

„Unser Grenzort Yaroun ist heute zutiefst verwundet“, sagte Nadaf, Pfarrer der melkitischen Gemeinde St. Georg in Yaroun. Anfang Mai seien der Pfarrsaal, der zuletzt als Notkirche diente, das Jugendzentrum der Pfarre sowie das Kloster der griechisch-katholischen Salvatorianerinnen mitsamt ihrer Schule zerstört worden. Eine vollständige Schadensaufnahme sei derzeit nicht möglich, da der Zugang zum Dorf weiterhin gefährlich sei. „Zweifellos ist dies eine der größten Katastrophen, die unser Dorf je erlebt hat“, erklärte Nadaf.
Der Ort Yaroun liegt unmittelbar an der Grenze zwischen dem Libanon und Israel. Die Bevölkerung besteht mehrheitlich aus schiitischen Muslimen; zugleich gibt es dort seit Jahrhunderten eine christliche Gemeinde. Seit Beginn der Kämpfe im Oktober 2023 gehört Yaroun zu den besonders betroffenen Orten im Südlibanon. Bereits kurz nach Beginn der Auseinandersetzungen mussten sämtliche Bewohner flüchten. Kirchen, Wohnhäuser und öffentliche Gebäude wurden schwer beschädigt oder zerstört. Zwischenzeitlich waren einige christliche Familien nach Yaroun zurückgekehrt. Sie hatten versucht, beschädigte Häuser notdürftig zu reparieren und das Gemeindeleben wieder aufzunehmen.

Doch mit der erneuten Eskalation Anfang 2026 seien sämtliche Hoffnungen auf eine dauerhafte Rückkehr erneut zerstört worden. „Seit Beginn des Krieges leben die Familien im Exil, geprägt von Ungewissheit und großer Hilflosigkeit“, sagte Pfarrer Nadaf. Viele Vertriebene seien inzwischen in andere Orte des Südlibanon oder in den Norden des Landes geflohen.
Besonders besorgt zeigte sich der Priester, was die Zukunft der Christen in der Region angeht. „Die vertriebenen Christen haben sich diesen Krieg nicht ausgesucht. Sie bitten nur darum, in ihre Häuser zurückkehren zu dürfen, in Frieden mit allen zu leben und im Land ihrer Vorfahren bleiben zu können“, betonte er. Neben humanitärer Hilfe brauche es vor allem Sicherheit und Perspektiven, damit die verbliebenen Christen nicht endgültig aus der Region gedrängt würden.
„Kirche in Not“ unterstützt christliche Gemeinden im Libanon unter anderem mit Nothilfe, Seelsorgeprojekten sowie Hilfen für Ordensgemeinschaften und kirchliche Schulen. Der Libanon leidet seit Jahren unter einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise; die jüngsten Kämpfe im Süden des Landes haben die Lage vieler Familien zusätzlich verschärft.
Der neu gewählte Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, Paul III. Nona, hat die internationale Gemeinschaft vor einer weiteren Eskalation der Konflikte im Nahen Osten gewarnt. In einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT appellierte das Oberhaupt der größten katholischen Kirche des Irak an die Staatengemeinschaft, den Menschen der Region endlich eine Zukunft in Frieden zu ermöglichen.
„Wir können nicht akzeptieren, dass Jahr für Jahr in diesem oder jenem Land ein neuer Krieg ausbricht“, sagte der Patriarch. Die Sehnsucht nach Frieden sei groß. Was die Menschen im Nahen Osten von der internationalen Gemeinschaft forderten, sei „im Grunde einfach: Respekt – Respekt vor unseren Völkern und vor unserer Souveränität“.
Nur so könne verhindert werden, dass der Nahe Osten dauerhaft zum Schauplatz geopolitischer Konflikte werde. „Wir möchten unseren jungen Menschen in die Augen schauen und ihnen sagen: ,Ihr habt eine Zukunft.‘ Doch dafür muss die Welt aufhören, unser Land in ein ständiges Schlachtfeld zu verwandeln“, erklärte Nona.
Der 58-jährige Patriarch, bürgerlich Amel Shamon Nona, wird am 29. Mai in der St.-Joseph-Kathedrale in der irakischen Hauptstadt Bagdad in sein Amt eingeführt. Sein Amtsantritt fällt in eine Zeit großer Unsicherheit im Nahen Osten. Viele Menschen in der Region leiden weiterhin unter den Folgen jahrelanger Kriege, wirtschaftlicher Krisen und politischer Spannungen – vom Irak und Syrien bis hin zum Heiligen Land und dem Libanon.

Nona kennt die Auswirkungen von Krieg und Vertreibung aus persönlicher Erfahrung. Als Erzbischof von Mossul erlebte er den Vormarsch der Terrormiliz „Islamischer Staat“ im Jahr 2014 unmittelbar mit. Während der Besetzung der Stadt mussten hunderttausende Christen und andere Minderheiten aus ihrer Heimat fliehen. Auch seine eigene Gemeinde wurde vollständig vertrieben.
Rückblickend sprach der Patriarch von einer „sehr schwierigen, aber auch prägenden Zeit“. Gleichzeitig habe ihn diese Zeit gelehrt, wie tief der christliche Glaube vieler Menschen im Irak verwurzelt sei. „Trotz allem haben die Menschen ihre Hoffnung bewahrt“, sagte Nona. Gerade das Leiden habe den Glauben vieler Christen vertieft. Das Zeugnis der Christen im Irak bestehe darin, „unermesslich gelitten und dennoch einen tiefen, unerschütterlichen Glauben bewahrt“ zu haben.
Als Leitwort für sein Patriarchat wählte Paul III. Nona die Worte Jesu aus dem Markusevangelium: „Fürchte dich nicht! Glaube nur!“ (Mk 5,36). Die größte Herausforderung der Gegenwart sei für viele Menschen die Angst vor der Zukunft, vor Krieg und davor, die eigene Lebensweise zu verlieren. „Aber wenn wir unseren Glauben so leben, wie der Herr es von uns will, können wir mit diesen Ängsten leben und dennoch voller Glauben bleiben“, sagte der Patriarch.

Dankbar äußerte sich der neue Patriarch über die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT. Während der schwersten Jahre des IS-Terrors und des Wiederaufbaus habe das Hilfswerk den Christen beigestanden, „als andere es nicht konnten“. Für die Zukunft hoffe er besonders auf Unterstützung im Bereich Bildung und Ausbildung. „Wenn wir eine gebildete Generation haben, die ihren Glauben versteht, ist das die beste Grundlage dafür, dass unser Volk bleibt und gedeiht“, erklärte Nona.
Die chaldäisch-katholische Kirche ist die größte katholische Kirche des Irak und gehört zu den mit Rom verbundenen Ostkirchen. Ihr gehören etwa eine halbe Million Gläubige an, von denen viele im Ausland leben. Patriarch Paul III. Nona wurde 1967 im Nordirak geboren und 1991 zum Priester geweiht. Von 2010 bis 2014 war er Erzbischof von Mossul. Nach der Vertreibung durch den „Islamischen Staat“ leitete er die chaldäische Kirche in Australien.

Jerusalem. Bethlehem. Nazareth. Diese Namen berühren das Innerste eines jeden Christen. Doch die Wirklichkeit, die Benediktinerabt Nikodemus Schnabel in einer bewegenden Ansprache vor Vertretern von KIRCHE IN NOT gezeichnet hat, erschüttert tief.
„Wenn Sie glauben, dies sei ein Eldorado des Christentums, dann sieht die Realität anders aus”, sagte Abt Schnabel. Alle Christen zusammen machen heute weniger als 2 % der Bevölkerung im Heiligen Land aus. Zum Vergleich: Selbst in den am stärksten säkularisierten Regionen Europas – etwa der Tschechischen Republik – gibt es um ein Vielfaches mehr Christen.
Der Ort, an dem unser Glaube seinen Ursprung hat, droht seine letzten einheimischen Christen zu verlieren.

Was Abt Schnabel befürchtet, ist ein Szenario, das kaum auszudenken ist: Kirchen, Klöster und heilige Stätten bleiben erhalten – aber die lebendigen Gemeinden dahinter verschwinden.
„Meine Sorge ist, dass das Heilige Land zu einer Art ‚christlichem Disneyland’ werden könnte. Die heiligen Stätten werden bleiben, mit Mönchen und Priestern. Aber es könnte keine christlichen Familien mehr geben, keine jungen Christen, kein reguläres christliches Leben.”
Kein Weihnachtsfest, das in Bethlehem von einheimischen Gläubigen gefeiert wird. Kein Osterjubel einheimischer Christen in Jerusalem. Nur Pilger – und Stille.
Rund 60 % der arabischsprachigen Christen leben vom Tourismus. Das letzte gute Jahr war 2019. Seither haben Pandemie, Konflikte und Instabilität den Pilger- und Tourismusstrom dramatisch einbrechen lassen. Viele Familien stehen ohne Einkommen da. Um dieser Not entgegenzuwirken, hilft KIRCHE IN NOT beispielsweise christlichen Familien in Bethlehem, die diese schönen Olivenholzrosenkränze herstellen. Diese und andere Olivenholzprodukte finden Sie hier auf unserer Webseite.
„Die Menschen gehen weg, weil sie keine Zukunft sehen”, sagt Schnabel. Und sie fühlen sich dabei von niemandem wirklich wahrgenommen. „Sie haben oft das Gefühl, dass es keine Rolle spielt, ob sie da sind oder nicht.”
Besonders dramatisch ist die Lage im Gazastreifen, wo eine kleine christliche Gemeinschaft unter einer, wie Abt Schnabel sagt, „doppelten Besatzung” lebt: dem äußeren Druck von Krieg und Blockade – und der inneren Unterdrückung durch das Hamas-Regime.

Besonders betroffen sind auch christliche Migranten und Asylsuchende. Viele von ihnen arbeiten in der Pflege, auf Baustellen oder in der Landwirtschaft. Sie beten, dienen, kümmern sich – und bleiben doch oft unsichtbar.
Abt Nikodemus spricht von eingezogenen Pässen, eingeschränkter Freiheit, Familientrennung und Bedingungen, die er als eine Form moderner “Sklaverei” beschreibt.
Besonders erschütternd: Frauen, die Ja zum Leben sagen und sich gegen eine Abtreibung entscheiden, können dadurch mit ihren Kindern in eine irreguläre Situation geraten.
In einem der erschütterndsten Teile seiner Ansprache sprach Abt Schnabel offen über wachsende Feindseligkeit gegenüber Christen von Seiten extremistischer Gruppen: Anspucken auf offener Straße, Vandalismus, Brandstiftung, Schändung von Heiligtümern, Hassgraffiti.
„Dieses Phänomen kann nicht länger als marginal abgetan werden”, betonte er. Und doch – mitten in all dem Schmerz – leuchtet etwas auf, das uns den Atem verschlägt.

Am 7. Oktober 2023, als der Terror über Israel hereinbrach, weigerten sich christliche Pflegekräfte aus dem Ausland, die ihnen anvertrauten alten Menschen zu verlassen. Sie blieben. Und sie starben.
„Sie weigerten sich zu fliehen”, berichtete Abt Schnabel mit sichtbarer Bewegtheit. „Sie blieben bei denen, die ihnen anvertraut worden waren.” Für ihn ist ihr Zeugnis ein zutiefst christliches – die stille Größe des Evangeliums gelebt bis zum Ende.
Abt Schnabels Appell war klar: Damit christliche Familien im Heiligen Land bleiben können, braucht es Wohnraum und Arbeitsplätze. Ohne konkrete Zukunftsperspektive werden die Gemeinschaften weiter verschwinden. Durch Ihre Großzügigkeit und vieler weiterer Wohltäter können wir Christen und die Kirche vor Ort unterstützen.
Aber er bat auch um etwas, das jeder von uns geben kann: „Betet, dass es im Heiligen Land eine Zukunft für Christen gibt.”
Denn ohne lebendige christliche Gemeinden in Jerusalem, Bethlehem und Nazareth drohen die heiligsten Orte der Welt zu leeren Symbolen zu werden – zu einem Erbe ohne Zeugen.
Lassen Sie uns diese Christen nicht vergessen. Mit Ihren Gebeten, Ihrer Solidarität und Ihrer Unterstützung können Sie dazu beitragen, dass das Heilige Land nicht verstummt.
Wenn Sie können, helfen Sie bitte heute auch mit Ihrer Spende, dass Christen im Heiligen Land bleiben können. Ihre Großzügigkeit schenkt Familien neue Hoffnung, stärkt die Kirche vor Ort und zeigt unseren Brüdern und Schwestern: Ihr seid nicht vergessen. Hier können Sie für Christen im Heiligen Land spenden. Vergelt’s Gott!
KIRCHE IN NOT hat die Zerstörung einer Christusstatue im Süden des Libanon scharf verurteilt. Auslöser sind Bilder, die in den vergangenen Tagen verbreitet wurden und nach Angaben der israelischen Armee authentisch sind.
Wie die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) in öffentlichen Erklärungen vom 19. und 20. April 2026 mitteilten, zeigen die Aufnahmen einen Soldaten der eigenen Streitkräfte im Süden des Libanon. Die Armee erklärte, sie nehme den Vorfall sehr ernst. Das Verhalten des Soldaten widerspreche den Werten und Verhaltensmaßstäben, die für Angehörige der Streitkräfte gelten.
Zu möglichen disziplinarischen Konsequenzen wurden bislang keine weiteren Einzelheiten bekannt. Nach Angaben der Armee wird der Fall derzeit innerhalb der militärischen Befehlskette untersucht. Zugleich kündigten die Streitkräfte an, die örtliche christliche Gemeinschaft bei der Wiederherstellung der beschädigten Statue zu unterstützen.

KIRCHE IN NOT zeigt sich tief betroffen über die Schändung eines heiligen christlichen Symbols. Das Hilfswerk verurteilte die Tat mit Nachdruck und erklärte seine volle Solidarität mit den Christen im Libanon, die seit Jahren unter Unsicherheit und Instabilität leiden.
Zugleich betonte KIRCHE IN NOT, dass der Respekt vor religiösen Symbolen und Kultstätten ein grundlegendes Prinzip sei – auch und gerade in Zeiten bewaffneter Konflikte. Nichts könne Handlungen rechtfertigen, die die religiöse Würde von Gemeinschaften verletzten oder Missachtung gegenüber dem ausdrückten, was ihnen heilig sei.
Das Hilfswerk begrüßte, dass eine Untersuchung eingeleitet worden sei und erste Schritte zur Aufarbeitung sowie zur Wiederherstellung angekündigt wurden. Solche Maßnahmen seien wichtig, um Respekt zu sichern und ähnliche Vorfälle künftig zu verhindern. Entscheidend werde sein, dass sie transparent und glaubwürdig umgesetzt würden.
KIRCHE IN NOT bekräftigte außerdem, weiterhin an der Seite bedrängter Christen zu stehen und überall dort geistliche und konkrete Hilfe zu leisten, wo Glaube, Würde und Religionsfreiheit bedroht seien.
Abschließend rief das Hilfswerk zum Gebet für die christlichen Gemeinschaften im Libanon und in der gesamten Region auf. Zugleich erneuerte es seine Forderung nach dem Schutz der Religionsfreiheit und nach Achtung dessen, was Gläubigen jeder Tradition heilig ist.
Die Zukunft christlicher Schulen in Jerusalem steht nach Einschätzung von Verantwortlichen der Ortskirche vor großen Herausforderungen.
Diese teilten ihre Befürchtungen dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ mit. Hintergrund ist eine Entscheidung des israelischen Bildungsministeriums, wonach für das Schuljahr 2026/27 keine Arbeitsgenehmigungen mehr für palästinensische Lehrkräfte aus dem Westjordanland ausgestellt werden sollen.
Betroffen sind insbesondere Lehrer mit einer „Green Card“, die bislang unter bestimmten Bedingungen in von Israel kontrollierten Gebieten arbeiten konnten. Sollte die Regelung umgesetzt werden, könnten mehr als 200 Lehrkräfte ihre Anstellung an christlichen Schulen in Jerusalem verlieren.

Bereits im Juli 2025 hatte der Bildungsausschuss der Knesset einen Gesetzentwurf verabschiedet, der vorsieht, Abschlüsse aus dem Westjordanland nicht mehr für den Schuldienst in Israel und Ostjerusalem anzuerkennen. Nach Darstellung der israelischen Behörden entsprechen diese Abschlüsse nicht den geforderten akademischen Standards. Schon zu Beginn des laufenden Schuljahres erhielten zahlreiche Lehrkräfte keine Genehmigung mehr.
Mit dem Schreiben vom 10. März 2026 hat sich die Situation weiter zugespitzt: Die Schulen wurden aufgefordert, künftig ausschließlich Lehrkräfte einzustellen, die in Jerusalem leben und über von Israel ausgestellte Qualifikationen verfügen. In der Praxis bedeutet dies, dass palästinensische Lehrer aus dem Westjordanland mit sogenannter „Green Card“ nicht mehr beschäftigt werden können.
Ein Vertreter des Generalsekretariats der christlichen Schulen im Heiligen Land, der aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, warnte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT vor weitreichenden Folgen: „Diese Entscheidung könnte unsere Schulen in eine sehr schwierige Lage bringen und ihre Existenz gefährden.“

Die betroffenen Schulen haben eine lange Tradition und spielen eine wichtige Rolle für das Zusammenleben in Jerusalem und im gesamten Heiligen Land. Viele von ihnen wurden bereits im 19. Jahrhundert gegründet und stehen Kindern unterschiedlicher religiöser Herkunft offen.
Nach Angaben der Verantwortlichen arbeiten derzeit rund 230 Lehrkräfte aus dem Westjordanland an 15 christlichen Schulen in Jerusalem. Ihr Wegfall würde die Einrichtungen organisatorisch und pädagogisch erheblich belasten. „Im Durchschnitt wären etwa 15 Lehrer pro Schule betroffen“, sagte der Ansprechpartner für die christlichen Schulen. Zugleich gebe es in Jerusalem nicht ausreichend qualifizierte christliche Lehrkräfte, um diese Lücke kurzfristig zu schließen.
Neben den Schulen selbst hätte die Entwicklung auch soziale Folgen für die betroffenen Familien. Viele der Lehrer sichern mit ihrer Arbeit den Lebensunterhalt ihrer Angehörigen. Ein Verlust der Anstellung träfe sie in einer ohnehin angespannten Situation im Nahostkonflikt.

Die katholische Kirche sucht nach eigenen Angaben das Gespräch mit den zuständigen Stellen, um gemeinsam Lösungen zu finden. Gleichzeitig wurden rechtliche Schritte eingeleitet, um die Situation zu klären. „Die Kirche wird die Betroffenen nicht alleinlassen“, betonte der Vertreter der Schulen. Ziel sei es, die Bildungsarbeit langfristig zu sichern und Perspektiven für die Lehrer und ihre Familien zu erhalten.
KIRCHE IN NOT verfolgt die Entwicklung aufmerksam und steht in engem Kontakt mit der Ortskirche. Neben der Unterstützung konkreter Hilfsmaßnahmen gehe es auch darum, auf die Situation der Christen im Heiligen Land aufmerksam zu machen und ihre Präsenz langfristig zu stärken.
Die anhaltenden Angriffe im Libanon treffen nach Einschätzung eines Ortsbischofs nicht mehr nur militärische Ziele, sondern die gesamte Bevölkerung. „Das ist kein gerechter Krieg, es ist eine Niederlage für uns alle“, sagte der syrisch-katholische Bischof Jules Boutros KIRCHE IN NOT (ACN). Boutros ist seit 2022 Kurienbischof des syrisch-katholischen Patriarchats von Antiochia.
Aus Beirut berichtete der 43-jährige von einer zunehmend katastrophalen Lage im Land. Die israelischen Angriffe richteten sich offiziell gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah, tatsächlich seien jedoch immer wieder zivile Einrichtungen betroffen. So seien zuletzt auch Gebäude in Wohngebieten getroffen worden, darunter Hotels – eines davon in einem überwiegend christlichen Viertel. „Niemand weiß, wer sich im selben Gebäude aufhält. Diese Unsicherheit betrifft jeden Libanesen. Das Risiko ist überall“, erklärte der Bischof.

Mit Interesse registriert Boutros, dass angesichts der jüngsten Eskalation auch ein Umdenken unter schiitischen Muslimen einsetze. „Früher hörte man aus der schiitischen Gemeinschaft kaum Kritik an der Hisbollah. Jetzt ist das anders.“ Besonders die Äußerung eines ranghohen schiitischen Geistlichen, wonach religiöse Gebäude nicht als Flüchtlingsunterkünfte dienen sollten, habe Empörung ausgelöst. Sunnitische Muslime, Christen und Drusen seien sich in der Ablehnung des Krieges ohnehin einig, sagte Boutros.
Besonders dramatisch sei die Situation im Süden des Libanon nahe der Grenze zu Israel. „Der gesamte Süden ist weitgehend entvölkert. Wir sprechen von hunderten von Dörfern“, sagte Boutros. Auch mehrheitlich von Christen bewohnte Ortschaften seien von Angriffen betroffen. Viele Menschen seien geflohen und wüssten nicht, ob sie jemals zurückkehren könnten. Internationale Beobachter gehen von rund einer Million Binnenflüchtlinge im Libanon aufgrund der jüngsten Eskalation aus.

Die humanitäre Lage verschärfe sich dramatisch, so der Bischof. Die Kirche im Libanon spiele eine zentrale Rolle bei der Versorgung der Vertriebenen: „Christliche Gemeinden haben ihre Türen weit geöffnet.“ Gleichzeitig stoßen viele Einrichtungen an ihre Grenzen. Die Bedürfnisse seien vielfältig und reichten von Treibstoff für Generatoren über Lebensmittel bis hin zu psycho-spiritueller Begleitung.
Besonders schwierig sei die Situation für Familien, die Angehörige aufgenommen haben und von öffentlicher Hilfe nicht erfasst würden. In manchen Regionen sei es zudem zu gefährlich, Hilfsgüter direkt zu verteilen. „Deshalb ist finanzielle Unterstützung oft die einzige Möglichkeit, zu helfen“, erklärte Boutros.
KIRCHE IN NOT unterstützt die Kirche im Libanon seit Jahrzehnten und hat seine Hilfe angesichts der aktuellen Krise weiter verstärkt. Bischof Boutros dankte ausdrücklich für diese Unterstützung: „Aus dem Libanon danken wir Ihnen für alles, was Sie für unsere Kinder, Familien und besonders für die Vertriebenen tun.“ Zugleich richtete er einen dringenden Appell an das Ausland: „Wir brauchen noch mehr Hilfe. Jede noch so kleine Spende bedeutet sehr viel.“
Angesichts der jüngsten Eskalation im Libanon intensiviert KIRCHE IN NOT seine Hilfe vor Ort deutlich. Im Zentrum stehen derzeit der Aufbau medizinischer Versorgungsstrukturen, die Unterstützung von Vertriebenen sowie konkrete Hilfsprojekte für besonders betroffene Regionen.
Ein Schwerpunkt ist der Aufbau neuer medizinischer Anlaufstellen im umkämpften Süden des Landes. Gemeinsam mit der maronitisch-katholischen Kirche plant KIRCHE IN NOT die Einrichtung eines medizinischen Versorgungszentrums, unter anderem in der Region Qlayaa, wo entsprechende Strukturen bereits vorhanden sind. Qlayaa liegt wenige Kilometer von der israelischen Grenze entfernt und ist ein überwiegend christlich geprägtes Dorf. Der am 9. März bei einem Bombenangriff getötete Priester Pfarrer Pierre al-Raï war dort Pfarrer.
In Qlayaa stehen Freiwillige bereit, auch medizinisches Personal ist verfügbar – es fehlt jedoch an Medikamenten, Ausrüstung und finanzieller Absicherung. Genau hier setzt die Hilfe von KIRCHE IN NOT an: Das Hilfswerk will Gehälter für Ärzte finanzieren sowie notwendige Medikamente und Ausstattung bereitstellen. Hintergrund ist eine dramatische Erfahrung der vergangenen Wochen: Verwundete sind gestorben, weil eine schnelle medizinische Versorgung nicht möglich war.

Parallel dazu hat KIRCHE IN NOT neue Nothilfeprojekte für Vertriebene auf den Weg gebracht. In der maronitischen Diözese (Eparchie) Sidon im Südwesten des Libanon sollen rund 1500 Binnenvertriebene mit Lebensmitteln und grundlegenden Gütern versorgt werden.
Ein weiteres Projekt in der Region Baalbek in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Landes richtet sich an bis zu 8000 Menschen, die aufgrund der Kämpfe ihre Heimat verlassen mussten. Beide Initiativen werden gemeinsam mit lokalen kirchlichen Partnern umgesetzt und befinden sich derzeit in der finalen Abstimmung.
Die Hilfe erfolgt über ein weit verzweigtes Netzwerk kirchlicher Einrichtungen: Pfarren, Diözesaneinrichtungen und Klöster nehmen Vertriebene auf und organisieren Versorgung und Unterkünfte. Viele Menschen leben derzeit in kirchlichen Gebäuden, bei Gastfamilien oder in angemieteten Wohnungen. Die Kirche hilft ausdrücklich allen Bedürftigen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Die Versorgungslage im Libanon entwickelt sich ebenfalls dramatisch. Neben der Lebensmittelversorgung rückt aktuell ein weiteres Problem in den Fokus: der Mangel an Treibstoff. Aufgrund der anhaltenden Stromausfälle sind viele Einrichtungen auf Generatoren angewiesen. KIRCHE IN NOT bereitet sich darauf vor, auch diesen Bereich verstärkt zu unterstützen.
Neben der unmittelbaren Nothilfe reagiert KIRCHE IN NOT auch auf die besonderen Bedürfnisse von Kindern und Familien. Ein weiteres geplantes Projekt sieht vor, Pakete mit Bibeln und Spielen zu verteilen. Sie sollen Kindern helfen, die Erlebnisse von Flucht und Gewalt besser zu verarbeiten und Familien in der Ausnahmesituation Halt geben.
Die aktuellen Maßnahmen bauen auf der langjährigen Hilfe des Hilfswerks im Libanon auf. Bereits bei der Eskalation im Jahr 2024 infolge des Gazakriegs stellte KIRCHE IN NOT mehr als vier Millionen Euro für 72 Projekte bereit – darunter Hilfen für Schulen, Lebensmittelversorgung, medizinische Betreuung und Traumabegleitung. Angesichts der aktuellen Entwicklung rechnen die Partner vor Ort nun mit einem deutlich höheren Bedarf.

Charakteristisch für die Arbeit von KIRCHE IN NOT ist der langfristige Ansatz. „Unsere große Stärke ist, dass wir bleiben“, betonen die Verantwortlichen. Viele laufende Projekte – etwa die Unterstützung katholischer Schulen oder pastorale Angebote mit psychologischer Begleitung – haben bereits einen ausgeprägten Notfallcharakter und werden auch in der aktuellen Situation fortgeführt.
Die Lage im Libanon bleibt unterdessen angespannt. Vertriebene sind im ganzen Land verteilt, die Zahl der Hilfsbedürftigen verändert sich ständig. Umso wichtiger ist die enge Abstimmung mit lokalen Partnern und anderen Hilfsorganisationen. Klar ist jedoch: Die Kirche bleibt für viele Menschen ein zentraler Anlaufpunkt – und KIRCHE IN NOT unterstützt sie dabei, diese Rolle auch unter erschwerten Bedingungen wahrzunehmen.
Der neue Nahostkrieg hat auch für die christliche Minderheit im Heiligen Land schwerwiegende Auswirkungen; noch mehr Christen als bisher denken über Auswanderung nach. Dennoch sieht die Kirche ihre Aufgabe weiterhin darin, den Menschen inmitten der Krise Hoffnung und Würde zu schenken. Darauf hat George Akroush, Leiter des Büros für Projektentwicklung beim Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT hingewiesen.
Akroush befand sich in München, als der Krieg gegen den Iran begann. Sämtliche Flüge nach Israel waren gestrichen. Der Mitarbeiter des Patriarchats musste daher eine 32-stündige Rückreise antreten, die ihn über Griechenland, Ägypten und schließlich auf dem Landweg nach Jerusalem führte.
„Es war eine äußerst belastende und beängstigende Erfahrung“, berichtete Akroush. Zu Hause erwartete ihn seine Familie, die bereits seit drei Tagen unter ständigem Luftalarm lebte. „Ich versuche, vor den Kindern stark zu wirken und meine Angst nicht zu zeigen. Aber das war die schlimmste Erfahrung meines Lebens. So etwas haben wir noch nie erlebt“, stellte Akroush fest.
In Jerusalem und Umgebung besteht ständig die Gefahr durch Raketen oder durch Trümmer abgefangener Geschosse. Splitter gingen zuletzt sogar über der Altstadt von Jerusalem nieder, wo sich zahlreiche Kirchen, Klöster und andere wichtige christliche Einrichtungen befinden, darunter auch der Sitz des Lateinischen Patriarchats.

Eine Rakete, die die südisraelische Stadt Be’er Scheva traf, beschädigte mehrere Gebäude, darunter auch das Haus einer christlichen Familie. Weiter im Norden liegen die Regionen Haifa und Galiläa in Reichweite von Raketen proiranischer Milizen aus dem Südlibanon. Besonders bitter sei, dass sich auf beiden Seiten der Grenze christliche Dörfer befinden, sagte Akroush.
Der Krieg hat auch massive wirtschaftliche Folgen. So wurden die Kontrollpunkte zwischen dem Westjordanland und Israel erneut geschlossen. „Vor den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 hatten etwa 180 000 Menschen aus dem Westjordanland eine Arbeitserlaubnis in Israel. Danach sank diese Zahl auf 15 000. Jetzt haben auch diese Menschen ihre Arbeit verloren“, erklärte Akroush.
Auch im Gazastreifen hat sich die Lage weiter verschärft. Seit Beginn des neuen Krieges seien alle humanitären Hilfslieferungen gestoppt worden. „Seit dem 7. März ist keine einzige Lieferung mehr nach Gaza gelangt – keine Medikamente, kein Krankenhausmaterial, nicht einmal Antibiotika“, berichtete Akroush. Die Kirche bemühe sich weiterhin, das einzige christliche Krankenhaus dort zu unterstützen, doch derzeit seien die Kommunikationskanäle blockiert.

Trotz aller Schwierigkeiten setze die Kirche ihre Hilfe fort, so der Koordinator. Rund 200 Menschen leben weiterhin auf dem Gelände der katholischen Pfarrei in Gaza, darunter fast 50 Menschen mit Behinderung, die von den Missionarinnen der Nächstenliebe betreut werden.
Die Vorstellung, dass der Krieg länger dauern könnte, sei für viele Christen schwer zu ertragen – besonders für jene, deren Lebensunterhalt vom Pilgertourismus abhängt. „Christen, die in Hotels, Restaurants oder Gästehäuser investiert haben, beginnen, zu verzweifeln“, sagte Akroush. Mehrere große Pilgergruppen hätten in den kommenden Wochen ins Heilige Land reisen wollen – das sei jetzt mehr als fraglich.
Viele Christen versuchten angesichts der erneuten Verschlechterung, sich zumindest eine Ausreisemöglichkeit offenzuhalten, erläuterte Akroush. Einige hofften, zunächst nach Jordanien zu gelangen und von dort aus eine Übersiedlung in ein europäisches oder anderes westliches Land zu beantragen.

Gleichzeitig bemüht sich die Kirche, den Menschen neue Perspektiven zu geben. Das Lateinische Patriarchat erhält dabei Unterstützung von KIRCHE IN NOT, unter anderem durch Nothilfeprogramme, Lebensmittelhilfen und Projekte zur Schaffung von Arbeitsplätzen.
Akroush zitierte den Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa. Dieser beschreibe die Aufgabe der Kirche im Heiligen Land oft so: „Unsere Arbeit ist wie ein Presslufthammer, der langsam und beharrlich auf einen harten Felsen trifft, bis dieser zu bröckeln beginnt.“ Jeder Arbeitsplatz, jede unterstützte Familie und jedes Kind, das wieder zur Schule gehen könne, sei ein weiterer kleiner Riss im „Felsen der Verzweiflung“, betonte Akroush.
Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu. In dieser Stunde der Not ruft Pater Anton Lässer, der Kirchliche Assistent von KIRCHE IN NOT international, weltweit zum gemeinsamen Gebet und Fasten auf. Werden Sie Teil dieser geistlichen Gemeinschaft für den Frieden.
Die aktuellen Entwicklungen im Nahen Osten erfüllen uns mit großer Sorge. Niemand kann derzeit absehen, wie weit dieser Konflikt noch reicht – doch die Gefahr von Terror, Krieg und wirtschaftlicher Not ist präsent und bedroht weit mehr als nur die Region selbst.
Als Hilfswerk erreichen uns täglich Berichte aus den betroffenen Gebieten. Doch wir hören nicht nur von Leid, sondern auch von der transformierenden Kraft des Gebets. Wir wissen: Wo menschliche Diplomatie an ihre Grenzen stößt, eröffnet das Gebet neue Wege zum Frieden.
Wir laden Sie ein, sich unserer Gebetsinitiative anzuschließen und ein Zeichen gegen Gewalt zu setzen. Lassen Sie uns gemeinsam auf die geistlichen Mittel vertrauen, die uns als Christen anvertraut sind. Mit festem Vertrauen auf Gott und Seine Möglichkeiten setzen wir der Spirale der Gewalt die Macht der Fürbitte entgegen.
Herzlichen Dank für Ihre Verbundenheit und Ihr Gebet!
Ewiger Vater! Schau voll Erbarmen auf die Not und Bedrängnis Deiner Kinder! Wenn Du uns nicht hilfst, Gott der Erbarmungen und allen Trostes, werden wir zugrunde gehen!
Lass daher in Deiner unergründlichen Barmherzigkeit die neun Chöre der seligen Geister, alle Heiligen und Seligen des Himmels und alle armen Seelen des Fegefeuers unter der Führung des hl. Erzengels Michael und des hl. Josefs, des Schutzherrn der heiligen Kirche, ausziehen in alle Welt, damit sie im Namen und in der Autorität des Unbefleckten Herzens Mariens, der Königin des Weltalls, der Siegerin in allen Schlachten Gottes, durch die Kraft des kostbaren Blutes Jesu, Deines geliebtesten Sohnes, alle bösen Geister in die Hölle hinabstoßen!
Lass sie ausziehen in alle Welt, damit sie alle bösen Menschen, alle Feinde Gottes, der heiligen Kirche, der Menschenseelen, der Menschlichkeit, der Tabernakel und der Heiligtümer hilflos und ohnmächtig und alle ihre bösen Pläne und Werke zunichte machen!
Darum bitten wir Dich durch Jesus Christus, unseren Herrn, und durch das Unbefleckte Herz Mariens, Deiner heiligsten Tochter. Amen.
Ihr Heiligen und Ihr heiligen Engel helfet uns Gott erkennen und anbeten, lieben und Ihm dienen. Helfet uns im Kampfe mit den Mächten der Finsternis, die uns heimlich umschleichen und bedrängen.
Helfet uns, dass niemand von uns verlorengehe und wir einmal jubelnd in ewiger Seligkeit vereint seien. Amen.
Mehrere katholische Bischöfe des Libanon berichten dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ von Angst und Instabilität in ihren Diözesen nach den durch Angriffe der radikalislamischen Hisbollah provozierten israelischen Luftschlägen auf den Süden des Landes.
Der griechisch-melkitische Erzbischof von Sidon, Elie Bechara Haddad, beschrieb die angespannte Atmosphäre mit den Worten: „Raketen fliegen über unsere Köpfe hinweg.“ Seine Diözese sei aktuell nicht direkt getroffen worden, aber viele Flüchtlinge würden bereits in öffentlichen Schulen und Pfarrzentren aufgenommen und betreut.

Auch weiter südlich berichtete der griechisch-melkitische Erzbischof von Tyros, Georges Iskandar, gegenüber „Kirche in Not“, dass kirchliche Einrichtungen bereits Flüchtlinge aufnehmen. Er schätze, dass rund 800 christliche Familien in seiner Diözese bald Hilfe benötigen könnten, sollten die Kampfhandlungen anhalten. „Die Menschen sind erschöpft“, betonte Iskandar, „sie fürchten um ihre Kinder und ihre Zukunft; sie sehnen sich nach einem einfachen und normalen Leben: dass ein Kind ohne Angst zur Schule gehen kann, dass ein älterer Mensch friedlich in seinem Zuhause schlafen kann, dass Vater und Mutter in Würde für ihren Lebensunterhalt arbeiten können.“ Seine Aufgabe als Erzbischof sehe er in dieser Situation darin, den Menschen nahe zu sein, ihr Leid zu hören, mit ihnen zu beten. „Ich muss sie daran erinnern, dass ihre Würde vor Gott gewahrt ist und dass die christliche Hoffnung nicht auf Machtverhältnissen, sondern auf dem Glauben an den Herrn der Geschichte gründet, der Frieden für sein Volk will.“

Im vorwiegend christlich besiedelten Bekaa-Tal entwickelt sich die Krise nach Ansicht des maronitischen Ortsbischofs Hanna Rahmé ähnlich wie bereits im Krieg von 2024. Er berichtete, dass muslimische und christliche Familien aus Baalbek erneut in Deir el-Ahmar Zuflucht suchen. Auch dort seien öffentliche Schulen und Kirchenzentren wie beispielsweise die St.-Nohra-Schule geöffnet worden, um vertriebene Familien aufzunehmen. Trotz äußerst begrenzter Mittel betonte Bischof Rahmé, die Kirche werde die Bedürftigen nicht im Stich lassen: „Sie gehören zu uns; wir werden uns mit unseren Möglichkeiten um sie kümmern.“
Nach Angaben der libanesischen Regierung wurden durch die Luftangriffe fast 30 000 Menschen vertrieben, für knapp 50 Dörfer im Süden des Landes sei die Evakuierung angeordnet worden. Die Autobahnen aus dem Südlibanon und den südlichen Vororten Beiruts waren am Montag schnell überlastet, tausende Menschen steckten stundenlang im Stau fest. Obwohl die Regierung öffentliche Notunterkünfte und Notfall-Hotlines eingerichtet hat, bleibe die Lage nach Einschätzung der katholischen Bischöfe instabil. Mehrere Diözesen haben gegenüber „Kirche in Not“ angekündigt, dass sie bei einer weiteren Eskalation auf internationale Hilfe für die Versorgung der Flüchtlinge mit Nahrungsmitteln, Notfallpaketen und Existenzhilfe angewiesen sein dürften. „Kirche in Not“ hat Bereitschaft zur Hilfe signalisiert und bittet seine Unterstützer um Gebet für den Frieden im Libanon und im gesamten Nahen Osten.
Der Pfarrer der katholischen Pfarre im Gazastreifen, Pater Gabriel Romanelli, hat sich mit einem dramatischen Appell an KIRCHE IN NOT gewandt. „Seit Beginn der Waffenruhe im Oktober sind rund 100 Kinder im Gazastreifen gestorben – keines natürlichen Todes“, erklärte der Geistliche. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF hatte diese Zahl kürzlich gemeldet.
Kälte, unhygienische Lebensbedingungen und immer wieder aufflammende Kämpfe verschlimmerten die Lage – gerade für die Kinder. „Die meisten Menschen leben in Zelten. Atemwegs- und Verdauungserkrankungen nehmen zu“, berichtete Romanelli. Medikamente seien nicht ausreichend vorhanden.
Weitere Sorgen macht sich der Geistliche um die Schulbildung. Vor dem Gaza-Krieg besuchten über 2200 Kinder eine der drei katholischen Schulen im Gazastreifen – bei einer Gesamtzahl von damals etwa 1000 Christen. Derzeit könnten nur 162 Kinder unterrichtet werden. „Das Hautproblem ist der Platz, weil in den Schulen vielfach noch Flüchtlinge untergebracht sind“, sagte Romanelli.

Seine Pfarre habe sich deshalb dazu entschlossen, zwei noch intakte Privatschulen mit Heften, Stiften und anderen Materialien zu unterstützen, damit mehr Kinder die Chance auf Unterricht haben. Das Geld dazu kommt wie auch in anderen Bereichen vom Lateinischen Patriarchat von Jerusalem und Partnern wie KIRCHE IN NOT. „Diese Hilfe ist weiterhin unverzichtbar; denn der Bedarf ist immens“, betonte Romanelli. „Seit dem Waffenstillstand kommen zwar wieder Waren in den Gazastreifen. Doch die Menschen haben kein Geld, um sich etwas zu kaufen.“
In den Räumen der Pfarre „Heilige Familie“ leben aktuell noch 450 Menschen, rund 100 hätten sich entschieden, in ihre Wohnungen zurückzukehren. „Der Krieg ist noch nicht vorbei – auch wenn die Medien etwas anderes nahelegen“, betonte der Pfarrer. Zwar hätten die massiven Bombardierungen in Teilen des Gazastreifens nachgelassen, doch komme es weiterhin zu Angriffen, insbesondere jenseits der sogenannten „Gelben Linie“, der während des Waffenstillstands vom 10. Oktober 2025 festgelegten militärischen Grenze.

„Es gibt nach wie vor Zerstörungen von Häusern, Tote und Verletzte“, berichtete Romanelli. „Es ist absolut notwendig, dass der Krieg wirklich endet. Es scheint jedoch, dass niemand auf der Welt sich wirklich und wirksam dafür einsetzt.“
Angesichts erneuter Kämpfe in der syrischen Millionenstadt Aleppo bitten die lokalen Christen eindringlich um Gebet und Solidarität; sie fürchten, dass der aktuelle Konflikt noch weiter eskalieren könnte. Wie Projektpartner gegenüber KIRCHE IN NOT mitteilten, sind vor allem Zivilisten – darunter auch Christen – erneut besonders von den Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und den kurdisch geführten „Syrian Democratic Forces“ (SDF) betroffen.
Die Gefechte, die bereits Ende Dezember begonnen hatten, flammten nach einer kurzen Waffenruhe am 6. Jänner erneut auf. Medien berichten von mindestens neun Toten. Die Gewalt fiel in die Zeit, in der katholische und orthodoxe Christen Weihnachten bzw. das Hochfest Erscheinung des Herrn feierten. Alle Gottesdienste und Feierlichkeiten wurden abgesagt, da viele Menschen aus Angst ihre Häuser nicht verlassen können.
„Schulen, Universitäten und öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, nur die Krankenhäuser arbeiten noch. Christliche Familien sitzen fest, weil ihre Wohnungen an der Kampflinie liegen“, berichtet eine lokale Quelle von KIRCHE IN NOT, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte.
Die christlichen Kirchen haben zahlreiche Gebäude für Familien geöffnet, die vor den Kämpfen fliehen mussten. Zwar wurden zwei Fluchtkorridore eingerichtet, doch wächst die Sorge, dass sich die Lage weiter zuspitzen könnte. „Nach dem Ausmaß der Bombardierungen und des Beschusses zu urteilen, scheinen beide Seiten etwas Größeres zu planen“, so die Quelle weiter.

Der maronitische Erzbischof von Aleppo, Joseph Tobji, wandte sich in einer Videobotschaft an die Öffentlichkeit: „Die Situation ist erneut kritisch geworden. Viele Menschen verlassen ihre Wohnviertel. Wir zählen auf die Hilfe des Herrn – und danken Ihnen von Herzen für Ihr Gebet.“ Auch der griechisch-katholische Priester Fadi Najjar, ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT, schildert die Lage: „Die Regierung beschießt kurdische Gebiete, die Kurden antworten mit Angriffen auf unsere Viertel.“ Besonders betroffen seien erneut die Zivilisten.
Ähnlich äußerte sich auch Pater Hugo Alaniz. Er gehört der Ordensgemeinschaft „Institut des Inkarnierten Wortes“ an und arbeitet mit KIRCHE IN NOT bei zahlreichen Hilfsprojekten für hilfsbedürftige Gemeindemitglieder zusammen. Wegen der anhaltenden Kämpfe habe selbst eine nachgeholte Weihnachtsfeier für Kinder abgesagt werden müssen. „Wir hörten den ganzen Tag Bombardierungen und Schüsse. Wir bitten um Gebet, dass es zu einer Einigung kommt und der Frieden im Land einkehrt.“

Die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, erklärte: „Erneut erreichen uns alarmierende Nachrichten aus Aleppo. Unsere Brüder und Schwestern bitten um Gebet – und wir schließen uns diesem Appell mit großer Sorge, aber auch mit Hoffnung an.“
Die SDF sind der bewaffnete Arm einer politischen Führung, die seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 große Teile des Nordostens Syriens kontrolliert. Dieses Bündnis wird vor allem von kurdischen Gruppen getragen. Mit Unterstützung einer internationalen Koalition spielten die SDF eine entscheidende Rolle bei der militärischen Niederlage der Terrororganisation „Islamischer Staat“.
Die SDF streben an, ihre Region auch in Zukunft weitgehend selbst zu verwalten. Die neue Regierung in Damaskus lehnt diese Autonomiebestrebungen ab. Sie verfolgt das Ziel, die volle Kontrolle über das gesamte syrische Staatsgebiet wiederherzustellen.

Zwischen beiden Seiten hatten sich die Spannungen bereits seit Monaten aufgebaut. Schließlich eskalierten sie in offenen Kämpfen um die Kontrolle über Teile von Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens. Im Dezember hatten sich SDF und Regierungstruppen auf eine Waffenruhe geeinigt, die nun nach wenigen Tagen wieder gebrochen wurde. Beide Seiten geben sich wechselseitig die Schuld daran.
In Syrien leben lokalen Schätzungen zufolge etwa 250 000 Christen, in Aleppo nicht mehr als 20 000. Vor Beginn des Bürgerkriegs 2011 zählte Syrien noch rund 1,5 Millionen Christen.