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Trotz anhaltender Kämpfe im Gaza-Streifen harren dort immer noch rund 500 Menschen in der einzigen katholischen Pfarre aus. Wie der Pfarrer von Gaza-Stadt, Pater Gabriel Romanelli, in einem Gespräch mit KIRCHE IN NOT sagte, sei die Situation „sehr schlecht“: „Wir müssen alles, was wir haben, rationieren. Nur dadurch können wir die Flüchtlinge auf dem Grundstück und die Menschen außerhalb unterstützen.“

Dennoch habe er es kürzlich geschafft, Wasser an die Menschen zu verteilen. Die Gemeinde versorge nicht nur die Menschen, die sich in den Räumen der Pfarre aufhalten, sondern auch die Nachbarn – darunter einige muslimische Familien.

Da Israel drei Monate lange Hilfslieferungen nach Gaza verweigerte, sei auch keine Hilfe angekommen, so Pater Romanelli. Erst am 22. Mai erlaubte Israel 90 Lkw mit Hilfsgütern die Zufahrt nach Gaza, geschätzt wären täglich jedoch rund 500 Lkw notwendig.

Man versuche in der Pfarre, das Leben so gut wie möglich zu gestalten, auch wenn man häufig Granaten höre und Geschosse das Pfarrgrundstück erreichten, sagte Pater Romanelli weiter. Für die vielen Kinder in der Pfarre gebe es weiterhin Schulunterricht. Auch das kirchliche Leben versuche man aufrechtzuerhalten, wie zum Beispiel eine tägliche heilige Messe, Gebetszeiten und wöchentliche Bibelgespräche.

Verteilung von Lebensmitteln in Gaza. Foto: Lateinisches Patriarchat von Jerusalem

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„Niemand spricht vom Ende des Krieges“

Unter den rund 500 Frauen, Männern und Kindern sei auch eine Gruppe von Menschen mit Behinderung, die von Ordensfrauen der „Missionarinnen der Nächstenliebe“ betreut werden.

Die Menschen versuchten, nur noch zu überleben, so Pater Romanelli. Er stelle fest, dass mentale Krankheiten wie Depressionen zunehmen: „Das Schlimmste ist, dass niemand vom Ende des Krieges spricht“, klagt der Pfarrer. „Deshalb beten wir und bitten auch alle, für den Frieden zu beten und daran zu arbeiten.“

Seit Beginn des Krieges als Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 sind bereits mehr als 50 Christen gestorben. Einige wurden getötet, andere starben aufgrund des Mangels an medizinischer Versorgung. Vor dem Krieg lebten rund 1000 Christen im Gazastreifen.

KIRCHE IN NOT steht in engem Kontakt mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, um die Hilfe für die christliche Minderheit im Gaza-Streifen und den anderen Teilen des Heiligen Landes aufrechtzuerhalten. Die Hilfe geht unvermindert weiter.

Pater Gabriel Romanelli feiert die heilige Messe in der Pfarrkirche „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt. © Pfarre Heilige Familie
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Laut dem Pfarrer der katholischen Pfarre „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt, Pater Gabriel Romanelli, hat die Zahl der getöteten Kinder im seit Oktober 2023 andauernden Krieg die Marke von 17.000 überschritten. „So viele Kinder wurden bislang getötet, das ist einfach schrecklich“, sagte der Priester im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN). „Wir hatten bislang über 50.000 Tote und über 110.000 Verletzte. Vielen von ihnen mussten Gliedmaßen amputiert werden.“

Die erneuten Kampfhandlungen nach der vereinbarten Waffenruhe bezeichnet der argentinische Seelsorger als fatal: „Kein weiterer Kriegstag löst die Situation, sondern verschlimmert sie nur noch.“ Er hoffe auf den Erfolg der erneuten Verhandlungen und dass die von der Hamas entführten Geiseln in naher Zukunft alle freikommen.

Pater Gabriel Romanelli, Pfarrer der Pfarre „Heilige Familie“ in Gaza-Stadt. © Pfarre Heilige Familie

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„Die Menschen haben alles verloren“

In der von ihm geleiteten Pfarre in Gaza-Stadt halten sich seit Kriegsbeginn konstant etwa 500 Personen auf – neben Katholiken auch einige orthodoxe und muslimische Familien. „Es ist eine enorme Herausforderung, mit so vielen Menschen auf engstem Raum zu leben“, berichtete Pater Romanelli.

Der Alltag sei von unvorstellbarer Not geprägt. „Die meisten Menschen haben alles verloren – ihre Häuser, ihre Arbeit, die Schulen für ihre Kinder.“ Wer die Möglichkeit zur Flucht hatte, sei bereits gegangen. Übrig geblieben seien vorwiegend arme, ältere und erkrankte Menschen. Aber auch Kinder hielten sich nach wie vor in der Pfarre auf, so der Seelsorger.

Gruppenaktivität für Kinder in der Pfarre Heilige Familie in Gaza-Stadt

Kirche übernimmt führende Rolle bei humanitärer Versorgung

Obwohl die katholischen Christen im Gaza-Streifen eine kleine Minderheit von wenigen hundert Gläubigen bilden, übernehme die Kirche eine führende Rolle bei der humanitären Versorgung, betonte Romanelli: „Wir konnten tausenden Familien, nicht nur Christen, helfen und dafür sorgen, dass die Hilfe wirklich diejenigen erreicht, die sie am dringendsten benötigen.“

Die katholische Pfarre in Gaza-Stadt koordiniert die Verteilung von Lebensmitteln, Trinkwasser und Medikamenten. Doch nun seien neue Schwierigkeiten aufgetreten: „Die Grenzen sind seit einigen Wochen für humanitäre Hilfe geschlossen. Unsere Möglichkeiten sind begrenzt und wir hoffen auf eine schnelle Lösung“, erklärte der Pfarrer. „Gott gebe, dass dieser Krieg bald endet und wir einen echten Frieden erleben.“

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Das Bailasan Counselling Centre („Bailasan Beratungszentrum“) ist die erste katholische Einrichtung für psychosoziale und psychische Gesundheit, die ausschließlich darauf ausgerichtet ist, der christlichen Gemeinschaft im Westjordanland Hilfe zu leisten. KIRCHE IN NOT hat die Renovationsarbeiten des Beratungszentrums finanziert und sprach kürzlich bei einem Besuch mit den Mitarbeitern. Deren Aufgabe ist es, eine Bevölkerungsgruppe zu betreuen, die infolge der vorherrschenden politischen und wirtschaftlichen Spannungen im Heiligen Land unter vielfältigen Traumata leidet.

Eine Befragung von fast 300 palästinensischen Christen zwischen Oktober und Dezember 2023, zu Beginn des Gaza-Krieges, ergab, dass 60 Prozent der Befragten einen Bedarf an psychologischer Betreuung und Beratung hätten.

Die Mitarbeiter des Bailasan Counselling Centre, dessen Wirkungskreis in Bethlehem im Westjordanland liegt, gehen davon aus, dass die Zahl deutlich höher wäre, wenn man die Umfrage heute wiederholen würde.

Die Auswirkungen des Krieges sind überall im Heiligen Land und im Nahen Osten spürbar

Der Krieg zwischen Israel und der Hamas konzentriert sich zwar auf den Gazastreifen, aber seine Auswirkungen sind überall im Heiligen Land und im Nahen Osten spürbar und vertiefen die Spaltung einer Gesellschaft, die schon vorher unter bitteren, langanhaltenden Feindseligkeiten und gegenseitigem Misstrauen zu leiden hatte.

Für die Christen im Westjordanland wird die Situation dadurch erschwert, dass sie als schrumpfende Minderheit einer überwältigenden muslimischen Bevölkerungsmehrheit gegenüberstehen, die zudem im Laufe der Jahre Anzeichen einer wachsenden Radikalisierung gezeigt hat.

Bei dem Besuch einer Delegation des Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN), das die Renovierung und ein Arbeitsbeschaffungsprogramm des Zentrums finanziert hat, beschrieb der Psychologe Albert Khader Hani die aktuelle Situation: „Wir sind mit verschiedenen Problemen konfrontiert, dazu gehören Besetzung und Gewalt. Der Krieg wirkt sich auf alle Lebensbereiche der Menschen hier aus, insbesondere bei den palästinensischen Christen. Als führende palästinensische Christen ist es unsere Aufgabe, mit ihnen zu arbeiten. Denn es gibt hier zwar viele Zentren für psychische Gesundheit, aber ihr Schwerpunkt liegt nicht ausschließlich auf der christlichen Gemeinschaft. Wir haben unsere Identität und wollen sie bewahren; und wir wollen unsere Vision zusammen mit ihnen weiterführen, in Sicherheit leben zu können.“

Das Team des Zentrums hat bereits alle Hände voll zu tun, trotz der kulturellen Tabus rund um das Thema psychische Gesundheit.

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Das Team des Zentrums hat alle Hände voll zu tun

Angesichts dieser Situation und der sehr begrenzten Lösungsansätze des palästinensischen Gesundheitsministeriums beschloss das Lateinische Patriarchat von Jerusalem, im Juni 2024 das Bailasan Counselling Centre zu eröffnen. Das Team des Zentrums – unter anderem Mitarbeiter, die im Rahmen eines von KIRCHE IN NOT finanzierten Arbeitsbeschaffungsprogramms eingestellt worden sind – hat bereits alle Hände voll zu tun, trotz der kulturellen Tabus rund um das Thema psychische Gesundheit.

„Wir versuchen, gegen die Stigmatisierung anzukämpfen. Manche fürchten sich, hierherzukommen. Sie denken, sie könnten verurteilt werden, und haben Angst, über ihr Problem zu sprechen“, sagt Schwester Lorena Cecilia, eine mexikanische Comboni-Missionarin mit einem Abschluss in Psychologie.

„Man kann den Einfluss seiner Kultur nicht ausblenden. In unseren Familien haben wir Angst, mit psychischen Krankheiten in Verbindung gebracht zu werden. Wir kennen uns alle untereinander und suchen deswegen ungern Hilfe. Unsere Arbeit hier ist also nicht leicht! Trotzdem ist es im Vergleich zu früher schon viel besser geworden. Und der Erfolg unserer Arbeit hat schon dazu geführt, dass allmählich ein Wandel in der Kultur einsetzt“, fügt Albert Khaled Hani hinzu.

Die Mitarbeiter des Bailasan-Zentrums wollen ein lindernder Balsam für die psychischen Nöte eines traumatisierten Volkes in einer vom Krieg zerrütteten Region sein.

„Physisch sind sie hier, doch ihre Gedanken drehen sich nur ums Auswandern“

Eine Lösung, die das Zentrum gefunden hat, besteht darin, nicht darauf zu warten, dass die Menschen von selbst kommen, sondern hinauszugehen und die Gemeinschaft da zu treffen, wo sie zusammenkommt: in Jugendgruppen, Pfadfindergruppen, Selbsthilfegruppen für Mütter von Kindern mit besonderen Bedürfnissen, Kirchengemeinden und Schulen.

Besonders wichtig sei die Arbeit mit jungen Menschen, so Schwester Lorena, denn viele von ihnen seien so sehr darauf aus, ihr Heimatland zu verlassen, dass sie der Gegenwart nicht genug Beachtung schenkten. „Ein großes Problem ist die Trennung von Familien – Eltern im Ausland oder Kinder, die ins Ausland wollen. Junge Mädchen zum Beispiel können sich nicht vorstellen, hier zu leben. Das führt zu Problemen in ihrer Lebensführung, denn ihre täglichen Entscheidungen sind auf eine zukünftige Abreise ausgerichtet. Physisch sind sie hier, doch ihre Gedanken drehen sich nur ums Auswandern.“

“Unsere Grundlage ist die Bibel”

Das Bailasan-Zentrum ist derzeit das einzige christlich geführte Gesundheitszentrum, das ausschließlich auf Christen zugeschnitten ist. „Eine solche Arbeit wurde noch nie zuvor auf der Grundlage christlicher Werte getan. Wir sind nicht wie andere Zentren; unsere Grundlage ist die Bibel. Wenn ein Nichtchrist zu uns kommt, verweisen wir ihn an ein anderes Zentrum“, sagt Hala Batarseh, eine Sozialarbeiterin, die aus Bethlehem stammt.

Das Zentrum befindet sich nahe dem Stadtzentrum von Bethlehem in einem schönen Gebäude, das früher ein Kloster war. KIRCHE IN NOT hat die Renovierung des Gebäudes sowie den schönen und ruhigen Heilgarten auf der Rückseite mitfinanziert, letzteres im Rahmen seines Arbeitsbeschaffungsprogramms.

Das Wort „bailasan“ ist arabisch für „Balsam“ und ist inspiriert von Jeremia 8,22: „Gibt es denn keinen Balsam in Gilead, ist dort kein Wundarzt? Warum schließt sich denn nicht die Wunde der Tochter, meines Volkes?“ Die Mitarbeiter des Bailasan-Zentrums wollen ein lindernder Balsam für die psychischen Nöte eines traumatisierten Volkes in einer vom Krieg zerrütteten Region sein.

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Projektpartnern des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN) zufolge nehmen nach dem Waffenstillstand im Gaza-Streifen Einschränkungen und Unsicherheit für die Bewohner des Westjordanlands zu. Dies bestätigte der Lateinische Patriarch von Jerusalem, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, beim Besuch einer Delegation von KIRCHE IN NOT: „Mit dem Beginn des Waffenstillstands haben Operationen im Westjordanland mit hunderten Kontrollpunkten und Einsätzen in der Stadt Dschenin begonnen. Es besteht kein Zweifel, dass sich die Lage dort verschlechtert hat.“

Diese Einschätzung untermauerte der Geschäftsführer des Lateinische Patriarchats, Sami El-Yousef, im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Wir beobachten mehr Landenteignungen im Westjordanland sowie die Vertreibung von etwa 16 000 Menschen aus Flüchtlingslagern in Dschenin.“ 185 Grenzübergänge und über 900 Kontrollpunkte „fragmentierten“ mittlerweile das Westjordanland und schränkten das Alltagsleben weiter ein, „doch wegen der Ereignisse in Gaza findet dies international kaum Beachtung“, sagte El-Yousef. „Die Entwicklungen verlaufen stark zu unseren Ungunsten.“

Pierbattista Kardinal Pizzaballa, Lateinischer Patriarch von Jerusalem.

Verschärfte Sicherheitsmaßnahmen

Auch Pater Louis Salman, der für die Jugendseelsorge im Westjordanland verantwortlich ist, weist auf die Einschränkungen hin, denen die Menschen täglich ausgesetzt seien: „Seit dem Waffenstillstand in Gaza sind noch mehr Straßen gesperrt. Es ist noch schwieriger zu reisen.“ Viele der im Zuge des Waffenstillstandabkommens freigelassenen palästinensischen Gefangenen seien in das Westjordanland zurückgekehrt, was weitere Einschränkungen mit sich bringe: „Der Gefangenenaustausch hat zu verschärften Sicherheitsmaßnahmen geführt“, erklärte Pater Louis.

Unter den Jugendlichen mache sich Mut- und Hoffnungslosigkeit breit. „Wir möchten ihnen neue Zuversicht geben“, betont der Jugendseelsorger. „Als Christen aus der Heimat Jesu tragen wir die Verantwortung, hier zu bleiben.“ Wichtig seien auch Veranstaltungen, die den Jugendlichen das Gefühl geben, „dass sie auf globaler Ebene keine Minderheit sind“. Pater Louis plant deshalb im Sommer mit 85 Jugendlichen zu den Feierlichkeiten des Heiligen Jahres nach Rom zu reisen. Da der Flughafen in Tel Aviv für palästinensische Reisende gesperrt ist, muss die Gruppe eine Busreise nach Jordanien und deutliche höhere Kosten auf sich nehmen.

Pater Louis Salman (Mitte), Jugendseelsorger im Westjordanland, mit Mitarbeitern des Lateinischen Patriarchats.

Hilfe geht weiter

Trotz der widrigen Umstände sieht der Geschäftsführer des Lateinischen Patriarchats, Sami El-Yousef, die Kirche nach über einem Jahr Krieg gestärkt: „Wir konnten unsere Dienste aufrechterhalten und teilweise sogar ausbauen. Wir bereiten uns darauf vor, nach Kriegsende noch mehr Unterstützung zu leisten.“ Es sei zum Beispiel gelungen, viele Menschen im Gaza-Streifen mehrere Monate lang mit Obst und Gemüse zu versorgen – nicht nur die kleine christliche Gemeinde. „Die Menschen sprechen noch heute darüber, wie sich die Kirche für sie eingesetzt hat. Wir sind sehr stolz auf das, was wir in dieser Zeit erreicht haben.“

Ein Großteil dieser Hilfe sei erst durch die Hilfe von KIRCHE IN NOT möglich geworden, betonte El-Yousef: „Die vergangenen eineinhalb Jahre haben bestätigt, was wir Christen im Heiligen Land bereits wussten: Wir haben weltweit Freunde, die uns nicht nur mit Geld, sondern auch moralisch unterstützen.“

Verteilung von Lebensmitteln in der katholischen Pfarre in Gaza-Stadt. © Lateinisches Patriarchat von Jerusalem
KIRCHE IN NOT unterstützt in Kooperation mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem Hilfsprojekte für Christen im Gaza-Streifen, im Westjordanland und Ostjerusalem sowie auf israelischem Staatsgebiet. Bitte spenden Sie für die Nothilfe im Heiligen Land – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Aus manchen Regionen Syriens melden Informationsquellen von KIRCHE IN NOT vereinzelte Einschränkungen der Religionsfreiheit für Christen durch Islamisten. Die Stimmung sei jedoch dennoch „vorsichtig optimistisch“.

Die Zusicherung der neuen Regierung, die Religionsfreiheit zu respektieren, betrachteten viele Christen mit Skepsis, erklären lokale Ansprechpartner von KIRCHE IN NOT, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen. Allerdings könnten keine allgemeinen Aussagen getroffen werden, was den Umgang mit den Christen angehe. Es gebe regional große Unterschiede.

In einigen Orten hätten radikale Gruppen zum Beispiel getrennte Sitzplätze für Frauen und Männer in öffentlichen Verkehrsmitteln oder die Pflicht zur Verschleierung für Frauen durchsetzen können. Den Erfolg dieser Maßnahmen führen die Beobachter bisher noch auf das Fehlen einer einheitlichen Verwaltung nach dem Machtwechsel zurück.

Bislang am schwierigsten für Christen sei es in den Städten Homs und Hama im Westen Syriens, auf halber Strecke zwischen Damaskus und Aleppo, teilte ein Gesprächspartner KIRCHE IN NOT mit: „Die Menschen vermeiden es, nach 17 Uhr auf die Straßen zu gehen. Es sind Dschihadisten unterwegs, die mit Megafonen die Menschen dazu aufrufen, zum Islam überzutreten.“ Frauen, die in der Öffentlichkeit keinen Schleier trügen, würden öffentlich kritisiert. „Die Angst dort ist sehr groß. Viele Christen bleiben zu Hause und können nicht zur Arbeit.“

Bewohner von Aleppo feiern den Machtwechsel auf den Straßen. © HiBa/KIRCHE IN NOT

Angst in Homs und Hama vor dschihadistischen Übergriffen

Im „Tal der Christen“, etwa 60 Kilometer von Homs nahe der Grenze zum Libanon, wo die Bevölkerungsmehrheit christlich ist, sei die Lage weitgehend friedlich, erklärten die Ansprechpartner. Zwischenfälle habe es bislang nur auf den Zufahrtsstraßen gegeben: „Es gibt Fälle, in denen Christen an Straßensperren aufgefordert wurden, zum Islam zu konvertieren. Wenn sie sich weigern, werden sie an der Weiterfahrt gehindert.“ Vereinzelt seien Reisende auch ausgeplündert worden.

Da die Hauptstadt Damaskus im medialen und politischen Fokus stehe, seien die neuen Verantwortlichen dort „auf ein positives Image bedacht“, erklärte ein Gesprächspartner. „Dennoch gibt es einzelne Vorfälle, wie die Aufforderung an Frauen, einen Schleier zu tragen oder das Verbot für Frauen und Männer, nicht gemeinsam auf die Straße zu gehen, wenn sie nicht miteinander verwandt sind.“ Ähnliche Zwischenfälle würden auch aus Aleppo im Norden des Landes berichtet.

Christen in Aleppo beim Sonntagsgottesdienst nach dem Machtwechsel in Syrien. © Jacob Klamer/KIRCHE IN NOT

Kirchenvertreter treten für Zusammenarbeit und Gleichberechtigung ein

Kirchenvertreter hätten derweil ihren Willen zur Zusammenarbeit mit den neuen Machthabern bekundet. Bei mehreren Gesprächen hätten die neuen politisch Verantwortlichen den Christen versichert, ihre Rechte in vollem Umfang zu respektieren. In den Gesprächen gehe es vor allem darum, den Status der Christen als integralen und jahrhundertealten Bestandteil der syrischen Gesellschaft zu sichern, teilte ein kirchlicher Ansprechpartner mit.

Die Christen würden sich nicht damit zufriedengeben, als „religiöse Minderheit abgestempelt oder als Bürger zweiter Klasse behandelt zu werden“. Vor dem Hintergrund einer neu zu erarbeitenden Verfassung betont die christliche Gemeinschaft ihre Gleichberechtigung mit allen ethnischen und religiösen Gruppen in Syrien.

Generell sei die Stimmung der Christen in Syrien „vorsichtig optimistisch“, erklären die Ansprechpartner von KIRCHE IN NOT: „Wir sind froh, dass das Assad-Regime gestürzt ist, und wir hoffen auf ein besseres Syrien. Aber wir sollten nicht als gegeben annehmen, dass jetzt alles in Ordnung ist.“

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Nach dem Machtwechsel in Syrien bereiten sich die Christen im Land mit einer Mischung aus Hoffen und Bangen auf das Weihnachtsfest vor. Wie Kontakte von KIRCHE IN NOT aus Aleppo berichteten, hätten die neuen Machthaber die Bewohner aufgefordert, ihre Weihnachtsfeierlichkeiten zu begehen. Die Kirchen begannen daraufhin, Dekorationen anzubringen. Die Stimmung der Christen in der Stadt hätte dich dadurch verbessert.

Auch die christlichen Schulen in der Stadt haben seit Anfang der Woche wieder geöffnet; Sonntagsgottesdienste konnten in gewohnter Weise stattfinden. Auch die Krankenhäuser arbeiteten wieder in vollem Umfang, die Einkaufspreise hätten sich nach einem anfänglichen Anstieg wieder zu stabilisieren begonnen. Oft seien ausländische Waren, etwa aus der Türkei, günstiger zu haben als einheimische Produkte.

Lauter einer Quelle, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben möchte, hätten die neuen Machthaber betont: „Wir sind gekommen, um alles besser zu hinterlassen, als es war.“ Trotz dieser beruhigenden Botschaften überwiegt bei den Christen die Skepsis: „Nach all dem Leid und den Strapazen fällt es uns sehr schwer, den neuen Behörden ohne Weiteres zu vertrauen“, sagte ein Kontakt gegenüber KIRCHE IN NOT.

Bewohner von Aleppo feiern den Machtwechsel auf den Straßen. © HiBa/KIRCHE IN NOT

Sorge vor Scharia-Verfassung

Nachforschungen des Hilfswerks zufolge hat es seit dem Machtwechsel in Syrien keine Anzeichen für eine systematische Verfolgung oder Diskriminierung der christlichen Minderheit gegeben; einzelne Berichten sprechen jedoch von aggressiven Zwischenfällen.

Aus der Stadt Homs berichteten Kontakte von KIRCHE IN NOT, dass sich die Lage beruhigt habe und die katholischen Schulen ebenfalls wieder öffnen konnten. Allerdings beobachten die Christen die Entwicklung dort mit zunehmender Besorgnis, teilte eine anonyme Quelle mit: „Wenn eine neue Verfassung auf der Scharia basieren sollte, werden Christen zweifellos das Land verlassen müssen, weil ihre persönlichen Freiheiten eingeschränkt werden.“ Wichtig sei die internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung für Minderheiten wie die Christen, damit eine zivile Verfassung zustande komme.

Wie die Kontaktperson betonte, bestünde die Gefahr, dass Syrien sich in Richtung eines extremistischen islamistischen Systems bewegen könne: „Wir haben die Befürchtung, dass wir von einem Regime, das alle zum Schweigen brachte, zu einem Regime übergegangenen sind, dass anderen nicht erlaubt, so zu leben wie sie es möchten, mit allen persönlichen Freiheiten.“ Christen hätten weder Macht noch Einfluss, um ihre Rechte hinreichend zu sichern.

Christen in Aleppo beim Sonntagsgottesdienst nach dem Machtwechsel in Syrien. © Jacob/KIRCHE IN NOT

In Kontakt mit zahlreichen Projektpartnern in Syrien

KIRCHE IN NOT steht weiterhin in direktem Kontakt mit den zahlreichen Projektpartnern in Syrien. Das Hilfswerk fordert die internationale Gemeinschaft sowie die neuen Machthaber auf, die allgemeine Religionsfreiheit im Land sicherzustellen.

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Mehr als ein Jahr nach Beginn des Krieges telefoniert Papst Franziskus weiterhin jeden Tag mit der katholischen Pfarre in Gaza und ist für die Kinder zu einer Art Großvater geworden, wie Pierbattista Kardinal Pizzaballa berichtet.

Das Lateinische Patriarchat von Jerusalem unterstützt weiterhin so weit wie möglich die kleine christliche Gemeinde in Gaza sowie die muslimischen Familien, die in der Nähe der katholischen und orthodoxen Einrichtungen in dem Gebiet leben.

Pierbattista Kardinal Pizzaballa, lateinischer Patriarch von Jerusalem, bei einer Prozession mit Pfadfindern.

Christen in Gaza werden Weihnachten als Gemeinschaft feiern

Auf einer Pressekonferenz des internationalen katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN) Anfang Dezember erklärte der lateinische Patriarch, Pierbattista Kardinal Pizzaballa, dass die Christen in Gaza, insbesondere die Kinder, trotz des andauernden Krieges Weihnachten feiern werden. „Sie werden versuchen, Weihnachten so gut wie möglich zu feiern, trotz der widrigen Umstände“, betonte der Patriarch.

Derzeit leben etwas mehr als 450 Menschen auf dem Gelände der katholischen Pfarre „Heilige Familie“ und weitere 200 auf dem Gelände der orthodoxen Kirche. Die Bedingungen sind äußerst schlecht, erklärte der Patriarch, aber wenigstens „sind sie alle zusammen“, und werden Weihnachten als Gemeinschaft feiern.

Im Jahr 2023 hatten die christlichen Kirchen des Heiligen Landes ihre Gläubigen gebeten, aufgrund der allgemeinen Situation von Leid und Schmerz auf überschwängliche Festlichkeiten zu verzichten. Kardinal Pizzaballa sagte jedoch, dass „Weihnachten in diesem Jahr so normal wie möglich sein wird, angesichts der außergewöhnlichen Umstände. Besseres Essen, Gebet natürlich, und etwas für die Kinder“.

Ministranten bei einer Heiligen Messe in der Pfarre “Heilige Familie” in Gaza.

Die Kinder in Gaza sind das zweite Jahr ohne Schule

„Weihnachten ist das Fest der Kinder, und wenn es uns möglich ist, werden wir ihnen nicht nur Lebensmittel, sondern auch Spielzeug oder andere Dinge zukommen lassen, die ihren Alltag etwas verschönert. Das wird auch den Familien Freude bereiten“, fügte er hinzu und erinnerte daran, dass die Kinder in Gaza nun schon das zweite Jahr ohne Schule sind und kaum Aussicht auf eine Rückkehr zur Normalität haben.

Insgesamt werden im Heiligen Land „alle Aktivitäten im Zusammenhang mit den Weihnachtsfeierlichkeiten in Solidarität mit den am stärksten betroffenen Menschen stattfinden, sowohl im Westjordanland, aber vor allem in Gaza.“

Die Kirche versorgt 4000 Familien mit Lebensmitteln

„Das Lateinische Patriarchat ist tief in die humanitäre Hilfe in Gaza und im Westjordanland involviert, auch dank der Unterstützung von “Kirche in Not”. Wir sind in der Lage, nicht nur unsere Gemeinde, sondern auch 4000 Familien mit Lebensmitteln zu versorgen. Diese humanitäre Unterstützung erfolgt nicht nur, weil Weihnachten ist, sondern auch aufgrund unserer Identität als Kirche. Wir können keine Kirche sein und über Jesus und Nächstenliebe sprechen, wenn wir das nicht auch in die Tat umsetzen.“

Die Lieferung humanitärer Hilfe in den Gazastreifen sei das Ergebnis harter Arbeit, von Verhandlungen und „Sturheit“, so der Patriarch. „Es ist nicht einfach, Lebensmittel und Hilfsgüter in den nördlichen Gazastreifen zu bringen. Man muss sich mit vielen Menschen auf beiden Seiten der Grenze abstimmen. Wir sind hartnäckig, es hat lange gedauert, aber jetzt haben wir einige Kanäle. Wir haben auch einen Vorteil: Wir haben dort eine Gemeinde, die sich an der Verteilung beteiligt. Das schafft eine gute Atmosphäre, weil sich die Menschen gebraucht fühlen. Sie sind da, um anderen zu helfen und ein Netzwerk mit allen Familien, nicht nur den christlichen, aufzubauen.“

Gemeindemitglieder beim Gebet.

Großvater Papst

Papst Franziskus befasst sich intensiv mit dem Krieg im Heiligen Land, hat wiederholt zum Frieden aufgerufen und steht in täglichem Kontakt mit der katholischen Pfarre in Gaza.

Patriarch Pizzaballa berichtete, dass die Kinder auf dem Gelände der Pfarre „Heilige Familie“ so sehr an die täglichen Anrufe des Papstes gewöhnt seien, dass sie ihn als Teil ihrer Familie betrachteten. „Papst Franziskus ruft weiterhin jeden Tag um 19 Uhr an. Das ist zur Gewohnheit geworden. Er spricht vielleicht nur eine halbe Minute, an manchen Tagen mehr, an anderen weniger, aber er ist für die Kinder zum Großvater geworden, weil sie wissen, dass er anrufen wird. Für die Gemeinde in Gaza ist das eine sehr große psychologische, emotionale und spirituelle Unterstützung.“

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Nach dem Sturz des Assad-Regimes in Syrien hat es mittlerweile erste Kontakte zwischen den neuen Machthabern und Vertretern der christlichen Minderheit gegeben. Das berichtete der armenisch-katholische Bischof von Damaskus, Georges (Kévork) Assadourian, gegenüber KIRCHE IN NOT.

Assadourian hatte am vergangenen Montag zusammen mit zwei weiteren Geistlichen das Hauptquartier der islamistischen Rebellengruppen besucht. Bei dem Treffen sei vor allem die Rolle der Christen im neuen syrischen Staat Thema gewesen, berichtete der Bischof: „Wir diskutierten über die Präsenz der Christen und auch über deren Rolle. Man versicherte uns, dass alles gut werden würde und wir uns keine Sorgen machen müssten.“

Assadourian unterstrich, dass im Hauptquartier ausländische Botschafter anwesend gewesen seien. Er würdigte die internationalen Bemühungen, die Entwicklungen in Syrien zu überwachen.

„Die Lage in Damaskus ist aktuell ruhig“, teilte Assadourian mit. Am vergangenen Wochenende, als sich der Machtwechsel in Syrien ereignete, habe ein zweitägiges Gebetstreffen um Frieden mit allen Priestern und Ordensleuten stattgefunden.

George (Kévork) Assadourian, armenisch-katholischer Bischof von Damaskus.

„Sehr dramatsicher Tag in der Geschichte des Landes“

Im Hinblick auf die Flucht von Präsident Bashar al-Assad sagte der Bischof: „Es war ein sehr dramatischer Tag in der Geschichte Syriens. Der Präsident verließ das Land, und alles verwandelte sich in eine ,Wüste’ – ein Land, das vom Regime befreit wurde, das über 50 Jahre an der Macht war.“

Um auf die Sorgen der Gläubigen nach ihrer Zukunft im Land einzugehen, hätten sich Religionsvertreter am armenisch-katholischen Bischofssitz getroffen und eine gemeinsame Strategie beraten. Nachdem ein zunächst anberaumtes Treffen mit einem wichtigen Rebellen-Anführer nicht stattfinden konnte, habe dieser zunächst einen Sprecher mit einer beruhigenden Botschaft entsandt, bevor das Treffen dann am Montag zustande kam.

KIRCHE IN NOT setzt seine Unterstützung für die Christen in Syrien unvermindert fort. Das Hilfswerk setzt sich dafür ein, dass ihre Stimme gehört und Religionsfreiheit gewährleistet wird.

Dazu hatte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN) International, Regina Lynch, erklärt: „Wir fordern sowohl die internationale Gemeinschaft als auch die neuen Machthaber in Syrien auf, den Schutz der Grundrechte aller Religionsgemeinschaften sicherzustellen und ihre Religionsfreiheit, ihre Bildungsfreiheit und ihr Recht auf ein Leben in Frieden zu garantieren.“

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Nach dem Sturz des Assad-Regimes und der Übernahme der syrischen Hauptstadt Damaskus durch eine von Islamisten angeführte Rebellenkoalition fordert KIRCHE IN NOT besonderen Schutz für religiöse Minderheiten in Syrien.

Die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT International, Regina Lynch, erklärte: „Wir fordern sowohl die internationale Gemeinschaft als auch die neuen Machthaber in Syrien auf, den Schutz der Grundrechte aller Religionsgemeinschaften sicherzustellen und ihre Religionsfreiheit, ihre Bildungsfreiheit und ihr Recht auf ein Leben in Frieden zu garantieren.“

Während die religiösen Minderheiten in den vergangenen Tagen von den Rebellen weitgehend respektiert worden seien, betonte Lynch jedoch: „Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass die Religionsfreiheit in Zeiten der Instabilität in der Region stark eingeschränkt werden kann.“ Mit den Projektpartnern in Syrien stünde KIRCHE IN NOT in ständigem Kontakt. „Wir sind dankbar, dass niemand von ihnen während des Umsturzes Schaden erlitten hat“, erklärte Lynch.

Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT.

Mit Projektpartnern in ständigem Kontakt

„Als katholisches Hilfswerk engagieren wir uns weiterhin für die Unterstützung der Hilfs- und Wiederaufbaubemühungen in Syrien“, sagte Lynch weiter. „Unsere Projekte werden sich weiterhin darauf konzentrieren, der am stärksten gefährdeten christlichen Minderheit grundlegende Hilfe, Bildung und spirituelle Unterstützung zu bieten und gleichzeitig Versöhnung und Hoffnung zu fördern.“

KIRCHE IN NOT fordere alle Menschen guten Willens auf, gemeinsam für die Menschen in Syrien zu beten und alle Bemühungen zu verstärken, um sicherzustellen, dass der Machtübergang zu Gerechtigkeit, Frieden und Würde für alle führe.

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Christen in zahlreichen Ländern weltweit leiden unter steigender Gewalt, Diskriminierung und weiteren Verletzungen der Menschenrechte. Das ist das Ergebnis der Neuauflage des Berichts „Verfolgt und Vergessen?“, des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN).

„Die Lage der Christen hat sich in vielen Ländern verschlechtert“, erklärt die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verfolgung und Diskriminierung nicht nur Christen, sondern auch Angehörigen anderer religiöser Minderheiten betrifft. „Kirche in Not“ macht sich auch für die generelle Einhaltung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit stark.

Der Bericht „Verfolgt und vergessen?“, den das Hilfswerk alle zwei Jahre herausgibt, liefert für den Zeitraum von Sommer 2022 bis Sommer 2024 globale und regionale Analysen von Christen in 18 Ländern. Der Bericht enthält Zeugenaussagen aus erster Hand von Überlebenden antichristlicher Angriffe sowie Details zu Vorfällen, die auf Informationen von Projektpartnern und Kontakten von KIRCHE IN NOT beruhen.

Ein indisches Mädchen, dass Opfer eines Brandanschlages wurde (Archivbild).

„Afrika ist zum Epizentrum islamistischer Gewalt geworden“

Besonders besorgt blickt das Hilfswerk auf die Lage in Afrika. Dorthin habe sich vom Nahen Osten aus das „Epizentrum islamistischer Gewalt“ verlagert, erklärt Lynch. In den untersuchten afrikanischen Ländern wie Burkina Faso, Mosambik oder Nigeria lösten „islamistische Angriffe eine Massenmigration christlicher Gemeinschaften aus“, heißt es in dem Bericht. Diese Entwicklung werfe „Fragen zum langfristigen Überleben der Kirche in afrikanischen Schlüsselregionen auf.“

Lynch nannte China, Eritrea und den Iran als Beispiele für Länder „in denen Christen als Feinde des Staates ins Visier genommen werden.“ In anderen Ländern setzten staatliche und nichtstaatliche Akteure „Gesetze zunehmend als Waffe ein, um Christen und andere Minderheiten zu unterdrücken.“ Wie „Verfolgt und vergessen?“ dokumentiert, wurden zum Beispiel im Indien im Berichtszeitraum mehr als 850 Christen inhaftiert.

Die Landkarte aus dem Bericht “Verfolgt und vergessen?” zeigt die aktuellen Brennpunkte.

Gewalt gegen christliche Frauen und Mädchen

Wiederholt finden sich im Bericht Schilderungen von Entführungen und Zwangskonversionen christlicher Frauen und Mädchen, zum Beispiel in Pakistan, oder abwertende Beiträge über Christen in Schulbüchern. Einzig in Vietnam seien leichte Verbesserungen für Christen festzustellen, bilanziert „Verfolgt und Vergessen?“. Das Land habe zum Beispiel diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl aufgenommen.

Neu in der 18-jährigen Geschichte von „Verfolgt und Vergessen?“ ist ein Bericht zur Lage in Nicaragua. Dort geht die Ortega-Regierung massiv gegen die Christen vor; zahlreiche kirchliche Mitarbeiter wurden verhaftet, Priester und Bischöfe ausgewiesen.

Der Bericht thematisiert auch Entführungen und Zwangskonversionen christlicher Frauen und Mädchen.

„Christen leiden unverhältnismäßig stark“

Aus erster Hand berichtet uns Bischof Gerald Mamman Musa aus Katsina im Nordwesten Nigerias, dass die Region zu einem Brennpunkt organisierter Kriminalität und des gewalttätigen Extremismus geworden sei. Neben dschihadistischen Gruppen wie „Boko Haram“ stellten Milizen aus dem Nomadenstamm der Fulani mittlerweile eine noch „größere Bedrohung“ dar. Die Gewalt treffe Muslime wie Christen, betonte der Bischof. Allerdings litten Christen „unverhältnismäßig stark“: So seien zwischen 2019 und 2023 über 16 000 Christen getötet worden.

Entführungen von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern seien mittlerweile an der Tagesordnung. „Angriffe auf Kirchen, Entführungen und Morde sollen Angst schüren, das Gemeinschaftsleben stören und die Aufmerksamkeit auf die Anliegen dieser Gruppen lenken“, sagt der Bischof.

Christen seien am Arbeitsplatz, in der Politik oder in der Rechtsprechung diskriminiert, da in zahlreichen nigerianischen Bundesstaaten die Scharia gelte. Die Ursachen für Intoleranz seien vielfältig, beruhten häufig aber auch auf einer Unkenntnis der Lebensweise und Ansichten der Angehörigen der jeweils anderen Religion. Musa fordert deshalb umfassende Bildungsbemühungen und Initiativen für Religionsfreiheit und Frieden: „Wir Christen Nigerias danken ,Kirche in Not’ für die Unterstützung in Krisenzeiten.“

Der Bischof weist daraufhin, dass Verfolgung und Gewalt nicht zu einem Rückgang der religiösen Praxis geführt hätten. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Christen, die getötet wurden, haben ihr Blut nicht umsonst vergossen. Viele Menschen werden angezogen vom Glauben.“

Der 45-seitige Bericht ist zum Preis von 2,50 Euro bestellbar unter: www.kircheinnot.at/shop oder unter: KIRCHE IN NOT, Weimarer Str. 104/3, 1190 Wien, Telefon: 01/405 25 53, E-Mail: kin@kircheinnot.at

Ordensschwestern im Nordosten des Libanon haben ihr Kloster für hunderte Flüchtlinge geöffnet. Nach Informationen des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT suchen aktuell über 800 Menschen Schutz auf dem Klostergelände in Jabboulé in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Libanon.

Am 23. September hatten dort israelische Luftangriffe begonnen, da die Region neben dem Südlibanon und der Hauptstadt Beirut als Hochburg der Hisbollah gilt. Die Militäroperation treffe neben militärischen Zielen auch die Zivilbevölkerung, wie Schwester Joselyne Jumaa, die Generaloberin der Schwestern „Notre Dame du Bon Service“, berichtet: „In der ersten Nacht der Angriffe strömten bereits dutzende Menschen zu uns.“ Ein paar Tage später seien es bereits über 800 Flüchtlinge gewesen. „Wir sind am Limit und können keine weiteren Personen mehr aufnehmen.“ Viele Menschen hätten infolge der Angriffe ihr Hab und Gut verloren oder seien traumatisiert.

Eine Schwester bereitet Essen für die Flüchtlinge in Jabboulé zu.

Helfen Sie notleidenden Christen im Libanon mit Ihrer Spende

„Euer Kreuz wird uns schützen“

Die 15 Ordensfrauen, die der unierten melkitischen griechisch-katholischen Kirche angehören, betreiben in Jabboulé eine Schule und ein Waisenhaus. Beide Einrichtungen stehen Christen wie Muslimen offen. So hätten auch jetzt zahlreiche muslimische Nachbarn um Obdach gebeten, berichtet Schwester Joselyne: „Sie haben so viel Vertrauen zu uns, dass wir häufig von ihnen hören: ,Euer Kreuz wird uns schützen’.“

KIRCHE IN NOT hat der Schwesterngemeinschaft Soforthilfen zur Verfügung gestellt, um Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und Unterkünfte für die Schutzbedürftigen zu finanzieren. Mittlerweile sind die ersten Hilfsgüter angekommen.

Die Schwestern verteilen diese nicht nur, sondern bereiten jeden Tag das Frühstück und eine warme Mahlzeit für die Flüchtlinge zu. Für die zahlreichen Kinder organisieren sie zweimal pro Woche Spielgruppen, um ihnen ein Stück Normalität zu bieten und sie etwas abzulenken. „Wenn die Eltern selbst in Panik sind und ihre Kinder nicht mehr beruhigen können, nehmen wir Schwestern sie in die Arme. Wir sagen ihnen: Ihr seid sicher, weil ihr euch im Haus Gottes befindet“, sagt Schwester Joselyne.

Die Schwestern betreuen auch Kinder der Flüchtlinge.

Angst vor dem Winter

Viele Menschen suchten das Gespräch mit den Ordensfrauen: „Die Menschen vertrauen uns ihre Ängste und ihre Angst vor dem nächsten Tag an. Wir sind immer ansprechbar, wenn es irgendwo ein Problem gibt.“ Die Flüchtlinge packten in der Unterkunft auch selbst mit an, betonen die Ordensfrauen: Die Männer hacken Holz und helfen beim Verteilen der Hilfsgüter, die Frauen helfen in der Küche. Die Solidarität sei hoch.

Auch würden viele Menschen darum bitten, in der Kirche beten oder sich einfach nur dort aufhalten zu dürfen. So sammelten sie Kraft für die täglichen Herausforderungen. Diese würden nicht weniger, klagt die Oberin: „Der Winter steht vor der Tür. Wie sollen wir Strom, Heizung und Warmwasser sicherstellen und finanzieren? Wir bitten dringend um Gebet und Hilfe.“

Nach einem Überraschungsangriff dschihadistischer Gruppen im Nordwesten Syriens hat ein Projektpartner sich mit der Bitte um Gebet und Hilfe an KIRCHE IN NOT (ACN) gewandt: „Angst macht sich breit. Die Lage ist sehr angespannt“, teilte Pater Hugo Alaniz mit.

Die Kämpfe zwischen syrischer Armee und Milizen seien weniger als zehn Kilometer von Aleppo entfernt, sagte der argentinische Ordensmann, der dem „Institut des inkarnierten Wortes“ angehört. „Es gibt heftige Zusammenstöße mit vielen Toten und Verletzten. Die Krankenhäuser sind überlastet.“ Die Dschihadistengruppen hätten mehrere Dörfer eingenommen, die wichtige Verkehrsroute zwischen Aleppo und Damaskus sei für die Zivilbevölkerung derzeit nicht passierbar.

Angesichts von Meldungen, dass die Milizen auf Aleppo vorrücken könnten, mache sich Unsicherheit und Furcht unter den Einwohnern breit, sagte der Pater. Auf seiner an KIRCHE IN NOT übersandten Sprachnachricht sind im Hintergrund Explosionen zu hören.

Ein Ordensmann in Aleppo besucht eine erkrankte Frau. © KIRCHE IN NOT

Kirchengemeinden für Schutzsuchende offen

Die örtlichen Kirchengemeinden seien für Schutzsuchende geöffnet, auch wenn sie dies zu einem potenziellen Angriffsziel machte, so Alaniz. Unter den Christen stellt er ein großes Gottvertrauen fest. „Wir bitten um das Gebet in dieser Situation. Hoffentlich geht sie schnell vorüber.“

KIRCHE IN NOT hat seit Beginn des Syrienkriegs im Jahr 2011 Projekte im Umfang von über 60 Millionen Euro unterstützt. Unser Hilfswerk finanziert die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten, Schul- und Studiengebühren, Mietbeihilfen, Kinderfreizeiten und vieles andere mehr. Nach dem Erdbeben im Norden Syriens im Februar 2023 brachte KIRCHE IN NOT Sofort- und Wiederaufbauhilfen auf den Weg.

Die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), Regina Lynch, rief angesichts der jüngsten Eskalation erneut zu Gebet und Hilfe auf: „Beten wir um Frieden, den Schutz der Schwächsten und ein schnelles Ende der Gewalt in einem Land, das bereits seit über einem Jahrzehnt unermesslich leidet.”

Bitte unterstützen Sie die Nothilfe der Kirche in Syrien mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Syrien

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