Europa Archive - Seite 6 von 7 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Das russische Militär hat nach eigenen Angaben am heutigen Dienstag eine neue Feuerpause in der Ukraine in Kraft gesetzt und „humanitäre Korridore“ in fünf Städten geöffnet.  Eine davon ist die von russischen Truppen belagerte Hafenstadt Mariupol am Asowschen Meer. Es gab schon mehrere Evakuierungsversuche und einige Menschen könnten die Stadt am Wochenende verlassen.

Das Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) hat auch langjährige Projektpartner in Mariupol, so z.B. die Paulinerpatres. Seit 3. März hatte KIRCHE IN NOT keinen Kontakt mehr zu ihnen. Erst am Sonntag hat sich Pater Pavlo, einer der Priester, bei KIRCHE IN NOT gemeldet. Am Samstagabend waren sie mit einer Kolonne von 100 Autos aus Mariupol geflohen. Sie sind noch unterwegs und an keinem sicheren Ort angekommen.  Aber die Patres haben ein Inferno durchlebt. Das Hilfswerk möchte hiermit das Zeugnis von Pater Pavlo wiedergeben, als Anregung, für die Menschen im Kriegsgebiet zu beten und ihnen zu helfen.

Zerstörtes Haus in der Ostukraine.

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“Überall fallen Bomben”

„Mariupol ist wie Armageddon, es ist die Hölle. Bitte erzählen Sie es der Welt: Es ist eine Tragödie. Es wird nur wahllos geschossen. Die ganze Stadt ähnelt einem einzigen Kampffeld. Überall fallen Bomben. Man hört überall nur Schüsse. Mariupol ist eine Stadt, die vom russischen Militär umzingelt ist. Die Menschen sitzen nur in ihren Kellern.“

„Wir konnten kaum schlafen, niemand konnte schlafen. Von den ganzen Bombenangriffen hat der ganze Körper weh getan. Ich hatte mir in eine Ecke einen „Überlebensplatz“ eingerichtet, jeder von uns hatte Angst. Unser Kloster ist mit Hilfe von Aid tot he Church in Need gebaut worden, und der Bau ist noch nicht abgeschlossen. Leider haben wir keinen Keller. An diesen Tagen hatten wir auch keinen Strom, kein Wasser, kein Essen… nur die Vorräte, die wir mitgebracht haben. Ich hatte über zwei Tage eine Konserve gegessen; wenn man so was erlebt, hat man keinen Hunger. Ohne Essen kann man überleben, aber ohne Wasser nicht. Die Menschen sind aus ihren Häusern auf Wassersuche gegangen, einige von ihnen mussten deswegen brutal sterben. Es ist wie Selbstmord, wenn jemand in Mariupol auf die Straße geht. Wir haben unseren Gläubigen gesagt, dass sie zu Hause bleiben sollen und dass wir keine heiligen Messen feiern würden, denn es war zu gefährlich.“

„Am Samstag haben wir eine Kolonne von 100 Autos gebildet und wollten die Stadt verlassen. An allen Kontrollposten hat man uns durchgelassen, bis die Separatisten der selbsternannten Republik Donezk uns angehalten haben. Wir durften nicht weiterfahren, aber dafür Schutz in einem kleinen Dorf suchen. Von dort aus ging es dann auf Umwegen weiter. Schwangere Frauen und Kinder waren dabei. Ich werde das Bild nie vergessen, wie eine schwangere Frau auf Knien anflehte, uns durchzulassen und ihre Bitte wurde abgelehnt.“

Eine Ordensfrau verteilt Lebensmittel an bedürftige Menschen in der Ukraine.

“Überall war alles zerbombt, Menschenleichen lagen auf dem Weg”

„Sie können sich nicht vorstellen, was wir draußen alles gesehen haben. Das sind Bilder, die man nicht vergessen kann: Überall war alles zerbombt, Menschenleichen lagen auf dem Weg, wir mussten teilweise drumherum fahren. Diese Tragödie schreit zum Himmel!“

„Wir sind nun aus der Stadt weg, und ein jeder hat versucht, sein Leben an einem sicheren Ort zu retten, aber was passiert mit den Menschen, die dies nicht können und weiterhin in Mariupol bleiben? Zu vielen Menschen haben wir keinen Kontakt, wir wissen gar nicht, wo sie sind und wer noch am Leben ist. Lieber Gott, wann wird das Ganze ein Ende haben? Beten Sie für uns.“

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Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie für eine friedliche und diplomatische Lösung der aktuellen Spannungen. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.

Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“

Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

Charkiw im Osten der Ukraine gehört zu den Städten, die aktuell am meisten unter Beschuss stehen. Am Dienstag wurde das Haus des dortigen römisch-katholischen Bischofs Pawlo Honczaruk von einem Bombenprojektil getroffen. Es riss ein Loch in das Dach; niemand wurde verletzt.

Küche im Bischofshaus versorgt Menschen in den U-Bahn-Schächten

„Nun haben wir also auch noch so ein ,Geschenk’ erhalten“, erklärt der Bischof in einem kurzen Videoclip, den er dem weltweiten päpstlichen Hilfswerk „Kirche in Not“ (ACN) übermittelt hat.

Die Arbeit im Haus geht unvermindert weiter: Frauen bereiten in der Küche warme Mahlzeiten zu, diese werden in zwei naheliegende U-Bahn-Stationen gebracht, in denen sich hunderte Menschen aufhalten.

Bischof Pavlo Honczaruk vor dem beschädigten Dach des Bischofshauses in Charkiw © Kirche in Not

Katholischer und orthodoxer Bischof besuchen Verletzte

Im einem Schutzkeller hat Bischof Honczaruk nach Mitteilung der Diözese Charkiw-Saporischschja mit etwa 40 Personen Schutz vor den zunehmenden Angriffen gefunden; auch Bischof Mytrofan von der orthodoxen Kirche der Ukraine ist dort untergekommen. Die beiden Bischöfe besuchen Verletzte im Krankenhaus und packen bei der Verteilung von Lebensmitteln mit an. Der Krieg hat auch diese ökumenische Zusammenarbeit möglich gemacht.

Bischof Honczaruk berichtet von großen Schäden und zahlreichen Toten in anderen Stadtvierteln Charkiws. Die Bilder vom Bombeneinschlag auf dem zentralen Freiheitsplatz in Charkiw gingen um die Welt. Dort wurde ein Verwaltungsgebäude zerstört; es sollen nach ukrainischen Angaben mindestens 20 Personen getötet worden sein.

Bischof Honczaruk und der orthodoxe Bischof Mytrofan besuchen einen Verletzten. © Kirche in Not

Auch Wohngebäude schwer getroffen

Das russische Militär hat mehrfach betont, in der Ukraine würden keine Zivilobjekte angegriffen. Doch ein zweiter an KIRCHE IN NOT übermittelten Videoclip zeigt schwer beschädigte Wohnblöcke, die laut dem Bischof gegenüber einer zerstörten Fabrik liegen. „Das waren Wohnungen. Alle Fenster sind zerborsten. Viele Menschen wurden getötet. Auch die Oberleitungen einer Buslinie sind zerstört“, stellt er betroffen fest.

„Hier ist überall Blut“

Der Clip zeigt mehrere ausgebrannte Privatautos; es sind Explosionstrichter zu sehen. Nur ein einzelner älterer Mann, den der Bischof zur Vorsicht mahnt, schleppt sich auf der Straße entlang. Es ist auch zu sehen, wie Bischof Honczaruk in einen Pkw blickt: „Hier wurde geschossen, da ist überall Blut.“

Bischof Pavlo Honczaruk mit Menschen in einem Luftschutzkeller.

Nothilfe auch für die Ostukraine

Die Lage in Charkiw und andernorts spitzt sich derweil weiter zu. „Kirche in Not“ hat nach Kriegsausbruch ein Nothilfe-Paket in Höhe von einer Million Euro auf den Weg gebracht. Das Geld kommt Priestern und Ordensleuten zugute, die im ganzen Land in den Pfarreien, bei den Flüchtlingen, in Waisenhäusern und Altenheimen arbeiten. Darüber hinaus leistet das Hilfswerk Nothilfe für die vier griechisch-katholischen Exarchate und die beiden lateinischen Diözesen in der Ostukraine, die Charkiw, Donezk, Saporischschja, Odessa und die Krim abdecken.

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Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“

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Die katholische Kirche in der Ukraine setzt ihre Seelsorge auch unter Beschuss fort. Das berichtet die Projektreferentin für die Ukraine des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“, Magda Kaczmarek, die im ständigen Kontakt mit der Kirche vor Ort steht. Am Samstagmorgen seien die Priesterseminaristen aus Worsel am Stadtrand von Kiew evakuiert und in eine andere Diözese verlegt worden. „In diesem Teil von Kiew wird gekämpft, wir haben Bilder bekommen, die zeigen, wie die Mauern des Priesterseminars durch Artilleriegeschütze und Granaten beschädigt wurden“, sagt Kaczmarek.
Magda Kaczmarek, Projektreferentin für die Ukraine bei KIRCHE IN NOT.

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Situation ist dramatisch

Dramatisch sei ihren Angaben zufolge auch die Situation in Charkiw, wo die Straßen menschenleer seien und sich die Einwohner alle in Kellern und Bunkern versteckt hielten. Der römisch-katholische Bischof von Charkiw-Saporischschja, Pawlo Honczaruk, harre seit ein paar Tagen mit mehreren Familien in einem Bunker aus. Dort habe auch der orthodoxe Bischof der Region Zuflucht gesucht.

Inmitten des unaufhörlichen Bombardements sandte Bischof Honczaruk eine Dankesbotschaft an „Kirche in Not“: „Wir sind wirklich überrascht und sehr ermutigt, dass so viele Menschen für uns aktiv werden. Ich danke allen aufrichtig, dem gesamten Team von ‚Kirche in Not‘, allen Mitarbeitern, Freiwilligen und Wohltätern. Ich wünsche mir, dass dieser entfesselte Krieg so schnell wie möglich endet.“ Die kurze Nachricht endet mit den Worten: „Meine Botschaft ist kurz und ich muss Schluss machen, weil ständig Bomben fallen. Gott segne Sie!“

In der strategisch wichtigen Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer kam es am Wochenende wiederholt zu Raketen- und Bombenangriffen aus der Luft und von Kriegsschiffen. In den ersten beiden Kriegstagen gab es in der ganzen Stadt lange Schlangen und der Mangel an Grundnahrungsmitteln wie Brot und Treibstoff war enorm. Der römisch-katholische Bischof von Odessa, Stanislaw Schyrokoradjuk, bestätigt, dass jetzt Hilfe aus den Nachbarländern eingetroffen sei, „aber wir leben von Tag zu Tag, die Situation ist kritisch. Wir bleiben hier und bitten um Ihr Gebet!“

Ein Priester und Bischof Hontscharuk besuchen einen verletzten Mann (re: Bischof Pawlo Hontscharuk, Bischof von Charkiw-Saporischschja).

- Pater Justyn, Albertiner aus der ukrainischen Stadt Kamjanez-Podilskyj

Ankunft Tausender Flüchtlinge in der Westukraine

In Lwiw (Lemberg), nahe der Grenze zu Polen und außerhalb der Kampfzone, setzt die Ortskirche ihre Arbeit zur Unterstützung der Bevölkerung angesichts der Ankunft Tausender Flüchtlinge in der Westukraine fort. Schwester Natalia, eine Ordensfrau der griechisch-katholischen Kongregation der Heiligen Familie schrieb „Kirche in Not“: „Wir helfen Flüchtlingen, rüsten Luftschutzbunker aus, empfangen die Menschen, ganz besonders Frauen und Kinder. Die meisten gehen ins Ausland weiter, aber sie haben die Möglichkeit, sich bei uns auszuruhen. Und wir beten gemeinsam. Danke für alles!“

Pater Justyn, ein Pauliner-Pater aus Kamjanez-Podilskyj (nahe der Grenze zu Rumänien und Moldau), berichtet über seine Reise durch das Land: „Für eine Strecke von 150 Kilometern habe ich acht Stunden gebraucht. Die Straßen waren voll, die Menschen flüchteten in Richtung Westen. Es gab Staus und Warteschlangen vor Geschäften, Apotheken und an Tankstellen. Die Menschen haben Angst, weil sie nicht wissen, was als Nächstes passieren wird. Das Gebet ist dringend notwendig.“

Warteschlange für warmes Essen in Saporischschja.

Ein berührendes Foto, das „Kirche in Not“ erreicht hat, zeigt einen jungen Mann in der Kathedrale von Charkiw. Er ließ sich dort kurz vor seiner Einberufung in die Armee taufen und empfing seine Erstkommunion. Die Einberufung aller Männer zwischen 18 und 60 Jahren ist für viele Familien traumatisierend. Die Projektleiterin einer der Eparchien, die sich mit „Kirche in Not“ in Verbindung gesetzt hat, um Nothilfe zu erbitten, beendete ihre E-Mail mit den Worten: „Mein Mann und meine beiden Söhne, beides Familienväter, wurden einberufen. Das ist jetzt unser Leben. Vielen Dank für Ihre Gebete und Ihre Unterstützung.“

Ein junger Mann aus Charkiw lässt sich taufen.

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Auch Papst Franziskus beobachtet die Entwicklungen an der Ostgrenze der Ukraine und rief zum Gebet auf: „Ich appelliere eindringlich an alle Menschen guten Willens, ihr Gebet zum Allmächtigen Gott zu erheben, damit jede politische Aktion und Initiative im Dienst der menschlichen Geschwisterlichkeit stehe, mehr als der Einzelinteressen. Wer seine eigenen Ziele zum Schaden anderer verfolgt, verachtet seine eigene Berufung als Mensch, denn wir wurden alle als Geschwister geschaffen.“

Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

Nach Kriegsbeginn herrscht in der Ukraine eine Mischung aus Ungewissheit und Angst, berichtet Magda Kaczmarek, Projektreferentin für die Ukraine bei KIRCHE IN NOT. Sie steht in ständigem Kontakt mit den Projektpartnern vor Ort, die der katholischen Kirche angehören.

„Die führenden Bischöfe des Landes haben dazu aufgerufen, das Land nicht zu verlassen. Das ist eine schwierige Entscheidung, vor allem für die Priester der griechisch-katholischen Kirche, die verheiratet sind und Kinder haben. Sie fürchten weniger um ihr eigenes Leben als um die Sicherheit ihrer Kinder und Familien“, erklärte Kaczmarek.

Aus der Hauptstadt Kiew und vielen anderen ukrainischen Städten berichteten Projektpartner von Beschuss und Detonationen. Die Nacht hätten viele Menschen in Pfarren und Schutzbunkern verbracht, sagt Kaczmarek. Unklar sei, welche Ziele als nächste attackiert würden.

Magda Kaczmarek, Projektreferentin für die Ukraine bei KIRCHE IN NOT.

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 „Wir haben keine Zeit, Angst zu haben”

Der Paulinerpater Roman Laba aus Browary, einem Vorort der Hauptstadt Kiew, sagte in einer Videobotschaft gegenüber KIRCHE IN NOT, dass am Donnerstag beim ersten Raketenangriff auf die Stadt um 5 Uhr morgens sieben Menschen gestorben und etwa 17 verletzt worden seien. Sieben Raketenangriffe hätten sie insgesamt erlebt. Daraufhin hätten viele Menschen die Stadt verlassen und seien in den Westen des Landes geflohen.

„Die erste Panik ist vorerst vorbei. Viele Menschen kamen auf der Suche nach Hilfe und Obdach in unsere Pfarre, also haben wir Notunterkünfte im Keller unseres Klosters und in der unfertigen Klosterkirche eingerichtet. Im Moment haben wir etwa 80 Menschen bei uns, darunter Gemeindemitglieder und Menschen aus umliegenden Gebäuden“, erzählt Pater Roman. „Bitte beten Sie für die Ukraine“, endet die Botschaft.

Aus dem Südosten der Ukraine teilte Bruder Vasyl aus einem Dorf in der Nähe von Mariupol mit: „Wir haben keine Zeit, Angst zu haben. Wir bleiben und helfen den Menschen, diese Situation zu überstehen.“ Mariupol, eine wichtige Hafenstadt, liegt nur 60 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und sehr nah an den Gebieten unter Kontrolle der Separatisten, und ist damit auch heftig unter Beschuss.

Mitglieder der Gemeinde aus Browary haben im Keller des Hauses der Paulinerpatres Unterschlupf gesucht.

„Die Kinder sind alle traumatisiert”

Die Bedrohung und die Angst vor einer weiteren Eskalation erhöhten sich von Stunde zu Stunde. Das schlage sich auch in der Haltung der Menschen nieder, berichtet Bruder Vasyl: „Einige Menschen sind zu uns gekommen, um zum ersten Mal in ihrem Leben zu beichten. Ältere und kranke Menschen rufen uns zu sich zur Beichte. So wollen sie auf den Tod vorbereitet sein, wenn es denn so weit kommen sollte.“

Neben der geistlichen Begleitung ist er mit der Unterstützung von Laien aktuell damit beschäftigt, Kinder aus mittellosen Familien zu evakuieren und auf dem Land in der Zentralukraine in Sicherheit zu bringen. „Die Kinder sind alle traumatisiert, weil es hier in der Gegend bereits Beschuss gegeben hat, und wir beruhigen sie und sagen ihnen, dass sie Erholung brauchen“, berichtet Bruder Vasyl.

KIRCHE IN NOT steht auch in Kontakt mit Weihbischof Jan Sobilo aus dem Bistum Charkiw-Saporischschja, das ebenfalls in der Ostukraine liegt. Er stammt aus Polen, aber es komme für ihn nicht infrage, sich jetzt in Sicherheit zu bringen: „Ich bin hierhergekommen, um den Menschen zu dienen. Diese schlimme Kriegszeit muss sich auch wieder in Segen verwandeln, damit die Güte und die Liebe gewinnen“, gibt er seiner Hoffnung Ausdruck.

Dennoch schließt er ein Bombardement seiner Stadt nicht aus. Er hofft weiterhin auf die Hilfe von KIRCHE IN NOT: „Das Hilfswerk stand uns immer zur Seite. Wenn es zum Schlimmsten kommen sollte: Bitte helfen Sie uns weiterhin!“

Als Reaktion auf den Kriegsausbruch in der Ukraine hat KIRCHE IN NOT ein Nothilfe-Paket in Höhe von einer Million Euro auf den Weg gebracht. Das Geld komme nach Aussage des Geschäftsführenden Präsidenten, Dr. Thomas Heine-Geldern, Priestern und Ordensleuten zugute, die im ganzen Land in den Pfarren, bei den Flüchtlingen, in Waisenhäusern und Altenheimen arbeiten.

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Besonders werden wir in unseren Mittagsgebeten der Menschen in der Ukraine gedenken. Schließen Sie sich bitte an, damit der Glaube lebt und unser Gebet stärker sein möge als Waffen.

Russland führt weiterhin Krieg gegen die Ukraine. Gerade im Winter wird die Infrastruktur immer wieder gezielt von Russland angegriffen, wodurch die Zivilbevölkerung leiden muss.

Die Kirche bleibt bei den Menschen und leistet handfeste Hilfe in dieser lebensgefährlichen Lage zum Beispiel in Suppenküchen, Waisenhäusern, kirchlichen Kindergärten und Flüchtlingsunterkünften.

„KIRCHE IN NOT wird die Ukraine in dieser sehr kritischen und schwierigen Zeit nicht im Stich lassen“, versicherte der Geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT, Thomas Heine-Geldern. „Wir müssen jetzt den Priestern und Ordensschwestern in den Pfarreien, bei den Flüchtlingen, in den Waisenhäusern und Altenheimen beistehen.“ In einem ersten Nothilfe-Paket wird KIRCHE IN NOT insgesamt weit über 6000 Priester und Ordensleute mit einer Million Euro unterstützen.

Eine Ordensfrau verteilt Lebensmittel an bedürftige Menschen in der Ukraine.

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„KIRCHE IN NOT wird die Ukraine nicht im Stich lassen”

Der römisch-katholische Erzbischof und Metropolit von Lemberg, Mieczeslaw Mokrzycki, betonte im Gespräch mit KIRCHE IN NOT: „Wir sind bereit, die Menschen in den Kirchen willkommen zu heißen, ihnen Lebensmittel und Wasser zur Verfügung zu stellen. Wir haben Erste-Hilfe-Kurse für Priester, Ordensleute und Laien organisiert, um notfalls verletzte Menschen pflegen zu können.“

Auch das Oberhaupt der ukrainischen griechisch-katholischen Kirche, Großerzbischof Swjatoslaw Schewtschuk, erklärte: „Wir stehen vor einer schweren humanitären Krise, und die Hilfe wird immer schwieriger. Die Priester sind die einzigen Vermittler, weil sie reisen und Hilfsgüter mitnehmen können. Sie sind die Helden unserer Zeit. Sie werden nicht weglaufen. Wir werden bei unseren Leuten bleiben.“

Die Kirche bleibt bei den Menschen und nimmt die Flüchtlinge auf, KIRCHE IN NOT hilft den Helfern.

Warteschlange vor einer Essensausgabe des Albertinerordens in der ukrainischen Stadt Saporischschja.

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Bitte schließen Sie die Menschen in der Ukraine in Ihr Gebet ein und beten Sie für eine friedliche und diplomatische Lösung der aktuellen Spannungen. Bestellen Sie hierfür unser kostenloses Gebetsblatt mit dem Gebet um Frieden für die Ukraine. Stellen Sie in unserer virtuellen Kapelle eine Kerze auf.

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Die katholische Kirche in der Ukraine setze ihre Hoffnung im gegenwärtigen Konflikt weiterhin auf Friedensgespräche und diplomatische Lösungen. Das sagte der römisch-katholische Erzbischof von Lemberg und Metropolit, Mieczyslaw Mokrzycki, während eines Besuchs in der internationalen Zentrale des weltweiten päpstlichen Hilfswerks KIRCHE IN NOT (ACN), am Montag, 21. Februar.

Die Kirche bereite sich im ganzen Land auf eine mögliche Flüchtlingswelle vor, erklärte Mokrzycki. „Wir sind bereit, die Menschen in den Kirchen willkommen zu heißen, ihnen Nahrung und Wasser zur Verfügung zu stellen. Wir haben Erste-Hilfe-Kurse für Priester, Ordensleute und Laien organisiert, um notfalls Verletzte pflegen zu können.“ Der Erzbischof berichtete, dass ukrainische Binnenflüchtlinge bereits im Westen des Landes angekommen seien. Man habe leerstehende Häuser gemietet, die nun als Flüchtlingsunterkünfte dienen.“

Der römisch-katholische Erzbischof von Lemberg und Metropolit, Mieczyslaw Mokrzycki.

Aus seiner Sicht gebe es immer noch Hoffnung auf einen Kompromiss. „So lange noch geredet wird, gibt es etwas Hoffnung. Krieg bringt keine Erlösung, nur Zerstörung, Schmerz und Unfrieden“, betonte Mokrzycki.

Von der internationalen Solidarität mit der Ukraine zeigte sich Erzbischof Mokrzycki tief bewegt. „Wir sind der ganzen Weltkirche und besonders Papst Franziskus sehr dankbar, der zum Gebet für die Ukraine weltweit aufgerufen hat“, sagte er.

„Ich möchte diese Bitte erneuern: Setzt dieses Gebet fort. Betet weiter, bis der endgültige Frieden kommt!“ rief Mokrzycki auf.

Die Ukraine ist eines der Hauptförderländer von KIRCHE IN NOT. Im vergangenen Jahr hat unser Hilfswerk in dem osteuropäischen zahlreiche Projekte mit insgesamt rund 4,8 Millionen Euro unterstützt.

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Nach dem Fall der Mauer und Öffnung des Eisernen Vorhangs war das Ende der Sowjetunion besiegelt. Die Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilstaaten wurden im Laufe des Jahres 1991 immer stärker. Die Kommunisten wollten diese Entwicklung aufhalten und putschten am 19. August vor 30 Jahren gegen den letzten Präsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow. Auch die Medien brachten sie in ihre Gewalt.

Doch es gab noch einen Sender, von dem sie nichts wussten – und die Kraft des Gebetes, die sie unterschätzten …

Die Bilder gingen um die Welt: Panzer rollen in die Moskauer Innenstadt und postieren sich vor dem Parlamentsgebäude. Es ist Montag, der 19. August 1991. Ein selbsternanntes „Notstandskomitee“ hat den Ausnahmezustand verhängt. Die sowjetische Nachrichtenagentur meldet, dass Präsident Gorbatschow wegen Krankheit von seinem Amt entbunden sei. In Wirklichkeit wird er in seinem Urlaubsdomizil auf der Krim gefangen gehalten.

Der Rote Platz in Moskau.

„Jetzt brauche ich ein Radio“

Für Gorbatschow war es der Anfang vom Ende seiner politischen Karriere, für einen anderen begann sie: Boris Jelzin, damals Präsident der Russischen Föderation. Schnell wird er zum Sprecher und Führer des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten.

In Erinnerung bleiben die Bilder, als Jelzin vor dem Parlamentsgebäude auf einen Panzer klettert und von dort aus zu den Menschen spricht. Nach dieser Rede geht er in das Parlament zurück und sagt zu den Abgeordneten: „Jetzt brauche ich ein Radio.“ Er will so viele Menschen wie möglich erreichen und für die Demokratie gewinnen. Doch die Medien sind in der Hand der Putschisten.

In diesem historisch entscheidenden Augenblick verschafften Weitblick und Wagemut von KIRCHE IN NOT und seiner russischen Partner Boris Jelzin und der Demokratiebewegung einen entscheidenden Vorteil: Zu aller Erstaunen meldete sich ein Duma-Abgeordneter, der bekennender Christ war, dass er die Ausstattung für ein Radio besitze.

Am Ufer der Moskwa in Moskau, rechts der Kreml und im Hintergrund die Christus-Erlöser-Kathedrale.

„Radio Frohe Botschaft“

Mithilfe von KIRCHE IN NOT sollte nämlich eine gemeinsame Rundfunkstation der katholischen und orthodoxen Kirche in der Sowjetunion entstehen. Einen Vorläufer gab es bereits: Seit einigen Jahren sendete „Radio Blagovest“ – zu Deutsch: „Radio Frohe Botschaft“ – sein christliches Programm in russischer Sprache von Monaco aus. Dieses konnte in der Sowjetunion empfangen werden.

KIRCHE IN NOT hatte dieses Vorhaben stark gefördert und unterstützt – sah das Hilfswerk doch darin einen wichtigen Beitrag zum Fall der Diktatur des Kommunismus und zur Evangelisierung Russlands. Aber das sowjetische Kommunikationsministerium hatte die Lizenz für den Sender bislang verweigert.

Doch die Ausstattung befand sich im August 1991 längst in Moskau: Über längere Zeit hatte KIRCHE IN NOT das erforderliche technische Gerät in Einzelteilen mit dem Schiff nach Sankt Petersburg und von dort aus nach Moskau geschmuggelt. Hier wurden die Teile zu einem sendefähigen Apparat zusammengesetzt. Die Anlage stand also einsatzbereit in einer Lagerhalle – ohne dass die Politik davon wusste.

Versteckt unter Kohlköpfen

Nun musste es schnell gehen: Ein Lastwagen der Parlaments-Kantine wird in die Halle geschickt und der Sender aufgeladen. Damit die Putschisten die Radiotechnik nicht entdecken, wird sie unter Kohlköpfen und anderen Lebensmitteln versteckt. Ingenieure installieren den Sender im Parlamentsgebäude, die Luftwaffe stellt eine Antenne zur Verfügung.

Schon wenig später konnte Boris Jelzin die Bevölkerung Moskaus zum Widerstand gegen den Putsch aufrufen. Sein Hilferuf wird erhört: Tausende versammeln sich friedlich auf den Straßen. Es laufen sogar ganze Armee-Einheiten zu Jelzin über. Am Abend des 21. August ist der Putsch vorbei. Wenige Tage später gibt Gorbatschow den Vorsitz der Kommunistischen Partei zurück. Im Dezember bricht des Sowjetimperium endgültig zusammen: Russland, Weißrussland und die Ukraine gründen die „Gemeinschaft Unabhängiger Staaten“ (GUS). Erster demokratisch gewählter Präsident der Republik Russland wird Boris Jelzin.

Er hat nicht vergessen, dass es eine Radiostation von KIRCHE IN NOT war, die ihm in den kritischen Stunden des August 1991 zur Verfügung standen: Bereits im September 1991 erhielt „Radio Blagovest“ die Sendeerlaubnis – und sendet bis heute.

Blick auf das Weiße Haus in Moskau (im Hintergrund), dem Regierungsgebäude der Russischen Föderation.

Botschaften der Gottesmutter in Fatima

Doch Jelzins Dank war noch weitreichender. Viele Gläubige in Russland und weltweit waren davon überzeugt, dass die Geschehnisse der Wendejahre eng mit der Botschaft von Fatima in Verbindung stehen. In dem portugiesischen Dorf war von Mai bis Oktober 1917 die Gottesmutter Maria drei Hirtenkindern erschienen.

In ihren Botschaften prophezeite sie den weltweiten Aufstieg des Kommunismus, aber auch die „Bekehrung Russlands“ durch Rosenkranzgebet und Buße. KIRCHE IN NOT und viele seiner Mitstreiter hatten diese Botschaft verbreitet und die Gläubigen dazu aufgerufen, die Anweisungen der Gottesmutter zu befolgen.

Jetzt schien die Vorhersage erfüllt: Der Moskauer Putsch am 19. August, der das Ende der Sowjetunion einleitete, fiel genau auf den Jahrestag der vierten Marienerscheinung in Fatima. Die Nachricht von der Zerschlagung des Putsches erreichte die Welt am 21. August, an dem die kirchliche Liturgie den Gedenktag „Maria Königin“ feiert.

Live-Übertragung aus Fatima

Als Dank für die friedliche Revolution und den Fall des Kommunismus initiierte KIRCHE IN NOT zusammen mit katholischen und orthodoxen Kirchenvertretern und mehr als 150 russischen Fernseh- und Radiosendern am 13. Oktober 1991 eine Liveübertragung der Wallfahrtsfeierlichkeiten aus Fatima. Präsident Jelzin hatte sein Einverständnis dazu gegeben. 40 Millionen Menschen in Russland konnten die Übertragung mit verfolgen.

Katholische und orthodoxe Gläubige beteten gemeinsam für die Bekehrung und Versöhnung Russlands und der westlichen Welt. Die „geistliche Luftbrücke“, wie diese Übertragung auch genannt wurde, hatte so großen Erfolg, dass sie am Jahrestag der sowjetischen Oktoberrevolution wiederholt werden konnte.

Die dramatischen Augustereignisse vor 30 Jahren sind heute weitgehend vergessen. Sie läuteten nicht nur das Ende der kommunistischen Diktatur ein, sondern sind auch ein Beispiel für die Kraft des Glaubens und des Gebetes. KIRCHE IN NOT durfte an entscheidender Stelle mitwirken.

Um die Medienarbeit von KIRCHE IN NOT zu unterstützen, bitten wir um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

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Vom 12. bis 15. September reist Papst Franziskus in die Slowakei. Während seines Besuchs wird er auch mit Vertretern der Roma-Minderheit zusammenkommen. Etwa 350 000 Menschen der fünf Millionen Einwohner der Slowakei gehören dieser Ethnie an. Obwohl die Roma die größte Minderheit im Land sind, leben sie häufig am Rand der Gesellschaft und in ärmlichen Häusern und Wohnungen.

Mitten unter ihnen wohnt auch der griechisch-katholische Priester Martin Mekel. „Ich hatte nie daran gedacht, mit den Roma zu arbeiten – auch nicht, nachdem ich ins Priesterseminar in Prešov eingetreten war. Es war der Heilige Geist, der mich geführt hat“, sagt er im Gespräch mit KIRCHE IN NOT.

Martin Mekel, griechisch-katholischer Priester und Roma-Seelsorger im Osten der Slowakei.

Der Beginn seines Engagements für die ethnische Minderheit war eine Begegnung mit einem jungen Roma, der in einem Kinderheim im Heimatdorf von Mekel lebte. Dieser hatte Martin Mekel, damals noch Seminarist, angesprochen und gefragt, ob er Gebetsversammlungen abhalte.

„So begannen wir und trafen uns in den Sommerferien mit einigen Roma-Jungen. Dann bat mich ein Freund, ein Salesianer, ihm bei der Betreuung von Roma-Kindern zu helfen. Und nach einiger Zeit fand ich mich in einem Dorf wieder, das zu 75 Prozent von Roma bewohnt wurde“, erinnert sich Mekel.

Die Volksgruppe der Roma haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Sie bilden heute die größte ethnische Minderheit in Europa. Laut EU-Angaben gehören ihr zwischen zehn und zwölf Millionen Menschen an. Noch immer leiden viele von ihnen unter Vorurteilen und sozialen Ausgrenzungen, auch in der Slowakei.

Roma-Familie aus der Slowakei.

Zwangsansiedlung durch Kommunisten

Vor hundert Jahren lebten viele von ihnen ohne festen Wohnsitz. Doch dann beschloss das kommunistische Regime der damaligen Tschechoslowakei, sie zwangsweise anzusiedeln und in der staatlichen Industrie einzusetzen. Man brachte sie am Rand von Dörfern oder in städtischen Vororten unter, wo sie meist bis heute leben.

Genau hier lebt der griechisch-katholische Priester mit seiner Frau und den drei Kindern, mitten unter den Roma in einer Gemeinde nahe Prešov im Osten der Slowakei. Er leitet die griechisch-katholische Roma-Mission.

Zusammen mit seiner Familie betreibt er in der Nähe von Sigord ein Exerzitienhaus, das sie vor Jahren vom Staat erhalten haben. Das Gebäude ist zwar alt, aber es reicht noch für die Bedürfnisse aus. KIRCHE IN NOT hat das Zentrum kürzlich finanziell unterstützt, um eine neue Warmwasser-Heizanlage einbauen zu lassen. In seiner pastoralen Arbeit bringt Mekel den Roma den christlichen Glauben näher.

Das Exerzitienhaus in Sigord.

Roma-Mission stößt nicht überall auf Akzeptanz

Dieser Eifer stößt aber nicht immer auf Akzeptanz bei denjenigen, die keine Roma sind. „Für sie war es einfach ungewohnt. Ein neuer Priester kommt ins Dorf, und plötzlich sind die Roma in der Kirche, im Gemeindehaus, überall … Es war nicht einfach“, berichtet der Priester über die Anfänge seiner Arbeit.

Heute bietet er regelmäßige Treffen für Roma an, um gemeinsam zu beten, sich auszutauschen und sie weiterzubilden. Die Aktivitäten sollten ihnen die Möglichkeit geben, ihre Talente und ihr Potenzial zu nutzen, wünscht sich Pfarrer Mekel.

Die meisten Nichtregierungsorganisationen arbeiten mit den Roma wie mit „Klienten“, bedauert er. „Ich bin Priester und kein Sozialarbeiter. Sie sind nicht unsere ,Klienten‘, sondern unsere Brüder und Schwestern.“

Ein Priester im Gespräch mit einer Roma-Familie.

„Ich bin Priester und kein Sozialarbeiter“

Die Roma wünschten sich laut einer Umfrage, so Martin Mekel weiter, weder höhere Bildung, noch Geld, sondern gute Beziehungen in ihrer Familie und Gemeinschaft. „Außerdem wollten sie akzeptiert werden, irgendwo dazugehören, denn viele Menschen möchten sie einfach nirgendwo sehen.“

Daher appelliert Mekel an seine Landsleute: „Vielleicht ist es an der Zeit, dass wir Slowaken zur Vernunft kommen und etwas Anderes von den Roma erwarten. Wir sollten aufhören, Koordinatoren oder Assistenten zu sein, und anfangen, Freunde zu sein.“

Mit Blick auf den bevorstehenden Papstbesuch wollen Pfarrer Mekel und sein Team die Gläubigen ermutigen, sich aufzumachen und den Papst zu treffen. Doch viele hätten vor einer Impfung gegen Covid-19 Angst, die jedoch Bedingung ist, um an den Veranstaltungen während des Papstbesuches teilzunehmen.

Er hoffe jedoch, dass die Begegnung des Papstes mit den Roma „einen langfristigen Einfluss auf die Beziehungen zwischen den Roma und der übrigen Gesellschaft haben wird. Ich bete, dass der Heilige Vater die Herzen der Menschen öffnet und der Gesellschaft hilft zu verstehen, dass es nötig ist, unsere Roma-Brüder und -Schwestern zu akzeptieren.“

Unterstützen Sie den Einsatz der katholischen Kirche in der Slowakei mit Ihrer Spende – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Slowakei

Die Weltöffentlichkeit schaut schockiert auf die Lage in Belarus. Gewaltsam unterdrückte Proteste und Sanktionen prägen das Bild. Hinzu kommt, dass Belarus auch von der Corona-Krise schwer getroffen wurde. In der aktuell angespannten Situation hat auch die katholische Minderheit des Landes Repressalien zu erdulden. Internationale Bekanntheit erlangte der Fall des Minsker Erzbischofs Tadeusz Kondrusiewicz, dem nach Kritik an der politischen Führung monatelange die Wiedereinreise nach Belarus verweigert worden war.

Wie die Kirche trotzdem für die Menschen da ist – und warum in der aktuellen Situation sogar eine Chance für die ökumenische Annäherung liegt, darüber hat das weltweite kirchliche Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) mit dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz von Belarus, Msgr. Aleh Butkewitsch, gesprochen. Der 49-Jährige leitet seit 2014 die Diözese Vitebsk im Norden von Belarus.

Bischof Aleh Butkevich

KIRCHE IN NOT: Belarus geht durch eine schwere Krise. Wie versucht die Kirche in dieser Zeit für die Menschen da zu sein?

Die Kirche muss angesichts der Prozesse, die in der Gesellschaft vor sich gehen, reagieren und kann nicht gleichgültig bleiben – schließlich sind an ihnen dieselben Menschen beteiligt, die mehrheitlich auch der Kirche angehören. Deshalb versucht die Kirche, ihre Herzen zu erreichen, indem sie sie zu Frieden und Versöhnung aufruft sowie zum Dialog, um die Probleme zu lösen. Wir bieten auch alle mögliche Hilfe an: geistliche, psychologische und manchmal auch materielle Unterstützung für Menschen, die sich in einer besonders schwierigen Situation befinden.

Gibt es auch Beeinträchtigungen der kirchlichen Arbeit?

Im Prinzip hat die Krisensituation den Dienst der Kirche nicht ernsthaft behindert oder eingeengt, mit Ausnahme von Einschränkungen bei der Übertragung von Gottesdiensten und, in einigen Fällen, einer verstärkten behördlichen Kontrolle der Aktivitäten einzelner Priester und Pfarreien.

Welche Gefühle prägen die Gläubigen angesichts der gegenwärtigen Lage?

Die bestehende Situation hat eine zusätzliche Motivation geschaffen, das Gebet zu verstärken und oft auch die eigenen Ansichten über die Beziehung zu Gott und den Menschen zu überdenken. Im Allgemeinen führen solche Situationen in der Regel zu einer Vertiefung des Glaubens.

Demonstrantinnen in Weißrussland. (Foto: Witalij Poliniewski/Catholic.by)

Wie hat sich die Corona-Pandemie in Belarus ausgewirkt und was hat die Kirche getan, um die Folgen zu lindern?

Wie überall auf der Welt hatte die Covid-19-Epidemie auch in Belarus einen negativen Einfluss auf das öffentliche Leben und die wirtschaftliche Situation. Die Kirche ist eine der ersten Institutionen gewesen, die auf das Auftreten der Epidemie reagiert hat. Wir haben Sicherheitsmaßnahmen in Form von Desinfektionsmöglichkeiten in Kirchen, Maskenpflicht bei Gottesdiensten und Einhaltung der sozialen Distanz getroffen. In der Folge wurden Projekte organisiert, um medizinische Organisationen bei der Anschaffung der notwendigen Schutz- und Präventionsausrüstungen zu unterstützen. Die Zahl der Online-Übertragungen von Gottesdiensten in Gemeinden hat zugenommen. Hier hat uns KIRCHE IN NOT sofort unter die Arme gegriffen.

Die Mehrheit der Bewohner von Belarus gehört der orthodoxen Kirche an. Wie würden Sie das Verhältnis zur orthodoxen Kirche beschreiben? Gibt es eine etablierte Ökumene, auch angesichts der gesellschaftlichen Fragen?

Die Beziehungen zur orthodoxen Kirche, aber auch zu Vertretern anderer Konfessionen und Religionen sind friedlich. In den meisten Fällen, vor allem auf der Ebene der zwischenmenschlichen Beziehungen, wie zum Beispiel in konfessionsgemischten Familien, würde ich sie als freundschaftlich bezeichnen. Jegliche interkonfessionellen und interreligiösen Unterscheidungen lösen sich praktisch auf, wenn es um die Rettung des Menschen geht. Unter diesem Gesichtspunkt kann die Epidemie also bis zu einem gewissen Grad als ein Faktor betrachtet werden, der die Menschen eher verbindet als trennt.

Protestmarsch in Minski (Foto: Witalij Poliniewski/Catholic.by)

Sehr viele katholische Priester in Belarus stammen aus dem Ausland, zum Beispiel aus Polen. Stellt sie das vor Probleme – etwa bei der Visavergabe? Gibt es sprachliche Barrieren gegenüber den Gemeinden?

Mittlerweile ist die Mehrheit unserer Priester aus Belarus. Aber wir sind noch weit davon entfernt, auf die Hilfe von Priestern aus dem Ausland verzichten zu können. Wir sind gerade den polnischen Priestern für ihre langjährige und selbstlose Arbeit in unserem Land sehr dankbar. Ihr Dienst wird dadurch erschwert, dass sie regelmäßig – einmal im Jahr oder sogar halbjährlich – die Genehmigung für die seelsorgerische Tätigkeit einholen müssen. Es besteht jederzeit die Möglichkeit, dass sie diese Erlaubnis ohne Angabe von Gründen verlieren. Was die Frage der Sprache in der heiligen Messe betrifft, so gibt es kein Problem. Bei den ausländischen Geistlichen existieren keine Sprachbarrieren.

Wie könnte die katholische Weltkirche ihre Verbundenheit mit den Menschen in Belarus zum Ausdruck bringen?

Es gibt bereits Unterstützung durch die Weltkirche für Belarus – vor allem das Gebet vieler Orden, Kongregationen, Pfarreien und Einzelpersonen. Vor allem schätzen wir das Gebet und das Gedenken von Papst Franziskus, der besorgt ist über das, was in unserem Land geschieht. Diese geistige Einheit ist für uns eine wesentliche Stütze in der aktuellen Situation. Es gibt diplomatische Versuche der Vertretung des Heiligen Stuhls in Belarus, um den Menschen in dieser schwierigen Situation zu helfen, eine friedliche Lösung der Krise in unserem Land herbeizuführen und seine Situation in der Weltgemeinschaft positiv zu beeinflussen.

Was ist Ihre Botschaft an die Wohltäter von KIRCHE IN NOT?

Allen Wohltätern von KIRCHE IN NOT gilt in erster Linie unser großer Dank für die langjährige Unterstützung, sowohl bei der Restaurierung von Kirchengebäuden als auch für die Hilfe, damit Pfarrgemeinden und Ordensgemeinschaften ihre Arbeit erfüllen können. Ohne diese Hilfe in pastoralem und sozialem Bereich wären wir nicht da, wo wir heute sind. Wir unsererseits versichern Ihnen, unablässig zu beten und um Gottes Lohn für die Freundlichkeit und Offenheit Ihrer Herzen zu bitten!

Um den Christen in Belarus weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online … hier oder auf folgendes Konto:

 

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Belarus

Das jüngste Schreiben ‚Antiquum ministerium‘ mit dem der Papst den „laikalen Dienst“ des Katecheten mit eigener liturgischer Beauftragung eingeführt hat, war eine große Freude für uns“, erklärt Regina Lynch, Direktorin der Projektabteilung des Hilfswerkes KIRCHE IN NOT (ACN).

„Durch unsere Projektarbeit in mehr als 140 Ländern wissen wir, dass Katechetinnen und Katecheten an vielen Orten der Welt das Rückgrat der Kirche sind“, sagte Lynch. Gerade in entlegenen Gegenden, in die nur selten ein Priester kommen kann, oder in Ländern, wo durch Krieg und Verfolgung die Gemeindearbeit erschwert ist, seien Katecheten Ansprechpartner, Helfer und Seelsorger in einem.

Katecheten beim Gebet mit Kindern.
„Die Katecheten, die in Regionen, wo es keine Priester gibt, die Seelsorge leiten, bezahlen ihren Mut und ihre Hingabe bisweilen sogar mit dem Tod. Ein besonders berührendes Beispiel ist Philippe Yarga aus Diozese Dori in Burkina Faso“. Yarga, der für die pastorale Koordination im Osten von Burkina Faso an der Grenze zu Niger zuständig war, wurde am 16. Februar 2020 von Terroristen ermordet. Er hinterließ sieben Kinder, von denen das jüngste sechs Wochen nach seinem Tod geboren wurde. „Die Katecheten in Burkina Faso und anderen Ländern der Sahelzone sehen sich unmittelbar der terroristischen Gefahr ausgesetzt und müssen manchmal über Nacht mit ihren Familien fliehen. Deshalb unterstützt KIRCHE IN NOT zum Bespiel in Burkina Faso ein Hilfsprojekt zur Versorgung von 18 leitenden Katecheten und ihren Familien, die vertrieben wurden“, erzählt Lynch.
Katecheten in Brasilien.

KIRCHE IN NOT fördert über 18 000 Katecheten weltweit

Auch in zahlreichen anderen Ländern weltweit unterstützt KIRCHE IN NOT den Einsatz von Katecheten. „Allein im Jahr 2020 haben wir über 18 000 Katecheten auf allen Kontinenten gefördert – die meisten in Asien und Afrika“, so Lynch. KIRCHE IN NOT hat im vergangenen Jahr 20 Projekte finanziert, um Katecheten für ihren Dienst technisch auszustatten oder sie mit Material für die Seelsorgearbeit und den Religionsunterricht zu versorgen. Hinzu kommen 35 Projekte zur Schulung und Weiterbildung von Katecheten in 18 Ländern.

Katechet in der Ukraine unterrichtet Erwachsene.

Ein Katechet in Uganda verkündet Versöhnung statt Rache

Hinter diesen Projekten stehen Menschen mit sehr beeindruckenden Geschichten. Einer der Katecheten, die KIRCHE IN NOT unterstützt, ist zum Beispiel John Joseph Gazi aus Uganda. Ursprünglich kommt er aus dem Südsudan. In dem jüngsten Staat Afrikas, erst 2011 unabhängig geworden, herrscht ein brutaler Kampf, allen Friedensbemühungen zum Trotz. Es geht um Macht, um ethnische Konflikte. Johns Familie konnte dem Morden nicht entkommen. „Mein Vater, meine Schwester und mein Bruder wurden getötet. Es geschah innerhalb weniger Minuten“, erzählt er KIRCHE IN NOT.

Er jedoch konnte ins Nachbarland Uganda flüchten, wo über eine Million Menschen in Flüchtlingslagern hausen. Doch schlimmer als die himmelschreiende Not dort sind die Narben der Seele, vor allem unter den jungen Menschen: Denn viele wurden in den Auseinandersetzungen als Kindersoldaten missbraucht.

Zu ihnen fühlt John sich besonders gesandt: „Viele tragen Hass und Rachegedanken in sich. Ich spreche zu ihnen über Vergebung.“ Er hat fast alles verloren – aber nicht den Glauben an Gott. Darum hat er sich zum Katecheten ausbilden lassen. Er selber bevorzugt die Bezeichnung „Evangelisierer“: Den armen und verzweifelten Menschen die Frohe Botschaft bringen.

„Seelen zu Gott zurückbringen“

KIRCHE IN NOT hat seine Ausbildung finanziert, im Emmaus-Zentrum, nahe der ugandischen Hauptstadt Kampala. Dort werden junge Menschen geschult, die Wunden der Seelen ihrer Landsleute zu heilen und ihnen in verschiedenen Nöten beizustehen. Ein ganz anderer und aussichtsreicherer „Kampf“ als der verbitterte Krieg in seiner Heimat, bekennt John: „Ich bin jetzt ein Soldat für Jesus. Ich kämpfe darum, die Seelen zu Gott zurückzubringen.“

John besucht jetzt seine Landsleute, die sich in Uganda mehr schlecht als recht eine neue Existenz aufbauen – aber ohne Gewalt und Krieg. „Ich will das Leben zu den Südsudanesen zurückbringen.“ Er spricht vom Glauben, er spendet Trost, hört sich die schrecklichen Erzählungen der traumatisierten Menschen an und vermittelt Hilfe. John und seine Mitstreiter haben neben katechetischen auch psychologische Kenntnisse im Emmaus-Zentrum erworben. Denn zusätzlich zu den Kriegserfahrungen, der Armut und Arbeitslosigkeit stellt auch der Alkoholmissbrauch ein Problem unter den Geflüchteten dar.

Der „Kampf“ gegen die Folgen des Krieges dauert an. Aber John ist sich sicher, dass es jede Mühe wert ist: „Dank meiner Ausbildung als Katechet mit der Unterstützung von KIRCHE IN NOT, bringe ich nun Hoffnung und Liebe zu meinen Leuten.“

Katechet John Joseph Gazi aus Uganda.
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Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Katecheten-Ausbildung

KIRCHE IN NOT hat für Ende April 2021 eine Neuauflage der Studie „Religionsfreiheit weltweit“ angekündigt. „Seit dem vergangenen Bericht hat sich die Lage hinsichtlich der Religionsfreiheit weltweit verschlechtert. Viel Diskriminierung und Verfolgung wird von der Weltöffentlichkeit nicht beachtet“, erklärte der Geschäftsführende Präsident von KIRCHE IN NOT, Dr. Thomas Heine-Geldern. Corona und die Folgen hätten das Menschenrecht auf Religionsfreiheit noch weiter geschwächt. Vielerorts habe die Pandemie die soziale Ausgrenzung von religiösen Minderheiten vergrößert, zum Beispiel in Pakistan oder Indien. „Es war für sie dort zum Teil unmöglich, über die staatlichen Kanäle Hilfe zu bekommen.“
Beisetzung eines getöteten Priesterseminaristen im Januar 2020 in Kaduna/Nigeria.

Islamismus im Nahen Osten und Afrika, Nationalismus und Diktaturen in Asien

Im Nahen Osten fühlten sich Christen und andere religiöse Minderheiten nach wie vor unsicher. Dschihadistische Terrorgruppen wie der „Islamische Staat“ hätten zudem ihr Unwesen vom Nahen Osten auf zahlreiche Regionen Afrika verlagert, das zu einem „Kontinent der Märtyrer“ geworden sei, erklärte Heine-Geldern. Vor allem in den Ländern der Sahelzone seien „religiöser Extremismus und radikale gewalttätige Islamisten auf dem Vormarsch und zerstören das bislang friedliche Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen, um Ressourcen und Macht zu erlangen“.

Während in Afrika und im Nahen Osten der Dschihadismus die Hauptursache der Verfolgung sei, machten im asiatischen Raum nationalistische Bewegungen und autoritäre Regierungen religiösen Minderheiten das Leben schwer. „Das Christentum wird in einigen asiatischen Ländern als ein schädlicher Einfluss betrachtet, der die Vorherrschaft der führenden Partei oder die vermeintliche religiöse Geschlossenheit der Nation bedroht“, sagte Heine-Geldern.

Christen im Irak. © Manweel Banna/Kirche in Not

Christen in Europa sind säkularen und islamistischen Angriffen ausgesetzt

Doch auch in Ländern ohne öffentliche Verfolgung nähmen Ressentiments gegenüber Gläubigen zu. Das sei mittlerweile auch in Europa der Fall, und das wolle der neue Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ herausarbeiten, erklärte Heine-Geldern. Christen seien einem Angriff von zwei Fronten ausgesetzt: „Die eine will die christlichen Wurzeln zerstören und eine rein individualistische Gesellschaft ohne Gott schaffen. Und die andere versucht, Menschen zu radikalisieren und mit Gewalt ein fundamentalistisches islamistisches System durchzusetzen.“

Die Dokumentation „Religionsfreiheit weltweit“ beleuchtet die Lage dieses Menschenrechts in 196 Ländern der Welt und für alle religiösen Gruppen, listet Verstöße gegen die Religionsfreiheit auf und dokumentiert aktuelle Entwicklungen. Der Bericht wird von unabhängigen Experten und Journalisten erstellt und erscheint alle zwei Jahre. Die ursprünglich geplante Veröffentlichung im Herbst 2020 musste coronabedingt verschoben werden. Nun wird der Bericht Ende April 2021 der Öffentlichkeit vorgestellt – zuerst in Rom. Weitere Informationen: www.religionsfreiheit-weltweit.at

25 Jahre nach dem Abkommen von Dayton, das den dreijährigen Bosnienkrieg beendete, gehen die katholischen Bischöfe von Bosnien und Herzegowina hart mit der politischen und gesellschaftlichen Situation des Landes ins Gericht. Der Vertrag sei den Völkern von Bosnien und Herzegowina „von der internationalen Gemeinschaft unter Führung der Vereinigten Staaten auferlegt“ worden und habe den „mehrjährigen Krieg gestoppt, aber keinen dauerhaften Frieden geschlossen“, schreiben die Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung vom 19. November, die dem internationalen katholischen Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) vorliegt.

Weder die Gleichberechtigung der verschiedenen Völker und Minderheiten, noch die Rückkehr der Vertriebenen und Flüchtlinge oder die Entschädigung für zerstörtes und geplündertes Eigentum sei erreicht worden, beklagen die Bischöfe. Stattdessen schwele der Konflikt nach wie vor weiter.

Zwei Mädchen beten in einer kriegszerstörten Kirche im Erzbistum Vhrbosna.

Katholische Bevölkerung vor dem Aus

Dramatisch sei auch die Situation der Katholiken im Land: „Fast die gesamte katholische Bevölkerung […] in der Entität Republik Srpska ist ausgerottet; und in der Entität Föderation Bosnien und Herzegowina ist sie kontinuierlich rückläufig“. Vor allem sorgen sich die Bischöfe um die Abwanderung junger Menschen und ganzer Familien. Verantwortlich dafür seien Kriminalität, Korruption, fehlende Arbeitsmöglichkeiten und schlechte politische Führung im Land.

Die meisten Katholiken in Bosnien und Herzegowina gehören der kroatischen Volksgruppe an. Pflicht „der einheimischen und ausländischen Beamten“ sei es gewesen, die „politischen, rechtlichen und materiellen“ Rahmenbedingungen zu schaffen, um die katholische Minderheit im Land zu halten. Dies sei jedoch ausgeblieben, monieren die Bischöfe.

Bosnia and Herzegowina/Mostar 11/237
New construction of the church and the priest´s house in the parish St. John in Stjepan Krst - reconstruction of the parish center which has been destroyed during the war: The ruins of the parish church and parish house after the war in July 1997
BOSNIEN-HERZEGOVINA / MOSTAR 11/00237
Gläubige vor einer zerstörten Kirche im Bistum Mostar-Duvno.

Forderung nach einer neuen Verfassung

Bosnien und Herzegowina sei in den vergangenen 25 Jahren auf dem Weg zu einem stabilen Frieden und „der wünschenswerten europäischen Integration“ zu wenig vorangekommen. Deshalb fordern die Bischöfe nationale wie internationale Politiker auf, „sich entschlossener als bisher um eine gerechte […] Verfassung des Landes zu bemühen“.

Bosnien und Herzegowina hat bislang keine rechtlich eigenständige Verfassung, diese wurde im Anhang des Friedensabkommens von Dayton festgelegt. Eine neue Verfassung solle die drei Staatsvölker – bosnische Kroaten, bosnische Serben und Bosniaken – die Rechte der ethnischen Minderheiten und die Bürgerrechte gleichermaßen berücksichtigen, heißt es in der Erklärung. „Die Verfassung muss von gerechten Gesetzen begleitet sein, die die Achtung aller individuellen und kollektiven Rechte gewährleisten, ohne die Möglichkeit der Vorherrschaft der Stärkeren oder Zahlreicheren.“

Jugendwallfahrt in Bosnien.

Komplexe Gebiets- und Machtteilung

Der Friedensvertrag von Dayton wurde unter maßgeblicher Vermittlung der USA am 21. November 1995 von den Verhandlungsparteien angenommen und am 14. Dezember in Paris unterzeichnet. Es galt damals als großer politischer Durchbruch, um den Bosnienkrieg mit über 100 000 Todesopfern zu beenden. Die Europäische Union hatte sich an dem Abkommen beteiligt. Der Friedensvertrag teilte das Staatsgebiet in die zwei Entitäten Föderation Bosnien und Herzegowina und Republik Srpska auf. Außerdem wurde eine paritätische Machtteilung zwischen Kroaten, Serben und Bosniaken festgelegt. Um die Umsetzung des Abkommens sicherzustellen, wurde ein Hoher Repräsentant der Vereinten Nationen für Bosnien und Herzegowina bestellt.

Je etwa die Hälfte der Einwohner von Bosnien und Herzegowina sind Christen oder Muslime. Der Anteil der Katholiken wird mit 12 bis 14 Prozent angegeben, geht aber kontinuierlich zurück. Angaben der lokalen Kirche zufolge wandern jährlich rund 10 000 Katholiken aus. Vielfach beklagten Kirchenvertreter auch eine Benachteiligung der überwiegend katholischen Kroaten.

KIRCHE IN NOT steht seit über drei Jahrzehnten den Katholiken in Bosnien und Herzegowina bei. Die Hilfe umfasst vor allem den Wiederaufbau von Kirchen, Klöster und die Unterstützung der Priesterausbildung.

Darüber hinaus unterstützt das Hilfswerk auch die Anschaffung von Fahrzeugen für die Seelsorge, den Aufbau von Pastoralzentren, die Ausbildung von Priestern und Ordensleuten und leistet Existenzhilfe für kontemplative Klöster. Auch die kirchliche Jugend- und Medienarbeit gehört zu den Förderprojekten.

Um weiterhin helfen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – entweder online … hier oder auf folgendes Konto:

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Verwendungszweck: Bosnien

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