Christenverfolgung Archive - Seite 13 von 13 - KIRCHE IN NOT Österreich
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In Burkina Faso und Syrien insgesamt 11 Gemeindemitglieder getötet. Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ trauert mit seinen Projektpartnern um die Todesopfer von zwei Gewaltakten: Am 12. Mai wurden bei einem Angriff auf die katholische Kirche in Dablo im Norden von Burkina Faso sechs Menschen getötet. Im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya kamen am selben Tag beim Raketenbeschuss einen griechisch-orthodoxen Unterrichtsklasse vier Kinder und eine Katechetin ums Leben.

Burkina Faso: Sofort das Feuer eröffnet

Unter den sechs Getöteten beim terroristischen Angriff in Burkina Faso befindet sich auch der 34-jähjrige Priester Simeon Yampa, der gerade die heilige Messe feierte. „Kirche in Not“ steht in engem Kontakt mit der Gemeinde von Dablo. 2013 hatte das Hilfswerk den Bau des dortigen Pfarrhauses und Gemeindezentrums unterstützt.

Lokale Ansprechpartner gaben gegenüber „Kirche in Not“ an, dass die Angreifer die Kapelle betraten, als gerade das „Gloria“ zu Beginn der heiligen Messe gesungen wurde. Sie eröffneten sofort das Feuer. Fünf Menschen starben im Kugelhagel. Auch der Tabernakel wurde dreimal getroffen. Simeon Yampa wollte die Messdiener in der Sakristei in Sicherheit bringen. Dort entdeckten ihn die Angreifer und erschossen ihn. Die überlebenden Gottesdienstbesucher wurden aufgefordert, Umhänge-Kreuze und liturgische Gegenstände vor dem Altar abzulegen.

Den örtlichen Quellen zufolge hätten die Angreifer damit gedroht, wiederzukommen. Sollten bis dahin nicht alle Frauen verschleiert sein, würden sie getötet. Anschließend ließen die Terroristen die rund 120 Gottesdienstbesucher gehen und steckten die Kirche in Brand, ebenso ein Fahrzeug vor der Kirche und vor einem Gesundheitszentrum.

In Burkina Faso sind rund ein Viertel der rund 19 Millionen Einwohner christlichen Glaubens, ebenfalls ein Viertel folgt der Natur-Religion des Animismus. Die Bevölkerungsmehrheit ist muslimisch. Bislang galt das Zusammenleben der Religionen in dem Land als harmonisch. Über die Nachbarländer Mali und Niger gelangten islamistische Terrorgruppen ins Land. Sie verüben seit einigen Jahren Anschläge auf alle Bevölkerungsgruppen.

Nun scheinen vermehrt Christen im Visier der Islamisten zu stehen: So wurden seit Beginn des Jahres neben Simeon Yampa bereits zwei weitere Geistliche getötet, so zum Beispiel Ende April der Pastor einer protestantischen Gemeinde im Norden des Landes zusammen mit seinen beiden Söhnen und drei weiteren Gläubigen. Ein spanischstämmiger Salesianer-Missionar kam Mitte Februar bei einer Attacke auf eine Zollstation ums Leben. Ein weiterer katholischer Priester wurde an der Grenze zu Mali verschleppt; sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

„Terror richtet sich gezielt gegen den Glauben“

„Dass wir nur drei Wochen nach den Oster-Anschlägen auf Sri Lanka schon wieder die Opfer eines Terroranschlages beklagen müssen, erfüllt uns mit tiefem Schmerz“, erklärte der Geschäftsführer von „Kirche in Not“ Österreich, Herbert Rechberger.

Damit bestätige sich der erschreckende Trend, auf den das Hilfswerk wiederholt hinweise: „Es sind nicht nur politische oder wirtschaftliche Faktoren, die Christen zur Zielscheibe des Hasses und der Gewalt machen. Der Terror richtet sich immer gezielter gegen den Glauben und das pastorale Wirken der Kirche. Es ist höchste Zeit, beim ,Kampf gegen den Terror‛ auch diese Perspektive miteinzubeziehen.“

Syrien: Kinder getötet und verletzt

Ebenfalls am 12. Mai erreichte „Kirche in Not“ die Nachricht, dass am Sonntagmorgen im nordsyrischen Ort Al-Sekelbiya nahe der Stadt Hama vier Kinder und eine Katechetin der griechisch-orthodoxen Gemeinde durch eine Rakete getötet wurden. Die Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren befanden sich gerade im Religionsunterricht. Zahlreiche weitere Kinder wurden teilweise schwer verletzt. Die Hintergründe der Attacke sind bislang unklar. Offen ist auch, ob es sich um einen gezielten Beschuss handelt. Die Regionen Hama und Idlib sind aktuell Schauplatz einer erbitterten militärischen Offensive im Syrienkrieg.

Lokale Kirchenvertreter bezeichneten die getöteten Kinder und die Katechetin als „Märtyrer“. „Auch wenn die Umstände viele Fragen offen lassen, zeigt dieser Tod der unschuldigen Kinder einmal mehr: Dieser Krieg kennt keine Gewinner“, erklärte Rechberger. „Die Menschen in Syrien leiden unermesslich. Die christliche Minderheit hat zudem viel zu wenige politische Fürsprecher, weder national noch international. Den Angehörigen, die ohnehin schon alles verloren haben, wurde jetzt auch noch das Liebste genommen – wie so vielen Familien in diesem brutalen Krieg.“

Mit beiden Schauplätzen – in Syrien wie in Burkina Faso – verbinde „Kirche in Not“ eine intensive Beziehung der Hilfe und des Gebetes. „So unterschiedlich beide Ereignisse auch sind: Der 12. Mai war wieder ein blutiger Sonntag für die Christen. Dass es nach lateinischer Tradition der ,Sonntag des Guten Hirten‛ war, kann den Angehörigen in allem Schmerz ein Zeichen der Hoffnung sein: Der gute Hirte kennt die Seinen. Er wird seine Herde nicht verlassen, weder in Burkina Faso und Syrien noch in vielen Ländern der Welt, in denen Christen in Bedrängnis sind.“

Ausführliche Informationen über Verletzungen der Religionsfreiheit weltweit finden sich unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

„Kirche in Not“ steht verfolgten und notleidenden Christen in 149 Ländern helfend zur Seite. Um auch weiterhin helfen zu können, bittet das katholische Hilfswerk um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Verfolgte Christen

KIRCHE IN NOT (ACN) zeigt sich besorgt angesichts der zunehmenden Attacken auf Christen weltweit. „Die brutalen Bombenanschläge auf Kirchen und Hotels in Sri Lanka am Ostersonntagmorgen zeigen: 2019 ist schon jetzt eines der blutigsten Jahre für Christen“, erklärt der geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT, Dr. Thomas Heine-Geldern.

Allein in den ersten vier Monaten des Jahres hat das Hilfswerk, das sich für verfolgte und notleidende Christen in über 140 Ländern einsetzt, unter anderem von folgenden antireligiösen Übergriffen erfahren und darüber berichtet

  • Attacken islamistischer Séléka-Truppen auf eine Missionsstation im Bistum Bangassou in der Zentralafrikanischen Republik zum Jahreswechsel mit dutzenden Todesopfern und rund 20 000 Menschen, die vor der Gewalt geflüchtet sind;
  • der islamistische Anschlag auf die Kathedrale von Jolo im Süden der Philippinen mit 20 Getöteten und rund 90 Verletzten Ende Januar;
  • Angriffe von Angehörigen des mehrheitlich muslimischen Stammes Nomadenstammes der Fulani auf christliche Dorfbewohner im nigerianischen Bundesstaat Kaduna Mitte März mit über 130 Toten;
  • Übergriffe extremistischer Hindu-Nationalisten auf eine katholische Schule im indischen Bundesstaat Tamil Nadu Ende März, bei der es zu einer regelrechten Jagd auf die dort tätigen Ordensfrauen kam.

Christen als Leidtragende globaler Entwicklungen

„Die Anschläge auf Sri Lanka sind der blutige Höhepunkt einer Entwicklung, die nun schon seit Jahren anhält: Die Christenverfolgung kennt keine Grenzen. Sie kennt keine Pause, erst recht nicht an den höchsten christlichen Festtagen. Sie kennt kein Erbarmen mit unschuldigen Menschen, die oft zu Sündenböcken für weltweite Entwicklungen gemacht werden“, erklärt Heine-Geldern. Nach den Anschlägen auf Sri Lanka hatte die Terrormiliz „Islamischer Staat“ die Taten für sich reklamiert. Sicherheitsbehörden hegen die Vermutung, dass die Bombenanschläge als Vergeltung für das Massaker im neuseeländischen Christchurch organisiert worden sein könnten. Mitte März hatte dort ein 28-jähriger Mann in zwei Moscheen 49 Menschen getötet.

„Kirche in Not“ weist auch darauf hin, dass die islamistische Bedrohung im Nahen Osten weiter anhält, ebenso wie die Gewalt durch „Boko Haram“ im Norden Nigerias. „Zu sagen, der IS sei militärisch besiegt und dadurch nicht mehr existent, ist ein Irrglaube – denn die Ideologie lebt, die Anhänger leben, die Kontaktkanäle scheinen zu funktionieren. Unsere Projektpartner im Nahen Osten sind weiterhin in höchster Sorge“, erklärt Heine-Geldern.

Religion oft als politische Waffe benutzt, um Länder ins Chaos zu stürzen

In jüngster Zeit kommt auch die Sorge der Stiftung über die Situation in Ländern auf dem amerikanischen Kontinent wie Mexiko, Nicaragua und Venezuela hinzu. Dort kommt es infolge politischer Turbulenzen immer wieder zu Übergriffen auf Bischöfe und Priester. „Hier handelt es sich um eine Mischung aus politischer Ideologie und dem Vorwurf, die Kirche würde sich unberechtigt einmischen, weil sie zum Widerstand gegen autoritäre Regierungen oder Korruption aufruft. Dadurch wird sie zur Zielscheibe für Aggression und Gewalt“, so Heine-Geldern.

In vielen Teilen der Welt werde Religion als politische Waffe benutzt, um Länder aus dem Gleichgewicht zu bringen und ins Chaos zu stürzen. Das sei gerade wieder in Sri Lanka zu erleben. Dort bemühe sich die Kirche intensiv darum, dass aus dem Schmerz über die Gewalttaten keine Gewaltspirale entsteht. „Das gesellschaftliche Gleichgewicht beruht zu einem großen Teil auf dem friedlichen Miteinander der verschiedenen Religionen. Dafür setzen sich zahlreiche unserer Projektpartner ein“, sagt Heine-Geldern.

Nur selten gelangen christenfeindliche Übergriffe in das Licht der Öffentlichkeit. So wurde die lebensbedrohliche Lage der christlichen Minderheit in Pakistan erst durch das Schicksal der wegen angeblicher Blasphemie zum Tod verurteilten und in letzter Instanz freigesprochenen Mutter Asia Bibi weltweit bekannt. „Kirche in Not“ hatte sich zusammen mit anderen Organisationen für ihre Freilassung eingesetzt. Doch noch immer ist das Schicksal von Asia Bibi ungewiss.

Religiöser und politischer Extremismus: Hauptursachen der Verfolgung

Extremistischer Islamismus, übersteigerter Nationalismus und autoritäre Ideologien bleiben die Haupttriebfedern der Verfolgung von Christen und anderen religiösen Minderheiten. So arbeitet es auch der Report „Religionsfreiheit weltweit“ (Religious Freedom Report) heraus, den KIRCHE IN NOT im November 2018 in der aktuellen Fassung vorgestellt hat und der die Situation in 196 Ländern beleuchtet. „Wir registrieren mit großer Sorge, dass alle drei Entwicklungen leider nicht abnehmen – ganz im Gegenteil. Das ist aktuell unter anderem in afrikanischen Staaten wie Burkina Faso, Niger und Benin zu beobachten. Dort nimmt die Feindseligkeit auf Missionsstationen, Priester und Ordensschwestern dramatisch zu. Die Menschen haben immer mehr Angst“, stellt Heine-Geldern fest.

Es gelte, diese bittere Entwicklung beim Namen zu nennen. „Es ist Sache der Regierungen und der UNO, Frieden zu stiften, Religionsfreiheit zu garantieren und antireligiöse Übergriffe abzuwehren“, sagt Heine-Geldern. Von Seiten der kirchlichen Kräfte gelte es, den verfolgten Christen durch Gebet und tatkräftige Hilfe beizustehen sowie ihnen Stimme und Gesicht zu geben, so Heine-Geldern. „Dafür macht sich KIRCHE IN NOT seit über 70 Jahren stark. Das ist angesichts der steigenden Gewalt gegen Christen jede Unterstützung und Anstrengung wert.“

Bischof zur Lage nach den Anschlägen am Ostersonntag. „Das ganze Land steht unter Schock. Es ist eine Tragödie.“ So beschreibt Bischof Warnakulasurya Wadumestrige Devasritha Valence Mendis im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ die Situation nach den Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag in Sri Lanka. Mendis ist Bischof von Chilaw, das 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo an der Westküste des südasiatischen Inselstaates liegt.

Nur rund 50 Kilometer sind es von Chilaw bis nach Negombo. Die dortige katholische Kirche „St. Sebastian“ ist einer der drei Orte, in denen während der Ostermesse Selbstmordattentäter Sprengsätze zündeten. Dies geschah nahezu zeitgleich auch in der St.-Antoniuskirche in Colombo, einem beliebten Wallfahrtsort, sowie im 250 Kilometer entfernten Batticaloa, wo es die protestantische Zinskirche traf.
„Die drei Kirchen waren voll von Gläubigen, schließlich war es Ostersonntag“, erklärte Bischof Mendis. In den Kirchen wurden die meisten Menschen getötet. Hinzu kommen die Opfer bei weiteren Sprengstoffanschlägen in drei Hotels in der Hauptstadt. Laut Polizeiangaben ist die Zahl der Toten auf mindestens 310 Menschen gestiegen. Ungefähr 500 Menschen wurden verletzt.

Alle Gottesdienste abgesagt

„Alle Kirchen im Land haben ihre Gottesdienste abgesagt“, teilte der Bischof mit. Die Gläubigen seien aufgefordert worden, sich nicht in Gruppen zu treffen, um weitere Anschläge zu verhindern. Es herrsche „allgemeiner Alarmzustand“, sagte Mendis. Medienberichten zufolge hat die Regierung Sri Lankas mittlerweile Ausgangssperren verhängt.

„Diese Angriffe kamen völlig unerwartet, zumal wir in den letzten sieben, acht Jahren sehr ruhig gelebt haben“, erklärte der Bischof. Auch das Zusammenleben der Religionen sei abgesehen von kleineren Zwischenfällen harmonisch gewesen. In Sri Lanka sind rund 68 Prozent der etwa 21 Millionen Einwohner Buddhisten, etwa 13 Prozent sind Hindus. Christen machen etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus, etwa 1,3 Millionen Menschen sind katholisch. Der Anteil der Muslime liegt bei unter neun Prozent.

„Wir können diese brutale Gewalt nicht verstehen. Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte Bischof Mendis. „Unsere Osterfreude wurde uns brutal genommen. Der Ostersonntag wurde ein Tag der Trauer. Die Menschen weinen um ihre Angehörigen“. Am Dienstag nach Ostern werden zahlreiche der Getöteten bestattet. Die Regierung hat für den 23. April ebenfalls einen nationalen Trauertag ausgerufen.

Brüchige religiöse und politische Einheit

Nach wie vor hat sich keine Gruppierung zu den Bombenanschlägen bekannt. Die Regierung Sri Lankas macht die einheimische Islamistengruppe „National Thowheeth Jama‛aath“ (NTJ) verantwortlich. Die Behörden überprüfen auch, ob die Gruppe internationale Unterstützung hatte.

Sri Lanka war bis 2009 Schauplatz eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ dokumentiert im Berichtszeitraum zwischen 2016 und 2018 mehrere Übergriffe auf religiöse Minderheiten von buddhistischen wie hinduistischen Extremisten. Signifikante islamistische Übergriffe nennt der Bericht nicht, weist aber darauf hin, dass „die religiöse Harmonie und Einheit im Land zerbrechlich“ seien. Die „tiefe Spaltung“ Sri Lankas sei „stark religiös geprägt“.

Obgleich die eigene Gemeinschaft am stärksten von den Anschlägen betroffen ist, weist Bischof Mendis zugleich darauf hin, dass unter den Toten und Verwundeten Menschen verschiedener Religionen sind. „Wir müssen uns dieser Situation mit Glauben und Mut stellen“, so der Mendis. „Dazu brauchen wir auch das Gebet und die Solidarität der Menschen weltweit, damit in unserem Land Frieden und Eintracht wiederauferstehen können.“

Weitere Hintergrundinformationen zur Lage in Sri Lanka liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: religious-freedom-report.org/de/pdf_de/?pais=1851. Den gesamten Bericht mit 196 Länderporträts gibt es unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

„Kirche in Not“ steht der christlichen Minderheit in Sri Lanka seit Jahren bei. So hat das Hilfswerk zum Beispiel den Wiederaufbau zerstörter Kirchen nach dem Bürgerkrieg unterstützt. Aktuell fördert „Kirche in Not“ unter anderem die kirchliche Bildungs- und Beratungsarbeit, Versöhnungsinitiativen zwischen den Volksgruppen und das kirchliche Leben in Pfarreien, Klöstern und Priesterseminaren. Diese Unterstützung gehen nach den Anschlägen intensiv weiter. Dazu bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Religiöse Gewalt nimmt zu – Attacke auf katholische Schule in Südindien. In Indien hat am 11. April ein „Wahlmarathon“ begonnen: Bis zum 19. Mai können etwa 900 Millionen Wähler abstimmen, wer sie in der ersten Kammer des Parlaments vertreten soll. Gute Chancen malen sich auch radikale hinduistische Kräfte aus. Seit 2014 stellt die nationalistische Partei BJP die Regierung. Sie könnte erneut zulegen.

Derweil verzeichnet Indien einen Anstieg religiöser Gewalt. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ verzeichnet allein für die Jahre 2016 und 2017 mindestens 197 Getötete und über 4000 Verletzte bei Übergriffen auf religiöse Minderheiten.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 26. März 2019 in der katholischen Schule von Chinnasalem im südostindischen Bundesstaat Tamil Nadu, etwa 300 Kilometer südöstlich von Bangalore. Hinduistische Fundamentalisten stürmten die Schule „Little Flower“ und versuchten, die dort tätigen Ordensschwestern zu ermorden.

Über die Wahlen und die zunehmende religiöse Gewalt sprach Maria Lozano von „Kirche in Not“ International mit Weihbischof Theodore Mascarenhas aus Ranchi im Osten Indiens, dem Generalsekretär der Indischen Bischofskonferenz.

KIN: Bislang gab es fundamentalistische Angriffe auf Minderheiten eher im Norden Indiens. Jetzt aber hat die Gewalt auch im Süden des Landes zugeschlagen. Was ist der Grund dafür?

WEIHBISCHOF THEODORE MASCARENHAS: Im Bundesstaat Tamil Nadu hat der Fundamentalismus in den vergangenen Jahren zugenommen. Vor allem die evangelikalen und protestantischen Hauskirchen waren betroffen. Die katholische Kirche hat bislang noch nicht unter offenen Angriffen gelitten. Es gab allerdings kleinere Vorfälle: Zum Beispiel wurde vor zwei Jahren eine katholische Gemeinde an der Feier der Karfreitagsliturgie gehindert. Ich war nicht überrascht, dass jetzt auch Katholiken angegriffen wurden. Das Ausmaß des Übergriffs hat mich aber schon erschreckt.

Es muss auch ein großer Schock für die Franziskanerschwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens gewesen sein, die die Schule in Chinnasalem seit 74 Jahren leiten. Wie ist die aktuelle Situation dort?

Es wurden bislang einige Personen im Zusammenhang mit dem Überfall verhaftet. Wir warten auf weitere Verhaftungen. Es geht für mich aber nicht so sehr darum, was jetzt im Einzelnen nach dem Vorfall passiert. Wir müssen uns vielmehr fragen, warum sich solche Vorfälle in einer zivilisierten Gesellschaft ereignen. Einige Gruppen schüren den Hass. Sie werden weder in den sozialen Medien noch im realen Leben gestoppt. Sie scheinen Schutz und Privilegien zu genießen. Sie erhalten politische Befugnisse. Das ist ein großes Problem. Diese Gruppen stellen keine Forderungen an uns oder beschuldigen uns nicht. Das Problem jedoch ist, dass die politischen Führer sie zu solchen Taten ermutigen.

Glauben Sie, dass die Zunahme der religionsfeindlichen Vorfälle mit den Wahlen zusammenhängen?

Es mag einen Zusammenhang geben. Ich denke aber, es ist ein langfristiges Problem. Wenn man einmal das „Monster“ des Zorns, des Hasses und der Gewalt freilässt, dann kann man es nicht mehr bändigen. Das ist meine Sorge. Alle, die den Hass verbreiten, müssen wissen, welchen Schaden sie der Gesellschaft zufügen und dass dies schwer kontrolliert werden kann. Wenn es nicht mehr unter Kontrolle ist, dann haben wir ein großes Problem.

Aber dieses Problem fügt schon jetzt den Minderheiten in Indien schweren Schaden zu …

Ja, es sind Minderheiten. Aber ich denke an den Ausspruch, der einem evangelischen Pfarrer aus Deutschland zugeschrieben wird: „Als die Nazis die Sozialisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialist. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Dann holten sie die Juden, und ich habe geschwiegen; ich war ja kein Jude. Dann holten sie mich – und es war niemand mehr übrig, der protestieren konnte.“ Es beginnt immer mit einer Minderheit und dann mit einer zweiten und so weiter …. Derzeit werden in Indien die Muslime angegriffen. Die Dalits (unterste Kaste in der hinduistischen Gesellschaft; Anm. d. Red.) werden angegriffen. Auch wir Katholiken werden angegriffen. Wir wissen nicht, wer der Nächste sein wird.

Heißt das, dass der nationalistische Fundamentalismus, den die politische Führung unterstützt, am Ende ganz Indien schaden wird?

Ich muss eines klarstellen: Die Mehrheit der Hindus und die Mehrheit der Inder sind tolerant. Wir leben seit Jahrhunderten zusammen. Indien hat eine multikulturelle, multireligiöse und vielfältige Gesellschaft. Jetzt erleben wir plötzlich die Situation, in der bestimmte Gruppen stärker werden und diesen Hass verbreiten. Das ist inakzeptabel. Denn am Ende ist es die ganze Nation, die darunter leidet.

Herrscht jetzt Angst unter den Christen nach den wiederholten Übergriffen?

Ich habe die Ordensschwestern in Chinnasalem gefragt: „Haben Sie Angst?“. Die Antwort: „Nein, wir werden unsere Arbeit fortsetzen.“ Das ist unsere Haltung: Wir werden unsere Arbeit fortsetzen. Wir werden weiterhin den Ärmsten der Armen dienen. Wir wissen, dass uns das Schwierigkeiten, Verfolgung und Leiden bringen wird. Aber wir werden weiter unser Werk für die Armen und für Gott tun.

Glauben Sie, dass manche Gruppierungen die kirchlichen Einrichtungen deshalb angreifen, weil sie mit den ärmsten und sozial diskriminierten Menschen arbeitet?

In meiner Muttersprache gibt es ein Sprichwort: „Man wirft Steine nur auf einen Baum, der Früchte trägt.“ Einige Gruppen mögen offensichtlich nicht, dass wir den armen Menschen dienen. Ich denke, das ist der wahre Grund, warum sie uns angreifen.

„Nigeria ist aktuell das Land, das am meisten vom islamistischen Terror heimgesucht wird. Es ist sozusagen die neue ,Hoffnung‛ der Fundamentalisten.“ Dies erklärte der Priester Joseph Bature Fidelis bei einem Treffen mit europäischen Botschaftsvertretern beim Heiligen Stuhl Ende März in Rom. Die Begegnung wurde vom weltweiten Päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ organisiert. „Zu den Attacken von Boko Haram sind jetzt noch die Übergriffe der Fulani-Hirten hinzugekommen“, sagte Fidelis, der aus dem Bistum Maiduguri im Nordosten Nigerias stammt.

Über 130 Todesopfer bei Attacken der Fulani

„Kirche in Not“ hat in den vergangenen Wochen dramatische Berichte aus dem Land erreicht: Im Bundesstaat Kaduna wurden nach Angaben lokaler Kirchenvertreter mehr als 130 Menschen von Angehörigen des mehrheitlich muslimischen Stammes der Fulani ermordet. Andere Quellen sprechen von höheren Opferzahlen. Über 10 000 Menschen sind wegen der Überfälle geflohen. Rund 150 Häuser wurden zerstört, wie der Priester Williams Kaura Abba aus Kaduna gegenüber „Kirche in Not“ berichtet: „Die Tötungswelle begann am 10. Februar, als die Fulani im Dorf Ungwan Barde nahe der Stadt Kajuru zehn Christen ermordeten – darunter eine schwangere Frau.“

Abba berichtete „Kirche in Not“ über einen fünfjährigen Jungen, der bei den Übergriffen durch die Fulani schwer verwundet wurde. „Zuerst haben sie versucht, ihn mit Pistolen zu töten und dann mit einer Machete, aber Gott hat ihn zum Glück beschützt“, schilderte der Priester. Daraufhin malträtierte ihn ein Hirte mit Stockschlägen. Jetzt sei der Junge gelähmt, erkläre Abba. „Dieses arme Kind hat auch eine seiner Schwestern bei der Attacke verloren, und seine Mutter kämpft nach wie vor im Krankenhaus um ihr Leben.“

Regierung greift nicht ein

Die Brutalität der Fulani sei unvorstellbar, so Abba, der auch das fehlende Eingreifen der Regierung kritisiert: „Weder der Gouverneur von Kaduna noch ein anderer Regierungsvertreter hat bislang die Betroffenen besucht oder mit den Angehörigen gesprochen.“ Allein die Kirche kümmere sich um die Menschen. Priester und Gemeindemitglieder bringen die Menschen ins Krankenhaus, organisieren Medikamente und kümmern sich um Hinterbliebene.

Am 19. März fand eine Demonstration gegen die Tötungen in der Bundeshauptstadt Abuja statt, an der sich zahlreiche Christen beteiligten. Bei der Kundgebung richtete Abba einen Appell an die Demonstranten, den er gegenüber „Kirche in Not“ wiederholte: „Wir können nicht schweigen, wenn unsere Mitmenschen abgeschlachtet werden. Wenn wir das retten wollen, was von unserer Menschlichkeit noch übrig ist, dann müssen die Regierungsbehörden furchtlos ihre Pflicht erfüllen.“

Für „Kirche in Not“ ist Nigeria eines der Schwerpunktländer auf dem afrikanischen Kontinent. Das Hilfswerk finanziert unter anderem die Versorgung von mittellosen Familien, die bei Terrorattacken ihre Angehörigen verloren haben, sowie kirchliche Flüchtlingscamps. Um den Christen Nigerias weiterhin beistehen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Am 27. Januar 2019 explodierten zwei Bomben in der Kathedrale von Jolo auf dem Sulu-Archipel zwischen Mindanao und Borneo, die 23 Menschen töteten und 112 weitere verletzten. Auf diese Tragödie folgte am 30. Januar ein Granatenangriff auf eine Moschee in Zamboanga im Westen der Insel Mindanao. Pater Sebastiano d’Ambra, Missionar des Päpstlichen Instituts für Auslandsmissionen (PIM), der sich seit 40 Jahren im Süden der Philippinen für den interreligiösen Dialog engagiert, erzählt in einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, wie die Situation in dem Land mit der meisten Katholiken auf dem asiatischen Kontinent erlebt wird.

KIRCHE IN NOT:
 Pater D’Ambra, können Sie uns erzählen, wie der Anschlag vom 27. Januar vor Ort wahrgenommen wurde?

Pater D’Ambra: Selbstverständlich hat uns die Gewalt des Anschlags schockiert und auch die Tatsache, dass das Ziel ein heiliger Ort war. Leider reiht sich dieser Gewaltakt in einen Kontext wachsender Spannungen in der Region ein. In den letzten Jahren hat der Radikalismus zugenommen und die christliche Minderheit auf der Insel Jolo (1% der Gesamtbevölkerung von 120.000 Einwohnern der Insel Jolo) ist nicht das einzige Opfer; es gibt auch Muslime, die zu mir kommen und sagen: „Pater, wir werden ebenfalls bedroht, weil wir nicht die gleiche Art Muslime sind wie sie.“

KIRCHE IN NOT: Drei Tage nach dem Anschlag auf die Kathedrale hat eine Granate in einer Moschee in Zamboanga auf den Südphilippinen, wo Sie arbeiten, zwei Menschenleben gefordert. Haben Sie Angst, dass es zu einem interreligiösen Konflikt kommt?

Pater D’Ambra: Meiner Meinung nach besteht keine Verbindung zwischen den beiden Anschlägen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christen ihre Toten rächen wollen, indem sie eine muslimische Kultstätte angreifen. Andererseits glaube ich schon, dass es sich wieder um das Werk jener extremistischen Gruppen handelt, deren Gewalt zunimmt und die Verwirrung stiften wollen. Sie sind es, die Christen und Muslime voneinander trennen wollen. Sie nutzen die Situation, um im ganzen Land Chaos zu verursachen und das Gleichgewicht in Frage zu stellen. Ein Gleichgewicht, das zu einem großen Teil auf den Beziehungen zwischen Gläubigen verschiedener Religionen beruht.

KIRCHE IN NOT: 
Laut den Behörden wird zurzeit jedoch der Kampf gegen den islamischen Terrorismus sukzessive gewonnen, teilen Sie diese Einschätzung?

Pater D’Ambra: Nein, überhaupt nicht. Leider kommt es zu interreligiösen Spannungen. Dass Führer extremistischer Gruppen hingerichtet wurden, bedeutet noch lange nicht, dass die philippinische Regierung den Krieg gewinnt. Dies zu glauben, wäre ein Fehler. Ich weiß sehr wohl, dass die Armee alles in ihrer Macht Stehende tut, um diese Gruppen zu kontrollieren. Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht. Gruppen wie der Islamische Staat, Maute oder Abu Sayyaf haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Probleme im Land verursachen, und sie können in den kommenden Jahren an Macht gewinnen. Ich sage nicht, dass wir in Angst leben müssen, aber wir müssen realistisch sein, und ich glaube nicht, dass sie besiegt sind. Ich glaube, dass sie weiterhin die Freundschaft auf die Probe stellen werden, die uns mit unseren muslimischen Nachbarn verbindet.

KIRCHE IN NOT: Haben Sie den Eindruck, dass Sie um Ihr Leben bangen müssen?

Pater D’Ambra: Na ja, wissen Sie: Ich lebe seit vierzig Jahren hier. Ich hätte deshalb schon lange Zielscheibe werden können – sogar mehrfach, würde ich sagen. Insbesondere einmal, als ich in eine Falle gelockt wurde. Die für mich bestimmte Kugel tötete einen meiner Freunde. In dieser Zeit vermittelte ich mit den muslimischen Rebellen. Dass ein Priester fast drei Jahre lang mit diesen Gruppen sprach, war eine ungewöhnliche Erfahrung. Wir hatten es geschafft, ein Verhältnis gegenseitigen Respekts herzustellen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, dass ein einziger Priester mehr als tausend Soldaten für den Frieden leisten könnte, diejenigen überrascht haben muss, die das Ende des Konflikts nicht wollten. Diese Haltung erleben wir auch heute. Einige Muslime sagen uns, dass unsere Programme für den Dialog zwischen Christen und Muslimen nicht nach dem Geschmack von Extremisten sind.

KIRCHE IN NOT: Möchten Sie zum Schluss eine Botschaft aussprechen?

Pater D’Ambra: Habt keine Angst! Glaubt mir, die Liebe ist stärker als der Hass! Ich danke KIRCHE IN NOT für ihre Nähe zu den Christen, die sich auf der ganzen Welt in Not befinden. Ich bitte alle Christen, den Dialog in ihrem eigenen Umfeld zu fördern, um aus der Logik des Konflikts auszubrechen.

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