

„Auch wenn die meisten von Ihnen [den Wohltätern] im Verborgenen bleiben möchten und diesen Dank nicht erwarten, ist es uns und unseren notleidenden Brüdern und Schwestern sehr wichtig, Ihnen unsere Dankbarkeit persönlich zu zeigen“, schreibt der Geistliche Assistent von KIRCHE IN NOT International, Pater Martin Barta, in einem Brief an die Unterstützer des Hilfswerks. „Für diesen ,Tag der Wohltäter’ haben wir das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesus ausgewählt, denn Ihre Großherzigkeit hat ihren Ursprung und ihre Kraft in der Nachahmung der barmherzigen Liebe des göttlichen Herzens. Danke, dass Sie ihr liebendes Herz auch in Ihren schenkenden Händen tragen.“
KIRCHE IN NOT zählt insgesamt über 330 000 Wohltäter in 23 Ländern. „Ohne diese wertvolle Hilfe unserer zahlreichen Wohltäter könnten wir nicht in mehr als 140 Ländern der Welt helfen. Dafür gebührt allen Wohltätern ein aufrichtiges und herzliches Vergelt´s Gott“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor des österreichischen Zweigs.

Diese Verbundenheit bei der Feier der heiligen Messe wird auch am „Tag der Wohltäter“ sichtbar: Unzählige Bischöfe, Seminardirektoren, Ordensgemeinschaften und Priester in Afrika, Asien, Osteuropa und Lateinamerika haben bereits zugesagt, am Herz-Jesu-Fest besonders für die Wohltäter von KIRCHE IN NOT zu beten und die heilige Messe für sie zu feiern.
Einer von ihnen ist Bischof Zenildo Luiz Pereira da Silva aus Borba im brasilianischen Amazonasgebiet. Er schreibt: „Wir nehmen am Tag der Wohltäter mit zwei Gefühlen teil: Dankbarkeit und Verpflichtung. Dankbarkeit für alle Unterstützung, die wir empfangen haben. Ohne ,Kirche in Not’ könnten wir unsere Evangelisierungsarbeit nicht durchführen. Und dieser Tag ist uns auch Verpflichtung zum Gebet für die Wohltäter, die Frieden und Solidarität stiften.“
Aus Kolumbien schreibt der Apostolische Vikar von San Andrés y Providencia, Mons. Jaime Uriel Sanabria Arias. Die von ihm betreute Region beginnt sich gerade von der Zerstörung durch die Hurrikane, die im November 2020 die Inseln heimgesucht haben, zu erholen. KIRCHE IN NOT drückte seine Solidarität durch seinen Präsenz aus, als es noch kaum eine Möglichkeit gab, in unser Gebiet zu reisen. Das Erleben der Anwesenheit der Weltkirche in schwierigen Zeiten ist eine verwandelnde Erfahrung, weil wir damit die Nähe, Sorge und Wohltätigkeit der Mutterkirche fühlen könnten“ schreibt der Bischof. „Liebe Wohltäter, Sie alle, Ihre Hilfe hat es uns ermöglicht, die Priester zu unterstützen, die wiederum den Glauben der christlichen Gemeinschaften unterstützen, insbesondere, damit das eucharistische Brot ihnen nicht fehlt. Darüber hinaus können wir mit Ihrer Hilfe die zerstörten Räume wie Kirchen und Pfarrhäuser reparieren, die wertvolle Orte für unsere Evangelisierungsarbeit sind. Seien Sie sich gewiss, liebe Wohltäter, dass Ihre Großzügigkeit gewirkt hat. Unser Vikariat betet für Sie und vertraut Sie in besonderer Weise der Feier der Eucharistie an.“
Die Armen Klarissen von Antsirabe aus Madagaskar schicken zu diesem Anlass einen berührenden Dankbrief: „Wir möchten Ihnen am Tag der Wohltäter unseren aufrichtigen Dank für die Hilfe aussprechen, die unser Leben verändert hat. Im Jahr 2018, als wir wirklich in finanziellen Schwierigkeiten waren, konnten wir uns nicht einmal unseren Strom und unser Essen leisten. Sie waren unsere Rettung wie ein wahrer Freund, an den wir uns im Notfall wenden können! Letztes Jahr 2020 und dieses Jahr 2021 haben Sie ein Wunder in unserem Leben vollbracht, indem Sie uns auf den Weg zur Selbstfinanzierung gebracht haben. Ihr Beitrag zum Aufbau unseres spirituellen Zentrums ist ungeheuer wichtig für unsere Zukunft. Das Geld, das von Gästen kommt, die das Zentrum nutzen, hilft uns, einen Teil unseres täglichen Lebens zu bezahlen. Sie haben uns geholfen, eine neues Kapiteln in unserer Geschichte aufzuschlagen. Dank Ihnen gehen wir einer sichereren Zukunft entgegen.“
Mehr über den Tag der Wohltäter auf: https://www.kircheinnot.at/tag-der-wohltaeter

Das jüngste Schreiben ‚Antiquum ministerium‘ mit dem der Papst den „laikalen Dienst“ des Katecheten mit eigener liturgischer Beauftragung eingeführt hat, war eine große Freude für uns“, erklärt Regina Lynch, Direktorin der Projektabteilung des Hilfswerkes KIRCHE IN NOT (ACN).
„Durch unsere Projektarbeit in mehr als 140 Ländern wissen wir, dass Katechetinnen und Katecheten an vielen Orten der Welt das Rückgrat der Kirche sind“, sagte Lynch. Gerade in entlegenen Gegenden, in die nur selten ein Priester kommen kann, oder in Ländern, wo durch Krieg und Verfolgung die Gemeindearbeit erschwert ist, seien Katecheten Ansprechpartner, Helfer und Seelsorger in einem.


Auch in zahlreichen anderen Ländern weltweit unterstützt KIRCHE IN NOT den Einsatz von Katecheten. „Allein im Jahr 2020 haben wir über 18 000 Katecheten auf allen Kontinenten gefördert – die meisten in Asien und Afrika“, so Lynch. KIRCHE IN NOT hat im vergangenen Jahr 20 Projekte finanziert, um Katecheten für ihren Dienst technisch auszustatten oder sie mit Material für die Seelsorgearbeit und den Religionsunterricht zu versorgen. Hinzu kommen 35 Projekte zur Schulung und Weiterbildung von Katecheten in 18 Ländern.

Hinter diesen Projekten stehen Menschen mit sehr beeindruckenden Geschichten. Einer der Katecheten, die KIRCHE IN NOT unterstützt, ist zum Beispiel John Joseph Gazi aus Uganda. Ursprünglich kommt er aus dem Südsudan. In dem jüngsten Staat Afrikas, erst 2011 unabhängig geworden, herrscht ein brutaler Kampf, allen Friedensbemühungen zum Trotz. Es geht um Macht, um ethnische Konflikte. Johns Familie konnte dem Morden nicht entkommen. „Mein Vater, meine Schwester und mein Bruder wurden getötet. Es geschah innerhalb weniger Minuten“, erzählt er KIRCHE IN NOT.
Er jedoch konnte ins Nachbarland Uganda flüchten, wo über eine Million Menschen in Flüchtlingslagern hausen. Doch schlimmer als die himmelschreiende Not dort sind die Narben der Seele, vor allem unter den jungen Menschen: Denn viele wurden in den Auseinandersetzungen als Kindersoldaten missbraucht.
Zu ihnen fühlt John sich besonders gesandt: „Viele tragen Hass und Rachegedanken in sich. Ich spreche zu ihnen über Vergebung.“ Er hat fast alles verloren – aber nicht den Glauben an Gott. Darum hat er sich zum Katecheten ausbilden lassen. Er selber bevorzugt die Bezeichnung „Evangelisierer“: Den armen und verzweifelten Menschen die Frohe Botschaft bringen.
KIRCHE IN NOT hat seine Ausbildung finanziert, im Emmaus-Zentrum, nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala. Dort werden junge Menschen geschult, die Wunden der Seelen ihrer Landsleute zu heilen und ihnen in verschiedenen Nöten beizustehen. Ein ganz anderer und aussichtsreicherer „Kampf“ als der verbitterte Krieg in seiner Heimat, bekennt John: „Ich bin jetzt ein Soldat für Jesus. Ich kämpfe darum, die Seelen zu Gott zurückzubringen.“
John besucht jetzt seine Landsleute, die sich in Uganda mehr schlecht als recht eine neue Existenz aufbauen – aber ohne Gewalt und Krieg. „Ich will das Leben zu den Südsudanesen zurückbringen.“ Er spricht vom Glauben, er spendet Trost, hört sich die schrecklichen Erzählungen der traumatisierten Menschen an und vermittelt Hilfe. John und seine Mitstreiter haben neben katechetischen auch psychologische Kenntnisse im Emmaus-Zentrum erworben. Denn zusätzlich zu den Kriegserfahrungen, der Armut und Arbeitslosigkeit stellt auch der Alkoholmissbrauch ein Problem unter den Geflüchteten dar.
Der „Kampf“ gegen die Folgen des Krieges dauert an. Aber John ist sich sicher, dass es jede Mühe wert ist: „Dank meiner Ausbildung als Katechet mit der Unterstützung von KIRCHE IN NOT, bringe ich nun Hoffnung und Liebe zu meinen Leuten.“

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Verwendungszweck: Katecheten-Ausbildung
In jedem dritten Land der Welt kommt es zu schwerwiegenden Verletzungen der Religionsfreiheit. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des weltweit tätigen Hilfswerks „Kirche in Not“, das die Ergebnisse am heutigen Donnerstag in einer Pressekonferenz in Berlin vorstellte.
Dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ zufolge, wurde dieses Grundrecht zwischen 2018 und 2020 in 62 von 196 untersuchten Ländern nicht respektiert. Die Zahl der in diesen Staaten lebenden Menschen liegt bei fast 5,2 Milliarden. In 26 Ländern sind die Einwohner sogar massiver Verfolgung ausgesetzt, heißt es in dem Bericht.

Laut dem Bericht von „Kirche in Not“ ist ein drastischer Anstieg dschihadistischer Gruppen in Afrika zu verzeichnen, insbesondere in der Subsahara-Region und Ostafrika. In fast der Hälfte der Staaten des Kontinents (42 Prozent) kommt es mittlerweile zu Verstößen gegen die Religionsfreiheit. Burkina Faso und Mosambik sind markante Beispiele.
Die Direktorin der Projektabteilung von „Kirche in Not“, Regina Lynch, berichtete, dass das Hilfswerk von den Projektpartnern vor Ort „schockierende Berichte und Fotos von barbarischen Anschlägen der Dschihadisten“ aus Mosambik erhalte, vor allem aus der Provinz Cabo Delgado im Norden. „Jeder, egal ob Muslim oder Christ, der die Ideologie der Dschihadisten nicht akzeptiert, wird dafür bestraft. Die Menschen müssen mit ihrem Leben bezahlen, sind grausamen Formen der Folter ausgesetzt oder müssen mit ansehen, wie ihre Häuser und Ernten zerstört werden.“ „Kirche in Not“ unterstütze hier Hunderttausende vertriebene Menschen mit Nothilfe und psychologischer Betreuung zur Traumabewältigung, so Lynch.

Auch in Nigeria fördere „Kirche in Not“ aktuell derartige Projekte, vor allem für Witwen in Maiduguri im Nordosten des Landes. Dort sind seit 2009 Dschihadisten von „Boko Haram“ aktiv. „Sie greifen die lokale Bevölkerung mit dem Ziel an, das Land in einen islamischen Staat zu verwandeln. Wie in anderen afrikanischen Ländern töten oder entführen sie jeden, ganz unabhängig von seiner Religion, der ihre Weltsicht nicht akzeptiert“, schildert die Projektdirektorin.
Diese Radikalisierung treffe jedoch nicht nur den afrikanischen Kontinent. Der Bericht zeigt ein Anwachsen transnationaler islamistischer Netzwerke, die sich von Mali und Mosambik über die Komoren bis hin zu den Philippinen erstrecken, mit dem Ziel, ein sogenanntes „transkontinentales Kalifat“ zu errichten.
Mark von Riedemann, Vorsitzender des Redaktionsausschusses des Berichts, betonte, dass Muslime und Christen gleichermaßen Opfer extremistischer Gewalt seien. „Mit der zunehmenden Radikalisierung der Islamisten werden Christen zunehmend zur spezifischen Zielscheibe für Terroristen.“ Dadurch werde vor allem der für die Subsahara-Region typische soziale und religiöse Pluralismus und das harmonische Zusammenlebe der Religionen zerstört.

Der Bericht stellt zudem einen neuen Trend heraus. Auf künstlicher Intelligenz basierende Technologie, Cybernetzwerke und Massenüberwachung werden in einigen Nationen zur Verstärkung der Kontrolle und Diskriminierung missbraucht – allen voran China. Aber auch dschihadistische Gruppen nutzen digitale Technologien, um Anhänger zu radikalisieren und zu rekrutieren, heißt es in dem Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“.
Neben autoritären Regierungen und islamistischem Extremismus sei auch ein ethnisch-religiöser Nationalismus ein wichtiger Faktor, der die Religionsfreiheit beeinflusst. Darunter falle beispielsweise die Förderung der ethnischen und religiösen Vormachtstellung in einigen asiatischen Ländern mit hinduistischer und buddhistischer Mehrheit – ein Trend, der eine Bevölkerung in Milliardenhöhe betreffe. Die Folge sei eine größere Unterdrückung von Minderheiten, die zu „Bürgern zweiter Klasse“ degradiert werden. Beispielländer seien Indien, Pakistan oder Myanmar.
Heiner Koch, Erzbischof von Berlin, sagte: „Religionsfreiheit und Menschenwürde sind Geschwister. Sie sind untrennbar miteinander verbunden – nicht nur durch ihre Bedeutung als elementares Menschenrecht, sondern auch durch die Verletzungen, denen sie gleichermaßen ausgesetzt sind. Ohne Religionsfreiheit kann eine wahrhaft offene und plurale Gesellschaft nicht existieren.“ In diesem Kontext müsse man auch die Christenverfolgung verstehen. „Sie ist nicht isoliert zu betrachten, sondern immer als ein Bestandteil von Menschenrechtsverletzungen“, so Koch. Als Erzbischof von Berlin sei er Menschen begegnet, die aus eigener Erfahrung von den religiösen Verfolgungen in ihren Heimatländern Erschütterndes berichtet hätten. Religionsfreiheit könne zu einem Instrument des Friedens werden, wenn die Gläubigen der verschiedenen Religionen sich als Weggefährten erkennen für sie eintreten. „Das mag nicht immer leicht sein, aber es ist trotzdem der richtige und einzige Weg“, ist sich Erzbischof Koch sicher.

In den westlichen Ländern registriert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2021“ einen Anstieg der „höflichen Verfolgung“. Der zugespitzt-ironisch formulierte Begriff wurde von Papst Franziskus geprägt und beschreibt Tendenzen, wonach neue kulturelle Normen und Werte in Widerspruch zu den Rechten der Einzelnen auf Gewissensfreiheit stehen und bewirken, dass Religion „in die geschlossenen Räume von Kirchen, Synagogen oder Moscheen“ verbannt wird.
Die Studie dokumentiert auch die tiefgreifenden Auswirkungen der Covid-19-Pandemie auf die Religionsfreiheit. Angesichts des Ausmaßes hätten Regierungen außerordentliche Maßnahmen für notwendig erachtet, die in einigen Fällen die Religionsausübung im Vergleich zu säkularen Aktivitäten unverhältnismäßig stark einschränken. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Pakistan oder Indien, wurden religiöse Minderheiten humanitäre Hilfen vorenthalten.

Angesichts der Ergebnisse des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2021“ stellte der geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“ (ACN) International, Dr. Thomas Heine-Geldern, fest: „Die Reaktion der internationalen Gemeinschaft auf religiöse Gewalt und auf religiöse Verfolgung im Allgemeinen ist zu gering und kommt oft zu spät – too little, too late.“ Auch wenn Menschenrechte in aller Munde seien, führe die Religionsfreiheit oft ein Schattendasein. Er bezeichnet den vorliegenden Bericht als „Warnsignal“: Die Aussichten auf ein friedliches Zusammenleben seien düster, „solange die Religions- und Glaubensfreiheit nicht als grundlegendes Menschenrecht geachtet wird, das auf der Menschenwürde jedes Einzelnen beruht“.
Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit erscheint zum 15. Mal. „Kirche in Not“ hat ihn erstmals 1999 veröffentlicht. Er analysiert, inwieweit das Menschenrecht auf Religionsfreiheit in allen 196 Ländern der Welt und bezogen auf alle Religionen respektiert wird. „Kirche in Not“ ist die einzige katholische Institution, die einen Bericht dieser Art herausgibt.
Die Ergebnisse, Quellen und Verfahrensweise der Studie sowie alle 196 Länderberichte sind abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at.
Präsentation des Berichtes bei Livestream-PK am Donnerstag, 22. April 2021
Erörtert wird dieser Report vor deutschsprachigen Medien im Rahmen einer Livestream-Pressekonferenz am 22. April 2021 um 11 Uhr aus Berlin (siehe nachstehender Link). Daran teilnehmen werden u.a. der Beauftragte der Deutschen Bundesregierung für weltweite Religionsfreiheit, Markus Grübel MdB, der Berliner Erzbischof Dr. Heiner Koch und Dr. Thomas Heine-Geldern, geschäftsführender Präsident des internationalen katholischen Hilfswerks “Kirche in Not”.
Die Pressekonferenz wird per Livestream aus Berlin übertragen unter: https://www.kircheinnot.at/informieren/bericht-religionsfreiheit-livestream/.
Onlineteilnehmende Journalisten und Interessenten haben die Möglichkeit, via Chat Fragen zu stellen.
„Je mehr die Welt über religiös motivierten Hass erfährt, desto eher wird sie in der Lage sein, etwas dagegen zu unternehmen“ – so der eindringliche Appell von Emmanuel Yousaf, Direktor der Nationalen Kommission für Gerechtigkeit und Frieden in Pakistan im Vorwort des aufrüttelnden Berichtes „Religionsfreiheit weltweit“ von “Kirche in Not”. Diese Dokumentation ist eine kritische Bestandsaufnahme der untragbaren Menschenrechtslage in Bezug auf mangelnde Religionsfreiheit, die vielerorts gefährliche Formen annimmt. Die Länderberichte wurden von 30 unabhängigen Experten aus verschiedenen Kontinenten erstellt und befassen sich mit den verschiedenen Religionen.
Der aktuelle Bericht zur„Religionsfreiheit weltweit“ ist ab dem 20. April abrufbar unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at . Auf der Internetseite können sowohl die einzelnen Länderberichte, die Regionalstudien und die Weltkarte eingesehen werden. Auch ein Download des gesamten Berichts ist möglich. Darüber hinaus veröffentlicht KIRCHE IN NOT eine Zusammenfassung und die wichtigsten Ergebnisse des Berichts als Broschüre.

Fast vier Milliarden Menschen leben in den 26 Ländern mit den schwerwiegendsten Verstößen gegen die Religionsfreiheit – etwas mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung (51%). Beinahe jeder zweite dieser Staaten liegt in AFRIKA, u.a.:
In ASIEN gehört – neben dem Islamismus und dem kommunistischen Totalitarismus – ebenso der religiöse Nationalismus zu den größten Bedrohungen für die Religionsfreiheit und das friedliche Zusammenleben der Religionen in unserer heutigen Welt. In zahlreichen Ländern – wie z.B. Sri Lanka, Malaysia oder Myanmar) sind religiöse Minderheiten zunehmend mit gravierender Ausgrenzung und aktiver Verfolgung konfrontiert.
In Myanmar hat sich im Berichtszeitraum 2019-2020 weiter auf das schlimmste Verbrechen, den Völkermord, zubewegt. Massive Angriffe des Militärs auf die muslimische Rohingya-Bevölkerung im Rakhaing-Staat gehen Hand in Hand mit andauernden Anschlägen gegen Christen und Hindus im Kachin-Staat.
In Pakistan werden jedes Jahr bis zu 1.000 christliche und hinduistische Frauen zwischen 12 und 25 Jahren von muslimischen Männern entführt. Die Täter kommen meist ungeschoren davon – da die Gerichte häufig zugunsten der Entführer entscheiden.
Diskriminierung und massive Verfolgung aufgrund religiöser Überzeugungen sind also heutzutage wachsende globale Phänomene, die es sehr ernst zu nehmen gilt. Eine zunehmende Bedrohung sind vor allem die transnational agierenden dschihadistischen Gruppen, die systematisch die Verfolgung all jener betreiben, die die extreme islamistische Ideologie ablehnen. (Hiervon sind Muslime und Christen gleichermaßen betroffen.)
„Wir freuen uns über die Initiative von Papst Franziskus, der 2021 zum Josefsjahr ausgerufen hat. Damit möchte er auf Menschen hinweisen, die wie der heilige Josef zurückhaltend, aber treu ihren Dienst tun. Das erleben wir bei unseren Projektpartnern in 140 Ländern tagtäglich“, erklärte der Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich, Herbert Rechberger.
Aus diesem Anlass weist das internationale katholische Hilfswerk auf einige Hilfsprojekte hin, die besonders dem heiligen Josef gewidmet sind.

Eines der aktuellsten ist der Wiederaufbau der Josefskirche in der libanesischen Hauptstadt Beirut, die von Jesuiten betreut wird. Die Explosion im Hafen von Beirut Anfang August 2020 hat auch das Gotteshaus stark in Mitleidenschaft gezogen: Die Druckwelle riss Türen und Fenster aus den Angeln, auch das Dach ist schwer beschädigt.
KIRCHE IN NOT finanziert die Reparaturmaßnahmen, wie auch in zahlreichen Kirchen und kirchlichen Krankenhäusern, Konventen, Kindergärten und sonstigen Anlaufstellen im christlichen Viertel von Beirut.
Unzählige Pfarren und zahlreiche Diözesen weltweit sind dem heiligen Josef geweiht – in vielen von ihnen hilft KIRCHE IN NOT, damit Seelsorge auch unter erschwerten Umständen möglich ist.

So finanziert das Hilfswerk auf Madagaskar im Indischen Ozean den Bau eines Pfarrhauses in der Josefspfarre von Betatao, die ein riesiges Gebiet im Nordosten der Insel umfasst. Die Gemeinde wird von mehreren Seelsorgern betreut, die weite Strecken zu den einzelnen Außenstationen zurücklegen müssen. Das Pfarrhaus soll ihnen als Zuhause und Stützpunkt dienen.
Im südamerikanischen Uruguay hat KIRCHE IN NOT den Kauf eines Geländewagens finanziert, der Priester und Gemeindemitglieder in der Pfarrei St. Josef von Lavalleja im Norden des Landes mobiler macht. KIRCHE IN NOT ermöglicht pro Jahr die Anschaffung von durchschnittlich über 600 Transportmitteln für die Seelsorge – von Autos, Trucks, Motor- und Fahrrädern bis hin zu Booten.

Die römisch-katholische Diözese Irkutsk in Russland hat ebenfalls den heiligen Josef zum Patron. Das ostsibirische Bistum umfasst eine Fläche in der Größe Kanadas; nur 0,5 Prozent der Bevölkerung sind katholisch. Die 56 Ordensfrauen, die im Bistum Irkutsk tätig sind, widmen sich der ganzen Gesellschaft. In den größeren Städten betreiben sie Heime, Suppenküchen, Begegnungszentren für Straßenkinder, Waisen und werdende Mütter.
KIRCHE IN NOT finanziert seit Jahren den Lebensunterhalt der Schwestern. Eine von ihnen beschreibt gegenüber dem Hilfswerk ihre Verbundenheit mit dem heiligen Josef: „Er beklagt sich nicht, wenn schwierige Momente kommen. Im Evangelium sagt er kein einziges Wort – und hat dennoch ein Leben voller Schwierigkeiten gemeistert wie wir.“
Ein Waisenhaus betreibt auch die griechisch-katholische Gemeinschaft vom heiligen Josef in Potelytsch im äußersten Westen der Ukraine, nahe der polnischen Grenze. Die Gebäude sind in einem erbarmungswürdigen Zustand, seit der politischen Wende in Osteuropa wurden kaum Renovierungsarbeiten durchgeführt. Nun steht eine Generalsanierung an.

KIRCHE IN NOT hilft auch hier. „Der heilige Josef ist der Schutzpatron unserer Gemeinschaft“, schreiben die Schwestern. „Indem wir seinen Tugenden folgen, arbeiten wir voller Freude zur Ehre Gottes und für das Wohl der Kirche.“
Mit dem Schreiben „Patris corde“ („Mit väterlichem Herzen“) hat Papst Franziskus ein Jahr des heiligen Josef ausgerufen, das bis zum 8. Dezember 2021 dauert. Damit erinnert der Papst an die Ausrufung des heiligen Josef zum Patron der Weltkirche vor 150 Jahren.
Unterstützen Sie den seelsorgerischen Einsatz der Weltkirche im Geist des heiligen Josef! Spenden Sie – online … hier oder auf folgendes Konto:
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Im Vorfeld der bevorstehenden Papstreise in den Irak startet das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) ein neues Großprojekt, um junge Christen zu unterstützen: In den kommenden vier Jahren finanziert das Hilfswerk Stipendien für 150 Studenten der Katholischen Universität in Erbil (CUE), der Hauptstadt der Autonomen Region Kurdistan. Das Stipendienprogramm hat einen Umfang von 1,5 Millionen Euro.
Projektpartner ist der chaldäisch-katholische Erzbischof von Erbil, Bashar Warda, der einer der Gastgeber von Papst Franziskus sein wird. Warda erklärte: „Die Katholische Universität Erbil ist ein Leuchtturm und ein Symbol der Hoffnung. Die Hilfe ist ein starkes Zeichen der Solidarität mit den Christen und allen anderen Minderheiten in der Region.“

Die CUE ist die einzige Hochschule des Irak, die von der katholischen Kirche getragen wird. Sie bietet mehrere Studiengänge an, unter anderem Architektur und Bauingenieurwesen. Aktuell sind 170 Personen an der Universität immatrikuliert, die Erzdiözese Erbil plant aber einen weiteren Ausbau der Studienplätze. Die Studentenschaft besteht zu 54 Prozent aus Frauen und 46 Prozent Männern. 72 Prozent von ihnen sind Christen, 10 Prozent Muslime und 18 Prozent Jesiden. Die meisten Studenten sind Binnenvertriebene und Flüchtlinge aus allen Teilen des Irak. Viele von ihnen sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen.
„An der Katholischen Universität von Erbil lernen junge Menschen unterschiedlichen Glaubens, miteinander zu leben und zu arbeiten. Deshalb unterstützt das Projekt aus unserer Sicht die Botschaft von Papst Franziskus zum sozialen Zusammenhalt und zur Versöhnung“, erklärte der Geschäftsführende Präsident von „Kirche in Not“ (ACN), Dr. Thomas Heine-Geldern. Im kurdischen Teil des Irak halte, wie im ganzen Land, die Unsicherheit nach wie vor an. Schuld daran sei auch die angespannte wirtschaftliche Lage, so Heine-Geldern: „Die Katholische Universität von Erbil ist ein entscheidendes Projekt, um die Christen zum Bleiben zu ermutigen. Wenn junge Christen die Möglichkeit haben, eine gute Ausbildung zu bekommen, werden sie nicht emigrieren.“

„Kirche in Not“ hat bereits erhebliche Anstrengungen für die christliche Minderheit im Irak unternommen: Nach der Vertreibung von über 100 000 Christen aus der Ninive-Ebene hat das Hilfswerk die Versorgung der Geflüchteten in der Region Erbil unterstützt. Nach dem militärischen Sieg über den „Islamischen Staat“ förderte es den Wiederaufbau zerstörter Wohngebäude in den Ortschaften der Ninive-Ebene. Rund die Hälfte der vertriebenen Familien konnte zurückkehren. Aktuell finanziert „Kirche in Not“ die Instandsetzung kirchlicher Kindergärten, Gemeindezentren und Gotteshäuser. Unter ihnen befindet sich auch die Al-Tahira-Kirche in Karakosch, die Papst Franziskus am 7. März besuchen wird. Das neue Stipendienprogramm schlage ein weiteres Kapitel der Hilfe für den Irak auf, erklärte „Kirche in Not“-Präsident Heine-Geldern: „Jetzt ist es wieder an der Zeit, ein für uns sehr ehrgeiziges Projekt zu starten, um in die jungen Leute zu investieren.“
Papst Franziskus besucht von 5. bis 8. März den Irak. Unter anderem wird der Papst in Erbil eine heilige Messe feiern und der Gemeinde in Karakosch (Bagheda) einen Besuch abstatten. Zur offiziellen Delegation der Papstreise gehört auch die Projektdirektorin von „Kirche in Not“ (ACN) International, Regina Lynch.

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Regina Lynch, Leiterin der Projektabteilung von „Kirche in Not“ (ACN) wird als offizielle Delegierte der Organisation ROACO, einer päpstlichen Organisation zur Unterstützung der katholischen Ostkirchen, während des Papstbesuches in den Irak vom 5. bis 8. März teilnehmen.
„Die Aufnahme eines Vertreters von ROACO in das päpstliche Umfeld des bevorstehenden Papstbesuches ist ein sichtbares Zeichen dafür, wie sehr der Heilige Stuhl die Arbeit der Organisationen im Nahen Osten, in Ost- und Mitteleuropa, in Indien, Eritrea und Äthiopien schätzt“, erklärte Lynch. Es sei eine große Ehre, als Vertreterin von ROACO beim Papstbesuch in den Irak dabei zu sein. Für sie sei es das erste Mal, dass sie zusammen mit dem Papst an einer Reise teilnehme.

Sie bewertet die Reise des Heiligen Vaters in den Irak als „historisch“ und als ein „Zeichen der Ermutigung und eine Botschaft der Hoffnung für die irakischen Christen, die in ihrem Glauben durch die Jahrhunderte hindurch geprüft wurden“. Regina Lynch hat den Irak mehrfach für „Kirche in Not“ besucht, wo das internationale Hilfswerk bereits seit 1972 Hilfe leistet. „Die Tatsache, dass Papst Franziskus jetzt in so einer schwierigen Zeit kommt, wird den irakischen Christen Hoffnung geben“, ist sie sich sicher.
Papst Franziskus wird vom 5. bis 8. März den Irak besuchen. Stationen sind unter anderem Bagdad, Erbil und die Ninive-Ebene, wo „Kirche in Not“ den Wiederaufbau privater und kirchlicher Gebäude unterstützt.
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Im Nahen Osten fühlten sich Christen und andere religiöse Minderheiten nach wie vor unsicher. Dschihadistische Terrorgruppen wie der „Islamische Staat“ hätten zudem ihr Unwesen vom Nahen Osten auf zahlreiche Regionen Afrika verlagert, das zu einem „Kontinent der Märtyrer“ geworden sei, erklärte Heine-Geldern. Vor allem in den Ländern der Sahelzone seien „religiöser Extremismus und radikale gewalttätige Islamisten auf dem Vormarsch und zerstören das bislang friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen, um Ressourcen und Macht zu erlangen“.
Während in Afrika und im Nahen Osten der Dschihadismus die Hauptursache der Verfolgung sei, machten im asiatischen Raum nationalistische Bewegungen und autoritäre Regierungen religiösen Minderheiten das Leben schwer. „Das Christentum wird in einigen asiatischen Ländern als ein schädlicher Einfluss betrachtet, der die Vorherrschaft der führenden Partei oder die vermeintliche religiöse Geschlossenheit der Nation bedroht“, sagte Heine-Geldern.

Doch auch in Ländern ohne öffentliche Verfolgung nähmen Ressentiments gegenüber Gläubigen zu. Das sei mittlerweile auch in Europa der Fall, und das wolle der neue Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ herausarbeiten, erklärte Heine-Geldern. Christen seien einem Angriff von zwei Fronten ausgesetzt: „Die eine will die christlichen Wurzeln zerstören und eine rein individualistische Gesellschaft ohne Gott schaffen. Und die andere versucht, Menschen zu radikalisieren und mit Gewalt ein fundamentalistisches islamistisches System durchzusetzen.“
Die Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit“ beleuchtet die Lage dieses Menschenrechts in 196 Ländern der Welt und für alle religiösen Gruppen, listet Verstöße gegen die Religionsfreiheit auf und dokumentiert aktuelle Entwicklungen. Der Bericht wird von unabhängigen Experten und Journalisten erstellt und erscheint alle zwei Jahre. Die ursprünglich geplante Veröffentlichung im Herbst 2020 musste coronabedingt verschoben werden. Nun wird der Bericht Ende April 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt – zuerst in Rom. Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.at



„Trotz der dramatischen Situation in vielen Ländern sehen die europäischen Eliten weitgehend weg. Um gegen Christenverfolgung einzutreten, müssen wir alle politischen, rechtlichen, diplomatischen, finanziellen, wirtschaftlichen und kulturellen Möglichkeiten nutzen. Darum ist es wichtig, dass das österreichische Parlament zum diesjährigen Red Wednesday ein starkes Zeichen gegen die weltweite Christenverfolgung setzt. Ich danke Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka und Kirche in Not für diese wichtige Initiative.
Die Religionsfreiheit wird von unterschiedlichen Kräften in vielen Gebieten dieser Welt dramatisch eingeschränkt und teilweise mit Gefahr für Leib und Leben belegt. In einem Großteil der Länder sind es Christen, die misshandelt, vertrieben oder sogar ermordet werden. Dabei ist die Religionsfreiheit ein grundlegendes Menschenrecht, mit dem andere Menschenrechte wie die Meinungsfreiheit und die Gewissensfreiheit unteilbar verbunden sind. Die Religionsfreiheit ist eng verknüpft mit der Frage nach dem Sinn des Lebens, der den täglichen Aufgaben Bedeutung gibt und damit für einen Großteil der Menschen auf der ganzen Welt zentral ist. Die Religionsfreiheit muss in allen Ländern der Welt geschützt sein, dafür setze ich mich seit vielen Jahren ein.“
Abg. z. NR Dr. Gudrun Kugler, Bereichssprecherin für Menschenrechte für die ÖVP
Christine du Coudray war 28 Jahre lang in der internationalen Zentrale des katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT als Projektreferentin für Afrika tätig.
Frau du Coudray, nach 28 Jahren nähern sich Ihre letzten Arbeitstage bei KIRCHE IN NOT. Kommt da schon so etwas wie Wehmut auf?
Es gibt eine Zeit, um zu dienen, und eine Zeit, sich zurückzuziehen. Nach 28 Jahren bin ich zu Letzterem bereit. Seit ungefähr zehn Jahren gibt es eine neue Generation junger Mitarbeiter bei uns im Haus, die sehr engagiert sind und die diese Mission weiterführen werden.
Als ich vor 28 Jahren begann, konnte ich kaum die afrikanischen Länder auf der Weltkarte finden. Ich habe die Herausforderung angenommen und bei Null mit dem Lernen angefangen.

Was haben Sie durch Ihre Arbeit gelernt?
Ich habe gelernt, dass jeder Kontinent seine eigene Berufung hat. Schon vor der ersten Afrika-Synode 1994 habe ich selbst erfahren, dass Afrika der Kontinent der Familie ist. Dies ist umso erstaunlicher, als auch dort die Familie verwundet wird und es wie überall Probleme gibt, und dennoch scheint es, dass die Familie, die Zukunft der Menschheit, die Berufung Afrikas ist.. Dort spielt sie eine ganz besondere Rolle. Als Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Benin war, hat er diese Tatsache noch einmal betont, die bereits für den heiligen Papst Johannes Paul II. klar gewesen war.
Über all diese Jahre hinweg war die Unterstützung der Familie wie ein Roter Faden für mich. Wir haben viel dafür getan und machen es immer noch.
Gab es Personen, die Sie auf Ihrem Weg besonders geprägt haben?
Ja, vor allem war es Johannes Paul II., der im Laufe dieser Jahre sozusagen mein „geistiger Meister“ geworden und geblieben ist. Ich wollte immer seine Perspektive für die Kirche in Afrika verstehen und umsetzen. Es war für mich ein Privileg, 1994 an der ersten Afrikasynode teilnehmen zu dürfen. Ich war die einzige Frau aus Europa. Es gab ca. 350 Teilnehmer: Kardinäle, Bischöfe und Priester, Experten und Zuhörer. Ich war unter den Zuhörern und war einen Monat lang in Rom, um an der Synode teilzunehmen. Es war ein Jahr nach meiner Ankunft bei KIRCHE IN NOT die beste Fortbildung, die ich je bekommen konnte.
Bei dieser Gelegenheit habe ich mit dem Papst zu Mittag gegessen. Wir haben uns ausgetauscht, und es war etwas ganz Besonderes. Die Synode hat Früchte getragen, und zehn Jahre später, im Jahr 2004, habe ich in Rom ein Treffen mit Bischöfen aus Afrika und Europa organisiert, um eine Brücke zwischen den beiden Kontinenten zu schlagen. Bei dieser Gelegenheit hat Johannes Paul II. die zweite Afrikasynode ausgerufen. Auch das war wieder ein echtes Geschenk für mich.

Was waren für Sie die schönsten Momente?
Zu den schönsten Augenblicken gehörten sicherlich die Reisen. Meine erste Reise führte mich 1994 nach Tansania, die letzte im März 2020 kurz vor der Corona-Pandemie in den Sudan. Die Situationen vor Ort haben sich stark verändert: Früher gab es nur eine einfache Kerze in einer Hütte, heute gibt es Strom aus Solarpaneelen. Ich habe noch alle Hefte mit meinen Aufzeichnungen behalten!
Warum sind Reise wichtig für Ihre Arbeit?
Es reicht nicht, ein Projekt schriftlich zu bekommen, um zu verstehen, dass ein Auto oder die Renovierung eines katechetischen Zentrums gebraucht wird. Wir müssen wirklich an Ort und Stelle sehen, was benötigt wird. Ich kann Ihnen ein Beispiel geben: Vor einem Jahr war ich in der Demokratischen Republik Kongo in der Erzdiözese Kananga in der Provinz Kasai. Dort haben wir eine unglaubliche Situation in den Badezimmern des Priesterseminars vorgefunden. Es war furchtbar. „Wie ist es möglich, dass diese zukünftigen Priester täglich ohne Dusche und unter solchen Bedingungen leben müssen?“ Im März dieses Jahrs erhielten wir den Projektantrag, aber zu diesem Zeitpunkt mussten wir aufgrund der Corona-Krise das Projekt leider negativ entscheiden, weil kein Geld da war. Aber jetzt vor zwei Tagen habe ich gedacht, dass wir diese negative Entscheidung revidieren müssen. Dies war das Resultat eines Besuchs an Ort und Stelle. Vielleicht hätte ich nie so reagiert, wenn ich diese Situation nicht wirklich mit meinen eigenen Augen gesehen hätte.
Haben Sie denn etwas wie ein „Lieblingsland“?
Ja, ich würde sagen, mein „Lieblingsland“ ist die Demokratische Republik Kongo. Ich bin persönlich davon überzeugt, dass dieses Land aufgrund seiner Lage im Herzen des Kontinents und aufgrund seines hohen Anteils an Katholiken eine wichtige Rolle zu spielen hat. Frauen spielen zum Beispiel eine wesentliche Rolle.
Leider befindet sich das Land wegen seiner Bodenschätze im totalen Chaos. Es gibt dort viel mehr Bodenschätze als anderswo in der Welt, und deshalb sind viele Länder – die Nachbarländer und der Westen – sehr daran interessiert. Wenn es irgendwo Bodenschätze gibt, ist der Krieg leider vorprogrammiert. Aber die Menschen dort haben einen Mut, eine Energie, die unglaublich ist.

Haben Sie bei der Erfüllung dieser Mission aus Ihrem Glauben geschöpft?
Mit Sicherheit, denn ich habe tief erfahren, dass alles, was ich vorgeschlagen habe, alle Initiativen, nicht aus mir selbst kamen, sondern vom Heiligen Geist, wie z.B. das Treffen zwischen den Bischöfen aus Afrika und Europa. Das kam nicht von mir selbst. Außerdem haben wir erfahren, dass die Bischöfe selbst unserer Fürsorge bedürfen. Es ist wesentlich, den Bischöfen zu helfen, damit sie besser dazu in der Lage sind, ihre Diözesen zu leiten. Dazu müssen wir für sie Sorge tragen. Daher bieten wir ihnen eine Auszeit in Form von Exerzitien für ganze Bischofskonferenzen an, und diejenigen, die bisher an einer solchen teilgenommen haben, waren sehr begeistert von diesem Vorschlag. So sind zum Beispiel alle Bischöfe aus dem Maghreb (Marokko, Tunesien, Libyen) zusammen in Senegal in einem Mönchskloster gewesen. Das war eine Premiere für sie, und sie waren begeistert.
Was werden Sie am meisten vermissen, wenn Sie jetzt in den Ruhestand gehen?
An erster Stelle die Reisen an Ort und Stelle, um die Situation besser zu verstehen und die Projekte zu entdecken. Jedes Projekt ist einzigartig. Unsere Brüder und Schwestern im Glauben schreiben ihren Antrag mit dem Herzen und erwarten unsere Hilfe. Deswegen habe ich ihnen immer gesagt: Wenn Ihr einen Projektantrag schreiben und unsere Wohltäter überzeugen wollt, müsst Ihr Euch vorstellen, dass Ihr einen Saal mit 100 Personen vor Euch habt, die Euch unterstützen wollen, und Ihr ihnen voller Herzblut Eure Erwartungen erklären müsst. Mit Eurem Herzen werdet Ihr sie überzeugen. Es ist wichtig, dass die Projekte auf solche Weise beschreiben werden, damit wir eine immer stärkere Brücke zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben bauen können.
Haben Sie Ihre Arbeit als eine „Mission“ empfunden?
Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist jede Situation einzigartig. Jedes Land hat seine eigene Lebenswirklichkeit und seine besonderen Bedürfnisse. Wir sind nicht in erster Linie dafür da, eine finanzielle Unterstützung zu bringen, sondern den Bischöfen, den Priestern, den Schwestern zuzuhören, ihren Alltag zu teilen und zu verstehen, was sie brauchen. Natürlich gibt es den Moment, in dem wir unbedingt finanzielle Unterstützung leisten müssen, das ist ganz klar! Aber es würde sie verletzen, wenn wir nur über finanzielle Aspekte sprechen würden. Zwischen uns und unseren Brüdern und Schwestern im Glauben besteht eine tiefe Gemeinschaft. Unsere Tätigkeit ist keine bloße Arbeit, sondern sie ist eine Mission, die der Herr uns anvertraut hat für das Wachstum der Kirche überall in der Welt.
Das gesamte Interview mit Thomas Heine-Geldern ist auf “Radio klassik Stephansdom” am 26. Juli um 17.30 Uhr zu hören.
Das Christentum ist als die am meisten verfolgte Religion der Welt. Das betont der geschäftsführende Präsident des internationalen päpstlichen Hilfswerks “Kirche in Not”, Thomas Heine-Geldern. Über 250 Millionen Christen leben demnach in Ländern, wo es Verfolgung und Diskriminierung gibt, “wo sie Bürger zweiter Klasse sind”, wie Heine-Geldern im Interview für die Wiener Kirchenzeitung “Der Sonntag” und “Radio klassik Stephansdom” betont. Religiöse Minderheiten seien häufig unterdrückt und “Christen sind in vielen Ländern eine solche”, erläutert der Jurist. Auch die Botschaft Jesu Christi werde oft in sich “als Ärgernis” gesehen.
Die Aufgabe des international tätigen katholischen Hilfswerks sei es daher, Missstände rund um Religionsfreiheit aufzuzeigen, “nicht um den Graben zu vertiefen und Hass und Zwiespalt zu sehen, sondern um diesen Menschen eine Stimme zu verleihen”.

“Kirche in Not” legt alle zwei Jahre einen Bericht zur Religionsfreiheit weltweit vor, der über den Zustand der verfolgen Christen, aber auch anderer religiöser Minderheiten informiert. Heine-Geldern: “Es geht uns um das Menschenrecht Religionsfreiheit. Da geht es nicht nur um Unterstützung von Christen, sondern auch um Buddhisten, Hindus und Muslime, ob die in einem Land verfolgt oder diskriminiert werden.”
Die Erkenntnisse des rund 800-Seiten starken Berichts seien die Basis für Gespräche mit Politikern und Entscheidungsträgern, erläuterte Heine-Geldern. “Kirche in Not” poche dabei auf die Forderung, dass “Religionsfreiheit, die Freiheit zur Ausübung einer Religion, oder zur Nichtausübung einer Religion ein fundamentales Menschenrecht ist, das geschützt werden muss”.

Zwar könnten Menschenrechte prinzipiell nur von staatlichen oder internationalen Organisationen geschützt werden, die kirchliche Stiftung könne jedoch hinweisen, “dass es ein absolut schützenswertes Gut ist und bleiben soll”.
Aktuelles Schwerpunktland von “Kirche in Not” ist Pakistan. Dort machen die Christen zwar nur zwei Prozent der Bevölkerung aus, zählen aber wegen der hohen Bevölkerungszahl einige Millionen Menschen. Sie “stehen sie auf der Sozialstufe sehr weit unten und sind daher diskriminiert”. Speziell in der Zeit der Corona-Krise bringe dies negative Auswirkungen mit sich, so seien Christen etwa von den normalen Hilfestellungen des Staates ausgenommen. “Kirche in Not” betreibt laut Heine-Geldern in Pakistan derzeit “Existenzhilfe” für christliche Familien, “damit sie überleben”.
In anderen Ländern sei Hilfe wiederum unmöglich. Als Beispiel nannte der “Kirche in Not”-Chef den Iran. Dort dürften anerkannte christliche Minderheiten wie die Armenisch-apostolische Kirche ihre Religion zwar weitgehend ausüben, jedoch nicht missionieren. Pastorale Projekte seien darum nicht möglich.

Eine massive Verschlechterung der Situation für Christen nimmt Heine-Geldern aktuell in der Sahelzone Afrikas wahr. In Ländern wie Burkina Faso, Mali, Niger oder Nigeria schürten fremde islamistische Prediger Hass gegen Minderheiten. “Es kommt verstärkt zu Zwischenfällen, wo Christen Kollateralgeschädigte sind, weil es um die Zerstörung der Institutionen des Staates, der Schulen und des Gesundheitswesens geht.” Und: “Immer mehr kommen die dort lebenden Christen aber auch ins Fadenkreuz der Banden.”
Das gesamte Interview mit Thomas Heine-Geldern ist auf “Radio klassik Stephansdom” am 26. Juli um 17.30 Uhr zu hören.
Die 23 Nationalbüros des Hilfswerks haben über 106 Millionen Euro Spenden gesammelt; fünf Millionen Euro am Gesamtergebnis stammen aus Vorjahresspenden. Die österreichischen Wohltäter von „Kirche in Not“ haben mit knapp 2,7 Millionen dazu beitragen. „Die Spendenbereitschaft und Treue unserer Wohltäter machen uns dankbar und demütig“, erklärte Herbert Rechberger, Nationaldirektor von „Kirche in Not“ Österreich.
Über 80 Prozent der Einnahmen von „Kirche in Not“ flossen in Projektarbeit, Information über die verfolgte Kirche und Gebetsinitiativen – die drei Hauptaufgaben des Hilfswerks. Die Verwaltungsausgaben lagen bei rund acht Prozent. Elf Prozent wurden für Wohltätergewinnung und -betreuung aufgewendet. Die sachgemäße Mittelverwendung ist von unabhängigen Wirtschaftsprüfern testiert. „Kirche in Not“ Österreich trägt darüber hinaus schon von Anfang an das Spendengütesiegel und hat seit 5. Februar 2019 auch die Spendenabsetzbarkeit.

Dank der stabilen Spendeneinnahmen konnte „Kirche in Not“ 211 Projekte mehr als 2018 unterstützen und war in über 1160 Diözesen der Weltkirche aktiv – das ist mehr als ein Drittel der Diözesen weltweit.
Schwerpunkt der Hilfen im Jahr 2019 war der afrikanische Kontinent. Fast ein Drittel der Projektausgaben ging dorthin, zum Beispiel in die Demokratische Republik Kongo, nach Nigeria, Kamerun und Burkina Faso. Diese Länder werden seit Jahren von fundamentalistischem Terror heimgesucht. „Die Not der Menschen vor allem in den Ländern der Sahel-Zone schreit zum Himmel. Sie fühlen sich von der Weltgemeinschaft im Stich gelassen“, erklärte Rechberger.
Ein Viertel der Projektgelder floss in den Nahen Osten, um die in ihrer Existenz bedrohten Christen zu unterstützen. „Kirche in Not“ leistet Aufbau- und Überlebenshilfe, zum Beispiel in Syrien und im Irak. Dort hatte das Hilfswerk in den vergangenen Jahren den Wiederaufbau von zerstörten Wohnhäusern in der Ninive-Ebene unterstützt. Nun wurde eine neue Phase eingeläutet: Auch Kirchen und Klöster werden jetzt nach und nach wieder instandgesetzt. Darunter befindet sich auch die Al-Tahira-Kirche in Karakosch (Baghdeda), die größte Kirche im Irak.
An dritter Stelle der Hilfsregionen von „Kirche in Not“ stand auch 2019 Osteuropa. Die mit Abstand meisten Gelder kamen der katholischen Minderheit in der Ukraine zugute. Dort wurden 2019 über 300 Projekte realisiert.

In Lateinamerika widmete „Kirche in Not“ besonders Venezuela gesteigerte Aufmerksamkeit. Das Land befindet sich in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Die Kirche in Venezuela ist oft die einzige Anlaufstelle für die Bevölkerung. Neben Brasilien gehen die meisten Hilfsgelder für diese Weltregion dorthin.
In Asien stehen besonders Pakistan und Indien im Fokus, wo islamistischer Fundamentalismus beziehungsweise ein übersteigerter hinduistischer Nationalismus das Leben der Christen bedrohen. Kürzlich hat „Kirche in Not“ ein Hilfsprojekt gestartet, damit pakistanische Christen während der Corona-Krise mit den lebensnotwendigsten Dingen versorgt werden können.
In allen Weltregionen hat „Kirche in Not“ 2019 die Unterstützung für angehende Priester und Ordensleute verstärkt. Mehr als 13 000 Ordensfrauen und -männer in Kriegsgebieten, den Elendsvierteln großer Metropolen und unwegsamen Regionen Afrikas, Lateinamerikas oder Asiens erhielten Hilfe für ihren Einsatz. „Kirche in Not“ unterstützte auch jeden siebten angehenden Priester weltweit bei der Ausbildung – insgesamt über 16 000 Seminaristen.
„Eine große Unterstützung und geistliche Verbundenheit sind Messstipendien“, die ca. ein Drittel der Spenden in Österreich ausmachen,“ erklärte Rechberger. Über 1,3 Millionen Gaben für die Feier der heiligen Messe in einem bestimmten Anliegen konnte „Kirche in Not“ 2019 an mittellose Priester weiterleiten. Die meisten von ihnen verwenden die Mess-Stipendien nicht nur für ihren eigenen Unterhalt, sondern auch für pastorale und soziale Aufgaben.

„Kirche in Not“ steht verfolgten und notleidenden Christen nicht nur unterstützend bei, sondern verleiht ihnen auch eine Stimme in Politik und Öffentlichkeit. Das Hilfswerk vermittelt regelmäßig ranghohe Kirchenvertreter zu Gesprächen vor EU- und UN-Institutionen. Publikationen wie der alle zwei Jahre erscheinende Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ oder die Studie „Verfolgt und vergessen?“ informieren aktuell über die Lage benachteiligter Christen und machen sich für das Menschenrecht auf Religionsfreiheit stark.
Auch die Aktion „Red Wednesday („Roter Mittwoch“) erweckt immer mehr Aufmerksamkeit: 2019 wurden in Österreich dutzende Kirchen und Gebäude rot angestrahlt, um auf die schwierige Lage der Religionsfreiheit hinzuweisen und zum Gebet für verfolgte Christen einzuladen.
Für alle diese Aktivitäten hofft Nationaldirektor Herbert Rechberger weiterhin auf Unterstützung, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklung: „Die Corona-Pandemie betrifft uns alle; Christen in Kriegs- und Krisenregionen aber stürzt sie noch weiter ins Elend. Wir konnten umfangreiche Hilfen bereitstellen, damit Priester und Ordensleute die Krise schultern und für die ihnen anvertrauten Menschen da sein können – materiell wie geistlich. Dazu zählen wir auf die Großherzigkeit unserer Wohltäter, die uns auch im vergangenen Jahr nicht im Stich gelassen haben.“

