Libanon Archive - Seite 3 von 4 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Tyros und Sidon: Bibellesern kommen diese Städtenamen bekannt vor – oft als Ort kriegerischer Auseinandersetzungen oder Prophezeiungen im Alten Testament. Im ohnehin wirtschaftlich wie politisch schwer gebeutelten Libanon von heute gehört das Gebiet um die beiden Mittelmeermetropolen zu den ärmsten Regionen des Landes.

Zwischen Tyros und Sidon liegt das Dorf Aaddousiyyeh. Dort wohnt Nohada, 73 Jahre und Witwe. Ihr einziger Sohn ist schon vor Jahren ausgewandert, so wie es in der aktuellen Krise immer mehr junge Libanesen tun. Sie hat nur eine kleine Rente, ist chronisch krank und läuft an Krücken.

Sie ist vollkommen auf die Hilfe ihrer Nachbarin Mariam angewiesen. Mariam ist die einzige Muslima im Dorf. Aaddousiyyeh wird mehrheitlich von maronitisch-katholischen Christen bewohnt.

Die 73-jährige Nohada erhält ein Lebensmittelpaket von KIRCHE IN NOT.

Die Menschen im Libanon brauchen Ihre Hilfe. Ihre Spende wirkt!

Die Lage wird immer schlechter

Zuständig für sie ist Pfarrer Geryes, 29 Jahre alt und erst im vergangenen Jahr zum Priester geweiht. Er steht als Seelsorger des Dorfes in einer Familientradition: Schon sein Urgroßvater – die maronitische Kirche erlaubt Priestern die Ehe – war Pfarrer in Aaddousiyyeh.

Die Lage ist seither immer schlechter geworden, erzählt Geryes KIRCHE IN NOT: „Vor der Krise waren etwa 20 Prozent unserer Gemeindemitglieder arm, heute sind es 80 Prozent.“ Und arm meint im Libanon: Oft mit weniger als umgerechnet einem Euro am Tag überleben.

Pfarrer Geryes‘ Gemeinde gehört zur maronitischen Erzeparchie (Erzdiözese) Tyros. Heute leben auf dem Gebiet nur noch gut 50 000 Christen. Der Bürgerkrieg bis 1990, die Krieg zwischen der Hisbollah und Israel 2006 und die jüngste Krise mit Politchaos, Inflation und Nahrungsmittelknappheit hat im ganzen Land viele Christen aus dem Land getrieben.

Insgesamt werden 1500 Lebensmittelpakete an bedürftige Menschen in der Erzeparchie Tyros verteilt, wie zum Beispiel im Dorf Aaddousiyyeh.

- Maronitisch-katholischer Erzbischof Charbel Abdallah (Tyros/Libanon)

Wer von den Gemeindemitgliedern geblieben ist, dem fehlt oft schlicht das Geld zum Auswandern. Die meisten Christen seiner Diözese sind kleine Bauern oder Arbeiter, die nahe der israelischen Grenze leben, erklärt Erzbischof Charbel Abdallah: „Die Menschen sind verzweifelt, es fehlt an allem: Lebensmittel, Strom, Medikamente, Milch. Auf allen Ebenen brauchen sie Hilfe, um überleben zu können.“

Zu den jüngsten Gemeindemitgliedern in Aaddousiyyeh gehören Fadi und Rana, Eltern von zwei kleinen Kindern. Sie sind deshalb noch da, weil Fadi im Gegensatz zu vielen Altersgenossen einen relativ sicheren Job beim Militär hat. Doch gut ein Viertel seines Lohns geht für die Hypothek auf das Haus drauf, erzählt er. Fleisch oder Fisch kann sich die junge Familie nicht mehr leisten.

Pfarrer Geryes (links) ist der zuständige Seelsorger in Aaddousiyyeh und kümmert sich um die Verteilng der Lebensmittelpakete.

„Es fehlt an allem”

Erzbischof Abdallah und Pfarrer Geryes versuchen so gut wie möglich für die ihnen anvertrauten Menschen da zu sein – geistlich wie materiell. „Weil ich nicht mehr weiter wusste, habe ich an KIRCHE IN NOT geschrieben, ob sie uns helfen können“, erzählt der Erzbischof.

„Die Antwort kam schnell und so können wir in mehreren Etappen 1500 Lebensmittelpakte an besonders arme Familien und Alleinstehende in meiner ganzen Diözese verteilen.“ Jedes Paket erhält Grundnahrungsmittel wie Brot, Reis oder Mehl, Speiseöl und andere lebensnotwenige Dinge. Die Finanzierung ist erst einmal bis Juli gesichert.

„Diese Hilfe bedeutet uns sehr viel. Die Menschen im Libanon freuen sich, dass sie solche Solidarität erfahren“, betont der Erzbischof. „Wir danken allen Wohltätern von ,Kirche in Not`von ganzem Herzen. Die Lebensmittelpakte helfen unseren Leuten, ihren Alltag zu meistern.“

Der maronitsich-katholische Erzbischof Charbel Abdallah im Verteilzentrum der Lebensmittelpakete.
Unterstützen Sie die Hilfe der Kirche im Libanon für die notleidende Bevölkerung mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz ist eine katholische gemeinnützige Einrichtung in Beirut, die durch die Wirtschaftskrise an den Rand des Zusammenbruchs gebracht wurde. Seit ihrer Gründung vor über sechzig Jahren kümmert sie sich um die am stärksten vernachlässigten Menschen, doch jetzt droht ihr die Schließung, weil die Finanzierung nicht gesichert ist.

Das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz liegt auf den Höhen von Beirut. Von dort aus kann man die Trümmer des Hafens sehen. Es beherbergt 800 Patienten, die an verschiedenen psychischen Krankheiten leiden. Sie alle benötigen spezifische und dauerhafte Hilfe. Das Krankenhaus ist ein großer Komplex mit mehreren Gebäuden. Es arbeiten dort mehr als 300 Personen, darunter Ärzte, Krankenschwestern und Verwaltungspersonal.

Helfen Sie dem Krankenhaus!

Bewahren Sie es vor der Schließung mit Ihrer Spende!

Die Einrichtung wurde 1952 vom seligen Pater Jacques Haddad gegründet, einem libanesischen Kapuzinerpater. Er starb 1954 und wurde am 22. Juni 2008 in Beirut seliggesprochen. Die Einrichtung geht auf ein Projekt zurück, das Pater Haddad nach dem Ersten Weltkrieg ins Leben gerufen hatte. Hier konnte er sich um die vielen behinderten und psychisch kranken Menschen (oft Kinder) kümmern, die von ihren Familien verlassen worden waren. Der libanesische Kapuziner gründete das Krankenhaus vom Kreuz und 1930 die Kongregation der Franziskanerinnen vom Kreuz im Libanon.

Auf den Spuren ihres Gründers leiten die Franziskanerinnen heute 25 medizinische, soziale oder pädagogische Einrichtungen im gesamten Libanon. Das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz ist eines von ihnen. Von Anfang an hat sich die Einrichtung der Unterstützung der am meisten Benachteiligten verschrieben.

Das Krankenhaus beherbergt rund 800 Patienten, die an verschiedenen psychischen Krankheiten leiden.

Aufruf zur internationalen Hilfe

Kürzlich erhielten die 65 Ordensschwestern, darunter auch die Leiterin des Krankenhauses, Schwester Jeanette, Besuch von einer Delegation der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN). Zusammen mit anderen Organisationen unterstützt und finanziert KIRCHE IN NOT Projekte, die es der Einrichtung ermöglichen, ihre Patienten weiterhin zu versorgen. Die Wirtschaftskrise belastet die Einrichtung, die derzeit von ihren Reserven lebt und ohne internationale Solidarität nur wenige Monate überleben würde.

Das Krankenhaus braucht dringend Geld, um sein Personal zu bezahlen, seine Patienten zu ernähren und teure Medikamente zu kaufen, deren Preise sich durch die Abwertung des libanesischen Pfunds mehr als verdreifacht haben. Da der Strom nur eine Stunde pro Tag zur Verfügung steht, laufen die Generatoren des Krankenhauses auf Hochtouren und verbrauchen jede Woche fünfzehn Tonnen Treibstoff, wobei eine Tonne über 700 US-Dollar kostet.

Infolge der COVID-19-Pandemie war das Krankenhaus gezwungen, seine Kapazität von 1000 auf 800 Betten zu reduzieren. Vor der Pandemie leistete der Staat einen Zuschuss in Höhe von 2 US-Dollar pro Patient, also insgesamt 2.000 US-Dollar pro Monat. Obwohl diese Summe minimal und unzureichend war, stellte sie ein regelmäßiges Einkommen dar. Seit Sommer 2020 erhält das Krankenhaus jedoch überhaupt keine öffentlichen Mittel mehr. Der Kongregation bleibt keine andere Wahl, als um internationale Finanzmittel zu bitten, ohne die das Psychiatrische Krankenhaus vom Kreuz gezwungen wäre, zu schließen. Dies wäre eine Katastrophe für die Patienten.

Das Krankenhaus braucht dringend Geld, um sein Personal zu bezahlen, seine Patienten zu ernähren und teure Medikamente zu kaufen, deren Preise sich durch die Abwertung des libanesischen Pfunds mehr als verdreifacht haben.

Verlassen und ohne Familie

Als KIRCHE IN NOT Schwester Jeanette in Beirut traf, erklärte sie, dass bei einer Schließung des Krankenhauses die meisten Patienten auf der Straße landen würden. „Viele haben keine Familie mehr“, sagte sie. Noch schlimmer ist, dass viele Familien ihre Kinder im Krankenhaus zurücklassen und falsche Namen, Adressen und Telefonnummern angeben. Leider, so die Ordensschwester, betreffe dies oft die schwersten Fälle. Sie versicherte jedoch, dass sie ihr Bestes tun würde, um sicherzustellen, dass die Kinder in ihrer Not nicht allein gelassen werden, falls die Finanzierung ausbleibt und die Einrichtung geschlossen werden muss.

Das Pflegepersonal, das wie die überwiegende Mehrheit der Libanesen von der Krise nicht verschont geblieben ist, will seine Arbeit fortsetzen. Die Krankenschwestern stellen oft den einzigen Kontakt der Patienten mit der Außenwelt dar. Foutine, eine junge Krankenschwester, weist auf das Leid vieler Patienten im Krankenhaus hin. Sie sagt, sie betrachte ihre Arbeit als „Berufung“ und wehrt sich gegen den Gedanken, dass die Einrichtung aus Geldmangel geschlossen werden könnte.

Weder Foutine noch ihre Kolleginnen und Kollegen, von denen viele „Ersatzfamilien“ für diese Kinder sind, können sich nicht vorstellen, sie im Stich zu lassen.

Um den Franziskanerinnen und dem Krankenhaus helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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„Mein Name ist Majid. Ich lebe mit meinen Eltern und meinen beiden Geschwistern im Libanon, aber mein Vater hat mir erzählt, dass wir ursprünglich aus Syrien stammen. Ich bin zum Flüchtling geworden wie das Jesuskind, das mit seinen Eltern fliehen musste.“ Der zwölfjährige Majid Abboud hat keinerlei Erinnerung mehr an seine alte Heimat; er war erst drei Jahre alt, als seine Familie mit ihm die Flucht antreten musste.

Majids Vater Basman erinnert sich im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Es war die Hölle: Innerhalb eines halben Jahres wurden in unserem Dorf in Syrien mindestens 50 Menschen getötet. Andere Bewohner wurden von Milizen entführt. Es gab keine Arbeit mehr, keinen Strom, keine Schulen, kein Essen.“

Als Christen stand Majids Familie besonders im Visier dschihadistischer Truppen. Viele syrische Christen geben den Slogan der Terror-Kämpfer wieder: „Alawiten (Anhänger der islamischen Konfession, der auch Syriens Präsident Assad angehört; Anm. d. Red) in den Sarg, Christen nach Beirut.“

Majid mit seinen Eltern und Geschwistern.

„Sie griffen uns mit Gewehren an”

Die Vertreibung der syrischen Christen, immerhin vor Ausbruch des Bürgerkriegs im Jahr 2011 bis zu zehn Prozent der Gesamtbevölkerung, sei von Anfang an geplant gewesen, erzählt Basman: „Es war ein Krieg mit allen Konsequenzen. Noch bevor sich die Situation verschlimmerte, wussten wir, dass unsere Häuser bereits an Islamisten vergeben waren.“

Ein Jahr nach der Eroberung des Dorfes sei es zum Inferno gekommen: „Sie griffen uns mit Gewehren an, töteten 15 junge Männer. Wir verließen mitten in der Nacht unser Haus und sind weggelaufen. Wir haben nichts mitgenommen, nur die Kleidung, die wir am Leib trugen.“ Die Familie schlug sich, wie Tausende andere, über die Grenze in den Libanon durch. Am 20. März 2012 kamen sie in Zahlé an, erzählt Basman. Das Datum wurde zum Beginn eines „zweiten Lebens“ für ihn und seine fünfköpfige Familie: eines Lebens als mittellose Flüchtlinge.

Zunächst kamen sie bei einem Verwandten unter: „15 Personen in einem kleinen Haus. Wir schliefen in zwei Schichten, weil es nicht genug Platz gab.“ In dieser Zeit erfuhr Basman vom Hilfsprogramm der melkitischen griechisch-katholischen Erzdiözese Zahlé und Furzol.

Majid mit seinem Vater und seinen Geschwistern bei einem Gottesdienst.

„Was wären aus uns geworden ohne die Hilfe der Kirche?“

KIRCHE IN NOT unterstützt die Helfer seit Jahren: Sie vermitteln Wohnraum und greifen mittellosen Familien mit Mietbeihilfen unter die Arme, sie betreiben eine Suppenküche und beliefern Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Medikamenten, bieten seelsorgerische und psychologische Unterstützung an und vieles mehr.

Auch Basman hat auf Vermittlung der Erzdiözese eine Arbeitsstelle gefunden. Die Familie zog in ein eigenes kleines Haus. Da das schmale Gehalt kaum ausreicht, um die Miete zu decken, sind die Abbouds auf die täglichen Mahlzeiten in der Suppenküche „Johannes der Barmherzige“ in Zahlé angewiesen. „Was wäre aus uns geworden ohne die Hilfe der Kirche?“, fragt Basman.

Das habe sich nach Ausbruch der Corona-Krise einmal mehr gezeigt. Im Libanon, das seit Jahren vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch steht, haben die Einschränkungen und Folgen der Pandemie wie ein Brandbeschleuniger gewirkt. Basman hat wie viele andere seine Arbeit verloren.

Nun ist seine Familie wieder ganz auf fremde Hilfe angewiesen: „Wenn die Libanesen schon keine Arbeit haben, wie soll es dann uns Flüchtlingen gehen? Ohne die großzügige Hilfe wüssten wir nicht, was wir tun sollten.“ Als Basmans Frau dieses Jahr schwer erkrankte und eine Operation benötigte, wurde diese im Krankenhaus Tel-Chia der Erzdiözese durchgeführt – natürlich kostenlos.

Majid und sein Vater Basman erhalten Lebensmittel in der Suppenküche der Erzdiözese Zahlé und Furzol.

Nun ist die Familie wieder gesund vereint und kann Weihnachten feiern. Majid freut sich darauf, obwohl das Fest mit schmerzhaften Erinnerungen durchsetzt ist: „Manchmal sind meine Eltern und meine Geschwister sehr traurig. Papa erzählt, dass wir in Syrien ein großes Haus hatten. An Weihnachten war die Kirche in unserem Dorf festlich geschmückt, alle kamen dort zusammen. Wir haben Heimweh.“

Nach seinen Weihnachtswünschen gefragt, antwortet Majid ungewöhnlich für einen Zwölfjährigen: „Ich wünsche mir, dass die Menschen an Familien wie die meine denken und uns helfen, Hoffnung auf eine bessere Zukunft zu haben. Frohe Weihnachten an alle!“

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Ein großer Teil der Mittel wird für Bau- und Wiederaufbauprojekte, für Bildung und religiöse Ausbildung verwendet werden, aber auch für als Beitrag für Mieten, Grundnahrungsmittel und medizinische Hilfe. Ohne Hilfsprogramme wie diese besteht die ernste Gefahr, dass die Christen die Region für immer verlassen.

Das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) wird Projekte in Syrien und im Libanon im Wert von fünf Millionen Euro finanzieren, um den dortigen christlichen Gemeinschaften zu helfen, die unter zunehmend schwierigen Bedingungen leben.

Ein großer Teil der Mittel wird für Bau- und Wiederaufbauprojekte verwendet werden.

“Die Präsenz der Christen in der Region könnte bald enden”

Da Syrien noch immer in einem jahrzehntelangen Bürgerkrieg gefangen ist und der Libanon mit einer extremen finanziellen, sozialen und politischen Krise zu kämpfen hat, die durch die Explosion des Hafens von Beirut im Jahr 2020 und das jüngste Wiederaufflammen der Spannungen zwischen verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen noch verschärft wurde, sind viele Christen versucht, ihre Heimat zu verlassen, wie es bereits Hunderttausende getan haben.

In einem kürzlich mit KIRCHE IN NOT geführten Interview erklärte der Patriarch der syrisch-katholischen Kirche, Joseph Younan III deutlich, dass die Präsenz der Christen in der Region bald enden könnte, wenn sich die Lage nicht radikal verbessert. „Wir haben große Angst, dass, wenn diese Krise anhält, die Christen im Libanon und im gesamten Nahen Osten in ein paar Jahren verschwunden sein werden. Normalerweise kehren die Christen nicht zurück, wenn sie weggehen, so, wie es im Irak, in Syrien und in der Türkei geschehen ist.“

Lebensmittelpakete für bedürftige Familien im Libanon. Foto: KIRCHE IN NOT

Soforthilfe soll wieder Hoffnung geben

Um dieses tragische Szenario abzuwenden, hat KIRCHE IN NOT gerade eine Reihe neuer Projekte genehmigt, die Christen in Syrien und im Libanon Soforthilfe leisten, damit sie ihr tägliches Leben meistern und wieder Hoffnung schöpfen können, in ihren Ländern zu bleiben.Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.

Syrien – wo viele Christen von weniger als einem Dollar pro Tag leben und KIRCHE IN NOT seit vielen Jahren materielle und finanzielle Unterstützung leistet – ist einer der Hauptbegünstigten dieser Projekte. Sie umfassen die Finanzierung von Essensprogrammen für ältere Menschen, Brennmaterial für die Zentralheizung eines Wohnheims für junge Studentinnen, Geld für einen sechsmonatigen Vorrat an Medikamenten und die täglichen Lebenshaltungskosten für Familien und viele andere Initiativen, darunter auch Stipendien für Studenten.Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.

Ein spezielles Projekt zielt darauf ab, jungen, frisch verheirateten Paaren zu helfen-  eine Notwendigkeit, die KIRCHE IN NOT-Projektdirektorin Regina Lynch nach einem kürzlichen Besuch in Syrien kommentierte: „Viele junge Menschen heiraten nicht, weil sie es sich nicht leisten können, ein gemeinsames Zuhause einzurichten. Das ist eine Situation, die auch den Bischöfen Sorgen bereitet, denn sie wissen, dass die Gläubigen nicht heiraten, weil sie es sich einfach nicht leisten können. Wir sind dabei, ein Projekt in Aleppo auszuarbeiten, das darin bestehen wird, Paaren genug Geld zu geben, um die Grundkosten für die Schaffung eines gemeinsamen Zuhauses zu decken oder die Miete einer Wohnung für zwei Jahre zu bezahlen.“Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.

Die verheerende Lage im Libanon hat KIRCHE IN NOT dazu veranlasst, seine Hilfe für das Land ab August 2020 zu erhöhen. Während bis zu diesem Zeitpunkt die meisten Mittel für den Libanon zur Unterstützung syrischer Flüchtlinge bestimmt waren, sind es nun die Libanesen selbst, die Hilfe benötigen. Zu den Projekten im Libanon gehören Lebensmittelpakete für bedürftige Familien, Heizmaterial für andere, um den strengen Winter zu überstehen, sowie Messstipendien zur Unterstützung des Klerus. In Zusammenarbeit mit der maronitischen Erzdiözese Tyr werden zum Beispiel in den nächsten acht Monaten Lebensmittelpakete an bedürftige Familien verteilt.

Syrisch-katholischer Patriarch Ignatius Joseph III. Younan

Die Projekte kommen Christen aller Konfessionen zugute

Die Christen im Libanon und in Syrien gehören verschiedenen Gemeinschaften und Konfessionen an. Neben verschiedenen katholischen Riten gibt es auch eine Vielzahl von orthodoxen Kirchen. Die ökumenischen Beziehungen sind im Allgemeinen sehr gut, und die meisten Projekte kommen Christen aller Konfessionen zugute. Mit diesen Hilfspaketen wird ein Teil der Mittel direkt an orthodoxe Kirchen gehen, darunter die griechisch-orthodoxe und die syrisch-orthodoxe Erzdiözese sowie die armenisch-apostolische Kirche in Aleppo.

„Papst Franziskus hat oft von einer Ökumene des Blutes gesprochen. Angesichts so vieler Schwierigkeiten und Verfolgungen scheinen die dogmatischen und theologischen Unterschiede zwischen diesen Gemeinschaften fast irrelevant zu sein, wenn man sie mit dem gemeinsamen Zeugnis der Liebe zu Christus und für eine dauerhafte christliche Präsenz vergleicht. Wir freuen uns sehr, unseren griechisch-orthodoxen und armenisch-apostolischen Brüdern und Schwestern in Aleppo zu helfen, indem wir einige ihrer Projekte finanzieren und so dazu beitragen, die reiche Vielfalt der christlichen Traditionen in Syrien zu bewahren“, sagt Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident von KIRCHE IN NOT.

Fast 1,5 Millionen Euro der Gesamtsumme für beide Länder sind für Restaurierungs- und Bauprojekte vorgesehen, mit denen u. a. Gemeinden, Schulen und Ordensgemeinschaften die materiellen Voraussetzungen für die Durchführung ihrer Mission erhalten. Darüber hinaus sind rund 1,1 Millionen Euro für Bildungsprojekte vorgesehen, um der Bedeutung der Schulbildung und der Glaubenserziehung für junge und erwachsene Christen Rechnung zu tragen.

Syrische Flüchtlingskinder in einer Schule im Libanon.

KIRCHE IN NOT engagiert sich seit Jahren sehr stark in dieser Region

„KIRCHE IN NOT engagiert sich seit einigen Jahren sehr stark in dieser Region. Obwohl wir unseren Einfluss nicht nutzen können, um Frieden oder Stabilität zu erzwingen, können wir mit den Spenden, die uns unsere Wohltäter großzügig zur Verfügung stellen, dazu beitragen, die Bedingungen zu schaffen, um die christliche Präsenz in diesem Teil des Nahen Ostens am Leben zu erhalten. Die Christen leben seit 2000 Jahren in diesen Gebieten, aber wenn wir jetzt nicht helfen, könnte ihr Erbe bald nur noch ein Relikt sein“, sagt Thomas Heine-Geldern.

Christen stellten früher die Mehrheit der Bevölkerung im Libanon und etwa 10 % in Syrien. Jahre der Instabilität haben jedoch viele dazu veranlasst, den Libanon zu verlassen und Frieden, Freiheit und bessere wirtschaftliche Bedingungen im Westen oder in den Golfstaaten zu suchen.

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Regina Lynch, Projektleiterin bei KIRCHE IN NOT (ACN) International, spricht nach einer Reise zur Beurteilung der Lage und zur Bewertung neuer Hilfsprojekte über ihre Erfahrungen im Libanon und in Syrien.

Beschreiben Sie bitte die Lage im Libanon. Was haben Sie dort erlebt?

Die Menschen sind verzweifelt, so kann ich meinen traurigen Eindruck zusammenfassen. Es wird immer schlimmer. Wir waren bereits im vergangenen Jahr in Beirut, aber diesmal konnten wir den Niedergang und die Verzweiflung wirklich sehen. Dasselbe gilt für Syrien: Vor der Krise lebten in Aleppo schätzungsweise 300 000 Christen verschiedener Konfessionen. Jetzt, sagen einige, seien es nur noch 30 000.

Warum verlassen Ihrer Meinung nach auch die Libanesen, insbesondere die Christen, ihr Land?

Es ist sehr dramatisch. Viele der Christen, mit denen wir gesprochen haben, wollen weg – oder, wenn nicht sie, dann ihre Bekannten oder Verwandten. Die Menschen haben wirklich große Schwierigkeiten, zu überleben. Es fehlen ihnen die grundlegenden Güter. Vor der Krise verdiente ein Lehrer zwischen 1.700 und 2.000 US-Dollar im Monat. Heute, angesichts der Inflation und der Abwertung des libanesischen Pfunds gegenüber dem US-Dollar, liegt sein Gehalt bei höchstens 120 bis 150 US-Dollar.

Regina Lynch, Projektdirektorin von KIRCHE IN NOT (ACN) (Foto: Ilona Budzbon/KIRCHE IN NOT).

Dramatische Inflation und Abwertung des libanesischen Pfunds

Wie ist die Lage in Syrien?

In Syrien sind die Menschen sichtlich müde, sehr müde. Sie befinden sich seit zehn Jahren in einer äußerst schwierigen Situation. Im Nordwesten wird weiterhin gekämpft. Obwohl wir bei unseren Besuchen in Damaskus, Homs und Aleppo keine Unsicherheit verspürten, ist die Zerstörung gewaltig. Die Syrer fragen sich, wie sie das Land wiederaufbauen können und wer ihnen dabei helfen wird. Aber vorher muss erst einmal Frieden einkehren.

Verschiedene Leute sagten uns: „Während des Krieges hatten wir zumindest die Aussicht, dass der Krieg irgendwann zu Ende sein würde, aber was für eine Zukunftsperspektive haben wir jetzt?“ Sie versuchen, mit einem US-Dollar pro Tag zu überleben. Das ist unvorstellbar in einem Land, in dem vor dem Krieg ein großer Teil der Bevölkerung recht komfortabel leben konnte.

Können Sie ein Erlebnis schildern, das Sie während der Reise besonders beeindruckt hat?

Eine Mitarbeiterin eines unserer Projektpartner zeigte mir auf ihrem Handy Bilder, die sie aus ihrer Wohnung aufgenommen hatte. Darin war ein kleines Mädchen zu sehen, das in einem großen Mülleimer den Müll durchwühlte und ihrer Mutter Dinge daraus reichte. Die Schwester, die uns begleitete, bat sie: „Wenn du das nächste Mal so etwas siehst, geh bitte hin und gib ihr Geld. Ich werde dir das Geld später zurückzahlen.“ So etwas zu sehen, zerreißt einem das Herz.

Essensausgabe der Tafel „St. Johannes der Barmherzige“ in Zahlé. Jeden Tag werden hier mehrere hundert Mahlzeiten für bedürftige Familien zubereitet und verteilt. KIRCHE IN NOT fördert dieses Projekt großzügig.

Herzzerreißende Szenen in einem einst blühenden Land

Wie wirkt sich diese Situation auf junge Menschen aus?

Wir müssen ihnen Hoffnung und Unterstützung geben. Aus diesem Grund werden wir bald ein Projekt für junge, frisch verheiratete Paare in Syrien starten. Viele Menschen heiraten nicht, weil sie es sich nicht leisten können, um gemeinsam in einer Wohnung zu leben. Das ist auch eine Situation, die die Bischöfe beunruhigt. Das Projekt, an dem wir in Aleppo arbeiten, wird jedem Paar genug Geld zur Verfügung stellen, damit es zwei Jahre lang die Miete für eine Wohnung bezahlen oder den Grundbedarf an Lebensmitteln decken kann.

KIRCHE IN NOT (ACN) hat im Jahr 2021 den Libanon und Syrien mit insgesamt mehr als 100 Projekten im Wert von fünf Millionen Euro unterstützt. Diese Projekte umfassen Soforthilfen für die Deckung des Grundbedarfs an Lebensmitteln, Medikamente, Existenzhilfe für Ordensschwestern, Mess-Stipendien für Priester und den Wiederaufbau von Seelsorgestrukturen.

Blick auf Aleppo im September 2021. Zwar gibt es in der Stadt keine Kampfhandlungen, dennoch sind die Spuren des Krieges allgegenwärtig.
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Die Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament freuen sich: Dank der Hilfe unserer Wohltäter konnten sie einen neuen Minibus für ihre Arbeit anschaffen. Fast 28.000 Euro kamen dafür zusammen.

Schwester Maguy schreibt uns: „Im Namen aller Schwestern unserer Kongregation möchte ich KIRCHE IN NOT für die Hilfe danken. Vor allem aber danke ich im Namen der Menschen, denen wir dienen. Wir besuchen Pfarren, um Katechese zu erteilen, Besinnungstage abzuhalten und andere Seelsorgearbeit zu verrichten. Wir betreuen alte Menschen, beraten die Menschen und helfen ihnen. Ihre Hilfe ist eine große Unterstützung für unsere Arbeit. Vielen Dank!“

Die Hilfe der Schwestern wird mehr benötigt denn je, denn in den letzten Jahren hat sich die Lage im Libanon dramatisch verschlechtert.

Ihre Kongregation wurde 1966 gegründet – ursprünglich, um jungen Mädchen zu helfen, eine Ausbildung im Schneidern zu erwerben, und um Notleidenden medizinische Hilfe zu leisten. Im Laufe der Zeit kamen viele weitere Aufgaben dazu. Die acht Klöster der Schwestern vom Allerheiligsten Sakrament befinden sich in ländlichen Gebieten des Libanon, wo die Armut besonders groß ist. Das Auto brauchen die Schwestern, um auch die weiter abgelegenen besonders armen Dörfer zu besuchen und Trost und Hilfe dorthin zu bringen.

Die Hilfe der Schwestern wird mehr benötigt denn je, denn in den letzten Jahren hat sich die Lage im Libanon dramatisch verschlechtert. Der Krieg im Nachbarland Syrien hat 1,5 Millionen Flüchtlinge in das Land strömen lassen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch.  Dazu kommt die schwere wirtschaftliche und politische Krise, die 2019 begann. Die libanesische Währung hat in weniger als einem Jahr mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren, und die Preise für Grundnahrungsmittel sind bis auf das Vierfache gestiegen. Viele Familien kämpfen ums Überleben, Verzweiflung macht sich breit. Dank Ihrer Hilfe können die Ordensfrauen nun Trost auch dorthin bringen, wo die Menschen bislang auf sich gestellt waren. Herzlichen Dank!

Beirut am Dienstag, 4. August 2020, um 18:07 Uhr: Eine gigantische Explosion erschüttert die libanesische Hauptstadt. 2750 Tonnen Ammoniumnitrat, die in einem großen Silo im Hafen gelagert haben, geraten in Brand und fliegen in die Luft. Die Druckwelle zerstört große Teile der Stadt, insbesondere die Viertel, in denen viele Christen leben.

Mehr als 200 Menschen kommen ums Leben, 6500 Menschen werden verletzt. Tausende sind von jetzt auf gleich obdachlos: Fenster und Türen sind geborsten, Fassaden und ganze Häuser eingestürzt, Trümmer liegen überall in den Straßen.

KIRCHE IN NOT hatte damals schnell geholfen. Schon wenige Tage nach der Explosion konnte in Zusammenarbeit mit Projektpartnern vor Ort eine Lebensmittelhilfe für Tausende betroffene Familien auf die Beine gestellt werden, die ihr Hab und Gut so plötzlich verloren hatten.

Am 4. August ist diese Katastrophe nun ein Jahr her. Der libanesische Ministerrat hat für den 4. August einen Staatstrauertag ausgerufen. Behörden und öffentliche Einrichtungen bleiben an diesem Tag geschlossen. Die Menschen werden sich im Hafen von Beirut zu einer Gedenkveranstaltung versammeln, die vom maronitischen Patriarchen Bechara Kardinal Rai geleitet wird.

Rauchsäule über Beirut am 4. August 2020 (Foto: Samer Nassif).

Wut und Enttäuschung über Regierung

Doch es ist nicht nur Trauer, die an diesem Mittwoch im Mittelpunkt steht, sondern auch die Wut und Enttäuschung der Bevölkerung: Der Libanon leidet seit Herbst 2019 unter einer großen Wirtschaftskrise. Ein Licht am Ende des Tunnels ist derzeit nicht zu sehen: ausufernde Korruption, eine verfallende öffentliche Infrastruktur und Krankenhäuser, die durch die Pflege vieler Covid-19-Fälle vor dem Zusammenbruch stehen.

Aufgrund der Zukunftslosigkeit haben bereits viele Pflegekräfte und Ärzte das Land verlassen oder planen es zumindest. Auch Lehrer an den katholischen Schulen kündigen, um auszuwandern, denn ihr Gehalt reicht nicht aus, um ihre Familien zu ernähren.

Weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt in der Zwischenzeit unterhalb der Armutsgrenze. Am „Collège de la Sainte Famille Française“, einer weiterführenden Schule im gut 20 Kilometer von Beirut entfernten Jounieh, berichtet die Verwaltungsleiterin gegenüber Vertretern von KIRCHE IN NOT, dass sie allein im Juni und Juli dieses Jahres etwa 20 Lehrer verloren habe. Sie wollen das Land verlassen, weil sie einfach nicht mehr über die Runden kommen. Der Grund: Die Kaufkraft ist drastisch gesunken.

Schwester Eva Abou Nassar vom „Collège de la Sainte Famille Française“ (Foto: Jacques Berset/KIRCHE IN NOT)

Libanesische Währung hat massiv an Wert verloren

„Während vor der Krise ein Anfangsgehalt von 1525 Millionen Libanesischen Pfund ungefähr 1000 US-Dollar entsprach, sind es nach dem Einbruch des Libanesischen Pfunds heute nur noch 75 bis 80 US-Dollar“, erklärt Schwester Eva Abou Nassar. „Ein erfahrener Lehrer verdient das Doppelte, aber das ist viel zu wenig. Vor der Krise entsprach ein US-Dollar 1500 Libanesischen Pfund, heute bekommt man dafür auf dem Schwarzmarkt 18.900 Pfund.“

Selbst Dinge des täglichen Bedarfs sind unerschwinglich geworden. Einige Beispiele: Eine Packung Kindermilch kostet 250.000 Libanesische Pfund. Die Miete für einen Stromgenerator beläuft sich auf 600.000 Pfund, und das bei einem monatlichen Mindestlohn von 675.000 Pfund. Das öffentliche Stromnetz wird nur zwei bis vier Stunden am Tag betrieben. Ersatzteile fürs Auto kosten zwei bis vier Monatsgehälter. Schwester Eva berichtet, dass Familien frühmorgens im Schutz der Dunkelheit in Mülltonnen nach Essen suchten, um nicht gesehen zu werden.

Verteilung von Lebensmitteln in Beirut wenige Tage nach der Explosion vom 4. August 2020.

Strom gibt es nur für zwei bis vier Stunden am Tag

Auf der Mauer an der Straße, die entlang des Hafens von Beirut verläuft, stehen die Namen der „Märtyrer“, die bei der Explosion am 4. August 2020 ums Leben gekommen sind. Auch einige bereits verblasste Fotos von Kindern sind dort zusehen.

„Die Menschen sind es satt, dass das politische Establishment den Kuchen unter sich aufteilt und sich nicht um die Bedürfnisse der Bevölkerung kümmert“, sagt der Anwalt Wajih Raad. Auch ein Jahr nach der Katastrophe wirken die Stadtviertel wie tot: An zahlreichen Geschäften sind Eisengitter heruntergelassen, fast alle Restaurants, die die hier die Straßen säumten, sind geschlossen.

“Es wird lange dauern, aber wir werden es schaffen“

Auch wenn die Stimmung bedrückend sei und viele Libanesen das Land verlassen wollen, so blickt Wajih Raad hoffnungsvoll in die Zukunft. „Es wird einige Jahre dauern, aber wir werden es schaffen“, ist er sich sicher.

Auch Pater Raymond Abdo, Provinzial der Unbeschuhten Karmeliten im Libanon, denkt positiv. „Papst Franziskus gibt uns die Hoffnung, dass wir dieser Krise trotzen können. Er ruft die Weltkirche auf, uns nicht fallen zu lassen. Der Papst wird die Kirche im Libanon nicht aufgeben. Warum sollten wir uns vor anderen fürchten, wenn wir an Jesus Christus glauben?“

KIRCHE IN NOT stellte im vergangenen Jahr rund 2,7 Millionen Euro für den Wiederaufbau von kirchlichen Gebäuden zur Verfügung. Die ersten Kirchen konnten bereits wieder renoviert werden und für Gottesdienste öffnen.

Mehr als 2,2 Millionen Euro wurden an Nothilfe, die Beschaffung von Transportmitteln sowie die Unterstützung zum Lebensunterhalt und von Ordensleuten zur Verfügung gestellt. Insgesamt investierte KIRCHE IN NOT 5,4 Millionen Euro für Hilfsprojekte im Libanon.

Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

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Ein knappes Jahr nach der Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut kann die Jesuitenkirche St. Josef im Juli wieder ihre Pforten öffnen. Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt die Renovierungsarbeiten maßgeblich.
Bei der verheerenden Explosion im Hafen Beiruts wurden rund 200 Personen getötet und über 6000 verletzt.

Über 5,3 Mio. Euro für die Menschen im Libanon

Die 1875 erbaute Jesuitenkirche liegt im Stadtteil Aschrafiyya in der Beiruter Altstadt. Der mehrheitlich von Christen bewohnte Bezirk liegt nur rund drei Kilometer vom Hafen entfernt, wo am 4. August 2020 über 2700 Tonnen Ammoniumnitrat in die Luft gingen. Dabei wurden rund 200 Personen getötet und über 6000 verletzt. Tausende Gebäude in der Stadt wurden beschädigt, viele Menschen sind obdachlos geworden.

KIRCHE IN NOT hat nach der Explosion über 5,3 Millionen Euro für die Menschen im Libanon bereitgestellt. Damit wurden Nothilfen und Lebensmittellieferungen finanziert; aktuell unterstützt das Hilfswerk den Wiederaufbau von Kirchen, Konventen, Kindergärten, Schulen und weiteren christlichen Einrichtungen in der Hauptstadt. Über 300.000 Euro flossen in die Instandsetzungsarbeiten der Jesuitenkirche und weiterer zerstörter Gotteshäuser in der Beiruter Altstadt.

Jesuitenkirche St. Josef in Beirut
Front der Jesuitenkirche in Beirut. Alle Glasfenster wurden durch die Wucht der Explosion zerstört.

95 Prozent der Glasfenster zerborsten

„Die Josefskirche wurde durch die Explosion schwer beschädigt. Die Fensterrahmen und Holztüren wurden zerstört, auch das Dach war schwer in Mitleidenschaft gezogen“, erklärte der verantwortliche Bauingenieur Farid Hakimé gegenüber KIRCHE IN NOT. 95 Prozent der Glasfenster waren durch die Explosion zerborsten. Auch die Zwischendecke, die Beleuchtung und die Dachbalken, die noch aus der Erbauungszeit der Kirchen stammen, waren beschädigt. „Nach der Explosion traten an der Decke und am Kirchenbau zahlreiche Risse auf“, sagte Hakimé. Immerhin sei die Kirche nicht einsturzgefährdet gewesen, so dass die Renovierungsarbeiten rasch beginnen konnten.

Jesuitenpater SalahAbou Jaoude, der die Josefskirche betreut, teilte KIRCHE IN NOT mit: „Die neuen Türen werden in den kommenden Tagen geliefert und eingebaut. Auch die Maler- und Elektroarbeiten gehen dem Ende zu, und jetzt beginnt die Installation der Zwischendecke.“

Im Juli sollen dann wieder in größerem Rahmen Gottesdienste in der Kirche gefeiert werden. Die Jesuitenkirche St. Josef beherbergt zahlreiche internationale Gemeinden. Gottesdienste werden unter anderem auf Arabisch, Englisch und Französisch gefeiert. Messen finden auch im maronitischen Ritus statt. Die Jesuiten betreiben in Beirut unter anderem eine Universität, die ebenfalls den Namen des heiligen Josef trägt und zu den größten Bildungseinrichtungen im Nahen Osten gehört.

Unterstützen Sie den Wiederaufbau in Beirut und die Arbeit der christlichen Kirchen im Libanon! Mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Verwendungszweck: Libanon

Oft wurde der Libanon als Modell für den gesamten Nahen Osten gepriesen, auch wegen des vergleichsweisen stabilen Miteinander der Religionen. Doch das Gleichgewicht gerät ins Wanken, seit immer mehr Christen ihre Heimat verlassen. Beirut wurde im August 2020 von einer der schwersten nichtnuklearen Explosionen der Menschheitsgeschichte erschüttert. Libanons Hauptstadt liegt am Boden – und mit ihr das ganze Land. Es leidet unter Misswirtschaft, Korruption, Banken- und Politikkrise.

Wie die Kirche aktuell für die Notleidenden da ist, darüber gibt Pfarrer Jad Chlouk Auskunft. Der 38-Jährige leitet die Gemeinde an der maronitischen Kathedrale St. Georg. Das Gotteshaus wurde ebenfalls durch die Explosion schwer beschädigt. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ finanziert die Instandsetzung der Kathedrale und 16 weiterer kirchlicher Einrichtungen in Beirut.

Sanierung der maronitischen Kathedrale in Beirut.

Das Leben in Beirut ist seit der Explosion nicht mehr dasselbe wie zuvor. Wie ist die aktuelle Stimmung in Beirut?

Wir sind immer noch erschrocken über das, was im August passiert ist. Die Erinnerungen an diesen schlimmen Tag kommen besonders dann zurück, wenn man zerstörte Häuser, Kirchen, Schulen oder Krankenhäuser sieht oder wenn man plötzlich Geräusche wie Donner hört. Die Stimmung ist immer noch angespannt und ängstlich, aber wir versuchen trotz allem, unser geistliches Leben zu erneuern, so gut es geht.

Besonders das Stadtviertel, in dem viele Christen leben, wurde schwer getroffen. Es liegt unweit des Hafens, wo sich die Explosion ereignete. Auch Ihre Pfarrkirche, die maronitische Kathedrale St. Georg, wurde stark beschädigt. „Kirche in Not“ hilft beim Wiederaufbau. Wie weit sind die Reparaturen vorangeschritten?

Die Sanierung der maronitischen Kathedrale hat vor einem Monat begonnen. Wir haben einige provisorische Reparaturen durchgeführt, um weitere Schäden zu verhindern, zum Beispiel durch eindringendes Regenwasser. Wir hoffen, in ein paar Wochen das Dach repariert zu haben. Die Reparaturen der beschädigten Fenster und Türen sind ebenso in vollem Gange.

Jad Chlouk, Pfarrer der maronitischen Kathedrale St. Georg.

Wie hat die Covid-19-Pandemie den Wiederaufbau und die humanitäre Hilfe beeinflusst?

Sie hat vor allem die Sanierung der Kathedrale verzögert. Wir mussten um eine Sondererlebnis bitten, um die Arbeit unter Sicherheitsbedingungen und Abstandsregeln fortsetzen zu können.

Auf der anderen Seite haben wir versucht, die karitative Hilfe gerade jetzt aufrecht zu erhalten. Viele Libanesen leiden schwer unter der Wirtschaftskrise. Deshalb müssen wir noch näher bei den hilfsbedürftigen Menschen sein. Es ist wegen der geltenden Hygienemaßnahmen manchmal schwierig, aber wir haben an unserem Kurs festgehalten.

Unmittelbar nach der Katastrophe im August kündigten vor allem viele junge Leute an, dass sie den Libanon verlassen möchten, denn sie sehen für sich keine Zukunft im Land. Hat sich das bewahrheitet? Was bedeutet das für die christlichen Gemeinden im Libanon?

Statistiken zeigen, dass mehr als 380 000 Einreiseanfragen in den Ländern der Europäischen Union und Nordamerikas eingegangen sind. Die meisten davon kamen von Christen, die sich wie Fremde in der eigenen Heimat fühlen. Das wirkt sich leider negativ auf die christlichen Gemeinden aus. Sie verlieren eine Elite, besonders die Jugend, die eigentlich die Zukunft sein sollte. Die Zahl der Christen geht jeden Tag zurück. Das erhöht den Druck auf diejenigen, die im Land bleiben, denn sie könnten bald Verfolgung erleiden. Das ist keine Verschwörungstheorie, sondern Realität, die wir aus den benachbarten Ländern wie Syrien, Irak, den Palästinensischen Gebieten und Jordanien kennen.

Wenn Sie an das neue Jahr denken, schauen Sie darauf eher mit Sorge oder hoffnungsvoll?

Hoffnung ist unser täglich Brot, besonders in diesen Tagen. Trotz allem schauen wir auf eine hoffnungsvolle Zukunft, weil wir wissen: Unser Herr Jesus Christus ist der Herr der Geschichte. In seinen Händen ist unser aller Geschichte und Leben. Mit ihm und durch ihn sind wir sicher, „dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht“ (Röm 8,28).

Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

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Der Libanon steht weltweit an der Spitze, was die Aufnahme von Flüchtlingen im Verhältnis zur einheimischen Bevölkerung betrifft. Unter den fast anderthalb Millionen Flüchtlingen dort befinden sich auch Christen. In den Regionen mit christlicher Mehrheit hat die lokale katholische Kirche den Bedürftigsten geholfen, eine Unterkunft und alles Notwendige zum Überleben zu finden. Als Beispiel sei die griechisch-melkitische Diözese von Zahle in der Bekaa-Ebene nahe der syrischen Grenze genannt. Dort leben viele christliche Familien, die vor dem Krieg in Syrien geflohen sind. Die aktuelle Krise im Libanon trifft sie sehr hart, aber KIRCHE IN NOT lässt sie nicht im Stich.
Viele Familien fühlen sich sehr einsam, so etwa die Familie Rief, die vor drei Jahren auf der Flucht vor den Bomben und dem Krieg in Syrien in den Libanon kam.

Viele Familien fühlen sich sehr einsam

Denn viele dieser Familien fühlen sich sehr einsam, so etwa die Familie Rief, die vor drei Jahren auf der Flucht vor den Bomben und dem Krieg in Syrien hierher kam. Die Mutter ist Krankenschwester, der Vater war Koch in einem Restaurant. Sie haben drei Kinder, darunter zwei erwachsene, die sporadisch gearbeitet haben, wenn sie konnten. Aber durch die Krise haben sie alle ihre Stellen verloren, keiner bringt mehr ein Einkommen nach Hause. Die Diözese hilft ihnen dank des Hilfswerks KIRCHE IN NOT.

Die seit 2019 von KIRCHE IN NOT geleistete Hilfe für Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen in Zahle beläuft sich auf 3,6 Millionen Euro. Ein großer Teil dieser Hilfe dient der Bezahlung von Mieten und der Bereitstellung von Unterkünften für Familien wie die von Rief. Mit einem weiteren großen Teil der Summe werden sie mit dem Nötigsten wie etwa Kleidung, Medizin und Nahrungsmitteln versorgt.

Ordensfrauen mit Lebensmittelpaketen von KIRCHE IN NOT.

Eine warme Mahlzeit für etwa tausend Menschen pro Tag

Seit Dezember 2015 betreibt die griechisch-melkitische katholische Kirche ein „Tafel-Projekt“ mit dem Namen „Hl. Johannes der Barmherzige“. Der heilige Johannes der Barmherzige wurde berühmt für seine außerordentliche Liebe zu den Armen: Wo immer er Not sah, versuchte er, sie mit all seinen Kräften und Mitteln zu lindern. In seiner Zeit als Patriarch von Alexandria speiste er täglich 7 900 arme Menschen. Er starb um 619 und wird sowohl von katholischen als auch orthodoxen Christen als Heiliger verehrt.

Die Tafel in Zahle ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können. Darunter befinden sich viele syrische Flüchtlinge, aber auch immer mehr Libanesen. Jeden Tag erhalten dort etwa tausend Menschen eine warme Mahlzeit. Anfangs kamen sie zum Essen in die Einrichtung, aber mit der Pandemie hat sich dies geändert. Nun kommen etwa 800 Menschen persönlich, um das Essen abzuholen. Den restlichen 200 Personen, die behindert oder krank sind, wird die Mahlzeit nach Hause gebracht. Außer dem Essen erhalten sie auch seelischen Trost und menschliche Zuwendung.

Die Tafel in Zahle ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können.

Zu denen, die jeden Tag kommen, gehört auch Labiba, die mit ihren beiden ledigen Schwestern in einem Fünf-Quadratmeter-Zimmer lebt. Sie kamen vor ein paar Monaten aus Homs, weil sie nahe am Hungertod waren. Durch die Krise ist es für sie unmöglich geworden, Arbeit zu finden. Sie besitzen nur, was sie am Leibe tragen. Sie können nicht einmal kochen, denn es gibt keine Kochmöglichkeit in dem Raum, denn dort stehen nur die Sofas, auf denen sie schlafen, und ein Ölofen. Sie sind sehr dankbar, dass sie dank der Tafel von St. Johannes dem Barmherzigen täglich eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können.

Neben der leiblichen Nahrung erhalten die Menschen Begleitung, Ermutigung und geistliche Unterstützung. Sie alle sind sich einig, dass der Glaube ihre einzige Stütze ist, dank der sie die Not ertragen können und die ihnen hilft, in ihrem Schmerz geduldig zu sein.

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Beirut galt einst als das Paris des Nahen Ostens, und die Erinnerung an diese ‚glamourösen‘ Zeiten ist angesichts der tiefen Krise im Libanon umso schmerzhafter. Die Finanzkrise brachte Banken an den Rand des Bankrotts, erdrückende Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsaussichten treiben das Land in den Abgrund. Niemand hätte gedacht, dass der Libanon, der sich von dem Drama des Bürgerkriegs erholt hat, wieder in das Elend von Armut, Elend und Verzweiflung fallen würde. Der Kampf ums Überleben macht die Menschen verbittert, besonders wenn sie wie Georgette kleine Kinder in ihrer Obhut haben. Völlig auf sich allein gestellt, ist diese Frau das lebendige Bild des Schicksals, das den Libanon getroffen hat.
Das Leben war bereits zuvor schwierig für Georgette, aber die Krise, die die Stadt Beirut nach der Explosion heimgesucht hat, hat ihre Lage noch verschlimmert.

„Es sah aus wie eine Atombombe…“

Die ohnehin schon tiefe Krise wurde durch die Explosion im Hafen von Beirut Anfang August brutal verschärft. Plötzlich war der gesamte Bereich zerstört, in Schutt und Asche gelegt. Ganze Stadtteile wurden in Mitleidenschaft gezogen, Häuser demoliert, überall Trümmer… In einem Augenblick verwandelte sich die Stadt in einen Kriegsschauplatz, der die Erinnerung an eine Zeit wiederbelebte, die alle für beendet hielten. In einem Augenblick, als die Luft von der Explosion erfüllt war und die Schockwelle alles mit sich riss, war die Stadt von Tumult erfüllt: Verletzte, umherlaufende Menschen, Hilfeschreie. In einem Augenblick verwandelte sich die Krise, die den Libanon bereits erschütterte, in einen Albtraum, der kaum zu überwinden war. Pater Raymond Abdo erklärte gegenüber dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), dass „die Explosion wie eine Atombombe aussah, mit rotem Rauch überall“. Alles, was man sehen konnte, waren verwirrte Menschen weit und breit, weinend, inmitten einer Atmosphäre der Zerstörung und des Todes. Die Explosion forderte mehr als 180 Todesopfer, mehr als 6.500 Menschen wurden verletzt und die Häuser von fast 300.000 Menschen erlitten Schäden unterschiedlichen Grades.

Die Schwiegertochter und die drei Enkelkinder leben bei Georgette.

„Ich wohne in einer armen Gegend…“

Das Leben war bereits zuvor schwierig für Georgette, aber die Krise, die die Stadt Beirut nach der Explosion heimgesucht hat, hat ihre Lage noch verschlimmert. Sie selbst beschrieb gegenüber KIRCHE IN NOT, wie sich die Dinge verschlimmert haben. „Ich lebe in einer armen Gegend, und unsere Situation ist schlecht, besonders nach der Explosion. Ich lebe mit meinen drei Enkelkindern zusammen, wir wohnen allein in diesem Haus. Ich bin für sie verantwortlich und ich habe niemanden, der mir hilft, außer Gott und den Wohltätern von KIRCHE IN NOT…“, erzählt sie Maria Lozano, eine der Personen aus dem Team der der Hilfsorganisation, das nach Beirut kam, um das Ausmaß der durch die Explosion im August verursachten Schäden zu beurteilen. Georgette empfängt die Lebensmittelkisten, die dank der Großzügigkeit der Wohltäter von KIRCHE IN NOT in einer nahe gelegenen Krankenstation verteilt werden. Sie enthalten Grundnahrungsmittel, die sie in den fast leeren Regalen in ihrer Küche aufbewahrt. „Ich war sehr glücklich, diese Hilfe zu erhalten, weil ich damit meine Enkelkinder einen Monat lang ernähren kann“, sagt sie.

Georgette packt die Lebensmittelkisten, die sie dank der Großzügigkeit der Wohltäter von KIRCHE IN NOT erhalten hat, aus.

Unerschütterlicher Glaube

Wichtiger als das Essen, das sie in einem Wagen abgeholt hat, in dem auch der gerade mal 15 Monate alte Enkel Chárbel sitzt, ist für Georgette die Gewissheit, dass sie nicht allein ist. Doch hinter ihrem Schweigen verbirgt sie einen tiefen Kummer: den Tod ihres Mannes vor sieben Jahren bei einem Autounfall. Das Foto über der Wohnzimmertür ist alles, was ihr von seiner Gesellschaft geblieben ist. Sie hatten zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Ihr Sohn kann sich nicht um seine Kinder kümmern, weil er vorübergehend in einer anderen Stadt ist. Die Schwiegertochter und die drei Enkelkinder leben bei Georgette. Ihre Tochter, die ein psychisches Problem hat, ist im Krankenhaus.  In Beirut, einer Stadt, die sich von der durch die Explosion verursachten Tragödie zu erholen versucht, gibt es viele Menschen wie Georgette. Es sind Menschen mit leeren Händen und ohne Perspektive, besiegt von der Wirtschaftskrise, die das Land wie eine unheilbare und brutale Krankheit befallen hat. Aber es gibt immer noch die Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine Hoffnung, die immer vom Glauben genährt wird. „Ich fühle, dass ich nicht allein bin, und das ist wichtiger als Lebensmittelpakete… zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich um uns kümmern“, sagte Georgette vor den Kameras von KIRCHE IN NOT. „Ich danke Gott jeden Tag. Er leitet mich und meine Familie in allem und schickt uns gute Leute, die uns in diesen schwierigen Zeiten helfen.“ Das Leben ist hart für Georgette, wie für die große Mehrheit der Libanesen. Aber egal, wie schwer diese Prüfung auch ist, der Glaube wird immer eine Gewissheit und eine Zuflucht sein. „Die Situation der Christen im Libanon ist instabil, aber Jesus ist immer bei uns, und niemand kann uns vertreiben“, sagt Georgette.

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Das internationale katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat sein Hilfsprogramm für die von der Explosion betroffenen Christen in der libanesischen Hauptstadt Beirut auf fünf Millionen Euro aufgestockt. Die neuen Mittel gehen vorrangig in den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude. Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT haben im September Beirut besucht und zusammen mit örtlichen Kirchenvertretern diese Projekte als Priorität eingestuft.

Dazu gehört auch die maronitisch-katholische Kathedrale St. Georg, ein Symbol der jahrhundertealten christlichen Präsenz in der Beiruter Innenstadt. Unter anderem wurde das Dach der Kirche durch die Explosion beschädigt. Auch die Fenster und Türen wurden durch die Detonation herausgedrückt; das Gotteshaus muss abgestützt werden, um es vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Auch den Wiederaufbau der melkitisch griechisch-katholischen Kirche „Saint-Sauveur“ (Heiliger Erlöser) unterstützt KIRCHE IN NOT, ebenso Instandsetzungsarbeiten in mehreren Schwesternkonventen. Dazu zählt auch der Wohnbereich der Rosenkranzschwestern, die in der Beiruter Innenstadt ein Krankenhaus betreiben.

Dringende Instandsetzungsarbeiten vor Wintereinbruch

„Vorrangig geht es uns darum, die notwendigen Mittel aufzubringen, damit noch vor Wintereinbruch erste notwendige Reparaturen durchgeführt werden können“, erklärte der geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT International, Dr. Thomas Heine-Geldern. „Dadurch sollen weitere Schäden, beispielsweise durch Regen, verhindert und die Gebäude wieder nutzbar gemacht werden.“

Bereits unmittelbar nach der Katastrophe hatte KIRCHE IN NOT Nothilfen für über 5800 betroffene Familien bereitgestellt. In einem weiteren Schritt konzentriert sich das Hilfswerk nun auf den Wiederaufbau der Infrastruktur der verschiedenen christlichen Gemeinschaften im Libanon. Dazu steht KIRCHE IN NOT in engem Austausch mit den lokalen Verantwortlichen und anderen katholischen Hilfsorganisationen.

Junge Christen und Muslime arbeiten in „Wiederaufbautrupps“ zusammen. © Kirche in Not

„Christen im Libanon fühlen sich vergessen“

Insgesamt wurden bei der Explosion von rund 2700 Tonnen Ammoniumnitrat im Beiruter Hafen am 4. August über 200 Menschen getötet und mindestens 6500 verletzt. Rund 90 000 Gebäude sind beschädigt oder komplett zerstört. Schwer betroffen ist der mehrheitlich von Christen bewohnte Bezirk Aschrafiyya (Achrafieh), der nur drei Kilometer vom Detonationsort entfernt liegt und zu den ältesten Teilen der Stadt gehört.

Die Lage im Libanon ist in mehrfacher Hinsicht angespannt: Zur humanitären Notlage in der Hauptstadt und der Gesundheitskrise infolge der Corona-Pandemie kommt eine seit über ein Jahr andauernde Politik- und Wirtschaftskrise. Diese geht einher mit einer zunehmenden Inflation.

Eine Ordensschwester blickt auf das zerstörte Hafenviertel von Beirut. © Kirche in Not
„Viele Christen im Libanon fühlen sich in dieser schwierigen Zeit vergessen und denken über Auswanderung nach“, erklärte Heine-Geldern. „Papst Johannes Paul II. hat die besondere Mission des Libanon für den gesamten Nahen Osten hervorgehoben. KIRCHE IN NOT wird demzufolge die Christen des Libanon weiter unterstützen und nicht alleine lassen.“

Um den Wiederaufbau in Beirut und die Hilfe für die notleidende Bevölkerung weiterhin aufrecht erhalten zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online – online … hier  oder auf folgendes Konto:

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