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Der 24. Februar 2022 markiert einen tiefen Einschnitt für Millionen von Menschen in der Ukraine. Was als großflächige Invasion begann, entwickelte sich zu einer jahrelangen Prüfung für den Glauben und die Menschlichkeit. Doch inmitten der Trümmer und der Angst gibt es Orte der Zuflucht – ermöglicht durch eine Welle der Solidarität, die bis heute anhält.

Ein unerwartetes Geschenk in der Not

Für Julia aus Charkiw bedeutete die Flucht nicht nur den Verlust ihrer Heimat, sondern auch den Beginn einer tiefgreifenden inneren Wandlung. Gemeinsam mit ihrer Familie fand sie Schutz in einem Kloster bei den Schwestern Paulina und Barbara.

„Ihre Gastfreundschaft hat mich täglich erstaunt“, erinnert sich Julia. „Es war das größte Geschenk in jener dunklen Zeit: ein tiefgreifendes spirituelles Erwachen.“

Was im hektischen Stadtleben kaum Platz fand, wurde im Kloster zum Anker: wöchentliche Gottesdienste und ehrliche Gespräche. Als Julia die Ukraine schließlich verlassen musste, damit ihre Kinder zur Schule gehen konnten, blieb eine Verbindung, die wie Familie ist – und ein ewiger Kalender der Schwestern, der sie noch heute täglich an diese Zeit erinnert.

Bringen Sie mit Ihrer Spende Licht in die Dunkelheit notleidender Menschen in der Ukraine

1256 Projekte für die Nächstenliebe

Julias Geschichte ist eines von vielen Zeugnissen. Dank der Großzügigkeit von Ihnen konnte KIRCHE IN NOT in den vergangenen vier Jahren 1.256 Projekte mit einer Gesamtsumme von über 30 Millionen Euro unterstützen.

Diese Zahlen übersetzen sich vor Ort in ganz konkrete, lebensnotwendige Hilfe:

    • Tägliche Versorgung: In Tschernomorsk bereiten die Schwestern der Nächstenliebe der Heiligen Elisabeth täglich bis zu 100 warme Mahlzeiten zu und verteilen Lebensmittelpakete an Geflüchtete, Senioren und Soldaten.

 

    • Wärme und Licht: In Städten wie Odessa, die von Bombenangriffen und Stromausfällen geprägt sind, sichert Treibstoff für Generatoren den Fortbestand des Gebets und der Katechese.

 

    • Medizinische Hilfe: Die Unterstützung deckt Behandlungskosten für lebensbedrohliche Kriegsverletzungen und ermöglicht die Ausbildung von Schwestern zur medizinischen Versorgung verwundeter Soldaten.

 

    • Traumaheilung: Programme helfen dabei, die seelischen Wunden dieses Krieges zu lindern.

 

„Liebe ist stärker als der Tod“

Hinter jedem Projekt stehen Menschen, die an vorderster Front ausharren. Pater Oleksander Ryepin aus Mykolaiiv berichtet, wie das Pfarrhaus über ein halbes Jahr lang zur Heimat für Menschen aus besetzten Gebieten wurde. Es ging um mehr als nur das Überleben – es ging darum, Würde und Zugehörigkeit zurückzugewinnen.

„Der Schmerz verschwindet nicht – aber er wird verwandelt“, schreibt er. „Tränen hören auf, nur Verzweiflung zu sein, und werden zu Gebet.“

Auch die Schwestern aus Odessa und Tschernomorsk senden ihren Dank: Die Hilfe schenkt ihnen die Gewissheit, nicht allein zu sein. Für sie ist klar: Liebe ist stärker als die Angst.

Eine Ordensfrau verteilt Lebensmittel an bedürftige Menschen in der Ukraine.

Die Hoffnung auf eine Rückkehr

Die Kirche in der Ukraine bleibt lebendig und nah bei den Menschen, weil Menschen weltweit sie nicht vergessen haben. Diese Unterstützung ist das Fundament für die Hoffnung, die auch Julia in ihrem Herzen trägt, während sie in der Fremde auf ihren Kalender blickt.

Ihr Traum bleibt unerschüttert: „Jeden Tag träume ich davon, nach meinem geliebten Charkiw zurückzukehren. Und wir werden zurückkehren. Der Krieg wird enden.“

Der kürzlich ernannte Präsident von KIRCHE IN NOT, Kurt Kardinal Koch, hat die Internationale Zentrale des Hilfswerks in Königstein im Taunus besucht. Er kam dort mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen, besuchte die Räumlichkeiten und feierte eine heilige Messe in der Hauskapelle.

Er freue sich, „Präsident dieser wunderbaren Organisation zu sein“ und ermutigte die Anwesenden, die Christen in Not nicht nur materiell, sondern auch geistlich zu unterstützen. Das Wichtigste sei, an sie zu denken und für sie zu beten.

„Wir haben die große Freude, die großartige Botschaft Jesu Christi empfangen zu haben und diese Botschaft weitergeben zu dürfen, damit Menschen in Freude leben können. Doch viele Menschen befinden sich in Schwierigkeiten und großer Not. Es ist unsere Aufgabe, ihnen zu helfen, indem wir sie materiell unterstützen und ihnen das Geschenk des Glaubens, des Evangeliums anbieten.“

Im Gespräch mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankte Kardinal Koch ihnen ausdrücklich für deren intensives Engagement und den Einsatz für die Religionsfreiheit. Sie sei ein wichtiges Thema und eine große Herausforderung. Gleichzeitig verwies er auf die Dringlichkeit der Neuevangelisierung in den westlichen Ländern, „denn der Glaube ist in einigen unserer Regionen sehr schwach“.

Bei seinem Rundgang durch das Haus der Internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT besuchte Kurt Kardinal Koch auch das YOUCAT-Büro.

„Neuevangelisierung in den westlichen Ländern dringend notwendig“

Neben seiner neuen Aufgabe als Präsident von KIRCHE IN NOT ist Kardinal Koch beim Heiligen Stuhl langjähriger Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Bei seinem Besuch verwies er auf die Ähnlichkeit zwischen den Aufgaben des Dikasteriums und dem Auftrag des Hilfswerks: Beide hätten eine ökumenische und soziale Dimension und befassten sich mit den verschiedenen Ausdrucksformen des Christentums.

„Wir haben viele Unterschiede, eine große Vielfalt, aber wir brauchen einen gemeinsamen Geist. Ohne diesen gemeinsamen Geist können wir unsere Konflikte und Kriege nicht überwinden“, mahnte Kardinal Koch. Nur wenn die Kirche trotz aller Unterschiede geeint sei, kann sie ein Zeichen und Werkzeug für die Gesellschaft und die Welt sein.

Der aus der Schweiz stammende Kardinal ist dem Hilfswerk bereits lange verbunden. Nicht nur in seiner Heimat, sondern auch in Deutschland war er in der Vergangenheit bereits mehrfach Gast bei Veranstaltungen.

Heilige Messe in der Hauskapelle von KIRCHE IN NOT International: Eduard Kawa, römisch-katholischer Bischof von Kamjanez-Podilskyj (Ukraine), Kurt Kardinal Koch, Präsident von KIRCHE IN NOT, Pater Anton Lässer, kirchlicher Assistent von KIRCHE IN NOT International (v. l.).

Das Dikasterium für den Klerus hat den Wiener Pfarrer Stefan Reuffurth zum neuen geistlichen Assistenten für das katholische pastorale Hilfswerk KIRCHE IN NOT Österreich ernannt.

Der geistliche Assistent begleitet die Arbeit von KIRCHE IN NOT insbesondere auf geistlicher und pastoraler Ebene, etwa in der Begleitung von Mitarbeitern und Wohltätern, dem Spenden von Sakramenten sowie bei der kirchlichen Verankerung des Werks. Pfarrer Stefan Reuffurth folgt auf Pater Martin Rauch SJ, der bis 2025 geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT gewesen ist.

Seelsorge und Solidarität als zentrale Aufgabe

In seiner neuen Aufgabe sieht Pfarrer Reuffurth eine besondere Verbindung von Seelsorge und Solidarität: „KIRCHE IN NOT macht sichtbar, dass die Kirche eine weltweite Gemeinschaft ist, in der das Leid der einen nicht von den anderen getrennt werden kann. Mit über 5000 pastoralen Projekten wird durch KIRCHE IN NOT in über 1400 Diözesen weltweit der Glaube gestärkt und die Verkündigung der frohen Botschaft unterstützt. Es ist mir ein großes Anliegen, die pastorale Dimension dieses Dienstes hier in Österreich zu stärken – im Gebet, im Zeugnis des Glaubens und der Märtyrer sowie in der konkreten Hilfe für unsere Schwestern und Brüder in Not.“

Stefan Reuffurth mit Josef Grünwidl, dem Erzbischof von Wien (v.l.n.r.)

Ein Begleiter für die Stärkung der Arbeit in Österreich

„Dass Stefan Reuffurth unsere Arbeit für KIRCHE IN NOT mit Rat, Tat und Gebet unterstützen wird, freut mich sehr. Er hat ein großes Herz für die arme, leidende und verfolgte Kirche weltweit. Uns verbindet der Wunsch, Solidarität mit der leidenden Kirche zu üben sowie die Schönheit und Kraft des Glaubens der wachsenden Weltkirche den Menschen in Österreich nahzubringen. Wir stehen als katholisches Hilfswerk im Dienst der Kirche und wollen gemeinsam mit Stefan Reuffurth die Arbeit von KIRCHE IN NOT mehr Menschen in Österreich bekannt machen“, Tobias Pechmann, Nationaldirektor von KIRCHE IN NOT Österreich.

Pfarrer Stefan Reuffurth ist Diözesanpriester der Erzdiözese Wien. Er wurde 1967 in Hanau (Deutschland) geboren und studierte katholische Theologie in Wien und am Boston Theological Institute (USA). Nach seiner Priesterweihe 1999 arbeitete er unter anderem als Kaplan im burgenländischen Loretto und absolvierte weiterführende Studien in Moraltheologie an der Päpstlichen Akademie Alfonsiana in Rom. Seit 2007 ist er Pfarrer der Pfarre „Zum Guten Hirten“ in Wien-Hietzing, seit 2009 zudem Dechant des Stadtdekanats 13 sowie Pfarrer der Pfarren Unter St. Veit – Zum Guten Hirten und Ober St. Veit.

Das päpstliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) hat einen neuen Leiter: Papst Leo XIV. hat Kurt Kardinal Koch zum neuen Stiftungs-Präsidenten ernannt. Koch tritt die Nachfolge von Mauro Kardinal Piacenza an, der das Amt seit 2011 innehatte; der 81-Jährige hatte seinen altersbedingten Rücktritt erklärt.

„Wir freuen uns, Kardinal Koch als neuen Präsidenten zu haben, und auf die Führung, die er unserer Mission für verfolgte und notleidende Christen geben kann“, erklärte Regina Lynch, die Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT (ACN). Das Hilfswerk sei Papst Leo dankbar für diese Ernennung und „sein Interesse an unserer Arbeit“.

Lynch dankte auch Kardinal Piacenza, der seit der Umwandlung von KIRCHE IN NOT zu einer päpstlichen Stiftung ihr erster Präsident war. „In Kardinal Piacenza hatten wir stets einen beständigen und vertrauenswürdigen Mentor. Er stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite.“ Sie hob das besondere Interesse des bisherigen Präsidenten für die Projektarbeit von KIRCHE IN NOT im Nahen Osten und die Begleitung der Gebetsaktion „Ein Million Kinder beten den Rosenkranz“ hervor.

Der neue Präsident Kurt Kardinal Koch wurde 1950 im Kanton Luzern in der Schweiz geboren und 1982 zum Priester geweiht. Seit 2010 ist er Präfekt des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen und Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Für KIRCHE IN NOT ist Kardinal Koch kein Unbekannter: Er war mehrfach bei Veranstaltungen des Hilfswerks zu Gast.

Mauro Kardinal Piacenza, der scheidende Stiftungspräsident von KIRCHE IN NOT (ACN).

Kardinal Koch kennt KIRCHE IN NOT gut

Der Kardinal ist für KIRCHE IN NOT kein Unbekannter und hat seit Jahren eng mit dem katholischen Hilfswerk zusammengearbeitet. Unter anderem hat er dabei an Konferenzen teilgenommen und Pilgerreisen geleitet.

Kardinal Koch ist seit 2010 Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen und Präsident der Kommission für die religiösen Beziehungen zum Judentum. Ökumenische und interreligiöse Beziehungen sind ein wesentlicher Bestandteil der Mission von “Kirche in Not“, insbesondere in Ländern, in denen Christen oder Katholiken eine Minderheit darstellen.

Kardinal Kurt Koch, von Papst Leo XIV. ernannter internationaler Präsident der päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Foto: Stift Heiligenkreuz/Elisabeth Fürst
Die Ernennung durch den Papst erfolgte nach dem Rücktritt von Kardinal Mauro Piacenza (81) von dem Amt, das er seit 2011 innehatte. In seinem letzten Jahr als Präsident von KIRCHE IN NOT sprach Kardinal Piacenza während der Jubiläumswallfahrt nach Rom im Mai zu Tausenden von Wohltätern und Mitarbeitern der Stiftung. Er erinnerte sie daran, dass „die Mission von KIRCHE IN NOT genau darin besteht: Christus in seinem Heilswerk zu unterstützen, ihm zu helfen, bekannt und geliebt zu werden, Christus dabei zu helfen, die Menschheit zu retten, indem wir das Leben der Kirche unterstützen, insbesondere dort, wo sie mit den größten Schwierigkeiten konfrontiert ist“.

Im Vorfeld der Reise von Papst Leo XIV. in die Türkei hat der Apostolische Vikar von Istanbul, Bischof Massimiliano Palinuro, die intensive ökumenische Zusammenarbeit der christlichen Minderheit in der Türkei betont.

Die Beziehungen zwischen katholischer Kirche und dem orthodoxen Patriarchat von Konstantinopel seien „ausgezeichnet“, erklärte Palinuro im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Ich kann sogar sagen, dass die ökumenischen Beziehungen hier in Istanbul deutlich stärker sind als irgendwo sonst auf der Welt.“ Der 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa, der Anlass der ersten Auslandsreise von Papst Leo, sei darum auch ein wichtiges Signal der gemeinsamen Bemühungen aller Christen um „Einheit für die Menschheitsfamilie“.

Die christlichen Gemeinden in der Türkei hätten ein „enormes Potenzial, Brücken der Brüderlichkeit zu bauen“ und „Mauern einzureißen, die durch jahrhundertealte Vorurteile und ideologische Feindseligkeiten errichtet wurden“, sagte Palinuro. In einer „pluralen Welt“ bestehe die Gefahr, „die menschliche Brüderlichkeit und die Einheit der Kirche zu zerstören“. Oft neigten die Christen dazu, Unterschiede zu betonen, aber: „Wir sind nicht zur Einheitlichkeit, sondern zur Gemeinschaft in der Verschiedenheit berufen“, so der Bischof.

Bischof Massimiliano Palinuro, Apostolischer Vikar von Istanbul.

„Gemeinschaft in der Verschiedenheit“

Dass gerade die Ökumene in der Türkei große Fortschritte gemacht habe, sieht Palinuro als „Fügung des Schicksals“: „Genau hier, wo die große Spaltung ihren Ursprung hat, muss auch die große Versöhnung zwischen dem orthodoxen Osten und dem katholischen Westen ihren Anfang nehmen.“ Dieser Weg habe bereits in den 1930er-Jahren begonnen, als der spätere Papst Johannes XXIII. das Apostolische Vikariat in der Türkei leitete.

„Wir erwarten Papst Leo mit großer Freude und Zuversicht“, betonte Palinuro. Er wies hin auf die Renovierungsarbeiten der türkischen Behörden am historischen Ort des Konzils von Nizäa, dem ehemaligen Sommerpalast von Kaiser Konstantin im heutigen Iznik. Dort wird ein ökumenisches Gebetstreffen stattfinden. Der Papstbesuch sei ein „Zeichen der Einheit und der Hoffnung“.

Eine Taufe in der Türkei.

Papstbesuch als „Zeichen der Einheit und der Hoffnung“

Leo XIV. wird die Türkei von 27. bis 30. November besuchen, anschließend reist er bis zum 2. Dezember in den Libanon. Es ist seine erste Auslandsreise als Papst. Die Planungen zur Türkei-Visite gehen auf seinen Vorgänger Franziskus zurück. Die türkische Regierung hatte nach der Wahl von Papst Leo die Einladung wiederholt, zum 1700. Jahrestag des Konzils von Nizäa ins Land zu kommen. Das Konzil im Jahr 325 wird als einer der zentralsten Bezugspunkte der Christenheit vor den konfessionellen Spaltungen angesehen.

Die Zahl der Christen in der Türkei liegt laut dem von KIRCHE IN NOT kürzlich veröffentlichten Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ bei etwa 0,2 Prozent der Bevölkerung, das sind etwa 170 000 Personen; viele von ihnen sind Migranten. Der Bericht stuft das Land im Hinblick auf Verstöße gegen die Religionsfreiheit in die Kategorie „Diskriminierung“ ein.

In der Türkei sind nur 0,2 Prozent der Einwohner Christen

KIRCHE IN NOT unterstützt das Apostolische Vikariat Istanbul und andere katholische Gemeinden im Land mit Messstipendien für Priester, Transportmittel für die Seelsorge sowie der Finanzierung von Renovierungsmaßnahmen, Sprachunterricht oder dem Betrieb der Universitätsseelsorge.

Sicher Sie das Überleben der christlichen Minderheit mit Ihrer Spende

Laut dem römisch-katholischen Bischof von Charkiw, Pawlo Hontscharuk, leiden die Menschen in der Ukraine besonders unter der konstanten Präsenz von Drohnen und der psychischen Belastung nach knapp vier Jahren Krieg. „Wir tragen so viel Schmerz in uns, aber wir wissen, dass wir weiterleben müssen. Wir leben von einem Tag zum nächsten“, sagte er bei einem Besuch in der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein im Taunus.

Besonders belastend sei das ständige Surren von Drohnen. Es sei so konstant, dass die Menschen Angst hätten, wenn sie es nicht mehr hörten. „Die größte Gefahr für uns ist die Stille. Wenn es ruhig ist, wissen wir nicht, was als Nächstes passieren wird“, so der Bischof. Am schlimmsten seien Glasfaser-Drohnen, die eine Reichweite von 50 Kilometern hätten. „Sie schießen auf alles, was sich bewegt und lebt. Wir leben in ständiger Anspannung.“ Charkiw, die zweitgrößte Stadt der Ukraine, liegt im Osten des Landes und dadurch ganz nah an der Frontlinie.

Knapp vier Jahre seit Beginn der russischen Invasion seien Traumata bei Soldaten und der Zivilbevölkerung weit verbreitet. Daher sei hier die Arbeit der Kirche sehr wichtig. Bischof Hontscharuk dankte KIRCHE IN NOT bei seinem Besuch für die Unterstützung bei der Finanzierung von Trauma-Therapie-Kursen. „Das ist ein wichtiger Teil meines Dienstes. Ich selbst und alle Priester und Schwestern erhalten eine kontinuierliche psychologische Ausbildung. Das ist wichtig, um Menschen bei psychischen Problemen, familiären Spannungen, Gewalt und Selbstmordprävention zu unterstützen“, so der Bischof. „Es ist essenziell, den Menschen zuzuhören und ihnen auf unterschiedliche Weise zu helfen.

Pawlo Hontscharuk, Bischof von Charkiw-Saporischschja, besucht Verwundete im Krankenhaus.

KIRCHE IN NOT fördert Trauma-Therapie-Kurse

Die Ukraine ist derzeit das Hauptförderland von KIRCHE IN NOT. Im vergangenen Jahr hat das Hilfswerk dort mehr als 300 Projekte mit knapp 8,5 Millionen Euro gefördert. Besonders wichtig seien laut Bischof Hontscharuk Generatoren, da russische Streitkräfte oft gezielt die Stromversorgung angriffen, vor allem im Winter. „Ohne Generatoren gibt es keine Heizung – ohne diese Hilfe könnten wir nicht leben.“

Er dankte KIRCHE IN NOT für die großzügige und zuverlässige Unterstützung. „Das bedeutet uns sehr viel. Wenn wir Hilfe brauchen, melden wir uns, und KIRCHE IN NOT hilft sofort. Ich danke allen Wohltätern für ihre Gebete, ihre Solidarität und die finanzielle Unterstützung. KIRCHE IN NOT ist für uns wie eine Hand Gottes, die uns durch den Alltag trägt.“

Frauen vor einer Gedenkstätte für gefallene ukrainische Soldaten in Kiew. © Ismael Martinez Sanchez/Kirche in Not

Unterstützen Sie notleidende Menschen in der Ukraine mit Ihrer Spende:

KIRCHE IN NOT hat am Dienstag seinen Zweijahresbericht „Religionsfreiheit weltweit 2025“ vorgestellt, der einen globalen Überblick über den Stand dieses Grundrechts bietet. Die Studie warnt vor einer besorgniserregenden Verschlechterung: Zwei Drittel der Menschheit – mehr als 5,4 Milliarden Menschen – leben in Ländern ohne vollständige Religionsfreiheit.

Der Bericht analysiert die Lage in 196 Ländern und prangert in 62 davon schwere Verletzungen dieses Rechts an. Davon werden 24 als Länder mit „Verfolgung” und 38 als Länder mit „Diskriminierung” eingestuft.

„Das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit ist in vielen Ländern am Verschwinden“, warnte Regina Lynch, Geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT.

Autoritarismus, die größte globale Bedrohung

Der Bericht identifiziert den Autoritarismus als Hauptantriebskraft für religiöse Unterdrückung. In 19 der 24 Länder, die in der Kategorie „Verfolgung“, und in 33 der 38 Länder, die in der Kategorie „Diskriminierung“ aufgeführt sind, wenden die Regierungen systematische Strategien an, um das religiöse Leben zu kontrollieren oder zum Schweigen zu bringen.

In China, Iran, Eritrea und Nicaragua setzen die Behörden Massenüberwachungstechnologien, digitale Zensur, restriktive Gesetze und willkürliche Verhaftungen ein, um unabhängige Religionsgemeinschaften zu unterdrücken.

Ausgebrannte Kirche in Mosambik.

Der Vormarsch des Dschihadismus und des religiösen Nationalismus

Die Studie warnt davor, dass sich der islamistische Extremismus weiter ausbreitet, insbesondere in Afrika und Asien. In 15 Ländern ist er der Hauptgrund für Verfolgung, in weiteren 10 Ländern trägt er zur Diskriminierung bei. Die Sahelzone ist zum Drehpunkt dschihadistischer Gewalt geworden, wo islamistische Gruppen den Tod von hunderttausenden Menschen, die Vertreibung von Millionen und die Zerstörung hunderter christlicher Kirchen und Schulen verursacht haben.

Ethnisch-religiöser Nationalismus treibt währenddessen die Unterdrückung von Minderheiten in Asien voran. In Indien und Myanmar leiden christliche und muslimische Gemeinschaften unter Angriffen und rechtlicher Ausgrenzung. In Indien definiert der Bericht die Situation als „hybride Verfolgung”: eine Kombination aus diskriminierenden Gesetzen und Gewalt durch Zivilisten, die jedoch durch politische Reden angeheizt wird.

Vertreter unterschiedlicher Religionen aus Pakistan bei einem gemeinsamen Gebet (Archivbild).

Auch der Westen ist nicht immun

Die Verschlechterung der Religionsfreiheit betrifft auch Europa und Nordamerika. Im Jahr 2023 wurden in Frankreich fast 1000 Angriffe auf Kirchen, in Griechenland mehr als 600 Fälle von Vandalismus registriert. Ähnliche Spitzenwerte wurden in Spanien, Italien und den Vereinigten Staaten beobachtet, darunter Schändungen von Kultstätten, körperliche Übergriffe auf Geistliche und Störungen von Gottesdiensten.

Der Bericht dokumentiert auch einen dramatischen Anstieg antisemitischer und antimuslimischer Handlungen nach den Anschlägen vom 7. Oktober 2023 und dem Krieg im Gazastreifen. In Frankreich nahmen antisemitische Handlungen um 1000 % zu, während Hassverbrechen gegen Muslime um 29 % zunahmen.

Darüber hinaus ist das organisierte Verbrechen zu einem neuen Akteur der Verfolgung geworden. In Mexiko und Haiti ermorden oder entführen bewaffnete Gruppen religiöse Führer oder erpressen Pfarren, um ihre Kontrolle über bestimmte Gebiete durchzusetzen.

Symbole der Weltreligionen.

Unterzeichnen Sie unsere weltweite Petition für Religionsfreiheit

Jetzt mehr denn je muss die Religionsfreiheit weltweit verteidigt und geschützt werden. Daher haben wir eine weltweite Petition gestartet, um Regierungen und internationale Organisationen zum wirksamen Schutz des Rechts auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit aufzufordern. Setzen Sie ein Zeichen und unterzeichnen Sie unsere Petition: Gleich jetzt hier unterzeichnen!

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse können Sie kostenlos auf unserer Webseite herunterladen: Jetzt kostenlos herunterladen

KIRCHE IN NOT ruft Kinder, Jugendliche und Familien zur Teilnahme an der Gebetsaktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ auf. Ziel der Kampagne ist das Gebet um Einheit und Frieden. Die Aktion findet dieses Jahr erstmals am 7. Oktober statt, dem liturgischen Gedenktag „Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz“.
Kinder in Ghana nehmen auch heuer wieder an der Gebetsinitiative teil.

Kostenfreies Material zur Unterstützung

Für die Gestaltung stellt KIRCHE IN NOT ein kostenloses Faltblatt, Bewerbungsplakate und Fingerrosenkränze zur Verfügung, die auch in größerer Stückzahl bestellt werden können. Das Faltblatt enthält eine Anleitung zum Rosenkranzgebet, kindgerechte Betrachtungen zu den freudenreichen Rosenkranzgeheimnissen sowie eine Kinderweihe an die Gottesmutter. Die Materialien sind bei KIRCHE IN NOT kostenlos erhältlich unter: https://www.kircheinnot.at/shop.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Gebetsaktion zu gestalten: Einige Teilnehmer beten den gesamten Rosenkranz, manche nur einen Teil. Andere verbinden das Gebet mit einer Katechese zum Rosenkranzgebet, kurzen Lesungen und kindgerechten Liedern. Wieder andere laden Kinder neben dem Gebet zum Malen der Rosenkranzgeheimnisse ein.

Teilnehmende Gruppen und Einzelpersonen können sich auf der internationalen Kampagnenseite registrieren; dort gibt es auch Materialien zum Herunterladen.

Katholische Schulen organisieren Gebet

Österreichweit können sich Menschen am 7. Oktober dem Rosenkranzgebet entweder um 8.00 Uhr oder 14.00 Uhr anschließen, die von Radio Maria live übertragen werden. Um 8 Uhr beten die rund 150 Schüler des Stella Bildungscampus in Seebenstein den Rosenkranz und um 14 Uhr wird ein internationaler Kinderrosenkranz live ausgestrahlt. Die 3. und 4. Klassen der PVS St. Franziskus nehmen ebenfalls an der weltweiten Gebetsinitiative teil.

Die Kinder-Rosenkranzaktion ist 2005 in Venezuela entstanden; „Kirche in Not“ hat die weltweite Begleitung und Organisation der Aktion übernommen. Leitgedanke der Aktion ist ein Ausspruch des heiligen Paters Pio von Pietrelcina: „Wenn eine Million Kinder den Rosenkranz beten, wird sich die Welt verändern.“ Vergangenes Jahr wurden auf der Webseite über 1,2 Millionen Teilnehmer aus aller Welt registriert.

Der Vatikan sammelt die Geschichten von 1.624 Christen, die seit dem Jahr 2000 wegen ihres Glaubens ermordet wurden. In Rom wird eine ökumenische Gedenkfeier stattfinden – die Namen werden jedoch vorerst nicht veröffentlicht.

Eine vatikanische Kommission aus Historikern, Theologen und weiteren Fachleuten hat die Lebensgeschichten von mehr als 1.600 Männern und Frauen dokumentiert, die in den vergangenen 25 Jahren aufgrund ihres christlichen Glaubens getötet wurden. Unterstützt wurde sie dabei vom Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN), dessen Charisma eng mit dieser Aufgabe verbunden ist. Die nun vorgestellte umfassende Recherche knüpft an jene Arbeit an, die anlässlich des Heiligen Jahres 2000 auf Wunsch von Johannes Paul II. durchgeführt wurde.

Sri Lanka – Trauernde an der Gedenktafel der Opfer des Anschlags in Negombo 2019

Ihre Nächstenliebe stärkt verfolgte Christen –
jetzt Hoffnung schenken!

Ökumenische Feier in Rom am 14. September

Papst Leo XIV. hat Vertreter aller christlichen Konfessionen eingeladen, am Sonntag, dem 14. September, in der Basilika St. Paul vor den Mauern an einer ökumenischen Wortgottesdienstfeier teilzunehmen, um dieser „Zeugen des Glaubens” zu gedenken.

Die Kommission arbeitet seit Juli 2023, nachdem Papst Franziskus sie beauftragt hatte, die „Lebenszeugnisse bis hin zum Blutvergießen dieser unserer Schwestern und Brüder zu sammeln, damit das Gedenken an sie als von der christlichen Gemeinschaft gehüteter Schatz hervortreten kann”. Franziskus betonte ausdrücklich, dass die Forschung nicht auf Katholiken beschränkt sein dürfe, sondern „auf alle christlichen Konfessionen ausgedehnt werden“ müsse: „Wir sind ihnen allen zu großem Dank verpflichtet und dürfen sie nicht vergessen”.

Mehr Märtyrer als je zuvor

Der Vorsitzende der Kommission, Erzbischof Fabio Fabene, erinnerte bei der Vorstellung der Ergebnisse daran, dass „das Martyrium zu allen Zeiten der Kirche existierte, doch heute vielleicht mehr Menschen als je zuvor ihr Leben hingeben, um die Botschaft Christi nicht zu verleugnen“. Andrea Riccardi, Gründer der Gemeinschaft Sant’Egidio und stellvertretender Vorsitzender, erklärte, Ziel der Arbeit sei es, „ihre Erinnerung wachzuhalten, damit die Namen derer, die für den Glauben gestorben sind, nicht verloren gehen.“

Um die Daten zu vervollständigen, wandte sich die Kommission an Bischofskonferenzen, Ordensgemeinschaften und kirchliche Einrichtungen weltweit. Zudem wurden geprüfte Medienberichte herangezogen. Nach anderthalb Jahren intensiver Arbeit konnten 1.624 Fälle von Christen aller Konfessionen bestätigt werden, die zwischen 2000 und 2025 wegen ihres Glaubens getötet wurden: 643 in Subsahara-Afrika, 357 in Asien und Ozeanien, 304 in Amerika, 277 im Nahen Osten und in Nordafrika sowie 43 in Europa.

Riccardi betonte jedoch, dies sei „keine endgültige Zahl, da das Martyrium nie vollständig zu erfassen ist, vor allem nicht in entlegenen Regionen.”

Särge mit den Opfern des Angriffes auf eine Kirche in Burkina Faso.
Begräbnis nach einem Anschlag in Burkina Faso.

Regionale Unterschiede der Verfolgung

Die Umstände dieser Todesfälle unterscheiden sich je nach Region: „Viele der Glaubenszeugen in Amerika starben durch kriminelle Organisationen oder Drogenkartelle, andere, weil sie sich gegen Umweltzerstörung und Ausbeutung natürlicher Ressourcen wehrten. Die Präsenz von Christen als ehrliche Menschen, die das Gesetz und das Gemeinwohl respektieren, stört diejenigen, die kriminelle Aktivitäten ausüben wollen“, erklärt Riccardi. Die Zahl von 357 Getöteten in Asien und Ozeanien umfasse die 200 Menschen, die am Ostersonntag 2019 bei Bombenanschlägen auf katholische und protestantische Kirchen in Sri Lanka ums Leben kamen. Die Märtyrer in Afrika „wurden meistens von Dschihadisten oder wegen ihrer Rolle in ethnisch-politischen Konflikten getötet”.

Die Kommission entschied, vorerst keine vollständige Namensliste zu veröffentlichen, „bis die Zeit dafür reif ist“. Einige Beispiele wurden jedoch genannt: Die sieben anglikanischen Brüder der Melanesischen Bruderschaft, die 2003 vom Anführer einer Miliz gefoltert und getötet wurden, als sie versuchten, in einem lokalen Konflikt auf den Salomonen zu vermitteln; der irakische Priester Ragheed Ganni, der sich weigerte, seine Pfarre in Mossul zu schließen, und am 3. Juni 2007 von ISIS-Terroristen getötet wurde; der 10-jährige Abish Masih, der 2015 bei einem Bombenanschlag auf eine Kirche in Youhanabad, Pakistan, getötet wurde; die 21 koptischen Märtyrer, die im Februar 2015 an der libyschen Küste enthauptet wurden und von Papst Franziskus in das Römische Martyrologium aufgenommen wurden; die vier Missionarinnen der Nächstenliebe, die in ihrem Kloster in Aden, Jemen, bei einem Anschlag auf das von ihnen betreute Altenheim von maskierten Männern getötet wurden; und Paul McAuley, ein Missionar der La Salle-Brüder im peruanischen Amazonasgebiet, der sich aktiv für den Schutz der indigenen Bevölkerung und der Umwelt einsetzte und 2019 in der Schule, in der er unterrichtete, tot und verbrannt aufgefunden wurde.

Gedenktafel von Märtyrern in Pakistan.

“Die Kirche ist bis heute eine Kirche der Märtyrer”

Riccardi resümierte: „Die Arbeit dieser Kommission und die ökumenische Feier am 14. September zeigen, dass die Kirche bis heute eine Kirche der Märtyrer ist und dass diese uns viel zu lehren haben. Wir sind Zeitgenossen dieser Menschen, denen wir in unserem Leben begegnen und die wir persönlich hätten kennenlernen können.“ Im Rahmen des Jubiläums der Hoffnung seien sie „Zeugen eines Gottes, der auch unter widrigen Umständen treu bleibt. Für die Kirche ist das Gedenken nicht bloß Trauer, sondern auch Hoffnung für die Zukunft.”

Regina Lynch, geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, unterstrich: „Diese Ergebnisse spiegeln die Erfahrungen unserer Arbeit vor Ort wider, wo wir Gemeinschaften helfen, die ständig existenziellen Bedrohungen ausgesetzt sind. KIRCHE IN NOT ist sehr stolz darauf, diesen Christen zur Seite zu stehen und sie zu unterstützen, aber vor allem sind wir dankbar, von ihrem Zeugnis lernen zu dürfen, das unseren Glauben und den unserer Wohltäter jeden Tag stärkt.”

Als Papst Franziskus die Kommission im Jahr 2023 ins Leben rief, erklärte er: „Auch in unserer gegenwärtigen Zeit, in der wir einen Epochenwandel erleben, zeigen die Christen die Vitalität der uns einenden Taufe, und sie tun das auch in Lebensumfeldern, wo dies mit einem hohen Risiko verbunden ist. Denn nicht wenige sind es, die ihren Glauben bezeugen oder an der sonntäglichen Eucharistiefeier teilnehmen, obwohl sie sich der Gefahren bewusst sind, in die sie sich begeben. Andere werden getötet, während sie sich bemühen, in der Nächstenliebe das Leben der Armen zu unterstützen, und sich derer annehmen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt werden, oder die Gabe des Friedens und die Kraft der Versöhnung bewahren und fördern. Andere wiederum sind als Einzelne oder als Gruppe stille Opfer historischer Umbrüche.”

Die ökumenische Gedenkfeier, zu der die geschäftsführende Präsidentin von KIRCHE IN NOT, Regina Lynch, eingeladen wurde, fällt mit dem liturgischen Fest der Kreuzerhöhung der katholischen Kirche zusammen.

Um bedrängten und verfolgten Christen weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Christenverfolgung

Katholische Priester in Finnland verbringen sehr viel Zeit im Auto. Die Entfernungen im Land sind enorm. Finnland ist vier mal größer als Österreich, aber es gibt nur acht Pfarren. „Jedes Wochenende legen wir Tausende Kilometer zurück, um unseren Gläubigen die heilige Kommunion zu bringen”, erklärt Bischof Raimo Goyarrola aus Helsinki im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Seine Diözese umfasst das ganze Land. Nur etwa 10 000 der 5,5 Millionen Einwohner sind katholisch. Finnland ist überwiegend lutherisch geprägt. Weil es so wenige katholische Kirchen im Land gebe, bitten viele Familien darum, in ihren Dörfern zumindest einen Tabernakel aufstellen zu dürfen, berichtet der Bischof. Die nächste katholische Kirche kann für die Gläubigen schon einmal 300 Kilometer entfernt sein. Aber auch die 29 Priester im Land legen weite Strecken zurück. Im vergangenen Jahr hat KIRCHE IN NOT deshalb auch ein Auto für eine Pfarre mit rund 20.000 Euro gefördert.

Obwohl Finnland eines der wohlhabendsten Länder der Welt ist, so ist die katholische Kirche eine der ärmsten in Europa. „Im Gegensatz zu anderen Kirchen im Land erhalten wir keine staatliche Unterstützung. Wir sind chronisch unterversorgt“, erläutert Bischof Goyarrola. Oft fehlen Mittel für grundlegende Dinge wie die Bezahlung der Seelsorger, die Mittel für Katechese oder für die Durchführung karitativer Programme. Ohne finanzielle Ressourcen bleiben auch Projekte wie der Bau von Kapellen, katholischen Schulen oder Pastoralzentren für Kinder – eines der großen Anliegen des Bischofs – unerfüllt.

Bischof Raimo Ramon Goyarrola Belda aus Helsinki. © Catholic Information Center

Jährlich über 500 neue Katholiken

Und doch wächst die Zahl der Gläubigen stetig: Mit jährlich über 500 neuen Katholiken kann Bischof Goyarrola stolz auf seine kleine, lebendige Herde sein. Seit zwei Jahrzehnten gibt es in Finnland einen kontinuierlichen Anstieg der Katholiken, mit einer steigenden Nachfrage nach Taufen sowohl von Erwachsenen als auch von Jugendlichen und Kindern.

Hinzu kommen Konvertiten aus traditionell lutherischen Familien, in denen die religiöse Praxis längst aufgegeben wurde. In der spirituellen Leere entdecken sie die katholische Kirche als verlässlichen Orientierungspunkt und möchten konvertieren.

„Ein Katholik ist in Finnland oft der einzige in seiner Schule oder an seinem Arbeitsplatz. Doch sie verstecken ihren Glauben nicht – im Gegenteil. Die finnischen Katholiken sprechen ganz selbstverständlich über die Eucharistie und über Jesus. Sie sind Missionare und Apostel, wo immer sie hingehen, und damit ein Vorbild für die Weltkirche“, so Bischof Raimo Goyarrola, der ursprünglich aus Spanien stammt. Seit 20 Jahren ist er schon in Finnland tätig. Vor zwei Jahren wurde er zum Bischof von Helsinki geweiht.

Prozession in Finnland © Catholic Information Center

Jugendcamps in Lappland

Um den Glauben zu stärken, organisiert der Bischof regelmäßig Jugendcamps in Lappland: „Mit 30 Kilogramm Gepäck durch Schnee und Regen zu wandern, umgeben von atemberaubender Natur – das schweißt zusammen, führt zu Bekehrungen und vertieft den Glauben“, sagt er. Für ihn ist die Natur ein idealer Ort der Gottesbegegnung.

Die Teilnehmer an diesen Camps sind so vielfältig wie die katholische Kirche Finnlands selbst. Etwa die Hälfte der neuen Gläubigen stammt aus finnischen Familien, die andere Hälfte sind Migranten oder Flüchtlinge – viele zwar aus traditionell katholischen Ländern wie den Philippinen oder den zentral- und südamerikanischen Ländern, zunehmend aber auch aus Kriegsgebieten: Sudan, Myanmar oder der Ukraine.

Finnland hat seine Grenzen für ukrainische Flüchtlinge geöffnet – auch weil dringend notwendige Arbeitskräfte fehlen. Mehr als 7000 griechisch-katholische Ukrainer sind in den vergangenen Monaten angekommen. Obwohl der Krieg in der Ukraine den Dialog zwischen der katholischen und der orthodoxen Kirche schwächen könnte, bleibt dank der langen ökumenischen Tradition des Landes die Zusammenarbeit zwischen den Gläubigen lebendig.

Lutheraner und Orthodoxe stellen Kirchen zur Verfügung

Heute zählt die katholische Kirche in Finnland Gläubige aus 120 Nationen und feiert die Liturgie in allen katholischen Riten. Weil eigene Kirchen fehlen, stellen lutherische und orthodoxe Gemeinden sonntags ihre Gotteshäuser zur Verfügung. „Jeden Monat feiern wir die Messe in 20 lutherischen und 5 orthodoxen Kirchen“, sagt der Bischof dankbar. Ein beeindruckendes Zeugnis gelebter Ökumene – in der Hoffnung, bald eigene kirchliche Strukturen bauen und damit die wachsende Gemeinschaft besser begleiten zu können.

Der 45-jährige Ukrainer Maksym Ryabukha ist einer der jüngsten Bischöfe der Welt. Er leitet das Apostolische Exarchat Donezk, zu dem die Regionen Donezk, Luhansk, Dnipro und Saporischschja gehören. Über die Hälfte dieses kirchlichen Gebietes ist von russischen Truppen besetzt. Bei einem Besuch der internationalen Zentrale von KIRCHE IN NOT in Königstein (Taunus) sprach er über die dramatische Lage seines Exarchats, die seelsorglichen Herausforderungen und die Kraft des Glaubens.

Wie würden Sie die aktuelle Lage in ihrem Exarchat beschreiben?

Sie wird immer dramatischer. Drohnen machen jeden Ort unsicher, auch für Zivilisten. Entlang der Frontlinie schlafen Menschen nachts im Freien aus Angst vor Angriffen. Ich habe Familien getroffen, die nur knapp Bombenexplosionen entkommen sind. Solche Erlebnisse erschüttern zutiefst.

Bischof Maksym Ryabukha mit Angehörigen einer Pfarrei in Donezk © KIRCHE IN NOT

Wie erleben Sie den Krieg als Bischof?

Wir fühlen uns oft machtlos – als ob niemand wahrnehmen würde, was hier geschieht. Am schmerzlichsten ist, dass zivile Gebiete bombardiert werden und die Welt zu diesem Massaker schweigt. Sichtbare Schritte in Richtung Frieden gibt es kaum.

Welche Veränderungen hat der Krieg für Ihre Kirche gebracht?

Vor der Invasion hatten wir mehr als 80 Pfarreien, heute sind nur noch 37 aktiv. Die übrigen sind geschlossen, besetzt oder zerstört. Die Gesetze der Besatzungsregierung verbieten jede Zugehörigkeit sowohl zur griechisch-katholischen als auch zur römisch-katholischen Kirche. Alle Kirchen dort sind geschlossen. Es ist verboten, sie zu besuchen.

Bischof Maksym Ryabukha mit einem Priester vor einem zur Kapelle umgebauten Wohnwagen © KIRCHE IN NOT

Wie erreichen Sie die Menschen unter diesen Umständen?

Ich bin ständig unterwegs, deshalb nenne ich mich „Bischof auf Rädern“. Ich besuche Pfarreien, gehe in die Häuser, höre zu, bete mit den Menschen. In den besetzten Gebieten treffen sich Gläubige heimlich. Die zerstörerischste Waffe ist nicht die Bombe, sondern das Gefühl, vergessen zu sein.

Wie sieht die seelsorgliche Arbeit konkret aus?

Wir haben 53 Priester, acht Ordensfrauen und mehrere Familien- und Caritaszentren. Wir begleiten vor allem Menschen, die durch den Krieg traumatisiert sind: Kinder, die das Lesen oder Sprechen verlernt haben, Mütter gefallener Soldaten, Menschen, die alles verloren haben. KIRCHE IN NOT unterstützt uns mit Schulungen für Seelsorger, um psychische Wunden zu heilen, und mit humanitärer Hilfe: Lebensmittel, Hygieneartikel, warme Zufluchtsorte im Winter.

Bischof Maksym Ryabukha im Gespräch mit einer alten Frau © KIRCHE IN NOT

Können Sie ein Erlebnis schildern, das Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Wir brachten Hilfspakete zu einem alten Ehepaar in Slowjansk. Als die Frau die Lebensmittel sah, sagte sie: „Davon habe ich geträumt.“ Für mich zeigt das: Es geht nicht nur um materielle Hilfe, sondern darum, dass Menschen spüren:  jemand liebt sie.

Was gibt Ihnen Hoffnung in dieser Situation?

Dass Gott stärker ist als das Böse. Wir sehen das Leben durch die Brille des Paradieses: Früher oder später wird alles enden – und das Ende heißt Paradies. Jeder Tag ist eine Chance, einen Schritt in diese Richtung zu machen.

Bitte unterstützen Sie die Arbeit der Kirche in der Ukraine:

Estland verzeichnet ein starkes Wachstum der katholischen Gemeinde. „1970 zählte sie nur etwa zehn Gläubige, heute sind es zwischen sieben- und zehntausend“, berichtete Bischof Philippe Jourdan im Gespräch mit KIRCHE IN NOT. Er leitet eines der jüngsten Bistümer der Welt: Seine Diözese Tallinn wurde Ende September 2024 errichtet; vorher war sie seit 1924 Apostolische Administratur, eine Art „dauerndes Provisorium“.

Während der Zeit der Sowjetherrschaft war sie zwischen 1945 und 1992 unbesetzt. Der Franzose Jourdan er kam in 1990er-Jahren in das baltische Land; er leitete die Kirche in Estland bereits vor der Gründung der Diözese.

Die Spuren von mehr als 50 Jahren Sowjetherrschaft seien auch im religiösen Bereich spürbar, erklärte Bischof Jourdan: „Estland gilt als eines der am meisten säkularisierten Länder in Europa: Ein Viertel der Bewohner bezeichnet sich als gläubig, drei Viertel als nicht gläubig.“ Während diese Entwicklung in anderen europäischen Staaten zugenommen hat, sei sie in Estland in den vergangenen 25 Jahren stabil geblieben.

Ein Mädchen liest in der estnischen Ausgabe der Kinderbibel von KIRCHE IN NOT.

Spuren der Sowjetzeit auch im religiösen Bereich spürbar

Dennoch verzeichnet die katholische Kirche im Land mehr Taufen, gerade auch von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, so der Bischof: „Offensichtlich führen Ereignisse wie die Covid-19-Pandemie und der Ukraine-Krieg dazu, dass sich junge Menschen vermehrt existenzielle Fragen stellen.“ Viele Taufbewerber haderten auch mit der auf Konsum und Erfolg ausgerichteten Gesellschaft.

Die Zusammensetzung der katholischen Gemeinde in Estland spiegelt ebenfalls die Geschichte des Landes: „Rund die Hälfte spricht estnisch als Muttersprache, die andere Hälfte russisch. Darunter sind auch Menschen aus Belarus.“ Auch Flüchtlinge aus der Ukraine und Migranten, zum Beispiel aus Asien, seien in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Die Gottesdienste finden sowohl im lateinischen wie im byzantinischen Ritus statt, da viele Gläubige unierten Ostkirchen angehören. In der Diözese Tallinn, die das Gebiet ganz Estlands umfasst, wirken aktuell 15 Priester.

Kirchliche Jugendfreizeit für Flüchtlinge aus der Ukraine in Estland.

„Ökumene hat große Fortschritte gemacht“

Die evangelischen Gemeinden des Landes hätten die Errichtung der neuen Diözese „sehr positiv“ aufgenommen, berichtete Bischof Jourdan: „Die Ökumene hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht.“ Er führt dies neben theologischen Bemühungen auch auf politische Herausforderungen zurück, die das Baltikum sehr bewegen: „Wir teilen gemeinsame Anliegen, etwa in sozialen Fragen oder im Hinblick auf den Krieg in der Ukraine.“

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