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Christenverfolgung

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„Ich konnte vor lauter Angst, getötet zu werden, nicht schlafen. So geht es mir auch jetzt noch, während ich diese Zeilen schreibe“: Pfarrer Alphonsus Afina aus der Diözese Maiduguri im Nordosten Nigerias befand sich 51 Tage lang in der Gewalt von Kämpfern der islamistischen Terrororganisation Boko Haram, ehe er am 21. Juli freigelassen wurde. Über die Zeit seiner Geiselhaft berichtete er jetzt in einem persönlichen Zeugnis, das KIRCHE IN NOT vorliegt.

Der Priester war zusammen mit zwei Mitarbeitern auf dem Weg zu einer kirchlichen Veranstaltung in Maiduguri, als sein Auto am 1. Juni überfallen wurde: „Bewaffnete Männer kamen aus den Büschen am Straßenrand hervor und schossen auf uns.“ Er habe versucht, sich in einem nahegelegenen Militärkontrollpunkt in Sicherheit zu bringen, doch die Angreifer hätten ihn auf Motorrädern verfolgt.

Die Entführer hätten ihn zu seinem Auto zurückgebracht, um es auszuplündern. Sie schlugen den Geistlichen und verletzten ihn schwer: „Sie begannen, mich zu schlagen. Blut lief in meine Augen und tropfte auf meine Schulter.“ Die Verletzungen seien so schwerwiegend gewesen, dass Mediziner nach seiner Freilassung um sein Augenlicht fürchteten. Nun wartet Pfarrer Afina auf eine Augen-Operation.

Alphonsus Afina, Priester aus der Diözese Maiduguri (Nigeria).

Gefährliche Augenverletzung davongetragen

Zusammen mit 13 anderen Personen wurde der Seelsorger zu Fuß in eine Bergregion verschleppt. „Einige konnten fliehen, andere wurden getötet – darunter auch einer unserer Mitarbeiter“, berichtet Afina. Seine Entführer identifizierte der Geistliche als Anhänger der Terrorgruppe Boko Haram. Als das nigerianische Militär als Reaktion auf die Entführung begann, den Stützpunkt der Terroristen aus der Luft anzugreifen, habe sich seine Panik nochmals gesteigert, so der Seelsorger.

Am 21. Juli wurde der Priester zusammen mit zehn weiteren entführten Personen freigelassen. Aktuell befindet er sich im Krankenhaus in Maiduguri. Seine plötzliche Freilassung schreibt er den Gebeten aus aller Welt zu. Auch hätten ihn die Entführer im Laufe der Zeit respektvoller behandelt: „Ich habe die Wirkung der Gebete, die weltweit für mich gesprochen wurden, gespürt. Vor allem bin ich Gott dankbar, dass er in dieser schrecklichen Erfahrung mein Leben bewahrt hat.“

Nigeria ist aktuell das Land, in dem weltweit am meisten Priester und Ordensleute einführt werden.

Nirgendwo werden mehr Geistliche entführt als in Nigeria

Die Entführung von Pfarrer Afina ist leider kein Einzelfall. Nigeria ist aktuell das Land, in dem weltweit am meisten Priester und Ordensleute einführt werden. Terroristen und kriminelle Banden sind eine ständige Bedrohung. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass wir neue Schreckensmeldungen aus Nigeria erhalten.

KIRCHE IN NOT leistet Wiederaufbauhilfen für vom Terror betroffene Gemeinde. Außerdem unterstützt das Hilfswerk die Seelsorge und psychologische Betreuung von Überlebenden. Helfen Sie den notleidenden und verfolgten Christen in Nigeria mit Ihrer Spende Sie brauchen uns jetzt – dringend! Jetzt online spenden.

„Die Christen in Nigeria brauchen uns jetzt“

Von den 237 Millionen Einwohnern Nigerias sind etwa je die Hälfte Christen und Muslime. Im Norden Nigerias, wo die Christen in der Minderheit sind, kommt es seit über 15 Jahren immer wieder zu terroristischen Übergriffen. Schienen Boko Haram und andere Gruppen zunächst militärisch zurückgedrängt, gewinnen sie in jüngster Zeit wieder an Boden.

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KIRCHE IN NOT befürchtet die Zunahme von Seuchen in der umkämpften Region um die Stadt Suweida im Süden Syriens. Es fehle an Wasser, Lebensmitteln, Babyartikeln und Medikamenten wie Insulin oder Antibiotika, stellt das Hilfswerk nach Rücksprache mit lokalen Quellen fest. Aus Angst vor einer weiteren Eskalation müssen die Ansprechpartner anonym bleiben. Die kirchlichen Ansprechpartner fordern einen humanitären Korridor, um Menschen zu evakuieren und Hilfe in die Region zu lassen.

Wie sie berichten, halten sich in der Kapuzinerkirche von Suweida etwa 250 Menschen auf. Sie haben sich vor den Kämpfen in Sicherheit gebracht, die Mitte Juli zwischen Beduinen-Stämmen und der religiösen Minderheit der Drusen ausbrachen. Syrisches Militär und Israels Armee griffen in den Konflikt ein. Eine vereinbarte Waffenruhe hält nicht.

Informationen von KIRCHE IN NOT zufolge geriet auch die Kapuzinerkirche zwischen die Fronten. „Eine Granate schlug in das Kloster ein und verursachte erhebliche Schäden an Fenstern und den Wassertanks“, berichtet ein Kontakt. Personen seien nicht zu Schaden gekommen. Allerdings habe sich die humanitäre Situation durch den Angriff weiter verschärft: Das Wasser ginge zur Neige, der Strom sei immer wieder unterbrochen. „Das Leben in Suweida ist unerträglich geworden“, klagte die Quelle.

Christen beten vor einer Ikone.

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„Leben in Suweida ist unerträglich geworden“

Das örtliche Krankenhaus habe die Arbeit eingestellt. Über 1200 Tote hätten bislang noch nicht bestattet werden können. Die Menschen seien in der Stadt eingeschlossen, da immer noch gekämpft werde: „Immer noch sind Schüsse zu hören. Die Angst ist allgegenwärtig. Wir wissen nicht, welche Gruppen sich hier bekämpfen“, berichtete eine weitere Kontaktperson.

Einer KIRCHE IN NOT nahestehenden Ordensschwester zufolge hielten sich einige christliche Familie im Osten von Suweida auf, dort sei es etwas sicherer. Doch die Menschen seien vielfach traumatisiert: „Viele leiden unter schweren Panikattacken und emotionalen Zusammenbrüchen. Sie brauchen Medikamente und psychologische Betreuung.“

KIRCHE IN NOT steht in ständigem Kontakt mit der christlichen Gemeinschaft im Süden Syriens. Aktuell ist jeder Ausweg blockiert, berichtet eine Person: „Wir wissen nicht, wie es weitergehen oder enden wird. Es fehlt uns an allem.“

In verschiedenen Regionen Syriens ist es erneut zu einer Reihe von gewalttätigen Angriffen auf christliche Gemeinden gekommen. Wie KIRCHE IN NOT von lokalen Quellen erfahren hat, haben unbekannte Täter im Süden Syriens eine Kirche sowie Häuser von Christen angegriffen und in Brand gesteckt.

Ansprechpartner des Hilfswerks meldeten, dass es einen Brandanschlag auf die melkitische griechisch-katholische Kirche St. Michael im Dorf al-Sura in der Region Suweida gegeben habe. Das volle Ausmaß des Schadens ist noch nicht bekannt, da der Zugang zum Gebiet aufgrund der anhaltenden Spannungen rund um die Stadt Suweida derzeit nicht möglich ist. Bilder in den sozialen Netzwerken bestätigen jedoch den Angriff auf die Kirche.

Die nach dem Brandanschlag schwer beschädigte melkitische griechisch-katholische Kirche in al-Sura (Syrien).

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Außerdem gibt es Berichte, dass 38 Häuser christlicher Familien bei gewalttätigen Angriffen durch Brandschatzung zerstört wurden, wodurch zahlreiche Familien obdachlos geworden sind. Rund 70 Menschen haben in einem Saal der Kirche in der Stadt Schahba Zuflucht gefunden, wo sie derzeit unter prekären Bedingungen leben. „Diese Gemeinde hat alles verloren“, sagte eine der Quellen gegenüber KIRCHE IN NOT. „Sie hatten von Anfang an wenig und gehörten zu den Ärmsten der Region. Jetzt haben sie nichts mehr.“

Diese Angriffe stehen wohl im Kontext einer Gewalteskalation gegen Minderheiten rund um die Stadt Suweida, während der in den vergangenen Tagen örtlichen Quellen zufolge zahlreiche Angehörige der drusischen Religionsgemeinschaft getötet wurden.

Auch in anderen Teilen Syriens bleibt die Sicherheitslage prekär. Nahe der Hafenstadt Tartus, etwa 250 Kilometer nordwestlich von Damaskus, konnten Sicherheitskräfte einen Bombenanschlag auf eine maronitische Kirche vereiteln. Am Sonntag, 13. Juli, wurde gegen Mitternacht ein Wagen entdeckt, der mit großen Mengen Sprengstoff, Waffen und Brandsätzen beladen und in der Nähe der Kirche abgestellt war. Dank des koordinierten Vorgehens von Sicherheitskräften und Anwohnern konnte ein Anschlag verhindert werden: Die mutmaßlichen Terroristen wurden in einem Hinterhalt gefasst.

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Am 22. Juni 2025 wurde in der griechisch-orthodoxen Mar-Elias-Kirche in Damaskus ein Selbstmordanschlag verübt, bei dem mindestens 30 Personen starben.

Diese Vorfälle ereigneten sich nur wenige Wochen nach einem Selbstmordanschlag auf eine griechisch-orthodoxe Kirche bei Damaskus, durch den während des Sonntagsgottesdienstes mindestens 30 Menschen starben und 54 verletzt wurden.

Angesichts dieser schwerwiegenden Ereignisse ruft KIRCHE IN NOT die internationale Gemeinschaft auf, für den Schutz der am stärksten gefährdeten Gemeinschaften in Syrien einzutreten.

Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 10 Prozent der syrischen Einwohner Christen sind. KIRCHE IN NOT unterstützt in Syrien kirchliche Initiativen und Projekte zum Wiederaufbau, um Christen zum Bleiben in ihrer Heimat zu motivieren. Im vergangenen Jahr hat das Hilfswerk in Syrien 153 Projekte mit rund 4,9 Millionen Euro unterstützt.

Nach dem Selbstmordanschlag am Sonntagabend, 22. Juni, auf die griechisch-orthodoxe Mar-Elias-Kirche in der syrischen Hauptstadt Damaskus hat KIRCHE IN NOT zur Solidarität mit den Christen in Syrien aufgerufen. „Wir sind zutiefst schockiert über diesen tragischen und sinnlosen Gewaltakt“, erklärte die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch.

„Wir schließen uns dem Aufruf des griechisch-orthodoxen Patriarchen Johannes X. an, Gotteshäuser zu schützen und diesen Teufelskreis der Gewalt zu beenden.“ Die internationale Gemeinschaft dürfe jetzt „nicht wegschauen“ und müsse sich für den Schutz der Christen und aller Religionsgemeinschaften in Syrien einsetzen.

Medienberichten zufolge hat am Sonntagabend gegen 18:40 Uhr ein Selbstmordattentäter auf Gottesdienstbesucher der Mar-Elias-Kirche im Stadtteil Dweila in Damaskus gefeuert und sich dann in die Luft gesprengt. Die syrischen Behörden sprachen von 30 Toten und über 50 Verletzten. Zwischenzeitlich habe sich der „Islamische Staat“ (IS) zu dem Anschlag bekannt, meldete das syrische Innenministerium.

Das griechisch-orthodoxe Patriarchat von Antiochia, ein langjähriger Projektpartner von KIRCHE IN NOT, hatte noch am Sonntagabend mitgeteilt: „An dem Tag, an dem unsere Kirche aller antiochenischen Heiligen gedenkt, schlug die heimtückische Hand des Bösen zu.“ Das Patriarchat forderte die syrischen Behörden auf, „die volle Verantwortung für die geschehenen und weiterhin geschehenden Verletzungen der Heiligkeit der Kirchen zu übernehmen und den Schutz aller Bürger zu gewährleisten“.

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Zerstörung nach dem Anschlag in der Mar-Elias-Kirche. Foto: Griech.-orth. Patriachat von Antiochia

Nächstenliebe zeigen und Christen in Syrien helfen – jetzt spenden

„Die heimtückische Hand des Bösen hat zugeschlagen“

Der Anschlag auf die Mar-Elias-Kirche fällt in die Zeit der staatlichen Neuorientierung nach dem Sturz des Assad-Regimes im vergangenen Dezember. Christen und andere Minderheiten stellen einerseits ein Entgegenkommen der Verantwortlichen fest, sahen aber andererseits das Erstarken islamistischer Kräfte im Alltag mit großer Sorge.

Die Zahl der Christen in Syrien liegt lokalen Schätzungen zufolge heute bei etwa 250 000. Vor Beginn des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2011 waren es noch 1,5 Millionen. KIRCHE IN NOT unterstützt in Syrien zahlreiche kirchliche Initiativen und Projekte zum Wiederaufbau, um Christen zum Bleiben in ihrer Heimat zu motivieren.

Aid to the Church in Need (ACN) is profoundly saddened and alarmed by the deadly attack that took place on Sunday evening during a service at the Greek Orthodox Church of St. Elias in the Dweila district of Damascus, Syria. According to early reports, an explosion at the church entrance caused at least 20 deaths and more than 50 injuries among those attending and passersby.
Bei dem Selbstmordanschlag starben laut Behörden 30 Christen und mehr als 50 wurden verletzt. Foto: Griech.-orth. Patriachat von Antiochia

In Pakistan sind christliche Frauen und Mädchen weiterhin Missbrauch, Zwangsverheiratung und Zwangskonversionen ausgesetzt. Das geht aus einem Bericht des in Pakistan tätigen Franziskanerpaters Lazar Aslam hervor, der KIRCHE IN NOT vorliegt. Die Täter würden jedoch häufig nicht juristisch zur Rechenschaft gezogen, bestätigte Pater Aslam.

Beispielhaft schildert er den Fall der erst 17-jährigen Samiya aus Lahore: Als sie am Abend nach ihrer Arbeit als Putzhilfe nicht ans Telefon ging, machte sich ihre besorgte Mutter auf die Suche nach ihr und fand sie tot in einer Wohnung. Die Eigentümer der Wohnung behaupteten, sie habe Selbstmord begangen. Eine medizinische Untersuchung ergab, dass Samiya von mehreren Männern vergewaltigt und anschließend ermordet worden war.

Samiyas Familie erstattete Anzeige, doch auch drei Monate später gebe es noch keine Fortschritte in dem Fall, berichtete Pater Aslam. Die Justiz könne langsam sein, insbesondere wenn die Betroffenen religiösen Minderheiten wie Christen angehören. Nur etwa 1,3 Prozent der pakistanischen Bevölkerung sind Christen.

In dem Bericht von Pater Aslam werden auch Fälle von Zwangskonversionen und Zwangsheiraten aufgelistet – sogar von minderjährigen Mädchen, auch wenn Ehen mit Minderjährigen in Pakistan illegal sind.

P. Lazar Aslam mit einer Frau, die entführt worden war und gerettet werden konnte. (Foto: Pater Lazar Aslam)

Zwangsheiraten, Zwangskonversionen, Vergewaltigungen

Immer wieder kommt es zu Vergewaltigungen von Frauen. Ein aktueller Fall ist der der 20-jährigen Asma, der sich Anfang Mai 2025 ereignete. Sie wurde von einem Bekannten in dessen Auto gelockt und in eine Privatwohnung gebracht, wo sie von vier Männern vergewaltigt wurde. Die Tat haben sie gefilmt und drohten Asma, die Bilder zu verbreiten, falls sie sich weigere, in Zukunft ihren sexuellen Forderungen nachzukommen.

Pater Aslam berichtete, dass Asmas Familie Drohungen und Einschüchterungen ausgesetzt sei. „Sie lebt in ständiger Angst. Trotz wiederholter Beschwerden kooperieren die lokalen Sicherheitskräfte kaum.“

Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN) International.

Angesichts des vorliegenden Berichts fordert die geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, mehr Schutz für religiöse Minderheiten durch die Behörden, insbesondere für Frauen und Mädchen. „KIRCHE IN NOT hat wiederholt auf Fälle von Diskriminierung aufmerksam gemacht. Wir werden weiterhin unsere Stimme zu diesem Thema erheben, das die christliche Gemeinschaft in Pakistan und anderen Ländern betrifft.“

KIRCHE IN NOT fördert in dem asiatischen Land zahlreiche Projekte für die christliche Minderheit, die oft den ärmsten und am stärksten benachteiligten Schichten angehören.

Um notleidenden und verfolgten Christen in Pakistan weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Pakistan

Bei einem Überfall von mutmaßlich radikalen Fulani-Milizen in der südnigerianischen Gemeinde Yelewata sind nach Angaben der Stiftung für Gerechtigkeit, Entwicklung und Frieden (FJDP) im Bistum Makurdi vermutlich bis zu 200 Menschen getötet worden. In einem Gespräch mit dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT berichtete der Gemeindepfarrer der Stadt, Father Ukuma Jonathan Angbianbee, von einem grausamen Massaker: „Menschen wurden niedergemetzelt. Überall lagen Leichen verstreut.“

Das Attentat ereignete sich am späten Freitagabend (13. Juni). Es ist ein dramatischer Höhepunkt einer seit einigen Wochen andauernden Welle von Überfällen auf mehrheitlich christliche Dörfer in der Region, bei denen bisher bereits mehr als 100 Menschen getötet worden sind. Tausende Menschen sind wegen des Terrors auf der Flucht. Viele sind nach Yelewata gekommen, weil die Stadt als relativ sicher galt. Nach dem aktuellen Angriff haben viele die Stadt jedoch verlassen.

Eine Frau mit Kind, die nach einem Überfall auf ihr Dorf durch radikale Fulani geflohen ist (Archivbild). Foto: KIRCHE IN NOT

Seit Wochen werden Dörfer in der Region überfallen

Am Abend des Überfalls konnte die Polizei noch einen Angriff der Terroristen auf die St.-Josef-Kirche in Yelewata verhindern, in der 700 Menschen aus umliegenden Gemeinden Schutz gesucht hatten. Die Angreifer wandten sich anschließend den Notunterkünften auf dem Marktplatz der Gemeinde zu, wo sie Berichten zufolge die Gebäude mit Treibstoff als Brandbeschleuniger anzündeten und in einem Bereich das Feuer eröffneten, in dem mehr als 500 Menschen schliefen.

In einem ersten Bericht der FJDP im Bistum Makurdi berichteten deren Mitarbeiter von ihren Eindrücken des Massakers: „Es war ein unfassbarer Anblick. Einige Leichen waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt: Säuglinge, Kinder, Mütter und Väter, einfach ausgelöscht.“ Der Gemeindepfarrer ergänzte, dass einige so schwer verbrannt seien, dass ihre Identifizierung schwierig sei.

Der Angriff sei sorgfältig koordiniert gewesen. Die Terroristen seien aus verschiedenen Richtungen in die Stadt eingedrungen. Der Pfarrer geht davon aus, dass radikale Fulani hinter dem Anschlag steckten, da sie „Allahu Akhbar“ („Gott ist groß“) gerufen hätten. In der Region sind die Menschen zu über 90 Prozent katholisch; die Fulani sind dagegen überwiegend muslimisch. In der Zwischenzeit gibt es innerhalb dieser ursprünglich als Nomaden lebenden Volksgruppe schwer bewaffnete, dschihadistische Strömungen.

Zerstörung nach einem Angriff radikaler Fulani-Milizen (Archivbild). Foto: KIRCHE IN NOT

„Mit Abstand die schlimmste Gräueltat“

Father Jonathan und andere Geistliche kritisierten die Reaktion der Sicherheitskräfte. Sie sagten, die Polizei, die die Aufständischen am Zugang zur Kirche hinderte, sei schlecht ausgerüstet gewesen und nicht nicht in der Lage gewesen, den Angriff auf den nahegelegenen Marktplatz zu verhindern. „Am Morgen nach dem Anschlag waren genügend Polizisten und Sicherheitskräfte vor Ort, aber wo waren sie am Abend zuvor, als wir sie brauchten?“, fragte ein Priester. Er fügte hinzu: „Der Überfall ist mit Abstand die schlimmste Gräueltat, die wir je erlebt haben.“

Papst Leo XIV. betete am vergangenen Sonntag im öffentlichen Angelusgebet für die Menschen, die bei dem Massaker in Yelewata brutal getötet worden sind. Die meisten von ihnen seien Binnenvertriebene, die „in der örtlichen katholischen Mission Zuflucht geunden haben“, betonte er. Insbesondere betete er für die ländlichen christlichen Gemeinden im Bundesstaat Benue, „die unerbittlich Opfer von Gewalt geworden sind“.

Kirchenführer haben wiederholt um internationale Hilfe gebeten und erklärt, dass ein dschihadistischer Plan zur Landnahme und ethnischen Säuberung von Christen in der Region im Gange sei.

KIRCHE IN NOT bittet um Gebete für die Verstorbenen und für die von der Gewalt betroffenen Familien. Gleichzeitig ruft das Hilfswerk die internationale Gemeinschaft zur Solidarität mit den Betroffenen dieser Gewalt auf. KIRCHE IN NOT unterstützt die Diözese Makurdi mit Nothilfe, Traumabehandlung und pastoralen Projekten und fordert besseren Schutz für gefährdete Gemeinden.

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Trotz anhaltender Verfolgung wachse die Zahl der Christen in Nordnigeria „geradezu astronomisch“. Das stellte Bischof Habila Daboh aus Zaria im Bundesstaat Kaduna gegenüber KIRCHE IN NOT fest. Dabei sei das Leben für Christen nicht einfach: „Eine Mischung aus dschihadistischen Angriffen, Kriminalität und Stammeskonflikten bedroht ihr Leben“, sagte Daboh. Die Einführung der islamischen Rechtsprechung der Scharia in zahleichen Regionen habe die Lage zusätzlich verschärft.

Schuld an diesen zunehmenden Konflikten sei nicht die muslimische Mehrheitsbevölkerung, sondern erstarkende Gruppen von Extremisten. Das Zusammenleben von Christen und Muslimen sei zuvor harmonisch gewesen, erklärte der Bischof: „Wir teilten unser Festtagsessen. Wir feierten zusammen, spielten zusammen Fußball, besuchten dieselben Märkte. Doch dann kamen die Extremisten. Sie behaupteten, wer kein Muslim sei, verdiene es nicht zu leben. Von da an wurde das Leben für Christen unerträglich.“

Doch trotz dieser Spannungen und gewaltsamen Übergriffe gebe es in Nordnigeria immer mehr Menschen, die sich für das Christentum begeistern. Daboh, der zuvor Leiter des Priesterseminars in Kaduna war, erinnerte an die Entführung von vier Seminaristen Anfang 2020. Einer von ihnen, der 18-jährige Michael Nnadi wurde ermordet. Die übrigen kamen frei.

Beisetzung des ermordeten Priesterseminaristen Michael Nnadi im Februar 2020.

Zulauf trotz Verfolgung

Nach dieser traumatischen Erfahrung hätten er und andere Verantwortliche befürchtet, dass junge Männer nun nicht mehr den Priesterberuf ergreifen würden. Doch das Gegenteil sei geschehen, erzählte der Bischof: „Es bewarben sich noch mehr junge Männer für das Priesterseminar. Als wir sie fragten, warum, sagten sie: ,Wir wollen den Menschen zeigen, dass Jesus ein Mann des Friedens war, dass er Liebe lehrte.‘“

Extremistische Gruppen wie Boko Haram bekämpften jede Form von Bildung, die ihnen ihren Augen als „westlich“ gilt. Doch die Christen setzten auf Bildung als „Schlüssel zur Freiheit“, betonte Daboh. Deshalb betreibe die katholische Kirche auch in Nordnigeria zahlreiche Schulen: „Mein Volk ist hungrig nach Wissen. Bildung gibt den Menschen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Sie können herausfinden, was richtig und falsch ist.“

Er stelle fest, dass viele Menschen trotz Armut und Verfolgung glücklich seien und das auch ausstrahlten: „Sie sind glücklich, weil sie Christus haben“, sagte der Bischof. „Die Menschen wollen Liebe und Friede verkünden. Wir mögen nicht alle aus derselben Volksgruppe kommen oder derselben Religion angehören. Aber wir glauben daran, dass jeder unser Nächster ist und uns braucht. Das ist das Evangelium Christi.“

Habila Daboh, Bischof von Zaria/Nigeria.

„Die Menschen wollen Liebe und Friede verkünden“

In Nigeria sind jeweils gut die Hälfte der rund 237 Millionen Einwohner Christen oder Muslime. Während im Süden die Zahl der Christen überwiegt, sind sie im Norden in der Minderheit. In zwölf Bundesstaaten ist die Scharia eine zentrale Quelle der Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verwaltung. Im ganzen Land halten Angriffe auf Christen an. Diese gehen von dschihadistischen Gruppen oder kriminellen Banden aus. Nigeria verzeichnet aktuell die höchste Zahl von entführten Priestern und Ordensleuten weltweit.

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Nach der Rückeroberung der sudanesischen Hauptstadt Khartum durch Regierungstruppen haben lokale Quellen KIRCHE IN NOT  (ACN) ein Video geschickt. Es zeigt den Zustand der Kathedrale St. Matthäus, eines geistlichen Zentrums der katholischen Christen im Sudan.

Die Bilder zeigen erhebliche Schäden am Gebäude. Der Altarraum ist verwüstet; ein Kreuz und andere sakrale Gegenstände wurden zerstört. Wie die lokalen Ansprechpartner berichten, haben die Truppen der Rapid Support Forces (RSF) die Kathedrale als Waffenlager genutzt.

Die kleine christliche Gemeinde im Sudan, deren Anteil vor dem Krieg bei unter fünf Prozent der 43 Millionen Einwohner lag, habe sich weiter dezimiert, so die lokalen Quellen, die aus Sicherheitsgründen anonym bleiben müssen. Viele Christen seien geflohen. Gerade die Menschen in der Hauptstadt Khartum hätten in den vergangenen beiden Jahren enorm gelitten. Die katholische Gemeinde dort zählte vor dem Krieg wenige hundert Gläubige.

Ein geschändetes Kreuz auf den Altarstufen der Kathedrale.

Größte humanitäre Krise der Welt

Auch wenn der Bürgerkrieg keine religiösen Motive hat, so haben religiöse Minderheiten im Sudan Diskriminierung durch islamistische Extremisten und staatliche Stellen beklagt, wie der Bericht „Religionsfreiheit weltweit 2023“ von KIRCHE IN NOT dokumentiert. Vor der Einführung der Verfassung im Jahr 2019 wurde eine massive staatliche Verfolgung gegenüber Nichtmuslimen verzeichnet. Viele brachten sich im mehrheitlich christlich geprägten Südsudan in Sicherheit.

Der aktuelle Bürgerkrieg hatte im April 2023 begonnen. Auslöser war ein Machtkampf zwischen Militärherrscher Abdel Fattah al-Burhan und seinem früheren Stellvertreter Mohamed Hamdan Daglo, der die RSF-Miliz befehligt. In dem Krieg wurden zehntausende Menschen getötet, mehr als zwölf Millionen Menschen sind nach UN-Angaben auf der Flucht.

Es handelt sich aktuell wohl um die größte humanitäre Krise der Welt. Beobachter befürchten auch nach der Rückeroberung der Hauptstadt Khartum kein Ende des Konflikts. KIRCHE IN NOT steht mit Ansprechpartnern vor Ort im Kontakt, die nach wie vor unter prekären Bedingungen ausharren.

Noch unbeschädigte Kathedrale St. Matthäus in der Hauptstadt Khartum. (Archivbild)
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Die Ermordung des Seminaristen Andrew Peter folgt auf den kürzlichen Mord an Pfarrer Sylvester Okechukwu. In den ersten drei Monaten des Jahres 2025 hat Nigeria dreimal so viele Entführungen von Geistlichen und Ordensleuten zu verzeichnen wie im gleichen Zeitraum des Jahres 2024.

Die Nachricht von der Ermordung des jungen Seminaristen Andrew Peter durch seine Entführer erschüttert die nigerianische Kirche. Dies geht aus einer Erklärung hervor, die die Diözese Auchi an KIRCHE IN NOT (ACN) geschickt hat.

Die Ermordung von Andrew Peter folgt auf die erst kürzliche brutale Ermordung von Pfarrer Sylvester Okechukwu in der Diözese Kafanchan; die Zahl der Entführungen und Angriffe auf katholische Geistliche im Land hat im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Jahres 2024 alarmierend zugenommen.

In den ersten drei Monaten des Jahres 2024 waren drei Priester entführt und alle innerhalb weniger Tage freigelassen worden. Doch zwei Wochen vor Ende März dieses Jahres sind in Nigeria bereits zehn Entführungen, darunter zwei Morde, zu beklagen.

Der ermordete Seminarist Andrew Peter.

Der Seminarist Andrew Peter war zusammen mit Pfarrer Philip Ekweli am 3. März entführt worden. Pfarrer Ekweli kam zehn Tage später, am 13. März, frei; doch der Seminarist wurde von den Entführern ermordet.

„Das Leben war für unser Volk in letzter Zeit die Hölle. Die Menschen sind nicht sicher auf den Straßen, in ihren Höfen und nicht einmal in ihren Häusern“, sagte Bischof Gabriel Dunia von Auchi in einer Erklärung, die KIRCHE IN NOT zugeschickt wurde und in der die Diözese den Tod von Andrew Peter beklagt.

In 10 Jahren wurden 145 Priester entführt und 11 von ihnen getötet

Nigeria leidet in vielen Regionen unter akuter Unsicherheit. Für die Entführungen von Priestern gibt es verschiedene Gründe, darunter Lösegeldforderungen krimineller Banden, die damit finanzielle Gewinne anstreben, religiöse und ethnische Konflikte, an denen extremistische Gruppen wie Boko Haram und ISWAP beteiligt sind, und die Bedrohung der meist christlichen Bauern durch muslimische Hirten der Volksgruppe der Fulani. Einige Entführungen dienen als politisches Instrument, um die Regierung zu destabilisieren und ihr Versagen bei der Gewährleistung der Sicherheit zu entlarven, während andere auf lokale Streitigkeiten und Landkonflikte zurückzuführen sind.

Laut einer Statistik des Katholischen Sekretariats von Nigeria wurden in den vergangenen zehn Jahren 145 Priester und Seminaristen entführt und elf von ihnen getötet. Diese Zahlen wurden nach der Entführung von Pfarrer Philip Ekweli, jedoch vor seiner Freilassung und vor der Ermordung von Pfarrer Sylvester Okechukwu und dem Seminaristen Andrew Peter veröffentlicht.

KIRCHE IN NOT begleitet weiterhin das Leiden der nigerianischen Kirche und ruft zum Gebet und Handeln auf, um die Sicherheit aller nigerianischen Geistlichen und Laien zu gewährleisten, die unter dieser Unsicherheit und Gewalt leiden. KIRCHE IN NOT ruft seine Freunde und Wohltäter außerdem auf, für die Seelen von Pfarrer Sylvester Okechukwu und Seminarist Andrew Peter zu beten sowie für alle, die in Nigeria ihr Leben für den Dienst am Volk Gottes riskieren.

Mehrere Dörfer im westafrikanischen Staat Burkina Faso sind erneut Ziel von terroristischen Angriffen geworden. Wie der Pfarrer der Gemeinde in Tansila, Jean-Pierre Keita, gegenüber KIRCHE IN NOT mitteilte, hätten Terroristen Ende Jänner mehrere Dörfer seiner Pfarre überfallen und dabei zahlreiche Menschen getötet und Häuser in Brand gesteckt.

Am 25. Jänner hatten nach Informationen des Geistlichen mehr als 200 Terroristen die Dörfer Toma, Kellé und Lanfiéra, die zur Pfarre Tansila gehören, angegriffen. Mindestens 26 Personen wurden getötet, darunter sechs Christen. Die Pfarre Tansila befindet sich in der Diözese Nouna im Nordwesten von Burkina Faso. Sie umfasst 37 Dörfer, in denen etwa ein Drittel der Bewohner Christen sind. Am selben Tag wurden in der Diözese Dédougou, ebenfalls im Nordwesten Burkina Fasos, zwei Katecheten von bewaffneten Männern getötet, als sie auf dem Rückweg von einer Fortbildung waren.

Verwüstete Sakristei in einer Kirche in der Pfarre in Tansila

Helfen Sie verfolgten und notleidenden Christen in Burkina Faso mit Ihrer Spende

Pfarre wurde schon mehrfach überfallen

Keine Woche später, am 31. änner, ereignete sich ein weiterer Überfall in der Pfarre von Tansila, bei dem erneut mehrere Menschen ums Leben kamen. Bei diesen Angriffen in der Pfarrgemeinde sind auch der Vater und mehrere Familienmitglieder des Pfarrers umgekommen. In den vergangenen Jahren war die Pfarre wiederholt Schauplatz grausamer Terroranschläge.

Der Pfarrer und auch KIRCHE IN NOT bitten um das Gebet für die Menschen in Burkina Faso, insbesondere die Christen, die seit vielen Jahren unter dem verbreiteten Terrorismus im Land leiden. „Bitte beten Sie für die Bekehrung der Herzen, damit alle zu Friedensstiftern werden. Beten Sie auch für die Regierung in Burkina Faso, die Verteidigungs- und Sicherheitskräfte sowie die ,Freiwilligen zur Verteidigung des Vaterlands‘, damit ihre täglichen Bemühungen Früchte des Friedens, der Versöhnung und des sozialen Zusammenhalts tragen“, so Pfarrer Jean-Pierre Keita. „Unsere Gebete gelten auch den Opfern des Terrorismus weltweit. Mögen sie in Frieden ruhen!“

Zerstörte Marienstatue nach einem Überfall auf eine Kirche in der Pfarre in Tansila.

KIRCHE IN NOT (ACN) hat im vergangenen Jahr 122 Fälle zusammengetragen, bei denen Priester und Ordensleute Gewalt angetan wurde. Darunter sind 13 Morde, 38 Entführungen und 71 Inhaftierungen. Zehn dieser Fälle betrafen Ordensfrauen, von denen acht entführt und zwei festgenommen wurden. In die Liste hat KIRCHE IN NOT sowohl Kirchenmitarbeiter aufgenommen, die von religiöser Verfolgung betroffen waren, als auch Fälle, in denen sie in Ausübung ihres Dienstes attackiert wurden.

Hinter diesen Zahlen stecken erschütternde Schicksale, die unterstreichen: In vielen Regionen der Welt ist es lebensgefährlich, als Priester oder Ordensfrau tätig zu sein. Viele kirchliche Mitarbeiter blieben trotz Lebensgefahr in ihren Einsatzgebieten.

Tobias Chukwujekwu Onkonkwo aus Nigeria wurde am 26. Dezember 2024 ermordet.

In vielen Ländern ist es lebensgefährlich, Priester oder Ordensfrau zu sein

Bei den dreizehn Tötungsdelikten gegen Geistliche handelt es sich um je zwei Fälle in den USA und Südafrika. Jeweils ein Seelsorger kam in Südsudan, Kamerun, Ecuador, Mexiko, Venezuela, Kolumbien, Spanien und Polen gewaltsam ums Leben. Das letzte Tötungsdelikt gegen einen Geistlichen 2024 ereignete sich am Zweiten Weihnachtstag. Bislang unbekannte Täter erschossen den Priester Tobias Chukwujekwu Onkonkwo aus der Diözese Nnewi im Südosten Nigerias, als er auf der Autobahn unterwegs war.

Nigeria, Nicaragua und Haiti an Spitze bei Inhaftierungen und Entführungen

In Nigeria, Haiti und Nicaragua waren nach der Statistik von KIRCHE IN NOT die meisten Entführungen und Festnahmen von Kirchenmitarbeitern zu verzeichnen. In Haiti haben besonders in der Region um die Hauptstadt Port-au-Prince bewaffnete Banden die Kontrolle übernommen, nachdem das Land nach wie vor weitgehend ohne funktionsfähige Regierung ist. Dieses Machtvakuum hat Entführungen von Kirchenvertretern begünstigt. KIRCHE IN NOT zählte im vergangenen Jahr in Haiti 18 Entführungsfälle, 2023 waren es nur zwei.

Nigeria zählt nach Augenzeugenberichten nach wie vor zu den gefährlichsten Ländern für Priester und Ordensfrauen, da es immer wieder zu islamistischen Attacken kommt. Zwölf Kirchenmitarbeiter wurden dort entführt und glücklicherweise ebenso wie in Haiti später wieder freigelassen. Insgesamt, so KIRCHE IN NOT, sei jedoch eine leichte Verbesserung der Situation in Nigeria festzustellen.

Bischof Rolando José Alvarez Lagos aus Matagalpa in den zerstörten Räumen einer karitativen Einrichtung seiner Diözese.

Situation in Nicaragua verschlechtert

Verschlechtert dagegen hat sich die Lage in Nicaragua, wo das Regime hart gegen die Kirche vorgeht. 25 katholische Geistliche wurden dort 2024 inhaftiert. Nimmt man die Verhaftungen der Vorjahre mit hinzu, waren vergangenes Jahr 44 Geistliche im Gefängnis. Darunter war auch Bischof Rolando José Álvarez Lagos aus Matagalpa, der zuerst zu 26 Jahren Haft verurteilt worden und dann überraschend im Januar 2024 freigelassen worden war.

KIRCHE IN NOT weist auch auf die Vielzahl von Gläubigen hin, die wegen ihrer Zusammenarbeit mit der Kirche in Nicaragua inhaftiert wurden; genaue Zahlen liegen dazu nicht vor. Darüber hinaus wurden viele Geistliche und Ordensleute nach einem Auslandsaufenthalt an der Wiedereinreise gehindert, andere sind wegen drohender Verhaftung geflohen.

Die ukrainischen Priester Iwan Lewyzkyj und Bohdan Heleta nach ihrer Freilassung. © Koordinationsstelle für die Behandlung von Kriegsgefangenen

Oft keine vollständigen Informationen

Verlässliche Zahlen seien aus Nicaragua nicht zu bekommen, teilte KIRCHE IN NOT mit, ebenso wie aus China. Dort sind neun Fälle von Inhaftierungen bekannt. Während ein Geistlicher im Laufe des Jahres wieder freigelassen wurden, sind fünf teilweise seit Jahren in Haft oder stehen unter Hausarrest – im längsten Fall sogar seit 1997.

KIRCHE IN NOT weist auch Hoffnungsfälle hin, wie die beiden ukrainischen Redemptoristenpatres Iwan Lewyzkyj und Bohdan Heleta. Sie waren wegen angeblicher terroristischer Aktivitäten von russischen Besatzungstruppen festgenommen worden. Nach 19 Monaten kamen sie Ende Juni 2024 frei.

Zahl der Entführungen angestiegen

Für 2023 hatte KIRCHE IN NOT 133 Fälle von Morden, Inhaftierungen und Entführungen kommentiert. Während die Zahl der inhaftierten Priester und Ordensleute im vergangenen Jahr von 87 auf 71 dokumentierte Fälle zurückgegangen ist, stieg die Zahl der entführten Kirchenmitarbeiter von 33 auf 38 an. Die Zahl der ermordeten Priester und Ordensfrauen ist mit 13 Fällen etwa gleichgeblieben (2023: 14 Fälle).

Christen in zahlreichen Ländern weltweit leiden unter steigender Gewalt, Diskriminierung und weiteren Verletzungen der Menschenrechte. Das ist das Ergebnis der Neuauflage des Berichts „Verfolgt und Vergessen?“, des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN).

„Die Lage der Christen hat sich in vielen Ländern verschlechtert“, erklärt die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verfolgung und Diskriminierung nicht nur Christen, sondern auch Angehörigen anderer religiöser Minderheiten betrifft. „Kirche in Not“ macht sich auch für die generelle Einhaltung des Menschenrechts auf Religionsfreiheit stark.

Der Bericht „Verfolgt und vergessen?“, den das Hilfswerk alle zwei Jahre herausgibt, liefert für den Zeitraum von Sommer 2022 bis Sommer 2024 globale und regionale Analysen von Christen in 18 Ländern. Der Bericht enthält Zeugenaussagen aus erster Hand von Überlebenden antichristlicher Angriffe sowie Details zu Vorfällen, die auf Informationen von Projektpartnern und Kontakten von KIRCHE IN NOT beruhen.

Ein indisches Mädchen, dass Opfer eines Brandanschlages wurde (Archivbild).

„Afrika ist zum Epizentrum islamistischer Gewalt geworden“

Besonders besorgt blickt das Hilfswerk auf die Lage in Afrika. Dorthin habe sich vom Nahen Osten aus das „Epizentrum islamistischer Gewalt“ verlagert, erklärt Lynch. In den untersuchten afrikanischen Ländern wie Burkina Faso, Mosambik oder Nigeria lösten „islamistische Angriffe eine Massenmigration christlicher Gemeinschaften aus“, heißt es in dem Bericht. Diese Entwicklung werfe „Fragen zum langfristigen Überleben der Kirche in afrikanischen Schlüsselregionen auf.“

Lynch nannte China, Eritrea und den Iran als Beispiele für Länder „in denen Christen als Feinde des Staates ins Visier genommen werden.“ In anderen Ländern setzten staatliche und nichtstaatliche Akteure „Gesetze zunehmend als Waffe ein, um Christen und andere Minderheiten zu unterdrücken.“ Wie „Verfolgt und vergessen?“ dokumentiert, wurden zum Beispiel im Indien im Berichtszeitraum mehr als 850 Christen inhaftiert.

Die Landkarte aus dem Bericht “Verfolgt und vergessen?” zeigt die aktuellen Brennpunkte.

Gewalt gegen christliche Frauen und Mädchen

Wiederholt finden sich im Bericht Schilderungen von Entführungen und Zwangskonversionen christlicher Frauen und Mädchen, zum Beispiel in Pakistan, oder abwertende Beiträge über Christen in Schulbüchern. Einzig in Vietnam seien leichte Verbesserungen für Christen festzustellen, bilanziert „Verfolgt und Vergessen?“. Das Land habe zum Beispiel diplomatische Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl aufgenommen.

Neu in der 18-jährigen Geschichte von „Verfolgt und Vergessen?“ ist ein Bericht zur Lage in Nicaragua. Dort geht die Ortega-Regierung massiv gegen die Christen vor; zahlreiche kirchliche Mitarbeiter wurden verhaftet, Priester und Bischöfe ausgewiesen.

Der Bericht thematisiert auch Entführungen und Zwangskonversionen christlicher Frauen und Mädchen.

„Christen leiden unverhältnismäßig stark“

Aus erster Hand berichtet uns Bischof Gerald Mamman Musa aus Katsina im Nordwesten Nigerias, dass die Region zu einem Brennpunkt organisierter Kriminalität und des gewalttätigen Extremismus geworden sei. Neben dschihadistischen Gruppen wie „Boko Haram“ stellten Milizen aus dem Nomadenstamm der Fulani mittlerweile eine noch „größere Bedrohung“ dar. Die Gewalt treffe Muslime wie Christen, betonte der Bischof. Allerdings litten Christen „unverhältnismäßig stark“: So seien zwischen 2019 und 2023 über 16 000 Christen getötet worden.

Entführungen von Priestern und kirchlichen Mitarbeitern seien mittlerweile an der Tagesordnung. „Angriffe auf Kirchen, Entführungen und Morde sollen Angst schüren, das Gemeinschaftsleben stören und die Aufmerksamkeit auf die Anliegen dieser Gruppen lenken“, sagt der Bischof.

Christen seien am Arbeitsplatz, in der Politik oder in der Rechtsprechung diskriminiert, da in zahlreichen nigerianischen Bundesstaaten die Scharia gelte. Die Ursachen für Intoleranz seien vielfältig, beruhten häufig aber auch auf einer Unkenntnis der Lebensweise und Ansichten der Angehörigen der jeweils anderen Religion. Musa fordert deshalb umfassende Bildungsbemühungen und Initiativen für Religionsfreiheit und Frieden: „Wir Christen Nigerias danken ,Kirche in Not’ für die Unterstützung in Krisenzeiten.“

Der Bischof weist daraufhin, dass Verfolgung und Gewalt nicht zu einem Rückgang der religiösen Praxis geführt hätten. Das Gegenteil sei der Fall: „Die Christen, die getötet wurden, haben ihr Blut nicht umsonst vergossen. Viele Menschen werden angezogen vom Glauben.“

Der 45-seitige Bericht ist zum Preis von 2,50 Euro bestellbar unter: www.kircheinnot.at/shop oder unter: KIRCHE IN NOT, Weimarer Str. 104/3, 1190 Wien, Telefon: 01/405 25 53, E-Mail: kin@kircheinnot.at

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