Europa Archive - Seite 8 von 8 - KIRCHE IN NOT Österreich
Spenden
Europa

Europa

Mehr Beiträge zu diesem Thema

Mehr Schlagworte 141 Beiträge gefunden
Beiträge anzeigen
Das Coronavirus hat auch Osteuropa erreicht. Für die Ukraine könnte die Ausdehnung der Krankheit fatale Konsequenzen haben. Eine anhaltende Rentenkrise hat ältere Menschen bereits vor COVID-19 dem Risiko von Krankheit und Armut ausgesetzt. Hinzu kommt die anhaltende Kriegssituation im Osten der Ukraine, die viele Menschen noch weiter in die Verelendung treibt.

In der Ukraine und anderen Krisenländern stehen Priester und Ordensleute an vorderster Front im Einsatz für notleidende Menschen. Damit sie auch unter den Folgen der Corona-Pandemie weiterhin ihren sozialen wie seelsorgerischen Dienst ausüben können, hat das internationale päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ besondere Hilfen zur Verfügung gestellt. Vier ukrainische Ordensschwestern berichten über ihre Arbeit in Zeiten der Pandemie.

Schwester Daniela Pukhalska ist Krankenschwester in Odessa am Schwarzen Meer. Sie arbeitet in der Abteilung für Infektionskrankheiten und kennt das Leid aus erster Hand: „Zurzeit kommen viele Patienten mit Verdacht auf Corona zu uns“, berichtet sie. „Vor einigen Tagen wurde uns mitgeteilt, dass wir ab sofort nur noch Patienten aufnehmen, die positiv getestet wurden. Es gibt so viel Arbeit, dass ich am Ende des Arbeitstages sehr erschöpft bin.“ Selbst einige der Ärzte seien in Panik geraten, einige von ihnen hätten sogar gekündigt, erzählt Schwester Daniela. Sie dagegen bleibt relativ gelassen: „Wie unser Chefarzt immer sagt: Wir wussten, in welcher Abteilung wir arbeiten und was uns erwarten könnte.“

Schwester Justiniana versorgt eine Frau im Altenheim. © Kirche in Not
Schwester im Erzbistum Lemberg besucht einen hilfsbedürftigen Mann. © Kirche in Not

Sie selber habe keine Angst vor einer Infektion. Diese Zuversicht sei der Gnade Gottes und dem Umstand zu verdanken, dass viele Menschen für sie und für die Kranken beten, betont die Schwester, die der Gemeinschaft „Kleine Schwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens“ angehört. „Ich weiß, dass viele Menschen für uns, für die Ärzte und das gesamte Personal beten, wofür wir sehr dankbar sind. Wir bitten weiterhin um Gebete, damit uns die Kraft nicht verlässt“, sagt Schwester Daniela.

„Nicht in Panik geraten, sondern Patienten beruhigen“

Mit der Pandemie konfrontiert sind auch Schwestern, die sich um ältere und pflegebedürftige Menschen kümmern, wie zum Beispiel Schwester Justiniana aus dem Altersheim „Maria, Mutter der Barmherzigkeit“ im westukrainischen Lemberg. Dort betreuen die St.-Joseph-Schwestern 25 bettlägerige Personen, die rund um die Uhr medizinische Betreuung brauchen. Während der Corona-Pandemie haben sie die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Es sei zum Beispiel verboten, Patienten zu besuchen, erzählt Schwester Justiniana. Das Personal verwende Masken und Schutzkleidung. Alles werde streng desinfiziert. „Wir befürchten, dass uns die notwendigen Mittel und Medikamente bald ausgehen, denn es ist schwer, Nachschub zu besorgen“, berichtet Schwester Justiniana besorgt. „Trotz allem versuchen wir, nicht in Panik zu geraten, sondern die Patienten zu beruhigen und zu schützen.“

Mut für den täglichen Kampf schöpfe auch sie aus dem Glauben: „Wir haben Anfang April den 15. Todestag des heiligen Johannes Paul II. gefeiert. Wir erinnern uns an seine Worte: ,Hab keine Angst! Öffnet die Tore für Christus‛. Wenn wir uns für Christus öffnen und ihn annehmen, stehen wir unter seinem besonderen Schutz. Deshalb vertrauen wir ihm unser Zuhause und die ganze Welt an.“

Geistliche und materielle Sorgen für notleidende Menschen

Die Missionsbenediktinerin Jana Lypiwska arbeitet seit zwei Jahren in der Pfarrei des heiligen Aloisius in Schmerinka in der Zentralukraine. Ihre Hauptaufgabe war bis vor kurzem die Katechese für Kinder und Erwachsene sowie die Vorbereitung auf die Sakramente. Schwester Jana kümmerte sich aber auch um die alten und hilfsbedürftigen Menschen der Pfarrei. Das sei jetzt ihre wichtigste Beschäftigung, erzählt die Ordensfrau: „Gerade in dieser schwierigen Zeit der Ausgangssperren brauchen diese Menschen unsere Hilfe und unser Lebenszeugnis. Viele bitten uns um das Gebet. Wir öffnen unsere Kapelle für das persönliche Gebet, wir erledigen Einkäufe oder sind einfach für die Menschen in dieser schwierigen Zeit da.“

Schon vor der Pandemie war die wirtschaftliche Lage der Ukraine wegen des Krieges, in dem das Land sich seit 2014 befindet, sehr schlecht. Ersparnisse hat dort kaum jemand, und der Verlust der Arbeitsstelle durch die Pandemie bringt die Menschen an den Rand ihrer Existenz. Das spüren auch die Schwestern in Iwano-Frankiwsk in der Westukraine. Schwester Elena Gnadziuk gehört der Kongregation der „Myronositsi“ an. Ihr Kloster wird täglich von Menschen besucht, die sich in einer schwierigen finanziellen Situation befinden – täglich werden es mehr. Die Schwestern geben Lebensmittel aus. „Jedes Mal, wenn es klingelt und ich die Tür unseres Klosters öffne, sehe ich Menschen in Not“, erzählt Schwester Elena. „Gestern hat uns eine Frau um Essen für ihre drei Kinder gebeten. Nach ihr kam ein Mann, der um Essen für seine Mutter bat … Unter den Bedürftigen gibt es viele alleinstehende Menschen, die keinerlei Unterstützung haben. Wir sind für sie da.“

„Kirche in Not“ unterstützt alle genannten Klostergemeinschaften seit vielen Jahren. Das Hilfswerk fördert Ausbildung und Unterhalt der Ordensfrauen sowie ihren karitativen Einsatz. Um weiterhin helfen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at/helfen/spenden

Schwester Elena gibt an der Klosterpforte Lebensmittel aus. © Kirche in Not
Eine Delegation des Moskauer Patriarchates hat in diesen Tagen die internationale Zentrale des internationalen Hilfswerks KIRCHE IN NOT besucht, um weitere gemeinsame Hilfsaktionen im Nahen Osten zu besprechen.

Am 16. und 17.Juli besuchte eine Delegation des Moskauer Patriarchates die internationale Zentrale der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT. Thema der Besprechungen war die Entwicklung weiterer gemeinsamer Projekte in Syrien und im Irak als Antwort auf den Aufruf, den Papst Franziskus und Patriarch Kirill im Februar 2016 bei ihrem historischen Treffen in Havanna an ihre beiden Kirchen gerichtet hatten. Im Mittelpunkt ihrer Botschaft stand die Zusammenarbeit beider Kirchen, um den leidenden Christen vor allem im Nahen Osten zu helfen.

Die Delegation aus Moskau bestand aus Hieromonach Stefan (Igumnov), dem Sekretär des Außenamtes des Moskauer Patriarchates, Hieromonach Ioann (Kopeykin), dem Prorektor des Postgraduierteninstitutes der Hll. Cyrill und Methodius in Moskau sowie Ekaterina Myazdrikova, der Direktorin des Hilfsfonds „Poznanie“ des Moskauer Patriarchates, der syrischen Kindern hilft, die durch Explosionen schwer verletzt wurden.

Die Päpstliche Stiftung KIRCHE IN NOT, die seit mehr als 25 Jahren für den Dialog mit der Russisch-Orthodoxen Kirche engagiert ist, hatte bereits unmittelbar nach dem Treffen der beiden Kirchenoberhäupter gemeinsam mit dem Moskauer Patriarchat erste Initiativen zugunsten der Christen im Nahen Osten gestartet. Die Zusammenarbeit auf diesem Gebiet soll nun intensiviert werden. Regina Lynch, Direktorin der Abteilung Projekte bei KIRCHE IN NOT, betonte in diesem Zusammenhang, die Katholische und die Russisch-Orthodoxe Kirche hätten „viele gemeinsame Anliegen, von denen das schmerzlichste die Sorge um die Christen im Nahen Osten und in anderen Ländern, in denen Christen verfolgt oder bedrängt werden“ seien.

Hieromonach Stefan (Igumnov) betonte, diese Zusammenarbeit werde möglich durch die „bereits seit vielen Jahren bestehenden guten und fruchtbaren Beziehung zu KIRCHE IN NOT“, die auf „wirklichem Vertrauen“ beruhe. Wörtlich sagte er: „Wir sind nicht nur Partner, sondern Freunde.“ KIRCHE IN NOT habe das Moskauer Patriarchat in „verschiedenen Stadien seiner Geschichte“ unterstützt. Jedoch sei zuvor „nie daran gedacht worden, gemeinsame Projekte auch in anderen Teilen der Welt durchzuführen“.
Nach dem historischen Treffen zwischen Papst Franziskus und Patriarch Kirill in Havanna jedoch habe die Zusammenarbeit „eine neue Phase erreicht.“ Laut Igumnov war es „ein Wunder, das Gott uns geschenkt hat, dass wir bereits zwei Monate nach dem Treffen unserer Kirchenoberhäupter in Havanna ihrem Aufruf folgen und gemeinsam in Syrien tätig werden konnten.“

Die Gespräche über die gemeinsamen Projekte werden weiter fortgesetzt. Es ist geplant, gemeinsame Initiativen ins Leben zu rufen, die dazu dienen, Jugendlichen in Syrien und im Irak unabhängig von ihrer Konfession eine Zukunft zu ermöglichen. Diese gemeinsamen Projekte sollen „eine unmittelbare Frucht der Begegnung zwischen Papst und Patriarch“ sein, wie die Vertreter des Moskauer Patriarchates und der Stiftung KIRCHE IN NOT übereinstimmend erklärten.

Foto:

v.l.n.r.: Peter Humeniuk, Projektleiter für Russland von KIRCHE IN NOT,
Fr. Ioann (Kopeykin), Prorektor des Cyril und Methodius Institutes für Post-Graduate Studien des Moskauer Patriachats in Moskau,
Ekaterina Myazdrikova, Geschäftsführerin von “Poznanie”, ein karitativer Fond des Moskauer Patriachats,
Regina Lynch, KIRCHE IN NOT, Leitung der Projektabteilung,
Fr. Stefan (Igumnov), Sekretär für den interchristlichen Dialog,
P. Martin Barta, internationaler geistlicher Assistent von KIRCHE IN NOT

Beiträge zu diesem Thema

Ukraine: Unser Glaube ist ein Zuhause

Ukraine: Unser Glaube ist ein Zuhause

01.10.2026 • hilfsprojekt
Finnland: Eine wachsende Kirche

Finnland: Eine wachsende Kirche

21.08.2025 • aktuelles
Ukraine: Existenzhilfe für Karmelitinnen

Ukraine: Existenzhilfe für Karmelitinnen

05.10.2018 • hilfsprojekt
Russland: Ein Fahrzeug für Ordensfrauen

Russland: Ein Fahrzeug für Ordensfrauen

05.02.2018 • hilfsprojekt