Christenverfolgung Archive - Seite 12 von 13 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Christenverfolgung

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Einer der führenden Bischöfe des Landes verurteilt den plötzlichen Anstieg der Zahl  minderjähriger christlicher und hinduistischer Mädchen in Pakistan, die entführt, vergewaltigt und gezwungen werden, zu heiraten und zum Islam überzutreten.

In einem Interview mit dem katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) bestätigte der Erzbischof von Lahore, Sebastian Shaw, Berichte über Entführungen von gerade einmal 14-jährigen Mädchen, die er als „Verbrechen“ scharf verurteilte.

Der Bericht des Bischofs deckt sich mit den Ergebnissen von Nachforschungen in der pakistanischen Provinz Punjab, die besagen, dass bis zu 700 Mädchen innerhalb eines Jahres verschleppt worden seien. Er sagte: „In letzter Zeit hat es viele Entführungen gegeben. Entführungen sind Verbrechen und müssen entsprechend geahndet werden. Nur so können sie gestoppt werden. Die Mädchen sind normalerweise etwa 14 oder 15 Jahre alt. Die Männer sind oft schon verheiratet. Sie sind 25 Jahre und älter.“

Laut Erzbischof Shaw spielt Religion bei den Entführungen sicher eine Rolle, zumal die Mädchen überwiegend hinduistisch oder christlich seien. Dennoch glaubt er, dass dies nicht die einzige Erklärung sei. „Es ist Begierde. Sie denken: , Sie sieht toll aus und ich will sie.‘ Es ist ein Delikt. Doch da ist auch eine möglicher religiöser Aspekt dabei.”

Er berichtete, dass christliche Würdenträger aufgrund der Zunahme der Entführungen die Polizei eingeschaltet hätten, „doch die hörte überhaupt nicht zu.” Also wandten sie sich direkt an die Regierung. „Wir sprachen über die Vorfälle mit der Regierung und sie nahm die Sache ernst. Zusammen mit dem islamischen Rat organisierte sie ein Treffen zwischen mir und Leitern der muslimischen und hinduistischen Gemeinschaften. Ich war bei dem Treffen dabei. Ein junger islamischer Gelehrter kritisierte die Entführungen und sagte, Zwangsbekehrungen seien nicht erlaubt.“

Trotz allem ist Erzbischof Shaw optimistisch, was die Zukunft Pakistans anbelangt. Seiner Meinung nach bewegt sich die aktuelle Regierung unter Premierminister Imran Khan in die richtige Richtung. Er sagte: „Die derzeitige Regierung setzt sich für Gleichheit ein. Alle Menschen sollten ein Gefühl der Zugehörigkeit haben.” Auch was die Kirche in Pakistan angeht, zeigte sich Shaw optimistisch. Er sagte: „Fast 60 Prozent der Bevölkerung sind junge Menschen. Wir verhelfen den Menschen zu einer guten und qualifizierten Ausbildung, zu Professionalität. Das ist neu, vor allem für die Katholiken. Wir haben guten Katechismus-Unterricht und erklären ihnen, warum sie Christen sind. Wir bilden sie aus für den Dialog mit den Muslimen. Wir bringen ihnen den Unterschied zwischen Dialog und Debatte bei.”

Erzbischof Shaw lobte die Arbeit von KIRCHE IN NOT in Pakistan und sagte: „Ich bin KIRCHE IN NOT dankbar, denn KIRCHE IN NOT unterstützt uns vor allem in unseren pastoralen Aktivitäten. KIRCHE IN NOT hilft auf der ganzen Welt und jedes Mal, wenn wir uns an das Werk wenden, bekommen wir Hilfe. Wir freuen uns immer über finanzielle Unterstützung, Gebete und Mut machende Worte.“

Im Jahr 2018 hat KIRCHE IN NOT in Pakistan 61 Projekte finanziert, darunter den Bau von Kirchen, die Ausbildung von Ordensleuten und die Bildung von Laien.

Laut KIRCHE IN NOT-nahen Quellen werden Christen im Norden von Burkina Faso von muslimischen Extremisten ausgerottet und aus ihrer Heimat vertrieben. Hitté und Rounga waren die letzten Dörfer, die verlassen wurden, nachdem Terroristen ein Ultimatum gesetzt hatten: Die Bewohner mussten entweder konvertieren oder ihre Häuser aufgeben.

„Das ist kein Einzelfall, sondern Teil des Plans der Dschihadisten, die Terror verbreiten, Mitglieder der christlichen Gemeinschaften töten und anschließend die Hinterbliebenen mit der Drohung  vertreiben, nach drei Tagen wiederzukommen und dann keinen Christen oder Katechumenen mehr vorfinden zu wollen,“ so die Informationsquelle.

Toulfé war die erste angegriffene Gemeinde. Ende Mai töteten Dschihadisten dort während des Gottesdienstes fünf Menschen, darunter einen Katecheten. Außerdem verwundeten sie einen zweiten Katecheten. „Von Touflé aus rückten die Extremisten in den Ort Babo vor, der ebenfalls ein Ultimatum erhielt. Viele flohen. Diejenigen, die dort  blieben, wurden Zeugen der Ermordung dreier Menschen durch die Terroristen, darunter Jean-Paul, der die verbliebene Gemeinde leitete und Gebetsgruppen organisierte.“

Der letzte Ort, der bedroht wurde, ist Hitté. „Anfang September kamen 16 Männer ins Dorf und warteten auf die Bewohner, die vom Feld zurückkehrten. Während die einen die Christen in die Kirche zwangen und ihnen drohten, innerhalb von drei Tagen ihre Häuser zu verlassen, verbrannten die anderen alles, was sie auf ihrem Weg fanden. In Hitté leben nun keine Christen oder Katechumenen mehr“, bestätigen die Quellen.  Anschließend rückten die bewaffneten Männer nach Rounga vor, das ebenfalls evakuiert ist.

Allein aus diesen beiden Orten seien fast 2.000 Menschen geflohen. Sie wurden in einer Grundschule in Ouindigui aufgenommen.

Eine weitere nahegelegene Stadt, die seit Beginn der Verfolgungen Menschen aufgenommen hat, ist Titao, wo fast 7.000 Vertriebene sowie Opfer von Gewalt und Verfolgung Zuflucht gefunden haben. Hier hat die katholische Kirche [durch die Caritas] die soziale und pastorale Hilfe, die Betreuung von Kranken und Alten sowie die Begleitung der traumatisierten Bevölkerung in die Hand genommen.  „Die Situation ist schwer zu bewältigen, hat aber die Solidarität der übrigen Bevölkerung von Titao – einschließlich der Muslime – hervorgebracht, die die Sicht der radikalen Extremisten nicht teilt und aktiv mit Nahrung und Wasser hilft, damit die Ortsgemeinde die Grundbedürfnisse der Flüchtlinge befriedigen kann.

Die lokalen Behörden in Titao sind von der schmerzlichen und dramatischen Situation in der Region bewegt. Allerdings „reagieren Verantwortliche auf Berichte lediglich mit Schweigen.“

Ein weiteres Problem sei die mangelnde Zusammenarbeit der Ordnungskräfte, sowohl der Gendarmerie als auch der Polizei, bei der Bergung von Leichen ermordeter Christen, stellen die KIRCHE IN NOT – Quellen fest: „Sie helfen kaum dabei, die Leichen zurückzubekommen, damit sie würdig begraben werden. Sie sagen, es sei nicht sicher. Deshalb gestaltet es sich als sehr schwierig. Mitunter haben Sicherheitskräfte ihre Zustimmung verweigert. In einem Fall mussten die Töchter von Verstorbenen all ihren Mut zusammennehmen und mit einem Dreirad losfahren, um die Leichen ihrer Väter zu holen und zu begraben. Auch in Babo war es nicht einfach:  Verwandte mussten mit Motorrädern fahren, um die Leichen wie Räuber in der Nacht abzuholen. Da bereits der Verwesungsprozess begonnen hatte, hatten viele Menschen danach gesundheitliche Probleme. Das ist unmenschlich.“

Die herangezogenen Quellen weisen darauf hin, dass nicht alle Fulani (Peuls) gebrandmarkt werden sollten, obwohl die Mehrheit der Terroristen zu dieser Gruppe gehöre Außerdem stecke hinter den Angreifern eine größere Kraft: „Jemand drängt diese Menschen dazu, sich zu bewaffnen, und gibt ihnen Waffen, um ihre Brüder zu töten, mit denen sie lange Zeit zusammenlebten. Denn obwohl es Ausländer unter den Terroristen gibt, sind die Mehrheit keine Fremden. Es sind Fulani, die lange Zeit in der Gegend lebten. Ihre Familien sind bekannt, und über Nacht sind sie zu Feinden der Bevölkerung geworden. Diese Menschen werden manipuliert.“

Der erste Verantwortliche für die Krise und die Zunahme der Gewalt im Land sei jedoch außerhalb zu finden: „Diese Waffen werden nicht in Burkina Faso hergestellt. Wir wissen, dass die Waffen von internationalen Unternehmen stammen, für die nur der eigene Profit zählt. Diejenigen, die die Waffen liefern, kennen nicht den Wert der Menschheit, den Wert des Menschen. Wir fordern das Vernichten der Waffen. Dann erst wird Friede nach Burkina zurückkehren.“

Es müsse sich sofort um Frieden bemüht werden, sonst drohen Vergeltungsmaßnahmen, erklären die Quellen. Denn die Menschen wissen: „Das ist derjenige, der meinen Vater oder meinen Bruder getötet hat. Es ist sehr schwierig. Nach so viel Barbarei ist man eher unempfindlich für den Frieden. Außerdem haben die Menschen alles verloren – auch die Ernte, was zu einer Hungersnot führen wird. Die Situation ist kritisch. „Bitte beten Sie dafür, dass Gott die Herzen berührt und der Friede zurückkehrt.“

„Das wertvollste Gut der Kirche ist der Glaube der Menschen“. Vor zehn Jahren begann die islamistische Gruppe Boko Haram Terroranschläge in Nigeria zu verüben. Die Gruppe radikaler Islamisten entstand im Jahr 2009 mit dem Hauptziel, einen strengen islamischen Staat in Nordnigeria zu gründen. Seitdem führen sie unaufhörlich tödliche Angriffe durch, zerstören ganze Dörfer, töten und verstümmeln wahllos. Sie legen Bomben, stecken Kirchen und öffentliche Gebäude in Brand, und entführen vor allem Frauen und Mädchen, die sie zwingen, zum Islam zu konvertieren.

Nährboden für diese terroristische Gruppe ist der Nordosten Nigerias. Dort befinden sich die katholischen Diözesen Maiduguri, Yola und Taraba. Von ihnen ist Maiduguri am stärksten betroffen, da die Terroristen ihren Hauptsitz im Bundesstaat Borno haben – Maiduguri ist die Hauptstadt des Bundesstaates Borno. Im Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT (ACN) spricht der katholische Bischof der Diözese Maiduguri, Oliver Dashe Doeme, über die aktuelle Situation und die Fortschritte der Kirche in den letzten Jahren.

Wie steht es nach zehn Jahren Terrorismus durch Boko Haram aktuell um dieKirche in der Diözese Maiduguri?

Seit zehn Jahren wird die Kirche in der Diözese Maiduguri von der gefürchteten islamischen Sekte Boko Haram schwer verfolgt. Die Sektenmitglieder haben eine gewaltige Zerstörung an Leben und Eigentum verursacht. Boko Haram ist der Ansicht, dass westliche Bildung eine Sünde ist. Da das Christentum eine Verbindung zur westlichen Bildung unterhält, soll es beseitigt werden.

Inzwischen hat sich die Lage sehr verbessert: Viele unserer Vertriebenen sind zu ihren Häusern zurückgekehrt, der Glaube wächst und einige der zerstörten Gebäude wurden wieder aufgebaut. Trotz allem, was geschehen ist, danken und preisen wir Gott für seine Barmherzigkeit und Güte uns gegenüber.

Zu den vor wenigen Wochen wiederaufgebauten Gebäuden gehört auch die von Boko Haram zerstörte Kathedrale St. Patrick. Am 10. Juli 2019 wurde der Neubau von Erzbischof Antonio Guido Filipazzi, dem Apostolischen Nuntius in Nigeria, geweiht. Was bedeutet das für die Kirche in Ihrem Bistum?

Unsere Kathedrale und benachbarte Gebäude wurden durch zwei Bomben beschädigt, die im Jahr 2012 zu verschiedenen Zeiten explodierten. Gott sei Dank kam kein Mensch zu Schaden, denn es waren keine Leute in der Nähe der Kathedrale. Allerdings wurden die Kathedrale, das Priesterhaus und das bischöfliche Generalvikariat von den Explosionen stark betroffen. Die Weihe der wiedererrichteten Kathedrale von Maiduguri ist ein klares Zeichen dafür, dass Gott den Sieg für sein Volk errungen hat, und markiert den Beginn der Erholung aus der Krise. Im Jahr 2014 stand mehr als die Hälfte der zu unserer Diözese gehörenden Gebiete unter der Kontrolle von Boko Haram. Damals hätten wir uns nicht vorstellen können, dass wir jemals wiedereine neue Kathedrale in der Stadt Maiduguri haben würden. Einige unserer Laien, die aus der Diözese flohen, sind bisher nicht zurückgekehrt. Das wertvollste Gut, das die Kirche inmitten dieser Verfolgung besitzt, ist der Glaube der Menschen. Diejenigen jedoch, die geblieben sind, haben die Kirche sehr unterstützt. Überraschenderweise gelang es den Gemeindemitgliedern der Kathedrale St. Patrick in Maiduguri, bis zu drei Viertel der für den Bau der neuen Kathedrale benötigten Mittel aufzubringen. Wir danken der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT für die restliche Unterstützung.

Boko Haram hat auch viele kirchliche Gebäude in verschiedenen Teilen Ihres Bistums zerstört. Können Sie konkrete Zahlen nennen?

Die Liste ist sehr lang. Ich werde versuchen, sie zusammenzufassen. Unser kleines Seminar in Shuwa wurde von den Terroristen in ein Lager verwandelt, in dem sie die Rekruten sammelten und die Beute ihrer Plünderung aufbewahrten. Als sie das Seminar verließen, zündeten sie den größten Teil des Gebäudekomplexes an. Gott und auch der Unterstützung von KIRCHE IN NOT verdanken wir den Wiederaufbau. Auch unser katechetisches Bildungszentrum in Kaya wurde 2014 von Terroristen zerstört und geplündert. Dazu kommen zwei Klöster, zwei Krankenhäuser, 15 Missionsschulen, mehr als zehn Pfarrhäuser und über 250 Kirchen oder Kapellen.

Sie haben erwähnt, dass einige Laien, Ordensleute und Priester aus ihren Häusern, Pfarren und Klöstern vertrieben wurden. Sind sie alle zurückgekehrt?

Der Höhepunkt der Angriffe von Boko Haram wurde 2014 erreicht. In diesem Jahr übernahmen Mitglieder der Sekte viele Bereiche unserer Diözese. Die Folge: Mehr als 25 Priester wurden vertrieben, mindestens 45 Ordensfrauen mussten ihre Klöster verlassen, über 200 Katecheten wurden von ihren Arbeitsplätzen vertrieben und mehr als 100.000 Katholiken mussten ihre Häuser verlassen.

Wir danken Gott jedoch für die enorme Verbesserung der Sicherheit. Alle Priester sind an die Orte ihres Apostolates zurückgekehrt. Einige unserer Priester sind aber auch außerhalb unserer Diözese im Einsatz. Von den zur Diözese gehörenden 44 Pfarren und Pastoralgebieten sind nur drei Pfarren noch nicht funktionsfähig, weil sie im Mittelpunkt der Angriffe stehen. Einige Ordensfrauen könnten in ihre Klöster zurück, – andere jedoch noch nicht, weil ihre Klöster nicht wiederaufgebaut wurden. Mehr als 90 Prozent unserer Laien sind in ihre Gemeinden zurückgekehrt. Gott sei Dank!

Was ist Ihre Botschaft an KIRCHE IN NOT und ihre Wohltäter? 

KIRCHE IN NOT war das Rückgrat der Kirche in unserer Diözese. Ohne die Unterstützung von KIRCHE IN NOT wäre die Kirche in unserer Diözese schon längst zusammengebrochen. KIRCHE IN NOT hat der Diözese geholfen und hilft ihr weiterhin in verschiedenen Bereichen, unter anderem mit der Förderung unserer jährlichen Priesterexerzitien, der Ausbildung unserer Priester und Priesteramtskandidaten, den Messstipendien, dem Wiederaufbau des kleinen Seminars und einiger Priesterwohnungen. Wir sind den KIRCHE IN NOT-Mitarbeitern und ihren vielen Unterstützern sehr dankbar für die große Hilfe, die sie der leidenden Kirche in der Diözese geleistet haben: Die leidende Kirche betet für euch alle. Möge der liebe Gott, der nicht an Großzügigkeit übertroffen werden kann, euch alle mit seinem Frieden in dieser Welt und mit dem ewigen Leben in seinem Königreich belohnen.

KIRCHE IN NOT hilft auch weiterhin der notleidenden Kirche in Nigeria. Um diese Hilfe auch weiterführen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
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Verwendungszweck: Nigeria

„Der neue Gedenktag für die Opfer religiöser Verfolgung ist ein wichtiger Schritt, um verfolgten Christen künftig mehr Gehör zu verschaffen“, resümiert Dr. Thomas Heine-Geldern. Der Geschäftsführende Präsident des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ zeigt sich zufrieden, dass in diesem Jahr der 22. August erstmals als „Internationaler Tag zum Gedenken an die Opfer von Gewalt aufgrund von Religion oder Glauben“ begangen werden kann. Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hatte im Mai eine entsprechende Resolution dazu verabschiedet.

Initiative von „Kirche in Not“ inspiriert

Die Anwältin und Autorin Ewelina Ochab ergriff im September 2017 nach einer von „Kirche in Not“ veranstalteten internationalen Konferenz in Rom die Initiative, um die Aufmerksamkeit der internationalen Gemeinschaft auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken. Seitdem sprach sie auf vielen Konferenzen, um ein Netzwerk aus Unterstützern zu bilden. Der Resolutionsvorschlag wurde schließlich von Polen in die UN-Vollversammlung eingebracht. Die USA, Kanada, Brasilien, Ägypten, Irak, Jordanien, Nigeria und Pakistan hatten den Vorschlag unterstützt. „Es war ein langer Prozess mit vielen Beteiligten, aber ,Kirche in Not‛ war die Inspiration dafür“, sagte Ochab.

„Als Organisation, die sich seit über 70 Jahren für notleidende Christen einsetzt, freuen wir uns von ,Kirche in Not‛ sehr, dass die Vereinten Nationen diesen Tag anerkannt haben. Das war ein überfälliger Schritt“, sagte Heine-Geldern. „Allen Glaubensgemeinschaften widerfährt regelmäßig Gewalt. Doch internationale Berichte zur Religionsfreiheit bestätigen leider immer wieder, dass Christen am stärksten verfolgt werden.“ Allein in den letzten fünf Jahren habe es zwei Fälle von Völkermord an religiösen Minderheiten gegeben: Im Irak und in Syrien durch die Truppen des sogenannten „Islamischen Staates“ an Christen, Jesiden und anderen religiösen Gruppen, sowie an der muslimischen Minderheit der Rohingya in Myanmar. Hinzu kämen die systematisch organisierten Gräueltaten, denen zunehmend insbesondere Christen in Afrika zum Opfer fallen, so Heine-Geldern.

UN-Plattform und Tribunal für religiöse Gewaltakte gefordert

Der Präsident von „Kirche in Not“ sieht den neuen Gedenktag als wichtigen Meilenstein, der aber nur ein erster Schritt sein dürfe: „Der 22. August darf nicht Selbstzweck sein, sondern muss einen Prozess anstoßen, der die internationale Gemeinschaft zu einem koordinierten Aktionsplan bewegt, um religiöse Verfolgung zu beenden und künftig zu verhindern. Es ist eigentlich die Pflicht der Vereinten Nationen, der Regierungen und politischen Akteure dem Menschenrecht auf Religionsfreiheit Geltung zu verschaffen. Dem symbolischen Tag müssen jetzt Taten folgen.“

Ein notwendiges Instrument sei unter anderem die Einrichtung einer UN-Plattform, um den Austausch mit Vertretern der verfolgten religiösen Gruppen zu fördern, erklärte Heine-Geldern. Zudem müssten die Vereinten Nationen auf die Einrichtung eines internationalen Tribunals für Gewaltakte hinarbeiten, die sich gegen Gläubige richten.

Vor drei Monaten rissen Bombenanschläge auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Es war der Ostersonntag. Der Inselstaat, in dem die Christen rund acht Prozent der Bevölkerung stellen, steht seitdem unter Schock.

Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst. Die katholische Kirche hat viele haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen.

Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus dem Hauptstadt-Bistum Colombo. Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert materielle Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Bei einem Sri-Lanka-Besuch sprach Stephan Baier, Korrespondent der katholischen Zeitung „Die Tagespost“, mit dem Priester.

Stephan Baier: Die Terroranschläge haben die Menschen nicht nur physisch und psychisch, sondern auch in ihrem Glauben verwundet. Wie steht ihnen die Kirche bei?

Prasad Harshan: Unser Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith wollte Missionare auf der Straße, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. Damit haben wir schon vor drei Jahren begonnen. Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen. Wir sind zurzeit fünf Priester, die mit den Terroropfern arbeiten. Vor allem sind wir in Negombo tätig, wo 115 Menschen einer einzigen Pfarrei ermordet und mehr als 280 verletzt wurden. Die Menschen sind verwundet: physisch, mental und spirituell. In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.

Bringt das Glaubenszweifel und Distanz zur Kirche?

Zunächst waren die Menschen geschockt und fragten sich: Wie konnte Gott das zulassen? Wir Priester beschlossen, mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten. Wir wollten ihnen zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt. Nach dem Schock kam die Wut. Insbesondere als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle. Er rief die Menschen auf, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Viele Katholiken auf Sri Lanka sagten mir, sie seien nach den Terroranschlägen stärker und gläubiger als zuvor.

Über Nacht war das ganze Land getauft. Es gibt ja die Taufe mit Wasser und jene mit Blut. Plötzlich wurde unserem ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken und die besondere Art ihres Glaubens bewusst. Früher sahen sich etwa 4 000 Menschen die Videobotschaften des Kardinals an, jetzt sind es hunderttausende. Sie wollen hören, was er sagt. Wir hatten ein wahres Osterfest! Aber es begann mit den zerfetzten Leibern, mit dem Blut der Märtyrer.

Die islamistischen Attentäter haben bewusst christliche Kirchen attackiert. Dabei sind rund 70 Prozent der Einwohner Sri Lankas Buddhisten …

Es hat wohl damit zu tun, dass die katholische Kirche zwar hier im Land eine Minderheit darstellt, aber die größte religiöse Gemeinschaft in der Welt ist. Die Terroristen wollen die ganze Welt involvieren.

Wie haben die Attentate die Beziehung zwischen Buddhisten und Katholiken beeinflusst? 

Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache? Die besondere Struktur der katholischen Kirche kam uns da sehr zugute: Der Kardinal hat dazu aufgerufen, keine Gewalt zu üben, die Priester haben das aufgegriffen und die Gläubigen ebenso. Jetzt bewundern auch buddhistische Mönche uns Katholiken und begegnen uns mit viel Sympathie und Respekt.

Wie reagierten die Spitzen der islamischen Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka auf den Terror aus ihren Reihen?

Die muslimischen Autoritäten haben erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime. Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen. Als die Untersuchungen begannen, wurden Waffen in den Moscheen gefunden. Das war schockierend für uns.

Wie wurde die internationale Solidarität mit den Opfern auf Sri Lanka spürbar?

Hilfsorganisationen wie „Kirche in Not“ haben uns hier sehr viel geholfen. Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören. Menschen, die nie in Sri Lanka waren, beten und spenden für uns. So wurde die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas. Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.

Um den kirchlichen Einsatz für die Überlebenden der Terroranschläge und die pastorale Arbeit auf Sri Lanka weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Der chaldäische Erzbischof Bashar Warda von Erbil, Kurdistan, ist die treibende Kraft hinter zwei wichtigen neuen christlichen Einrichtungen in der Region. 2016 öffnete die Katholische Universität ihre Pforten und im Spätsommer 2019 wird das Maryamana – ein neues, der Jungfrau Maria gewidmete Katholische Krankenhaus – offiziell eröffnet. Seit mehr als drei Jahren leben in der Erzdiözese von Erbil über 120.000 Christen, die im Jahr 2014 vor dem Überfall des Islamischen Staates auf die Ninive-Ebene im Norden des Irak geflohen waren. Während ca. 40.000 Gläubige inzwischen in ihre Heimat zurückgekehrt sind, ist Kurdistan für viele tausend Menschen zum ständigen Domizil geworden. Die einzige katholische Universität im Irak und das Krankenhaus werden den wiederhergestellten christlichen Gemeinschaften der Ninive-Ebene und den Christen in Kurdistan einen starken Impuls geben. Der Erzbischof sprach mit KIRCHE IN NOT (ACN) über die Bedeutung der beiden Projekte.

Welche Vision haben Sie für das neue katholische Krankenhaus?

Das Hauptziel des Krankenhauses ist es, eine effektive und erschwingliche Gesundheitsversorgung in einer vom Krieg geplagten Region zu gewährleisten, in der es an Ressourcen und moderner Ausrüstung mangelt. Dies ist zum Teil auf jahrzehntelange Konflikte zurückzuführen, aber auch auf die Untätigkeit der Regierung. Es ist wahrscheinlich, dass es im nächsten Jahrzehnt noch mehr Flüchtlinge, Binnenflüchtlinge und ältere Menschen in Not geben wird. Wir werden in der Lage sein, die bedürftigsten Patienten zu unterstützen und ihnen Preisnachlässe von bis zu 60 Prozent anzubieten.

In einer Region mit hoher Arbeitslosigkeit spielt das Krankenhaus doch sicher auch eine wichtige Rolle als Arbeitgeber, oder?

Christen und anderen Minderheiten wird oft der Arbeitsplatz verweigert und sie werden aufgrund eines von Vorurteilen behafteten politischen Systems bei Beförderungen übergangen. Es gibt nur wenige oder gar keine Politiker, die bereit sind, sich für die Rechte der Christen einzusetzen. Dies ist ein Grund, warum Menschen das Land verlassen. Das Schaffen von Arbeitsplätzen wird den Christen zeigen, dass wir für sie in Erbil eine Zukunft aufbauen. Das Maryamana-Krankenhaus ist neben der Universität ein wichtiges und zentrales Projekt, das darauf abzielt, Christen zu motivieren, in Erbil und in der Ninive-Ebene zu bleiben. Beide Einrichtungen zeigen, dass Christen ein fester Bestandteil der irakischen Gesellschaft sind.

Wird das Krankenhaus nur Christen versorgen?

Die Aufgabe des Krankenhauses steht im Einklang mit dem Auftrag der Kirche. Alle Menschen, unabhängig von Religion oder ethnischer Zugehörigkeit, können im Maryamana-Krankenhaus behandelt werden. Diejenigen, deren medizinischen Bedürfnisse am dringendsten sind, werden vorrangig behandelt. Es ist allgemein bekannt, dass Muslime christlichen Gesundheitsexperten vertrauen. Hoffentlich wird das Maryamana-Krankenhaus auch unsere Bemühungen um eine gesellschaftliche Wiederaussöhnung erleichtern, indem es sich ebenfalls der gesundheitlichen Probleme der Angehörigen anderer Religionen annimmt.

Welche medizinischen Leistungen wird das Krankenhaus anbieten?

Das Krankenhaus wird über 70 Betten und sieben Operationssäle verfügen, die voraussichtlich alle ständig genutzt werden. Das Krankenhaus wird 300 ambulante Patienten pro Tag versorgen können und die meisten medizinischen Dienstleistungen anbieten. Neben der Betreuung von Schwangeren und Frühgeborenen wird es Abteilungen für ein breites Spektrum an Fachgebieten geben. Das Krankenhaus wird über eine moderne Laborausstattung verfügen und das gesamte Spektrum an diagnostischen Untersuchungen (z.B. MRT, CT) durchführen können. Es gibt zwei Notaufnahmen sowie eine Apotheke. Wir hoffen, dass Maryamana in circa drei Jahren als Lehrkrankenhaus arbeiten kann. Auch die Einrichtung eines Zentrums für Onkologie im Krankenhaus ist geplant.

Welche Aufgabe verfolgt die katholische Universität in Erbil?

Die Katholische Universität Erbil wurde gegründet, um unseren jungen Menschen Bildungs- und Berufschancen zu bieten, damit sie ermutigt werden, im Irak zu bleiben und die zukünftigen Führer der christlichen Gemeinschaft hier und anderswo im Land werden. Wenn unsere jungen Menschen durch gute universitäre Bildung attraktive Arbeitsplätze in einem mehrheitlich muslimischen Land bekommen, motivieren sie andere Christen, den gleichen Weg einzuschlagen. Die Universität kann religiöse Minderheiten inspirieren und ihnen beweisen, dass sie hier eine lebensfähige und erfolgreiche Zukunft haben. Wir versuchen, Erbil als langfristiges Zuhause für die christliche Gemeinschaft zu etablieren – und dass die Menschen sich zum Bleiben entschließen, wenn es Arbeitsplätze, eine starke Infrastruktur mit Dienstleistungen und Institutionen gibt. Die Schule wird der christlichen Gemeinschaft ein wichtiges Gefühl von Wert und Zugehörigkeit vermitteln.

Wie viele Studenten hat die Universität jetzt und welches Ziel streben Sie an?

Derzeit sind 108 Studenten eingeschrieben, darunter zehn Muslime. Die akademischen Grade werden in den Bereichen Buchhaltung, Englisch, Internationale Beziehungen, Informationstechnologie und Informatik verliehen. Unser Ziel für das akademische Jahr 2022-2023 sind 825 Studenten – 615 irakische Christen, 125 Muslime und 85 Jesiden – die aus anderen Teilen des Irak kommen, nämlich aus Kurdistan, Mossul, der Ninive-Ebene, Duhok, Kirkuk, Bagdad und Basra. Um Studenten zu gewinnen, wollen wir zusätzliche Abteilungen in weiteren akademischen Kernfächern einrichten: Wirtschaft, Ingenieurwesen, Gesundheits- und Medizinwissenschaften sowie Erziehungswissenschaften.

Darüber hinaus wollen wir die Universität als internationales Ankerprojekt etablieren, um das Christentum im Irak zu erhalten. Wir bauen hier Beziehungen zu den zuständigen Ministerien auf und arbeiten international mit vielen Universitäten zusammen, um die Katholische Universität Erbil als Marke zu etablieren. Irakische Christen und andere Minderheiten zieht es zur Universität, weil der Unterricht auf Englisch stattfindet und weil die Universität in Ankawa, dem christlichen Viertel von Erbil, liegt. In einer Umgebung also, die Sicherheit und Geborgenheit verspricht. Das neue Maryamana-Krankenhaus befindet sich ebenfalls in Ankawa.

Was sind Ihre größten Sorgen im Zusammenhang mit diesen Initiativen, mit dem Krankenhaus und der Universität?

Die größte Herausforderung bestand darin, beide Institutionen zu bauen und in Betrieb zu nehmen. Beim Krankenhaus steht die Rückzahlung unserer Kredite im Vordergrund, aber wir wissen, dass das Krankenhaus voll ausgelastet und profitabel sein wird. Der Bedarf ist vorhanden. In Kurdistan gibt es über eine Million Flüchtlinge und Hunderttausende alter Menschen. Kliniken in Erbil und Duhok versorgen pro Monat mehr als 1.000 Patienten. Nicht weniger als 2.000 chronisch kranke Patienten sind auf unsere hiesige Klinik St. Joseph und sehr teure Medikamente angewiesen.

Die noch junge Universität benötigt mehr Hilfe, da die meisten unserer Studenten – viele von ihnen aus Karakosch auf der Ninive-Ebene – Vollstipendien haben. Wir müssen das Studienangebot erweitern, denn die Zahl der Abteilungen hängt von der Zahl der Bewerber ab. Es ist schwierig, englische Muttersprachler als Lehrer zu gewinnen, da die Konsulate sagen, dass Kurdistan unsicher ist. Wir können Menschen nur durch Mundpropaganda und Erfahrungsberichte von Besuchern gewinnen, aber ich glaube, dass wir Erfolg haben werden. Derzeit absolvieren 14 junge Menschen aus unserer Region Masterstudiengänge in den USA, Großbritannien, Italien und Australien. Nach ihrer Rückkehr nach Hause werden sie sowohl an der Universität als auch im Krankenhaus eine Schlüsselrolle spielen.

Ich danke allen unseren Wohltätern von ganzem Herzen und mit meinen Gebeten. Sie leisten eine großartige Arbeit für uns alle hier. Gott segne sie alle.

Seit zwei Jahren unterstützt KIRCHE IN NOT die Katholische Universität Erbil und das Maryamana-Krankenhaus mit der Finanzierung von Stipendien und dem Kauf modernster medizinischer Geräte. Von 2014 bis 2017 stellte KIRCHE IN NOT mehr als 40 Millionen Dollar für Projekte zur Unterstützung der chaldäischen Erzdiözese Erbil zur Verfügung. Diese stellt Nahrungsmittel, medizinische Versorgung, Unterkünfte und Bildung für die Binnenflüchtlinge bereit, die die Ninive-Ebene verlassen mussten, nachdem der IS die Region erobert hatte.

Um die geflohenen christlichen Familien und die Kirche im Irak weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen“, erklärte der Direktor von KIRCHE IN NOT Philippinen, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk unterhält seit 2016 ein Nationalbüro in dem südostasiatischen Land.

In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche. 20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Nur ein halbes Jahr nach dem Attentat ist die Kirche wieder geöffnet

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist, wie Jonathan Luciano beobachten konnte: „Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen.“

Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato. „Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano: „Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: Zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Terroropfer und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. So zum Beispiel auf der benachbarten Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch: Dialog unabdingbar

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte. Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

Auch der Direktor des philippinischen Zweigs von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

Um die Arbeit und das Leben der Kirche auf den Philippinen weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
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Verwendungszweck: Philippinen

„Das brutale Vorgehen der Regierung Eritreas zielt darauf ab, der Kirche alle Dienste im Bereich Bildung und Gesundheit zu entziehen. Unsere Arbeit soll sich nur noch auf die Gotteshäuser beschränken.“ Dies erklärte der eritreisch-katholische Priester Mussie Zerai gegenüber dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT. Zerai lebt in Rom und koordiniert von dort aus die eritreische Seelsorgearbeit und die Gemeinden in Europa. Die wachsen: Tausende Menschen verlassen jedes Jahr ihr Heimatland.

Nach dem brutalen Vorgehen der Regierung gegen christliche Einrichtungen in dem nordostafrikanischen Land könnten es noch mehr werden: Mitte Juni hatte eritreisches Militär 21 kirchliche Krankenhäuser und medizinische Einrichtungen gewaltsam besetzt und geschlossen. Die Patienten wurden regelrecht aus den Betten geworfen. Das Militär habe Fenster und Türen zerschlagen und die Angestellten unter Druck gesetzt, erzählte Zerai. Die Leiterin eines Krankenhauses im Norden Eritreas, eine Franziskanerschwester, sei sogar in Haft genommen worden, als sie Widerstand leistete.

Mehr als die Kirche leiden die notleidenden Menschen

„Es gibt keine Rechtfertigung für das Vorgehen des Regimes. Es bestraft diejenigen, die sich um die ärmsten Menschen kümmern“, sagte Zerai. Denn noch mehr als die kirchlichen Mitarbeiter litten die über 200 000 Menschen, die in den kirchlichen Gesundheitseinrichtungen Jahr für Jahr behandelt würden. „Die meisten Patienten waren keine Katholiken, sondern orthodoxe Christen, Muslime und Angehörige anderer Religionen. Oft befinden sich die Einrichtungen in abgelegenen Gebieten“, erklärte der Priester.

Das Vorgehen der Regierung ist nicht neu: Schon im vergangenen Jahr seien acht Gesundheitszentren geschlossen worden. Neu hingegen sei die Brutalität. Die Gründe dahinter sind unklar. Ausländische Beobachter vermuten, der Regierung unter Präsident Isaias Aferweki sei das Engagement der Kirche im Friedensprozess mit Äthiopien zu selbstbewusst geworden. Auch wolle die Regierung den Sozialsektor allein in der Hand haben und beruft sich dabei auf ein Gesetz aus dem Jahr 1995. Für Zerai ist die Lage klar: „Die Regierung ist davon besessen, alles und jeden kontrollieren zu wollen. Sie betrachtet die katholische Kirche als Bedrohung, weil wir international vernetzt sind und Fragen stellen.“

Im atheistisch geprägten Staat leiden alle Religionen

In Eritrea leben maximal 120 000 bis 160 000 Katholiken. Die Hälfte der Bevölkerung ist christlich. Neben der katholischen sind nur noch die orthodoxe und die evangelisch-lutherische Kirche als Religionsgemeinschaften staatlich geduldet – neben dem sunnitischen Islam. Anders als in vielen Ländern Nordafrikas ist der Islam in Eritrea nicht Staatsreligion. Das Land sei „atheistisch geprägt. Wenn es nach der Regierung ginge, gäbe es gar keine Religion. Letztlich ist es dieselbe Schule wie in China“, erklärt Zerai.

Der Priester kann nur deshalb frei sprechen, weil er im Ausland lebt. Die Rückreise in sein Heimatland ist ihm verwehrt. Auf die Bischöfe des Landes – es gibt vier katholische Diözesen – übt die Regierung immer wieder Druck aus. Das hat sie nicht davon abgehalten, gegen die Besetzung der Kliniken vehementen Protest einzulegen. Derweil säßen tausende Christen, aber ebenso Muslime, in eritreischen Gefängnissen, erklärt Zerai: „Oft ohne Angabe von Gründen, die Angehörigen wissen nicht, wo sie abgeblieben sind oder ob sie noch leben.“

Besonders schlecht ergehe es den Gläubigen der staatlich nicht anerkannten Freikirchen. Auch der Patriarch der orthodoxen Kirche steht seit 14 Jahren unter Hausarrest. Vor kurzem seien fünf orthodoxe Mönche festgenommen worden – drei von ihnen über 70 Jahre alt. Eine Oppositionsarbeit im Inland gegen solche oder weitere Verletzungen der Menschenrechte sei unmöglich, erklärt Zerai: „Jede Art des Widerstands, die sich auch nur im Geringsten andeutet, wird sofort im Keim erstickt“. So stammen die meisten Berichte über Menschenrechtsverletzungen in Eritrea auch von Flüchtlingen. Internationalen Organisationen ist die Einreise verwehrt oder wird massiv erschwert.

Keine Verfassung, keine Grundrechte

„Der Grund, warum immer mehr junge Eritreer ins Ausland gehen, ist die fehlende Rechtsstaatlichkeit“, erklärt Zerai. Das Land hat bis heute keine gültige Verfassung. „Die Menschen können deshalb ohne Grund von zu Hause abgeholt werden. Auch der Militärdienst ist zu einer legalisierten Sklaverei geworden. Den jungen Leuten wird die Möglichkeit zur Zukunft entzogen“, erklärt Zerai.

Auch der Versuch der internationalen Gemeinschaft, im Blick auf die Menschenrechtslage Druck auf Eritreas Regierung auszuüben, sei bislang gescheitert. Das Land habe sich weitgehend isoliert. „Derzeit versuchen die Staaten, Eritrea auf internationaler Ebene stärker einzubeziehen, um so eine Öffnung zu bewirken“, sagte der Priester. Im Oktober 2018 wurde das Land von der UN-Vollversammlung in den Menschenrechtsrat gewählt.

Wie die Menschenrechtslage insgesamt, so sei auch die Religionsfreiheit stark eingeschränkt und von Willkür geprägt: „Es gibt die Freiheit der Religionsausübung für einige, aber nicht für alle. Mal klappt die Zusammenarbeit besser, mal schlechter“, so Zerai. Trotz der aktuellen Eskalation steht für den Priester fest: „Die katholische Kirche wird ihr seelsorgerische, aber auch ihre soziale Arbeit fortsetzen. So sagt es schon die Bibel: Glaube ist nichts ohne echten Einsatz, ohne Werke. Der Kirche die Möglichkeit zur Nächstenliebe zu nehmen, ist, als ob man ihr einen Arm amputieren würde.“

Weitere Informationen zur Lage in Eritrea liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von KIRCHE IN NOT: religious-freedom-report.org/de/report-de/?report=1770

Um den bedrängten Christen Eritreas weiterhin beistehen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Eritrea

Nigeria boomt. Die Einwohnerzahl der größten Volkswirtschaft Afrikas hat sich nach einem Bericht der Vereinten Nationen in den letzten 30 Jahren auf fast 200 Millionen Menschen verdoppelt, damit ist es weltweit das Land mit der siebtgrößten Bevölkerung. „Eine Bevölkerung, der viel Leid widerfährt“, berichtet Schwester Jacinta Nwaohiri bei einem Besuch in der Zentrale von KIRCHE IN NOT International. Die Dominikanerschwester lebt in der Diözese Sokoto in Gusau, der Hauptstadt des im Norden gelegenen Bundesstaates Zamfara. Auf das ganze Land bezogen ist der Anteil von Christen und Muslimen in etwa gleich. Da die meisten Christen jedoch im Süden wohnen, betrage ihr Anteil im Norden jedoch nur unter fünf Prozent, so Schwester Jacinta.

Die haben es besonders schwer, denn „durch die Terrorgruppe Boko Haram im Norden Nigerias werden Christen systematisch verfolgt und ermordet, die sich der Forderung widersetzen, die Scharia in ganz Nigeria einzuführen und westliche Bildungseinflüsse abzulehnen“, beschreibt Jacinta Nwaohiri die Situation. Sie weiß wovon sie spricht, denn sie hat es selbst erlebt: Auch in ihre Dörfer fiel Boko Haram eines Morgens ein, sie zerschossen alles und brannten alles nieder. Die Angst der christlichen Bevölkerung wächst, denn außerdem gibt es regelmäßig Bedrohungen durch die mehrheitlich muslimischen Nomaden aus dem Stamm der Fulani, die im gesamten Land für brutale Überfälle verantwortlich sind. „Es geschehen wieder viele Übergriffe, die unermessliches Elend bringen“, bedauert sie.

In ihrem Konvent in Gusau, dem derzeit 17 Schwestern angehören, kümmert sich Jacinta Nwaohiri vor allem um die Bildung der Bevölkerung und unterstützt arme Bauern auf der Suche nach Arbeit im Kampf gegen den Hungertod, der das Land vor massive Herausforderungen stellt. „Hilfe zur Selbsthilfe“ ist ihr in allen Bereichen ein wichtiges Anliegen. Als großes Problem benennt sie auch die Tatsache, dass junge Mädchen im Land traditionell meist früh mit älteren Männern verheiratet werden, oft bereits im Alter von zwölf Jahren. „Wir müssen für ihre Schulbildung sorgen. Das ist der einzige Schlüssel, um ihnen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung zu geben“, sagt Schwester Jancinta.

Die Ordensfrau hofft, dass die Regierung endlich Erfolge erzielt, die Gewalt im Land einzudämmen, damit die vertriebenen Menschen in ihre Dörfer und Häuser zurückkehren können. Sie ist sehr dankbar für die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT, die im Land bereits viel Gutes bewirkt habe. So hat KIRCHE IN NOT in den vergangenen Jahren unter anderem für die Ausbildung von elf Dominikaner-Novizinnen gesorgt und den Bau einer Einrichtung für die Schwestern mitfinanziert.
„Die Nigerianer sind trotz der vielen Probleme und des Leids im Land lebensfroh“, sagt Schwester Jacinta. „Der regelmäßige Kirchgang, unser starker Glaube und das Vertrauen auf Gott geben uns täglich Kraft und Überlebenswillen.“

„Die Anschläge haben viele Leute an den Ausnahmezustand zu Zeiten des Bürgerkriegs erinnert. Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock“, so das Fazit von Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag, die landesweit hunderte Tote und Verletzte zu verantworten hatten, hat sich die für das Land zuständige Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT (ACN) selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht.

Sie berichtet von einer landesweit angespannten Lage, immer wieder aufkommenden Unruhen und Furcht: „Die Sicherheitsmaßnahmen in ganz Sri Lanka waren bei unserem Besuch sehr groß, Sicherheitskräfte und das Militär waren überall präsent. Insbesondere die christliche Bevölkerung hat weiterhin Angst. Es ist bekannt, dass an Ostersonntag mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend ermittelt und festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

Derzeit appelliert der Erzbischof der Diözese Colombo, Albert Malcolm Kardinal Ranjith, an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte auszuüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest. Innerhalb weniger Tage hat eine kleine Delegation von KIRCHE IN NOT insbesondere die Regionen um die Hauptstadt Colombo und der Nachbarstadt Negombo besucht, wo die meisten der Anschläge auf Kirchen und Hotels stattfanden. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Denn es waren ja ganz gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel. „Uns ist wichtig, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT aus erster Hand über die Lage vor Ort zu informieren, damit wir nicht vergessen, für Sri Lanka zu beten und dem Land unsere Unterstützung zukommen lassen können.“

Seit dem 21. Mai, genau einem Monat nach der Anschlagsserie, seien die Kirchen im Land wieder den Gläubigen zugänglich, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie momentan Angst haben, in eine Kirche zu gehen oder sich fürchten, wenn sie Glocken erklingen hören. Ein bedrückendes Zeugnis davon, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“ Dennoch konnte sie feststellen, dass die Erlebnisse viele Menschen, die selbst Opfer wurden oder Angehörige verloren haben, in ihrem Glauben bestärkt haben. „Die Leute verstehen zwar nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist, nachdem die Zustände die letzten Jahre verhältnismäßig ruhig waren. Aber sie haben einen immensen Lebenswillen und starken Glauben. Die Christen und alle Menschen in Sri Lanka wollen keinen Bürgerkrieg mehr, sondern sich für dauerhaften Frieden engagieren“, betont die KIRCHE IN NOT-Referentin.

Der Besuch eines Franziskaner-Konvents in Negombo habe Veronique Vogel besonders beeindruckt: Das Konvent befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo bei den Anschlägen allein dort mindestens 100 Menschen getötet wurden. Die Franziskaner haben uns Videos mit schrecklichen Szenen vom Tattag gezeigt – und seien sie sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie aktuell ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Der Inselstaat Sri Lanka liegt im Indischen Ozean und hat rund 22 Millionen Einwohner, darunter 70 Prozent Buddhisten, 12,5 Prozent Hindus, 9,5 Prozent Muslime und 8 Prozent Christen. Bei einer Serie von Anschlägen am Ostersonntag, 21. April 2019 kamen insbesondere in drei christlichen Kirchen und drei Hotels in der Hauptstadt Colombo, der Nachbarstadt Negombo und der an der Ostküste gelegenen Stadt Batticaloa zahlreiche Menschen zu Tode oder wurden schwer verletzt. Derzeit wird von landesweit mindestens 253 Toten und rund 500 Verletzten ausgegangen. Die Behörden machen eine lokale, radikal-islamistische Gruppierung und Dschihadisten für die Taten verantwortlich.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 15 Jahren über 8 Millionen Euro in Projekte in Sri Lanka investiert. Mit dem Geld wurden unter anderem der Bau christlicher Einrichtungen, Messstipendien für Priester, theologische Ausbildungen und die Anschaffung christlicher Literatur vor Ort finanziert. Nach den jüngsten Terroranschlägen wird sich KIRCHE IN NOT umso mehr für langfristige pastorale Hilfe im Land engagieren, damit die Wunden heilen und die Gemeinden wieder Hoffnung und Zuversicht erlangen können.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ begrüßt die Entscheidung der Vollversammlung der Vereinten Nationen, wonach der 22. August als neuer „Internationaler Gedenktag für Opfer von Gewalt wegen ihrer Religion oder ihres Glaubens“ begangen werden soll.

„Diese Entscheidung ist eine klare Botschaft und ein klarer Auftrag, dass die Vereinten Nationen, ihre Mitgliedsstaaten und die Zivilgesellschaft religiös motivierte Gewalt nicht tolerieren können und werden“, sagte Mark von Riedemann, Direktor für Öffentlichkeitsarbeit und Belange der Religionsfreiheit in der internationalen Zentrale von „Kirche in Not“ in Königstein im Taunus.

Zunehmende Gewalt bis hin zum Völkermord an religiösen Minderheiten

Die Reaktionen der internationalen Gemeinschaft auf Meldungen über religiöse Gewalt seien bislang zu spärlich und zu spät erfolgt. „Die Entscheidung für den Gedenktag ist ein erster Schritt, um mehr Aufmerksamkeit auf religiöse Verfolgung zu lenken“, erklärte von Riedemann. Internationale Berichte wie die Untersuchung des US-Außenministeriums oder die Studie „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ verzeichneten eine „dramatische Zunahme der Gewalt gegen Gläubige praktisch aller Glaubensrichtungen auf allen Kontinenten, wobei Christen am stärksten verfolgt werden“, führte von Riedemann aus.

Allein in den vergangenen fünf Jahren sei es zweimal zu einem Völkermord an religiösen Minderheiten gekommen, „wie er in Syrien und im Irak vom ,Islamischen Staatʻ an Christen und anderen religiösen Gruppen sowie von Militäreinheiten an muslimischen Rohingyas in Myanmar verübt wurde“, so von Riedemann. Hinzukämen die anhaltenden „organisierten Gräueltaten“, die sich vermehrt gegen Christen auf dem afrikanischen Kontinent richten.

Auftakt für Prozess zu internationalem Aktionsplan gegen religiöse Gewalt

Der neue Gedenktag könne deshalb nur ein erster symbolischer Schritt sein, so Riedemann. „Kirche in Not“ setzt sich zusammen mit anderen Organisationen und politischen Akteuren für die Einrichtung einer UN-Plattform ein, auf der Informationen zu antireligiöser Gewalt schneller verbreitet werden können.

Am Ende müsse ein internationaler Aktionsplan stehen, um religiöse Verfolgung einzudämmen „oder um zu verhindern, dass sie zu noch größeren Gräueltaten wie Völkermord eskalieren“, erklärte von Riedemann. Bislang fehle es dazu an politischen wie organisatorischen Möglichkeiten. „Unser Schweigen zur religiösen Verfolgung ist unsere Schande.“

Der neue „Internationale Gedenktag für Opfer von Gewalt wegen ihrer Religion oder ihres Glaubens“ wurde bei der UN-Vollversammlung am 28. Mai verabschiedet. Der Vorschlag war von Polen eingebracht worden. Die USA, Kanada, Brasilien, Ägypten, Irak, Jordanien, Nigeria und Pakistan hatten die Initiative unterstützt.

Die Idee zum neuen Gedenktag geht auf die polnische Anwältin Ewelina Ochab zurück, einer international anerkannten Expertin für Religionsfreiheit. Bei einer im Herbst 2017 von „Kirche in Not“ veranstalteten Konferenz in Rom zur Lage der Christen im Irak stellte Ochab ihre Idee vor, durch einen UN-Gedenktag die weltweite Aufmerksamkeit auf Verletzungen der Religionsfreiheit zu lenken. „Kirche in Not“ hatte sie auf diesem Weg ermutigt.

Der Bericht von „Kirche in Not“ über die Situation der Religionsfreiheit in 196 Ländern findet sich unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

Nigeria kommt nicht zur Ruhe. Meldungen, wonach die Terroreinheit „Boko Haram“ besiegt sei, widersprechen Erfahrungen, wie sie der Priester John Bakeni jeden Tag macht. Der Priester ist in seinem Heimatbistum Maiduguri im Norden Nigerias für die Koordinierung der Hilfen für Überlebende der Terroranschläge und Vertriebene zuständig. Das weltweite katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ arbeitet seit Jahren eng mit ihm zusammen.

Während im Norden die Terrorgefahr allgegenwärtig ist, nehmen in Zentralnigeria die Übergriffe mehrheitlich muslimischer Nomaden aus dem Stamm der Fulani auf christliche Bauern zu. Hinter Landkonflikten stehen dabei auch antireligiöse Gefühle, wie Projektpartner von „Kirche in Not“ berichten.

Das christliche Online-Jugendmagazin „f1rstlife“ hat mit John Bakeni über die aktuelle Situation gesprochen.

f1rstlife: Father John, Boko Haram gilt als eine der gefährlichsten islamistischen Terrorgruppen der Welt. In jüngster Zeit wurden auch zunehmende Angriffe auf christliche Bauern durch Fulani-Hirten gemeldet. Wie ist die Lage aktuell?

Es hat sich leider nicht viel verändert. Viele Dörfer werden immer noch attackiert. Sogar in diesem Moment, in dem ich mit Ihnen spreche, werden Menschen getötet und ihr Besitz zerstört. Sehr besorgniserregend ist die Tatsache, dass die Menschen auf dem Land nicht mehr der Feldarbeit nachgehen können. Sie fürchten dort entführt oder getötet zu werden. Die Sicherheitsbedingungen verschlechtern sich zunehmend.

Welchen Gefahren und Herausforderungen sind Sie persönlich ausgesetzt?

Die Verfolgung der christlichen Minderheit im Norden Nigerias hält schon lange an. Sie reicht von politischer Ausgrenzung, der Verweigerung von Grundstücken für einen Kirchenbau bis hin zu gewaltsamer Entführung und Zwangsverheiratung von jungen Mädchen als Akt der kalkulierten Gewalt. Die Übergriffe auf Christen werden jetzt zügelloser und aggressiver. Die anhaltenden Auseinandersetzungen mit Boko Haram und die Übergriffe durch mehrheitlich islamische Fulani-Hirten haben große Unsicherheit und Angst bei uns Nigerianern ausgelöst. Wir erleben jeden Tag in Sicherheit als einen Segen, denn wir wissen nicht, was am nächsten Tag sein wird. In diesem Teil der Welt ist es sehr schwierig, Christ zu sein, aber unser Glaube treibt uns an, das Evangelium mutig zu bezeugen.

Die Christenverfolgung nimmt aktuell an zahlreichen Orten zu. Wie gehen der Staat und die Zivilgesellschaft in Nigeria mit dem Terror um? Welche Hilfen, Maßnahmen und Strategien gibt es oder sollte es geben?

Das Christentum erlebt weltweit schwierige Zeiten. Es ist traurig, dass sich Länder, die Vorreiter waren und auf christlichen Werten ausgebaut warten, vom Glauben abwenden. In Nigeria ist der Staat nicht besonders präsent, was Schutz und Sicherheit für das Leben und den Besitz der Christen angeht. Wir Staatsbürger, egal ob Christen oder Muslime, erwarten, dass der Staat uns beschützt und uns Sicherheit gibt. Nur so können die Menschen ihren Aufgaben ohne Angst und Bedenken nachgehen.

Wie hilft die Kirche in Nigeria den Menschen, die unter dem Terror leiden, und woher erhält sie dafür Unterstützung?

In meiner Diözese Maiduguri haben wir viel Solidarität von anderen Diözesen in Nigeria erhalten. Aber die größte Unterstützung erhalten wir aus dem Ausland, vor allem von „Kirche in Not“ und anderen Organisationen. Einige Diözesen in den USA haben uns ebenfalls dadurch unterstützt, dass wir in den Pfarreien persönlich Zeugnis geben konnten. Auch Länder wie Ungarn haben uns Hilfe zukommen lassen.

Wie sehen Sie das Verhältnis von Islamismus und Islam? Kann und muss die friedliche Mehrheit der Muslime mehr tun?

Der Islamismus ist eine Verzerrung des Islam. Das Schweigen der islamischen Mehrheit ist beunruhigend. Die Menschen sollten dem Islamismus entgegentreten und ihn anprangern.

Was können wir hier in Europa tun, um den bedrängten und notleidenden Christen in Nigeria zu helfen?

Das Erste und Wichtigste ist, für uns zu beten. Zweitens, uns finanziell zu unterstützen und Ressourcen bereitzustellen, damit die Christen auch in schwierigen Situationen den Glauben bewahren können. Drittens sollten die europäischen Regierungen Einfluss nehmen auf unsere Regierung, um die demokratischen Institutionen zu stärken, die sich für Rechtsstaatlichkeit, Religionsfreiheit und Versammlungsfreiheit für alle einsetzen.

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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