
Am 2. Juni fanden in Mexiko Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Im Wahlkampf wurden lokalen Berichten zufolge mehr als 45 Politiker angegriffen, und über 30 Kandidaten ermordet. Das Land versinkt immer mehr im Bandenkrieg. Das betrifft auch die katholische Kirche.
Das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), das auch in Mexiko ein eigenes Büro hat, steht in Kontakt mit dem Priester José Filiberto Velázquez Florencio, den sie hier Pfarrer Fili nennen. Er leitet ein Zentrum für Opfer der Bandengewalt in der Diözese Chilpancingo-Chilapa. Sie liegt im Bundesstaat Guerrero im Süden Mexikos, die als Hauptschauplatz von Bandenkrieg und Gewalt gilt. Über 16 verschiedene kriminelle Gruppen kämpfen um Macht und die Kontrolle von Menschen- und Drogenhandel.
„Ich fühle mich hier wie ein Kriegsseelsorger“, sagt Pfarrer Fili. Im Jahr 2022 hatte ihn ein Gemeindepfarrer um Hilfe gebeten, in dessen Kirche über 500 Gläubige Zuflucht vor der Bandengewalt suchten. Pfarrer Fili begann, humanitäre Hilfe für sie auf die Beine zu stellen und ihre Berichte über die erlebte Gewalt zu dokumentieren, um so die Täter ausfindig zu machen.

Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, sie sind für die katholische Kirche in Mexiko an der Tagesordnung: Drohungen, Erpressungen, Mordanschläge. Der Priester hat bereits zwei solcher Anschläge überlebt. Auf dem Weg zu einem Gottesdienst wurde er verschleppt und sollte hingerichtet werden.
Stundenlang musste er auf Knien ausharren, während die Gemeindemitglieder um sein Leben verhandelten. Im Oktober vergangenen Jahres wurde er in seinem Auto beschossen: Ein Projektil traf einen Reifen, der andere den Beifahrersitz – zum Glück war der leer. „Normalerweise habe ich keine Angst, aber manchmal überkommt sie mich doch“, erzählt Pfarrer Filiberto. „Ich weine oft, aber mich tröstet das Wissen, dass ich nicht allein bin und Gott für mich sorgt.“ In den vergangenen 18 Jahren wurden in Mexiko 40 Priester ermordet, so viele wie in keinem anderen Land Lateinamerikas.

Dennoch suchen Pfarrer Fili und seine Mitstreiter den Dialog mit den bewaffneten Gruppen, um mäßigend auf sie einzuwirken: „Wenn sie sich öffnen, gibt mir das die Gelegenheit, zu ihrem Herzen und ihrem Gewissen zu sprechen.“ So war es auch bei einem der schwersten Zusammenstöße zwischen kriminellen Gruppen und Militär im Januar und Februar dieses Jahres. Wochenlang legten die Kämpfe weite Regionen des Bundesstaats Guerrero lahm. „Es gab keinen Schulunterricht mehr, die Kranken konnten nicht mehr ins Krankenhaus gebracht werden. Dann begann die Kirche, mit den Anführern zu reden, und der Konflikt konnte gelöst werden“, berichtet Pfarrer Filiberto. Dennoch seien Kirchenvertreter von Behördenseite schikaniert und in Verbindung mit dem kriminellen Verbrechen gebracht worden.
Doch das ficht Pfarrer Fili nicht an. Er wird, wie die Kirche in Mexiko insgesamt, weiter für Gewaltopfer da sein und den Dialog suchen: „Die Kirche ist kein Club von Heiligen. Idem wir auf die Mitglieder des organisierten Verbrechens zugehen, zeigen wir lediglich, was die Kirche ausmacht: Barmherzigkeit.“
Rund 100 Millionen Wahlberechtigte in Mexiko waren am 2. Juni aufgerufen, neben dem Präsidentenamt auch den Kongress, die Regierungen von neun Bundesstaaten sowie mehr als 20 000 öffentliche Ämter zu bestimmen. Der bisherige Präsident Andrés Manuel López Obrador von der linkspopulistischen Regierungsallianz Morena darf nicht erneut antreten. Um seine Nachfolge bewerben sich für Morena die ehemalige Bürgermeisterin von Mexiko-Stadt, Claudia Sheinbaum, sowie aufseiten des oppositionellen Rechtsbündnisses die indigene Politikerin Xóchitl Gálvez.
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Honduras ist nach Haiti das zweitärmste Land Mittelamerikas. „75 Prozent der Bevölkerung sind von extremer Armut betroffen. Eine schwere Energiekrise mit ständigen Stromausfällen belastet das Land zusätzlich. Dazu kommen extreme Klimabedingungen mit Dürre- und sintflutartigen Regenperioden“, berichtet die für Mittelamerika zuständige Projektleiterin in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus, Veronica Katz. Sie hat Honduras kürzlich besucht.
Schlimmer als Armut, Versorgungs- und Klimakrise seien die Gewalt der „Maras“: „Das sind Banden, die eng mit dem Drogenhandel verbunden sind. Honduras dient als Transitland für den Drogenhandel in die USA und andere Länder. Die Maras kontrollieren in Honduras praktisch alles“, so Katz. Familien würde oft eine „Kriegssteuer“, also Schutzgelder, abgepresst.
Auch die Arbeit der Kirchen sei oft durch die Sicherheitslage eingeschränkt, etwa wenn zwei Banden darum kämpften, wer ein bestimmtes Gebiet kontrolliert. Außerdem stünden in Honduras immer weniger Priester zur Verfügung, Geistliche aus dem Ausland hätten mit großen bürokratischen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Diese schwierigen Grundvoraussetzungen führten dazu, dass evangelikale Gemeinden und Sekten in Honduras einen enormen Aufschwung nähmen, erklärte die Projektleiterin: „Viele Sekten werden von den USA aus finanziert. Sie vervielfachen ihre Präsenz, wo die katholische Kirche weniger präsent ist. Katholiken, die nur aus Tradition und nicht aus Überzeugung katholisch sind, schließen sich schnell diesen Glaubensgemeinschaften an.“
Insgesamt herrsche in Honduras „eine große Offenheit gegenüber dem Göttlichen“, was sich aber in der großen Zahl von okkulten Praktiken ausdrücke.
Trotz dieser Schwierigkeiten gebe es auch ein sehr reges kirchliches Leben. Katz zeigte sich beeindruckt, dass viele Menschen vormittags auf Kaffee- oder Maisplantagen arbeiteten und am Nachmittag die Angebote der Kirchengemeinden in Anspruch nehmen: „Die Gläubigen füllen ihren Terminkalender mit religiösen Aktivitäten. Sie leben ihren Glauben nicht allein, sondern als Gemeinschaft.“ Darum unterstütze KIRCHE IN NOT in Honduras schwerpunktmäßig Bau und Instandsetzung von Gemeindesälen sowie die Bereitstellung von katechetischem Material. Denn Bildung sei ein sehr wichtiges Thema.

Katz berichtete auch davon, wie sich die kirchliche Arbeit auf den Friedensprozess im Land auswirke: „Ein Priester berichtete uns, dass in seiner Pfarre ein schwerwiegender Konflikt zwischen zwei Gruppen herrschte. Doch durch treues Gebet hat Gott gehandelt, und die Gruppen sind jetzt versöhnt. Es ist kaum vorstellbar: Gemeindemitglieder, die sich früher gegenseitig fast umbrachten, beten nun gemeinsam.“
Honduras hat etwa 11 Millionen Einwohner, von denen sich die Mehrheit zum Christentum bekennt. Das Land hat den höchsten Anteil von Anhängern freikirchlicher und protestantischer Gemeinden in Mittelamerika.
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Entführungen seien an der Tagesordnung, erklärte Mésidor: „Egal, ob man arm oder reich, ein Intellektueller oder ein Analphabet ist, jeder kann entführt werden. Das ist eine Plage, es erstickt die Haitianer.“ Auch immer mehr Priester und Ordensleute gerieten ins Visier der Banden. So seien allein in diesem Jahr mindestens sechs Ordensschwestern, sechs Ordensmänner und zwei Priester entführt worden. „Die Gangs gehen sogar so weit, dass sie in die Kirche eindringen, um Leute zu entführen. Manche Pfarren wurden geschlossen, weil die Pfarrer sich in Sicherheit bringen mussten“, sagte der Erzbischof.
Er selbst habe seit über einem Jahr seine Kathedrale und die Büroräume in der Hauptstadt Port-au-Prince nicht mehr aufsuchen können, da sich diese in einem der unsichersten Stadtviertel in der Nähe des Präsidentenpalastes befänden. Auch zwei Drittel seiner Erzdiözese seien nicht besuchbar, aktuell sei es kaum möglich, die Hauptstadt zu verlassen.

Angesichts der anhaltenden Krise in Haiti hätten bereits viele wohlhabende Bürger das Land verlassen. Weite Teile der Bevölkerung seien verarmt. Hilfen kämen aber nach wie vor an, sagte der Erzbischof. „Ohne die Hilfe von KIRCHE IN NOT und anderen wäre es sehr schwer weiterzumachen. Es ist dieser Hilfe zu verdanken, dass wir den Menschen etwas Hoffnung geben können.“ KIRCHE IN NOT unterstützt in Haiti unter anderem Lebensunterhalt und Ausbildung für Priester, Seminaristen und Ordensfrauen, Programme für Kinder und Jugendliche und die Versorgung von Binnenflüchtlingen.
„Unser Volk will leben. Es beweist viel Widerstandskraft, auch wenn gegenwärtig das Leid ein schreckliches Ausmaß annimmt“, betonte Mésidor. Er sei jedes Mal überwältigt, wenn sich trotz dieser gefährlichen Situation viele Gläubige zu den Gottesdiensten versammelten. „Bei den Prozessionen oder einem Kreuzweg im Stadtzentrum von Port-au-Prince können es bis zu 50 000 Menschen sein. Manchmal bin ich sprachlos.“

In Haiti herrscht nach der Rücktrittsankündigung von Interims-Premier Ariel Henry eine Regierungskrise. Henry hatte die Regierungsgeschäfte kurz nach der Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli 2021 übernommen. Ein Übergangspräsidialrat soll nun Neuwahlen vorbereiten.
Bewaffnete Banden hatten sich Ende Februar zusammengeschlossen und Henrys Rücktritt gefordert. Inzwischen sind laut der Internationalen Organisation für Migration mehr als 360 000 Menschen innerhalb Haitis vor der Gewalt geflohen; Beobachter gehen von einer sich verschärfenden Hungersnot im Land aus.
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Im Herzen des argentinischen Patagoniens begegnet Bischof Roberto Álvarez täglich den einzigartigen Herausforderungen seines Missionslandes. Seine Berufung führt ihn durch eine Landschaft, die von ihrer Unwegsamkeit, kulturellen Diversität und einem spürbaren Mangel an materiellen Ressourcen geprägt ist. Als Bischof der Diözese Rawson und gleichzeitig als Apostolischer Administrator der Diözese Comodoro Rivadavia trägt er seit Oktober 2023 eine doppelte Last, die seine Hingabe und seinen Glauben täglich auf die Probe stellt.
Das Bistum Rawson, das sich in einer Region erstreckt, in der christliche Wurzeln weniger tief verankert sind, sieht sich mit einer Vielzahl von Herausforderungen konfrontiert. Die historische Migration hat eine kulturelle und religiöse Vielfalt hervorgebracht, die das Evangelisierungsbestreben sowohl bereichert als auch erschwert. Der Einfluss protestantischer Kirchen und die Präsenz verschiedener ethnischer Gruppen zeugen von der komplexen religiösen Landschaft, in der Bischof Álvarez wirkt.

Die Diözese Rawson umfasst ein riesiges Gebiet, das größer als Österreich ist, und bringt logistische Schwierigkeiten mit sich, die in vielen anderen Teilen der Welt unvorstellbar wären. Die Abgelegenheit vieler Gemeinden und die schlechte Infrastruktur erfordern von Bischof Álvarez und seinem Team immense Anstrengungen und Opfer. Lange Autofahrten über hunderte Kilometer sind keine Seltenheit, um die Heilige Messe zu feiern oder an pastoralen Treffen teilzunehmen. Diese Entfernungen stellen nicht nur eine physische, sondern auch eine finanzielle Belastung dar, da die Reisekosten oft ein signifikantes Budget der Diözese beanspruchen.
Inmitten dieser Herausforderungen hebt Bischof Álvarez die Bedeutung der Ausbildung und Unterstützung des Klerus hervor. Mit einer kleinen Zahl von Priestern, die über ein so großes Gebiet verteilt sind, kommt den Laien eine entscheidende Rolle zu. Ihre Beteiligung und ihr Engagement sind unverzichtbar für die Erfüllung der pastoralen Aufgaben. Die Pflege und Begleitung der Priester, insbesondere die Förderung junger Geistlicher, ist ein Schwerpunkt seiner Arbeit, der ihm Zufriedenheit und Hoffnung gibt.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und die zunehmende Armut in der Region belasten Bischof Álvarez zusätzlich. Seine persönlichen Umstände – das Leben ohne eigenes Zuhause und die Abhängigkeit von der Gastfreundschaft seiner Priester – spiegeln seinen tiefen Einsatz und seine Demut wider. Trotz dieser Herausforderungen bleibt er optimistisch und findet Freude in seinem Dienst, getragen von einer Gemeinschaft, die sich durch Solidarität und gegenseitige Unterstützung auszeichnet.
Die Unterstützung durch KIRCHE IN NOT ist für die Diözese von unschätzbarem Wert. Sie ermöglicht die Deckung von Grundbedürfnissen, wie Treibstoff für die pastoralen Fahrten, und unterstützt die Arbeit der Ordensgemeinschaften, die in den abgelegensten Gebieten tätig sind. Die Schwestern vom heiligen Johannes dem Täufer leisten unter härtesten Bedingungen pastorale und soziale Arbeit, die ohne externe Hilfe nicht möglich wäre.

Bischof Álvarez’ Geschichte ist eine von unermüdlichem Engagement und tiefer Glaubensüberzeugung, die in einem der herausforderndsten Missionsgebiete der Welt zum Ausdruck kommt. Trotz der Schwierigkeiten, die seine Mission mit sich bringt, bleibt sein Geist unbeugsam, getragen von der Hoffnung, dass die Saat, die er in Patagonien sät, auf fruchtbaren Boden fällt und wächst, unterstützt durch die Solidarität und das Gebet der weltweiten Kirche.
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Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin des weltweiten katholischen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (international: Aid to the Church in Need – ACN) kehrte vor kurzem von einer Lateinamerika-Reise zurück. In Chile, Brasilien, Kolumbien und Mexiko betreibt KIRCHE IN NOT eigene Nationalbüros. Lynch berichtet über die aktuellen Herausforderungen in diesen Ländern.
Was war der Anlass für Ihre Reise?
Regina Lynch: Chile, Brasilien, Kolumbien und Mexiko sind Länder, die Hilfe von „Kirche in Not“ erhalten, die aber auch selber Spendenkampagnen für Christen in Not in anderen Teilen der Welt organisieren. Es ist wunderbar, wenn Menschen über ihr eigenes Leid hinausblicken können. Deshalb war es mir ein Bedürfnis, die Büros von „Kirche in Not“ in Lateinamerika zu besuchen.
Ihre erste Station war Chile. Wie ist die Lage dort?
Chile war das erste Land in Lateinamerika, das „Kirche in Not“ unterstützt hat. Das war 1962. Das Land ist geprägt von vielen Auseinandersetzungen. Das betrifft auch die Kirche: Da waren die Skandale um sexuellen Missbrauch, und seit 2019 gibt es immer wieder Brandanschläge auf Gotteshäuser. Das ist keine einfache Ausgangslage. Dennoch werden unsere Wohltäter in Chile aktiv und spenden. Ich glaube, sie tun das, weil sie sich ihrer eigenen schwierigen Situation bewusst sind.

Ja, wir konzentrieren uns dort sehr stark auf das Thema Ausbildung, vor allem von Priesterseminaristen und Katecheten. Traurigerweise müssen wir aufgrund der Angriffe auf Kirchen und Kapellen in Chile auch beim Wiederaufbau und der Instandsetzung der beschädigten Gebäude helfen.
Ihre nächste Station war Brasilien. Vor welchen Herausforderungen steht die Kirche dort?
60 bis 65 Prozent der Menschen in Brasilien sind katholisch, aber ihre Zahl sinkt Jahr für Jahr. Viele Gläubige schließen sich Sekten an. Aufgrund des Drogenhandels gibt es sehr viel Gewalt. Ich habe zum Beispiel in São Paulo arme Gegenden besucht, in die sich nicht einmal die Polizei hineinwagt. Ich war beeindruckt von den Mitarbeitern der neuen kirchlichen Bewegungen, die in diesen Slums mit den Menschen leben, Schulen betreiben und die viel Respekt in der Bevölkerung genießen. In Rio habe ich eine Kapelle besucht, die in einem Einkaufszentrum untergebracht ist. Es gibt mehrere solcher Einrichtungen. Das ist ein innovativer Weg, um Menschen zu erreichen.

Ihr nächstes Ziel Kolumbien gilt als Zentrum des internationalen Drogenhandels…
Ja, das Land erlebt ein extremes Ausmaß an Gewalt. Es gibt auch gesellschafspolitische Entwicklungen, wie die Legalisierung der Sterbehilfe oder der Abtreibung, zu denen die Kirche Stellung beziehen muss, um die Menschen gut zu begleiten. Die Kirche in Kolumbien spielt auch eine sehr wichtige Rolle für Menschen, die vor der Dauerkrise und der enormen Armut in Venezuela fliehen. Die Kirche tut enorm viel, um diese Migranten zu unterstützen.
Ihre Reise endete in Mexiko, einem Land, in dem in der jüngeren Vergangenheit viele Priester ermordet wurden.
Mexiko ist für Priester eines der gefährlichsten Länder der Welt. Es gibt dort viel organisiertes Verbrechen, und wenn ein Priester es wagt, das anzusprechen, kann er dafür mit seinem Leben bezahlen. KIRCHE IN NOT hat gerade erst ein Friedenstreffen in Puebla unterstützt. Die Idee für dieses Treffen entstand nach dem Mord an zwei Jesuiten vor einem Jahr. Wenn irgendeine Hoffnung auf Veränderung in Mexiko besteht, dann ist es die Kirche, die dazu beitragen kann.
Das gilt auch im Blick auf die Migranten, die oft Opfer von Drogenkartellen und anderen kriminellen Gruppen werden. Die Kirche ist eine der wenigen Einrichtungen, die sich für diese Menschen einsetzt. Ich habe den Eindruck, dass dies vom Staat nicht immer anerkannt wird, was sehr bedauerlich ist.

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Verwendungszweck: Lateinamerika
Seit jeher kennt die Kirche die Tradition der Messstipendien, das heißt, dass Gläubige die Priester um eine Heilige Messe in bestimmten Anliegen bitten und ihnen dafür Geld oder andere kleine Gaben geben. Dabei geht es nicht darum, die Heilige Messe zu „bezahlen“, denn dies ist nicht möglich, sondern es handelt sich um ein Zeichen der Dankbarkeit und der Liebe. Für viele Priester vor allem in ärmeren Ländern ist dies ein unersetzlicher Beitrag zu ihrem Lebensunterhalt, denn oft erhalten sie kein Gehalt. Zugleich ist ein großes Zeichen der Liebe, für Lebende oder Verstorbene eine Heilige Messe feiern zu lassen – es ist das Größte, was man einem Menschen schenken kann.
Im vergangenen Jahr konnten wir fast 1,9 Millionen Messstipendien an 40.730 bedürftige Priester in allen Teilen der Welt weitergeben. Auch 15 Spiritanerpatres, die in Mexiko tätig sind, bedanken sich für 300 Messstipendien in einer Gesamthöhe von 7.260 Euro. Der Orden ist darauf angewiesen, um unter anderem für notwendige medizinische Behandlungen seiner Mitglieder aufkommen zu können. Die Patres stammen aus verschiedenen Ländern.

Der aus Afrika stammende Pater Obiang Edou Yannick schreibt uns: „Mit Freude und Dankbarkeit möchten wir KIRCHE IN NOT für die Unterstützung und für die Bedeutung danken, die Sie unserer Mission der Erstevangelisierung unter den Tenek- und Nahuatl-Völkern in Mexiko beimessen. Dank Ihrer Unterstützung konnten einige unserer Schwierigkeiten überwunden werden. Möge Gott Sie segnen und möge die Mission Christi bis an die Enden der Erde reichen.“
Sein Mitbruder, Pater Baltazar Hernández, dankt ebenfalls im Namen aller seiner Mitbrüder: „Gnade, Liebe und Frieden sei mit euch! Mit großer Dankbarkeit wende ich mich an KIRCHE IN NOT und danke für die freundliche Unterstützung durch Messintentionen im Jahr 2022. Vielen Dank für diese großzügige Unterstützung, die uns ermutigt, unsere missionarische Arbeit an der Seite der Bedürftigsten fortzusetzen… Möge Gott Euch mit Segen erfüllen in Eurer Arbeit, um denen zu helfen, die am wenigsten haben.“
Auch in diesem Jahr freuen sich viele tausend bedürftige Priester auf Eure Messanliegen.
Die Strände von Necoclí im Nordwesten Kolumbiens waren einst ein Traumziel von Touristen. Mittlerweile sind die Karibik-Strände zu einer Durchgangsstation für Auswanderer geworden, die von hier aus nach Panama und weiter in die USA gelangen wollen.
Viele von ihnen stammen aus Venezuela. Die anhaltende Krise in ihrem Land lässt sie alles zurücklassen. Sie sind oft bereits seit Wochen zu Fuß unterwegs, tragen ihre Kinder und ein wenig Gepäck bei sich.
Manche versuchen in Necoclí ein Schiff zu finden, dass sie nach Panama bringt. Die meisten wählen jedoch den gefährlichen Landweg durch den dichten, bergigen Regenwald. 2022 sollen auf diesem Weg rund eine Viertelmillion Menschen ins Land gelangt sein, berichten Panamas Behörden. Von dort geht es tausende Kilometer weiter durch Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala, Mexiko bis in die USA – wenn die Migranten durchkommen.

Fünf Uhr morgens: Franziskaner-Schwester Gloria Gelpud Mallama ist mit ihren Mitschwestern schon am Strand und in den Straßen von Necoclí unterwegs, wo die meisten Auswanderer unter freiem Himmel übernachten.
„Die Leute brechen immer sehr schnell auf, es herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Wenn wir frühmorgens dran sind, haben wir noch eine Chance, die Menschen anzutreffen und ihnen Hilfe anzubieten.“
Die Not ist groß: Viele Auswanderer sind unterernährt, erschöpft oder krank. Die Schwestern verteilen in einem nahen Gemeindezentrum Lebensmittel, vermitteln sie weiter an Ärzte. In ihrem Dienst wechseln sie sich mit Ordensfrauen aus anderen Klöstern ab.

Vor allem schenken die Schwestern ein offenes Ohr, denn jeder, dem sie begegnen, hat eine erschütternde Geschichte zu erzählen: „Viele wurden auf der Reise bestohlen“, berichtet Schwester Gloria.
„Sie haben an vielen Orten das Gefühl, niemandem vertrauen zu können. Deshalb kommen sie zu uns.“ Nicht nur Auswanderer aus Venezuela, sondern auch aus Haiti, Kuba und sogar aus Angola, Indien und China habe sie bei ihrer Tour getroffen.
„Wir diskriminieren niemanden, unsere Hilfe ist für alle da“, betonte auch ihre Mitschwester Diana Sanchez. Die Kirche und ihre Einrichtungen seien ein Bezugspunkt für viele Migranten. Es gehe darum, Erste Hilfe zu leisten. „Ist die Kirche nicht da, ist sonst niemand da.“ Staatliche oder andere öffentlichen Hilfe gibt es so gut wie keine.

KIRCHE IN NOT unterstützt deshalb die Ordensfrauen von Necoclí bei ihrer täglichen Arbeit. So konnte zum Beispiel die Einrichtung für eine Armenküche angeschafft und ein Begegnungsraum eingerichtet werden. Aber die Schwestern bitten auch um katechetisches Material wie Bibeln und Gebetbücher.
Denn immer wieder bitten die Migranten die Schwestern, mit ihnen und für sie zu beten. Sie suchen Trost im Glauben. Für viele von ihnen endet die Reise tödlich, wissen die Ordensfrauen.
Umso mehr freuen sie sich, wenn sich einige Migranten oft nach Monaten wieder bei ihnen melden. Es sind Botschaften des Dankes, weil sie bei ihrer gefährlichen Reise in den Schwestern tätige Nächstenliebe und Barmherzigkeit gefunden haben.
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Es dämmerte schon im brasilianischen Amazonasgebiet, als Pater Paolo Maria Braghini in einem kleinen Boot zu seiner Mission zurückkehrte, nachdem er in der Stadt Vorräte gekauft hatte.
Plötzlich zog ein schwerer Sturm auf. Zusätzlich zu Regen und Dunkelheit tauchte auf dem Fluss ein großes Boot auf, dessen Bugwelle das kleine Boot von Pater Braghini zum Kentern brachte. Der Priester und sein Begleiter fielen aus dem Boot und wurden von der Strömung auf den Grund des Flusses gerissen.

In der Dunkelheit und im Regen gelang es ihnen nur mit großer Mühe, ans Ufer zu schwimmen. An Land angekommen, konnten sie sich nicht ausruhen, denn Moskitos, Ameisen und andere Insekten ließen dies nicht zu.
Sie liefen mehr als eine Stunde lang im Dunkeln, bis sie schließlich auf eine indigene Gemeinschaft stießen, die sie willkommen hieß. „Dies zu überleben, war ein Segen Gottes, denn manchmal gehen Menschen unter und ertrinken, weil die Strömung zu stark ist“, sagt der Kapuzinerpater.
Im Jahr 2005 kam der Kapuziner aus Italien in die Pfarre des heiligen Franz von Assisi im Dorf Belém do Solimões im Amazonasgebiet, in der Nähe des Dreiländerecks Brasilien, Kolumbien und Peru.

Der Missionar, der 72 indigene Gemeinden an den Ufern kleiner Flüsse betreut, ist Alligatoren entkommen, war von Feuerameisen bedeckt und musste einmal eine Frau in Sicherheit bringen, die von einer Giftschlange gebissen worden war. Immer wieder ging das Boot kaputt, und Pater Paolo Braghini war der Strömung des Flusses ausgeliefert.
„Unfälle und unvorhergesehene Ereignisse sind Teil unseres Lebens. Ich hatte einmal einen Schreckmoment mit einem riesigen Alligator: Als wir an ihm vorbeifuhren, dachten wir, es sei ein vom Sturm umgewehter Baum, aber als wir näherkamen, öffnete er direkt neben uns die Augen. Mir ist fast das Herz in die Hose gerutscht“, erinnert sich der Ordensbruder.
Paolo Braghini erzählt: „Als wir in Belém do Solimões ankamen, fanden wir eine Pfarrei vor, die seit fünfzehn Jahren verlassen war. Dort gab es weder einen Pfarrer noch Ordensleute; der Glaube wurde von einigen Laien am Leben erhalten. In einigen Gemeinden war ich der erste Priester, der eine Taufe spendete. Außerdem waren Gewalt, Alkoholismus und Selbstmorde unter jungen Menschen sehr verbreitet.

Wir sahen, wie sie geradezu nach Hilfe und Chancen für ihr Leben schrien. Wir begannen mit kleinen Veranstaltungen wie Musik-, Gitarren-, Schreinerei- und Nähkursen, und nach und nach entstanden neue pastorale Tätigkeiten; so gewann die Evangelisierung an Schwung.
Die Arbeit von Pater Braghini wäre ohne die Hilfe von KIRCHE IN NOT kaum möglich gewesen. So hat die Kapuzinermission kürzlich nicht nur die Kinderbibel in die Ticuna-Sprache übersetzt, sondern dank der Unterstützung durch das Hilfswerk auch vier motorisierte Kanus erworben.

„Mit Hilfe von KIRCHE IN NOT konnten wir mehr Gemeinden von Gläubigen betreuen, da wir mit einheimischen Missionaren zusammenarbeiten. Jede Gemeinde ist eine Tagesreise mit dem Boot entfernt. Wir stellen jeder Gruppe von Missionaren, die jeweils für eine oder zwei Gemeinden zuständig sind, ein Holzkanu und einen Motor zur Verfügung, so dass die Gemeinden mindestens einmal im Monat besucht werden können“, erklärt der Missionar.
Unter den verschiedenen, von den Kapuzinern betreuten indigenen Gruppen sind die Ticuna die größte in der Region; im brasilianischen Amazonasgebiet leben etwa 40 000 Ticuna. In den Gemeinden von Belém dos Solimões wird jeden Sonntag die heilige Messe in der Sprache der Ticuna gefeiert, und es gibt Katechese. Auch der erste Ticuna-Diakon lebt dort.

Im Priesterseminar werden weitere indigene Berufungen ausgebildet. „Ich glaube, unsere große Stärke ist es immer gewesen, an die Menschen vor Ort zu glauben, zu wissen, dass sie diejenigen sind, die wirklich die Führer, die Hirten ihres Volkes mit ihrer Sprache und ihrer schönen Kultur sein können und sollten. Sie spüren, dass wir an sie glauben, dass wir sie lieben und schätzen“, sagt Pater Braghini.
Braghini ist den Wohltätern von KIRCHE IN NOT, die die Kinderbibel in Ticuna, die Motorboote, Treibstoff für die Reisen und sogar Lebensmittelpakete während der kritischsten Zeit der Covid-19-Pandemie zur Verfügung gestellt haben, unendlich dankbar.
„Tausend Dank! Ich danke Ihnen im Namen eines jeden, der von Ihrer Hilfe profitiert hat. Wir bitten auch um Ihr Gebet, denn es ist nicht einfach, in diesen Ländern als Missionar tätig zu sein. Die Herausforderungen sind zahlreich, groß und täglich. Beten Sie für uns alle, für die Missionare in Amazonien und in der ganzen Welt“, bittet der Kapuziner.
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Dschihadismus und Nationalismus sind die Hauptmotive für die zunehmende Verfolgung von Christen in zahlreichen Ländern weltweit. Das ist das zentrale Ergebnis der Dokumentation „Verfolgt und Vergessen? Ein Bericht über Christen, die ihres Glaubens wegen unterdrückt und verfolgt werden“, den das weltweite katholische Hilfswerk KIRCHE IN NOT veröffentlicht hat.
Der Bericht, den das britische Nationalbüro des Hilfswerks erstellt hat und der nun in deutscher Sprache vorliegt, dokumentiert für den Zeitraum 2020 bis 2022 die Entwicklungen im Hinblick auf die religiöse Verfolgung in Afrika, im Nahen Osten und Asien und geht anschließend auf Vorkommnisse in 22 Ländern ein, darunter China, Pakistan, Katar, Türkei oder Vietnam.

Der Bericht “Verfolgt und Vergessen?” liefert Zeugnisse aus erster Hand, vor allem von den Projektpartnern von KIRCHE IN NOT sowie öffentlich zugänglichen Quellen. Diese Beispiele belegten, dass Christenverfolgung Tag für Tag stattfinde, in einigen Weltregionen in steigendem Maße. Der Bericht möchte aufrütteln und zur Solidarität anspornen.
Der neue Bericht stellt fest, dass in 75 Prozent der untersuchten Länder die Unterdrückung und Verfolgung von Christen im Berichtszeitraum zugenommen hat. So breitet sich in Afrika der Dschihadismus vor allem in den Staaten der Sahel-Region immer weiter aus. Berichten zufolge starben allein in Nigeria zwischen Januar 2021 und Juni 2022 bis zu 7600 Christen durch terroristische Anschläge. Im Mai 2022 wurde ein Video veröffentlicht, das die Hinrichtung von 20 nigerianischen Christen durch die Terrorgruppe Boko Haram zeigt.

In Asien führen autoritäre Regime zu einer Verschärfung der Unterdrückung. Nordkorea steht hier seit Langem an der Spitze der Verfolgung, aber auch in China sind Christen immer größerer staatlicher Überwachung unterworfen. Besondere Sorge in dieser Weltregion macht der erstarkende ethno-religiöse Nationalismus. Beispiele sind Indien oder Sri Lanka, in denen hinduistische bzw. buddhistische Nationalistengruppen großen Einfluss haben. So wurden in Indien zwischen Januar 2021 und Juni 2022 mindestens 710 Vorfälle antichristlicher Gewalt gezählt; die Dunkelziffer dürfte weit größer sein.
Im Nahen Osten ist dem Bericht zufolge die Auswanderungswelle der christlichen Bevölkerung infolge der wirtschaftlichen Not und der Auswirkungen des Syrienkriegs nach wie vor nicht gestoppt. In Syrien ist die Zahl der Christen von zehn Prozent der Bevölkerung kurz vor Kriegsbeginn auf heute weniger als zwei Prozent gesunken. Im Irak hat sich die Zahl der Christen seit 2014 halbiert, wenngleich kleine Fortschritte in der Anerkennung der Rechte der christlichen Minderheit gemacht werden konnten.
„Verfolgt und vergessen?“ dokumentiert auch die zahlreichen Entführungen von Mädchen und jungen Frauen in Ländern wie Pakistan oder Ägypten, die vorrangig auf das Konto radikaler Islamisten gehen. Der Bericht zeigt in zahlreichen Bildern und Beispielen auch den Einsatz von „Kirche in Not“ für bedrängte Christen weltweit.
„,Verfolgt und vergessen?’ ist wie ein Kompendium und Motor unseres Einsatzes für die Kirche, die auch im 21. Jahrhundert in Not ist“, sagt Herbert Rechberger, Nationaldirektor von “Kirche in Not” – Österreich. „Unsere Glaubensgeschwister brauchen uns; das zeigt der Bericht einmal mehr denn je.“
KIRCHE IN NOT (ACN) ruft zum Gebet für die Kirche in Nicaragua und für den am 10. Februar verurteilten nicaraguanischen Bischof auf.
Vereint mit Papst Franziskus, der sich am 12. Februar nach dem Angelusgebet traurig und besorgt zeigte, bittet KIRCHE IN NOT darum, die schreckliche Situation nicht aus den Augen zu verlieren, in der sich Rolando Álvarez, Bischof von Matagalpa und Apostolischer Administrator der Diözese Estelí, befindet. KIRCHE IN NOT bittet um Gebet für ihn und für alle, die in Nicaragua leiden.
Laut verschiedener Medien nimmt die Regierung nun Priester, die Bischof Rolando Alvarez in ihren Gottesdiensten erwähnen, mit der Begründung fest, dies sei „eine verbotene Tätigkeit“. Mindestens zwei Priester wurden Berichten zufolge in Madriz beziehungsweise Nueva Segovia verhaftet, weil sie den Bischof in ihren Sonntagsgottesdiensten erwähnten oder für ihn beteten.
Angesichts des Versuchs, die Gebete des nicaraguanischen Volkes zum Schweigen zu bringen, bittet KIRCHE IN NOT seine Wohltäter in aller Welt, ihre Gebete für die nicaraguanische Kirche zu verstärken, damit sie sich in den aktuellen Schwierigkeiten nicht alleingelassen weiß und weiterhin das Evangelium verkünden und die Menschen, insbesondere die Schwächsten und Ärmsten, begleiten kann.

Das Urteil gegen Bischof Rolando Álvarez erging einen Tag, nachdem er sich geweigert hatte, zusammen mit mehr als 200 politischen Gefangenen, darunter mehrere Priester und Seminaristen, das Land zu verlassen. Sie wurden der „Verschwörung“ beschuldigt und in die Vereinigten Staaten abgeschoben. Zu den Ausgewiesenen gehörten die Priester Oscar Benavides, Ramiro Tijerino, Sadiel Eugarrios, José Díaz und Benito Martínez sowie der Diakon Raúl Veja. Ebenfalls abgeschoben wurden die Seminaristen Melkin Centeno und Darvin Leyva sowie die beiden Verantwortlichen für soziale Kommunikation der Diözese Matagalpa, Manuel Obando und Wilberto Astola. Sie alle befanden sich im Gefängnis wegen „Verstoßes gegen die Unabhängigkeit, die Souveränität und die Selbstbestimmung des Volkes“ sowie wegen Anstiftung zu „Gewalt, Terrorismus und wirtschaftlicher Destabilisierung“.
Der Bischof von Matagalpa stand seit den frühen Morgenstunden des 19. August 2022 unter Hausarrest. Sein Name befand sich zwar auf der Liste der Personen, die abgeschoben werden sollten. Er weigerte sich jedoch, das Flugzeug zu besteigen. Der für Mittwoch, den 15. Februar, angesetzte Prozess wurde deswegen vorgezogen, wobei der Richter eine Freiheitsstrafe von 26 Jahren verhängte. Demnach würde Bischof Alvarez bis 2049 im Gefängnis bleiben. Der Richter erklärte ihn zum „Landesverräter“ und der „Verschwörung zur Untergrabung der nationalen Integrität und der Verbreitung falscher Nachrichten durch Informations- und Kommunikationstechnologien zum Schaden des Staates und der nicaraguanischen Gesellschaft“ für schuldig.

Im August 2022 beklagte KIRCHE IN NOT die Lage der Katholiken in Nicaragua. Regina Lynch, internationale Projektleiterin bei KIRCHE IN NOT, sagte: „Wir erleben gerade einen Prozess, der die Kirche in Nicaragua zum Schweigen bringen will.“
Sie erklärte weiter: „Nicaragua wird weiterhin von der Krise erschüttert, die vor mehr als fünf Jahren ausbrach. Die Lage in dem mittelamerikanischen Land ist kritisch, die Polarisierung groß und die Konfrontation stark. Wir glauben, dass das Gebet in dieser Zeit wichtiger ist als je zuvor.“
KIRCHE IN NOT ist bestürzt über die bei dem Hilfswerk regelmäßig eingehenden Berichte über Priester, denen die Rückkehr ins Land verweigert wird, über Visabeschränkungen für Ordensleute, die Kontrolle und Überwachung der Bewegungen von Priestern und Bischöfen, das Abhören von Predigten sowie über das Verbot von Prozessionen und religiösen Feiern.
In einer Situation großer politischer und sozialer Unsicherheit hat das Engagement der Kirche in ihrer Rolle als Friedensvermittlerin und Förderin der Versöhnung im Land dazu geführt, dass Gläubige und Priester Opfer von Repressionen, falschen Anschuldigungen, ungerechtfertigten Verhaftungen und Gefängnisstrafen geworden sind.

Im November 2022 erschien der jüngste Bericht der Rechtsanwältin und Forscherin Martha Patricia Molina „Nicaragua: eine verfolgte Kirche? (2018-2022)“. Dem Bericht zufolge wurden im Zeitraum zwischen April 2018 und Oktober 2022 insgesamt 396 Angriffe auf die katholische Kirche in diesem mittelamerikanischen Land verübt.
Unter den fast 400 dokumentierten Vorfällen sind Schändungen, Raubüberfälle, Drohungen und Hassreden zu finden. In diesem Zeitraum waren mehrere Bischöfe, Priester, Ordensschwestern und Laien Ziel von Repressalien seitens der Behörden.
Die drastische Maßnahme der nicaraguanischen Regierung gegen Bischof Alvarez ist ein weiterer Schritt in der Spirale der Konfrontation gegen die Kirche und ihre Mitglieder. Der Apostolische Nuntius, Waldemar Stanislaw Sommertag, war bereits im März 2022 des Landes verwiesen worden. Ebenso wurde die Ausreise der Missionarinnen der Nächstenliebe, der von der heiligen Mutter Teresa von Kalkutta gegründeten Kongregation, sowie anderer Ordensleute und Priester erzwungen. Außerdem schloss die Regierung den Fernsehsender der Bischofskonferenz und katholische Radiosender und verstaatlichte die katholische Universität von Trópico Seco, die zur Diözese Estelí gehörte.
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Verwendungszweck: Nicaragua
25.880 Euro haben unsere Wohltäter für ein geländetaugliches Fahrzeug für Pater Antonio Zavatarelli gespendet, der die weitläufige Andenpfarre Peñas betreut. Er leitet außerdem auch eine Schule in der bolivianischen Metropole La Paz, die 3500 Meter über dem Meeresspiegel liegt.
Die 27 Dörfer, die zu der Pfarre gehören, liegen bis zu 5200 Meter hoch im Gebirge. Die unbefestigten Straßen sind durch Schlamm, tiefe Schlaglöcher und Steine eine große Herausforderung für jedes Auto. Außerdem fällt oft Schnee.
Die Herausforderungen sind groß: Die Menschen in den Andendörfern leben in großer Armut; das unwirtliche Klima, Umweltverschmutzung und Bodenerosion erschweren das Leben zusätzlich. Viele Jugendliche brechen die Schule vorzeitig ab und suchen ihr Glück in den Städten.

Allerdings finden dort oft nicht das erhoffte bessere Leben, sondern stranden entwurzelt und perspektivlos in einem der Armenviertel, wo Arbeitslosigkeit, Alkohol, Drogen und Kriminalität an der Tagesordnung sind. Eine intensive seelsorgliche Betreuung ist also sowohl im ländlichen Gebiet als auch in der Stadt dringend notwendig.
Dank Ihrer Hilfe kann Pater Antonio nun besser zu den Menschen gelangen, die ihn brauchen. Der aus Italien stammende Priester schreibt uns: „In dieser Zeit der großen Krise der Menschheit bleiben wir im Gebet vereint und arbeiten für eine Welt des Friedens, geleitet vom Geist unseres Herrn Jesus Christus. Ich danke Ihnen!“

Die neue Ausgabe der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT in der Sateré-Sprache ist nicht nur ein Werkzeug zur Vertiefung des Glaubens. Sie trägt außerdem dazu bei, die Sprache und Kultur eines indigenen Volkes zu bewahren.
Angehörige des Sateré-Mawé-Volkes aus dem Amazonasgebiet können nun die Bibel in ihrer eigenen Sprache lesen. Das päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) hat eine neue Ausgabe seiner Kinderbibel Gott spricht zu seinen Kindern fertiggestellt und bereits an mehrere Gemeinden verteilt.

Die Sateré-Mawé leben in den Amazonas-Regionen Andirá und Marau. Mitte Dezember wurden dank KIRCHE IN NOT mehr als tausend Exemplare der Kinderbibel an Vertreter von etwa dreißig Gemeinden verteilt.
P. Henrique Uggé, ein italienischer Missionar des Päpstlichen Instituts für die auswärtigen Missionen (PIME), der seit Jahrzehnten unter den Eingeborenen Amazoniens wirkt, betont: „Wir alle hören, lesen und meditieren gerne das Wort Gottes in unserer eigenen Sprache und in unserem eigenen kulturellen und historischen Kontext.“ Der Geistliche freut sich darüber, dass die Sateré-Mawé nun auch die Messlesungen in ihrer Sprache hören können, was „für sie sehr nützlich sein wird“.

Als er 1972 in die Region kam – so erinnert sich P. Henrique –, zählte die Volksgruppe lediglich etwa 1200 Angehörige. Aufgrund von Krankheiten und der völligen Vernachlässigung durch die Behörden war sie vom Aussterben bedroht. Heute gehören zu der Volksgruppe mehr als 12 000 Menschen, und die Kinder profitieren von einem Netz zweisprachiger Schulen.
Die neue Ausgabe der Kinderbibel, die die wichtigsten Geschichten aus dem Alten und Neuen Testament enthält, wird mit der finanziellen Hilfe von KIRCHE IN NOT herausgegeben und verteilt. Sie ist das Ergebnis der Bemühungen der sieben örtlichen Katecheten, die sie übersetzt haben. Einer von ihnen ist Dercival Santos Batista, selbst Sateré-Mawé: „Dank dieses Buches werden sich unsere Kinder und Jugendlichen auf dem richtigen Weg befinden. Auch für unser eigenes Verständnis des Wortes Gottes ist es sehr wichtig.“

Laut Honorato Lopes Trindade, einem weiteren Übersetzer, haben solche Veröffentlichungen einen zusätzlichen Nutzen, da sie zur Erhaltung der eigenen Kultur beitragen: „Unsere Sprache geht verloren. Wir sollten dafür kämpfen, sie zu bewahren. Viele der Wörter in dieser Bibel sind nicht mehr gebräuchlich, so dass die Leser nach ihnen fragen müssen, um sie zu verstehen.“
P. Henrique Uggé unterstreicht die Bedeutung dieses Beitrags zur Erhaltung der indigenen Kultur. Ausgaben anderer spiritueller und liturgischer Bücher, einschließlich Hörbücher, seien in Vorbereitung.

Die KIRCHE IN NOT-Kinderbibel wurde erstmals 1979 veröffentlicht und ist inzwischen in 190 Sprachen übersetzt worden. Insgesamt wurden mehr als 50 Millionen Exemplare gedruckt, davon mehr als 10 Millionen allein für Brasilien. Neben der Ausgabe in Sateré-Mawé- und der portugiesischen Ausgabe wurde die Kinderbibel auch in mehrere weitere brasilianische indigene Sprachen, etwa Guarani, Tukano, Ticuna und Macuxi übersetzt. In einigen Fällen handelte es sich bei der Kinderbibel um das erste in der jeweiligen Sprache veröffentlichte Buch.
Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Kinderbibel