
Knapp zehn Jahre nach dem Ausbruch des Syrienkriegs haben Projektpartner des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ die anhaltenden Sanktionen des Westens scharf kritisiert. Ihr eigentliches Ziel, das Assad-Regime zu schwächen, sei verfehlt worden, erklärte der griechisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Jean-Clément Jeanbart gegenüber „Kirche in Not“: „Die Sanktionen des Westens werden weiterhin keine Auswirkungen auf die Regierung haben. Sie ist von den Folgen wenig betroffen.“
Umso härter träfen die Handels- und Devisenbeschränkungen aber die Zivilbevölkerung: „Die Menschen haben nicht mehr genug Nahrung, Strom, Gas oder Heizöl“, erklärte Jeanbart. Auch hätten die Menschen keine Möglichkeit mehr, Kredite aufzunehmen, um größere Anschaffungen zu finanzieren. „Die Sanktionen haben keine andere Folge, als die Menschen weiter in Leid und Elend zu stürzen.“

Was die Sanktionspolitik des Westens konkret bedeutet, schilderte Schwester Maria Lucia Ferreira in einem Gespräch mit „Kirche in Not“. Die Ordensfrau gehört der Kongregation der „Schwestern der Einheit“ an und lebt in Qarah nahe der Grenze zum Libanon. „Die Situation wird immer schlimmer, die Menschen sind kurz vor dem Hungertod, einige sind bereits gestorben“, so Schwester Lucia.
Die prekäre Situation sei neben dem zehn Jahre anhaltenden Konflikt auch der Sanktionspolitik und den Folgen der Corona-Pandemie geschuldet, erklärte die Ordensfrau: „Alles wird immer teurer. Es ist schwer zu überleben.“ Ein großes Problem sei aktuell die Rohstoffknappheit. Viele Menschen könnten darum ihre Wohnung nicht heizen. „Die Leute stehen Schlange, um Benzin oder Heizöl zu kaufen und gehen oft leer aus. Brennstoff ist sehr rar, weil es hier in der Region wenig Holz gibt“, sagte Schwester Lucia. Auch die Stromversorgung sei nach wie vor stark eingeschränkt. „Manchmal haben wir 12 Stunden lang keinen Strom – und wenn er kommt, dann oft nur für eine halbe Stunde.“

Statt wirtschaftlichen Druck auf die syrische Regierung auszuüben, fordert Erzbischof Jeanbart die westlichen Regierungen auf, in Verhandlungen mit Präsident Assad zu treten: „Es muss einen fairen Dialog geben. Der Westen kann Druck in der Weise ausüben, dass sich die Regierung bereit erklärt, einen Weg zum Frieden einzuschlagen und manche ihrer Verhaltensweisen aufzugeben.“
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Denn viele dieser Familien fühlen sich sehr einsam, so etwa die Familie Rief, die vor drei Jahren auf der Flucht vor den Bomben und dem Krieg in Syrien hierher kam. Die Mutter ist Krankenschwester, der Vater war Koch in einem Restaurant. Sie haben drei Kinder, darunter zwei erwachsene, die sporadisch gearbeitet haben, wenn sie konnten. Aber durch die Krise haben sie alle ihre Stellen verloren, keiner bringt mehr ein Einkommen nach Hause. Die Diözese hilft ihnen dank des Hilfswerks KIRCHE IN NOT.
Die seit 2019 von KIRCHE IN NOT geleistete Hilfe für Projekte zur Unterstützung von Flüchtlingen in Zahle beläuft sich auf 3,6 Millionen Euro. Ein großer Teil dieser Hilfe dient der Bezahlung von Mieten und der Bereitstellung von Unterkünften für Familien wie die von Rief. Mit einem weiteren großen Teil der Summe werden sie mit dem Nötigsten wie etwa Kleidung, Medizin und Nahrungsmitteln versorgt.

Seit Dezember 2015 betreibt die griechisch-melkitische katholische Kirche ein „Tafel-Projekt“ mit dem Namen „Hl. Johannes der Barmherzige“. Der heilige Johannes der Barmherzige wurde berühmt für seine außerordentliche Liebe zu den Armen: Wo immer er Not sah, versuchte er, sie mit all seinen Kräften und Mitteln zu lindern. In seiner Zeit als Patriarch von Alexandria speiste er täglich 7 900 arme Menschen. Er starb um 619 und wird sowohl von katholischen als auch orthodoxen Christen als Heiliger verehrt.
Die Tafel in Zahle ist ein Treffpunkt für Menschen, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können. Darunter befinden sich viele syrische Flüchtlinge, aber auch immer mehr Libanesen. Jeden Tag erhalten dort etwa tausend Menschen eine warme Mahlzeit. Anfangs kamen sie zum Essen in die Einrichtung, aber mit der Pandemie hat sich dies geändert. Nun kommen etwa 800 Menschen persönlich, um das Essen abzuholen. Den restlichen 200 Personen, die behindert oder krank sind, wird die Mahlzeit nach Hause gebracht. Außer dem Essen erhalten sie auch seelischen Trost und menschliche Zuwendung.

Zu denen, die jeden Tag kommen, gehört auch Labiba, die mit ihren beiden ledigen Schwestern in einem Fünf-Quadratmeter-Zimmer lebt. Sie kamen vor ein paar Monaten aus Homs, weil sie nahe am Hungertod waren. Durch die Krise ist es für sie unmöglich geworden, Arbeit zu finden. Sie besitzen nur, was sie am Leibe tragen. Sie können nicht einmal kochen, denn es gibt keine Kochmöglichkeit in dem Raum, denn dort stehen nur die Sofas, auf denen sie schlafen, und ein Ölofen. Sie sind sehr dankbar, dass sie dank der Tafel von St. Johannes dem Barmherzigen täglich eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können.
Neben der leiblichen Nahrung erhalten die Menschen Begleitung, Ermutigung und geistliche Unterstützung. Sie alle sind sich einig, dass der Glaube ihre einzige Stütze ist, dank der sie die Not ertragen können und die ihnen hilft, in ihrem Schmerz geduldig zu sein.
Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
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Im Nahen Osten fühlten sich Christen und andere religiöse Minderheiten nach wie vor unsicher. Dschihadistische Terrorgruppen wie der „Islamische Staat“ hätten zudem ihr Unwesen vom Nahen Osten auf zahlreiche Regionen Afrika verlagert, das zu einem „Kontinent der Märtyrer“ geworden sei, erklärte Heine-Geldern. Vor allem in den Ländern der Sahelzone seien „religiöser Extremismus und radikale gewalttätige Islamisten auf dem Vormarsch und zerstören das bislang friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen, um Ressourcen und Macht zu erlangen“.
Während in Afrika und im Nahen Osten der Dschihadismus die Hauptursache der Verfolgung sei, machten im asiatischen Raum nationalistische Bewegungen und autoritäre Regierungen religiösen Minderheiten das Leben schwer. „Das Christentum wird in einigen asiatischen Ländern als ein schädlicher Einfluss betrachtet, der die Vorherrschaft der führenden Partei oder die vermeintliche religiöse Geschlossenheit der Nation bedroht“, sagte Heine-Geldern.

Doch auch in Ländern ohne öffentliche Verfolgung nähmen Ressentiments gegenüber Gläubigen zu. Das sei mittlerweile auch in Europa der Fall, und das wolle der neue Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ herausarbeiten, erklärte Heine-Geldern. Christen seien einem Angriff von zwei Fronten ausgesetzt: „Die eine will die christlichen Wurzeln zerstören und eine rein individualistische Gesellschaft ohne Gott schaffen. Und die andere versucht, Menschen zu radikalisieren und mit Gewalt ein fundamentalistisches islamistisches System durchzusetzen.“
Die Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit“ beleuchtet die Lage dieses Menschenrechts in 196 Ländern der Welt und für alle religiösen Gruppen, listet Verstöße gegen die Religionsfreiheit auf und dokumentiert aktuelle Entwicklungen. Der Bericht wird von unabhängigen Experten und Journalisten erstellt und erscheint alle zwei Jahre. Die ursprünglich geplante Veröffentlichung im Herbst 2020 musste coronabedingt verschoben werden. Nun wird der Bericht Ende April 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt – zuerst in Rom. Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.at

Die ohnehin schon tiefe Krise wurde durch die Explosion im Hafen von Beirut Anfang August brutal verschärft. Plötzlich war der gesamte Bereich zerstört, in Schutt und Asche gelegt. Ganze Stadtteile wurden in Mitleidenschaft gezogen, Häuser demoliert, überall Trümmer… In einem Augenblick verwandelte sich die Stadt in einen Kriegsschauplatz, der die Erinnerung an eine Zeit wiederbelebte, die alle für beendet hielten. In einem Augenblick, als die Luft von der Explosion erfüllt war und die Schockwelle alles mit sich riss, war die Stadt von Tumult erfüllt: Verletzte, umherlaufende Menschen, Hilfeschreie. In einem Augenblick verwandelte sich die Krise, die den Libanon bereits erschütterte, in einen Albtraum, der kaum zu überwinden war. Pater Raymond Abdo erklärte gegenüber dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), dass „die Explosion wie eine Atombombe aussah, mit rotem Rauch überall“. Alles, was man sehen konnte, waren verwirrte Menschen weit und breit, weinend, inmitten einer Atmosphäre der Zerstörung und des Todes. Die Explosion forderte mehr als 180 Todesopfer, mehr als 6.500 Menschen wurden verletzt und die Häuser von fast 300.000 Menschen erlitten Schäden unterschiedlichen Grades.

Das Leben war bereits zuvor schwierig für Georgette, aber die Krise, die die Stadt Beirut nach der Explosion heimgesucht hat, hat ihre Lage noch verschlimmert. Sie selbst beschrieb gegenüber KIRCHE IN NOT, wie sich die Dinge verschlimmert haben. „Ich lebe in einer armen Gegend, und unsere Situation ist schlecht, besonders nach der Explosion. Ich lebe mit meinen drei Enkelkindern zusammen, wir wohnen allein in diesem Haus. Ich bin für sie verantwortlich und ich habe niemanden, der mir hilft, außer Gott und den Wohltätern von KIRCHE IN NOT…“, erzählt sie Maria Lozano, eine der Personen aus dem Team der der Hilfsorganisation, das nach Beirut kam, um das Ausmaß der durch die Explosion im August verursachten Schäden zu beurteilen. Georgette empfängt die Lebensmittelkisten, die dank der Großzügigkeit der Wohltäter von KIRCHE IN NOT in einer nahe gelegenen Krankenstation verteilt werden. Sie enthalten Grundnahrungsmittel, die sie in den fast leeren Regalen in ihrer Küche aufbewahrt. „Ich war sehr glücklich, diese Hilfe zu erhalten, weil ich damit meine Enkelkinder einen Monat lang ernähren kann“, sagt sie.

Wichtiger als das Essen, das sie in einem Wagen abgeholt hat, in dem auch der gerade mal 15 Monate alte Enkel Chárbel sitzt, ist für Georgette die Gewissheit, dass sie nicht allein ist. Doch hinter ihrem Schweigen verbirgt sie einen tiefen Kummer: den Tod ihres Mannes vor sieben Jahren bei einem Autounfall. Das Foto über der Wohnzimmertür ist alles, was ihr von seiner Gesellschaft geblieben ist. Sie hatten zwei Kinder, einen Jungen und ein Mädchen. Ihr Sohn kann sich nicht um seine Kinder kümmern, weil er vorübergehend in einer anderen Stadt ist. Die Schwiegertochter und die drei Enkelkinder leben bei Georgette. Ihre Tochter, die ein psychisches Problem hat, ist im Krankenhaus. In Beirut, einer Stadt, die sich von der durch die Explosion verursachten Tragödie zu erholen versucht, gibt es viele Menschen wie Georgette. Es sind Menschen mit leeren Händen und ohne Perspektive, besiegt von der Wirtschaftskrise, die das Land wie eine unheilbare und brutale Krankheit befallen hat. Aber es gibt immer noch die Hoffnung auf eine bessere Zeit, eine Hoffnung, die immer vom Glauben genährt wird. „Ich fühle, dass ich nicht allein bin, und das ist wichtiger als Lebensmittelpakete… zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich um uns kümmern“, sagte Georgette vor den Kameras von KIRCHE IN NOT. „Ich danke Gott jeden Tag. Er leitet mich und meine Familie in allem und schickt uns gute Leute, die uns in diesen schwierigen Zeiten helfen.“ Das Leben ist hart für Georgette, wie für die große Mehrheit der Libanesen. Aber egal, wie schwer diese Prüfung auch ist, der Glaube wird immer eine Gewissheit und eine Zuflucht sein. „Die Situation der Christen im Libanon ist instabil, aber Jesus ist immer bei uns, und niemand kann uns vertreiben“, sagt Georgette.
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Anlässlich des 20. Jahrestages seiner Bischofsweihe lädt der syrisch-katholische Erzbischof von Aleppo, Monsignore Antoine Chahda, alle Kirchenoberhäupter der Stadt zu einer heiligen Messe in den Anliegen der Wohltäter von KIRCHE IN NOT ein.
Seit Beginn des Krieges im Jahr 2011 hat KIRCHE IN NOT 326 Projekte in Aleppo unterstützt, 53 allein in diesem Jahr. Die Messe soll ein Dankeschön für all die Hilfe sein, die KIRCHE IN NOT nicht nur für die katholische Kirche, sondern auch für andere christliche Konfessionen in der Region geleistet hat.
Ihre Unterstützung lässt die Familien im Land bleiben. Wir bitten Sie, uns weiterhin zu unterstützen, da wir uns in einem besonders schwierigen Moment befinden. Aleppo leidet.“
Die Messe findet am Sonntag, 20. Dezember, um 17:30 Uhr (Mitteleuropäische Zeit/18:30 Uhr Ortszeit) in der syrisch-katholischen Mariä-Himmelfahrt-Kathedrale statt und wird live via facebook übertragen: https://www.facebook.com/events/720152402255774/.
Die Dörfer Knayeh und Jacoubieh in der Provinz Idlib, unweit der Türkei, stehen noch immer unter der Kontrolle dschihadistischer Gruppen. Dort herrscht das gefürchtete Kalifat: Die Scharia ist das Gesetz, Frauen müssen einen Schleier tragen, Eigentum wurde konfisziert, christliche Symbole wie etwa Kreuze wurden niedergerissen.
Unter den Bewohnern, die trotz der schrecklichen Zustände in ihrer Heimat geblieben sind, befinden sich schätzungsweise 300 christliche Familien verschiedener Konfessionen und Ethnien. Die Franziskaner Patres Luai Bsharat (40) und Hanna Jallouf (67) kümmern sich um sie.

In diesen Regionen sind Christen Verfolgung, Angst, Gewalt, Gefahr und sogar dem Tod ausgesetzt. Die Anwesenheit der Christen und der beiden Franziskanerpatres in diesen Dörfern sagt viel über ihr heldenhaftes Engagement aus: „Pater Luai und Pater Hanna blieben trotz der Schwierigkeiten dort. Denn sie glauben, dass diese Region nicht verlassen werden sollte, weil sie in der Nähe von Antiochien liegt, wo der heilige Paulus seine Reisen begann, um das Wort der Bibel zu verbreiten“, erklärt Pater Firas Lutfi ofm, Kustos der Franziskanerprovinz des heiligen Paulus in Syrien, Libanon und Jordanien, im Gespräch mit dem internationalen Hilfswerk KIRCHE IN NOT.
Laut Pater Firas „begann das Leiden der Christen vor einem Jahrzehnt“. Als militante Gruppen die Kontrolle über die Region übernahmen und sie zu einem islamischen Staat erklärten, beschlagnahmten sie das Eigentum der Christen, zwangen allen Nicht-Muslimen die islamische Scharia auf und setzten das Recht, sich in den eigenen Dörfern frei bewegen zu können, außer Kraft.

Pater Firas berichtete bereits 2017 bei der internationalen Pilgerfahrt zum 70. Jahrestag der Gründung von KIRCHE IN NOT am Wallfahrtsort Fatima in Portugal vom Schicksal der Christen. Er erinnert wieder daran, dass „die Extremisten häufig unsere Brüder und Schwestern verfolgt, angegriffen und geschlagen, entführt, gefoltert und sogar getötet haben“. So etwa im dramatischen Fall von Pater François Murad, „der 2013 enthauptet wurde“, und in jüngerer Zeit im Fall „einer Lehrerin, die in Jacoubieh vergewaltigt und getötet wurde“.
In der dem portugiesischen Büro des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT kürzlich zugesandten Botschaft erinnert Pater Firas daran, dass die Patres dafür da sind, all denen zu helfen, die Hilfe, Führung und Unterstützung brauchen, unabhängig von Religion, Geschlecht, Nationalität, Rasse oder politischer Einstellung. „Oft haben die Klöster in Knayeh und Jacoubieh Dutzende von muslimischen Familien aufgenommen und beherbergt, die in den Kirchen Zuflucht suchten“, als die Region zu einem Kampf- und Konfliktfeld wurde.

KIRCHE IN NOT unterstützt mehr als fünfzig Projekte für Christen in Syrien. Neben Nothilfeprogramme für gefährdete Familien in Aleppo und Damaskus führt es verschiedene Projekte zusammen mit Pater Firas Lufti durch.
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KIRCHE IN NOT (ACN) unterstützt seit Beginn des Krieges Lauras und andere Familien mit vielen Projekten, um ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen. In diesem Jahr möchte das Hilfswerk KIRCHE IN NOT auch die kleine Sandra, ihrem Bruder Mjad und Tausenden anderen Kindern einen kleinen weihnachtlichen Hoffnungsstrahl bringen, nicht nur in Aleppo, sondern auch in Damaskus, Homs, Qamishli, Hassakeh, Swidaa und Horan. Zu diesem Zweck werden dank der Initiative und Unterstützung von Schwester Annie Demerjian und der Kongregation von Jesus und Maria 25 000 Anoraks in den Werkstätten von Aleppo hergestellt.
„Wir möchten Anoraks zur Verfügung stellen, damit sich unsere Kinder in dem strengen bevorstehenden Winter wärmen können, und auch, um die Wirtschaft des Landes anzukurbeln, indem wir den kleinen Fabriken durch Aufträge für die Herstellung dieser Kleidungsstücke helfen“, erklärt Schwester Annie.

Imad arbeitet in seinem kleinen Büro, in dem er die Muster für die Herstellung der Anoraks druckt. Er bringt seine Dankbarkeit „für diesen neuen Job“ zum Ausdruck. Denn „so Gott will, werden wir in den nächsten Monaten eine gewisse finanzielle Sicherheit haben“. Einige Kilometer davon entfernt bedient Rami eine Maschine, mit der er die Muster schneidet. Er arbeitet in einer der vielen Werkstätten in Aleppo, die für die Produktion der Anoraks zuständig sind. In den Räumen stapeln sich Stoffrollen und isolierendes Füllmaterial gegen die Kälte. „Wir sind sehr dankbar. Der Auftrag kam in einer sehr kritischen Zeit, in der wir verzweifelt nach Arbeit suchten. Sie wissen, wie schlecht die aktuelle Wirtschaftslage im Land ist. Es ist eine große Freude für uns, dank dieses KIRCHE IN NOT-Projekts in den nächsten Monaten unseren Lebensunterhalt verdienen zu können. Gott segne Sie“, sagt der syrische Handwerker. In dreißig Werkstätten haben rund 180 Christen und Muslime auf diese Weise Unterstützung gefunden, um in den kommenden Monaten ihre Familien ernähren zu können.
Schwester Annie ist glücklich. Denn sie konnte bereits vor Monaten den Stoff reservieren, bevor der Mangel an Winterkleidung eintrat und dabei unter vielen verschiedenen Farben wählen. Sie fügt hinzu: „Gemeinsam werden wir ein Lächeln auf die Gesichter der Kinder zaubern.“

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Die Wirtschaft Bethlehems, die auf den Tourismus angewiesen ist, liegt durch die Coronavirus-Pandemie in Trümmern, so ein Ladenbesitzer, der an die Pilger appellierte und sagte, er sehne den Tag herbei, an dem sie sicher zurückkehren können.
Rony Tabash, Besitzer des Krippenladens in Bethlehem, sagte gegenüber der katholischen Hilfsorganisation KIRCHE IN NOT (ACN), COVID-19 sei die größte Krise, die er in seinem Leben bisher erlebt habe.
Er sagte: „Mein Großvater eröffnete 1927 einen Laden in der Nähe der Geburtskirche. Mein Vater übernahm ihn 1955, und ich 2003 – in der dritten Generation. Während dieser ganzen Zeit hatten wir viele Schwierigkeiten mit unserem Geschäft, insbesondere politische Probleme.

„Wir haben immer gesagt: ‚Wir müssen weitermachen, wir müssen weiter lächeln.‘ Wir haben immer auf Touristen gehofft. Doch als das Coronavirus kam, haben wir alle Hoffnung verloren.Es hat unser Leben zerstört.“
Er beschrieb, wie die Zahl der ausländischen Besucher in Bethlehem – normalerweise zwei Millionen pro Jahr – zusammengebrochen ist: „Wir sind so gut wie erledigt. Neun Monate ohne Arbeit; 80 Prozent von Bethlehem ist vom Tourismus abhängig. Wir brauchen Pilger und Touristen, weil wir nichts anderes haben“, sagte er.
Er fügte hinzu: „Wir haben täglich fast 100 Fälle von COVID-19. Man sieht niemanden, die Geburtskirche betreten. Normalerweise kommen zwischen 6000 und 12 000 Personen pro Tag. Jeder hier ist auf Tourismus angewiesen.“

Nach Angaben der Bürgermeisterin von Bethlehem, Vera Baboun, war 1950 die Bevölkerung von Bethlehem und den umliegenden Dörfern zu 86 Prozent christlich, 2016 waren es nur noch 12 Prozent.
Medienberichten zufolge sind bis zu 90 Prozent der in der Tourismusindustrie von Bethlehem Beschäftigten Christen.
Herr Tabash sagte: „Dieses Problem betrifft die gesamte Bevölkerung Bethlehems und das gesamte Heiligen Land. Die Christen sind die Minderheit, und man merkt ihnen die Belastung deutlich an… Wir hatten viele politische Probleme, aber wir sagen, dass wir die Hoffnung nie aufgeben…“
Er fügte hinzu: „Sagen Sie den Pilgern: ‚Wir warten darauf, dass Sie wieder zurückkommen. Die Kirche besteht aus uns allen. Wir sind vereint. Der Geist der Pilger ist die Kirche. Ohne die Pilger fehlt etwas im Heiligen Land.“
Durch regelmäßige Aufträge verschafft KIRCHE IN NOT christlichen Familien in Bethlehem Arbeit und Brot. Diese Initiative startete unser Hilfswerk angesichts der zunehmenden Armut christlicher Familien in der Geburtsstadt Jesu.
Die Familien leben davon, Rosenkränze und andere Devotionalien aus Olivenholz herzustellen. Durch das Ausbleiben der Pilger und Touristen drohte der gesamte Wirtschaftszweig zusammenzubrechen. Unterstützen Sie die Christen in Palästina mit der Bestellung unserer Olivenholzprodukte! Jede Bestellung hilft!
Das internationale katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT hat sein Hilfsprogramm für die von der Explosion betroffenen Christen in der libanesischen Hauptstadt Beirut auf fünf Millionen Euro aufgestockt. Die neuen Mittel gehen vorrangig in den Wiederaufbau kirchlicher Gebäude. Mitarbeiter von KIRCHE IN NOT haben im September Beirut besucht und zusammen mit örtlichen Kirchenvertretern diese Projekte als Priorität eingestuft.
Dazu gehört auch die maronitisch-katholische Kathedrale St. Georg, ein Symbol der jahrhundertealten christlichen Präsenz in der Beiruter Innenstadt. Unter anderem wurde das Dach der Kirche durch die Explosion beschädigt. Auch die Fenster und Türen wurden durch die Detonation herausgedrückt; das Gotteshaus muss abgestützt werden, um es vor dem Zusammenbruch zu bewahren. Auch den Wiederaufbau der melkitisch griechisch-katholischen Kirche „Saint-Sauveur“ (Heiliger Erlöser) unterstützt KIRCHE IN NOT, ebenso Instandsetzungsarbeiten in mehreren Schwesternkonventen. Dazu zählt auch der Wohnbereich der Rosenkranzschwestern, die in der Beiruter Innenstadt ein Krankenhaus betreiben.
„Vorrangig geht es uns darum, die notwendigen Mittel aufzubringen, damit noch vor Wintereinbruch erste notwendige Reparaturen durchgeführt werden können“, erklärte der geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT International, Dr. Thomas Heine-Geldern. „Dadurch sollen weitere Schäden, beispielsweise durch Regen, verhindert und die Gebäude wieder nutzbar gemacht werden.“
Bereits unmittelbar nach der Katastrophe hatte KIRCHE IN NOT Nothilfen für über 5800 betroffene Familien bereitgestellt. In einem weiteren Schritt konzentriert sich das Hilfswerk nun auf den Wiederaufbau der Infrastruktur der verschiedenen christlichen Gemeinschaften im Libanon. Dazu steht KIRCHE IN NOT in engem Austausch mit den lokalen Verantwortlichen und anderen katholischen Hilfsorganisationen.

Insgesamt wurden bei der Explosion von rund 2700 Tonnen Ammoniumnitrat im Beiruter Hafen am 4. August über 200 Menschen getötet und mindestens 6500 verletzt. Rund 90 000 Gebäude sind beschädigt oder komplett zerstört. Schwer betroffen ist der mehrheitlich von Christen bewohnte Bezirk Aschrafiyya (Achrafieh), der nur drei Kilometer vom Detonationsort entfernt liegt und zu den ältesten Teilen der Stadt gehört.
Die Lage im Libanon ist in mehrfacher Hinsicht angespannt: Zur humanitären Notlage in der Hauptstadt und der Gesundheitskrise infolge der Corona-Pandemie kommt eine seit über ein Jahr andauernde Politik- und Wirtschaftskrise. Diese geht einher mit einer zunehmenden Inflation.

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In Karm Al Zeitoun, einem Stadtteil von Beirut im Bezirk Ashrafieh, dessen Name Ölberg bedeutet, ist alles in Bewegung. Die Straßen sind eng, Autos und Fußgänger verursachen kleine Staus an jeder Ecke, besonders um die von den Töchtern der christlichen Nächstenliebe geführte Ambulanz herum. Dort unterstützt das Internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT 350 von der Explosion betroffene Familien.
Die Gegend wurde ursprünglich von Armeniern bewohnt, die 1915 vor dem Völkermord flohen. Später kamen Syrer und Palästinenser hinzu, die ebenfalls vor Krieg und Verfolgung flüchteten. In den letzten Jahren haben Einwanderer aus vielen Ländern, meist Äthiopier und Bangladescher, in diesem einfachen Viertel mit christlichen Wurzeln Zuflucht gefunden. Ihre jahrhundertealten Häuser sind in den verwinkelten Straßen zusammengepfercht. Mit dem Immobilienboom wurden rund um Karm Al Zeitoun moderne Hochhäuser gebaut. Dadurch wurde das Gebiet sehr teuer, und junge Menschen dazu gezwungen, in günstigere Gegenden umzuziehen. In Karm Al Zeitoun bleiben nur noch ältere Menschen und Migranten.

Vor der kleinen Eingangstür des Schutzzentrums für Kinder und Mütter (CPMI) drängt sich eine Menschentraube. Das Zentrum wurde 1959 gegründet und gehört zu den sechs Orten, an denen in diesen Wochen KIRCHE IN NOT-Nothilfepakete für die von der Explosion am 4. August betroffenen Familien verteilt werden – insgesamt für mehr als 5800 Familien. Die Töchter der christlichen Nächstenliebe sind für die Verteilung an 350 Familien verantwortlich; heute sind 70 gekommen. Zwei Kisten ermöglichen es, fünf Personen einen Monat lang zu ernähren. Sie sind 32 Kilo schwer, weshalb viele Empfänger mit Handkarren kommen. Oder sie versuchen, einen Bekannten oder Verwandten zu finden, der ihnen mit dem Auto hilft. Deshalb herrscht heute mehr Verkehr als gewöhnlich, und es ist schwierig, auf den engen Straßen von Karm Al Zeitoun voranzukommen.
Eine der Frauen, die in die Ambulanz kommen, ist Mona, eine 52-jährige Libanesin, die mit ihrer 91-jährigen Mutter Juliette zusammenlebt. Obwohl die Mutter fünf Kriege – oder vielleicht sechs, so genau weiß sie das nicht mehr – erlebt hat, „ist sie seit der Explosion am 4. August traumatisiert; sie erschrickt vor jedem Geräusch“, berichtet Mona gegenüber KIRCHE IN NOT.

Ihre Spende hilft Lebensmittelpakete zu verteilen und den Wiederaufbau voranzutreiben.
Da es in dem Land kein Rentensystem oder eine andere staatliche Alterssicherung gibt, haben immer die Kinder die Eltern oder die schwächeren Familienmitglieder unterstützt. Aber nach der Wirtschaftskrise, Corona und jetzt auch noch der Explosion ist das unmöglich geworden. Mona ist seit fünf Jahren arbeitslos. Vor der Krise half ihr und der Mutter ein Bruder mit 300.000 libanesischen Pfund – das waren etwa 200 Dollar im Monat. Mit der Inflation sind es nun knapp 40 Dollar. Darüber hinaus hat der Bruder „selbst Probleme, für seine eigene Familie zu sorgen“.
„1990 detonierte eine Rakete in meinem Haus und tötete meine Schwester. Ich geriet in eine Depression, aber der Glaube half mir. Ohne den Glauben könnten wir nicht weitermachen. Er ist es, der uns hilft, in der jetzigen Situation durchzuhalten. Er ist das Einzige, was uns bleibt“, sagt Mona. Und sie fügt hinzu: „Schwester Rita kommt, wann immer wir sie brauchen, auch wenn es sehr spät ist, weil sie immer sehr beschäftigt ist. Aber sie findet immer etwas Zeit für uns. Für mich ist sie das lebendige Zeugnis Christi auf Erden“.

Schwester Rita, die Mona und Juliette nahezu in jedem Satz erwähnen, gehört den Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul an. Sie leitet die Ambulanz. Trotz der heute herrschenden Hektik findet sie Zeit, mit KIRCHE IN NOT zu sprechen. „Die Lage hier ist tragisch, weil die Menschen nichts haben.“ Die Zahl der Familien, die von den Töchtern der christlichen Nächstenliebe in der Ambulanz betreut werden, hat sich von ehemals 120 Familien auf heute knapp 500 Familien pro Monat vervierfacht, berichtet die libanesische Ordensschwester. Neben den Freiwilligen, die die heutige Essenslieferung vorbereiten, sind auch Arbeiter im Einsatz, denn auch die Ambulanz wurde durch die Explosion beschädigt. Sämtliche Fenster und Teile des Daches wurden herausgesprengt, „aber wir müssen weiterarbeiten, also haben wir jemanden gefunden, der das repariert, auch wenn wir die Reparatur zurzeit nicht bezahlen können.“
Zwischen den Kisten mit dem KIRCHE IN NOT-Logo, die am Eingang gestapelt sind, hängt ein Kreuz an der Wand mit dem französischen Satz: „Ihr seid das Zeichen der Barmherzigkeit Gottes.“ Der Satz fasst die Arbeit dieser Ordensfrauen zusammen. Schwester Rita beschreibt sie wie folgt: „Unser Charisma ist es, den Schmerz Christi auf Erden zu lindern; wir wollen Gott dienen, Zeugnis für ihn ablegen, besonders in den schwierigen Zeiten, die wir durchleben.“


Schwester Rita selbst begleitet das Hilfswerk zu einem Besuch bei Nabil, einem weiteren Empfänger des KIRCHE IN NOT-Nothilfeprogramms nach der Explosion. Nabil ist 56 Jahre alt, Einzelkind und von Geburt an körperlich behindert. Seine Mutter, die sich um ihn kümmert, liegt im Krankenhaus. In ihrer Abwesenheit kümmert sich die Nachbarin Maral um ihn. Die Schwestern zahlen auch für einen Hilfsdienst, der jeden Tag kommt. Schwester Rita grüßt Nabil, spricht und betet mit ihm. Bei der Explosion „fielen alle Glassplitter auf ihn. Es ist ein Wunder, dass er unversehrt blieb …“
Angesichts von Nabils Lage wird verständlich, was Schwester Josephine, eine der Ordensschwestern, die im Zentrum arbeitet, mit Entschiedenheit sagt, wenn viele Menschen von Ausreise und Auswanderung sprechen: „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um hier zu bleiben. Es ist an der Zeit, unser Volk zu begleiten; hier hat jeder ein Problem.“ Trotz ihrer Erschöpfung erinnert Schwester Rita mit entschlossenem Blick an die Worte von Johannes Paul II. : „Libanon ist eine Botschaft; wir Christen spielen eine wichtige Rolle in diesem Land. An dem Tag, an dem wir diese Botschaft vergessen, wird der Libanon nicht mehr der Libanon sein.“
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Am 4. August erschütterte eine gewaltige Explosion im Hafen von Beirut die gesamte Stadt. Dabei kamen laut Regierungsangaben mindestens 190 Menschen ums Leben, mehr als 6500 Menschen wurden verletzt. Viele Häuser, Wohnungen und Gebäude Häuser wurden zerstört.
Besonders betroffen ist das Stadtviertel, in dem viele Christen leben, denn es liegt nur wenige Kilometer vom Explosionsort entfernt. KIRCHE IN NOT hatte in den vergangenen Wochen bereits Lebensmittelpakete für besonders betroffene Familien in Beirut ermöglicht.
Eine Delegation von KIRCHE IN NOT hat sich nun einen Überblick über die Situation vor Ort gemacht. Ziel des Besuches war auch, die besonders dringende Hilfe zu organisieren. Nach der Rückkehr sprachen wir mit Reinhard Backes, Projektreferent bei KIRCHE IN NOT.

Herr Backes, wie ist die Lage im Libanon?
Die Menschen im Libanon – vor allem die Christen, denn ihr Viertel wurde von der Explosion am schlimmsten getroffen – leiden sehr. Dafür gibt es verschiedene Gründe: Erstens: Die Landeswährung verliert aufgrund der Finanzkrise, die im vergangenen Jahr begonnen hat, täglich an Wert.
Zweitens sind die Schäden verheerend und so auch die Folgen für hunderttausende Menschen, die ihr Zuhause verloren haben. Drittens: Die politische Krise, eine Mischung aus Korruption, Despotismus, Ignoranz, Inkompetenz und dem äußeren Einfluss ausländischer Mächte, lähmt die Menschen und das Land.

Was war der Zweck Ihres Besuchs?
Ziel war es, uns einen Überblick über die Situation verschaffen und zu klären, wie KIRCHE IN NOT in den nächsten Monaten Unterstützung leisten kann. Wir haben 23 Orte besucht – Kirchen, Nonnen- und Mönchsklöster und andere Kirchengebäude –, die durch die Explosion schwer beschädigt worden sind. Und wir haben Gespräche mit sieben Erzbischöfen und Bischöfen verschiedener Riten und Konfessionen wie auch mit dem Nuntius in Beirut, Erzbischof Joseph Spiteri, geführt.
Welcher Moment der Reise hat sie am tiefsten beeindruckt?
Die Begegnung mit jungen Katholiken, die entschlossen sind, nicht aufzugeben! Sie alle haben bei der Explosion Freunde verloren und kennen Menschen, denen nichts mehr geblieben ist.
Es war wirklich beeindruckend zu sehen, wie so viele Menschen, vor allem Jugendliche, vorbildlich und bereitwillig denjenigen helfen, die am schlimmsten von der Explosion betroffen sind. Sehr bewegend war auch der Besuch bei armen Familien – Libanesen und syrischen Flüchtlingen – in Beirut und Zahlé.

Welche Begegnung hat Sie besonders beeindruckt?
Das Treffen mit Georges, Vater von vier Kindern, der den Libanon verlassen und nach Dubai fliegen musste, weil er nicht mehr in der Lage ist, im Libanon seine Familie finanziell zu unterstützen. Das war herzzerreißend.
Was war die Botschaft der Projektpartner?
Die libanesischen Christen sind zwar großzügig, aber das hier ist zu viel, als dass sie es allein bewältigen könnten. Das Land erlebt schon seit Jahren einen gravierenden wirtschaftlichen Niedergang, schon vor der Explosion haben die Menschen ums Überleben gekämpft. Sie zählen darauf, dass wir ihnen helfen – sowohl spirituell als auch finanziell.
Warum sollte KIRCHE IN NOT den Libanon unterstützen?
Der Libanon ist das letzte Land im Nahen Osten mit einem beträchtlichen Anteil an Christen. Er ist auch zu einem Zufluchtsort für Christen aus anderen Nahost-Ländern wie Syrien und dem Irak geworden. Die libanesischen Christen genießen hohen Respekt in der Gesellschaft; christliche Schulen werden von Menschen aller Glaubensrichtungen sehr geschätzt. Sie bilden eine Brücke zwischen den verschiedenen Gruppen im Land.
Dennoch sprechen aufgrund der Verschlechterung der politischen und finanziellen Situation in den vergangenen Jahren viele Christen davon, das Land zu verlassen – wenn auch schweren Herzens. Es ist die Pflicht von KIRCHE IN NOT, ihnen neue Hoffnung zu geben, eine Perspektive, damit sie in diesem schönen Land bleiben. Die Kirche, die ja ein zentrales Element in ihrem Leben darstellt, muss mithilfe unserer Bemühungen gestärkt werden.

Wer sind die Partner vor Ort?
Unsere Partner werden Bischöfe, Priester und Schwestern sein, deren religiöse Gebäude durch die Explosion beschädigt worden sind. Die Maronitische Kirche ist die größte im Bezirk, aber viele Gebäude der anderen Riten (zum Beispiel des griechisch-katholischen und des lateinischen Ritus) und der orthodoxen Kirche sind ebenfalls beschädigt worden; auch sie werden unsere Hilfe benötigen.
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Verwendungszweck: Libanon
Schweigend und höflich stehen sie unter der prallen Sonne in einer Schlange vor dem Socio-Medical Intercommunity Dispensary im Beiruter Armenviertel Nabaa. Einige von ihnen sind ältere Menschen und leben allein; andere haben Familien zu ernähren. Sie alle haben die Scham überwunden, um Almosen zu bitten, um etwas zu essen zu haben.
Die seit 1973 von der Versammlung der Frauenorden geleitete Krankenstation wurde 1968 von den Franziskanerinnen-Missionarinnen Mariens gegründet, um Bedürftige zu betreuen.

Als sich im Libanon die wirtschaftliche Lage verschlechterte, erweiterte die Krankenstation 2017 die medizinische und soziale Versorgung der Bedürftigen um die Ausgabe von warmen Mahlzeiten und verteilte 250 Mittagessen pro Tag. Jetzt, da sich der Libanon dem wirtschaftlichen Kollaps nähert, stellt die Ambulanz jeden Tag 1200 Mahlzeiten zur Verfügung.
„Der Libanon befindet sich in einer Situation, in der die Mittelschicht arm und die Armen noch ärmer geworden sind“, sagt Schwester Marie Justine el Osta von der Kongregation der maronitischen Schwestern der Heiligen Familie und Direktorin der Ambulanz. „Das ist eine Katastrophe.“
Trotz des wachsenden Elends um sie herum schenkt die kleine, energische 72-jährige Ordensfrau allen, denen sie dient, ein warmes und ermutigendes Lächeln.
„Meine Kraft kommt von Gott allein“, versichert Schwester Marie Justine. „Unsere Mission ist es, an der Seite der Menschen zu sein, sie aufzurichten und ihnen eine Portion positiver Einstellung und Hoffnung zu geben. Ihnen zu sagen, dass Gott mit uns ist, dass bessere Tage kommen.“

Schwester Marie Justine gibt jedoch auch zu: „Für mich ist es sehr schmerzhaft zu sehen, dass Menschen nach dem geringsten ihrer Rechte fragen müssen: Nahrung. Sie haben das Gefühl, ihre Würde verloren zu haben. Es tut mir weh, das zu sehen.“
Maguy, eine Mutter von vier Kindern im Alter von 7 bis 16 Jahren, begann vor ein paar Wochen die Krankenstation aufzusuchen, um warme Mahlzeiten zu bekommen.
„Ich hätte nie gedacht, dass ich das einmal tun würde“, sagt sie über die Nahrungsmittelzuteilung. „Es kam aber der Augenblick, in dem ich mir sagte, dass ich meine Kinder nicht verhungern sehen wollte. Für sie würde ich alles tun. Bei den Schwestern und allen anderen hier fühle ich mich willkommen. Gott segne sie für alles, was sie tun.“
Die warmen Mahlzeiten werden außerhalb der Ambulanzstation zubereitet. Die Empfänger bringen ihre eigenen Behälter zum Verzehr zu Hause mit. Aufgrund der Coronavirus-Präventionsmaßnahmen erfolgt die Ausgabe im Freien, am Eingang der Ambulanz. So wurde die Essensverteilung auch durch die katastrophale Explosion nicht unterbrochen, die Beirut am 4. August erschütterte und bei der fast 200 Menschen getötet, weitere 6000 verletzt und mehr als 300 000 obdachlos wurden.

Obwohl die Ambulanz vier Kilometer vom Ort der Explosion entfernt liegt, hat sie beträchtliche Schäden erlitten, die Reparaturen in Höhe von fast 40.000 Dollar erfordern. Die Ordensschwester ist dankbar, dass in der Ambulanz niemand verletzt wurde, da sie zum Zeitpunkt der Explosion geschlossen war.
„In diesem Land leben wir von Tag zu Tag, weil wir nicht wissen, was morgen passieren wird. Wir können das Licht am Ende des Tunnels nicht sehen“, erklärt Schwester Marie Justine. „Ich sage immer, dass Gott uns immer hilft. Ich danke Gott, denn er schickt uns Menschen, die uns helfen“, sagt sie und verweist auf die Hilfe, die vom Hilfswerk KIRCHE IN NOT kommt.
Sie weist dennoch darauf hin, dass „die Not wächst“. Die Möglichkeit einer Hungersnot im Libanon sei sehr real. „Wir nähern uns (der Hungersnot), weil die Lebensmittel sehr teuer werden, und die Menschen nicht mehr genug Geld haben werden, um sie im Supermarkt zu kaufen“, warnt Schwester Marie Justine. „Wir brauchen ein Wunder.“
Laut einem kürzlich veröffentlichten Bericht der Vereinten Nationen sind heute mehr als 55 Prozent der libanesischen Bevölkerung arm. Sie müssen darum kämpfen, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen – fast doppelt so viele Menschen wie noch vor einem Jahr. Die libanesische Währung hat in weniger als einem Jahr mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren, und die Preise für Grundnahrungsmittel haben sich verdoppelt, verdreifacht oder sogar vervierfacht.
KIRCHE IN NOT unterstützt ein Programm zur Verteilung von Lebensmittelpaketen an mehr als 5800 bedürftige Familien, die von der Explosion am 4. August betroffen wurden. Schwester Marie Justine wird einen Teil der Verteilung beaufsichtigen.
Um der notleidenden Bevölkerung in Beirut und anderen Regionen des Libanon weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Libanon