
Ordensschwestern im Nordosten des Libanon haben ihr Kloster für hunderte Flüchtlinge geöffnet. Nach Informationen des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT suchen aktuell über 800 Menschen Schutz auf dem Klostergelände in Jabboulé in der Bekaa-Ebene im Nordosten des Libanon.
Am 23. September hatten dort israelische Luftangriffe begonnen, da die Region neben dem Südlibanon und der Hauptstadt Beirut als Hochburg der Hisbollah gilt. Die Militäroperation treffe neben militärischen Zielen auch die Zivilbevölkerung, wie Schwester Joselyne Jumaa, die Generaloberin der Schwestern „Notre Dame du Bon Service“, berichtet: „In der ersten Nacht der Angriffe strömten bereits dutzende Menschen zu uns.“ Ein paar Tage später seien es bereits über 800 Flüchtlinge gewesen. „Wir sind am Limit und können keine weiteren Personen mehr aufnehmen.“ Viele Menschen hätten infolge der Angriffe ihr Hab und Gut verloren oder seien traumatisiert.

Die 15 Ordensfrauen, die der unierten melkitischen griechisch-katholischen Kirche angehören, betreiben in Jabboulé eine Schule und ein Waisenhaus. Beide Einrichtungen stehen Christen wie Muslimen offen. So hätten auch jetzt zahlreiche muslimische Nachbarn um Obdach gebeten, berichtet Schwester Joselyne: „Sie haben so viel Vertrauen zu uns, dass wir häufig von ihnen hören: ,Euer Kreuz wird uns schützen’.“
KIRCHE IN NOT hat der Schwesterngemeinschaft Soforthilfen zur Verfügung gestellt, um Lebensmittel, Medikamente, Hygieneartikel und Unterkünfte für die Schutzbedürftigen zu finanzieren. Mittlerweile sind die ersten Hilfsgüter angekommen.
Die Schwestern verteilen diese nicht nur, sondern bereiten jeden Tag das Frühstück und eine warme Mahlzeit für die Flüchtlinge zu. Für die zahlreichen Kinder organisieren sie zweimal pro Woche Spielgruppen, um ihnen ein Stück Normalität zu bieten und sie etwas abzulenken. „Wenn die Eltern selbst in Panik sind und ihre Kinder nicht mehr beruhigen können, nehmen wir Schwestern sie in die Arme. Wir sagen ihnen: Ihr seid sicher, weil ihr euch im Haus Gottes befindet“, sagt Schwester Joselyne.

Viele Menschen suchten das Gespräch mit den Ordensfrauen: „Die Menschen vertrauen uns ihre Ängste und ihre Angst vor dem nächsten Tag an. Wir sind immer ansprechbar, wenn es irgendwo ein Problem gibt.“ Die Flüchtlinge packten in der Unterkunft auch selbst mit an, betonen die Ordensfrauen: Die Männer hacken Holz und helfen beim Verteilen der Hilfsgüter, die Frauen helfen in der Küche. Die Solidarität sei hoch.
Auch würden viele Menschen darum bitten, in der Kirche beten oder sich einfach nur dort aufhalten zu dürfen. So sammelten sie Kraft für die täglichen Herausforderungen. Diese würden nicht weniger, klagt die Oberin: „Der Winter steht vor der Tür. Wie sollen wir Strom, Heizung und Warmwasser sicherstellen und finanzieren? Wir bitten dringend um Gebet und Hilfe.“
Nach einem Überraschungsangriff dschihadistischer Gruppen im Nordwesten Syriens hat ein Projektpartner sich mit der Bitte um Gebet und Hilfe an KIRCHE IN NOT (ACN) gewandt: „Angst macht sich breit. Die Lage ist sehr angespannt“, teilte Pater Hugo Alaniz mit.
Die Kämpfe zwischen syrischer Armee und Milizen seien weniger als zehn Kilometer von Aleppo entfernt, sagte der argentinische Ordensmann, der dem „Institut des inkarnierten Wortes“ angehört. „Es gibt heftige Zusammenstöße mit vielen Toten und Verletzten. Die Krankenhäuser sind überlastet.“ Die Dschihadistengruppen hätten mehrere Dörfer eingenommen, die wichtige Verkehrsroute zwischen Aleppo und Damaskus sei für die Zivilbevölkerung derzeit nicht passierbar.
Angesichts von Meldungen, dass die Milizen auf Aleppo vorrücken könnten, mache sich Unsicherheit und Furcht unter den Einwohnern breit, sagte der Pater. Auf seiner an KIRCHE IN NOT übersandten Sprachnachricht sind im Hintergrund Explosionen zu hören.

Die örtlichen Kirchengemeinden seien für Schutzsuchende geöffnet, auch wenn sie dies zu einem potenziellen Angriffsziel machte, so Alaniz. Unter den Christen stellt er ein großes Gottvertrauen fest. „Wir bitten um das Gebet in dieser Situation. Hoffentlich geht sie schnell vorüber.“
KIRCHE IN NOT hat seit Beginn des Syrienkriegs im Jahr 2011 Projekte im Umfang von über 60 Millionen Euro unterstützt. Unser Hilfswerk finanziert die Verteilung von Lebensmitteln und Medikamenten, Schul- und Studiengebühren, Mietbeihilfen, Kinderfreizeiten und vieles andere mehr. Nach dem Erdbeben im Norden Syriens im Februar 2023 brachte KIRCHE IN NOT Sofort- und Wiederaufbauhilfen auf den Weg.
Die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN), Regina Lynch, rief angesichts der jüngsten Eskalation erneut zu Gebet und Hilfe auf: „Beten wir um Frieden, den Schutz der Schwächsten und ein schnelles Ende der Gewalt in einem Land, das bereits seit über einem Jahrzehnt unermesslich leidet.“
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Beobachter befürchten zunehmende soziale und religiöse Spannungen aufgrund der zunehmenden Flüchtlingsströme im Libanon. „Das könnte den Boden für künftige Konflikte bereiten“, erklärt die Projektkoordinatorin von KIRCHE IN NOT (ACN) im Libanon, Marielle Boutros. Schon jetzt seien einige Libanesen vorsichtig bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Süden des Landes, da sie befürchten, dass deren Anwesenheit zu Angriffen führen könnte.
Mittlerweile seien rund ein Viertel der Einwohner des Libanon, insgesamt 1,5 Millionen Menschen, innerhalb des Landes auf der Flucht. Die meisten hielten sich im Libanongebirge und in noch weiter nördlichen Landesteilen auf. „Es fehlt ihnen an allem: Nahrung, medizinische Versorgung, Wasser, Kleidung, Hygieneartikel. Sie konnten nichts mitnehmen“, berichtet Boutros. Viele Menschen suchten Zuflucht in Gegenden, in denen mehrheitlich Christen leben. Das stellt die Diözesen vor große Herausforderungen.

„Die Kirche hat schnell reagiert. Die kirchlichen Mitarbeiter empfangen die Menschen immer noch mit viel Nächstenliebe“, stellt Boutros fest. Doch mittlerweile seien viele Menschen körperlich wie psychisch am Ende. Obwohl die Militäraktion hauptsächlich terroristischen Zielen der Hisbollah gelte, seien viele Menschen ständig in Gefahr, Opfer von Kollateralschäden zu werden. „Die Erschöpfung wird jetzt sowohl auf Seiten der Flüchtlinge als auch auf der Seite der Helfer allzu deutlich, und sie wird noch zunehmen“, zeigt sich die Mitarbeiterin von KIRCHE IN NOT besorgt.
Hinzu komme, dass der Libanon politisch und wirtschaftlich schon seit Jahren in der Krise sei. Das wirke sich auch auf die Arbeit der Kirche aus: „Man darf nicht vergessen, dass sie während der Finanzkrise ihre Ersparnisse verloren und dennoch ihre karitativen Dienste weitergeführt hat. Viele kirchliche Mitarbeiter haben kein festes Einkommen. Es ist wirklich bedrückend.“

Die Menschen im Libanon stellten sich auf einen schwierigen Winter ein; ein Ende der Kämpfe sei nicht abzusehen. Vor allem die Bewohner aus dem Südlibanon könnten in absehbarer Zeit nicht zurück. Marielle Boturos schätzt, dass viele Christen vielleicht schneller zurückkehren könnten, da ihre Häuser weniger beschädigt seien. Dennoch sei ein Wiederaufbau ohne ausländische Hilfe nicht möglich, da die meisten Menschen über keinerlei Ersparnisse mehr verfügten.
KIRCHE IN NOT unterstützt aktuell 15 Projekte von Diözesen und Ordensgemeinschaften, die sich um Binnenflüchtlinge kümmern. Darüber hinaus liege eine Priorität bei der Hilfe für katholische Schulen, von denen viele aufgrund der Sicherheitslage auf Onlineunterricht umgestellt haben, erklärte Boutros: „Neben all der pastoralen Arbeit, die von den Diözesen und Orden geleistet wird, ist das Bildungssystem sehr wichtig. Wenn es im Libanon etwas gibt, das im Moment Bestand hat, dann sind es die katholischen Schulen.“

Angesichts der kriegerischen Auseinandersetzung im Libanon startet das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) eine Nothilfekampagne. Ziel ist es, die Kirchen im Libanon, die sich um Flüchtlinge und Betroffene des Krieges kümmern, mit über einer Million Euro zusätzlich zu unterstützen.
Libanesischen Regierungsangaben zufolge sind bereits mehr als eine Million Menschen auf der Flucht. Von der Raketen- und Bodenoffensive im Kampf gegen die Terrormiliz Hisbollah sind neben dem israelischen Grenzgebiet im Südlibanon besonders die Hauptstadt Beirut, das Libanongebirge und der Norden des Landes betroffen. In diesen Regionen haben die christlichen Kirchen ihre Tore geöffnet und bieten Schutz für diejenigen, die aus Kampfgebieten fliehen mussten.
Viele Binnenflüchtlinge sind in Gemeinderäumen, kirchlichen Schulen oder Seniorenheimen sowie christlichen Privatfamilien untergebracht. Die Unterkünfte stehen laut Kirchenvertretern allen Menschen unabhängig von Religion oder Herkunft offen.

KIRCHE IN NOT steht aktuell in Kontakt mit sieben libanesischen Diözesen und fünf Ordensgemeinschaften, die sich besonders für Flüchtlinge einsetzen. Aktuell besteht hoher Bedarf an Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Matratzen, Decken und Medikamenten. „Kirche in Not“ wird in einem ersten Soforthilfeprogramm Gelder zur Verfügung stellen, damit die Anlaufstellen das Nötigste erwerben können.
Ein besonderes Augenmerk gilt der christlichen Bevölkerung im Südlibanon. Sie ist direkt von den Militärmaßnahmen gegen die Hisbollah betroffen, deren Erstarken sie in den vergangenen Jahren mit Sorge beobachtet hat.
Viele Christen im Südlibanon sind Bauern, die aufgrund der Kämpfe ihre Oliven- und Tabakernte nicht einbringen konnten und nun ohne Einkommen dastehen. Auch katholische Schulen, die mittlerweile größtenteils auf Onlineunterricht umgestellt haben, werden weitere Hilfe benötigen, da die Eltern sich nicht mehr an den Kosten beteiligen können. Hinzukommt, dass viele Familien im Libanon durch die Finanz- und Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre verarmt sind.

„Der Libanon durchlebt seit Jahrzehnten unzählige Schwierigkeiten, und jetzt auch noch den Krieg“, erklärte Regina Lynch, die geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN) am internationalen Sitz des Hilfswerks in Königstein im Taunus. Trotz aller Herausforderungen sei die Kirche im Land nach wie vor bei den Menschen. KIRCHE IN NOT werde die Projektpartner auch jetzt nicht im Stich lassen. „Wir sind zuversichtlich, dass viele unserem Aufruf folgen, um die Kirche im Libanon bei ihrer wichtigen Arbeit für die Betroffenen des Krieges zu unterstützen.“
Im Libanon sind gut ein Drittel der sechs Millionen Einwohner Christen. Ihre Zahl geht seit Jahren zurück, dennoch ist die christliche Gemeinde im Libanon die größte im Nahen Osten.

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Der Krieg im Heiligen Land führt zu einer verstärkten Abwanderung junger Christen aus Israel und den Palästinensischen Gebieten. Das teilten zahlreiche Gesprächspartner bei einem Besuch einer Delegation des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT mit. „Viele junge Leute haben keine Hoffnung mehr. Sie stellen Heirat und Familiengründung zurück und versuchen, das Land zu verlassen“, stellt die Leiterin der Sozialdienste im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, Dima Khoury, fest. Es sei schwer, den Menschen angesichts der aktuellen Situation Hoffnung zu vermitteln.
Das glaubt auch Jugendseelsorger Louis, der in Ramallah im Westjordanland eine Gruppe der katholischen Organisation „Youth of Jesus’ Homeland“ leitet. „Wir bitten die Jugendlichen eindringlich, nicht auszuwandern. Wenn die Christen gehen, werden die heiligen Stätten wie kalte und verlassene Museen sein.“

Berechnungen des Berichts „Religionsfreiheit weltweit 2023“ von KIRCHE IN NOT zufolge liegt die Zahl der Christen in den Palästinensischen Gebieten bei rund 50 000, in Israel unter 180 000, darunter sind auch zahlreiche arabische Christen mit israelischer Staatsbürgerschaft. Die Tendenz zur Abwanderung hält seit Jahren an und hat sich durch die Terroranschläge der islamistischen Hamas und den darauffolgenden Krieg verstärkt.
„Wie so viele Menschen wünschen wir uns einfach unser Leben vor dem 7. Oktober 2023 zurück, als die Hamas Israelis angriff“, berichtet der junge christliche Journalist Raffi Ghattas aus Ostjerusalem. Auch vor dem jüngsten Krieg sei der Alltag zwar von Kontrollen und verschärften Lebensbedingungen geprägt gewesen, aber das hätten die Christen als Normalität wahrgenommen, erzählt Ghattas. Viele arabischsprachige Christen seien in Jerusalem vom West- in den Ostteil der Stadt abgedrängt worden, wo sie wegen der hohen Immobilienpreise kaum Eigentum erwerben konnten. „Die Mieten verschlingen fast ein ganzes Einkommen“, erläutert Dima Khoury.

Auch im Westjordanland hat sich die Situation für viele Christen verschärft. Vor dem Krieg hatten rund 180 000 Palästinenser eine Arbeitserlaubnis für Israel; diese wurden aus Sicherheitsgründen zunächst alle widerrufen und bislang nur etwa für etwa 10 000 Personen erneuert. Das spüren auch zahlreiche junge Christen wie der Schmied Shaheen, der KIRCHE IN NOT beim Treffen einer Jugendgruppe in Ain Arik bei Ramallah berichtet: „Vor dem Krieg habe ich in Israel umgerechnet etwa 100 Euro pro Tag verdient, heute komme ich auf etwa zehn Euro.“
Die jungen Erwachsenen treffen sich in einem verlassenen Gebäude, das mit Hilfe von KIRCHE IN NOT zu einem neuen Jugendzentrum umgebaut werden soll. „Wir haben uns für diese Lage abseits der Stadt und im Zentrum des Westjordanlands entschieden, damit möglichst viele junge Leute zu Bibel- und Gruppenstunden, Exerzitien und Sommercamps kommen können“, erzählt Jugendseelsorger Louis.
Anders als im Westjordanland oder in Ostjerusalem besitzen zahlreiche arabische Christen im Norden Israels zwar die israelische Staatsbürgerschaft, fühlen sich jedoch seit Kriegsausbruch dennoch häufig als Bürger zweiter Klasse. „Der Krieg hat zu mehr Trennung und Diskriminierung geführt. Viele arabischsprachige Christen empfinden sich weder als Israelis noch als Palästinenser“, berichtet der Priester Johnny Abu Khalil.
Er baut aktuell mit Unterstützung von KIRCHE IN NOT in Haifa ein Jugendgästehaus und ein Restaurant auf. Dieses Lokal richtet sich besonders an junge Menschen, die eher vor „offiziellen“ Veranstaltungen zurückschrecken. „Hierher können sie ganz ungezwungen kommen. Wenn sie sehen, dass ein Seelsorger da ist, fangen sie oft an, Fragen nach dem Glauben oder der Lebensgestaltung zu stellen“, stellt Khalil fest.

Schwierig ist aktuell die Lage auch für die Nachkommen von Migranten und Asylbewerbern, die oft zu den ärmsten Gesellschaftsschichten gehören. Unter ihnen sind zahlreiche Christen, deren Eltern in der Alten- und Krankenpflege tätig sind oder die einfach Hilfsarbeit verrichten. Von ihnen fühlen sich viele als Israelis, die Staatsbürgerschaft erhalten sie aber dennoch nicht.
Denn das israelische Bürgerrecht ist gegenüber nichtjüdischen Ausländern oft restriktiv, weiß Piotr Zelasko, der im Auftrag des Lateinischen Patriarchats für die kleine hebräischsprachige Gemeinde in Israel zuständig ist: „Die Nachkommen der Zuwanderer fühlen sich oft zu hundert Prozent als Israelis. Sie sprechen wie sie, kleiden sich wie sie, hören dieselbe Musik wie sie. Und doch droht ihnen die Abschiebung.“
Früher habe Israel jungen Migranten die Staatsbürgerschaft angeboten, wenn sie Militärdienst leisteten. Aber auch das ist jetzt im Krieg nicht mehr so. „Für einige nationalistische Politiker ist es wichtiger, ,Israel reinzuhalten’. Sie verwenden wirklich solche Begriffe; es ist sehr schmerzhaft, das zu hören.“ Für junge Christen in Israel würde die Lage dadurch immer prekärer.

„Kirche in Not“ hat bereits in den vergangenen Monaten Medikamente und Lebensmittel für die Mitglieder der christlichen Gemeinde von Ain Ebel finanziert. Das geht auch jetzt weiter, es muss weitergehen, betont Schwester Maya: „Die Medien sprechen von den Menschen, die geflüchtet sind. Aber kaum einer spricht von den vielen Christen, die geblieben sind.“
Die Menschen fürchteten, ihre Heimat für immer zu verlieren. Deshalb seien auch viele Christen zurückgekommen, die sich zunächst vor den Kämpfen zwischen Hisbollah und israelischem Militär in andere Region in Sicherheit gebracht hätten, vor allem in die Hauptstadt Beirut. „Das Leben dort war zu teuer, und viele Familien konnten die Trennung nicht ertragen. Viele Männer sind ja hiergeblieben“, erzählt Schwester Maya.

Ihr Kloster St. Joseph betreibt eine Schule, die Kinder aus 32 umliegenden Dörfern besuchen. Doch aufgrund der Sicherheitslage musste der Präsenzunterricht jetzt ausgesetzt werden. „Die Kinder wären hier nicht sicher“, zeigt sich Schwester Maya besorgt. Umso dankbarer seien viele Menschen für die Präsenz von Priester und Ordensschwestern. Auch in der benachbarten Ortschaft Rmeich seien noch zwei Ordensgemeinschaften geblieben und kümmerten sich um die Verteilung von Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs.
Vielen Menschen sei noch der Krieg von 2006 in Erinnerung, in dem ebenfalls Israel und die Hisbollah gegeneinander kämpften, berichtet Schwester Maya. Gleichzeitig wachse jetzt die Angst vor einer Bodenoffensive: „Die Situation ist schrecklich. Danke für Ihre Gebete, für jede Unterstützung.“
Angesichts der anhaltenden Luftangriffe auf die Hochburgen der Hisbollah im Süden Libanons befürchtet die Beiruter Projektkoordinatorin von KIRCHE IN NOT, Marielle Boutros, dass noch mehr Menschen das Land verlassen, insbesondere Christen.
Bei einem Besuch in der Internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus erklärte sie: „Der gesamte Südlibanon ist ins Visier genommen, dort leben viele Christen. Es handelt sich nicht um ausschließlich schiitische oder Hisbollah-dominierte Gebiete, zahlreiche christliche Familien sind dort zu Hause.“ Einige hätten bereits ihre Häuser verloren und suchten nun Schutz in anderen Teilen des Landes wie in der Hauptstadt Beirut, im Libanongebirge und im Norden.
In Beirut seien bereits mehrere Ziele getroffen worden, „wenngleich sie sich vorwiegend auf schiitische Gebiete beschränken, in denen die Hisbollah, eine schiitische politische Partei und Miliz, stark unterstützt wird“. Dennoch seien die Auswirkungen in der ganzen Stadt spürbar. „Die Menschen hören den ganzen Tag den Lärm von Militärflugzeugen und Drohnen“, berichtet Boutros.

Sie befürchtet, dass der aktuelle Konflikt in Libanon zu einem weiteren Exodus der Christen führen könnte, wodurch deren Präsenz und Einfluss in der Region schwinden würde. „Ich bin 37 Jahre alt und habe mehr als fünf Kriege in Libanon erlebt. Es ist schwer, in einem Land zu leben, in dem man an einem Tag in Sicherheit ist und sich am nächsten Tag vor Raketen verstecken muss.“
Bislang seien die Projekte von KIRCHE IN NOT noch nicht betroffen, bestätigte Boutros. Im Süden des Landes und im Bekaa-Tal im Osten würden derzeit vor allem Lebensmittel und Hygieneartikel verteilt.
Zwar seien die katholischen Schulen, die KIRCHE IN NOT verstärkt unterstützt, derzeit vorübergehend geschlossen, aber die Umstellung auf Online-Unterricht sei im Gange. Libanon ist eines der wichtigsten Förderländer von KIRCHE IN NOT. Im Jahr 2023 hat das Hilfswerk 237 Projekte mit fast sieben Millionen Euro gefördert.
Boutros blickt aber schon voraus. „Viele Menschen leben derzeit in Pfarrgemeindesälen, weshalb sie Lebensmittel, Hygieneartikel, Matratzen und Decken benötigen.“ Sollte der Konflikt anhalten, würden im Winter auch Heizungen gebraucht – „obwohl wir natürlich hoffen, dass er nicht so lange dauern wird“, ergänzte Boutros.

Neben der materiellen Unterstützung ruft Marielle Boutros alle Wohltäter und Freunde von KIRCHE IN NOT dazu auf, für den Frieden zu beten. „Wir hoffen, dass der Friede endlich in Libanon und der gesamten Region einkehrt.“
„Wir hatten gedacht, dass der Krieg nach ein paar Monaten zu Ende sein würde, das war nicht der Fall. Jetzt fürchten wir, dass das Heilige Land zum nächsten Syrien wird, zu einem Krieg ohne Ende.“ Das erklärte die Verantwortliche für soziale Dienste im Lateinischen Patriarchat von Jerusalem, Dima Khoury, beim Besuch einer Delegation von KIRCHE IN NOT vor wenigen Wochen.
Der Gaza-Krieg habe nicht nur Auswirkungen auf die Menschen in den unmittelbaren Kampfgebieten, sondern in allen Landesteilen Israels und den Palästinensischen Gebieten, so Khoury: „Die Mittelschicht wurde arm, und die Armen noch ärmer. Viele Familien, die eigene Unternehmen besaßen, haben das Land verlassen.“
Die christliche Minderheit sei von den Kriegsauswirkungen hart betroffen, vor allem viele Christen aus dem Westjordanland könnten nicht mehr zum Arbeiten auf israelisches Staatsgebiet einreisen. Das bestätigte gegenüber der KIRCHE-IN-NOT-Delegation auch der Weihbischof William Shomali, der unter anderem für die Christen in Jerusalem und in den Palästinensischen Gebieten zuständig ist: „Der größte Bedarf besteht an Einreisegenehmigungen aus dem Westjordanland nach Israel.“

Früher seien etwa 160 000 Christen regelmäßig über die Grenze gependelt, jetzt seien es schätzungsweise weniger als 10 000. „Aber die Menschen wollen wirklich arbeiten. Ich bekomme fast jeden Tag Anrufe von Menschen aus dem Westjordanland. Einige können ihre Miete nicht zahlen, andere können sich keine Lebensmittel mehr leisten“, berichtete Shomali.
KIRCHE IN NOT hat darum nach den Terroranschlägen vom 7. Oktober 2023 und der darauffolgenden Militäraktion die Nothilfe für Christen im Heiligen Land verstärkt. Aktuell erhalten über 600 Familien Lebensmittelgutscheine, 128 Familien Zuschüsse für ihre Strom- und Wasserrechnung. „Vor allem in Ostjerusalem haben wir ein ernstes Wohnungsproblem. Hier leben die meisten Christen in Mietwohnungen und sind von der Zwangsräumung bedroht“, erklärte Khoury.

200 Personen mit chronischen oder akuten Erkrankungen wie Diabetes und Krebs bekommen über die Kirchengemeinden lebensnotwendige Medikamente. Auch Schul- und Studiengebühren werden teilweise über das Lateinische Patriarchat übernommen.
Neben der akuten Nothilfe hat KIRCHE IN NOT auch ein Arbeitsbeschaffungsprogramm für Christen in Ostjerusalem und im Westjordanland angestoßen. Dabei werden zum Beispiel arbeitslose Christen zu Renovierungsarbeiten in kirchlichen Einrichtungen herangezogen und angemessen bezahlt. „Dieses Programm hat einen dreifachen Nutzen: Wir unterstützen Familien, bringen Geld in die Gemeinde und erhalten einige christlich geführte Organisationen am Leben“, erläuterte die Khoury.
Außerdem trägt KIRCHE IN NOT auch die Kosten für Umschulungen. Christen, die vorher überwiegend im Tourismussektor tätig waren, sollen so die Möglichkeit bekommen, in neuen Bereichen Fuß zu fassen, zum Beispiel in der IT-Branche. „Ich schätze die Unterstützung von KIRCHE IN NOT bei der Schaffung von Arbeitsplätzen, anstatt ausschließlich Almosen zu geben. Das ist ein guter Weg, die Würde der Menschen zu wahren“, betonte Weihbischof Shomali.

KIRCHE IN NOT sei eine der ersten Organisationen gewesen, die nach dem Kriegsausbruch Hilfe angeboten habe, betonte auch der Verwaltungsdirektor des Lateinischen Patriarchats von Jerusalem, Sami El-Yousef: „Es war ein Segen, dass wir so früh Unterstützung erhalten haben, denn so konnten wir vom ersten Tag an handeln. Wir sind wirklich eine Kirche in Not. Wir brauchen jede Unterstützung, die wir von unseren Freunden in der ganzen Welt bekommen können.“
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Verwendungszweck: Heiliges Land
In Darayya, einem Vorort der syrischen Hauptstadt Damaskus, können 15 katholische Familien in ihre wiederaufgebauten Häuser zurückkehren. KIRCHE IN NOT unterstützt sie dabei. Einem von mehreren Überlieferungssträngen zufolge soll sich die Bekehrung des Apostels Paulus in der Umgebung von Darayya zugetragen haben. Nun ist die christliche Präsenz nach Jahren des Krieges dort wieder gesichert.
Strahlend steht das Ehepaar Farida vor ihrem schlichten Häuschen, als eine Delegation von KIRCHE IN NOT zu Besuch kommt. Die Spuren von Gewehrsalven und Granatexplosionen sind an den Außenmauern noch deutlich zu erkennen. Die Innenräume sind mit dem Allernötigsten ausgestattet: ein Ofen, ein Sofa, ein kleiner Tisch und ein paar Stühle, eine Garderobe. Stolz führen die Faridas durch die Räumlichkeiten.
Sie sind eine der christlichen Familien, die nach Darayya zurückkehren konnten. Die Stadt am Rand von Damaskus gehörte zu den Hauptschauplätzen des Syrischen Bürgerkriegs. Vorher lebten lokalen Angaben zufolge um die 300 000 Einwohner in Darayya. Es war eine wohlhabende Gegend, vor allem dank einiger renommierter Möbelfabriken und der florierenden Landwirtschaft.

Nach Kriegsausbruch wurde die Stadt zu einer Hochburg des Aufstands gegen das Assad-Regime. Regierungs- und Rebellentruppen lieferten sich erbitterte Kämpfe; einige Zeit stand die Stadt unter Kontrolle der „Brigade der Märtyrer des Islam“. Als 2016 ein Abkommen zwischen Regierung und Aufständischen zustande kam, war die Stadt zu 90 Prozent zerstört. Darunter waren auch zahlreiche Kirchen. Die Stadt galt als ein wichtiges christliches Zentrum in der Hauptstadtregion.
„Vor dem Krieg lebten ungefähr 150 christliche Familien in Darayya. Nach dem Ende der Kämpfe konnten sie aber nicht mehr zurück, weil ihre Häuser dem Erdboden gleichgemacht wurden“, erklärt der Projektleiter von KIRCHE IN NOT, Marco Mencaglia. Viele Christen seien deshalb nach Europa oder in die USA ausgewandert oder hätten sich in Nachbarstädten niedergelassen.

„Diejenigen, deren Häuser nicht vollständig zerstört sind, sehnen sich sehr danach, zurückzukehren. Aber ihnen fehlt das Geld für die Reparaturen.“ So wie Abou Rashad, einem Familienvater, der beim Besuch der KIRCHE-IN-NOT-Mitarbeiter in seiner ausgebombten Erdgeschosswohnung steht. Er zeigt auf die Schuttwüste davor, die einmal sein geliebter Garten war. KIRCHE IN NOT hat ihm und weiteren Familien Hilfe zugesagt, damit sie heimkehren können.
Georges Jbeil war einst Pfarrer in Darayya. Heute ist er Ökonom der melkitischen griechisch-katholischen Erzdiözese von Damaskus. Er freut sich, dass in der Stadt bald wieder christliches Gemeindeleben stattfinden kann: „Bereits 2022 hatten wir den Wiederaufbau der Pfarrkirche beendet in der Hoffnung, dass bald auch die Gemeindemitglieder zurückkehren können. Bis jetzt waren es nur wenige. Aber dank der Hilfe von KIRCHE IN NOT können jetzt weitere folgen. So kann hier das Licht des christlichen Glaubens wieder leuchten.“

Von den rund 1,5 Millionen syrischen Christen vor dem Bürgerkrieg leben Schätzungen zufolge heute noch weniger als 500 000 im Land, oft werden weit niedrigere Zahlen angegeben. Aufgrund der wirtschaftlichen und humanitären Misere setzt sich der Trend zur Auswanderung fort. KIRCHE IN NOT versucht mit den Partnern vor Ort, den Fluchtursachen entgegenzuwirken und die christliche Präsenz in Syrien zu erhalten.
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Verwendungszweck: Syrien
Am 3. Mai ist „Internationaler Tag der Sonne“. Er wurde von den Vereinten Nationen initiiert, um auf das Potenzial der Sonnenenergie hinzuweisen. In vielen Ländern ist Sonnenergie mehr als eine alternative Energieform. Ohne Sonne wäre Strom dort unbezahlbar und der Betrieb von Computern, Waschmaschinen oder medizinischen Geräten nicht aufrechtzuerhalten. Zum Beispiel in Syrien und im Libanon.
Dort finanziert KIRCHE IN NOT Solaranlagen auf den Dächern von kirchlichen Schulen, Klöstern oder Pfarrzentren. In den vergangenen Jahren wurden dazu knapp zwei Millionen Euro bereitgestellt. 37 Pfarren, 24 Klöster, 22 Schulen, sieben Priesterseminare und weitere Einrichtungen konnten dadurch Solaranlagen auf ihren Dächern installieren.

Strom ist, wie viele andere Dinge des täglichen Bedarfs, in diesen Ländern unerschwinglich geworden; in Syrien stiegen die Preise zuletzt um 500 Prozent. Im Libanon kommt der Strom in vielen Haushalten nur etwa vier Stunden am Tag aus der Steckdose. Mehr gibt das öffentliche Versorgungsnetz nicht her. Viele Haushalte müssen deshalb auf brennstoffbetriebene Generatoren zurückgreifen. Aber auch Benzin oder Diesel sind sehr teuer, abgesehen von der schlechten Umweltbilanz. In Syrien ist die Situation noch schlimmer: Dort gibt es maximal drei Stunden Strom am Tag, manchmal auch gar nicht. Stromgeneratoren sind dort kaum noch zu bekommen, oder werden von zwielichtigen Unternehmen angeboten.
All das hat auch Auswirkungen auf die kirchliche Arbeit in diesen Ländern: Pfarreien, die Suppenküchen betreiben, können die dazu notwendigen Lebensmittel nicht mehr kühlen. Einkehrtage oder Veranstaltungen sind wegen der hohen Strompreise in den Herbst- und Wintermonaten kaum mehr durchführbar. Und kirchliche Waisenhäuser, Pflegeheime, Kliniken, Kindergärten oder Schulen können ohne Strom nur eingeschränkt arbeiten.

Deshalb haben sich zahlreiche Einrichtungen hilfesuchend an KIRCHE IN NOT gewandt. Sie wollen selbst Strom produzieren, um damit unabhängig zu werden und ihren Betrieb aufrechterhalten zu können. Eine dieser Einrichtungen ist die Pfarrei St. Tekla in Qartaboun, einem Stadtteil von Byblos, rund 40 Kilometer nördlich von Beirut. Bislang musste die Pfarrei täglich umgerechnet 60 Dollar allein für Stromkosten bezahlen. Jetzt liegen diese Kosten nur noch bei drei Dollar – dank der Sonnenkollektoren auf dem Dach. Das bedeute mehr Geld für die pastoralen und karitativen Aktivitäten der Gemeinde, berichtet Pfarrer Christian Gerges gegenüber KIRCHE IN NOT.
Eine lebenswichtige Erleichterung stellen die Solaranlagen auch für Klostergemeinschaften dar, die täglich zahlreiche Mahlzeiten für Menschen mit Behinderung, pflegebedürftige und ältere Personen zubereiten. So berichtet Schwester Yaout von der Kongregation der Heiligen Familie aus Qartaboun, die sich um Menschen mit Behinderung kümmern: „Wir haben nicht nur Stromkosten gespart, wir können auch unsere Lebensmittel besser kühlen.“ Das spare Zeit, weil nicht ständig frische Lebensmittel gekauft werden müssten und sichere auch die Qualität der Speisen.

Positive Auswirkungen vermeldet auch die von der Ordensgemeinschaft der Antonianer betriebene Schule in Zgharta, das in der Nähe der Hafenstadt Tripolis liegt. Ein Lehrer berichtet: „Die Sonnenkollektoren haben viel verändert, insbesondere in Bezug auf den Unterricht. Wir haben jetzt Strom, um zum Beispiel digitale Tafeln und andere Hilfsmittel zu verwenden und können so unter besseren Bedingungen unterrichten. Danke an KIRCHE IN NOT und alle, die das möglich gemacht haben.“ Das Hilfswerk wird sein Programm zur Förderung von Solaranlagen in kirchlichen Einrichtungen in Syrien, im Libanon und anderen Ländern fortsetzen – im Nahen und Fernen Osten, aber auch in Afrika.
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Verwendungszweck: Naher Osten
KIRCHE IN NOT sieht angesichts der anhaltenden Krisenlage im Nahen Osten die Gefahr einer weiteren Auswanderungswelle der christlichen Gemeinschaften. Mit zahlreichen Hilfsprojekten versucht unser Hilfswerk dem entgegenzusteuern.
„90 Prozent der syrischen Bevölkerung denkt ans Auswandern“, berichtet etwa Basilios Gergeos von der melkitisch-katholischen Pfarrei St. Joseph in der Hauptstadt Damaskus. Sowohl Muslime als auch Christen verlassen das Land. Allerdings ist die Zahl der syrischen Christen ohnehin schon so gering, dass die Präsenz des Christentums im Land generell infrage gestellt ist. Aktuellen Schätzungen zufolge leben nur noch um die 175 000 christliche Familien im Land – und der Auswanderungsstrom reißt nicht ab.
Schwester Annie Demerjian von der Kongregation der „Schwestern Jesu und Mariens“ und langjährige Projektpartnerin von KIRCHE IN NOT ist wütend über die Situation: „Nach 13 Jahren Leid haben viele Menschen die Hoffnung verloren. Manche sagen sogar, dass es ihnen während des Kriegs noch besser ging als heute. Das ist schrecklich.“ Die Entwicklung sei an einem entscheidenden Punkt angekommen: „Entweder wir geben den verbleidenden Christen eine Perspektive oder sie gehen alle.“

Auch im Nachbarland Libanon wandern so viele Menschen aus, dass die Behörden bereits 2022 die Ausgabe von Reisedokumenten gestoppt haben. Damals war die Zahl der Passanträge auf über 8000 pro Tag angestiegen. Besonders Christen, die sehr gut ausgebildet sind, verlassen das Land. Aktuell herrscht im Libanon große Angst vor einer Ausweitung des Gaza-Kriegs, was den Druck zur Auswanderung noch verstärkt.
KIRCHE IN NOT steht den lokalen Gemeinden bei, um den Christen vor Ort zu helfen und sie dadurch zum Bleiben zu bewegen. In der Pfarre von Basilios Gergeos in Damaskus zum Beispiel unterstützt das Hilfswerk eine psychiatrische Tagesklinik, einen Kindergarten, eine Suppenküche und die Verteilung von Milch an Kinder mit Mangelerscheinungen. Die Pfarre erhält auch Spenden, um Sommerfreizeiten für Kinder und Jugendliche durchzuführen oder für die Arbeit von Pfadfindergruppen.

Da vor allem junge Menschen häufig eine bessere Zukunft im Ausland suchen, unterstützt KIRCHE IN NOT die Arbeit nahezu aller kirchlichen Schulen und Bildungseinrichtungen und zahlt Stipendien für die Ausbildungskosten.
Von großer Bedeutung sind auch Veranstaltungen wie zum Beispiel die im Jahr 2023 abgehaltenen Jugendtage, die parallel zum Weltjugendtag in Lissabon stattfanden. „Diese Veranstaltungen haben oft zum ersten Mal christliche Jugendliche in Syrien und im Libanon zusammengebracht“, erklärt Xavier Bisits, der zuständige Projektreferent von KIRCHE IN NOT. „Alle jungen Menschen, mit denen ich gesprochen habe, waren von dem Gefühl der Einheit und Solidarität tief berührt.“
Viele Christen hätten nach wie vor den Wunsch, in ihrer Heimat bleiben zu können, zeigt sich Pfarrer Basilios Gergeos optimistisch: „Wenn sie ein Dach über dem Kopf und eine Arbeit haben, bleiben sie hier. Es ist schließlich ihre Heimat!“

Von großer Bedeutung ist deshalb die Unterstützung der „Hope Center“, die es mittlerweile in Damaskus und Aleppo gibt. Christliche Familien erhalten dort Kleinkredite und weitere Unterstützung, um einen kleinen Handwerksbetrieb, einen Laden oder eine andere Geschäftsidee auf die Beine zu stellen. KIRCHE IN NOT unterstützt diese innovativen Projekte seit einigen Jahren. Ein Mitarbeiter des Hope Centers, Garabed Avedisian, erklärte gegenüber KIRCHE IN NOT: „Mit diesen Projekten bauen wir nicht nur unser Land auf, sondern auch unser Zuhause.“
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Abt Nikodemus Schnabel von der deutschsprachigen Dormitio-Abtei in Jerusalem sieht die ausbleibenden Pilgergruppen im Heiligen Land zu Ostern als schwere Belastung für die christliche Minderheit. „Die Christen befinden sich gerade in einer schwierigen Situation. Sie fühlen sich alleingelassen“, sagte Schnabel bei einem Besuch der Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.
Der Abt erinnerte daran, dass bei den Terror-Angriffen der Hamas am 7. Oktober auch Christen getötet wurden. Dabei habe es sich zumeist um Migranten und Asylbewerber gehandelt, die Schnabel als „moderne Sklaven“ bezeichnete. In den Kampfhandlungen seien aktuell mindestens 30 Angehörige der christlichen Gemeinden getötet worden.
Der Gaza-Krieg sei „eine Katstrophe für beide Seiten“. Das Schrecklichste, was Menschen tun können, sei andere Menschen zu töten. „Das ist die größte Sünde, die man begehen kann“, erklärte Abt Nikodemus.

Im Westjordanland gebe es zwar keine Kampfhandlungen, aber die Christen dort befänden sich ebenfalls in einer sehr schwierigen Situation. Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Krieges seien für die Menschen dort schwerwiegend. Viele Christen seien im Pilgertourismus tätig, der nun weitgehend zum Erliegen gekommen sei, erklärte Schnabel. „Sie arbeiten als Busfahrer, Restaurantbetreiber, Hotelpersonal oder Reiseführer. Das Wegbleiben der Pilger ist für sie eine wirtschaftliche Katastrophe.“
Seine Abtei versuche, die christlichen Mitarbeiter aus Bethlehem in dieser Zeit zu unterstützen; das sei „eine große finanzielle Herausforderung“. Auch KIRCHE IN NOT hat in Kooperation mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem Hilfen sowohl für die kleine christliche Gemeinschaft im Gaza-Streifen wie für in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratene Christen in Ost-Jerusalem und im Westjordanland auf die Beine gestellt. Weitere Gelder gehen an christliche Arbeitsmigranten auf israelischem Staatsgebiet.

Abt Nikodemus warnte zugleich davor, das Heilige Land nur auf ein Pilger- und Touristenziel zu reduzieren. „Das hier ist ein kein christliches Disneyland. Natürlich gibt es die heiligen Stätten. Aber es gibt auch die lebendigen Steine, die Christen, die hier leben.“ Der Abt kritisierte, dass viele Menschen deren schwierige Realität kaum wahrnähmen.
Mit Blick auf Ostern betonte Schnabel, dass die Botschaft dieses Festes eine Prüfung für den Glauben sei. „Als rationaler Bürger dieser Welt sehe ich nur Krieg, Leid, Hass und Gewalt. Aber als gläubiger Mensch vertraue ich darauf, dass Gott diese Welt retten und neues Leben schaffen kann.“ Der Abt erklärte abschließend, er hoffe für alle Christen, „dass es einen neuen Anfang, eine neue Hoffnung und neues Leben geben wird“.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Heiliges Land