dramatisch angestiegen. Wir stehen kurz davor, die Kapazität unseres Gesundheitssystems zu erschöpfen“, erklärt der griechisch-melkitische Erzbischof Darwish von Zahle.

Aus diesem Grund wurde geplant, im bestehenden katholischen Krankenhaus eine Testabteilung einzurichten, die 150.000 Einwohnern zur Verfügung steht, darunter Flüchtlinge und lokale Risikogruppen.

„Das Leben der Menschen liegt in unseren Händen. Wir müssen den Menschen ein vertrauenswürdiges Labor zur Verfügung stellen. Denn jetzt sind sich die Bewohner der Region über die meisten Ergebnisse nicht sicher. Deshalb müssen wir die Tests dringend wiederholen, um eine bessere Nachverfolgung des Virus zu gewährleisten“, erklärt Darwish.

Eine Straße in Zahle.

„Das Leid im Libanon ist riesig“

Die Leiterin der Projektabteilung für das Hilfswerk KIRCHE IN NOT betont ihrerseits:  „Wie allgemein bekannt, ist das Leid im Libanon riesig, besonders in Beirut nach dem katastrophalen Bombenanschlag. Aber wir dürfen nicht die Coronakrise vergessen, die sich in der Region immer weiter ausbreitet. Ein wichtiger Teil der seelsorgerlichen Bedürfnisse, mit denen die Kirche in der gegenwärtigen Notsituation im Land konfrontiert ist, spiegelt sich in lebenswichtigen Bedürfnissen wie Nahrungsmitteln und medizinischen Versorgungspaketen wider.“

Obwohl es im Libanon seit 1932 keine offiziellen Bevölkerungszahlen mehr gibt, schätzt die vom in Beirut ansässigen Forschungsunternehmen Statistics Lebanon durchgeführte, jüngste Umfrage die Zahl der Christen im Libanon auf 44%. Die schwere wirtschaftliche und politische Krise treibt jedoch viele Christen seit Jahren zur Auswanderung. Der Korruption überdrüssig, haben die Menschen das Vertrauen in die Regierung und die Politiker verloren. Laut dem KIRCHE IN NOT-Bericht über Religionsfreiheit sind die Christen auf 32,2% der knapp sechs Millionen Libanesen gesunken. Dazu kommen wegen des Kriegs im benachbarten Syrien mehr als eine Million Flüchtlinge, meist sunnitische Muslime.

Die maronitische Kathedrale wurde durch die Explosion beschädigt.
Trotz Auswanderung bleibt der Libanon das Land mit der anteilsmäßig größten Christenzahl im gesamten Nahen Osten und eines der wenigen, in dem die Christen nicht unter sozialer oder politischer Diskriminierung leiden. In den letzten Jahren haben irakische und syrische Christen wegen der Verfolgung und des Krieges in ihren eigenen Ländern im Libanon Zuflucht gesucht. Seit vergangenem Oktober hat es Demonstrationen für einen Regimewechsel gegeben, aber die Explosionen, die Beirut am 4. August 2020 verwüsteten, haben das Land an den Rand des Abgrunds gebracht.
Um den Christen im Libanon beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Um den Betroffenen der Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut beizustehen, hat das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ Lebensmittelhilfen in Höhe von 250.000 Euro auf den Weg gebracht. Damit sollen arme Familien versorgt werden, die von der Detonation unmittelbar betroffen sind oder ihr Zuhause verloren haben.

Lokalen Quellen zufolge sind bei der Explosion im Beiruter Hafenviertel mindestens 100 Menschen ums Leben gekommen und über 4000 Personen verletzt worden. Die Schäden, die mutmaßlich durch eine Explosion von Ammoniumnitrat ausgelöst wurden, haben weite Teile des Beiruter Stadtgebietes verwüstet. Internationale Medien berichteten, dass bis zu 300 000 Einwohner obdachlos geworden sind.

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Rauchwolke nach der Explosion im Beiruter Hafenviertel.

„Detonation wie eine Atombombe“

„Kirche in Not“ stand unmittelbar nach der Explosion in Kontakt mit mehreren Projektpartnern aus dem Libanon. Einer von ihnen, der Karmelitenpater Raymond Abdo, erklärte: „Die enorme Druckwelle erinnerte an die Detonation einer Atombombe. Überall war roter Rauch. Es entstand großer Schaden.“

Abdo teilte „Kirche in Not“ mit, dass ein Kloster von Ordensschwestern schwer beschädigt worden sei. Eine ältere Ordensfrau sei dabei umgekommen. Die übrigen Ordensfrauen seien mit dem Leben davongekommen, weil sie sich alle im Speisesaal befunden hätten, der als einziges Gebäudeteil weitgehend intakt geblieben sei.

Der maronitisch-katholische Priester Samer Nassif erklärte, das christliche Viertel von Beirut sei „völlig zerstört“ worden. Die Bewohner hätten ihre Wohnungen und Arbeitsplätze verloren. Auch mindestens zehn Kirchen lägen in Trümmern. „Durch die Explosion wurde dem christlichen Viertel von Beirut mehr Schaden zugefügt als in den langen Jahren des Bürgerkriegs. Wir müssen es von Grund auf neu bauen“, sagte Nassif.

Samer Nassif, Projektpartner von „Kirche in Not“ im Libanon.

Libanon auf internationale Hilfe angewiesen

Die Projektpartner beklagten, dass der Libanon durch die lang anhaltende Wirtschaftskrise und die Folgen der Corona-Pandemie schlecht gerüstet sei, um die Notlage zu bewältigen. Das Land sei dringend auf internationale Hilfe angewiesen.

Einen „Appell an die Staaten der Welt“ richtete auch der maronitisch-katholische Patriarch Béchara Pierre Kardinal Raï: „Beirut, die Braut des Ostens und der Leuchtturm des Westens ist verwundet. … In allen Straßen herrscht Zerstörung und Trostlosigkeit. … Wir brauchen Hilfe, um wieder aufstehen zu können.“

Ein Flüchtlingslager im Libanon.

Um den Überlebenden der Katastrophe in Beirut beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Der Libanon steckt in einer schweren wirtschaftlichen und politischen Krise – und dann kam auch noch Corona. Die Auswirkungen treffen auch die karitative Arbeit der katholischen Kirche im Land schwer. In Zahlé und der Bekaa-Ebene versorgen kirchliche Einrichtungen tausende Flüchtlinge aus dem benachbarten Syrien.

Oliver Maksan, Chefredakteur der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“, hat für das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ mit dem dortigen melkitischen griechisch-katholischen Erzbischof Issam John Darwish über die aktuelle Lage gesprochen.

Issam John Darwish, melkitischer griechisch-katholischer Erzbischof von Zahlé und Furzol.

Oliver Maksan: Herr Erzbischof, der Libanon war schon vor der Corona-Krise großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten ausgesetzt. Zwingt die Pandemie das Land jetzt in die Knie?

Erzbischof Issam John Darwish: Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaft anderer großen Länder schwer getroffen. Wir müssen deshalb damit rechnen, dass der Libanon im Vergleich dazu sogar härter getroffen wird, denn es gab schon zuvor Verschuldung und Korruption. Aber man muss auch sagen, dass es ernst zu nehmende Bemühungen der neuen Regierung gibt, zu verhindern, dass das Land in die Knie geht.

Der Libanon ist ein Land mit vielen Religionen. Vor Corona sind alle gemeinsam auf die Straße gegangen, um gegen das Versagen der Politik zu protestieren. Würden Sie sagen, dass Corona auch die Solidarität unter den Menschen unabhängig von ihrer Religion gestärkt hat?

Dieser religionsübergreifende Konsens ist viel mehr als nur das Resultat der gegenwärtigen Pandemie oder einer wirtschaftlichen Krise. Konsens und Solidarität müssen als Kultur verankert werden. Proteste allein vereinigen noch kein gespaltenes Land. Was ein Land viel eher zusammenführt, ist eine Erziehung hin zur Einheit und ein funktionierendes nationales Vorbild. Anderenfalls wird der Libanon ein Schauplatz frustrierender Experimente und des Politikerversagens bleiben.

Ausgabe von warmen Mahlzeiten in der Tafel „Sankt Johannes der Barmherzige“ in Zahlé unter Corona-Schutzmaßnahmen.

Was macht die katholische Kirche, um den von Corona heimgesuchten Menschen zu helfen?

Der Patriarch der melkitischen griechisch-katholischen Kirche, Joseph I. Absi, hat alle Bischöfe gebeten, die Agrarflächen der Diözesen den Gläubigen zur Verfügung zu stellen, damit sie es bewirtschaften können. Das haben wir gemacht. Außerdem haben wir damit begonnen, das Krankenhaus in Zahlé mit der wegen Covid-19 dringend benötigten Ausrüstung auszustatten. Wir haben zudem mit dem Krankenhaus der Amerikanischen Universität in Beirut zusammengearbeitet, um unser Personal im Umgang mit der Pandemie zu schulen. Schließlich haben wir die Verteilung von Hygiene-Artikeln verstärkt, um den Menschen eine bessere Vorsorge gegen die Pandemie zu ermöglichen.

„Kirche in Not“ unterstützt das Projekt „Tafel Sankt Johannes der Barmherzige“. Dort werden bedürftigen Menschen warme Mahlzeiten zur Verfügung gestellt. Mussten Sie wegen der Pandemie etwas umstellen?

Die Tafel „Sankt Johannes der Barmherzige“ hat nie damit aufgehört, bedürftigen Menschen Essen zur Verfügung zu stellen. Wegen der Pandemie mussten wir aber dafür sorgen, dass die Menschen ihr Essen erhalten können, ohne ihre Sicherheit zu riskieren. Diese Maßnahmen greifen noch immer. Die Zahl der Empfänger hat seit Beginn der Pandemie zugenommen – und tut es immer noch. Derzeit gibt die Tafel mehr als 1400 Essen täglich aus.

An der Essensausgabe der Tafel „Sankt Johannes der Barmherzige“.
Es gibt kein Land auf der Welt, das im Vergleich zu seiner Einwohnerzahl mehr Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen hat als der Libanon. Stellen die Libanesen ihre Solidarität mit den Syrern durch Corona in Frage?

Die Mehrheit der Libanesen hat zu Beginn der syrischen Krise das Flüchtlingsaufkommen sehr zögerlich aufgenommen. Die Einreise wurde zu bestimmten Zeiten von der libanesischen Regierung aufgedrängt. Jetzt wird die Lage immer schwieriger, denn die Zahl der Flüchtlinge ist problematisch groß. Während der Corona-Zeiten bedrohen zum Teil undisziplinierte Flüchtlinge zudem die Solidarität wie auch die Möglichkeiten des Aufnahmelandes.

Hilft Ihre Diözese an Corona erkrankten Flüchtlingen?

Bislang gibt es in Zahlé und Umgebung keine an Corona erkrankten Menschen. Aber wir ergreifen natürlich die notwendigen Vorkehrungen, um für auftretende Fälle vorbereitet zu sein. Entscheidend sind dabei die Ausstattung des Krankenhauses und die Schulung des dortigen Personals.

Was hat die Corona-Krise die Kirche gelehrt?

Ich neige dazu zu glauben, dass die Vorsehung des Herrn seine Schöpfung an seine Gebote und seine immerwährende Liebe und Barmherzigkeit erinnert. Vielleicht ist aber auch ein Ruf an die Menschheit, das Ausmaß des Schadens in den Blick zu nehmen, den Industrie und Waffen anrichten. Wir bitten Gott darum, unseren Glauben zu reinigen und der Menschheit die Gelegenheit zur Umkehr zu geben, damit er diese Bedrohung durch die Pandemie für immer aufhebt.

Würden Sie sagen, dass die Corona-Krise die Christen der Kirche nähergebracht hat?

Die Gläubigen standen und stehen immer noch der Kirche nahe. Sie baten uns immer darum, die Kirchen wieder zu öffnen. Wann immer wir in der Kirche gebetet haben, sind Gläubige gekommen und haben vor der Tür mit uns gebetet. Sie glauben fest, dass die Eucharistie sie beschützt.

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Flüchtlingslager im Libanon.

Als erstes von rund 5000 Hilfsprojekten des weltweiten katholischen Hilfswerks „Kirche in Not“ hat die Tafel „Johannes der Barmherzige“ in Zahlé/Libanon ihre Arbeit als Reaktion auf die Corona-Krise umstellen müssen. „Die Pandemie hält die Welt in Atem. Wir erhalten Nachrichten der Anteilnahme aus aller Welt. Doch auch unsere Projektpartner leiden unter den Auswirkungen der Krise. Das macht uns Sorgen“, erklärte Florian Ripka, Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Deutschland.

Die Tafel „Johannes der Barmherzige“ wird von der melkitischen griechisch-katholischen Erzdiözese von Furzol, Zahlé und der Bekaa-Ebene betrieben. Normalerweise werden dort jeden Tag rund 1000 Personen mit einem Mittagessen versorgt. Die meisten von ihnen sind Flüchtlinge; die syrische Grenze liegt nicht weit. Nun musste die Essensausgabe den Bewirtungsbetrieb in den eigenen Räumen einstellen, nachdem die libanesische Regierung umfangreiche Schutzmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie getroffen hatte.

Essenslieferung an 400 Personen

Die Arbeit geht auch unter den veränderten Umständen weiter: Helfer bringen die Mahlzeiten nun zu rund 400 besonders bedürftigen Personen, die ihre Häuser nicht mehr verlassen können. „Ich danke dem Team der Freiwilligen für ihren Einsatz. Sie tun Gutes und helfen den Menschen in dieser außergewöhnlichen Situation“, erklärte der zuständige melkitisch griechisch-katholische Erzbischof Issam John Darwish. Er rief die Menschen auf, zu Hause zu bleiben sowie Gebete und Gottesdienste über Radio oder Internet zu verfolgen. Im Libanon gelten ähnlich wie in zahlreichen europäischen Ländern Versammlungsverbote.

Krisenländer trifft Corona noch härter

„Länder, deren Gesundheitswesen wenig Schutz bietet oder die, wie der Libanon, durch Flüchtlingsströme und Krisen bereits geschwächt sind, trifft die Ausbreitung des Corona-Virus noch viel härter als uns“, erklärte Florian Ripka. Im Libanon herrscht eine schwere politische und wirtschaftliche Krise. Seit Herbst 2019 kam es zu Massenprotesten. „Kirche in Not“ nutzt die bestehenden Kontakte zu den lokalen Kirchenvertretern, damit die Hilfsleistungen gesichert bleiben.

Mittlerweile träfen bei „Kirche in Not“ auch aus Venezuela und den Palästinensergebieten Nachrichten ein, die über Auswirkungen der Corona-Pandemie berichten, sagte Ripka: „Wir alle werden in der Zeit des Corona-Virus geprüft, aber wir können auch etwas tun: Unser Gebet und unsere Solidarität müssen weitergehen.“

Um die Tafel „Johannes der Barmherzige“ im libanesischen Zahlé weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter www.kircheinnot.at/helfen/spenden oder auf folgendes Konto:

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Vorbereitung der Essensauslieferung

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