Asien Archive - Seite 17 von 17 - KIRCHE IN NOT Österreich
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Während ihres Aufenthalts in Frankreich beantragte Asia Bibi politisches Asyl. Die pakistanische Christin, deren Schicksal KIRCHE IN NOT seit ihrer Verurteilung im Jahr 2010 verfolgt, gewährte uns ein Interview. 

Offensichtlich ist Asia Bibi müde. Interviews und offizielle Treffen nehmen die wenigen Tage in Anspruch, die sie in Frankreich verbringt. Doch sie lächelt den Fotografen zu, die unablässig Bilder machen, und gibt tapfer eine Reihe Interviews: „Es ist den Medien zu verdanken, dass ich noch lebe“, versichert sie.

Opfer eines absurden Gesetzes

Das Ende ihres Leidensweges verdankt sie vor allem der französischen Journalistin Anne-Isabelle Tollet, die sie „ihre Schwester“ nennt und die ihr bei der Veröffentlichung des Buches „Enfin libre!“ (Endlich frei! erschienen bei du Rocher) geholfen hat. Diese Autobiografie erzählt, wie die pakistanische, katholische Bäuerin zu einer weltweiten Ikone des Widerstands gegen den islamischen Fundamentalismus wurde. Von ihren muslimischen Nachbarn der Blasphemie beschuldigt, verbrachte Asia Bibi neun Jahre im Gefängnis, unter Androhung der Hinrichtung, nachdem sie zum Tode verurteilt worden war. Das pakistanische Antiblasphemie-Gesetz wird häufig zur Beilegung einfacher Nachbarschaftsstreitigkeiten herangezogen und hat schlimme Folgen. Die Angeklagten werden oft von einem wütenden Mob gelyncht oder „verschwinden“, „begehen Selbstmord“ im Gefängnis. Die Medienberichterstattung über Asia Bibi hat sie vor diesem Schicksal bewahrt.

Am 31. Oktober 2018 wurde sie vom pakistanischen Obersten Gerichtshof auf Berufung freigesprochen und konnte nach vielen Höhen und Tiefen am 8. Mai 2019 – dank des internationalen Drucks – endlich nach Kanada ausreisen. Es gibt jetzt eine „Asia-Bibi-Rechtsprechung“, die es den der Blasphemie Beschuldigten erlaubt, sich gegen ihre Ankläger zu wenden. Das Antiblasphemie-Gesetz existiert in Pakistan immer noch, aber es ist zu einem Risiko geworden, es zu benutzen, um jemandem zu schaden.

„Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.“

„Ich hätte nie gedacht, dass ich berühmt werden würde“, sagt Asia Bibi mit ihrer leisen Stimme. Sie erzählt von einer glücklichen Kindheit in ihrer Heimat Pakistan: „Ich habe mit meinen muslimischen Nachbarn gespielt, es gab keine Trennung“, erinnert sie sich nostalgisch. Im Alter von acht Jahren getauft, kann sie ihren Glauben ohne Schwierigkeiten leben. Was ihr religiöses Erbe angeht, erinnert sie an die lange Geschichte der pakistanischen Christen: „Wir sind seit mehr als tausend Jahren Christen.“ Mit der Zeit wird Asia Bibi jedoch bewusst, dass es doch Unterschiede zwischen Christen und Muslimen in ihrem Land gibt. Sie erfährt von Angriffen gegen Christen. Einige werden von wütenden Mobs gelyncht. Es gibt auch Vorfälle von Muslimen, die junge christliche Frauen entführen und sie zwingen, zum Islam überzutreten, um sie zu heiraten.

Christen sind „unrein“.

Asia Bibi entdeckt auch, dass Muslime Christen als „unrein“ betrachten. Wegen dieses Irrglaubens wird ihr Leben an einem heißen Tag, dem 14. Juni 2009, auf den Kopf gestellt. Bei der Arbeit mit muslimischen Nachbarn wird sie gebeten, Wasser zu holen. Sie gehorcht, holt das Wasser und trinkt dann aus einer Tasse, bevor sie den anderen den Behälter bringt. Eine der Frauen weigert sich zu trinken, weil Asia die Flüssigkeit „unrein“ gemacht hätte. Asia Bibi verteidigt sich, indem sie sagt, dass sie nicht glaubt, dass der Prophet Mohammed dem zustimmen würde. Ihr wird gesagt, dass sie gerade Blasphemie begangen hat! Es folgen das Gefängnis, die von Fundamentalisten herbeigeführte Flucht ihrer Familie, die Verurteilung zum Tode durch den Strang… Eine Gerichtsodyssee, die 2019 ein glückliches Ende findet. Wenn sie über diese  schwierige Zeit ihres Lebens spricht, ist kein Ärger zu spüren, nur Traurigkeit und Müdigkeit.

Es gibt andere „Asia Bibi“…

Aber Asia weiß, dass sie in ihrer Lage nicht allein ist, und sie will das Mikrofon nutzen, um für diejenigen zu sprechen, die in ihrem Heimatland noch immer der Blasphemie beschuldigt werden. Sie wird lebendiger und ihre bis dahin leise Stimme wird drängender: „Während meiner Haft habe ich die Hand Christi gehalten, ihm habe ich es zu verdanken, dass ich standhaft geblieben bin. Habt keine Angst!“ Hinter ihrer neu gewonnenen Lebendigkeit können wir die Stärke einer Frau erahnen, die zehn Jahre schrecklicher Prüfungen nicht zu Fall bringen konnten. Dieselbe Frau, die sich immer geweigert hat, ihre Familie zu verlassen oder ihrem Glauben abzuschwören, wie man es nach ihrer Verhaftung verlangt hatte; so hätte sie einer Verurteilung entgehen können.

Trotz allem hat sie ihr Land verlassen müssen. Sie hofft, eines Tages zurückzukehren: „Dies ist meine Heimat, ich liebe Pakistan von Herzen!“, sagt sie. In Erwartung Ihrer Rückkehr würde sie gerne in Frankreich leben: „Mir ist hier viel Liebe entgegengebracht worden, ich glaube, ich würde mich bei euch sehr wohl fühlen.“

Asia Bibi
Vor drei Monaten rissen Bombenanschläge auf christliche Kirchen und Hotels in Sri Lanka mindestens 250 Menschen in den Tod, rund 500 wurden verletzt. Es war der Ostersonntag. Der Inselstaat, in dem die Christen rund acht Prozent der Bevölkerung stellen, steht seitdem unter Schock.

Gleichzeitig haben die Anschläge, die auf das Konto einer islamistischen Splittergruppe gehen, eine Welle der Solidarität ausgelöst. Die katholische Kirche hat viele haupt- und ehrenamtliche Helfer losgeschickt, um den traumatisierten Menschen zu helfen.

Einer von ihnen ist Prasad Harshan aus dem Hauptstadt-Bistum Colombo. Mit seinem „Faith Animation Team“ besucht er Überlebende und Hinterbliebene, koordiniert materielle Hilfen und leistet geistlichen Beistand. Bei einem Sri-Lanka-Besuch sprach Stephan Baier, Korrespondent der katholischen Zeitung „Die Tagespost“, mit dem Priester.

Stephan Baier: Die Terroranschläge haben die Menschen nicht nur physisch und psychisch, sondern auch in ihrem Glauben verwundet. Wie steht ihnen die Kirche bei?

Prasad Harshan: Unser Erzbischof Malcolm Kardinal Ranjith wollte Missionare auf der Straße, um den Menschen zuzuhören und ihnen beizustehen. Damit haben wir schon vor drei Jahren begonnen. Das wurde jetzt nach dieser Tragödie zum Segen. Wir sind zurzeit fünf Priester, die mit den Terroropfern arbeiten. Vor allem sind wir in Negombo tätig, wo 115 Menschen einer einzigen Pfarrei ermordet und mehr als 280 verletzt wurden. Die Menschen sind verwundet: physisch, mental und spirituell. In 30 Jahren Bürgerkrieg hatten wir nie solche Bombenattacken in Kirchen.

Bringt das Glaubenszweifel und Distanz zur Kirche?

Zunächst waren die Menschen geschockt und fragten sich: Wie konnte Gott das zulassen? Wir Priester beschlossen, mit den Menschen auszuharren, auch wenn wir keine Antworten geben konnten. Wir wollten ihnen zeigen, dass Gott bei ihnen ist und bleibt. Nach dem Schock kam die Wut. Insbesondere als die Menschen erfuhren, dass die Regierung vor den Anschlägen warnende Informationen erhalten hatte. Da spielten die Appelle von Kardinal Ranjith eine große Rolle. Er rief die Menschen auf, sich nicht von Emotionen, sondern vom Glauben leiten zu lassen.

Viele Katholiken auf Sri Lanka sagten mir, sie seien nach den Terroranschlägen stärker und gläubiger als zuvor.

Über Nacht war das ganze Land getauft. Es gibt ja die Taufe mit Wasser und jene mit Blut. Plötzlich wurde unserem ganzen Land die Anwesenheit der Katholiken und die besondere Art ihres Glaubens bewusst. Früher sahen sich etwa 4 000 Menschen die Videobotschaften des Kardinals an, jetzt sind es hunderttausende. Sie wollen hören, was er sagt. Wir hatten ein wahres Osterfest! Aber es begann mit den zerfetzten Leibern, mit dem Blut der Märtyrer.

Die islamistischen Attentäter haben bewusst christliche Kirchen attackiert. Dabei sind rund 70 Prozent der Einwohner Sri Lankas Buddhisten …

Es hat wohl damit zu tun, dass die katholische Kirche zwar hier im Land eine Minderheit darstellt, aber die größte religiöse Gemeinschaft in der Welt ist. Die Terroristen wollen die ganze Welt involvieren.

Wie haben die Attentate die Beziehung zwischen Buddhisten und Katholiken beeinflusst? 

Die Buddhisten begannen untereinander darüber zu sprechen, wie bewundernswert die Katholiken seien: Warum üben sie keine Rache? Die besondere Struktur der katholischen Kirche kam uns da sehr zugute: Der Kardinal hat dazu aufgerufen, keine Gewalt zu üben, die Priester haben das aufgegriffen und die Gläubigen ebenso. Jetzt bewundern auch buddhistische Mönche uns Katholiken und begegnen uns mit viel Sympathie und Respekt.

Wie reagierten die Spitzen der islamischen Glaubensgemeinschaft in Sri Lanka auf den Terror aus ihren Reihen?

Die muslimischen Autoritäten haben erkannt, dass es ihr Fehler war, zu den Aktivitäten terroristischer Gruppen in ihren Gemeinden zu schweigen. Nicht alle Muslime sind Terroristen, aber alle Attentäter vom Ostersonntag waren Muslime. Es muss ein Reinigungsprozess in Gang kommen. Als die Untersuchungen begannen, wurden Waffen in den Moscheen gefunden. Das war schockierend für uns.

Wie wurde die internationale Solidarität mit den Opfern auf Sri Lanka spürbar?

Hilfsorganisationen wie „Kirche in Not“ haben uns hier sehr viel geholfen. Wir sind im Land eine Minderheit, aber wir wissen, dass wir einer größeren Familie angehören. Menschen, die nie in Sri Lanka waren, beten und spenden für uns. So wurde die katholische Kirche zu einem Segen für alle Menschen Sri Lankas. Indem die Menschen auf die katholische Kirche blicken, hat eine innere Umkehr begonnen. Sie beginnen zu verstehen, was es bedeutet, als Christ zu leben.

Um den kirchlichen Einsatz für die Überlebenden der Terroranschläge und die pastorale Arbeit auf Sri Lanka weiterhin unterstützen zu können, bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
BIC: GIBAATWWXXX
Verwendungszweck: Sri Lanka

„KIRCHE IN NOT war die erste Organisation, die nach dem Bombenanschlag vor Ort war, und wir haben zugesagt, zu helfen“, erklärte der Direktor von KIRCHE IN NOT Philippinen, Jonathan Luciano, anlässlich der Mitte Juli erfolgten Wiederöffnung der Kathedrale in Jolo auf der gleichnamigen Insel im Süden der Philippinen. Das weltweite päpstliche Hilfswerk unterhält seit 2016 ein Nationalbüro in dem südostasiatischen Land.

In der Kathedrale „Unsere Liebe Frau vom Berg Karmel“ auf Jolo waren am 27. Januar 2019 zwei Bomben explodiert: eine während der Sonntagsmesse, eine weitere wenig später auf dem Parkplatz vor der Kirche. 20 Menschen verloren ihr Leben, über 100 Personen wurden verletzt. Auch das Kirchengebäude wurde schwer beschädigt. Die islamistische Terrororganisation Abu Sajaf hatte sich zu dem Anschlag bekannt.

Nur ein halbes Jahr nach dem Attentat ist die Kirche wieder geöffnet

Ein halbes Jahr später wurde die schwer beschädigte Kathedrale wieder eingeweiht – auch wenn die Sicherheitslage nach wie vor sehr angespannt ist, wie Jonathan Luciano beobachten konnte: „Polizei und Militär hatten den ganzen Stadtbezirk abgeriegelt, in dem sich die Kathedrale befindet. Doch das Gotteshaus selbst war voll. Besonders bewegend war, die Familien der Getöteten und die Überlebenden der Explosionen dort zu sehen.“

Die Feier leiteten der Apostolische Nuntius auf den Philippinen, Erzbischof Gabriele Caccia, sowie Orlando Kardinal Quevedo, emeritierter Erzbischof von Cotabato. „Der Nuntius versicherte den Menschen, dass die christliche Gemeinschaft bei ihnen ist: Sie werden nicht vergessen oder vernachlässigt“, berichtete Luciano. „Das zeige sich durch die finanzielle Hilfe und die Solidarität im Gebet auf der ganzen Welt.“

KIRCHE IN NOT unterstützt neben anderen Organisationen den Wiederaufbau maßgeblich und trägt zur Finanzierung des Kirchendachs und der -decke bei. Doch es gehe nicht nur um den Aufbau der Gebäude, betonte Luciano: „Wir waren zwei Wochen nach dem Anschlag vor Ort. Mit anderen Organisationen und den kirchlichen Mitarbeitern waren wir uns einig, wie wir auf die Krise reagieren sollten: Zuerst die christliche Gemeinschaft und dann die eigentliche Kirche wiederaufbauen.“

Deshalb stehen auch Rehabilitierungsprogramme für Terroropfer und deren Familien sowie interreligiöse Initiativen auf der Förderliste von KIRCHE IN NOT. So zum Beispiel auf der benachbarten Hauptinsel Marawi, wo es im Jahr 2017 zu schweren islamistischen Übergriffen kam.

Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch: Dialog unabdingbar

Anders als der überwiegende Teil das Landes ist der Süden der Philippinen mehrheitlich muslimisch geprägt. Muslimische Milizen kämpfen seit Jahrzehnten für eine Autonomie. Diese wurde nach jahrzehntelangem Ringen weitgehend erreicht, indem die Regierung in Manila eine weitgehend autonome Region Bangsamoro ermöglichte. Die in der Folge durchgeführte Volksabstimmung Ende Januar 2019 fand weitgehend Zustimmung – bis auf Jolo, das als Heimat der Terroreinheit Abu Sajaf gilt. Die Anschläge auf die Kathedrale wurden als Reaktion auf die Abstimmung gesehen.

Dennoch stand die feierliche Wiedereröffnung ganz unter dem Zeichen der Versöhnung, berichtete Luciano. So habe der muslimische Gouverneur von Jolo am Ende der Messe ein Grußwort gesprochen und betont, dass nach der Wiedereröffnung der zerstörten Kirche auch der Dialog zwischen Christen und Muslimen wiederaufgenommen werden könne.

Auch der Direktor des philippinischen Zweigs von KIRCHE IN NOT warnt davor, dass sich die Zahl radikaler Muslime weiter erhöhen könnte, wenn die Kirche den Dialog nicht weiterführe: „Wir müssen die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen stärken. Wir können harmonisch zusammenleben. Das ist eine wichtige Botschaft für unsere Wohltäter. Ich hoffe, dass die Ereignisse von Jolo sie bewegen, verfolgten Christen auf den Philippinen zu helfen.“

Um die Arbeit und das Leben der Kirche auf den Philippinen weiter unterstützen zu können, bittet KIRCHE IN NOT um Spenden – online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

Empfänger: KIRCHE IN NOT
IBAN: AT71 2011 1827 6701 0600
Verwendungszweck: Philippinen

Das katholische internationale Hilfswerk KIRCHE IN NOT (ACN) hat im Rahmen seines Wiederaufbauprogramms für die christlichen Ortschaften in der irakischen Ninive-Ebene damit begonnen, Häuser von 41 Familien in der Stadt Bartella wieder zu errichten. Ungefähr 220 weitere Personen profitieren von diesem Projekt. Es ist die neueste Maßnahme im Aufbauprogramm von KIRCHE IN NOT. Die Stiftung hat bereits die Renovierung von mehr als 2.000 Häusern in der Region unterstützt.

Vor der Invasion des Islamischen Staates im Jahr 2014 war Bartella eine Stadt mit ca. 17.500 Einwohnern, die meisten von ihnen syrisch-orthodox oder syrisch-katholisch (3.500 christliche Familien, darunter ca. 12.300 syrisch-orthodoxe und 5.200 syrisch-katholische Einwohner). Als die Bewohner nach der Befreiung der Stadt im Jahr 2016 zurückkehrten, sahen sie, dass ihre Kirchen entweiht worden waren. An einer Kirchenwand war die schwarze IS-Fahne angebracht. Die Islamisten hatten die Wohnhäuser niedergebrannt, geplündert und beschädigt. So wollten sie verhindern, dass die Christen jemals wieder zurückkehren. Weitere Häuser wurden während der Befreiung durch Luftangriffe zerstört.

Am 5. Juni 2019 wurde in einem feierlichen Wortgottesdienst mit Gebeten auf Syrisch, einem aramäischen Dialekt, der Wiederaufbau in Bartella eingeläutet. Pater Andrzej Halemba, Sektionsleiter für den Nahen Osten bei KIRCHE IN NOT, verglich in seiner Ansprache die irakischen Christen mit den Familien des Alten Testaments deren Aufgabe es war, Jerusalem nach seiner Zerstörung wieder aufzubauen. Er bat die Anwesenden, für die Wohltäter von KIRCHE IN NOT zu beten. Anschließend segneten die Geistlichen Olivenbäume und verteilten einen an jede Familie. Die Olivenzweige symbolisieren die Hoffnung auf Frieden nach den vielen Jahren des Krieges – und dass diese Bäume, die in den Gärten der Familien gepflanzt wurden, reiche Früchte tragen.

Nach der Invasion des IS auf Mossul und die Ninive-Ebene im Sommer 2014 stellte KIRCHE IN NOT Nahrung, Unterkunft, Medikamente und Schulunterricht für vertriebene Christen bereit, die in Erbil und in anderen Orten Zuflucht gefunden hatten. Nachdem die Menschen nach der Rückeroberung nach Hause zurückgekehrt waren, begann die Stiftung mit dem Wiederaufbau von Häusern, Klöstern, Kirchen und anderen Strukturen. Bis Mai 2019 haben die Wohltäter von KIRCHE IN NOT über 42,6 Millionen Euro für die Menschen im Irak gespendet. Mehr Informationen über das Wiederaufbauprojekt finden Sie unter: www.irak-wiederaufbau.at

„Die Anschläge haben viele Leute an den Ausnahmezustand zu Zeiten des Bürgerkriegs erinnert. Die Bevölkerung und insbesondere alle Christen Sri Lankas stehen weiterhin unter Schock“, so das Fazit von Veronique Vogel. Genau vier Wochen nach den Terroranschlägen von Ostersonntag, die landesweit hunderte Tote und Verletzte zu verantworten hatten, hat sich die für das Land zuständige Asien-Projektreferentin von KIRCHE IN NOT (ACN) selbst ein Bild von der Situation vor Ort gemacht.

Sie berichtet von einer landesweit angespannten Lage, immer wieder aufkommenden Unruhen und Furcht: „Die Sicherheitsmaßnahmen in ganz Sri Lanka waren bei unserem Besuch sehr groß, Sicherheitskräfte und das Militär waren überall präsent. Insbesondere die christliche Bevölkerung hat weiterhin Angst. Es ist bekannt, dass an Ostersonntag mehr Attentäter beteiligt waren, als anschließend ermittelt und festgenommen werden konnten. Jeder weiß also ganz genau: Irgendwo da draußen laufen noch hochgefährliche Leute rum, die jederzeit wieder zuschlagen könnten.“

Derzeit appelliert der Erzbischof der Diözese Colombo, Albert Malcolm Kardinal Ranjith, an die Bevölkerung, Ruhe zu bewahren und keine Racheakte auszuüben. „Immer wieder spürte ich während der Reise, dass die Christen dankbar für die Worte ihres Erzbischofs waren und sie beherzigt haben“, stellt Veronique Vogel fest. Innerhalb weniger Tage hat eine kleine Delegation von KIRCHE IN NOT insbesondere die Regionen um die Hauptstadt Colombo und der Nachbarstadt Negombo besucht, wo die meisten der Anschläge auf Kirchen und Hotels stattfanden. „Mit der Reise wollten wir uns persönlich ein Bild vom Zustand der katholischen Gemeinden machen und ihnen unsere Solidarität versichern. Denn es waren ja ganz gezielt Christen, die Opfer des Terrors wurden“, so Vogel. „Uns ist wichtig, die Wohltäter von KIRCHE IN NOT aus erster Hand über die Lage vor Ort zu informieren, damit wir nicht vergessen, für Sri Lanka zu beten und dem Land unsere Unterstützung zukommen lassen können.“

Seit dem 21. Mai, genau einem Monat nach der Anschlagsserie, seien die Kirchen im Land wieder den Gläubigen zugänglich, doch viele Christen seien schwer traumatisiert, berichtet Veronique Vogel: „Viele haben mir erzählt, dass sie momentan Angst haben, in eine Kirche zu gehen oder sich fürchten, wenn sie Glocken erklingen hören. Ein bedrückendes Zeugnis davon, wie belastend die Erinnerungen an Ostersonntag für sie sein müssen.“ Dennoch konnte sie feststellen, dass die Erlebnisse viele Menschen, die selbst Opfer wurden oder Angehörige verloren haben, in ihrem Glauben bestärkt haben. „Die Leute verstehen zwar nicht, weshalb ausgerechnet ihnen in Sri Lanka solches Leid widerfahren ist, nachdem die Zustände die letzten Jahre verhältnismäßig ruhig waren. Aber sie haben einen immensen Lebenswillen und starken Glauben. Die Christen und alle Menschen in Sri Lanka wollen keinen Bürgerkrieg mehr, sondern sich für dauerhaften Frieden engagieren“, betont die KIRCHE IN NOT-Referentin.

Der Besuch eines Franziskaner-Konvents in Negombo habe Veronique Vogel besonders beeindruckt: Das Konvent befinde sich direkt gegenüber der katholischen Kirche St. Sebastian, wo bei den Anschlägen allein dort mindestens 100 Menschen getötet wurden. Die Franziskaner haben uns Videos mit schrecklichen Szenen vom Tattag gezeigt – und seien sie sofort nach den Explosionen zur Stelle gewesen, hätten sich um Verletzte gekümmert und Tote geborgen. „Trotz dieser traumatischen Erfahrungen sind sie aktuell ein Zeugnis gelebter Nächstenliebe, die sich ihren Glauben und ihre Hilfsbereitschaft nicht von Terror und Gewalt nehmen lassen.“

Der Inselstaat Sri Lanka liegt im Indischen Ozean und hat rund 22 Millionen Einwohner, darunter 70 Prozent Buddhisten, 12,5 Prozent Hindus, 9,5 Prozent Muslime und 8 Prozent Christen. Bei einer Serie von Anschlägen am Ostersonntag, 21. April 2019 kamen insbesondere in drei christlichen Kirchen und drei Hotels in der Hauptstadt Colombo, der Nachbarstadt Negombo und der an der Ostküste gelegenen Stadt Batticaloa zahlreiche Menschen zu Tode oder wurden schwer verletzt. Derzeit wird von landesweit mindestens 253 Toten und rund 500 Verletzten ausgegangen. Die Behörden machen eine lokale, radikal-islamistische Gruppierung und Dschihadisten für die Taten verantwortlich.

KIRCHE IN NOT hat in den letzten 15 Jahren über 8 Millionen Euro in Projekte in Sri Lanka investiert. Mit dem Geld wurden unter anderem der Bau christlicher Einrichtungen, Messstipendien für Priester, theologische Ausbildungen und die Anschaffung christlicher Literatur vor Ort finanziert. Nach den jüngsten Terroranschlägen wird sich KIRCHE IN NOT umso mehr für langfristige pastorale Hilfe im Land engagieren, damit die Wunden heilen und die Gemeinden wieder Hoffnung und Zuversicht erlangen können.

Bischof zur Lage nach den Anschlägen am Ostersonntag. „Das ganze Land steht unter Schock. Es ist eine Tragödie.“ So beschreibt Bischof Warnakulasurya Wadumestrige Devasritha Valence Mendis im Gespräch mit dem weltweiten katholischen Hilfswerk „Kirche in Not“ die Situation nach den Bombenanschlägen auf Kirchen und Hotels am Ostersonntag in Sri Lanka. Mendis ist Bischof von Chilaw, das 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt Colombo an der Westküste des südasiatischen Inselstaates liegt.

Nur rund 50 Kilometer sind es von Chilaw bis nach Negombo. Die dortige katholische Kirche „St. Sebastian“ ist einer der drei Orte, in denen während der Ostermesse Selbstmordattentäter Sprengsätze zündeten. Dies geschah nahezu zeitgleich auch in der St.-Antoniuskirche in Colombo, einem beliebten Wallfahrtsort, sowie im 250 Kilometer entfernten Batticaloa, wo es die protestantische Zinskirche traf.
„Die drei Kirchen waren voll von Gläubigen, schließlich war es Ostersonntag“, erklärte Bischof Mendis. In den Kirchen wurden die meisten Menschen getötet. Hinzu kommen die Opfer bei weiteren Sprengstoffanschlägen in drei Hotels in der Hauptstadt. Laut Polizeiangaben ist die Zahl der Toten auf mindestens 310 Menschen gestiegen. Ungefähr 500 Menschen wurden verletzt.

Alle Gottesdienste abgesagt

„Alle Kirchen im Land haben ihre Gottesdienste abgesagt“, teilte der Bischof mit. Die Gläubigen seien aufgefordert worden, sich nicht in Gruppen zu treffen, um weitere Anschläge zu verhindern. Es herrsche „allgemeiner Alarmzustand“, sagte Mendis. Medienberichten zufolge hat die Regierung Sri Lankas mittlerweile Ausgangssperren verhängt.

„Diese Angriffe kamen völlig unerwartet, zumal wir in den letzten sieben, acht Jahren sehr ruhig gelebt haben“, erklärte der Bischof. Auch das Zusammenleben der Religionen sei abgesehen von kleineren Zwischenfällen harmonisch gewesen. In Sri Lanka sind rund 68 Prozent der etwa 21 Millionen Einwohner Buddhisten, etwa 13 Prozent sind Hindus. Christen machen etwa 10 Prozent der Bevölkerung aus, etwa 1,3 Millionen Menschen sind katholisch. Der Anteil der Muslime liegt bei unter neun Prozent.

„Wir können diese brutale Gewalt nicht verstehen. Es sind Verbrechen gegen die Menschlichkeit“, sagte Bischof Mendis. „Unsere Osterfreude wurde uns brutal genommen. Der Ostersonntag wurde ein Tag der Trauer. Die Menschen weinen um ihre Angehörigen“. Am Dienstag nach Ostern werden zahlreiche der Getöteten bestattet. Die Regierung hat für den 23. April ebenfalls einen nationalen Trauertag ausgerufen.

Brüchige religiöse und politische Einheit

Nach wie vor hat sich keine Gruppierung zu den Bombenanschlägen bekannt. Die Regierung Sri Lankas macht die einheimische Islamistengruppe „National Thowheeth Jama‛aath“ (NTJ) verantwortlich. Die Behörden überprüfen auch, ob die Gruppe internationale Unterstützung hatte.

Sri Lanka war bis 2009 Schauplatz eines jahrzehntelangen Bürgerkriegs zwischen Tamilen und Singhalesen. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“ dokumentiert im Berichtszeitraum zwischen 2016 und 2018 mehrere Übergriffe auf religiöse Minderheiten von buddhistischen wie hinduistischen Extremisten. Signifikante islamistische Übergriffe nennt der Bericht nicht, weist aber darauf hin, dass „die religiöse Harmonie und Einheit im Land zerbrechlich“ seien. Die „tiefe Spaltung“ Sri Lankas sei „stark religiös geprägt“.

Obgleich die eigene Gemeinschaft am stärksten von den Anschlägen betroffen ist, weist Bischof Mendis zugleich darauf hin, dass unter den Toten und Verwundeten Menschen verschiedener Religionen sind. „Wir müssen uns dieser Situation mit Glauben und Mut stellen“, so der Mendis. „Dazu brauchen wir auch das Gebet und die Solidarität der Menschen weltweit, damit in unserem Land Frieden und Eintracht wiederauferstehen können.“

Weitere Hintergrundinformationen zur Lage in Sri Lanka liefert der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ von „Kirche in Not“: religious-freedom-report.org/de/pdf_de/?pais=1851. Den gesamten Bericht mit 196 Länderporträts gibt es unter: www.religionsfreiheit-weltweit.at

„Kirche in Not“ steht der christlichen Minderheit in Sri Lanka seit Jahren bei. So hat das Hilfswerk zum Beispiel den Wiederaufbau zerstörter Kirchen nach dem Bürgerkrieg unterstützt. Aktuell fördert „Kirche in Not“ unter anderem die kirchliche Bildungs- und Beratungsarbeit, Versöhnungsinitiativen zwischen den Volksgruppen und das kirchliche Leben in Pfarreien, Klöstern und Priesterseminaren. Diese Unterstützung gehen nach den Anschlägen intensiv weiter. Dazu bittet „Kirche in Not“ um Spenden – entweder online unter: www.kircheinnot.at oder auf folgendes Konto:

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Religiöse Gewalt nimmt zu – Attacke auf katholische Schule in Südindien. In Indien hat am 11. April ein „Wahlmarathon“ begonnen: Bis zum 19. Mai können etwa 900 Millionen Wähler abstimmen, wer sie in der ersten Kammer des Parlaments vertreten soll. Gute Chancen malen sich auch radikale hinduistische Kräfte aus. Seit 2014 stellt die nationalistische Partei BJP die Regierung. Sie könnte erneut zulegen.

Derweil verzeichnet Indien einen Anstieg religiöser Gewalt. Der Bericht „Religionsfreiheit weltweit“ des weltweiten päpstlichen Hilfswerks „Kirche in Not“ verzeichnet allein für die Jahre 2016 und 2017 mindestens 197 Getötete und über 4000 Verletzte bei Übergriffen auf religiöse Minderheiten.

Der jüngste Vorfall ereignete sich am 26. März 2019 in der katholischen Schule von Chinnasalem im südostindischen Bundesstaat Tamil Nadu, etwa 300 Kilometer südöstlich von Bangalore. Hinduistische Fundamentalisten stürmten die Schule „Little Flower“ und versuchten, die dort tätigen Ordensschwestern zu ermorden.

Über die Wahlen und die zunehmende religiöse Gewalt sprach Maria Lozano von „Kirche in Not“ International mit Weihbischof Theodore Mascarenhas aus Ranchi im Osten Indiens, dem Generalsekretär der Indischen Bischofskonferenz.

KIN: Bislang gab es fundamentalistische Angriffe auf Minderheiten eher im Norden Indiens. Jetzt aber hat die Gewalt auch im Süden des Landes zugeschlagen. Was ist der Grund dafür?

WEIHBISCHOF THEODORE MASCARENHAS: Im Bundesstaat Tamil Nadu hat der Fundamentalismus in den vergangenen Jahren zugenommen. Vor allem die evangelikalen und protestantischen Hauskirchen waren betroffen. Die katholische Kirche hat bislang noch nicht unter offenen Angriffen gelitten. Es gab allerdings kleinere Vorfälle: Zum Beispiel wurde vor zwei Jahren eine katholische Gemeinde an der Feier der Karfreitagsliturgie gehindert. Ich war nicht überrascht, dass jetzt auch Katholiken angegriffen wurden. Das Ausmaß des Übergriffs hat mich aber schon erschreckt.

Es muss auch ein großer Schock für die Franziskanerschwestern vom Unbefleckten Herzen Mariens gewesen sein, die die Schule in Chinnasalem seit 74 Jahren leiten. Wie ist die aktuelle Situation dort?

Es wurden bislang einige Personen im Zusammenhang mit dem Überfall verhaftet. Wir warten auf weitere Verhaftungen. Es geht für mich aber nicht so sehr darum, was jetzt im Einzelnen nach dem Vorfall passiert. Wir müssen uns vielmehr fragen, warum sich solche Vorfälle in einer zivilisierten Gesellschaft ereignen. Einige Gruppen schüren den Hass. Sie werden weder in den sozialen Medien noch im realen Leben gestoppt. Sie scheinen Schutz und Privilegien zu genießen. Sie erhalten politische Befugnisse. Das ist ein großes Problem. Diese Gruppen stellen keine Forderungen an uns oder beschuldigen uns nicht. Das Problem jedoch ist, dass die politischen Führer sie zu solchen Taten ermutigen.

Glauben Sie, dass die Zunahme der religionsfeindlichen Vorfälle mit den Wahlen zusammenhängen?

Es mag einen Zusammenhang geben. Ich denke aber, es ist ein langfristiges Problem. Wenn man einmal das „Monster“ des Zorns, des Hasses und der Gewalt freilässt, dann kann man es nicht mehr bändigen. Das ist meine Sorge. Alle, die den Hass verbreiten, müssen wissen, welchen Schaden sie der Gesellschaft zufügen und dass dies schwer kontrolliert werden kann. Wenn es nicht mehr unter Kontrolle ist, dann haben wir ein großes Problem.

Aber dieses Problem fügt schon jetzt den Minderheiten in Indien schweren Schaden zu …

Ja, es sind Minderheiten. Aber ich denke an den Ausspruch, der einem evangelischen Pfarrer aus Deutschland zugeschrieben wird: „Als die Nazis die Sozialisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Sozialist. Als sie die Gewerkschafter holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Gewerkschafter. Dann holten sie die Juden, und ich habe geschwiegen; ich war ja kein Jude. Dann holten sie mich – und es war niemand mehr übrig, der protestieren konnte.“ Es beginnt immer mit einer Minderheit und dann mit einer zweiten und so weiter …. Derzeit werden in Indien die Muslime angegriffen. Die Dalits (unterste Kaste in der hinduistischen Gesellschaft; Anm. d. Red.) werden angegriffen. Auch wir Katholiken werden angegriffen. Wir wissen nicht, wer der Nächste sein wird.

Heißt das, dass der nationalistische Fundamentalismus, den die politische Führung unterstützt, am Ende ganz Indien schaden wird?

Ich muss eines klarstellen: Die Mehrheit der Hindus und die Mehrheit der Inder sind tolerant. Wir leben seit Jahrhunderten zusammen. Indien hat eine multikulturelle, multireligiöse und vielfältige Gesellschaft. Jetzt erleben wir plötzlich die Situation, in der bestimmte Gruppen stärker werden und diesen Hass verbreiten. Das ist inakzeptabel. Denn am Ende ist es die ganze Nation, die darunter leidet.

Herrscht jetzt Angst unter den Christen nach den wiederholten Übergriffen?

Ich habe die Ordensschwestern in Chinnasalem gefragt: „Haben Sie Angst?“. Die Antwort: „Nein, wir werden unsere Arbeit fortsetzen.“ Das ist unsere Haltung: Wir werden unsere Arbeit fortsetzen. Wir werden weiterhin den Ärmsten der Armen dienen. Wir wissen, dass uns das Schwierigkeiten, Verfolgung und Leiden bringen wird. Aber wir werden weiter unser Werk für die Armen und für Gott tun.

Glauben Sie, dass manche Gruppierungen die kirchlichen Einrichtungen deshalb angreifen, weil sie mit den ärmsten und sozial diskriminierten Menschen arbeitet?

In meiner Muttersprache gibt es ein Sprichwort: „Man wirft Steine nur auf einen Baum, der Früchte trägt.“ Einige Gruppen mögen offensichtlich nicht, dass wir den armen Menschen dienen. Ich denke, das ist der wahre Grund, warum sie uns angreifen.

Am 27. Januar 2019 explodierten zwei Bomben in der Kathedrale von Jolo auf dem Sulu-Archipel zwischen Mindanao und Borneo, die 23 Menschen töteten und 112 weitere verletzten. Auf diese Tragödie folgte am 30. Januar ein Granatenangriff auf eine Moschee in Zamboanga im Westen der Insel Mindanao. Pater Sebastiano d’Ambra, Missionar des Päpstlichen Instituts für Auslandsmissionen (PIM), der sich seit 40 Jahren im Süden der Philippinen für den interreligiösen Dialog engagiert, erzählt in einem Interview mit der Päpstlichen Stiftung KIRCHE IN NOT, wie die Situation in dem Land mit der meisten Katholiken auf dem asiatischen Kontinent erlebt wird.

KIRCHE IN NOT:
 Pater D’Ambra, können Sie uns erzählen, wie der Anschlag vom 27. Januar vor Ort wahrgenommen wurde?

Pater D’Ambra: Selbstverständlich hat uns die Gewalt des Anschlags schockiert und auch die Tatsache, dass das Ziel ein heiliger Ort war. Leider reiht sich dieser Gewaltakt in einen Kontext wachsender Spannungen in der Region ein. In den letzten Jahren hat der Radikalismus zugenommen und die christliche Minderheit auf der Insel Jolo (1% der Gesamtbevölkerung von 120.000 Einwohnern der Insel Jolo) ist nicht das einzige Opfer; es gibt auch Muslime, die zu mir kommen und sagen: „Pater, wir werden ebenfalls bedroht, weil wir nicht die gleiche Art Muslime sind wie sie.“

KIRCHE IN NOT: Drei Tage nach dem Anschlag auf die Kathedrale hat eine Granate in einer Moschee in Zamboanga auf den Südphilippinen, wo Sie arbeiten, zwei Menschenleben gefordert. Haben Sie Angst, dass es zu einem interreligiösen Konflikt kommt?

Pater D’Ambra: Meiner Meinung nach besteht keine Verbindung zwischen den beiden Anschlägen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Christen ihre Toten rächen wollen, indem sie eine muslimische Kultstätte angreifen. Andererseits glaube ich schon, dass es sich wieder um das Werk jener extremistischen Gruppen handelt, deren Gewalt zunimmt und die Verwirrung stiften wollen. Sie sind es, die Christen und Muslime voneinander trennen wollen. Sie nutzen die Situation, um im ganzen Land Chaos zu verursachen und das Gleichgewicht in Frage zu stellen. Ein Gleichgewicht, das zu einem großen Teil auf den Beziehungen zwischen Gläubigen verschiedener Religionen beruht.

KIRCHE IN NOT: 
Laut den Behörden wird zurzeit jedoch der Kampf gegen den islamischen Terrorismus sukzessive gewonnen, teilen Sie diese Einschätzung?

Pater D’Ambra: Nein, überhaupt nicht. Leider kommt es zu interreligiösen Spannungen. Dass Führer extremistischer Gruppen hingerichtet wurden, bedeutet noch lange nicht, dass die philippinische Regierung den Krieg gewinnt. Dies zu glauben, wäre ein Fehler. Ich weiß sehr wohl, dass die Armee alles in ihrer Macht Stehende tut, um diese Gruppen zu kontrollieren. Aber ich glaube nicht, dass das ausreicht. Gruppen wie der Islamische Staat, Maute oder Abu Sayyaf haben ein gemeinsames Ziel: Sie wollen Probleme im Land verursachen, und sie können in den kommenden Jahren an Macht gewinnen. Ich sage nicht, dass wir in Angst leben müssen, aber wir müssen realistisch sein, und ich glaube nicht, dass sie besiegt sind. Ich glaube, dass sie weiterhin die Freundschaft auf die Probe stellen werden, die uns mit unseren muslimischen Nachbarn verbindet.

KIRCHE IN NOT: Haben Sie den Eindruck, dass Sie um Ihr Leben bangen müssen?

Pater D’Ambra: Na ja, wissen Sie: Ich lebe seit vierzig Jahren hier. Ich hätte deshalb schon lange Zielscheibe werden können – sogar mehrfach, würde ich sagen. Insbesondere einmal, als ich in eine Falle gelockt wurde. Die für mich bestimmte Kugel tötete einen meiner Freunde. In dieser Zeit vermittelte ich mit den muslimischen Rebellen. Dass ein Priester fast drei Jahre lang mit diesen Gruppen sprach, war eine ungewöhnliche Erfahrung. Wir hatten es geschafft, ein Verhältnis gegenseitigen Respekts herzustellen. Ich nehme an, dass die Vorstellung, dass ein einziger Priester mehr als tausend Soldaten für den Frieden leisten könnte, diejenigen überrascht haben muss, die das Ende des Konflikts nicht wollten. Diese Haltung erleben wir auch heute. Einige Muslime sagen uns, dass unsere Programme für den Dialog zwischen Christen und Muslimen nicht nach dem Geschmack von Extremisten sind.

KIRCHE IN NOT: Möchten Sie zum Schluss eine Botschaft aussprechen?

Pater D’Ambra: Habt keine Angst! Glaubt mir, die Liebe ist stärker als der Hass! Ich danke KIRCHE IN NOT für ihre Nähe zu den Christen, die sich auf der ganzen Welt in Not befinden. Ich bitte alle Christen, den Dialog in ihrem eigenen Umfeld zu fördern, um aus der Logik des Konflikts auszubrechen.

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